KARLSRUHER NEUE ZE Erscheinungsweise: Täglich, außer Donnerstag und Sonntag. Redaktion, Verlagsabteilung und Druck: Karlsruhe, Waldstraße 28, Telefon Nr. 922/923 (Dringend Presse). Anzeigenannahme und Vertrieb: Karlsruhe, Kaiseistr. 69, Telefon 6649; Durlach, Pfinztalstr. 50; Ettlingen. Schöllbronner Straße 5 (Druckerei Graf), Telefon Nr. 187. Süna meint Bezugspreis monatlich DM 2.40 einschließlich Trägergebühx, Postzustellung DM 2.30 zuzüglich Zustellgebühr. — Anzeigenpreise: Die sechsgespaltene, 46 mnp breite Millimeterzeile Millimeter-Grundpreis DM —.80, im übrigen siebe zur Zeit gültige Preisliste Nr. 3a. — Postscheckkonto: Postscheckamt Karlsruhe Nr. 80 535« 2. Jahrgang ; Nr. 143 Karlsruhe, Samstag, 23. Oktober 1948 Einzelpreis 20 Pfennig Sicherheitsrat erneut vertagt * Neutrale Mitgliedstaaten bringen Resolution zur Lösung der Berliner Krise ein Paris, 22. Okt. (DENA). Die Entscheidung über die Berliner Frage ist aut der Freitagsitzung des Sicherheitsrates noch nicht gefallen. Die von den sechs neutralen Mitgliedstaaten des Rates eingebrachte Resolution zur Lösung der Berliner Krise soll von den Vertretern der USA, Großbritanniens, Frankreichs, der Sowjetunion und der Ukraine bis zum kommenden Montag gründlich studiert werden, wozu bisher noch keine Gelegenheit war. Mit fast einstündiger Verspätung begann der Sicherheitsrat am Freitagnachmittag in Gegenwart des Sowjetvertreters Wyschinskis und des ukrainischen Vertreters Manuilski seine Beratungen. Die Ursache für die Verzögerung war eine Privatkonferenz der drei westlichen. Delegierten, in der diese die Haltpdg Wyschinskis erörterten, der, wie vorher verlautete, sich von der« Abstimmung über die Resolution zur Berliner Frage unter der Bedingung enthalten wollte, daß bestimmte von ihm vorgeschlagene Aen- derungen im Text der Resolution aut- genommen würden. Zu Beginn der Sitzung verlas der UN-Generalsekretär Trygve Lie die von den sechs neutralen Mitgliedstaaten des Rates eingebrachte Resolution, in der die vier Besatzungsmächte aufgefordert werden, alle Handels- und Transport-Beschränkungen in Berlin und der sowjetischen Besatzungszone Deutschlands aufzuheben. Gleichzeitig sollen die Militärgouverneure zusammentreten, um in gemeinsamen Verhandlungen das deutsche Wähfungsproblem bis zum 20. November zu regeln. Innerhalb von zehn Tagen nach dem 20. November oder zu einem anderen gemeinsam vereinbarten Termin soll der Außenministerrat zur Erörterung der gesamtdeutschen Frage einberufen werden. Ferner fordert die Resolution eine Viermächtekontrolle der Währung. Als erster Redner nahm Bramuglia (Argentinien) zu ' der Resolution der „Neutralen" Stellung und bezeichnete diese als „einen Weg zur Vermeidung einer gefährlichen Entscheidung, die zum Krieg führen könnte.“ Anschlie- Feuer in Palästina eingestellt Tel Aviv. 22. Okt. (DENA-AFP) Die israelische Regierung hat ihre im Ne- geb stehenden Truppen angewiesen, in Uebereinstimmung mit der Anordnung des UN-Vermittlers, Dr. Bunche, zu dem festgesetzten Zeitpunkt das Feuer einzustellen. Den gleichen Befehl gab der ägyptische Premierminister Nok- raschy Pascha den ägyptischen Streitkräften. Die Kampfhandlungen im Ne- geb in Südpalästina sind danach, offiziellen israelischen Berichten zufolge, eingestellt worden. Laut UP hatte Dr. Bunche den Juden und Aegyptern einen Feuereinstellungsbefehl für Freitagmittag 12 Uhr erteilt. ßend sprachen die Vertreter der fünf übrigen „Neutralen“. Der chinesische Vertreter Dr. Tschiang erklärte, es sei möglich, daß die von den Neutralen vorgeschlagene Lösung zu einem Höhepunkt der Geschichte werde. Der syrische Vertreter Faris el Khoury betonte das Interesse der neutralen Mächte an der Erhaltung des Friedens. Als Vertreter Belgiens sprach Vandenhove. Jeder, erklärte er, der die Bestimmungen der UN-Charta würdigte und achte könne diese Resolution annehmen. General .McNaughton bezeichnete die Resolution als den Weg zu einer wahrhaften Lösung nicht nur dieses Problems, sondern vieler anderer Fragen, die im Interesse des Friedens v gelöst werden müssen. Nachdem der kolumbianische Vertreter dem Vorsitzenden Bramuglia seine Bewunderung für die Arbeit ausgesprochen hatte, die dieser während der schwierigen Verhandlungen geleistet hat, vertagte der Vorsitzende die Diskussion auf kommenden Montag. Tag der Vereinten Nationen Karlsruhe, 22. Okt. (SAZ). Am 24. Oktober feiern die Mitgliederstaaten den „Tag der Vereinten Nationen“. Wir verweisen auf unseren Bericht auf Seite 3 der heutigen Ausgabe: „Die UN. arbeiten seit drei Jahren für den Frieden“. //■* Deutschland muß entwaffnet bleiben" Clay: Europa befindet sich auf dem Weg zu wirtschaftlicher Stabilität land, General Lucius D. Clay, erhielt New York, 22. Okt. (DENA-AFP) General Clay, amerikanischer Militär- gouvemeur für ■ Deutschland, äußerte hier am Donnerstagabend in einer Rede die Ansicht, der Erfolg des Marshall-Pl@nes hänge teilweise davon ab, daß Deutschland wieder auf- gebaut wird und den Handel mit seinen Nachbarn wieder aufnimmt. Deutschland müsse jedoch, so meinte Clay, entwaffnet und seine Kriegsindustrie ausgeschaltet bleiben, weil sonst seine Nachbarn zögern würden, „ein wiederaufgebautes Deutschland ' als eine freie Nation anzuerkennen, j deren Herz für den Westen schlägt.“ ’ Es müsse, da die sowjetische. Besatzungszone am Marhall-Plan nicht teilnimmt, die Möglichkeit erwogen werden, Westdeutschland eine auf Grund einer vom Volke gebilligten Verfassung gebildete Regierung zu geben. Zu den Bemühungen der USA um den Frieden, äußerte der General, solange in Europa keine stabilen Ver- • hilinii-le g sichert seien, müßten die Vereinigten Staaten entschlossen für den Frieden eintreten, um zu vermeiden, daß andere ihn durch aggressive Handlungen gegen jene zu zerstören suchen, die nicht die Kraft zum Widerstand haben. „Die Starken können geduldig sein“, meinte Clay, „und. wir sind stark“. „Europa“, so führte Clay aus, „befinde sich auf dem Wege zu wirtschaftlicher Stabilität. Neue Flugzeuge für Luftbrücke Washington, 22. Okt. (UP) Der amerikanische Militärgouvemeur in Deutsch- von Präsident Truman die Ermächtigung, die Luftbrücke für Berlin um weitere 66 viermotorige Transportflugzeuge zu verstärken. Laut DENA gab der Lufttransportdienst der US- Luftstreitkräfte bekannt, daß seit Beginn der Berliner Luftbrücke am 26. Juni bis 18. Oktober 38 134 Flüge durchgeführt wurden. Dabei kam es zu 88 Unfällen, die das Leben von 13 amerikanischen Fliegern forderten. Tankschiffe bringen monatlich 53 600 000 Liter Benzin für die Berliner Luftbrücke nach Bremerhaven. Clay nach Berlin zurück New York, 22. Okt. (DENA-AFP) Der amerikanische Militärgouverneur für Deutschland, General Lucius D. Clay. ist am Freitagvormittag wieder von hier nach Berlin abgeflogen. Tagung der Kultusminister der Westzonen In Ravensburg fand am 19. Oktober die Tagung der Kultusminister der deutschen Westzonen statt. An dieser Tagung nahmen zum ersten Male Regierungsvertreter der französischen Zone offiziell teil. Unser Bild zeigt: (v. 1. n. r.) Die Kultusminister Staatspräsident. Wohieb (Südbaden); Dr. Albert Sauer (Südwürttemberg); Adolf Grimme (Niedersachsen); Dr. Alois Hundhammer (Bayern): Dr. Erv/in Stein (Hessen); Frau Christine T e u s c h (Nordrhein-Westfalen). (Aufn. DENA-Bild) Demontagestop gebilligt Deutsches Memorandum zum Demontagestop an Hoffman London, 22. Okt. (UP). Großbritannien ist bereit, die Demontage derjenigen deutschen Industriebetriebe vorläufig äufzuschieben, für die im Zusammenhang mit dem Marshall- Plan die Absetzung von der Demontageliste empfohlen wurde. Dies ist — wie zuverlässige politische Kreise in Erfahrung brachten — der Hauptbeschluß eines Uebereinkommens, das zwischen den USA und Großbritannien zustande kam. Es wird jedoch Schwere Schießereien in Frankreich Ausdehnung i*er Streiks auf die Eisenbahner und Hafenarbeiter Gute Steuer6rträ«e nur durch Massenkonsum Landtagsabgeordneter Möller zur Finanzlage in Württemberg-Baden Stuttgart, 22. Okt. (S'AZ). Am Donnerstag gab Finanzminister Dr. Köhler im württemberg-badischen Landtag einen Ueberblick über die Steuer- und Finanzlage nach der Währungsreform. In der anschließenden Debatte beschäftigte sich Abgeordneter Möller (SPD) mit den für unseren. Haushalt wichtigsten Problemen. Ausgehend von der engen Verflechtung der Steuer mit der Wirtschaft, erklärte er, nicht ein« Maximurri der Steuersätze, sondern die optimale Ausnutzung der allgemeinen Steuer- kraft unter ausreichender Berücksichtigung der sozialen Belange des Volkes sei entscheidend. Nur wenn die Genußmittelsteuern so gesenkt würden, daß die dadurch erzielte Verbilli- Weil-Run dsch au WASHINGTON. (UP) Ein Untersuchungsausschuß des amerikanischen Senats will sich mit dem Fall Ilse Koch befassen. / Die Verwaltung für wirtschaftliche Zusammenarbeit bewilligte der Bizone weitere 4 834 000 Dollar zum Einkauf von Tabak in den USA und zur Bestreitung von Seefrachten. — SANTIAGO ®E CHILE. Der Vulkan „Villarica“ .ist am Donnerstag wieder erloschen. — LONDON. Die Konferenz der Ministerpräsidenten des Commonwealth wurde hier beendet. — HELSINKI. Zwischen berittener Polizei uiid Streikenden kam es hier zu Zusammenstößen. Auch andere finnische Städte sind von einer inoffiziellen Streikwelle • betroffen ■— WARSCHAU. Der Primas von Polen, Kardinal Hlond. ist an einer Lungenentzündung gestorben. — PRAG. Der tschechoslowakische Außenminister Clemen- tis entschuldigte sich beim britischen Botschafter in Prag wegen der Verhaftung des britischen Presse-Attaches Wallace durch tschechoslowakische Polizei. — WIEN. Etwa 70 Prozent der Bevölkerung der Sowietunion sind gegen das Sowietregime eingestellt, erklärten die beiden nach der US-Zone Oesterreichs geflohenen sowjetischen Offiziere — ATHEN. Ein Athener Gerichtshof verurteilte 31 Personen zum Tode, weil sie im Dezember vorigen Jahres 31 Persorten ermordet hatten. (Alle nicht gezeichneten Nachrichten: DENA) gung einen Massenkonsum ermögliche, könne mit einem wirklich guten Steuerertrag gerechnet werden. Möller unterstützte daher mit Nachdruck den deutscherseits bei den Militärreg, ierungen vorgebrachten Vorschlag auf Senkung dieser Verbrauchssteuern. Es §ei jedoch untragbar, so bemerkte der Landtagsabgeordnete, daß die Steuerlast in der Hauptsache von den Festbesoldeten getragen werde, die bereits vor der Währungsreform die größten Opfer brachten. Aus den Urteilsbegründungen des iitternationalen Militärgerichts in Nürnberg nahm Möller die Argumente, um in Erwiderung- auf eine Aeuße- rurig von General Clay nachzuweisen, daß die Regeln der Haager Landkriegsordnung auch für Deutschland gelten müßten und die Anforderungen der Besatzungsmacht daher der wirtschaftlichen Kraft des besetzten Landes — also auch seiner Steuerkraft — Rechnung zu tragen hätten. Paris, 22. Okt. (UP). Bei Firminy in der Nähe von St. Etienne kam es am Freitagnachmittag zu einer heftigen Schießerei, zwischen republikanischer Garde und streikenden Arbeitern. Dabei wurden zwei Bergarbeiter getötet und mehr als 30 Personen verwundet. Am gleichen Nachmittag kam es in Monceau Les Mines, etwa 130 Kilometer nördlich von St. Etienne, zu einem neuen Zusammenstoß zwischen Streikenden und Polizeieinheiten, bei dem nahezu 50 Personen verletzt wurden. Die Streikenden griffen die Polizei an, kreisten sie ein und begannen sie zu entwaffnen. Ein Lastwagen wurde von den Streikenden „erobert“ und weggefahren. Schließlich verwendeten die Truppen Tränengas, um die bedrängten Polizisten aus ihrer Lage zu befreien Es scheint' 9 nunmehr den kommunistischen Gewerkschaften daran gelegen zu sein, die Streiks auf andere wichtige Zweige der französischen Wirtschaft auszudehnen. In Avignon und mehreren , anderen südfranzösischen Städten legten im Laufe des Freitags die Eisenbahner die Arbeit nieder. Die Hafenarbeiter von Rouen, Bordeaux, Calais, Dünkirchen, Dieppe und Boulogne weigern sich, Kohlenschiffe zu entladen. Regierung erteilt Schießbefehl Paris, 22. Okt. (UP) Die französische Regierung faßte am Freitagabend in einer Sondersitzung den Beschluß, die Truppen und die Republikanische Garde zu ermächtigen, bei Auseinandersetzungen mit Streikenden wenn nötig, von der Schußwaffe Gebrauch zu machen. Wieder zehn Hinrichtungen Landsberg, 22. Qkt. (UP) Weitere zehn Kriegsverbrecher, die wegen in KZ’s begangener Grausamkeiten und der Ermordung alliierter Flieger zum Tode verurteilt wurden, sind am Freitag im Landsberger Gefängnis durch den Strang hingerichtet worden. OKW-Urtell 27. und 28. Oktober Nürnberg, 22. Okt. (DENA). Die Urteilsverkündung gegen die ehemaligen Generalfeldmarschälle und höheren Offiziere des OKW findet nach Mitteilung des amerikanischen Richters Justin W. Harding am 27. Oktober, 9.30 Uhr, statt. Die Urteilsbegründung wird etwa zwei Tage in Anspruch nehmen, so daß mit der Verkündung-- des Strafmaßes am Nachmittag äes^2S. Oktober zu rechnen ist. Hofer entflohen München, 22. Okt. (DENA). Der ehemalige Gauleiter und Reichsstatthalter von Tirol, Franz Hofer, ist am Freitag entflohen, als er einer Münchener Spruchkammer als Zeuge vorgeführt werden sollte. betont, daß Großbritannien damit in keiner Weise der endgültigen Absetzung dieser Werke von der Demontageliste zustimme. In der britischen Zone wurden bis jetzt 118 der zur Demontage vorgesehenen Industriebetriebe noch nicht abgebaut. An 70 von diesen Betrieben scheint die ame-« rikanische Marshall-Plan-Verwaltung im Hinblick auf den europäischen Wiederaufbau interessiert zu sein. Großbritannien ist nicht bereit, in solchen Betrieben, bei denen die Demontage bereit?' begonnen hat, einen Demontagestop zu befehlen. Der Vorsitzende des Zweizonenverwaltungsrates. Dr. Hermann Pünder, wird, wie DENA am Freitag erfuhr, dem ERP-Administrator Paul G. Hoffman bei dessen Besuch in Westdeutschland ein deutsches Memorandum zur Demontagefrage überreichen, das als Diskussionsgrundlage bei den Besprechungen mit deutschen Stellen dienen soll. In der deutschen Denkschrift sollen wesentlich mehr Werke aufgeführt sein, als Hoffman für einen etwaigen Demontagestop vorgesehen hat. Die Ergebnisse der vom Herter- und dem Harriman-Ausschuß sowie von der US- Stahlkommission durchgeführten Untersuchungen sind nach den vorliegenden Aeußerungen ip den deutschen Vorschlägen weitgehend berücksichtigt worden. Ein Demontagestop soll, wie aus zuverlässigen Kreisen verlautete, hauptsächlich für exportwichtige Betriebe vorgeschlagen werden. Außerdem seien Zulieferbetriebe für den Bergbau und die Eisenbahn sowie eine Anzahl Werke aufgeführt, deren Abbau die Produktionszusammenhänge empfindlich stören würde. Ueber den endgültigen Demontagestop bei 126 Firmen ist, wie weiter verlautete, in maßgebenden deutschen Wirtschaftskreisen noch nichts bekannt, da über den Inhalt des Hoffman-Berichts strengstes Stillschweigen gewahrt wird. Doppe’mörder He T m zum Tode verurteilt Bei der Verkündung des Urteils blieb der 17jährige Angeklagte ruhig Ostzonen-Verfassung in Vorbereitung Entwurf auf der fünften Tagung des Deutschen Volksrates angenommen auch der Chef der Informationsabtei- Berlin, 22. Okt. (DENA) Die 5. Tagung des Deutschen. Volksrates wurde hier am Freitag von dem Präsidenten Wilhelm Pieck (SED) eröffnet, der in seiner Begrüßungsansprache den „Volksrat“ als die einzige legale Vertretung des deutschen Volkes bezeichnete. Zu Beginn der Sitzung wurden fünf Mitglieder der NDP als voll stimmberechtigte Vertreter in den Rat aufgenommen. Der Vorsitzende der SED und Vorsitzende des Verfassungsausschusses des Volksrates, Otto Grothewohl, der der Vollversammlung den Verfassungsentwurf des Deutschen Volksrates vorlegte, erklärte: Die neue Verfassung sei auf der Einheit Deutschlands im Sinne des Potsdamer Abkommens aufgebaut. Im Gegensatz hierzu sei man in Bonn bemüht, einen westdeut- scherr Separatstaat zu schaffen, der von den kapitalistischen Staaten versklavt werden solle. Diesen Bemühungen stelle der deutsche Volksstaat eine Verfassung entgegen, die dem deutschen Volke wieder wirkliche souveräne Rechte ein- räume. Der Sitzung' des Rates wohnt« lung der SMV, Oberst S. Tulpanow, bei In einer einmütigen Entschließung nahm der „Deutsche Volksrat“ den ihm vorliegenden Verfassungsentwurf an und stellte ihn dem deutschen Volk zur freien Diskussion. % Neue Sowjeturteile Berlin, 22. Okt. (DENA). Drei der am 6. September im neuen Stadthaus von den Sowjets verhafteten Magistratsordner wurden laut SNB am Freitag vom sowjetischen Militärtribunal Berlin wegen Inszenierung von „Unruhen“ zu sechs Monaten bis ein Jahr Arbeitslager unter Anrechnung der Untersuchungshaft verurteilt. Als strafmildernd wurde — ebenfalls laut .SNB — das Eingeständnis der Angeklagten angesehen, daß sie auf Befehl von Dr. Friedensburg und Dr. Stumm gehandelt hätten. In der Urteilsbegründung wird angeführt, die Angeklagten hätten die Ünruhen und Schlägereien im neuen Stadthaus am 6. September organisiert. München, 22. Okt. JSAZ) Der jugendliche Mörder Johannes Wilfried Helm, der vor mehreren Monaten den amerikanischen Beamten E Snyder und den deutschen Kriminalbeamten Franz Loi- chinger erschoß, wurde am Freitag nach viertägiger Verhandlung zum Tode verurteilt. Trotzdem der Angeklagte erst 17 Jahre alt ist, wurde er in der Beurteilung der Mordtat als Erwachsener angesehen. Das Gericht stellte sich hinsichtlich der Ermordung Shyders auf amerikanisches und hinsichtlich der Ermordung Loichingers auf deutsches Recht. Das Urteil muß jedoch erst von dem kommandierenden General der US-Streitkräfte im europäischen Befehlsbereich bestätigt werden, ehe es vollstreckt werden kann. Der Pflichtverteidiger Helms. Dr Karl Stäubitzer. wies in seiner Verteidigungsrede auf die Jugend seines Klienten und dessen Kriegserlebnisse hin und machte geltend, daß der Angeklagte nach deutschen Gesetzen nicht zum Tode verurteilt werden könne. Helm sei noch keine 18 Jahre alt. Das amerikanische Richterkollegium erklärte dagegen, der Angeklagte müsse als Mörder eines Amerikaners nach amerikanischen Strafgesetzen behandelt werden, die eine solche Jugendklausel nicht vorsehen. Der iugend- Uche Angeklagte gab während der Verhandlung zu, seine beiden Begleiter die ihn damals überführen sollten durch Kopfschuß. getötet zu haben Während seiner Flucht von Fürstenfeldbruck über Hannover nach Belgien wurde er 15 mal verhaftet, kennte jedoch immer wieder entwischen und wurde am 19. Juni zum 16. Male: in einem belgischen Bauernhaus endgültig festgenommen. Bei der Verkündung des Todesurteils blieb der 17jährige durchaus ruhig. xh. Cuhorst-Urteil bevorstehend Stuttgart, 22. Okt. (SAZ). Im Spruchkammerverfahren gegen den ehemaligen Vorsitzenden de s Stuttgarter Sondergerichts, Hermann Cuhorst, beantragte der öffentliche Kläger die Einstufung des