5 Stidelberger Zonntags all 5 Jahrzang Nr. 8 BEILAGEZzZUMTAGERBLATT 0 66 „Lodernde Flammen aus verſallenen Türmen. Aus den Tatzen der ersten Schloſobeleuchtuntz In den Pfingsttagen 1816 ging ein junger Heidelberger Schuhmachergzeselle aus der väter- lichen Werkstatt in der Oberbadgasse auf Wan- derschaft, um nach Handwerksbrauch sich die Welt etwas zu besehen und dabei sich umazutun, Was an anderen Orten im Handwerk zu erfah- ren und zu lernen sei. Als er nach zwei Jahren wieder in die Heimat zurückkam, hatte er allerhand in seinem Reisetagebuch festgehalten, Wwas ihm unterwegs begegnet war: den ganzen Rhein war er hinuntergewandert und in Mün- ster hatte er an der Lambertuskirche die drei Eisenkäfige bestaunt, in denen man vor langer Zeit die schlimmen Wiedertäufer aufgehängt“ hatte; Berlin hatte er gesehen und Leipzig und Drésden, und in Meißen hatte ihm die Porzellan- fabrik Eindruck gemacht; dann wanderte er mitten durch Deutschland zurück und wieder den Rhein entlang nach der anderen Seite, bis Basel und weiter nach Zürich, und in München erlebte er zum Schluß noch das Georgsritterfest als Zaungast in der Residenz. So wie der junge Handwerksgeselle Johannes Eckert aus Heidelberg mit wachen Augen durch die Welt wanderte und in seinem Reisebüchlein festhielt, Was er dabei an Merkwürdigem und Schönem sah, so hlelt er es auch später als Handwerksmeister in seiner Vaterstadt, und noch als Siebziger schrieb er im Jahr 1866 seine Lebenserinnerungen nieder, die zurückreichen bis in die ersten Jahre des neunzehnten Jahr- hunderts:„Dunkel erinnere ich mich wie ein Traum, dahß das Franziskanerkloster noch ge- standen, Was jetat der Karlsplatz ist, aber im Jahr 1805 weiß ich recht gut, daß, Wo das Kloster gestanden, ein Schutthaufen war, auf dem wir Knaben herumtummelten.“ Erste Schloßbeleuchtung am 20. 7. 1807 Im Reigen dieser lebendigen Schilderungen des Heidelberger Lebens aus der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts beschreibt Eekert auch die Festlichkeiten des Frühjahrs und Frühsom- mers 1815, als in Heidelberg das Hauptquartier der gegen Napoleon verbündeten Mächte war und Kaiser Franz I. von Oesterreich und der russische Zar Alexander I. sich hier aufhielten. Er schildert die Truppendurehmärsche und die Paraden auf dem Karls⸗- platz und schreibt dann weiter:„Während des Aufenthaltes der Monarchen in Heidelberg wurde— am 14. Juni 1815— der ganze Schloß- garten illuminiert und die Ruinen durch Feuer beleuchtet, was sehr großartig und vorher noch nie gesehen war“, 1912 hat Oskar Huffschmid Auszüge aus diesem Lebensbericht Eckerts im „Neuen Archiv für die Geschichte der Stadt Heidelberg“ veröflentlicht, darunter auch die eben angeführte Stelle; von hier aus ging diese Schloßbeleuchtung vom Juni 1815 als„die erste“ in die ortsgeschichtliche Literatur über und lebt nun als solche von Veröffentlichung zu Ver- öflentlichung weiter. Und doch hat Johannes Eckert sich hier geirrt: in Wirklichkeit hatten die Heidelberger die erste Schloſhbeleuchtung schon acht Jahre früher erlebt, am 20. Juli 1607, und wir besitzen von ihr sehr anschauliche Schilderungen von zwei nicht unbedeutsamen Leuten, die dabei waren. 