KARLSRUHER NEUE ZEITUNG Erscheinungsweise! TIglich, außer Donnerstag and Sonntag. Redaktion, Verlagsabteilung und Druck: Karlsruhe, Waldstraße 28. Telefon Nr. 922/923 (Dringend Presse). Anzeigenannahme und Vertrieb: Karlsruhe, Kaiserstraße 69, Telefon 6649; Durlach, Pfinztalstraße 49. Ettlingen. Leopoldstraße 5, Telefon 36, Buchhandlung L«4mer. SÜM f meine Bezugspreis monatlich DM 2.40 einschließlich Trägergebühr, Postzustellung DM 2.20 zuzüglich Zustellgebühr. — Anzeigen« preise < Die sechsgespaltene. 46 mir breite Millimeterzeile Milli« meter-Grundpreis DM —.80, im übrigen siehe zur Zeit gültige Preisliste Nr. 3 s, — Postscheckkonto; Postscheckamt Karlsruhe Nr. 80 531. 3. Jahrgang Nr. 40 Karlsruhe, Freitag, den 25. Februar 1949 Einzelpreis 20 Pfennig Ein neuer Friedensplan der Sowjets Rückzug der Besatzungstruppen gefordert — Westliche Beobachter sehen darin keine ernsthafte Bemühung zur Verständigung FRANKFURT, 24. Febr. (UP) Von der SED wurden an führende deutsche Politiker der Westzonen Erklärungen versandt, in denen ein neuer Plan zur Beendigung des „Kalten Krieges“ in Deutschland entwickelt wird, der wohl auf russische Anregung zurückgehen dürfte. Der Plan fordert den Rückzug der britischen und französischen Besatzungstruppen aus Deutschland, während die amerikanischen und die russischen Truppen auf die westlichen bzw. östlichen Grenzen zurückgehen sollten. Die beiden gegenwärtig in Deutschland in Umlauf befindlichen Währungen sollen nach diesem Plan bis zur Einsetzung einer Zentralregierung ihre Gültigkeit behalten. Die SED betonte in ihrer Mitteilung an die deutschen Politiker, daß sie hier eine Lösung des deutschen Problems sehe, die sowohl die amerikanische als auch die. sowjetische Zustimmung finden würde. Berlin soll nach diesem Vorschlag eine Viermächte-Stadt bleiben, ln der alle vier Mächte kleine Garnisonen zurücklassen würden. Ferner werden die baldige Bildung einer Zentralregierung in Berlin, Neuwahlen unter amerikanischer und russischer Ueberwaehung und die Einführung der Ostmark in ganz Berlin vorgeschlagen. Nach Einsetzung der deutschen Zentralregierung in Berlin sollen dann die beiden von den Alliierten eingeführten Währungen als ungültig erklärt und ein einheitliches Zahlungsmittel für ganz Deutschland herausgegeben werden. Auf westdeutscher Seite wird dieser Vorschlag als Wieder Auslandsberichter FRANKFURT, 24. Febr. (DENA). Die Deutsche Nachrichtenagentur (DENA) wird in nächster Zeit nach mehreren Hauptstädten des Auslandes deutsche Korrespondenten entsenden, und dort eigene Vertretungen errichten. Zur Kostendeckung hat die JEIA der Verwaltung für Wirtschaft einen Dollarbetrag zur Verfügung gestellt, der die Beschaffung 'der erforderlichen Devisen gegen Zahlung von D-Mark ermöglicht. An der politischen und wirtschaftlichen Berichterstattung deutscher Pressevertreter im Ausland sind in gleicher Weise wie die DENA der Deutsche Pressedienst (DPD) in Hamburg) sowie eine Reihe von Tageszeitungen und Wirtschaftsblätter der Bi- zone beteiligt. Thorez beunruhigt Frankreich PARIS, 24. Febr. (DENA-REUTER) Der Führer der französischen'Kommunistischen Partei, Maurice Thorez, erklärte vor dem Zentralkomitee der Partei, wenn die Sowjetunion in Frankreich einfalle, würden die Kommunisten, so handeln, „wie es die Arbeiter und die Bevölkerung Polens, Rumäniens und Jugoslawiens getan haben“. Thorez beantwortete damit die an ihn gerichtete Frage: „Was würden Sie tun, wenn die Rote Armee Paris besetze?“ — Die Erklärungen Thorez’ haben in politischen Kreisen in Paris eine gewisse Unruhe hervorgerufen. Sie waren Gegenstand zahlreicher Kommentare in den Gängen des Palais Bourbon und in der Pariser Morgenpresse. Der französische Justizminister Robert I.ecourt erklärte, daß er die juristische Seite der Aufforderung Thorez’ an die französischen Arbeiter überprüfe. Flugzeugabsturz bei Hongkong HONGKONG, 24. Februar. (UP) Ein amerikanisches Flugzeug, das sich auf dem Flug von Manila nach Hongkong befand, stürzte am Donnerstagvormittag im Nebel im Raume von Hongkong ab. Alle 19 Passagiere und vier Mann der Besatzung kamen ums Leben. Teil einer neuen sowjetischen Friedensoffensive angesehen, der durch einen kürzlichen geheimen Besuch Walter Ulbrichts in Westdeutschland eingeleitet worden sein soll. Man verweist auch auf eine Erklärung Max Reimanns am letzten Samstag, daß die Kommunisten gegen einen freundschaftlichen Vergleich mit dem Westen auf der Grundlage des Potsdamer Abkommens nichts einzuwenden hätten. Vorsichtige westdeutsche Beobachter sehen in dem neuen sowjetischen Schritt einen Versuch, die Verschiebung der westdeutschen Regierungsbildung zu erreiche!}. Demgegenüber erklärte ein Sprecher der sowjetischen Militärverwaltung, die Sowjetunion sei gezwungen, ihre Truppen weiterhin in Deutschland zu belassen, weil sich die Westmächte weigerten, ihre Truppen aus Deutschland zurückzuziehen. General Clay bemerkte zu diesem Plan der SED, dadurch würden die in Deutschland bestehenden Hauptprobleme nicht gelöst. Als solche zählte er auf: 1. die Reparationsfrage im allgemeinen und der aus der deutschen Produktion zu entnehmende Betrag, 2. die Abhaltung und Kontrolle freier Wahlen in Deutschland und 3. die Teilnahme der alliierten Mächte an den Sicherheits- und anderen Kontrollen. Es sei aus dem Plan nicht ersichtlich, ob ganz Deutschland zu der Zahlung von Reparationen verpflichtet werden solle und ob alle Teile Deutschlands an dem europäischen Wiederaufbau teilnehmen würden. „Wenn diese Probleme früher gelöst worden wären, hätte die Notwendigkeit für große Besatzungsstreitkräfte in Deutschland nicht bestanden“, erklärte General Clay. Andere westliche Beobachter sind der Ansicht, daß der SED-Plan von der Sowjetunion zu einem „Friedensangebot“ benutzt werden könnte, welches eventuell den Vereinten Nationen vorgelegt würde. Auch diese Beobachter weisen, ebenso wie General Clay, auf die Tatsache hin, daß in dem Plan die Regelung des Reparationsproblems nicht erwähnt werde. Man könne einen Plan, der diese Frage nicht erwähne, nicht als eine ernsthafte Bemühung zu einer Verständigung bezeichnen. Die Sowjetunion feiert den „Tag der Roten Armee“ BERLIN, 24. Febr. (DENA) Etwa 250 unbewaffnete sowjetische Soldaten hielten am Mittwoch, dem „Tag der Roten Armee“ vor dem sowjetischen Ehrenmal im Tiergarten (britischer Sektor} eine Parade ab. Zahlreiche Delegationen der SMV, der sowjetischen Bezirkskommandanturen und der in Berlin stationierten sowjetischen Truppenteile legten am Ehrenmal Kränze nieder. Zu einem Zwischenfall kam es, als zwei sowjetische Offiziere den Reporter des Nordwestdeutschen Rundfunks gewaltsam an der Uebertragung der Feierlichkeiten hindern wollten. Einer der Offiziere bestieg schimpfend den Rundfunkwagen, stellte die Apparatur ab und versuchte, das Magnetophonband zu zerreißen. Einem RIAS- Reporter gelang es, den ganzen Vorfall aufzunehmen. Der verantwortliche leitende Polizei-Beamte war — wie die sowjetischen Offiziere — der Ansicht, daß eine Uebertragung nicht notwendig sei. General Clay und sein Stellvertreter, General Hays, konnten der Einladung zu einem Empfang Marschall Soko- lowskis anläßlich des Tages der Roten Armee nicht Folge leisten, da sie zu Besprechungen nach Frankfurt flogen. , Der Chef der amerikanischen Militärmission beim sowjetischen Hauptquarter, Brigadegeneral Hess, dem auch eine Einladung zuging, sah sich auf Grund anderweitiger Verpflichtungen ebenfalls außerstande, dem Empfang beizuwohnen. Als offizieller Vertreter des britischen Militärgouverneurs nahm der Chef der britischen Militärmission beim sowjetischen Hauptquartier, Brigadegeneral Curtis, an dem Empfang teil. In Vertretung des französischen Kommandanten von Berlin, General Ganeval, überbrachte M. le Bideau die Glückwünsche der französischen Militärregierung. Kaufmann Nachfolger Köhlers? STUTTGART, 24. Febr. (SAZ-Eig.