KARLSRUHER NEUE ZEITUNG Erscheinungsweise* TA gl ich, außer Donnerstag nnd Sonntag. Redaktion, Verlagsabteilung und Druck Karlsruhe. Waldstraße 26, Telefon Nr. 922/923 (Dringend Presse) Anzeigenannahme und Vertrieb: Karlsruhe, Kaiserstraße 69, Telefon 6649? Durlach, Pfinztal- atraße 49, Ettlingen. Leopoldstraße 5, Telefon 36. Buchhandlung Lo4iner. Bezugspreis monatlich DM 2.40 einschließlich TrSgergebühr, Postzustellung DM 2.20 zuziigiidi Zustellgebühr. — Anzeigenpreise: Die sechsgespalteue. 4b mir breite MiUimeterzeile Millimeter-Grundpreis DM —.80, im übrigen siehe zur Zeit gültige Preisliste Nr. 3 a. — Postscheckkonto: Postscheckamt Karlsruhe Nr. 80 53S. 3. Jahrgang / Nr. 21 Karlsruhe. Samstag, 29. Januar 1949 Einzelpreis 20 Pfennig Gefängnis für Bochumer Arbeiter - „Völkerrecht ist für die Rechtsprechung in der britischen Zone nicht bindend“ BOCHUM, 28. Jan. (DENA) Sechs der sieben Angeklagten im Bochumer Demontageverweigererprozeß wurden am Freitag von einem einfachen britischen Militärgericht wegen Nichtbefolgung eines Befehls der Militär-Regierung zu je zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Ein Angeklagter wurde freigesprochen. Der Antrag der Verteidigung, die Haft durch Stellung einer Kaution in jeder Höhe aufzuschieben, wurde abgelehnt. Die Verurteilten wurden sofort in Haft genommen. Als Haftbeginn gilt der 12. Januar 1949. Die Verteidigung will gegen das Urteil Berufung einlegen. Kosten der Luftbrücke WASHINGTON, 28. Jan. (UP) Dia amerikanischen Luftstreitkräfte teilten mit, daß bisher 26 ‘Menschen im Dienste der Luftbrücke ihr Leben ließen. Außerdem habe es 106 750 000 Dollar gekostet, um in den vergangenen sieben Monaten mit amerikanischen Flugzeugen 651 953 Tonnen Versorgungsgüter nach Berlin zu bringen. In der gleichen Zeit hätten britische Flugzeuge 220 204 Tonnen Versorgungsgüter nach Berlin geflogen. Die im Monat Januar nach Berlin beförderte Tonnage hat 150 000 Tonnen überschritten und stellt jetzt schon den Rekord aller bisherigen Monatsleistungen dar. 2000 Menschen ertrunken HONGKONG, 28. Jan. (UP) Am Donnerstag stießen im Chinesischen Meer zwei mit chinesischen Flüchtlingen besetzte Schiffe zusammen und sanken. Einem australischen Zerstörer gelang es, 38 Ueberlebende dieser Katastrophe an Bord zu nehmen. Nach vorliegenden zuverlässigen Meldungen sind mindestens 2000 Menschen ertrunken. Groß-Offensive in Burma RANGUN, 28. Jan. (DENA-REUTER) Burmesische Regierungsstreitkräfte er- öffneten am Freitag in Zentral-Burma eine Großoffensive, um die an der Bahnlinie Rangun—Mandalay gelegenen Städte Toungoo und Pyu, die am Donnerstag von aufständischen Karen besetzt wurden, zurückzuerobern. (Die Karen sind Burmas größte nationale Minderheit.) Berichte, wonach die Karen in Zentral-Burma mit aufständischen Kommunisten gemeinsame Sache machen wollen, konnten von einem Sprecher der Regierung nicht bestätigt werden. Vor Ruhe in Griechenland? ATHEN, 28. Jan. (UP) Die griechische Regierung gab offiziell bekannt, daß sie den Vorschlag der Aufständischen auf sofortige Einstellung der Feindseligkeiten anzunehmen bereit sei. Ministerpräsident Sofulis schlug vor, sofort allgemeine Wahlen auszuschreiben und eine Generalamnestie zu erlassen. Rätselraten um Wyschinski PRAG, 28. Jan. (UP) Obgleich die Ankunft Wyschinskis schon früher von einem Beamten des Außenministeriums bestätigt worden war, weigerten sich bisher die amtlichen Sprecher des Informations- und des Außenministeriums, die Anwesenheit des stellvertretenden sowjetischen Außenministers in der Tschechoslowakei entweder zu bestätigen oder zu dementieren oder irgendwelche Einzelheiten über den Zweck seines Besuches mitzuteilen. Sie bestritten auch jede Kenntnis von einer etwaigen politischen Konferenz in Karlsbad. Säuberungsaktion in der CSR PRAG, 28. Jan. (DENA-REUTER) Im Rahmen einer augenblicklich laufenden Säuberungsaktion an tschechoslowakischen Universitäten una technischen Hochschulen sollen, wie ein amtlicher Sprecher bekanntgab, annähernd 5000 Studenten relegiert werden. Die Zahl der Studenten der Geisteswissenschaften will man vermindern, die Zahl derjenigen, die sich mehr praktischen Wissensgebieten zuwenden, dagegen um 30 bis 50 Prozent erhöhen. Politische Wissenschaften mit besonderer Betonung des Marxismus und Leninismus sind für Studenten obligatorisch. Heimkehr nach Südtirol möglich FRANKFURT, 28. Jan. (DENA) Südtiroler, die auf Grund des deutschitalienischen Abkommens im Jahre 1939 oder später die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen und ihren Wohnsitz , nach Deutschland verlegt haben, können ihre Option für Deutschland widerrufen, die italienische Staatsbürgerschaft wiedererwerben und nach Südtiro] zurückkehren. Entsprechende Anträge sollen bis zum 4. Febr. an das italienische Generalkonsulat in Frankfurt eingereicht werden. • Welt-Rundschau WASHINGTON. Der amerikanische Senat bestätigte einstimmig die Ernennung James Webbs zum stellvertretenden US- Außenminister. — NEW YORK. Prof. Jean Piccard will mit seiner Frau einen neuen Ballonaufstieg wagen, wobei sie eine Höbe von 33 000 Meter erreichen wollen. — PRAG. (UP). General Heliodor Pika, während des Krieges Leiter der tschechoslowakischen Militärmission in Moskau, wurde von einem Militärgericht wegen Spionage zum Tode verurteilt. — TEL AVIV. DTe Schweiz und Australien haben den Staat Israel de facto anerkannt.- — NEU DELHI. Die Urteilssprüche gegen den Gandhi-Mörder und seine Komnlizen sollen am 10. Februar verkündet werden. (Alle nicht gezeichneten Nachrichtent pENA) In der Urteilsbegründung des britischen Militärgerichts wird betont, daß die Angeklagten wissentlich absichtlich einen Befehl der Militärregierung nicht befolgt haben und daher im Sinne der Anklage schuldig sind. Die Angeklagten sind nach Ansicht des Gerichts nicht rechtsgültig entlassen worden, da sie die Gesenkschmiede verlassen haben, ohne die Arbeit überhaupt aufzunehmen. Alle Angeklagten hätten den Stirling-Befehl verstehen können, und es sei ihnen auch klar gemacht worden, daß eine Lösung des Arbeitsverhältnisses nur über das Arbeitsamt erfolgen könne. Es sei niemandem gestattet worden, die Arbeit willkürlich niederzulegen. Der Befehl Oberst Stirlings sei im übrigen rechtsgültig und vernünftig ufid übertrete keine zur Zeit in Deutschland gültigen Anordnungen. In der Urteilsbegründung wird ferner erklärt, daß das Gericht weder für Fragen des Völkerrechts noch der Demontagepolitik zuständig sei. Die Demontage habe die Billigung höchster britischer Stellen und müsse daher vom Gericht akzeptiert werden. Das Völkerrecht sei weder für das britische Recht noch für die Rechtsprechung in der britischen Besatzungszone bindend. Nach der Urteilsbegründung betonte Rechtsanwalt Dr. Dufhues s nochmals den Konflikt der Angeklagten zwischen dem Befehl einer fremden Besatzungsmacht und ihre Verpflichtung gegenüber der Heimat. Die Verteidigung werde mit allen rechtlichen Mitteln für einen Freispruch in der Berufungsinstanz eintre.ten. In einem Schlußwort an die Angeklagten betonte der Vorsitzende des Gerichts, daß auf ihnen die schwere Anklage der offenen Mißachtung eines Militärregierungs-Befehls laste. Strafmildernd sei, daß ihre Haltung von Leuten beeinflußt worden sei, die nicht auf der Anklagebank säßen. Die Arbeiter seien zweifellos von diesen aufgefordert worden, die Demontagearbeiten nicht auszuführen. WASHINGTON, 28. Jan. (DENA). Die Sowjetregierung antwortete nunmehr in einer formellen, nur wenige Zeilen umfassenden Note auf die Protestnoten der Westmächte zur Kriegsgefangenenfrage. Darin wird lediglich festgestellt, daß die Noten der Westmächte nichts enthielten, woraus die Notwendigkeit abgeleitet werden könnte, auf eine sachliche Behandlung ihres Inhaltes einzugehen. In einem der Note beigefügten Memorandum wird betont, daß die Sowjetregierung die Mehrzahl der in der Sowjetunion festgehaltenen Kriegsgefangenen bereits repatriiert habe und daß der Rest im Laufe des Jahres 1949 entlassen werde. Die Sowjetregierung habe niemals ein Versprechen atif Rückführung aller Kriegsgefangenen bis Ende 1948 gegeben, sondern man habe sich seinerzeit in Moskau lediglich \ geeinigt, daß der Kontrollrat ^zur Ausarbeitung eines Rückführungsplanes veranlaßt werden sollte. Einen großen Teil des Memorandums nimmt die Behauptung ein, daß allein 250 000 sowjetische Staatsbürger in Westdeutschland und tausende deutsÄer Kriegsgefangener uni Der zweite Verteidiger, Dr. Eugen Budde, erklärte vor Pressevertretern nach Schluß der Verhandlungen, die Verteidigung werde bis zur endgültigen Befreiung der Verurteilten weiter kämpfen. Dieser Kampf müsse nicht nur für die sechs Bochumer Arbeiter, sondern für alle deutschen Werktätigen geführt werden, die jemals in einen ähnlichen Konflikt kommen könnten. Das Bochumer Urteil, das Dr. Budde als „Fehlurteil“ bezeichnete, sei im übrigen sorgfältiger vorbereitet gewesen als das Anklage-Plädoyer, aber nicht so genau, daß es den völkerrechtlichen Geboten standhalten könnte. Die Verteidigung werde auch über die Berufungsinstanz hinaus beweisen, daß es noch wirkliche Richter in der Welt gebe. Die bedauerlichste WASHINGTON, 28 Januar. (DENA- REUTBR) Der Staatssekretär für die Armee im amerikanischen Verteidigungsministerium, Kennet,h C. Royall, erklärte vor dem Militärausschuß des Repräsentantenhauses, ein Krieg stehe zwar nicht unmittelbar bevor, jedoch müsse man mit seiner Möglichkeit rechnen. Nach Royalls Ansicht besteht wenig Aussicht dafür, daß die internationale Lage in den kommenden Jahren frei von Gefahren und ohne Spannungen sein wird. Die militärische Stärke der Vereinigten Staaten müss.e daher diesen Umständen Rechnung tragen. Der diplomatische Korrespondent der „New York Times“, James Weston, schreibt am Freitag, daß die über den Atlantikpakt verhandelnden Delegierten unter anderem folgende wichtige Beschlüsse im Prinzip angenommen hätten: 1. Die den Pakt ratifizierenden Nationen sollen sich verpflichten, im Falle eines bewaffneten Angriffes ge- ter dem Vorwand von Arbeitsverträ- gen in den westlichen Ländern festgehalten würden. Ein Sprecher der „Stimme Amerikas“ erklärte dazu, die von sowjetischer Seite aufgestellten Behauptungen seien so durchsichtig und unhaltbar, daß sich eigentlich eine Stellungnahme erübrige. Es sei allgemein bekannt, daß es sich bei den angeblich in Westdeutschland zurückgehaltenen sowjetischen Staatsbürgern um Angehörige der baltischen Länder handle, die amerikanische Lager einer Rückkehr in ihre „dem Sowjetparadies angegliederten“ Heimatländer vorziehen. Ebenso wisse jedermann, daß ehemalige deutsche Kriegsgefangene freiwillig und, wie im Falle Frankreichs, auf Grund von einjährigen vom Internationalen Roten Kreuz kontrollierten Arbeitsverträgen in den Ländern Westeuropas zurückgeblieben sind. Nicht eine einzige der von den Westmächten gestellten Fragen sei befriedigend beantwortet worden, und man wisse heute immer noch nicht, wieviel Kriegsgefangene in der Sowjetunion gestorben sind und wieviel sich noch in sowjetischn Lagern befinden. Erklärung im Bochumer Prozeß ist nach Ansicht Buddes die Aeußerung des Anklägers über die Nichtanerkennung des Völkerrechts gewesen. Verhandlung über Demontage DÜSSELDORF, 28. Jan. (DENA). Endgültige Entscheidung über die Demontagen wird nach Ansicht von gut unterrichteter alliierter Seite nicht vor Mitte Februar erfolgen, weil die Verhandlungen zwischen der amerikanischen, der britischen und der französischen Regierung erst zu diesem Zeitpunkt abgeschlossen sein werden. Die zukünftige Ruhrstahl- Kapazität werde von der Entscheidung über bedeutende Demontageobjekte,"wie Thyssep-Hütte und Deutsche Edelstahlwerke, die Grobblechwalzenstraße der Dortmund - Hörder Hüttenwerke, die Reichswerke Salzgitter und einigen anderen Werken bestimmt. Bei den jetzt eingeleiteten Schlußbesprechuugen gehe es nicht um die Anzahl der nicht zu demontierenden Werke, sondern allein um die Frage der Stahlkapazität. gen eine der Signatarmächte „militärische oder andere damit zusammenhängende Maßnahmen“ zu ergreifen. 2. Der Pakt soll für 16—20 Jahre abgeschlossen und nicht in einem Jahr erneuert werden, in dem in den USA Präsidentschaftswahlen sind. 3. Die Außenminister der USA, Großbritanniens, Kanadas, Frankreichs, Belgiens, der Niederlande und Luxemburgs sollen den Vertrag voraussichtlich Mitte März in Washington, Ottawa oder auf den Bermudas unterzeichnen. 4. Der Pakt soll die Bildung eines ständigen Nord - Atlantik - Sicherheitsrates vorsehen, der ermächtigt sein würde, zur Durchführung der Bestimmungen des Paktes weitere ständige Ausschüsse, darunter ein militärisches Stabskomitee, aufzustellen. 