KARLSRUHER NEUE ZEITUNG Erscheint täglich, außer Donnerstag and Sonntag. Redaktion, Ver- lagsabteilung, Vertrieb and Druck Karlsruhe, Waldstraße 28. Telefon 922/923. (Dringend Presse.) Anzeigenannahme Karlsruhe, Kaiserstr. 69, Telefon 6649; Durlacb, PfinztalstraBa 4 j> Ettlingen, leopoldstraße 5, Telefon 36. Kein Ersatzanspruch bei Störung durch höhere Gewalt. Bezugspreis monatlich DM 3 46 einschließlich Trlgergebühi, Postzustellung DM 2.20 zuzüglich Zustellgebühr. — Anzeigen« preise: Die sechsgespaltene 46 mm breite Mlllimeterzeile Millimeter-Grundpreis DM ->.80, im übrigen siehe zur Zeit gültige Preisliste Nr. 4. — Postscheckkonto: Postscheckamt Karlsruhe Nr. 80 53». 3. Jahrgang / Nummer 75 Karlsruhe, Ostern 1949 Einzelpri 20 Pfennig ^pafjion unö^ufrrjfrbung O stern! Findet es uns in der richtigen Stimmung? Nun, wir stürzen uns hinein ins österliche Empfinden wie in ein erfrischendes Bad, damit wir aus ihm emporsteigen mit neuen, hoffenden Gedanken. Der Frühling hilft. Er ist gekommen, hat Bedrückungen und Dunkelheiten des Winters durchstoßen, ist erschienen mit den wehenden Fahnen seines zarten, ersten Grüns, den gelbflammenden Forsythienbüschen und der Ahnung kommendem weißem Schaums im schwarzen Geäst der Obstbäume. Wir stehen still bei Spaziergängen, atmen tief auf und sehen umher. Da ist Augenweide ohne Trug, da ist Weltgefühl, das über alle Grenzen hinausgeht. In den Tälern, die wir durchwandern, auf den Hügeln und Bergen, die wir besteigen, in den schweifenden Blicken über Bädie und Flüsse ist die Empfindung: Wir sind nicht verloren, wir sind eingeschlossen in das All, wir gehören zu ihm wie Pflanze und Tier, wir atmen wie sie, lieben die Sonne wie sie, reifen und sterben wie sie. Aber uns Menschen allein ist es vergönnt, mit unseren Gedanken in die Geheimnisse der Natur einzudringen, die Höhen der Himmel in Lichtjahren zu durchmessen, der Erde die Jahrhunderttausende ihrer Schichten abzulauschen und nachzurechnen. Wir allein auch vermögen es, Ehrfurcht vor der Schöpfung zu empfinden, vor den Rätseln des All und unseres eigenen Seins. Wir haben das Wort, formen Gedanken und Gefühle, finden und erfinden, und an den blutbefleckten Wegen der Geschichte stehen die Werke des Glaubens, der Erkenntnis, des Bildens und Dichtens wie Pflanzen, die nicht welken und ihren Duft dem verströmen, der sie wahrnehmen will. Große religiöse Gedanken ziehen gleich Morgenwolken, selig in sich selbst, über der schuldbeladenen Menschheit dahin, glühen auf, wenn sich die Blicke zu ihnen erheben. Und sie erheben sich um die Osterzeit wie von selber! Denn, wohin soll der Mensch in unseren Landen seine Blicke wenden? Von allen Ecken und Enden der Welt donnert ihm ein Nein entgegen. Das Ja, wenn es ihn erreicht, ist ein zögerndes, als ob es widerwillig gewährt würde, wie dem armen Verwandten, der zur Hochzeit kommt und in der Küche seinen Bissen erhält. Niemand will um den stolzen, erbitterten Blick wissen, mit dem er die halbvolle Schüssel entgegennimmt. Er ist der verlorene Sohn der europäischen Völkerfamilie, ist von seiner übermütigen, stolzen, irrwegigen Wanderschaft zurückgekehrt. Man mustert ihn mißtrauisch, als könne er sich noch einmal vom Vaterhause entfernen, um sein Glück zu suchen. Er weiß nicht, wie er das Mißtrauen nie- derschlagen soll. Er ahnt, nur die Zeit kann es tun, die fließende, ausgleichende Zeit, die um die Dinge der Welt allmählich die Ordnung legt, Schuld und Schicksal klarer erkennen läßt. Unruhe überall, nicht nur bei uns. Als der Krieg zu Ende war, wurde das Wort Friede mit einer Inbrunst ausgesprochen, daß sein Klang und Widerklang schier das Erdenrund erfüllte. Die Menschheit glaubte vorwärts zu schreiten und — sie steht vor einem düsteren, in allen höllischen Feuern kochenden Abgrund. Sie weiß nicht, ob und wann die giftigen Wellen überlaufen werden, um Felder und Wälder, Dörfer und Städte, Menschen, Vieh und Pflanzen zu vernichten. Fliegen über den Ozean, beruhigende, aber sehr bestimmte Worte, heftige und kalte, drohende Worte hallen zurück. Wird sich auch um diese beiden Welten die beruhigende Ordnung legen? Der arme »kleine Mann“ — oh, der macht drei Viertel aller Menschen aus — weiß es nicht, er wagt es kaum zu glauben, er ist in Ängsten. Er hat keinen Halt mehr. Die Politiker quälen sich ab, aber sie können nur das Mögliche anstreben. Und das ist zu wenig für den Menschen, der an mehr denkt als nur an das tägliche Brot. Kein Wunder, wenn große Hoffnungslosigkeit, das Nichts, das Nihil, der Nihilismus die Seelen umkrallt, ein jeder sich der Materie zuwendet, die greifbar ist; aber auch sie scheint sich hier und da unter den Händen der Arbeitenden zu verflüchtigen. Sie stehen leer und arm da. So drängt es den Menschen nach Vergessen, nach Rausch, nach Genuß. Aber auch zu ihm gehört, wenn er echt sein soll, ein unbeschwertes Gemüt, sonst verfliegt er, wie er kam, und es bleibt ein übler Nachgeschmack. Kann der Frühling helfen, den die Erde emporgetrieben hat, der Sonne entgegen und dem warmen Regen? Wir sind Kinder der Erde, der Sonne, aber wir sind mehr, und auch der Frühling ist uns mehr als Blütenrausch, ist uns Gleichnis einer Auferstehung. Auf dem großen Schlachtfeld Erde leuchtet unzerstörbar seit etwa 2000 Jahren eine weiße, strahlende Blume: Der christliche Gedanke! Nicht jedermann hat sie in ihrer ganzen Lichtfülle und Wärme erkannt, nicht jedermann sieht sie heute auch nur einigermaßen deutlich in Ihren edlen Umrissen. Ungelehrte und Gelehrte von Herzensbildung, Maler und Dichter und Musiker von Rang haben sie gepriesen in allen Jahrhunderten, haben ihr Leben daran gewendet, sie zu verehren. Auch heute noch. In allen Reichen des Abendlandes erhebt sie sich wieder aus dem Dunst der Tage. Je teuflischer, grausamer, unmenschlicher es zugeht, um so zarter und lichter scheint die Blume des Christentums aufzuglühen, die unruhig gewordenen, irrenden Geister anzulocken, damit sie still und ein wenig glücklich werden in ihrer Nähe. MaxPlanck, Philosoph und Prophet, Denker und Musiker, der, neunziq Jahre alt, im vergangenen Jahr starb, hat allen, die es hören wollten und denen, die es nicht hören wollten, öffentlich gesagt: »Alle Wege der Forschung führen in einem hohen Sinne zu Gott — man könne wieder- an ihn glauben! Dieser Ausspruch brach gleichfalls wie eine Wunderblume aus dem Gestrüpp der Materie, aus der Wirrnis der kühnen Zahlen und Berechnungen, der klaren Erkenntnisse und klugen Wahrscheinlichkeiten. Der Ausspruch hat manchen Studenten der Physik, manchen Dozenten naturwissenschaftlicher Fachgebiete bewegt, manchen Künstler erschüttert, denn der greise Forscher prägte den Satz als Ergebnis eines langen, der reinen Wissenschaft gewidmeten Lebens. Er empfand die Hoheit des christlichen Gedankens als Ausgleich, als das Hoffnungsvolle, Andächtige, Ehrfürchtige, ohne das der Mensch nicht menschenwürdig leben kann. Das Christlich-Göttliche war dem Meister der Zahlen einfache, schlichte Gewißheit, daß die Liebe stärker sei als der Tod, als das Tote, als die Materie. Warum scheut sich der moderne Mensch vor solcher Gewißheit, die ihn nur fröhlich machen kann, ihn nicht einengt, nicht vergewaltigt, ihm Freiheit läßt, sich in allen Himmeln zu ergehen, wenn er die Symbole ehrt, welche die Allmacht zu fassen versuchen? OsternI Zeit des Frühlings der Erde — und der Gedanken. Sie erheben sich in diesen Feiertagen leichter aus den Winterdunkelheiten des Herzens. Der hehre Schmerzensmann auf unserem Bilde hat den Teufelsgewalten in der menschlichen Seele die Gewalt seines ganzen Herzens entgegengeworfen, um der Menschheit zu helfen. Sie schlug ihn ans Kreuz, aber er stand auf aus dem Grabe, und nun erst brach sein Lie- besgedanke wie ein ewiger Frühling in tausenden, dann in hunderttausenden, dann in ungezählten Millionen von Herzen auf. Sie hatten einen Halt gefunden in all dem Bösen, was ln ihnen und in der Welt war, in den Verzweiflungen, denen sie ausgesetzt wurden. Es ist sicherlich nicht das übliche Auferstehungsbild, das wir veröffentlichen. Passion und Auferstehung sind in dem Werk. Engelscharen stürzen weinend aus dem Himmel herbei. Sie trösten Jesum um der ausgestandenen Leiden willen, sie ergreifen in rührender Bewegung seinen Arm, als wollten sie ihn nimmermehr lassen. Der Mensch von heute sieht auf das Gemälde wie auf ein Notenblatt von Johann Sebastian Bach: Pack an, Choral, mit deiner Donnerstimme! Reiß mir das Herz auf, das verdorrte. Die Spreu der klugen, leeren Worte, im Sturmwind wirf sie vor dir her. Pack an, den wilden, stummen Schwan in meiner Brust, er schwebe überm Melodienstrom zu deiner Töne schattenhaftem Dom. Schon kreist er. hoch, mit weitgespannten Schwingen. Hört ihr ihn singen in dem Geisterchor? Der Liebe Lob mit allen Orgelstimmen trägt er empor! M. ÄfSItii £ HÜ Ostergemälde von Hans Baldung Grien auf Lindenholz gemalt um daa Jahr 1513, im Besitz des Augustiner-Museums Freiburg :Äf mm ipl MM »SÄ Seite I / Nummer TB S AZ Samstag, M. April W4S Frankfurter Besprechungen vertagt Nächste Zusammenkunft der Militärgouverneure mit der Delegation des Parlamentarischen Rates voraussichtlich am 25. April Eigenbericht unserer franlt/urtir Keduktio» FRANKFURT, 15. April. Die Besprechungen zwischen den drei westlichen Militärgouverneuren und der elfköpfigen Abordnung des Parlamentarischen Rates am Donnerstag wurden nach vielstündigen Verhandlungen ohne Endergebnis auf den 25. April vertagt. Nach Schluß der Besprechung erklärte Dr. Adenauer, der Leiter der Bonner Abordnung, vor der Presse, daß man gemeinsam übereingekommen sei, das folgende Kommunique herauszugeben: „Bei der Zusammenkunft der Gouverneure mit Vertretern des Parla- Dimitrow wurde beurlaubt SOFIA, 15. April (UP) Das Zentralkomitee der bulgarischen kommunistischen Partei und der bulgarische Ministerrat teilten mit, daß Ministerpräsident Georgi Dimitrow „beurlaubt“ sei. In dem Kommunique wird zugleich erklärt, daß Dimitrow sich gegenwärtig zur „ärztlichen Behandlung“ in der Sowjetunion befinde. Dimitrow ist auch vom Posten des Generalsekretärs der kommunistischen Partei Bulgariens beurlaubt worden, wie es in der Mitteilung heißt. Garry Davis startet Werbeaktion PARIS, 15. April (UP) Der „Weltbürger“ Garry Davis begann am Donnerstag einen Werbefeldzug für den von ihm geplanten „Bund der Weltbürger“. Er rief alle Völker der Welt auf, sich für den Frieden zu mobilisieren, damit sie nicht von ihren Regierungen für den Krieg mobilisiert werden. Davis begann seinen Propagandafeldzug vor einer Gruppe von Arbeitern in einer Fabrik in St. Quen. Der Bürgermeister von St. Quen, der Kommunist Fernand Lefort, lehnte es ab, sich am Bund der Weltbürger zu beteiligen, nachdem ein Anhänger von Garry Davis erklärt hatte, daß die Bewegung der Weltbürger über den beiden politischen Blödes des Ostens und Westens stehe und für keine der beiden Parteien Stellung nehme. Portugal kämpft gegen die KP LISSABON, 15. April (UP) Die politische Polizei Portugals gab bekannt, daß sie eine über das ganze Land verbreitete kommunistische Untergrundorganisation mit Verbindungen nach Spanien und Frankreich aufgedeckt habe. Kommunistische Aktionen in allen drei Ländern seien durch geheime Code-Botschaften koordiniert worden. Viele Mitglieder der kommunistischen Geheimorganisation sind verhaftet worden und eine Reihe wertvoller Dokumente wurden beschlagnahmt. Nationalchinesischer Angriff NANKING, 15. April (DENA-Reuter) Nationalchinesische Land-, See- und Luftstreitkräfte setzten auch am Donnerstag ihre kombinierten Angriffe fort und eroberten auf dem Nordufer des Jangtse den Brückenkopf von San- kiangyng, etwa 100 km ostwärts von Nanking, zurück. Damit sind in zwei Tagen fünf Brückenköpfe wieder zurückgewonnen worden. Zwei weitere kommunistische Regimenter und ein Bataillon sollen aufgerieben worden sein. Nach unbestätigten Berichten sind die Gegenangriffe nach einer fernmündlichen Konferenz mit General Tschiang- kaischek erfolgt. Indonesienkonferenz in Batavia BATAVIA, 15. April (UP) Unter dem Vorsitz des Leiters der UN-Kommis- sion in Indonesien, H. Merle Cochran, wurde hier eine Indonesienkonferenz eröffnet, an der sowohl indonesische als aych holländische Delegierte teilnehmen. Es ist dies die erste holländisch-indonesische Zusammenkunft seit Beginn der zweiten holländischen „Polizeiaktion“ im Dezember des vergangenen Jahres. Cochran erklärte in seiner Eröffnungsansprache, daß es in dieser Konferenz nicht darum gehe, die von beiden Seiten begangenen Fehler aufzudecken, sondern vielmehr eine Lösung zu finden, die einen Ausweg aus der gegenwärtigen Krise darstelle. Unglück in Kupferbergwerk BERLIN, 15. April (DENA) Mehrere Bergleute fanden nach Mitteilung der Pressestelle der DWK bei einer Schlagwetterexplosion im „Wolfsschacht“ des volkseigenen Mansfelder Kupferbergbaus den Tod. Die DWK hat eine genaue Untersuchung der Ursachen dieses Unglücks und sofortige Hilfsmaßnahmen angeordnet Welt-Rundschnu NEW AIBANY, Mississippi (UP). Bei einem Zugunglück kam ein Postbeamter ums Leben; mindestens 23 Personen wurden verletzt. — MONTERRY, Mexiko (UP). In einem hiesigen Krankenhaus kam ein Mädchen mit zwei Köpfen zur Welt. Das Kind lebte jedoch nur eine Stunde. — WIEN. In einem Wald bei Baden bei Wien fand die Polizei — zum zweitenmal in diesem Jahr — eine sezierte Leiche. Im vorigen Jahr waren in der Nähe zwei ähnlich zugerichtete Leichen aufgefunden worden. Alle Leichen wiesen Genickschüsse auf. — ATHEN. Das neue griechische Kabinett ist von König Paul vereidigt wor den. — DAMASKUS (UP). Zwischen Syrien und Israel wurde ein Waffenstillstands-Abkommen unterzeichnet, das sich auf die Grenze zwischen den beiden Staaten bezieht. — SYDNEY (UP). In Romsey kamen zum ersten Male in Australien Vierlinge zur Welt. Die Mutter und die Kinder — drei Mädchen und ein Junge — befinden sich wohlauf. (Alle nicht gezeichneten Nachrichten) DENA) mentarischen Rats am 14. April wurde das Besatzungsstatut erörtert. Die Verhandlungen waren getragen vom Geist internationaler Zusammenarbeit. Eine neue Zusammenkunft wird am 25. April in Frankfurt stattfinden. Mit Rücksicht auf die geplante Fortsetzung der Besprechungen erscheinen weitere Informationen nicht zweckmäßig.“ , Dr. Adenauer betonte abschließend, daß die Verhandlungen in der Tat vom Geist internationaler Zusammenarbeit getragen gewesen seien. Prof. Carlo Schmid äußerte unserem Korrespondenten gegenüber, daß die geplante Fortsetzung der Besprechung „immerhin schon etwas“ sei. Wie unser Frankfurter Mitarbeiter weiter erfahren konnte, hatte bereits in Bonn die SPD-Fraktion des Parlamentarischen Rats ihre Teilnahme an der Fahrt nach Frankfurt davon abhängig gemacht, daß nur das Besatzungsstatut und nicht auch das Grundgesetz besprochen werde. Dem hatte die CDU zugestimmt, nicht ohne auf die Tatsache hingewiesen zu haben, daß beide an sich nunmehr ein Ganzes bilden. Die Militärgouverneure haben dann auch von sich aus Fragen des Grundgesetzes anklingen lassen, wobei es, wie verlautet-, zu Meinungsverschiedenheiten zwischen den deutschen Vertretern gekommen sein soll. Immerhin — so verlautet aus Teilnehmerkreisen — kommt die Vertagung der Konferenz auf einen Zeitpunkt nach dem 20. April (SPD-Parteiaus- schuß-Sitzung in Hannover) dem Kreis um Prof. Carlo Schmid wahrscheinlich sehr gelegen. Man nimmt an, daß der für den 25. April vorgesehene neue Termin für die Fortführung der Besprechungen sogar schon etwas früher festgesetzt wird, wenn unmittelbar nach der Tagung in Hannover eine Einigung mit der CDU möglich sein sollte. Bei der Besprechung in Frankfurt soll die Haltung der SPD-Teil- nehmer ebenso versteift gewesen sein, wie im Augenblick in Bonn. Die Abordnung des Parlamentarischen Rates bestand aus dem Präsidenten des Rates, Dr. Konrad Adenauer sowie Jakob Kaiser, Minister Dr. Anton Pfeiffer, Dr. Robert Lehr, Dr. Theophil Kaufmann von der CDU; Prof. Carlo Schmid, Dr. Walter Menzel, Dr. Otto Suhr, August Zinn von der SPD; Minister a. D. Höpker- Aschoff von der FDP und Helena Wessel vom Zentrum. We. Schuman gegen deutschen Irrtum FRANKFURT, 15. April (DENA) Der französische Außenminister Robert Schuman erklärte vor seiner Abreise aus den USA in einem Interview mit einem Korrespondenten von Radio Paris, daß die Washingtoner Deutschland- Beschlüsse eine zweite Phase der Uebergangsperiode der Besetzung Deutschlands vorbereiten sollen. Eine dritte Phase werde dann mit dem Friedensvertrag beginnen, der noch nicht unterzeichnet und noch nicht einmal in Aussicht sei. Viele Deutsche seien zu der irrtümlichen Ansicht gelangt, daß Deutschland ein endgültiges Statut gegeben werden sollte. Viele Deutsche glaubten, daß sie nunmehr ihre völlige Unabhängigkeit zurückerlangt hätten. Dafür sei die Zeit aber noch nicht reif. // Deutsche Befürchtungen sind unbegründet* Acheson: Trlzone vor westdeutscher Regierungsbildung möglich // WASHINGTON, 15. April (DENA- AFP) Außenminister Dean Acheson gab auf seiner wöchentlichen Pressekonferenz bekannt, daß die internationale Ruhrbehörde nach der Unterzeichnung des am 28. Dezember vergangenen Jahres in London geschlossenen Abkommens gebildet werde. Hinsichtlich der Bildung der Trizone erklärte Acheson, die Tatsache, daß die Washingtoner Dreimächteabkommen über Westdeutschland erst in Kraft treten müssen, schließe nicht die Möglichkeit einer Fusion der drei Westzonen vor der Bildung einer westdeutschen Regierung aus. Auf die sowjetische Blockade Berlins eingehend, sagte Acheson, daß die amerikanische Regierung diese Frage nach wie vor als ein Hindernis betrachte, welches sich der Wiederaufnahme oder der Fortsetzung von Viermächtebesprechungen über Deutschland entgegenstellt. Alle normalen Verhandlungen blieben jedoch offen. Die von deutscher Seite gehegten Befürchtungen, daß die USA, Großbritannien und Frankreich ihre Machtbefugnisse als Besatzungsmächte dazu verwenden, eine künftige deutsche Konkurrenz auf industriellem Gebiete auszuschalten, seien „unbegründet“. Auslandsvertretungen möglich WASHINGTON, 15. April (DENA- Reuter) Die Deutsche Bundesregierung wird unter dem Besatzungsstatut zur Wahrung ihrer eigenen auswärtigen Beziehungen ermächtigt sein, sofern die drei Westmächte ihre Zustimmung erteilen, erklärte Außenminister Dean Acheson auf seiner Pressekonferenz. Sofern die Vereinigten Staaten, Frankreich und Großbritannien, die das Besatzungsstatut in der vergangenen Woche Unterzeichneten, in dieser Frage Einigung erzielen, wird die Deutsche Bundesregierung Verträge abschließen und Botschafter in anderen Staaten ernennen können. Gewerkschaftler nach den USA BERLIN, 15. April (UP) Wie Beamte der amerikanischen Militärregierung mitteilen, befinden sich gegenwärtig zehn deutsche Gewerkschaftler auf der Reise nach den USA. Sie werden sich dort 60 Tage aufhalten und die Städte New York, Detroit, Chicago, Milwaukee und Washington besuchen. Reparationsliste ist endgültig BRÜSSEL, 15. April (UP) In einem Schreiben an den Präsidenten der interalliierten Reparationsagentur (IARA) in Brüssel, Jacques Rueff, erklärten die Regierungen der USA, Großbritanniens und Frankreichs, daß an der. gegenwärtigen Reparationsliste keine. Abstriche mehr gemacht werden. Im Gegenteil, so wurde festgestellt, würden in Kürze neue Werke und Ausrüstungen zur Verfügung gestellt. Dies würde auf Grund der Entscheidungen über die für Deutschland verbotenen Industrien erfolgen. 160 Werke freigegeben BERLIN, 15. April (DENA) Von den auf der Reparationsliste stehenden Werken in der französischen und britischen Zone Deutschlands sind nach einer Veröffentlichung der drei Militärgouverneure 160 Werke gestrichen worden, die damit für die deutsche Produktion erhalten bleiben. Folgende Werke aus Württemberg-Baden, von denen Teile der Ausrüstung für Reparationen vorgesehen waren, werden danach nicht demontiert werden: Schüler, Fr., Mühlacker/Wttbg., Streicher, M., Stuttgart-Bad Cannstatt, Süddeutsche Arguswerke, Karlsruhe. Nuschke will klagen BERLIN, 15. April (DENA) Volksratpräsident Otto Nuschke hat nach einer Mitteilung' vom Donnerstag General Robertson um Erlaubnis gebeten, die britische Zonenzeitung „Die Welt“ wegen Verleumdung zu verklagen. Als „völlig unwahr“ bezeichnete Nuschke einen Bericht des Blattes, wonach er — Nuschke — bei Vermittlung von schwedischen Importaufträgen an die Ostberliner Firma Skandex die Deutsche Handelsgesellschaft übergangen habe, wodurch ihm 720 000 DM Provision zufließen würden. UN für Einschränkung des Veto-Rechts Angriffe eines tschechoslowakischen Delegierten gegen den Atlantikpakt FLUSHING MEADOWS, 15. April. (DENA) Dia UN-Vollversammlung beschloß laut Reuter am Freitag nach einer längeren Debatte, das Veto nur in Ausnahmefällen anzuwenden. Laut AFP wurde mit 43 gegen 6 Stimmen bei 2 Enthaltungen (Burma und Indien) eine Resolution gebilligt, in der den Mitgliedern des Sicherheitsrates empfohlen wird, die Anzahl der als Verfahrensfragen bezeichneten und nicht dem Veto “unterliegenden Fragen zu erhöhen. Die Mitglieder des Sicherheitsrates werden ferner ersucht, jeden Mißbrauch des Vetos zu vermeiden und, falls die Durchführung einer wirksamen Maßnahme von ihrer Einstimmigkeit abhängt, vor wichtigen Entscheidungen ihre Ansichten so weit wie möglich in Einklang zu bringen. Ein sowjetischer Resolutionsentwurf, worin das Prinzip der Einstimmigkeit im Sicherheitsrat als die bedeutendste Voraussetzung für eine wirksame Tä- Kommunistisch geschulte Rußlandheimkehrer Deutsche Besorgnisse werden von alliierten Kreisen nicht geteilt BERLIN, 15. April (UP) Nach Feststellungen des alliierten Geheimdienstes werden jetzt nach ganz Deutschland kommunistisch erzogene Kriegsgefangene aus der Sowjetunion in großer Zahl entlassen. Im Laufe des Monats März kehrten nach den vorliegenden Berichten 33 160 deutsche Kriegsgefangene aus Rußland nach Westdeutschland und den Westsektoren Berlins zurück. Der Vergleich mit den Ziffern der vorhergehenden Monate zeigt, daß die Russen die Repatriierungszahl mehr als verdreifachten. Beamte der westlichen Alliierten erklärten, Befragungen der Rückkehrer hätten bewiesen, daß sie einer intensiven kommunistischen Beeinflussung unterzogen worden seien. Früher bestand ein hoher Prozentsatz der zurückkehrenden deutschen Kriegsgefangenen aus der Sowjetunion aus Kranken und Unterernährten, aber die neuen Rückkehrer sind gut genährt, gut angezogen und gesund. Fast alle haben kommunistische Parteischulen besucht, bevor sie in mustergültigen Fabriken und auf Mustergütern Seite an Seite mit russischen Arbeitern tätig waren. Vor ihrer Entlassung wurden sie gründlich über die besten Methoden unterwiesen, wie sie zu Hause „der Sache“ dienen könnten. In nicht kommunistischen deutschen Kreisen befürchtet man, daß diese Rückkehrer den Kern einer entschlossenen kommunistischen fünften Kolonne in Westdeutschland bilden könnten. In Kreisen des alliierten Geheimdienstes ist man jedoch nicht besorgt. Man glaubt, daß der großen Mehrheit, selbst wenn sie bei ihrer Rückkehr noch aus abgestempelten Kommunisten bestehe, bald die Augen geöffnet würden, sobald sie mit den harten Tatsachen des Lebens im heutigen Deutschland in Berührung komme. Nicht mehr als zehn Prozent von ihnen werden dem Kommunismus ergeben bleiben, sagte einer der alliierten Beamten. tigkeit der Vereinten Nationen bezeichnet wird, wurde mit 40 gegen sechs Stimmen bei fünf Enthaltungen abgelehnt. Die Vollversammlung vertagte sich bis nach Ostern. In der Donnerstagsitzung der UN- Vollversammlung über die Einschränkung des Vetorechts setzte der Vertreter der Tschechoslowakei , Dr. Ad. Hoffmeister, die am Mittwoch von dem Sowjetdelegierten Andrej Gromyko gegen den Atlantikpakt gerichteten Angriffe fort. Hoffmeisters Ausführungen gipfelten in der Behauptung, daß nicht die Sowjetunion den Frieden bedrohe, sondern die Vereinigten Staaten mit Ihren aufgestapelten Atombomben. Der Vertreter Großbritanniens, Hec- tor McNeil, antwortete auf die Angriffe Gromykos vom Vortage und forderte diesen auf, seine Beschwerden über den Atlantikpakt vorzubringen, wenn dessen Erörterung auf der Tagesordnung stehe, und nicht bei Debatten über andere Angelegenheiten. „Wer kann auch nur einen Augenblick daran glauben“, fragte Mc Neil, „daß Norwegen aggressive Absichten gegenüber der Sowjetunion verfolgt.