KARLSRUHER NEUE ZEITUNG Brschetnungsweis«! Täglich, außer Donnerstag und Sonntag. Redaktion, Verlagsabteilung und Drude? Karlsruhe, Waldstraße 28. Telefon Nr. 922/923 (Dringend Presse). Anzeigenannahme und Vertrieb: Karlsruhe, Kaiserstraße 69, Telefon 6649; Durlach, Pfinztal- ■traße 49, Ettlingen, Leopoldstraße 5, Telefon 36, Buchhandlung Löhner» Bezugspreis monatlich DM 2.40 einschließlich Trägergebühr, Postzustelluhg DM 2.20 zuzüglich Zustellgebühr. — Anzeigenpreise Die sechsgespaltene. *b mir breite Millimeterzeile Millimeter-Grundpreis DM —.80, iin übrigen siehe zur Zeit gültige Preisliste Nr. 3 a. — Postscheckkonto: Postscheckamt Karlsruhe Nr. 80 535. 3. Jahrgang / Nr. 18 Karlsruhe, Dienstag, 25. Januar 1949 Einzelpreis 20 Pfennig Kämpfe in Nord-China lassen nach Erlasse Tschiangkaischeks widerrufen — Kommunisten und Nationalisten arbeiten zusammen Briten wollen Friedensverträge GREENOCK, 24. Jan. (DENA-REU- TER). Die britische Politik zielt darauf hin, Friedensverträge mit den besiegten Nationen abzuschließen, erklärte hier der britische Staatsminister Hec- tor McNeil am Sonntag in einer Rede. Großbritannien wünscht normale internationale Verhältnisse, kollektive Sicherheit und einige Abrüstungsmaßnahmen, darunter eine durch internationale Abmachungen festgelegte Kontrolle der Atombombe. Großbritannien habe seine Streitkräfte von 8 Millionen Mann auf etwas über 800 000 reduziert, betonte McNeil. Die sowjetischen Streitkräfte beliefen sieh dagegen wahrscheinlich auf vier Millionen Mann. Die Sowietunion beschuldige jedoch Großbritannien, Kriegshetze zu treiben. Frankreich erkennt Israel an PARIS, 24. Jan. (UP) Die französische Regierung beschloß am Montag die de facto-Anerkennung der Regierung von Israel. Daneben forderte die französische Regierung Israel auf, eine klare Definition zu geben, welche Grenzen es für den jüdischen Staat fordere. Ein Sprecher des französischen Außenministeriums gab bekannt, daß Besprechungen zwischen leitenden Beamten des Außenministeriums und Maurice Fischer, dem Vertreter Israels, hier aufgenommen worden seien, äußerte sich jedoch nicht genauer über deren Inhalt. Parlamentswahlen in Israel TEL AVIV,* 24. Jan. (DENA-REU- TER) Am Dienstag finden in Israel die ersten Parlamentswahlen statt. Die Straßen Tel Avivs waren am Vortags mit Wahlplakaten übersät. und die Geschäftsinhaber können ihre Schaufenster nur mit Mühe von Wahlaufrufen der verschiedenen Parteien freihalten. Allgemein wird angenommen, daß die Arbeiterpartei (Mapai) unter Führung von Ministerpräsident David Ben Gurion und Außenminister Mosche Scher- tok als stärkste Partei aus der Wahl hervorgehen wird. Die arabischen Einwohner Israels haben drei Wahllisten eingereicht. Eine gemeinsame jüdischarabische Liste wurde allein von den Kommunisten vorgelegt. Überwachung derUN-Beobachter TEL AVIV, 24 Jan. (UP) Im Hauptquartier der Palästina-Kommission der Vereinten Nationen entdeckte ein UN- Beobachter in den Wänden und unter den Betten eingebaute Mikrophone. Dazu wird mitgeteilt, daß man davon überzeugt ist, daß diese Abhöranlagen von Juden installiert wurden. Kaum war dies bekannt, als israelische Stellen erklärten, unter den UN-Beobach- tern befänden sich Offiziere, die für die Araber Spionagedienste leisteten. Außerdem wurde betont, daß die meisten UN-Beobachter Antisemiten seien. Ein amerikanischer UN-Beobachter nahm sofort zu diesen Beschuldigungen Stellung und bezeichnete sie als völlig falsch. Jeder, der sich jedoch nur eine Woche lang die Behandlung durch israelische Liaison-Offiziere gefallen lassen müsse, müßte innerhalb kürzester Zeit pro-arabisch werden. USA geben Stützpunkt zurück SAN JUAN (Puerto Rico). 24. Jan. (UP) In einer gemeinsamen Bekanntmachung der amerikanischen Armee und der Luftstreitkräfte wurde mitgeteilt, daß arrt Dienstag der während des Krieges von den amerikanischen Streitkräften benützte Stützpunkt Ro- chambeau bei Cayenne (Französisch Guyana) Frankreich zurückerhält. Sie wollten ein Schiff sprengen ROM. 24. Jan. (DENA-AFP) Italienische Polizei deckte einen geplanten Anschlag auf die im Rahmen des italienischen Friedensvertrages an die Sowjetunion auszuliefernden italienischen Kriegsschiffe auf. Wie dazu bekannt wird, hatten Studenten den Plan geschmiedet, das Marineschulschiff „Colombo“ in die Luft zu sprengen. Zwei ehemalige Marinesoldaten, die der neofaschistischen „Sozialen Bewegung Italiens“ angehören, wurden im Besitz von sieben Kilogramm Explosivstoff an der Mole, wo die „Colombo“ vor Anker liegt, angetroffen. Nach einer Meldung der Zeitung „Giornale d’Italia“ gestanden sie die Absicht ein. die „Colombo“ zu zerstören. Im Bahnhof von Rom wurden weitere Jugendliche verhaftet, die in ihren Koffern Explosivstoff mit sich führten. Die Untersuchungen sind noch im Gang. WpH- Ru n rlsrh *? n BUKAREST. Die rumänische Regierung beschloß, Polizei und Gendarmerie durch eine Miliztruppe zu ersetzen. — MOSKAU. 'UP). Radio Moskau erklärte, der Weltgewerkschaftsbund werde trotz Ausscheidens der amerikanischen, britischen und holländischen Gewerkschaften weiterbebestehen. — KAIRO. Die ägyptische Regierung Unterzeichnete ein Dekret, das die Todesstrafe für den illegalen Besitz von Waffen und Explosivstoffen vorsieht. — SCHANGHAI. (UP). 10 000 Friseure sind hier in den Streik getreten, weil sie von den Ladenbesitzern keine Neujahrgratifikation erhalten haben. (AH« sieht gezeichneten Nachrichten: DENA) NANKING, 24. Jan. (UP) Während die Bemühungen im Gange sind, eine Konferenz zur Beilegung des 21jäh- rigen Zwistes zwischen den Nationalisten und Kommunisten zustandezubringen, ist an den weitläufigen Fronten nördlich des Jangtse praktisch schon eine Waffenruhe eingekehrt. Die vorliegenden Berichte verzeichneten am Montag keinerlei Kampftätigkeit. Der amtierende Präsident Li Tsung Jen hat die antikommunistische Propaganda des Kuomintang eingestellt, Regierungsflugzeuge werfen Tausende von Flugblättern mit Friedensappellen über dem kommunistischen Territorium ab. Zu den vom Präsidenten verfügten politischen Reformen gehören u. a. die Aufhebung der vom Tschiangkaischek- Regime verordneten Beschränkung der bürgerlichen Rechte, die Beseitigung des Kriegsrechtes, die Freilassung politischer Gefangener, die Auflösung der Geheimpolizei und die Wiederherstellung der Pressefreiheit. Nach Pressemeldungen, die jedoch von kommunistischer Seite noch nicht bestätigt wurden, sollen die Kommunisten Pei- ping als Verhandlungsort für die Friedenskonferenz vorgesehen und den bekannten Kommunistenführer Chou En Lai zu einem ihrer Delegierten ernannt haben. Im Norden arbeiten die Kommunisten und Nationalisten bei BOCHUM, 24. Jan. (DENA). Zu Beginn des vierten Verhandlungstages im Bochumer Demontage-Verweigerer- Prozeß erklärte u. a. Direktor Franz Müser vom Bochumer Verein als Zeuge, der Stirling-Befehl sei nicht auf einem Befehlsformular mit dem Kopf der Militärregierung ergangen. Müser, der die Bedeutung der Gesenkschmiede des Bochumer Vereins für die deutsche Wirtschaft darlegte, sagte ferner aus, daß die britisch- amerikanische Hoffman - Kommission zur Nachprüfung der Demontagen der Direktion des Bochumer Vereins versprochen habe, sich für die Erhaltung der Gesenkschmiede einzusetzen. Da der Bescheid der Kommission über das Schicksal der Gesenkschmiede noch nicht vorliege, habe die Militärregierung kein Recht gehabt, die Demontage der Gesenkschmiede anzuordnen. Die Direktion des Bochumer Vereins werde sich weiter für die Erhaltung des Werkes einsetzen. Die von der Verteidigung am Freitag gestellten Anträge, Marschall Soko- lowski und den britischen Generalstaatsanwalt Shawcross als Zeugen zu vernehmen, lehnte das Gericht ab. Der Leiter des Arbeitsamtes Essen, Direktor Arthur Fritsch, sagte als Zeuge aus, die Angeklagten hätten sich nach der Verlesung der Arbeitsverpflichtung zunächst ablehnend verhalten. Es sei ihnen dann jedoch erklärt worden, daß die Verpflichtung lediglich ihrem Schutz diene. Auf die Frage der Arbeiter, ob eine Lösung des Arbeitsverhältnisses möglich sei, habe er ihnen auf Ersuchen der anwesenden englischen Herren gesagt, daß nach den bisher geltenden Bestimmungen der Arbeitsplatz gewechselt werden könne. Erst am 19. Januar seien Richtlinien der Militärregierung ergangen, in denen die Frage der Behandlung von Arbeitsplatzverpflichtungen durch die Militärregierung geregelt wird. Vorher sei in solchen Fällen das geltende deutsche Arbeitsrecht angewandt worden. Da bei Kündigungen im gegenseitigen Einverständnis die Genehmigung des Arbeitsamtes nur formaler , Natur sei, habe das Arbeitsamt der am 10. Januar erfolgten Entlassung zugestimmt. Das Arbeitsverhältnis gelte ^in dem Konferenz der skandinavischen Premier-, Außen- und Verteidigungsminister gab am Montag laut Reuter bekannt, daß „die drei skandinavischen Länder den festen Beschluß gefaßt haben, ihre Freiheit, ihre Unabhängigkeit und ihre Demokratie mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln gegen jeden Angriff zu verteidigen“. „Im Hinblick auf dieses Ziel“, heißt es in der Erklärung weiter, „haben sie bereits umfangreiche Opfer gebracht und werden sie auch in der Zukunft bringen. Unter bestimmten Umständen könnte es möglich sein neben der freien skandinavischen Verteidigungsunion einen gegenseitigen Pakt als regionales Sicherheitsabkommen im Rahmen der Vereinten Nationen einzugehen. Ein solches Abkommen könnte die Koordinierung der Verteidigungspläne, der militärischen Streitkräfte und der Kriegsmaterialproduktion ln der Wiederherstellung der telegraphischen Verbindung zwischen Peiping, Tientsin und Kalgan zusammen. Es sind Vorbereitungen im Gange, die Telegraphenverbindung auf die Mandschurei auszudehnen. Die nationale Luftfahrt-Gesellschaft gab bekannt, daß ihre Flugzeuge in Kürze die Flüge zwischen Peiping und Nanking sowie Schanghai wieder aufnehmen würden. In Regierung'skreisen gibt man zu verstehen, daß man sich mit der Lage der besiegten Partei abgefunden hat und den Frieden um jeden Preis mit Ausnahme der bedingungslosen Kapitulation akzeptieren wird. T. V. Sung, der Schwager Tschiangkaischeks und ehemaliger Gouverneur der Provinz Kwantung, hat sich ebenfalls aus dem politischen Leben zurückgezogen. Er traf am Montagvormittag mit dem' Flugzeug aus Kanton kommend in Hongkong ein und reiste sofort in sein in der Renulse-Bucht gelegenes Heimatdorf weiter. Nach seiner Meinung über die Zukunft Chinas befragt, deutete Sung nur auf die scheidende Sonne und sagte: Glänzend. Munitionslager exDlodiert NANKING, 24. Jan. (UP) In einer Rüstungsfabrik außerhalb von Nanking explodierte ein Munitionslager, wodurch außerordentlich hohe Verluste Augenblick als gelöst, zu dem der Arbeiter um Entlassung nachsuche. In dem zur Verhandlung stehenden Fall gelte die Entlassung ab 10. Januar, elf Uhr, unabhängig davon, daß die Arbeitspapiere aus technischen Gründen erst später ausgehändigt