5. Der Grundsatz, daß die im Pakt vorgesehenen Verpflichtungen in Uebereinstimmung mit dem verfassungsmäßigen Verfahren der Mitgliedstaaten erfüllt werden, soll in den Pakt aufgenommen werden. Berufungen im Fall Cuhorst STUTTGART, 28. Jan. (DENA). Der ln die Gruppe der Hauptschuldigen eingestufte ehemalige Senatspräsident und Vorsitzende des damaligen Stuttgarter Sondergerichts, Hermann Cuhorst, hat, wie bekannt wird, gegen den Entscheid der Stuttgarter Spruchkammer Berufung eingelegt. Cuhorst war am 27. Oktober 1948 in die Gruppe der Hauptschuldigen eingestuft und für vier Jahre und drei Monate in ein Arbeitslager eingewiesen worden. Wie aus dem württemberg-badischen Befreiungsministerium verlautet, hat der öffentliche Kläger im Verfahren gegen Cuhorst ebenfalls Berufung eingelegt, da ihm die Arbeitslagersühne von vier Jahren und drei Monaten als zu gering erscheint. FRANKFURT, 28 Jan. (DENA) Nachdem der Leiter der Presseabteilung des Verwaltungsrates, Ministerialdirektor Knappstein, Anfang der Woche bereits nachdrücklich und unter Vorlage von Zahlenmaterial Meldungen des Berliner „Telegraf“ über die Zahl der ehemaligen Parteimitglieder und Stabsoffiziere in den Zweizo^enVerwaltungen richtiggestellt hatte, wies Oberdirektor Pünder vor der Presse persönlich und mit scharfen Worten die erneuten Angriffe des „Telegraf“ auf seine Verwaltung zurück. Dr. Pündar erklärte, es handele sich bei den Meldungen des „Telegraf“ um unwahre Behauptungen, die er nicht anders als „Brunnenvergiftung“ bezeichnen könne. Es sei offensichtlich, daß diese Angriffe aus einer bestimmten politischen Richtung kämen und „mit Blickrichtung auf Bonn“ vorgetragen würden. Folgejjäieser dauernden ungerechtfertigtei^Angriffe sei es aber, daß die Beamten kaum mehr bei ihrer Arbeit bei den bizonalen Verwaltungen zu halten seien. Gleichzeitig wandte sich Dr. Pünder gegen die Angriffe des württemberg- had'schen Finanzministers Dr. Heinrich Köhler im Landtag. Die Wahrheit zwinge ihn zu der Feststellung, daß auch Finanzminis'ter Köhler ein Opfer von Zahlen geworden «ei, die entweder veraltet seien oder überhaupt nicht zuträfen. Es sei ihm unverständlich, daß Dr. Köhler geglaubt habe, „eine Flucht in die Oeffentlichkeit“ an- treten zu müssen, während, doch Mine Beanstandetes Gewerbegesetz STUTTGART, 28. Jan. (SAZ). Di« Militärregierung Württemberg - Baden setzte der Regierung von Württemberg-Baden die Gründe auseinander, die zur Ablehnung des Gesetzes über die Lizenzierung von Gewerbeunternehmungen geführt hätten. In einem Brief an Ministerpräsident Dr. Reinhold Maier nannte der Direktor der Militärregierung, Charles P. Groß, u. a. fünf Punkte, in denen das suspendierte Landtagsgesetz bei der Errichtung unabhängiger Handwerksbetriebe, Handelsunternehmen, Finanz-, Grundstücks- und Reiseagenturen, Konsumgenossenschaften und gemeinnützige Organisationen entgegen den Wünschen der Militärregierung eine Zulassung befürworte. Ferner erhebe die Militärregierung Einwände gegen die Festlegung einer Geldoder Gefängnisstrafe bei Eröffnung eines Unternehmens ohne Lizenz. Auch ins weiteren Punkten verletze das Gesetz Nr. 612 die Vorschriften der Militärregierung, da es den Nachweis der „persönlichen Zuverlässigkeit“ und „wirtschaftlichen Notwendigkeit“ fordert, heißt es weiter in dem Brief der Militärregierung, fz. „Ein hoffnungsvolles Zeichen" STUTTGART, 28. Jan. (SAZ) Der Chef für innere Angelegenheiten bei der Militärregierung für Württemberg- Baden, Chester B. Lewis, bezeichnete die lebhafte Debatte zwischen den Zeitungen und dem Landtag in der Frage des Kulturpfennigs « als das erste sichtbare Zeichen einer wahrhaften demokratischen Entwicklung seit der Besetzung Deutschlands. Interessant sei die Tatsache, so fügte er hinzu, daß das, was die Besatzungsmacht durch ihr Umerziehungsprogramm zu fördern versuchte, sich dahin entwickelt habe, daß die Macht des Volkes in Zukunft sich als eine Kraft auswirke, die in der Lage ist, ihr eigenes Schicksal zu gestalten, fz Manifest der SED BERLIN, 28. Jan. Am Freitag, dem letzten Tag der SED-Parteikonferenz, wurde ein „Manifest der ersten Parteikonferenz der SED an das gesamte schaffende deutsche Volk“ verlesen, in dem alle Deutschen aufgefordert werden, sich dem Kampf der SED gegen das „Lager der Reaktion“ anzuschließen. An der Seite der Sowjetunion und der Volksdemokratien sei der Erfolg der SED sicher. In dem Aufruf werden die während der Konferenz erhobenen Anschuldigungen gegen die Westmächte wiederholt und die Aufhebung der Ruhrkontrollbehörde sowie der Abschluß eines deutschen Friedensvertrages und die Bildung einer gesamtdeutschen Regierung gefordert. Weiter wird die Durchführung einer Bodenreform in ganz Deutschland und'die Wiederherstellung der politischen und wirtschaftlichen Einheit Deutschlands verlangt. Todesstrafe für Liebenow HAMBURG, 28. Jan. (DENA) Mit einem Todesurteil sowie Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf Lebenszeit endete hier am Freitag der Prozeß gegen den 34jährigen Friseur Erich Liebenow. Liebenow hatte am 27. Oktober 1948 seine beiden Kinder gleichzeitig mit den Händen erwürgt, um, wie er sagte, wieder ein glücklicheres Eheleben mit seiner Frau führen zu können. Verwaltung jederzeit für jede Auskunft zur Verfügung gestanden hätte. Er selbst sei jetzt allerdings gezwungen, eine „Flucht in die Oeffentlichkeit ehrlicher Art“ anzutreten. Auch Radio Frankfurt deutsch FRANKFURT, 28. Jan. (DENA) In Anwesenheit von General Lucius D. C'.ay, Oberdirektor Dr. Hermann Pünder, sowie Vertretern der Militärregierung für Hessen und der Zweizonen- verwaitung wurde am Freitag die Uebergabe von Radio Frankfurt in deutsche Hände eingeleitet. In einer Ansprache betonte General Clay, es sei der amerikanischen Militärregierung von Anfang an klar gewesen, daß Rundfunk und Presse, solange sie unter der Kontrolle einer Besatzungsmacht stehen, niemals Rundfunk und Presse der Bevölkerung sein können, der sie dienen sollen. Er glaube, Deutschland sei man sich voll der Macht einer kontrollierten Presse und eines kontrollierten Rundfunks bewußt und werde die Vorzüge e : n°s fielen Rundfunks • und einer freien Presse zu würdigen wissen. Protest gegen Spielbank KARLSRUHE, 28. Jan. (epd). Landesbischof D. Bender hat beim S‘aa*s- präsidenten in Freiburg gegen die geplante Eröffnung einer Spielbank in Baden-Baden Einspruch erhoben. Erneute Angriffe im Landtag gegen Frankfurt Debatte über das Verschwinden der Sanitätslagervorräte in Weinheim STUTTGART, 28. Jan. (SAZ) Mit großer Empörung nahm der Landtag in seiner 106. Sitzung von einem Bericht des Innenministers Ulrich Kenntnis, der sich mit der Zurückhaltung von großen Mengen von Verbandsmaterial im Sanitätslager Weinheim bis nach der Währungsreform befaßt. Diesem Bericht zufolge hat die Verwaltung für Wirtschaft in Frankfurt das Innenministerium und die Zweigstelle der STEG in Stuttgart dadurch irre geführt, daß sie am 24 Juni 1948 mitteilte, in Weinheim sei kein Verbandsmaterial mehr vorhanden, während dem Innenministerium am 2. Juli 1948, ■'Iso 14 Tage nach der Währungsreform, die vorher angeforderten Verbandsstoffe plötzlich wieder angeboten wicien Die Ermittlungen des Innenministeriums ergaben ein völliges Gegeneinanders Seiten verschiedener Abteilungen der VfW, die sich mit Mißverständnissen entschuldigt Diese' Erklärungen des Innenministers wurden von den Abgeordneten wiederholt durch Protestrufe unterbrochen. Landtagspräsident Keil sprach anschließend von einer ungeheuren bürokratischen Verknäuelung, bei der auf Kosten der. Gesundheitsbehörden gesündigt worden sei. Die Abgeordneten Pflüger (SPD) und Buchmann (KPD) verurteiltet! die hier wieder zutagegetretene Frankfurter Mißwirtschaft ebenfalls aufs schärfste und beantragten die Errichtung eines Untersuchungsausschusses zur Ueberprüfung der Angelegenheit. Abg. Dr. Knorr tSPD) beantragte dagegen, der sechs- köpfige STEG-Ausschuß des Landtages möge sich mit der Ueberprüfung der Weinheimer Affäre befassen. Abg. Schloß (DVP) schloß sich diesem Vorschlag an, betonte aber, man solle die VfW nicht verurteilen, bevor der Tatbestand erwiesen sei. fz UdSSR antwortet auf Kriegs? ef an gen en-Note Sowjetrußland will niemals ein Rü ckführungsversprechen gegeben haben Eine Warnung Royalls „Wichtige Beschlüsse zum Nordatlantik-Pakt angenommen“ Dr. Pünder gegen Berichte des „Telegraf" Auch der Finanzminister von Württemberg-Baden wird kritisiert leite 1 1 Nummer 21 S AZ / lamatag, den 89. istw JSüODjötftftsSiSmicinf Nnmmer 21 / Samstag, 29. Januar 1949 Der Prügelknabe FXR. Ministerpräsident D^.-'Ueinhold Maler hat vor dem Landtag eine Erklärung abgegeben, In die ein ziemlich massiver Angriff gegen die Presse eingebaut war. (Siehe SAZ Nr. 20 vom 28. Januar). Dagegen Ist nichts zu sagen, solange er sachlich bei den Tatsachen bleibt. Gegenseitige Kritik befruchtet, wenn sie aus dieser Absicht heraus geübt wird. Diese Ueberzeugung fällt beim Lesen der Erklärung des Ministerpräsidenten Jedoch außerordentlich schwer. Die ange- stellten Vergleiche hinken und die darauf aufgebauten Schlüsse stehen entsprechend wackelig da. Zunächst einmal wird der Presse vorgeworfen, mit der Unterschriftensammlung über das K\iiturpfennifigesetz selbst gegen die Verfassung gewirkt zu haben, da eine Volksabstimmung über .Steuergesetze ausgeschlossen ist. Ziel und wesentliches Merkmal einer verfassungsmäßigen Volksabstimmung Ist die Auflösung des Landtages. Und davon war doch niemals die Rede?! Eine Untersuchung, wie die Oeffentiichkeit über ein Gesetz denkt, ist etwas ganz anderes. Es steht der Regierung natürlich frei, das Ergebnis zu beachten oder nicht, legale Wirkungen hat es In Steuerfragen nicht. Aber moralische Wirkung sollte es haben. Das Recht, die öffentliche Meinung festzustellen, kann von keiner Seite bestritten werden. Ob und wann das eine Volksabstimmung ist, ob das Resultat erfreulich oder unangenehm ist, wird immer yön den Zusammenhängen und vom jeweiligen Standpunkt abhängen. Der Vergleich mit „hochprozentigen Ja- Abstimmungen eines verflossenen Regimes" wäre besser unterblieben. Nicht nur, daß er eine zu stark abgenutzte Taktik darstellt, die seit drei Jahren alles, was anders als die eigene Meinung ist, mit dem Hinweis auf „nazistische" Methoden abtun möchte. Man sollte eine halbe Million Bürger, die von ihrem Recht Ja oder Nein zu sagen, Gebrauch machen, nicht In dieser Form vor den Kopf stoßen. Als Nein-Stimmen gingen übrigens bei uns lediglich zwei Leserbriefe ein. Einen davon haben wir veröffentlicht, der andere enthielt völlig falsche Behauptungen und wurde schriftlich beantwortet. Er war von einem Landtagsabgeordneten. Der Vergleich mit dem Tabakladen ist auch nicht sehr glücklich gewählt. Die Zeitung ist ein sehr wesentliches Element des öffentlichen Lebens. Eine Zigarre oder Zigarette ist das in unseren Augen nicht. Ueber die Presse steht immerhin etwas in der Verfassung, über den Tabak nicht. Diese Verfassung ist wirklich ein hohes Gut, hier stimmen wir mit dem Ministerpräsidenten völlig überein. Gerade des- - halb sollten die jetzt diskutierten Fragen sehr ernst und sachlich.; behandelt weiden. Und nicht mit einem zu deutlich durch- - Ichlmmernden Aerger und dem - krampfhaften Versuch, das etwas angekratzte Prestige zu retten. Die ganze Erklärung, soweit sie gegen die Presse gerichtet war, spiegelt jene Atmosphäre wider, aus welcher das Kultur- Pfenniggesetz stammt. Das wird besonders bei dem ach so billigen Hinweis auf die Besatzungsmacht und die Presse deutlich. Der Ministerpräsident weiß ganz genau, daß die Presse völlig frei und unbeeinflußt ist. Wir legen sehr viel Wert darauf, daß unsere Haltung in der ganzen Angelegenheit nicht der Besatzungsmacht ange- dichtet wird. Wie gesagt, es fehlt die Sachlichkeit in der Erklärung des Ministerpräsidenten Mit bewährten und marktgängigen Angriffen wurde ein Prügelknabe gesucht, um von den eigentlichen Dingen abzulenken. Wie das in Deutschland von jeher üblich ist: * der andere ist schuld. Wir wollen gar nicht bestreiten, daß es für Landtag und Regierung ärgerlich ist, was die Presse sagte und fragte. Aber es geschah ja nicnt, um zu ärgern, sondern in guter Absicht mit gutem Recht. Und daran wird sich auch nichts ändern. Brennpunkte: Demontage und Restitutionen Demontagepolitik zwischen politischen und wirtschaftlichen Bedenken— Von unserem - wk-Kor res p ond ent en im Ruhrgebiet DÜSSELDORF. (SAZ) Der bekannte Völkerrechtler Dr. Budde forderte als Verteidiger im Bochumer Prozeß gegen die Demontageverweigerer vor wenigen Tagen, das Gericht möge Marschall Sokolowski als Zeuge zu der Aussage laden, daß der von Tru- man, Stalin und Attlee festgesetzte Demontagetermin des '2. Februar 1948 nicht verlängert worden sei. Die Tatsache, daß trotz dieser auf der Potsdamer Konferenz getroffenen Vereinbarung die Demontage noch nicht zu Ende geführt, sondern darüber hinaus zu einem der begehrtesten Spielbälle in der hohen Politik geworden ist, beweist die unterschiedliche Auffassung der Alliierten in dieser Frage. 