“ Mexiko und seine Bevölkerung wisse, was sich jenseits seiner Grenzen abspiele, Norwegen jedoch wisse darüber nichts. Der Atlantikpakt, betonte McNeil, sei ln seinen Absichten und in seinem Charakter so offensichtlich defensiv, daß nur diejenigen, die selbst mit dem Gedanken einer Aggression spielen, diesen Pakt bedauern könnten. Hilfe für Karlsruhe und Pforzheim STUTTGART, 15. April (SAZ-Ei*.- Ber.) An die schwergeschädigten Stadt« und Gemeinden Württemberg-Badens sind in dieser Woche als Aufkommen aus dem kommunalen Notstock des Jahres 1948 insgesamt 32 219 000 DM verteilt worden. Diese Summe setzt sich aus 8 Prozent der Einnahmen der Körperschafts- und der Einkommensteuer zusammen. Nordbaden hat 10 800 000 DM dazu beigesteuert, Nordwürttemberg 21419 000 DM. Auf di« Städte und Gemeinden Nordbadens entfielen bei der Verteilung 13 635 000 DM, auf die Nordwürttembergs 18 584 000 DM. Die Zuwendungen Nordbadens liegen demnach um 2 835 000 DM über desSen Aufkommen. Nach einem Landtagsbeschluß werden die Gelder aus kommunalen Notstocks jedoch gleichmäßig auf beide Landesteile aufgeteilt. Karlsruhe erhielt 3,5 Mill. DM, Pforzheim 3,3 Mill. DM, Stuttgart 10 Mill. DM, Mannheim 5,9 Mill. DM, Heilbronn 3 Mill. DM und Ulm 2 Mill. DM. Der Rest wird auf die übrigen geschädigten Gemeinden verteilt, fz. Pressefreiheit zugesichert BERLIN, 15. April (DENA) Der Direktor der Informationsabteilung bei der amerikanischen Militärregierung für Deutschland, Oberst Gordon E. Textor, versicherte in einem Interview, di« amerikanische Militärregierung werde niemals zulassen, daß die deutsche Post in irgendeiner Weise die Nachrichtenübermittlung der Presse beeinträchtigt oder eine Kontrolle bzw. einen direkten Einfluß auf sie ausübt. In diesem Zusammenhang sagte Oberst Textor, di« US-Militärregierung werde sich nach Aufhebung des Lizenzsystems in der amerikanischen Zone, das heißt nach Erlaß einer deutschen Pressegesetzgebung, aus Angelegenheiten der deutschen Presse heraushalten. Dies gelt« insbesondere für die Frage der Geldgeber der Zeitungen sowie für die De- klarierung der Blätter. Zur Frage einer Investierung amerikanischen Kapitals in der deutschen Presse wies Textor darauf hin, daß das bestehende Moratorium erst aufgehoben werden müsse,. „Keine ostdeutsche Regierung“ BERLIN, 15. April (DENA) Kreis« des Deutschen Volksrates äußerten, di« Bildung einer ostdeutschen Regierung werde vom Volksrat weder vorgeschlagen noch genehmigt werden. Auch Empfehlungen oder eine direkte Einmischung der sowjetischen Besatzungsmacht würden vom Volksrat nicht erwartet. Nach Ansicht der genannten Kreise wird die Bildung einer westdeutschen Regierung „das national« Unglück für Deutschland heraufbeschwören“. Nach Errichtung des westdeutschen Staates sei mit einer verstärkten Propagandatätigkeit des Volksrates ln Westdeutschland zu rechnen. SMV zieht nach Leipzig BERLIN, 15. April (DENA) Der amerikanisch lizenzierte „Abend“ berichtete, der Umzug der SMV von Berlin nach Leipzig sei in vollem Gange. Offiziere der „Plan-ökonomischen Abteilung“ der SMV hätten die Richtigkeit dieser Information bestätigt Einreise in Ostzone erschwert BERLIN, 15. April (DENA) Die sowjetischen Behörden an den bayrischen Grenzübergängen erkennen Interzonenpässe zur Einreise in die Sowjetzona nicht an, wenn in Ihnen die Sicherstellung persönlichen Eigentums oder Vermögenswerten aus Mitgiften als Reisezweck angegeben ist Wie General Clay in einem Bericht nach Washington erwähnt, werden die Pässe mit einem sowjetischen Stempel ungültig gemacht, um einen Grenzübertritt an einer anderen Uebergangsstelle zu verhindern. Außerdem bestünden die Sowjets darauf, daß die Pässe einen Stempel des Arbeitgebers oder des örtlichen Arbeitsamtes tragen. Fernsprechleitungen blockiert BERLIN, 15. April (DENA) Die letzt« Fernsprechleitung aus der Sowjetzon« zu dem im US-Sektor gelegenen Berliner Hauptfernsprechamt wurde am Freitag gegen 14 Uhr von der Postver- waltuhg des Sowjetsektors abgeschnitten und auf das neue separate Fernsprechamt im Ostsektor geschaltet. Damit sind alle bis dahin bestehenden 89 Fernsprechleitungen des Berliner Hauptfernsprechamtes, das von der alliierten Kommandantur für alle Sektoren anerkannt worden war, unterbrochen. Sieben Jahre Gefängnis für von Weizsäcker Freiheitsstrafen bis zu 25 Jahren im Wilhelmstraßen-Prozeß verhängt Schweres Erdbeben an der Pazifikküste Ungeheure Schäden in Oregon, Washington und Britisch Kolumbien PORTLAND (Oregon), 15. April. (UP) An der pazifischen Küste wurde ein schweres Erdbeben verzeichnet, das die Staaten Oregon und ’ Washington sowie Britisch Kolumbien in Kanada erfaßte. Tausende von Menschen eilten auf die Straßen, um nicht unter einstürzenden Gebäuden begraben zu werden. Bei dem schwersten Erdbeben, das jemals'die Pazifikküste der USA heimsuchte, wurden nach den letzten Berichten Hunderte von Personen teils schwer verletzt. Die Zahl der Todesopfer wird mit acht angegeben. Es wird jedoch angenommen, daß sich diese Zahl noch weiter erhöhen wird. Die im Westen des Staates Oregon und in den Staaten Washington und Britisch Kolumbien angerichteten Schäden sind noch nicht zu übersehen. Es wird jedoch geschätzt, daß sich diese auf mehrere hundert Millionen Dollar belaufen. Alle verfügbaren Feuerwehren, das Personal des Roten Kreuzes und die Polizei sind in den betroffenen Städten und Dörfern mit der Trümmerbeseitigung und der Bergung der Verletzten beschäftigt. Für Familien, die schwer beschädigte Wohnhäuser räumen mußten, werden gegenwärtig Notunterkünfte bereitgestellt. Am schwersten betroffen wurden nach bisher vorliegenden Meldungen die Städte Seattle, Olympia, Washington, Tacoma, Portland, Oregon und Vancouver. NÜRNBERG, 15. April. (UP) Baron Ernst von Weizsäcker, ehemaliger deutscher Botschafter beim Heiligen Stuhl, wurde hier am Donnerstag von einem amerikanischen Militärtribunal zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt. Die weiteren Urteilssprüche lauteten: Gottlob Berger, 25 Jahre Gefängnis; Edmund Veesenmayer und Hans Heinrich Lammers je 20 Jahre Gefängnis; Hans Kehrl, Paul Pleiger und Paul Körner je 15 Jahre Gefängnis; Lutz Schwerin von Krosigk und Wilh. Keppler je 10 Jahre Gefängnis; Dr. Ernst Wörmann, Richard Walter Darrö, Otto Dietrich, Karl Rasche und Gustav Adolf Steengracht von Moyland je 7 Jahre Gefängnis; Walter Schellenberg 6 Jahre Gefängnis; Ernst Wilhelm Bohle und Emil Puhl je 5 Jahre Gefängnis; Karl Ritter 4 Jahre Gefängnis; Wilhelm Stuckart 3 Jahre 10 Monate Gefängnis. Bei allen Angeklagten wird die Untersuchungshaft angerechnet. Stuckart wird wegen schwerer Krankheit unverzüglich aus der Haft entlassen. Dl« Angeklagten Otto Erdmannsdorf und Otto Meißner wurden bekanntlich frei- gesprochen und inzwischen entlassen. Gegen die verkündeten Urteile hat die Verteidigung Einspruch erhoben. Die Verteidigung kündigt gleichzeitig an, daß der amerikanische Militärgouverneur, General Lucius D. Clay, gebeten werde, die Urteile einer Revision zu unterziehen. Dr. Reinhold Maier für Weizsäcker STUTTGART, 15. April. (DENA) Der württemberg-badische Ministerpräsident Dr. Reinhold Maier hat, wie aus einer Erklärung des Staatsministeriums hervorgeht, den Prozeß gegen Weizsäcker mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt. Da die Familie von Weizsäcker sich um das Land Württemberg Verdienste erworben habe und Weizsäckers Lauterkeit in weitesten Kreisen des In- und Auslandes anerkannt werde, habe der Ministerpräsident der Verteidigung des zu sieben Jahren Gefängnis verurteilten von Weizsäcker mitgeteilt, daß er alle' Schritte zu dessen vollständiger Rehabilitierung unterstützen werde. / ) * famstag, 16. April 1949 S AZ Nummer 79 / Seite I Osterspaziergang durch die Goethestadt Von unserem Frankfurter Mitarbeiter J. von Wechmar SüDBtptftjcIfKjemrmf Nummer 75 / Samstag, den 16. April 1949 Hoffnung auf Ostern HM. Wenn am Osterfest die christliche Welt die Auferstehung des Gekreuzigten feiert und die Natur in zyklischer Wiederkehr Ihr Frühlingserwachen vollzieht, steht über uns ein düsteres politisches Gewölk. Als der Krieg zu Ende war, belebte alle Gutgesinnten unter uns die Hoffnung, die Katastrophe würde Raum für neue, tiefer gegründete Ordnungen geschaffen haben. Vieles von dem, was bisher geschehen tst, hat allerdings dazu beigetragen, diese Hoffnungen zu enttäuschen. Vielleicht waren unsere Erwartungen zu groß. Vielleicht haben wir Jedoch selbst Fehler gemacht und machen sie Immer noch. Wenn wir ehrlich sind, müssen wir zugestehen, daß wir Deutsche Ja nicht einmal mit der Besinnung auf unsere wirkliche Lage, nicht mit uns allein fertig werden. Wir laufen immer wieder Gefahr, uns beinahe auf Jede mögliche Weise lächerlich und unmöglich vor der Welt zu machen — am meisten dadurch, daß wir uns gegenseitig in der Politik auffressen, statt uns gemeinsam zu helfen, daß wir die Schuld auf die anderen schieben, statt die Folgen der eigenen auf uns zu nehmen. , Jenseits unserer Mauern aeht es Indessen kaum viel besser zu. Der Einsatz für einen neuen Anfang — wie man ihn sich vor vier Jahren dachte — scheint restlos verspielt. Aus der Zusammenarbeit der aroßen Siegermöchte wurde ein ,,kalter Krieg". Machtblock steht heute aeqen Machtblock, Militärpakt gegen Militärpakt, östliche Bündnissysteme gegen westliche Unionen. Und wir sind zum hilflosen Mittelpunkt geworden, in dem die politischen Kräfte Zusammenstößen und ihn auseinanderreißen. Nachdem der letzte Viermächteversuch einer Einigung über Gesamtdeutschland gescheitert war, beschlossen die Westmächte eine Ersatzlösung, eine Provisorium anzustreben. Es wurde wenigstens 43 Millionen Deutschen die Chance geboten, durch einen staatlichen und wirtschaftlichen Wiederaufbau zu geordneten Lebensverhält- nissen zurückzukehren. Wir werden als Deutsche niemals auf die Einheit Deutschlands Verzicht leisten. Es liegt Jedoch nicht mehr in unserer Macht, diese Einheit wiederherzustellen. Wir werden uns aber gegen alle diejenigen Einheitsversuche zur Wehr setzen, mit denen die Westzonen nach östlichem Muster „volksdemokratisiert" werden sollen. Jakob Kaiser hat deshalb dem Parlamentarischen Rat zugerufen, den Anfang zu einem freien und geeinten Deutschland zu machen. Die Ueberreichung des Besatzungsstatuts verhinderte vielleicht in letzter Minute eine völlige Stagnation in Bonn, wo nach unserer Meinung eine parteidogmatische Halsstarrigkeit die Erfüllung der westdeutschen Aufgabe fragwürdig erscheinen ließ. Gewiß, wir glauben, daß es bis zu einem bestimmten Grade richtig ist, auf einem Standpunkt zu verharren, der aus unserer Perspektive betrachtet In einem Grundgesetz manifestiert werden müßte. Man sollte es deshalb aber nicht zur Erschütterung des gegenseitigen Vertrauens kommen lassen. Vor allem dann nicht, wenn man etwas zurückerhält, das wir selbst — ob mit oder ohne Verschulden — vertan haben. Jedes Nachgeben, jede Aenderung, erst recht Jede wahre Umbesinnung Ist unbequem und lästig. Will man jedoch schon gute Politik machen, dann sollte man sich auch darüber klar sein, daß das politische Geschäft nicht billig zu haben Ist, sondern eine harte Sache darstellt. Wenn man das politische Leben in dieser Ueberzeugung anpackt, dann geschieht es in der Hoffnung auf den Durchbruch, auf den Sieg der Gerechtigkeit, auf Ostern, wie der Frankfurter Publizist Walter Dirks sagt. „Anders als in der Hoffnung können wir heutzutage Ostern politisch ohnehin nicht fassen. Es ist nicht politische Osterzeit, wir. sind noch nicht einmal in der Karwoche, wir sträuben uns ja hineinzugehen, i Wenn wir aber hineingehen, so gehen wir | auf Ostern zu." „Vom Eise befreit...“ Man denkt an die Worte aus dem „Osterspaziergang“, während der Blick auf die grellbunten Fassaden der Eisdielen gelenkt wird, die in diesen Tagen wie wucherndes Unkraut zwischen den Trümmern Frankfurts emporschießen; oft in gefährlicher Nachbarschaft hochragender Ruinenreste, die schon der nächste Sturm umwerfen und den kleinen, schnell zusammengenagelten Holzbuden aufs Pappdach schleudern kann. Weiterschlendernd stellt man im Schaufenster eines soeben fertiggestellten Buchladens fest, daß wir dennoch in der Goethestadt, noch dazu im Goethejahr leben. Thomas Manns „Doktor Faustus“ ist in mehreren Exemplaren ausgestellt; dicht daneben ein Buch darüber, wie dieser „Doktor Faustus“ entstand — auch von Thomas Mann. Es kostet „nur“ DM 7.50. Tüchtiger Dichter mit merkantilem Bremenser Einschlag — die berühmten zwei Fliegen mit einer Klappe! Goethe hat das nicht gekonnt — sein „Faust“ blieb ohne Kommentar aus der eigenen Feder. Doch: der Herr Geheimrat lebte in Weimar und nicht in Amerika. Im Althofbau im Frankfurter Zoo streiten sich am Ostersonntagmorgen die besten einheimischen Kapellen um das „Goldene Saxo'phon“, vormittags um 11 Uhr, gleich nach dem Gottesdienst. Abends spielt man im gleichen Etablissement Leo Falls „Fideler Bauer“ auf drei Bühnen mit 200 Mitwirkenden. Die Städtischen Bühnen aber waren sich ihrer Pflicht bewußt: am Karfreitag stand der „Urfaust“ auf dem Spielplan — diesmal tatsächlich von Goethe und nicht von Thomas Mann. Das am Die erste Hotel- und Gaststättenschau nach dem Kriege in Düs-- seldorf hat unser w.k.-Mitarbeiter zum Anlaß genommen, die Aussichten deutscher Fremdenverkehrswerbung im Auslande gründlich zu untersuchen. Mit Recht bezeichnet man den Besuch ausländischer Touristen als „unsichtbare Ausfuhr“. Deutschland wieder zum Reiseziel für das Ausland zu machen, dazu hat die Düsseldorfer Gast- und Hotelfachschau mit beigetragen, denn sie gab den ’ Hotelfachleuten viele Anregungen, ihre Hotels wieder auf das Niveau zu heben, das erforderlich ist, um die von drüben kommenden Gäste zufriedenzustellen. Gerade der Amerikaner ist ein verwöhnter und anspruchsvoller Gast, und er wird das Hauptkontingent der zahlungskräftigen Europareisenden stellen. Die Dollars, die er mitbringt, benötigt Deutschland dringend, um auf dem Weltmarkt kaufen zu können. Es handelt sich um recht erhebliche Summen, die offiziell im Zusammenhang mit der großen Kreditaktion für die Länder des Marshallplanes zur Förderung der europäischen Wirtschaft durch Reisen amerikanischer Staatsbürger festgelegt wurden. Für Touristenwerbung und zum Ausbau von Fremdenverkehrseinrichtungen sollen etwa 2,5 Milliarden Dollarkredite bereitgestellt werden. Schon vor 1939 importierte Europa für 2 Mrd. Dollar mehr Waren als es ausführte. Zu den „unsichtbaren“ Leistungen, welche beitrugen, diese Differenz auszugleichen, gehörte der ausländische Touristenbesuch, besonders aus den USA. Die Amerikaner verausgabten für Europareisen 1937 160 Millionen Dollar und 1938 131 Mill. Dollar, das waren 27°/i> der gesamten amerikanischen Ausgaben für Auslandsreisen. Die Denkschrift des „Weltverbandes der amtlichen Fremdenverkehrsorganisationen“ schätzt für die Jahre 1948 bis 1951 die Einnahmen aus den Touristen von Uebersee bei den USA auf 2,5 Mill. Dollar, bei 14. April eröffnete Zimmertheater, nach Hamburg das zweite seiner Art, das in den Räumen eines Kunstsalons gastiert, wird „Herrn Lamberthier“ bringen, als Zweipersonenstück fraglos das richtige für diese intime Art, Theater zu machen. Im Frankfurter Palmengarten wird am Ostersonntag ein volkstümliches Konzert geboten, aber man kann auch die herrliche Flora bewundern. Der Zoologische Garten, von Dr. Czimeck vorbildlich geleitet, wirbt für den Osterbesuch bei seinem über 1000 Tieren in der schon stadtbekannten humorvoll ansprechenden Weise. Vor seinen über die ganze Stadt verteilten Schaukästen kann man den neuesten bebilderten Zodwitz belachen und außerdem auf der Darstellung einer Urwaldszene raten, was daran falsch wiedergegeben wurde. Als erster Preis winkt Mit Regen begann sie; mit Regen endete die Frankfurter Frühjahrsmesse 1949 nach sechstägiger Dauer am Dienstag. Dazwischen lagen einige Sonnentage, welche der Messe erfreuliche Besucherzahlen brachten, die mit 50 000 nicht zu hoch gegriffen sein dürften. Auch das Ausland war — als Besucher und Aussteller — vertreten. Belgien, Italien, Ungarn und die Schweiz zeigten beachtliche Musterschauen in schön ausgestatteten Pavillons. Die Stadt Frankfurt hatte sich mit Fahnen und erstem Grün geschmückt den Besuchern aus Kanada auf 80 Mill. Dollar, bei Touristen aus anderen Teilen des britischen Commonwealth auf 65 Mill. Dollar. Die Gesamtausgaben für das laufende Jahr für Auslandsreisen werden auf 316 Mill. Dollar veranschlagt. Man kann aus diesen Zahlen ersehen, welche Möglichkeiten, die deutsche Zahlungsbilanz zu verbessern, bestehen, wenn es gelingt, einen Teil des Stromes der ausländischen Besucher nach Deutschland zu lenken. Dazu gehört nicht nur ein unerläßlicher Komfort in allen Zimmern und Räumen der deutschen Hotels, sondern auch die Uebernahme solcher Gepflogenheiten, die im amerikanischen Hotelgewerbe üblich sind. Dort gibt es vor allem das „ftxed pricesystem“, das heißt es ist in jedem Hotelzimmer der unbedingt gültige „feste Preis“ angeschlagen. Die in Deutschland schon von jedem Deutschen als lästig empfundenen Extraberechnungen für die Erfüllung kleiner Wünsche kennt man drüben nicht, denn sie verärgern den Gast. Kein Amerikaner, kein Südamerikaner oder Südafrikaner wilLExtra-Aufrechnungen, ■er will wissen, wie hoch die Endsumme für einen Tagesaufenthalt ist, und ihn interessiert nicht,. wie sich diese im einzelnen zusammensetzt. Er will den einmal festgelegten Hotelpreis fest in seinen Reiseetat einkalkulieren. Deutschland hat, genau wie Frankreich mit seinen Schlachtfeldern nach dem ersten Weltkrieg, eine große Chance. Es besitzt mit seinen zerbombten Städten«— so schmerzlich diese Zerstörungen auch empfunden werden — zugkräftige Objekte für die Besucher von drüben. Um welche Besucherzahlen es sich dabei handeln könnte, zeigt die Entwicklung des französischen Fremdenverkehrs 1948. In den ersten acht Monaten besuchten 1,6 Millionen Fremde das Land, und man rechnet bis Ende des Jahres mit 1,9 Millionen, obwohl Frankreich nicht mit solchen Kriegszerstörungen aufzuwarten hat wie Deutschland. ein Jahresabonnement für den Zoobesuch; der jüngste Zoowitz aber zeigt die Schleiereule im Gespräch mit dem Schleierschwänzchen im Zoo-Aquarium über „Schleierfragen“. Auf Verkaufstischen im Freien werden überall in der Stadt die übriggebliebenen „Schlager“ der inzwischen abgebauten Frühjahrsmesse feilgeboten. Es gibt Hasen, zum Aufziehen, damit sie tanzen, die Wunderente Gluck- Glack, die selbständig Wasser trinkt, ohne daß man sie aufziehen muß und — auf einem von Kindern umlagerten Stand — ein kleines Gerät, mit dem man Seifenblasen erzeugen kann. Wir machten das seinerzeit mit einem Strohhalm. Heutzutage scheint selbst dazu ein Apparat erforderlich. Wahrscheinlich, weil zuviel Seifenblasen fabriziert werden. Auch in der Goethestadt Frankfurt. Frankfurter Messe Frankfurter Redaktion (letzteres von der Natur gratis zum Tarnen der noch immer zahlreichen Ruinen gespendet). Unter den Fahnen überwog das Schwarz-Rot-Gold und das Frankfurter Rot-Weiß. Aber auch zahlreiche Flaggen der ausstellenden (und nicht ausstellenden) Nationen flatterten im manchmal stürmischen April wind. Meine Freundin war mit ihrem Umsatz zufrieden. Sie kannte mich bisher nicht; aber ich kenne sie seit langem. Denn sie verkauft Zeitungen, bei Sonne und Regen, tagaus, tagein. Fröhlichen Gemüts, immer munter schleppt sie ihre schwere Zeitungstasche durch Frankfurts Straßen und Lokale — überall gern gesehen; so auch auf dem ausgedehnten Messegelände. Hier sprach ich sie erstmalig an. Sie bestätigte meine früher gehegte Vermutung: Studentin. Germanistik; im Herbst Examen, bis dahin Studiumsfinanzierung durch Zeitungsverkauf. Wann sie fürs Examen arbeite? Bei Nacht und in den Morgenstunden. Tagsüber ist sie auf den Beinen, fröhlichen Gemüts, immer munter — ein tapferer kleiner Kerl! Der Polizeigewaltige auf der Messe erinnerte mit seiner goldenen Kordel um die blaue Uniformmütze an einen General. So zugeknöpft war er auch. Meine bescheidene Frage nach der Zahl der eingesetzten Polizeikräfte fand als Antwort das zentnerschwere Wort: „Amtsgeheimnis!!!