worden seien. — Demgegenüber vertrat der Ankläger die Ansicht, das Arbeitsverhältnis gelte erst nach Zustimmung des Arbeitsamtes als gelöst und die Angeklagten hätten sich der unberechtigten Arbeitsniederlegung schuldig gemacht. Reimann-Prozeß erneut vertagt DÜSSELDORF, 24. Jan. (DENA). Der Prozeß gegen Max Reimann vor dem britischen Militärgericht wurde erneut und zwar von Donnerstag dieser Woche auf den kommenden Montag vertagt. Die Vertagung wurde damit begründet, daß der britische Verteidiger Mr. Dudley Collard aus London neben dem deutschen Rechtsanwalt Dr. Heckert herangezogen werden soll. STUTTGART, 24. Jan. (SAZ) In einer stark besuchten Versammlung des Vereins der Mitarbeiter des Befreiungsgesetzes (VMB) protestierten zahlreiche ehemals bei der Entnazifizierung tätigen Personen gegen die schleppende Behandlung der Durchführung des Gesetzes 917 durch die Staatsregierung, das die Ueberführung dieser Personen in Berufe des öffentlichen Dienstes sowie die Gewährung von Uebergangs- geld regelt. Der Vorsitzende der Vereinigung, Arthur Ketterer. der auch im dritten Schacht-Prozeß als Kläger fungieren wird, berichtete über den derzeitigen Stand des Gesetzes, das schon seit zwei Monaten vom Kabinett behandelt werden sollte. Da der Ministerpräsident es abgelehnt habe, eine Delegation des VMB zu empfangen, habe sich der Verein gezwungen gesehen, sich direkt an die Militärregierung mit der Bitte um Intervention zu wenden. In seinem Referat erklärte er den drei Ländern umfassen und eine militärische Solidarität in Skandinavien herbeiführen. Es muß klar sein“, heißt es weiter, „daß die an der skandinavischen Verteidigungsunion beteiligten Mächte in der Lage sein werden, das für den Aufbau und die Erhaltung ihrer Veiteidigung notwendige Material zu erwerben.“ Aus den Besprechungen der Konferenz sei hervorgegangen, daß in der „Auslegung“ der Bedingungen und Konsequenzen eines Paktes „Meinungsverschiedenheiten“ bestehen. Deshalb werde diese Frage in weiteren Besprechungen zwischen den drei Ländern erneut erörtert werden. Die Delegationen der skandinavischen Staaten werden am 29 Januar in Oslo erneut zusammentreten Bei diesen Besprechungen werden die Botschafter der skandinavischen Länder in London, Paris, Moskau und Washington zugegen sein. an Menschenleben zu beklagen sein sollen und eine Panik unter den Bewohnern dieser Gegend entstand. Rebellion in Nordkorea SEOUL, 24. Jan. (DENA - REUTER). Antikommunistische Rebellen haben das Hauptquartier der nordkoreanischen Volksarmee in Hai-Ju in der Nähe der Grenze zwischen Nord- und Süd-Korea besetzt. Der Ministerpräsident des amerikanisch besetzten Südkorea, Lee Buk Suk, erklärte einem Reuter-Korrespondenten, daß etwa 5000 Mann an den sich weiter ausdehnenden Kämpfen beteiligt sind. 18 Arsenale sollen zerstört und viele Gebäude niedergebrannt worden sein. Wahlen in Japan TOKIO, 24. Jan. fDENA-REUTER) Die Liberal-Demokraten haben bei den japanischen Wahlen, wie aus dem am Montag veröffentlichten amtlichen Endergebnis hervorgeht, 262 der 466 Sitze im Parlament erhalten. Auf die Demokraten entfielen 70, auf die Sozialisten 49, auf die Kommunisten 36. auf die kooperative -Volkspartei 13 und auf die kleineren Parteien und unabhängigen insgesamt 36 Sitze. Yoschida gegen Kommunisten TOKIO, 24. Jan. (UP). Ministerpräsident Schigeru Yoschida, dessen liberal-demokratische Partei im neuen Parlament über die Mehrheit der Stimmen verfügen wird, erklärte auf einer Pressekonferenz, er werde den Kampf gegen die Kommunisten mit allen Mittefh, die ihm zur Verfügung stehen,/durchführen. Er gab zu, daß er über den Stimmenzuwachs erstaunt sei, den die Kommunisten bei den Sonntagswahlen aufzuweisen hatten. Rückzug der Sowjets? LONDON, 24. Jan. (DENA-REUTER) Nach Ansicht politischer Kreise in Berlin sollen, wie der konservative „Daily Telegraph“ am Montag berichtet, zur Zeit von den Sowjets Pläne für einen Rüdezug ihrer Besatzungstruppen auf die Oder-Neisse-Linie erwogen werden. Der Plan soll noch vor dem kommenden Sommer verwirklicht werden, sofern die Entwicklung in Westdeutschland gewissen sowjetischen Erwartungen entsprechen wird. Auf sowjetischer Seite hoffe man auf eine zunehmende Unzufriedenheit der deutschen Bevölkerung in den Westzonen mit der tri- zonalen Politik. Vor dem Abzug soll eine kommunistische deutsche Schattenregierung eingesetzt werden, mit der die Sowjets einen Friedensvertrag und gegenseitigen Beistandspakt abschließen würden. protestieren Spruchkammer-Angehörige u. a., die politische Befreiung sei zwar äußerlich, aber nicht dem Geist und der Gesinnung nach erreicht worden. Es sei soweit gekommen, daß das Spruchkammerpersonal heute die ganze Last der Verantwortung allein zu tragen habe, während sich die politischen Parteien und führende Persönlichkeiten des Staates, die seinerzeit unermüdlich für die Mitarbeit am Gesetz 104 aufgerufen hätten, sich immer weiter davon distanzierten. Unter starkem Beifall erklärte Ketterer. die ehemaligen Spruchkammermitglieder, die zu 98 Prozent vorbildlich ihre undankbare Pflicht erfüllt hätten, seien nicht länger gewillt, zu warten, bis die Regierung sich bequeme, auf die Durchführung des Gesetzes zu drängen. Ketterer schilderte dann eingehend die Abneigung staatlicher, kommunaler und privatwirtschaftlicher Stellen, die im Höchstfälle 1000 Menschen umfassende Personengruppe ehemaliger Spruchkammerangehöriger einzustellen. In diesem Zusammenhang erklärte er, am meisten Schwierigkeiten bereite die Unterbringung im Landwirtschafts-, Wirtschafts- und Kultusministerium und besonders bei der Stadt Stuttgart. In einer entsprechenden Resolution wurde der Ministerpräsident ersucht, den berechtigten Forderungen der ehemaligen Spruchkammer - Mitarbeiter Rechnung zu tragen. fz. Reisemarken und Tageskarten FRANKFURT, 24. Jan. (DENA) In der Bizone werden am 1. Februar neue Reisemarken ausgegeben, die von Februar bis Mai 1949 gültig sind. Die Streifenmarken mit dem Aufdrude 122/ 124 verlieren ebenso wie die gleichlautenden Kleinabschnitte der Januar- Februar-Lebensmittelkarten erst mit Ablauf des 31. März 1949 Ihre Gültigkeit. Dagegen verfallen die Kupfer- tlefdruck-Reisemarken und die Tageskarten, beide mit dem Aufdrude XI 48 bis II 49, bereits mit Ablauf des 28. Februar 1949 Neue Tageskarten werden ebenfalls mit Wirkung vom 1. Februar 1949 elngeftthrt 30 Cents-Kurs „neue Situation" FRANKFURT, 24. Jan. (DENA) Dia VELF wird in Kürze zu der, angekündigten Anrechnung der Lebensmittelimporte zum 30-Cent-Kurs Stellung nehmen, erklärte hier ein Sprecher dieser Verwaltung. Im Augenblick sei eine Stellungnahme noch nicht möglich, da die Anordnung der Militärregierung eine „völlig neue Situation“ schaffe und so weitreichende Fragen aufvfrerfe, daß ihre Auswirkungen erst nach einer sorgfältigen Prüfung des gesamten Problems übersehen werden könnten. Der Spiecher wies weiter darauf hin, daß der neue Umrechnungskurs den Brotpreis um 20 Prozent erhöhen werde und daß unter diesen Umständen möglicherweise neue Lohnforderungen erhoben werden könnten. * D-Mark und schweizer Franken BERLIN, 24. Jan. (UP) Ein Sprecher der amerikanischen Militärregierung hob die innere Gesundheit der D- Mark hervor. Als Anzeichen einer günstigen Entwicklung nannte er die ansteigende Produktivität der deutschen Arbeitskraft, die Abnahme des Fernbleibens vom Arbeitsplatz und das Fallen der Preise. Bei einem Vergleich der Kaufkraftparitäten der D-Mark und des schweizer Franken stellte der Sprecher fest, daß neun Warenklassen in Frankfurt billiger als in der Schweiz seien. Sechs weitere seien in der Schweiz billiger. Der Sprecher wandte sich gegen eine seiner Meinung nach bestehende Unterbewertung der D- Mark in der Schweiz, welche nicht die wirtschaftlichen Relationen widerspiegle. So seien am 17. Januar hundert deutsche Mark in Zürich mit 30 schweizer Franken bewertet worden, während die legale Austauschrate für hundert D-Mark 120 sfr. betrage. Deutschestaatsbeamte nach USA BERLIN, 24. Jan. (UP) Am Mittwoch werden sieben Staatsbeamte aus West-' deutschland sich zu einem sechsmonatigen Informationsaufenthalt nach den USA begeben. Es handelt sich um Gerhard Müller, Direktor der Staatskanzlei von Württemberg-Hohenzol- lern, Friedrich Peimann. Stellvertreter des Senatspräsidenten von Bremen, Dr. Karl M o m m e r. Angehöriger des Friedens-Büros in Stuttgart, Dr. Horst Pommering, Rechtsanwalt in Frankfurt. Karl H. Knapp- stein, Leiter des Pressebüros des Wirtschaftsrates, Anna Beyer, von der Verbindungsstelle des Länderrates zu den Ministerpräsidenten, und Dr. Rolf May, Berlin, persönlicher Assistent Dr. Friedensburgs. Privatspenden aus Amerika NÜRNBERG, 24. Ja* (DENA) Private US-Hilfsorganisat^pen haben seit 1946 Lebensmittel, Kleidungsstücke und Gebrauchsgegenstände im Werte von über 33 500 000 Dollar für die amerikanische Zone zur Verfügung gestellt, teilte die Abteilung öffentliche Wohlfahrt bei der US-Militärregierung für Deutschland mit. Ein Sprecher der US- Militärregierung bezeichnete dies als „die größte freiwillige Hilfeleistung der Geschichte“. Bananendiät für Ostzonenkinder FRANKFURT, 24. Jan. (DENA) Eine Eilsendung von 48 Dosen Bananen- Flocken traf mit einer Maschine der American-Overseas-Airlines aus New York am Samstag in Frankfurt ein und wurde sofort an vier Kinder im Berliner Ostsektor und in Dresden weitergeleitet, die an einer seltenen Verdauungsstörung ernstlich erkrankt sind und nur durch Bananen-Diät am Leben gehalten werden können. Die Bananenflocken, die den Nährwert von mehreren tausend Kisten frischer Bananen enthalten und unbegrenzt haltbar sind, wurden vom freiwilligen Hilfsdienst amerikanischer Frauen in Frankfurt angefordert und von der American-Overseas-Airlines gespendet. über 100 Personen zum Verhör FRANKFURT, 24. Jan. (UP). Das Hauptquartier der hier stationierten amerikanischen Luftstreitkräfte gab bekannt, daß im Zusammenhang mit der Aktion gegen den internationalen Schmugglerring über 100 Personen verhört werden sollen. Darunter befinden sich 35 amerikanische Staatsbürger. Die Namen der sieben führenden Personen des Schmugglerrings sind: Wilhelm und Sarah Pepper, Schmarl Lippses, Wul Abramowitsch, Michael Slesin, David Honig und Karl Melder. Fälscherbande gefaßt BERLIN, 24. Jan. (DENA) Der Berliner Kriminalpolizei ist es nach umfangreichen Ermittlungen gelungen, einer Fälscherbande auf die Spur zu kommen, die in letzter Zeit 20-D-Mark- Noten der Westwährung angefertigt und in den Verkehr gebracht hat. Bisher wurden sechs Personen verhaftet Die Mitglieder der Bande waren außerdem im Besitz eines Polizeidienstsiegels mit auswechselbarer Reviernummer und von Gummistempeln mit englischem Text zur Ausfertigung von Interzonenpässen. Mit weiteren Verhaftungen wird gerechnet Bochumer Direktor gegen Abbaubefehl Vierter Verhandlungstag gegen die Bochumer Demontageverweigerer Skandinavien ergreift