0 KARLSRUHER NEUE Erscheinungsweise; Täglich, außer Donnerstag ood Sonntag. Redaktion, Verlagsabteilang und Druck Karlsruhe, Waldstra&e 28. Telefon Nr. 922/923 (Dringend Presse). Anzeigenannahme und Vertrieb: Karlsruhe, Kaiserstrafie 69, Telefon 6649t Dar lach, PfinxtaU stra&e 49. Ettlingen f.eopoldstraße S. Telefon 36, Bvdihandlung Le4rner* 5ÜDD m V I cmrmc uo nt aiNG dste jiooatlkh DM 2.49 einschließlich TrSgeigeböbt, l>M 2.20 zurügiich Zustellgebühr. — Anzeigen« ^ Die sechsgespaltene, 46 mir breite MÜlimeterzeile Milli* ^('Grundpreis DM —.80, Im übrigen siebe zur Zeit gültige Preie« ‘ NS. 3 a, — Postscheckkonto: Postscheckamt Karlsruhe Nr. 3. Jahrgang / Nummer 199 Karlsruhe, Mittwoch, 12. Oktober 1949 Einzelpreis 15 Pfennig Sowjets lösen Militär-Verwaltung auf Verwaltungsfunktionen auf Ostzoneu-Regierung übertragen — Sowjetische Kontrollkommission löst SMV ab BERLIN, 11. 10. (dpa). Die Sowjetregierung hat beschlossen, der „provisorischen Regierung der Deutschen demokratischen Republik die Verwaltungsfunktionen zu übertragen, die bisher der sowjetischen Militärverwaltung in Deutschland zustanden. An die Stelle der SMV wird eine sowjetische Kontrollkommission treten, der die Kontrolle über die Erfüllung der Potsdamer und anderer deutscher betreffender Viermächtebeschlüsse obliegt.“ In einer vom sowjetisch lizenzierten Allgemeinen Nachrichtendienst verbreiteten Erklärung des sowjetischen Oberbefehlshabers in Deutschland, General Tschuikow, heißt es, die Sowjetregierung habe sich angesichts der Beschlüsse des „Deutschen Volksrates", der auf dem Boden der Potsdamer Beschlüsse stehe, zu dieser Maßnahme entschlossen. General Tschuikow umreißt noch einmal den sowjetischen Standpunkt zur jüngsten politischen Entwicklung Deutschlands und kommt zu dem Schluß, daß die durch die Bildung der Bonner Regierung vertiefte Spaltung Deutschlands nicht lange währen könne. Eine solche Lage stehe „zu sehr im Widerspruch zum tiefsten Verlangen des deutschen Volkes“. Die Erklärung General Tschuikows wurde auf einem Empfang bekanntgegeben, an dem von deutscher Seite das Präsidium der „provisorischen Volkskammer“ und der Ministerpräsident der Sowjetzonenregierung, Grotewohl, teilnahmen. Grotewohl versicherte, die Sowjetzonenregierung werde die dem deutschen Volke auferlegten Reparationsverpflich- Massenverhaftungen in Prag PRAG, 11. 10. (UP). In der Nacht zum Dienstag wurden in Prag wieder mehrere hundert Personen verhaftet. Aus zuverlässiger Quelle verlautet, daß die Razzia der vergangenen Nacht die umfangreichste seit Beginn der Verhaftungswelle in der CSR vor mehr als einer Woche war. Die meisten Fest- geuommenen seien sofort aus der Stadt abtransportiert und in Zwangsarbeiterlager geschaffen worden. Es handelte sich dabei wie bisher um Aerzte, Rechtsanwälte, kleinere Geschäftsleute, Hausbesitzer, ehemalige Fabrikbesitzer und 1 Landeigentümer. Hiesige Beobachter sind der Ansicht, daß allein in Prag mittlerweile 10 000 Menschen verhaftet wurden. BERLIN, 11.10. (dpa). Der SED-Pressedienst berichtet am Montag aus „politisch informierten Kreisen“, daß der künftige Ministerpräsident der Sowjetzonen-Hegierung, Otto Grotewohl, die Verhandlungen über sein Kabinett mit Erfolg abgeschlossen habe. Als künftige Minister nennt der SED-Pressedienst: Karl Steinhoff (SED), Innenministerium, mit Hans Warnke (SED) als Staatssekretär. Georg Dertinger (CDU), Außenministerium, mit Ant. Ackermann (SED) als Staatssekretär. Heinrich Rau (SED), Wirtschaftsministerium, mit Bruno Leuschner (SED) als Staatssekretär. Fritz Selbmann (SED), Industrieministerium, mit A. Wunderlich (NDP) als Staatssekretär. Georg Handtke (SED), Handelsministerium, mit Ganter-Gillmann (CDU) als Staatssekretär. Luitpold Steidle (CDU), Arbeitsministerium, mit Paul Peschke (FDGB) als Staatssekretär. Emst Goldenbaum (Demokratische Bauernpartei), Landwirtschaftsministerium, ohne Staatssekretär. Dr. Hans Loch (LDP), Finanzministerium, ohne Staatssekretär. Max Fechner (SED), Justizministerium, ohne Staatssekretär. Paul W. Wandel (SED), Volksbildungsministerium, ohne Staatssekretär. Der SED-Pressedienst nennt ferner als Minister oder Staatssekretäre: Dr. Lothar Bolz (NDP), Fritz Burmeister (CDU), Dr. Helmut Brandt (CDU) und Ruth Fabisch (LDP). Chef der Staatskanzlei wird voraussichtlich Fritz Geyer (SED). Nach der gleichen Quelle sollen Prof. Kästner (LDP), Otto Nuschke (CDU) und Walter Ulbricht Welt-Rundschau WIEN. Die österreichische Regierung ist am Dienstag gemäß den Bestimmungen der österreichischen Verfassung zurückgetreten. — ROM (UP). Süditalien und Sardinien wurden in der Nacht zum Dienstag von schweren, mit starken Regenschauern begleiteten Stürmen heimgesucht. Mehrere kleinere Dörfer wurden überflutet. — KANTON (UP). Die Vorhut der nach Süden vorstoßenden kommunistischen Streitkräfte steht gegenwärtig nur noch etwa 50 Kilometer vor Kanton. — BATAVIA (UP). Der „Ost-Java- Expreß“ lief zwischen Surabaya und Malang auf mehrere Minen und entgleiste. Dabei wurden acht Reisende getötet und drei verletzt. — OGDEN, Utah. Ein Bomber stürzte beim Versuch einer Notlandung in den großen Salzsee. Fünf Besatzung litglieder fanden den Tod. (Alle hiei mi. gezeichneten Nachrichten „dpa“) tungen anerkennen und im Einklang mit den Bestimmungen des Potsdamer Abkommens arbeiten. Sie wolle friedliche und freundschaftliche Beziehungen zu allen Ländern der Erde hersteilen. Wilhelm Pieck — Staatspräsident BERLIN, 11. 10. (UP). Die provisorische Volkskammer und Länderkammer der neugebildeten Deutschen demokratischen Republik wählte am Dienstagnachmittag einstimmig Wilhelm Pieck zum Präsidenten der ostdeutschen „Volksrepublik“. Pieck wurde nur wenige Minuten nach seiner Wahl vereidigt. Vorher hatte Johannes Dieckmann, der Präsident der „Volkskammer“, den beiden Häusern eine Erklärung verlesen, in der die Sowjetunion der ostdeutschen Regierung volle Regierungsbefugnisse verspricht. Laut dpa hatten die Volkskammer und Länderkammer vor der Wahl des Staatspräsidenten einstimmig die erste Gesetzesvorlage verabschiedet, mit der die Hauptverwaltung der „Wirtschaftskommission“ und andere sowjetzonale Verwaltungen in Ministerien der „Deutschen demokratischen Republik“ übergeleitet werden. Als Rebell gegen die „bürgerliche“ Richtung in der SPD begann Wilhelm Pieck vor dem ersten Weltkrieg seine politische Tätigkeit. Der am 3. Januar 1876 in Guben (Niederlausitz) geborene Tischlergeselle Wilhelm Pieck ging früh auf Wanderschaft und trat 1894 in den Holzarbeiterverband ein. 1895 wurde er Mitglied der SPD und galt bald als Exponent des linken Flügels. Während des ersten Weltkrieges organisierte Pieck die illegale Anti-Kriegpropa- ganda und gründete die Gruppe „Internationale“, den späteren Spartakusbund. Bei Gründung der Kommunistischen Partei Deutschlands am 1- Januar 1916 wurde Pieck in das Zentralkomitee gewählt. 1921 besuchte er die Sowjetunion und lernte Lenin keinen. 1925 war Pieck Fraktionsführer der KPD im preußischen Landtag. 1928 wurde er in die Führung der kommunistischen Internationale gewählt, die ihn auf ihrem siebenten Weltkongreß zum Sektretär ernannte. In den 12 Jahren nationalsozialistischer Herrschaft war Pieck in der Sowjetunion. Im Kriege leitete er das von ihm mitbegründete (SED) stellvertretende Ministerpräsidenten werden. Moch mit Regierungsbildung betraut PARIS, 11.10. (UP). Der französische Staatspräsident Auriol hat am Dienstag den bisherigen Innenminister Jules Moch (Sozialist) offiziell mit der Regierungsbildung beauftragt. Sowjetstaaten gegen Untersuchung NEW YORK, 11. 10. (dpa). Im zweiten politischen Ausschuß der UNO-Vollversammlung wandten sich am Montag die Vertreter der Ukraine und der Tschechoslowakei gegen die Untersuchung von Verletzungen der Friedensvertragsbestimmungen über die Menschenrechte in Ungarn, Bulgarien und Rumänien. Der ukrainische Delegierte Manullski erklärte, bei den Prozessen gegen Rajk, Kardinal Mindszenty und den Führer der bulgarischen Bauernpartei, Petkoff, sei in jedem Falle Landesverrat aufgedeckt worden. Es handele sich daher um eine innere Angelegenheit der beschuldigten Länder. BONN, 11.10. Die schon seit einiger Zeit diskutierte Frage der Einbeziehung West- Berlins als zwölftes Land in die Bundesrepublik Deutschland ist nach Ansicht politischer Kreise in Bonn in ein neues Stadium getreten. Von alliierter Seite wird bekannt, daß Amerikaner und Engländer nunmehr ein weitgehendes Entgegenkommen gegenüber den deutschen Wünschen in diesem Punkt zeigen. Die französische Haltung ist nach wie vor abwartend, dürfte jedoch nach der Rückkehr des Oberkommissars Francois- Poncet von Paris am Dienstagabend ebenfalls eine klare Linie zeigen. Die am Dienstag in Frankfurt von den Hohen Kommissaren begonnenen Besprechungen zu diesem Thema werden am Donnerstag auf dem Petersberg fortgesetzt. Dabei wird das neue Statut für Berlin eine besondere Rolle spielen. Nach Informationen von alliierter Seite soll in diesem Statut im Zusammenhang mit dem gesamten Fragenkomplex der Einbeziehung Berlins in die Bundesrepublik „Nationalkomitee Freies Deutschland“. Sein Sohn Arthur diente als Offizier in der Roten Armee. Im Januar 1945 wurde Pieck zum Präsidenten des Zentralkomitees der KPD berufen. Er reichte als Vorsitzender der KPD Grotewohl als „Beauftragtem der SPD der Sowjetzone“ am 21. April 1946 die Hand zur Bildung der „Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands“(SED). deren Vorsitz sich beide in den darauffolgenden Jahren teilten. Pieck wurde in das Präsidium des Volksrates gewählt und ist Chef des Politbüros in der Sowjetzone. STUTTGART, 11. 10. (SAZ-Ber.) Im Anschluß an eine Sitzung des Ständigen Ausschusses des württemberg-badischen Landtages wurde ein Kommunique ausgegeben, in dem es u. a. heißt: „Der Ständige Ausschuß hat in seiner Sitzung die Erklärungen des Ministerpräsidenten Dr. Reinhold Maier über den gegenwärtigen Stand der Verhandlungen über das Problem des Südweststaates entgegengenommen. Der Ausschuß stimmte der Auffassung der Regierung zu, daß in erster Linie auf Grund des Artikels 118 des Grundgesetzes eine Vereinbarung der beteiligten südwestdeutschen Länder angestrebt und herbeigeführt werden soll, um die Verabschiedung eines Gesetzes durch den Bundestag zu erübrigen. Die Auffassung des Ständigen Ausschusses ging dahin, daß zunächst eine Volksabstimmung über die Schaffung des Südweststaates stattfinden soll. Sollte die grundsätzliche Abstimmung über den Südweststaat verneinend ausfallen, so sei dadurch das Fortbestehen des Staates Württemberg-Baden zunächst nicht berührt. Npr im Wege einer Verfassungsänderung könne die Voraussething für die Wiederherstellung der alten Länder Baden und Württemberg geschaffen werden. Hierzu »ei eine Zweidrittelmehrheit des Landtages erforderlich. Ein solcher Beschluß müsse jedoch durch die Wähler von Württemberg-Baden mit einfacher Mehrheit bestätigt werden. Di« Zustimmung einer Wiederherstellung der Länder Württemberg ^Ind Baden bedürfe sodann einer Mehrheit der Wähler des Lande« Württemberg und Baden in ihrer Gesamtheit.“ STUTTGART, 11. 10. (SAZ-Ber.). In einer Erklärung nahm Wirtschaftsminister Dr. Hermann Veit Stellung zu einem Interview der „Neuen Zeitung“ mit Staatspräsident Leo der Begriff „Land“ für Berlin durch eine andere Formulierung ersetzt werden. In politischen Kreisen Bonns wird bereits heute die Frage aufgeworfen, wie sich die Zusammensetzung des Bundestages nach einem eventuellen Einschluß Berlins in den westdeutschen Staat verändern wird. Es ist möglich, daß bei einer solchen Regelung die SPD als stärkste Partei im Bundestag vertreten ist. Schwedische Vertretung in Bonn STOCKHOLM,. 11. 10. (dpa). Die schwedische Regierung hat sich auf eine entsprechende Anfrage der Alliierten Hohen Kommission für Westdeutschland am Montag bereit erklärt, in Kürze eine schwedische Vertretung in Bonn einzurichten, die bei der Alliierten Hohen Kommission akkreditiert und berechtigt ist, mit der deutschen Bundesregierung direkte Verbindung aufzunehmen. Zum vorläufigen Leiter der schwedischen Vertretung wurde Generalkonsul Bur- nolf Eng ernannt. Niederlage der KP in Norwegen OSLO, 11. 