- Ber.). In informierten politischen Kreisen rechnet man damit, daß der Stellvertreter des Direktors der Wirtschaft im Wirtschaftsrät, Ministerialdirektor Dr. Edmund Kaufmann, zum Nachfolger des verstorbenen Finanzministers Dr. Heinrich Köhler ernannt werden wird. Kaufmann, der der CDU angehört, war früher Bürgermeister von Singen (Hohentwiel). Kaufmann würde gleichzeitig stellvertretender Ministerpräsident und Nachfolger Dr. Köhlers im Frankfurter Länderrat sein. fz Grubenunglück fordert 14 Tote BERLIN, 24. Februar. (UP) Hiesigen Presseberichten zufolge ereignete sich in einer Kupfergrube bei Mansfeld in Sachsen vor einigen Tagen ein Grubenunglück, bei dem 14 Bergleute ums Leben kamen. Zwölf weitere wurden schwer verletzt. Es soll dies bereits das fünfte Unglück sein, das sich dort in den letzten Monaten ereignete. Heftige Debatte über eine Amnestie Linksparteien gegen Ministerpräsident Dr. Maier — Fragen bleiben ohne Antwort (Eigenbericht unserer Stuttgarter Redaktion) STUTTGART, 24. Febr. In der letzten Landtagssitzung kam es bei der _ Beantwortung einer SPD-Anfrage über die Handhabung des Begnadigungsrechtes zu einer heftigen Kontroverse zwischen Sprechern der Linksparteien und dem Ministerpräsidenten. Den Anlaß bot die auf Verfügung des Ministerpräsidenten erfolgte vorzeitige Entlassung des früher in Ludwigsburg internierten ehemaligen stellvertretenden Gauleiters von Thüringen, SS- Oberführer und Generalkommissar der Ukraine, Ernst Siekmaier. Abg. Lausen (SPD) fragte Dr. Maier, ob es ihm bekannt gewesen sei, daß Siekmaier seinerzeit der einzige prominente Nazi des ganzen Lagers gewesen sei, der zudem als Haupt der antidemokratischen Opposition gegolten habe. Dr. Maier erklärte, Siekmaier verdanke seine Entlassung nur der außerordentlich verzweifelten Lage seiner kranken Frau und seinen unmündigen vier Kindern, nicht aber seiner Person. Der Bruder Siekmaiers, ein SPD-Politiker, habe ihn vor Weihnachten unter Hinweis auf diese Umstände schriftlich um die Begnadigung gebeten. Abg. Buchmann ' (KPD) bezeichnete diesen Vorfall als „wirklich seltsam“ und für dazu geeignet, nicht nur das Vertrauen in die Entnazifizierung, sondern das in die ganze Regierung zu untergraben. Abg. Lausen fragte dann' den Ministerpräsidenten, ob ihm bekannt sei, daß in Württemberg-Baden noch 210 Beamte beschäftigt seien, die durch Aegyptisch-israelischer Waffenstillstand „Ein persönlicher Erfolg des UN-Vermittlers Dr. Bunche“ RHODOS, 24. Febr. (UP) Am Donnerstagvormittag wurde hier der Abschluß eines Waffenstillstandsabkommens zwischen Israel und Aegypten bekanntgegeben. Dieses Abkommen ist das Ergebnis von sechs Wochen schwieriger Verhandlungen und kann als ein persönlicher Erfolg des Vermittlers der Vereinten Nationen, Dr. Ralph Bunche, bezeichnet werden. Das Abkommen wurde im gelben Salon. des Hotels des Roses unterzeichnet. Es enthält folgende wichtige Einzelheiten: 1. Israelische „Defensiv-Truppen“ erhalten die Erlaubnis, das im Oktober vergangenen Jahres gewonnene Gebiet der Negeb-Wüste weiterhin besetzt zu halten. 2. Das Gebiet Gaza Rafah wird von ägyptischen „Defensiv-Truppen“ besetzt gehalten. 3. Eingekreiste ägyptische Truppenverbände im Raume von Faluja können abrücken. Allen arabischen ZiviW e lt- Rundscha u WASHINGTON. „Die amerikanischen Hilfeleistungen an die europäischen Länder werden bis zu deren endgültiger Gesundung fortgesetzt“, erklärte Präsident Truman vor Pressevertretern. — LAKE SUCCESS. Die Sowjetunion weigerte sich vor dem Abrüstungsausschuß der UN, eine Ueber- prüfung ihrer Streitkräfte zuzulassen. Dies sei ein „Versuch, amerikanische Spione in die UdSSR einzuschmuggeln“. — CANTON, Massachusetts. (UP) Durch drei schwere Explosionen in einer Feuerwerkskörper-Fabrik wurden drei Gebäude vollständig vernichtet. Menschenleben sind jedoch nicht zu beklagen. — LA PAZ. (UF) Bolivien hat Israel anerkannt. — LONDON. Der stellvertretende jugoslawische Außenminister Ales Bebler unterbreitete den Sonderbeauftragten für den österreichischen Staatsvertrag am Donnerstag einen Kompromißvorschlag zu den jugoslawischen Gebietsansprüchen an Oesterreich - OSLO. Der norwegische Außenmini' tcr Halvard Lange erklärte vo x dem norwegischen Parlament, seine Besprechungen in «Washington hätten die Regierung überzeugt, daß eine skandinavische Allianz nicht länger auf einer „paktlosen“ Basis möglich sei. — HELSINKI. (UP) Der finnische Reichstag sprach dem Ministerpräsidenten Karl A. Fagerholm mit nur zwei Stimmen Mehrheit das Vertrauen aus. — BUDAPEST. 14 angebliche Komplizen des Kardinal Mind- szenty sollen am Montag vor ein Buda- pester Arbeitergericht gestellt werden. — SOFIA. Die bulgarische Regierung erteilte zwei Mitgliedern der britischen Gesandtschaft die Erlaubnis, an dem Prozeß gegen 15 bulgarische Geistliche als Beobachter teilzunehmen. — ISTANBUL. Die USA übergaben der Türkei zwei moderne 13 500-Tonnen- Kreuzer. — PEIPING. (UP) Die kommunistische Regierung Chinas hat Pei- ping zu ihrem Sitz bestimmt. — BANGKOG. (UP) Ueber ganz Siam wurde der Ausnahmezustand verhängt, da politische Unruhen in Nachbarstaaten auf Siam übergegriffen haben. (Al}« ai*S gejeldcaei» Nadtfictilea; £>ENA) listen, die dieses Gebiet verlassen wollen, darf ebenfalls kein Hindernis in den Weg gelegt werden. 4. Eine aus sieben Mann bestehende Waffenstillstandskommission wird gebildet. Ihr Sitz wird in El Auja errichtet. Sie hat die Aufgabe, die Durchführung des Abkommens zu überwachen. 5. Die ägyptischen Angriffstruppen werden hinter die ägyptische Grenze zurückgezogen. 6. Die israelischen Angriffstruppen beziehen diejenige Position, die sie vor dem 14. Oktober vergangenen Jahres, dem Tage des Beginns der Angriffe im Negeb-Gebiet,, einnahmen. Beide Parteien verpflichten sich, die im Abkommen festgelegten Linien nicht zu überschreiten und ersuchen den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, keine Gewaltlösung des Palästinaproblems anzustreben. Das Abkommen kann als ein Wegbereiter für die Wiederherstellung des völligen Friedens in Palästina angesehen werden. Vertreter der Vereinten Nationen hoffen zuversichtlich, daß diesem Waffenstillstandsabkommen eine eindeutige Friedensregelung folgen wird. Den bevorstehenden Verhandlungen mit Transjordanien werden solche mit dem Libanon und Syrien folgen. Saudi-Arabien und der Irak gaben bekannt, daß sie sich den von anderen arabischen Staaten Unterzeichneten Abkommen evtl, anschließen. keine Spruchkammerverfahren gingen und daß darüber hinaus noch 37 höhere Beamten ohne Genehmigung der Militärregierung arbeiten. Der Ministerpräsident, dem das Zahlenmaterial nicht bekannt war, ging auf diese Anfrage nicht ein. Auch die Frage, ob die Begnadigung Siekmaiers im Einverständnis mit dem Entnazifizierungsministerium erfolgt sei, ließ Dr. Maier unbeantwortet. fz Wieder Schwurgerichte STUTTGART, 24. Febr. (SAZ) Der Landtag nahm in seiner 110. Sitzung einstimmig zwei Gesetze an: Das der Bildung von Schwurgerichten in Württemberg-Baden und eine vorläufige Regelung der Beziehungen zwischen Krankenkassen, Aerzten, Zahnärzten und Dentisten. Außerdem behandelte er in zweiter Beratung ein Aenderungsgesetz zum Gesetz über den Dienststrafhof für Richter zum Schutze der Verfassung und das Thema der Anpassung der Löhne und Gehälter der im öffentlichen Dienst beschäftigten Arbeiter, Angestellten und Beamten an die veränderten Lebensverhältnisse. Das Gesetz über die Bildung von Schwurgerichten stellt einen alten Rechtszustand wieder her. Bei Ausbruch des Krieges war die Mitwirkung von Laienrichtern aufgehoben worden. Die Zuständigkeit der Schöffengerichte ging auf den Amtsrichter, die der Schwurgerichte auf die Strafkammer über. Die Schöffengerichte nahmen ihre Tätigkeit erst am 1. April 1948 wieder auf. Das jetzt verkündete Gesetz über die Neubildung von Schwurgerichten sieht vor, daß bei den Landgerichten nach Bedarf Schwurgerichte zusammentreten, die ausschließlich zuständig sind bei Mord, jedem anderen vorsätzlichen Verbrechen oder Vergehen gegen Leib oder Leben, wenn es den Tod eines Menschen zur Folge gehabt hat, bei Verbindung und Verabredung wider das Leben, bei Meineid, Raub und vorsätzlicher Brandstiftung. Die Staatsanwaltschaft kann jedoch auch andere Verbrechen und Vergehen, die hier in rechtlichem oder tatsächlichem Zusammenhang stehen, vor dem Schwurgericht anklagen. Das Gesetz über die vorläufige Regelung der Beziehungen zwischen Krankenkassen, Aerzten, Zahnärzten und Dentisten ermächtigt das Arbeitsministerium, bis zur ordentlichen gesetz- Heute Beilage — - der kleine Weltbürger (INC RICHTIG! niumj’füo (HU GUtiN KIVDI«. liehen Regelung durch die Bundesregierung auf Landesebene die Beziehungen zwischen Krankenkassen, Aeatten, Zahnärzten und Dentisten nach Maßgabe der entsprechenden Bestimmungen der Reichsversicherungsordnung und nach Anhören der beteiligten Verbände und Vereinigungen einstweilen im Verordnungswege zu regeln. Das gleiche gilt für die vorläufige Neugestaltung der in Frage kommenden Verbände und Vereinigungen der Krankenkassen, Aerzte, Zahnärzte und Dentisten. Der Karlsruher Abgeordnete Direktor Adolf Kühn tritt als Nachfolger für den verstorbenen Abgeordneten Felix Walter, dessen Andenken der Landtag ehrte, in den Parlamentarischen Rat ein. Landtagspräsident Wilhelm Keil nahm zu Beginn der Sitzung zu einer Klage der VVN Württemberg-Baden über die Nichtgenehmigung des Gesetzes zur Wiedergutmachung nationalsozialistischen Unrechts durch die Militärregierung Stellung. Auf einstimmigen' Wunsch des Landtages bat der Präsident die Militärregierung, die sozialpolitischen Gesetzesvorlagen des süddeutschen Länderrates schneller zu behandeln. fz. Zwei Sehuhpunkte aufgerufen FRANKFURT, 24. Febr. (DENA). Mit Wirkung vom 1. März 1949 werden in der Bizone zwei Schuhpunkte aufgerufen. Es gelten die Abschnitte Z 401 und Z 403 der Lebensmittelkarten 11, 14, 21, 24, 31, 34, 41 und 44 (März bis April 1949) als je ein Schuhpunkt. Kriminalbeamte als Lebensmittel Schieber Zuchthaus und Ehrverlust für den Leiter eines Schwarzmarkt-Dezernats Spannungen in Argentinien Buenos Aires, 24. Febr. (DENA-REUTER) Der argentinische Staatspräsident Juan Peron warnte in einer Rede vor der Eisenbahnergewerkschaft seine argentinischen und ausländischen Gegner und betonte, daß er notfalls die arbeitenden Klassen Argentiniens zur Verteidigung der eigenen Sache auf- rufen werde. Wenn seine Gegner eine Gerüchtekampagne starteten, so werde er mit der Wahrheit oder, wenn nötig, mit einem Schlag antworten. Als