“ Sowas gibt es heutzutage also auch noch. Ansonsten aber war die Polizei auf der Höhe. Scheinbar mühelos regelte sie den, in den Messetagen wirklich weltstädtischen Verkehr. Die Beamten trugen dazu den seit kurzem eingeführten weißen Tropenhelm (passend zum Frankfurter Palmengarten). ,./ Die frankfurter Gaststätten hatten große Tage. Selbst kleinere Kneipen ernannten sich für eine Woche zu „Messe-Restaurants“ und profitierten so von dem allgemeinen Trubel. Mit der Abgabe von Marken „soll“ es nicht immer so ganz genau genommen worden sein. Doch das ist keine Frankfurter Messe-Eigentümlichkeit. In den Einzeln handelsgeschäften, die ihre Auslagen messemäßig-österlich hergerichtet hatten, wurde von Auswärtigen dies und das gekauft, ohne daß die Umsätze — trotz mancher Preisherabsetzung — ins Bemerkenswerte gestiegen wären. Die Umsätze waren überall unterschiedlich. Es gab Firmen, die so zahlreiche Aufträge notieren konnten, daß sie — infolge der Möglichkeit, nun größere Serien auflegen zu können — sogar über den Preis mit sich sprechen ließen. Andere wieder stellten Käuferzurückhaltung fest. Im ganzen gesehen war aber die Messe ein zufriedenstellendes Geschäft; vielfach besser als man es im Blick auf die noch nicht ganz übersichtliche Lage innerhalb der westdeutschen Wirtschaft allgemein erwartet hatte. Der Mensch ein Geschöpf Gottes NEW YORK. (UP.) Nach Ansicht des 82jährigen Anthropologen Dr. Robert Broom findet die Wissenschaft immer mehr Beweise dafür, daß der Mensch das Geschöpf eines Schöpfers ist. Der Mensch sei das einzige Lebewesen, führte Dr. Broom aus, das sich noch immer fortentwickle. Es sei daher gar nicht ausgeschlossen, daß eines Tages der Uebermensch zur Tatsache werde. Diese letzte Entwicklungsstufe des Menschen werde dann frei vom Bösen und jeder Krankheit sein. Bis dahin aber könnten noch einige zehntausend, ja vielleicht Millionen Jahre verstreichen. Es sei wahrscheinlich, sagte Dr. Broom, daß andere Gelehrte seine Ansicht nicht teilten — er persönlich halte aber daran fest, daß der Mensch Teil eines großen Planes sei. Heute zwar sei der Mensch noch .weit davon entfernt, vollkommen zu sein, entwicklungsmäßig gesehen sei er aber immer noch auf der ansteigenden Linie. Er werde auf dieser Linie fortschreiten, bis alle Fehler beseitigt seien. Einsperren — eine neue Hennecke-Methode BERLIN. (DENA) Der durch seine Rigorosität bekannte sowjetische Transport-General Kwaschnin forderte die Finanz-Dezernenten der Eisenbahn- Direktionen der Sowjetzone bei einet Besprechung in Karlshorst auf, ihre Oberkassierer vom 1.—15. Mai „einzusperren“, damit die Eisenbahn-Jahresbilanz 1948 für die SMV beschleunigt fertiggestellt wird. Der General behauptete, er selbst sei einmal in Tula vom Kommissar bei guter Verpflegung längere Zeit zur Fertigstellung einer wichtigen Arbeit einsperrt worden. Kwaschnin verlangte von den Dezernenten eine Bilanzbegründung „so dick wie Buch, wenn Bilanz selbst so dick wie Heft“. Vor kurzem hatte er eine Besprechung mit leitenden Eisenbahn- Angestellten mit der Bemerkung eröffnet: „Ich wundere mich, daß Sie selbst so gut gewaschen und rasiert sind, wo Ihre Bahnen und Bahnhöfe vor Dreck starren.“ Deutsch land- Run dschau VEREINTE WESTZONEN: Kiel. Schleswig-holsteinische Großgrundbesitzer haben freiwillig 30 000 ha Land für Siedlungszwecke zur Verfügung gestellt. — Bremen. 76 Personen wurden in einer Schmugglerzentrale in Farge an der Unterweser verhaftet. — Nürnberg. Eine 28jährige Mutter erhängte ihre acht Monate alten Zwillingskinder. Es wird angenommen, daß die Frau in einem A&fall von Geistesgestörtheit handelte. SOWmzONE: Erfurt. Aus dem Erfurter Dom wurde von unbekannten Tätern ein Gemälde von Lukas Cranacfa d. Ä., ,Die Vermählung der heiligen Katharina*, gestohlen. Der Wert des Bildes wird auf eine halbe Million DM-Ost geschätzt. VIERZONENSTADT BERUNt Berlin (UP). Die britische Militärpolizel in Berlin beschlagnahmte in den letzten beiden Monaten S n ENFANT TERRIBLE" DER BRITISCHEN VÖLKERFAMILIE Irland wird am Ostermontag zur unabhängigen Republik Eire proklamiert — Von unserem -pe-Korrespondenten In einer Aprilnacht des Jahres 1916 tauchte vor der irischen Küste ein deut- iches U-Boot aus den Fluten und setzte einen Mann in einem kleinen Boot ab Sir Roger Casement, britischer Konsularbeamter und irischer Rebell, der sich ln englischen Diensten in der halben Welt den Adelstitel verdient hatte, war dabei, die letzte Etappe der Reise von Berlin anzutreten, nachdem er dort ohne Erfolg' versucht hatte, eine irische Freiwilligenarmee aus Gefangenen zusammenzustellen. Nun wollte er den Kampf gegen England von Irland aus aufnehmen. Die Deutschen hatten ihm ein ganzes Schill, den Dampfer „Aud“, voll Waffen und Munition mitgegeben. Der Dampfer wurde von einem britischen Patrouillenboot aufgebracht und Sir Roger fiel einer Streife in die Hände und wurde nach einem kurzen Prozeß als Hochverräter gehängt. Seine Anhänger trieben den Aufstand vorwärts. Am Ostermontag brach der Brand in Dublin aus. Er wurde nach einer Woche von den britischen Truppen gelöscht. Fünfzehn Rebellenführer wurden exekutiert und brachten der Sinn-Fein-Bewegung (gälisch = wir selbst) als Helden und Märtyrer einen erheblichen Aufschwung. Es ist bezeichnend für die irische Einstellung England gegenüber, den 33. Jahrestag der blutigen Ostererhebung gegen die benachbarte Insel als Gründungstermin einer unabhängigen Republik auszuwählen. Das Land, das in frühester Zeit von gälischen Kelten besiedelt, in Clans (Gaue) aufgeteilt und in fünf, später in sieben Königreiche zerfiel, steht bereits seit dem 12. Jahrhundert im Gegensatz zu dem benachbarten England Der Konflikt begann 1171, als Heinrich II. die grüne Insel eroberte und den Grundbesitz unter seinen Rittern aufteilte. Er verschärfte sich erheblich durch die religiösen Gegensätze zum protestantischen England, das wegen der Neigung des gebildeten und prachtliebenden, aber genau so grausamen und maßlosen Heinrichs VIII. für die schöne Anna Boleyn seinen Glauben wechseln mußte. Besonders seit dieser Zeit hat das katholische Irland stets auf der Seite der Gegner des protestantischen Englands gestanden. So auf Seiten Spaniens zur Zeit Elisabeths, der Aufständischen im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg, der Heere der französisdien Revolution und Deutschlands im ersten Weltkrieg. Selbst im zweiten Weltkrieg war Irland das einzige Land der britischen Völkerfamilie, das Deutschland gegenüber neutral blieb. Als Pitt am 1. Januar 1801 Großbritannien und Irland zum „Vereinigten Königreich Großbritanien und Irland“ verband, war dieser Schritt daher nicht dazu angetan, die Gegensätze zu mildem. Das ganze 19. Jahrhundert war eine einzige Folge irischer Aufstandsversuche und daraus resultierender britischer Unterdrückungsmethoden; von irischer Seite aus gesehen, britischer Unterdrückungsmethoden und sich dagegen wehrender irischer Anstrengungen. Eine Zeit, in der die irische Auswanderungsbewegung, vor allem nach den Vereinigten Staaten ihren Höhepunkt erreichte. In ihrer neuen Heimat agitierten die Iren weiter und gründeten 1858 den Geheimbund der „Fenier“, der das Vorbild der im Jahre 1905 von Griffith aufgestellten Sinn-Fein-Bewegung war, die die gemäßigtere Home- Rule-Bewegung ablöste. So kam es endlich zum Osteraufstand in - Dublin. Fünf Jahre später wurde mit England ein Vertrag abgeschlossen, in dem der irische Freistaat als Dominion anerkannt wurde. Mit dieser Anerkennung gaben sich die Sinnfeiner zufrieden, die 1932 auch die Regierungsmehrheit verloren, während der radikale Flügel unter de Valera für die völlige Unabhängigkeit Irlands weiterkämpfte. Die gemäßigte Linie, die bis 1932 unter Cos- grave eingehalten worden war, verschärfte sich seitdem. Die Verweigerung des Treueids auf den König und der Zinszahlungen für die enteigneten englischen Guthaben sind gewichtige Anzeichen dieser auf Aenderung gerichteten Politik. Irland hat mit der Umwandlung seines Namens in „Republik Eire“ und mit der Aufhebung der „Ex- ternal Relations Act“, die des Königs Unterschrift für alle ausländischen Entschlüsse erfordert, gezeigt, daß es nicht nur de jure seine eigenen Wege gehen will. Mit der Proklamation der unabhängigen Republik Eire ist der letzte Schritt getan. Es ist fraglich, ob das Ausscheiden des Landes aus der britischen Völkerfamilie politische und wirtschaftliche Vorteile bringen wird, wenn man nur an die Vorzugsbehandlung denkt, die jeder Angehörige des Commonwealth im Außenhandel hat. Außenminister Bean Mc Bride ist der Meinung, ein freies und vereinigtes Irland würde unvermeidlich, aus freiem Willen, Englands bester Freund sein. Die zahlreichen gemeinsamen Faktoren könnten die beiden Länder nicht nur bessere Nachbarn, sondern aufrichtige Freunde werden lassen. Die Konstituierung der irischen Republik (Saorstat Eirean), die nicht die sechs reichs- und königstreuen Grafschaften Nordirlands einschließt, hat das Band zum britischen Commonwealth nicht völlig zerreißen lassen. So sind die in England lebenden irischen Staatsbürger keine Ausländer. Sie besitzen immer noch alle Rechte der Common- wealthangehqrigen. Daraus ergibt sich die einigermaßen groteske Lage, daß in England lebende ausländische Republikaner das Wahlrecht besitzen. Hier zeigt sich wieder einmal die britische Meisterschaft trotz stärkstem Traditionsbewußtsein auf -undoktrinäre Weise lebensvolle Kompromisse zu schließen. Der hervorragende Londoner Karrika- turist Low gab dazu eine zeichnerische Erklärung Eire hängt in der Gestalt seines Ministerpräsidenten an einem Kranhaken neben dem englischen Haus und ist durch eine Telefonleitung mit den britischen Ministerkollegen im Innern des Hauses verbunden. Großbritannien hat dem letzten Schritt des „Enfant terrible“ der britischen Völkerfamilie keinen nennenswerten Widerstand entgegengesetzt. Vielleicht trifft auch hier das Wort zu, daß eine Mutter ihr widerspenstigstes Kind am meisten liebt. Vierte Republik hat wieder festen Boden unter ihren Füllen Von unitritn ständigen F H - F r a n k r e i c h - M i t a r b e i t e r Es ist gar nicht allzu lange her, daß niemand auch nur einen Pfifferling für das Leben der Vierten Republik in Frankreich gegeben hätte. Von allen Seiten hart bedrängt, gab sie kaum welche Zeichen von sich, die auf strotzende Vitalität hindeuten konnten. Die Spötter behaupteten sogar, die Berufung des Landarztes Dr. Queuille als Ministerpräsident sei nur erfolgt, um der Vierten Republik den Todeskampf leicht zu machen. Aber der Arzt vergaß auch als Regierungschef nicht, daß seine vornehmste Pflicht darin besteht, Leben zu erhalten; auch in der Politik war er kein Neuling, denn er hatte immerhin schon mehr als zwanzig Regierungen angehört und war insgesamt 16 Jahre lang Minister für die Landwirtschaft gewesen. Der Präsident wartet auf den Bus Costa Rica — die Demokratie der kleinen Leute in Lateinamerika Costa Rica ist ein hübsches Bilderbuch für brave Kinder. Grüne fruchtbare Täter ziehen sich zwischen sanft gewellten Hügeln hin. So weit das Auge blicken kann,. breiten sich sauber angelegte Pflanzungen unter dem strahlend blauen Himmel Mittelamerikas, verstreut dazwischen ab und zu* ein blendend weiß getünchtes Bauernhaus. Diese südlichste der fünf mittelamerikanischen Republiken ist von arbeitsamen Menschen bewohnt. Viehzüchter aus Kastilien, Bauern aus Andalusien, Handwerker vom Golf von Biskaya und Händler aus Galizien wurden in den vergangenen Jahrhunderten von Costa Rica, der „reichen Küste“, wie das Land heißt .angezogen und haben die Republik begründet. Etwa um ein Drittel kleiner ist dieser Staat als Bayern und er zählt heute so viel Einwohner wie etwa Dresden vor dem Kriege. In den Küstenniederungen werden Kakao, Bananen und Zuckerrohr angebaut. Im Innern des Landes wächst ein besonders kostbarer Kaffee. Es ist ein Kaffee mit ganz kleinen Bohnen, der auf dem vulkanischen Boden der Hochebene um San Jose gut gedeiht. Die 1100 Meter Eier fanzen Boogie-Woogie Ostern ist euer Fest, liebe Eier, oder genauer gesagt, Ostern ist wieder euer Fest,' denn einige Male mußten wir es ohne euch oder doch fast ohne euch feiern. Nun, ihr Eier seid eine sonderliche Gesellschaft von Spaßvögeln; das wußte schon vor fast einem halben Jahrtausend Christoph Columbus zu nutzen, als er eines von euch mit seinem in die Historie eingegangenen Trick berühmt machte. Zauberer arbeiten überhaupt gern mit Eiern; sie lassen sie zwischen den Fingern zergehen und aus den Händen verschwinden und locken sie aus den Rockärmeln wieder hervor. Der Handel versteht übrigens auch zu zaubern, mit ziemlich allem, natürlich auch mit euch Eiern. Die Hühner haben nie aufgehört, Eier zu legen, und trotzdem seid ihr eines Tages vom mitteleuropäischen Boden verschwunden gewesen, wie fortgeblasen. Hin und wieder fand sich zwar eines, aber das war dann trotz seiner weißen Farbe schwarz. Dieser Zauberer forderte dann einen Preis, als sei der Dotter aus purem Golde gewesen. Nach dem ausgeklügelten Trick der Währungsreform zauberte euch dann auch der Handel wieder aus dem Aermel hervor, erst zögernd, und jetzt schon reichlicher. Nun bewundern und bestaunen wir euren lebhaften Eiertanz zu Ehren des großen Gottes Mammon. Es ist ein Pfennigfuchser-Ballett; Ihr hüpftet von 80 auf 70 Pfennige, auf 60 und 50, immer pfennigweise die Treppe herunter, hier schneller und dort langsamer, wiegtet euch schließlich zwischen 40 und 30 Pfennigen im Reigen und tatet mitunter gar einen raschen Seitensprung auf 25 und 20 Pfennige. Die Vorfreude auf euer Fest trieb euch die goldenen Stufen zwar wieder ein wenig hinauf, und wir schütteln über euren Eiertanz ebenso den Kopf wie über den Boogie- Woogie. Aber trotzdem freuen wir uns, daß ihr wieder sichtbar seid und daß der Hase wieder etwas in seinen Korb tun kann — und auch in unsern. r-r-r Höhe dieses Anbaugebietes sorgen für ein günstiges Klima. i Costa Rica ist eine Oase des Friedens inmitten seiner unruhigen, revolutionä-- ren Nachbarn , Nur selten, färbt ihr böses Beispiel ab und läßt auch die Costaricaner revolutionieren. Aber auch dann zieht man es vor, die Revolution lieber zum Wochenende in den sechs Tageszeiten San Joses durchzukämpfen als in den Straßen der Hauptstadt. Man ist kein Freund von Blutvergießen. Deshalb wird auch die unterliegende Partei , nicht vom Sieger „liquidiert“, wie es in unserer alten Welt allgemein geübt wird. Wozu auch? — In allen Ehren geleitet man den Vierlierer an die Grenzen des Landes, — wie es etwa der jetzige Staatspräsident Jos6 Figueres im vergangenen Jahr mit seinem Vorgänger Teodore Picado Michalski getan hat — und bittet ihn, den Boden Costa Ricas nicht mehr zu betreten. Costa Rica ist eines der fortschrittlichsten Länder Lateinamerikas. Hier gab es schon in den vergangenen Jahrhunderten nichts für den Sklavenhandel zu verdienen. Nicht ein paar reiche Großgrundbesitzer teilen das Land unter sich auf; es gehört den Bauern, die es selbst bebauen. Es gibt keinen Kriegsminister, und die „Armee“ in der Stärke von 82 Offizieren, 220 Musikern und 242 Mannschaften wurde am 1. Dezember 1948 endgültig aufgelöst, das Hauptquartier in ein Museum umgewandelt und der Obhut des Erziehungsministers anvertraut. Der Präsident ist ein Mensch wie alle anderen, nicht mehr und nicht weniger, wie es sich in einem demokratischen Staat gehört. Niemand spricht von ihm, nirgends sieht man sein Bild. Wie jeder andere Bürger seines Landes wartet er morgens auf den Autobus und kauft sich abends selber seine Kinokarte am Schalter oder stutzt die Hecken seines Gartens. Endlich ein Land, wo es keine Wahlpropaganda gibt und wo die Politik nicht die Hälfte des menschlichen Daseins ausmacht. Dafür hat das Land siebenmal so viel Lehrer wie es früher Soldaten hatte, eine Universität und 850 Schulen, von denen 90 Prozent kostenlos unterrichten. Unter der Bevölkerung dieser „Demokratie der kleinen Leute“ sind die wenigsten Analphabeten ganz Südamerikas zu finden. Aber selbst hier hat man zeitweilig Sorgen. Der Frömmste kann bekanntlich nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt. Zu dieser Erkenntnis mußten auch die Costaricaner kommen, als im vergangenen Dezember, genau elf Tage nach Auflösung der Armee, eine über 800 Mann starke Streitmacht das Land überfiel. Der ehemalige Präsident Costa Ricas, Rafael Calderon Guardia, drang mit einem Heer, das sich aus Söldnern verschiedener mittelamerikanischer Staaten, in der Hauptsache Nicaraguanern, zusammensetzte, von Nicaragua aus in das Land ein, um die Herrschaft an sich zu reißen Das war selbst den sonst so friedfertigen Costaricanern zu viel und bereits am zweiten Tag nach dem Ueberfall standen den Eindringlingen 3000 Freiwillige gegenüber. Da lobt man sich in Costa Rica doch eine jener unblutigen „Wochenendrevolutionen“, von denen soeben wieder eine fast zwei Tage lang die Hauptstadt unterhalten hat. (DENA) Die Regierung Queuille hat ihre Arbeit in einem sehr heiklen Augenblick begonnen. Es kann nicht mehr geleugnet werden — und wir * haben auch schon mehrmals darauf hingewiesen —, daß sie mit ihren Bemühungen sehr beachtliche und auch unerwartete Erfolge gehabt hat. Es fragte sich nur, inwieweit eben diese Erfolge ausreichen würden, um der inneren Auflösung Einhalt zu gebieten, die sich in einem Abwandern der Massen zum Gaullismus und zu den Kommunisten deutlich kundgetan hatte. Die letzten Wahlen haben die Antwort darauf gegeben. Sie haben gezeigt, daß die Regierungsparteien die Mehrheit des Landes hinter sich haben. Diese Tatsache selber verblaßt aber bereits hinter ihren psychologischen und politischen Folgeerscheinungen, die der Vierten Republik fast alle -Trümpfe in die Hand spielen. Vor November 1951 sind in Frankreich keinerlei Wahlen mehr fällig; das gewährleistet schon ein Mindestmaß von Ruhe für die nächsten eineinhalb Jahre. Eine vorzeitige Auflösung der Nationalversammlung, wie General de Gaulle fordert, kommt weniger denn je in Betracht. Das ist vielleicht überhaupt das hervorragende Merkmal dieser letzten Wahlen, daß der Verlierer de Gaulle- gewesen ist. Denn einmal hat er, selbst wenn man seine eigenen, - sehr verschwommenen Berechnungen zugrundelegt, die Prozentzahlen vom Oktober 1947 nicht wieder erreicht. Zum anderen aber hat sich erwiesen, daß die Regierung ohne den General viel besser mit dem Kommunismus fertig wird. Schließlich hat sich das Parteiensystem als gar nicht so unfähig gezeigt, wie es de Gaulle in seiner Agitation immer darstellt. Die Schwarzweiß-Malerei des Generals hat unmögliche Bilder erbracht, sein wirklichkeitsfremder Eigensinn .und seine totalitäre Unduldsamkeit haben ihn in eine Sackgasse gedrängt. Seit der Gründung der Volksunion vor mehr als zwef Jahren erzählt er seinen Anhängern unentwegt dasselbe; dürftige Parolen ziehen nur in schlechten Zeiten, so daß der General sich schon etwas einfallen lassen muß, wenn er seine Wähler bei der Stange halten will. Seine Forderung nach Parlamentsneuwahlen mit der Begründung, daß die Regierung die Mehrheit des Volkes nicht hinter sich habe, ist jedenfalls gegenstandslos geworden. Wie gesagt, die Trümpfe liegen in der Hand der Regierung. Es spricht alles dafür, daß es ihr gelingen wird, ihr Sanierungswerk weiterzuführen und seine Ergebnisse allgemein sichtbarer werden zu lassen. Damit würde den Extremisten zu beiden Seiten noch mehr Wasser von den Mühlrädern genommen werden. Allerdings müssen im Regierungslager auch noch einige Minen entschärft werden, Radikalsoziale und die Gruppen der,gemäßigten Rechten sind bei der Wählerschaft sehr im Kurs gestiegen, während die Sozialisten Schwund und die Volksrepublikaner zumindest keine Neuzugänge zu verzeichnen hatten. Es wird von allen Seiten Weisheit und Mäßigung dazugehören, diesen Umständen Rechnung zu tragen. Es ist immer wieder verblüffend festzustellen, mit welcher leichten Gelöstheit das parlamentarisch-demokratische Kräftespiel in Frankreich abläuft und wie bei Fehlentwicklungen die Regulierung selbsttätig einsetzt. Das fragwürdige Mittel der Parlamentsauflösung erübrigt sich, weil das Parlament ein lebendiger Organismus ist. So beendete die Deputierten-Kammer, die im Jahr 1924 im Zeichen des allmächtigen Linkskartells zusammengekommen war, ihre Legislaturperiode im Zeichen Poincares und einem Kabinett der nationalen Union. Das Parlament, das im Jahr 1936 den beiden Volksfrontregierungen auf die Sessel half, war das gleiche, das zwei Jahre später daran ging, das Volksfrontexperiment und seine katastrophalen Ergebnisse zu liquidieren. Es ist offensichtlich, daß die gegenwärtige Nationalversammlung nach anderen Gesichtspunkten entscheidet als zur Zeit ihres ersten' Zusammentritts im Jahr 1946. Richelieu hat in seinem berühmten Testament gesagt, daß Frankreich eine Nation von ungeheurer Leichtfertigkeit sei, die aber am Rand des Abgrunds immer wieder zu sich komme. Der Kardinal scheint recht gehabt zu haben. Rofer Plüsch im „Ha Von unserem. Berline Plüsch, in wörtlichem wie in übertragenem Sinne — das ist der nachhaltigste Eindruck, den ein Besuch im „Haus der Kultur der Sowjetunion“ in Berlin hinterläßt. Wie alle Besatzungsmächte, richtete sich auch die Sowjetunion in Berlin ein Kulturzentrum ein. Die jetzt 'grellweiß angestrichene ehemalige Singakademie in der Innenstadt, unweit des Schlosses, wurde dazu aus- erseheri. In den weiten Gesellschaftsräumen des dreistöckigen Gebäudes, die jedem zu Besprechungen, zum Schachspiel, zum Aufenthalt offenstehen und dem Haus den selbstgefällig propagierten Namen „Haus der offenen Türen“ eingetragen hat, dominiert der rote Plüsch als Bezug auf den Stilmöbeln mit den geschwungenen Füßen, die ebenso wie die kostbaren Teppiche dem deutschen Besucher ein melancholisches Lächeln entlocken. Die Herkunft dieser Die Erde