Betroffenen ^ die Gruppe der Hauptschuldigen, sechs Jahre Arbeitslager und Einziehung seines Vermögens. Die Beweisaufnahme habe ergeben, daß Cuhorst ein überzeugter Nationalsozialist gewesen sei, der die Gewaltherrschaft außerordentlich unterstützt habe. Der 1 Spruch wird am 27. Oktober verkündet werden. -fz. Gefängnis für Weber beantragt Stuttgart, 22. Okt (SAZ). Nach viertägiger Verhandlung im Prozeß gegen Kurt Weber, Herausgeber des komrrtün: st ischen Mitteilungsblattes „Volksecho“. Mannhc'm, plädierten die beiden amerikanischen Staatsanwälte des Mittleren Militärgerichts auf Gefängnis. „Die? ist die einzige Strafe, die der Angeklagte versteht“, folgerte Staatsanwalt Thoma? C. Lanrian und 'rinnet te da"= daß Weber mehrfach '-•an der M 1 f,' 1, • rg.enmg gewarnt worden se: Das Urteil vt'rd, ebenso wie das gegen den Redakteur van Dyck, am 1. Nov. gefällt werden, - fz , i Sette 3 / Nummer 14S S AZ Samstag, den 23. Oktober 1948 SüOOttorcti^ajtamici'ne Nummer 113 / Samstag, den 23. Oktober 1948 Stärke zum Frieden HAD. Ueberall In der Welt, und Immer dort am meisten, wo man mit besonderer Sorge die gegenwärtige Entwicklung in Politik und Wirtschaft aufmerksam verfolgt, wird von Frieden, Freiheit, Humanität, Internationaler Zusammenarbeit, wirtschaftlicher Genesung uäd Sicherheit gesprochen. Ueberall in dieser gleichen Welt spürt man im selben Augenblick jedoch, wie weit wir von all diesen erstrebenswerten Idealen — denen man hoffentlich nicht nur nachjagen, sondern sie auch erreichen kann — entfernt sind und, wenn dieser latente Erregungszustand, der uns jetzt befallen hat, weiter andauert, noch mehr entfernen werden. Die Vokabeln sind stets die gleichen, nur versucht man, ihnen In verschiedenen Hauptstädten auch verschiedene Bedeutungen zu unterschieben.. Dabei scheint es so, als habe man in den Konferenzsälen und Beratungszimmern, In denen die Marschroute für Millionen und Abermillionen Menschen bestimmt wird, ganz vergessen, daß keiner dieser Begriffe allein Im Stande Ist, faßbare Gestalt anzunehmen und sich zu behaupten. Wfts ist schon ein Friede ohne Freiheit, Humanität und Sicherheit? Nichts anderes als die Ruhe des Friedhofs. Wie will man die entscheidende wirtschaftliche Wiedergesundung verwirklichen, ohne zugleich auch den Frieden und jene oft proklamierte internationale Harmonie zu sichern. Niemand in unserer, unter dem Schreckensregiment der Furcht gequälten Welt kann leugnen, daß es noch eines harten Kampfes bedarf, um das große Ziel, einen langen, sicheren Frieden und Wohlstand Tatsache werden zu lassen und alle Gegner dieses Zieles, das nur. ein sorgfältig zusammengestelltes Mosaik aus zahlreichen Einzel- begriffen und -Vorstellungen ist, schachmatt zu setzen. Im Osten, der Hemisphäre „volksdemokratischer" Gepflogenheiten, bedient man sich als Mittel zur Erreichung des selbstgesteckten, jedoch keineswegs mit den Forderungen der überwiegenden Völkermehrheit identischen Zieles der attributiven Formulierung von der „kämpferischen" Demokratie. Auch wir glauben, düe Demokratie ist es wert, daß man um sie kämpft. Nur stehen wir der östiichen Praxis schon etwas skeptischer gegenüber, Dort wird nämlich unter dem demo-- kratischen Aushängeschild für „Ideale" gekämpft, die mit Volksherrschaft aber auch gar nichts mehr zu tun haben, ln der Kaufmannssprache nennt man so etwas ganz einfach „unlauteren Wettbewerb". In der internationalen Politik sollte man sich heute — die ^bisherigen Erfahrungen lassen daran keinen Zweifel mehr und genügen vollauf — endlich darüber klar geworden sein, daß es sich hier um einen besonders gefährlichen, weil verführerischen, Wertbetrüg" handelt. Wir wollen nicht in einer Weit der Betrüger oder gar der betrogenen Betrüger leben. Es ist die unabdingbare Pflicht derer, die ernstlich um die »Schaffung des Friedens bemüht sind — eines Friedens, in dem zugleich der einzelne auch frei ist —, mit allen verfügbaren Mitteln um seine Sicherung vor jedem Störenfried besorgt zu sein. Ein Friede der Schwäche und der Nachgiebigkeit, die zuletzt noch selbst die fundamentalsten Grundsätze der Humanität zu opfern bereit ist, hat keinen Platz mehr in einer freien* Welt. Er Ist nicht minder verwerflich wie die brutale Aggression, der Tür und Tor erst durch Ihn geöffnet werden. Man hat uns gelehrt, aus der jüngsten Vergangenheit Schlüsse zu ziehen. Mit dem Maßstab unserer Erkenntnis aber werden wir auch die Haltung der übrigen Welt messen, wenn eine Entscheidung über die Verwirklichung eines echten Friedens oder den Untergang in neuem Chaos und-despotischer Tyrannei an sie herantritt. Möge sie die Fähigkeit besitzen, mit sicherem Blick zu erkennen, welche Gefahren der Weit von neuem drohen. Doch dann soll sie auch über die Stärke und Entschlossenheit verfügen, diesen Gefahren zu trotzen, denn so allein wird sie der Freiheit dienen. Wahlen, Gesetze und Proteste SAZ. Eine Woche intensiver politischer Tätigkeit in unserem weiteren und engeren westdeutschen Raum geht zu Ende. Die Kommunalwahlen m Nordrhein-Westfalen am -vergangenen Sonntag brachten in 94 Stadt- und Landkreisen das Ergebnis, das sich auf Grund der gegenwärtigen politischen und wirtschaftlichen Konstellation bereits vorher abzeichnete. Das politische Fazit dieser Wahl ist eine Absage an die KPD, die von 14 Prozent bei der vergangenen Wahl auf 7,8 Prozent abgesunken ist. Bezeichnend für den skeptischen Willen der Bevölkerung gegenüber den Parteien ist in einigen kleineren Städten die hohe Stimmenzahl der unabhängigen Kandidaten. Diese Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen geben einen Hinweis auf die in kurzer Zeit folgenden Gemeindewahlen in den übrigen Ländern der britischen Zone und auif die allgemeine politische Entwicklung. Die Wahlen stehen darüber hinaus :n engem Zusammenhang mit der Arbeit des Parlamentarischen Rates in Bonn. Sie werden auf die noch ausstehenden Beschlüsse im Wahlrechtsausschuß nichVohne Auswirkung bleiben. Nachdem die Abgeordneten der Bonner Versammlung in den letzten' Wochen ständig hinter verschlossenen Türen in Ausschüssen und interfraktionellen Besprechungen beraten hatten, trat das* Plenum in dieser Woche erstmalig wieder zusammen. Der Wortlaut der. Präambel zum Grundgesetz, j die Zusammensetzung und die Rechte der Zweiten Kammer, das Finanzproblem und Wahlrechtsfragen wurde hierbei eingehend debattiert. Im Frankfurter Wirtschaftsrat hat „ die Krise inzwischen noch nicht ihren Höhepunkt erreicht, obwohl starke Kräfte der CDU/CSU den Sturz von Schlange-Schöningen ‘ und Erhard in dieser Woche herbeiführen wollten. Dagegen standen wichtige Beschlüsse und Gesetze zur Debatte, so das angenommene „Gesetz zur Erhebung eines Notopfers für Berlin“. Die mit der zweiten und dritten Lesung gegebene Bestätigung des Notopfers hat in der' Viersektoren - Stadt ein weites Echo gefunden. Die Vertreter der demokratischen Parteien betonten, daß die Hilfe des Westens für die Berliner ein Ansporn sein werde, hren Kampf um die Freiheit gegen ein fremdes Regime fortzusetzen. Mit derselben Entschlossenheit sind die Westsektoren der ehemaligen Reichshauptstadt auch gewillt, die Wahl am 5. Dezember ohne den Ostsektor durchzuführen, nachdem sich die Bedingungen des sowjetischen Generals Kotikow als unannehmbar erwiesen. Nach zehnwöchiger Sommerpause trat der Landtag von Württemberg- Baden zu seiner 89. und 90. Sitzung zusammen. Das Bild der schwierigen politischen und vor allem finanziellen Situation des Landes zeichnete sich im Landtag ab. Finanzminlster Dr. Köhler verlangte unter anderem die endgültige Verstopfung des „Loches im Westen“, durch das die illegale Einfuhr von Schmuggelware über die französische Zone bis nach Norddeutschland erfolgt und dem Staatshaushalt beträchtliche Einnahmen entzieht. Aus Protest gegen die Preisentwicklung legten in den nordbadischen Städten Karlsruhe, Mannheim, Heidelberg, Schwetzingen und Weinheim 80 bis 90 000 Werktätige nach einem Aufruf des Württemberg-Badischen Gewerkschaftsbundss die Arbeit nieder. Ueber 20 000 Arbeiter versammelten sich auf dem Karlsruher Festhalleplatz, umhegen die Wirtschaftspolitik der Frankfurter Verwaltung zu prote- „Das ünsehen der US-Justiz gefährde« Münchener Bischof Neuhäusler begründet seine Intervention n München, 21. Okt. (DENA). Der Münchener Weihbischof Dr. Johannes Neuhäusler, der sich bei den höchsten amerikanischen Regierungsstellen und Militärbehörden für eine einstweilige Aussetzung der in Landsberg angeordneten Hinrichtungen eingesetzt hatte, gab in einem DENA-Interview eine ausführliche Begründung für «eine Handlungsweise. „Richtet man die übrigen Verurteilten in Landsberg der Reihe nach hin, gleichviel, ob ihre Schuld mehr oder minder feststeht, dann besteht Gefahr, daß von vielen Seiten in allen Märtyrer gesehen werden und das Ansehen der amerikanischen Justiz schweren Schaden leidet,“ Eine gerechte Urteilsfindung in den Kriegsverbrecherprozessen sei äußerst schwierig, meinte der Bischof, da einerseits die Angeklagten fast alles in Abrede stellten, während andererseits Zeugen, insbesondere sogenannte „Berufszeugen“ durchaus nicht immer zuverlässig schienen. Er sei überzeugt, daß nicht alle in Landsberg befindlichen Verurteilten so unschuldig sind, wie sie sich geben, andererseits aber auch nicht alle so schuldig, wie sie auf Grund der Aussagen von „Berufszeugen“ befunden wurden. Wer wirkliche Verbrechen begangen habe, müsse dafür auch büßen. Die Schuld müsse.jedoch in jedem einzelnen Fall zweifelsfrei erwiesen sein, was nach dem ihm vorliegenden Material durchaus nicht einwandfrei festzustehen scheine, weshalb eine Ueberprüfung des Belastungsmaterials dringend notwendig sei. Nach' deutschen Rechtsbegriffen seien einzelne -^erfahren überhaupt noch nicht abgeschlossen, insofern, als wichtige neue Beweisunterlagen an das Gericht eingesandt worden seien, ohne daß bisher irgendeine Antwort erfolgte. So habe im Malmedy-Prozeß ein Rechtsanwalt ein mehrere hundert Seiten umfassendes Entlastungsschriftstück an den Obersten Gerichtshof in den USA eingereicht, jedoch kein* Stellungnahme hierzu erhalten. Wirkliche Klarheit über diese Fälle, sagte Weihbischof Dr. Neuhäusler, könne nicht auf Grund einer Ueberprüfung der Prozeßakten durch eine Kommission erreicht werden. Es sei eine reguläre Revisionsverhandlung durch eine förmliche Gerichtsbehörde mit Gegenüberstellung von Zeugen und Angeklagten notwendig. Vor allem, sagte der Weihbischof abschließend, sollten die Dachauer Urteile genau so im einzelnen begründet werden, wie jene ip Nürnberg, damit der Angeklagte üfid OefTefftHchkeH'er--. führen, warum' und wie weit der Angeklagte für schuldig befunden würde, damit dem Verteidiger Anhaltspunkte für einen Freispruch gegeben werden. stieren. Scharfe Ueberwachung der Preisbildung sowie Gleichstellung der Gewerkschaften mit den Unternehmern in wirtschaftlichen Fragen waren die Forderungen,' die in. Resolutionen festgelegt wurden. Zum Wochenende richtet sich unser Blick wieder nach dem Norden. Am morgigen Sonntag wählen 1371 Gemeinden und 17 Kreise von Schleswig-Holstein. ' Alle deutsch-orientier- ten Parteien — mit Ausnahme der KPD — haben im nördlichen Grenzend einen Wahlblock gebildet, um der von den Briten lizenzierten Süd- schleswig’schen Vereinigung (SS’W), die eine verwaltungsmäßige Trennung Schleswigs von Holstein fordert, ent- gegenzutreten. Dae Regierung Schleswig-Holsteins hat mehrfach betont, daß die Bestrebung der SSW auf die endgültige Abtrennung Schleswigs von Deutschland und auf eijab Annektion dieses Gebietes durch den dänischen Nachbarstaat abzielt. Zerstörte Anschlagtafeln und zerrissene Plakate sowie Schlägereien sind die Begleitmusik des massiv geführten Wahlkampfes. Die Kommunalwahlen in diesem Grenzland gewinnen darüber hinaus besondere Bedeutung angesichts der gegenwärtigen Verhandlungen in London, bei denen Dänemark erneute Ansprüche auf Schleswig geltend zu machen versucht. Mayhew von Bonn Der britische Politiker informiert Bonn, 21. Okt. (SAZ). Der Unterstaatssekretär im britischen Außenministerium, Christopher Mayhew, stattete am Mittwoch dem Parlamentarischen Rat einen Besuch ab, in dessen Verlauf er sich während der Plenarsitzung, von den Arbeiten am westdeutschen Grundgesetz unterrichtete. In einer Pressekonferenz sprach der Politiker seine große Befriedigung über die geleistete Arbeit aus und versicherte, daß er von den bisherigen Erfolgen „tief beeindruckt“ sei. Er gab bekannt, daß er sich auf einer Informationsreise durch Westdeutschland befinde und Fragen der Demontage in Düsseldorf und Essen besprechen werde. Sein Hauptinteresse werde dem Demontage-Problem Krupp in Essen gelten. Zur Berliner Krise sagte der Politiker, daß keine neuen und hoffnungsvollen Entwicklungen ln den letzten Tagen eingetreten seien. Er versicherte, daß die Alliierten, die zur Zeit das Besatzungs-Statut ausarbeiteten, auch die deutschen Gegenvorschläge bei ihrer Arbeit würdigen würden. Die Arbet- 'ten des Parlamentarischen Rats, hätten bei, den Politikern der Westmächte, di&" zur'Zeit ln Paris in ■ der<‘Vollsitzung der UN teSlnehmen, großes Interesse hervorgerufen und auch dort sei ein überaus günstiger Eindruck vom der politischen und wirtschaftli- Verliancllungen um Südsdileswig Die gegenwärtig in London zwischen Großbritannien und Dänemark stattfindenden Verhandlungen drehen sich u. a. auch um die dänische Forderung, Schleswig verwaltungsmäßig von Holstein zu trennen. Unsere Zeichnung zeigt in diesem Zusammenhang die beiden Teile Schleswigs, die bei der Volksabstimmung im Jahre 1920 sich , . f DAN EM® K Tmim \5thlnwiii fei iriA S ■ y ^ Reätjsburg Ä lütischlesMg-Absfiirmngsqeb. 1120 für Dänemark bezw. für ein Verbleiben bei Deutschland entschieden. Die Wahl am morgigen Sonntag wird die Stärke der prodänischen . bezw. prodeutschen Kräfte bringen. Gl. \ tief beeindruckt" sich über Demontage-Probleme chen Entwicklung in Westdeutschland entstanden. Der Gegensatz zwischen den Lebensbedingungen in der Ostzone und denjenigen in der Westzone wurde von Mayhew besonders hervoY- gehoben. Er äußerte in diesem Zusammenhang, daß die neue Verfassung dennoch so abgefaßt sein sollte, daß sie einen späteren Anschluß der Ostzonenländer ermögliche. Mayhew verweigerte jede Auskunft über die möglichen neuen Demontagebeschlüsse zwischen' den Amerikanern und Engländern, versicherte jedoch, daß Außenminister Bewin in Kürze zu diesem Problem eine Erklärung abgeben würde. Er seinerseits würde dem britischen Außenminister von seiner Rede Bericht erstatten. Von den Ausführungen der Sprecher in der Plenarsitzung, welche sich für eine gesamteuropäische Konzeption der Verfassung ausgesprochen hätten, sei Mayhew besonders beeindruckt. Abschließend sagte er: ,,Der ständige Fortschritt der demokratischen Arbeit in den Westzonen soll und muß sich als ein wachsender Magnet fiir^ di.e Ostzonenbevölkerung auswjrken.“ We. Deutschland- Rundschau VEREINTE WESTZONEN, Passaii. 108 Sudetendeutsche aus der Gegend von Kaplitz passierten illegal . in der Nähe des Dreisessels die bayrische Grenze und trafen in Freyung ein. Als Grund ihrer Flucht gaben sie die bevorstehende Einweisung in tschechoslowakische Zwangsarbeitslager und Uranbergwerke an. — Frankfurt. Der Leiter der Staatsanwaltschaft Glauchau in Sachsen, Dietrich Großmann, ist im Zusammenhang mit dem Glaucha- Meeraner Wirtschaftsskandal aus der Sowjetzone geflohen. Großmann hält sich zur Zeit in der amerikanischen Zone auf. — Wiesbaden. Der erste geschlossene Transport deutscher Kriegsgefangener aus Polen wird am 30. Oktober in den Westzonen eintreffen. — Peine. Im Peiner Walzwerk explodierte ein Martinofen von 40 Tonnen Fassungsvermögen, wobei elf Arbeiter verletzt wurden. — Hamburg. Täglich treffen etwa 250 jugendliche Flüchtlinge illegal aus der Ostzone in Westdeutschland ein. Diese Jugendlichen verlassen die sowjetische Zone aus -Furcht vor einer Dienstverpflichtung. VIERZONENSTADT BERLIN: , Berlin. Der sowjetische Kontrolloffi- zier in der alliierten Luftsicherheitszentrale in Berlin kündigte erneut ausgedehnte Luftmanöver im, Luftkorridor an, gegen die seitens der amerikanischen und britischen Delegation in der Luftsicherheitszentrale Protest eingelegt ipfurde. / Der Parteivorstand der SED wählte Hermann Matern zum Vorsitzenden der zentralen 'Parteikommission. Die Wahl von Hans Jendretzky zum Vorsitzenden des Landesverbandes Berlin wurde einstimmig bestätigt. (Alle nicht gezeichneten Nachrichten: DßNA) Schachturteil rechtskräftig? Stuttgart, 22. Okt. (SAZ). Die Ueberprüfung des Spruchkammer-Urteils gegen den ehemaligen Reichsbankpräsidenten, Dr. Hjalmar Schacht, . durch das württemberg-badische Befreiungsministerium wird Ministerialdirektor Dr. Walter Koransky zufolge bis in 10 Tagen abgeschlossen sein» Ueber die voraussichtliche Entscheidung enthielt sich der kommissarische Befreiungsminister jeder Aeußemng. fz- Lizenz-Nr. US-WB*112. Herausgeber und Chefredakteur: Felix Richter (verreist). Stellv. Chefredakteur: Heinz A- Dechant. Redaktionsmitglieder: Max Geisenheyner, Helmut Haag, Wilh. Hagenmeyer, Rudolf John, Hanns Mohn, Dr. W. Oberkampf, Otto P. Paeffgen, Hildegard Pieritz, Adolf Rohxhirsch, Josef Werner. — Mit vollem Verfassernamen gezeichnete Beiträge stellen nicht unbedingt die Meinung der Redaktion dar. Nachdruck von Originalbeiträgen nur mit Genehmigung gestattet, das Zitierungsrecht bleibt unberührt. Für unverlangt eingesandte Manuskripte keine Gewähr. — Verlag: Süddeutsche Allgemeine - Zeitungsverlag GmbH. Verlagsdirektor: Dipl.-Ing. Herbert Lohmeyer, IM D R E I V 10. Fortsetzung „Stadtpfeifer!“ höhnte . Meyrink, „Stadtpfeifer — laßt doch die Hände weg, wenn ihr eine große Operette nicht geben könnt. Ein schöner Saftladen. Die Sängerin ist überhaupt noch nicht da!“ Eine beklemmende Pause entstand. „Am besten ist es, du nimmst Schwartenmagen dazu“, tönte die tiefe Stimm? des Komikers auf, „bei jedem Metzger kannst Schwartenmagen bekommen. Leberkäs' mit Ei drüber gelebbert . . .“ Der Tenor rief laut über den Saal hin. „Aber Kinder, streitets doch net —!“ Mizzi warf dem Kapellmeister einen niederschmetternden Blick zu, dann befahl sie: „Weiterprobieren, Herr Kapellmeister, den Auftritt von vom.“ „Ja, wir sind es, die Grisetten . . .“ „Da ist eine Fremde“, sagte der Tenor. Eine junge Dame in einem Pepitakostüm hatte den Saal betreten. Sie stand- ein wenig ratlos da. Die Frau Direktor hob die Hand über di* Augen, um besser sehen zu können. „Bitte das Publikum, den Saal zu verlassen. Hier wird probiert.