117 Werke sollen nun von der Demontageliste gestrichen werden und im Hinblick auf die größere, europäische Konzeption ihre Produktion fortsetzen. Während die Amerikaner 167 Werke zugunsten des europäischen Wiederaufbaus erhalten wollten, wurde von England und Frankreich wieder einmal neben dem Hinweis auf eine „zu große deutsche Stahlproduktion“ die schon etwas abgenutzte Parole der „Bedrohung des Weltfriedens" ins Feld geführt. Vergeblich wurde von deutscher und auch amerikanischer Seite darauf hingewiesen, daß die Einschaltung Deutschlands in einen europäischen Verband alle Befürchtungen für die Sicherheit Westeuropas ausschalte. Es nimmt daher nicht Wunder, daß man in Westdeutschland im Zusammenhang mit der englischen und französischen Haltung zur Demontage nach wie vor von Konkurrenzschädigung spricht und dabei auch die heftige englische Kritik der letzten Tage am deutschen Export erwähnt. Die Zweifel am Sinn der Demontage werden umso stärker vorgebracht, als sich in zahlreichen Fällen bereits gezeigt hat, daß einzelne Länder — wie etwa Griechenland und Dänemark — die Annahme demontierter Werke verweigerten So sehr die zuständigen deutschen Stellen die Demontagepolitik der Alliierten mit Skepsis aufnehmen, so weisen sie jedoch die wiederholten Meldungen über den forcierten Abbau von Werken zurück. Es sei unwahr, wenn man behaupte, die Engländer handelten unfair und hätten sich nicht an die Demontagetermine gehalten oder diese vorverlegt. Zwar seien diese Termine von den Engländern festgelegt worden, doch hätten diese noch keine besonderen Forderungen in dieser Hinsicht erhoben. Die bisher gegen die Militärregierung vorgebrachten Begriffe werden zudem als unklug bezeichnet, da man sich damit der Gefahr aussetze, daß die auch in der Demontagefrage immer noch angelehnte Tür zugeschlagen und danach nicht mehr verhandelt, sondern nur noch bestimmt werde. Besonderes Interesse bei dem umstrittenen Komplex der Demontage beansprucht die Frage, inwieweit die Länder östlich des Eisernen Vorhangs Anteil an der Demontage haben. Auf Grund der im Juli in London zwischen den Westmächten getroffenen Vereinbarung werden die für die Sowjetunion bestimmten 25 Prozent der Reparationsleistungen solange zurückgestellt, bis die Berliner Blockade 1 aufgehoben wird. Man läßt bei den deutschen Wirtschaftsbehörden die Frage offen, ob es sich dabei um eine bewußte Zurückhaltung dieser Demontagegüter handelt oder ob lediglich der Versand der Werke vorläufig eingestellt ist. Unberührt von dieser in London vereinbarten Regelung bleiben die Restitutionen, ein Problem, das heute bei den deutschen Stellen erhöhte Beachtung findet. Hier ist keine Sperre vorgesehen und die Lieferungen an die Länder des Ostblocks werden ebenso schnell durchgeführt wie an die westlichen Staaten. Sollten die Forderungen der einzelnen Länder erfüllt werden, so würde dies bedeuten, daß etwa die Tschechoslowakei 781 Maschinen — in erster Linie sind Werkzeugmaschinen der Engpaßindustrien von den Restitutionen betroffen, dann auch Bohrwerke, Pressen, Krane und Motoren —, Polen 761, Rußland 184 und Jugoslawien 135 Maschinen erhalten würden. Dies sind jedoch nur die geringeren der angemeldeten Ansprüche Ein „offenes Wort" — leicht verdreht n FRANKFURT. (SAZ) Die" ln Frankfurt erscheinenden „Informationen“ der KPD Hessen beschäftigen sich in ihrer Nr. 2 vom 19. Januar mit der Kriegsgefangenenfrage. Walter Fisch, Stellv. Vorsitzender der KPD der Westzonen, nannte den zu diesem Problem von ihm geschriebenen Artikel „Ein offenes Wort“. Ohne auf diesen Aufsatz näher eingehen zu wollen, sei sein Inhalt doch in jenem Absatz korrigiert, der sich mit dem Pressereferenten des Frankfurter Verwaltungsrats, Min.-Dir. Knappstein, beschäftigt. Fisch meint darin: „Die Drahtzieher der antikommunistischen Propaganda haben einen Termin festgelegt, zu dem sie eine neue systematische, von oben gelenkte Haßkampagne gegen die Sowjetunion starten wollen, um mit Hilfe des Kriegsgefangenenproblems von Handlungen ablenken zu können, von denen sie annehmen mußten, daß sie den stärksten Unwillen der deutschen Bevölkerung hervor- Iniernationaler Presse-Club" in Heidelberg n HEIDELBERG (SAZ). Im Anschluß an ein vom Amerika-Haus Heidelberg durchgeführtes mehrwöchiges Seminar über Pressefreiheit, bei dem u. a. der Entwurf eines Pressegesetzes und das Gesetz über den Kultur-Pfennig zur Erörterung kamen, wurde ein „Internationaler Presse-Club“ Heidelberg gegründet. Diese Vereinigung soll sich, wie die Journalisten betonen, nicht auf Heidelberg beschränken, sondern auch anregend auf einen weiteren Bereich wirken. Seine Hauptaufgabe erblickt der Heidelberger Presse-Club darin, alle in der Presse und für die Presse tätigen Männer und Frauen zum menschlichen Kennenlernen zusammenzuführen. Durch aktive Stellungnahme zu den Ereignissen der Zeit, unter Hinzuziehung maßgeblicher Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens aller Sparten, will er die Aufgabe der Journalisten, Mittler zwischen Regierung und Volk zu sein, ganz besonders pflegen und zu greifbaren Erfolgen kommen. Aus dem Bestreben, den ständig und vorübergehend anwesenden ausländischen Korrespondenten ein Bild von der wirklichen Situation in Deutschland zu vermitteln, erklärt sich der internationale Charakter der Vereinigung, die dergestalt ein „Will- kommens-Ciub“ sein soll. Er steht außerdem im engen Zusammenwirken mit der „Heidelberger Gesellschaft“ und dem Amerika-Haus Heidelberg. In den Vorstand des „Internationalen Presse-Club* Heidelberg wurden gewählt: • " . Gault MacGowan, ' Korrespondent der '„New York £5ün“ als Ehrenvorsitzender: Verlagsdirektor Karl Vetter, Heidelberg, als Vorsitzender; die Lizenzträger Dr. Hermann Knorr, Rhein - Neckar - Zeitung, Heidelberg; Fritz v. Schilling, Mannheimer Morgen, Mannheim: Felix Richter, Süddeutsche Allgemeine, Karlsruhe-Pforzheim, als stellvertretende Vorsitzende. Weiter gehören dem Vorstand an: Der Leiter des Heidelberger Amerika- Hauses, Mr. Norquith; Otto Bohl (Vertreter der DENA, Heidelberg); R. P. Petersen und Hans F. Mayer, als Vertreter der freien Journalisten; Dt. Schmidt-Rohr für das Institut für Publizistik an der .Universität Heidelberg und Mrs. Marion Cam- bell „Washington Star“, als Vertreterin der amerikanischen Korrespondentinnen. Anläßlich des Beginns der praktischen Arbeit des Clubs spricht am 7. Februar der Präsident der Arbeitsgemeinschaft der Zeitungsverleger- Verbände in der US-Zone, F. K, Maier, Stuttgart, über die Situation der deutschen Presse. rufen würden. Ein Ministerialdirektor der bizonalen Verwaltung, Herr Dr. Knappstein, hat die Katze aus dem Sack gelassen. Bereits am 15. Dezember kündigte er eine große Propagandaschlacht um die Kriegsgefangenen an, deren Beginn auf den 1. Januar festgelegt war. Die Presse sollte jedoch möglichst nichts „voreilig“ verlautbaren. Der 1. Januar war der Termin, zu dem der deutschen Bevölkerung das Ruhrstatut bekannt würde. Das wußte Herr Dr. »Knappstein.“ Soweit das „Offene Wort“ von Herrn Fisch. Unser Frankfurter Mitarbeiter, der auf jener Pressekonferenz Mitte Dezember 1948 im Gebäude des Frankfurter Wirtschaftsrates anwesend war, notierte damals folgendes: „Knappstein antwortet auf Anfrage eines Kollegen, daß Oberdir. Dr. Pünder zur Kriegsgefangenenfrage noch nichts sagen wolle, da der Termin für die Rückführung der Kgf. aus der Sowjetunion (31. 12. 48) noch nicht verstrichen sei. Theoretisch sei daher eine Rückführung bis zu diesem Zeitpunkt noch möglich. Presse solle sich daher in der Behandlung der Kgf.-Frage möglichst zurückhalten und noch keine voreiligen Kommentare starten.* Eine Rückfrag» bei der Presse-Ab- teilurig des VerwaltüngsratS am Montag in Frankfurt ergab, daß die damalige Notiz unseres Frankfurter Mitarbeiters inhaltlich der Erklärung Min.-Dir. Knappsteins vor der Frankfurter Presse im Dezember vergangenen Jahres entspricht. Tatsächlich hat auch Oberdir. Dr. Pünder nach Ablauf des Termins bei seinen eilten Ausführungen vor der Presse im neuen Jahr (7. 1. 49) das Kriegsgefangenenproblem aufgegriffen und darüber Erklärungen abgegeben, die wir seinerzeit veröffentlichten. Weiter hat Pfarrer Merten zur Frage der Rückführung unserer Brüder und Schwestern aus den Lagern hinter dem Eisernen Vorhang wenige Tage später erschütternde Zahlen genannt und über die Lage dieser bedauernswerten Menschen in den „Schweigelagern“ usw. berichtet, soweit dies bei der Undurchsichtigkeit der Verhältnisse möglich war. Das „Offene Wort“ von Herrn Fisch ist also im Fall Knappstein leicht verdreht — zu einem F i s c h z u g aber braucht man klare Leinen und Netze. Sonst Ist der Erfolg gering. We und das Bild vom Ausmaß der Restitutionen wird erst deutlich, wenn man einige der größeren Posten aufzählt: Frankreich mit 3900 Restitutionsanträgen — ursprünglich forderten die Franzosen 60 000 Maschinen —, Belgien mit 3626 und Holland mit 2159 Anträgen. Es darf nicht unerwähnt bleiben, daß von einigen Ländern, insbesondere von den Franzosen, laufend neue Anträge gestellt werden. Dia deutschen Stellen, die sich mit den Restitutionsforderungen befassen, erklären, daß die dadurch verursachte Schädigung der deutschen Wirtschaft dem Umfang der gesamten Demontage entsprechen. Ein großer Teil dieser Forderungen müsse als äußerst fragwürdig bezeichnet werden, da nicht nur grundsätzlich erst einmal angenommen wird, jeder Kauf einer Maschine während des Krieges im besetzten Ausland sei unter Druck erfolgt, sondern weil auch die Maschinen zurückgefordert werden, die durch Hingabe von Patenten und bei Materialgestellung von deutscher Seite erworben oder auch nur im Ausland montiert wurden Nach Auffassung der deutschen Wirtschaftsbehörden ist di» Rechtsgrundlage und damit das Problem der Restitutionen noch heute völlig ungeklärt und eröffnen v sich auch gegenwärtig noch keine Aussichten auf eine Diskussion mit den Alliierten. Mittlerweile aber wird der Abtransport der Maschinen in straffem Tempo fortgesetzt. Als besonders interessant wird die Tatsache angesehen, daß die Restitutionen bei der Aufstellung der Demontageliste weder berücksichtigt, noch überhaupt angesprochen wurden, obwohl man allilerter- seits wußte, daß die meisten Länder entsprechende Forderungen anmelden würden. Deutsch land - Run dschau VEREINTE WESTZONEN: Ludwigsburg. Am 12. Februar wird in Ludwigsburg das „Deutsch-französisdia Institut" eröffnet. Das Präsidium des Instituts, das die Beziehungen zwischen den beiden Ländern beleben will, wird der südwürttembergische Justizminister Prof. Dr. Carlo Schmid übernehmen. — München. Der bayerische Senat sprach sich mit 29 gegen 9 Stimmen bei zwei Enthaltungen für das in Form eines Referenteh- entwurfes vorgelegte Pressegesetz für Bayern aus. — Frankfurt. Die amerikanische Armee hat laut offizieller Bekanntgabe ein Sondergeric^it geschaffen, das Angriffe auf die Sicherheit der amerikanischen Streitkräfte in Deutschland aburteilen wird. Dem Tribunal gehören zwölf Militärs als Richter, an. (up). — Bonn. Der *. Hauptausschuß des Parlamentarischen Ra- - tes wird ffm kommenden Donnerstag mit der dritten Lesung^ des Gpundgesetzentr wurfes beginnen, die sich jedoch nur auf die noch strittigen Probleme und Artikel beschränken soll, bei denen eine nochmalige Lesung zweckmäßig erscheint. VIERZONENSTADI BERLIN: Berlin, (up). Beamte [der westlichen Militärregierung sind davon überzeugt, daß die SED schon in Kürze Mitglied des Kominform werden wird. Dies würde nach Ansicht dieser Beamten die völlige Einbeziehung der sowjetischen Besatzungs- zon Deutschlands in die sowjetische Einfluß-Sphäre bedeuten. (Alle nicht gezeichneten Nachrichten: DENA) Lizenz-Nummer US-WB 116. Herausgeber und Chefredakteur: Felix Richter. Stellvertretender Chefredakteur Heinz A. Dechant. Redaktionsmitglieder: Max Geisenheyner, Helmut Haag, Wilh. Hagenmeyer, Rudolf John, Hanns Mohn, Dr. W. Oberkampf, Otto P. Paeffgen, Hildegard Pieritz, Adolf Rohrhirscb, Josef Werner. — Mit vollem Verfassernamen gezeichnete Beiträge stellen nicht unbedingt die Meinung der Redaktion dar. Nachdruck von Originalbeiträgen nur mit Genehmigung gestattet, das Zitierungsrecht bleibt unberührt. Für unverlangt eingesandte Manuskripte keine Gewähr. — Verlag: Süddeutsche Allgemeine, Zeitungsverlag GmbH. Verlagsdirektoi^ Dipl.-Ing. Herbert Lohmeyer. WAS IST MVIT ect ROMAN VON BERT GEORGE 26. Fortsetzung Das war allerdings zu erwägen, was Fräulein Garvan da erzählte. Auch ich hatte von der Alten keinen günstigen Eindruck, als ich sie ken- nenlemte. „Aber Rottmann — wie erklären Sie sich den Mord an ihm?“ „Ich vermute, daß Rottmann davon Kenntnis hatte, wieso sie Bratt vergiftete. Er sagte mir oft, daß die alte Pohl schlauer wäre als zenn Teufel, und daß er sie zu allem fähig halte.“ Das war alles neu; ich konnte es nicht recht fassen. „Warum hat mir denn Rottmann im Verhör nichts von diesen Dingen erzählt?