hälfe Brof für alle Fast dreimal soviel Menschen leben heute auf der Erde. Wie vor 150 Jahren, und alle zehn Jahre kommen noch 150 bis 170 Millionen dazu. Liegt es an diesem Bevölkerungswachstum, daß, wie Präsident Truman erklärte, gegenwärtig mehr als die Hälfte der Erdbevölkerung in Not und Dürftigkeit leben muß? Kann die Erde ihre 2.2 Milliarden Bewohner nicht mehr ernähren? Fast überall dort, wo heute Landwirtschaft betrieben wird, kann DIE LANDFLÄCHE* Bisher landivirr' schafrl. genutzt DER, ERDE noch landwirtschaftl. nutzbar 1 EURCPA ASIEN AFRIKA DIE ZUNAHME DER ERDBEVOLKERUNG l Veisse Farbige _ . jäh » itoo f I945 1 1Z227ZZ noch bedeutend mehr als bisher aus dem Boden herausgeholt werden, wenn die neuesten Erkenntnisse und Mittel, die Wissenschaft und Technik an die Hand gegeben haben, verwertet werden. Durch großangelegte Urbarmachung mit modernen Methoden ließe sich die landwirtschaftliche Nutzfläche der Erde noch vervielfachen. Riesige Waldgebiete bedecken in aller Welt noch Boden, der sich gut für Ackerbau und Viehzucht eignet. In der Tat ist ja auch fast die gesamte gegenwärtige Kulturfläche von unseren Vorfahren demWal- de abgerungen worden; und in den USA herrschten, um das jüngste Beispiel großen Maßstabes zu nehmen, noch zu Goethes Zeiten Urwald und Prärie, wo heute sich gleich einem Meere Weizenfelder hinziehen. Nur ein Viertel der nach geologischer Ansicht für landwirtschaftliche Nutzung geeignetenErd- Landfläche wurde bisher unter den Pflug genommen, AUSTRALIEN AM RANDE DER ZEH.... .UND DER ZEITUNG In Manhattan verweigerte ein zum Tod« verurteilter Verbrecher die Aussage, alt «r nach der Höhe seines Einkommens vor seiner Verhaftung gefragt wurde. Er meinte, eine solche Angabe könne sich auf sein« Einkommensteuer ungünstig auswirken. — Die Angst vor dem Finanzamt scheint wirklich größer zu sein als die Angst vor dem Tode . . . Die Aufzucht von Kamelen ist schwierig, stelle jüngst der Stallmeister des Zirkus Krone anläßlich der Geburt eines Kamel« füllens fest. In Deutschland herrscht nämlich Inzucht; alle Kamele sind mehr oder minder nah miteinander verwandt. — Leider stellen die Kamele aus diesem Grund« in Deutschland auch eine Einheit dar, gegen die nun schwer aufzukommen sein dürfte ... Eine offizielle Statistik ergibt, daß in Guadelupe auf 3000 Einwohner 9000 Hund« kommen. — Diese kalifornische Stadt ist buchstäblich vor die Hunde gegangen . .. Die Stadtverwaltung von Dinkelsbühl hat eine Sperrstunde für Hunde verhängt. Nach 8 Uhr abends darf sich kein Vierbeiner mehr ohne die Begleitung seines Herrchens oder Frauchens auf der Straße sehen lassen. — Wie haben sich die Zeiten gewandelt! Vor nicht allzu langer Zeit hat «t ^inige namhafte deutsche Städte gegeben, in denen sich die Zweibeiner ohne ihren treuen vierbeinigen Gefährten nach 8 Uhr abends kaum auf die Straße getrauen durften, wenn sie unausgeplündert ihr Ziel erreichen wollten ... Max Schmeling bemüht sich um den Zuzug nach Wendendorf in der Giersdorfer Heide. Er will dort ein kleines Landhaus mit 40 Mor.gen Heidefläche erwerben, um darauf eine Hühner- und Pelztierfarm zu gründen. — Er hat in seiner langen Boxer- laufbahn wohl einige Erfahrungen darüber gesammelt, wie es ist, wenn einem das Fell über die Ohren gezogen werden soll ... Das Untersuchungsgefängnis der ehemaligen Kriegsmarine in Kiel Ist In ein Studentenheim umgewandelt worden. Dabei konnten die Gitter vor den Fenstern noch nicht entfernt werden, da die geringen zur Verfügung stehenden Mittel für ander« Zwecke verwendet werden mußten. — Es wird vor allem für die Psychologie der künftigen Juristen zweifellos von Wert sein, das Leben hinter vergitterten Fenstern einmal aus eigener Anschauung kennen zu lernen ... In einer bayerischen Gemeinde wurden vom Bürgermeisteramt zu statistischen Erhebungen über die Wohnverhältnisse Fragebögen an die Einwohner verteilt. Da- oei verwendete man alte Formulare, di« unter der» Rubrik Oefen auch nach der Zahl der Aschlöcher fragten. — Einer, der es genau wissen wollte, schrieb In dies« Spalte: „Siehe Personenzahl!" ... Mit der Begründung, Tennis sei das Spiel der Ausbeuter und Kapitalisten, verbot die Kommunistische Partei Bulgariens ihren Mitgliedern die Ausübung des Tennissports. Der bulgarische Sportverband ging noch einen Schritt weiter. Er empfahl seinen Mitgliedern, Tennis aufzugeben und dafür den Schießsport zu betreiben. — Durch Tennisspielen wurden bisher noch nicht Millionen Menschen getötet, wohl aber durch das Spiel mit dem Schießgewehr... Nadi Meldungen von DENA, UP, PRD u. Zeitungen zusamraengestellt von hanoh. us der Sowjet-Kultur 11 r Korrespondenten Wertgegenstände ist nur zu leicht zu erraten, und die Gedankenverbindung zu anderen deutschen Besitztümern, die jetzt an irgendeinem anderen Ort Deutschlands oder Osteuropas vom einnehmenden Charakter der Sowjetkultur Zeugnis ablegen, drängt sich auf. Erstaunlich jedoch ist, daß zu diesem prunkvollen Plüschrahmen das, was an Eignem in ihn hineingetragen wurde, vollkommen paßt. Die Auswahl von Bildern der repräsentativen Moskauer Tretjakow-Galerie hätte in dieser Zusammenstellung das helle Entzücken des breiten Publikums der Jahrhundertwende erregt. Innerliche Beziehung zum roten Plüsch haben vor allem das „Stalin-Zimmer“ und das „Lenin-Zimmer“, die genau so wirken, als habe man die Bilder aus einem jener Prachtwerke „Unser Kaiser“ ausgeschnitten und an die Wand gehängt. Im „Lenin- Zimmer“ findet man Fotografien und Bilder von Lenin in jeder Alters- und Lebenslage: als dreijährigen Wuschel- kopf und als einbalsamierte Leiche im gläsernen Sarkophag, aus der Zwischenzeit Zeitung lesend, schreibend und sehr oft Reden haltend. Man kann in einer kleinen Broschüre seinen vollständigen Tageslauf einschließlich der Unterzeichnung eines Telegramms verfolgen, man sieht seine Schulzeugnisse und findet auf einem Tisch .ein Album mit ungefähr dreißig Lenin-Bildern. Und wenn man, von soviel Persönlichkeitskult peinlich berührt, das Zimmer verläßt, ist man in keinem Saal, in keinem Winkel des Hauses sicher vor weiteren Lenin- oder Stalinbüsten und -bildern. Die übrigen Ausstellungen im Hause wechseln. In der Hauptsache bestehen sie aus statistischen Uebersichten mit steigenden Leistungskurven und aus Bildern von strahlenden Sowjetmüttern, Sowjetarbeitern, Sowjetsportlern und Sowjetsäuglingen. Zur Zeit sind auch Sowjetbriefmarken zu sehen. Ausstellungen von Sowjetgraphik und Sowjetarchitektur werden vorbereitet. Zusammen mit dem Grundton der mehrmals wöchentlich stattfindenden Vorträge (von denen einige typische Themen des Februar-Programms hier erwähnt seien: „Lebensstandard in der Sowjetunion“, „Hinter den Kulissen der amerikanischen Außenpolitik“, „Das Kino in der Sowjetunion und die bürgerliche Filmkunst“) bringt uns auch das Fazit der wechselnden Ausstellungen wieder auf unseren Ausgangspunkt zurück. Denn noch immer ist auf den Plüschsesseln der selbstgefällig-bornierte Nationalismus zu Hause gewesen. i » Samstag, 18 April 1949 S AZ Nummer 75 / Seite I Aufnahme: Foto Bauer Ja, so ein Häslein Ja, so ein Häslein mit schnupperndem Näslein, schmiegsam und biegsam, huschelnd und kuschelnd, das möcht ich ha‘n. Ist noch ein gleiches da? Ein seidenweiches ... ja? Nein, zu viel Häslein! Woll’n zuviel Späßlein. Eins ist genug. Hätt' es zu Ostern au} meinem Schoß gern, 1 würd ‘ es umschmeicheln, Streicheln die Härlein — denn in ‘nem Jährlein ist es zu alt, Häslein ich ahne, ich leg dich in Sahne mit Pilzen und Kräutern, um didi zu läutern. Schmiegst dich und biegst dich im Deckeltopf. Nimmer vergeß ich dich, vor Liebe freß ich dich! Du kleines Häslein, verzeih mir das Späßlein. Sollst midi nicht schelten, es kommt das Vergelten — mich frißt die Zeit! Homo Lampe Schlüsselblumen und Polizei Die Stadtverwaltung erinnert daran, daß das Sammeln nicht geschützter wildwachsender Pflanzen ohne Sammlerausweis des Städtischen Gewerbeamtes oder der zuständigen Forstbehörden nach der Naturschutzverordnung verboten und unter Strafe gestellt ist. Die Ausweise sind jeweils nur'für ein Kalenderjahr gültig. Das Forstpersonal und die Feldhüter sind angewiesen, das wilde Sammeln zu unterbinden. Die Polizei ist beauftragt, gegen den illegalen Verkauf von wild wachsenden Schlüsselblumen, Palmkätzchen und dergleichen an Straßenecken oder öffentlichen Plätzen einzuschreiten. na. Helene von Ravenstein t Aus Miltenberg am Main kommt die Trauerkunde, daß Frau Helene von Ravenstein, geb. von Schwind, Witwe des Professors Paul von Ravenstein, im 94. Lebensjahr verstorben ist. Die sterblichen Ueberreste der Verblichenen wurden in Karlsruhe beigesetzt. Die Familie von Ravenstein hat ein Menschenalter in Karlsruhe verbracht und die Glanzzeiten der Karlsruher Kunstakademie miterlebt. Prof, von Ravenstein war Schüler und Freund von Schönleber und Gude. Frau von Ravenstein ist die jüngste Tochter des weltbekannten Malers Moritz von Schwind. Als ihr Haus zerstört war, begab sie sich zu ihrem Sohn nach Miltenberg und war eine unerschrockene Hüterin des geistigen Gutes ihres Gatten, des Landschafters Paul, von Ravenstein und der ihr vom Elternhaus noch verbliebenen Dinge. na. Prof. Dr. Dr. Willy Hellpach nach Karlsruhe berufen Professor Dr. Dr. Willy Hellpach von der Universität Heidelberg wurde auf besonderen Antrag von Rektor und Senat der Technischen Hochschule Karlsruhe zum ordentlichen Professor an der Fakultät für Natur- und Geisteswissenschaften an dieser Hochschule ernannt. Seine Tätigkeit an der Heidelberger Universität wird durch die Karlsruher Berufung nicht berührt. :) Zur Durchführung des Wohnungsbauprogramms 1949 Der Präsident des Landesbezirks Baden — Präsidialstelle — bittet um Veröffentlichung nachstehenden Hinweises: Die durch den Württ.-Badischen Landtag •"für den Wohnungsbau bereitgestellten Mittel werden wie bisher von der Badischen Landeskreditanstalt für Wohnungsbau vergeben. Die Landesdircktion des ^Innern hat den Landräten und den Stadtkreisen sowie der Stadt Bruchsal je einen Rahmenbetrag zugev/iesen; hm halb dieses Rahmenbetrags können für Bauvorhaben aus den Kreisen Darlehensanträge an die Landeskreditanstalt eingereicht werden. Die Stadt- und Landkreise sind angewiesen, für ihre Bereiche Bauprogramme aufzustellen. Nur solche Bauvorhaben, welche in die Programme der Stadt- und Landkreise aufgenommen sind, werden von der Landeskreditanstalt gefördert. Darlehensanträge sind unter Verwendung der schon bisher üblichen Vordrucke bei den Stadt- und Gemeindeverwaltungen einzureichen; unmittelbare Anträge und Anfragen bei der Landeskreditanstalt oder sonstigen Stellen sind zwecklos. Den Anträgen sind die volstandigen Pläne sowie die Finanzierungsbelege, bei kriegsbetroffenen Gebäuden auch eine vollständige Grundbuchabschrift, anzufügen. Es wird dringend gebeten, nur vollständige und sorgfältig bearbeitete Anträge einzureichen, da sonst vermeidbare Arbeitsbelä-, stungen und Zeitverluste eintreten. :) Lebensmittelgesetz weiterhin in Kraft Der Landrat weist darauf hin, daß die Bestimmungen des Lebensmittelgesetzes und verwandter Gesetze (z. B. Milchge-« setz, Fleischbeschaugesetz) und die auf Grund dieser Gesetze erlassenen Anordnungen weiterhin in Kraft sind und Zuwiderhandlungen - strafrechtlich verfolgt werden. :) Radio in Kraftfahrzeuge!* Die Oberpostdirektion macht darauf aufmerksam, daß Rundfunkgeräte, di& in Kraftfahrzeugen betrieben werden, genehmigungspflichtig sind. Die Genehmigung wird von dem für den Wohnsitz des Kraftfahrzeughalters zuständigen Postamt erteilt. Die Inhaber nicht genehmigter Rundfunkgeräte in Kraftfahrzeugen werden strafrechtlich verfolgt. :) Märchenstunde in der Volksbücherei Für Kinder von 5 bis 10 Jahren liest Elfriede Hasenkamp im Jugendlesezimmer der Städtischen Volksbücherei, Alter Bahnhof, am Mittwoch, 20. April, 15 Uhr, ausgewählte Ostermärchen. Eintritt frei. Karten in der Jugendausleihe. :) Karlsruher Marktbericht Kleinverkaufspreise am 13. April 1949 in Pfennigen je 500 g: Speis^kärtoffeln 7 bis 8 (5 kg 70—75), Blumenkohl 50—120 (Stück 50—250), Rotkraut 65—75, Weißkraut 10—20, Spinat 15—25, Karotten 8 bis 10, Gelberüben 8—-10, rote Rüben 10, Schwarzwurzeln 80—120, Rhabarber 40—50, Lauch 20—30, Kopfsalat Stück 40—80, Kressensalat 80—100, Feldsalat 120—140, Lattichsalat 160—200, Sellerie 40—80, Meer? rettich Stüde 50—150, Radieschen Bund 30—35, Rettiche (Treibhaus) Stück 40, Sa- latgurk?n (Treibhaus) Stück 280, Zwiebeln 20—25, Sauerkraut 25, Tafeläpfel inl. 60 Flüsse und Ströme lernten „gutes Benehmen" Im Fliibbaulaboratorium der TH. — Das Lebenswerk des 85jährigen Professors Dr. Rehbock Der Begründer des in allen Ländern der Welt bekannten Flußbaulaboratoriums der Technischen Hochschule in Karlsruhe, Geh. Oberbaurat Prof. Dr. Ing. Theodor Rehbock, beging in dieser Woche in seinem Baden-Badener Heim seinen 85. Geburtstag. Der Name des von deutschen und ausländischen Universitäten mehrfach mit dem Ehrendoktorgrad und Ehrenmitgliedschaften ausgezeichneten Gelehrten ist besonders eng verknüpft mit dem Ausbau des Oberrheins zur Schiffahrts Straße, ferner mit der Lösung von bedeutenden wasserbautechnischen Pro blemen in über 40 Ländern. Bevor Prof. Rehbock im Jahre 1899 auf den Lehpstuhl für Wasserbau an der badischen TH. berufen wurde, war er in ejer wissenschaftlichen Welt bereits durch seine Mitarbeit am Bau des Reichstagsgebäudes, durch seinen Entwurf für die Bremer Wasserbrücke und durch seine Forschungsreisen in Argentinien und Südafrika bekannt geworden. Fast gleichzeitig mit dem Ruf nach Karlsruhe ging ihm eine Einladung der chinesischen Regierung zu Regulierungsarbeiten an den Hoangho, eines wegen seines reißenden Hochwassers besonders gefürchteten asiatischen Riesenstromes, zu. Rehboek entschied sich jedoch für das aussichtsreiche ■ wissenschaftliche Tätigkeitsfeld auf dem Lehrstuhl und im Laboratorium, das ihm an der Technischen Hochschule geboten wurde. Ueber 80 abgeschlossene Arbeiten und zahlreiche Berichte sind heute das Zeugnis seines 35jährigen Wirkens an der Karlsruher TH, der er dreimal als Rektor Vorstand. Das von ihm eingerichtete Flußbaulaboratorium — es ist das einzige in Westdeutschland — zählt auch heute noch in der Welt zu den bedeutungsvollsten. Zahlreiche ausländische Wissenschaftler haben es zum Vorbild genommen und ähnliche Institute in ihren Heimatländern, besonders in Amerika, erbaut. Das Lebenswerk von Prof. Dr. Rehbock wird fortgesetzt von Prof. Dr. Böß, der bei einem Besuch des Instituts über die derzeitige Lage des noch unter den Einwirkungen des Krieges leidenden Laboratoriums und über die künftigen Aufgaben Auskunft gab. An den Wänden Seines Arbeitszimmers hängen Fotografien von Deichen, Schleusen, Wasserkraftwerken und Flußregulierungen. Auf einer großen Landkarte sind mit dik- ken blauen Strichen die Flüsse Europas eingezeichnet. Fast alle großen Flußbauten in Deutschland und ein großer Teil der Wasserbauprojekte der Welt wurde im Laufe der letzten Jahrzehnte in diesem Zimmer und vor allem in dem ein Stockwerk tiefer gelegenen Laboratorium untersucht, besonders wenn es sich um bedeutende Erneuerungen handelte. Es liegt der Vergleich nahe, daß hier den Strömen „gutes Benehmen“ beigebracht wird. Auch dem Rhein gewöhnte man zahlreiche Unarten ab. Er lernte, nach dem Willen der Menschen auf seinem silberglänzenden Rücken Frachten zu tragen oder mit seiner Strömung in den Turbinen der Kraftwerke Millionen Kilowattstunden zu erzeugen. Unter der Leitung von Prof. Rehbock wurden ferner Maas, Aare und Isere reguliert, die Wehre für den Liri, den Quadalqui- vir, den Peskare und die Struma entworfen und die Strömungsverhältnisse japanischer, indischer, argentinischer, kanadischer und amerikanischer Flüsse untersucht. Hafenbauten in Afrika, Chile und Brasilien gewannen in Karlsruhe ihre Gestalt. Auf die Frage, welche Aufgaben das Institut für die nächste Zeit gestellt bekommen hat, fuhr der Bleistift Prof. Böß‘ zunächst auf der Landkarte rheinabwärts bis zur Strecke Rees-Reichsgrenze: „Hier, an dieser Stelle, sollen große Deicharbeiten vorgenommen werden, um da* Gebiet vor Hochwasser zu schützen. Die wiederholten Deichbrüche bei Orsoy werden ebenfalls von uns untersucht. Bei Düsseldorf sind Wasserbauten geplant, die sich wahrscheinlich auf Jahrzehnte erstrecken werden. Ein ernstes Wörtchen hat man demnächst mit der Lorelei zu sprechen. Die winterlichen Eisbildungen zu ihren Füßen verursachen in jedem Jahr schwere Störungen für die Rheinschiffahrt. Ferner werden laufend Untersuchungen angestellt für den Bau der Großschiffahrts- straße Rhein—Main—Donau, für di® Schiffbarmachung des Neckars von Mannheim bis Plochingen und für die damit verknüpfte Verbindung Rhein—Neckar—Donau. Nicht weniger aktuell wird für die Zukunft da* Thema der Regulierung des Oberrheines von Basel bis zum Bodensee sein“. w. Sch. 3000 Kinder beim Sommertagszug Die „Klepperlesgarde“, Esel und Ziegenböcke wirken mit Nur noch drei Wochen sind es, bis — zum erstenmal wieder in dem bekannten repräsentativen Rahmen — der Sommertagszug stattfinden wird. Vom Verkehrsverein erfahren wir über die Durchführung dieses traditionellen Karlsruher Festes weitere Einzelheiten. Das Hauptkontingent der Teilnehmer des diesjährigen Sommertagszugs am 8. Mai stellen die jüngeren Schulkinder der Karlsruher Volksschulen. die — etwa 2- bis 3000 an der Zahl mit dem Symbol dieses Fe- Fünf neue Ehrendoktoren der „Fridericiana" Glückwünsche für den 85jährigen Gründer des Flußbaulaboratoriums Im Rahmen einer eindrucksvollen Feier überreichte der Dekan der Fakultät für Bauwesen der Technischen Hochschule Karlsruhe, Prof. Dr. Schlötzer fünf führenden deutschen Technikern, die seif ihren Studienjahren der Fridericiana eng verbunden sind, die Urkunden ihrer Ernennungen zu Ehrendoktoren, Die neuen Ehrendoktoren sind: bis 100, ausl. 66 -75, Kochäpfel 50—60, Orangen 70, Eier Stüde 39—47. na. • Feiertagsdienst der Aerzte und Apotheken Ostersonntag, Aerzte: Dr. Axtmann, Kaiserstr. 101, Tel. 2282; Dr. Paetzold- Gahlemann, Vincentiusstr. 1, Tel. 3267 Dr. Hutter, Bunsenstraße 16. Tel. 4104 Dr. L. Geiger, Kaiser-Allee 139, Tel. 3530 Durlach: Dr. Helwing,- Hengstplatz 7, Tel. 91261: Rüppurr:' Dr. Kappes, Main- straße 23, Tel. 426. Apotheken (auch Karsamstag Nachtdienst): Löwen-Apotheke, Kaiserstr. 99, Tel. 1460: Karl-Apotheke, Karlstr. 18b, Tel. 6717: Adler-Apotheke, Augärtenstr. 37, Tel. 8251: Sonnen-Apotheke, Gebhard- str. 35, Tel. 1758; Stern-Apotheke, Hardtstraße 38, Tel. 2039. Ostermontag, Aerzte: Dr. Diedcmann, Gerwigstr. 3, Tel. 5753: Dr. Schoen, Aug.- Diirr-Str. 9, Tel. 1408; Dr. Wälde, Bunsen- str. 3, Tel. Ö478: Med.-Rat Dr. Schretz- mann, Schumannstr. 3, Tel. 2780; Durlach: Dr. Hoffmann, Beigbahnsti. 6, Tel. 91485: Rüppurr: Dr. Zufall, Lebrechtstraße 41, Telefon 2782. Apotheken (auch Nachtdienst b. einschl. Freitag): Kronen-Apotheke, Zähringer- str. 43, Tel. 1099; Hof-Apotheke, Kaiserstr. 201, Tel. 491: Ludwig-Wilh.-Apotheke, Lessingstr. 4. Tel. 1705: Hilda-Apotheke, Karlstr. 66, Tel. 1779: Daxlanden: Falken- Apothäke, Kästenwörthstr. 26, Tel. 2640. 1. Dr.-Ing. e. h. Hans Burkhardt, Vorstandsmitglied der Grün & Bilfinger A.-G. in Mannheim. Dr. Burkhardt ist einer der wenigen deutschen Techniker, die nach dem Krieg an schwierigen ausländischen Ingenieurbauten, z. B. am Bau eines Unterwassertunnels in Argentinien, teilnehmen konnten. 2. Prof. Dr.-Ing. e. h. Franz Dischin- g e r, Ordinarius für Stahlbetonbau an der Technischen Universität Berlin-Charlottenburg, Erfinder der bahnbrechenden Schalenbauweise im Stahlbetonbau, die heute in aller Welt benutzt wird. 3. Hon. Prof. Dr.-Ing. e. h. Albert Dörnen, Inhaber der Stahlbauanstalt Dörnen in Dortmund-Derne, einer der hervorragendsten Stahlbauingenieure Deutschlands. 4. Dr.-Ing. e. h. Otto Henninge r, Direktor des Sdiluchseewerks A.-G., einer der bedeutendsten Wasserbauingenieure Deutschlands, dem der Ausbau der Wasserkraftanlage des Schluchseewerkes zu danken ist. 5. Dr.-Ing. e. h. Artur Mauterer, Direktor der Dortmunder Union-Brüdcenbau A.-G., der sich hervorragende Verdienste auf dem Gebiete des Stählbaus, insbesondere des Stahlwasserbaues, erworben hat. Bei der Feier beglückwünschte Prof. Dr. Schlötzer den wegen seiner Verdienste um den Wiederaufbau der Hochschule zum Ehrenbürger ernannten Reg.-Ob.-Insp. Karl Z i p p e 11 und, zur Feier seines 85. Geburtstages, den Geh. Oberbaurat Dr.-Ing. e. h. Dr. h. c. Theodor R e h b o c k. Im Namen der neuen Ehrendoktoren dankte Prof. Dr.-Ing. e. h. Dischinger für die Ehrungen und schilderte die großen Aufgaben des deutschen Ingenieurs in einer Zeit, da das deutsche Volk nun tatsächlich ein .Volk ohne Raum" geworden ist. :) stas, dem mit Bändern, einer Brezel und einem ausgeblasenen Ei geschmückten Sommertagsstecken, dem Zug das traditionelle Gepräge geben werden. Nach Schulen getrennt, werden sie von Seminaristen und Seminaristinnen zum Sammelplatz (Schloßplatz) geführt (aus den entfernteren Stadtteilen und der Umgebung fahren sie mit der Straßen- bezw. Albtalbahn kostenlos hierher) und während des Umzuges und im Stadtgarten betreut. Eine Anzahl von ihnen wird sich hier an lustigen Gruppen- und Märchendarstellungen beteiligen, wozu der Verkehrsverein die Kostüme beschafft. Und damit auch die Muttis oder Tanten dieses fröhliche Treiben verfolgen können, erhält jedes Kind für einen Angehörigen eine freie Eintrittskarte für den Stadtgarten. Die Städt. Gartenverwaltung stellt wieder die Figuren des „Winters", des „Sommers“ und die Wagengruppe der „Maienkönigin“. Weiterhin sind zahlreiche Meldungen von Musikkapellen, Spielringen, Vereinen verschiedener Art, Handwerker- und gewerblichen Vereinigungen sowie sonstigen, am Kultur-, Wirtschaftsund Verkehrsleben der Stadt interessierten Organisationen, Betrieben usw. eingegangen. Der Renn- und Reiterverein Knielingen wird den Zug eröffnen, und besondere Freude werden, neben der „Klepperlesgarde“, sicherlich wieder die Kinder mit ihren Spielzeugen — wie Puppenwagen, Straßenrollern, geschmückten Fahrrädern u. ä. — aus- lösen. Mit Pferden, Eseln, Ziegenböcken und Hunden bespannte Fahrzeuge sind zugelassen, motorisierte Fahrzeuge dagegen nicht. Der Zug Ist gegen Unfälle und Haftpflicht versichert. Weitere Anmeldungen von Gruppen und Einzeldarstellem werden vom Verkehrs verein, Bahnhof - platz 4—6, bis spätestens Osterdienstag angenommen. Dann wird die Zugeinteilung und -Ordnung vorgenommen und allen Teilnehmern mit einem Merkblatt zugestellt. Weiteres wird noch bekanntgegeben. H Gustav Dehnt ist schuldig! Das Urteil im Jöhlinger Mordprozeß, der eineinhalb Wochen läng düng des Urteils durch das Gericht braucht hier kein Wort hinzugefügt Die JDAD, Ortsgruppe Süd, veranstaltet am 2. Osterfeiertag im „Zieglersaal", laumeistersträße, um 19 Uhr, einen Tanzabend, ausgeführt von der Böhmerwald- kapälle. VVN, Kreisleitung Karlsruhe. Die April- Vtpnätsverfcdmmlung der Bezirksgruppe West findet am 21. 