1807— das war die Zeit, da Jacob Grimm aus Paris an seinen Bruder Wilhelm schrieb:„Meine Neuigkeiten aus Deutschland kommen fast alle aus Heidelberg; dies Heidelberg scheint mit Macht aufgehen zu wollen“. Achim von Arnim und Clemens Brentano hoben und sammelten in Heldelberg den Schatz der halbverschollenen alten deutschen Lieder und gaben ihn in„Des Knaben Wunderhorn“ neu heraus, nach einem Wort von Görreés, damit„den Deutschen den waähren Genius ihres Volkes wieder ins Ge- dächtnis rufend“, Görres selbst schrieb 1807 hier seine Abhandlung über die„Teutschen Volksbücher“ und kündigte als erster in Deutsch- land eine Vorlesung über altdeutsches Schrift- Das Jahr der Kirche Zum Evantzelium des Sonntathe (Mk. 8,1 fl) Der Schauplatz der zweiten Brotvermehruns: Bis in die Städte von Tyrus und Sidon hatte der Meister seine Tätigkeit ausgedehnt. Auf das eindringliche Flehen einer heidnischen Mutter hatte er dort deren Tochter vom Dämon betreit trotz der anfänglichen Antwort:„leh bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt“, Nun wandert er nach Galilka zurück. Sein Weg zog das Meer entlang. Welche Ge⸗ danken mögen ihn erfüllt haben beim Anblick des wogenden Blaus, über das seine Apostel Petrus und Faulus fahren sollten bis zur fernen Heidenwelt, während seinem eigenen Wirken die engen Grenzen des Hl. Landes gesetzt waren. Die Zedern des Libanon warten ihre Schatten auf ihn, das neu erbaute Cüsarea Philippi sandte seinen Grul, als er vorüber wanderte, um in das Gebiet der zehn Städte am Ostufer des Sees Geneésareth zu gelangen. Mit seinen Jüngern wWollte er allein sein in den Bergen. Doch er War nicht unbekannt. Der dort von einem bösen Gelst Gehellte hatte seinen Namen verbreitet, 8o sieht er sich bald umringt von einer kröähe- ren Menge, die ihn zu zehen und zu hören ver⸗ langte. Vahme, Krüppel, Blinde, Stumme brin⸗ gen zie mit und legen sle ihm zu Füüßhen. Das härrende Volle: Wicht nur Juden waren es, die durch die Propheten auf den Messias hingewiesen wWaren, Auch viele Heiden kamen, Dies iet nicht zu ver⸗ tumm an. Zusammen mit den Brüdern Grimm gaben sie die„Zeitung für Einsiedler“ heraus, in der Hölderlinsche Fragmente zwischen alt- deutschen Sagen und Märchen standen. Nach mehr als fünfzig Jahren sagt Eichendorff von dieser Zeit:„Ssie war selbst eine Feenzeit, da das wunderbare Lied, das in allen Dingen ge- bunden schläft, zu singen anhob, da die Wald- einsamkeit das uralte Märchen der Natur wie- dererzählte, von verfallenen Burgen und Kir- chen die Glocken wie von selber anschlugen und die Wipfel sich rauschend neigten, als ginge der Herr durch die weite Stille, daß der Mensch in dem Glanze betend niedersank. Es war, als erinnerte das altgewordene Geschlecht sich Plötzlich wieder seiner schöneren Jugendzeit.“ 1807— vier Jahre war es erst her, daß Heidel- berg aufgehört hatte,„Chur-Pfältzische Haupt- und Residentz-Stadt“ zu sein, 1803 war es an Baden gekommen, und zunter ihrem neuen Schirmherrn, dem Großherzog Karl Friedrich, kam die Universität nach Jahren des Verfalls rasch wieder zu neuer Blüte. In den letzten kurpfälzischen Jahren war die Besucherzahl auf einen Jahresdurchschnitt von neunzig Stu- denten gesunken, die fast ausschließlich aus Süddeutschland kamen; den tiefsten Stand brachte das Jahr 1802 mit achtundvierzig Stu- denten. Schon drei Jahre nach der Neugründung durch Karl Friedrich war die Zahl auf zwei- hundertdreißig gestiegen; vor allem aber hatte der Ruf Heidelbergs als Universitätsstadt wie- der so guten Klang bekommen, daß sehr viele