Sicherheitsmaßnahmen Weitere Besprechungen zwecks Beilegung der Meinungsverschiedenheiten KOPENHAGEN, 24. Jan. (DENA) Die Spruchkammer-Angestellte Ketterer schildert Abneigung gegen ehemalige / (Mt* 1 1 Nummer 18 SAZ gier.sieg, den 28. Januar 194$ SüDOii^jpijftnemc Nummer 18 Dienstag, den 25. Januar 1949 Der wertvolle Pfennig FXR. Oer „Kulturpfennig" wird zunächst •inmal nicht erhoben. Das Gesetz wurde zwar aus formalen Gründen verkündet, zugleich aber seine Wirksamkeit ausgesetzt und der Staatsgerichtshof angerufen, die Verfasungsmäßigkeit zu prüfen. Wir zweifeln nicht daran, daß der Staats* gerichtshof unsere Auffassung, dieses Gesetz sei verfassungswidrig, bestätigen wird. Wir wollen der Entscheidung dieser höchsten Instanz nicht vorgreifen, aber wir glauben einfach nicht, daß unsere Meinung, der sich über eine halbe Million Bürger unseres Landes angeschlossen haben, falsch ist. Es wäre unrecht an der Objektivität des Staatsgerichtshofes auch nur im Leisesten zu zweifeln, weil er erst jetzt errichtet wurde. Daß die Nominierung der Mitglieder erst im Zusammenhang mit dem Kuiturpfenniggesetz erfolgte und daß der Landtag, der sozusagen Prozeßpartei sein wird, wenn das hohe Gericht seine Tätigkeit das erste Mai ausübt, die Mitglieder dieser Instanz nominiert hat (was •r laut Verfassung tun mußte) Ist nur ein Schönheitsfehler. Es Ist zu verstehen, daft die Regierung aus der peinlichen Lage einen Ausweg suchte, bei dem möglichst das eigene Ansehen und das des Landtages nicht leiden sollte. Ob das hier gelungen ist, wird sich tn der Zukunft zeigen. Wir glauben es nicht so ohne weiteres. Vielleicht wäre ein mutiges Eingeständnis des begangenen Fehlers besser gewesen. Das Kabinett hätte das Gesetz an den Landtag zurückverweisen können und dieser hätte die herrliche Gelegenheit gehabt, dem Volk zu beweisen, daß wir ein * verantwortungsbewußtes Parlament haben, In dem zwar auch einmal etwas fatsch gemacht wird — wie das überall vorkommt — In dem man aber einen Fehler auch einsieht und gutmacht. Wie das ja anderswo auch vorkommt. Auf diese Weise wäre das Vertrauen zwischen Volk und Landtag über die derzeitige Krise hinweg gefestigt worden. Darauf hat man verzichtet. Die Gründe sind leicht zu erraten: der andere Weg hätte politische Schwierigkeiten nach sich gezogen, die sich unter Umständen sogar In einer Kabinettskrise ausgewirkt hätten. So ging alles viel ruhiger, wenigstens nach außen hin. Und man gewinnt Zelt. Bis der Staatsgerichtshof entschieden hoben wird, gehen einige Wochen ins Land. Inzwischen beruhigen sich die Gemüter, es wächst Gras über die Geschichte und eines Tages wird dann in einem stillen Staatsbegräbnis das unrühmliche Kulturpfenniggesetz In die Gruft der Vergessenheit versenkt. So ungefähr mag man sich das vorgesteltt haben und so könnte es Ja auch sein. Es könnte, aber es kann nicht. Wir haben von allem Anfang an betont, daß es nicht nur um den Pfennig und die Frage geht, ob und von wem er bezahlt werden muß. In den Tausenden von Leserbriefen an die Zeitungen und mit den Hunderttausenden von Unterschriften hat das Volk nicht nur gegen diese Sondersteuer protestiert, weil es sie nicht bezahlen will. Das Gesetz in seiner verfasungswidrigen Form und die ganze Art, Gesetze zu machen, wie |le hier versucht wurde, war der Schwerpunkt unseres Protestes und wurde vom Volk unmißverständlich abgelehnt. Der Umweg über den Staatsgerichtshof gibt dem Volk'nun leider keineswegs die erforderliche Garantie, daß Landtag und Regierung aus der Geschichte gelernt haben und sich ein ähnlicher Vorgang nicht mehr wiederholen wird. Darum ging es aber in erster Linie und darum geht es auch weiterhin. Trotz des an sich also unerfreulichen Zwischenergebnisses in der Streitfrage um das Kulturpfenniggesetz wollen wir aber nicht verkennen, daß dieser nie bezahlte Pfennig außerordentlich wertvoll war und fst. Zunächst einmal haben wir — die unabhängige Presse — erkannt, daß wir viel wachsamer und mißtrauischer sein müssen, als wir es sowieso schon waren. Wir haben hier den Beweis dafür bekommen, daß das Volk eine freie Presse, die wie ein Wachhund die demokratischen Rechte hütet, braucht. Wir haben die viel wertvollere Erkenntnis, daß das Volk sehr lebhaft an der demokratischen Entwicklung Anteil nimmt und seinen Willen auf dem richtigen Weg über eine freie Presse seinen mit der Durchführung der Regierungsgeschäfte betrauten Dienern zur Kenntnis bringt. Wir wissen, daß diesen Regierenden dieses lebendige Kräftespiel einer von unten nach oben wirksamen Demokratie dringend nottut. Landtag und Regierung haben aus den Vorgängen der letzten Wochen sicherlich auch manches gelernt, was wertvoller ist als der umstrittene Pfennig. Wir zweifeln nicht daran, daß diese Erkenntnisse sich vor allem bei der Schaffung des Pressegesetzes, das die verfassungsmäßige Pressefreiheit garantieren muß, auswirken wird. Aus einem Fehltritt des Landtages wurde auf diese Art schließlich ein beachtlicher Schritt nach vorn ln Richtung auf eine demokratische Entwicklung. Daß nicht die Regierenden, sondern das Volk es dahin brachten, ist ein durchaus natürlicher Vorgang. So besehen ist — bei aller berechtigten Kritik am Geschehenen und bei allen notwendigen Konsequenzen, die noch kommen — der fragwürdige Pfennig doch sehr wertvoll und nützlich geworden. • % Öffentlichkeit und Rechtsstaat FXR. Ministerpräsident Dr. Reinhold Maier hat der Presse gegenüber erklärt, die Ueberwelsung des Kulturpfenniggesetzes an den Staatsgerichtshof sei ein Entgegenkommen an den Zeitungsverlegerverband. Wir seien ein Rechtsstaat und man habe sich bei dem eingeschlagenen Weg nicht von der Oeffentlichkelt beeindrucken lassen. (Siehe ’SAZ Nr. 13 vom 18. Januar). Das ^Entgegenkommen" freut uns. Herzlichen Dank auch. Aber eigentlich Ist die Prüfung eines Gesetzes auf seine Verfassungsmäßigkeit eine der ersten Pflichten. Diese Begründung — ohne das Entgegenkommen — wäre noch viel anerkennenswerter gewesen. Die Regierung ist nicht für die Zeitungsverleger, sondern für das Volk da. Nachdenklicher stimmt die Bemerkung, wir seien ein Rechtsstaat und man könne sich nicht von der Oeffentlichkelt beeindrucken lassen. Ist das denn unbedingt zweierlei? Muß die Oeffentlichkelt mit ihren Wünschen oder Forderungen im Widerspruch zu den Rechtsgrundlagen des Staates stehen? Natürlich kann das der Fall sein. Umgekehrt aber kann das, was Regierende für „Recht" erklären, auch einmal Unrecht sein, well das Volk es mit gutem Recht ablehnt. ln einer Demokratie regiert das Volk. Aus dieser Erkenntnis heraus haben auch die Väter unserer Verfassung die Kontrolle durch das Volk vorgesehen. Und weil das seine guten Gründe hat, fordern wir endlich die Ausführungsbestimmungen zum Artikel 58 der Verfassung. Wir wollen nicht mißverstanden werden. Niemand hat wohl Jetzt die Absicht, den Landtag aufzulösen. Aber das Volk will, daß seine Verfassung einen Sinn hat und angewandt wird. Es wili ferner, daß Landtag und Regierung sich der Verantwortung gegenüber dem Volk ständig bewußt sind. Mit klaren Richtlinien, die den Artikel 58 der Verfassung wirksam werden lassen, wird sich der Landtag vermutlich mehr Mühe geben, den Willen seiner Wähler zu erforschen und zu berücksichtigen. Das — und nur das, soli erreicht werden. Wir hoffen dabei, daß dieser Artikel 58 und seine Ausführungsbestimmungen nie gebraucht werden. Das wäre so lange der Fall, als Landtag und Regierung immer so handeln, daß die entscheidende Mehrheit des Volkes einverstanden und zufrieden ist. Sensationsprozeß in Paris Von usiirem FH-Frankreich-Korrespond*nt*n Viktor A. Krawtschenko Ist auch ln Deutschland längst kein Unbekannter mehr. Viele Jahre hindurch hatte er mit mehr oder weniger großer Hingabe als Beamter in einem der zahlreichen Ministerien in Moskau gearbeitet und war dann eines Tages an die Botschaft seines Landes in Washington versetzt worden. Dort aber lernte er die Welt und ihr Geschehen unter Aspekten kennen .die ihm bislang verschlossen geblieben waren. Er machte sich zahlreiche und neue Gedanken und kam dabei im Jahre 1944 zu dem Schluß, daß er seine Zeit und seine Arbeitskraft eigentlich einer schlechten Sache gewidmet habe. Er verließ die Botschaft eines Tages, um weder zu ihr noch sonst zum diplomatischen Dienst der Sowietunion zurückzukehren und tauchte, was nicht gerade schwierig ist, irgendwo in der Weite der Vereinigten Staaten von Amerika unter. In Moskau gab es ein Stirnrunzeln. Schließlich aber legte man auch den Fall Krawtschenko, der in seiner Art nichts Neues war, zu den entsprechenden übrigen Akten. Totalitäre Systeme müssen immer mit einem gewissen Schwund rechnen. So schien der Fall also erledigt zu sein. Aber er war es nicht, denn der Ausreißer hatte sich sofort daran gemacht, ein Buch zu schreiben. Es erschien unter dem Titel „Ich wählte die Freiheit“ und war eine scharfe und schonungslose Darlegung und Kritik der Mißstände in Rußland. Hier sprach jemand, der die Dinge aus eigener und nächster Anschauung kennen mußte. Das Buch wurde ein Welterfolg. Für den Kommunismus waren die Enthüllungen sehr peinlich. Sie totzuschweigen war nicht mehr möglich, sie zu widerlegen erschien nicht minder schwierig, zumal Polemiken oft die Heimtücke besitzen, die Oeffentlichkeit überhaupt erst auf Tatsachen hinzulenken, die sie möglicherweise bis dahin noch gar nicht bemerkt hat. In MÜNCHEN. (SAZ) Ein Streifzug durch die Geschehnisse Münchens, der zweitgrößten Stadt der Bizone, gleicht einem Kaleidoskop mit interessanten Licht- und Schattenfarben. München ist heute das Zentrum der in Westdeutschland lebenden Ausländer. Darüber hinaus aber auch Treffpunkt vieler dunkler Existenzen, die aus ausländischen Quellen sowie aus dem ertragreichen Hinterland manch nahrhafte und gewinnbringende Warenposten in teurere Regionen schaffen. Mit spürbarer Erleichterung lesen die Münchener jeden Monat die ständig steigenden Zahlen der Auswanderung von Ausländern und sogenannten DP’s. Das amerikanische Entgegenkommen, die Tatkraft der Regierungsstellen und jüdischer Verbände machen München zu einem Hafen, von dem sich aus dem deutschen Gefängnis heute am leichtesten der Weg in die Welt findet. Es geht kaum eine Woche zu Ende, in der nicht falsche Lebensmittelmarken und unechte Banknoten auf- tauchen. Erstaunlich groß ist die Zahl der Fälscher, denen die Polizei auf die Spur kommt. In den letzten Tagen wurde wieder ein ausländischer Chemiker verhaftet, der zusammen mit einer deutschen Laborantin beachtliche Mengen Lebensmittelkarten gefälscht und vertrieben hatte. Bei der Verhaftung zweier Männer fand die Polizei für 10 620 DM Falschgeldnoten. Der Quelle dieser Noten will di* Polizei schon auf die Spur gekommen sein. Kraftwagen sind ein gesuchter Artikel und die Bilanz einer Woche, die Festnahme von sieben Kraftfahrzeugdieben und Auffindung von 25 gestohlenen Wagen ist durchaus nichts Außergewöhnliches. solcher