4., um 20 Uhr, im .Felsenedc" statt. Im Badischen Kunstverein findet heute, Samstag, um 15 Uhr, einfe Führung von Kunstmaler H. Streit durch die Ausstellung „Junge Gruppe Baden" statt. :) Die SAZ gratuliert. Die Eheleute Adolf B e n k, Beiertheimer Allee 22, feierten am 10. April, die Eheleute Karl B o e t h k e, Karlsruhe-Aue, Kärntnerstraße 50, am 14. April, die Eheleute Wilhelm K ü f f n e r, Karlsruhe - Aue, Tirolerstraße 7, Rudolf Barth 1 ott, Karlsruhe-Durlach, Weiher- slraße 8, sowie die Eheleute Leonhard N ä s 11 e, Karlsruhe-Durlach, Basler-Tor- Straße 79, am 15. April 1949 das Fest der Goldenen Hochzeit. Der Oberbürgermeister ließ den Jubelpaaren die herzlichsten Glückwünsche nebst Elr Angaben der Stadtverwaltung üb?rm : tteln. die Oeffentlichkeit in Atem gehalten, ist gesprochen. Nicht alle haben dieses Urteil erwartet. Aber es gibt kaum einen, der Dehrn nicht für den Täter - dieses entsetzlichen Verbrechens gehalten hätte. Die Urteilsbegründung zerstreute auch die letzten Zweifel daran, die Beweiskette gegen Dehrn könne noch Lücken aufweisen. Nach allem menschlichem Ermessen ist hier ein gerechtes, juristisch einwandfreies Urteil gesprochen worden. Und jeder, der diesem Prozeß von Anfang bis Ende beiwohnte, wird bezeugen können, daß auch die juristisch nicht zu erfassenden psychologischen Beobachtungen, die anzustellen acht Verhandlungstage reichlich Gelegenheit boten, eindeutig auf die Schuld des Angeklagten hinwiesen. Der von einer konsequenten Logik getragenen ausführlichen Begrün- zu werden. Die Karlsruher Strafkammer ist angesichts der geradezu beispielhaft objektiven Verhandlungsführung durch ihren Vorsitzenden, Landgerichtsrat Dr. Ernst, über jeden Verdacht erhaben, sie sei voreingenommen in die:en Prozeß hineingegangen. Unsere vor einer Woche ausgesprochene Ueberzeu- gung, dieses Gericht werde ein gerechtes Urteil sprechen, ist unerschüttert geblieben. Dieses Urteil ist gerecht! Unbefriedigend bleibt, daß Dehrn die Tat bis zuletzt hartnäckig geleugnet hat. Der Mörder Dehrn mag das vor seinem Gewissen und vcfr dem Gericht im Jenseits verantworten. Das irdische Gericht bedarf seines Geständnisses nicht mehr. Carolu*. Seite 8 / Nummer 75 S AZ Samstag, 16. April 194* Prozesse der Woche — kurz belichtet Silvesterscherben brachten kein Glücl Otto M., Kurt M. und Willi P., ein nicht mehr unbeschriebenes Trio, feierten Jahresende, indem sie in übermütiger Silvesterstimmung das Schaufenster eines Optikers in der Kriegsstraße einschlugen und einige Fotos und Objektive im Wert von 2700 DM mitgehen ließen. Mit dem Erlös kreuzten sie in der nächsten Wirtschaft auf, um weiter zu zechen. Der Kater, der diesem üblen Silvesterscherz folgt, dauert für Willi P. eineinhalb Jahre, für Kurt M. 16 Monate und Otto M. 9 Monate. Der frühere Bürgermeister G. von Linkenheim war bei der Verteilung von Bezugscheinen unkorrekt verfahren, hatte aus einer schwarzen Kasse 300 DM statt für die Fliegergeschädigten für sich verwendet und über 300 Ztr. Zemant zu Ueberpreisen verkauft. Das Urteil lautete wegen Amtsunterschla- guite. Wirtschaftsvergehen und Preis- übertchreitung auf vier Monate und 500 DM. Gustav M. verlängerte seine Zuzugsgenehmigung um einen Monat. Durch diese Urkundenfälschung erzielte er einen Gefängnisaufenthalt von zwei Monaten. Die Dirne Sofie J. ging trotz Verbots des Gesundheitsamts wegen Ansteckungsgefahr emsig ihrem freien Gewerbe nach. Nun muß sie für vier Monate ihren Kundendienst unterbrechen. Eberhard M. klaute in Krankenhäusern Seife und Heizkissen und auf Hamsterfahrt die Uhr eines Bauern. Für diese Diebereien sühnt er mit einem Semester bei Vater Philipp. Stark „illuminiert“ klaute die durstige Seele Josef B. in einer Wirtschaft ein Kästchen von der Theke, das zu seiner Enttäuschung nur Lebensmittelkarten enthielt. Dafür bekam er einen Der Sport an den ViB Mtthlburg — Borussia Dortmund Dem VfB Mühlburg ist es gelungen, den Westdeutschen Meister BV Borussia Dortmund auf Oster-Montag, den 18. 4. 1949, 15.00 Uhr, zu verpflichten. Dortmund wird in folgender Aufstellung spielen: Kronsbein — Rumhofer, Halfen — Michallek, Koschmieder, Sdianko — Erdmann I, Preißler, Lenz, Kasperski, Ibelj Ersatz: Sandmann. Die Mannschaft hat seit dem 20. Juni 1948 bis heute nur 2 Spiele verloren und stellt beste westdeutsche Spitzenklasse dar. Die Spieler Kronsbein, Rumhofer, Michallek, Koschmieder, Sdianko, Erdmann I, Preißler und Lenz haben schon mehrfach repräsentativ gespielt. Das Glanzstück der Mannschaft bildet die gesamte Läuferreihe. Die rechte Sturmseite mit Erdmann I und Preißler ist der erfolgreichste Flügel des Westens. Da der VfB Mühlburg erstmals wieder komplett antreten kann, ist mit einem schönen Spiel zu rechnen, das wohl alle Wünsche erfüllen wird. Freundschaftsspiele Aus der Vielzahl der an den Osterfeiertagen stattfindenden Freundschaftsspiele ragen folgende Begegnungen heraus: Karsamstag: VfB Stuttgart — 1. FC Kaiserslautern, Sch/W Barmen — VfR Mannheim, Ulm 46 — Hamborn 07, 1860 München — Borussia Dortmund, BC Augsburg — Holstein Kiel, 1. FC Köln — Kickers Offenbach; Ostersonntag: KSV Hessen Kassel — 1. FC Nürnberg, SpVgg Fürth — Eintracht Frankfurt, Alemannia Aachen — 'Kidcers Stuttgart, Arminia Hannover — SV Waldhof, Horst/ Einscher—St.Pauli; Ostermontag: VfB Mühlburg — Borussia Dortmund, SV Duisburg — SV Waldhof, 1860 München — Hamborn 07, Hamburger SV — St. Pauli, Fortuna Düsseldorf — Kidcers Offenbach. Weitere Freundschaftsspiele 17. 4.: Schopfheim — Phönix Karlsruhe, Schramberg — Germ. Brötzingen, VfR Kaiserslautern — 1. FC Pforzheim, Herx- — Alfred enttäuschte drei Bräute sechsmonatigen alkoholfreien Aufenthalt verordnet. Als Werner K. aus der Kriegsgefangenschaft heimgekehrt war, forschte er nach seinen Möbeln und fand sie in der Wohnung eines politisch Verfolgten. Die Erfassungsstelle riet ihm gütliche Einigung an. Er begab sich in dessen Wohnung. Die Wogen der Debatte gingen hoch, K. brachte einen Kinnhaken und einen linken Schwinger an und der Wohnungsinhaber ging mit einem blauen Auge zur Polizei. K. muß 80 DM bezahlen. Mit drei Frauen bändelte Alfred M., Heiratsabsichten vorspiegelnd, an und erleichterte die eine um einen goldenen Ring und die andere um ihren Radio; bei der zweiten war nicht genau festzustellen, wer ihr die Uhr gestohlen hat. Alfred wird drei Monate an drei verflossene Bräute denken ... Otto B. in Rußheim geriet in Wallung, weil mit ihm zugewiesenen Flüchtlingen in seinem Lokal Wanzen aufgetreten waren. Darob gab es mit dem Bürgermeister eine Debatte, in der er ihn unfein als „Zigeuner“ bezeichnete. Für diese Beleidigung muß er 20 DM berappen. Der Dachdeckerlehrling Edgar besuchte während der Mittagspause über die Dachluke so rund zwölfmal ein Zigarrengeschäft beim Kolpingplatz, wo er sich mit über 2000 Zigaretten, 650 DM und 8 Füllhaltern eindeckte. Mit den geklauten Moneten tat er sich vor einem Fräulein Müller dicke, beschenkte sie mit einem Kleid und Strümpfen und kam erst später dahinter, daß die Angebetete — die Frau seines Freundes Artur war. Als Edgar beim zwölften Male den geschlossenen Laden betrat, standen schon zwei Herren von der Kripo empfangsbereit. Hoffentlich läßt sich der Jüngling die acht Monate, die ihm das Gericht verpaßte, zur Warnung dienen. ht. Osterfeiertagen heim — Daxlanden, Gernsbach — Hagsfeld, Eggenstein — Hochstetten, Kappelrodeck — Frankonia, Rülzheim — KFV. 18. 4.: FV Lörrach — Phönix Karlsruhe. Ottenau — ASV Durlach, Lahr — Germ. Brötzingen, Bühl — Frankonia K’he., Landau — KFV. Endspiele um die Kreismeisterschaft der A-, B- und C-Jugend am 17. April auf dem KFV-Platz 13.30 k Uhr: Mühlburg CII — Phönix CII; 14.30 Uhr: Phönix CI — Rüppurr CI; 15.30 Uhr: B-Jugend Südstern — Neureut; 17.00 Uhr: A-Jugend Daxlanden — A-Jugend Blankenloch. Boxen in der Sporthalle Jost Am Oster-Samstag, 20.30 Uhr, tritt eine kombinierte Karlsruher Boxerstaffel gegen den Boxclub Speyer an. Neben dem deutschen Meister Träublinger stehen die beiden bekannten Berufsboxer Freitag und Müller in der Pfälzer Staffel. Boxring Knielingen ist am Oster-Montag, 10.30 Uhr, der Gegner einer kombinierten Mannschaft Germania/Durlach. Baumann wurde disqualifiziert Bei den Berufsringkämpfen am Donnerstag siegte Pinetzki gegen Unger, Tra- vaglini gegen Baumann und im Freistilringkampf Martinez gegen Kusch. Vinca und Nagy trennten sich unentschieden. Heute ringen: Westphal (Hamburg) — Skplnowski, Pinetzki — Nagy, Gida — Travaglini und im Freistil-Herausforderungskampf Kreisch — Martinez. Die aussichtsreichsten Anwärter aut den zweiten Tabellenplatz, Bayern München und VfR Mannheim, müssen noch gegen folgende Vereine spielen: Bayern München zuhause gegen VfB Stuttgart und BC Augsburg sowie bei den Offenbacher Kickers, VfR Mannheim und Ulm 46. Der VfR Mannheim empfängt außer den Münchner Bayern noch den VfB Mühlburg und muß noch beim FSV Frankfurt und BC Augsburg spielen. Romantisches Zur Neuinszenierung von Wagners , Als am 28. August 1850 zu Ehren von Goethes Geburtstag in Weimar die Oper .,Lohengrin" unter Franz Liszts Leitung erstmalig in Szene ging, wurde die Geschichte des Großherzoglichen Hoftheaters um eine ruhmreiche Tat bereichert. Ob die Aufführung im Sinne Goethes war, mag dahingestellt bleiben, denn es ist kaum anzunehmen, daß Goethe, würde er Wagner gekannt haben, jemals zu seiner Musik Kontakt gefunden hätte, genau so wenig wie zu Beethoven oder Schubert. Immerhin wäre es historisch gesehen nicht beziehungslos, auch in diesem Jahr, da wir den 200. Geburtstag des Dichters feiern, den „Lohengrin” mit in die Festspielwochen aufzunehmen. Innerhalb der Karlsruher Programmgestaltung dürfte das technisch insofern keine Schwierigkeiten bereiten, als die Wagner-Oper morgen in Neuinszenierung im Badischen Staatstheater herauskommen wird. Die nachstehende Betrachtung verfolgt, nicht den Zweck, sich mit der musikdramatischen Arbeit Wagners auseinanderzusetzen, sondern lediglich das Ziel, dem Laien einige Anhaltspunkte zu vermitteln, die vielleicht dem einen oder anderen zum besseren Verständnis des Werkes förderlich sein können. Während der „Tannhäuser" 1845 in Dresden aufgeführt wurde, arbeitete Wagner bereits am Textbuch des ,.Lohengrin”. Gastspiel Olga Tschechowa Olga Tschechowa gastierte wieder einmal mit Herczegs Komödie «Der Blaufuchs“ im Badischen Staatstheater. Viel Publikum konnte nicht enttäusdit sein, denn es war nicht viel gekommen. Dieser «Blaufuchs“ ist zwar ein fachmännisch und sauber gearbeitetes, in seinen guten Tagen einmal sehr repräsentativ gewesenes Kleidungsstück, aber im Lauf der Jahre hat sich doch ein leichter Geruch nach Mottenpulver in ihm festgesetzt, über den auch das Parfüm des Namens Tschechowa nicht dominieren kann. Daß darüber auch die Tschechowa selbst, die den Pelz im Zeitraum eines Jahrzehnts immerhin unzählige Male getragen hat, keine rechte Freude mehr an ihm zu haben scheint, ist verständlich. Daß sie ihn indessen trotzdem nicht endlich ablegt, könnte man ihr verübeln, zumal sie ihn — ungeachtet des Charmes, der Grandezza und der reifen Selbstsicherheit, mit der sie sich in ihm zu bewegen versteht — allmählich in den Nähten zu sprengen droht. Ueber die restlichen Darsteller, die — wohl ausschließlich Ada Tschechowas — dem Kammerschauspiel Bad Kreuznach angehören, bedarf es — einschließlich Ada Tschechowas — nicht vieler Worte: Was das Stüde an humorvollen und witzigen Pointen enthält, was Olga Tschechowa aufs Trockene zog, das ließen sie mit seltener Konsequenz ins Wasser fallen. Einzig Siegfried Siegert vermochte aus der Rolle des Baron Trill einiges herauszuholen. So wurde das Ganze zu einem der langweiligstem Theaterabende der letzten Monate, an dem die Garderoben fast das Beste waren. H. Haag Die Neue Bühne Zürich gastiert in Karlsruhe Die Intendanz des Badischen Staatstheaters hat die „Neue Bühne" Zürich zu einem Gastspiel in Karlsruhe eingeladen, um die mit der Karlsruher „Fidelio"-Auf- führung in Basel wiederaufgenommenen kulturellen Beziehungen zwischen den beiden Nachbarländern zu vertiefen. ^Die „Neue Bühne" Zürich wird nun am 30. April mit der Komödie „Frau Warrens Gewerbe“ von G. B. Shaw im Großen Haus des Badischen Staatstheaters gastieren. Die Hauptrollen sind u. a. mit Maria Fein und Fritz Delius, die früher den Reinhardt-Bühnen in Wien und Berlin angehörten, Maria Becker (Burgtheater Wien) und Friedrich Domin (Münchener Kammerspiele) besetzt. Von besonderem Reiz ist dabei, daß Mutter und Tochter der Komödie von Maria Fein und ihrer Tochter Maria Becker dargestellt werden. Die Schweizer Presse berichtet von den dortigen Aufführungen als einem schauspielerischen Ereignis ungewöhnlicher Art. )( Musikdrama „Lohengrin“ im Bad. Staatstheater Zusammen mit dem „Fliegenden Holländer" gehören beide Werke zu der mittleren Schaffensperiode Wagners, die unter dem Zeichen einer freien und unbeschwerten Kompositionstätigkeit stand. In dieser Periode erreichten die Anfänge der romantischen Oper (Weber, Marsdiner) ebenso ihren höchsten Gipfelpunkt, wie Wagners Ideen vom dramatischen Theater (Einheit von Dichtung, Musik und Szene) erstmalig zum Durchbruch gelangten; freilich nicht mit der letzten Konsequenz wie im „Tristan" oder dem „Lohengrin", aber doch in einer solch unverkennbaren Schärfe, daß es bei der Weimarer Uraufführung zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Künstlern, Publikum und Kritik, und hier wieder jeweils untereinander, kam. Solche Meinungsverschiedenheiten gehören heute der Vergangenheit an. Im Vordergrund der Diskussionen steht jetzt nicht mehr das Was, sondern das Wie der Aufführung; Inszenierung, instrumentale und vokale Wiedergabe, Bühnenbilder. Die Leitmotive, jene Motive also, die Personen, Stimmungen oder Vorgänge charakterisieren sollen, geben, wie bei allen Opern Wagners, auch dem aus mittelalterlichen Epenquellen geformten Textbuch des „Lohengrin" ihren musikalischen Werkstil. Jede Person (König Heinrich, Lohengrin, Elsa, Ortrud etc.) besitzt ihre in bestimmten Tonartbereichen festgelegten Themen, die in der Musik, teils verborgen, teils offen, wiederkehren („Nie sollst Du mich befragen”). Im Gegensatz zu den Spätwerken, vor allem dem „Ring", verfügt der • „Lohengrin" über musikalisch selbständig gehaltene Teile (Ouvertüre, Vorspiel zum dritten Akt, Brautzug, Gralserzählung etc.), die ohne Verbindung mit dem szenischen Vorgang als in sich abgeschlossene Kunstwerke auch im Konzertsaal bestehen können. (Besonders häufig in England). Die am Ostersonntag herauskommende Neuinszenierung wurde von Georg Philipp (Aachen) durchgeführt, der darin die Verbindung der Wagnerschen Au*- drudesform mit unserem zeitgemäßen Empfinden über legendäre Stoffe anstrebt. Freundlicherweise hat sich Adolf S ch ö p f - 1 i n bereit erklärt, für den erkrankten Siegmund Mezey die Partie des König Heinrich zu übernehmen. Rö. Der zukünftige Schauspieldirektor des Staatstheaters: Professor Albert Fischei Prof. Albert Fischei, Schauspieldirektor der Stadt. Bühnen Leipzig, wurde von Staatsintendant Wolff in gleicher Eigenschaft an das Bad. Staatstheater verpflichtet. Er nimmt seine Tätigkeit mit Beginn der kommenden Spielzeit auf. Prof. Fischei ist eine der markantesten Persönlichkeit des deutschen Theaters. Er hat über 20 Jahre dem Bayerischen Staatstheater München als Schauspieler und Regisseur angehört, wo er durch seine Inszenierungen, vor allem klassischer Werke, als geistvoller modernqp Regisseur bekannt wurde. Darüber hinaus trat er auch als Gofdoni-Uebersetzer hervor und hat mehrere vergessene Werke des italienischen Dramatikers dem Theater neu geschenkt. Zum künstlerischen Leiter des Stadt. Theaters Dresden berufen, vermochte er diese Bühne in kurzer Zeit neu zu organisieren und ihr durch eine Reihe vielbesprochener Inszenierungen bedeutendes Niveau zu geben. Nach dem Kriege war Prof. Fischei maßgebend am Aufbau des Sächsischen Staatstheaters Dresden beteiligt und wurde dann als Schauspieldirektor der Städt. Bühnen und Leiter der Schauspielabteilung an der Staat!. Musikhochschule nach Leipzig berufen. Auch dort bewährte sich sein Ruf. U. a. brachte Leipzig als einziges Theater der Ostzone O'Neills „Trauer muß Elektra tragen" in Fischeis Bearbeitung und Inszenierung heraus. (Das Werk wurde dort nach fünf Aufführungen verboten). In Albert Fischei hat Intendant Wolff einen Mitarbeiter gewonnen, der in Fachkreisen höchstes Ansehen genießt und als einer der interessantesten und bedeutendsten deutschen Regisseure gilt. Wir glauben zuversichtlich, daß das bisherige „Sorgenkind“ unseres Staatstheaters, das Schauspiel, unter seiner Leitung eine entscheidende Aufwärtsentwicklung nehmen wird. )( Aus dem Rundfunkprogramm Sonntag, 17. April Stuttgart: 8.30 Osterandacht f. d. polnische Gemeinde in Deutschland; 8.45 Aus d. Welt d. Glaubens"; 9.00 „Osterkantate* v. H. Kammeier, 9.30 „Ihr glücklichen Augen“, Erkenntnis und Ahnung in Goethes Werk; 11.30 Streichquintett D-dur, K. V. 593, v. Mozart» 13.30 „Osterglok- ken klingen froh durchs Land“, heimatl. Hörfolge v. Dr. E. K. Fischer; 14.15 Kinderfunk; 15.00 Chorgesang; 17.00 „Die dre J gerechten Kammacher“, Funkhumoreske v. R. Thieß nach d. gleidmam. Novelle v. G. Keller; 18.15 Polonaise Nr. 2, Klavier-Konz. Es-dur u. „Lei Preludes“ v. Liszt; 20.00 Oper: „Hoffmanns Erzählungen“ v. Offenbach; 22.45 Tanzmusik. — Studio Karlsruhe: 11.00 Kath. Gottesdienst. — Südwestfunk: 17.00 Symph.-Konz.: „Tasso“, Lamento e trionfo v. Liszt, Konz. t. Violine u. Orchester in a-raoll, op. 53, v. Dvorak, V. Symph. v..Beethoven, dazw. „Aus Literatur u. Wissenschaft*'v. F. Schulze-Maizier. — Frankfurt: 20.45 „Urfaust“, ein Fragment v. Goethe. — München: 16.30 IX. Symph. v. Beethoven; 20.20 Oper: „Rigoletto“ von Veidi. Montag, 18. April Stuttgart: 8.30 Aus d. Welt d. Glaubens; 9.00 Heitere Kammermusik: Quartett D-dur v. Dittersdorf, Oboen-Quartett F-dur von Mozart; 9.30 Aus d. Schatzkästlein deutscher Musik u. Dichtung; 10.20 Volkstüml. Weisen; U.00 Ev. Morgenfeier? 11.30 Klav.-Konz. f-moll v. Chopin; 13.30 Die 7 Schwaben“, frohes Hörbild z. Ostern, neu bearbeitet v. O. Lautenschlager u. W. Puter; 14.15 Kinderfunk; 15.00 „Ei, Ei, Eil“, bunte Osterplatte; 16.00 Kundgebung d. Rates d.