Studenten aus Norddeutschland hierher kamen. Unter ihnen der Studiosus der Gottesgelehrtheit Heinrich Wilhelm Budde aus Unna in Westfalen, der von der Universität Halle kam. Nach der Erstürmung Halles durch die Franzosen im Oktober 1806 mit der anschließen- den Aufhebung der Universität und Ausweisung der Studenten durch einen Erlaß Napoleons war er mit einigen Freunden zu Fuß in die Heimat zurückgekehrt und hatte dort den Winter über auf bessere Zeiten gewartet. Schließlich, nach Ostern 1807, wanderte er mit seinem Freunde Strauß nach Heidelberg und sie verbrachten dort zwel Semester in einem Kreis, der für die Geschichte der Heidelberger Romantik nicht ohne Bedeutung ist: Graf von Loeben Usidorus Orientalis) gehörte ihm an und Joseph von Eichendorff. Erhabener Anblick des brennenden Schlosses Buddes Heidelberger Tagebuch, in das er auch die Abschriften vieler Briefe an Freunde und Verwandte aufgenommen hat, gibt uns ein lebendiges Bild dieser Heidelberger Zeit. Gein Enktel, der Marburger Theologe Karl Budde, hat es 1920 in den„Neuen Heidelberger Jahrbüchern“ Veröflentlicht.) Am Montag, 20. Juli 1807, trägt er in dies Tagebuch ein:„Conzert auf dem Schloß des Hornisten Ahl von Mannheim. Gegenwart des Erbprinzen und der Stephanſe. Köstliche Illumination, zahlreiche Beaumonde. Erhabener Anblick des brennenden Schlosses“. In einem begeisterten Brief an ein von ferne geliebtes Cousinchen schildert er den eindrucks- Vollen Abend dann noch einmal sehe eingehend: „Gestern war ich auf dem Schlosse, Wo ein großes Concert gegeben wurde durch die Ge- brüder Ahl aus Mannheim. Der Erzherzog mit der schönen Stephanie und einer bedeutenden Suite waren die Veranlassung des- selben. Heidelbergs Noblesse war ganz und gar da. Alle Güänge waren mit Spazieérenden gefüllt und beinahe 80 voll, daß das schöne Geschlecht leider wohl wenig seinen Wunsch, gesehen zu werden, mochte erreicht haben. Nach dem Con- cert war Illumination aller Gänge, und alle Terrassen des Gaäartens brannten von kleinen Lichtern, Der Pavillon mit seinen Kastanien- bäumen War vorzüglich schön erleuchtet, Hohe Triumphbogen mit unerträglich blendendem wundern. In der Dekapolis war Mischbevölke- rung.„Sie priesen den Gott Israels.“ Dles weist darauf hin, daßß die Heiden am allermeisten im Herzen erfaßt Wwaren. Schon einmal hatte er in der gleichen Gegend das Brot vermehrt. Damals waren die Jünger von Erbarmen erfaßt und baten, das Volk in die Städte ziehen zu lassen. Der Meister jedoch gab Auftrag, sie selbst soll- ten die Verpflegung übernehmen. Verzweifelt antworteten sie:„Wir haben nur 5 Brote und 2 Fische“, 5000 Männer hungerten aber. Die Frauen und Kinder waren gar nicht gerechnet. Sicher wWaren unter dieser großen Menge viele Festpilger. Das zweite Mal harrten die Menschen drei Tage lang aus. Der Meister selbst ergrift die Initiative. Seinen Jüngern wollte es nicht/ in den Sinn, daßb auch die Heiden solcher Wunder gewürdigt Werden sollten. Das Wunder jedoch, das sich bald in der gleichen Weise wie das erste Mal vollzog, lieſß sie ahnen: Auch die Hei- denwelt besitzt das gleiche Anrecht auf das messtanische Gemeinschaftsmahl wie die quden. Diesmal waren es 4000 Männer, dazu Frauen und Kinder. Es Waren„sieben Brote und wenige Fischlein.