“ ROMAN VON HARALD BAUMSARTEN IERTELTAKT •Alle Köpfe wandten sich der Tür zu. Aus einer Ecke kamen drei Chorherren, die Skat gespielt hatten. Der grauhaarige Kopf der Souffleuse Amalie Zisch tauchte neugierig hinter der Muschel auf. Viele Augenpaare starrten die Fremde an, die es wagte, die Probe zu stören. Der Tenor Fernando de Castro, mit bürgerlichem Namen Ferdinand Kröttsch, ging mit wiegenden Schritten auf die Fremde zu. „Bitte, mein Fräulein, gehen Sie hinaus“, sagte er mit seiner klingenden Stimme. „Ich bin die neue Sängerin“, erwiderte Cordelia fast schüchtern, „ich komme vom Agenten Blacher aus Berlin.“ Nur Kröttsch hatte sie verstanden. „Geht das Fräulein bald, oder ich gehe“, steigerte sich der Kapellmeister wieder in seinen Zorn hinein. Er war ein unbesonnener junger Mensch. Geschwind hatte ihn erst in Meersburg engagiert. Mit seinen Launen terrorisierte er das ganze Ensemble. „Es ist die neue Sängerin!“ rief jetzt Kröttsch. Sofort ließ der Buffo, Toni Bech- ler, den Komiker stehen und kam auf Cordelia zu. „Oh, eine neue Kollegin. Das ist ja reizend.“ Er verdrehte die Augen, wie er es tat, wenn er Eindruck machen wollt«. Di« Frau Direktor strich sich über ihr zerzaustes blondes Haar. „Was — die Sängerin? Kommeris doch näher, Fräulein!“ Sie winkte lebhaft mit ihrer molligen runden Hand. Ihr Atem ging heftig, denn das Tanzen macht* ihr ein wenig Mühe. Gehorsam wie ein Kind ging Cordelia auf die Rampe zu. ■ Sie schluckte vor Enttäuschung und warf scheue Blicke nach rechts und links. Das sollte das Theater sein? Dieser kleine jämmerliche Vereinssaal, diese lächerliche Dilettantenbühne mit der unmöglichen Walddekoration. Wo bin . ich nur hingeraten, schoß es ihr durch den Kopf. Das kann ich nicht mitmachen, ich muß abreisen. „Ui jegerl, Sie sind aber jung.“ Die Frau Direktor beugte sich über die Rampe zu Cordelia hinunter, „nehmen's doch mal den Hut ab.“ ^Mechanisch folgte Cordelia dem Wunsche. Nun hob sie den Kopf und bückte die Frau Direktor an. Mit dem ratlosen Blick in den großen blauen Augen sah sie in diesem Augenblick wie ein hilfloser Backfisch aus. Frau Mizzi schüttelte bedenklich den Kopf. „Ja, wo kommen's denn her? Ich mein', wo waren Sie denn schon engagiert?“ „Zuletzt am Neuen Opernhaus in Berlin.“ Es wurde so still, daß sich Cordelia erschrocken umsah. „Wo der Caruso gesungen hat“, flüsterte der Tenor ehrfuchtsvoll. Der Buffo Toni Bechler fand als •rster seine Fassung wieder. „Darf ich Sie unserem Direktor vorstellen, liebste Kollegin, er sitzt draußen in der Laube.“ „Ja, gehen Sie, bitte, zu meinem Mann“, flötete liebenswürdig Frau Mizzi, „und nun, bitte, Herr Kapellmeister. Wir werden es hundertmal probieren, bis der Tanz sitzt.“ Meyrink lachte höhnisch. „Hundertmal? Da müssten Sie sich einen anderen Kapellmeister suchen. Ich habe schon . . .“ Cordelia hörte nicht, wie der Streit weiterging. Ihre Enttäuschung wuchs mit jeder Sekunde. Mit gesenktem Kopf folgte sie dem Tenor. „Fernando de Castro!“ stellte sich der junge Mensch vor, „ich singe den Rossilion. Die Kollegen nennen mich Ferdl.“ Er lachte sie an, daß seine weißen Zähne blitzten. „Sie. dilrfen nicht ein so entsetztes Gesicht machen. Wir probieren nur in dem Saal. Draußen im Garten wird eine großartige Bühne gebaut. Der Alte ist, ein sehr netter Direktor. Es wird auch sauber bei Geschwind gearbeitet. Freilich, wenn man, wie Sie, aus Berlin kommt...“ Er überlegte, was für eine Gage sie wohl haben könne, sicher mehr als er. Wenn das stimmte, würde er zu Geschwind gehen und Aufbesserung verlangen. Er führte Cordelia durch eine große, sauber blinkende Küche, aber Cordelia bemerkte es nicht. Sie suchte nach einem Ausweg. Wie komme ich bloß von hier weg? Das war echt Niki, mich zum Blacher zu schicken. Der wußte, was das für ein.« Schmiere war! Deshalb brauchte ich auch gar nicht erst vorzusingen. Ein sanfter Sommerwind wehte Ihnen aus dem Garten entgegen, den sie jetzt betraten. Cordelia atmete tief den Duft der Kastanien, die schattenspendend Tische und Bänke überlaubten. Ein breites, heiteres Lachen drang aus einer Laube, die ganz von Blüten eingesponnen war. „Da sind wir schon“, sagte der Tenor und ließ sie vorausgehen. In der Laube herrschte eine - grün-goldene Dämmerung, man hatte von ihr eine Ausblick auf den Neckar, die saftigen Wiesen und lieblich gewellten Hügel, Dies alles wirkte so heiter und freundlich, daß die trübe Stimmung Cordelias verflog. Auf einer runden Bank, die um den Tisch mit den zwei Flaschen Wein herumlief, saßen behaglich zurückgelehnt zwei Männer. „Herr Direktor — unsere neue Sängerin!“ stellte Krötsch Cordelia vor —. Der ältere Mann, dessen großflächiges, volles Gesicht weinselig gerötet war, erhob sich majestätisch und streckte mit väterlichem Wohlwollen die Hand aus. „Willkommen in Bürklingen, mein liebes Fräulein. Wie war der Name. Blacher hat mir Ihre Ankunft telegrafiert.“ „Cordelia Falke, Herr Direktor.“ Bei diesem herzlichen Empfang wich die Befangenheit ganz von Cordelia, sie lächelte und ihre blauen Augen strahlten Geschwind an. ÖFartsetzung folgt) 4 / Samstag, den 23. Oktober 1948 4 » S AZ Nummer 143 / Seite f DIE GLOSSE DER WOCHE Wir haben es geschafft. Jetzt kann man In der Politik wieder richtig schaffen, ohne •Ich gleich allzu sehr mit einer bestimmten „Ideologie" zu liieren. Dafür hat sich kürzlich in Bayern — alle „bedeutenden" politischen Neuschöpfungen haben dort ihren Ursprung — eine „Unpartei" aufgetan, deren höchstes Ziel es von nun an sein wird, alle diejenigen zu organisieren, die nicht gerne ein parteipolitisches Mitgliedsbuch In der „entnazifizierte«^' Brieftasche mit sich herumtragen wollen und deshalb ge-, gen „Organisationen" sind. Man will also die gesamte „unpolitische" Wählerschaft für jene „unparteiische" Politik interessieren, die uns vor der „Machtübernahme" •Chon einmal allerhand zu schaffen machte, und auf die sich viele „Unpolitiker" nach dem Zusammenbruch mit parteipolitisch „ungeschältem" Sinn berufen zu können glaubten. Gewiß, wi/ haben in den letzten 15 Jahren genug von Organisationen gehört, um bereits bei diesem „uniformierten" Wort un-willkürlich und in Erinnerung an die überstandene Willkür die Hände an die „Spruchkammer-reformierten" Hosennähte zu legen. Auch die Hitlerpartei war eine Un-Partei, wenn man die üblicherweise negativ verstandene Vorsilbe in die richtige Relation zu dem Wirken dieser „Staatspartei" — mit der sich allerdings in der Welt kaum irgendwelcher Staat machen tieß — bringt. Wir hoffen dabei, daß die Verallgemeinerung nicht so weit führt, auch die UN-Organisation In den mit politischer Ungereimtheiten gefüllten Sudeltopf zu werfen. Jedenfalls scheint aber die UN- Pcrtel ein direkter Abkömmling der „organisierten" Unvernunft zu sein, wenn sie auch — trotz Postscheckkonto — vorgibt, nicht organisiert zu sein. Wir allerdings bleiben als unorganisierte freie Staatsbürger — auch ohne Unpartei — eifrig interessiert an dem politischen Geschick unseres Volkes und hoffen, daß der „Un-Partei-ische" Unsinn den politischen Sinn der Deutschen « nicht von neuem umnebelt. -firsim- NEUE HEIMAT IN MANSARDEN Fast Jeder Vierte ein Flüchtling Es ist eine traurige Bilanz: Jedem Vierten \ wurde durch den Krieg die Heimat genommen. Auf 66 Millionen Einwohner kommen über 15 Millionen Menschen, die ihr Recht auf eine Heimstätte, auf Kleidung und Hausrat wieder neu behaupten /müssen. Die Flüchtlinge sind in die 'Mansarden der Stadtbauten oder in dre Hinterzimmer der Bauernhäuser gezogen, um mit der Errichtung einer neuen Heimat zu beginnen. Menschenwürdig, d. h. in Wohnräümen. die den notwendigsten persönlichen und familiären Ansprüchen gerecht werden, sind allerdings höchstens 10 Prozent von ihnen untergebracht. Sie nennen sich mit ironischem Unterton selbst den „fünften Stand“ und versuchen Vergangenes zu vergessen. Noch harren viele Fragen über die politische, soziale und kulturelle Einfügung der Neubürger — wie sie amtlich heißen — der Beantwortung. Lediglich das Problem ihrer wirtschaftlichen Eingliederung ist einer Lösung näher gerückt. Falls aber eine Welle der Arbeitslosigkeit über Deutschland hinwegfluten sollte, so dürften sie die ersten sein, die von ihren Werkplätzen fortgespült werden. Sie haben nur kurzfristige Arbeitsverträge, gehören den Betrieben erst seit jüngster Zeit an und sind berufsfremd eingesetzt. In Nordbaden wurden 207 000 Flüchtlinge untergebracht, in Nordwürttemberg 140 000, in Hessen 600 000 und in Bayern 1 820 000. Das sind 18 bis 25 v. H. der einheimischen Bevölkerung. In den Arbeitsprozeß konnten 60 bis 70 v. H. der Jieubürger eingereiht werden. Der kommende Winter wird allerdings viele Flüchtlinge, die mit Aufräumungsarbeiten be- 70 Prozent in Arbeit, aber nur 10 Prozent haben guten Wohnraum sehäftigt sind oder eine andere Tätigkeit im Freien ausüben, zum Feiern zwingen und die Arbeitsämter vor ein ernstes Problem stellen. In fast allen Erwerbszweigen trifft man die Flüchtlinge an. Rund 25 v. H. sind in der Land- und Forstwirtschaft eingereiht. Da nur wenigen ehemaligen Bauern Gelegenheit gegeben werden konnte, bei einem Landwirt oder Gärtner wieder Pflüg und Rechen in die Hände zu nehmen, ist die Mehrzahl der einstigen Hofbesitzer gezwungen, in Fabriken und im Baugewerbe ihren Lebensunterhalt zu verdienen Die abseits der S'tädte liegenden ’i'irfer waren wohl in der Lage, den Heimatlosen Wohnraum, aber keine Erwerbsmöglichkeiten zu bieten. So mpß der größte Teil der in Industrie und Handel Beschäftigten täglich große Strecken mit der Eisenbahn oder dem Omnibus zurücklegen, um an die Werkbank oder den Schreibtisch zu gelangen. Teilweise ergriffen die Ausgewiesenen selbst die Initiative und gründeten Fiüchtlingsbetriebe, die . heute gut florieren und eine Serie von Auslandsaufträgen aufweisen können. In Karlsruhe und Kaufbeuren ist die Gablonzer Glas- und Schmuckwarenindustrie wieder erstanden. Ihr bisheriger Umsatz wird auf 5 Millionen Mark geschätzt. In anderen südwest- und süddeutschen Städten haben die Handschuhmacher ihr Gewerbe aufnehmen können. In Erlangen, und Mittenwald arbeiten die Flüchtlinge in den Musikinstrumentenfabriken. Im bayerischen Wald zählt man 60 Flüchtlingsbetriebe der Kunstglasproduktion. Ein geschäftiger Breslauer hat eine Spielwarenfabrik mit 2000 Die UN arbeiten seif drei Jabren für den Frieden Eine 'Übersicht über die Ziele und Ejfrfolge zum „Tag der Vereinten Nationen“ Der 24. Oktober wurde von der UN- Vollversammlung zum „Tag der Vereinten Nationen" erklärt. Seit nunmehr drei Jahren ist die Charta der Vereinten Nationen in Kraft, und die Geschichte dieser Jahre ist eine Geschichte der Arbeit für den Weltfrieden, der Auseinandersetzungen mit alten Problemen und der Suche nach neuen Lösungen. Es ist die Geschichte eines steten Fortschrittes unter schwierigsten Verhältnissen. Man kann die Leistungen der Vereinten Nationen nicht wirklich würdigen, ohne in Betracht zu ziehen, wozu sie gegründet und wo ihre Kompetenzen ausdrücklich begrenzt wurden. Die drei Hauptziele der UN sind: 1. Die Beseitigung von Kriegsgründen durch Schaffung von Verhältnissen, wie sie für friedliche und freundschaftliche Beziehungen den Völkern notwendig sind — ein höherer Lebensstandard, bessere Gesundheit und eine allgemeinere Anerkennung grundsätzlicher Menschenrechte. 2. Die Schaffung einer Maschinerie zur Beilegung von Streitigkeiten, die den Weltfrieden und die Weitsicherheit gefährden; jedoch soll diese Maschinerie erst dann in Aktion treten, wenn direkte Verhandlungen versagt die Anwendung diplomatischer, wirtschaftlicher und schließlich militärischer Maßnahmen, um die Ausbreitung von Feindseligkeiten zu verhindern. Diese weitgesteckten Ziele scheinen fast das ganze politische, soziale und wirtschaftliche Gebiet zwischenstaatlicher Beziehungen zu umfassen. Doch ist dies in Wirklichkeit durchaus nicht der Fall. Es muß hier vielmehr daran erinnert werden, daß sich die Vereinten Nationen aus souveränen Staaten zusammensetzen, die der UN nur eine begrenzte Macht gegeben haben. Die Charta vertritt das Prinzip der Gleichberechtigung aller Mitgliedstaaten und verhindert, daß die UN sich ln Fragen einmischt, die ausschließlich unter die Jurisdiktion der einzelnen Mitgliedstaaten fallen. Somit darf die UN nur soweit in die Hoheit der Mitgliedsstaaten eingreifen, wie diese es durch ihre freiwillige Anerkennung der Charta gebilligt haben. Da die Vereinten Nationen kein Ueberstaat sind, können sie auch nicht ohne die Mitarbeit der Mitgliedsstaaten. Streitigkeiten schlichten, i die gemeinsame Sicherheit schützen, oder wirtschaftliche und soziale Pläne in Angriff nehmen, um Kriegsgründe zu beseitigen. Diplomaten, ' Völkerhaben. 3. ,Die Schaffung von Mitteln rechtler und Fachleute auf dem Ge- zum Aufbau einer kollektiven Sicher- biet internationaler Fragen bemerkten heit gegen Angriffe, Gefährdung des zum Inkrafttreten der Charta der UN, Weltfriedens und Friedensbrüehe und daß Erfolg und Weiterentwicklung der Forscherfahrf zum Meeresboden Piccards Tief see - Vorstoß in einer 48 Tonnen schweren Tauchkugel Während Sie diese Zeilen lesen, befinden sich vielleicht gerade ein paar Menschen tiefer unter der Oberfläche unseres Planeten als je zuvor ein Lebender. Prof. Piccard und seine 'Mitarbeiter haben diese Spätherbsttage ausgewählt, um im Golf von Guinea vor der afrikanischen Küste den dort an die 5000 Meter tiefen Meeresboden aufzusuchen. und man kann täglich die Nachrichten darüber erwarten, ob und wie dieses trotz aller sorgfältigen Vorbereitungen kühne Unternehmen vor sich gegangen ist. Das Tauch-Gerät. der „Bathyskaphe“, der die Forscher in die Tiefe (und vor allem wieder herauf) bringen soll, wird seine Insassen schauen lassen, was bisher in der lichtlosen See kein Mensch sah oder auch nur ahnen konnte. Zwei Scheinwerfer höchster Lichtstärke werden die Finsternis erhellen und ihren Strahlen werden außer den Augen der Forscher auch Filmgeräte folgen, die hinter 15 cm starken Plexilglashöhlen lauern. Der „Bathyskaphe“ wird, wenn die Berechnungen für seine Konstruktion richtig waren, fast zwanzig Kilometer knapp über dem Meeresboden #nt- langfahren können, wie ihm seine Bewegungsfähigkeit überhaupt wesentliche Vorteile bringt im Vergleich zu der Taucherkugel Dr. Bee-bes (USA), die '.934 an einem Stahlseil 1000 Me- Vereinten Nationen von dem „guten Willen und dem entsprechenden Handeln“ aller Völker, ihrer Regierungen und Delegierten abhänge. Die Vereinten Nationen wurden auch nicht gegründet, um zweiseitige Verhandlungen vollkommen überflüssig zu machen. Viele Angelegenheiten lassen sich nämlich durch gewöhnliche diplomatische Verhandlungen besser regeln. Auch wurde die UN nicht gegründet, um Frieden zu schließen, sondern vielmehr, um ihn nach erfolgtem Friedensschluß zu sichern. Als die Charta ausgearbeitet wurde, hatte man damit gerechnet, daß die Großmächte und ihre Alliierten mit den Feindstaaten Friedensverträge abschließen würden. Doch es ist immer noch nicht zu Friedensschlüssen mit Deutschland und Japan gekommen. Diese wichtigen Tatsachen sollte man sich vor Augen halten, wenn iman den Leistungen der Vereinten Nationen während der letzten drei Jahre gerecht werden will. Die schwierigste Aufgabe der UN war die Schlichtung politischer Streitigkeiten. In einer ganzen Reihe von Fällen hat der Sicherheitsrat in dieser Hinsicht wichtige Ergebnisse erzielt. Das Vetorecht hat diese Aufgabe jedoch erheblich erschwert. Statt die Anwendung dieses Rechtes auf Fragen größter Bedeutung zu beschränken, hat die Sowjetunion in nicht weniger als 22 Fällen gegen Entschließungen des Sicherheitsrates ihr Veto eingelegt. Frankreich hat zweimal sein Vetorecht angewandt, einmal gemeinsam mit der Sowjetunion in der Spanienfrage und einmal :m Falle Indonesien. Die Vereinigten Beschäftigten -aufgebaut und stellt ' „bayerische Dörfer“ für Afrika her. In Baden ist nach Angaben der IDAD (Interessengemeinschaft der ausgesiedelten Deutschen) die beste organisatorische Erfassung der Vertriebenen zu verzeichnen, während in Württemberg die Lösung des Flüchtlingsproblems nur langsam fortschreitet. Hessen kann den Ruhm für sich in Anspruch nehmen, in der sozialen Betreuung das größte Entgegenkommen gezeigt zu haben. Die französische Zone hat bisher nur wenig Flüchtlinge aufgenommen. Ursprünglich war vorgesehen, daß die Zone einer halben Million Menschen ohne Heimat neuen Lebensraum bieten sollte. Die Frage ist noch nicht endgültig entschieden, zumal die südbadj- Schen und südwürttembergischen Regierungen erklären, die Aufnahme einer derart großen Zahl von Flüchtlingen sei wegen der hohen Ife- satzungskosten, die das Land zu tragen habe, unmöglich. Lediglich die Pfalz und Südbaden haben in den letzten Wochen einige Tausend Heimatlose aufgenommen, die drei Jahre lang in Dänemark interniert waren. Die aus der Tschechoslowakei und dem Gebiet jenseits der Oder-Neiße- Linie stammenden Neubürger fanden nach verhältnismäßig kurzer , Zeit Eingang in das allgemeine gesellschaftliche Leben der südwestdeutschen Bevölkerung. Die Standesbeamten schlossen bereits eine stattliche Reihe von Ehen zwischen Flüchtlingen und Einheimischen. Dagegen kapseln sich die aus Ungarn und Jugoslawien ausgewiesenen Volksdeutschen von der Bevölkerung ab. Rein äußerlich fallen sie durch ihre Trachten auf, sprechen unter sich die Sprache des Landes, in dem ihre Wiege stand, und fühlen sich nur wenig mit den Deutschen verbunden. Sie zeigen geringe Lust, innerhalb der deutschen Grenzpfähle zu bleiben und hoffen, daß ihnen bald das Tor zur Auswanderung geöffnet wird. In ihrer politischen Haltung ähneln die Flüchtlinge dem gebrannten Kind, welches das Feuer scheut. Die Vertriebenen aus den Balkanländern stehen durchweg allen politischen Richtungen interessenlos gegenüber, während die S'udetendeutschen in ihren Aeußerungen sehr reserviert sind. Ihre einzigste Verbindung untereinander sind die von ihnen aufgebauten Flüchtlingsorganisationen, die sich aber ausschließlich mit wirtschaftlichen und kulturellen Fragen — wie die Festspielwoche in Heidelberg — befassen und politische Neutralität wahren. Ss. AM RANDE DER ZEIT.... .UND DER ZEITUNG Auf 4er ersten Zonentagung der volkseigenen Betriebe in der Ostzone erklärt* der stellvertretende Vorsitzende der „deutschen" Wirtschaftskommission, Selbmann, den neuen Rechtsbegriff des Volkseigentums. Unmittelbar vor der Uebertragung seiner Rede durch Radio Leipzig hört* man folgende Ansage: „Bis zum Beginn der Uebertragung senden wir noch einige Takte Musik. Sie hören als erstes die Ouvertüre zu „Die diebische Elster" von Rossini." — Man kann also auch mit einigen Takten Musik „durch die Blume sprechen" ... Auf Anordnung des südbadischen lano- wirtschaftsministeriums wurde eine der führenden Gaststätten der Schwarzwaldhauptstadt, das Hotel „Hohenzoliern" in Freiburg geschlossen, well dort Fleischgerichte ohne* Marken ausgegeben worden waren. Der südbadische Gaststättenverband hat daraufhin beschlossen, eine Liste jener badischen Minister zu veröffentlichen, die In Freiburger Gaststätten ohne Marken essen. — Die baldige Wiedereröffnung des „Hohenzoliern" dürfte nicht lange auf sich warten lassen — oder aber die südbadischen Minister werden Vegetarier... In Lohr am Mein hat die Bayernpartei Plakate angeschlagen mit der Unterschrift: „Wir kommen — die Bayern". Kurz darauf waren die Plakate mit einem Streifen überklebt: „Wir sind schon da — die Preußen". — Ob „sie" wohl jetzt trotzdem noch kommen? .. . Unter den Maschinen, die gegenwärtig bei einer Wuppertaler Firma demontiert werden, befindet sich auch eine alte mechanische Drehbank, ein Familienerbstück, mit dem der Gründer der Firma vor etwa 100 Jahren die Produktion aufnahm. — Man demontiert also nicht allein Maschinen, sondern sogar noch die Tradition . . . in der Tschechoslowakei erhalten die Kellner eine neue Berufskleidung. Der Frack wurde als „ungesundes und kapitalistisches Kleidungsstück" abgeschafft und durch eine schlichte,, im Winter graue, Im Sommer weiße „volksdemokratische Jacke" ersetzt. — Ob man damit in „Volksdemokratien" die weiße Weste ersetzen zu können glaubt?... Der amerikanische UN-Delegierte una außenpolitische Berater des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Deweys, John Foster Dulles, erklärte nach seiner Rückkehr aus Berlin, die Mora! der Berliner Bevölkerung in den Westsektoren habe sich bedeutend gebessert. Während die Moral der westdeutschen Bevölkerung ebenso eine Besserung zeige, hätte sie in Ostdeutschland einen Tiefpunkt erreicht. — Wie sagt doch Bert Brecht in seiner Dreigroschenoper: „Erst kommt das Fressen und dann die Moral,,. Nach Meldungen von DENA, UP, PRD und Zeitungen zusammengestellt von henoh. 