“ „Er wollte mich sicher um jeden Preis schonen. Daher war er in allen seinen Äußerungen vorsichtig oder er schwieg. Hätte er Sie auf die Pohl aufmerksam gemacht, so wäre sie von Ihnen verhört worden und Frau Pohls Verhaftung bedeutete für mich eine Gefahr. Ich wäre sofort in die Sache verwickelt worden. me’ne Beziehung zu Rottmann, mein Betrug an Brat' —. alles alles wäre in die Zeitung gekommen, alle Welt hätta über mich den Stab gebrochen —, wie entsetzlich ist das —, wie entsetzlich-“ » Sie stöhnte. Was mir Fräulein Garvan da erzählte, gab mir ein ganz anderes Bild von den beiden unheimlichen Morden. Das war eine Enthüllung, die nicht nur wie ein Roman anmutete, die auch ganz abseits von den Fährten, lag, welche ich verfolgen wollte. Die Souffleuse? Sollte es sich um eine pathologische Person handeln? Dann müßte es eine Art Wahnsinn sein, der in ihr steckte und sie zur menschlichen Bestie machte, die* binnen weniger Tage zwei Menschen mordete-- ‘ Es wollte mir nicht in den Kopf, daß Fräulein Garvans Verdacht begründet wäre. Ich sah trotz där Erzählung nicht klar. Vieles blieb unverständlich. Wieso hatte die Alte Gelegenheit gehabt, an Bratt und Rottmann heran zukpmmen und sie zu vergiften? Schon diese äußere Tatsache müßte sich ja feststellen lassen. Irgendwo muß die Tat verübt worden sein. Bei dem gespannten Verhältn's, in dem sie zu bei- d'h Xüns'.lem stand, mußte es ja auffallen, wenn sie sich bemüht hätte, mit liinen in nähere Berührung zu kommen, um eine Speise oder ein Getränk zu vergiften. Zwar, —halt! Bel Bratt war ale ja einige Augenblicke allein in dessen Studierzimmer! Genau so wie Rottmann! Das hat sie selbst zugegeben. Die Möglichkeit, Bratts Tee zu vergiften, war für sie vorhanden! Das würde ja stimmen. Sie könnte ea getan haben! Ich wurde stutzig. Vielleicht ließ sich feststellen, daß sie trotzdem auch bei Rottmann Gelegenheit hatte, ihm ungesehen Gift zu geben... Donnerwetter —, sollte mich Fräulein Garvan endlich auf die richtige Spur gebracht haben? Das war allerdings eine Überraschung. Die Souffleuse Frau Pohl als Täterin? Eine kranke Person? Ja, — ja, es fing an, mir einzuleuchten. 'Ein solch krasses Verbrechen kann nur ein kranker Mensch ausheoken. Es war die Tat einer Verrückten Ich mußte mich ihrer versichern, sie *so rasch wie möglich verhören. Die Garderobiere trat ein. Ich erhob mich, um zu gehen und sagte ihr, sie möge Fräulein Garvan behilflich sein. Dann verabschiedete ich mich von der jungen Schauspielerin, indem ich ihr dankbar die Hand drückte und ihr die Kraft wünschte, über diesen schweren Schlag des Schicksals hinwegzukommen. Sie sah mich stumm an, mit Tränen in ihren schönen Augen, und schüttelte nur den Kopf. Dann verließ ich die Garderobe. Es war ein Uhr nachts geworden. Das Theater war wie ausgestoiben. Vor dem Bühnenausgang wartete Keller. Er hatte seiile Leute heim- geschickt, die Razzia war beendet, und er übergab mir eine Liste sämtlicher Personen, die heute abend hinter der Bühne beschäftigt waren. Aber die Razzia hatte nichts ergeben. Nicht die geringste Entdeckung, die zum Nachforschen heraus gefordert hätte. — nichts. „Ist Dir unter all den Menschen niemand aufgefallen? Hast du gegen niemand Verdacht?“ fragte ich. ,flein,“ meinte er nachdenklich. „Höchstens ein Garderobier namens Stefaneck, der früher Bratt bedient hatte. Er ist auch gleichzeitig Rott- mannis Garerobier gewesen. Man sagte mir, im Theater hätten immer mehrere Künstler einen Mann, der sie bedient.“ „Er fiel dir» auf? Wodurch?“ „Ich ließ die Garderobe Bratts und Rottmanns aufs gründlichste durchsuchen. Jede Kleinigkeit wurde besichtigt, alle Schränke geöffnet, der Fußboden abgesucht, Fingerabdrücke genommen : — kurz, wir arbeiteten wie mit der Lupe. Der Mensch stand Immerzu dabei und seine Miene mißfiel mir.“ „Daß gerade die beiden Künstler ermordet wurden, die er immer zu bedienen hatte, ist ja recht merkwürdig. Was hältst du davon?“ „Wenn ich ehrlich sein soll — dieser Mann ist mir von allen Personen, die in Frage kommen, am verdächtigsten. Warum hast du ihn bisher links liegen lassen?“ Keller hatte vollkommen recht. Warum hatte ich diesen Menschen roch nicht verhört? Ein übelbeleumundeter Junge. Es lag so nahe, ihn mit den furchtbaren Ereignissen in Zusammenhang zu bringen. Er war mir ja damals sofort verdächtig, als ich in Bratts Garderobe edlte und ihm begegnete. Er hatte mit beiden Schauspielern zu tun, er war mit Ihnen beisammen bis kurz vor Ihrem Tode. Niemand wie er hätte Gelegenheit gehabt, unbemerkt die ruchlosen Verbrechen zu begehen —. „Wir wollen ihn morgen in seiner Wohnung überraschen. Du hast recht und ich verstehe nicht, daß ich ihn nicht längst schon vorgenocmmen habe. — Uebrigens, hast du auch die Souffleuse Frau Pohl kennen- gelemt?“ „Ja, iic steht auch auf d«r List«, die ich dir gab.“ „Welchen Eindruck hast du von dieser Frau?“ „Keinen guten. Scheint eine verschlagene Person zu sein. Ein altes Ekel. Ich möchte nichts mit Ihr zu tur. haben.“ Ich erwähnte nichts von den schweren Anschuldigungen, die von Fräulein Garvan gegen die Souf- f ei.se erhoben wurden, es ersehen mir zwecklos, vorzeitig darüber zu sprechen. Viir waren beide bedrückt. Die ganze Schwere der Verantwortung, die auf uns lastete, raubte uns jede Laune. Schweigend gingen wir durch die Nacht nach unseren Wohnungen. Die Kälte drang uns bis in die Knochen. Vom winterlichen Himmel strahlten die Sterne, kein Mensch begegnete uns. (Fortsetzung folgte Samstag, den 29. Januar 1949 8 AZ Nummer tl / Seit* I DIE ZUKUNFT DES ABENDLANDES Europas neue Aufgaben.— Rußland und China als die europäischen Exportländer von morgen Mit d*r nachstehenden Veröffentlichung beenden wir unsere Artikelserie, der das neueste Werk. des Schweizer Prognostikers Louis Emrich zugrunde gelegt ist. Die Redaktion. „Es gibt für die Wirtschaft immer Auswege, die es gestatten, aus der Not eine Tugend zu machen.“ So achreibt Louis Emrich in seinem Buche „Die Zukunft des Abendlandes“ als tröstlichen Ausblick für die kommende Zeit. Die Not ist nachgerade in allen europäischen Ländern bekannt geworden. Wie aber soll es nun möglich sein, aus dieser üblen Situation noch Kapital zu schlagen? An erster Stelle führt der Verfasser Rußland und China als die großen Einfuhrländer von morgen an. Dabei steht Rußland für Europa im Vordergrund, da es geographisch eine direkte Landverbindung aufweist, während es von Amerika uhd dem Britischen Weltreich durch die Meere getrennt Ist. Infolge der kürzeren Handelswege liegen auch die Frachtsätze zwischen Europa und Rußland und umgekehrt wesentlich niedriger, als diejenigen für die Ein- und Ausfuhr nach allen überseeischen Ländern: „Die europäische Wirtschaft wird demgemäß künftig bedeutend vorteilhafter nach Rußland exportieren können als nach Uebersee.“ So lautet das Urteil Louis Emrichs zu diesen Erwägungen. „Ebenso wird auch die russische Wirtschaft zukünftig nach Europa billiger exportieren können, als nach Amerika und Australien.“ Henry Kayser: „Die USA haben den höchsten Stand ihrer technischen Entwicklung erreicht.“ Gegenüber solchen Fakten müssen «ich auf die Dauer politische Mißverständnisse, die zur Zeit einen solchen idealen Güteraustausch noch unmöglich machen, ausgleichen oder in den Hintergrund treten. Es ist Louis Emrichs feste Ansicht, daß sich die russisch-europäischen Handelsbeziehungen mit der Zeit viel aktiver gestalten werden, als die überseeisch-europäischen Wirtschaftsverflechtungen. Schwedische Exporteure betonen z. B., daß Rußland bis weit über das Jahr 1965 hinaus in der Lage sei, jährlich Waren im Werte von 5 Milliarden sfr. einzuführen. Dabei werden vor allem Artikel benötigt, die Europa und besonders Deutschland in reichlichen Mengen zu produzieren imstande sind, während umgekehrt wiederum die UdSSR in der Lage wären, Europa mit dem benötigten Rohmaterial sowie allen landwirtschaftlichen Produkten ausreichend zu versorgen. „Nicht mehr Amerika ist heute das Land der unbegrenzten Möglichkeiten“, so urteilte Henry Kayser als anerkannt internationaler Experte über dieses Thema, „sondern Rußland! Die USA haben den höchsten Stand ihrer technischen Entwicklung erreicht, in Rußland aber befindet sich noch alles im Fluß.“ (Alles — das umfaßt nicht nur die Wirtschaft* sondern ebenso die Politik. Mit einem politisch gewandelten Rußland stände solchen Wirtschaftsbeziehungen wahrhaftig nichts im Wege! — Anmerkung der Redaktion.) 450 Millionen Chinesen — der größte Kunde von morgen In einer ähnlichen Lage befindet sich China, das für die europäisch« Exportindustrie von jeher ein ausgezeichneter Absatzmarkt war: „480 Millionen Menschen zählt dieses Land!" betont Louis Emrich, „davon sind 90 Prozent Landwirte. Unübersehbar groß sind damit die chinesischen Absatzgebiete für Exportwaren aller Art und unermeßlich seine wirtschaftliche Ausbau- und Entwicklungsmöglichkeiten in naher Zukunft.“ In bezug auf seine Kohlenvorräte, die auf 238 Milliarden Tonnen geschätzt werden, ist China nach den USA, der UdSSR, Deutschland und Kanada der fünftgrößte Staat der Welt. Diese Tatsache veranlaßte auch die Amerikaner zu der Planung, einen Teil ihrer Fabri-' ken nach China zu verlegen, um dort an Ort und Stelle unbeschränkten Rohmaterials und billiger Arbeitskräfte die Produktion im großen aufzunehmen. Doch auch Rußland trägt sich mit ähnlichen Projekten, scheint China doch geradezu für solche Vorhaben prädestiniert zu sein: 1939 betrug z. B. Chinas Einfuhr nach An- DIE GLOSSE DER WOCHE Ministerpräsident Dr. Maier sagte vor dem Landtag, der Protest der Oeffentlich- kelt gegen Steuergesetze sei nichts anders als „den Mond anbellen". Der Vergleich Ist nicht gerade geschmackvoll und er wollt« es wohl auch gar nicht sein. Aber •r Ist deshalb durchaus nicht schlecht. Wir haben die Presse selbst als den Wachhund der demokratischen Rechte bezeichnet, also kann man unsere Kritik ruhig als „bellen" betrachten. Aber wie das mit dem Mond zu verstehen ist, wüßten wir gerne genauer. Soll das heißen, daß die Regierung auf dem Mond lebt? Oder hat man In diesen Kreisen auch schon festgestellt, daß viele Bürger wünschen, man sollte gewisse Leute auf den Mond verschicken? Oder fühlen sich die Herren so erhaben und so sicher, als ob sie am Mond wären? für welche dec Deutungen der Minister Präsident sich wohl entscheidet? Wir möchten das wirklich gerne wissen und tragen ganz «rnstholt. -ironimus- gaben Louis Emrichs 1225 000 000 sfr., die Ausfuhr dagegen nur 351 000 000 sfr. Inzwischen ist der Bedarf durch die Kriegsfolgen noch bedeutend größer geworden — freilich nahmen im selben Maße auch die Ueberschneidun- gen der Interessen der Großmächte im Fernen Osten zu. Für Europa heißt es daher auch hier abzuwarten, bis die Dinge sich geklärt haben. Im Zusammenhänge mit zukünftigen russischen Handelsbeziehungen jedoch können sich in Erweiterung auf den Bedarf Chinas in absehbarer Zeit schon eine solche Fülle neuer wirtschaftlicher Möglichkeiten für Europa erschließen, daß es Europa in Anbetracht solcher Aussichten wohl um seine nächste, nicht aber um seine fernere Zukunft bange zu sein braucht: Die wachsende Weltbevölkerung wird eine wachsende Nachfrage nach allen nur denkbaren Artikeln im Gefolge haben, zu deren Deckung bei friedlicher Entwicklung auch das europäische Angebot eine wesentliche Rolle spielen wird. Audi Deutschland kann optimistisch sein Louis Emrich weist im einzelnen nach, welche neuen Aufgaben und Möglichkeiten Europa auf den verschiedenen Wirtschaftsgebieten verblieben sind: Ob es sich dabei um Produkte der Chemie, des Maschinenbaues, der Bauindustrie, der Energiewirtschaft, der Textilindustrie und zahlreicher anderer Wirtschaftszweige handelt — die gediegene europäische Qualitätsware und Qualitätsarbeit wird auch in Zukunft überall Abnehmer finden. Und damit wird auch Deutschland ln diesen Gesundungsprozeß in Berlin bleibt Joch Berlin Der Monat Januar trägt keineswegs dazu bei, die Gemüter unserer Berliner um einiges aufzuhellen. Trots Luftbrücke und Notopfer hat der Berliner das Gefühl, allein mit der unglücklichen Ostzone die Kosten des Krieges bezahlen zu müssen, während die Westzonen „noch einmal davongekommen“ sind. Die Lethargie, in welche man diese Stadt hineingezwungen hat, wird immer spürbarer, und nur von diesem Blickfeld aus ist es verständlich, wenn der Berliner glaubt — dies allerdings zu unrecht — von seinen deutschen Brüdern im Westen und von seinen Freunden, trotz bestehender Luftbrücke, verlassen zu sein. — Hat der Berliner schon einmal die Möglichkeit, eine Zeitung aus den Westzonen zu lesen, so hört man immer wieder dieselben Wortei. „D i e haben Sorgen“. Man kann es den blockierten Berlinern jedoch keineswegs verübeln, wenn ihnen jedes Verständnis für Karnevalspläne ln Mainz und Köln, Bayernpartei oder Schönheitskonkurrenz und ähnliche Mitteilungen westdeutscher Zeitungen fehlt. Neben dem Zwiespalt und den Spannungen in ideologischer Hinsicht machen sich die rein materiellen Entbehrungen immer fühlbarer, die auch durch die „Clay-Tauben", wie der Berliner Volksmund die Riesenvögel der Luftbrücke nennt, kaum behoben werden können. Während man sich in unseren Zonen schon wieder Gedanken darüber macht, ob Wildlederschuhe mit Leder oder mit Kreppsohlen, ist der Berliner glücklich, wenn er seine Schuhstrippen durch ein Paar ordentliche Schuhnestel ersetzen kann. Das monotone Brummen der Flug- zeugmotore über der ehemaligen Metropole klingt keineswegs tröstilch. Immer wieder steigt die eine Frage auf: „Wird genügend herangebracht werden können — werden wir die versprochene Rationserhöhung erhalten?" — Die Bahnhöfe Berlins sind tagsüber reich bevölkert und die abfahrenden Personenzüge kaum in der Lage, die mit Rucksack und kleiner Handsäcke versehenen Hausfrauen und alten Väterchen zu fassen, die nur ein Ziel vor Augen haben: einige Kartoffeln für das Abendessen und ein Säckchen Brennholz zum Aufwärmen der verfrorenen Glieder In einer Gaststätte ln der Nähe der Gedächtniskirche sprach ich mit einem Studenten, der hier allabendlich seinen obligaten Eintopf vorgesetzt bekam. Er erzählte mir