10. (dpa). Nach den bei Redaktionsschluß vorliegenden Wahlresultaten au« 638 Landgemeinden und 42 Städten Norwegens liegt die Arbeiterpartei mit weitem Vorsprung in Führung, während sich die kommunistische Niederlage immer deutlicher abzeichnet. Die voraussichtliche Verteilung der Mandate im neuen norwegischen Storting ist laut NTB wie folgt: Arbeiterpartei 87 (76 im alten Storting), Konservative 21 (26), Liberale 20 (20), Bauernpartei 13 (10), Christliche Volkspartei 8 (8), Kommunisten 1 (11). Diese Zahlen sind vorläufig und stellen noch nicht das endgültige Ergebnis dar. Wohieb, in dem dieser sich gegen den Südweststaat aussprach und unter anderem erklärt hatte, Mannheim werde nicht zum Vorort Karlsruhes herabsinken. In der Erklärung Dr. Veits heißt es: „Staatspräsident Wohieb ist kein Hellseher. Deshalb interessiert e* nicht, welchen Ausgang er der Volksabstimmung prophezeit- Warum hat er sie denn bisher mit allen Künsten zu verhindern gewußt, wenn er seiner Sache so sicher ist? Nicht nur Baden gibt im kommenden Südweststaat seine Eigenstaatlichkeit auf, sondern all« Länder, die sich im Südweststaat zusammenschließen. Wenn alle Argumente für den Südweststaat Herrn Staatspräsidenten Wohieb nicht überzeugen konnten, so liegt da* nicht an den Argumenten. Die ohnehin geringere Steuerkraft des Landes Baden wird nach dem Grundgesetz durch Entziehung vor allem der Tabaksteuer weit mehr geschwächt, als die Steuerkraft von Württemberg. Woher will der Herr Staatspräsident denn vier Hochschulen in Baden finanzieren und fünf schwerzerstörte Städte aufbauen? Mannheim ist nicht Vorort von Heilbronn, sondern Eingangspforte in den schwäbischen Raum. Karlsruhe wird es nicht besser gehen, wenn Herr Staatspräsident Wohieb dort seinen Einzug hält. Der Herr Staatspräsident hat gesagt, er blicke nach dem Westen. Er sollte pur nach Deutschland schauen.“ Ludwigshafener IG-Werk nach Holland AMSTERDAM, 11. 10. (dpa). Die Interalliierte Reparationsagentur in Brüssel hat nach Angaben der holländischen Presse der Ueber- gabe der Chlor- und Sodafabrikeinrichtung der IG-Farben in Ludwigshafen an Holland zugestimmt. Senatoren fordern Demontagestop WASHINGTON, 11. 10. (dpa). Eine Revision des Demontageprogramms in Deutschland forderte Senator Wherry (Demokrat) am Montag vor dem USA-Senat in Washington. Wherry sagte, daß er mit dem Hohen Kommissar für Deutschland, John J. McCloy, darüber gleicher Meinung' sei, daß die planlose Demontage der deutschen Industrie beendet werden sollte. Die Fortsetzung der Demontagen bringe weitere Arbeitslosigkeit und eine erneute Belastung des amerikanischen Steuerzahlers mit sich, dessen Geld für den Wiederaufbau der Industrie in Deutschland verwandt werde. Zu den Einwänden, daß der Aufbau in Deutschland zu schnell oder zu weit gehe, machte Wherry den Vorschlag, für das Ruhrgebiet eine internationale militärische Kontrolle zu schaffen. Wherry kündigte an. daß er dem Senat in Kürze ein Schreiben von insgesamt 44 Senatoren an Außenminister, Acheson vorlegen werde, in dem ein Demontagestop gefordert wird. Grotewohl bildete sein Kabinett SED erhält Innen- und Justizministerium — CDU übernimmt Außenpolitik Offizielle Antwort an Wohieb Zurückweisung des stidbadischen Vorschlags — Dr* Veit kritisiert Wohieb Bundesrepublik in Paris vertreten Nunmehr eigene Vertreter im Marshallplan-Büro BONN. 11. 10. (dpa). Die Bundesregierung trat am Dienstagvormittag unter Vorsitz von Bundeskanzler Dr. Adenauer zu ihrer turnusmäßigen Kabinettssitzung zusammen. Im Anschluß an die Sitzung gab die Bundesregierung laut UP bekannt, daß die Bundesrepublik Deutschland nunmehr eigene Vertreter zum Marshallplan-Büro (OEEC) nach Paris entsenden kann. In einem nach einer Kabinettssitzung veröffentlichten Kommunique heißt es hierüber u. a.: „Die Hohen Kommissare haben die deutsche Bundesregierung ermächtigt, Delegierte zu.ernennen, die die Regierung der Bundesrepublik Deutschland in der Organisation der europäischen Zusammenarbeit vertreten. Die Bundesregierung begrüßt den Schritt der Hohen Kommission als eine Maßnahme, die den Bereich der deutschen Verantwort- Wird Berlin doch zwölftes Land? Amerikaner und Engländer jetzt entgegenkommender — Franzosen abwartend Bericht unserer Bonner Redaktion lichkeit erweitert und die deutsche Selbständigkeit verstärkt. Die deutsche Regierung setzt damit die Uebereinkünfte fort, die von der- amerikanischen Regierung und den 'drei Militärgouvemeuren getroffen worden sind." Wie Wirtschaftsminister Prof. Erhard laut dpa weiter mitteilte, schlägt das Bundeswirtschaftsministerium an Stelle einer Demontage bestimmter' wichtiger Werke der Schlüsselindustrien Entnahmen aus der laufenden Produktion vor. Außerdem sei bei bestimmten Industrieunternehmen eine gemeinsame deutsch-ausländische Gewinnbeteiligung vorgesehen. Prof. Erhard sagte, daß diese deutschen Vorschläge der alliierten Kommission bisher noch nicht überreicht worden seien. Das Bundeswirtschaftsministerium habe sie ausgearbeitet und der Bundeskanzlei übermittelt. Er fügte hinzu, daß die Bundesregierung zunächst einen allgemeinen Demontagestop gefordert habe. Ein entsprechendes Ersuchen sei bereits der Hohen Kommission zugegangen. Seite 2 / Nummer 199 KARLSRUHER NEUE ZEITUNG Mittwoch, 12. Oktober 184« KAR1SRUHER NEUE ZEITUNG «sag™» USA im Streikfleber UPK. Gleichzeitig mit Schluß des Sommerhalbjahres hat auch die friedliche Entwicklung der amerikanischen Wirtschaft, durch die die letzten sechs Monate gekennzeichnet waren, ihr Ende gefunden. Der Himmel über Pittsburg, der größten Stahlschmiede der Welt, ist des Nachts nicht mehr glutrot gefärbt, seit um Mitternacht zwischen dem 30. September und 1. Oktober 3 500 000 Stahlarbeiter auf Befehl ihres Gewerkschaftspräsidenten die Arbeit niedergelegt haben. Allein im Staate Pennsylvanien sind 74 Hochöfen gelöscht worden mit einer jährlichen Kapazität von 28 Millionen Tonnen, also fast einem Drittel der Gesamtkapazität der Vereinigten Staaten. Und es scheint fast nur noch eine Frage der Zeit, wann weitere 500 000 Arbeiter der stahlverarbeitenden Betriebe mit in den Strudel des Streiks gerissen werden. Schon am 15. Juli waren die Kontrakte zwischen der Gewerkschaft und der Stahlindustrie abgelaufen, und dieser Termin war schon seit längerem von seiten der Gewerkschaft für einen großangelegten sozialpolitischen Vorstoß ins Auge gefaßt worden. Neben einer reinen Lohnerhöhung, die von vornherein mehr als taktisches Kompensationsobjekt gefordert wurde, zielte man nicht nur auf erhöhte Zuschüsse seitens der Arbeitgeber zum Pensionsfonds und zur Sozialversicherung der Arbeitnehmer, sondern vor allem auf die Durchsetzung des Prinzips, daß derlei soziale Aufwendungen grundsätzlich ausschließlich von Unternehmerseite zu erfolgen hätten. Zu einer Anerkennung dieses Prinzips aber haben sich die Arbeitgeber nicht bereitfinden können. Nachdem es Präsident Truman gelungen war, dreimal den endgültigen Termin für einen Abbruch der Verhandlungen hinauszuschieben, zuletzt bis zum 30. September, bemühte sich die Bundesschlichtungskammer um einen Ausgleich durch Herausgabe von Empfehlungen, die unter Wegfall der reinen Lohnerhöhung im allgemeinen den Wünschen der Gewerkschaft entsprachen. Die „United Steel Workers “ haben dementsprechend auch die Empfehlungen sofort angenommen, während „Big Steel “ sie lediglich zur Grundlage neuer Verhandlungen zu machen gewillt war. Da diese bis zum 30. September zu keinerlei Ergebnis führten, wurde der latente Zustand der Vertragslosigkeit effektiv, und Philip Murray, der gleichzeitig Präsident der United Steel Workers sowie des Spitzenverbandes „Congress of Industrial Organisations“ (CIO) ist, gab den Befehl zur Arbeitseinstellung. Sie ist die erste seit dem vierwöchigen Streik im Jahre 1946 und die erste überhaupt, die zeitlich mit einem Bergarbeiterstreik zusammenfällt. Das bringt zweifelsohne eine gewisse Verschärfung der Auswirkungen mit sich, kann aber von einem anderen Standpunkt aus gesehen als geringeres Uebel betrachtet werden; insofern, als bei Fortdauer des Bergarbeiterstreiks die Stahlanlagen sowieso hätten schließen müssen, um dann später, wenn wieder genügend Kohle vorhanden sein würde, infolge gescheiterter Lohnverhandlungen in der Stahlindustrie selbst noch einmal geschlossen zu werden Der durch die Streiks hervorgerufene Produktionsausfall, der bei längerer Andauer das gesamte Gefüge der nordamerikanischen Wirtschaft schwer erschüttern müßte, wird gerade jetzt als umso unangenehmer empfunden, als ln den vergangenen Monaten die nach dem Kriege aufgetretenen inflationistischen Tendenzen zum Abklingen zu kommen schienen und im August zum ersten Male seit acht Monaten wieder eine Produktionssteigerung festzustellen war. Der Schlichtungsausschuß der Regierung will, ehe er wieder eingreift, beide Seiten erst etwas „abkühlen“ lassen. Er mag wohl hoffen, daß sie sich dann darüber im klaren seien, wer bei längerem Stilliegen von Hütten und Zechen die Zeche bezahlt. Grundsätze des Gewerkschaftsbundes In dieser Woche wird der neue Deutsche Gewerkschaftsbund gegründet Bericht unseres w.k. - Mitarbeiters KÖLN. Fünf Millionen Mitglieder wird der neue deutsche Gewerkschaftsbund haben, der durch den Gründungskongreß vom 12. bis 14. Oktober in München ins Leben gerufen wird. Er geht aus sieben Organisationen hervor, die bisher durch Zonen und Länder getrennt waren und wird die vielen Einzelverbände zu 16 Gewerkschaften zusammenfassen, die nach dem Prinzip der Industriegewerkschaften aufgebaut sein werden. Durch den Vorbereitenden Ausschuß werden dem Gründungskongreß Vorlagen auf den Gebieten der Wirtschaftspolitik, der Sozialpolitik, des Streikrechtes sowie Forderungen für die erwerbstätigen Frauen und für die arbeitende Jugend unterbreitet werden. Besonderes Interesse finden dabei die Richtlinien zur Führung von Arbeitskämpfen und die Grundsätze für die Sozialpolitik, deren wichtigste Punkte im Nachfolgenden kurz skizziert sind. Über den Streik wird darin gesagt, daß die Arbeitsniederlegung nur das letzte Mittel zur Durchsetzung gewerkschaftlicher Forderungen sein dürfte und vor der Arbeitseinstellung alle Verhandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft werden müssen. Arbeitskämpfe müssen vom Hauptvorstand der Gewerkschaften genehmigt werden und entsprechende Anträge beim Vorstand erfordern, „die durch geheime Abstimmung festzustellende Unterstützung von mindestens 75 v. H. der abstimmungsberechtigten Beteiligten“. Bei der Entscheidung über Streiks dürfen die Gewerkschaftsvorstände jedoch nicht nur das Abstimmungsergebnis, sondern müssen auch die.Gesamtumstände wie Konjunktur und Auswirkung des Streiks auf andere Werke und Wirtschaftszweige berücksichtigen. Einleitend wird In den Grundsätzen des neuen Gewerkschaftsbundes zur Sozialpolitik gesagt: „Die Gewerkschaften betrachten als Sozialpolitik alle Maßnahmen und Bestrebungen in der Gesellschaft, die der Sicherung der Existenz des arbeitenden Menschen und seiner Familie, dem Schutz seiner Arbeitskraft, der Existenzsicherung der' Arbeitsunfähigen und unfreiwillig Arbeitslosen, sowie der Hebung des Lebensstandards dieser Gruppen dienen und der Würde des arbeitenden Menschen gerecht werden. Sozialpolitische Arbeit ,der Gewerkschaften ist einerseits Selbsthilfe, das heißt Kampf um die Verbesserung der Lebenslage und der Arbeitsbedingungen der Arbeitnehmer mit den sozialen Gegenspielern, den Arbeitgebern. Sie ist andererseits Beeinflussung der Gesetzgebung, damit diese den sozialpolitischen Erfordernissen Rechnung trägt“. Uneingeschränkte Anerkennung des Koalitionsrechtes und Mindestarbeitsbedingungen für besonders schutzbedürftige Arbeitnehmergruppen sind weitere Forderungen, zu denen ergänzend gesagt wird, daß die Regelung der Lohn- und Arbeitsbedingungen Angelegenheit der Unternehmer und der Gewerkschaften sei. Im Artikel 5 der sozialpolitischen Grundsätze wird auf den Unterschied in der Lebenshaltung des unverheirateten Arbeitnehmers gegenüber seinem verheirateten Kollegen hingewiesen, der mehrere Kinder zu versorgen hat. Diese Differenz werde durch die Entwicklung zum Leistungslohn noch verschärft und zwinge zu ausgleichenden Maßnahmen, doch könne das Problem durch innerbetriebliche Lohngestaltung allein nicht gelöst werden. Der Ausgleich müsse daher auf überbetrieblicher Basis erfolgen und dem kinderreichen Arbeiter durch die Gewährung von Beihilfen eine bessere Lebenshaltung ermöglichen. Weiter fordern die Gewerkschaften einen Neuaufbau der Sozialversicherung mit ausreichenden Leistungen, die als eigene Angelegenheit der Versicherten unter deren Selbstverwaltung gestellt werden soll. Auch sollen die Arbeitslosenversicherung und die Arbeitsvermittlung einer für das ganze Bundesgebiet zuständigen Anstalt in Selbstverwaltung übertragen werden. Zur Sicherung eines umfassenden Arbeitsschutzes fordern die Gewerkschaften eine Zusammenfassung der für den Arbeitsschutz zuständigen Behörden zu einheitlichen Arbeitsschutz- und Aufsichtsbehörden, in denen den Gewerkschaften der notwendige Einfluß gesichert werden, soll. Artikel 8 behandelt das Arbeitsrecht und stellt fest: „Die Zersplitterung und die Uneinheitlichkeit der arbeitsrechtlichen Gesetzgebung muß Beseitigt werden durch die Schaffung eines einheitlichen Arbeitsrechtes, das in einem Arbeitsgesetzbuch zusammenzufassen ist.