300Jahre Westfälischer Friede zu Münster Europagedanken ' und Friedenswunsch im Mittelpunkt des Gedenktages Am morgigen Sonntag, dem 24. Oktober 1948, wird Münster des „Westfälischen Friedens“ gedenken, mit dem vor dreihundert Jahren in der westfälischen Hauptstadt d .r Dreißigjährige Krieg sein Ende fand. Es soll keine Feier, sonderli ein Gedenktag werden, der, wie die Veranstalter sagen, dazu dienen soll, aus der Ge-# schichte zu lernen. Der Westfälische Friede brachte ein bis dahin unbekanntes Prinzip: • Religiöse Toleranz. Katholiken und Protestanten kamen überein, in Zukunft friedlich nebeein- ander zu leben. Das war die positive &'eite des Vertrages, die man feiern konnte. Aber mit dem Westfälischen jetzt ein anderes Gesicht, wenn 1648 in Münster nicht nur der Gedanke der religiösen Toleranz, sondern auch der Toleranz der Völker untereinander, der nationalen Toleranz, verwirklicht worden wäre. Diese Erkenntnis wird den Leitgedanken der Reden bilden, die bedeutende Politiker und Kirchenfürsten am 24.- Oktober m Münster im Rahmen dieses internationalen Gedenktages halten wollen. „Pax optima rerum", der Friede, das höchste Gut auf Erden, soll eine Gedenkschrift heißen, die von in- und ausländischen Wissenschaftlern für diesen Tag verfaßt wurde. Diese drei Worte werden auch auf eine Gedenk- Expeditionsschiffßcaidit • «NlllUMai Frieden wurde auch die Souveränität _ _ __„ Staaten von Amerika, Großbritannien der einzelnen Staaten in Europa end- münze geprägt werden. JJer Gedenk- und China haben nie von ihrem Veto- gültig verwirklicht und damit das tag wird mit Gottesdiensten in allen europäische Zusammengehörigkeitsge- katholischen und evangelischen Ktr- fühl vernichtet. Der Nationalismus, chen der Stadt und mit einem Ponti- den der moderne Gedanke einer „Europäischen Union“ jetzt überwinden will, bahnte sich an. Das war die negative Seite, die man in Erinnerung bringen will, um für die Zukunft daraus zu lernen. Europa hätte und China haben nie von ihrem Veto recht Gebrauch gemacht Daß die Vereinten Nationen in gewissen Fällen nicht in der Lage waren, eine Entscheidung zu treffen, sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, daß sie direkt oder indirekt zur Lösung einer Reihe von politischen Auseinandersetzungen beigetragen haben Die sogenannten „Grenzkorrekfuj-en" Gebietsforderungen der Beneluxstaaten schaffen neue Probleme ter tief in den Ozean hinabgelassen wurde. Der Tauchvorgang selbst wird durch Ablassen von Gasöl bewerkstelligt.; dipses Oel ist etwas leichter als Wasser ünd füllt sieben in einem fetahlgehäuse befindliche Tanks, an denen die eigentliche Tauchkugel hängt. Zur Auffahrt wird Piccard Ballast abwerfen, der bis dahin an der Außenseite des „Bathyskaphe“ elektromagnetisch gehalten wurde. Ehe Piccard selbst zum Meeresboden vorstößt, wird sein „Bathyskaphe" erst einmal unbemannt und ferngesteuert nachwefsen müssen, daß er einem Wasserdruck von 25 000 t in 5000 Meter Tiefe gewachsen ist. Gl. Die kürzliehe Erklärung des französischen Abgeordneten, Lapie vor den saarländischen Sozialdemokraten, daß die Mehrzahl seiner Kollegen eine Annektion des Saarlandes ablehne, wiegt leider nur wenig gegenüber dem Mangel pn Verständnis für die deutsche Situation, den man noch in der offiziellen Politik der westlichen Nachbarn feststellen muß. Die nächsten Tage werden darüber entscheiden, ob sich zu den zahlreichen Problemen des neuen deutschen Staates ein weiteres zugesellen wird. Es handelt sich dabei um die Frage der von Holland, Belgien und Luxemburg angemeldeten Forderungen auf deutsches Gebiet. Eine i Komnpss , ion von Sachverständigen der Außenministerien der Westmächte hat ihre Beratungen über diesen Gegenstand vor kurzem beendet und ihre Berichte den Regierungen vorgelegt. Man muß leider befürchten, daß Frankreich im Gegensatz zu den beruhigenden Erklärungen nicht offizieller Persönlichkeiten den Forderungen seiner kleineren Nachbarn Vorschub leisten wird, um die Solidarität der westeuropäischen Union zu'betonen und sich ihre moralische Unterstützung bei künftigen D'skussionen über das Saargebiet oder die völlig ungeklärte Situation des deutschen Rheinhafens Kehl zu sichern. • Diese Erkenntnis hat sich in den Kabinetten Frankreichs und der Be- neluxitaateai noch nicht durchsetzen können, obwohl man dabei offensichtlich Gewissensbisse hat. Anders ist es nicht zu erklären, daß man die Forderungen auf deutsches Gebiet schamhaft als „kleine Qrenzkorrek- turen“ deklariert. Von ..Korrekturen“ kann man vielleicht im Falle der belgischen Forderungen sprechen. Hier handelt es sich um die Bereinigung der unklaren Grenzverhältnisse bei der durch belgisches Gebiet führenden deutschen Straße Aachen—Menschau. Dagegen lassen sich die Ansprüche Luxemburgs, das seine Ostgrenze um fünf .bis 10 Kilometer verrücken will, um Gelände für einen Talsperrenbau des Flusses Our zu gewinnen, nicht mit dem Argument, Luxemburg sei auf dem Wiener Kongreß schlecht behandelt worden, begründen. Wohin soll es führen, wenn heute jedes kleine Land den Aerger über seine politischen Mißerfolge in den letzten 1000 Jahren an. dem machtlosen Deutschland abreagieren will? Eine ernste Gefahr sind dagegen die gebietsmäßig und wirtschaftlich erheblichen Forrl'-'inp n Hollands. Das strittige Gebiet umfaßt unter anderem ®en Dollar und die Emsmündung mit der Insel Borkum, einen Teil des Bourtanger Moors, die Erdölfelder bei Bentheim—Emlichheim. das Vredener Gebiet, die starkbevölkerte Grenztasche bei Emmerich- Kleve, die Kohlengebiete Südlimburgs und schließlich noch Bergwerkslcon- zessionen links des Rheins, prd. fikalamt des Bischofs von Münster, Dr. Michael Keller, in der Kirche zum heiligen Kreuz eingeleitet werden. Von dort soll ein Festzug des Rates der Stadt und der Ehrengäste mit den Erinnerungsstücken des Westfälischen Friedens unter dem Geläute der 350 Jahre alten Rats- und Brandglocke zum Rathaus ziehen, dessen wiedererstandener „Friedenssaal“ durch den Oberbürgermeister seiner Bestimmung zurückgegeben werden soll. Den Höhepunkt des Tages bildet dann der Friedensgedenkakt im Landesmuseum, bei dem ein Friedensmanifest der „Union Europaenne des Federalistes“ (U.E.F.) verlesen und einem „Friedensreiter“ übergeben wird, der das Manifest zur Landesgrenze nach Gronau brinot, von wo es nach Den Haag weitergeleitet werden soll. Gleichzeitig werden hundert Tauben aus dem Rathaus steigen, um das Manifest in alle deutschen Lande zu tragen. Ministerpräsident Karl Arnold, der Präsident des New Yorker Hunter College, George N. Schuster, ein Vertreter aus England und ein Vertreter der UEF werden vorher Ansprachen halten. Am Abend findet vor dem Dom unter dem Motto „Friedensruf an die Welt“ eine große Kundgebung statt, bei der u. a. Jakob Kaiser und ein Vertreter der UEF sprechen werden. Mit den Klängen des Chorals „Lobet den Herrn“ und der Illuminierung der Domruinen und des Rathauses endet der ..Friedensgedenktag zu Münster“. Eine ..Woche des' Friedens“ vom 25. bis 31. Oktober schließt sich dem Gedenktag an. Kulturelle Veranstaltungen, Vorträge und Tagungen kirchlicher und weltlicher Organisationen füllen sie aus. Winston Churchill, der Hauptförderer des Gedankens eines „Vereinigten Europa“, ist von den Veranstaltern zum Gedenktag nach Münster eingeladen worden. (DENA) Seite 4 / Nummer 143 S AZ Samstag, den 23. Oktober 1948 * 3 uö batitfcben unti mutttembergtfcbcn ICanben Die Kirche von Lautenbach Wer an der Schnellzugstation Appenweder aussteigt, bemerkt auil dem Bahnsteig ein Schild: „Zur Renchtalbahn“. Und ein Schienenstrang verliert sich nach Osten durch die baumbestandenen Felder in die Berge des Schwarzwaldes, die blau und mächtig zwischen der Hornisgrinde und dem Moosmassiv herübergrüßen. Das ist das Land des „K1 i n g e 1 b e r g e s“ und der Kirschen, das Gebiet der Hölzer und der Heilbäder, es ist, in seiner abwechslungsreichen Schönheit, da* fruchtbare, liebliche Renchtal. Hinter Bäumen liegt die Lautenbacher Kirche. Ihr Turm wurde 1900 erbaut. Ss'SP!^: W eit öffnet sich das Tal mit seinen rebenbestandenen Hängen gegen die Rheinebene, und leuchtet weiß in der Zeit der Kirsch- und Apfelblüte, bis es sich, fast unvermittelt, in der Mitte schließt und nach einem Engpaß sein Gesicht wandelt, verdunkelt mit Tannen und saftigen Wiesen. Wild rauscht die Rench durch diesen Paß, der seit altersher „das Getöse“ heißt. Und vor diesem Paß, gfeich- sam als Abschluß und Krönung des natürlichen Reichtums, breitet sich das kleine Dörfchen Lautenbach aus. Zu dem Reichtum der Natur hat ihm ein gütiges Geschick eine besondere Kostbarkeit verliehen: Die Mönche des Schwarzwaldklosters Allerheiligen haben vor nahezu 500 Jahren, zur Zeit der Hochblüte der Gotik, eine Kapelle an einer alten Wallfahrtsstätte errichtet, die in ihrer Unberührtheit und Schönheit eines der wertvollsten Kunstdenkmäler des Landes und der Zeit darstellt. Der Geist der Spätgotik Ist in dieseyi feinen Bau der Straßburger Schule mustergültig verkörpert Das Ganze zeigt eine einfache, ruhige Architektur, aus der sich einzelne Teile — Portal, Lettner, Gnadenkapelle — mit reizvollen Besonderheiten herausheben. Um 1900 erfolgte eine Erweiterung der Kirche nach Westen und die Errichtung eines (bis dahin fehlenden) Turmes. Wer die äußerlich schmucklose Kapelle an der Straße betritt, Ist überrascht von der Fülle der Farben und Formen, die in Ihr leben. Hoch spannt sich ein reiches, unregelmäßiges Netzgewölbe mit bemalten Schlußsteinen über einen Raum, der durch bunte Fenster in magisches Licht getaucht erscheint. Ein kleiner Steintempel — es könnte eine Kopie des Tempels mit dem Engelskonzert Grünewalds vonlsen- heim sein — steht mit Maßwerk und Türmchen Innerhalb der Kirche, so das Gefühl der ungeheuren Höhe noch verstärkend. Ein ebenso kunstvoll gebildeter Lettner schließt das Schiff vom Chor ab. Hoch darüber wuchtet ein Kreuz, die Ruhe über der unruhigen Welt. Kommt es dem Besucher wohl zum Bewußtsein, daß dieses Maßwerk, in spielerisch mannigfaltigen Formen angebracht, überall doch auf die Grundform eines Herzes zurückgeht? Daß 188 Herzen der Kirche den Beinamen „die herzige Kapelle“ gegeben haben? Er fühlt zunächst nur den Farbenrausch in Gold und Silber, leuchtendem Rot und sattem Blau, der, von den Fenstern ausgehend, die Decke zu bestrahlen scheint und sich im Hochaltar als Krönung und Gipfelpunkt zu einer himmlischen Symphonie vereinigt Dort steht, überirdisch schön, in geschnitztem Schrein, die Gottesmutter, lächelnd, das spielende Kind auf dem Arm, in glänzendes Gold und Silber ge- wandet, indes zwei Engel der geflederten Grünewald’schen Art eine goldene Krone schwebend über ihr halten. Ein sattes Rot leuchtet aus dem,„Himmelshaus“, in dem einerseits der Täufer im eigenartigen Fellgewand, anderseits Johannes, der Apostel im weitgebauschten Mantel auf das Heiligtum hinweisen und gleichzeitig als lebendige Bestandteile der überaus reichhaltigen gotischen Architektur das goldene Himmelsgewölbe tragen. Ja, über den Schrein hinaus bricht die Herrlichkeit in bizarrgeschnitzten, gewundenen Säulen und strebt zur Decke empor, wo sie, gewissermaßen kon- trapunktlich gefaßt, eine Krone im Maßwerk des buhten Fensters abschließt. Hier thront die „Kaiserin des Himmels“! Ritter und Frauen in modischen Gewändern zwischen bunten Heiligen in den Fenstern beten die Himmelsmutter an, und vier gewaltige Flügel des Schreins mit goldgrundierten Bildern aus dem Leben Marias, die wie ein weit geöffneter Mantel wirken, stellen die Verbindung zwischen Altarschrein und Fenstern her. Und wenn der überwältigende Eindruck dieses geschlossenen Stücks gläubigen Mittelalters abklingt, fängt der Verstand nach dem Woher zu fragen an. Es heißt, daß die Kirche als Kapelle eines dem Kloster Allerheiligen zugehörigen Hospizes, unter Beihilfe der Junker v. Bach und v. Schauenburg und wohl auch des Bischofs von Straßburg, erbaut wurde. Wenige Anhaltspunkte geben noch Auskunft über die Entstehungsgeschichte. Da ist ein Grundstein über der Pforte eingemauert, der das Jahr 1471 als Beginn des Baues kennzeichnet Da sind einige Prozeßurkunden, die in den Jahren 1480, 82 und 83 aufgenommen wurden, und den Meister des Baues, Hans Hert- wig aus Bergzabern, nennen. Aus der Straßburger Hütte kam er und wanderte weiter, um in Thann im Elsaß das Münster zu bauen. Da nennen Jahreszahlen an den Steinen 1485 und 1488 als Abschluß der Arbeiten an Gnadenkapelle und Lettner. Und die Forschung hat ermittelt, daß der berühmteste Glasmaler seiner Zeit, Peter Hemmel von Andlau in Straßburg, die Fenster 1482 geliefert hat In Tübingen und Ulm, in Straßburg und Salzburg, in München und Augsburg sind noch einzelne Zeugen seiner hohen Kunst, nirgends aber in solcher Fülle und Vollständigkeit. Uber den Altar ist schon eine ganze Literatur entstanden. „Die Zwillingsschwester der Dangols- heimer Madonna“ wird die Lautenbacher Maria genannt, und den Meister sucht man in der Umgebung Simon Lainbergers. Von den Malern nannte man alle bedeutenden Namen von Michael Wohlgemut über Dürer, Grünewald, Schongauer bis Baldung- Grien. Wer mag sich hinter den herrlich gemalten Männerköpfen, vor allem über den zwei Verkündigungen — ein Seitenaltar unter dem Lettner trägt die schönste Verkündigung am Oberrhein! — verbergen? Kein Geringer! Stellt doch schon die Steinplastik über dem Eingang allein ein Meisterwerk dar, das dem berühmtesten Steinmetzen IpjäÄf.“ Stifter aus der Fensterreihe, Peter Hemmel von Andlau. (Aufn.: Heid) des Hochmittelalters, Niklas Gerhard, zugeschrieben wird! Und ein holzgeschnitztes Kreuz aus dem Jahre 1525 ist dem Baden-Badener in Auffassung und Ausführung gleichwertig an die Seite zu stellen! Die ersten und reichsten Namen sind unter den Stiftern, die sich mit bunten Wappen verewigt haben oder durch Künstlerhand malen ließen, vertreten. Der Bischof von Straßburg, ein Kurfürst von Bayern, die Schauenburger, Neuensteiner, Bach, die Bürgermeister des nahen Oberkirch, aber auch ein Bauender durch die Heilbäder soliden Reichtum erworben, haben sich so bleibende Denkmäler gesichert. War es die Wallfahrt allein, die, seit etwa 1350 hier, an der Grenze zwischen Obst- und Waldland dieses Wunderwerk aus sich erstehen ließ? Wir können es kaum glauben und werden durch den Chronisten belehrt, daß die Mönche des nahen Waldklosters Allerheiligen nach einem fürchterlichen Brand ihres Heims beschlossen, das Kloster an diese Stelle zu verlegen. Das war 1170. Daß es nicht dazu kam, ist dem Einspruch der Stifterfamilien zuzuschreiben, die 1480 den Wiederaufbau des alten Klosters forderten. Aber da stand das Marienheiligtum bereits. Und blieb, 500 Jahre unbeschädigt, selbst im letzten Krieg ohne Treffer, obwohl die letzte Granate kaum 20 Meter davon krepierte. Der Bauernkrieg verwüstete die Gegend, im spanischen Erbfolgekrieg sanken die Häuser in Trümmer, im Pfälzer Krieg wurde alles zerstört — unbeschadet und unbeschädigt blieb das Heiligtum, ein Zeugnis deutschen Geistes, deutscher Frömmigkeit und deutscher Kunst. Hans Heid. SCHREIN DES HOCHALTARS geschnitzt vom Meister von Dangols heim. Aufnahme: Kraft (2) ' ■ >*& ‘ÄÖ! Ewiges Theater Münchener Von der Universität — der jetzt so schwer verstümmelten — über die Ludwigstraße in eine der Seitengassen, die zum Englischen Garten führen das war der Schulweg des Studenten. Das hohe Haus mit der winzigen Jlimmelskammer, in der vor mir schon der Maler Paul Hey glücklich war, ehe er zünftig sich im nahen Schwabing auftun konnte, ist zerstückt. Ein paar Schritte weiter zieht nach rechts eine balkanisch schmale Gasse, so eng, daß ein kurzes Tuchplakat darübergespannt sein kann: „Dramatisches Theater“. Zu dieser Schar von Jungen, die „neben dem Bewährten und Gefestigten die mangelnde Note des Versuchs und der Diskussion beisteuern“ wollen, zieht es mich mächtig. Begeisterte sind es. Aufgewühlte, Heimkehrer, Ueber- lebende, die von der Kunst her Boden gewinnen und ihren Frieden mit dem Leben machen möchten, das ihnen vieles, manchem unter ihnen alles schuldig geblieben ist. Namen sind keine dabei, aber es scheint gewiß, daß unter diesen .Verschworenen. diesen harten, strengen Schwärmern da und dort einer und eine verborgen sind, die später einmal aufstrahlen und weithin leuchten werden. Von den rurd 250 Plätzen sind an diesem Abend 32 besetzt. „Wollen wir vor dem Dutzend überhaupt spielen?“, kommt einer ins Büro ge- Erlebnisse stürzt „Dreizehn sind es“, sagt der Dramaturg Dr. Konrad Friesicke, und weist auf mich. Ein anderer tritt hinzu und knurrt: „Es wird nicht einmal für die Beleuchtung und die Unkosten reichen — aber nun gerade!“ Diesen blassen Gesichtem mit dem eisigen Wissen um Entbehrung und Hingabe ist es heiliger Emst.. Ihr Haupt und ihr Herz, Martin Hellberg, einer der gejagt wurde, weil er in der Kunst sich gegen den Weg ins Dunkle stemmte, will das große Gleichnis über die Wirklichkeit setzen und wieder den Herzton des beseelten Menschen spüren lassen: „In d.er Verzauberung durch die Kunst!