nicht nur von den Nöten der Berliner Hausfrauen, sondern er sprach auch von dem freudlolsen Dasein der Berliner Berufstätigen und Studierenden. Es ist alles andere als erhebend, bei 4 Grad Kälte und rauchender Lampe, die, mangels Petroleum, mit aus Sachsen geschicktem Dieselöl betrieben wird, Hausarbeiten zu verrichten oder sich auf das Staatsexamen vorzubereiten. Und trotz allem: Berlin ist noch nicht kirr« geworden! I. K. dem Maße einbezogen sein, ln dem die deutschen Wissenschaftler;' Ingenieure, Arbeiter und Kaufleute diese Chance wahrzunehmen und zu nützen wissen. Dabei wird der Hemmschuh des europäischen Nationalismus auf die Dauer vor allem diejenigen drük- ken, die ihn nicht abzulegen vermögen. Alle Optimisten und guten Europäer aber heißt Louis Emrich hoffen: Wohl ist Europa noch lange nicht ' über den Berg an Schwierigkeiten hinweggekommen, wohl werden nach Ansicht des Verfassers noch an die zwei Jahrzehnte vergehen, bis Europas Wunden vernarbt sind. Aber dann wird „eine völlig andere Welt ln die Schranken treten und sich Geltung verschaffen: „Wer in diesen Jahren das Stirb und Werde den Mut verliert,“ so appelliert Louis Emrich an den gesunden Menschenverstand, „wer den Anschluß an dl« neue Zeit verpaßt und Im Glauben an ein besseres und glücklicheres Sein von morgen unterliegt, der wird kaum zu den Gewinnenden zählen. Zu Ihnen werden nur diejenigen gehören, die mit Mut, Tatkraft und Optimismus der Welt von morgen entgegensehen und die sich bemühen, sich mit dem Neuen und Werdenden sachlich auseinanderzusetzen. Wer könnte für eine solche Aufgabe aber nach all den bitteren Erlebnissen und Erfahrungen der vergangenen Jahre ein besseres Rüstzeug mitbekommen haben, als eben jener Teil Europas, der einst Deutschland hieß? Das neue, kommende Europa fordert ein neues Deutschland, ein Deutschland, das nicht mehr hinter sich die Voraussetzungen für seine Größe sucht, sondern diese im Rahmen des kommenden Europas zu erfüllen trachtet. Michael B r a n t. (Nachdruck verboten — Copyright by PHD.) AM RANDE DER ZEIT.... .UND DER ZEITUNG Die Basler „Natlonal-Zeitung" verkünde!« einen Massenmord in Düsseldorf. Nach dem Haman-Denke-Verfahren sollen nicht weniger als 30 Menschen ums Leben gebracht und zu markenfreien Mahlzeiten in Schlemmerlokalen verarbeitet worden sein. — Der Düsseldorfer Polizei ist allerdings nichts bekannt. Wir fürchten, die „National Zeitung" ist einem allzu stark ausgeprägten „human Interest" ihres Reporters zum Opfer gefallen. Man wird sich daran gewöhnen müssen, daß die Schwarzschlächter in Deutschland sich pur indirekt gegen das Leben ihrer Mitmenschen versündigen ... Der Stadtrat des Schweizer Ortes Baden, nordwestlich von Zürich, hat beschlossen, daß künftige Väter von Zwillingen 25 Flaschen des besten Weines erhalten. — Auf die Folgen dieses „Zwillingsväter- Anreizprogramms" kann man gespannt sein .. Bei einem südafrikanischen Negerstamm Ist es Sitte, daß jeder, der in der Oefferrt- tlchkeit spricht, während seiner Rede auf einem Bein steht. Sobald sein erhobener Fuß den Boden berührt, muß er mit dem Sprechen aufhören. — Könnte man diesen Brauch nicht auch In unseren Parlamenten einführen? Der Geschäftsgang unserer Volksvertretungen würde bestimmt beschleunigt werden . .. Seit längerer Zeit bemüht sich die Kreisleitung der SED in Wittstock um ein größeres Gebäude, um ein „Haus der Einheit" zu gründen. Nach vielen Bemühungen ist es gelungen, das „Einheitshaus" in der — Spinnerei einzurichten. — Nomen est amen. ln Leipzig wurde ein Ansager von der Bühne herunter verhaftet, weil er erklärte: „Unsere Vorfahren lebten in der Barock- und Renaissancezeil. Wir dagegen leben in der Baracken- und reinen Angstzeit". — Wat ihm ja auch sofort demonstriert wurde. Einen Sarg aus Preßpappe hat ein Trostberger Schreiner erfunden. Der Preis beträgt 30 OM, also um die Hälfte billiger als ein Holzsarg. — Nun können wir uns wenigstens billiger begraben lassen ... Nach Meldungen von DENA, UP, PRD und Zeitungen xusammengestellt von hanoh. „GraswanGl-Demokratie" in Jen Vereinigten Sfaafen Von unseram USA-Korrespondenten Peter J. Heller SAN FRANCISCO (California). Dia Weltanschauung der Demokratie findet ihren amerikanischen Ausdrude nicht nur in den großen Dokumenten der Unabhängigkeitserklärung und der Verfassung, oder ln den Tagungen der Bundes- und Staatsregierungen, sondern vor allem im öffentlichen Leben kleinster Dörfer und Gemeinden. Hier wurde der Ausdruck „Graswurzel-Demokratie“ geprägt, der eine Regierungsform kennzeichnet, welche im Boden des Volkes verankert Ist und quasi von unten nach oben wächst, anstatt „von oben nach unten“ verfügt zu werden. Ein ausgezeichnetes Beispiel dieses Vorganges spielte sich dieser Tage nicht weit von hier ab, und ich berichte es, weil es gerade in die Zeit fällt, in der deutsche Leser unabhängiger Zeitungen „von oben herab" gegen ihren Willen mit einem „Kulturpfennig“ besteuert werden sollen. Etwa 125 Kilometer südlich von hier liegt an der blauen Meeresbucht von Monterey der kleine Badeort Capitola. Er hat zirka 1000 Einwohner und stand bisher unter der Verwaltung des Landkreises Santa Cruz. Seit ungefähr einem Jahre bemühten sich die Einwohner jedoch um die Selbständigkeit ihres Ortes, damit sie ihr« eigenen Behörden wie z. B. Stadtrat und Bürgermeister selbst wählen und damit Ihre eigenen Geschicke lenken könnten. Nach langen Verhandlungen wurde dieses Ende letzten Jahres genehmigt, und am 4. Januar fanden ln Capitola Wahlen statt. Eine Mehrheit sprach sich für die Schaffung einer eigenen Gemeinde aus, und zur selben Zeit wurden fünf Stadtratsmitglieder gewählt. In der Wahl am 4. Januar hatte ein 27jähriger Mann namens Bradley Mo Donald von allen Kandidaten bei weitem die meisten Stimmen erhalten. Di« Bürger, die in großer Anzahl bei der ersten Sitzung der neuen Stadt erschienen waren, hatten alle angenommen, daß McDonald, /als der populärste der fünf Stadträte, nun auch Bürgermeister werden würde. Voreilige Zeitungen hier in San Francisco hatten sogar schon die „Nachricht“ von der bevorstehenden Wahl eines 27jäh- So erlebte ich Jie Schweiz Wiedersehen mit dem „Land, wo MU di und Honig fließen“ / Ein Leben ln „teueren“ Selbstverständlichkeiten Endlich, war es soweit. Nach zehn Jahren durfte ich das erste Mal wieder „hinüber“, legal durch die „Chinesische Mauer“, die rings um Deutschland gezogen wurde. Aber nein, nur ein Drahtzäunchen trennt bei Basel zwei Welten. Und es ist ja gar nicht so schwer, aus der einen in die andere zu kommen. Man sitzt im Zug, grüßt noch einmal die Schwarzwaldberge und dann befindet man sich schon in der Schweiz. Allerdings darf dabei eine Kleinigkeit nicht vergessen werden. Ein Papier mit vielen Stempeln, um das ich monatelang gerungen hatte. Doch ich besaß dieses Papierchen und die Zollbeamten waren mit ihm zufrieden. Ob etwas zu verzollen wäre, fragten sie ganz verschämt. Ich kam doch aus Deutschland. War es die Sauberkeit und Ordnung überall, die Fülle hinter den blinkenden Schaufenstern, die eleganten und raffinierten Moden, die Schuhe mit den drei Zentimeter dicken Kreppsohlen? — alles, alles was den Schweizern so selbstverständlich scheint, überwältigt den deutschen Besucher. Vor allem die Freundlichkeit der Mitmenschen untereinander. Sogar die Beamten sind freundlich und höflich. Was mir am meisten auffiel ln der Schweiz? Als ich bei meiner Ankunft in Flüelen meine Koffer nicht unbeaufsichtigt auf der Plattform der Straßenbahn zurücklassen wollte, war man darüber höchst er- staun.t Ueberall stehen Fahrräder mit vollen Einkaufstaschen an den Hauswänden, keines ist abgeschlossen. Weshalb sollte man abschließen, was nicht gestohlen wird? In der Schweiz gibt es Läden, in denen sich jeder selbst bedient. Man findet Zeitungsstände ohne Verkäufer: es wird einfach selbstverständlich vorausgesetzt, daß der Käufer sein Geld hinterlegt. Mit dem Geld beginnt allerdings in der Sch eh: he^ond ?rs schwieriges Kapitel. Das Schwyzer Fränkü dirigiert das Konzert, von dem die D-Mark uns ln Westdeutschland bisher nur ein paar Takte Vorspielen konnte. „Preiswert“ ist eines der häutigst gebrauchten Worte — auf der Bahnhofstraße in Zürich wie in den Kurorten im Tessin. Auch der wohlhabende Eidgenosse dreht sein Räppli dreimal um, ehe er es ausgibt. Die Preise sind hoch. Für uns Deutsche aber dank eines „idealen“ Wechselkurses astronomisch. In Wechselstuben wird jede Summe D-Mark in Fränkü umgewandelt. Aber wie! Mit unserer neuen Deutschen Mark hat man sich in der Schweiz schnell angefreundet. Bei manchen Leuten ist sie sehr beliebt, ja fast zu gern gesehen. Für meine legale Transaktion in Form eines Zehnmarkscheines erhalte ich klimpernde kleine Silbermünzen: 2 Franken, 20 Rappen. Nun, meine liebevollen Verwandten trösteten mich. Sie hatten bald ein Schwyzer Maitli aus mir gemacht, das beim Einkäufen ebenso gut mit dem Fränkü rechnen konnte wie mit der D-Mark in Deutschland. Dafür ist jedoch der Franken der Schlüssel zum Tor in ein Schlaraffenland, in dem für uns nur aus der Erinnerung bekannte Dinge einfach selbstverständlich hingenommen werden — wenn man das „nötige Kleingeld“ dazu hat. Die Erfüllung des Traumes einer Schweizer Reis«, — ein Paar Wildleder-Kreppschuhe — kostet allein 80 bis 100, ein Kamelhaarmantel 400 bis 500 Franken. Und auch die täglichen Ausgaben fordern ansehnliche Summen. Gewiß, der Schweizer Arbeiter verdient relativ weit mehr als sein deutscher Kollege und stellt deshalb auch höhere Anforderungen. Der hohe Lebensstandard resultiert aus • der glücklichen Entwicklung, die das schweizerische Volk in den vergangenen Jahrhunderten erleben durfte. In der gesamten Lebensauffassung offenbart sich der Wille zu Wohlstand und Frieden. Die Teuerungen auf dem Weltmarkt werden auch ln der Sch .aiz sehr spürbar. Die sonst so friedfertige Bevölkerung — und vor allem die Hausfrauen — machen aus ihrer Unzufriedenheit über die Preisentwicklung keinen Hehl. Sogar ein Käuferstreik gegen die hohen Fleischpreise wurde inszeniert. Angesichts dieser „teueren” Tatsachen berührt die selbstlose Hilfsbereitschaft, die sich in den vergangenen Jahren gegenüber Deutschland zeigt, besonders stark. Zahllose Organisationen und noch mehr Privatinitiative haben geholfen und helfen Immer noch. Man will uns wieder kennen lernen, nachdem jahrelange Isolation einen Gedankenaustausch verhindert hatte. Dieses ehrliche und, offene Bemühen, mit uns wieder ins Gespräch zu kommen, empfand Ich überall. Während meines ganzen Aufenthaltes traf ich keinen Schweizer — ob in Altdorf, in Zürich oder Montreux —, .der sich nicht für die deutschen Probleme interessiert hätte. Was weiß man denn über v Deutschland? Die durchschnittliche Ahnung von den deutschen Verhältnissen konvergiert gegen Null. Kann man etwas anderes verwarten? Die schweren Jahre der Zerstörung, des Hungers und der Flüchtlingsnot vermag sich niemand in diesem Land so vorzustellen, wie sie wirklich waren. Man lebt einfach in einer anderen Welt, in der alles normal, fast zu normal abläuft. Aber man bemüht sich, die Vorgänge „draußen“ zu verstehen. Nicht die landschaftlichen Schönheiten, die üppig gedeckten Tische, die gute Kleidung und komfor.ablen Hotels hinterlassen den tiefsten Eindruck, wenn man wieder seinen, Verwandten schWeren Herzens „Auf Wie- derluege“ sagt. Es ist mehr. Nämlich das Bewußtsein, daß es noch ein Land gibt, in dem die Menschen wie in einer „guten Stube“ leben. Ich durfte sie betreten und eine intakte Welt bewundern. Und mit der neuen Hoffnung kam ich nach Deutschland zurück. es möge auch bei uns wieder das Leben so blühen wie an einem kalten Wintertag ln Basel der Flieder, der mir dl* Rückkehr verschönt«. H.F. rigen Bürgermeisters verkündet, als hi Capitola die Bombe platzte. McDonald wurde nicht Bürgermeister. Als die Stimmen gezählt wurden, hatte er nur zwei, während Stadtrat Harlan P. Keßler mit drei Stimmen die Mehrheit hatte und damit Bürgermeister wurde. Die Bürger brauchten ein paar Minuten, um sich von der Ueberraschung zu erholen, und dann ging der Krach los. Demokratie heißt wörtlich übersetzt Herrschaft des Volkes, und die Einwohner von Capitola waren sich darüber genau im klaren, selbst wenn sie kein Griechisch kannten. In Deutschland konnten Regierungen und Parteien von jeher dem Volk aufzwingen, was sie woüten — im kleinen Capitola in Californien war das nicht so einfach. Die Anhänge** McDonalds hielten sofort an Ort und Stelle ein« Protestversammlung ab, in der sie verlangten, daß Keßler zurücktrete, da McDonald die meisten Wahlstimmen der Bürger erhalten habe. Keßler weigerte sich. Daraufhin wurden in der Stadt Listen ausgelegt, und innerhalb von 24 Stunden hatte ungefähr die Hälfte aller Wähler eine Rücktrittsforderung unterschrieben. Am nächsten Abend wurde eine zweite Versammlung abgehalten, in der nicht nur Hunderte von Bürgern erschienen, sondern auch McDonald, Keßler und dib anderen Stadträte. Die meisten Sprecher gaben ohne weiteres zu, daß Keßlers Wahl durchaus gesetzmäßig erfolgt sei, kritisierten sie aber als unmoralisch im Hinblick auf die Mehrheit der Volksstimmen für McDonald. Die Diskussion war erregt, aber ordnungsmäßig. Am