“ Ale besondere Forderungen werden gleicher Lohn für gleiche Arbeit und gleiche Leistung, die Unabdingbarkeit der Tarifverträge und das Recht des Arbeitskampfes erhoben und schließlich' festgestellt, daß die Arbeit eine persönliche Leistung des einzelnen für die Gesellschaft ist und nicht' als Ware gewertet werden darf. Ein gerechtes Urteil HEIDELBERG. Unter außergewöhnlichem Publikumsandrang fand vor dem ^amerikanischen Militärgericht in Heidelberg die Verhandlung gegen den 21jährigen H. Marx statt, der wegen Körperverletzung mit tödlichem Ausgang angeklagt war. Marx hatte um die Mittemachtsstunde zum 10. Juli dem Abtransport eines betrunkenen Soldaten in einer Heidelberger Straße zugesehen. Ein Angehöriger der Besatzungsmacht hatte ihn dabei mit Gesten und lauten Rufen zum Weitergehen auf gefordert. Der junge Deutsche fühlte sich schließlich bedroht und versetzte dem Amerikaner einen Schlag, daß er zu Boden stürzte und sich dabei tödlich verletzte. In mehrstündiger Beweisaufnahme ergaben die Zeugenvernehmungen, daß der Angeklagte nicht provokatorisch aufgetreten war, sondern sich lediglich gegen einen Angriff zur Wehr gesetzt hatte. Daraufhin schloß der amerikanische Richter die Sitzung mit den Worten: „Ich kann in Ihrer Handlungsweise kein Verbrechen erkennen. Jeder Mensch hat das Recht, sich auf der Straße anzusehen, was da vor sich geht und sich seiner Haut zu wehren, wenn er angegriffen wird. Niemand hat das Recht, Ihnen das Weitergehen vorzuschreiben. Das Gericht findet Sie nicht für schuldjg. Sie können nach Hause gehen.“ Die Menge der Zuhörer, Deutsche und Amerikaner, quittierten den Urbeilsspruch mit lautem Beifall. (DPZ) Bahnpolizei verhaftet Schmuggler Vor einigen Tagen gelang der Stuttgarter Bahnpolizei die Aufdeckung umfangreicher Schmuggelgeschäfte. Bei einer ledigen Schneiderin tschechischer Staatsangehörigkeit, die dem auf einem Abstellgleis hinterstellten Speisewagen des Orient-Expreß entstieg, fand die Bahnpolizei größere Mengen unversteuertes Zigarettenpapier, das offensichtlich von den Kellnern des Speisewagens stammte. Bei sorgfältiger Durchsuchung dieses Wagens stellte es sich heraus, daß dort insgesamt 190 000 Strickmaschinennadeln, 1100 Pakete tschechisches Zigarettenpapier und 15 000 tschechische Kranen versteckt lagen. Diese Dinge, die einen Wert von etwa 20 000 DM haben, wurden der Zollfahndungsstelle übergeben. Ein Mittelsmann, der bis vor kurzem in Stuttgart in der Reinsburgstraße gewohnt hatte, konnte in dem Augenblick festgenommen werden, als er seinen Komplicen im Speisewagen weitere Ware übergeben wollte. IM IRRGARTEN DER jClEBE ■ - ROMAN VON BERT QEORQE n.. 12. Fortsetzung (Nachdrude verboten) Er blickte sinnend auf das Schreiben, das die Macht eines Zauberschlüssels besaß und ihm das Tor ihres Hauses öffnete. Er betrachtete die ungelenken Schriftzüge von Dupuis’ Hand, und plötzlich griff er nach dem Kuvert und befühlte es. Irgendwelche Fäden, die er nicht ahnen konnte, mußten Dupuis mit dem jungen Mädchen verbinden. Darauf deutete das Wort „Persönlich“, das auf dem Umschlag stand- Wenn es ihm gelang, bei der bevorstehenden Unterredung mit* dem Baron nur ein wenig den Eindruck zu erwecken, als sei seine Beziehung zu Dupuis vertrauter Natur gewesen, so war es nicht ausgeschlossen, bei dem Vater des jungen Mädchens einiges Interesse hervorzurufen. Ein Vertrauensbruch! Im Begriff, einen solchen zu begehen, hielt er inne. Wohin geriet er? Durfte er sich solcher Mittel bedienen? „Nein!“ sagte er unwillkürlich mit lauter Stimme, die seltsam in der nächtlichen Stille des Zimmerchens schallte und ihn selbst erschreckte. UnxTUlig warf er das Schreiben auf den Tisch und entfernte sich bis zur Türe, als ob er der Versuchung aus dem Wege gehen wollte. So stand er und starrte auf das verhängnisvolle Papier. Dabei fühlte er. wie sein Widerstand trotzdem immer schwächer wurde. Wollte er denn jemand hintergehen? Betrügen? Nein, tausendmal nein, sagte er eich — ich habe nichts Böses vor. ich will nur sie —, nur in ihre Nähe gelangen und sie Wiedersehen. Was ich hier tue, soll niemand Schaden bringen- Plötzlich hörte alle« Nachdenken in ihm auf, eine dumpfe Macht trieb ihn vorwärts, er eilte an den Tisch und öffnete hastig den Brief. Ein Paß lag darin und ein Schreiben. Der Paß lautete auf Gerard Dupuis, zeigte ein sehr schlechtes, unähnliches Bild des Verstorbenen und bestätigte die Angaben, die er im Eisenbahnabteil gemacht hatte. Der Brief hatte folgenden Wortlau: Mein lieber Dupuis! Jahrzehnte des Stillschweigens und räumlicher Trennung haben meine Freundschaft für Sie nicht verringert. Mit großem Bedauern erfahre ich Ihre Erkrankung. Machen Sie sich um die Zukunft Ihres einzigen Kindes keine Gedanken. Da er nach Ihrem Tode, den der Allmächtige verhüten möge, allein in der Welt stünde so will ich für ihn sorgen. Geben Sie ihm diese Zeilen schicken Sie ihn damit zu mir nach Wien, wo ich lebe, ich will ihn kennenlemen. Hoffentlich gibt Ihnen meine Zusage Ihre Ruhe wieder. Ich suche dringend einen Privatsekretär, eine Stellung, die ihm wohl Zusagen dürfte. Mögen Sie recht bald genesen, mein lieber Dupuis, Ich bin. wie vor zwanzig Jahren, Ihr Sie, aufrichtig schätzender von Vaubois.“ Von einer Kirche tönten durch die Nacht Glockenschläge. Er lauschte dem Klang, es schlug drei Uhr morgens. Dann umfing ihn von neuem die Stille. Immerzu hielt er den Brief in der Hand und blickt« auf di« Zeilen. Das erste Gefühl, das er empfand, war ehrliches Mitleid mit Dupuis’ Schicksal. Welch’ glänzende Aussichten erwarteten ihn. welch’ sorgenloser Zukunft wäre er entgegengegangen. Er hatte recht vermutet. Nach dem überaus herzlichen Schreiben zu urteilen, durfte er mit einem wärmeren Empfang rechnen. Der Baron würde ihn. den Freund seines auf so tragische Weise umgekommenen Schützlings, ohne Zweifel seiner Tochter vorstellen. Es war ein gefährlicher Punkt, an dem er langsam anlangte. Schon spielte er mit dem Gedanken, sich als Dupuis’ Freund auszugeben, und legte sich die Einzelheiten des Planes zurecht. Der glühende Wunsch, das Mädchen kennenzulernen, das ihn förmlich verzauberte, hatte ihn in Brand gesetzt und.alle Hemmungen beseitigt. Und mit einem Male zerriß der Nebel, durch den er sich grübelnd vorwärtstastete. Klar, groß und mit überraschender Selbstverständlichkeit lag der Weg vor ihm, der ihn' ans Ziel führte: er konnte ohne Schwierigkeiten die Rolle von Dupuis übernehmen — er konnte selbst als Dupuis auftreten. Nein, es war kein Unrecht, das er beging, sagte er sich. Wem nützte der Brief und der Paß? Es waren wertlose Papiere, die ebenso wie ihr Besitzer der Vernichtung hätten anheimfallen können. Dann existierten sie nicht mehr. Diebstahl? Nein. Hätte er sich Dupuis’ Geld angeeignet, es wäre ein schändliches Verbrechen gewesen. Aber diese Papiere? Sie würden zusammen mit einem Totenschein, irgendwo zu verstaubten Akten vermodern. Sie nützten niemand mehr, sie waren für jedermann nur Makulatur Ihm aber ermöglichten sie. daß er sich dem Baron als Dupuis vorstellen konnte, ohne Gefahr zu laufen, erkannt zu werden. Konjunktion und Konjunktur Wir hätten den Krieg gewinnen können, nämlich, wenn Hitler seinen Hofastrologen gefolgt hätte. Diesem Eindruck kann man sich nicht entziehen, wenn man die ungemein einleuchtenden Enthüllungen der Zeitschrift „Revue" gelesen hat. Da erfährt man, daß es Hitlers größter Fehler war, seinen Leib- und Magenastrologeh, einen Schweizer namens Krafft (mit zwei f), in die Wüste zu schicken. Wie hatte denn Hitler seine „großen Anfangserfolge" errungen? Doch nur dank dem „geheimen Stundenplan", den ihm der Tausendsassa Krafft aus den Sternen herausgelesen hatte. In England aber, wo man mit größter Bestürzung hatte einsehen müssen, daß Hitler für seine „Großaktionen" jeweils die astrologisch günstigste Zeit aus dem ff kannte, wollte man damals bereits verzagen ... Bis einer auf den Dreh kam, Krafft bei Himmler denunzieren zu lassen. Womit dessen Rolle sofort und die des Gröfaz später ausgespielt war. Es ist erstaunlich, daß man mit diesen aufschlußreichen Entdeckungen so lange hinter dem Berg gehalten hat. Oder sollte gerade jetzt im Horoskop des Schreibers der Merkur in Konjunktion mit Mars und Sonne stehen und eine besonders günstige Konjunktur im Geschäft versprechen? Dr. P. Wiedereinstellung entnazifizierter Beamter abgeschlossen STUTTGART. (Eig. Ber.) Ministerpräsident Dr. Reinhold Maier übermittelte in diesen Tagen dem Landtag eine Stellungnahme zur Frage der Wiedereinstellung entnazifizierter Beamter in den öffentlichen Dienst. Dafin wird darauf hingewiesen, daß diese bis auf die Heimkehrer in der Hauptsache beendet ist. Der Wunsch der Verwaltungen gehe jetzt dahin, die Mitläufer, die bisher nicht wieder eingestellt worden sind und die auch nicht wieder eingestellt werden sollep, endgültig loszuwerden. Von diesem Standpunkt aus sei es sehr erwünscht, wenn das Entlassenen- Versorgungsgesetz bald verabschiedet werden könnte. Ein endgültiger Trennungsstrich gegenüber den früheren Pg’s, die nicht wieder hereinkommen sollen, werde sich erst dann ziehen lassen. Wie wir bereits berichteten, stimmte der Finanzausschuß vor wenigen Tagen diesem Gesetzentwurf zu. In Anbetracht seiner Wichtigkeit ist mit seiner Behandlung vor dem Plenum schon in einer der nächsten Sitzungen zu rechnen. Bürgermeister verbietet Samba BADEN-BADEN (dpa) Der Bürgermeister von Iffezheim, wo die Baden-Badener Pferderennen ausgetragen werden, hat — wie „Das neue Baden“ meldet — in sei per Gemeinde das Tanzen van Samba und Rumba «treng- stens verboten. Deutschla nd-Bundacham Hamburg. Der frühere Gauleiter von Ostpreußen, Erich Koch, ist vom Untersuchungsgefängnis Bielefeld ins Untersuchungsgefängnis Hamburg gebracht worden. Koch soll vor dem britischen Auslieferungsgericht erscheinen, das ein Gutachten über den von Polen gestellten Aus- lieferungsantrag abgeben soll. — Düsseldorf. Drei Tote, sieben Schwer- und acht Leichtverletzte waren die Opfer eines Verkehrsunfalles, der sich in Mettmann bei Düsseldorf ereignete. Ein Autobus war ins Schleudern geraten. Der’ Anhänger hatte eine Gruppe von Menschen, die an einer Haltestelle auf den Omnibus warteten erfaßt und gegen eine Hauswand gedrückt. — Berlin. Zur Ausschmückung der Diensträume der Sowjetzonen-Regierung sollen sämtliche Museen der Sowjetzone und des Berliner Sowjet-Sektors beitragen. Etwa 80 Lastkraftwagen waren in der Sowjetzone unterwegs, um Bilder und Plastiken für diesen Zweck abzuholen. / Etwa 900 Pfarrstellen sind gegenwärtig in der sowjetischen Zone unbesetzt. An den Universitäten der Sowjetzone haben nur 605 Studenten evangelische Theologie belegt. Dagegen wird ein Nachwuchs von 1800 Theologiestudenten benötigt. (Alle hier nicht gezeichneten Nachrichten „dpa“) Lizenz US-WB-122. Herausgeber: Felix Richter und Karl Wisselinck. Chefredakteur: Karl Wisse- linck. — Für unverlangt eingesandte Manuskript« wird keine Gewähr übernommen. Baron von Vaubois hatte seinen 58. Geburtstag. Seit Jahren Witwer, lebte er mit seiner achtzehnjährigen Tochter Helene in seiner Wiener Villa. Seine überaus zarte Frau, infolge der Geburt des Kindes kränklich geworden, starb an einer Lungenentzündung. Noch immer war er ein eleganter, hübscher Mann und genoß unbekümmert die Freuden des Daseins, das sich ihm bisher — den Verlust seiner Frau ausgenommen — Von der angenehmsten Seite gezeigt hatte. Seit einigen Jahren zeigten sich bei ihm gesundheitliche Störungen, die ihn beängstigten. Man verordnete ihm unter anderem eine Reihe körperlicher Uebungen, die er gewissenhaft täglich ausführen sollte. Außer dem gewohnten Morgenritt mußte er eine Mindestzahl von dreitausend Schritten täglich marschieren, gleichgültig, ob daheim oder auf der Straße, ferner tiefe Knie- und Rumpfbeugen, Armkreisen. Hüpfen und Atemübungen. Vorschriften, die seine Gesundheit betrafen, befolgte Vaubois mit geradezu ängstlicher Genauigkeit. Beim Morgenritt, den er in der Reitbahn seines großen Parkes unternahm, trat Helene in den Dienst. Die reizende junge Dame, dem Aussehen nach noch „Höhere Tochter“, wachte darüber, daß Papa nicht die bequemen, sondern die anstrengenden Gangarten auf seinem Gaul ritt Es war unleugbar, daß er sich durch die jahrelange Befolgung dieser Methode jung und elastisch erhielt und sein Leiden besserte. Vergnügt beobachtete er, wie sein Töchter- chen von frühester Kindheit an mit Begeisterung an seiner Turnerei teilnahm- Von ihrem sechzehnten Jahre ab emanzipierte sie sich, wählte ihre Uebungen selber und wurde eine junge Sportlerin von Rang, die im väterlichen Park ihren eigenen Trainingsplatz besaß, Fortsetzung folgt Seite 4 / Nummer 199 KARLSRUHER NEUE ZEITUNG Mittwoch, 12. Oktober 1949 Umschau im benachbarten Ettlingen Werner Kroll gastierte in der Stadthalle. Im Rahmen einer Veranstaltung des Ettlinger Kulturbühnenrings gastierte am Sonntagabend der bekannte Komiker Werner Kroll mit seinem Ensemble in der Stadthalle. Seit langem war das Haus nicht mehr so gut besucht und 60 voll fröhlichem Lachen wie an diesemAbend. In einer Versammlung des Verbandes der Körperbesichädigten, Sozialrentner und Hinterbliebenen am Sonntagnachmittag im Gasthaus „Zum Engel“ referierte Frau Hammer (Stuttgart) über Fragen der Fürsorge und Versorgung. Aus dem Polizeibericht: In der letzten Woche war gegenüber der Vorwoche ein erheblicher Rückgang an Diebstählen und Einbrüchen zu verzeichnen. Es wurden zwei Fahrräder gestohlen. — Zur Anzeige gelangte erneut eine Person wegen des Vertriebes von Falschgeld. Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen. — Außerdem wurde ein Schüler angezeigt, der in der Nähe der elterlichen Wohnung Obstbäume um ihre Früchte erleichterte. — Wegen Übertretens der Straßenverkehrsordnung werden sich 21 Personen in Kürze vor dem Friedensgericht zu verantworten haben. Unfälle: In der Morscher Straße sprang einem Motorradfahrer während der Fahrt die Kette vom Rad, worauf der Fahrer zu Fall kam und mit erheblichen Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert werden mußte. — Ein weiterer Unfall ereignete sich in der Karlsruher Straße. Der Fahrer eines Pkws verlor bei übermäßig großer Geschwindigkeit die Herrschaft über seinen Wagen, der ins Schleudern geriet und sich überschlug. Glücklicherweise entstand nur ein größerer Sachschaden, während der Fahrer mit dem Schrecken davonkam. Die SAZ gratuliert: Frau Luise Albrecht, Sybillastraße, feierte in körperlicher und geistiger Frische ihren 75. Geburtstag. Union-Lichtspiele Ettlingen: „Das Geheimnis der roten Katze“ Wir sind von Heinz Rühmann allerhand gewohnt, aber ob er sich nicht in dieser Rolle doch ein bißchen übernommen hat? Eine Kriminalkomödie soll es sein, bei der allerdings das Komische das Kriminelle bei weitem überwiegt und nicht immer die restlose Begeisterung der Zuschauer findet. Wer die Vorankündigung gelesen hatte, erwartete mehr und wurde von diesem Streifen der Comedia-Film- produktion etwas enttäuscht, woran auch der schnelle Wirbel der ablaufenden Handlung nichts ändern konnte. □ Vorsicht beim Pflanzen Die diesjährigen Begehungen aller Obstanlagen Nordbadens auf San Jose-Schildlaus- befall haben wiederum ergeben, daß die Verseuchung unserer Gärten mit dieser gef ähr-- liehen Schildlaus, die den gesamten Obstbau vernichten kann, wenn nichts dagegen unternommen wird, ihren Ausgang gewöhnlich an den Johannisbeersträuchern nimmt. Jeder Obstanbauer und Gartenbesitzer hüte sich daher, Beerensträucher aus dem Befallsgebiet zu beziehen — und sei es auch nur in einigen wenigen Stücken aus Gärten von Verwandten und Freunden. Es sei denn, die Sträucher sind vorher untersucht und ordnungsgemäß entseucht worden. Einige wenige Schiklläuse genügen, um die Bestände zu verseuchen! — Auch im Befallsgebiet selbst sollten nur dann Neuanpflanzungen durchgeführt werden, wenn die Stecklinge oder Jungpflanzen aus einwandfreien Beständen stammen und vor dem Auspflanzen in einer Lösung von 0,l°/o E 605 (Vorsicht Gift!) wenigstens eine halbe Stunde getaucht werden. Die Lösung muß dabei mindestens eine Temperatur von 20 Grad C haben. Die Obstbauvereine sollten, in der Pflanzzeit eine solche Lösung in einem geeigneten Becken oder in einer Wanne an einem sicheren Ort bei ausreichender Temperatur bereit halten, damit ihre Mitglieder eine gute Möglichkeit der Entseuchung haben. von Beerensträuchern » Bei der Entnahme von Stecklingen dürfen nur völlig gesunde Sträucher benutzt werden. Leider gibt es noch immer Gartenbesitzer, die von verseuchten Sträuchem Stecklinge schneiden und auch im Pflanzbeet keinerlei Spritzungen durchführen, um die Schädlinge zu vernichten. Wer etwas Verdächtiges — meist sind es nur wenige der etwa stecknadelkopfgroßen, grauen Schildläuse — an seinen Sträuchem findet, sende eine Probe an die Bezirksstelle für San Jose-Schildlausbe- kämpfung Heidelberg, Rohrbacherstraße 32. Dort, wo die San Jose-Schildlaus sich bereits eingenistet hat, helfen nur noch regelmäßige Spritzungen, die besonders im Winter sehr gründlich durchgeführt werden müssen. Erste Tabakeinschreibung am 12. und J.3. Oktober Infolge der ungleichen und verspäteten Reife des diesjährigen Tabaks in den verschiedenen Anbaugebieten bereitete die diesmalige Festsetzung der Tabakeinschreibung erhebliches Kopfzerbrechen. Die erste diesjährige Einschreibung für den Inlandstabak der Bizone in Schwetzingen wurde nun endgültig auf den 12. und 13. Oktober festgesetzt. Zur Einschreibung kommen lose und gebü- schelte Grumpen sowie Sandblatt aus der bad. Hardt, ebenfalls aus Hessen, Franken und Duderstadt. nn. Kreuz und quer durch den Landkreis Siedlungsbau hat begonnen Langensteinbach (if). Am 10. Oktober wurde mit dem Bau der Siedlungshäuser im Siedlungsgelände „Kuhlager“ durch die „Oberrheinische Heimstätte“ begonnen, nachdem am 30. September der Wasserleitungsbau an dieser Stelle beendet worden ist. — Als Amts- und Landgerichtsschöffen und als Geschworene für die Jahre 1950/51 wurden vom Gemeinderat 12 Personen vorgeschlagen; die Vorschlagsliste liegt acht Tage zu jedermanns Einsicht auf dem Rathaus auf. — Der Herbstmarkt findet am 18. Oktober statt. Am selben Tage wird auch der Viehmarkt abgehalten. — Die ab 10- Oktober ausgegebenen Haushaltslisten sollen sofort ausgefüllt werden. Sie werden bis 20. Oktober wieder eingesammelt. Schule wird gebaut Spielberg (ED) In einer außerordentlichen Sitzung des Gemeinderats wurde in Anwesenheit von Bezirks-Straßenbaumeister Schludek- ker der geplante Straßenneubau auf Gewann Oberwiesen beraten. Das Projekt erfordert einen Kostenaufwand von ca. 62 000 DM. Dabei sind Wasserleitungsbau und Kanalisation inbegriffen. Die neue Straße wird in ihrer ganzen Länge bis zur Dreschmaschine durchgeführt. Auch die Verbindungsstraßen zum Siedlungs-Reihenhaus werden in das Bauprogramm einbezogen. 20—30 Erwerbslose werden dadurch mindestens für ein halbes Jahr voll beschäftigt werden können. — Gleichzeitig wurde über den Schulhaus-Neubau beraten. Man entschloß sich, um der Schulraumnot zu begegnen, ein einstöckiges Gebäude mit zwei Schulräume zu erstellen. Bürgerversammlung und Glockenweihe Neureut (bn). Am Donnerstag, den 13. Oktober, abends 20 Uhr, findet, im Gasthaus „Traube“ eine Bürgerversammlung statt. Es sprechen Dr. Gaul vom Landwirtschaftsamt. Scherer vom Wasserwirtschaftsamt und Landesökonomierat Hampe von der Landwirtschaftsschule Graben, über die Bewässerung der Wiesen, Pfinz-Saalbachkorrektion usw Die Einwohnerschaft ist freundlichst eingeladen. — Am Sonntag, den 18. Oktober, vormittags 9.30 Uhr, findet die Weihe unserer neuen Glocken statt. Die Festpredigt hält Prof. Pfarrer WolfingBr. Freiburg. Es wirken die Gesangvereine Liederkranz, Edelweiß, der Kirchen- und Posarnenchor mit. Verpachtung der Schafweide abgelehnt Kleinsteinbach (wb). Das Ergebnis der Bürgerversammlung wurde in der letzten Gemeinderatssitzung erörtert. Endgültig wurde dabei die Verpachtung der Schafweide abgelehnt. Die vorgesehene Errichtung einer Transformatorenstation mußte vorläufig fallen gelassen werden, bis die erforderlichen Mittel zur Verfügung stehen. Vom Bürgermeister wurde der Prüfungsbescheid über die Gemeinderechnung 1947/48 erläutert und ein Antrag zwecks Aufstellung eines Verkaufs- Was der Tipfreund wissen Muß! Wir werden künftig jeden Mittwoch den Tipfreunden eine kurze Uebersicht über die derzeitig« Spielstarke und Form der einzelnen Mannschaften, sowie deren wesentliche Aenderungen in der Aufstellung vermitteln. D. Red. 1. Kickers Stuttgart — Eintracht Frankfurt 9. Kickers 4 12 1 9:7 4:4 6. Eintracht 5 2 2 1 8:9 6:4 1948/49: 1:2, 0:0. Obwohl die Degerlocher in Augsburg u. a. Fauser und Soßna ersetzen mußten, boten sie eine geschlossene Leistung und liefen zu einer beachtenswerten Form auf, wofür ihr 7:2-Sieg spricht. Die Frankfurter waren im Treffen gegen Schweinfurt nicht in der zuletzt gezeigten Form. Allerdings stand ihr Sturm auch einer der besten Hintermannschaften der Oberliga Süd gegenüber. 2. SV Waldhof — BC Augsburg 1. SV Waldhof 5 4 0 1 17:7 8:2 16. BC Augsburg 5 1 0 4 7:21 1:9 1948/49: 6:3, 2:1. ,■ Für die großartige Kondition des derzeitigen Spitzenreiters Waldhof spricht der sensationelle 6:0-Sieg beim Südmeister Kickers Offenbach. Dagegen konnten die Augsburger, die zudem noch Aufstellungssorgen (Hintermannschaft) haben, bisher noch nicht überzeugen. 3. 1. FC Nürnberg — VfR Mannheim 13. 1. FC Nürnberg 4 0 2 2 8:12 2:6 7. VfR Mannheim 4 2 1 1 8:6 5:3 1948/49: 1:3, 3:3. Die Nürnberger traten gegen den VfB Stuttgart erstmals nach langer Zeit wieder mit kompletter Elf an. Der Platzverweis des Standardmittelläufers Kennemann dürfte die Weinröten erneut vor große Schwierigkeiten stellen. Die Rasenspieler konnten in ihren bisherigen Treffen keineswegs gefallen. Der letzte — erst in den Schlußminuten sichergestellte — Sieg gegen die Augsburger Schwaben kann über die schlechte Gesamtkondition des Meisters nicht hinwegtäusehen. 4. Bayern München — VfB Stuttgart 12. Bayern 4 1 0 3 8:11 2:6 2. VfB Stuttgart 4 3 1 0 9:3 7:1 1948/49: 0:1, 1:2. Die Kritiken rühmen Stuttgarts großartiges Stürmerspiel gegen Nürnberg. Im übrigen haben die Bewegungsspieler wieder ihre beste Mannschaft zur Verfügung, während die Münchener nach wie vor auf Kohle und Seybold, u. U. auch auf Torwart Schmalzl verzichten müssen — und mit der Fünferreihe war im Spiel gegen Mühlburg auch nicht viel los. 5. FSV Frankfurt — Kickers Offenbach 5. FSV 5 2 2 1 5:4 6:4 10. Kickers 4 2 0 2 7:12 4:4 1948/49: 0:0, 0:1. Die Lederstädter haben augenblicklich Aufstellungsschwierigkeiten und werden wohl auch am Sonntag auf Piccard und Schreiner verzichten müssen, dagegen hofft man den Läufer A. Schmidt wieder einsetzen zu können. Der FSV verdankt seinen knappen Sieg- bei 1860 München in erster Linie seiner starken Abwehr, aber auch der überaus schußschwachen Münchner Angriffsreihe. 6. Schwaben Augsburg — VfB Mühlburg 14. Schwaben 4 1 0 3 3:12 2:6 8. Mühlburg ,4 2 1 1 6:6 5:3 1948/49: 5:2, 1:0. Die Schwaben blieben ln den bisherigen Spielen weit hinter den Erwartungen zurück. Die Lücken, die durch den Abgang von Lemm, Helbig und Ostertag entstanden, konnten noch nicht vollwertig geschlossen werden. Auf der anderen Seite hat Mühlburgs Angriffsspiel durch die Wiedereinstellung von Rastetter Linie und Farbe bekommen. Aeußerst stabil ist auch wieder die gesamte Deckung. 7. FC Schweinfurt — SpVgg Fürth 4. Schweinfurt 5 3 1 1 12:4 7:3 3. Fürth 4 3 1 0 15:6 7:1 Diese Begegnung gehört zweifellos zu den reizvollsten des 10. WB-Totos. Beide Mannschaften sind augenblicklich in guter Form, wobei man mit besonderem Interesse dem Zweikampf des zur Zeit besten Sturmes (Fürth) mit der abwehrstarken Hintermannschaft (Schweinfurt) entgegensehen kann. 8. Jahn Regensburg — 1860 München 11. Jahn Regensburg 5 1 1 3 8:7 3:7 15. 