“ Aber Ihr lieben, anbetenden Kerle allesamt, laßt guch sagen: „Die Illegalen“ sind kein Weg dahin, heute nicht mehr. Sie waren einmal in dunkler Stunde das Gewissen der Nation, Doch ihre dünne Menschlichkeit und ihr windschiefes dramaturgisches Gefüge halten nicht stand. Den Tapferen im Dramatischen Theater bleibt viel apders zu tun. Sie spielen eine Neufassung der „Lysistrata“ von Aristophanes, sie bringen Cocteau, Eulenburg, Fau- chois, Goertz, Gorki, Kaiser, de Müsset, Rice, Sternheim, Werfel, Zweig, und ums Lernen ist ihnen nicht bang. Ihr Anführer hat die „Deutsche Schauspielschule München" in einer Ruine eingerichtet, und dort geht es ebenso um eine gründlich erlernte Technik wie auf den Proben um das , Erlebnis der Gegenwart in menschlich vertiefter Darstellung. Doch ihrem Dramaturgen, der sich die eindringlich wegweisenden Programmblättchen aus dem Herzen reißt, sollen recht oft die Ohren klingen von der Warnung, die Gründgens an die Bühnen gerichtet hat, das Theater wieder erst einmal populär zu machen, bevor man mit Sicherheit an die Werke himmelstürmender junger Autoren heran- gehen kann. Man wird beides zugleich tun müssen. Den Raum aber, wifc sie im Thea- terwinkel der Schönfeld- und der Hahnenstraße heißt, den Raum mit „Versuch und Diskussion“ ausfüllen, heißt, die Bühnendichtung aller Zeiten in die Schranken rufen und nicht den Nur-Problematischen und von Natur Aggressiven den Vorzug geben. Robert Volz. Festspiele der Flüchtlinge in Heidelberg Radio Prag hetzt gegen die Veranstaltung der Vertriebenen Heidelberg, 22. Okt. (SAZ). Die Stadt Heidelberg erwartet in den nächsten Tagen erneut einen starken Fremdenzustrom aus ganz Westdeutschland. Die IDAD (Interessengemeinschaft der ausgesiedelten Deutschen) veranstaltet hier vom 24. bis 31. Oktober eine große Festspielwoche, an der namhafte Künstler teilnehmen werden. Mit Unterstützung aller zuständigen deutschen Stellen und der amerikanischen Militärregierung in Heidelberg will man eine Festspielfolge von hohem künstlerischem Rang inszenieren. Vor allem sollen Werke von Autoren und Künstlern, die aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten stammen, aufgeführt werden. Vorgesehen ist unter anderem die deutsche Uraufführung des Schauspiels „Der veruntreute Himmel“ von dem Prager Dichter Franz Werfel, der sich in späteren Jahren auch in den Vereinigten Staaten einen klangvollen Namen als Schriftsteller gemacht hat. Neben den Aufführungen von Opern, Liederabende® und Vorträgen wird der ehemalige Leiter des Bruckner - Orchesters in Linz/Donau, Ludwig Jochum, die ehemaligen Prager Sinfoniker in zwei großen Konzerten dirigieren. Die bevorstehende Festveranstaltung wurde bereits von Radio Prag und Beromünster in den letzten Tagen erwähnt. Während Beromünster ' die Festwoche und die daran beteiligten Künstler objektiv und im bejahenden Sinne würdigte, erklärte, wie der Vorsitzende der IDAD, Dr. Karl BartuneK (Karlsruhe) bemerkte, Radio Prag dazu, die Deutschen aus der Tschechoslowakei wollten in Heidelberg einen Kongreß veranstalten, auf dem unter anderem die Forderung gestellt werden soll, die Vertriebenen in halbmilitärischen Arbeitsbataillonen zusammenzufassen. Dr. Bartunek bezeichnete diese Behauptung als glatte Verleumdung. Die IDAD sei eine überparteiliche Flüchtlingsorganisaticm in Baden mit rund 20 000 Mitgliedern, die in Zusammenarbeit mit ähnlichen Organisationen in anderen Ländern der Blzone die wirtschaftliche und kulturelle Betreuung Ihrer Mitglieder wahmimmt. Die Heidelberger Veranstaltung sei nur eine Festspielwoche, der lediglich ein Motiv zugrunde liege, den Vertriebenen durch die Kunst wieder einen inneren Auftrieb zu geben. Man beabsichtige, in Zukunft in jedem Jahre eine solche Festwoche zu starten, zumal die Stadt Heidelberg infolge ihrer alten Universität, ihrer romantischen Lage und Unzerstörtheit sehr viel Aehnlichkeit mit Prag besitze und dadurch, wie kaum eine andere deutsche Stadt berufen ist, den Flüchtlingen geistige Hilfe zu bieten. OPP. Im Zeichen Max Slevogts Zu Ehren des 80. Geburtstages des Malers Max Slevogt wurde in der Mannheimer Kunsthalle, eine „Max* Slevogt-Gedächtnis-Aus-, Stellung“ erölfnet, die das malerische Hauptwerk Slevogts in fünfunp- sechzig repräsentativen Gemälden zeigt. Später soll eine Ausstellung des zeichnerischen und graphischen Werkes folgen. Von Oberbürgermeister Dr. Cahn-Garnier in einem geistvollen Prolog vorbereitet, gab Direktor Passarge der Ausstellung eine aus den Münchener Anfängen über Berlin in die „sonnige Pfalz“ füllende Entwicklungslinie, die in der Klarlegung der Persönlichkeit Slevogts als eines der erfindungsreichsten deutschen Maler, gipfelte. Der Eröffnung in f<ästl ; chem Rahmen gab die Anwesenheit von Slevogts Tochter eine persönliche Note. W. Wehagen. / SAZ Jktober 1948 iKarlsruhe am Wochenende In tausend Farben prangt jetzt das herbstliche Laub, ehe es von den Bäumen flattert und dann langsam wieder zu Erde wird. Man sollte sich die Zeit nehmen, solche kurzlebige Schönheit zu genießen, bevor sie vergeht. Dieser letzte rauschende Farbenstrauß ist uns auch im zerbombten Karlsruhe r "he. Man wandere doch einma ’' - freilich ohne Hast und möglichst ohne Alltagsge- danken — f „rch die Parks und Alleen! Glücklicher freilich, wer noch einen Samstag oder Sonntag verschwenden und in die nahen Wälder und Berge fahren kann. Für den, der einen solchen Ausflug nicht nur um des ästhetischen oder Naturerlebnisses willen machen möchte, sei hinzugefügt, daß es jetzt dort auch Pilze und Bucheckern gibt . . . Dies als sonntägliche Anregung vorweg. Doch nun zu den Realitäten der vergangenen Woche, deren markanteste die Protestkundgebung auf dem Festhalleplatz gegen die W«~ cherpreise war. Es war eine notwendige Demonstration, von der man nur hoffen kann, daß sie — zusammen mit den vielen anderen in Württemberg-Baden — ein positives Ergebnis haben wird. Kann man auch über den Wert von, Resolutionen geteilter Meinung sein, so ist doch dieses sicher: Solange auch nur ein Minimum an Wahrscheinlichkeit besteht, daß solche Proteste etwas nützen, so lange müssen sie unternommen werden. Denn daß die Preisentwicklung so nicht weitergehen kann, darüber sind sich inzwischen alle einig geworden. Übrigens war das auch der Erkenntnis letzter Schluß am Ende einer dreistündigen Debatte, die gestern ' im Rathaus durch berufene Männer über die als katastrophal zu bezeichnende Lage der Karlsruher Fleischversorgung stattgefunden hat Zum Glück gibt es auch erfreuliche Dinge zu berichten. Vor allem die, daß die erste Etappe des Karlsruher Wiederaufbaus nun doch in Schwung zu kommen scheint. Es war eine von den zahlreichen Zuhörern mit wirklicher Spannung erwartete Stadtratsitzung, die dann das bekannte überraschende, wenn nicht gar verblüffende Resultat über das künftige Aussehen der Kaiserstraße brachte. Obschon bekannt ist, daß die Parteien vorher reichlich Gelegenheit hatten, sich mit den Plänen des Planungsamtes zu beschäftigen, so schien uns die routinemäßige und beinahe überstürzte Verabschiedung der einzelnen Vorlagepunkte doch ein v wenig unvereinbar mit der inhaltsschweren Bedeutung dieser Stunde. Der einstimmige Beschluß des Stadtrates bestimmt ja immerhin das Gesicht des Zentrums der Stadt auf — wie wir hoffen — Jahrzehnte hinaus. Und dabei ist es noch' gar nicht sicher, ob die gefundene architektonische Lösung der Mehrheit der Karlsruher Bevölkerung auch Zusagen wird. ' Immerhin: Es ist ein Anfang. Und über ihn sind wir nicht minder erfreut als über die Tatsache, daß nun endlich auch wieder die Pyramide am Marktplatz, oder genauer gesagt die Einfassung dieses Karlsruher Wahrzeichens, repariert wird. Geht es nicht aufwärts in der alten Residenz? Es scheint so. Und wir wollen hoffen, daß es nicht nur so scheint Carolus. Kein Ausweg aus der Fleischversorgungskrise? Maßgebliche Karlsruher Stellen befaßten sich mit der mangelhaften Fleischanlieferung Die von Woche zu Woche schwieriger werdende Situation der Karlsruher Fleischversorgung, in zahlreichen Aeußerungen auch an dieser Stelle schon eingehend behandelt, war der Anlaß einer fast dreistündigen Aussprache, die gestern im Rathaus auf Initiative des 2. Beigeordneten der Stadtverwaltung, Dr. Gutekunst, und der Karlsruher Fleischerinnung stattfand. Um es vorwegzunehmen: praktische Vorschläge, die schnell und leicht aus der ausweglosen Lage führen können, konnten im Endergebnis von keiner der an der Diskussion beteiligten Steilen gemacht werden. Und dies, obschon das Landesemährungs- amt, der Viehwirtschaftsverband, die Handwerkskammer, die Fleisdier- innung, die Gewerkschaften, das Sonderkommissariat zur Bekämpfung des Schwarzhandels und die politischen Parteien (hier jeweils Mitglieder des Stadtrats) vertreten bzw. anwesend waren. Die ausführliche Schilderung aller mit diesem so akuten Problem zusammenhängenden Fragen ergab nämlich auch sehr bald, daß man nicht in der Lage ist, lokal an die Bewältigung der schwierigen Aufgaben heranzugehen. Die zum Teil recht temperamentvollen und an sich sehr begrüßenswerten Vorschläge, wie dem Schwarzhandel zu Leibe gerückt werden könne — durch karteimäßige Vieherfassung, monatliche Stallkontrollen, Beschlagnahmungen, Verkehrskontrollen großen Stils, drakonische Strafen für alle am Schwarzhandel Beteiligten, also auch für die betreffenden Bauern — erwiesen sich wegen der damit verbundenen hohen Kosten und aus anderen Gründen in dem engen Bereich etwa allein des Stadt- und Landkreises Karlsruhe , als undurchführbar. Insbesondere wurde deutlich, daß die unhaltbare Lage nur dann zu ändern ist, wenn in der ganzen Bizone gleichartige Maßnahmen ergriffen werden. Es gab heftige Angriffe gegen die Politik der Emährungsminister, andererseits Erklärungen, daß es bis jetzt — trotz berechtigter Einwände gegen die Qualität — noch immer gelungen ist, die monatliche Fleischration von 400 g auszugeben. Die Vertreter der Fleircherinnung stellten die gegenwärtigen Sorgen ihres Berufsstandes dar. dem, wie als besonders drastisches Beispiel erwähnt wunde, jetzt zugemutet wird, Fleischkonserven aus Bayern für 3,57 DM je Dose einzukaufen, so daß der V e r kaufspreis auf über 4 DM kommen würde. Und auch vermerkt zu werden verdient, wie bitter sich die Vertreter der Karlsruher Fleischerinnung darüber beschwerten, daß von 1 Million Dosen Fleischkonserven, die noch vor der Währungsreform zu 600 000 Stück an Württemberg, zu 400 000 Stück an Baden verteilt werden sollten, nur 96 000 nach Baden kamen. Das Ende dieser in Nichts erfreulichen Aussprache war die Einigung darüber, sowohl dem Wirtschaftsrat wie auch der Württembergisch- Badischen Regierung die unhaltbare Lage der Fleischversorgung in den nordbadischen Städten eindringlich darzustellen. W. Womit Herbert die Chesterfields bezahlte Schöffengericht befaßte sich mit Schwarzwälder Kirsch und Ami-Zigaretten Der 20jährige Herbert B., noch kurz vor dem „Endsieg“ zum RAD-Vormann avanciert, mußte aus mancherlei Gründen aus der Ostzone fort und kam dann nach einem kleinen Gastspiel als „CIC-Policeman“ in München sechs - Monate hinter schwedische Gardinen. Anschließend ließ er sich bei einem Bergwerk anheuern. Dort gefiel es ihm jedoch nicht, so daß er einige Wochen später wegen Arbeitsvertragsbruch abermals drei Monate „gesiebte Luft“ bekam. Nach Verbüßung dieser Strafe ging er zu seiner Mutter nach Thüringen zurück, bekam aber wegeti seines bevorstehenden Verlöbnisses Differenzen und schlug daraufhin kurz entschlossen in München seine Zelte auf. Hier kam er eines Tages im Malteser-Bräu mit einem schwarz- Aus dem Tagebuch der Fachersfadf Das Vivarium im Keller der Seminarruine in der Rüppurrer Straße schließt ab sofort seine Pforten für jeglichen Besuch zum Umzug in seine neuen Räume im Gebäude der Landessammlungen für Naturkunde. Die Wiedereröffnung erfolgt in etwa 4—6 Wochen und wird rechtzeitig durch die Presse bekannt gegeben. ** Auf der Omnibuslinie Karlsruhe— Malsch (über Sülzbach) treten ab kommenden Montag, die nachfolgenden Verbesserungen in Kraft. Wochentags ab Karlsruhe, Albtalbahn- hof: 7,55 Uhr; ab Marktplatz: 12.00, 16.00 Uhr (außer Mittwochs). Ab Malsch: 8.30, 13.00 und 16.45 Uhr. Außerdem verkehrt ab 24. Oktober, jeweils sonntags ein Omnibus nach Sulzbach—Malsch; Marktplatz ab: 11.45 Uhr. Schlesier! Die Landmannschaft der Schlesier, Stadt und Land Karlsruhe, veranstaltet am Sonntag, den 24. Oktober, um 19.30 Uhr in der „Bavaria", Ecke Hirsch- und Amalienstraße ihren Heimatabend. Eintritt frei! Der Eintrittspreis für den heute Abend, 22 Uhr, stattfindenden „Großen Unterhaltungsabend mit Tanz und Bazar“ zu Gunsten der notleidenden Karlsruher Jugend beträgt insgesamt 2 DM. Der Touristenverein „Die Naturfreunde“, Ortsgruppe Karlsruhe, veranstaltet am Dienstag, den 26. Oktober im Studenhaus (20.00 Uhr) in diesem Winterhalbjahr den ersten der beliebten Farb-Lichtbil- der-Vorträge „Von der Zugspitze bis' zum Dachstein“. Einlaßkarten zu DM 1.— in den Vorverkaufsstellen und an der Abendkasse. Zur Bischofsweihe in Freiburg 1. B. veranstaltet das Reisebüro Union, Karlsruhe, Kaiserstr., am Donnerstag, 28. Oktober eine Sonderfahrt. Beim Verein deutscher Ingenieure spricht am Freitag, 29. Oktober, 19 Uhr, im Bunte-Hörsaal der Technischen Hochschule Dr. Ing. S. Berg (Frankfurt) über „Die Normzahl, ein Mittel zum technischen Fortschritt. In der Mathäuskirche, Vorholzstr. 47, findet am Mittwoch, 27. Oktober um 16 Uhr, anläßlich des 40jährigen Bestehens der* Goethe-Schule (Realgymnasium) Karlsruhe ein Festakt statt. 0 Letztes Stadtgartenkonzert. Am kommenden Sonntag, 24. Oktober, findet bei günstiger Witterung in der Zeit von 11 bis 12,30 Uhr und von 15 bis 17 Uhr das letzte Stadtgartenkonzert dieser Saison statt. Die SAZ gratuliert. Am 22. Oktober 1948 konnten die Eheleute Ludwig Pallmer, Karlsruhe-Aue, Tirolerstraße 26, das Fest ihrer Goldenen Hochzeit begehen. Der Oberbürgermeister ließ dem Jubelpaar die herzlichsten Glückwünsche nebst einer Ehrengabe übermitteln. handelnden Herrn ins Gespräch, der ihm für 80 Reichsmark eine Schachtel „Chesterfield“ anbot. Herbert war sofort einverstanden. Wenn er nun freilich nicht mit einem Kinnhaken „bezahlt“ hätte, wäre er wohl kaum wegen räuberischer Erpressung zu sechs Monaten verurteilt worden. * Sebastian war bereits achtmal vorbestraft, als er eines Tages auf den glorreichen Einfall kam, seinen künftigen Lebensunterhalt als „fliegender Schuhhändler“ zu fristen. Dabei kam ihm die Zeit des chronischen Schuh-Mangels, dann die Dummheit seiner Kundschaft und endlich seine unerhörte Frechheit sehr zu statten. Wäre es sonst möglich gewesen, daß Sebastian monatelang die Bauern der Offenburger Kirschwasser - Gegend derart an der Nase hätte herumführen können wie er es tat? Er nahm laufend Bestellungen an, vereinnahmte quasi als „Sicherheit“ die entsprechende Kompensationsware (in Form von Schwarzwälder Kirsch) und verschwand mit der Versicherung auf baldige Lieferung. Daß er gar nicht daran dachte, seine Versprechen zu erfüllen, ist genau so klar, wie die nunmehr vom Schöffengericht gegen ihn ausgesprochene achtmonatige Gefängnisstrafe wegen fortgesetzten Betrugs. lt. Vorstand der Europa-Union neugewählt In einer Mitgliederversammlung der Kreisgruppe Karlsruhe der Europa-Union wurde nach einem Vortrag des Landesgeschäftsführers Schumann (Mannheim) über das Thema: „Die Arbeit der Europa- Union im modernen Europa“, der Gesamtvorstand neugewählt. 1. Vorsitzender wurde Staatsrat a D-, Bürgermeister F. Heurich, 2. Vorsitzender und Geschäftsführer: Wilhelm Merkel. Referate: Werbung und Organisation: Otto Seeger. Wirtschaft und Finanzwesen: Adolf Kießer. Presse: Dipl.Ing. Pazl ßeh- ret. Jugend: Helmut Kästel. Frauen: FrL Hede Stellberger. Kultur: Prof. Dr. Erich Becht. Schriftführer und Kassier: Hubert Fels. Beisitzer: Dir. Ludw. Sohn und Dir. Karl Konz, M.d.L Der zweite Vorsitzende, Merkel ist zugleich stellv. Landesvorsitzender. Den Landesvorsitz hat der Mannheimer Oberbürgermeister Dr. Cahn-Gamier, während Erich Roßmann, der Intendant vom Radio Stuttgart und Generalsekretär des Länderrates, dem Hauptvorstand als Hauptgeschäftsführer und Generalsekretär angehören. Neubildung der Reehtsanwalt«- - kammer Baden Am 18. Oktober 1948 fand im Oberlandesgericht in Karlsruhe unter dem Vorsitz des Oberlandesgerichtsvizepräsident. Martens die erste Kammerversammlung der Rechtsanwälte Nordbadens statt, nachdem die jetzt erlassene Rechtsanwaltsordnung die Neubildung der Rechtsanwaltskammer ermöglicht hat. Die Versammlung erörterte alle Gegenwartsfragen der Rechtsanwaltschaft. In den Kammer Vorstand wurden 14 Rechtsanwälte berufen und zwar je vier Vertreter der Landgerichtsbezirke Karlsruhe, Mannheim und Heidelberg und zwei Vertreter des Landgerichtsbezirks Mosbach. In der sich anschließenden konstituierenden Sitzung des Kammervorstands wurden Rechtsanwalt Dr. Florian W a 1 d e c k (Mannheim) zum Vorsitzenden, Rechtsanwalt Dr. Reinhard Anders, Karlsruhe, zum stellvertret. Vorsitzenden gewählt 50 Jahre Sf. Bonifatiusgemeinde Im Laufe dieser Woche beging die Katholische Weststadtgemeinde St. Bonifaz zusammen mit ihrem 50jäh- rigen Jubiläum den 40.. Jahrestag der Weihe ihres Gotteshauses. Zehn Jahre lang, von 1898 bis 1908, hatte sich die Gemeinde unter dem späteren Stadtpfarrer und Dekan August Link mit einer Notkirche in der Goethestraße begnügen müssen, bis 1906 der Grundstein zur neuen Bonifatiuskirche gelegt wurde. Am Patroziniumstag 1908 weihte dann der damalige Erzbischof Nörber in Anwesenheit des Großherzogs und unter starker Anteilnahme der Bevölkerung das neue Gotteshaus und übergab es seiner Bestimmung.Wäh- rend des letzten Krieges wurde die Kirche durch Bomben verschiedentlich stark beschädigt, und erst seit etwa einem halben Jahr steht sie wieder ganz für den Gottesdienst zur Verfügung. (Nach Pfarrer Link hatte der im vorigen Jahr in Nek- kargemünd verstorbene Stadtpfarrer Schlindwein die Geschicke der Bonifatiusgemeinde in Händen.) Ein großer Festgottesdienst unter Mitwirkung der badischen Staatskapelle und des Kirchenchors leitete am vergangenen Sonntag die Jubiläumsfeierlichkeiten ein. Die Festpredigt hielt Stadtpfarrer Seitz von St. Stephan. In den beiden Feierstunden, die am Nachmittag und am Abend im Bonifatiussaal stattfanden, sprachen der derzeitige Pfarr- herr von St. Bonifaz, Geistl. Rat Dr. Dold, und Reg.