End« sah Keßler ein, daß er die große Mehrheit der Einwohner gegen sich habe, und trat im Interesse der Allgemeinheit zurück. Der Sturm beruhigte sich, und der Stadtrat unter Vorsitz von McDonald trat am nächsten Abend zusammen, um die dringlichen Geschäfte der neuen Stadt einzuleiten und zu versehen. Der Wink mif den Ziegelsteinen SAZ. Radio-Amateure sind findig« Leute. Als von alliierter Seite die bekannte Empfehlung an den Wirtschaftsrat erging, ein Funkamateur- Gesetz zu schaffen, wurden die Sendeamateure nervenschwach. Zu lang« hatte man sie „schwarz“ basteln lassen, als daß sie Verständnis für die komplizierte Gesetzesmaschinerie der Frankfurter Behörden hätten aufbringen können. Im Zentrum der Funkamateure machte man sich daher auf eine besondere Art und Weise Luft. Hundert Stuttgarter Funkamateure sandten Dr. Pünder -—je einen Ziegelstein. Und dazu eineh „sau- groben“ Protestbrief, in dem sie ihr Mißfallen über die immer noch nicht erfolgte Verkündung des Funkamateurgesetzes zum Ausdruck brachten. Nun, die Sache hat geholfen. Am 15. Januar kamen die ersten Steine in Frankfurt an. Am 19. Januar wurde das Lizenzierungsgesetz in merkwürdiger Eile auf die Tagesordnung des Wirtschaftsrates gesetzt. Offenbar halte der Oberdirektor wenig' Interesse an Ziegelsteinen. Vielleicht beneidet ihn mancher Bauherr um die billige Art der Steinbeschaffung. Die Post beneiden wir nicht. Aber sie hat jetzt auch Ruhe. Den Wink mit dem Ziegelstein funken die Stuttgarter Amateure inzwischen lustig in den Aether. Dr. Pünder versteht Spaß: er lacht mit! -el Seit« 4 / Nummer 31 SAZ Samstag, den 29. Januar 1949 AUS BADISCHEN UND WÜRTTEMBERG I S CH E N LANDEN Oie 6rf)0)at3trmlö*ll()r Dt« Schwarzwälder Uhren - Industrie nimmt — trotz aller Demontagemaßnahmen in der französischen Zone _ auch heute noch einen hervorragenden Platz in der Exportwirtschaft des württembergisch-badischen Landes ein. An verschiedenen Stellen ist man bemüht, dieser wahrhaft bodenverwurze ten Heimatindustrie wieder den Platz zurückzugewinnen, den sie einmal auf dem Weltmarkt innegehabt hat. Unsere heutige Betrachtung soll etwas erzählen aus der Geschieht* dieses »romantischen“ Industriezweiges, der heute noch eine so große Bedeutung hat. 23om ßucfritfötuf über Öen E3acf)felfcf)fag 311 m 2lraetftanet£öetfet §olju]jp hl liw Die erste Schwarzwälder Uhr, die ums Jahr 1640 in Waldau hergestellt wurde Wann und wo begegnen wir der ersten Schwarzwalduhr? — Ueber dieses Kapitel ist von unseren Historikern und Herumkrebsern in entwichenen Läuften schon viel gerät- selt worden. Eine alte Sage berichtet, der erste Uhrmacher habe die erste Schwarzwälderuhr mit dem Brotmesser geschnitzt Am Ende aber verdient diejenige Version den meisten Glauben, welche erzählt, daß ein Schwarzwälder Glasträger das erste Exemplar der Gattung aus dem Böhmischen zu uns herübergebracht habe. Sie regte zur Nachahmung und hei- matttimlichen Ausgestaltung an. Geschichtliche Quellen weisen darauf hin, daß die ersten Kunstwerke der genannten Art in der Gegend des Hochschwarzwaldes, in Neustadt und Lenzkirch hergestellt wurden, ln Waldau, einer kleinen abgelegenen Dorfgemeinde jene Bezirks, finden wir ein Haus, das folgende Inschrift trägt: „In diesem Hause, dem sog. „Glashof" zu Waldau-Rödeck, ver fertigten um 1640 die Gebrüder Creutze die erste Schwarzwälderuhr“. j Unser Zeichner — J.Vogler aus Pforzheim-Dillweißenstein — hat das romantische Monstrum im Bilde festgehalten.' Das Vorbild dazu sollen die kunstbeflissenen Brüder von einem Hausierer erhalten haben, der vom Niederrhein nach längerer Wanderschaft wieder in die badische Stammheimat zurückkehrte. Es ist immerhin möglich, daß er das Modell von einem böhmischen Glashändler erwarb. Diese erste Uhr ist, wie unsere Abbildung mit aller Deutlichkeit zeigt, sehr einfach gewesen. Sie setzte sich aus einigen Holzrädern zusammen, einem Wagenbalken, der als die sog. „Unruhe" diente, dem Stundenzeiger und einem Spindelgang als „Hemmung“. An Stelle der Gewichte, die später die berühmte Tannenzapfenform annehmen, trat ein einfacher Wackenstein, welcher an eine Schnur gehängt war. Das Werk war offen. Es fand in den * * Schwarzwaldgemeinden bald seine Nachahmer, aber einen schwunghaften Handel mit der „Novität" zu betreiben, fiel den Speckmesserschnitzlern von anno du- wac noch lange nicht ein. Dazu war die Zeit nicht reif. Die Wirren des 30- jährigen Kieges hatten den Markt noch nicht aufnahmefähig für derlei Dinge gemacht. Zudem hatte der Pfälzische Erbfolgekrieg die Bauern bis aufs Blut ausgesaugt. Das Verkehrs- und Erwerbsleben war auf lange Sicht lahmgelegt. So blieb den Bauern kaum mehr übrig, als ihre Künste zu einem bessern, um mit Joh. P. Hebel zu sprechen, „Baßletang“ (Zeitvertreib) zu benützen. Ihre Selbstgenügsamkeit fand schon seine Befriedigung darin, etwas für den Hausgebrauch angefertigt zu haben. Erst der Utrechter Friede vom Jahre 1713 brachte ein wenig Ruhe und die ersten Anfänge wirtschaftlicher Gesundung ins Land, und langsam kamen die Uhrenschnitzar auf den Dreh, mit ihren bisher ziemlich brotlosen Künsten ein bißchen Geld zu machen. Mit ihrer sprichwörtlichen Zähigkeit und Verbissenheit, dem altalemannischen Erbgut, bahnten sie sich den Weg zur Heimatindustrie. Ai^s ihr entstand langsam aber sicher ein Erwerbszweig, der seine Erzeugnisse über kurz oder lang in die ganze Welt verschicken sollte. Keinen geringen Anteil an der — wir würden heute sagen — Popularisierung dieser Heimindustrie haben die Uhrenhändler gehabt, die sich schon beizeiten mit Holz- und Glaswaren, Flechtkörben und anderen Dingen badischer Herkunft auf den Weg nach aller Herren Länder machten. Sie waren gildenmäßig zusammengeschlossen und rückten mit ihrer „Grätze“ (hölzernes Traggestell) aus, das sie sich als sog. „Träge“ auf den Rücken geschnallt hatten. Unser Zeichner hat eine solche Type aus der guten alten Zeit im Bild festgehalten. Darauf erblicken wir einen unternehmungslustigen Herrn mit Zylinder, Wadenstrümpfen und bunter Schwarzwälderweste. Ih seiner Rechten trägt er als versierter „Ueberlandfahrer“ den biedermeier- lichen Regenschirm, in der Linken aber als Zeichen seiner Würde, zugleich aber auch als Aushänge- und Reklameschild, ein fertiges Erzeugnis seiner heimatlichen Industrie, einen Chronometer, der, verglichen mit dem Wackensteinpräparat der Gebrüder Creutze, schon eine ansehnliche Entwickelung durchgemacht hat. Anhaltende -.Verbesserungen und Verfeinerungen, sowohl des Werkes als auch der Form, erweiterten die Heimindustrie schließlich zu einem achtbaren Erwerbszweig, der bereits Hunderten von Meistern und Gesellen Brot und Arbeit verschaffte und zur Präzisionsarbeit anregte. Wem wären sie nicht längst zu einem feststehenden Begriff geworden, all* diese braungetönten Jockelesuh- ren, jene vorzüglichen Zeitmesser mit den Tannengewichten und dem aufgeregt tickenden Pendel? Wer kennt sie nicht aus eigener Anschau- mg, die Schottenuhren mit dem weißen Ziffemblatt, mit dem Kuckucksruf oder Wachtelschlag, dem muntern Hahnenschrei oder dem melodiösen Flöten- oder ergötzlichen Glockenspiel? Hübsche Figuren kamen hinzu, ja ein Hans Thoma hat sich in jungen Jahren als eifriger Bemaler dieser Uhren sein Brot verdient Vom Wachtelschlag bis zum „Amerikawecker" — das ist ein weiter und gesegneter Weg, auf den unsere wak- keren Schwarzwälder nicht wenig stolz sein dürfen. Auch die Präzisionsarbeit ließ nun nicht länger auf sich warten und hat der Schwarzwalduhr ihren sprichwörtlichen Weltruf verschafft. Beinahe an derselben Stelle, wo die Wiege der Handuhrenmacherei stand, auf den sturmumtosten Höhen des Schwarz waldes, nördlich und südlich des Wutach- und Höllentales, finden’ wir auch heuer noch das Zentrum der badischen Uhrenindustrie, während das wtirttembergische im Ursprungsgebiet des Neckars zu suchen ist Gegen vierzig größere Fabriken, die durchschnittlich 3500 Arbeiter und Angestellte beschäftigen, umfaßte allein das badische Herstellungsgebiet. Die höchste Entwicklung wurde badischerseits in den Gemeinden Triberg, St. Georgen, Neustadt, Schonach, Vöhrenbach, Villingen, Furtwangen und Lenzkirch erzielt, wobei nicht die reine Uhrenindustrie ins Auge gefaßt ist sondern auch der für die Produktion des genannten Industriezweiges unumgängliche Maschinenbau aller Arten von Präzisionsinstrumenten, feinmechanischen Erzeugnissen und Hilfsgeräten des betr. Sektors. In der „Schwarzwaldsammlung“ des Lenzkircher Fabrikanten Oskar Spiegelhalder besitzt unsere Heimat Ein alter „ Oberlandfahrer • mit seinem lustigen, hölzernen Uhren-Traggestell Zeichnungen ,eon J. Vogier überdies ein Privatmuseum, das übernationalen Ruf genießt Hier finden wir auf engem Raum die Zeugen einer jahrhundertealten Schwarzwälder Heimatkunst und örtlichen Industrie vereinigt Mit feinem Verständnis fürs Heimattümliche haben Spiegelhalder und seine Nachkommen alles zusammengetragen, was wert erscheint, der wißbegierigen Nachwelt überliefert zu werden. In Furtwangen dagegen befindet sich die badische Uhrmacher- und Schnitzerschule, welche der badische Staat seinerzeit mit Hilfe der Gemeinde an der Endstation der Breg- talbahn ins Leben gerufen hatte. Furtwangen mit seinen bekannten Maschinenbauanlagen, Fabriken für Telefon- und Telegrafenapparaten war ohnedies als „Hochburg“ der badischen Heimatindustrie auf diesem Gebiet anzusehen. Auch Gas- und Wassermesser, elektrische Zählerund Fotoapparate kamen aus dem idyllischen Städtchen, in dem, nebenbei bemerkt, auch die Ahnen des großen deutschen Musikers und Musikinterpreten Wilhelm Furtwängler, beheimatet waren. Was die Uhrmacherschule angeht, so konstruierte sie auch die Signale für die Heidelberger Sternwarte auf dem Schloßberg. Mit der Filiale des Landesgewerbeamtes war jahrzehntelang noch eine sehenswerte Sammlung von ca. siebenhundert Uhren verbunden. Aehnliche Ausstellungen befanden sich in Hornberg, Triberg und dem Lungenluftkurort St. Blasien, unserem badischen Davos. Im württembergischen Schwarzwald (auch „Baar“ genannt) ist vor allem der Marktflecken Schwenningen für die Uhrenindustrie bemerkenswert. Auch Schramberg hat sich einen gewissen Namen gemacht, wenngleich dem badischen Schwarzwald das Primat gebührt. fAlles scheinen uns die Württemberger halt doch nicht voraus zu haben!) Im Jahre 1765 soll die Uhrenmacherei aus dem „Musterländle“, das damals noch nicht so hieß, ins Schwäbische verpflanzt Worden zu sein. Auch hier haben sich bescheidene Anfänge alsbald zu einem beachtlichen Erwerbszweig ausgeweitet, wobei man sich allerdings mehr auf die Herstellung von Turmuhren, Weckern und die bei der Arbeiterschaft nicht immer sehr beliebten Kontroll- und Stech- -. uhren spezialisierte. In Schwenningen ' blühte gleichzeitig eine Fachschule für Feinmechanik und Elektrotechnik auf, während sich in Schramberg das deutsche Museum für Zeitmeßkunde befindet. Auch eine imposante Uhrensammlung wurde hier zusammengestellt, welche die Lenzkircher vorteilhaft ergänzt. Gleich der übrigen Schwarzwälder Heimindustrie ist auch die Uhrenfabrikation ein Kind der Heimat, kräftig und urgesund, so daß ihm auch die verschiedensten Nachstellungen und Miseren, die unsere Heimindustrie vor allem in der französisch besetzten Zone in den vergangenen Jahren lähmten, auf die Dauer wohl nicht allzuviel anhaben können, wenngleich die „Transplanatlon“ des einheimischen Erwerbszweiges in anderer Herren Länder die Kapazität schon erheblich verringert hat. Doch Ohne einen Stamm erfahrener und langerprobter Facharbeiter kann gerade diese Präzisionsindustrie aut die Dauer nicht auskommen; das ist nach wie vor die umstrittige Chanel unserer einheimischen Produktion, der auch die kuriosesten „Demontage- befehle“ auf die Dauer wenig Abbruch tun können. Lackierte Schildziffemblätter, ge- (schnitzteKuckucke und dlesog.„Bahn- warthäusle Form“ der Chronometer, die mit der Schwarzwaldbahn ihr 75. Daseinsjubiläum erst kürzlich feiern durften, strahlen nach wie vor ln die oft allzu große Sachlichkeit und See- lenlosigkeit unseres Säkulums ihren alten heimatlichen Zauber hinein, dessen wir gerade heute weniger denn je entraten möchten. Donatus Quitt VOM BÜCHERMARKT Dolf Sternberger: Panorama, oder Ansichten vom 19. Jahrhundert. Verlag Cla essen und Goverts, Hamburg. 