seine Gegner nannte Peron in erster Linie radikale und konservative Politiker, das internationale Kapital, sowie Kommunisten und Sozialisten. HAMBURG, 24. Febr. (DENA). Vor der Ersten Strafkammer des hanseatischen Oberlandesgerichtes. fand am Donnerstag ein Prozeß gegen den Leiter des Schwarzmarktdezernats der Hamburger Kriminalpolizei, Oberinspektor Kurt Bornemann, sowie gegen den Inspektor Johannes Möller und den Polizeimeister Werner Thor- maehlen desselben Dezernats statt. Die drei Angeklagten sagten aus, daß sie Fleisch- und Fettmarken für etwa 20 Zentner Lebensmittel an verschiedene Mittelsmänner verkauft hätten. Sie selbst hätten nur rund 6000 Reichsmark dafür bekommen. In einem Falle habe es sich um beschlagnahmte, gefälschte Marken gehandelt, die ihnen von ihrem Mittelsmann zurückgegeben worden seien, weil die Fälschungen zu plump ausgeführt waren. Nach dem Motiv für die Tat befragt, erklärte der Hauptangeklagte Bornemann, sie hätten besonders anstrengenden Dienst verrichten müssen und außer einem täglichen Eintopfgericht keine zusätzlichen Lebensmittel erhalten. Der Angeklagte Möller gab zu, 1700 Reichsmark Erlös aus dem Verkauf der beschlagnahmten Marken mit Sportkameraden in einem Hamburger Sportkurs bei einer Feier für Spirituosen ausgegeben zu haben. Oberinspektor Bornemann wurde zu zwei Jahren sechs Monaten Zuchthaus und drei Jahren Ehrverlust, Inspektor Möller zu zwei Jahren Zuchthaus und drei Jahren Ehrverlust und der Angeklagte Thormählen zu zwei Jahren und sechs Monaten Zuchthaus, drei Jahren Ehrverlust und vierhundert Mark Geldstrafe verurteilt. In der Urteilsbegründung führte der Vorsitzende u. a. aus, es sei vor allem nicht zu verstehen, daß der Hauptangeklagte Bornemann, der mit erheblichen Vorstrafen, darunter Diebstählen und Unterschlagungen, belastet war, in einer so einflußreichen Stellung bei der Polizei tätig sein konnte. Ein neuer Suchdienst KARLSRUHE, 24. Febr. (SAZ) Wie uns der „Such- und Benachrichtigungs- ,dienst in Kriegsgefangenen-Angelegen- heiten“ aus Duisburg-Hamborn, Sterk- raderstraße 300, mitteilt, wurde derselbe am 31. 1. 1949 von der Militärregierung genehmigt. Wir machen alle unsere Leser auf diese lobenswerte, uneigennützige Einrichtung aufmerksam. Alle Heimkehrer werden gebeten, ihre letzte Feldpost- und Kgf.- Lager-Nummer unter Angabe ihrer jetzigen Anschrift der obigen Stella mitzuteilen und so mitzuhelfen, manches bisher ungeklärte Menschenschicksal aufzuklären. Für die Bearbeitung von Suchahträgen wird keine Gebühr erhoben, da sämtliche Mitarbeiter ehrenamtlich tätig sind. Seit« ) / Nummer 40 S AZ Freitag, den 29. Februar 1941 Das neue Preistreiberei-Gesetz Der Wirtschaftsrat hat dem am 31. 12. 48 abgelaufenen Preistreibereigesetz vom 7. 10. 48 ein neues mit dem Datum vom 28. 1. 49 nachfolgen lassen. Das neue Gesetz, das am 9. 2. 49 in Kraft trat, vermeldet einige Schwächen, die das alte aufwies. Es belegt den Preiswucher, die Warenvorenthaltung, den Kettenhandel, die Kopplungsgeschäfte und die Preisverschleierung (durch Verletzung der Aufzeichnungspflicht und die sog. „o.R.-Geschäfte“) mit Strafe. Was ist Preiswucher? Preiswucher begeht, wer für Güter oder Leistungen des lebenswichtigen Bedarfs unangemessene Entgelte fordert, verspricht, vereinbart, ännimmt oder gewährt. Von den höchst problematischen Begriffen des früheren Preistreibereigesetzes ist nur noch die „Angemessenheit“ übriggeblieben; die anderen — wie Mangellage, wirtschaftliche Ueberlegenheit, unlautere Ausnutzung — sind zur Zufriedenheit der Geschäftsleute und auch der Juristen nicht übernommen worden. Aber auch der Begriff der „Unangemessenheit“ birgt viele Zweifeslfragen in sich. Das Gesetz gibt keine Definition, dafür einige Beispiele, die aber zum Teil auch nicht von klassischer Klarheit sind. Unangemessen ist nämlich insbesondere: 1. ein Entgelt bei gestiegenen Her- stellungs- oder Anschaffungskosten, wenn die nach Hundertsätzen berechnete Gewinn- oder Handelsspanne nicht angemessen gesenkt wird. Wann aber ist eine Spanne „angemessen“ gesenkt? Das Gesetz schweigt dazu. 2. ein Entgelt, das einen vom Hersteller als allgemein bekanntgemachten Preis übersteigt. 3. ein Entgelt, bei dem die Kosten der Gütererzeugung oder -Verteilung unter Vernachlässigung der in der gegenwärtigen Not besonders gebotenen Sparsamkeit unberechtigt hoch gehalten oder erhöht sind. Wann das vorliegt, ist wieder eine nicht leichte Doktorfrage. 4. in der Regel (d. h.: Ausnahmen sind möglich!) ein Entgelt, das sinkende Kosten der Wieder beschaffung oder -erzeugung nicht berücksichtigt 3. in der Regel (!) ein Entgelt, da» gegen die von Verwalfungsrat festgesetzten. im Gesetzblatt der Verwaltung des vereinigten ■ Wirtschaftsgebietes bekanntgemachten Richtlinien für Preiskalkulationen, für Handelsweg oder Handelsspannen verstößt. Eine weitere Richtschnur für die Auslegung des Begriffes „Unangemessenheit“ enthält d'e Vorschrift, daß in der gegenwärtigen Not, in der der lebenswichtige Bedarf möglichst billig gedeckt werden muß, ein Entgelt schon deshalb nicht angemessen ist, well der in ihm enthaltene Gewinn unter früheren Verhältnissen üblich war. Was Ist Warenvorenthaltung? Dieses Delikt macht steh schuldig: 1. wer Güter oder Leistungen des lebenswichtigen Bedarfs zurückhält oder solche Güter beiseiteschafft, vernichtet oder vorsätzlich oder leichtfertig verderben läßt, obwohl er annehmen muß, daß dadurch der Preis auf eine unangemessene Höhe gesteigert oder auf einer solchen Höhe gehalten werden kann, oder 2 wer solche Güter oder Leistungen ohne den Vorsatz der Verknappung zurückhält oder deren Erzeugung verlangsamt oder einschränkt, um höhere Preise zu erzielen. Was ist Kettenhandel? Des Kettenhandels macht sich schuldig, wer Güter oder Leistungen des lebenswichtigen Bedarfs dadurch verteuert, daö er sich, ohne die Bedarfsdeckung zu fördern, in den Warenverkehr einschiebt. Zuletzt bestand nur für Lebens- und Futtermittel ein Ket- tenhandel'verbot nach der Warenverkehrsverbilligungsverordnung vom 29. 10. 1937. Was sind Kopplungsgeschäfte? Strafbar macht sich auch, wer di« Abgabe von Gütern oder Leistungen des lebenswichtigen Bedarfs davon abhängig macht, daß sachlich oder handelsüblich nicht zugehörige Güter oder Leistungen abgenommen werden, obwohl er weiß oder den Umständen nach annehmen muß, daß dadurch die Bedarfsdeckung des Abnehmers verteuert wird. Zuletzt bestand ein Kopplungsverbot nur für Lebens- und Futtermittel nach der eben genannten Warenverkehrsverbilligungsverordnung. Preisverschlelerung durch Verletzung der Aufzeichnungspflicht Ein solches Delikt begeht, wer es einer gesetzlichen Pflicht zuwider unterläßt, Bücher oder Aufzeichnungen zu führen sowie Geschäftspapiere oder sonstige Unterlagen aufzubewahren, oder wer solche Unterlagen vernichtet, verheimlicht oder so führt oder verändert, daß sie keine Ueberslcht über 12 Millionen DM für Arbeifslosen-Unlerslüfjung Arbeitslosemahl steigt ständig — Das Arbeitsministerium optimistisch (Eigenbericht unserer Stuttgarter Redaktion) 3.Verordnung zur Durchfüll rung der Sfeuerüberleifung Veranlagung der Einkommen- und Körperschaftsteuer Nnmmer 48 / Freitag, 25. Februar 1949 Katzenjammer in Skandinavien (Von unterem Skandinavien-Korrespondenten) „Mit Furcht kann man nicht eine neue und bessere Welt aufbauen, nicht einmal eine so naheliegende und selbstverständliche Konstruktion wie ein vereintes Skandinavien schaffen!" Diese Worte, die ein skandinavischer Staatsmann mit resigniertem lächeln nach dem Scheitern der Inter- skandlnavlschen Minister- und Parlgmen- tarler-Konferenz in Oslo äußerte, umreißen den Ernst der Situation, nicht nur für Skandinavien, sondern auy> fUr die vielen Millionen Menschen, die mit Recht nur In •Inem geeinten und zusammengefügten Europa die Rettung von politischem und wirtschaftlichem Chaos sehen. Die Enttäuschung In den skandinavischen Völkern selbst Ist tiefer und bitterer, als es die Pressekommentare verraten. Die Nachbarschaft Sowjet-Rußlands Ist eine Realität — und nicht minder dl# Einstellung des Kreml zu den bescheidensten Sicherheitsmaßnahmen In Skandinavien. Das bewies die sowjetische Note an Norwegen, die den Atlantlkoakt oder ähnliche regionale Verteldlgungsalllanzen als Instrumente zur Errichtung einer „enqllsch- amerikanlschen Weltherrschaft" bezeichnet#. Zeitpunkt und Wortlaut dieser sowjetischen Demarche ließen Ja kaum eine andere Deutung zu, als daß der Kreml sich einen Vorwand schaffen wollte, um Im Falle einer noch so losen Verbindung einer skandinavischen Nation mit den Signataren des Atlantikpaktes „Gegenmaßnahmen" zu ergreifen. Norwegens Situation hat sich fraglos sowohl durch das Scheitern eines skandinavischen Verteidigungsbundes wie durch den — zwischen den Zellen — drohenden Wortlaut des russischen aidemÄmoire verschlechtert, eine nüchterne Wertung der norwegischen Pressestimmen läßt einen gewissen Katzenjammer oder sogar eine „Angst vor der eigenen Courage" erkennen. Man weist von norwegischer Seite mit Recht darauf hin, daß eine Einräumung militärischer Basen einer fremden Großmacht selbstverständlich nie In Frage käme, wenn man sich auch für einen Anschluß an den Atlantikpakt entschieden habe. Andererseits bleibt natürlich die Tatsache bestehen, daß ein Ausbau einer effektiven Verteidigung ln Norwegen nur mit amerikanischen Waffenlieferungen denkbar Ist. In Dänemark haben sich alle Parteien — abgesehen von den Kommunisten — mit anerkennenswerter Zähigkeit für d T e Schäftung eines skandinavischen Verteidigungsbundes eingesetzt. Sein Scheitern stellt die dänische Außenpolitik vor eine neue Situation, die ziemlich ungeklärt Ist. da die äffentliche Meinung zu fest an den skandinavischen Bund glaubte und deshalb zu den sich nunmehr ergebenden Eventualitäten kaum Stellung genommen hat. Die schwedische Neutralitätsllnle Ist durch die diplomatische Bombe des Kreml noch mehr gestärkt worden. Im übrigen betrachtet man auch In Stockholm das Scheitern des skandinavischen Bundes mit Bedauern und Sorge. Es ist gleichgültig, ob die diplomatische Aktion des Kreml in Oslo die direkte Ursache des Fiasko war. Moskau hat in der ersten Runde erreicht, was es wollte: ein ln drei kleine Nationen aufgespaltener Norden, der keine Rückendeckung hat, ist ein Norden ohne Vertel- digungsmägllchkelt. Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen, hoffentlich gelingt es mit Hilfe einer verständnisvollen und zielbewußten Politik Amerikas und des Westens, die reichlich verfahrene Situation an Europas Nordflanke wieder auszurichten. Es wäre ein sehr wesentlicher Beitrag zur Sicherung des Friedens ... Dr. F. Weltmann/LK. STUTTGART. Gegenüber dem Vormonat ist in der ersten Februar- Hältte ein starkes Ansteigen der Arbeitslosenziffer in beiden Landesteilen zu beobachten. Die Zahl von 33 741 Arbeitslosen Ende Januar erhöhte sich ln diesem Zeitraum um über 8700 Personen auf 42 446 am 15. 2. In Kreisen des Arbeitsministeriums ist man jedoch überzeugt, daß beim Anhalten der überaus günstigen Witterung diese Krise auf dem Arbeitsmarkt durch Wiederaufnahme der Bauarbeit, der landwirtschaftlichen Arbeit usw. innerhalb kurzer Zeit überwunden sein wird. Im Vergleich der anderen Länder der Westzonen liegen die Verhältnisse in Württemberg-Baden trotzdem erheblich besser. In erster Linie wird dieser Umstand dem seinerzeit vom Landtag beschlossenen Gesetz zum Schutz der Arbeitnehmer bei Entlassungen größeren Umfanges zugeschrieben. Seit Beginn dieses Jahres werden jedoch in größerem Umfange Anträge auf Aufhebung des Kündigungsschutzes bei den Stuttgarter und Karlsruher Arbeitsbehörden eingereicht, die aber in den meisten Fällen nach eingehender Ueberprüfung der Betriebsverhältnisse abgelehnt werden konnten. Z. T. konnten über das Ministerium Geldmittel zur Kreditgewährung für volkswirtschaftlich wichtige Betriebe freigemacht, z. T. ln anderen Fällen durch beschleunigt« Herbeischaffung von Rohstoffen die drohenden Betriebseinschränkungen bzw. Stillegungen vermieden werden. Ein verstärkter Uebergang zur Kurzarbeit gegenüber den Vormonaten (Ende Dezember wurde in 25 Betrieben mit rund 700 Arbeitnehmern verkürzt gearbeitet) war nicht festzu- stellen. In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, daö der württember- gisch-badische Ministerrat In seiner letzten Sitzung einen Betrag von j« 6 Millionen D-Mark aus Etatmitteln für jeden Landesteil zur Verfügung gestellt hat, der zusätzlich zu den Mitteln des Landesarbeitsamtes für die „Werteschaffende Arbeitslosen-Un- terstützung“ verwendet Werden soll. sein Geschäftsgebaren gewährleisten. Derartige „gesetzliche“ Pflichten können sich aus Gesetzen, aber auch aus Verordnungen und Anordnungen ergeben (z. B. Verordnung über den Nachweis von Preisen vom 23.11.1940). „o.R.-Geschäfte“ Strafbar macht sich schließlich, wer •s vorsätzlich unterläßt, eine im ordentlichen Geschäftsverkehr übliche Rechnung zu erteilen oder sich erteilen zu lassen. Was ist »lebenswichtiger Bedarf? Das Gesetz definiert diesen Begriff nicht. In einem zum alten Gesetz ergangenen Runderlaß wurden als lebenswichtig solche Güter und Leistungen angesehen, die unter Berücksichtigung des heutigen Lebensstandards notwendig sind, um unmittelbar oder mittelbar die berechtigten materiellen und kulturellen Bedürfnisse der breiten Masse der Bevölkerung zu befriedigen. Früher sprach man von „Gegenständen des täglichen Bedarfs“; hierüber liegen zahlreiche Gerichtsentscheidungen vor, die einen weiteren Anhaltspunkt bieten. Der jetzt verwandte Ausdruck stammt aus der Kriegswirtschaftsverordnung. Nach dazu ergangenen Entscheidungen der Gerichte fallen beispielsweise darunter: lebendes Vieh, Freibankfleisch, Suppenerzeugnisse Textilien (insbesondere Krawat- FRANKFURT (DENA). Die dritte Verordnung zur Durchführung der Steuerüberleitung, die der Direktor der Verwaltung für Finanzen am 14. Februar erlassen hat, regelt die Veranlagung zur Einkommen- und Körpers chaftsst^uer für den Zeitraum vom 1. Januar 1948 bis zum Tage der Währungsreform. Sie stützt sich auf die Im Anhang zum Militärregierungs- gesetz Nr 94 vom 22. Juni 1948 erteilte Ermächtigung zum Erlaß von steuerlichen Durchführungsverordnungen und hat di« Zustimmung der Finanzausschüsse von Wirtschaftsrat und Länderrat gefunden. Nach dieser Verordnung tritt an die Stelle des Kalenderjahres grundsätzlich der Veranlagungszeitraum vom 1. Januar 1948 bis 20. Juni 1948. Hierbei gelten Reichsmarkeinnahmen, di« dem Steuerpflichtigen nach dem 20. Juni 1948 zugeflossen sind, als noch lm Veranlagungszeitraum bezogen. Dagegen sind die Einnahmen in Deutscher Mark, die dem Steuerpflichtigen für die Zeit vom 1. Juni ,1948 bis 20. Juni 1948 im Verhältnis von einer Reichsmark gleich einer D-Mark zugeflossen sind, stets dem Veranlagungszeitraum zuzurechnen, der am 21. Juni 1948 begonnen hat. Für Ausgaben gilt diese Bestimmung entsprechend. Ist jedoch der Gewinn aus selbständiger Arbeit für die Zeit vom 1. Januar 1948 bis 20. Juni 1948 um mehr als 25 v. H. höher als die Hälfte des lm Kalenderjahr 1947 erzielten Gewinnes, so Ist für die Ermittlung des Steuersatzes auf Antrag der halbe Jahresgewinn 1947 zugrunde zu legen. Diese Regelung gilt für Gewinne aus Gewerbeunternehmen entsprechend, sofern es sich um typische Saisonbetriebe handelt. Hierdurch soll der außerordentlich hohe Geldeingang kurz vor der Währungsreform berücksichtigt werden, der bei Anwendung normaler Steuersätze infolge der steilen Einkommen-Steuer-Progression zu empfindlichen Härten führen müßte.' Die Steuerbeträge sind, soweit sie nicht durch Steuerabzugsbeträge oder durch Reichsmark - Vorauszahlungen getilgt sind, im Verhältnis von zehn ten, Büstenhalter und Pelzimitationen)» Tee wird nicht dazu gerechnet Welche Strafen drohen? Ztim Straftatbestand gehört grundsätzlich, daß der Täter in Ausübung eines Berufes oder Gewerbes oder in unbefugter Betätigung wie ein Gewerbetreibender gehandelt hat. Die Regelstrafe ist Gefängnis und Geldstrafe oder eine dieser beiden Strafen. Hat aber der Täter aus Gewinnsucht gehandelt oder ist er, bevor er die neue Tat beging, schon einmal wegen eines Vergehens gegen das neue oder auch gegen das alt« Preistreibereigesetz rechtskräftig verurteilt worden, so kann auf Zucht»- haus erkannt werden. Besteht kein öffentliches Interesse an der gerichtlichen Strafverfolgung, so kann ein« Ordnungsstrafe verhängt werden; die Entscheidung darüber liegt aber nicht bei der Preisbehörde, sondern bei der Staatsanwaltschaft. Neben der Straf« können Gegenstände, auf die sich di« strafbare Handlung erstrecht, eingezogen, die gewerbliche oder beruflich« Betätigung untersagt, der Betrieb, in dem die Zuwiderhandlung begangen wurde, eingeschränkt, zwangsverpachtet oder geschlossen werden; schließlich kann auch auf Veröffentlichung des Urteils erkannt werden. Die Strafverfolgung soll grundsätzlich im beschleunigten Verfahren durchgeführt werden. Dr. Dr. Kurt Röhl. Reichsmark gleich einer deutschen Mark umzurechnen. Auf Antrag ist jedoch die Einkommensteuer für den Veranlagungszeitraum vom 1 Januar 1948 bis zum 20. Juni 1943 zu ermäßigen, wenn dem Steuerpflichtigen am 20. Juni 1948 ein Altgeldguthaben zur Verfügung gestanden hat. Diese Ermäßigung entspricht der Festkontenregelung des Militärregierungsgesetze* Nr. 65. Sie beschränkt sich auf den Unterschiedsbetrag zwischen zehn Prozent und 6,5 Prozent des Altgeldguthabens und beträgt höchstens 35 Prozent, der in Deutscher Mark entrichteten oder zu entrichtenden Zahlungen. Bel der Bemessung der Körperschaftssteuer ist entsprechend zu verfahren. Deutschland - Rundschau VEREINTE WESTZONENt Lübeck. Eine 38jährlge Frau stürzt« sich mit ihrem vierjährigen Kind aus dem Fenster, wobei beide ums Leben kamen. — Bonn. Das Plenum des Parlamentarischen Rates verabschiedete gegen die Stimmen der CDU/CSU und der KPD das Gesetz für die Wahlen zum ersten Volkstag. — Frankfurt. Dia VELF ermächtigte die zuständigen Landesbehörden, Lagerbier mit einem Stammwürzgehalt von sieben bis acht Prozent herstellen zu lassen. VIERZONENSTADT BERUNl Berlin. Der frühere deutsche Generaloberst Ringel traf auf seiner Flucht aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft ln den Berliner Westsektoren ein. (Alle nicht geiaidmeteD Nachrichten'. DENAI Lizenz.Nummer US-WB 116 Herau6qeber und Chefredakteur■ Fell» Rlrhter Stellvertretender Chelredakteur Heinz A Dechant Redaktionsmilglieder Maz Geisenhevner, Helmul Haag, Wilh . Hagenmevet. Rudolf John. Hanns Mohn, ■! Dt W Oberkampl. Otto P Paeffgen. Hildegard Pieritz. Adoll Rohrhirsch. Josel Werner — Mit vollem Verlassernamen gezeichnete Belliäga stellen nicht unbedingt die Meinung der Redaktion dar Nacbdrurk von OriginäTbeittägea nur mit Genehmigung qestattet. das Zitierungsrecht bleibt unberührt Für unverlangt eingesandte Manuskripte keine Gewähr — Verlegt Süddeutsche Allgemeine, Zeitungsverlag GmbH. Verlagsdireklor: Dipl -Ing Herber! lohmever. 