Verlegenheit geht man deshalb zum Angriff über. Diesen Angriff startete die vor einigen Jahren gegründete scharf linksgerichtete Pariser Wochenzeitung „Le* Lettres Francaises“ mit einem heftigen und aufgeregten Artikel. Ein angep- licher Sim Thomas schrieb darin unter Bezugnahme auf einen amerikanischen Geheimagenten daß das Buch „Ich wählte die Freiheit“ gar nicht von dem ehemaligen Diplomaten Krawtschenko stammen könne, da er des Schreibens unkundig sei. Krawtschenko habe gern gespielt und getrunken und sei auf diese Weise dem amerikanischen Geheimdienst in die Hände gefallen. Der Gedanke zu dem Buch stamme von den Agenten. Krawtschenko habe nur etwa sechzig Seiten unlesbares Zeug zusammengekritzelt, die übrigen tausend Seiten seien amerikanisches Machwerk. Soweit Sim Thomas in „Les Lettres Francaises“. Krawtschenko hat auf diese Veröffentlichung hirf Beleidigungsklage gegen die Pariser Wochenzeitung erhoben. Das war für ihn gar nicht einfach, weil nach französischem Recht ausländische Kläger eine Kaution in Höhe der vermutlichen Prozeßkosten stellen müssen; in diesem Fall handelt es sich um 1,7 Millionen Franken, was selbst beim schlechten Stand der französischen Währung eine ansehnliche Summe darstellt. Der Prozeß hatte ursprünglich am 29 Juni 1948 beginnen sollen, war aber aus verschiedenen Gründen ohne neue Terminangabe vertagt worden. Nun wurde die Eröffnung des Verfahrens für den 24. Januar angesetzt. Krawtschenko ist eigens zu seinem Prozeß nach Paris gekommen. Die beklagte Partei soll Zeugen aus Moskau geladen haben. In Paris sieht man dem Prozeß schon seit Monaten mit großer Spannung entgegen. Der Prozeßstoff enthält Elemente aus der Politik und aus der Pikanterie und könnte den Fall zu Die vor zwei Wochen gestartete Faschingszeit hat bisher den Gaststätten ein sehr schwaches Geschäft gebracht. Eine Umfrage der „Süddeutschen Zeitung“ ergab, daß in den meisten Lokalen das Personal zahlenmäßig vor der Kundschaft rangiert. Doch heuer dauert die Faschingszeit bis Anfang März, und so kann die Hoffnung der Stadtväter, viele Steuern durch hohen Alkoholverbrauch einzuheimsen, sich noch erfüllen Der Stadtkämmerer hat in dieser Woche Anleihen in Höhe von 6,12 Mill. DM aufnehmen müssen, um den ersten Nachtragshaushaltsplan 1948 decken zu können. Banken und Versicherungsanstalten sind Geldgeber. Die Münchener Straßenbahn, die dreißig im Krieg von Italien.gekaufte Straßenbahnzüge wieder abgeben muß, konnte zwölf „Italienerwagen“ für 200 000 DM neu erwerben. Der Rest muß aus Mangel an Kapital zurückgeführt werden. Eine lebhafte Diskussion hat der Beschluß des Stadtrates ausgelöst, die Verträge mit dem Ensemble des zweiten städtischen Theaters, dem Volkstheater, für die Spielzeit 1949/50 vorläufig nicht mehr zu verlängern. 800 000 blanke DM muß die Stadt zur Erhaltung dieser beiden Theater auf den Tisch legen. Wie erwartet, hat die Bayernpartei der Ankündigung zur Ueberführung von Radio München in deutsche Hände die Drohung folgen lassen, daß jetzt alle Preußen — 80 Prozent des Personals soll aus solchen bestehen — entlassen werden. Auch hier wird nicht so heiß gegessen wie gekocht wird, und solche Aeußerungen dürften im Gegensatz zu einer Aeuße- rung Dr. Baumgartners stehen, Presse und Künstler seien international und werden nicht vertrieben. xh. einer „Cause celöbre“ des zwanzigsten Jahrhunderts werden lassen. Doch darüber wird der Verlauf des Verfahren» Aufschluß geben. Die „Lettres Francaises" werden beweisen müssen, daß Krawtschenko nicht schreiben kann, was das Ansehen der russischen Diplomatie kaum erhöhen dürfte, wenn e» gelingt. Sie stützen ihre Behauptung auf die Aussage zweier ehemaliger Ehefrauen Krawtschenkos. die mit Namen genannt werden. Der Kläger hat seinerseits bereits erklärt, diese beiden Frauen seien ihm völlig unbekannt. Die Gegenüberstellung der verschiedenen Ehepartner dürfte demnach mindestens eine komische Situation ergeben; von kommunistischer Seite wird übrigens weiter die Auffassung vertreten, Krawtschenko sei mit diesen Frauen rechtmäßig verheiratet gewesen. Nach allem, was bisher von den streitenden Parteien an die Oeffentlichkeit gedrungen ist, scheint Krawtschenko die Beweislast, die dem Gegner zufällt, so schwer machen zu wollen wie nur möglich. Danach müßten die „Lettres Francaises“ den Nachweis erbringen, daß Krawtschenko ein Lügner ist, also die Behauptungen seines Buches, das Sowjetregime sei undemokratisch und ein freiheitsfeindlicher Polizeistaat, widerlegen. Es dürfte das erstemal sein, daß di« Interna eines diktatorischen Serails vor einem freien und unabhängigen Gericht zur Sprache gebracht werden. Und das erklärt die große Spannung auf der einen und eine gewisse Nervosität auf der anderen Seite. Moskau muß es wissen ... MOSKAU, 24. Jan. (Sender Moskau) Die Moskauer Presse und der sowjetische Rundfunk veröffentlichen neu« Einzelheiten über die angebliche „Remilitarisierung“ Deutschlands. So soll u. a. der bekannte deutsche Flugzeug^ konstrukteur Ernst Heinkel in Württemberg-Baden die Leitung von fünf Flugzeugwerken wieder übernommen haben, die Turbinenjäger, Kampf- und Bomberflugzeuge bauen. Deutschla nd- Rundseh au VEREINTE WESTZONENt München, (xh). Die bayerisch* Landea- polizei beschlagnahmte in den vergangenen Tagen bei Kraftwagenkontrollen 150 000 amerikanische Zigaretten.—Riedenburg, Oberpfalz (xh). Der Kassierer__der Kreiskasse beim hiesigen Landratsamt flüchtete, nachdem er 13 260 D-Mark unterschlagen hatte. — Stuttgart. Durch 176 Brände entstanden in Württemberg-Baden im Dezember ein Gesamtschaden von 588 335 D-Mark. — Frankfurt (UP). Drei Geschwader amerikanischer Düsenjäger haben in einem am 26. Januar stattfindenden Luftmanöver die Aufgabe, die Städte München, Stuttgart und Nürnberg gegen den „Angriff" von Superfestuhgen zu verteidigen, die zu dieser Uebung au* Großbritannien eintreffen. FRANZÖSISCHE ZONEi Mainz (ts). Eine Mainzer Firma, die za Ueberpreisen Mandarinen verkaufte, wurde zu 1000 D-Mark Strafe verurteilt und der erzielte Ueberpreis von 4000 D-Mark eingezogen. — Tuttlingen (ts). Die Kriminalpolizei ermittelte zwei zwölfjährige Schüler, die seit Monaten raffiniert* x Ein- bruchdiebstähle begangen hatten. (Alle nicht gezeichneten Nachrichten: DENA) Lizenz-Nummer US-WB 116. Herausgeber und Chefredakteur: Felix Richter. Stellvertretender Chefredakteur Heinz A. Dechant. Redaktionsmitglieder: Max Geisenheyner, Helmut Haag, Wilh. Hagenmeyer, Rudolf John, Hanns Mohn, Dr. W. Oberkampf, Otte P. Paeffgen, Hildegard Pieritz, Adolf Rohrhirsch, Josef Werner. — Mit vollem Verfassernemen gezeichnete Beiträg* stellen nicht unbedingt die Meinung der Redaktion dar. Nachdruck von Originalbeiträgen nur mit Genehmigung gestattet, das Zitierungsrecht bleibt unberührt. Für unverlangt eingesandte Manuskripte keine Gewähr. — Verlagi Süddeutsche Allgemeine, Zeitungsverlag GmbH. Verlagsdirektor: Dipl.-Ing. Herbert Lohmeyer. (Alle nicht gezeichneten Nachrichten; DENA) Bayerischer Bilderbogen Von unserem Münchener xh-Korrespondenten WAS IST MVT^T ROMAN VON BERT GEORGE 13. Fortsetzung „Ist dort der Portier des Theaters?“ „Hier ist der Portier, jawohl.“ „Hier spricht Kriminalrat Krüger. Bitte, rufen Sie sogleich Herrn Polizeikommissar Keller ans Telephon.“ „Sofort, Herr Kriminalrat." f Ein paar Minuten vergingen. Durch den Hörer vernahm ich fernes Kommen und Gehen, Türenschlagen, Rufen, dann Stille. Endlich nähern sich rasche Schritte und Keller spricht; „Bist du es, Krüger?“ „Ja, ich bin’s. Verhafte Rottmann sofort nach der Vorstellung, meine Beweise sind abgeschlossen.“ „Das geht nicht mehr, Rottmann ist vor zehn Minuten gestorben.“ „Er hat sich getötet?“ „Nein, er starb an Herzlähmung, auf der Bühne, an der gleichen Stelle und in derselben Szene wie Bratt.“ Man stelle sich vor, mit welchen Gefühlen ich aus dem Hause der Schauspielerin fortstürzte. Ich war wie betäubt. Mein Wagen stand noch vor dem Haustor, ich raste ins Theater. Alles in ungeheuerster Erregung! Im Publikum ahnt« noch kein Mensch etwas. Der Regisseur hatte nur mitgd*eilt, daß Herr Rottmann von einem plötzlichen Unwohlsein befallen worden sei. Die Vorstellung erleide keine Unterbrechung, denn Herr Stahl würde für Herrn Rottmann einspringen. Tatsächlich übernahm der junge Schauspieler sofort die Rolle, wodurch ihm der entsetzlichste Zufall des Lebens die Erfüllung seines Wunsches verschaffte. Der Intendant war in einer wenig beneidenswerten Lage. Noch ruhte wie ein furchtbarer Druck der geheimnisvolle und ungeklärte Mord von Bratt auf dem Theater, — da trat-dieses furchtbare Ereignis dazu. Die Polizei hatte bereits alle Eingänge besetzt, die Mordkommission befand sich schon in der Garderobe Rottmanns, die dicht neben Bratts '"'arderobe lag. Im Korridor und auf , der Bühne standen Gruppen von Bühnenangehörigen mit entsetzten Gesichtem und besprachen flüsternd den schrecklichen Vorfall. Auf dem Wege zur Garderobe traf ich Keller. „Du wirst erwartet. Krüger. Es ist """".envcll! Rottmann starb genau so wie Bratt, genau an derselben Stelle vor dem zweiten Aktschluß. — Zwei Morde innerhalb dreier Tage —, fürchterlich!“ „Laß heut« keinen Menschen nach der Vorstellung von der Bühn« auf die Straße. Auch die Türen von der Bühne zum Zuschauerraum bleiben geschlossen. Wir halten diesmal eine Razzia von der Versenkung bis zum Schnürboden und in ' sämtlichen Künstlergarderoben." „Hältst du Rotonann noch für schuldig?“ „Ich bin jetzt vollständig irr« — das tat völlig überraschend — laß mir Zelt — ich will erst mal sehen.