238 S. Mit den klugen Büchern ist es wie mit den klugen Menschen: Der Umgang mit Ihnen Ist oft etwas strapaziös und man muB sich schon ein bißchen anstrengen, wenn man von ihnen profitieren will. Dolf Sternbergers Panorama des 19. Jahrhunderts ist ein sehr kluges Buch, das wirklich der Mühe des gründlichen Lesen und Uberdenkens wert ist. Es geht ihm weniger um Taten und Charaktere großer Männer, als um die geistigen Strömungen, die die Entwicklung des europäischen Durchschnittsbürgers damals bestimmt haben. In einer Fülle von Bildern, Berichten und Reflexionen zeichnet er die „Ansichten" einer Zeit, die etwa drei Jahrzehnte nach dem Tode Goethes beginnt und nach der Errichtung des Eiffelturmes endet. Dabei sind die beiden Daten mehr als nur Zeitmarken: Sie versinnbildlichen die Wendung des öffentlichen Interesses vom Wvtusischen weg zum Technischen hin. Dies ist bereits ein Stüde des Grundrisses der Epoche, den aus den gezeigten Bildern zu rekonstruieren der Verfasser uns selbst überläßt Hier liegt ein großer Vorzug des Buches: ich halte es für ein besonderes Vergnügen, selbst das Wesentliche und Grundsätzliche aus der Menge des Materials herauszufinden — so etwas ist geradezu eine Entdeckungsreise, eine Art Goldgräberexpedition (als vom Herrn Verfasser, womöglich noch durch sinnige Anwendung von Sperrdruck und Ausrufebalken am Rand, mit der Nase darauf gestoßen zu werden). Eines fiel mir jedoch noch besonders auf: Wie unpolitisch dieses Buch ist. Bei der Gründlichkeit, mit der Dolf Sternber- er zu Werke geht, ist kaum anzunehmen, at dem keine Bedeutung zukommt, W48 liegt vor der betrachteten Zelt, aber der Krieg 1870/71 zum Beispiel begegnet uns eigentlich nur, als vom „Panorama der Schlacht bei Sedan" berichtet wird und Bismarck tritt an keiner Stelle entscheidend hervor. Anscheinend waren die meisten Menschen , jener Zeit an dererlei Dingen tatsächlich nur oberflächlich interessiert, so wie wir heute etwa an einem Eisenbahnunglück oder an einer neuen Plastik im Museum. Politik: Das wurde damals noch nicht als von Menschen gestaltetes Schicksal empfunden, es war für die meisten mehr die fertig gelieferte Kulisse, in. der sich die Ereignisse ab- spielten. Vielleicht aber liegt in dieser unpolitischen Haltung des damaligen europäischen Bürgertums ein Hauptgrund unserer heutigen Misere. KHL. # Carl Lamb, die Wies, 72 Selten mit 9ß Tafeln, Verlag Prestel, München, 1948. Es ist ein sehr schöner Band, welchen der Verfasser und der Verlag der herrlichen Wallfahrtskapelle „der Wies" gewidmet haben, ein Band, darinnen nicht nur der Besucher und Kenner dieser Wallfahrtskirche mitten im Lande draußen bei Füssen, am Lech, seine lieben Erinnerungen auffrischt, sondern auch der Nichtkenner zu diesem unvergleichlichen Kleinod südbayerisdien späten Barocks hingeführt wird: freifich, so bekannt, wie Vierzehnheiligen ist „die Wies" vielleicht nicht, dafür aber birgt sie in Grundriß, Ausführung und Motiven des Herrlichen so viel, daß es eine Freude ist, diesen neuen Tafelband wieder im Publikum zu wissen. Der Verfasser hat es, sich, nach seiner Darstellung der Baugeschichte, ins- besonders angelegen sein lassen, das Problem des diese Kirche ln ganz besonderer Art durchstrahlenden und beleuchtenden Sonnenlicht» zu erörtern: Dominlcu» Zimmermann hat genau gewußt, was et tat, als «r ln seine Pläne das Sonnenlicht einbezog, denn mit dem Wandel des einfallenden Lichts ändert sich der Charakter der Kirche Immer und immer, — das Geheimnis des göttlichen Lichts wird in das irdische Sonnenphänomen einbezogen. Damit erhält der Leser zu allem anderen Schönen noch ein unvergleichlich deutliches Beispiel für die Probleme des Zu- zammenhangs von Licht, Architektur und Glauben, ... so daß damit einem langen Nachdenken alles nur wünschbare Material unterbreitet wird. Die schöne Monographie verdient viel Lob, es geht Aufmunterndes von Ihr aus. Alfred Neumann, die Goldquelle, Roman, 281 Seiten, Verlag Kurt Desch, München, 1948. Mit diesem Roman ist Alfred Neumann wieder zurückgekehrt zu seinen Lieblingsthemen, welche er früher mit großem Erfolg und mit feiner Sicherheit behandelt hat, also zu dem „Würdenträger”, dem Minister odet hohen Staatsbeamten, welcher honett ist und bleibt auch dann, wenn äußere Umstände gegen ihn zu spre- Es gibt wohl kaum einen ferneren Winkel der Erde, zu dem nicht eine der 325 Frauen gereist wäre, die derzeit zu den Mitgliedern der Gesellschaft der Geogra- phinnen zählen. So berichtete Mrs. Edith Rönne kürzlich von den Ergebnissen ihrer Expedition in die Antarktis. Als Teilnehmerin einer Forschergruppe, die sich- die Erkundung der Südpolgegend zur Aufgabe gesetzt hat, war sie als erste Frau auf dem Eis des Südpolkontinents. Schon die Statuten der Geographischen Gesellschaft sehen vor, daß nur weitgereiste Frauen die Mitgliedschaft erwerben können — und zwar jene, .die einen Beitrag zur besseren Kenntnis jener Länder leisten, für die sie sich spezialisierten, und die einen Bericht über ihre wissenschaftliche dien scheinen oder ihn womöglich verklagen. Wir erinnern uns mit Freude seines Herrn Tristan im „Teufel", des del Monte nnd des „Blinden" in .Rebellen' und ,Guerra‘... jetzt nimmt Neumann einen münchener Vorfall vor 1914, eine Schwindelbank, zum äußeren Anlaß, um einen Minister alten Stils wiederum zu zeichnen mit all seinpr Verhaltenheit und seiner besonderen Sorge, welche er zuletzt mit einem schwelgenden Ausgang zu quittieren versteht: wie immer bet Alfred Neumann, sind den Männern sehr veränderliche Frauen gegenübergestellt, Frauen, die sehr gut ganz ohne Männer auskämen, die aber vergeblich ihr eigenes Leben und die praktische Politik daraus an die Männerexistenzen anzuschließer trachten. „Die Goldquelle", d. h. besagte Schwindelbank, deren Zusammenbruch wir lesen, ist nur der äußere Anlaß für den Dichter, dem es auf seine schwierigen und wissenden Männer- und Ministergestalten ankommt, — der Roman selbst ist ein sehr fesselndes und auch sehr weises Dokument über einsame, aussichtslose und Verlassene Mannerarbeit, und reiht sich Tätigkeit publiziert haben*. Zu den 325 Mitgliedern in den Vereinigten Staaten und Kanada kommen noch rund 60 Frauen in 40 anderen Staaten hinzu, die die vor- geschriebenen Bedingungen erfüllen, aber als .korrespondierende Mitglieder“ geführt werden, da sie ihren Wohnsitz im Ausland haben. Zwei der Geographinnen arbeiten z. Z. an der „Enzyclopedia Arctica", einem umfassenden Sammelwerk über die Nordpolgebiete. Auch Frauen aus Wissenschaftsgebieten, die der Geographie nahestehen, können Mitglieder der Gesellschaft werden, so findet man unter ihnen Ethnologinnen, Archäloginnen, Botanjkerinnen, Soziologinnen und Volkskundlerinnen. H. W. H. den früheren Werken Neumanns auf dos Vorteilhafteste an. Dr. Adolf von Grolman. * Anna Slemsen. Literarische Streifzüge durch die Entwicklung der europäischen Gesellschaft. Frankfurt/M., Bielefeld, Mainz und Büchergilde Gutenberg. Großformat, geb., 251 S. Das gut ausgestattete, wenn auch mit sparsamen Lettern gedruckte Buch, Ist als erste Veröffentlichung der wieder gegründeten Büchergilde Gutenberg neu aufgelegt worden. AUgemeinverständlich werden die Zusammenhänge zwischen Gesell- schaftsentwlcklung und Dichtung beleuchtet. Unter den Gruppierungen „Das Jahrhundert des Bürgertums — Europas Gesellschaft im Raum des 19. Jahrhunderts — Gesellschaftskritik ira 19. Jahrhundert — Proletarier und Revolutionäre" und anderen, zeichnen sich Grundlinien der Auswahl und des Standpunkts ab. Hervorzuheben ist die Klarheit der einzelnen Studien, die durch ein liebevoll zusammengestelltes Verzeichnis der Bücher der einzelnen Dichter, soweit sie es wert sind gelesen zu werden, ergänzt werden. Johannes Tralow, Irene von Trapezuüt. Roman. Droemersche Verlagsanstalt Wiesentheid, geb., 532 S. In farbigen, anschaulichen Bildern gestaltet der Lübecker Dichter ein Zeitbild des Werdens der osmanischen Großmachtstellung in Europa. Mohamed H„ der Große, hatte Ende des 15. Jahrhunderts dem erstarrten Byzanz den Todesstoß versetzt, ohne den Zwiespalt ln sich und um sich vernichten zu können. Denn das byzantinische Blut in sidh und die das Erbe der Antike und des Christentum» weitertragende kluge und überlegen* Irene von Trapezunt, die Frau, die er einzig liebte, verleugnen sich nicht. Gute Einfühlung, packende Darstellung und lebendige Durchführung zeichnen' das gewichtige Buch aus, das der Leser atemia# und voll Spannung liest. Dr. W. O. Die Gesellschaft der Geographinnen -jjte. r.ist, Samstag, den 29. Januar 1949 S AZ Nummer 21 / Seite 9 Karlsruhe am Wochenende Der VfB Mühlburg hat Sorgen. Nicht die Sorge, wie er seinen Tabeilenstand halten oder verbessern könnte. Die Mannschaf t ist ja gegenwärtig — toi, toi, toi! — nicht schlecht in Form, und die Optimisten versprechen sich auch vom morgigen Spiel gegen die Stuttgarter Kickers einiges Gute. Nein, die Sorgen der Männer vom Westen der Stadt sind anderer Art: man hat Kummer wegen der allzu fanatischen Vereinsanhänger. Wegen der Leute also, die, wie beim Spiel gegen die Augsburger Schwaben, gerne dem Schiedsrichter auf den Pelz rücken möchten, wenn nicht alles so geht, wie es soll. Man hat, um sich solcher Sorgen zu entledigen und unliebsamen Weiterungen aus dem Weg zu gehen — man weiß ja, was eine Platzsperre für den Verein bedeuten kann! — den Oberbürgermeister und die Polizei um Hilfe angerufen. Ergebnis: die Polizei wird künftig ein verstärktes Kommando nach Mühlburg schicken und Randalisten sofort festnehmen. Soweit ist es gekommen im deutschen Sport. Ein Glück, daß wir wenigstens noch Polizei haben ... Ganz anders sind die Sorgen etwa des Evangelischen Oberkirchenrats. Es hat nichts mit Sport zu tun, sondern gehört in den Bereich der Artistik, wenn sogenannte Hochseiltruppen in schwindeliger Höhe ihre Künste zeigen. Daß hierzu auch die Kirchtürme herhalten sollen, macht der Kirchenbehörde Kummer. Sie 4> meint, die Nähe der Kirche sei nicht der rechte Ort, um derartige Sensationen zu. produzieren, noch dazu, wo es sich bei dem fast ständigen Fehlen geeigneter Schutzvorrichtungen durchweg um lebensgefährliche Aufführungen handelt. Man wolle die Artisten nicht um ihr Brot bringen, aber die Kirche könne letztlich nicht schweren Unglücksfällen Vorschub leisten. Kurzum: der Oberkirchenrat empfiehlt, entsprechende Anträge solcher Hochseiltruppen künftig abzulehnen. Wilde Gerüchte kursieren seit Tagen in der Stadt. Gerüchte darüber, daß in den letzten Wochen zahlreiche Karlsruher Firmen den Konkurs angemeldet hätten. Man spricht von 20, von 50, ja sogar von 80 Karlsruher Firmen, die angeblich Konkurs gemacht haben sollen. Es wäre eine Sensation gewesen und — ein schwerer Schlag für die Karlsruher Wirtschaft. Zum Glück ist an all diesen Gerüchten kein wahres Wort. Nach einer verbindlichen Auskunft des Karlsruher Amtsgerichts wurde seit der Währungsreform in Karlsruhe ein einziges Konkursverfahren eröffnet. Es handelt sich um einen Schi;einermeister, der beim Wiederaufbau seines im Krieg zerstörten Betriebes infolge der Währungsreform und durch Verschulden von dritter Seite in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten war. 3- bis 4000 DM betrugen die Verbindlichkeiten. Das ist die Wahrheit über die Karlsruher Konkurshausse. Kein Gerücht ist es aber, daß ab Dienstag die Straßenbahnen wieder bis Mitternacht fahren. Die Bevölkerung hat diese Mitteilung mit Genugtuung und Freude zur Kenntnis genommen. Es handelt sich dabei nicht nur um die Besucher von Faschingsveranstaltungen — die ja ohnehin auch die letzte Bahn nicht schaffen! —, sondern um viele Leute, die meinen, man müsse auch im Verkehr langsam wieder den Vorkriegsstandard erreichen. Die Karlsruher Straßenbahn geht da wie immer mit gutem Beispiel voran. Ihr darum unser aufrichtiges Kompliment. Carolus. Karlsruher Regisseur als Ärzteschreck Wie uns aus Regensburg gemeldet wird, ist der 30jährige Regisseur und Dramaturg Josef K. aus Karlsruhe, der seit längerer Zeit in den Westzonen umherzieht, zu einem wahren Aerzte- und Apothekerschreck geworden. Er ist dabei unter einer großen Anzahl falscher Namen und unter Beilegung akademischer Grade und Adelstitel aufgetreten und hat es unter Vorlage von gefälschten Rezepten verstanden, sich in zahlreichen Städten größere Mengen Rauschgift zu verschaffen. Auch in Regensburg, Straubing und Passau gab er ,,Gastspiele“. sch. Ausnahmegenehmigungen erlöschen Nach einem Erlaß des Verkehrsministeriums Württemberg-Baden vom 20. 1. 1949 verlieren alle auf Grund des Kraftfahr- zeugmißbrauches bzw. der 2. allgemeinen Anordnung des Direktors der Verwaltung für Verkehr erteilten Ausnahmegenehmigungen (Sonntagsgenehmigungen} am 31 1. 