2)or/ ruven in ! "0 Hermanns dZJ, ROMAN VON GEORG RYDBERG I. Fortsetzung „Na schön, Herr Vries. Jedenfalls nehmen Sie zur Kenntnis, daß von heute an bei der Polizei ein Aktenstück liegt, das den Namen Jupp Vries trägt. Der Vorfall, der zu Ihrer Vernehmung führte, ist darin genau verzeichnet. S’e sind für uns ln eine Schmuggleraffäre verwickelt gewesen, wenn Ihnen auch nichts nachzuweisen war. Aber hüten sie eich für die Zukunft, wir kennen nun Ihren Namen. Übrigens, warten Sie —“ Der Kommissar unterbricht sich, nimmt ein zweites Aktenstück, ln welchem er rasch blättert „Vries — Vries — der Name ist ja bereits mit einer Schmugglersache verquickt — warten Sie einmal — sagen Sie —»sind Sie verwandt mit einem Vries aus E. an der holländischen Grenze?“ „Ja das ist mein Bruder.“ „So, so,“ sagt der Kommissar, sich räuspernd. „Ich sehe immer mehr, daß ich Ihren Aussagen wenig Glauben beimessen darf. Trotzdem — es tut mir leid. Ihnen die traurige Mitteilung machen zu müssen. Ihr Bruder ist heute Nacht erschossen worden.“ „Ihr Bruder wurde in einem nächtlichen Grenzgefecht zwischen deutschen Zollwächtem und einer deutschen Schmugglerbande getötet. Wir bekamen die amtliche Nachricht. Soeben entsinne ich mich, Ihren Namen gelesen zu haben. Danach gehörte also auch ihr Bruder einer Schmugglerbamde an.“ Der Ton des Kommissars war merklich kühler und schroffer geworden, er war jetzt überzeugt, es mit einem gerissenen Verbrecher zu tun zu haben. Jupp, noch ganz betroffen von der plötzlichen Nachricht, schwieg eine Weile, dann sagte er leise; „Ich habe meinen Bruder seit Jahren nicht gesehen, ich weiß nur, daß er in E. an der holländischen Grenze lebt, verheiratet ißt und Landwirtschaft betreibt. Daß er ein Schmuggler war, höre ich von Ihnen zum erstenmal. Ich glaube es nicht. Es kann nicht sein.“ „Sie sind gewarnt, Herr Vrleß!“ sagte der Kommissar kalt und erhob sich, „jedenfalls ist es seltsam, daß Ihr Bruder ln einem Schmugglerkampf gefallen ist und daß Sie beim Aufheben eines Schmugglerasyls als Aufpasser festgestellt wurden. Trotzdem soll, wie Sie sagen, Ihr Bruder nichts mit Schmuggel zu tun haben, und Sie selbst leugnen jede Kenntnis von den Vorgängen dieser Nacht. Meine Vermutung ißt eine andere. Wie werden ja sehen und werden uns fortlaufend für Sie interessieren, Herr Vries. .Guten Morgen.“ Auf der Straße ratterten die Wagen, die Elektrischen dröhnten über die Schienen, Autos sausten vorüber, die Menschen hasteten an ihm vorbei. Er ging und ihm war, als ob der Boden unter ihm schwanke. Ein Aktenstück, das van nun an bei der Polizei geführt wurde und seinen Ngmen trug. In eine Schmuggleraffäre verwickelt. Sein Bruder als Schmuggler erschossen... Was war nur los? Streckte die nahe Grenze mit ihren Versuchungen, mit ihrer Tragik, ihren unzähligen, grausamen Geschehnissen ihre teuflischen Krallen nach ihm aus? Was hatte er jemals mit Schmuggel zu tun gehabt? Nichts. Und sein Bruder? Welch ein Spiel des Zufalls. Während er heute nacht, ohne es zu ahnen, für eine Schmugglerbande in Köln Schmiere stand, wurde sein Bruder fast zur selben Stunde im Schmugglerkampf an der holländischen Grenze erschossen. Nein, nein — sicher hatte sein Bruder mit Schmuggelei ebensowenig zu tim gehabt wie er selbst. Er kam ans Rheinufer, ging den Fluß entlang, üm dem tobenden Lärm des Verkehrs zu entgehen, und setzte sich auf eine Bank. Allmählich wurde er ruhiger und überblickte seine Lage. Was sollte er beginnen? Er hatte kein Heim, seine Habseligkeiten trug er am Körper, in der Tasche hatte er einen kleinen Geldbetrag, der ihm heute nacht in den Schoß gefallen war. Wie lange konnte er davon leben? Und dann? Er sah auf den breiten Strom, dessen ruhige Fläche seinen Blick barmte. Der tote ältere Bruder kam ihm ln den S'nn. Kinderbildar, Erinnerungen tauchten auf. Die beiden Vries waren die hübschesten und stärksten Jungen im Heimatdorf gewesen. Das Leben hatte sie getrennt, der Ältere hatte geheiratet, hie und da war Nachricht gekommen. Und immer klagte er in seinen Briefen, wie schwer sein Leben in E- an der holländischen Grenze wäre. Weil dia Geflügelfarm, die er dort besaß, nicht recht rentabel sei. Er sah den guten, stillen Kerl vor sich, und hörte seine ruhitge Stimme. Und nun war er tot. Wen er heute noch nach E. führe, seinen Bruder noch vor der Beerdigung zu sehen? Die Fahrt kostete nicht viel. Er hatte plötzlich ein fast schmerzhaftes Verlangen, von dem einzigen Menschen Abschied zu nehmen, mit dem ihn die Erinnerung an ein bißchen Glück und Freude verband. Sein Bruder hätte nicht anders gehandelt, wenn er noch lebte. Ob er hier in der großen Stadt plan- und ziellos umherlungerte und abends ins Nachtasyl pilgerte oder ob er die paar Groschen opferte, um nach E. zu fahren, um- nochmals den Bruder zu sehen, da war doch nichts zu überlegen. Er beschloß zu fahren. Mit schweren Gliedern erhob er sich von der Bank. Es ifvar Nachmittag geworden. Er hatte Hunger. Trotzdem ging er gleich zum Bahnhof, wo er stehend erst am Büfett eine Kleinigkeit essen mußte, denn er hatte seit dem frühen Morgen nichts lm Magen. Dann kaufte er eine Postkarte und schrieb an den Hotelier Berg. Er teilte mit, daß er nach E. übergesiedelt sei, und bat, Post oder Nachrichten dorthin zu schicken. Mit dem nächsten Zug fuhr er nach München-Gladbach, wo er in einen Omnibus umsteigen mußte, der hinüber nach Holland fuhr und unterwegs das kleine deutsche Grenzdörlchan E. berührte. Dort hatte sich sein Bruder vor Jahren niedergelassen. Inzwischen war die Nacht gekommen. Der Autoh”s war überfüllt, •ch saßen nur Männer lm Wagen, die Mütze tief ins Gesicht gezogen, den Rockkragen hochgeschlagen, die Hände in den Taschen vergraben. Fabrikarbeiter oder Bergleute, die von der Schicht .kommen, denkt Jupp, während er sich suchend nach einem Platz umsieht. Dann versinkt er wieder in ein dumpfes Nachdenken, aus dem er erst nach langer, eintöniger Fahrt aufschreckt, als der Schaffner ihm auf die Schulter tippt. „Wollten sie nicht in E. aus- ßteigen?“ Jupp nickt stumm und klettert aus dem Wagen. Es scheint, als ob fast alles hier ausgestiegen sei, denn vor ihm her schreitet ein ganzer Schwarm von Menschen auf das im Finstern liegende Dorf zu. Jupp muß sich beeilen, um in der Dunkelheit den Anschluß an d ! e Menge r'rV zu verlieren. (Fortsetzung folgt.) I S AZ Nummer 40 / Seite I Er siedelfe nicht nach Paiis Ober Das Spruchkammer-verfahren gegen den ehern Rektor der T.H. Dr. Weigel hängig gewesen, weil er die Besetzung neutraler Länder als Verbrechen bezeichnet hatte. Weigel ist nach dem Zusammenbruch 2 1 /« Jahre inhaftiert gewesen. Die Kammer sah deshalb von Sühnemaßnahmen ab, so daß auf Grund des Gesetzes sofort die Einreihung in die Gruppe der Mitläufer erfolgte. Sie ließ sich bei ihrem Spruch besonders von der Tatsache leiten, daß Weigel nach dem Zusammenbruch die Aufforderung abgelehnt hat, mit dem Karlsruher Lichttechnischen Institut, das in Europa einmalig ist, nach Paris überzusiedeln. -sch- SüdwesYsfaat - die wichtigste Aufgabe Wirtscfaaftsminister Dr. Wildermuth sprach bei der DVP Die baldige Schaffung eines südwestdeutschen Staates durch den Zusammenschluß von Württemberg und Baden bezeichnete der südwürt- tembergische Wirtschaftsminister Dr. E. Wildermuth als äine der wichtigsten, derzeitigen deutschen Aufgaben. Wenn einige besondere „pfiffige“ Leute glaubten, daß die Vertreter vieler kleiner süddeutscher Länder in einem künftigen westdeutschen Gremium mehr ausrich- ten könnten als nur ein einziger Abgesandter aus einem größeren Land, so müsse dem entgegengehalten werden, daß innerhalb einer solchen westdeutschen Gesamtvertretung die Stimmen der Länder sicher nicht Personenfconfroüe mit dem Gummiknüppel Interessanter Gerichtsentscheid über eine unzulässige Festnahme nur erfolgen bei Fluchtverdacht oder wenn die Personalien nicht sofort festgestellt werden können. Die Voraussetzungen zur Feststellung der Personalien waren gegeben. Wenn der Beamte trotz allem C. aufforderte, zur Wache zu kommen, lag eine Aufforderung vor, die nicht rechtens war. Wenn sich C. dagegen wehrte, kann ihm daraus kein Vorwurf gemacht werden. ht. Bei einer Personenkontrolle auf dem Bahnhof war der 22jährige kriegsbeschädigte Willi C. aus Karlsruhe wenig erfreut, als er einen Polizeiwachtmeister wiedersah, der ihn ein'ge Zeit vorher ziemlich unsanft aus seinem Schleif im Wartesaal gerüttelt hatte, wobei ein Talisman-Halskettchen entzweiging. Er machte eine Bemerkung zu seiner Braut: „Das ist der dumme Hund, der rrvch damals kontrolliert hat.“ Der Beamte ließ sich die Kennkarte zeigen wegen der Beamtenbeleidigung und forderte C. auf, zur Bahnhofswache zu gehen. Der Aufstieg über die Treppe ging dem Beamten nicht schnell genug (wegen C.