“ Wir drängten uns durch die Menschen bis zu Rottmanns Garderobe. In aller Eile hatte man ihn auf den Boden gelegt, es war kein Diwan da Der Oberkörper war entblößt, sein Gesicht hatte einen überaus friedlichen Zug und schien wie entspannt. Die Haare hingen ihm noch vom Spiel ins Gesicht. Niemand war in dem Zimmer, als die beiden Ärzte, dieselben,'die auch Bratts Leiche untersucht hatten, und die soeben ihre Untersuchung beendeten. Sie erstatteten mir sogleich Bericht: dieselbe Todesursache wie bei Bratt! Eine dumpfe, angstvolle Stimmung bedrückte uns alle. Wieder hörte ich von ferne die Stimmen der Schauspieler, die auf der Szene waren Dazwischen das Lachen des Publikums. Welch unheimliche Wiederholung eines Geschehnisses! Ich betrachtete die Leiche Rottmanns. Wer hätte das geahnt! Noch vor einigen Stunden stand er mir gegenüber, sich wehrend wie ein Verzweifelter gegen die Wucht erdrückender Schuldbeweise. Für mich war er der Mörder Br»tf», ich hatte ihn endlich gefangen, nichts konnte mein« Überzeugung erschüttern, und soeben sollte er verhaftet und dem Gerichte übergeben werden. Noch heute Nacht wollte ich die Akten erledigen und morgen früh hätte ihn der Untersuchungsrichter verhört-. Nun lag er da, — totl So wie bed Bratt täuschte auch auf »einem Gesicht die Schminke ein Leben vor, das längst entschwunden war. Ugn den Leichnam nicht auf dem Boden liegen zu lassen, ordnete ich an, daß er in die nebenanliegende leere Garderobe Bratts getragen und dort auf dessen Diwan gelegt wurde. Man schaffte ihn hinüber und bedeckte den Körper mit einer Hülle. Ruhe, Ruhe, Ruhe, sagte ich mir. Dein ganzes kunstvolles Gebäude ist zusammengestürzt. Der, den du felsenfest für den Mörder Bratts gehalten hast, liegt tot vor dir, — hingemördet, — genau wie Bratt. Mitten in der furchtbaren, verwirrenden Aufregung mußte ich denken, wie sehr sich der wirkliche Detektiv von dem des Romanschriftstellers unterscheidet! Wo ist er, der unfehlbare Spürsinn, der zielsichere, vorwärtsstrebende, ideale Romandetektiv, der nur einen Augenblick lächelnd die Augen zu schließen, nachzudenken braucht, um unbeirrbar von Etappe zu Etappe zu eilen, mit verblüffender Sicherheit die verbor- gendsten Fäden aufdeckt und im Moment der höchsten Ratlosigkeit mit überlegener Selbstverständlichkeit' di« richtige Fährt« entdeckt, die Ihn endlich zum wirklichen Mörder führt Hier war das banale Leben. Hier arbeiteten erfahrene, geschulte Beamte. Hier lag ein lückenloser Indizienbeweis vor, unwiderlegliche, zwingende Verdachtsgründe, ein« zusammenhängende Kette, die den T^äter wehrlos machen sollte, —, und was war das Resultat? Der Detektiv war ein Stümper. Er hatte sich geirrt. Sein Gebäude war ein Kartenhaus, das zusammenfiel, und der vermeintliche Mörder war unschuldig -. Was tun? Ich mußt« von vom« anfangen. Neue Verdachtsmomente sammeln. Alles Bisherige über Bord werfen und mich umstellen. Mich freimachen von dem, was meine Untersuchung ergeben hatte, und die bisherigen Resultate beiseite schieben. Wieder war die Vorstellung zu Ende. Ich bat Keller, der seine Polizei- mannschaft aufgeboten hatte, ein Verzeichnis sämtlicher Personen aufzunehmen, die sich während der Vorstellung auf, unter oder über der Bühne und in allen Räumen de* Theaters befunden hatten. Inzwischen sollte niemand den Bühnenausgang passieren dürfen. Ich selbst begab mich zur Garderobe des Fräulein Garvan. Ein furchtbarer Verdacht schoß mir durch den Kopf. (Fortsetzung folgt.) v t I BtentUtf, den 35. Januar 1340 SAZ Nummer M / Seit» f Karlsruhe kämpft um die Zukunft des Rheinhafens 5-Millionen-Kredit zum Wiederaufbau der Lagerhallen beantragt — Existenzfrage für die Stadt £itt Stein fiel vom Sters sen Vor der Karlsruher Hauptpost. Nachts 11 Uhr. Es sind nur noch wenige Menschen unterwegs. Ein älteres Ehepaar steuert auf den im frisch gestrichenen gelben Glanze dastehenden Briefkasten zu. Der Mann hat einen Brief in der Hand. Im Begriff, ihn einzuwerfen, liest er die Aufschrift des Briefkastens: „Nur für Ortsbriefe“. Er ist rat- und hilflos, denn der Fernbriefkasten ist seit einigen Tagen verschwunden. Wohin soll er seinen Brief nach auswärts stecken, da die Post geschlossen ist? Ein Einheimischer, der gerade seine Briefe in den Ortskasten gesteckt, hilft ihm aus der Verlegenheit: „Schmeiße S’es grad do nei, der anner Kaste wird bloß gestriche. Die Brief komme doch in e i n Sack!“ Ein Stein fällt vom Herzen und «in Fernbrief in den Ortskasten, ht. Acht Glocken auf St Bernhard Am Sonntag übergab der Turmuhrmacher Hans Seitz, Karlsruhe, der katholischen Pfarrgemeinde St. Bernhard ein neues Turmuhrwerk. Das Werk ist ein Erzeugnis der bekannten Turmuhrenfabrik B. Schneider Söhne, Schonach. Der schönste und höchste Turm Karlsruhes trägt nun wieder acht Glocken, von denen sechs für den Westminsterschlag verwendet werden. Damit besitzt unsere Stadt den ersten Original-Westminsterschlag Südwestdeutschlands. iJ. „Fern doch treu“ Der große Widerhall, den die Heimatabende der Schlesier und Lausitzer immer gefunden haben, läßt darauf schließen, daß jeder Heimatvertriebene aus Schlesien und der Lausitz das Bedürfnis hat, sich hin und wieder an heimatlichen Lauten zu erfreuen. Alle bisher noch nicht erfaßten Landsleute werden gebeten, sich nach dem alten Wahlspruch: „Fern doch treu“ bis spätestens 1. Februar 1949 unter Angabe ihrer genauen Adresse bei der Geschäftsstelle der Landsmannschaft der Schlesier, Amalienstr. 53 schriftlich zu melden. :) * Volksbücherei auch Mittwochnaeh- mlttags geöffnet. Der allgemeine Ladenschluß an den Mittwochnachmittagen hat vielfach zu der Auffassung geführt, daß auch die städtischen Volksbüchereien 1 Mittwochnachmittags geschlossen haben. Das ist nicht der Fall. Beide Volksbüchereien (Alter Bahnhof und Durlach) sind am Mittwoch sowohl vormittags wie nachmittags — 10,30 bis 12,30 Uhr und 15 bis 17 Uhr — geöffnet. „Drum prüfe, wer sich ewig bindet.“ Über dieses allzeit aktuelle Thema veranstalten die „Volksbildungskurse“ diese und nächste Woche jeweils Dienstagabend um 20 Uhr im Red- tenbacher Hörsaal der T.H. zwei Vorträge aus dem Eherecht. Es spricht Rechtsanwalt Edmund W i e- d e m a n n an Hand von Beispielen aus der Eheschließungs- und Ehescheidungspraxis. Im Naturwissenschaftlichen Verein Karlsruhe spricht am Donnerstag, den 27. Januar 1949 im Buntesaal des Institutes für Chemie und Technik (Technische Hochschule) Dr. W. Hiller vom Württ. Erdbebendienst Stuttgart über die „Erdb'ebentätig- keit in Südwestdeutschland“. Die Sorge um die wirtschaftliche Zukunft der Stadt Karlsruhe — sie hat bekanntlich auch den Grundtenor der letzten Stadtratssitzung bestimmt — veranlaßte die Stadtverwaltung, führende Persönlichkeiten aus Verwaltung und Wirtschaft, aus den Parteien und Gewerkschaften zu einem zwanglosen Gespräch über die Situation der Karlsruher Rheinhäfen einzuladen. An dieser Zusammenkunft, die am vergang. Wochenende im Hause Solms stättfand, nahmen u. a. teil: Oberbürgermeister Töpper, Bürgermeister Heurich, die Beigeordneten Dr. Ball und Dr. Gutenkunst, Hafendirektor Langfritz, Dr. Großer als Vertreter des Wirtschaftsministers, Landesdirektor Lindemann, der Leiter des Landwirtschaftsamtes Peschken, die Landtagsabgeordneten Konz, Kühn und Dr. Keßler, Stadtkämmerer Dr. Gurck und Mitglieder des Stadtrats. Es handelte sich um eine außerordentlich wertvolle Diskussion, der wir nachstehend die wichtigsten Gesichtspunkte entnehmen (wobei wir es uns ersparen müssen, die Sprecher einzeln zu nennen). Südwestdeutscher Umschlagplatz Die größte Sorge, dies ging aus dem ausgezeichneten Referat des Hafendirektors hervor, bereitet den maßgeblichen Stellen die Dezimierung des überdeckten Lagerraumes der Karlsruher Rheinhäfen durch die Luftangriffe. Die Kriegsschäden betragen in den Rheinhäfen 7 Mlll. Mark. Während der Mannheimer Hafen — bekanntlich ein staatliches Unternehmen — großzügig wieder instand gesetzt werde, geschehe für die Karlsruher Häfen nichts. Mehr und mehr wanderte der Verkehr von Karlsruhe nach Mannheim und Heilbronn ab. Eine besondere Gefahr ergebe sich für Karlsruhe aus den Plänen, den Rhein-Neckar-Ka- nal nach Stuttgart bzw. Plochingen fortzuführen. Denn Württemberg sei für die Karlsruher Häfen einst das bedeutungsvollste Hinterland Im zweiten Vortragsabend des Refabezirksverbandes Karlsruhe gab der Sachverständige für Refafragen Dipl.Ing. H. Billardt, Aufschluß über das Betätigungsfeld eines Re- famannes und dessen gegenwärtige Aufgaben. Der Refamann habe gerade heute einen sehr schweren Stand, da viele durch Kriegseinwirkung beschädigte Betriebe noch nicht über jene Mittel verfügen, die Arbeitsstudien in größerem Maße erlauben würden. Zunächst stießen die meisten der Refaleute auf ein gewisses Mißtrauen sowohl auf Seiten der Arbeiter als auch der Betriebsleitung, da der langjährige Fachmann grundsätzlich die Ablehnung von den Betrieb betreffenden technischen Neuerungen für richtig halte . Auf der anderen Seite habe man den früher schon teils verwirklichten Refagedanken durch Veränderungen vernachlässigt, und sich nicht mehr die Mühe gemacht, durch einige Überlegung die Arbeit zu erleichtern und die Produktion zu gewesen. Wenn Karlsruhe nicht seine Bedeutung als südwestdeutscher Umschlagplatz verlieren solle, brauchten die Rheinhäfen staatliche Hilfe. Dies sei mit guten Gründen zu fordern, denn der hiesige Rheinhafen sei nie ein Versorgungshafen etwa für die Stadt Karlsruhe, sondern für große Teile Württembergs, für Südbaden und sogar für die westlichen und südwestlichen Gebiete von Bayern gewesen. Bleibe die staatliche Hilfe auf Mannheim beschränkt, so könne Karlsruhe seine verkehrspolitische Bedeutung nie mehr zurückgewinnen. Man habe nun Ende vergangenen Jahres einen Antrag auf die Gewährung eines 5-Millionen-Kredits für die Jahre 1949 und 1950 gestellt. Mit der Hälfte dieses Kredits könnten wenigstens die Lagerhallen wieder so intakt gebracht werden, daß zu der verbliebenen Lagerraumfläche von 5000 qm weitere 6000 qm hinzukämen. * Keine politische Angelegenheit Aus der Mehrzahl der in der sehr lebendigen Aussprache vorgebrachten Äußerungen wurde deutlich, daß man in Karlsruhe aus der Mißstimmung über die beabsichtigte und in Baden als völlig unwirtschaftlich empfundene Fortführung des Rhein- Neckar-Kanals keine politische Angelegenheit machen wolle, die etwa Konsequenzen hinsichtlich des Südweststaates nach sich zögen. Außer durch die erhoffte staatliche Subvention glaubt man an eine Belebung des Karlsruher Rheinhafens durch Einschaltung privater Initiative (z. B. Speditionsfirmen und Industrie). Daß es in Karlsruhe an einer Großmühle fehlt, wurde als eine wesentliche Behinderung des Getreideumschlags erkannt. Im übrigen wurde auch dargestellt, wie eng mit dem Rheinhafen 'verflochten das Eisenbahnproblem ist, das die maßgeblichen Karlsruher Kreise seit Kriegsende mit großer Sorge erfüllt. Bekanntlich führen steigern. Vor allem aber sehe die Belegschaft zahlreicher Betriebe in einem Refamann nur denjenigen, der mit der Stoppuhr die Arbeit zu beaufsichtigen trachte, und viele würden in der Rationalisierung den Anlaß zu einer Erwerbslosigkeit durch vermutetes Freiwerden von Arbeitskräften erblicken. Alle diese Befürchtungen seien unbegründet, es komme vor allem nicht darauf an. den arbeitenden Menschen zu beaufsichtigen, sondern seine Arbeit zu messen und besser einzuteilen. Den ausschlaggebenden Beweis hierfür habe der Refamann bereits-erbracht. Jetzt gelte es. eine grobe Rationalisierung zu erzielen, um nicht zuletzt auch die Preise in einem erträglichen Rahmen halten zu können. Zur Ausbildung des Refamannes seien deshalb längere Kurse notwendig. die ihn als psychologisch geschulten Kenner der Leistung gegen die großen Schwierigkeiten. die sich ihm entgegenstellen, rüsten sollen. Ff- die wichtigsten Nord-Süd-Linien (in Richtung Stuttgart—München) an Karlsruhe vorbei. Hinzu kommt di& für Karlsruhe so mißliche Unterstellung des nordbadischen Bahnbezirks v unter die Reichsbahndirektion Stuttgart und die Beschränkung des Wirkungskreises der Eisenbahndirektion Karlsruhe auf Südbaden. Die Frage der Wirtschaftlichkeit Allgemein war man sich darüber einig, daß mit dem Wiederaufbau des Karlsruher Rheinhafens lediglich die gesunde Konkurrenz