„ Ev. Kirche in Deutschland an d. ev. Christenheit, Sprecher: Bischöfe Dibelius u. Lilja u. Kirchenpräsident D. Niemöller; 17.30 IV. Symph. v. Schumann, Konz. f. Cello u. Orch. v. Dvorak, Ouvert. z. „Tannhäuser“ v. Wagner; 20.05 „Wiener Operettenfrühling“; 22.00 Tanzmusik. — Studio Karlsruhe: 8.00 Orgelkonz.: Passacaglia B-dur v. Frescobaldi, Präludium u. Fuge fis-moll v. Buxtehude, Prä- lud. u. Tripelfuge v. Bach (W. Rumpf » n d. Orgel d, Karlsruher Christuskirdie). — Südwestfunk: 20.00 Oper: „Rigoletto* v. Verdi. — Frankfurt: 21.00 „Orpheus in d. Unterwelt* v. Offenbach. Neue Filme zu Ostern Die .Kurbai* zeigt: „Kinder des Olymp“ Paris 1850, zur Zeit des Bürgerkönigs Louis Philippe. Das in den letzten Atemzügen liegende alte Komödiantentheater blüht noch einmal auf, wie das letzte Aufflackern erlöschender Flammen. Es lebt aus der lärmenden Begeisterung seines Publikums, das im Spiel seiner grimassenschneidenden Harlekine, Possenreißer und Akteure das rechte Narkotikum zum Ueberhö- ren der politischen Untertöne einer morbiden Epoche findet. Frederic, der doppelzüngige Schauspieler von versteckter Hintergründigkeit, dreist, geistreich, unerschrocken als Weiberheld wie als Mann, und Baptiste, der einsame und traumversunkene Mime, in dem es klingt und erzählt wie in einem Märchen, waren damals die sagenhaften Lieblinge, die gleich Nestroy und Raimund das komödiantische Flimmer- und Flittertheater zum Tribunal ihrer Tollheiten machten. Das war die Zeit, in der das Leben des aussterbenden Bürgertums und seiner übergeordneten Aristokratie im bunten Jahrmarktslärm unterging. Inmitten dieses Vulkans auf der Hölle blendet die Kamera des französischen Films ein, um aus der Revue der Straßenmädchen und Schauspieler, Tänzer und Bettler, Hausierer und Direktoren, Verbrecher und Barone ein Schicksal von erschütternder Tragik zu formen. Die bis in die letzten Tiefen der seelischen Winkel vorstoßende Tragödie erhält durch Ar- letty als die im Leben der beiden Künstler stehende Frau eine eindrucksstarke Gestaltung. Die angenehme Seite der französischen Frau, der Pariserin, charmant einfach und doch geheimnisvoll, groß in der Liebe, größer noch in der Entsagung, spiegelt sich in der Vornehmheit ihre: Haltung und dem stillen Glanz ihrer Augen in faszinierender Eindringlichkeit wieder. Einem Werk von der Intensität solcher Spannungen: Spannungen, die aus dem filmischen Geschehen von Liebe und Leid, Freundschaft und Haß, gleichsam organisch hervorgeöen, begegnet man nur selten. Die „Kinder des Olymp" sind ein Meisterstück der französischen Filmproduktion, das im schauspielerischen Können wie in der technischen Gestaltung und der Regie allen Anforderungen eines Kunstwerks entspricht. Um aber alles zu sehen, zu hören und zu spüren, bedarf es eines starken Einfühlungsvermögens für künstlerische und geschichtliche Zusammenhänge, mehr aber noch eines subtilen Empfindens für hauchzarte Feinheiten, die leicht verloren gehen können, wenn man nicht das hat, worüber Goethe sagt: „Wenn Du‘s nicht fühlst, Du wirst es nie erahnen!" Rö. Gloria-Palast: „Ehe im Schatten" Dieser DEFA-Film ist der künstlerische Niederschlag eines furchtbaren Alptraums, der in der Geschichte der Menschheit allerdings schon mehr als einmal abscheuliche Wirklichkeit geworden ist. Ob man nun — um nur einige Beispiele anzuführen — di? Proskriptionen Sullas, die Christenverfolgungen der römischen Kaiserzeit, die Blutherrschaft Robespierres oder die Auswirkungen des nationalsozialistischen Rassenwahns nimmt: immer war es ein Regime, dessen Macht sich auf Terror und brutale Gewalt stützte, das den Pöbel fanatisierte, um die aufgeputschte menschliche Bestialität ln ihrer entsetzlichsten Form zur Erreichung seiner Ziele einzusetzen. Der Film schildert die Tragödie des unvergeßlichen deutschen Schauspielers Joa- 'him Gottschnlk, der, mit einer jüdischen ßerufskollegin verheiratet, im Jahre 1941 mit seiner Familie in den Tod ging, weil ihm seine Ideale — Menschlichkeit, Ehre, Charakter — mehr galten als sein Leben, und weil er zu spät erkannte, wie weit sie von einem verbrecherischen System mißachtet werden können. „Ehe im Schatten“ ist kein Unterhaltungsfilm, es ist ein Zeitdokument von schlechthin nicht mehr zu überbietender Eindringlichkeit. Ein Dokument, das einem, allein vom Menschlichen her betrachtet, Tränen der Erschütterung und der Scham in die Augen treibt und darüber hinaus in seiner künstlerischen Gestaltung zu einem aufwühlenden Erlebnis wird. Kurt Maetzig, der auch Regie führte, schrieb nach einer Novelle von Hans Schweikart das Drehbuch. Es ist von einer Realistik, die in keiner Phase vom Effekt diktiert wird, sondern dem Menschen, seiner Zeit und seiner Umwelt abgelauscht ist. Sie wird auch nicht dadurch beeinträchtigt, daß die Ereignisse und die Gespräche der Menschen dieses Films aus dramaturgischen Gründen stark, mitunter etwas zu stark komprimiert wurden. Da wird in keiner Linie schwarz-weiß gezeichnet, da wird nichts beschönigt, aber auch nichts übertrieben (das Grauenvolle jener Zeit kann kaum übertrieben werden), der ganze Film ist mit Takt und feinem Einfühlungsvermögen gemacht. Paul Klinger und die herbe Ilse Steppat geben dem Schauspielerehepaar, in seinem Leid mehr noch als im Glück, ein einprägsames Profil. Von den übrigen Darstellern seien Willi Prager, Alfred Balthoff und der hier durch seine frühere Mitgliedschaft beim Badischen Staatstheater bekannte Lothar Firmans hervorgehoben. H. H. * „Mit Büchse und Lasso durch Afrika" ist der Titel eines Streifens, der in den Kulturfilm-Matineen des „Gloria" an den Osterfeiertagen dominiert. Die schon vor 18 Jahren gemachten Aufnahmen zeigen Leben, Mentalität, Sitten und Bräuche der Eingeborenen; sie führen in das geheimnisvolle Dunkel des Urwaldes im Kongogebiet und vermitteln einen Eindrude von den Gefahren, die in der Wildnis dieses Erdteils in unzähligen Varianten lauern. Die Fotografien sind teilweise nicht ganz geglückt, die etwas monotone Art der Erklärung durch einen Sprecher irritiert bisweilen, doch bleibt als Resume eine anschauliche Belehrung von hohem Wert. Der zweite Film der Matinee gibt einen interessanten Ueberblick über die Glasverarbeitung, das Wirken der Glasbläser, -schieifer und -gießer. -de. Palast-Lichtspiele: „Martin Roumagnac“ „Ich bin unkompliziert und habe darum das Leben immer schön gefunden.“ Mit diesem Wort des Titelhelden ist die Mentalität der Handlung bereits erklärt. Roumagnac lernt Blanche, eine junge Witwe, kennen und verliebt sich in sie. Nach und nach allerdings erfährt er einiges aus ihrer etwas dunklen Vergangenheit, das ihn zur Eifersucht veranlaßt. Diese Eifersucht fördernd wirkt auf ihn die Anwesenheit eines Diplomaten im Hause Blanches. Im Verlaufe einer heftigen Szene schließlich erwürgt Roumagnac die Geliebte. Er selbst vermag vor Gericht seine Tat zu leugnen und den Freispruch zu erlangen. Indessen wird ihm durch die Aussagen Onkel Fer- rands, Blanches Onkel, offenbar, daß Blanche die Werbung des Diplomaten seines, Roumagnacs, wegen ausgeschlagen habe. Vom Bewußtsein der Sinnlosigkeit seiner Tat gebrochen, kehrt er nach Hause zurück. Doch auch ihn ereilt sein Schicksal. Und zwar ein Schicksal, das zu verhüten nicht mehr in seinem Willen liegt. Ein Student, der Blanche ebenso leidenschaftlich wie hoffnungslos liebte, bereitet Roumagnacs Leben ein Ende. Es ist schade, daß ein immerhin brauchbarer und bühnenwirksamer Stoff wie dieser nicht dramatischer ausgebaut worden ist. Daß die Regie (George Lacombe) es versäumte, das Geschehen, das im ersten Teil eine gewisse Labilität kaum verbergen kann, nicht intensiver und mit markanteren Steigerungsakzenten auf die Tat selbst, auf das Moment des Mordes konzentrierte. Der Wirksamkeit wird hierdurch zweifellos manches genommen. Andererseits sind auch der Unkompliziertheit der Zeichnung gute Seiten nicht abzusprechen. Anstelle des sensationellen Kolorits treten menschliche und soziale Züge. Das süßliche Klischee des landläufig gewohnten Liebesfilme wird vermieden. Sehr männlich, in jeder Phase einprägsam, gestaltet Jean Gabin den Helden. Auch Marlene Dietrich ist spürbar in ihrem Element. Vorzüglich die Musik Marcel Mirouses. Sie enthält mitunter d i e Spannungsmomente, die man auf der Leinwand ein wenig vermißt. -ck. Im Staatstheater . . . .. . geht heute um 19.30 Uhr im Großen Haus, zum letztenmal und bei ermäßigten Preisen, Goethes „Iphigenie auf Tauris“ in Szene. — Im Kleinen Haus wird um 19.30 Uhr das' bunte Programm „Es singen und tanzen für Sie“ wiederholt. Morgen ist im Großen Haus um 18.00 Uhr die Premiere von Wagners „Lohengrin" in d. Neuinszenierung von Georg Philipp, die musikalische Leitung hat Otto Matzerath, die Büh. nenbilder entwarf Heinz Gerhard Zircher, die Hauptpartien singen Helena Bader, Paula Bau- mann, Edmund Eichinger, Paul Kachelrieß, Adolf Schöpflin a, G. und Eugen Ramponi. Ira Kleinen Haus findet um 19.30 UhT die erste Wiederholung der Komödie „Wenn der Hahn kräht" von August Hinrichs statt. Am Ostermontag wird im Großen Haus um 14.30 Uhr Rossinis „Der Barbier von Sevilla", um 19.30 Uhi die Zeller-Operette „Der Vogel- händler“^ im Kleinen Haus um 19.30 Uhr „Wenn der Hahn kräht" gegeben. Ara Dienstag kommen um 19.30 Uhr im Großen Haus Orffs „Die Kluge“ und Egks Ballett „Joan von Zarissa* zur Aufführung. Samstag, 18. April 1949 S AZ Nummer 75 / Seite T Q Verzauberte Stadt im Blütenmeer So sah Roland Betsch das Wunder der Ettlinger Baumblüte Der nachstehende Artikel, der aus der Feder des bekannten Ettlinger Schriftstellers Roland Betsch stammt, soll gleichzeitig eine Erinnerung an den Verfasser und seine Werke sein, der leider allzu früh am 6. April 1945 freiwillig aus dem Leben ging. D.Red. Mit einer magischen Eile, ja last «türmischen Besessenheit ist es in diesem Jahre über die Bäume und Sträucher am Rottberg gekommen. Ein zauberhafter Befehl ist umgegangen, und ihm folgend haben alle Blütenknospen sich geöffnet, gleich Millionen staunender Augen, die urplötzlich mit einer trunken vergeudenden Lust die Schönheit der Welt in einem Rausch von Farben spiegeln. Vielleicht ist die schönste Zeit des Jahres, wenn die Landschaft, vordem noch schlaf- süchtig und traumverhangen, mit einer unerhörten Triebkraft aus der Versunkenheit auftaucht und aus «ich heraus das neue Leben inbrünstig gebärt. Gott fährt mit streichelnder Hand über eine Landschaft und sie ist gesegnet und auserwählt für alle Zeiten. So ist auch der Rottberg in Ettlingen ein kleines Stück Erde mit einer bezaubernden Einmaligkeit. Die milde Geste dieses farbig geschwungenen Bergrückens mit seinen Rebpflanzungen und Weinparzellen, mit der bunt verstreuten Schar der Pfirsich- und Kirschbäume, anmutig gekrönt von einem lichten Buchenwald, überstrahlt die ganze Stadt und wirft den Taumel ihrer unersättlichen Blütenpracht über Häuser und Gassen. Der Rottberg ist ein Wahrzeichen Ettlingens, die alte Stadt ist ohne seine ansteigenden Weinhänge nicht denkbar, und wenn vielleicht die gedankliche Welt Ettlingens unten im Gewirr der Häuser und Menschensiedlungen zu suchen ist, eines aber ist unumstößlich: das Herz der Stadt schlägt in jenem sommerlichen Berg, wo die Wärme aus einer Unzahl von Lebensporen strömt, wo die Pflanzen sich vergeuden, wo eine Orgie von Blüten sich dem Licht des Tages erschließt und wo die Phantastik und der grandiose Auftakt einer Jahreszeit alle lebendigen Register ziehen. Das Herz Ettlingens schlägt im Rottberg, denn es ist gesegnete und auserwählte Land- 1 Schaft, die vom Augenaufschlag Gottes getroffen wurde. Und wer sich von Karlsruhe oder Rastatt aus nähert, dem wächst dieser Berg mit seiner fast südländischen Fülle wie ein stilles Wunder entgegen, denn er ist nicht vergleichbar den anderen waldbestandenen Höhenzügen um Ettlingen; ihm wurde die schöne Aufgabe zuteil, einzigartig zu sein und sich verklärt herauszuheben aus dem Wäldergelände, das aus dem Albtal mit verhaltener Melancholie in die weite Ebene schwingt. So hinterläßt der Rottberg den stärksten Eindruck, den man von einer alten Stadt erhält und dieser Eindruck ist bleibend, auch, der Fremde wird ihn nicht vergessen. In diesem Jahre hat sich die Geburt der Blüten zu einem Schauspiel von beglückendem Ausmaß gestaltet. Ein Rausch, ' verwegen herrlich fast in seiner plötzlichen Kühnheit und Angriffslust, kam über Nacht und ergriff alles pflanzliche und tierische Leben. Ein Odem ungeheuerlich weckender Wärme zog über das Land und öffnete die Tore des Lebens. Blüten und Blätter entfalteten sich gespenstisch, schnell, Farben wuchsen mit getriebener Hast ins Licht und wo vor wenigen Tagen noch die braunen und gelben Töne des Nachwinter? lagen, wo oben noch der blanke Himmel durch das blattlose Gewirr der Buchenäste drang, dort überall kommt mit einem Schlag eine bienenumsummte Überschwemmung von Pfirsichrot und Kirschweiß, von Löwenzahngelb und von Buchengrün; ganze Kaskaden von Farben stürzen von diesen Südhängen, und im Uebermaß lenz- Am Donnerstagnachmittag kam in Ulm wieder ein Transport an, der allerdings nur 76 Heimkehrer aus Rußland brachte. Alle diese Heimkehrer — mit einer Ausnahme aus Lager Nr. 7284 — stammten aus den verschiedenen Teillagern der Nr. 7168 im Raume Minsk. Auf die Frage an einen der ständigen Begleiter der Transporte, einen Helfer des DRK, weshalb seit einigen Tagen nur so wenige Heimkehrer eintreffen. erhielten wir zur Antwort, daß dies auch in der Vergangenheit stets so gewesen sei. Jeweils Mitte des Monats kommen nur wenige Heimkehrer an, da die Leerzüge, die die Heimkehrer bis an die Grenze gebracht haben, eine gewisse Zeit brauchen, bis sie wiefroher. Akkorde gaukeln die Schmetterlinge und brummt geflügeltes Käfergetier, zucken farbige Eidechsen über sonnenheißes Gestein, rufen die unruhigen Meisen und Finken in den lichtübergossenen Tag. Das ist das Blütenwunder am Rottberg in Ettlingen, die Frühlingssymphonie in Rosa und Weiß, das stürmische Pastorale einer verzauberten Scholle, die im Herbst gesegnete Früchte wirft. Frühmorgens, wenn der Tag hinter den Wäldern heraufwächst, lagert die bunte Stille über dem Berg. Der umgegrabene und gelockerte Boden schimmert dunkelbraun, noch ist das Licht sparsam und halb verhängt; um diese Stunde sind die blühenden Bäume am schönsten, ein feiner Schleier liegt über ihrem Glanz und noch sind sie nicht aufgeweckt zur Fanfare des der in das Innere Rußlands gelangt sind, um von dort wieder neue entlassene Kriegsgefangene nach dem Westen zu bringen. Der nächste Heimkehrertransport wird in Ulm voraussichtlich am Karsamstag eintreffen. Am Donnerstaig kehrten zurück: S t a d t K a r 1 s r u h e : Brömser, Kurt, geb. 1919, (Krämerstraße 7); Bröckle. Kurt, geb. 1925, Markgrafenstr. 26; Burkhardt, geb. 1914, Neuensteinstr. 14; Müller, Wilhelm, geb. 1915, Ludwig-Marum- Straße 38. Landkreis Karlsruhe: Diedeisheim: Reinschnvdt, Adolf, geb. 1916. Liedolsheim: Roth, Albert, geb. 1908. Warum kommen jetzt so wenig Heimkehrer ? (Eigenbericht aus Ulm) Das Albtalstädtchen während der Baumblüte Aufnahme: E. O. Drücke, Ettlingen Äiäii mM sms Tages; es liegt wie dankbare Ge- borgenheit über ihnen und sie rüsten sich langsam und fröhlich zum großen Fest unter der Sonne. Im Grau des neuen Tages ist der blühende Hottberg ein malerischer Ausschnitt der Welt von unbeschreiblich tiefer Innigkeit, und wer jetzt die einsamen Wege aufwärts steigt und dem blühenden Wunder in die Arme läuft, der hat nur nötig, die Hände auszustrecken und er wird nach dem bunten und ewig unersättlichen Rätsel des Lebens greifen. Versammlungstermine der Parteien SPD. Hagsfeld: Gemüti. Beisammensein, 18. 4., 18.00, .Jägerhäusle"; Weststadt: Mitgl.-Vers., 20. 4., 20.00 „Felseneck". CDU. Gemüti. Beisammensein: 16. 4., 20.00, Kolpinghaus; Kreis d. Aktivisten: 22. 4., 19.30, „Nowack"; Gemüti. Beisammensein: 23. 4., 20.00, Kolpinghaus; Soz.- Pol. Ausschuß: 27. 4.. 19.30 Kolpinghaus. KPD. Funktionärsverslg.: 19. 4., 19.00, „KLV"; Oeffentl. kommunalpol. Forum: 21. 4., 19.30, „Ziegler" 1 -, Ref. Klausmann, Dietz, Riedinger, Heid, Dr. Mezirek; Daxlanden: Mitgl.-Vers.: 21. 4., 20.00, „Sonne"; Innen- Ost: Mitgl.-Vers.: 22. 4., 20.00, „Nußbaum“: Konferenz d. Kassierer u. Zehnergruppenleiter: 22. 4., 9.00, Parteibüro. Bunte Kurznachrichten aus Süd Westdeutschland Eine „Existenzgefahr“ KONSTANZ (br). In einer Anfrage im Schweizer Nationalrat wurde u. a. erklärt, daß das Tägermoos — das sind deutsche Landstücke in der Schweiz — auf denen Kgnstanzer Kleinbauern den Gemüsebedarf für Konstanz und die schweizerische Nachbarschaft erzeugen, für den nordostschweizerischen Gemüsebau eine unmittelbare Existenzgefahr bedeute. Opiumhändler festgenommen KONSTANZ (ta). Der erste Fall von Rauschgifthandel wurde in Konstanz aufgedeckt. Die Kriminalpolizei nahm einen Opiumzwischenhändler fest, der Im Begriffe war, 850 Gramm Rauschgift im Werte von 30—35 000 DM abzusetzen. Das Opium war für ein Münchener DP-Lager bestimmt. Spielkasino-Pläne „nicht tot" MEERSBURG (br). In einer öffentlichen Versammlung der SPD wurde betont, daß der Plan zur Errichtung eines Spielkasinos nicht tot sei, sondern weiter verfolgt werde. Auf dem Gelände des Hotels „Wilder Mann“ soll ein zweckentsprechender Neubau erstellt werden. Treffen christlicher Studenten UBERLINGEN (br). Vom 16. bis 31. August findet hier ein Treffen der christlichen Studenten aus Deutschland und Frankreich statt. Deutsche Studenten und Studentinnen wurden für Seotember zu einem Gegenbesuch für 14 Tage nach Paris einaeiaden. Fische lieben keine Waschmittel DOSSENBACH (ehr). Ein Kaufmann in Dossenbach im Kreis Säckingen räumte dieser Tage seinen Laden vom Ramsch der Reichsmarkzeit und warf Putz- und Waschmittel in den Dorfbach, der eine große Fischzuchtanstalt speist. Der gesamte in vier Jahren aufgebaute Fischbestand im Wert von 10 000 Mark ging daraufhin ’ zugrunde. Internationale Wildschweinjagd LÖRRACH (ehr). Badische Jäger dürfen zur Zeit in den Kreisen längs der Schweizer Grenze mit französischer Erlaubnis und aus der Schweiz geliehenen Jagdgewehren deutsche Wildschweine jagen. Lokomotive rammte Felsblnck TITISEE (ehr). Bei den Stürmen der letzten Tage, die bis zur Windstärke 10 anschwollen, stürzte ein Felsblock auf das Gleis der Dreiseenbahn zwischen Bärental und Titisee. Der Lokomotivführer des ersten Frühzugs nach Titisee bemerkte den Block zu spät und rammte ihn. Der Block stürzte in den Titisee, während die beschädigte Lokomotive den Zug noch zur Endstation Titisee bringen konnte. Die k'einste Akademie FREIBURG (ehr). Im einstigen Atelier des bekannten Glasmalers Professor Fritz Geiges wurde die Staatliche Akademie der Bildenden Künste feierlich eröffnet. Mit gegenwärtig 25 und künftig höchstens 50 Schülern ist sie die kleinste Kunstakademie Deutschlands. Ihr Leiter ist der frühere Berliner Plastiker Professor Wilhelm Gerstel, ein gebürtiger Badener. Falschgeld sollte vor Konkurs retten OFFENBURG (ta) Wagen Besitz von Falschgeld verhaftete die Polizei mehrere Personen, darunter einen Lebensmittelfabrikanten aus Unterharmersbach, Krs. Wolfach, der den Vertrieb von falschen 100-Mark-Scheinen organisiert hatte. Bei der Verhaftung konnte noch ein Betrag von 10 000 DM falsches Geld sichergestellt werden. Der Verhaftete befand sich seit einiger Zeit in Zahlungsschwierigkeiten. Schmuggler wider Willen LUDWIGSHAFEN (wü). In letzter Zeit machte die Pfälzer Polizei eine merkwürdige Entdeckung. Mehrere Kraftfahrzeuge wurden beschlagnahmt, deren Insassen Schmuggelgut mit sich führten. Diese Sachen wurden bei Personen gefunden, die die Wagenbesitzer aus Gutmütigkeit unterwegs mitgenommen hatten. Die Kraftfahrer werden sich künftig ihre Gastfahrer genauer ansehen müssen. Beherzter Keiler KAISERSLAUTERN (wü). In Katz- weiler, einem Dorf in der Nähe von Kaiserslautern, drang ein beherzter Keiler, dessen Lebendgewicht auf drei Zentner geschätzt wurde, bis in die Dorfmitte vor. Einige Bauern, die einen billigen Sonntagsbraten witterten, gingen dem Schwarzkittel mit Mistgabeln zu Leibe, der jedoch den Sonntagsjägern mühelos entkommen konnte. Immerhin wird ihn ein neuer Besuch in diesem ungastlichen Dorf kaum reizen. „Vom Herrgott vergessen" LUDWIGSHAFEN (wü). Die älteste Bürgerin Ludwigshafens, Frau Barbara Schmitt, ist 100 Jahre alt geworden. Sie erlebte drei Kriege und ist noch gut fcei der Hand. Seit 54 Jahren ist sie Witwe. In ihrer Mädchenzeit wohnte sie auf der Friesenheimer Insel. „Ich glaube, der Herrgott hat mich vergessen“, sagte sie zu einem Besucher, als er ihr zu dem hohen Alter gratulierte. Warmes Frühlingswetter Vorhersage des Amtes für Wetterdienst Karlsruhe, gültig bis Samstagfrüh: Bei schwachen Winden vorwiegend aus südlicher Richtung wolkenlos bis heiter, mit Höchsttemperaturen gegen 25 Grad. Weitere Aussichten für die Ostertage: Noch überwiegend heiter, doch zeitweise einzelne gewittrige Regenschauer besonders im Schwarzwald. Im allgemeinen schwache südwestliche Winde. Tageshöchsttemperaturen um 25 Grad, Tiefsttemperaturen in der Nacht jeweils zwischen 8 bis 13 Grad. r >1 Nur (Qualität I ist wirklich preiswert. Ihre Ostetkäufe daher von KARLSRUHE / KAISERSTR. 116 RIESENERDBEERE „OBERSCHLESIEN“ ist eine der Massenträger-Soiten, außerordentlich reichtragend. Beeren leuchtend rot, sehr süß, von enormer Festig keit und Haltbarkeit. 50 stark bewurzelte Pflanzen mit genauer Kulturanweisung 4,— DM, 100 Stück 7.50 DM, 250 Stück 17.50 DM. 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Telefon 55 85 fertigt kurzfristig lieferbar 3-, 5- und 8-Tonner-Anhänger sowie alle einschlägigen Reparaturen Vertragswerkstätte der Meiller- Kipper, München Feuer-Räder Ostererzählung von Walther von Holländer ie Hallems saßen seit vierhundert Jahren auf ym I Groß-Hallern. dort, wo J M die letzte Hügelwelle vom Gebirge herabströmend sich in die große Seeplatte verläuft. Und fast zweihundert Jahre lang wuchsen in dem großen Gutshaus immer vier Söhne auf, welche nach der Familientradition den vier Himmelsrichtungen zugeordnet waren und von ihnen die Anfangsbuchstaben hatten: O-scar, W-emer, N-Orbert, und der vierte, südliche den seltsamen Namen S-eligo. Dazu gab es viele Generationen lang zwei Töchter, die sonnenhafte Sagitta und die rundge- sichtige Selene. Sechs Kinder waren also immer da, dem Himmel verwandte und in einer fruchtbaren Erde wurzelnd, aufwachsend in Freiheit und erzogen unter strengem Gesetz. So kam es, daß die Geschlechterfolge auch in den Kriegen nicht ab- riß, an denen die Hallerns immer wenigstens vierfach teilnahmen, meist aber in zwei Generationen sechsfach, ja achtfach kämpften. Die Spaltung und die Fügung, von denen hier zu berichten ist, trug sich bald nach der letzten Jahrhundertwende zu. Wann der Kampf anfing, ist unbekannt. Offenbar wurde er an einem Osterfest, dem Fest, das auf Groß-Hallern den breitesten Raum einnahm. Das war leicht zu verstehen. Die riesigen Wälder, in denen die Frühlingsstürme sich austoben konnten, wogten von drei Seiten bis an das Dach des Gutshauses und das Kranichmoor, ein wilder, schwarzer Bruch, entfaltete auf der vierten in jedem Frühling eine herzerschütternde Bezauberungskraft. Es war nun Brauch, daß sich zu Ostern die Familie mit vielen Freunden und mit dem Gesinde versammelte, um die Osterfeuer abzubrennen. Auf dem Kranichberg, der das Moor gegen das Gut abtrennte, stapelte man vier riesig^ Holzstöße, zündete vier gepichte und gefedert» Räder an und ließ sie in den vier Windrichtung brennend ins Tal rollen. Unten standen die vier Söhne mit Fackeln, die sie an den Rädern entzündeten und mit denen sie zu den Holzstößen liefen, um auch sie zu entzünden. Auf diese Weise wurde angezeigt,- daß die Hallems die Flamme in alle vier Winde entsandten und aus der Hand ihrer Söhne sie echohaft und fruchtbar zürück- erhielten. Eines Tages also geschah es, daß, obwohl weder Krieg noch Krankheit nach Groß-Hallern gegriffen hatten, obwohl die vier Söhne zwischen dem fünfzehnten und zweiundzwanzigsten Jahr standen, nur drei Räder den Berg hinabrollten. Der Weg nach Osten, der auf den Ältesten, auf Oscar zuführte, blieb leer vom Feuerrad und von der feurig antwortenden Fackel. Über den Grund wurde nicht gesprochen. In diesem Jahr nicht und im nächsten auch nicht. Die Bräuche blieben die gleichen. Nur der Feuerspruch wurde nicht gesprochen, mit dem ein Fak- keltausch zwischen Vater und Sohn verbunden war und der von dem jeweiligen Besitzer von Groß-Hal- lem gehalten wurde. Die meisten merkten nicht, daß dem Fest damit viel fehlte. Für die engere Familie aber war es, als könne sich das ganze Himmelsrund nicht zum Segen über Groß-Hallern fügen, da an einer Stelle die rundende Kraft des Himmelsbogens ausgebrochen war. Im dritten Jahr, am Karfreitag, saßen der alte Hallern und Sagitta, die älteste Tochter am Kamin. Sie war schon achtzehn Jahre alt. Aber an diesem Tage sah sie zum ersten Mal das Gesicht ihres Vaters in seiner ganzen Wirklichkeit. Die Flamme hatte es geöffnet und Gram schien heraus. Er sagte gleichgültig, es sei alles vorbereitet. Es würde sein wie immer. Aber sein Gesicht sprach: Es wird nie mehr so sein. Er erzählte von der Mißernte des letzten Jahres, vom Tode des Jagdhundes Strolch und des Wunderpferdes Czeppa, vom Hagelschlag im Mai und von der Raupenplage im Juni. Er fand all dieses Unglück unbegreiflich. Aber Sagitta begriff es wohl, aus welchen Quellen es lief. Sie sagte: „Es wird wirklich sein wie immer.