“ Sorgsam werden wieder die Stück⸗ lein gesammelt und aufgehoben. Des Wunders Uberzeltliche Bedeutung: Wir stehen vor der Tatsache: Der Herr hat eines seiner gröhten Wunder unter ähnlichen Umstünden zweimal gewirkt. Zwar kommen Uhnliche Wunder ökter vor, 2. B. Kranken⸗ heillungen. Aber eine solch genaue Frzählung der Wiederholung findet sich nirgends im Scheine am Eingang: alle Zweige der Kastanien- bäume mit kleinen Lampen behängt, wie mit goldnen, glänzenden Blüten. Und nun das Schloſßß— welch ein fürchterlich schönes Schau- spiel! Aus den Fenstern der alten Gemächer glüht das von innen brennende Fever, und spie- lende Flammen kühlen sich durch die grünenden Gesträuche an der Abendluft. Lodernde Flammen brechen aus den verfal- lenen Türmen hervor. Ein wunder- schöner und bloß durch das einzige Lokale mög- licher Anblick, Erst die tönende und schwärme- risch spielende Musik, dann weiter die bren- nende Burg, und fern hinter dem Schloß ragten dann die blauen Rheingebirge hervor, die matt vom Mondlichte beleuchtet, den treffendsten Kontrast zu dem glühenden Kolorit im Vorder- grunde bildeten. Unten der mit tausend Funken im Mondschein flimmernde Neckar und die Stadt, und rechts der Heiligenberg mit seinem wechselnden Helldunkel., Alles dies vereinigte sich zu einer seltsamen Gruppe, die sich selbst als Natur zu übertreflen schien.“ Illuminationen des Schloßgartens und einzel- ner! Teile des Schlosses mit bunten Lämpchen wurden schon früher ab und zu veranstaltet; aber diese eigentliche Schloßbeleuchtung des 20. Juli 1807 war die erste„richtige“, wenn auch nach einer Hauschronik der Heidelberger Feuer- Werkerfamilie Kesselbach schon um 1800„Niko- laus Kesselbach mit neunzehn Jahren seine Freude daran hatte, die Schloßgruinen durch Holz- und Strohfeuer zu beleuchten“. Die kleine nette Amazone Veranlassung zu diesem romantischen Feuer- zauber hatte die Rückkehr des Erbgroßherzogs Karl aus dem Felde gegeben; ein Teil des badischen Rheinbundkontingentes kämpfte damals in Spanien. Die von Budde erwähnte„schöne Stephanie“ ist Stepha- nie Beauharnais, die Nichte und Adoptivtochter Napoleons; auf Napoleons Wunsch Hatte sie sich 1806 mit dem badischen Erbgroßherzog ver- müählt. Sie begegnet uns auch im Heidelberger Tagebuch Eichendorffs, der von der„kleinen blauen, netten Amazone“ schwärmt, die er ein- mal im Schwetzinger Schloßgarten zur Guitarre hatte singen hören Eichendorffl, der mit Budde in herzlicher Freundschaft verbunden war, war fast gleichzeitig mit diesem im Mai 1807 nach Heidelberg gekommen und verlebté nach seinen eigenen Worten ein seliges Jahr im„himm- lischen“ Heidelberg. Sein Tagebucheintrag vom 20. Juli 1807 ergänzt Buddes schöne Schflderung der Schloßbeleuchtung noch durch einen Bericht Zeitschriflenlese: Sonntag, den 17. Juli 1949 über den Einzug des Erbherzogs in Heidelberg und seinen feierlichen Empfang durch die Hei- delberger Bürgermiliz: „Heute war der Tag, wo der hiesige Erbgroß- herzog das erstemal nach seinem jetzigen Feld- zug wieder Heidelberg besuchte. Baldnach- mittagssprengten Trompeterin der Stadt herum, um die Bürgerschaft zusam- menzurufen, die denn auch später zu Pferde und in reicher Uniform dem Großherzog ent- gegenritt. Darauf girig ich hinauf in den Schloß- garten, wo man die hohen Herrschaften mit einem Conzert empfangen wollte. Gen sieben Uhr abends endlich kam der Zug von drei Sechsspännern, begrüßt von detmn Donner der Kanonen, die von allen Bergen