mit Mannheim und Heilbronn wiederhergestellt werden solle. Hierzu wurde von seiten des Vertreters des Wirtschaftsministeriums dargelegt, daß ) die Gesetze der Wirtschaftlichkeit sich mit der Zeit von allein durchsetzen werden und daß bald auch' wieder mit langfristigen Krediten zu rechnen sei. Auch an die frühere Bedeutung des Karlsruher Rhein- Wfnter*dilufeverkSufe 1949 Das \ Wirtschaftsministerium WB gibt bekannt: „Vor dem Kriege waren „Schlußverkäufe“ am Ende der Winter- und Sommer-Saison üblich. Diese Veranstaltungen gaben dem Einzelhandel die Möglichkeit, Waren, die im normalen Geschäftsverkehr nicht mehr abgesetzt werden konnten, zu ermäßigten Preisen zu verkaufen. Trotz des nach der Währungsreform erheblich gesteigerten Wettbewerbs sind die Voraussetzungen für derartige Schlußverkäufe im allgemeinen noch nicht gegeben. Sollten in Sonderfällen Winterschlußverkäufe durchgeführt wer- Im Rahmen der Rektoratsübergabe gab der vorjährige Rektor der Technischen Hochschule, Prof. Dr. Jungbluth, den traditionellen, Jahresbericht über das abgelaufene Amtsjahr. Nach Abstattung des Dankes an die verschiedenen staatlichen, städtischen und privaten Einrichtungen und Persönlichkeiten wies der Prorektor auf die großzügige Unterstützung der amerikanischen Militärregierung hin, welche mit 1000 Wolldecken und 600 Feldbetten wesentlich zur Linderung studentischer Not beigetragen habe. Einen weiteren Fortschritt bedeute die Wiederinbetriebnahme de* Studentenhauses. Es sei hierdurch möglich geworden, in einer zweiten Mensa 900 Mittag- und 800 Abendessen auszugeben, wodurch die Gesamtkapazität beider Menschen sich auf 1900 Essen täglich erhöhe. Durch Ueberlassung des Saales an Staatstheater, Parteien, gewerkschaftliche und kulturelle Verbände habe sich das Studentenhaus zu einem Zentrum des geistigen Lebens von Karlsruhe entwickelt. Der Verfall der sogenannten „Beiträge Dritter" durch die Währungsreform sei für die Hochschule recht einschneidend gewesen. Das entschlossene Eingreifen des Ehrensenators Dr. Freudenberg und Professor Krämers wurde in diesem Zusammenhang besonders gewürdigt. Die Studienpläne der T.H. erfuhren durch die Fachrichtung des „Technischen Volkswirts” und des „Wirtschaftsingenieurs" eine wertvolle Erweiterung. Ferner konnte unter Dr. Neffs Leitung ein Seminar für Psychologie eröffnet werden. Der Neubau des früheren Laboratoriums für Photochemie ermöglichte die Aufnahme von 72 Stuttgarter Pharmaziestudenten. Im Rahmen der Wiederaufbauarbeiten, bei denen ISO Facharbeiter und 250 Studenten beschäftigt wurden, konnte u. a. der hafens als Exporthafen wurde ge* dacht, wobei man sich an die groß« Rolle erinnerte, die Karlsruhe einmal für die württembergische Fertigwarenindustrie einnahm. Besonderes Gewicht erhielt eine in diesem Zusammenhang bekanntgegebene Statistik über die Kostenfrage. Daraus ging hervor, daß Karlsruhe bei gleichen Umschlagkosten nach einer Reihe badischer und württembergi- scher Gebiete wesentlich billiger transportieren kann als Mannheim und Heilbronn. Es ist kein Zweifel, daß die Kostenfrage einmal das entscheidende Wort bei der Entwicklung der Karlsruher Rheinhäfen sprechen wird. Von diesem Gesichtspunkt aus darf man trotz allem optimistisch in die Zukunft sehen. Voraussetzung ist allerdings, und darüber waren sich alle im Hause Solms Versammelten einig, daß man Karlsruhe durch Gewährung von Krediten die Chance gibt, die Kriegsschäden der Rheinhäfen einigermaßen zu reparieren und die Häfen dadurch wieder konkurrenzfähig zu machen. W. den, so sind hierbei die einschlägigen Vorschriften des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb in der Fassung vom 26. 2. 36 (RGBl. I S. 311) und der Anordnung des früheren Reichswirtschaftsministers vom 14. 5. 1935 zu beachten. Diese Vorschriften sowie Einzelheiten über die Bezeichnung der Veranstaltung, deren Beginn und Dauer und über die für den Verkauf zugelassenen Waren sind bei den Gewerbeämtem der Stadt- und Landkreise, bei den Industrie- und Handelskammern, den Handwerkskammern und den Fachverbänden des Einzelhandels zu erfahren“, :) Turmbau der 500-t-Presse instand gesetzt werden. Die Sportanlagen gingen im Berichtsjahr wieder in die Verwaltung der Hochschule über. 6 Tennisplätze wurden durch Selbsthilfe bespielbar gemacht. Im Augenblick ruhe der Aufbau fast völlig, da Staatsmittel nicht mehr zur Verfügung stehen. 1 Nach Verlesung der Ernennungen und Ehrungen, über die bereits in früheren Ausgaben berichtet werden konnte, gab der Prorektor bekannt, daß die Professoren Klotter und Terres auswärtige Berufungen abgelehnt hätten. Diese Tatsache wurde von den anwesenden Studenten mit Beifall quittiert. Die Hörerzahl im Wintersemester 1947/ 48 betrug 4208, im Sommersemester 4072 Studierende. Hiervon legten 135 di« Diplomprüfung ab, 11 promovierten. Abschließend wurde bekanntgegeben, daß di« im Vorjahre ausgearbeitete Hochschulverfassung vom Präsidenten der Landesverwaltung für Kultur und Unterricht zunächst als „vorläufige Hochschulverfas- sung” genehmigt worden sei. W. L. Vorübergehend stärker bewölkt Vorhersage des Amtes für Wetterdienst Karlsruhe, gültig bis Mittwoch' früh: Am Dienstag meist stark bewölkt, vereinzelt geringfügiger Niederschlag. Tageshöchsttemperaturen in den Niederungen nur wenig, in Hochlagen bis zu 5 Grad über 0. In der darauffolgenden Nacht teils aufgeheitert, teils neblig Leichte Fröste bei minus 3 Grad. Schwache Luftbewegung. Rheinwasserstände vom 24. Jan. 1949 Konstanz 254 (unv.); Breisach 100, —16; Kehl 170, —12; Maxau 358, —7j Mannheim 231, +1; Caub 177. —5. „Refa"-Leute haben keinen leichten Stand Der Reichsausschuß für Arbeitsstudien fördert die Produktion Die TH im Jahr der Währungsreform 135 Diplomprüfungen und 11 Promotionen — Jahresbericht des Prorektors Badisches Staatstheater: ELMENDORFF DIRIGIERTE DIE „WALKÜRE" DIE KARLSRUHER PUPPENSPIELE HATTEN GEBURTSTAG Die sonntägliche Aufführung der , .Walküre" war eines jener so selten gewordenen Ereignisse, über denen das Odeur einer gepflegten und großen Kultur wie ein verheißungsschwerer Bann lagerte. Wieder einmal sah das Publikum sich für Stunden in das Erbe jener Tradition versetzt, dem Karlsruhe seinen Ruf als Wagner-Stadt, als Stadt eine» bedeutenden Ensembles und als Stadt guter, auch außerhalb viel genannter Wagner-Dirigenten dankt^ Es bedarf indessen nach dieser Aufführung kaum eines Rückblicks, um festzustellen, daß das Badische Staatstheater auch noch in der Wagner-Interpretation Bedeutendes zu leisten vermag. Die Zeichengebung Karl Eimendorffs, einer jener beherrschten, überlegenen und so .urmusikantischen Dirigentenpersönlichkeiten, ist ruhig, konzentriert. Die Bewegung der Händ&. beschränkt sich zum Großteil auf Taktschlag, Wendet man den Blick vom dramatischen Bühnengeschehen zum Dirigenten, so scheint seine Gestik im ersten Moment leidenschaftslos, ohne innere Beziehung zur Partitur. Erst die längere Beobachtung .sagt anderes. Da sind die waagerechten, gleitenden Bewegungen der linken Hand: Kantilenen von unendlicher Süße. Differenzierteste rhythmische Feinheiten, Crescendi von unerhört subtiler Klangiichkeit, . Forti von dramatischer Vehemenz: ausgelöst durch die leichte, variable, plastische Bewegung seiner linken Hand. Daneben, sehr selten, die erdrückend massige Schulterbewegung: Höhepunkte einer musikalischen Fazination, die sich nicht nur auf jeden der Mustker und Sänger, sondern schließlich wohl auch auf jeden der Zuhörer überträgt. Das Maß seiner unermüdlichen Spannkraft, die souveräne, im Grunde so unpathetische Ruhe, mit der er zeichnet, und sein großes, erfahrenes Wissen um den Reiz der Farbe, des Klangs, des Herben und des Sinnlichen in der Wagner’schen Musik, in der Musik überhaupt, bestimmen die visuelle geistige Kraft seiner Interpretation Der Beifall, der zum ersten Male bereits einsetzte, als Eimendorff den Orchesterraum betrat, steigerte sich am Ende zu begeistertem Bekenntnis von Dank und Anerkennung. -—de. IM STAATSTHEATER ... wird heute um 19.30 Uhr im Großen Haus die Lehär-Operette „Das Land des Lächelns" wiederholt. * * Kristlna Söderbaum mit Ensemble gastiert morgen und übermorgen, jeweils um 19.30 Uhr, in „Augen der Liebe" von Edmund Wolf im Großen Haus des Badischen Staatstheaters. ZEITGENÖSSISCHE DICHTUNG Um es vorweg zu sagen: Der Lyrikabend von Dr. Otto Böhne, den die Volksbücherei in ihrer Reihe „Schaffende am Buch“ durchführte, gestaltet sich zu einem erlesenen Genuß, an dem der schwungvolle und graziöse Vortrag eines Trios von Beethoven durch Elisabeth Neumann - Weizenecker, Liesel Köhler und Gg. Valentin Panzer beträchtlichen Anteil hatte. Dr. Böhne gehört zu der Lyriker-Generation, die ihre Beeinflussung durch Rilke nicht verleugnen kann; aber er hat darüber hinaus vom Geistigen her eine durchaus eigene, persönliche Gestaltungsfähigkeit entwickelt. Das schwere Erleben der Kriegs- und Nachkriegsjahre hat in diesen Gedichten in vielfacher Widerspiegelung Wort gefunden. Es ist eine Zeitausdeutung, in der mancherlei Anklänge an den Existentialismus auftönen. Beim Vortrag der Gedichte wurde Dr. Böhne von seiner Gattin in künstlerisch wirkungsvollster Weise unterstützt Ca. EIN ABEND MIT ANDERSEN Im .Volksbund für Dichtung las Friedrich P r ü t e r am Sonntagabend Märchen von H. Chr. Andersen in so reizvoller Form, daß kein Wunsch offen blieb. Er charakterisierte in fein unterscheidender Sprechweise sehr eindrucksvoll das von Sehnsucht und Liebe erfülle Mädchen, die gewinnsüchtige Hexe, die dumm-stolze Prinzessin und den eitlen, geckenhaften Kaiser. Die drei Stücke, die vorgetragen wurden: „Die kleine Seejungfrau", ,.Der Schweinehirt" und „Des Kaisers neue Kleider" brachten eine sehr glückliche Mischung von Ernst und Scherz und zeigten in vollem Ausmaß des Dichters Andersen bunte Fabulierkunst, seinen lächelnden Humor und die feine Psychologie seiner Menschenschilderung. Ca. QUER DURCH EUROPA Kreuz und quer durch Europa, vom sonnigen Süden, wo zweimal im Jahr die Zitronen blühen und im herrlichen Rom die munteren Wasserspiele plätschern, bis in den hohen Norden, ins Mövenparadies auf einem kleinen Eiland der Loffoten — von den Blumen- und Gemüsegärten der Niederlande bis ln die endlosen Weiten der Pußta führte die „Kurbel" auf einer „Fahrt ins Blaue" die Besucher der sonntäglichen Kulturfilm-Matinee. Ein sichtlich aus den Anfangsjahren des Farbfilms stammender Streifen machte mit den landschaftlichen Schönheiten Thüringens bekannt und an den Ufern des „Schwäbischen Meeres" bei Uhldingen und in Meersburg hatte sich die Kamera auf kulturhistorische Pfade begeben und dabei allerhand Interessantes entdeckt, -d- Fünfundzwanzig Jahre ist es her, seit Alfred Neuheller zum ersten Male, und zwar damals in einem der Räume der Schrempp-Gaslstatten in der Waldstraße, vor einem Auditorium kleiner und kleinster Gäste Puppentheater spielte. Eine lange Zeit ist seitdem