-Dir. Heidelberger. Mit dem Schauspiel „Herbert Krauß, ein Kämpfer für den Frieden“, das morgen Abend von der Laienspielgruppe der Gemeinde im Bonifatiussaal aufgeführt wird, findet die Festwoche ihren Abschluß, -d- Das schlimmste war die Entvölkerung... Die Markgrafschaft Baden-Dnrlach Am 24. Oktober 1648, also genau vor dreihundert Jahren, kam nach dreijährigen ununterbrochenen Verhandlungen in Münster und Osnabrück der Westfälische Friede zustande. Es ist an Hand des nachfolgenden Artikels interessant zu sehen, wie damals unsere engere Heimat, die Markgrafschaft Baden- Durlach — die ja das Kernland des späteren badischen Staates bildefte — mit den aus dem Dreißigjährigen Krieg entstandenen Schwierigkeiten fertig zu werden versuchte. D. Red. Als unheilvolle Erbschaft dieses zweiten Weltkrieges blieb uns eine weitgehende Zerstörung unserer Wohn- und Arbeitsstätten, eine starke Ueber- völkerung unserer Heimat und schließlich eine schwerwiegende Bedrohung unserer gesamten wirtschaftlichen und politischen Existenz. Zwar hinterließ auch der Dreißigjährige Krieg für die Markgrafschaft Baden-Durlach e ; ne starke Verwüstung an Gebäuden, Gütern und Ländereien, eine völlige Unterbrechung des Handelsverkehrs und eine gänzliche Vernichtung aller meist noch im Entstehen begriffenen wirtschaftlichen Unternehmen, trotzdem war dies nicht die schlimmste Folge dieses Krieges. Im Gegensatz zu heute war damals gerade die Entvölkerung des Landes der Punkt, der dem Baden- Durlachischen Markgrafen Friedrich V. (1622—1659) und seinen Räten das meiste Kopfzerbrechen verursachte. Ein Gebiet, das wie zu jener Zeit die Markgrafschaft Baden-Durlach noch vorwiegend Landwirtschaft betrieb, konnte in einigen dem allgemeinen nach dem Westfälischen Frieden Wachstum günstigen Jahren soviel an Naturäleinkünften erzielen, daß wenigstens der Lebensunterhalt der Bewohner und ein bescheidener Hofhalt des Landesfürsten gewährleistet wurden. Voraussetzung war aber, daß sich Leute fanden, die gewillt waren, die entbehmisreiche Arbeit der Neuordnung und des Wiederanbaues des Ackerbodens auf sich zu nehmen. Deshalb sah nach dem Westfälischen Frieden Markgraf Friedrich V. stcn vor die Notwendigkeit gestellt, zu versuchen, wie er seine Untertanen, die während des Krieges das Land verlassen hatten, zur Wiederkehr bewegen konnte. Da erging zunächst ein Befehl an die Aemter der Markgrafschaft, alle Einwohner, die außer Landes gezogen seien, der Regierung zu melden und ihnen bei Verweigerung def Rückkehr nach altem kaiserlichen Privileg die Strafe von 100 Mk. liftigen Goldes aufzuerlegen. ' Strengere Maßnahmen Der Erfolg dieses Aufrufs entsprach aber nicht den Erwartungen, da nur wenige Flüchtlinge dem Befehl ihres Fürsten Folge leisteten. Von denen, die sich weigerten, hatten die einen schon ihr Auskommen im Ausland gefunden und mitunter in die Familien ihres Gastlandes eingeheiratet; die anderen waren zwar einer Rückkehr nicht abgeneigt, doch die Schrecken des vergangenen Krieges standen ihnen noch allzu deutlich vor Augen und die Zustände der Heimat dünkten ihnen für ein gedeihliches Fortkommen noch zu unsicher. Da beschloß der Markgraf strengere Maßnahmen zu ergreifen. Am 25. August 1652 veröffentlichte er ein allgemeines Edikt, wojrin die ausgewandert en Landeskinder aufgefordert wurden, innerhalb sechs Monaten in das Land zurücikzrukehren, andernfalls man ihre noch in der Heimat verbliebenen Güter einziehen, oder soweit keine mehr vorhanden seien, in anderer Weise gegen sie vorgehen werde. Diese Drohung verfehlte ihre Wirkung nicht. Im Oberland setzte besonders aus der Schweiz eine starke Rückwanderung der flüchtigen Dur- lachischen Landesbewohner ein, die zum Teil von ihren Schweizer Verwandten begleitet wurden. Ein fehlgeschlagener Bauernaufstand vom Jahre 1653 in den Kantonen Bern, Luzern, Solothurn und Basiel, sowie die Verfolgung der Wiedertäufer im Staate Bern waren die Ursache, daß der Strom der Einwanderer noch durch weitete Eidgenossen vermehrt wurde, die nun ihrerseits im „Mark- gräflerland“ Zuflucht suchten. Auch im Unterland kehrten die übriggebliebenen Untertanen aus den waldreicheren Gebieten des nördlichen Schwarzwalds und Württembergs, wohin sie sich abseits der großen Heerstraßen geflüchtet hatten, in ihre Heimatorte zurück. Der Markgraf suchte das Los seiner wiedergewonnenen und neuen Landeskinder zu erleichtern, soweit es in seinen Kräften stand. Solange die Felder noch gerodet und neu bepflanzt wurden, waren die Landleute von herrschaftlichen Hand- und Gespannfronden befreit. Die steuerliche Belastung des Grundbesitzes sollte durch die Einführung des Akzises gemildert werden. Der Landesherr selbst, durch die langen Kriegsjahre an Enfachheit gewöhnt! vermied es, durch einen prunkvollen Hofstaat diie wirtschaftliche Gesundung seines Landes zu hemmen. Ein neuer Krieg Der friedlichen Entwicklung zweier Jahrzehnte folgten neue kriegerische Auseinandersetzungen. Neue Anstrengungen mußten unternommen werden, um dem herrschenden Mangel an Arbeitskräften wirksam ! zu begegnen. Um nach dem Nymwegener Frieden (1679) die Eheschließungen zu fördern, gewährte Markgraf Friedrich Magnus (1677—1709) den Jungvermählten auf zwei Jahre vollständige Frondienst- und Abgabenbefreiung. Wer allerdings nach Ablauf dieser zweijährigen Frist ins „Ausland“ zog, wurde zur nachträglichen Bezahlung des nachgelassenen Betrages verpflichtet. Als Ursache der allgemeinen Ehemüdigkeit wurden damals von der markgräflichen Regierung angeführt: 1. Die ständigen Kriege und die daraus entspringenden Zeitverhältnisse; 2. die Artnut der Eltern der Brautleute und 3. die hohen Belastungen und Fronden. Ueber die Verordnung des Markgrafen hinaus empfahl deshalb die Regierung auch die Befreiung von Kriegsifronden und die Bestrafung aller über 30 Jahre alten Junggesellen. 1687 ergänzte der Fürst seinen Befehl dahingehend, daß Ehen lediger Männer mit Witwen ebenfalls zwei Jahre lang unbelastet bleiben sollten. Sie brachten den Tabak Die Zuwanderung und Aufnahme von Religionsflüchtlingen aus Frankreich und den spanischen Niederlanden war Friedrich Magnus ein willkommenes Mittel, den Bevölkerungsausfall nach dem Pfälzischen Erb- schaftskrieg (1688—1697) zu verringern. Hatte unter seinem Großvater Friedrich V. der südliche Teil der Markgrafschaft zahlreiche fremde Einwanderer aufgenommen, so wir es jetzt der Norden des Landes,- der auf diese Weise Zuwachs seiner Bewohner erhielt. Die neuen Ansiedler, die teils Wallonen aus Brabant, teils Waldenser aus Lüdfrankreich, teils eigentliche Hugenotten aus dem mittleren Frankreich waren, verteilten sich mehr oder weniger über alle Aemter des Unterlandes. Zu selbständigen Ortsgründungen in Baden-Durlach kam es nur durch die Wallonen in Friedrichstal und die Waldenser in Welschneureut. Die Einwanderer brachten ihrem Gastlande auf landwirtschaftlichem Gebiete Errungenschaften von bleibendem Wert; so vermittelten sie den Einheimischen neben dem Tabakbau die Kenntnis der Kartoffel-und neue Methoden der Feldbewirtschaftung. Der Markgraf gewährte ihnen dreijährige Freiheit von allen Belastungen und als besonderes Vorrecht den Flüchtlingsgemeinden selbständige Verwaltung und Rechtsprechung in ihren Angelegenheiten, ferner Abhaltung gesonderter Gottesdienste. Für uns heute aber entsteht aus diesen Zeugnissen zähen Leben wil- lens unserer Vorfahren die Verpflichtung, den Mut nicht sinken zu lassen und alles zu tun, was in unseren Kräften steht, um zum. Wiederaufbau unserer Heimat beizutragen.-. Dr. E. Strobe 1. Unbeständig Vorhersage des Amtes für Wetterdienst Karlsruhe, gültig b's Montag früh: Vielfach stärker bewölk:, gelegentliche Niederschläge Höchsttemperaturen 13 bis 16 Grad. Tiefsttempe- raturen 5 bis 10 Grad. Mäßige bis frische Winde aus Süd’vrst bis West. Rheinwassersländc vom 22. Oktober 1918 Kon'tanz 299 —1; Breisach 116 —2; Kehl 172 —1; Maxau 337 (unv.); Mannheim 190 —3; Caub 116 —3. -wä- / t Seite 6 / Nummer 143 SA7 Samstag, den 23. Oktober 194t Badische S t a a t s k a p e 11 e : ERSTES SYMPHONIEKONZERT Wir wollen gern hoffen, daß alle nachfolgenden Symphoniekcnzerte Sich in Ausdruck und Gestaltung so auszeichnen mögen, wie dieses; denn dann wird uns das Badische Staatstheater noch manch freudige Ueber- raachung zu bieten haben. Den heftigen Ovationen nach zu urteilen, womit die Zuhörer für die Aufführung der „Metamorphosen zu Themen von C. M. v. Weber“ von Paul H i n d e m i t'h ihren Dank, bekundeten, läßt sich die erfreuliche Feststellung treffen, daß dieser einst so verschmähte, dann von den Huldigungen fast der ganzen Welt überschüttete Künstler endlich auch Einzug in Karlsruhe halten konnte. Der Kunsthistoriker liebt es, gern Parallelen aufzustellen und zitiert in diesem Zusammenhang z. B. zu dem berühmten Maler Pablo Picasso das musikalische Schaffen Igor.Stra- winskys. Was Hindemith nun mit diesem kühnen bildenden Künstler gemeinsam hat, ist bei gleicher künstlerischer Potenz die Vielseitigkeit der Stilisierungsarten, wie sie den genialen Schöpfer unserer Ta§e auszeichnen, dessen Einfallsfreudigkeit sich an keinen Grenzen mehr stößt. Vergleicht man überdies die Weber-Metamorphosen zu den kürzlich in Salzburg aufgeführten Metamorphosen von Richard Strauß, so ergibt sich die interessante Feststellung, daß — mit Verlaub — das Werk von Hindemith mehr das Straußkolorit aufweist, während das Straußsche Werk mehr die sonst für Hindemith so charakteristische poly- phonale Schreibweise bevorzugt. Und liegt es nicht nahe, eine solche Komposition im Stile der Kunst der Fuge aufzubauen? Wie dem auch sei, ob typisch Hindemith oder nicht, das Werk zeichnet sich durch hohes Können in der Instrumentation aus, die mit der Vielfarbigkeit einer Palette die thematischen Gestaltungsveränderungen in immer wieder neuen Stimmungen in Erscheinung treten läßt: bisweilen in breiter thematischer Anlage (Allegro), hierauf in einer gläsernen Transparenz und ganz im Hauch der Turandot- Exotik (Moderato), dann in einer gefühlsseligen Betonung von lieblicher Anmut (Andantino) und endlich in einer meisterhaften Kontrapunktik (Marsch, Alla breve). Die nach dfem Verklingen dieses Werkes vorherrschende Atmosphäre war zu einem guten Teil auch in der ausgezeichneten Interpretation dieser Komposition durch Otto Matzerath und die Mitglieder der Badischen Staatskapelle begründet. Diese spielten mit einem bisher nur selten vernommenen, geschliffenen Orchesterglanz und kamen den subtilen Intentionen ihres Dirigenten mit feinem Einfühlungsvermögen nach. Die zweite Ueberraschung des Abends war die Begegnung mit der Geigerin Eva Barth, die damit zugleich auch ihr Debüt in Karlsruhe gab. Nach dem eigenwilligen, ganz vom Intellekt her gestaltenden virtuosen Heinz Stanske, und dem, sagen wir ruhig, eine Jfuhlenkampf- sche Stellung beziehenden Rudolf Köckert, lernten wir nun in ihr das ergänzende dritte Temperament, eine ganz dem Gefühl verhaftete Künstlerin kennen. Dabei zeichnete sie sich in dem zu Gehör gebrachten „a-moll- Konzert“ von A. Dvorak auch durch übersichtliche Klarheit im Aufbau aus. Sie verlor sich in den sehnsuchtsvollen, zu freien Meditationen animierenden Cantilenen niemals in gedehnten Längen, sondern hielt sich stets an die formale Struktur dieses Werkes gebunden. Sie verfügt über eine schöne füllige Tonbildung und ein schwungvolles Portamento. Bei aller äußerlichen Verhaltenheit verrät die Künstlerin ihre innere Teilnahme, ihre ganze Hirgebung durch ein sehr glutvolles Spiel, das viel frauliche Wärme ausstrahlt. Der etwas kleine, aber singende Ton ihrer Geige freilich wird den begleitenden Part immer zu äußerster Zurückhaltung zwingen. Abgesehen von einigen, anfänglichen, kleinen technischen Unebenheiten, ydie wir unberücksichtigt lassen dürfen, hat sich Eva Barth einen verdienten Erfolg erspielen können, der den Wunsch" offen läßt, sie bald einmal wieder in Karlsruhe zu hören. Die abschließende 5. Symphonie von Beethoven in c-moll mit ihren düsteren, unheilvollen Sch'cksals- sehlägen, die solange über dem Werk lasten, bis nach dem erregten kämpferischen Mittelteil des dritten Satzes ein strahlendes, akkordisch gefestigtes Dur siegreich durchbricht, erfaßte Otto Matzerath mit sehr plastischem Gestaltungswillen. Und wenn wir behaupten, daß die „Fünfte“ unserer Auffassung von dem Begriff Klassizismus durchaus entsprach, so ist dies vielleicht das höchste Lob, das wir ihm zollen können. Die Badische Staatskapelle URAUFFÜHRUNGEN IN KARLSRUHE Es ist Intendant Hanns Schulz-Domburg gelungen, vier Uraufführungen für das Badische Staatstheater zu sichern, darunter zwei Werke, die als besonders wesentlich gekennzeichnet werden können: „Bothwell und Maria“ von Hans Rehberg wird Anfang Dezember — bevor andere Rehberg-Dramen in München, Stuttgart und Kiel zur Diskussion gestellt werden — in Karlsruhe uraufgeführt. Der neue Frank Thieß „Tödlicher Karneval“ wurde für Februar 1949 zur Uraufführung angenommen. Beidä Dichter haben bereits ihre persönliche Anwesenheit zugesagt und werden im Rahmen der bald beginnenden Morgenfeiern des Staatstheaters aus ihren Werken lesen. Weiterhin werden das Lustspiel „Ich liebe ein Phantom“ von Alfred Ferrin und „Der Tod als Freund“ von Helmuth Michaud in Karlsruhe uraufgeführt werden. In der Erkenntnis, daß trotz der Schwierigkeiten der Zeit, die insbesondere die Kunstbetriebe hart getroffen hat, sich kein Theater seiner Verpflichtung gegenüber der aus dieser Zeit heraus geborenen Dichtung entziehen kann und daher auch heute in dieser Richtung künstlerische Experimente gewagt werden müssen, hofft die Leitung des Staatstheaters, für diese Planung das Interesse der Karlsruher Bevölkerung in besonderem Maße zu Anden. IM STAATSTHEATER N wird heute im Großen Haus Shakespeares „Wie es Euch gefällt“ wiederholt. Im Kleinen Haus geht erstmals seit 27 Jahren „Stella“, ein Schauspiel für Liebende von J. W. Goethe (Urfassung von 1775) in der Inszenierung von Willi Hanke a. G., dem Bühnenbild von Heinz-Gerhard Zircher und einer Bühnenmusik, die aus alten brachte faszinierende Tutti-Schläge und bewies bei der großen Besetzung der Instrumentengruppen sehr viel Disziplin. Trotzdem ist, was die Exaktheit des Spiels betrifft, auch hier noch manche Steigerungsmöglichkeit vorhanden, so in den langsameren Sätzen, wo bei den Bläsern der Ton-An- und -Absatz so gut verfolgbar ist und die Verwischung eines statischen Tonbildes leider so gern einzutreten pflegt. Lobende Erwähnung gebührt den Schlagzeugtechnikern und den Flötisten für ihre bewiesene Bravour bei den Hindemithschen und den Kontrabassisten bei dem Beethovenschen Werk. Der neu verpflichtete Konzertmeister Alfred Breith und Solocellist Alfred Heuer werden bei anderer Gelegenheit noch zu besprechen sein. W. Röse. EUGEN ROTH LAS Im nur schwach besetzten Bonifa- tius-Saal las Eugen Roth aus — größtenteils noch unveröffentlichten — eigenen Werken. Soweit es sich hierbei um heitere 'Gedichte handelte, zeigte sich der Dichter wiederum als Meister in der scheinbar mühelos leichten, aber unerhört prägnanten und von einem individuell-trockenen Humor getragenen Formulierung mehr oder minder tiefgründiger Lebensweisheiten, wie wir ihn aus seinen Büchern „Der Wunderdoktor“ und „Ein Mensch“ kennen. Dagegen konnte man sich bei seiner — ebenfalls in durchaus eigenwilligem Stil geschriebenen — Erzählung „Die Perle“ und den ernsten Gedichten stellenweise eines Gefühls des etwas Banalen und Gewollten nicht ganz erwehren. -g. Werken zusammengestellt wurde, in Szene. D ese Aufführung ist der Auftakt zu den Vorbereitungen, die das Staatstheater für eine Goethe-Festwoche anläßlich des bevorstehenden Ooethe-Jähres trifft. Morgen Sonntag wird im Großen Haus R. WagneTs „Tristan und Isolde“ aufgeführt, im Kleinen Haus findet in Abänderung des Spielplans wur eine Vorstellung statt und zwar um 19.30 Uhr C. Zuek- mayers „Des Teufels General“. AUS DEM RUNDFUNK-PROGRAMM Samstag, 23 Oktober Stuttgart: 9.00 Klav.-Musik, Variat. B-dur, Nocturne b-moll u. Es-dur v. Chopin; 12.00 Landfunk; 13.15 Aus selten gehörten Operetten; 14.00 Sport; 15.00 Zeit auf d. Waage; 15.30 Klav.- Musik. Hindemith; Klav.-Fonate Nr. 3, Strawinsky: Sonate in C; 18.30 C. Schmitt-Walter singt Lieder v. Schubert nach Texten v. H. Heine, H. Giesen spielt zwei Impromptus von Schubert; 20.00 „Eine Nacht in Venedig“ v. J. Strauß. — Südwestfunk: 19.15 Russische Lieder u. Volkslieder. Sonntag, 24. Oktober Stuttgart: 8.00 Landfunk; 9.00 Kath. Morgenfeier; 10.00 „Ewiges Erbe“, literarisch-musikalische Hörfolge; 11.00 „Ewige Musik“. Haydn: Cellokonzert, Mozart: Linzer Symphonie; 14.15 Kinderfunk; 17.00 „Undine“, Hörspiel nach Giraudoi^x; 18.15 Kammermusik. Reger: Streichquartett Es-dur, op. 109; 19.30 Sport; 20.00 „Der Barb'er von Bagdad“, Oper v. Cornelius. — Südwestfunk: 17.00 Symph.-Konz. Degen: Kam- mersymph. (Erstauff.), Mozart: Konzertante Symnh. f. Violin u. Bratsche in Es-dur, K. V. 364, Francaix: Divertissement f. Streichtrio u. Bläser (Deutsche Erstauff.), Schubert: Symph. Nr. 8 h-moll (Unvollendete). FILM- UND KABARETT-N OTIIEN Im „Pali“ demonstriert Hannelore Schroth „Die schwache Stunde“ der kleinen Frau Dr. Austerlitz; besser gesagt: ein schwaches Stündlein. Ein anspruchsloser, aber ganz amüsanter Unterhaltungsstreifen älterer deutscher Produktion, zu dessen Gelingen weiterhin Paul Richter, Fritz Odemar, Hilde Hildebrand, Hilde von Stolz u. a. beitragen. -g. Oktoberfest im „Roland“. „Hinein“ müßte man brüllen und einen kräftigen Jodler anhängen, wollte man sich von vornherein der räumlichen. Umgebung anpassen. Doch zunächst verschlägt es einem erst einmal völlig die Sprache. Das Kabarett Roland scheint viel geräumiger geworden als ehedem. Wohlgemerkt: es scheint Helft den Armen! Laßt Euch beim Besuch der Kinos ‘und Vergnügungslokale einen Spendenschein der Karlsruher Notge- meinschaft geben. Ihr tragt damit zur Linderung der Not bei! nur so, und offensichtlich sind die Original - „Großbayerischen“ Dekorationen für diesen veränderten Eindruck verantwortlich. Auch Jqpchi Neck ist bajuwarisch onenfiert, wenn er die Besucher gleich eingangs auf ihre zahlenmäßige Unterlegenheit gegenüber Personal und Akteuren aufmerksam macht und ihnen damit die Hoffnungslosigkeit ihrer Lage beim Versuch irgendwelcher tätlicher Uebergriffe eindeutig vor Augen führt. Auf jeden Fall hat Joschi den Nagel auf den Kopf getroffen, und er trifft ihn im weiteren Verlauf des Abends noch verschiedentlich, ob er nun geistreich-blödsinnig aus eigenen Werken liest oder am Flügel eine Wochenschau parodiert und dabei „moderne“ Texte auf „tausend Jahre alte“ Melodie^ gröhlt. Vera Turgo tanzt oberbayrisch und ungarisch, beides mit Einfühlungsvermögen, Schwung und Temperament, und Madeleine versetzt unter Assistenz von Carl S u n d r a mit verblüffenden telepathischen Experimenten die Zuschauer in anhaltendes Erstaunen. Carl Sundra als Blitzd'chter, geistreich und doch ein wenig unnahbar, konstruiert aus den Zurufen de s Publikums im Handumdrehen poetische Meisterwerke. Und am Schluß ein besonderer Leckerbissen: Bayerini, ein Künstler, dessen musikalische Virtuosität selbst ohne die recht passable Komik ein anspruchsvolles ■ Publikum begeistern könnte. Zum Tanz spielt die Melodia-Smol-Band mit Schwung und Elan. -d- Vom Programm des „Pa-Pa“ muß an erster Stelle Familie S t o 1 p genannt werden, die sich einmal mit ihrer anmutigen und sehr gekonnten Parterre-Akrobatik, zum andern als „3 Chrisellos“, mit sehr beachtlichen Leistungen auf rollender Kugel als ein Art" stennachwuchs erweisen, der zu größeren Hoffnungen berechtigt. Die drei de Batiers bringen in sehr geschmackvollen Kostümen eine bunte Tanzschau mit Gesangseinlagen und Günter S t a r o führt schlecht und recht durch das Programm. Die Kapelle Fritz Teuber spielt zu Tanz und Unterhaltung wie auch in der Begleitung der artistischen Nummern gleichermaßen dezent und untadelig, -g. Die Kulturgemeinde Rüppurrer Künstler, die vor kurzem unter Führung von Prof. Georg Mantel und F. Unruh lizenziert wurde, veranstaltet heute ihren zweiten Konzertabend. Prof. Kaan spielt, begleitet von Prof. Mantel, Bach, Beethoven, Schubert, v.Wescey, Paga- nini und Frank. Das Sport-Ptogtamm am Wochenende Fußball VfB Knielingen — SV Schwetzingen. Noch vor 14 Tagen hätte man mit einiger Sicherheit auf einen Sieg der Gastgeber tippen können. Inzwischen kehrte der Verteidiger Hauer seinem Verein den Rücken und darüber hinaus wurde am letzten Sonntag Bischoff vom Platz gestellt. Unter den gegebenen Umständen sind die Aussichten der Besucher wesentlich gestiegen. Das Spiel findet am Samstagnachmittag, 15 Uhr, statt. Phönix Karlsruhe — 1. FC Pforzheim. Zum ersten Male in dieser Saison gastiert der 1, FC Pforzheim in Karlsruhe. Wenn auch die Gastgeber augenblicklich eine schlechte Tabellenposition einnehmen, darf dies den Spitzenreiter nicht über die Schwere des Treffens hinwegtäuschen. Voraussichtlich tritt Phönix mit wesentlich verstärkter Mannschaft an. Vor dem Spiel, das am Sonntag um 15 Uhr beginnt, stehen sich die Hockey - Abteilung von Phönix und die des Süddeutschen Meisters HC Heidelberg gegenüber. * Das Spiel Südstem Karlsruhe — Hagsfeld wurde auf Samstag, den 23. Oktober, 15.30 Uhr, vorverlegt. Hockey Zum fälligen Verbandsspiel empfängt die Hockey - Mannschaft des KTV 46 die spielstarke Elf des TV 46 Mannheim. Spielbeginn: Sonntag, 10 Uhr. Anschließend KTV II. — MTV II. « Versammlungstermine der Parteien KPD. Ortsgruppenpolleitersitzung: 25. 