‘s Beinverkürzung), und er glaubte, nach- helfen zu sollen, zuletzt mit dem Gummiknüppel . . . C. ereilte eh Strafbefehl über 2 Monate Gefängnis wegen Beamten- beleidigung und Widerstands. Mit de n Erfolg seines Einspruchs vor ^ Bel der überparteilichen Frauengruppe dem Schöffengericht konnte er zu- spricht heute abend um 19.30 Uhr, im Dampftrlebwagen gegen Lastkraftwagen Auf dem unbeschrankten Bahnübergang des Karlsruher Wegs wurde ein Lastkraftwagen von einem Dampftriebwagen der Eisenbahn erfaßt und zur Seite gestoßen. Er erhielt hierbei schwere Schäden, während Personenschaden nicht eingetreten ist. nur gezählt, sondern auch gewogen würden. Im Laufe seiner weiteren Ausführungen ging Wirtschaftsminister Wildermuth auf verschiedene politische, wirtschaftliche, kulturelle und gesellschaftliche Fragen ein und warnte in diesem Zusammenhang vor dem alten Uebel der Deutschen, die Politik aus dem reinen Gefühl heraus ohne den kritisch abwägenden Verstand gestalten zu wollen. Ziel aller politischen Bestrebungen von deutscher Seite sei die allmähliche Eingliederung Deutschland* als gleichberechtigten Partner in den Kreis der /freien Nationen. Trotz aller Hemmnisse sei man seit 1945 diesem heute zwar noch immer recht femliegenden Ziel doch schon ein schönes Stück näher gekommen. Erreicht werden könne es jedoch nur dann, wenn jeder einzelne Staatsbürger im Bereich seiner Verantwortlichkeit sein Teil dazu beitrage, die vorhandenen Schwierigkeiten zu überwinden und die dem ganzen Volk gestellten Aufgaben zu lösen. Sicher sei, daß nach den Geschehnissen der vergangenen Jahre kein anderes Volk die Notwendigkeit eines Zusammenschlusses der europäischen Nationen klarer erkannt habe als gerade das deutsche. Die Lösung dieses Problems stehe und falle mit eher Verständigung zwischen Frankreich und Deutschland. Die Initiative zur Aufnahme eines fruchtbaren Gesprächs, das die bestehenden Schranken und Hindernisse beseitigen solle, könne jedoch keinesfells vom Besagten ergriffen werden, sondern sie müsse — was man wohl verstehen werde — vom Sieger ausgehen. -d- Aus dem Tagebuch der Fächersfadt frieden sein: Dieses erkannte wegen Berrrtenbele'd.igung auf 20 DM Geldstrafe unter Freisprechung von der Anklage wegen Widerstandes. Bei dem Widerstand verneinte das Gericht, daß sich der Beamte in rechtmäßiger Ausübung seines Dienstes befand, als er C. nach Feststellung seiner Personalien aufforderte, zur Wache zu kommen. Dieser hat seine Kenntkarte vorgezeigt. Wenn der Beamte wegen der Beleidigung die Wohnung wissen wollte, hä‘.te er danach fragen können. Er hat sich'auf die Frage beschränkt, ob C. in Karlsruhe wohne. Die Voraussetzungen für eine vorläufige Festnahme la- gennichtvor. Eine solche kann Aulabau der Technischen Hochschule Kri- minalkommissarin Erna Pissowotzki über: „Die weibliche Polizei und ihre Aufgaben". Die Idad (Interessengemeinschaft der ausgesiedelten Deutschen), Ortsgruppe Durlach, veranstaltet am Freitag, den 25. 2., um 19.30 Uhr, in der Festhalle Durlach eine Mitgliederversammlung. Der erste Kreisvorsitzende, Rechtsanwalt Dr. Buchta, spricht über aktuelle Flüchtlingsprobleme. Die Treibstoffansgabe für März 1949 erfolgt ab Dienstag, den 1. 3. in der ehemaligen Grenadierkaseme, Moltke- straße 12, Zimmer 11 und zwar: Dienstag, 1. 3. für die Buchstaben A bis E: Mittwoch, 2. 3. F—K; Donnerstag, 3. 3. L—P; Freitag, 4. 3. Q—T: Montag, 7. 3. U—Z. Nachzügler ab 8. März. Die Ausgabe der Treibstoffmarken erfolgt nur gegen Vorlage der gültigen Steuerkarten. AUS DEM RUNDFUNKPROGRAMM Freitag, 25. Februar Stuttgart: 12.30 Prozesse d. Zeit: 14.00 Schulfunk: Die Zünfte: 14.30 I.R.O.-Such- dienstj 15.50 Börsenkurse: 16.45 Kulturumschau; 17.15 Zwei Trio-Sonaten f. Flöte, Oboe u. Continuo. v. R. Keiser u. J. J. Quantz; 18.00 Zum Zeitgeschehen: 20.00 Oper: „Eugen Onegin" v. Tschaikowskyt 22.30 Tanzmusik: 23.00 Heitere Melodien. — Studio Karlsruhe: 13.00 Echo aus Badem 13.15 Musik nach Tisch (W. Christ- Quintett u. K. Korten-Trio): 17.00 Plauderei um neue Bücher: „Der Botaniker v, Malmaison" bespr. v. H. R. Kusche, „Stephanie Napoleon" bespr. v. J. Schmitt. — München: 20.20 Operette: „Glück in Monte Carlo" v. Schmidseder. — Nordwestdeutsche Rundfunk: 19.30 „Turandot", lyr. Drama v. Puccini. — Leipzig: „Fra Dia- volo", kom. Oper v. Auber. — Frankfurt: 21.10 „Das Jahrmarktsfest zu Plundersweilern", Hörspiel nach Goethes Fastnachtsspiel. OFFEN GESAGT... Die Einsendei ncehiteketidei Eeittcge sina der Eidaktion namentlich bekannt, gmief en jedoA den Schutt dtt Hedaktiomgehtimnuteu Ihre Meinung ut uidit unbedingt die der Redaktion Au* dem Spielplan des Badischen Staatstheaters: „Himmeldonnerwetter“, ein Fastnachtskabarett von A. Chwalek. Kann man sich einen geschmackloseren Titel denken? Armes Staatstheater, dein Niveau sinkt Immer tiefer! ? M. St. Relsemarken-Gültlgkeit verlängert. Entgegen der Bekanntmachung vom 15.2. 1949 wird die Gültigkeit der Reisemarken XI 48/II 49 bis 31. 3. 1949 verlängert, da sich die Anlieferung der neuen Marken verzögert hat Krankenzulagekarten. Das Emährungs- amt weist nochmals darauf hin, daß vom Handel, Gaststätten usw. nur Krankenzulagekarten mit dem Unterdrück 201 und 203 angenommen werden dürfen. Fischabschnitte werden ungültig. Die Fischabschnitte 4—8 verlieren mit Ablauf des Monats Februar 1949 ihre Gültigkeit. Eine Einlösung nach diesem Zeitpunkt ist nicht statthaft. Die Karlsruher Puppenspiele, Sofienstraße 53, bringen am Sonntag, 14.31 Uhr, das Faschingsstück „Kasperle und d'Fas- nachtsküchle'. Um 16.01 Uhr folgt die Faschings-Revue „8 und 8 isch Fasenacht". In beiden Aufführungen „d’Karlsruher Straßebahn und ihr Liedle", eine lustige Puppenszene auf der Straßenbahn mit Musik und Gesang. Die SAZ gratuliert. Am 24. Februar konnte Frau Barbara Holzer, geb. Pre- stel, Durlach, Querstraße 31, ihren 80. Geburtstag begehen. Wieder örtliche Nachtfröste Vorhersage des Amtes für Wetterdienst Karlsruhe, gültig bis Samstagfrüh: Am Freitag Uebergang zu wolkigem Wetter, ln der Nacht zum Teil aufklarend. Tageshöchsttemperatur um 8 Grad, nachts gebietsweise leichter Frost Westliche Winde. Rheinwasserstände vom 24. Februar 1949 Konstanz 243 (unv.)i Breisach 80 (unv.)i Kehl 127 — 1: Maxau 305, + 3: Mannheim 145, + 7; Caub 92 (unv.). Freitag, den 28. Februar 1949 Qrilße aus Stuß fand Wenn Post von unseren Kriegsgefahr .inen kommt, so ist das für die Angehörigen immer ein Freuden- tp". E’ne wie lange Zeit liegt doch oft zwischen den spärlichen Nachrichten, der einzigen noch gebliebenen Verbindung zwischen uns und denen, die seit Jahren so brennend Ihre Rückkehr ersehnen. Wenn also Post kommt, und sei ®ie bisweilen auch schon vier oder sechs Wochen unterwegs, so ist der unendlich lange, schmale Steg ip d ! e‘ unbekannte Feme für kurze Zeit wieder erbaut. Grüße aus Rußland sind auch dann eine gute Freude, wenn sie, w'e jetzt in diesen Tagen, uns von zwei unbekannten ehemaligen Soldaten auf' den Redaktions- t'sch ge!egt werden. Wir kennen den Heinz und Hermann nicht, von denen dieser Gruß zu uns kommt; vermutlich sind sie aber aus Karlsruhe oder aus der unmittelbaren Nähe. Denn sie hätten sich mit ihrer Bitte sonst wohl kaum an e’ne Karlsruher Ze tung gewandt. Worin die Bitte besteht? Nun, sie ist ganz kurz und lautet: „Zwei Kriegsgefangene (25/1.68 und 24/1.62) wünschen Br’efwech'el m’t zwei l’eben Mädeln bis 22 Jahr. Bild erwünscht.“ Daß diese Bitte an so bevorzugter Stelle und nicht im Anzeigenteil wiedergegeben ist, soll erwirken, daß der Wunsch der be’den Kriegsgefangenen nicht übersehen wird. Die „l’eben Mädel bis 22“ wenden sich bitte an die Redaktion, d’e, falls s’ch mehrere Bewerberinneri finden sollten, durch Los entscheiden müßte, wem d : e bei uns vorliegende Rückantwortkarte gegeben werden solL Wer will also den be'den Kriegsgefangenen in Rußland schreiben? Vielleicht, man kann’s n ! cht wissen, hängen der Karte m’t den kyrillischen S-hr’ff-e’chen unsichtbar zwei kleine Ringlein an? jw. Bleibt weg von Verfahrenden S rakenbahn! Wiederum führte die lebensgefährliche Unsitte des Aufspringens auf fahrende Straßenbahnen zu einem Unfall. In der Kaiserstraße kam ein 59jähriger Handelsvertreter beim Aufspringen zu Fall und zog sich dabei eine Kopfverletzung sowie eine Gehirnerschütterung zu, die seine Aufnahme ins Krankenhaus erforderlich machte. Oekumenische Tagung auf dem Thomashof Zur Verwirklichung der Beschlüsse, die von der Weltkirchenkonferenz in Amsterdam gefaßt wurden, finden in der nächsten Zeit in allen Besatzungszonen Deutschlands regionale Tagungen statt, mit deren Durchführung die „Oekumenische Zentrale“, in Frankfurt betraut worden ist. Für Baden und Württemberg findet die regionale Tagung vom 14. bis 17. März auf dem Thomashof bei Durlach statt. Es wird mit 40 bis 50 Teilnehmern gerechnet. Insbesondere werden dabei das Verhältnis von Kirche und Staat sowie die internationalen Beziehungen zwischen den Kirchen innerhalb der Oeku- mene und die Verantwortung der christlichen Kirchen in der gegenwärtigen Weltsituation behandelt werden. epd Schweizer Bücher ln der Landesbibliothck Der badischen Landesbibliothek ist durch die „Schweizer Bücherhilfe“ in Zürich eine hochherzige Spende wertvoller Bücher schweizerischer Verlage zugegangen. Diese können nach ihrer Eine sehr eindrucksvolle, durch • geschickte und planvolle Anordnung der Bilder die verschiedenen Stilarten und Malweisen vorteilhaft unterstreichende Gemäldeausstellung wurde am Sonntag im Bad. Kunstverein eröffnet. Als Gedächtnisausstellung ist sie dem vor einem Jahr verstorbenen Maler Arthur Grimm gewidmet, läßt jedoch auch noch einige andere namhafte Künstler der Gegenwart zu Worte kommen. Hervorgegangen aus der Schmid-Reutte- Kiasse knüpft Grimm als Meisterschüler Wilhelm Trübners an dessen gesättigte und dunkle Farbharmonien an und geht, ebenso wie sein Lehrer, von der Voraussetzung einer malerischen Raumbildung aus, die die Fläche durch verschräqt aneinander gesetzte, kurze Pinselstriche erfaßt („Bildnis des Malers Paskin", „Artisten"). Es sind Bilder, die durch die unmittelbar farbige Erscheinung einerseits und die raffiniert, nur um den Unterschied weniger Nuancen zueinander geführten Farbtöne andererseits wirken („Trübner im Atelier"). In vornehmer Gehaitenheit der Bildakkorde sind die Menschen (oft bewußt) in ihre Umwelt gestellt (,,Bauerngruppe''), immer aber in einer geschickt räumlichen Aufteilung, die Grimm als einen Kötjner der Komposition erkennen lassen („Ateliergruppe"). Doch beschränkt sich Grimms Künstlertum keineswegs in der Malweise dieser siena- braun-tönenden Gemälde, vielmehr geht aus der Ausstellung deutlich hervor, wie sehr der stets an sich selbst arbeitende Maler die durch einen fünfjährigen Stu- dienauienthdit in Paris gewonnenen Anregungen (Aquarell: „Franz. Boulevard") und italienischen Reiseerlebnisse (Siena- Gartenstimmung) zu einer impressionistischen Heüfaibigkeit („Mädchen mit Blu- Sieben Jahre, bis zum Zusammenbruch, war Professor Dr. Rudolf Weigel, Rektor der Technischen Hochschule in Karlsruhe gewesen. Dazu kam, daß er der NSDAP seit 1930 angehört hatte, daß er Reichsredner, Obersturmführer ehrenhalber bei der SA, kommissarischer Gaudozentenbundsführer und Reichsvorsitzender der Deutschen Lichttechnischen Gesellschaft gewesen war. So lautete die Anklage, als er sich jetzt vor der Zentralspruchkam- mer zu verantworten hatte, auf Einreihung in die Gruppe der Hauptschuldigen. Die vielstündige Verhandlung ergab, daß Weigel den Nationalsozialismus wesentlich unterstützt hat. Belastend wirkte sich auch seine Rede in Ettlingen im Jahre 1932 aus, in der er Erzberger verunglimpft hatte. Auf Grund der Entlastungs- momente erkannte die Kammer jedoch auf Einreihung in die Gruppe der Minderbelastelen. In einer früheren Beurteilung hatten Rektor und Senat der Technischen Hochschule Weigel die Auslieferung der Hochschule Ein de nationasozialistiscbe Lehre und die Berufung von wissenschaftlich nicht geeigneten Personen auf Grund ihrer Parteizugehörigkeit vorgeworfen. Die Spruchkammer hielt diesen letzten Vorwurf nicht für erwiesen. Sie erkannte ferner auf Grund zahlreicher Zeugn-'sse Ein, daß Weigel, obgleich er sich in einer Denkschrift abfällig über die Juden ausgesprochen hatte, persönlich für Juden und rassisch verfolgte Professoren eingetreten sei. Se’ne Konflikte mit dem Gauleiter hätten ihn beinahe nach Kislau gebfacht, und 1940 sei zudem ein Verfahren wegen Landesverrats gegen Weigel an- Bearbeitung nunmehr entliehen werden. Eine Liste der Werke ist im Vorraum der Ausleihe ausgehängt. Weitere führende Werke des wissenschaftlichen Schrifttums der Schweiz sind bestellt worden. :) Stadtverwaltung kaufte Kunstwerke Die Stadtverwaltung Karlsruhe hat aus der vom Badischen Künstlerhilfswerk veranstalteten Ausstellung nachstehende Gemälde angekauft: Otto Graeber „Blumenstilleben": Wilhelm Winkler „Waldbadr": Karl Oertel „Bei Wallhausen": Walter Eimer „Winter im Odenwald": Paul Joer- ger „Friedrichsplatz mit Rathausturm": Wilhelm Jörger „Ruinen des Staatstheaters" und Helmut Meyer-Weingarten „Stilleben mit Glas". i) Seife noch immer bewirtschaftet Die Ausgabe von Seife erfolgt auf die für Januar bis Juni 1949 gültige Seifenkarte. Es werden freigegeben: Die auf „Einheiten“ lautenden Abschnitte für März und April in Höhe ihrer Mengeneindrucke und die folgenden Sonderabschnitte mit je 2 Seifeneinheiten, Seifenkarte M: Abschnitt E 90 und F 90, F/Jgd/K E 92 und F 92, Klk E 94 und F 94, Klst D 95, E 95, F 95 und G 95. Im Hinblidc auf die ln letzter Zeit zu beobachtenden Freiverkäufe von Kern- und Feinseifen wird darauf hingewiesen, daß Seife nach wie vor bewirtschaftet ist, ausgenommen Ein- heits-(Kaolin- und Schwimm-) Seife und flüssige Seife. ^ :) men") gelangt, die bis an die Grenzen Degas heranführt („Italienischer Tanz"). Von verschwiegener Beseelung sind die Stilleben des Künstlers, die eine von der nachahmenden Empfindung und der erkennenden Vernunft erfaßte malerische Anschauungswelt zeigen (das aparte „blaue Stilleben"). Es Sind Bilder, von denen eine tiefe Beruhigung ausstrahlt, Bilder, in denen die Beziehungen der Formen zur Inneren Spannung der Fläche kommen („Gelb-schwarzes Stilleben''), Nicht minder bedeutungsvoll aber ragen auch aus dem Schaffen Grimms seine mit genialem Schwung die wesensbestimmenden Anlagen einiger Charakterköpfe oft mit wenigen Strichen treffenden Zeichnungen heraus („Otto Flake", „Renö Schickele"). Eine Anzahl ausdrucksbewegter, über die verschiedenen technischen Arbeitsmöglichkeiten Aufschluß gebende Aquarelle sind in dem ersten Raum untergebracht. Man macht hier die Bekanntschaft mit Heidelberger und Mannheimer Künstlern, die über ein reifes Können verfügen. Sind A. R e b e 1 s drei „Fratzen" in ihren schwarzen, von mooslichem Grün und blutigem Rot durchschimmerten Farbtönen auf Betonung dämonischer, maskenhaft gespenstiger Wirkung aufgebaut, so erhält das „Frauenporträt" des Kokoschka- Schälers P. Berge r-Bergner seine gewinnende, eindrucksstarke Tiefe durch den unschuldvoll naiven Blick der mädchenhaften Augen, wie überhaupt der verträumten Darstellung dieses zarten Persönchens, von deren leicht geschlossenem Mund eine so sprechende Geste ausgeht. H. Biejert zeichnet sich mit zwei sehr stimmungsvoll behandelten Motiven des malerisch-winkligen Heidelbergs aus, während unter W. Eimer» Aquarellen die mit wenig bizarren Pinselstrichen hingeworfene „Winterlandschaft" ein Talent verrät, das seine Anregungen aus der Natur mit halb geschlossenen Augen ZU empfangen versteht. H. Lemkes Zirkusbilder erhalten ihren Reiz aus der variabel bunten Farbgebung, mit der er das unbeschwerte Treiben dieser heiter ausgelassenen Welt in Szene setzt. In einem anderen Raum wiederum befinden sich einige der Mappe „Exotik" entnommene Holzschnitte von B. Eppels, die, technisch hervorragend gestaltet, von dem Ausdruck der Mentalität und dem heißen Atem der schwarzen Rasse beherrscht sind. Eine von allerlei Visionen umsponnene Märchenwelt tut sich dem Betrachtenden aus den aquarellierten Tuschezeichnungen von H. Fischer auf, wie zum Beispiel bei dem „schlaftrunkenen Riesen" und den „Brentanobildern". W. Röse. SATIRIKER HERAUS! Das Staatstheater plant literarisches Kabarett mit Beteiligung des Publikums Das Staatstheater veranstaltet morgen, am Montag und Dienstag erstmals seit Jahren wieder ein Fastnachtskabarett, wie das vor 1933 unter dem damaligen Intendanten Dr. Waag üblich war. Für dieses Jahr hat Arthur Chwalek die Revue-Operette „Himmeldonnerwetter" von Günther Schwenn und Heino Gaze, die 1945 für Berlin geschrieben wurde, für die Karlsruher Verhältnisse umgeschrieben und aktualisiert. Es handelt sich um einen Stoff, bei dem — im Zeichen des Faschings gesehen — „alles drin" ist, so daß man gespannt sein darf, was Chwalek und die Mitwirkenden „herausholen" werden. Hierdurch kam A. Chwalek min auf die Idee, ein politisch-literarisches' Kabarett zu einer stehenden Einrichtung für da» Staatstheater zu machen. Dabei sollen sowohl Fragen der „hohen" Politik, der Literatur, der Kunst und des allgemeinen Zeitgeschehens als auch lokale Belange und Begebenheiten in humorvoller, witziger und geistreicher Form glossiert, parodiert oder nachdenklich betrachtet werden. Um aber die Sache möglichst abwechslungsreich gestalten zu können, fordert A. Chwalek das Publikum auf, sich durch Sie Irren: Es ist hier weder von der Intendantenwahl noch vom Kulturpfenniggesetz die Rede, sondern von einem musikalischen Lustspiel dieses Titels, mit dem die bekannte Filmschauspielerin Magda Schneider am Dienstag im Badischen Staatstheater gastierte. Eine sehr leichte Kost dieses Lustspiel, mit volkstümlich- kabarettistischem Anstrich und teilweise ziemlich billigen Effekten. Die Aufführung selbst war recht gefällig, wenn man von den wenig geschmackvollen Dekorationen und der akustisch schlechten musikalischen Untermalung absehen will: Von den beiden links und rechts der Bühne postierten Flügeln war je nach Plazierung des Zuhörers immer nur einer zu vernehmen. Alles in allem: Für das Große Haus unserer Staatsbühne nicht diskutabel, aber für ein faschingslauniges Publikum ein appetitanregendes Horsd'oeuvre. Im Mittelpunkt des Interesses stand selbstverständlich Magda Schneider, und Ihr Name dürfte auch das Haus gefüllt haben. Als sie die Bühne betrat, war man im ersten Moment