1949 ihre Gültigkeit. Ab l. Februar 1949 gelten die .neuen Vorschriften der Kraftfahrzeugbenutzungsverordnung. Auskunft erteilen die Verkehrsabteilungen der Städte bzw. Landratsämter. :) Evangelischer Studententag Die Evangelische Studentengemeinde Karlsruhe führt ihren 5. Studententag an diesem Wochenende durch. Zum Auftakt sprach gestern abend im Bunte-Hörsaal der Technischen Hochschule Schriftleiter Schomerus von ..Christ und Welt“ über das Thema; „Eine Auseinandersetzung mit Horst und Björn wurden gute Freunde Ein Karlsruher Junge gewann sich und Deutschland Sympathien in Schweden und Dänemark Ein grünlich-gelbes Segment am Horizont Siicldeutschland erlebte vergangene Woche eine Nordlichterscheinung Die Stehbar im Friseursalon Trotz Gewerbefreiheit Konzessionspflicht für Ausschank von Alkohol man die Deutschen jetzt nur sehr schwer als Freunde betrachten kann. Ich beurteile es so, daß nicht alle Deutschen die Schuld dafür tragen können, was wenige gemacht haben. Aber es war sehr traurig für uns, die die Deutschen gern haben, zu sehen, wie sie sich benahmen, und es ist ein schwacher Trost, daß andere genau dasselbe tun. Nun sind hoffentlich diese Zeiten bald zu Ende, und wir wollen vergessen, was damals Böses geschah und versuchen, Verständnis zwischen den Völkern aufzubringen. Da habe ich mich gefreut, daß Horst als ein erstklassiger Repräsentant hierher reisen konnte, denn dies ist für die Deutschen sehr, sehr wertvoll. . . . Mein Vater, der während des Krieges sehr deutschfeindlich eingestellt war, war für Horst restlos begeistert und er konnte sehen, daß es noch anständige Deutsche gibt . . Soweit — auszugsweise — der Brief der Dänin. Wir freuen uns herzlich, daß es einem Jungen aus einer einfachen kinderreichen Karlsruher Familie durch sein bescheidenes, herzliches Wesen gelungen ist, sich — und ein wenig vielleicht auch uns — in Schweden und Dänemark solche Sympathien zu erwerben. Wieviele Vorurteile könnten abgetragen werden, wenn nicht nur die Staatsmänner, sondern die kleinen Leute aus dem Volk über alle trennenden Grenzen hinweg miteinander sprechen könnten. So wie Horst und Björn, wie Horst und Frau Christiansen. jw. puskularstrahlung, welche von einem Sonnenflecken - Gebiet ausgeht, das gerade im Mittelpunkt der Sonnenscheibe steht und somit diese Strahlung unmittelbar zur Erde sendet. -Die elektrisch geladenen Teilchen geraten in das Magnetfeld der Erde und werden dadurch nach den Polargegenden abgelenkt und konzentriert. Die äußerst verdünnten Gase unserer Lufthülle etwa zwischen 200 und 500 km Höhe werden durch die Elektronen zum Selbstleuchten angeregt. Da das Stickstoffgas der Luft bei dieser Anregung hauptsächlich rote Strahlung abgibt, haben helle Nordlichter häufig diese Färbung. Durch den Einbruch der Elektrcmenstrahlung in die Atmosphäre wird die Ausbreitung der Rundfunkwellen erheblich gestört, (starker Schwund usw.), was man bei Einstellung ferner Sender auch diesmal deutlich beobachten konnte. Ebenso werden durch Induktionsströme Fernsprech- und Telegraphenleitungen auf weite Entfernung oft erheblich gestört. W. M. Es mag auf den ersten Blick etwas verwunderlich erscheinen, wenn wir uns an so hervorragender Stelle mit einem kleinen Karlsruher Jungen beschäftigen. Die Sache hat indessen einen so gewichtigen Hintergrund, daß man schnell begreifen wird, wie bedeutungsvoll solch kleine persönliche Erlebnisse wie das nachstehende sein können, wenn die so zahlreichen Mißverständnisse und Vorurteile zwischen uns Deutschen und anderen Völkern beseitigt werden sollen. Der damals 12jährige Horst H. aus Durlach befand sich im Januar vergangenen Jahres mit seinem soeben aus Gefangenschaft zurückgekehrten Schwerkriegsbeschädigten Vater auf dem Karlsruher Hauptbahnhof, als der Nord Süd-Expreß Kopenhagen —Schweiz auf dem Bahnsteig einfuhr. Eine Schwedin stieg aus, kam mit dem Jungen ins Gespräch, • schenkte ihm eine Schachtel Pralinen und fuhr weiter. Horst bedankte sich in einem Brief, und es entwickelte sich auf solche Weise ein schöner Briefwechsel zwischen ihm und dem Neffen der Dame, dem gleichaltrigen Björn in der Nähe von Stockholm. Als später Björns Mutter durch Karlsruhe fuhr, war der telegrafisch unterrichtete kleine Horst wieder am Bahnhof. Das Ergebnis: Horst wurde eingeladen, in Schweden seine Ferien zu verbringen. Das geschah, nach Erledigung der Formalitäten, von August bis Oktober 1948, neun Wochen lang. Man kann sich vorstellen, welches Erlebnis dieser Aufenthalt für Horst bedeutete, der mit Björn eine wohl immerwährende, feste und herzliche Freundschaft schloß. ' Der kleine Karlsruher Glücksjunge hat übrigens, wie aus uns vorliegenden Briefen hervorgeht, wohin er auch kam, einen sehr guten Ein- Das hat so mancher nicht gewuht! . Eheleuten oder mehr noch vielleicht solchen, die es werden wollen — falls sie bei genauer Kenntnis der rechtlichen und sonstigen Folgen einer Eheschließung noch den Mut dazu haben — erteilte Rechtsanwalt Dr. Wiedemann kürzlich im Rahmen der „Volksbildungskurse“ eine kleine, aber aufschlußreiche Lektion über Ehe- und Familienrecht. Die 80 Paragraphen des Ehegesetzes und die nicht weniger als 500 mit der Ehe zusammenhängenden Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuches ausführlich zu behandeln, mußte sich der Redner haturgemäß versagen. Doch was die Zuhörer, bei denen sich übrigens das weibliche und das männliche Geschlecht in jeder Altersklasse durchaus die Waage hielten — alles über die rechtlichen Voraussetzungen und Folgen der Verlobung und Eheschließung, über das verzwickte eheliche Güterrecht und die erforderlichen Tatbestände, für die Nichtigkeit einer Ehe erfuhren, hatte sicherlich noch so mancher nicht gewußt Für alle, denen die selbstgewählte, seidene Fessel allmählich tiefer und tiefer ins Fleisch zu schneiden beginnt und die gern ihre goldene Freiheit zurückgewinnen möchten, verspricht der nächste, die Aufhebung der Ehe und die Ehescheidung behandelnde Vortrag, besonders interessant zu werden. \ —d— der Existenzialphilosophie und abstrakten Kunst". Die übrigen Veranstaltungen finden im Gemeindesaal in Grötzingen statt. U. a. wird Schriftleiter Schomerus in einem Vortrag über „Wahn und Wahrheit" die geistige Erkrankung des modernen’ Menschen an Hand der Ergebnisse der Psychologie und Psychotherapie aufzeigen. epd. Vorträge der Methodisten-Kirche pie Vorträge von Paul O r 1 a m ü n - der, Frankfurt-M., nehmen unter starker Beteiligung ihren Fortgang. Die letzten Vorträge sind am Sonntag, 9.30 und 19.30 Uhr. Die Themen sind: „Göttlicher Ego-, ismus" und „Kirche — altmodischer Verein oder notwendiger Stützpunkt?". :) Das Rätselraten um den Goldwiirfel Wie wir erfahren, wird die Verteilung der Preise an die Gewinner im „Gold- würfel-Raten" wahrscheinlich am 10. Februar im Kaffee Museum vorgenommen. Die Preisträger werden rechtzeitig benachrichtigt. :) 50 Jahre Kaffee Wilsser Das Tageskaffee Wilsser in der Süd- stadt feiert in diesen Tagen ein bemerkenswertes Jubiläum. Vor acht Jahrzehnten eröffnete der Großvater des heutigen Inhabers, Karl Wilsser jr., in der Wil- helmstraße eine Bäckerei, die durch seinen und den Fleiß der Nachkommen 1934 zu einem modernen Kaffee mit Konditorei ausgebaut wurde. , :) druck hinterlassen. Wenn wir aus diesen Briefen den einer Dänin herausgreifen, so deshalb, weil er, an die Eltern von Horst • gerichtet, gerade in diesen Tagen in Durlach einging. Horst hatte Frau Christiansen auf der Fahrt nach Schweden kennengelemt und hat, von ihr darum gebeten, auf der Rückreise in Kopenhagen noch einen kurzen Aufenthalt genommen. Frau Christiansen schreibt nun u. a.: „. . . Wir haben durch Jahre hindurch mit den Deutschen in Freundschaft gelebt. Leider hat sich das nach fünf Jahren deutscher Besatzung sehr geändert. Sie werden verstehen, daß In den Abendstunden des 25 f Januar, etwa ab 21 Uhr, konnten aufmerksame Beobachter am Nordhimmel in ganz Süddeutschland, vermutlich in ganz Europa, ein grünlichgelbes, kreisförmiges Segment beobachten: Das erste Anzeichen eines in unseren Gegenden ja recht seltenen Nordlichtes. In den nächsten Stunden entwickelte sich oberhalb jenes Segmentes eine purpurne Röte, die vereinzelt von helleren, etwa am Nordpunkt konvergierenden Strahlen durchzogen war. Die Erscheinung war bis in die Morgenstunden des 26. Januar sichtbar und machte vielerorts den Eindruck einer fernen Feuerbrunst,* unterschied' sich aber hiervon dadurch, daß die stärkste Röte nicht in Horizöntnähe lag, sondern, daß hier das schon erwähnte grünlich-gelbe Segment zu sehen war. Nordlichter von einer derartigen Helligkeit sind wie wir vom Amt für Wetterdienst Karlsruhe erfuhren, in unseren Gegenden außerordentlich selten. Sie werden hervorgerufen durch kurzwellige und Kor- Es ist eine Tatsache, daß in den vergangenen Wochen, seitdem nämlich die Militärregierung die allgemeine Gewerbefreiheit verkündet hat. niemand mehr recht wußte, wozu es eigentlich irgendwelcher Lizenzen, Genehmigungen oder Prüfungen bedarf. Auch heute ist darüber noch keine völlige Klarheit vorhanden. Indessen hat eine gerade jetzt bei der Karlsruher Stadtverwaltung eingegangene Verfügung des .württ.-bad. Wirtschaftsministeriums, die, wie uns Beigeordneter Dr. Gutenkunst mitteilte, in den nächsten Tagen der Oeffentlichkeit bekannt gegeben wird, doch etwas Licht in die reichlich verworrene Situation gebracht In Karlsruhe und auch in einer Reihe von Orten des Landkreises hat die Verkündung der Gewerbefreiheit die überraschendsten Ergebnisse gezeitigt. Zunächst wurden, was an sich verständlich ist, eine große Zahl von beim Gewerbeamt gestellten Anträgen zurückgezogen. Viele halbwüchsige Burschen eröff- neten einen ambulanten Handel, eine Unzahl von Gesellen und handwerklichen Arbeitern machte sich selbständig, junge Leute teilten mit, sie würden Schnapsbuden eröffnen, Gaststätten gliederten sich Vergnügungslokale an. Ja es ging sogar so weit, daß Metzgermeister und selbst Tabakwarenhändler den Ait=schank von' Alkohol betreiben wollten und daß in Ettlingen ein Friseur in seinem Herrensalon eine Stehbar einzurichten beabsichtigte. Nach den Richtlinien des .Wirtschaftsministeriums, die allerdings nur eine Uebergangslösung darstellen, sind eine ganze Reihe dieser etwas voreiligen Maßnahmen unzu- lässsig. Neben mehreren anderen Gesetzen ist z. B. als wichtigstes die Gewerbeordnung nach wie vor in Kraft. Die Konzessionspflicht für Eröffnung von Gaststätten. Alkoholausschank usw. besteht auch weiterhin. Obwohl auch 1 hinsichtlich der handwerklichen Berufe noch keine volle Klarheit besteht, sind nach Meinung des Wirtschaftsministeriums, insbesondere folgende Berufe nach wie vor zulassungspflichtig: Elektromechaniker und -Installateure, Feuerungstechniker, Schomstein- bauer und ähnliche Berufe, Chirurgie- und orthopädische Mechaniker'»* und Instrumentenmacher, Orthopäd. Schuhmacher, Zahntechniker, die keine Heilbehandlung ausüben, sowie Friseure. Insgesamt gesehen, wird die bisherige verworrene Lage durch die neuen Richtlinien wesentlich übersichtlicher, Völlige Klarheit erhofft man sich, wenn der Wirtschaftsrat das entsprechende Rahmengesetz verabschiedet haben wird. w. Ein lustiges Haus / Es ist uns gelungen, in Karlsruhe ein richtiges lustiges Haus zu finden, in welchem die Mieter trotz aller zeitbedingten räumlichen Enge nicht ohne Humor und verträglich beieinander wohnen. In jenem Hause in der Stefanienstraße war im dritten Stock die Treppe gewachst worden. Folgendes Plakat wies auf .die Rutschgefahr hin: Vorsicht, frisch eingewachst! Es vergingen keine drei Stunden, da hatte einer der Bewohner, ein lustiger Student, darunter gemalt: Betreten der Treppe bei Strafe verboten !I Die Militärregierung vom 3. Stock. Ein anderer Mieter ergänzte die Mahnung zur Vorsicht mit einem poetischen Plakatbeitrag: Gott sei's gelobt, getrommelt und [gepfiffen, Daß wir nicht über diese Treppe [müssen. Denn wer sich in Gefahr begibt', [kommt darin um Und daß der Mensch noch keine [Schwingen hat Ist halt zu dumm! Das ließ die übrigen Mieter nicht ruhen. Tn kurzer Folge verkündeten weitere Inschriften das vielstimmige Mieteiecho: Horst—Karlsruhe Björn—Stockholm Das grobe Schwelgen Es ist eine seltsame Sache: da kommt man einem Vorkommnis auf die Spur, hinter dem sich allen Anzeichen nach Unsauberkeiten verbergen, man bringt die Angelegenheit an die Oeffentlichkeit, man erhält von dem betreffenden Amt eine Einladung, an Ort und Stelle bei allen gewünschten Beamten Informationen einzuziehen, man kommt dieser Einladung nach und veröffentlicht das Ergebnis. Ein Ergebnis, das, besieht man sich’s genau, eine noch schwerere Belastung für das betreffende Amt darstellt. Und dabei bleibt es. Nichts rührt sich mehr, alles hüllt sich in Schweigen und eine Antwort der angegriffenen staatlichen Dienststelle, von deren angeblicher Vorbereitung man schon am 18. Januar wußte, trifft bis zum heutigen Tag nicht ein. Wir hatten, das muß zum Verständnis der Angelegenheit hinzugefügt werden, den maßgeblichen Herren hinsichtlich unserer Publikationen um das Haus, „Schloßbezirk 11 d“ — denn darum handelt es sich hier — von vornherein zugesichert, wir würden eine Stellungnahme der Gegenseite jederzeit veröffentlichen. Ja, es wurde betont, daß diese uns sehr erwünscht sei. Um so weniger ist zu begreifen, daß nun nichts geschieht, buchstäblich nichts. Es mag sein, daß die ganze Angelegenheit vielleicht zunächst intern untersucht wird. Es ist aber wohl nicht zuviel verlangt, wenn wir die Erwartung aussprechen, daß das Ergebnis solcher Ermittlungen so schnell als möglich der Oeffentlichkeit mitgeteilt wird, die daran, das können wir versichern, ein wirkliches Interesse hat. Daß man bei der Finanzverwaltung, wie wir leider erfahren mußten, hintenherum über die böse SAZ schimpft, damit ist nach unserer bescheidenen Meinung die Sache nicht abgetan. Es bedürfte da schon einiger sachlicher Argumente und einer wirklichen Aufklärung. W. Tagebuch der Fächerstadt Der Wintersportsonderzug nach Oberbühlertal und Ottenhöfen, Karlsruhe ab 7.10 Uhr, mit 50 Prozent Fahrpreisermäßigung, fährt auch am Sonntag, den 30. Januar. Ab Oberbühlertal und Ottenhöfen fahren Omnibusse nach den Sportgebieten. Ueber „Kulturpfennig, Beamtengesetz und Gewerbefreiheit" spricht heute abend Landtagsabg. Dr. H. Keßler in der „Bavaria", Amalienstraße. „Ergebnisse und Probleme der modernen Astronomie" lautet das Thema eines Vortrages, den Dipl.-Ing. P r a ß 1 e r am 1. 2., um 19.30 Uhr, im Hans-Bunte-Hörsaal des chemisch-technischen Instituts der T. H. halten wIrd