vergangen. Mancher Erfolg wurde dem Karlsruher Puppentheater beschieden, Städte wie Berlin und Wien fanden ebenso viel Freude an seiner Darstellung, wie jene unzähligen Orte in badischen, schwäbischen und pfälzischen Landen, an denen Alfred Neu- heller sein Theater aufschlug und mit ergötzlichen Dialogen unterhielt und —- lehrte. Lehren — das ist eine jener weisen und von ihm so selbstverständlich und unaufdringlich eingeflochtenen Sinngebungen des Theaterspiels. Was schadet es, daß der König in köstlichen Wortverdrehungen erzählt, daß er sich morgens und abends die Zähne putzt? Nichts. Es stört nicht, aber es haftet. Und die Kasperlefigur? Jedes Kind kennt und liebt sie. Es liebt sie in erster Linie um des Schabernacks willen. Und doch, ebenso unbewußt, empfindet es die herzliche Güte dieses Burschen, der dem Schlechten mit Holzhämmern zu Leibe rückt und das Gute, eben auf # die ihm eigene drastische Weise, beschützt. Obwohl der zurückliegende Krieg auch am Karlsruher Puppentheater nicht spurlos vorübergegangen ist —* es wurde ein Großteil des Textmaterials und viele Puppen zerstört — konnten wir uns doch wiederholt schon davon überzeugen, daß weder Verluste noch Raumschwierigkeiten seinen Lebenswillen auch nur im Geringsten zu lähmen vermochten. Im Gegenteil. Wenn man das frische Spiel, die originelle und dem Kindergemüt so unbedingt angepaßte Sprache und Handlungsmanier sieht, wenn man beobachtet, wie temperamentvoll und wie rasch reagierend die Zuschauer, große und kleine, folgen, wie Intensiv und impulsiv sich ihr Miterleben gibt, dann möchte man, wie dies Staatsschauspieler Paul Müller in seinem Vorwort auch zum Ausdruck brachte, dem Karlsruher Puppentheater eine noch recht lange Lebensdauer wünschen. (Vielleicht wäre es nicht abwegig, wenn auch die Väter der Stadt sich ein wenig um das Wohlergehen dieser anerkennenswerten erzieherischen Einrichtung kümmern könnten). „Herrgott, und da sagt man, die Karlsruher wären steif", hörte ich nach Schluß des ersten Aktes der „Reise nach Afrika" neben mir bemerken. Und dieser kurze, herzliche Kommentar beweist wohl mehr als alle langen Ausführungen es zu tun vermögen, welch frohes Leben sich in den Reihen der Zuschauer und Zuhörer Sonntag für Sonntag entfaltet. —ck. AUS DEM RUNDFUNKPROGRAMM Stuttgart: 12.00 Landfunk; 14.00 Schulfunk; 14.30 Wirtschaftsfragen; 14.45 Jeder lernt Englisch i 15.00 Schrammelmusik? 15.15 Klaviermusik: Sonate a-moll op. 164 v. Schubert, 3 Intermezzi aus op. 4 von Schumann; 15.45 „Eine B. Shaw-Biographie“ (IV) v. B. Sdiäke; 16.25 Kl. Funklexikon; 17.00 Deutsch in Dosen; 17.15 Streichquintett op. 12 Nr. 5 in E-dur v. Boccherini, Pieces en concert, Prälude, Sicilienne, Tromba, Plainte, Air de diable v. Fr. Couperin; 18.00 Für die Frau? 18.15 Jugendfunk? 20.00 Symph.-Konz.: Violin- konz. D-dur op. 61 u. V. Symph. v. Beethoven;. 22.00 Tanzmusik; 22.50 Aus der Welt d. Schauspiels; 23.00 Werke von FI. Schmitt, A. Honegger, J. Ibert, J. Francaix. — Studio Karlsruhe: 21.00 „Badischschwäbischer Erbfolgekrieg", heit. Funk- brettL — Südwestfunk: 20.45 Hörspiel.* „Der Reisende ohne Gepäck" v. J. Anouilh. — Frankfurt: 20.20 Aus d. großen Zeit d. Lehär-Operette »Friederike", Seite 4 / Nummer 1* S AZ Dienstag, den 25. Januar 1949 Borussia Dortmund kann lacken Bunte Kurznachrichten aus Südwestdeutschland Kampf gegen TBC Lörrach. (br). Das Schweizerische Aktions-Komitee zur Bekämpfung der Tuberkulose hat in Verbindung mit der Landesversicherungsanstalt Baden das Lungen- Sanatorium Wehrawald bei Todtmoos übernommen. Das Sanatorium wird noch im Laufe dieses Monats auch für deutsche TBC-Kranke offenstehen. Ein mutiges Mädchen Radolfzell (br). In Horn auf der Höri wurden einige junge Leute von drei Wildschweinen überrascht. Ein 17jähriges Mädchen, mit einer Axt bewaffnet, scheuchte eines der Tiere auf und traf es so auf den Kopf, daß es tot zu- sammenbrach. 3 Millionen „kleine Fische* Radolfzell, (br). Von der Staatlichen Fischbrutanstalt Radolfzell wurden rund 3 Millionen junge Fische aus der neuen Brut, hauptsächlidi Felchen, in den Unter- >ee eingesetzt. Neue Flaggen auf dem Bodensee Konstanz. (lz). Die Bodenseeschiffe werden in Zukunft nicht mehr wie bisher die Trikolore führen, sondern di$ auf Grund eines Kontrollratgesetzes für deutsche Schiffe geschaffene . Flagge in den Farben blau-weiß-rot-weiß-blau. Das äußere Ende der Flagge ist in der Form eines Dreiecks ausgeschnitten. „Hohe Gehälter 4 ' Konstanz, (br). In einer öffentlichen Stadtratssitzung wurden die zu hohen Gehälter der städtischen Angestellten beanstandet. Das Durchschnittsgehalt liegt mit 204,84 DM (Netto) um 10 Prozent niedriger als die Bezahlung in der Industrie und im Gewerbe. Kosten entstanden durch den Neudruck von Karten und die Fahndungsaktion der Kriminalpolizei. « Motorenausstellung geplant Reutlingen, (ts.) Eine Motorenausstellung, die auch Kraftfahrzeuge für die Landwirtschaft und Erzeugnisse der Autozubehörindustrie zeigen soll, plant die Stadt Reutlingen für den 14. April bis 2. Mai. Opel, Ford, Daimler-Benz und Hanomag haben ihre Mitwirkung zugesagt. Kein Futter, keine Eier Tuttlingen, (br). 200 Geflügelzüchter des Kreises Tuttlingen beschlossen in einer Versammlung, keine Eier mehr abzuliefern, wenn nicht für jedes Huhn eine ausreichende Menge Futtergerste zur Verfügung gestellt wird. „Narrenzünfte* Villingen. (T). Im Jägerhaus wo vor einem Vierteljahrhundert die Vereinigung der Schwäbisch-Alemannischen Narrenzünfte gegründet wurde, trafen sich die Abordnungen der historischen Narrenvereine aus dem Bericht vom Schwarzwald bis zum Bodensee, vom Oberrhein bis zur Schwab. Alb. Die Vereinigung will nach wie vor die alten Fastna’chts- sitten und echtes Brauchtum wahren. Abträge der Eizacher Zunft, an die Regierung ein Gesuch zu richten, daß das historische Fastnachtsbrauchtum sowie die, Kostüme, und Gestalten amtlichen Schutz erhalten, wurden bewilligt. Die Zunft in Stockach wird 1951 ihr 600jähriges Jubiläum feiern. Vom Kaisersfuhl Tod durch Lawin» Lindau, (ts.) Auf einer Skitour wurden die Frau und Tochter eines Lin- dauer Studienrates von einer niedergehenden Lawine begraben, während es der Tochter gelang, sich aus den Schneemassen zu befreien, wurde die Frau nur noch als Leiche geborgen. Wildgewordene Kuh Me&klrch. (br). Eine Schlachtkuh, die •uf dem Bahnhof Meßkirch verladen werden sollte, ergriff die Flucht und fiel die Passanten auf der Straße an. Der französischen Gendarmerie gelang es, nach einer tollen Jagd, die wildgewordene Kuh *u erschießen. 40 000 DM Diebstahlsschaden Stockach. (br). Der Gesamtschaden, der durch den Lebensmittelkartendiebstahl Ende des vergangenen Jahres beim Stockacher Ernährungsamt entstanden war, beläuft sich auf etwa 40 000 DM. Diese Freiburg (sch). Ein Mann, der von einem Freiburger Arzt ein Mikroskop zur Reparatur erhalten hatte, verkaufte dies gegen 20 000 RM an einen Stuttgarter Schwarzhändler weiter, der zwar nur 1000 RM anzahlte und für die restlichen 19 000 seine Ausreisegenehmigung nach Brasilien zum Pfand gab, dafür aber mit dem Gerät nach ' Bayern fuhr und eben dabei war, es für * 450 000 (!) RM weiter zu verschachern, als . er festgenommen wurde. In der Freiburger Hauptverhandlung stellte sich nun heraus, daß es sich bei dem inzwischen sichergestellten Mikroskop gar nicht mehr um das des Arztes handelte, obwohl der damalige Empfänger und jetzige Angeklagte fest bei der entgegengesetzten Meinung blieb. Das Mikroskop müßte denn bei seinem Gang durch die schwarzen Hände einen Veredelungsprozeß durchgemacht haben, ‘ der von enormer Wirkung war. Das Gericht beschloß, die Zauberkraft all dieser vielleicht auch unsichtbaren Hände noch einmal genau zu prüfen, sperrte inzwischen Weniger Reben ... Ihringen. (sch). Wie der Präsident des Landwirtschaftlichen Hauptverbandes in einej Versammlung in dem berühmten Kaiserstühler Weinort Ihringen bekannt gab, ist der Rebbau in Südbaden um fünfzig Prozent zurückgegangen. Dagegen ist die Zahl der Weinhändler um zweihundert Prozent gestiegen. Mit der Schusterahle Ins Herz Ebringen (sch). Beim Spielen stach ein elf Jahre alter Bub aus Ebringen einem vierzehnjährigen Kameraden, der bei seinen Eltern zu Besuch weilte, mit einer Schusterahle ins Herz. Dem Kind, das sofort in eine Freiburger Klinik überführt wurde, konnte mit Hilfe eines chirurgischen Eingriffs in letzter Stunde das Leben gerettet werden. Ein Hund — vieler Hasen Tod Herbolzheim (sch). In Herbolzheim streifte kürzlich während einer Reihe von aber den ersten Zauberer wegen Unterschlagung vier Monate ein. „Universitätsstadt** Freiburg. (sch). Das Gebiet der naturwissenschaftlichen und theoretisch-medizinischen Institute der Universität Freiburg wird nach den Plänen von Baurat Horst Linde zu einer geschlossenen Universitätsstadt ausgebaut, in der sich Wissenschaft und Entspannung wie bei den altgriechischen Gymnasien, den römischen Thermen und noch bei den alten Universitäten verbinden. Ein badischer Obstbautag Freiburg. (T). Die südbadischen Obstbauern beschlossen in einer Zusammenkunft die Verantwortung eines „Badischen Obstbautages" für das Frühjahr. Das südbadische Ernährungsministerium hat dem badischen Obstbau einen namhaften Förderungsbeitrag zur Verfügung gestellt. Landeplatz: Das Wohnzimmer Horaberg. (sch). Oberhalb Hornbergs geriet einigen im Wald arbeitenden Holzfällern ein Stamm ins Rutschen. Er sauste mit großer Schnelligkeit zu Tal, überquerte auf seiner Fahrt die Straße, fuhr durch eine Werkstätte und landete schließlich durch die Wand des daneben gelegenen Hauses im Wohnzimmer eines Ingenieurs. Die Leute, die glücklicherweise im Nebenzimmer saßen, kamen mit dem Schreck davon. Der angerichtete Schaden wird auf rund 2000 Mark geschätzt. Zuerst wurde gevespert Titisee, (sch). Den Spuren nach zu urteilen, muß es schon eine Handvoll Diebe gewesen sein, die nachts in ein Titiseer Lebensmittelgeschäft eindrang. Die Burschen erbrachen den Kühlschrank, stahlen Butter, Käse und andere Lebensmittel und hatten es vermutlich bei ihrer Arbeit gar nicht eilig. Sie vesperten anschließend gehörig und ließen einen Teil ihrer recht dick geschmierten Butterbrote und eine teilweise geleerte Dose mit Fleisch auf dem Ladentisch zurück. „Lebensmüde?” Bernau (Kreis Neustadt), (br). Ein hier wohnhafter Mann versuchte, sfich dieser Tage infolge familiärer Zwistigkeiten zu erhängen. In letzter Minute fanden ihn Hausbewohner und konnten ihn vor dem sicheren Tode retten. Nachdem er sich wieder etwas erholt hatte, machte er sich sofort auf die Suche nach seiner Frau und als er seine bessere Hälfte fand, verprügelte er das arme Weib nach allen Regeln der Kunst. bis ludwigshafen Nächten ein unbekannter Hund umher, der in mehrere Hasenställe einbrach und insgesamt 22 Hasen erwürgte. „Nierenentzündung 1 * lahr (sch). Zwei Männer, die mit einem schweren Sack beladen, einem Polizisten auf der Landstraße