1860 München 4 0 1 3 5:8 1:7 Die Regensburger hätten in Fürth ebenso gut gewinnen können, aber ihr Sturm verstand es nicht, die sich bietenden klaren Torchancen (6) zu verwerten. Die Münchner haben zur Zeit schwere Sorgen. Noch ist der Abgang von Baye- rer (zu Bayern) nicht überwunden, da kam in der vorigen Woche die Meldung, daß Torwart Kisker aus dem Verein ausgeschlossen wurde, während der langjährige Spielführer L. Janda von dem italienischen Verein Padua ein Angebot erhalten hat, so daß es gar nicht sicher ist, ob er am kommenden Sonntag mit von der Parti« sein wird. 9. Borussia Dortmund — Schalke 04 9. Bor. Dortmund 4 1 2 1 8:6 4:4 2. Schalke 04 4 3 1 0 12:6 7:1 1948/49: 5:2, 1:0. Die Borussen haben sich nach enttäuschendem Start inzwischen wieder gefunden. Ob aber die Kondition ausreicht, um die unter Fritz Szepans Training prächtig herausgekommene junge Schal- ker Elf zu distanzieren, muß abgewartet werden. Schalke muß auf seinen Standardverteidiger Klimmek, Borussia voraussichtlich auf Mittelstürmer Schweinsberg verzichten. 10. Concordia Hamburg — Werder Bremen 4. Conc. Hamburg 4 3 0 1 6:8 6:2 7. Werder Bremen 4 2 1 1 9:6 5:3 1948/49: 3:2, 2:2. Die Hamburger blieben in ihren Heimspielen unbesiegt. Wollen sie sich diesen Nimbus erhalten, muß vor allen Dingen der Angriff glücklicher als bisher operieren, denn Bremens Hintermannschaft ist als überaus stark anzusprechen. Im übrigen erfüllten die Bremer bislang keineswegs die in die Elf gesetzten Erwartungen. 11. SSV Reutlingen — ASV Villingen 6. SSV Reutlingen 4 2 1 1 7:4 5:3 7. ASV Villingen 4 2 1 1 4:4 5:3 1948/49: 0:2, 0:0. Zwei Tabellennachbarn stehen sich in Reutlingen gegenüber. Villingen konnte in den bisherigen Spielen nicht restlos überzeugen. Vor allen Dingen ließ der Sturm den erforderlichen Tordrang vermissen. 12. Norm. Gmünd — SpVgg Feuerbach 4. Norm. Gmünd 5 3 0 2 10:5 6:4 2. SpVgg Feuerbach 5 4 0 1 10:4 8:2 1948/49: 2:0, 3:3. Beide Mannschaften hoffen, am Sonntag komplett antreten zu können, nachdem am letzten Spieltag hüben wie drüben je ein Spieler ersetzt werden mußte. Da sich die beiden Teams in spielerischer Hinsicht ziemlich ebenbürtig sind, dürfte es zu einem spannenden Kampf kommen. 13. 1. FC Pforzheim — VfR Pforzheim 8. 1. FC Pforzheim 4 1 1 2 8:4 3:5 12. VfR Pforzheim 4 0 0 4 3Ä2 0:8 1948/49 : 6:0, 2:0. Die beiden Pforzheimer Lokalgegner enttäuschten in den bisherigen Punktespielen. Vor allen Dingen konnte der Club nicht im entferntesten an seine Vorjahrsform anknüpfen. Allerdings darf nicht übersehen werden, daß die Elf noch nicht komplett antreten konnte. Noch schlimmer sieht es beim VfR aus. Auch hier mußten wiederholt Ersatzleute gestellt und die Mannschaft völlig umgebaut werden. 14. Untertürkheim — SC Stuttgart 13. Untertürkheim 6 1 0 5 10:23 2:10 12. SC Stuttgart 6 0 2 4 11:20 2:10 1948/49: 2:0, 4:1. Der schlechte Tabellenstand spricht für die Form der sonntäglichen Gegner. Dabei darf nicht unerwähnt bleiben, daß beide Mannschaften wiederholt Aufstellungsschwierigkeiten hatten. Kiesks beim Platz an der Dreschhalle befürwortend weitergeleitet. Gärtnerei Dreuer. Grötzingen, erhielt den Zuschlag für die Bepflanzung des neuen Friedhofgeländes. Im November beabsichtigt der Ortsverein des Roten Kreuzes eine Werbeveranstaltung durchzuführen. — In der „Krone“ trafen sich am vergangenem Samstag die Schulkameraden des Jahrgangs 1900 um einige frohe Stunden des Wiedersehens zu feiern. — Wwe- Luise B i h 1 e r geb. Maag konnte am 9. Oktober in körperlicher und geistiger Frische ihren 80. Geburtstag begehen. „Nachtalarm“ der Feuerwehr Linkenheim (Heg). Die Freiwillige Feuerwehr und die Hilfsmannschaft bewiesen bei einem überraschend gegebenen „Nachtalarm“ ihre Einsatzfähigkeit. Bereits acht Minuten nach dem* Alarm waren ungefähr 30 Mann einsatzbereit. Nach den ergangenen Anordnungen zum Gesetz über das Feuerlöschwesen ist von den Ortsbürgem noch folgendes zu beachten Feueralarm wird durch die Luftschutz-Sirene gegeben. Der langanhaltende tiefe Dauerton gilt als Alarm- und Feuersignal. — Unter der bewährten Leitung von Frau Horch wird die Arbeiterwohlfahrt auch in diesem Winter eine Nähstube zur allgemeinen Benutzung eröffnen. — Die Herbstferien gehen zu Ende. Am 13. Oktober wird die hiesige Volksschule ihre Pforten wieder öffnen. Gölshausen (WN). Das Standesamt hatte im Monat September 1949 eine Geburt und einen Sterbefall zu verzeichnen. — Bei der letzten Gemeinderatssitzung wurde die Streichung und Herrichtung der Schulsäle beschlossen- Gleichzeitig wird beim Schuleingang eine neue Steintreppe gelegt —» i , , , in Apotheken und Drogerien und cfäÜAQj'kgjdtr Allgemeine Ortskrankenkasse des Stadt- und Landkreises Karlsruhe. Öffentliche Zahlungsaufforderung Die Zahlungsfrist für Arbeitgeber, die auf Grund der Beitragsberechnung nach Lohnstufen jeweils Beiträgstedii^ungen zugestellt erhalten, «st abgelaufen. He wird deshalb darauf frmgewiesen, .daß spätestens nach. Ablauf einer Woche die Zwangebeitreibung der Gesamlso- zial'versicherungsJBeiträge für Monat August 1949 erfolgen wird. Eine schriftliche Mahnung kann künftig nicht mehr erfolgen. Diese Aufforderung gilt nicht für Arbeitgeber, wef che die Beiträge nach dem wirklichen Arbeitsverdienst mit Nachweisung entsprechend unserer Satzung binnen 3 Tagen nach Jeder Lohnzahlung abzuführen verpflichtet sind. __VerwaltungsdlrekUon. Personenstandsaufnahme am 10. Oktober 1949. Im Laufe dieser Woche werden di« Haus- und Haushaltfflis'en zugesiellt. Betriebsblättex kommen keine zur Ausgabe. Die Hausbesitzer oder deren Vertreter sind verpflichtet, dafür zu sorgen, daß die ausgelüiten Hauslisten mH allen Hauehaltslisten bis spätestens 23. Oktober 1949 auf den zuständigen Polizei Revieren zurüdegegeben sind Auf meine ausführliche Bekann!'” nq im Karlsruher Amtsblatt Nr 'fl vom 6. Oktober lf^9, weise id rl K, n. De- H -u..'ater. Stollen-Angebote Tüchtige» erfahrene reelle Abonnentenwerber bei guter VeidienstmöglichkeH sofort gesucht. Vorzustellen: Karlsruher Neue Zeitung — Veitriefosabteilung — Waldstraße 28. 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Im übrigen lehnte der Stadtrat die Erhöhung des Knielinger Bürgernutzens ab und genehmigte eine Anordnung, die eine Einschränkung des ambulanten Gewerbes sowie eine Verminderung der Kioske in den Hauptverkehrsstraßen mit sich bringen wird. Die beiden Höhepunkte der gestrigen Stadtratssitzung, die Beratung über Dr. Werbers Entschließungsentwurf und die seit Monaten erwartete Aussprache über das Staatstheater, nahmen eine erhebliche Zeit der Sitzung in Anspruch, die erst gegen 21 Uhr geschlossen wurde. Dr. Werbers Entschließungsentwurf (den wir als bekannt voraussetzen dürfen), wurde durch die Erklärung von Oberbürgermeister Topper eingeleitet, er empfehle die Annahme dieses Antrages. Er habe, so fügte er hinzu, wiederholt Gelegenheit gehabt, sowohl mit Ministerpräsident Dr. Maier als auch mit Staatspräsident Wohieb über die Karlsruher Belange zu sprechen, und Mannheims Oberbürgermeister habe ihm erst kürzlich erklärt, daß im Falle eines selbständigen Badens Karlsruhe wieder Hauptstadt werden müsse. Im übrigen habe er hinsichtlich der Frage Südweststaat oder Wiederherstellung des Landes Baden noch keine Stellung bezogen; er würde sich freuen, wenn sich auch der Stadtrat in dieser Frage neutral verhalten würde. Dr. Werbers Begründung Dir. Werber (CDU), dem dann Gelegenheit gegeben wurde, seinen Entschließungsentwurf zu begründen, betonte, daß es sich hier um keine Parteiangelegenheit handele und daß mit dieser Forderung auch keine Stellungnahme zum Streit Südweststaat oder Gesamtbaden bezogen werde. Einzig die Sorge um die Stadt Karlsruhe habe ihn zu diesem Schritt veranlaßt. Dr. Werber gab noch einmal einen kurzen historischen Rückblick über die Entwicklung Karlsruhes, dessen heutige Größe ohne ihre frühere Stellung als Residenz und Landeshauptstadt undenkbar sei. An Hand von Vergleichszahlen zwischen Karlsruhe und Stuttgart, die den Wiederaufbau und die Arbeitslosen- und Beschäftigtenzahlen umfaßten, belegte der Redner den überragenden wirtschaftlichen Aufschwung der jetzigen Landeshauptstadt Stuttgart. Argumente, die vom Güterumschlag des Rheinhafens her, vom Weiterbau des Rhein-Neckar-Kanals, von den Verkehrsverhältnissen, vom Schulwesen und auch aus dem kulturellen Bereich entnommen wurden, bekräftigten seine Stellungnahme. Für die Schaffung einer Großindustrie- Stadt fehlten in Karlsruhe alle Voraussetzungen. Während die Frage der Landeshauptstadt für Stuttgart eine Angelegenheit des Prestiges sei, sei sie für Karlsruhe geradezu eine Existenzfrage. Es sei die Pflicht der von der Bevölkerung gewählten Vertreter, alles dafür einzusetzen, daß Karlsruhe wieder Landeshauptstadt werde. Einstimmige Annahme In der Diskussion legte Stadtrat Walter (SPD) den Standpunkt seiner Fraktion dar, die sich aus rein realistischen Erwägungen zum Südweststaat bekenne. Am Beispiel der in den zwanziger Jahren eingegangenen Maschinenbaugesellschaft Karlsruhe demonstrierte der Sprecher, es sei klüger, Mitinhaber eines guten und gesunden Unternehmens zu sein, als Alleininhaber eines nur bedingt lebensfähigen Betriebes. Stadtrat D i e t z (KPD) meinte, daß die besondere Krisenempfindlichkeit Karlsruhes mit der Herstellung Karlsruhes als Landeshauptstadt nicht beseitigt werden könne. Er sprach sich im übrigen namens seiner Partei dafür aus, dem Antrag zuzustimmen, ohne daß dadurch die Frage des Südweststaates oder Gesamtbadens diskutiert würde. Er setze sich zwar dafür ein, daß Karlsruhe wieder Mittelpunkt der Verwaltung werde, doch kritisierte er den Begriff „Verwaltungsstadt“, der Karlsruhe in der Vergangenheit viel geschadet habe. Für die DVP warnte Stadtrat Albert Keßler vor der Absicht, zu sehr in die Vergangenheit zu blik- ken, weil das Wohl und Wehe der Stadt von Im ersten Symphoniekonzert der neuen Spielzeit. kam mit Janine Andrade eine Solistin zu Gehör, die für Mendelssohn-Bartholdys „Violinkonzert in e-moll“ geradezu prädestiniert erscheint. Im Besitze außergewöhnlicher technischer Mittel, brachte sie das Werk in einer höchst vlrtuosAi Wiedergabe zu Gehör, die weniger vom Herz als vom Verstand her diktiert war. Man das Gefühl, als würde die Künstlerin von der rhythmisch schwingenden Kraft eines Metronoms angetrieben, zwischen dessem kategorischen Pendelschlag es keinen Raum für eine eigene Empfindungswelt gibt. Liegt unserem Wesen auch eine solche kühle, mehr dem romanischen Formensinn entsprechende Auffassung fern, so wurde sie doch in geradezu idealer Weise dem Geist des Mendelssohnschen Werkes gerecht, dessen Schönheit weniger in der Entfaltung seiner Themen, als in ihrem melodischen, wenngleich äußerlichen Glanz liegt. Damit berühren wir zugleich des Wesens Kern in punkto Beifall, mit dem Janine Andrade geradezu überschüttet wurde. In erster Linie möchten wir die Ursache hierfür in der bestechenden Finger- und Bogentech'nik der Künstlerin einschließlich ihrer marmorhaften Haltung und eindrucksvollen Ernsthaftigkeit sehen, die sich bei stimmungsvollen harmonischen Wendungen allenfalls einmal zu einem leicht verklärenden Lächeln aufhellte, in zweiter Linie in der leicht ansprechenden Art des Werkes, das von unmittelbarer Einprägsamkeit ist. Alles in allem: eine ungemein interessante und fast einmalige Interpretation, aber sich selbst gab Janine Andrade nicht mehr zu erkennen, als man optisch sehen und akustisch hören konnte. Den Auftakt des Konzerts bildete Ravels tänzerische Suite „Ma mere l‘Oye“ (Mutter Gans), dessen stimmungsmalerische Musik, von Otto Matzerath mit ein wenig Puccinikolorit versehen, ihre Entstehung, genau so wie Cocteaus Filmwerk „La belle et la bete“, Zitaten aus französischen Märchen und Sagen verdankt. Bei dieser Gelegenheit sei uns eine Bitte vergönnt: Wenn schon textliche Deutung oder Auslegung der Zukunft ahhängig sein werde. Am Beispiel von Speyer, Koblenz und Wiesbaden versuchte der Redner darzustellen, wie sehr diese Verwaltungsstädte von Nachbarstädten in ihrer Bedeutung übertroffen seien. Stadtrat Dr. Kühn (CDU) begrüßte namens seiner Partei den Antrag, wünschte jedoch, daß der Gesamt-Stadtrat die Diskussion Südweststaat oder altes Baden mit Vorsicht verfolge und eine neutrale Stellung beziehe. Nachdem noch Oberbürgermeister T ö p p e r darauf verwiesen hatte, daß der Verlust von 2000 Beamten und Angestellten für Stuttgart eine wesentlich geringere Rolle spiele als für Karlsruhe, wurde Dr. Werbers Entschließungsentwurf einstimmig angenommen. Nachforderungen für das Staatstheater wahrscheinlich Die zweite große Debatte entwickelte sich, wie bereits erwähnt, um das Staajstheater. Anlaß dazu gab der Antrag des Bürgermeisteramtes, dem Staatstheater für das Haushaltjahr 1949/50 den erforderlichen Zuschuß in Höhe von 550 000 DM zu bewilligen, sowie einen nachträglichen Zuschuß in Höhe von 70 000 DM für das Haushaltsjahr 1948/49. Einleitend gab Oberbürgermeister Topper einen kurzen Abriß der Geschichte des Staatstheaters, woraufhin Stadtkämmerer Dr. Gurk die Vorlage näher begründete. Hierbei legte er dar, daß man sich vielleicht schon in einigen Monaten zu entscheiden haben werde, ob sich die Stadt die enormen Ausgaben für das Theater unter den gegenwärtigen Verhältnissen noch wird leisten können. Es sei sehr wahrscheinlich, daß die Stadt noch vor Ende des Haushaltsjahres einer Nachforderung des Staatstheaters wird entsprechen müssen, wenn das Defizit gedeckt werden soll. Man müsse sich späterhin Rechenschaft darüber ablegen, ob die künstlerischen Verbesserungen des Theaters dem enormen Aufwand entsprechen, und man wird zu prüfen haben, ob man nicht erhebliche Einsparungen wird machen müssen. Stadtrat Schopf (DVP) gab seinem Bedauern Ausdruck, daß die schon vor dreieinhalb Karlheinz und Walter wurden als Kriegsgefangene hinter Stacheldraht Freunde. Das Essen war damals knapp und der Kohldampf groß, sodaß der Speisezettel durch „Organisieren" vervollständigt werden mußte. 