entwas verblüfft: Von ihren Filmen her hatte man sie sich figürlich anders, größer vorgestellt. Wenn ihr die Doppelrolle als Ministertöchterlein und kesses Girl auch nicht eben auf den Leib geschrieben zu sein scheint, so entledigte sie sich ihrer Aufgabe doch unzweifelhaft mit viel Natürlichkeit, Hingabe und Charme, der durch einen leichten Wiener entsprechende Beiträge zu beteiligen. Also Satiriker heraus! Und wer kein Meister der Feder ist, aber eine Idee hat, die ihm wert erscheint, in dieser Weise auf die Bühne gebracht zu werden, der teile sie ungeniert Herrn Arthur Chwalek, Karlsruhe, Städt. Konzerthaus, mit: wenn sie gut ist, wird er sie schon entsprechend „verarzten". -g. Akzent noch unterstrichen wird (wenngleich dieser bei der Tochter eines französischen Ministers zumindest merkwürdig ist). Im übrigen ist sie, wie sie uns nach der Vorstellung anvertraute, keine Wienerin, sondern aus Bayern gebürtig, — hat jedoch längere Zeit in Wien gelebt. Gefilmt hat sie seit dem Zusammenbruch noch nicht, da — wie sie sagt — die ihr bis jetzt angebotenen Drehbücher zu schlecht waren. Doch hofft sie, im Anschluß an diese Tournee, die bis Anfang April dauern wird, bald wieder vor der Kamera zu stehen. H. H. IM STAATSTHEATER . . . .., findet heute im Großen Haus um 19.30 Uhr eine geschlossene Vorstellung von Mozarts „Zauberflöte” für den Kulturbund (2. Reihe) statt. Otto Matzerath wurde erneut zu einem Gastspiel nach München eingeladen, um dort auch das 5. Abonnements-Konzert de» Bayer. Staatsorchesters zu dirigieren. Die „Kurbel“ teilt mit, daß in der heutigen Festvorstellung des Revue-Films „Fregola" um 21 Uhr auch Erika Delbot und Alexander Furtwängler vom Bad. Staatstheater mitwirken werden. Da der Herzog-Verleih seinen finanziellen Anteil an dieser Vorstellung zur Verfügung gestellt hat, wird der gesamte Erlös der Karlsruher Notgemoiuschaft zufließen. „ 1 ' " — , Badischer Kunstverein: ARTHUR-GRIMM-GEDiCHTNISAUSSTELLUNG DAS MINISTERIUM IST BELEIDIGT Seite 4 I Nummer 40 S KZ Freitag, den 25. Februar 184# HANDEL UND WIRTSCHAFT 600 Mill. DM seit der Währungsreform gespart Seit Januar 1949 Sparein- und -auszahlungen ausgeglichen Der Sport am Sonntag FRANKFURT (SAZ). Die allgemeine Spartätigkeit hat sich nach der Januar-Statistik der Bank Deutscher Länder überraschenderweise günstiger entwickelt, als dies vielfach angenommen wurde. Insbesondere nahmen die Sparguthaben seit Ende 1948 zu, nachdem die eingeführten Steuervergünstigungen für langfristiges Sparen auf den Banken und Sparkassen propagiert wurden. Im Januar wurde zum ersten Male nach der Währungsreform das Verschwinden des Ueber- schusses an Barauszahlungen von Sparkonten in allen Zonen Westdeutschlands beobachtet. Im zweiten Halbjahr 1948 wurden rund 300 Mill. DM auf Sparkonten in bar eingezahlt. Da erfahrungsgemäß die Bareinzahlungen kaum mehr als die Hälfte des gesamten Neuzuganges auf Sparkonten ausmachen dürften, folgert die Notenbank daraus, daß der gesamte Neuzugang im Sparverkehr seit der Marksanierung auf einen Betrag von rund 600 Mill. DM veranschlagt werden kann. Wenn diesen Einzahlungen nicht so überaus große Abhebungen im zweiten Halbjahr 1948 gegenstünden, könnte man von einem beachtlichen Sparwillen der Bevölkerung sprechen. Tatsächlich betrugen die Barauszahlungen vom Tage der Währungsreform bis Ende Dezember 1948 schätzungsweise 1,2 Mrd. DM, also doppelt soviel, wie eingezahlt wurde. Diese Zahlen allein ergeben allerdings kein richtiges Bild der Sparentwicklung. Während es sich bei den Abhebungen zum allergrößten Teil um Umstellungsbeträge handelt, die durch die FRANKFURT (SAZ). Wenn man die Produktion des Jahres 1936 mit 100 Prozent beziffert, erreichte die industrielle Produktion der Doppelzone im Januar 1949 einen Index von 80 Prozent. Im Vormonat waren es 79 Prozent, so daß abermals eine leichte Steigerung von 1 Prozent im Durchschnitt zu verzeichnen war. An der Aufwärtsentwicklung haben fast alle Industriezweige teilgenommen, mit Ausnahme der Industrien der Steine und Erden, die einen stärkeren nicht nur saisonbedingten Rückgang aufzuweisen haben. Der Verbrauchsgütersektor konnte abermals die stärkste Produktionszunahme um 5 Prozent verzeichnen.-* Auch die allgemeinen Produktionsgüter, Kohle, Chemie und Energie steigerten die Produktion um 3 Prozent. Die Investitionsgüterindustrie allerdings nur um 1,4 Prozent. Abwertung der alten Reichsmarkgutshaben in D-Mark erstanden und sofort abgehoben wurden, dürften die neuersparten 600 Mill. DM größtenteils für längere Zeit gebunden sein und damit für den Kapitalmarkt nutzbar gemacht werden. Da die Umstel- lungsabrechnung größtenteils beendet ist, macht sich seit Januar auch hier der erwartete Tendenzumschwung bemerkbar, so daß nach Ansicht der Bank Deutscher Länder schon im Februar ein erster Einzahlungsüberschuß festgestellt werden könnte, el. Ein Produktionsrückgang Ist bei den Investitionsgüterrohstoffen eingetreten, der trotz steigender Stahlerzeugung durch den Abfall der Produktion in der Industrie der Steine und Erden sowie in der Flachglasindustrie bedingt ist. el. Günstige Kohlenabfuhr aus dem Ruhrgebiet FRANKFURT. (SAZ) Die Reichsbahn in der Doppelzone konnte in den letzten Wochen neue beachtliche Erfolge in der Steigerung der Transportleistung im Ruhrgebiet verzeichnen. Die Wagengestellung, die sich auf über 16 000 Einheiten täglich beläuft, war so reichlich, wie wir von der Verwaltung für Verkehr erfahren, daß jetzt nicht nur die laufende Kohlenförderung, sondern erstmals auch die Haldenbestände abgefahren werden. FuBball Oberliga: VfB Mühlburg — 1860 München (4:4, 1:2, 0:2), Bayern München — SV Waldhof (1:3, 3:1, 1:2), Kidcers Stuttgart — 1. FC Nürnberg (2:3, 5:1, 0:3), VfR Mannheim — VfB Stuttgart (1:3, 2:0, 3:6), TSG Ulm — Schwaben Augsburg (0:3, 0:2, 1:0), Kick. Offenbach — Eintr. Frankfurt (3:1, 1:0, 5:3), FSV Frankfurt — FC Schweinfurt (4:2, 3:2, 1:2), BC Augsburg — FC Rödelheim (3:4, —, —). In Klammern Vorspielergebnisse, dahinter die Resultate der letzten Saison. Landesliga: ASV Durlach — VfB Knielingen (3:2), ASV Feudenheim — Friedrichsfeld (2:2), Viernheim — SV Schwetzingen (1:0), Brötzingen — 1. FC Pforzheim (1:1), Spvg Sandhofen —TSG Rohrbach (1:1), VfR Pforzheim — VfL Neckarau (1:5). Bezirksklasse, St. 1: Mühlburg II — KFV, Wiesental — Daxlanden, Heidelsheim — Forst, Weingarten — Hagsfeld, Odenheim — Ettlingen, Eggenstein — Neudorf. Bezirksklasse, St. 2: Königsbach — Grötzingen, ASV Pforzheim — Birkenfeld, Söllingen — Würm, Dillweißenstein — Ispringen, Eutingen — Durlach-Aue. Kreisklasse A, St. 1: Jöhlingen — Pfaf- fenrot: St. 2: Spielfrei. Kreisklasse B, St. 1: Gehörlose — Lie- dolsheim, Rintheim — FrSSV Karlsruhe, FC Baden — FC Karlsruhe Ost, Polizei SV — FC Südstadt, Olympia-Hertha — Graben, Leopoldshafen — Neureut. — St. 2: Grünwettersbach — Weiler, Ittersbach — Hohenwettersbach, Etzenrot — Auerbach, Langensteinbach — Spielberg, Reichenbach — Palmbach. — SL 3t Spielfrei. — St. 4: Wöschbach — Wössingen Ib, Gölshausen — Bauerbach, Wössingen I — Neibsheim, Büchig — Kürnbach. Freundschaftsspiel: Sa.: Frankonia Khe. — Phönix Karlsruhe Handball Verbandsliga: Ketsch — Beiertheim, Neckarau — Weinheim, Waldhof — St. Leon. Gruppenliga Süd: Rintheim — Blankenloch, Daxlanden — Grünwinkel. Bezirksklasse St. 3: Ispringen — Rüppurr, Knielingen — Brötzingen. — St. 4: Oberhausen — Spöck. Ringen < Kreisklasse: Spv Weingarten — Germ. Bruchsal II. i Spv Brötzingen II. — KSV Kirrlach II.: Eiche Oestringen — Spv Dillstein; KSV Wiesental II. Spv Ispringen. Boxen Städteauswahl Pforzheim — Karlsruhe. Samstag, 26. Februar, 20 Uhr, Schulturn- halle Brötzingen. ' Hockey TSG 78 Heidelberg — 46 Mannheim, TSG Bruchsal — KTV 46, HTV 46 Heidelberg — Phönix Khe., VfR Mannheim — HCH. Beim 20. Fußball-Toto wurde mit 1 050 000 DM Einsatz die bisher höchste Summe erreicht. Die Gewinner des 1. Ranges erhalten 140 DM, im 2. Rang werden 9 DM und im 3. Rang 1 DM ausbezahlt. 80 Prozent Produktionsindex im Januar über 100 Damen-Kleider aus USA ab DM 8.50 sowie Mäntel, Kostüme, Blusen, Herren- und Kinderbekleidung, Babywäsche, D’-, H’- u. 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Beerdigung: Samstag, nachmittags 2<30 Uhr, Friedhof Rüppurr. GLORIA AM RONDELLPLATZ Heute Programmwechsel I • 'iff&O ■ •OLTwvw /TAvfj» Eine musikalische Filrhrevue mit den weltbekannten Orchestern Harry James n. Xavier Cugat Tägl.: 13.00, 15.30, 18.00, 20.30 Uhr. J. A. Rank zeigt: George Formby, den englischen Theo Lingen in Bin Filmschwank voll unwiderstehlicher Komik. Täglich: 13.00, 15.00, 17.00, 19.00 und 21.00 Uhr. Herrenstr. 11 <0> Telefon 3602 ATLANTIK’ nrl.Tor METROPOL N Tele?on ,r 951 Nur 4 Tage! James Mason in •Ausgesto« flen“, Beginn: 16, 18, 20. Sa.: 18, 20 Uhr. Samstag: 14.00, 16.00 und Sonntag nur 14.00 Uhr: .Der kleine Däumling". I. Teil x Der ßefangeae von Gaste)! d’Jff TägKt 13.00,15.00,17.00,19.00,21.00 Uhr MARKGRAFEN - D T u h rl«< e h r Hansi Knoteck — Carl Raddatz ln „Das war mein Leben!“ Die LebensgeschiChte eines Arztes. Wo.: 15.30, 17.45, 20.15, So., 14.00, 16.10, 18.20, 20.80, Sa. Spätv. 22,15. Cabaret RQtftHD Freitag ohne Sorgen. 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