begegneten, warfen plötzlich den Sack ins Feld und ergriffen erregt die Flucht. Der Polizist, durch dies sonderbare Verhalten Verdacht schöpfend, lief den Ausreißern nach und forderte sie zum Stehenbleiben auf, jedoch vergebens. Da feuerte er kurz entschlossen den beiden zwei Schüsse nach. Die Kriminalpolizei, die daraufhin verschiedene verdächtige Personen in ihren Wohnungen aufsuchte, kam auch in ein Zimmer, in dem ein junger Mann mit „Nierenentzündung" zu Bett lag. Ein hinzugezogener Arzt stellte jedoch fest, daß den Kranken zwei Schußverletzungen plagten. Eine davon rührte von einem Durchschuß des linken Oberschenkels, die andere von einem Steckschuß im Rücken her. Der -Jühge Mann gestand schließlich auch, .einer der flüchtigen Diebe zu sein, und so fiel es nicht schwer, auch seinen Komplizen dingfest zu machen. Kirchenschatz Im Koffer Heidelberg, (wü). Auf der Haustreppe zum St. Anna-Hospital in der Plöck wurde von einer Hausgehilfin ein herrenloser Koffer aufgefunden und zur Polizeiwache gebracht. Der Koffer enthielt ein silbernes Kreuz, zwei silberne Leuchter, eine silberne Büchse mit Hostien und einen weiteren silbernen Behälter, alles Gegenstände, die vermutlich aus einem Kirchendiebstahl herrühren. „Gesalzene“ Bücher Ludwigshafen. (wü). Das Ludwigshafener Stadtmuseum hatte einen Teil seiner wertvollsten Bücher im Salzbergwerk in Heilbronn ausgelagert. Jetzt sind die Bücher mit einer dickeji Salzkruste überzogen unter viel Mühe zurückgekommen. Man wird sie sorgfältig von dieser Schicht befreien müssen. Während die spielfreie Dortmunder Borussia durch einen schönen 4:0- Sieg im Privattreffen bei TuS Neuendorf ein weiteres Beispiel für die Schlagkraft der Mannen um Lenz gab, machte sich die hinterher eilende Konkurrenz das Leben sauer. Von den rotweißen Verfolgern konnten nur die Oberhausener dank der Klasse von Jürissen im torlosen Spiel bei Aachen einen Punkt retten, während die Essener bei Preußen-Münster 1:2 besiegt wurden. In den übrigen Spielen bestätigte sich nur, daß die Altmeister Fortuna Düsseldorf und Schalke 04 in akuter Abstiegsgefahr schweben. Zwar spielen sie noch einen guten Fußball, aber erfolglos und an jedem Spieltag gibt es Minus- statt Pluspunkte. St. Pauli außer Tritt Im Norden geht der VfL Osnabrück unbehindert seinen Weg. Die Bremer In dieser Saison spielen die badischen Landesligavereine erstmals in einer Gruppe, so daß man auf den Kräftevergleich Süd-Nord sehr gespannt war. Von den 42 Vorrundenbegegnungen, die die sechs Karlsruhe/Pforzheimer Vereine gegen die 7 Mannschaften aus Mannheim/ Heidelberg/Viemheim austrugen, gewannen die Südvertreter 20, 8 endeten unentschieden und 14 gingen verloren. Das Gesamtverhältnis lautet 89:65 für die Karlsruhe/Pforzheimer Mannschaften, wobei der 1. FC. Pforzheim mit 29:3 das beste Torverhältnis herausspielte. Von den 7 nordbadischen Vertretern konnte nur der VfL Neckarau gegen die südliche Konkurrenz ein positives Torergebnis (16:4) erzielen. Als einzige Mannschaften konnten Knielingen und Rohrbadi kein Spiel gegen ihre Kontrahenten aus Nord bezw. Süd gewinnen. Alle 13 Vereine haben Vertragsspieler in ihren Reihen stehen, wobei der 1. FC Pforzheim und Phönix Karlsruhe die meisten, der VfB Knielingen mit nur 2 die wenigsten verpflichtet haben. Die ,,Halbzeit"-Torschützenliste wird von dem schnellen Feudenheimer Mittelstürmer Heckmann mit 15 Treffern vor dem Neckarauer Balogh (13), dem Durlacher Stehlik (12), dem Phönix’ler Valentin (10) und dem Pforzheimer Clubmittelstürmer Rau (9) angeführt. Insgesamt wurden in den 78 Vorrunde- spielen 276 Tore erzielt, wovon 14 aus verwandelten Elfmetern und 7 aus Eigentoren resultieren. 11 Elfmeter kommen auf das Konto der Heimmannschaften und nur 3 auf das der Besucher. Erfolgreichster Schütze war Balogh, der drei dieser gefürchteten Strafstöße einschießen konnte. 2 Eigentore verschuldete Schwetzingen, je eines Rohrbach (gegen Neckarau, Feudenheim (gegen Friedrichsfeld), Friedrichsfeld (gegen Schwetzingen), VfR Pforzheim Portsmouth vergrößert Vorsprung Durch seinen 1:0-Auswärtssieg bei Charlton Athletik konnte der Tabellenführer der ersten englischen Division Portsmouth seinen Vorsprung auf 3 Punkte vergrößern, zumal die Verfolger Newcastle UTD mit Stoke City (1:1) die Punkte teilen mußte und Derby County in Sunderland durch eine 1:2-Niederlage sogar beide Punkte verlor. Die größte Besucherzahl hatte das Lokalderby zwischen Manchester UTD und City mit 66 000 angelockt. Das Treffen endete torlos. Zu einem beachtlichen Sieg kam der Tabellenletzte Aston Villa mit 1:0 gegen Arsenal. Die gleichfalls vom Abstieg bedrohten Vereine Sheffield UTD, Huddersfleld, Preston Northend und Middlesbrough spielten unter sich bzw. gegen Birmingham und in Burn- ley 0:0. Everton hielt Chelsea mit 2:1 Werder-Elf wurde mit 5:1 abgefertigt und es wird gut sein, wenn sich di« Hamburger allmählich mit dem Gedanken vertraut machen, daß , es durchaus möglich ist, den Nordmarktitel einmal an die niedersächsische „Provinz“ abzutreten. Zwar bleibt der Hamburger SV nach dem mageren 2:1 gegen Eimsbüttel weiterhin der Flotho-Elf auf den Fersen, aber Hamburgs zweites Eisen, St. Pauli, scheint schon zu erkalten. Jedenfalls kauft« der TSV Braunschweig am Vorsonntag dem FC St. Pauli den Schneid ab, denn jetzt wurden die vom Millerntor erneut geschlagen. Es wurd« nichts aus der Revanche für das unerwartete 2:2 des Vorspiels. Vielmehr bestimmten die Göttinger das Spielgeschehen eindeutig und Bertram und Schlegel durchbrachen St. Paulis stark« Abwehr zweimal mit Erfolg zum 2:0. (gegen ASV Durlach) und Brötzingen (gegen Knielingen). Den höchsten Sieg mit 11:2 feierte der 1. FC Pforzheim gegen Rohrbach. Die meisten Tore schossen Neckarau (35), die wenigsten Schwetzingen (9). Rohrbach mußte mit 32 die meisten, der 1. FC Pforzheim mit nur 8 die wenigsten Gegentore hinnehmen. f- h. Daxlanden weiterhin erfolgreich Daxlanden 15 44:11 28:2 Hagsfeld 16 39:21 21:11 Weingarten 15 39:20 19:11 KFV 14 32:15 18:10 Wiesental 11 30:13 17:5 Neureut 14 27:22 17:11 Ettlingen 16 24:23 15:17 Forst 16 15:27 14:18 Südstem 14 29:36 12:18 Eggenstein 14 20:24 11:17 Odenheim 15 31:41 9:21 Neudorf 14 20:42 7:21 Heidelsheim 16 14:69 3:29 Mühlburg II. (a. K.) 17 63:27 24:10 Eutingen jetzt allein in Führung Eutingen 13 44:27 19:7 Durlach-Aue 15 29:24 19:11 Mühlacker 13 30:17 17:9 Ispringen 12 30:29 10:8 Dillweißenstein 14 28:24 16:12 Berghausen 15 29:34 15:15 Königsbach 13 22:19 14:12 Birkenfeld J4 37:22 14:14 Söllingen 15 36:29 14:16 Grötzingen 13 29:32 12:14 Würm 14 12:47 5:23 ASV Pforzheim 15 14:33 5:25 Kreisklasse B, St. 3: Malsch — Wol- fartsweier 3:2, Ettlingenweier—Bruchhausen 2:5, Sulzbach — Völkersbach 4:1, Spinnerei Ettlingen — Schöllbronn 6:2, FrT Bulach — Oberweier 2:0. St. 4: Gölshausen — Wössingen 4:6, Wössingen Ib — Büchig 3 :2, Kürnbach — Bauerbach 0:2. nieder, 3:0 gewann Liverpool ln Bolton, während die Wolverhampton Wanderers über Blackpool mit 2:1 triumphierten. EV Füssen — einmal anders Die Füssener Eishockeymannschaft, die vor acht Tagen Riessersee zweimal geschlagen hatte, leistete sich auf eigenem Eis einen Seitensprung und trennte sich nach hartem Kampf mit dem Tabellenletzten HC Augsburg 4:4. Tabellenstand: 1. Preußen Krefeld 10:2 P„ 2. Bad Nauheim 6:6 P., 3. EV Füssen 5:3 P„ 4. SC Riessersee 4:2 P. r 5. HC Augsburg 1:9 Punkte. Als sechster Verein steigt endgültig Köln, das ln Mannheim 7:1 gewann, in die Oberliga auf. Joe Louis will seinen Titel gegen den Neger Eimer Ray verteidigen, vorausgesetzt, daß dieser seinen Kampf gegen Ezzard Charles gewinnt. Das verzauberte Mikroskop / ' Namen und Zahlen der Landesliga Veranstaltungen r»»KURBEL 18-21 Uhr: „Der himmlische Walzer'' AI f|B|H Heutel «Hannerl und ihre ”LUHIel Liebhaber“ mit Albredit Schönhals Olga Tschechowa, Hans Moser. Täglich: 11.00, 13.00, 15.00, 17.00, 19.00, 21.00 Uhr. Ueukiftiq (Ein Waliar In « Glück) Das entzückende Lustspiel um eine königliche Liebe mit Hans Nielsen, Lisa Lesco Sonja Ziemann, Aribert Wäscher, W. Bendow, Georg Thomalla u. a. Verleih LLOYD »FILM J. Eberhardt ATLANTIK ■ Llch, * piele tsp i • Htisertlr.5Durl.Ter TJgl.i 13.00,15.00,17.00,19.00,21.00 Uhr. Rh8 nflOld 15*CX),17.30,20.0üfthr Rh.ins,r. 77 Symphonie der Liebe «|t*i • Nur noch 3 Tage I filIHLH 15.00,17.30, 20.00Uhr Durlach Der 8rif von Monte Christo I. Teil Mittwoch, 26. Januar I960 Äeftöm<$all in der MAXIM*BAR unter unserem alten Motto: „Do mach sch was mit!“ Tischbestellungen erbeten. Tel. 3320. Eigener bewachter Parkplatz. Hinweis« Am Mittwoch, den 26. Januar 1949, um 19.30 Uhr, findet im Gasthof «Burghof“, Karl-Wilhelm-Straße, eine Mitgliederversammlung der 1DAD / Interessengemeinschaft der ausgesiedelten Deutschen / Mitglieder der Ortsgruppe Oststadt, mit folgender Tagesordnung statt. Bericht des Vorstandes, 2 Lichtbildervorträge und Ansprache des Kreisvorsitzenden, Rechtsanwalt Dr. Eugen Buchta, Karlsruhe, über aktuelle Fragen. Alle Flüchtlinge, auch Nichtmitglieder, werden aufgefordert, bei dieser Versamm- hm^zahireich zu erscheinen Immobilien Geschäftsräume ca. 200 qm, von Rundfunkgroßhandlung, möglichst per sofort beziehbar, in,guter Geschäftslage, zu mieten gesucht. Angeb. unt. 30 612 an SAZ Karlsruhe. Amtliche Bekanntmachungen Fundsachen - Versteigerung. Die in der Zeit vom 1. 4. 1948 bis 30. 8. 1948 in der Straßenbahn verloren gegangenen, troti Aufforderung jedoch nicht abgeholten Gegenstände werden am Mittwoch, den 26. Januar 1949, nachmittags 14.00 Uhr, in dem Kantinenraum der Städt. Werke — Straßenbahn — Tulla- straße 71, gegen Barzahlung öffentlich versteigert. StldJ. We^ke Karlsruhe «► t fr ai e Bb ahB — Bekanntmachung. gen die Inhaberin der „Berlitz-Sprachschule“, Karlsruhe Frau Daisy Hilgensiock Karlsruhe, Nokkstraße 2, wurde durch Unterwerfungsverhandlung des Finanzamts Karlsruhe-Stadt, vom 16. Dezember 1948, genehmigt am 17. Dezember 1948 wegen Einkommensteuerhinterziehung gemäß 5 396 Reichsabgabenordnung eine Geldstrafe von 1000 DM — Eintausend Deutsche Mark festgesetzt. Diese Bestrafung wird hiermit auf Kosten der Veurte'ilten bekanntgemacht. Karlsruhe, den 19. Januar 1949. Finanzamt Karlsruhe - Stadt. Verschiedenes Stellen Angebote Bei Einzelhandel, Großküchen und Gaststätten gut 'eingeführte Platzvertreter für Karlsruhe, für Lebensmittel-Großhandlung gegen Fixum und Provision gesucht. Anträge an Postfach 172, Khe. Stellengesuche Abiturientin, engl. Dolm.-Examen, franz. Sprachkenntn., Steno u. Maschinenschr., sucht pass. Stelle (mögl, wissenschaftl. od. liter.). IS3 30 626 an SAZ Karlsruhe. Zu mieten gesucht Suche schnellstens ln Khe. 1 möbl. Zimmer m. Küche, od. Küchenbenützung. Angeb. u. Nr. 4383 betörd. RING-WER- BUNG, (17 a) Karlsruhe/Baden, Kaiser- Allee 139. Wohnungstausch Zu verkaufen 2 Polstersessel, neu, billig zu verkaufen. Vögtle, Grötzingen, Friedrichstraße 57. Kleider- u. 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