1948 trafen sich die beiden in der Heimat wieder Der Uebergang in‘s bürgerliche Leben schien ihnen nicht richtig geglückt zu sein, sonst wäre Karlheinz kaum auf den Gedanken gekommen, dem Landratsamt in Groß-Gerau einen nächtlichen Besuch abzustatten, um dort drei Schreibmaschinen zu „organisieren“. Nach diesem erfolgreichen „come-back“ und unter den Nachwirkungen der Währungsreform entschlossen sie sich zu weiteren Taten. Zunächst wurde ein Pforzheimer Schirmgeschäft in Mitleidenschaft gezogen, dann eine Pforzheimer Brauerei um zwei Schreibmaschinen und zwei Fahrräder erleichtert. In der Sylvesternacht fiel ein stattliches Schwein einem Revolverschuß Walters zum Opfer. Das Fleisch wurde eingedost und brü-' derlich geteilt- Bald darauf entwendeten sie aus dem Büro einer Kohlenhandlung mehrere Kleidungsstücke. Der Höhepunkt ihrer Gangster-Laufbahn war am 29. Januar 1949 er- eines Werkes — und dagegen wird besonders bei moderner Musik niemand etwas - einzuwenden haben —, dann nach Möglichkeit alles auf einmalige Ausführungen beschränken, denn sonst geht der Zusammenhang des Werkes — selbst wenn es sich um spannungslosen Impressionismus handelt — verloren. Wie in jedem musikalischen Werk das Finale, so bildete auch Beethovens abschließende „Achte“ den Höhepunkt des Abends. Ihre herbstlich frische Art und Heiterkeit kamen unter der Leitung von Otto Matzerath in allen Sätzen, angefangen vom bacchantischen Allegro über das trippelnde Allegretto bis zum kühn drastischen Schlußsatz mit plastischer Uebersichtlichkeit zur Geltung. Wir schließen uns daher, mit Ausnahme einer im zweiten Satz allzu behutsamen Betonung des Eingangsthemas, genauer dessen Reprise durch die Cellis, in jeder Hinsicht der künstlerischen Gestaltung Matzeraths und seiner Auffassung von diesem Werk an. W. Röse Im Staatstheater ... ... wird heute um 19.30 Uhr Verdis „Die Macht des Schicksals“ (Platzmiete A), morgen, Donnerstag, um 19.30 Uhr, Lehars „Die lustige Witwe“ (Platzmiete C) aufgeführt. Palast-Lichtspielei „Lord Nelsons letzte Liebe" Alexander Korda versteht es in seinen Filmen .ie kaum ein zweiter Regisseur, künstlerischen Wert und Publikumswirksamkeit zu, verbinden. „Lord Nelsons letzte Liebe“ ist ein Musterbeispiel hierfür, wobei allerdings schon der Stoff an sich alle Voraussetzungen dazu in sich trägt. Die Lebensgeschichte der Emma Hamilton, die — aus der Gosse kommend und in der Gosse endend — durch ihre Verbindung mit Englands größtem Seehelden eine der Weltgeschichte machenden Kokotten wurde (in dieser Hinsicht und auch darüber hinaus ist in dem Film man- Monaten geforderte Generaldebatte über das Staatstheater erst jetzt stattflnde. Nach seiner Kalkulation werde das Defizit des Theaters einen Zuschuß der Stadt in Höhe von etwa einer Million DM erforderlich machen. Diese Zuschüsse zu bezahlen, sei der Stadt auf die Dauer unmöglich. Stadtrat D i e t z (KPD) erklärte, eine Verlagerung der Lasten von der Stadt auf den Staat sei im Interesse der Kultur und des Volkes dringend zu fordern. Kommerzielle Gesichtspunkte dürften die Debatte nicht beherrschen, weil unter finanziellen Einschränkungen automatisch die künstlerische Leistung und die Aufgabe des Theaters zu leiden habe. Der zur Debatte hinzugezogene Ministerialrat Dr. T h o m a verwies darauf, daß von den staatlichen Zuschüssen in Höhe von 550 000 DM allein 400 000 DM für Pensionen ausgeworfen werden müßten. Er glaube indessen, daß man ohne erhebliche Nachforderungen wird aus- kommen können, und es habe den Anschein, als ob der von der Intendanz vorgelegte Spielplan bei der Bevölkerung Anklang finde. Im Gegensatz zu Stadtrat Heller (SPD), der sich mit warmen Worten für die Belange des Theaters einsetzte, nahm Stadtrat Dr. Kühn (CDU) die Geschäftsführung des Staatstheaters kritisch unter die Lupe. Er bemängelte die personelle Vermehrung des Ensembles um einige Kräfte und erklärte, auch im kulturellen Bereich müßten heute Abstriche gemacht werden. Nicht aus einer Theaterfeindlichkeit heraus, sondern aus Sorge um die Existenz des Theaters, das heute nicht mehr der erste und einzige Kulturträger sei, erfolge diese Kritik. Die Notstände in den Schulen und allgemein soziale Belange rangierten heute vor dem Theater. Nur 14 Stimmen für Theaterzuschuß Stadtrat Dr. Keßler (DVP) warnte gleichfalls in sehr ernsten Worten davor, anzunehmen, daß das Theater eine Einrichtung sei, die man nicht schließen könne. Es sei sehr fraglich, ob der Staat weiterhin in so großzügiger Weise seine Mittel geben könne. Im übrigen richtete er einen eindringlichen Appell an die Intendanz und Direktion, eine energische und sparsame Theaterpolitik zu treiben und alle Forderungen abzuschlagen, die mit den finanziellen Möglichkeiten nicht in Einklang stehen. Zum Schluß gab Intendant Heinz-Wolfgang W o 1 f f eine kurze Schilderung der Situation des deutschen Theaters insgesamt und seiner eigenen Arbeit. Daraus wurde ersichtlich, daß die Theater in allen Städten vor den gleichen Schwierigkeiten stehen wie das Badische Staatstheater. Die Mehreinstellung von neun Künstlern sei dringend erforderlich gewesen; sie falle jedoch, da reftht, als sie in Faschingskostümen und mit Gesichtsmasken in ein Uhrengeschäft in Groß-Gerau eindrängen. Der 71jährige Geschäftsinhaber glaubte zunächst an einen Scherz, als die vermummten Gestalten den Schlüssel zum Geldschrank verlangten. Erst als er Schläge mit einem Gummiknüppel bekam, gewürgt wurde und man ihm' den Mund zuhielt, merkte er. daß die Räuber echt waren. Durch die lauten Hilferufe des Ueber- fallenen ergriffen eie unverrichteter Dinge die Flucht. In der Folge verlegten sie sich wieder auf Diebstähle und erbeuteten nacheinander 14 Schirme, 8 Hühner, Foto-Apparate im Werte von 2 500 DM, Glühbirnen. Uhrenarmbänder und Zyankali . . . Das Schwurgericht gab den Angeklagten nochmls eine letzte Chance und verurteilte den 23jährigen Karlheinz Jungwirth aus Pforzheim wegen versuchten schweren Raubs sowie schweren und einfachen Diebstahls zu drei Jahren Gefängnis, während be; dem 26jährigen Walter Keitel aus Groß-Gerau auf dreieinhalb Jahre Gefängnis erkannt wurde, da er noch wegen unerlaubten Waffenbesitzes angeklagt war. lt- ches stark idealisiert und romantisiert), entbehrt nicht eines pikanten Reizes und gibt vor ihrem historischen Hintergrund die Möglichkeit zu interessanten Charakterstudien und filmischen Parade-Effekten, wie beispielsweise der mit großem Aufwand realistisch dargestellten Seeschlacht bei Trafalgar. Das künstlerische Schwergewicht liegt indessen bei den schauspielerischen Leistungen der beiden Hauptdarsteller: Vivien Leigh, eine bezaubernd schöne Frau, bringt — immer unter Berücksichtigung einer von Buch und Regie vorgezeichneten Nivellierung — den munteren Charme und das instinkthafte diplomatische Talent des mit allen Vorzügen ausgestatteten Kindes aus dem Volke ebenso überzeugend zum Ausdruck wie die rücksichtslose Konzessionslosigkeit des ehrgeizigen Emporkömmlings. Der Nelson Laurence Oliver’s ist geschichtlich wirklichkeitsgetreuer: Ein genialer Flottenführer, der sich indessen nur auf den Planken eines Kriegsschiffes sicher fühlt, ein aufrechter Charakter, welcher zwangsläufig der Frau hörig werden muß, der er in nicht unbeträchtlichem Maße seine glänzende Karriere verdankt. Die dramaturgische Bearbeitung, d. h. die allzu häufige Notwendigkeit einer visuellen und gesprochenen Verbindung einzelner, episodenhafter Szenen, ist nicht immer ganz glücklich, ebenso stört mitunter die „Atelierluft“, die über den (gemalten) Landschaften liegt. H. H. Karlsruher Film-Vorschau Gloria-Palast: Ab Freitag „Zigeunerblut“, ein Gainsborough-Farbfilm der Eagle- Lion, mit Margaret Lockwood, Patricia Roc, Dennis Price. Kurbel und Schauburg: Ab Freitag „Es war eine rauschende Ballnacht“. Atlantik: Ab Freitag „Anni — Eine Wiener Ballade“. Markgrafen-Theateri Ab Freitag „Die Stubenfee“. „Mittelalterliche Kunst ln Baden“. Die Ausstellung ist nur noch bis einschliaßlieh Sonntag, 16. Oktober, geöffnet. es sich vorwiegend um Anfänger handle, finanziell nicht ins Gewicht. Mit nur 14 gegen 4 Stimmen bei 9. Enthaltungen wurde im Anschluß daran der erbetene Zuschuß in Höhe von 550 000 + 70 000 DM bewilligt. Knielinger Bürgernutzen nicht erhöht Zu Beginn der Sitzung hatte man sich über die unseren Lesern bekannten Forderungen der Knielinger Bürger auf Erhöhung des Bürgernutzens von 60 auf 100 DM auseinanderzusetzen. Für die SPD sprach sich Stadtrat Ritze r t, für die DVP Dr. Trautwein und für die KPD Stadtrat D i e t z gegen den Antrag aus. Letzterer jedoch, wie auch Stadtrat Dulle n k o p f (CDU), baten zu bedenken, daß der Empfindlichkeit der Knielinger Bürger dadurch Rechnung getragen werden müsse, daß man Knielingen in anderer Weise entgegenzukommen versuche. Bei Stimmenthaltung der CDU wurde der Antrag dann von allen anderen Parteien abgelehnt. Anordnung gegen Kaiserstraßen-Bazar Eine lebhafte Debatte gab es bei der Vorlage einer Anordnung, den ambulanten Handel in den Hauptverkehrsstraßen aus verkehrspolizeilichen Gründen zu verbieten und — gleichfalls in den Hauptverkehrsstraßen und aus verkehrspolizeilichen Gründen — die Zurückverlegung der zahlreichen, als Folge der Gewerbefreiheit entstandenen Kioske und freien Läden um zweieinhalb Meter von der Straße weg zur Auflage zu machen. Es ging hier bisweilen recht temperamentvoll zu, wobei sich die Stadträte D i e t z und Dr. Mezirek (KPD) klar gegen den Antrag aussprachen, während Dr. Kro- m e r (CDU) die Rechtsgrundlage als zweifelhaft bezeichnete und betonte, daß er in den „Bauchläden“ kein Verkehrshindernis erblicken könne. Stadtrat Dietz meinte, die Juristen hätten die wirkliche Absicht dieser Anordnung, nämlich eine lästige Konkurrenz auszuschalten, zu schlecht maskiert, als daß man sie nicht erkennen könnte. Hunderte von Menschen würden durch diese Anordnung praktisch arbeitslos. Mit nur geringer Stimmenmehrheit wurde die Vorlage angenommen. Bedeutungsvoll war die Mitteilung, daß mit der AAK eine ab 1. Oktober gültige Vereinbarung getroffen wurde, wonach bis Ende dieses Jahres alle Arbeiten zu einem Einheitspreis durchgeführt werden sollen, und daß die übrige Schutträumung ab 1. Jan. 1950 im Rahmen der vorhandenen Mittel an verschiedene Unternehmen vergeben wird. Die AAK wird sich zwar gleichfalls um diese Arbeiten bewerben können, doch beendet sie mit Beginn des kommenden Jahres ihre bisherige Aufgabe. W. Stadtgeschehen - kurz belichtet Leichtkraftrad gegen Omnibus. An der unübersichtlichen Kreuzung der Weiher- und Basler Tor Straße ih Durlach stieß gestern abend der Fahrer eines Leichtmotorrades mit einem Omnibus zusammen. Der Motorradfahrer erlitt bei dem Zusammenstoß Verletzungen, die seine Einlieferung ins Krankenhaus erforderlich machten. Beim Abspringen von der fahrenden Straßenbahn stürzte am Marktplatz eine Frau so schwer, daß sie mit einer Gehirnerschütterung und einer Kopfverletzung ins Krankenhaus eingeliefert werden mußte. Weil die Bremsen versagten, konnte der Fahrer eines mit Sand beladenen Lastkraftwagens sein Fahrzeug an der Haltestelle Mathystraße nicht zum Stehen bringen, als dort die Fahrgäste der Straßenbahn aus- und einstiegen. Ein Fußgänger, der gerade in die Straßenbahn einsteigen wollte, wurde angefahren und zu Boden geworfen. Glücklicherweise erlitt er nur leichtere Verletzungen. , Bei einem Einbruch in eine Gartenhütte hinter dem Stadt. Krankenhaus wurden 4 Zentner Kartoffeln gestohlen. Raffinierte Einbrecher nahmen bei Nacht in einem Haus in der Hellbergstraße, nachdem sia den Kitt entfernt hatten, eine Türscheibe aus dem Rahmen und drangen auf diese Weise ins Innere des Hauses vor, wo sie Bekleidungsstücke und Lebensmittel im Wert von 1500 DM mitnahmen. Ein Schnapsdieb wurde von einer Polizeistreife festgenommen, als er die 10 Flaschen Spirituosen, die er im Keller einer Gastwirtschaft in Hagen- bach gestohlen hatte, hier verkaufen wollte. Eine Aenderung der Freibankgebühren wurde vom Karlsruher Stadtrat beschlossen. Der Beschluß liegt vom 10. bis 16. Oktober in den Polizeirevieren, sowie in den Rathäusern Karlsruhe, Durlach und Aue zur Einsichtnahme offen. Der Wortlaut wird außerdem im nächsten Amtsblatt veröffentlicht. . Zur Frankfurter Agrarmesse fährt am Mittwoch, den 19. 