10., 18.00, Parteibüro; Südstadt: Mitgliedervers., 29. 10., 20.00, „Auerhahn“, Ref Klausmann. SPD. Durlach-Aue: Mitgliedervers., 23. 10., 19.30, Saal d. Schloßkasemßr' Ref. Dr. Remmele; Daxlanden: Mitgliedervers., 23. 10., 20.00, „Sonne“, Ref. Klotz; Mühlburg: Mitgliedervers., 26. 10., 20.00, „Prinz Berthold“. Ref. Orth; Referenten-Besprechung: 26. 10., 18.00, Sekretariat, Waldstr. 28; Rüppurr: Mitgl’edervers., 29. 10., 20.00, _ „Eichhorn“, Ref. Topper. RSFP. Teilnahme a. Vortrag v. W. Zimmermann (Schweiz): 25. 10., 19.30, Bonifatiussaal; Funktionärsitzung: 27. 10., 19.30, „Nowack“. CDU. Khe.-Süd: Oeffenö. Vers., 29. 10., 19.30, „Nowack“. Sonntagsdienst der Aerzte und Apotheken Aerzte: Dr. Wickenhäuser, Praxis: Sommerstr. 12, Tel. 9157, Privat: Schwarzwaldstr. 12, Tel. 9153; Dr. Ferd. Schoen, Aug.-Dürr-Str. 9, Tel. 1408; Dr. Körner, Kaiserailee 5, Tel. 2576; Dr. Rheinberger, Kriegsstr. 183, Tel. 8645. Durlach: Dr. Hoffmann, Berg- bahnstr. 6, Tel. 485. Rüppurr: Dr. Zufall, Lebrechtstr. 41, Tel. 2782. Apotheken: Friedrich-Apotheke, Ost- endstr. 2, Tel. 2762; Stadt-Apotheke, Karlstr. 19, Tel. 177; Marien-Apotheke, Marienstr. 43, Tel. 1245; Charlotteft- Apotheke, Ostendorfplatz 4, Tel. 4492; Sophien-Apotheke, Uhlandstr. 38, Anker- Registrier-Kassen für alla Detailgeschäfte, Gaststätten, Hotels usw., sowis Bankschaltermaschinen, registrierende Buchungsmaschinen z. T. kurzfristig lieferbar durch General -Vertreter Bohner Karlsruhe-Rüppurr, Diakonissenstraße 4 , Fernruf 4127. Farben- Qect Qualitäts-Lacke KARLSRUHE tör Maler und Industrie Lachneratr. 3 — Ruf 3404 Auto-Spritz Lacke Holzschutz ist unerläßlich — nehmen Sie die oewährten WOLMAN-SALZE Wir beraten Sie gerne: Generalvertreter: K. GOSSEL KG., Karliruh», Kriegsstraße 77 Pforzheim, Erbprinzen«fraße 5-7. Unautfällig-diskrete Zusendung intimer Schutzmittel f. d Herrn. 12 St feinster Qual. 6 DM franko (24 St. - 10 DM; 60 St. 20 DM). 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Der Bauer war guter Stimmung, und mit einer Handbewegung, als verschenke er den Hof, lud er den Fremden zu den Seinen an den Tisch. N Nach dem Essen zog Gerd ' Witzli eine Flasche aus dem Wams, die halb mit Rotwein gefüllt war, und trank sie vor aller Augen leer. „Das ist nämlich keine gewöhnliche Flasche“, sagte er, „sondern das Geschenk eines Wunderdoktors aus Italien. Dem \ habe ich mal sein Kind, das beim Baden im Meer beinahe ertrunken wäre, gerettet, und aus Dankbarkeit schenkte er mir diese ganz seltene Wunderflasche. Wenn ich will, füllt sie sich mit Wein, ohne daß ich einen Pfennig bezahle.“ Alle blickten gebannt auf Gerd Witzli, nur der Bauer war mißtrauisch, er hatte viel Schlechtes von den fahrenden Leuten gehört. „Ich werde es euch beweisen, und ihr sollt selbst probieren“, fuhr der Fahrende fort. „Jetzt gehe ich zum Fenster, halte die Flasche hinaus, spreche einen bestimmten Spruch dazu und — seht nun.“ Wie er gesagt, tat er. Eine kleine Minute reckte er den Arm hinaus ins Dunkel des Abends und murmelte unverständliche Worte. Als er den Arm wieder zurückzog, hielt er eine mit funkelndem Rotwein gefüllte Flasche ’ in der Hand, die er artig dem Bauern zum Trinken an- bot. Der folgte gern, und seinen verzückt nach oben gedrehten Augen zufolge mußte die Qualität des Weines vorzüglich sein. Auch die anderen probierten reihum, sodaß die Flasche bald leer war. Noch^ einmal wiederholte Gerd Witzli sein Verfahren, und abermals «teilte „er potwein, auf den Tisch. „Donnerwetter!“ brummelte der Bauer. „Donnerwetter!“ Und die Begierde, diese Wunderflasche zu besitzen, blitzte aus seinen Augen. Mit einer langen Rede sprach er auf den Fremden ein. Gerd Witzli ließ sich -schweren Herzens erweichen und nannte als Preis hundert Gulden. Der Bauer zuckte zusammen, denn das war sein ganzes Geld, das er im Hause hatte. Aber er überlegte auch, daß er dann seinen Weinberg verkaufen könhte und trotzdem immer Wein haben würde. Also holte er die hundert Gulden hervor. Feierlich überreichte Gerd Witzli dem Bauern die Flasche und schrieb ihm den geheimnisvollen Spruch auf. Diesen müsse man frei aus dem Gedächtnis hersagen, betonte der Fremde, nicht etwa ablesen, sonst gelingt das Wunder nicht. Um Mitternacht ging man auseinander. Gerd Witzli stieg ins Heu, die andern suchten ihre Schlafstuben auf. Nur der Bauer blieb untgr der Lampe sitzen und lernte mit gefurchter Stirn an dem vertrackt schwierigen Spruch. Eine Stunde nach der andern. Der Morgen dämmerte schon herein, als er endlich den Text auswendig konnte. Er trat ans Fenster, hielt die Flasche ins Freie, sagte fehlerlos den Snruch her, wirklich fehlerlos, und zog die Hand zurück. Jedoch die Flasche war durchsichtig und leer wie zuvor. Er wiederholte sein Tun. Mit dem gleichen Erfolg oder besser Mißerfolg. Der Bauer ging vor Übermüdung leicht benommen, zum Heuboden hinauf, um Gerd Witzli zu Rate zu ziehen Aber kein Gerd Witzli war da. Der hatte nämlich mit den hundert Gulden und — mit seinem Kumpan, der ihm vor dem Fenster die leere Flasche gegen eine volle umgetauscht, das Weite gesucht. Einer alten Geschichte nacherzählt von E. M. Moe*. Mark Twain plagte sich in Heidelberg Nicht nur dem „eigenen Triebe gehorchend“, plagen sich heute viele Deutsche mit den grammatischen Schlingen und phonetischen Fallen der englischen Sprache. Ist es da nicht amüsant, einmal zu hören, wie •sich solches Bemühen auf der „Gegenseite“ ausnimmt? Mark Twain besuchte während seines Heidelberger Studienaufenthaltes gern die Sammlungen im Schloß. Eines Tages sprach er den Aufseher an, und Twains erlerntes Deutsch überraschte den guten Mann derart, daß er den Wunsch aussprach, es wegen seiner Einmaligkeit der Kuriositätensammlung ,einverleiben zu dürfen. Aber damit war Mark Twain nicht einverstanden. Sein in hartem Büffeln erlerntes Deutsch war unverkäuflich, und erst später hat er sich in der ihm eigenen humorvollen Art mit den Klippen der deutschen Sprache ausein- andergesetzt. Obwohl er beteuerte, daß es einem Fremden unmöglich sei, eine deutsche Zeitung zu lesen oder gar zu verstehen, hat er sich bei dieser Feststellung heimlich eins ins Fäustchen gelacht. Denn: Er war über den Berg, hatte die Geheimnisse der vier Fälle entdeckt und das noch größere Der-die-das-Rätsel im wesentlichen gelöst. Sein Schalk verführte ihn dazu, ausgerechnet die Marlitt als eine ausgezeichnete Romanschriftstellerin zu klassifizieren. Ueber die Schachtelsätze im „Geheimnis der alten Mamsell“ stellte er durch Umkehrung ins Englische Untersuchungen an, die jeden Deutschen amüsieren, auch wenn er noch längst nicht perfekt Englisch spricht. Manchmal fand Mark Twain beim Lesen deutscher Zeitungen das Verb eines Satzes sogar erst auf der nächsten* Seite. Solche absurden Satzgefüge, sagte er einmal, erinnerten ihn an einen Zahnarzt, der die Zange ansetzt, bevor er aber den Zahn zieht, dem beklommenen Patienten erst noch eine langweilige Anekdote erzählt. Während Mark Twain beim Deklinieren in seiner Muttersprache lediglich dem Genitiv ein of und dem Dativ ein to voranzusetzen brauchte, ächzte er, wenn er dieses Experiment im Deutschen anstellte. Er konnte nicht einsehen, warum der „Erfinder dieser schrecklichen deutschen Sprache“ z. B. „mein guter Freund“ ganz anders dekliniert als „meine gute Freundin“, vom Neutrum und Plural ganz zu schweigen. Er hatte für jenen kalifornischen DER KUPFERPFENNIG Auf dem Wege zum Kaufmann fand heuer ein Kindlein auf der Straße einen schönen kupfernen Pfennig. Es betrachtete ihn, wendete ihn hin und her und steckte ihn, da es ihn dessen für wert fand, ins lederne Beutelchen. Als es beim Kaufmann die Ware empfangen, die Bezugsmarken zurückerhalten und das Geld für die Ware auf den Tisch gelegt hatte, sagte der Kaufmann, daß noch ein Pfennig daran fehle. Nunerinnerte sich das Kind des glückhaften Fundes, zog den schönen Pfennig aus des Mütterchens Beutel und legte ihn stolz zu den nagelneuen Scheinen einer neuen Währung. Der Kaufmann warf zwar einen begehrlichen Blick darauf, schob ihn aber verächtlich zur Seite und sagte, daß er nichts wert sei. Dies hörte eine junge Frau hinter dem Kinde. Diese meinte, daß der Pfenr nig zwar keinen Pfennig mehr wert sei, aber doch ein Zehntel davon, worauf ein besserer Herr neben ihr einwarf, daß der Pfennig nichteinmal ein Hundertstel von dem wert sei, was er vorstelle. Das Kind, das keineswegs verstand, warum der köst- RATE - DENKE - LACHE Silbenrätsel Aus den Silben a — ah — bau' — ber — bo — b'rief — de — din — do — dom — e — e — e — et — elf — eil — en — fe — fe — fei — ga — gon — graf — h'emd — hüt — ja — jul — keil — klapp — kno — li — mo — ha — nacht — nar — ner — neit — niz — no — no — q — o — pa» — pfaf — ra — rieh — sen — te — ten — tiz — to — tro — türm — wer — za sind 22 Wörter zu bilden, deren Anfangs- und Endbuchstaben, von oben nach unten gelesen, ein altes Sprichwort ergeben. Die Wörter bedeuten: 1. Nordische Gottheit, 2. Männername, 3. Stadt am Mittelmeer, 4. Edelstein, 5. Blasinstrument, 6. Homerische Stadt, 7. Alpental, 8. Wäschestück, 9. Getränk, 10. SpeLsenträger., 11. Bauwerk in Paris, 12. Quellfluß der Weser, 13. Industriewerk, 14. Biblische Gestalt, 15. Befestigungsmittel, 16. Schmucknadel, 17. Vermerk, 18. Bauwerk, 19. Nordischer Weihnaohts- brauch, 20. Beschleunigte Mitteilung, 21. Vogel, 22. Männername. Zwölf Zündhölzer Zwölf Zündhölzer (A bis M) sind so aneinander gelegt, daß *ie vier Quadrate’ bilden. Wenn man drei Hölzchen fortnimmt und an einer anderen Stelle anlegt, sind es nur noch drei Quadrate, Wie macht man das,? B c F D G H L 1 M Der Gedäditnlskünstler Nehmen Sie ein cjrößeres Blatt Papier und schreiben Sig darauf die folgenden drei Zahlenreihen: Rätsel-Auflösungen unserer Ausgabe vom 16.10.1948 Kreuzworträtsel Waagrecht: 1. Kork, 5. Elbe, 8. Lea, 9. Feige, 10. Urne, 12. Edda, 14. Dill, 16. Raum, 18. Boot, 20. Feder, 21. Rasse, 23. Drau, 25. Achse, 28. Ehte, 31. Teich, 32. Oise, 34. Asien, 35. Chor, ■ 36. Mime, 37. Deut Senkrecht: 1. Klub, 2. Oer, 3. Rand, 4. Cello,- 5. Eger, 6. Leda, 7. Edam,. 11. Eibe, 13. Dunst, 15. Lord, 17. Lerche, 19. Tran, 22. Auto, 24. Reger, 25. Atom, 26. Siam, 27. Echse, 29 Eiche, 30. Wert, 33. Sou. Ordnungsliebe Zwei Zigaretten werden im spitzen Winkel aneinander gelegt, so daß sich die Enden berühren. Eine dritte wird to den WtojWl swijehen die beiden geschoben, bi* das eine Ende rechts und links an die Schenkel des Winkels stößt. Dann berührt jede von diesen dreien Jede andere. Jetzt legt man die drei anderen Zigaretten nach dem . gleichen Prinzip darauf, und alle sechs berühren sich gegenseitig. Dreierlei Rauch wäre. Welcher Fluß? Ma(rt)in. Drei Getränke Lilie, Moloch. Nabob, Demut, Kaiser, Kalauer, Opanke, Ungemach, Schalk. Limonade, Kakao, Punsch. Wertsteigerung Tagende, Tausende, liehe Pfennig *o völlig wertlos sei, begann nun zu schluchzen, der bessere Herr lachte, die junge Frau grollte und der Kaufmann wackelte verzweifelt mit dem Kopf, als seine gütige Frau an den Tisch trat und den Pfennig unbesehen in die Kasse schob. Worauf der bessere Herr das Maul aufsperrte, die junge Frau strahlte und der Kaufmann verlegen grinste. Nun aber-, sagte die Kaufmannsfrau zum Kaufmann, daß die- ' ses Kindlein in der Schule gelernt hatje: Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert!, und war eine’brave, weitblickende Menschenmutter, aber eine schlechte JCauf- mannsfrau. — Und zum besseren Herrn sagte sie:-daß der Pfennig wohl seinen Pfennig wert wäre, da er aus bestem Kupfer sei! — und war doch auch eine gute Kaufmannsfrau. Und zum Kinde: Es solle nur immer den Pfennig ehren, dann würd es sich im Leben bewähren! — Und war alles miteinander: Mutter, Mensch und Kaufmannsfrau! 1 — Und sagte „Grüß Gott“ und ging wieder an ihre Arbeit. Walther Gottfried Klucke 964824126 1 1 2 5 6 2 8 1 4 3 2 1 6 8 4 Betrachten Sie die Zahlen eine Minute lang, iegen Sie das Blatt fort und schreiben Sie die Zahlen aus dem Gedächtnis auf ein anderes Blatt. Sie können den Versuch auch in einer größeren Gesellschaft machen, die drei Reihen vorzergen und nach einer kurzen Pause bitten, sie auswendig niederzuschreiben. Wie kann man sich die Zahlen sofort and fehlerfrei merken? Kuriosa 1 Hühner unter Staatsaufsicht Als man in einer bestimmten Gegend von Columbien festgestellt hatte, daß die Kröpfe der Hühner von Minenarbeitem kleine Smaragde enthielten, durften Hühner nur in Gegenwart eines Beamten geschlachtet werden. Er öffnete im Namen de« Staates den Kropf und nahm die Edelsteine, die den staatlichen Minen gehören, heraus. Sch»check# Nr. 11 Dar Froblemfreund, ja überhaupt jeder, dsr dem unwiderstehlichen Reis dec 64 Felder ▼erteilen ist, findet lm Schatten des großen Sem Loyd immer wieder Köstlichkeiten von unvergänglicher Schönheit. Keiner Problemschule sugehörig, jeden Gedenken mit vollendeter Meisterschaft zum Ausdruck bringend, sollte dieser größte Problemkomponist keinem Schschspteler ein Unbekannter bleiben. Problem Nr. t. Sam Loyd 1889. Weißt Khl, Bc4, Sffl, f? (4 Steine). Schwarz: Kh8, Ul, g4, g7, h7 (5 Steine). Matt in drei Zügen. Verfolgung des Läufers durch die Dame: Sie zieht so, daß eie im 2. Zuge unter gleichzeitiger Mattdrohung auf h7 alle 6 möglichen Läuferstandfelder beherrschen kenn. 1 Eine kapriziöse Nebenvariante, welche der Meister einfllcht, erhöht die Schwierigkeit. Problem Nr. 7. Sem Loyd 187t Well: Kbl, DeS, Tc4, Sc7, SdS, Ldl, ■>, »4. » c h w j r I : ged, S«2, b», 42, Studenten, der erklärte, es sei leichter, zwei Gläser Bier zu „deklinieren“ als ein deutsches Adjektiv, sehr viel Verständnis. I Aber zäh und unverdrossen lernte Mark Twain weiter. Eines Tages entdeckte er, daß das Pferd sich im Dativ in „Pferde“ verwandelt, daß aber „Pferde“ zugleich die Mehrzahl ’ von „Pferd“ ist; es dauerte eine Weile, bis er die Vorstellung von Zwillingen (Pferde) in seinem Gehirn wieder ausgelöscht hatte. Ebenso brauchte er geraume Zeit, bis er hinter den Sinn des folgenden Satzes (aus einem deutschen Roman!) gekommen vjpr: ‘„Die wütende Tigerin brach aus und fraß den unglücklichen Tannenwald mit Haut und Haaren“. Endlich hatte er‘s heraus: Zum Unterschied t vom Englischen werden nach der deutschen Grammatik alle Hauptwörter groß geschrieben, ob es sich nun um einen Wald (von Tannen) oder um eine Person namens Tannenwald handelt. Nicht gering war Mark Twains Erstaunen darüber, daß die Frair im deutschen grammatikalischen‘Sinne weiblichen Geschlechts, das Mädchen aber sächlich ist. Er mußte also seine bisherigen • Grammatikkenntnisse genau auf den Kopf stellen, um die richtige deutsche Form zu finden, die z. B. für eine Rübe das weibliche, für ein Mädchen hingegen das sächliche Pronomen vorschreibt. Diese Verwirrung nahrit noch zu, als er herausfand, daß der Baum im Deutschen männlich, seine Knospen dagegen weidlich und seine Blätter sogar sächlich sind. Denselben Wirrwar erlebte er bei der grammatikalischen Geschlechtsbestimmung der menschlichen Körperteile, z. B.: der Kopf, die Brust, das Bein. Armer Mark Twain! Es blieb ihm auch nicht erspart, in allen möglichen Wörterbüchern vergeblich nach dem Ungeheuer „Stadtverordnetenversammlung“ zu suchen; er nannte solche Wörter „alphabetische Prozessionen“, und da er zeitlebens ein Freund von Kuriositäten war, tauschte er mit anderen sprachbeflissenen Amerikanern .in Heidelberg solche Wortkombinationen aus, um später mit specimens, wie „Waffenstillstandsverhandlungen“, „Altertumswissenschaften“, „KJeinkinderbewahranstalten“, „Unabhängigkeitserklärungen“ und dergleichen zu prahlen. Es sah dem großen Humoristen ähnlich, zu erklären, ein begabter Mensch erlerne das Englische in 30 Stunden, das Französische in 30 Tagen und das Deutsche in 30 Jahren. Seines Erachtens hätte das Deutsche entweder gehörig getrimmt oder (gleich dem Latein) zu einer toten Sprache erklärt werden müssen, denn nur die Toten hätten Zeit genug, diese Sprache zu erlernen. Nach Amerika zurücfcgekehrt, hörte Mark Twain eines Tages, wie eine feine alte Dame, eine German lady, zu einer jungen Amerikanerin sagte: „Ist es nicht höchst angenehm, daß unsere beiden Sprachen so ähnlich sind? Wir sagen: ,Ach Gott!' und Sie sagen: ,Goddam!‘ . . .