“ Der alte Hallern antwortete gleichgültig: „Natürlich, natürlich.“ Noch vor Tag am andern Morgen ritt Sagitta nach Osten ins Moor. Der Fluß, den sie durchritt, sprühte in lustigen Funken des Sonnenaufgangs. Das Wasser spritzte ihr ins Gesicht. Wie ein Osterbad, dachte sie, mit dem man den ungetreuen Geliebten heranzwingt. Womit sollte sie den trotzigen Bruder heranzwingen? Welcher Zauber wirkte auf sein aufrührerisches Herz, das sich die eigenen Wege durch die Wildnis des Lebens suchte? Wildnisse? Nach einem halbstündigen Ritt über,Moorwege kam sie in eine Gegend, die sie nicht wiedererkannte mit ihren Gartenbeeten, Wildzäunen, Bienenkörben und Gewächshäusern, die der Frühsonne geöffnet waren. Am Ende der Gärten stand das einzimmrige Haus des Bruders. Die Hunde schlugen an. Das Fohlen auf der Weide wieherte. Sagitta pfiff und der Pfiff des Bruders antwortete. Er kam vom Waldrand her, dunkelbraun, windgegerbt und verschlossen. Seine Augen waren hell und. da die Sonne hineinschien, konnte man bis in sein Herz sehen, das stumm sein mochte, aber voll Leben war. Er hob schweigend die Schwester vom Pferd. Sie gingen Arm in Arm durch die Sonne. Sie hockten bei den Saatkästen, bei den Karfreitagslämmern, die grad einen Tag alt waren. Sie standen unter den blühenden Palmkätzchen und sahen, wie die Bienen, noch schwankend vom Winter, unsicheren Flugs ihren Honig holten. Sagitta sagte: „Du hast es nun bewiesen, was Du allein von Dir aus schaffen kannst.“ Oscar erwiderte: „Ich komme nicht zurück. Meins ist nur, was ich gemacht habe.“ Sagitta antwortete hart: „Dann hacke Deine Hände ab und Wirf Deine Füße weg. Du hast sie auch nicht gemacht.“ Er sagte trotzig: „Aber was ich damit gemacht habe ... das ist mein. Das hat mir niemand geschenkt.“ Sagitta legte die Hand über seine Augen: „Du bist blind, wenn Du nicht mit den Augen Deiner Eltern und Ureltern siehst.“ Er antwortete: „Ich sehe, daß ich einsam leben muß. Wie die Kraniche hier im VkUfkml Vojn Rätselrachen der Welt umfangen Sitzt die arme Menschenseele in Fürchten und Bangen, Das Ungeheuer kann sie spielend verschlingen Und möchte doch 1ede ihr fröhliches Lebenslied singen. Hans Thoma. Moor. Kannst sie auch nicht zwingen, gemeinsam,, zu vielen zu leben.“ Sagitta war einen Augenblick hilflos. Dann sagte sie: „Aber wenn Sie kommen und wenn sie gehen, fliegen sie auch gemeinsam in ihr neues Leben.“ Danach sprachen sie nichts mehr. Sagitta wußte, daß viele Worte den Trotzigen noch trotziger machen. Als sie gegen Mittag wegritt, reichte er ihr die Hand hinauf. Er sagte: „Ostern ist ziemlich früh in diesem Jahr.“ Sagitta sagte: „Die Kraniche sind noch nicht gekommen.“ Oscar lächelte: „Wenn sie kommen ... vielleicht ...“ Sagitta nickte: „Sie kommen.“ Am Ostemachmittag standen die dunkle Sagitta und die helle Selene auf der Südterrasse. Sie sahen den Weg von der Stadt her. den sonnigen See und die Wälder hellblau und porzellanen. Sagitta suchte mit ihrem Fernglas die Horizonte ab. Selene sagte ungeduldig: „Alle sind gekommen. Wen erwartest Du noch? “ Gegen die Dämmerung fuhr man hinaus. Die Sonne rückte langsam in den Baumschatten. Fröstelnd standen die Freunde, feierlich das Gesinde, einsam der alte Hallern mit Norbert, Werner und Seligo, die schon die noch dunklen Fackeln in Händen trugen. Sagitta nahm jetzt die vierte Fackel, ging den Ostweg hinunter und dort, wo die Böschung das Feuerrad anzuhalten pflegte, legte sie die Fackel nieder. Lange stand sie, den Kopf in den Nacken gelehnt, das Gesicht nach Süden gerichtet und jetzt endlich lächelte sie. Sie hatte die verwandte Pfeilspur der Kraniche entdeckt. Winzig erschienen sie über den Südwäldern, feierlich kamen sie heran und nun sanken sie mit klagendem Trompetenton, mit dem Schrei des Wieder- findens in das Kranichenmoor. Langsam ging Sagitta den Weg zurück, sie bat den Vater so dringlich, noch zu warten, daß er nachgab, obwohl auf den kleineren Höhen schon Feuer brannten. Er war schon dunkel, als er das Zeichen gab. Die Räder für Süd. Nord und West wurden angezündet. Das Ostrad aber blieb kalt und dunkel an den Ostholzstoß gelehnt. Sagitta zündete einen Scheit an. Sie ging auf das vierte Rad zu. Der alte Hallern hielt sie fest. Er sagte: „Man wird nur noch unglücklicher, wenn man ruft, und es kommt keine Antwort.“ Sagitta antwortete: „Du hast ja nie gerufen.“ Er sagte: „Weil niemand antworten kann, der nicht da ist.“ Die drei anderen Räder setzten sich in Bewegung, schwelend, glühend. Sagitta stieß das brennende Scheit in das viert^ Rad und setzte es in schnellen Schwung. Der Fahrwind faßte jetzt die Räder und schürte sie: Vier Räder rollten den Berg hinab. Jetzt stießen sie an die Böschung, drehten sich wirbelnd und fielen sprühend um. Fast gleichzeitig erhob sich aus jedem der Räder die brennende Fackel. Süd, West und Nord zuerst. Und nun. da der alte Hallern sich nach dem Brauch in den drei Himmelsrichtungen verneigt hatte und die vierte, die in seinem Herzen leere mit einem Kopfnicken übergehen wollte, sah man die Fak- kel sich auch dort erheben. Sie kam stürmisch getragen und vom Wind zu einer großen, Feuerblume entfacht den Berg hinauf, kam schneller als die anderen und fuhr in den östlichen Holzstoß, daß er prasselnd auflohte. Kurz danach wurden von den drei anderen Söhnen die Holzstöße entzündet. Der alte Hallern trat vor, die größte, fünfte Fackel in der Hand. Er entzündete sie am Holzstoß des Ältesten. Er übergab ihm die Fackel. Er versuchte zu sprechen. Aber die Tränen der Freude, die seinem Herzen zuströmten, hatten seine Stimme ausgelöscht. Eine Minute lang herrschte feierliches Schweigen. Dann hob Oscar die Fackel und indem er neben seinen Vater trat und sich auf diese Weise bereit stellte, einst an seiner Stelle zu stehen, sprach er für ihn den Feuerspruch, der immer gesprochen wurde, wenn das Feuer der Feuerräder auf den Berg zurückgetragen war: Die Sonnenspur umkreist die Welt, Die Lebensflamme steigt und fällt, Verbrennen wird, was Dich entzückt, Verbrennen soll, was Dich bedrückt. Wunder der Sprache Von Peter Scher In Passau auf der großen Hafenbrücke hörte ich ein Mädchen zu einem andern ein Wort sagen, dessen geheimnisvoller Klang mir die Vermutung nahelegte, daß es vielleicht griechisch oder jugoslawisch sein könne, denn aus diesen Ländern lag gerade je ein Schiff im Hafen. Das Wort hieß: „Wosndemaheit“. Weil mich die Sache interessierte, ging ich einen gerade vorübergehenden Einheimischen um Auskunft an, und der Mann, der das rätselhafte Wort ebenso ' wie ich gehört hatte, belehrte mich, daß es sich um gut Bayrisch handle. Das eine Mädchen ri. " jidphie von Erich Bauei KaHsiuhe „Es blüht das fernste, tiefste 1 al ti hatte das andere lediglich gefragt: „Wo ist denn die Emma heut?“ Ein andermal hörte ich ein noch seltsameres Fremdwort in Wasserburg am Inn, und zwar wieder auf einer Brücke, der berühmten Roten Brücke, was mir den Gedanken nahelegte, Brücken müßten einen besonders geheimnisvollen Sprach- zauber ausüben. Wieder war es ein Mädchen, das die Luft vom Klange des folgenden rätselhaften Wortes erzittern ließ: „Imuanoeini!“ War es möglich, daß däs Mädchen Sanskrit beherrschte? Ich habe eine Bekannte, die wirklich etwas davon versteht, da ihr Vater Sanskritforscher war. Aber auch diesmal klärte es sich harmlos auf. Das Mädchen hatte — wiederum auf gut Bayrisch — gerufen: „Ich muß auch noch hinein!“ (Ins Kino nämlich.) Aber der schwierigste Fall dieser Art stieß mir nicht in Bayern, sondern in Halle an der Saale zu, wo ich, wie einst Goethe im Wald, „nichts zu suchen“ auf der Straße ging und plötzlich eine Frau zu einer andern sagen hörte: „Nohod- noddogeenbullewer?“ Eine Stunde lang ging dieses furchterweckende Wort in mir um; ich vermochte mich nicht von ihm zu befreien. Wieder und wieder sagte ich es Bekannten vor, denen der Hallesche Dialekt weit weniger fremd ist als mir. Sie lauschten begierig; eine Ahnung schien ihnen zu dämmern — aber dann schüttelten sie traurig die Köpfe und senkten beschämt die Stirnen; denn sie mußten ihr Unvermögen, d,as ungeheuerliche Wort zu deuten, offen eingestehen. Bis ich endlich, ganz aufgelöst und von der Magie des zauberhaften Wortes stark mitgenommen, gegen Abend durch einen Lehrer, der viel mit einfachen Leuten zu tun hatte, die Lösung des Geheimnisses erfuhr. Die eine Frau hatte die andere teilnehmend gefragt: „Na hat denn Otto keinen Pullover?“ Der Hase Die symbolischen Speisen des heidnischen Frühlingsfestes wie Osterfladen, Osterlamm und Osterei, die meist Sinnbilder der Auferstehung und Fruchtbarkeit waren, haben sich bis heute erhalten. Namentlich die bunt gefärbten Ostereier werden zu Wettläufen wie das schwäbische Eierlesen und Spielen wie das in Mitteldeutschland übliche Eierpietschen oder Eierstiepen verwendet, wöbei sie die Preise oder Gewinne darstellen. Der einst der Frühlingsgöttin Ostera heilige Osterhase verdankt seinen Ruf als Ostersymbol lediglich seiner Fruchtbarkeit (die Häsin setzt im Jahr vier Mal bis zu insgesamt 12 Jungen), keineswegs aber seiner Fähigkeit, Eier legen zu können. In der christlichen Symbolik ist der Hase das Sinnbild des reuigen Sünders, der zu Gott zurückkehrt; erst später wurde er zum Sinnbild der Frucht. fdm. Samstag, 16. April 1949 S AZ Nummer 78 / Seite tt UNTERHALT U N G UND W Die Schwalben über dem Bett Eine Erzählung von Joh. Schuh. Drama am Grenzstein Auf dem Grenzstein am Feldweg, wo die drei kleinen Birken standen, saß der Bussard viele Stunden am Tage. Wie aus Bronze gegossen hockte er dort und starrte über die Weite der Felder. Stolz und gemessen bewegte er seinen Kopf, und nichts entging seinem scharfen Blick. Hatte er irgendwo auf dem Saatfeld eine Feldmaus erspäht, breitete er gelassen die Schwingen, warf sich gegen den Wind und schwebte von wenigen Flügelschlägen getragen über die verdächtige Stelle, wobei er stets gegen die Sonne flog, daß sein Schatten nicht auf die Beute fiel und sie vorzeitig warnte. Flatternd stand er darüber still in der Luft, senkte den Kopf, zielte sie an, klappte die gefächerten Schwanzfedern ein und schoß mit dicht angelegten Flügeln wie ein Pfeil darauf los. Die weit vorgestreckten Fänge packten die Maus, das Junghäschen oder den Vogel. Tief drangen die Krallen ins Leben. Dann trugen wenige Flügelschläge den dunkelbraunen Gesellen mit der geschipperten hellen Brust zurück zu dem Stein, wo er alsbald sein Opfer, mit dem Schnabel zerhieb und verspeiste. Die imverdaulichen Knöchelchen, Haare und Federn würgte er bald danach wieder aus, wobei er sich reckte und schüttelte. So saß er auch heute auf seinem Stammsitz in der blaßblauen Frühlingsluft. Die Zweige der Birken wehten im Wind, der auch im Gefieder des Bussards spielte, sodaß es im Sonnenlicht wie Gold und Silber aufglänzte. Schnell glitten die Schatten weißer Wolken über die Felder und verloren sich in dem Bla,u ferner Wälder. Da schlich in dem grasbewachsenen Graben, der zwischen Acker und Weg entlang lief, der braune Tod an den stolzen Vogel heran. Kaum handlang und wenig dicker als der Daumen an einer Faust, die gewohnt ist, den Pflug zu führen oder sich um den Stiel der Holzaxt zu legen, wand sich das Wiesel geräuschlos durch das dichte Gewirr des Wintergrases. Es glitt und schlüpfte durch die Gänge der Mäuse näher und näher auf dem Grunde des ausgetrockneten Grabens und verhoffte erst dicht unter dem Grenzstein, wobei es sich aufsetzte und seine weiße Brust- und den schneeigen Bauch sehen ließ. Der Sprung aus der Tiefe bis zum Grenzstein hinauf erschien ihm vielleicht zu gewagt, und also lief es geschwind zurück bis zu der Stelle, wo eine Tonröhre unter dem Weg zu dem jenseitigen Graben führte, darin es nun in schlanken Sprüngen sich wieder dem Bussard näherte, der ihm jetzt den Bücken zudrehte und unverwandt auf das Saatfeld starrte, wo die Hähnchen in langen Zeilen silbergrün sich im Winde neigten. In drei Sätzen überquerte das Wiesel den Feldweg und saß geduckt unter dem Schwanz des braunen Riesen, der ihn mit einem Schnabelhieb auf der Stelle hätte erledigen können. Und ebenso hätte ein einziger Griff seiner Fänge genügt, die dolchartigen Krallen durch Herz und Lungen zu schlagen. Das Wiesel erhob sich, duckte sich, sprang. Es landete auf dem Rücken des Bussards und schlug ihm die Zähnchen in den Hals, wo das Blut in der Schlagader zuckte. Wie vom Blitz getroffen stürzte der Bussard vom Stein, fiel in den Graben, fing sich dort mit den Schwingen und arbeitete sich schwerfällig auf den Rand. Er schlug mit den Flügeln, erhob sich, taumelte, stürzte rücklings auf den Weg und suchte durch Schütteln und Schwingschläge den kleinen Reiter vom Halse zu schleudern. Als ihm dies nicht gelang, stieg -er hastig steilauf. Jede Bewegung war Hast und Angst bei diesem letzten Rettungsversuch. Aus weißblauer Höhe ließ er sich fallen, sauste herab als brauner Klumpen und wollte sich kurz vor der Saat wieder fangen. Er breitete zwar die Schwingen aus, aber er schlug dennoch hart wie ein Stein in das Feld und blieb liegen. Das Wiesel war abgeschleudert worden; es erholte sich rasch, hüpfte um den sterbenden Bussard und sprang ihm nochmals an den zerrissenen Hals. Der Vogel lag auf dem Rücken, und seine Fänge griffen leer in den warmen Wind, der den ersten Staub von den Äckern blies und das Fellchen des Wiesels genau so liebkoste, wie er am Waldrand die Anemonen erschauern ließ. W. L. Ein Spaziergang in die freie Natur, ja schon ein Blick in unsere Gärten läßt uns in diesen Tagen ahnen, wie frühlingshaftes Leben wird, wie es aus Hüllen und Schößen zu ewig neuen Geburten drängt. Es ist das alte Wunder des Lenzes und der Auferstehung, das schon unsere Vorfahren als erdverbundenes Naturvolk mit Jubel begrüßten. Da sie in dem lenzlichen Walten der Natur die mächtige Hand der strahlenden Göttin des Morgens und aufgehenden Lichtes sahen, begingen sie Ostara zu Ehren ein rauschendes Fest, dem bestimmte Speisen und Gebäcke, kultische Handlungen und Spiele Inhalt und Form gaben. Manche dieser Festspeisen und Feiergebäcke, denen mythenfrohe Vergangenheit einst ihren eigenen Sinn beilegten, retteten sich herüber bis in unsere Tage und stehen so in unmittelbarem Zusammenhang zur alten Ostarafeier. Im Mittelpunkt der Tafelfreuden ständen einst die mit besonderer Kraft begabten Heilgerichte und Höilbrote, die im gemeinsamen Mahl der Festgemeinde wurzelten. Uns sind österliche Heilbrote heute noch erhalten in den mit neunerlei Kräutern gefüllten Kräuterkücheln, einer vom Volk gern gegessenen „Lebensspeise“, die die jugendfrische Kraft dieser zarten Pflanzen beim Genüsse auf den Menschen übertragen sollen. In Nördlingen ißt man z. B. am Gründonnerstag die sogenannten „Tulpen“, ein maultaschenartiges, spinatgefülltes Gebäck. In anderen Es dämmerte, als der Zug sich in Bewegung setzte. Ich stand am Fenster, das zum Rhein hinsah, in enger Tuchfühlung mit einem verwahrlosten Burschen, der aus russischer Kriegsgefangenschaft gekommen sein wollte. Es war verworren, was er davon erzählte, anscheinend wußte er selbst nicht recht, woher er kam, und nicht, wohin es ging. Vielleicht war es ihm auch gleichgültig, und es kam ihm nur auf die paar Mark an. um die er mich schließlich bat. Im Nebenabteil sangen sie Lieder, die ich nicht kannte. Neue Lieder wohl, wie die Zeit sie gedichtet hat. Sie hörten sich jämmerlich an, diese Lieder. Mein Schienbein rieb sich an den runden Knien einer Blondine mittleren Alters, die einen Spankorb auf dem Schoß hatte, aus dem sie fortwährend Obst aß. Sie unterhielt sich mit einer anderen, die ich im Rük- ken hatte. Das Gespräch ging gewissermaßen durch mich hindurch. „Dann hat die Frieda überhaupt nichts verloren?“ fragte die Blondine ärgerlich. „Nein“, hörte ich hinter mir eine redselige Altweiberstimme, „gar nichts. Die hat Glück gehabt.“ Drüben war der Rhein. Damals, Teilen Schwabens sind die „Spinatkrapfen“ beliebt. Auch sonst werden junge Kräuter. Brunnkresse, Nißl- salat etc., an diesem Tag zu schmackhaften Gerichten gerne verwendet. Als beliebte Gründonnerstagge- bäcke gelten von jeher die Salzoder Kümmeibrezeln. Sie sind die letzten Reste der eigentlichen sinnbildlichen Darstellung. Die Gründonnerstagkringel hängt man in Thüringen ein Jahr lang hinter der Speistüre auf und genießt von Zeit zu Zeiif einige abgeschabte Brosamen gegen „kalte Fieber“. Im Schwäbischen mißt man den Karfreitagsbrezeln diese abwehrende Kraft bei. Gewisse Gestalten der Brezel wandelten sich mit der Zeit zu Flecht- gebäcken, Striezeln und Zöpfen. In Tölz waren früher unter den heimateigenen Karfreitagsgebäcken vor allem die „Karfreitaghäute“ beliebt. Es handelte sich hier um zähe, runde Fastenzeiten in der Form von Fladen, die mit Butter bestrichen und mit Salz und Kümmel gegessen wurden. Schon die Art dieser flachen, hefelosen Osterbrote weist darauf hin, daß es sich hier um ein sehr altes Kultgebäck handelt. Auch die gewöhnlich am Ostersamstag gebackenen Osterbrote haben meist noch die Gestalt von flachen Fladen und Zelten. Der Fladen entstand ursprünglich durch Ausbreitung eines dicken Mehlbreies auf einem flachen, erhitzten Stein (Aschenstein), wobei aufgeschüttetes Fett das Anbrennen verhinderte. Diese Fladen bekamen wie die heutigen Osterfladen schon früher durch vor vier Jahren, waren Scheinwerfer da, die ihn die ganze Nacht über beleuchteten. Heute konnte ich ihn in der Dämmerung nur ahnen. „Und der Richard?“ fragte die Frau und spie sich diskret einen Zwetschgenkern in die Hand. „Ist der auch wieder daheim?“ „Schon lange. Er war ja nur bei der Bahn in Norwegen. Der war bald wieder da.“ „Von meinem Max höre ich kein Wort!“ Sie ließ den Stein behutsam zu Boden fallen. „Glaubst du, daß die Frieda soviel Glück gehabt hat, weil sie immer in die Kirche gelaufen ist?“ „Ich weiß nicht. Wir gehen jetzt auch immer in die Kirche.“ Am Himmel stand ein breiter Streifen weißlichen Lichtes. Darüber war es schwarz von Wolken und kommender Nacht. Das Dunkle darunter konnten Berge sein. Als schlösse der Himmel nicht ganz, so sah es aus, das Band aus weißem Licht. Oder als habe man vergessen, ihn vollends zuzumachen. „Wann warst du eigentlich bei Frieda?“ wollte die Frau mit dem Spankorb wissen. „Sechsundvierzig im Frühjahr. Mit Hoffrrianns, die haben ja auch noch eine ganze Menge da stehen gehabt. Stichelung oder Einkerbung eine Felder- oder Rautenzier, die den aufgegossenen Hpnig und Fruchtsaft tiefer in das Innere des Gebäckes eindringen ließ. An österlichen Gebäcken sind u. a. gekannt; Das Passauer Osterbrot, eine dicke, aus Hefenteig gebackene Scheibe' mit hohen Rautenfeldern, ferner das Ansbacher Osterbrot, ein einfaches, rundes Osterlaibl, und außerdem der ostfränkische Eierring, das oberbayerische Osterbrot, der oberschlesische „Usterkuche“ und der thüringische „Mützenflecken“, ein österlicher Festkuchen, um den die Mädchen auf der „Osterwiese“ gewöhnlich einen Wettlauf veranstalten. Ostergebäcke, die man den Kindern schenkt, haben oft die Form von Mtnnchen, Hasen. Gockeln und Hennen, die ein Ei tragen. Gebild- brote in Tierform stehen gewöhnlich als Festgebäcke in jahrhundertealter innigster Beziehung zum Fest selbst. Sie deuten auf den ehemaligen Opfercharakter des Festmahles hin und dürfen als Ablösung des Opfers lebender Tiere gelten, wenn auch längst erwiesen ist. daß es sich bei einer Reihe von Gebäckformen um neuzeitliche Versuche gestaltungsfreudiger Konditoren und Zuckerbäcker handelt. In^ Tirol wird heute noch auf Ostern das aus frischgemahlenem Mehl und warmem Blut eines geschlachteten Lammes hergestellte „Lamplbrot“ gegessen und im Schwarzwald das „Hahnenbrot“ gebacken. .. . .N ■ ' — ' " ' ' grafiert diesen gewissermaßen wie eine entseelte Materie in seine nüchternen Bilder (Laboratorium, Fabrikstraße, Gaswerk) hinein und umgibt ihn mit knallenden Farbkontrasten, die dem Auge schmerzlich sind. Aus diesen etwas wilden Farbsym- phonien ragen wie eine Insel der Seligen die Gemälde Morgenthalers heraus. Sein „Hirtenbube" gleicht einem lyrischen Gesang, zu dem Pan die Waldflöte bläst. Bei diesem Maler ist es nicht die Farbe, sondern die zeichnerische Klarheit, die seinen Bildern eine besondere Note gibt. Neues vom Moberly Bell, Octavia Hill, ein Lebensbild (1942), übersetzt von Käthe Jatho. Schwann, Düsseldorf, 1948, 328 S. Octavia Hill, 1838—1912, ist’eine jener englischen Frauen, die, schlicht und unbefangen, nach langen Jahren des Vorberei- tens und Zögerns einem der- schwierigsten Dinge praktisch zu Leibe rückte, nämlich der Verbesserung der Wohnungsverhältnisse der Ärmsten in den Londoner Elendsvierteln, — und die das tat in der ,victo- rianischen Aera', also von 1837—1900, von welcher immer wieder behauptet wird, daß das englische Bürgertum sich seiner Christenpflichten gegenüber den Ärmsten nur in ungenügender Weise unterzogen habe. Miß Hill hatte Mut, sie sammelte Geld, sie kaufte Ruinen, baute sie aus, verlangte wöchentliche Miniaturraieten, durch welche sie geliehene Bilfsgelder mjt 5 Prozent verzinste, opferte sich, um den neuen Bewohnern die verbesserte Situation ihrer Wohnungsverhältnisse erst einmal klar und dann erträglich zu machen; mit diesem praktischen Beispiel und Vorgehen erreichte die mutige Frau, daß sich die Behörden entschlossen, der Grundstücksspekulation wenigstens bis zu einem gewissen Grade entgegenzutreten,... und Unser Händel Wenn alljährlich am 14. April die Glok- ken von Westminster läuten, gedenkt man in England eines Mannes, der mit Bach einer der größten Musiker des 17. Jahrhunderts war. Dieser Mann, den England so gern für sich allein in Anspruch nehmen möchte, ist Georg Friedrich Händel, , den seine Zeitgenossen als einen der gütigsten und wohltätigsten Menschen gepriesen haben. Daß die Engländer Händel