10., und Freitag, den 21. 10., ein Sonderomnibus der Firma Hirsch, Kandelstr. 2. Die Firma Wilhelm Blicker & Co. legt Wert auf die Feststellung, daß der von uns in dem Artikel „Alle 90 Sekunden entsteht in Karlsruhe ein Rundfunkgerät“ als Wohlfahrtsgebäude der Karlsruher Industriewerke bezeichnete Fabrikkomplex ihr Eigentum ist und der Firma Siemens kurzfristig vermietet wurde. 40- und 50jähriges Dienstjubiläum. Am 13. Oktober 1949 wird der Kassier bei der Oberfinanzkasse des Landesfinanzamts Baden in Karlsruhe, Zollinspektor Buch, sein 40jähriges Dienstjubiläum begehen können. — Am 2. 10. feierte Herr Johann Grimm bei der Firma Junker & Ruh AG. sein 50jähriges Dienstjubiläum. Aus den Rundfunkprogrammen Mittwoch, 12. Oktober Südd. Rundf.: 11.45 Landfunk; 12.00 Kulturelle Vorschau; 14.00 Schulfunk: Beethoven; 14.30 IRO- Suchdienst; 14.50 „Grüezi“, buntes Programm mit Schweizer Künstlern; 15.30 Börsenkurse; 15.45 Kinderfunk; 16.00 Von Dichtern u. Dichtung: W. Faulkner (D. Wyß); 16.15 Engl. Kammermusik; 17.00 Das Forum; 17.15 Volksmusik; 18.00 Jugendfunk; 18.15 Unterhaltungsmusik; 19.30 Innenpolitische Umschau; 20.00 „Seiner Erdentage Spur“, Sendereihe z. Goethe-Jahr (VIII): Der alte Goethe; 21.00 Unterhaltungsmusik; 22.00 Lieder v. Mendelssohn-Bartholdy, Klavierstücke v. Schumann; 22.30 Film-Streifzug durch d. Zonen; 22.45 Filmmusik; 23.50 Kl. Tagesbilanz; 0.05 Für d. Jazzfreunde. — Studio Karlsruhe: 13.00 Echo aus Baden; 13.10 Musik n. Tisch (H. Henkel u. d. K. Korten-Trio, W. Christ-Quintett). Tagsüber mild Vorhersage des Amtes für Wetterdienst Karlsruhe, gültig bis Freitagfrüh: In den Morgenstunden zum Teil neblig, nach Nebelauflösung heiter bis wolkig. Tagsüber mild mit Höchsttemperaturen von 15 bis 19 Grad, Tiefsttempe- raturen 5 bis 9 Grad. Schwache Winde. Rheinwasserstände vom 11. Oktober 1949 Konstanz 270 —1, Breisach 90 +4, Straßburg 140 —6, Maxau 804 —1, Mannheim 128 —1, Caub 69—6. Erstes Symphoniekonzert der Bad. Staatskapelle Sie konnten das „Organisieren" nicht lassen Fremde Schreibmaschinen und Fahrräder brachten lohnenden Nebenverdienst y i Mittwoch, 12. Oktober 1949 UNTERHALTUNG UND WISSEN Nummer 199 1 Seite I Der Herbst ist da! Wenn die Drachen steigen und die Bänke draußen allmählich veröden, dann ist der Herbst gekommen. Die Felder sind leer, über die Stoppeln zieht ein frischer Wind. Die Nächte sind kühl und die Morgen nebelig. Noch ist das Laub grün, aber bald färbt es sich nach ein paar kalten Nächten, und im herrlichsten Buntlaub steht dann der Wald, eine Symphonie der Farben. Wie köstlich sind diese, Herbstmorgen, von denen Mörike sang: Im Nebel ruhet nun die Welt, Doch träumen Wald und Wiesen/ Bald siehst du, wenn der .Schleier fällt, Den blauen Himmel unverstellt, Herbstkräftig die gedämpfte Welt In warmem Golde fließen. Der Herbst, sagen viele Leute, sei die Jahreszeit der Schwermut. Die sterbende Natur lasse auch in das Menschenherz eine wehmütige Stimmung des Abschiednehmens einziehen. In der Tat, man fühlt die Neige der Jahreszeit, die reife Süße des Sommers verändert sich zur Herbe des Herbstes. Doch auch dieser hat seine Freuden, ist es doch so, als wollte die Natur vor ihrem Winterschlaf uns noch beweisen, welche Wunder sie an Früchten und Farben hervorzuzaubem vermag. Nur an trüben, regnerischen Tagen beschleicht uns jenes unbehagliche Gefühl, das uns nur das Grau in Grau einer Ersterbenden Welt und lange Winterwochen vor Augen stellt. Doch gilt es der Stimmung solcher Stunden nicht zu unterliegen, sondern es mit dem Dichter zu halten, der da singt: Der Nebel steigt, es fällt das Laub, Schenk ein, den Wein, den holdeni Wir wollen uns den grauen Tag Vergolden, ja vergoldenI rp. Das Hausquartett Von Martin Anger „Piano!“ sagte der alte Professor zum Bratschisten, „leiser, viel leiser! Es muß sein wie ein Hauchi, der durch die Nacht geht, nur wie die Ahnung von Tönen.“ Und er gab erneut das Zeichen zum Einsatz. „Schön, daß es noch so etwas gibt!“ sagte die alte Dame, als sie das Quartett gespielt hatten, und setzte die Geige ab. „Schön, daß es noch so etwas gibt 1 Aber es stirbt aus. mit uns stirbt es aus! Gewiß, man spielt auch heute immer noch Haydn und Mozart, aber man spielt sie im Konzertsaal und vor begeisterten Menschen, die hinterher nicht laut genug klatschen können. Man feiert den Dirigenten, das Orchester, aber die Musik selbst, die Melodien? Die sind verklungen und keiner geht mehr schweigend nach Haus und läßt die Harmonien nachschwingen und wiederholt sie noch' einmal in seiner Seele und spürt, wie der Wind und die Sterne mitklingen und die weite Nacht und der Nebel, der aus den Teichen im Park 6teigt Habe ich recht, Herr Professor?“ „Sicher haben Sie recht!“ antwortete der Professor, „nur eines macht mich skeptisch. Als ich noch ein kleiner Junge war. musizierte mein Großvater mit Gleichgesinnten so wie wir es heute tun. Ich schlich mich dann aus meinem Bett, preßte das Ohr an die Tür und lauschte. Ja, und wenn dann das Quartett zu Ende war, setzte mein Großvater die Geige ab und sagte gedankenvoll: „Schön!“ sagte er, „schön, daß es noch so etwas gibt! Aber es stirbt aus. mit uns stirbt es aus!“ „Spielen wir weiter!“ setzte der Professor lächelnd hinzu, „vielleicht lauscht mein Enkel!“ Meine erste Liebe ' ET«, o.u*.. In der Fremde Als ich fünfzehn Jahre zählte, war Grete schon sechzehn und der Herr Winrich achtzehn Jahre alt. Herr Winrich war der jüngste Volontär an der Bremer Wollkämmerei in Blumenthal, und er kam ganz frisch aus Berlin, wo er das humanistische Gymnasium absolviert hatte. Von dem blendenden Glanz seiner Reifebildung fiel ein heller Schein in unsere Kleinstadtseelen, sobald der junge Herr, von'seinem dunklem Kragenmantel faltenreich umweht, den breitrandigen schwarzen Hut lässig in der Linken, die Kaffeestraße herunterschritt. Seine langen, glatten Haare setzte er dem Frühlingswind aus, und er summte. Der fliegende Holländer, von meinem Vater respektlos „der Berliner Stift“ genannt, wurde sowohl von Grete als auch von mir leidenschaftlich angebetet. Damals wußten wir noch nicht, daß ein Winrich nicht nur aus literarischen Erwägungen einen weiten Mantel mit Kragen trug, der nach allen Seiten kühne Falten werfen konnte. Ich fühlte mich ganz besonders gehoben, mir hatte er anvertraut, daß alle Weiber ihm nachliefen, diese dummen Gänse, und daß ihn ein solches Gebaren „ganz unmäßig langweile“, und bei diesen Worten blickte er mit herabgezogenen Mundwinkeln geradeaus. Während seiner Mittagspause hockten wir beide auf der schrägen Weide unten am Müllerloch. Es wehten kräftige Frühlingsstürme herüber vom Stedingerland, und sie waren ganz dafür bestimmt, die langen, dunklen Haare des Stifts kühn zu bewegen. Ich schaute mit Andacht auf seine Hände, die mit viel Grazie in den Manteltaschen wühlten, Finger und Ring und Arme wurden so hervorragend spielend bewegt — bis er seine Brieftasche hafte und ihr ein Foto entnahm. Es war ein Kabinettstück. Er schaute es befriedigt an, dann überreichte er es mir. Er trug darauf den Radmantel, über die Schulter gehängt, lose, lässig und ungeheuer gekonnt. Ich war ganz hingerissen und mußte mich sehr beherrschen, daß ich ihm nicht um den Hals fiel. Auf der linken Seite stand von seiner Hand mit weitausholenden, schwungvollen Buchstaben die Widmung geschrieben: Seiner liebsten Freundin Tami am 5. März 1903. Ich warf ihm einen dankerfüllten Blick zu. Aus dem Gefühl, daß es für Blumenthals OÖffentlichkeit angebracht sei, dieses Geheimnis fromm im Busen zu verwahren, steckte ich das Bild oben in meine Matrosenbluse. Es war, als seien mir Flügel gewachsen, ich fühlte eie prickeln zwischen den Schulterblättern und flog leicht und selig den Berg hinauf. Und dies Gefühl frühlingsseliger Ge- tragenheit verließ mich den ganzen Nachmittag nicht mehr. Die Schularbeiten liefen von selbst. Gegen Abend wuchs sich das Glück zu Uebermut aus. Ich sang einen Choral nach dem anderen, als ich in der Küche mit Katrin das Geschirr abtrocknete. Später gingen Grete und ich nach oben. Wir schliefen damals zusammen in der großen Stube über der Veranda und liefen in freudiger Erregung viel hin und her, lachten und schubsten uns gegenseitig auf die Betten, bevor wir uns daranmachten, die Matrosenblusen über die Köpfe zu ziehen. Als Grete dann endlich vor dem Waschtisch stand, sich zu waschen, zu gurgeln, sah ich,- daß auf der Flickeimatte vor meinem Bett das Foto von Winrich lag, das Unterpfand unserer Liebe. Ich warf einen hastigen Blick auf Grete, die den Kopf weit nach hinten bog, indes sie lange, gurgelnde Töne von sich rollte — spielend, wie lange der Atem trüge —, da ergriff ich schnell mein Bild. Um mich noch einmal vor dem Schlafengehen an dem Anblick zu laben — und um die Widmung zu genießen —, drehte ich das Bild um, ich riß die Augen auf, rieb die Nase platt — da stand „Meiner geliebten Gretemaus, 5. März 1903“. Rasch legte Ich das Bild des fliegenden Holländers auf die Flickeimatte zurück. Unter halbgeschlossenen Lidern beobachtete ich, wie Grete mit dem Frottiertuch in der Hand plötzlich in der Bewegung innehielt, einen scheuen Blick durch das Zimmer, dann auf mich warf — und dann im Vorbeihuschen, diese falsche Katze, bückte- eie sich und brachte Winrich In Sicherheit. „Machst du heute das Licht aus?“ fragte sie nach einer Weile aus ihrem Bett herüber. Ich pustete die Lampe aus und stieg wieder ins Bett. Seufzen, Räuspern. „Glaubst du, daß Winrich treu ist — ich meine —“ „Winrich!“ — ich sprach den Namen mit so viel Verachtung aus, daß ich selbst eine Pause machen mußte, um diese Verachtung zu genießen. „Der — du hoher Himmel — du bist ein Schaf — da kann man sehen, wie wenig es dir nutzt, daß du in Geographie eine Eins hast — und obwohl du ein ganzes Jahr älter bist — ha —“ „Wieso?“ fragte Grete, und ihre Stimme zitterte. „Hast du nicht gemerkt — du Riesenschaf —, daß dieser Stift aus Berlin immer Hebriden und Hesperus verwechselt — das hast du nicht gemerkt —“ „Aber wir haben nie von Geographie gesprochen!" sagte Grete ziemlich ratlos. Ich setzte mich in der Dunkelheit wütend aufrecht in mein Bett, schlug mit der Hand das Deckbett platt und rief: „Von was werdet ihr schon viel reden!