“ Wenn jetzt noch jemand unter den Englisch-Lernenden in Deutschland seufzt, so kann dies nur im Sinne absoluter Erleichterung verstanden werden. Denn ihm bleiben Der-die-das-Rätsel, alphabetische Prozessionen und noch viele andere Himverrenkungen erspart. Traute Hildebrandt. SPRACHECKE Ein Leser unserer „Sprachecke" schreibt uns: Wie oft hört man „das hat nie keiner gesagt“ oder „das habe ich niemals nicht gesagt". Eine doppelte Verneinung ergibt aber immer eine Bejahung. Das erste Beispiel heißt dann, genau betrachtet, „das hat jeder gesagt", während ausge- driiekt sein soll, daß es „nie einer“ gesagt hat. Im zweiten Beispiel muß entsprechend das „nicht“ selbstverständlich fortfallen; es muß also heißen „das habe ich niemals gesagt“. Während wir uns hier der Richtigstellung des Einsenders anschließen, können wir es bei seiner nächsten Einsendung nur bedingt. Buk und backte, fragte Es heißt da: Sehr oft wird auch die Form „buk“ (von backen) oder „trug“ (von fragen) verwandt. Diese beiden Zeitwörter sind sogenannte starke Verben, d. h., daß sie sich bei ihrer Abhandlung keines Ablautes bedienen. Es heißt also „er backte“ und „er fragte“. — Hierzu müssen wir sagen, daß von den beiden Zeitwörtern das Wort „backen“ stark, das Wort „fragen“ schwach gebeugt wird. „Backen“ bildet die Grundformen: „backe“, „bäokst", „buk“, „büke“, „gebacken“. Es sind die alten wohlklingenden Formen, die heute leider immer mehr verdrängt werden. Das ig>t ln unserem Fall umso bedauerlicher, als es ein zweites Wort „backen“ gibt, das ,.an- einanderjjaften" bedeutet: „Der Schnee backt, backte, hat gehackt“. Das Wort „fragen“ wird schwach gebeugt. Die Grundformen lauten also: „frage, fragte, gefragt". Helfen — geholfen Von einem anderen Leser der „Sprachecke“ erhalten wir folgende Einsendung: Eine Eigenart im süddeutschen Sprachgebrauch ist die Anwendung des Tätigkeitswortes „helfen“. Hier wird helfen geschoben, helfen gemolken, helfen Holz gespalten usw., während es richtig heißen muß: Ich habe schieben geholfen, melken geholfen usw. Hier müssen wir dem Einsender sagen, daß wir seine Korrektur nicht anerkennen können. Richtig gesprochen ist: Ich habe schieben helfen oder: Ich habe geholfen, den Wagen zu schieben. Pieritz. UNSER BRIEFKASTEN Dl« ln unserem Briefkasten gegebenen Auskünfte erfolgen nach bestem Wissen ohne Jede Verbindlichkeit. H. H„ Karlsruhe-Dtirlach: Einem schwerbeschädigten Behördenangestellten wird von seinem Arbeitgeber, zum 31. 10. 47 ungerechtfertigt gekündigt. Folge: Klage des Angestellten beim Arbeitsgericht und Verurteilung des Arbeitgebers zur Zahlung des Gehaltes als Schadenersatz bis 31.Decz. 1948. Es erhebt sich nun die Frage, wie ist die Forderung des Klägers zu bezahlen? Der Anspruch entsteht nicht erst durch das Urteil. Das Urteil stellt ihn nur mit bindender Wirkung fest. Soweit der Anspruch auf das vor der Währungsreform fällige Gehalt geht, ist also jetzt nur der 1:10 abgewertete Betrag ln DM zu t zahlen. Das Gehalt von Juni—Dezember ist natürlich voll zu bezahlen. W. H-, Karlsruhe: Für die Aufrechterhaltung der Anwartschaft für di* ! WM a b e d • f g Matt in 2 Zügen. Der unglaublich erscheinend« Schlüsselsug mit der Dame wird als „Hinterstellung'' bezeichnet. Letzten — hinter drei (I) ßtelnen und geringster Zügezahl — in der Hauptvariante nutzbar zu machen, konnte nur dem Zauberer loyd gelinge«. Reichsversicherung für Angestellte müssen in jedem Jahre mindestens 6 Monatsbeiträge nachgewiesen werden. Durch Uebersehen dieser Tatsache fehlten mir für das Jahr 1947 noch vier Beiträge, die ich nun im September 1948 nachbezahlt hsfbe. Nachzuentrichten waren 4 Beiträge zu 4 Mark. Die Beiträge wurden mir in DM angerechnet, während ich glaubte, Anrecht auf Abwertung, also 16 RM - 1,60 DM zu haben. Da Sie sich mit den vier Beiträgen offensichtlich in Verzug befanden, ist die volle Nachzahlung gerechtfertigt. E. E„ Karlsruhe: Ist eine Schwiegertochter des verstorbenen Sohnes (kinderlos) erbberechtigt, wie weit, oder muß eine Schenkungsurkunde ausgestellt werden? Ebenso bitte um Mitteilung, ob ein einfaches Testament genügt, oder ob die ganze Angelegenheit durch einen Notar geregelt werden muß? Ist der Erblasser kinderlos verstorben, so sind gesetzliche Erben die Eltern, bzw. deren Abkömmlinge. Neben diesen Verwandten ist der Ehegatte des Verstorbenen zur Hälfte der Erbschaft berufen. Außerdem gebühren dem Ehegatten der Hausrat und die Hochzeitsgeschenke. Dieses Erbrecht tritt dann ein, wenn kein Testament vorliegt. Testamentarisch kann der Erblasser ein* andere Regelung treffen, aber auch dann behäit der Ehegatte einen Pflichtteilsanspruch. Der Pflichtteil besteht in der Hälfte des Wertes des gesetzlichen Erbteijp. — Ein Testament kann auch ohne Notar gültig aufgesetzt werden. L. B„ Karlsruhe: Ich suche meinen Onkel in Amerika. Unter der letzten Adresse erreiche ich ihn nicht. Wohin kann ich mich wenden, um die Anschrift der Suchdienststelle zu erfahren? Wenden Sie sich an das smerikanl- fche Generalkon?u!at Frankfurt a. M. * 8 / Nummer 143 SA» Samstag, den 23. Oktober 1948 HANDEL UND WIRTSCHAFT 70 Prozent der Vorkriegsproduktion erreicht Indexziffern der industriellen Produktion in der Bizone Begehrte Landmaschinen-Produktion Produktionssteigerung Unzureichende Bedarfsdeckung Frankfurt. (S'AZ) Die große Landwirtschaftsausstellung im September in Frankfurt a. M. hat Aufträge im Werte von rund 1,5 Mill. D-Mark für die deutsche Landmaschinenindustrie erbracht. Hierbei ist jedoch zu berücksichtigen, daß die Preise im Durchschnitt um 80 Prozent über dem Vorkriegsstand liegen, 90 daß ein Vergleich mit der Vergangenheit schwer möglich sein dürfte. Erfreulich ist, daß die deutsche Landmaschinenindustrie seit der Währungsreform ihre Produktion um 80 Prozent steigern konnte. Wegen mangelnder Rohstoffe und trotz Demontagen ist die Kapazität der Betriebe jedoch noch immer nicht voll ausgenützt. Vor dem Kriege besaß Deutschland 500 Landmaschinenfirmen mit rund 40 000 Beschäftigten. Im Bereich der heutigen Doppelzone wurde ein Landmaschinenumsatz von 250 Millionen Reichsmark im Jahre 1936 erzielt. Aber schon vor Kriegsbeginn machten sich außerordentlich lange Lieferfristen bemerkbar, die im Laufe des Krieges zum völligen Stillstand der Auslieferung an den deutschen Bauern führten. Ab 1941 wurde der größte Teil der deutschen v Landmaschin'en-Produktion in die Ukraine und nach Rußland ge- trotz schickt, um dort im Rahmen des Ost- Acker-Programms eingesetzt zu werden. Nunmehr ist der Nachholbedarf der Landwirtschaft ungeheuer groß geworden. Vor allem nach Ackerschleppern besteht eine unbeschränkte Nachfrage. Wahred die Herstellungskapazität der westdeutschen Schlepperfirmen 16 000 Stück jährlich beträgt, können 1948 günstigstenfalls 6000 Schlepper ausgeliefert werden, da es an Material fehlt. Bis 1952 soll die Jahresproduktion a«f 40 000 Ackerschlepper gesteigert werden. 15 000 Schlepper sind für den Export vorgesehen, so daß für den Eigenbedarf der heimischen Landwirtschaft 25 000 Schlepper übrig bleiben würden. Nach dem bekannten Plan der Verwaltung für Ernährung und Landwirtschaft brauchen die westdeutschen Bauern zur Vollmechanisierung jedoch 310 000 Schlepper. Es wird also noch recht lange dauern, bis dieses Ziel unter _ den gegenwärtigen Umständen er-’ reicht werden kann. Daneben muß die deutsche Landmaschinenfabrikation auch noch exportieren. In den ersten sieben Monaten 1948 wurden für 1,06 Millionen Dollar Landmaschinen ausgeführt. Vor dem Kriege war der Landmaschinenbau mit 8 Prozent an den gesamtdeutschen Maschinenexporten beteiligt. Im dritten Quartal 1948 sind der Landmaschinenindustrie 6000 t Eisen und Stahl zu Exportzwecken zur Verfügung gestellt worden. Die Ausfuhr geht in der Hauptsache nach Italien und die westeuropäischen Staaten, el. Dänisches Handelskontor für Deutschland Frankfurt. (SAZ) In Kopenhagen wurde kürzlich ein dänisches Handelskontor gegründet, das eine Anzahl von Firmen in Dänemark zusammenschließt, die an einem Handel mit den Westzonen interessiert sind. Das Handelskontor beabsichtigt, in nächster Zeit auch in Frankfurt am Main eine Zweigstelle zu errichten. el. Frankfurt. (SAZ) Die industrielle Produktion im Vereinigten Wirtschaftsgebiet ist nach vorläufigen Berechnungen der Verwaltung für Wirtschaft im Monat September 1948 nochmals angestiegen und hat nunmehr 70 Prozent des Monatsdurchschnitts von 1936 erreicht. Gegenüber dem Vormonat ergibt sich eine durchschnittliche Produktionssteigerung um 6 Prozent. Die nach der Währungsreform eingesetzte - Aufwärtsentwicklung hat somit auch im dritten Monat fast gleichmäßig angehalten. An dem weiteren Produktionsanstieg sind diesmal besonders die Investitionsgüter- und _Verbrauchsgüter-Indgustrien beteiligt, * während die Produktios- güter des allgemeinen Bedarfs ihren höchsten Stand vom Vormonat im Günstige Aussichten für die Stahlproduktion Frankfurt. (SAZ) Die gegenwärtige monatliche Rohstahlproduktion würde einer Jahresproduktion von 7 Mill t. entsprechen. Das Gesamt-Produktionsergebnis für 1948 wird jedoch kaum höher als 5 Mill. t liegen, was auf die verhältnismäßig geringen Ergebnisse der ersten Monate des Jahres zurückzuführen ist. Dies stellte die Verwaltung für Wirtschaft als Entgegnung auf eine DENA-Meldung fest, derzufolge die Stahlproduktion pro- blemhtisch sei. Die deutschen Stellen hoffen sogar, daß bis zum Jahre 1950 das Industrieplanniveau von 10,7 Mill. t Jahreserzeugung erreicht sein wird. Kohleförderung bleibt über 300 000 t Essen. (SAZ) In der Woche vom 10. bis 17. Oktober wurde an der Ruhr erstmalig nach dem Kriege ein Wochendurchschnitt von 301 903 t und damit ein ständiges Ueberschreiten der 300 000-t-Grenze erreicht. In Fachkreisen wird kein Rückschlag mehr erwartet, sondern angenommen, daß die Kohleförderung langsam, aber stetig über die 300 000 t hinausrückt. wk. allgemeinen beibehalten haben. Die Investitionsgüter-Industrie erreichte 62 Prozent, die Verbrauehsgüterindustrie 66 Prozent und die allgemeine Produktionsgüterindustrie sogar 91 Prozent der Erzeugung von 1936. Eine ganz überdurchschnittliche Erhöhung der Septemberproduktion lag insbesondere beim Fahrzeugbau vor, der seine Produktion um 21 Prozent erhöhen konnte, ferner in der Schuhindustrie mit einer Steigerung von 15 Prozent, dann folgen die Flachglasindustrie mit 14 Prozent, Elektrotechnik mit 9 Prozent, Eisen- und Stahlindustrie mit 8 Prozent und die keramische Industrie mit 8 Prozent. Gegenüber dem Stand der Produktion vor der Währungsreform hat sich die Septemberproduktion um über 30 Prozent erhöht, wobei Investitionsgüter sogar einen Anstieg von 44 Prozent erreichten. Zu beachten ist bei Riesen Indexzahlen indessen, daß diese noch' keinen Aufschluß über den Stand der Versorgung in der Bizone geben. Durch die Zonengrenzen hat sich zum Beispiel die Elektrotechnik, die früher fast nur in Berlin und in der Ostzone zu Hause war, in Westdeutschland sehr verbreitert, so daß hier zwar eine wesentliche Produktionserhöhung in der Bizone stattfand, die Versorgung aber immer noch weit untrer der des Jahres 1936 liegt. el. Gotte,di.nstan zelger Fvaugelische Gottesdienste. Samstag, 23. Oktober lösa.^jiietthänskirche: 20 Uhr Wochenschlußfeier. Sonntag, 24. Okt. (22. S. n. Trin.): Albpfarrei: 9.45 Uhr Wenzel. Geibelstr. 5: 8.30 und 10 Uhr Schmitt. Markuskirche: 9.30 Uhr Kühn* lein; 20 Uhr Becher. Amalienstr. 77: 8.45 Uhr Ratzel. Blücherstr. 20: 10 llhr Ratzel. Matthäuskirche: 9.30 Uhr Stupp. Weiherfeld: 8 und 9.30 Uhr Stein. Wilhelmstr. 14: 8 und 9.30 Uhr Kopp. Lulsenstr. 53: 8 und 9.30 Uhr Hauß; 18 Uhr kirchenmusikalische Abendfeier. Lutherkirche: 9.30 m. hl: Abend- mahl: Landesbischof D. Bender. Rintheim: 14 Uhr Becher. Hagsield: 9.30 Uhr Gottesdienst. Rüppurr: 9.30 Uhr ■ Schulz; 17 Uhr kirchenmusikaiische Andacht. Diakonissenhaus: 10 Uhr Missionar Fischer. Städt. Kranken- haus: 10 Uhr Wieland. Erste Kirche Christi Wissenschafter, Karlsruhe, Rlchard-Wagner-Straße 11. Gottesdienst So. 10 Uhr; Mi. 7 Uhr. Veranstaltungen BADISCHES STAATSTHEATER Spielplan für die Zeit vom 24. bis 31. Oktober 1948. Sonntag, 24., 17.00 Uhr: „Tristan und Isolde", von Richard Wagner. — Kl. Haus, 19.30 Uhr: „Des Teufels General", Drama von Carl Zuckmayer. Montag, 25. ,^19.30 Uhr: „Fra Dia- volo", Oper von Auber. (Kulturbund, 3. Reihe). Dienstag, 26.-, 19.30 Uhr: „Aida", Oper von Verdi. (Platzmiete A4). Mittwoch, 27., 19.30 Uhr: „Mordprozeß Mary Dugan", von Veiiler. (Platzmiete C 4). Donnerstag, 28„ 19.30 Uhr: „Der Zigeunerbaron", Operette von Johann Strauß. Freitag, 29., 19.30 Uhr: „Fra Dla- volo", Oper von Auber. (Kulturbund 2. Reihe). — Kl. Haus: 19.30 Uhr: „Die erste Legton", Schauspiel von Lavery. Samstag, 30., 19.30 Uhr: „Wie es Euch gefällt“, Lustspiel vdn William Shakespeare. Musik v. Hermann Zilcher. Kl. «aus: 19.30 Uhr: „Stella", Schauspiel für Liebende von Goethe. Sonntag, 31., 11.00 Uhr: Im Zyklus „Aus der Werkstatt des Theaters": „Wie entsteht «ine Opemautführung”. 14.30 Uhr: „Aida", Oper von Verdi. (Fremdenmiete und freier Kassenverkauf); 19.30 Uhr bei ermäßigten Preisen: „Die Czardasftirstin", Operette von Kalman. — Kl. Haus, 15.00 Uhr: „Die erste Legion", Schauspiel, von Lavery. (Für die Karlsruher kunstgemeinde). — Kl. Haus, 19.30 Uhr: „Die erste Legion", Schausp. v. Lavery Kulturbund Karlsrahe. Montag, den 25. Oktober 1948, 3. (Montag)-Reihe „Fra Diavolo", kom. Otf6r v. Auber, Beginn 19.30 Uhr. Freitag, den 29. Okt. 48, 2. (Freitag)-Reihe „Fra Diavolo", kom. Oper v. Auber, Beg. 19.30 Uhr. 92lj -AM RONDEUPtATZ- BUf8921 Rosalind Russell - Alexander Knox In Schwester KEN NY Ein aktueller Film, der durch seihe schlichte Menschlichkeit * an jedes Herz röhrt Täglich: 12.30, 15.00, 17.30, 20.00 Uhr Heute Spätvorstellung: 22.30 Uhr KONZERT-RESTAURANT MMIf niWUPimeeil Das Haus für den WALAIAClXtlUtaall verwöhnten Gast Durlach, Lerchenberg, Ritfnertstraße 70a Täglich Konzert ' Mittwoch, Samstag und Sonntag Konzert und Tanz MAXIM-BAR Das Intime, gemütliche Abendiokal, Zäbringerstraße 19, Haltestelle Hochschule, Tel. 3320. Friedrich Spitznagel mit sei* nem Quartett bürgt für dezente Unterhaltung und Tanz • Musik. Wermut gegen Schwermut eine altbewährte Ausrede, um in früh-' licher Runde ein anständiges Gläschen Wermut zu trinken. — Auch das Casino, Kaiserallee 16, an der Yorckstrafle, hätt guten deutschen Wermut bereit, um Ihnen die Alltagssorgen zu verscheuchen. Dabei hilft getreulich Artur Jungs feine Musik. — Aber auch unsere Flaschen* weine sind nicht zu verachten. Wir haben wieder eine schöne Auswahl bei einem Höchstpreis von 9.50 DM. — Ein* tritt frei. — Parkplatz. Cafe am Zoo/ KARLSRUHE, ETTLINGER STR. 33 Telefon 8099/3)99 Und nochmals Jszram lUschenende^l Heinz Schoenberqer u. sein Quintett I spielt zum Tanz J Samstag, 23. Oktober ab 20.00 Uhr Sonntag,24.0kt.ab16.00-18.00 Uhr 'TANZ -TEE und ab 20.00-1.00 Uhr Zimmertheater, Weinbrennerstr. 18, Samstag, 23. Okt. i“ Kj. Donnersteg. 28. Okt. ||£ISilGI1t Samstag, 30. Okt. Nur noch bis Montag Die erfolgreiche Filmoperette mit Hans Nielsen, Lisa Lesco Aribert Wäscher, W. Bendow Tägl. 11, 13, 15,17, 19 (BI/2), 21 (Bn/2). - So. auch 23 Uhr Sonntag, 24. Okt., 10.30 Uhr Kulturfilm - Matinee AUS FERNEN LANDERN ^KURBEL PALAIS Caf6 - Bar r M I. M I 4 Ruf 4713 Des großen Erfolges wegen prolongie’ Waldemar Schulze cLH met Mittwoch, Samstag, Sonntag ab 16 U TANZ-TEE - Parkplatz Freitag Täglich ab Betriebsruhe 19.30 Uhr^'^FtÄ Cabaret ROLAND Jubel und Trubel beim Münchner Oktoberfett und dazu das Klasseprogramm mit Jochl NECK, Carl SUNDRA, Vera TURGO und BAYERINI der komische Musikal-Virtuose Eintritt nur DM 1.—. Erstklassige Getränke von 80 Pfennig an. Ihr Abendlokal nur das gemütliche CAFE WIEN Fasanenstr. 6, Nähe Hochsch.,Tel. 8652 TÄGLICH TANZ nach den Melodien des beliebten ,.Karlsruher Swing-Quintetts" Schmackhafte, naturreine Weine, offen u. in Flaschen. Donnerstag Betriebs- ^phe. — Autowache vorhanden. ZUM LA MM / Durlach Mittwoch • Samstag • Sonntag TANZ Hinweise iCft-LI Dur lach, Ruf 91675 Beg.: Wo. 15.30, 18.00, 20.15; Sa.: 22.15 Spätvorstellung. 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Amtliche Bekanntmachungen Konzert- und Tanz-Kaffee Grüner Baum Kaisnfsfr.3, amOurlacher Tor, Tel.7448 Täglich Konzert und Tanz bis 2 Uhr nachts Kapelle Hanns Lennartx Montags Betriebsruhe Beitragsmarken für die Invaliden- und Angestelltenversicherung betr. Für die freiwillig Weiterversicherten der Invaliden- und Angestelltenversiche- rung, für die Selbstversicherten und die unständig Beschäftigten der Inva lidenversicherung, sowie für die selb ständigen Handwerker kommen ih der amerikanischen Besatzungszone wieder Beitragsmarken durch die Postämter in der früher üblichen Weise zut Ausgabe. Die freiwillig Weiterversicherten können ihre gesetzliche Verpflichtung der Beitragsentrichtung durch Markenklebung wieder selbst erfüllen. Die freiwilligen Beiträge sind nach den bestehenden gesetzlichen Bestimmungen unbedingt in der dem Jeweiligen Einkommen 'entsprechenden lohnklasse zu entrichten, mindestens aber in der Lohnklasse II der Invalidenversicherung bezw. Klasse B der Angestelltenversicherung. Marken, die dieser gesetzlichen BestimmungJhicht entsprechen, sind rechtsungültig. Die Lohnklasse II der Invalidenversicherung kommt nur für solche freiwillig Versicherten in Frage, welche kein Einkommen oder ein solches *unter 12.— M haben. Die Klasse B der An- gestelltenversicherung kommt nur für solche Versicherte in Frage, die kein Einkommen oder nicht mehr als 101,40 M monatlich haben. Zur Erhaltung der Anwartschaft sind alljährlich mindestens 26 Beitragswochen bezw. 6 Beitragsmonate erforderlich. Die Versicherung in einer höheren Klasse ist im Interesse der Versicherten zu- läsig und .empfehlenswert, um später eine höhere Rente zu erhalten. Die selbständigen Handwerker und Handwerkerinnen, die unter das Handwer- kerversorgunasgesetz fallen und in die Handwerksroile eingetragen sind, haben ihre Versicherung durch Markenklebung selbst durchzuführen. Die Höhe der Beiträge richtet sich nach dem im letzten Einkommensteuerbescheid nachgewiesenen Gesamtbetrag der Einkünfte vor Abzug der Sonderausgaben. Der Vorstand der Uode**esstofe«ra&gu&sU)t Badea, syvUa: ffyiveecr Kennzeicbenschiid für Zugmaschinen. Nach Anordnung der Militärregierung haben alle Zugmaschinen vorn und hinten je ein Kennzeichenschild der Größe 400x130 mm zu führen. Die Bestimmungen über kleinere Kennzeichen an Zugmaschinen in Iand- u. forstwirtschaftlichen Betrieben (Anl. 2 zur StVZO) sind damit überholt. Der Präsident des Städt. Amtes füT Öffentliche Ordnung und Sicherheit — Verkehrsstelle — Wirtschaftsprüfer Friedrich Leier VDI, Öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Betriebsorganisation (Arbeitsuntersuchung, Arbeitsplanung, Leistungsüberprüfung in Büro und Betrieb nach Refa, Akkordwesen, Kalkulation, Kostenrechnung, Betriebsabrechnung LSO usw.) jetzt auch für Behörden, Mittel-, Kleinbetriebe und Handwerk jeder Branche. 20jährige Erfahrung. 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