gern als einen der Ihren bezeichnen, mag man allenfalls noch verstehen, weniger aber die Tatsache, Händel auch sein deutsches Wesen absprechen zu wollen, denn schließlich formt sich im Manne immer nur das, was er in seiner Jugend, seinem Elternhaus und seiner Erziehung empfangen hat. Und da ist einzuwenden, daß Händel in Halle geboren wurde, seine musikalische Grundausbildung von Zachau und Mattheson erhielt und als Cembalist des Hamburger Gänsemarkttheaters mit vier Opernwerken an die Oeffentlichkeit trat. Es bleibt anzuerkennen, daß Händel auf der englischen Insel jene Umgebung und Lebensgewohnheit antraf, die die barocke Richtung seiner Kompositionstätigkeit stark beeinflußten; das Leichte und Gefällige aber, die gelöste Heiterkeit seiner Musik verdankt er dem sonnigen Süden, seiner Freundschaft mit den Italienern Corelli und Scarlatti, deren Kantatenstil er in vielen seiner Werke übernahm. Des gleichen Geburtsjahres und der räumlich engen Zusammengehörigkeit wegen stellt man gern vergleichende Betrachtungen zwischen ihm und Bach auf (Bach wurde in Eisenach geboren). Beide Musiker gehören zu jenen Meistern, die niemals übertroffen werden können, weil sich in ihnen das musikalische Empfinden und Können^ einer Epoche gleichsam verkörpert. Der Unterschied beider ist schon rein äußerlich ersichtlich. Was Bach die Leipziger Ratsherren bedeuten, das ist für Händel der englische Hochadel. Bald ist Händel ein reicher, gefeierter Künstler, bald Opfer geschäftlicher Intrigen. Bachs Leben dagegen beWegt sich ohne aufregende Abenteuer in der Mitte zwischen beiden# Als Händel seine klassischen Großtaten in Angriff nahm, hatte Bach sein Lebenswerk schon so gut wie abgeschlossen. Dreierlei Strömungen sind es, die das Wesen Handels durchdrungen: der Sinn für die Form und Schwerelosigkeit der Italiener, das Gefühl für den Lebensstil und den Weitblick der Engländer und der innerlich vorhandene deutsche Zug, bekenntnishaft und aus voller Ueberzeugung zu arbeiten. Bis es Händel gelang, mit seinem «Messias" alle Widerstände seiner Feinde Stuttgarter Staatsgalerie: endgültig zu brechen, hatte er als Leiter der „Royal Academicy of Music" manche dramatische Konflikte zu bestehen, die seiner Gesundheit stark zugesetzt hatten. Als es ihm aber dann gelang, sich endgültig mit seiner Musik zu seinen Ideen durchzusetzen, wurde ihm von allen Seiten eine Verehrung zuteil, wie sie später nur wenige Komponisten empfangen konnten. Und wenn sich heute, zu seinem 190. Todestag, in der Westminsterkirche zu London namhafte Persönlichkeiten des öffentlichen englischen Lebens zu einer stillen Gedenkstunde an seinem Grabmal einfinden, so liegt darin zugleich die Verehrung und Bewunderung, die die Welt einem der größten Musiker schuldig ist, dessen Werke gerade jetzt in der Passionszeit in allen Ländern des christlich-abendländischen Kulturkreises erklingen. Wir aber wollen nicht vergessen, daß seine Wiege in Deutschland stand. ' R. Ausstellung Schweizer Malerei In der Stuttgarter Staatsgalerie ist bis zum 1. Mai eine Ausstellung „Schweizer Malerei der Gegenwart", deren Zustandekommen den Bemühungen der Schweizer Arbeitsgemeinschaft „Pro Helvetia“ und der vermittelnden Tätigkeit der Stadt Schaffhausen zu verdanken ist. Unter den 21 Künstlern, die mit jeweils acht bis zehn Gemälden vertreten sind, haben einige (Amiet, Auberjonois, Berger, Blanchet, Cogluf) schon internationalen Ruf erlangt. Im Gegensatz zu den deutschen Austeilungen fällt hier die . überwiegende Zahl großflächiger Bilder auf, die fast durchweg das Thema vom Menschen und der Landschaft zur Vorlage haben. Mit Ausnahme von Bodmer und dem 1940 verstorbenen Wiemken herrscht die impressionistische Malweise vor. Am stärksten darin sind Gubler (Frauenbildnis), Paulie (Kehraus), Berger (Badende) und Amiet (Gelbe Mädchen), Die Ausstellung offenbart ferner, daß die Schweizer Maler ihre inneren Bild- vorstellungen ganz aus dem Farberlebnis her schöpfen. Gublers Bilder zum Beispiel kreisen und singen in lauter sich, überschneidenden Farbtönen. In seiner „Sommerlandschaft“ glüht und lodert es von sprühenden Farben, ordnen sich die ineinander verschmelzenden einzelnen Motive (rote Pferde, blaues Heu, violette Häuser etc.) völlig dem gestaltenden Hauptthema unter, das sich dem Betrachtenden mit le- , bendiger Eindringlichkeit mitteilt. Ganz andere. Wirkungen erreicht Maeglin, der den Industriemensdien darstellt. Er foto- „ a Spinattulpen, Kümmelbrezeln und Hahnenbrote“ Alte österliche Speisen und Festgebäcke I S S E N Bei der Frieda war’s wie immer.— Und stell’ dir vor, Schwalben hat sie im Schlafzimmer.“ „Schwalben im Schlafzimmer? Das läßt sich der Richard gefallen?“ „Du kennst ihn doch. Er hat ein Brett unter die Nester genagelt. Da machen sie drauf.“ „So was! Aber so ist ja alles bei ihr. Hat sie vielleicht die Brokatdecke reinigen lassen?“ „Das Deckchen, das du ihr zur Hochzeit geschenkt hast? Nein, das hat immer noch die zwei Flecken.“ „Aber Schwalben muß sie haben! Im Schlafzimmer!“ Sie setzte sich resolut auf ihrem Platz zurecht, sah kurz und abweisend zu mir herauf, und biß in einen Apfel. Ich starrte zum Fenster hinaus. Vor vier Jahren, wie schauderhaft war doch damals die Finsternis! Wie unter einer gewaltigen Glocke gefangen war man sich vorgekommen, an die von außen einer mit einem höllischen Klöppel schlug. „Und von deinen Sachen war alles da?“ Die Blonde hatte einen spürbaren Ton von Bitterkeit in der Stimme. Ja, es sei alles dagewesen hieß es hinter mir. Man hätte ndth viel mehr da unterstellen können, wenn man es nur gewußt hätte. „Jetzt essen wir halt vom guten Geschirr und nehmen das Silber auch werktags.“ Aber ums Haar wäre alles verloren gewesen. Ein paar Wochen nach dem Zusammenbruch seien nämlich fremde Männer gekommen mit Gewehren. Die hätten behauptet, in der Wohnung seien Waffen. „Waren Waffen da?“ fragte die Frau vor mir eifrig. „Iwo. Aber meine Sachen waren da und die von der Paula und Hoff- manns ihr ganzes Hotelsilber. Und die Zivilkleider von den Kindern. Die Männer haben gesagt, es sei alles beschlagnahmt, was da sei. Die Frieda ist mit ihnen gegangen; sie hat mir erzählt, sie sei ganz ruhig gewesen. Nur ein bißchen Angst hat sie gehabt, weil einer betrunken war. Es ist einsam in der Bahnmeisterei, du weißt es ja.“ Der Himmel hatte sich mehr und mehr geschlossen. Das Licht war gelblich geworden und viel schmaler! „Sie sind zuerst ins Schlafzimmer gegangen, wo im Wandschrank meine Sachen waren. „Vogel“ sagt da gleich der eine von den Männern und deutet auf die Stelle überm Bett.“ „Auf was für eine Stelle?“ „Wo die Nester sind von den Schwalben. Und da kommt schon eine zum Fenster herein und hängt sich an ihr Nest. Die Frieda hat kein Wort gesagt, hat sie mir erzählt, nur immer leis gebetet. Was meinst du, was passiert? „Gute Vögel, gutes Haus“, sagt der Anführer von den Männern, hängt sein Gewehr um und geht. Die andern hinterdrein. Sie sind nie wiedergekommen, und ich habe meine Sachen.“ „So ein Blödsinn“, sagte die Frau mit dem Spankorb halblaut und tat dann, als habe sie gehustet. Im Nebenabteil sangen sie nicht mehr. In die Grenzbezirke des Expressionismus stoßen Cogluf und Pellegrini vor, erste- rer im Portrait „La feTnme en chemise", letzterer in der Darstellung des Schöpfungsaktes „Post tenebras lux". Cogluf gefällt sich in voluminösen, beinahe globalen Formen. Er beschränkt sich nur auf das Ausdruckswesentliche, das er ohne Schönfärberei mit der Sicherheit des Karikaturisten wiederzugeben weiß. Dagegen ist Pellegrini behutsamer und zurückhaltender. Ihm kommt es vor allem auf die Komposition, die Vergeistigung eines Stoffes zur absoluten Bildsprache an, W. Röse Büchermarkt somit hat das Leben der Miß Hill einen weithin wirkenden und segensreichen Zweck gehabt, über welchen diese würdige Lebensbeschreibung mit Gründlichkeit und in feiner, nobler Weise ausführlich berichtet Ein schönes, lesenswertes und der Beherzigung würdiges Buch. Karl Voßler, die romanischen Kulturen und der deutsche Geist. Wilhelm Michel, Hölderlin und der deutsche Geist. 77 und 76 Seiten, Anker-Bücherei, Stuttgart. Emst Klett 1947. Voßlers Vorträge von 1925 und Michels Aufsatz von 1923 werden durch diese beiden Bändchen einer unverdienten Vergessenheit entrissen; beide Gelehrte bemühen sich aus der Situation von damals heraus, den Deutschen geistige Lebensmöglichkeiten zu schaffen, indem die Fremd- und Eigenwerte eifrig zueinander gebracht, bzw. die Eigenwerte durch den Hinweis auf Hölderlin vertieft werden sollen. Diese Positionen sind dauerhafte seelische Größen und deshalb auch heute ebenso geltend, wie damals. Die Klarheit des Denkens, welche beide Veröffentlichungen beherrscht, ist . auch heute sehr geeignet, mancher modischen- Augenblickslaune der Publizistik entgegenzuwirken. Dr. A. v. G, Seite 12 / Nummer 75 S A Z Samstag, 18. April IMS BUNTES AUS ALLER WELT Rätselhafte Epidemie in der Arktis Die fliegenden Aerzte vor großen Schwierigkeiten An vielen nördlichen Plätzen Kanadas haben die ausgezeichneten Gesundheitsbehörden dieses Landes die „fliegenden Aerzte“ stationiert, die ihre Patienten aufsuchen auf Strecken über viele hundert Kilometer. Das Arztflugzeug führt alles mit, was an modernen medizinischen Hilfsmitteln benötigt werden könnte und steht ständig mit einer Funkstation in Verbindung, der die Position der 'Maschine bekanntzugeben ist. Denn die Fahrten über wildem, einsamem Gebiet, das während der meisten Zeit des Jahres von Schnee und Eis bedeckt ist, hat seine großen Gefahren. Der Arzt ist in vielen Fällen gleichzeitig ein tollkühner Pilot. Um zu seinen Patienten gelangen zu können, muß er manches Mal sein eigenes Leben wagen. Schneestürme von unheimlicher Wucht treten hier ganz plötzlich auf. Die Vereisungsgefahr der Flugzeuge ist groß. Oftmals gibt es keine Landemöglichkeiten. Keine öffentliche Statistik erzählt von dem Heldenmut und den Opfern dieser Männer, die in der Einsamkeit der Schneewüste, ganz auf sich gestellt, an der Arbeit sind, um den Menschen im Kampf gegen die Krankheiten zu helfen. Helden des Alltags von besonderem Format! Von diesen fliegenden Aerzten an der Grenze des bewohnbaren Gebietes dieser Erde kam nun die alarmierende Nachricht von der rätselhaften Epidemie unter den Eskimos. Die spinale Kinderlähmung ist ausgebrochen. Innerhalb kurzer Zeit verzeichnete man 13 Todesfälle. Diese Zahl ist zweifellos noch nicht vollständig, weil in vielen Fällen der Arzt nicht rechtzeitig zur Stelle war, um die Todesursache feststellen zu können. Unter tausend betreuten Personen befinden sich weitere sechzig Krankheitsfälle. Diese; Zahl ist außerordentlich hoch. Bisher galt die Arktis als ein besonders gesundes Klima, insbesondere was ansteckende Krankheiten betraf. Epidemien waren selten. Um so rätsel--. hafter ist diese. Zwischen den Erkrankten hat keinerlei Verbindung' bestanden. In den meisten Fällen waren sie auch seit vielen Monaten mit anderen Menschen nicht in Verbindung gekommen. Woher kam also die Ansteckung? Noch nie hat man bisher in diesen Gebieten Fälle von Kinderlähmung erlebt. Wie ist es möglich, daß sich die Krankheit so plötzlich und in dieser Heftigkeit durchsetzen konnte? Die Eskimos stellen sozusagen die menschlichen Vorposten gegen die Regionen des ewigen Eises dar. Sie ernähren sich meist von Pelztierjag- den, aber seit neuester Zeit hat man versucht, ihnen auch andere wichtige Aufgaben wie Wetterbeobachtung und ähnliches in die Hand zu geben. Sie haben diese Aufgabe gut gelöst in Gebieten, die für andere Menschen auf die Dauer kaum zu ertragen gewesen wären. So ist die Bedeutung der Eskimos für das öffentliche Leben in Kanada wesentlich größer geworden, und die Mediziner sehen der rätselhaften Epidemie mit größter Sorge entgegen. Zur Zeit sind mehr als 12 Flugzeuge ununterbrochen von Siedlung zu Siedlung auf den weiten Grenzgebieten unterwegs, um zu helfen, wo zu helfen ist. -sb- Die „Laubfrösche“ von Norderney In der Nähe des Nordseebades Norderney liegt Deutschlands einzige Inselwetterwarte, die von einer kleinen Anhöhe als einfaches Holzhaus über die Insel blickt. Unzählige Leitungsdrähte, Kreuze und Signaltafeln sind als stumme Helfer auf dem Dach angebracht. In bescheidenen Räumen arbeiten die Meteorologen mit ihren luft-, licht- und feuchtigkeitsempfindlichen Apparaten. Die Wissenschaftler, die das ganze Jahr hier oben verbringen, merken wenig vom Kurbetrieb. Ihre Aufgabe, der sie sich ohne Unterlaß widmen, besteht darin, die Veränderungen des Wetters, der Luft- und Meeresströmungen festzustellen und mit Hilfe von Formeltafeln und Meßinstrumenten die künftigen Witterungsverhältnisse zu ermitteln. Tag und Nacht werderi jede Stunde die errechneten Ergebnisse telefonisch an die Wetterzentrale in Hamburg-Quickborn durchgegeben. Aber nicht nur die Witterungsverhältnisse werden kontrolliert, außerdem betreibt man auch laufend Klimaforschungen, da sich die Temperaturen schon 50 Kilometer südlicher um drei und mehr Grad verändern. Norderney, das als Heilbad bekannt geworden ist, verfügt über ein sehr angenehmes Klima und selbst im Winter wehen hier oft .linde Lüfte, denn der Golfstrom erwärmt. dfe kalten Duftschichten. In beißen .Sommern = herrscht hier deshalb eine wüstenartige Temperatur, die Luft ist trocken und zwischen den Zähnen knirscht der Sand. Diese Verhältnisse wurden aber nur sehr selten beobachtet. Normalerweise atmen die Bewohner frische klare Meeresluft, die die heilende Wirkung mit sich bringt. Das vom Festlande aus nicht sichtbare Meeresleuchten läßt sich auf Norderney schon einen Tag im voraus bestimmen, obwohl es nicht mehr als ein halbes Dutzend Mal im Jahre auftritt. Der Binnenländer ist immer erstaunt, wie plötzlich trotz herrlichstem Sonnenschein dicke Seenebel auftauchen können. Auch dafür haben die Wissenschaftler eine Erklärung gefunden. Diese Nebel entstehen, wenn das Wasser eine verhältnismäßig niedrige Temperatur erreicht hat. Die zugeführte Luft wird plötzlich abgekühlt und läßt die Nebelwände entstehen. Die „Laubfrösche“, wie die Meteorologen im Volksmunde genannt werden, erklären, daß die Wettervoraussage keineswegs zufällig« Glückssache, sondern ein wissenschaftlich erarbeitetes Ergebnis 'darstellt. Die Natur, die noch in so vielen Gebieten unerforscht ist und Wissenschaftlern immer neue Probleme aufgibt, hat so viele *Tücken, daß es keine unbedingt zuverlässige,. aber immerhin eine Voraussage gibt, die fast stets zutreffend ist top. „Es reist sich wieder gut in Deutschland“ Schlagadern des Verkehrs gehen von Norden nach Süden — tjuerverbindüngen sind weniger gefragt NP. Frankfurt. Zwischen Nordsee und Alpen laufen auf den Hauptschienensträngen der Eisenbahn jetzt 22 Speisewagen. 132 weitere Schnell- oder Eilzüge sind bewirtschaftet, und geschulte Mitropakellner versorgen die Gäste mit Getränken, Tabakwaren und kalten Platten. Im neuen Sommerfahrplan werden ab 15. Mai die' meisten internationalen Züge, die Deutschland berühren und bisher als „Devisenzüge“ für die Deutschen gesperrt waren, für den allgemeinen Verkehr zugelassen. Die dritte Klasse wird in den wichtigsten FD- und D-Zügen wieder zur Polsterklasse. Die Gäste dir Schlafwagen bleiben vorerst noch auf die teure zweite Klasse angewiesen. Dritter-Klasse- Schlafwagen gibt es noch nicht wieder. » Die Schlagadern laufen heute von Norden nach Süden. Kurz vor dem Eisernen Vorhang beginnen die Schienen einzurosten. Die West-Ost- Querverbindungen haben viel an Bedeutung verloren. Die dichteste Folge an Zügen verzeichnen die Strecke von der Nordsee über Hannover nach Frankfurt, von den Städten der Ruhr nach Frankfurt und von Frankfurt nach München. Ein junger Krankenwärter an einem Krankenhaus in England machte eine Erfindung, mit deren Hilfe es möglich ist, das während einer Operation verlorengehende Blut dem Körper des Patienten auf automatischem Wege sofort wieder zuzuführen. Er erfand einen neuen, patentJbrten Typ eines Operationsmessers, das beim Schneiden das fließende Blut auffängt, reinigt und in die Venen des Patienten zurückpumpt. Der Erfinder ist der 24jährige W. G. George, ein Instrumententechniker im Operationsraum des städtisch "i Krankenhauses in Exeter in Wf »ngland. Das Messer hat eine gei te Klinge mit einer vom Griff ausgehenden kleinen Röhre. Sobald der Einschnitt gemacht ist, saugt Vom Westen bis an die Zonengrenze als östlichste Endstation gibt es nur einen direkten Zug. Es ist der Eilzug zwischen Münster und Walkenried am Südharz. Der frühere Interzonen-Expreß vom Westen über Helmstedt nach Berlin endet jetzt in Braunschweig. Angesichts des abgestorbenen Interzonenverkehrs braucht auf Anschlüsse hüben oder drüben keine Rücksicht genommen zu werden. Die Fahrpläne zwischen West und Ost sind nicht mehr aufeinander abgestimmt. Zur französischen Zone ist dieser Anschluß jedoch gesichert, obgleich dort die ehemalige Reichsbahn als „Südwestdeutsche Eisenbahnen“ ihre Zonen-Selbständigkeit erhalten hat und die Besatzungsmacht diese trotz trizonalem wirtschaftlichem Zusammengehen mit allen Mitteln verteidigt. Die durchgehenden deutschen Züge haben durchweg Anschluß an das internationale Netz, und Kurswagen, die in Kürze eingeführt werden, sorgen dafür, daß man von Deutschland aus im internationalen Verkehr nicht mehr umzusteigen braucht. „Es reist sich wieder gut ln Deutschland“, betont die Auslandswerbung der Eisenbahnen. Die eine kleine elektrische Pumpe das Blut von der Wunde, läßt es durch einen Reinigungsfilter laufen und gibt es sofort wieder in die Armvene. Die Daily Mail bringt eine Notiz über diese Erfindung und zitiert darin den Ausspruch von Professor Newmann vom Singer-Laboratorium in Washington, der augenblicklich in Exeter weilt und der diese Erfindung für ausgezeichnet hält. Der Professor sagte wörtlich: „Ich halte den jungen Erfinder für einen der begabtesten Techniker eines Operationsraumes, und ich glaube, daß das Messer für die Chirurgie von größter Bedeutung sein wird. Es hat außerdem den Vorteil, daß es einfach und billig herzustellen ist. (British Inf.) Reisenden bestätigen diese Behaup- tun. Auf den Hauptstrecken wird zusammen mit dem Sommerfahrplan die Friedensgeschwindigkeit erreicht. Die Schnellzugswagen befinden sich durchweg in gutem Zustand. Heizung und Beleuchtung funktionieren. Alle Spuren jahrelanger Vernachlässigung verschwinden. Die Reisenden selbst sind rücksichtsvoller, der Umgangston ist höflicher geworden. Man respektiert die Nichtraucherabteile. Und die Bahn droht nicht mit Strafe, sondern spricht freundlich von „Raucher-Buße“, die in Höhe von zwei Mark gezahlt werden muß, wenn man im Nichtraucherabteil die Zigarre ansteckt. .Für 75 Pfg. bis 1,50 DM je nach Zugklasse kann man sich einen Sitzplatz reservieren lassen. Das Wort „Zulassungskarte“ ist aus dem Sprachgebrauch der Eisenbahn verschwunden. Mit neuen technischen Verbesserungen und größtem Entgegenkommen an die Bequemlichkeit und den Komfort des Reisenden sucht die Bahn für sich zu werben, um die noch immer vorhandene Unterbilanz auszugleichen. Man ging dabei nach amerikanischem Muster so weit, Sonderzüge mit Bar- und Tanzwagen laufen zu lassen. Auch der Sonderzug-Ferienreisebetrieb wird überall gefördert. Die neuen Doppeldecker, eine verbesserte Auflage der zweistöckigen Wagen des bekannten Halütra-Expreß, der in der Zeit vor dem Krieg zwischen Hamburg, Lübeck und Travemünde eingerichtet wurde, werden sogar zu Ferien- Schlafwagenzügen zusammengestellt werden können. Erstmalig in deutschen Schlafwagen schläft man hier in der Längsrichtung und nicht quer zum Schienenstrang. Im übrigen werden die Doppeldecker billiger im Betrieb und bieten dem Dritter-Klasse-Gast alle Bequemlich- lichkeiten zweiter Güte. Man soll wieder mit guter Laune reisen. Schon auf den Bahnhöfen lädt die Bahn ihre Gäste „poetisch“ dazu ein: Laß Dein ruppig Fell zu Haus, .Geht mit guter Laune aus! Höflichkeit in jeder Lag« Operalionmesser verhindert Blutverlust Etwas zum Schmunzeln <3fc> /Wort U/A k Erste Ausfahrt Siet willst Du etwa fahren Schätzchen? I österlicher Wind Sie: Wie kann man nur so empfindlich sein — mir zieht es nicht! mmm fiGNOERStD*/ \ LvWä? Der Morgenzug Ja, ja... sechs Stunden w arten ist keine Kleinigkeit (Aus: The Saturday Evening Post) Die hartnäckige Lebensmittelkarte In einer Münchener Gaststätte fiel der Kellnerin die Lebensmittelkarte eines Gastes, nachdem sie die für das bestellte Gericht erforderlichen Marken abgeschnitten hatte, in den Suppenteller. Um sie zu trocknen, legte sie das Mädchen in der Küche auf den Deckel eines auf dem Herd stehenden Topfes. Die Lebensmittelkarte klebte jedoch so fest, daß sie ’ ohne merkliche Beschädigung nicht mehr entfernt werden konnte. Daraufhin nahm der wütende Gast den Deckel mit dem hartnäckigen Stück Papier an sich und trug ihn zu seiner Kartenverteilungsstelle, um sich an Hand des recht umfangreichen Beweisstückes neue Marken aushändigen zu lassen. Aber er hatt« nicht mit der umständlichen Gewissenhaftigkeit der Behörden gerechnet. Die Bezirksstelle machte sich zunächst einmal erneut daran, die Lebensmittelkarte loszulösen, was nach zeitraubenden Versuchen wiederum mißlang. Sodann wurde das Münchener Hauptemährungsamt angerufen, das schließlich telefonisch die Genehmigung zur Ausgabe neuer Marken gab, nachdem der ganz« Vorfall protokollarisch festgehalten wurde. Endlich im Besitz seiner Lebensmittelkarte mußte der Gast noch den Deckel in das Lokal zurücktragen, worauf er sich vornahm, nur noch ohne Karte zu essen (top.) \ -frJitOdcrt*!'-' J * •«♦kühie* x ® u ® n '*** isWer Ober- . .*■■*“,kMÄ® 11 * «w— M a , W 5 Upfelmus 750 gr 1.« De«wrt*« n ola , 3.80 V35 —•• n ' HerinqsWet* 1,1o Splr'*“ 0 '*" iafe\aquw A f , 10.40 Hermg«>'®;* nke 4 ol in iomo' en Do „ 1.4» sterling Q .q »•sstt» S»'%ni.io «tlrf rri"»- 5 » heu( . Osin.-n--» VorkaoHräume uhr 9 e»«" e ’ 'J"» re dürchg ehe ' ,d b ' S V- ^ . - CHIR DAS HAUS MIT DEN GEPFLEGTESTEN SPEZIALABTEILUNGEN /yyUt jttuoeecr - AsaAA-&i£rh AfrCVtr! Jam TjürnUnluM^ Gläser Strümp! 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