“ Und es war ein Glück, daß es dunkel war, und keiner konnte die dicken Tränen sehen, die mir über die Backen liefen. Das Geheimnis der Schilddrüse Der New Yorker Arzt Dr. Jonas hat ein Präparat, das gegen die Basedowsche Krankheit entwickelt worden ist und dazu dient, eine zu starke Absonderung der Schilddrüse abzustoppen, mit bestem Erfolg gegen leichtere Fälle seelischer Erregbarkeit angewendet Er nimmt an, daß seelische Erregungen, Enttäuschungen und Ueberraschungen. unter denen der Gegenwartsmensch besonders stark leidet, auf die Funktionen der Schilddrüse zurückwirken, so daß hier ein Ansatzpunkt gegen die Auswirkungen seelischer Belastungen auf das körperliche Leben gegeben wäre. -mpfo. Ich sah den Sommer aus den Fluren scheiden. Mit stillen Augen eines Sterbenden schritt er den dunkle n Bergen langsam zu. Der Schmerz des Abschieds hielt mich fest umschlungen. Ich hob die schmale Hand zu abendlichem Gruß und aller Gram des uhgelebten Sommers schwoll mir ans Herz. Es wandte sich der Sommer zu mir um. Er hatte meiner taten Mutter Augen, vom Licht der Armut königlich verklärt, und sprach, wie meine Mutter einst gesprochen! „Ja, Kind, ich weiß, weiß was dir fehlt, und gern wollt* ich dir alles, alles schenken. Den roten Ball, ein Bild, ein Farbenspiel. Nur still mein Kind, vielleicht im nächsten Jahr. Vielleicht schenkt Gott dem Acker reiche Frucht. Vielleicht verdient der Vater dann acht Groschen mehr. Vielleicht kann ich beim Kaufmann alle Schuld bezahlen. — Hier ist noch Brot und hier ein dicker Apfel. Der Vater bracht’ ihn von der Nachtschicht mit. Und bald, mein Kind, malt auch der Winter viele Blume» an alle Fenster; welche weiße Pracht! Dann hast du eine schöne Freude wieder. Jetzt weine nicht, mein Kind. Du kannst es ja nicht wissen: Wir warten schon ein ganzes Leben tang auf einen reichen Sommer. Sdhlaf ruhig ein, mein Kind, die Sterne gehen in den alten Bahnen, so fließt wohl unser Leben auch nach wohlbedachtem Plan. Gott wird es wissen. Vielleicht im nächsten Jahr, vielleicht den roten Ball, ein Bild, ein Farben - spiel." Ich schwieg beglückt und faltete die Hände. Ein Vogel sang sein letztes Sommerlied. Da kniete ich im Sand der fremden Erde und spürte Gottes Hand in meinem Haar. Alwin Michael Rueffer Das Rätsel der Bodensee-Krankheit * Münchens „.Bioklimatischer Arbeitskreis“ dehnt seine Forschungen ata In Kürze wird der „Bioklimatische Arbeitskreis München“ seine Forschungsarbeiten auch auf das Bodenseegebiet ausdehnen. Dazu hat er bereits alle Aerzte am See zur Mitarbeit aufgefordert. Es gilt, die geheimnisvolle „Bodenseekrankheit“ aufzuklären. Das Wesen dieser Erkrankung liegt in der positiven oder negativen Beeinflussung der menschlichen Lebensvorgänge durch Wettereinflüsse, die in der Hauptsache durch den warmen Föhn hervorgerufen werden. So lange er weht, fühlen sich die meisten Menschen nicht wohl.. Stenotypistinnen liefern ihrem Chef tippfehlerreiche Geschäftsbriefe ab. Schulkinder schreiben schlechte Aufsätze, und Lehrer können die aufgeregte Schar kaum bändigen. Irgendetwas muß in dem Föhn „drin“ sein, das diese Erscheinungen auslöst. Man denkt an starke Elektro-Joni- sation, Ozonanreicherung und an das neuentdeckte Aran, das nach Angabe seines Entdeckers das Rätsel um die 'Wetterempfindlichkeit lösen könne. Der Bostoner Arzt und Klimaforscher Dr. Manfred Curry beschreibt diesen Stoff eingehend in seinem neuesten Werk „Schlüssel zum Lehen“. Auf einer Afrikareise selbst wetterempfindlich geworden, rastete er nicht eher, bis er das Geheimnis gefunden zu haben glaubte. Sein Aran soll aber nicht nur die „Wetterempfindlichkeit“ beeinflussen, sondern auch Krankheiten auslösen und verursachen. Befinden, Stimmung und sogar auch die Geburt seien von ihm abhängig. Wenn dieser Stoff, der dem Ozon sehr gleicht, tatsächlich die Ursache all dieser Begleiterscheinungen des menschlichen Lebens ist, kann er wohlverdient den Namen „Schlüssel zum Leben“ beanspruchen. Vorderhand ist es jedoch noch nicht so weit. Aber schon haben sich Wissenschaftler aus vielen Ländern über dieses Problem unterhalten und Nachprüfungen durchgeführt. Vorsitzender des Arbeitskreises ist der bekannte Universitätshygieniker Geheimrat Prof. Kißkalt. Außerdem gehören weitere namhafte Gelehrte aüs den Gebieten der Astronomie, Meteorologie und Medizin dem Kreis an. Er hat sich die Aufgabe gestellt, in enger Zusammenarbeit mit Kliniken und Krankenhäusern, Laboratorien und dem Wetterdienst gegenseitige Erfahrungen über die Wetterfühligkeit auszutauschen, Versuche zu unternehmen und später Fühlung mit ähnlichen Gruppen aufzunehmen. Dr. G. Z. Kultuiwoche der IDAD in Heidelberg In Erweiterung der vorjährigen Planung, den Begriff des Ostdeutschtums den Deutschen in den westlichen Gebieten, die Auffangsraum wurden für die Millionen von Vertriebenen, in seinem ganzen Umfang nahezubringen, wurde bei der diesjährigen Kulturwoche — der man freilich den Namen „Festspiele" nicht geben sollte — der Ton auf die wissenschaftliche Grundierung des ostdeutschen Problems gelegt. Wissenschaftler von hohem Rang, einst Zierden der Universitäten von Dorpat, Breslau, Königsberg usw., waren nach Heidelberg gekommen. Nach Professor von Weizsäcker, der die Woche eröffnete, sprach Prof. Böhm über die „Soziologie“ der Ostvöllker und entwickelte ein lebendiges Bild über die gesellschaftliche Formung des sich von den baltischen Staaten über Polen, die Tscheche! und Ungarn bis nach Rumänien erstreckenden Raumes, jenes Grenzlandes des Abendlandes, um das seit Jahrtausenden auch der politische Kampf geht. Den sehr realen Ausführungen dieses hervorragenden Gelehrten entsprachen auch die beiden stark beachteten Vorträge über das „Oder-Neiße-Problem“ der Professoren Seraphim und Maurach, die es in bevölkerungsmäßiger und wirtschaftlicher Beziehung beleuchteten, durch Zahlen anschaulich machten und die Rechtslage des heute als „Ruhrrevier des Ostens“ im Mittelpunkt polnischer und sowjetischer Politik stehenden Gebietes klarlegten. Diesen Teil der Woche schloß dann Dr. Schremmer ab, der über „Die großen Diener des Wortes" im Raum Böhmen-Mähren sprach und einen geistigen Bogen spannte zwischen dem „Ackermann aus Böhmen“ bis zu Rilke. Die treibende kulturelle Kraft dieses nahezu unerschöpflichen Raumes wurde jedem Hörer eindringlich klar. Der zweite Teil des Programme war der volksbildnerischen Seite des ostdeutschen Problems gewidmet, wie sie sich einmal ln der kulturellen Eingliederung der Heimatvertriebenen in den Gastraum, dann aber aus der Wechselwirkung zwischen den westlichen und östlichen deutschen Stämmen ergibt. Dr. Dr. Emst Lehmann, der heute in Hessen tätig ist, gab wertvolle Hinweise aus der praktischen Arbeit und für die praktische Arbeit, wobei der Begriff „Heimat“ mit einem neuen Inhalt gefüllt wurde. Von hier aus hatte es der Dichter Dr. Franz Hauptmann nicht schwer, Eingang in die Herzen zu finden, als er die „Goldene Stadt“ Prag vor Augen stellte und Proben seines Schaffens gab, von denen ein Vorspiel zu einem Drama „Die Glocke ist schuld“ besonders fesselte, da sie den Schuldbegriff zum Thema einer starken Auseinandersetzung der gegenwärtigen historischen Ereignisse macht. Der bekannte sudetendeutsche Schriftsteller Otto Zemik fand ein bewegtes Mitgehen seiner Zuhörer bei seinem Vortrag über den Volkstumsdreiklang „Böhmerwald-Eger- land-Erzgebirge“, der durch viele persönliche Erinnerungen aufgelockert wurde. Die künstlerischen Ereignisse der Woche traten gegenüber den wissenschaftlichen Belangen diesmal etwas in den Hintergrund. Das lag ln gewisser Weise auch an der gegenwärtigen Ueberfüttenfng des Heidelberger Publikums mit Theater und Musik, aber auch an der wirtschaftlichen Lage der Neubürger, die wohl den landsmännischen Abenden an den Wochenenden zuströmten, dem Gastspiel des Darmstädter Landestheater, dem „Zigeunerbaron“ aber femblieben. Straußens „Rosenkavalier“ und Goethes „Egmont“ ln sehenswerten Aufführungen der Heidelberger Bühnen liegen ebenfalls dem gegenwärtigen Existenzkampf der Heimatvertriebenen reichlich fern. So fand erst wieder der Trachtenzug und der sudetendeutsche Abend mit Ludwig Manfred Lommel den erwarteten Zulauf, und die Sportkämpfe der Jugendgruppen der IDAD, Hie Volkstänze und -lieder, die in Schwetzingen viele Besucher anlockten, stellten auch die Verbindung zur Kunst wieder her. die für die Ostdeutschen mehr den Charakter einer „Heimatkunst“ besitzt als' ein europäischer Kulturausdruck sein will. Man wird in der nächstjährigen „Kulturwoche“ nach dieser Richtung hin stärkere Beziehungen zu den eigentlichen Trägem Volksdeutscher Art suchen müssen. Dr. Wehagen 30 Jahre Pfalz-Orchester Das Jubiläum eines Orchesters ist nicht nur ein besonders hervorgehobener zeitlicher Punkt seiner Entwicklung, sondern vielmehr eine Fermate, die allen Beteiligten, d. h. den Musikern, nachdrücklichst Rück-, Uber- und Ausblick abverlangt. Aber auch die große Zahl der Freunde und Hörer soll sich in diesem Augenblick klarmachen, was sie bisher dem Orchester verdankten, was es für sie bedeutet und was sie von ihm erwarten. Dem Pfalzorchester Ludwigshafen geziemt eine solche Betrachtung ganz besonders. Als Vertreter der pfälzischen Städte erfüllt es seit 30 Jahren in diesem an musikalischen Einrichtungen .armen Raum eine besondere Mission: durch Sinfoniekonzerte und als Begleitinstrument großer örtlicher chorischer Aufführungen mit den Meisterwerken der Musik bekanntzumachen. In der Gegenwart sieht das Orchester unter Generalmusikdirektor Bernhard Conz auf einen hohen Stand künstlerischer Leistungen, die Zukunft aber ist überschattet von schweren finanziellen Sorgen. Der Festakt mit Ansprachen des Oberbürgermeisters, der Vertreter der Militär-, Landes- und Provinzialregierung wurde umrahmt durch die gekonnte sinfonische Dichtung „Taormina“ des unvergessenen Dirigenten Professor Emst Boehe und dem Meistersinger-Vorspiel. Dem Festkonzert hatten sich bedeutende Freunde des Orchesters zur Verfügung gestellt: Professor Elly Ney spielte unnachahmlich den 1. Satz des Es-Dur-Konzertes von Beethoven, Professor Ludwig Hölscher mit noblem Ton den II. Satz des Cello-Konzertes von Dvorak. Die III. Leonoren-Ouver- türe, eine hervorragende Leistung des Orchesters und seines Leiters, bildete den Abschluß. Zahlreiche Festredner, aus deren Worten Liebe und Treue zum Pfalzorchester klang, versprachen als Vertreter von Staat, Städten und des Zweckverbandes Pfalzorchester eine eigene „Kulturdemontage“ zu verhindern. Es ist dies eine grundsätzliche Frage, denn die Entwicklung des modernen Orchesters ist nicht nur ein musikgeschichtlicher Vorgang, sondern auch ein vielfältiges Spiegelbild europäischer Geistesgeschichte. Diese Erkenntnis aber sollte für uns, für unsere Orchester und ihre Erhaltung zugleich eine Verpflichtung bedeuten. Dr. Nestler. t ♦ nSGr Skiblusen braun und blau, reinwollene Ausiöndsware in allen Größen Verkauf ab Donnerstag, den 13. Oktober 1949 solange Vorrat Ihr Spezialgeschäft f. Herren- u. Knabenbekleidung KARLSRUHE . KAISERSTRASSE 50 Ab beute 12.45, 14.45, 16.45, 19.00 u. 21.00 Uhr. Tioti anhaltenden großen Erfolges anderweitiger Dispoeitionen wegen Donnerstag endgültig letzter Tag: scftwarze Narzisse Ein Farbfilm von grandioser Sdxraheit in deutscher Sprache lfcOO, 15.00. 17.00, 19.00 , 21.00 Uhr. Vorverkauf ab 10 Uhr vormittags. Nur noch bis einschließlich Donnerstag I Tägl. 12.20, 14.15, 16.00 17.45, 19.30, Ui.15 Uhr, ORIA jordNe otzte Liebe Sie Todesreiter von Kansas Ab Freitag! Margaret Lockwood in ihrem ersten Farbfilm (LADY HAMILTON) Alexander Kordas weltberühmt gewordene unvergleichliche Prunkinszenierung In deutscher Sprache. Zigeunerblut Morgen letzter Tag! Marika Rökk in Old Joe rettet das Vaterland M atürlich konnte Old Joe nicht zuhause blei* ben, als der General Grant gegen die Süd« Staaten loszog. Sollte er etwa nicht dabei sein, wenn es darum ging, Sklaven zu befreien? Wenn er trotzdem damals keinen Flintenschuß abgegeben und es auch nicht zum General ge« bracht hat (obgleich man keinen besseren hätte finden können!), so lag das an einem kleinen Mißgeschick, das ihm gleich in den ersten Tagen passierte. Aber lassen mir ihn die Ge« schichte selber erzählen t »Dieses Mißgeschicke, erzählte Old Joe, »lag daran, daß wir uns vom ersten Tag an nicht verstanden haben, die Sergeanten und ich. Die Brüder fangen doch immer erst mit freund« liehen Gesichtem an und so ganz allmählich wird’s anders. Zuerst gibt es auch immer et* was Gutes zu essen, aber schon dabei hatte ich Pech. Ich esse zwei, drei Löffel und kann nicht mehr. Ich packe also die Schüssel und ILDJTOE CIGARETTE» UM!!® SBIMÜSSfiS) fregola 18.00, 15.00, 17.00, 10.00, 21.00 Uhr. 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Sie spaten Zeit und Qeid, trabe damit zu dem Sergeanten, der die Auf« sicht hat.« »Sergeant«, sage ich, »es ist Sand in meinem Essen.« »Hör mal«, antwortet der und zieht ein schiefes Maid, »bist Du hierher gekommen, um das Vaterland zu retten oder, um über das Essen zu meckern?« — »Sergeant«, sage ich, »ich bin hergekommen, um das Vaterland zu retten, aber nicht, tun es aufzufressen!« wenn Sie unsere Agenturen in Anspruch nehmen. KARMUHER NEUE ZEITUNG Fortsetzung toLgi /mavsewetv- welche GRÖSSE »CH -TRAGE SKISCHUH s r 35V COPYRIGHT RULLS PRESSTJAN Ft i p h o / o h u n o $ e i n e 4 b e n t e u e i Ende. DAS SCHIESSEN HAT AUFGEHÖRT }BER DIE KINDER SCHREI EN NOCH O PEG6Y 1 BERUHIGE DICH. DOLLY NOCH EINE MINUTE GEDULD- Lag-tS T.L -r> < fraiüttb NA.NA, KLEINER MONN DU BRAUCHST KEINF (ANGST ZU HOBEN' HEISST DU — DIE ARMEN DINGER KÖNNEN VORLAUTER U'V. SCHREIEN 'nA.-sA^JNICHT SPRECHEN fl l 0H KAI ICH DICH WIEDER BIN ICH LICH ! 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