gelöst wurde als der Erbgroßherzog das Tor von Heidelberg er- reichte, und eskortiert von den reitenden Bür- gern und Kurieren, die vorn und hinten und zur Seite herumsprengten. Am Gartentore, wo ich stand, stieg alles aus und defilierte an mir vorbei. Der Erbgroßherzog, ein junger, schöner und kräftiger Mann; die Herzogin Stephanie fast zu frech. Später kam auch die Markgräfin, eine würdige Dame. Die hohen Herrschaften saßen während dem Conzerte in der Mitte in einem umzäunten Kreise, Nach dem Conzerte wurde die alte Burg durch innen anse- machte große Flammen erleuchtet, welches allgemein überraschte und durch die dunkele Nacht einen fürchterlich-schönen An- blick gewährte. Darauf soupierte der Hof in einer offenen erleuchteten Laube; ich aber balan- cierte dermaßen mit dem Lievländer von Brun- now auf einem Stuhle, daß ich den ganzen Tisch übersehen konnte, wobel denn besonders die Augenkoketterie und das schma htende Herz- andrücken der Stephanie sehr notable. Nachher promenierte man noch in dem jetzt recht zau- béerisch illuminierten Garten, bis der Großherzog endlich unter großem Donnergepolter abfuhr.“— Das also war die erste Schloſbeleuchtung. Sie unterschied sich noch sehr von dem Bild, das später— zum ersten Mal im Jahr 1860— mit der Verwendung des„bengalischen Feuers“ ge- boten wurde. Die aus den Fenstern schlagenden Flammen der im Innern der Gebäude aufge- schichteten Holzstöße konnten noch ganz un- mittelbar die Erinnerung wachrufen an das grau- sige Urbild dessen, was hier zum romantischen „kürchterlich schönen Schauspiel“ geworden War. Viele der Heidelberger Bürger, die an die- sem 20. Juli 1807 die Fuine im Glutschein der roten Flammen sahen, hatten es ja noch mit- erlebt, als dreiundvierzig Jahre vorher, in der Nacht jenes 24. Juni 1764, der doppelte Wetter⸗ strahl niederftuhr und das unzähmbare Feuer drei Tage und vier Nächte wütete, bis die gigan- tische Burg zerstört im Brandschutt lag,„nieder bis aut den Grund von den Wettern zerrissen“, Hans Christoph Schöli Der soldene Schnitt in der Natur Vom„goldenen Schnitt“ sprechen wir bekanntlich dann, wenn von einer Strecke, die geteilt ist, die kleinere Strecke sich zur größe- ren verhält wie die größere Strecke zur ganzen Strecke, Im letzten Heft des„Merkur“ macht nun Herbert Nette darauf aufmerksam, daß der sogen. Foldene Schnitt auch in der Natur vorkommt: Schon Kepler hat darauf hingewiesen, daß dieses Verhältnis häufig in der Pflanzen- Welt auftritt, besonders bei Blüten, in denen die Fünfzahl herrscht. Der genaue Nachweis, daß dies Verhälnis zahl- losen natürlichen Bildungen zugrunde liegt, wurde um die Mitte des vorigen Jahrhunderts vVon verschiedenen Forschern geführt. Im Pflan- zenreich sind es hauptsächlich die Blätter, fer- Evangelium. Darin liegen heilgeschichtlich wich- tige Momente. Dies Wunder wiederholt sich ständig, im Sakrament des Altars. Es wirlct nach Art einer Speise: Langsam, organischl Nur die Wiederholte Aufnahme dieser Speise kann jene Wirkungen erzeugen, die Gott für das Seelenheil des einzelnen will. Die Wiederholung ist von unabsehbarer Eindringlichkeit. Das „Brotwunder“ als wiederholte gemeinsame Feiler soll die ständig und unaufhörlich flièegßende Le- bensquelle für alles sein, viel mehr als die Be- tonung äußherlicher Normen und gesetzlicher Vorschriften.„Leib Christi“ ist der Organismus der Kirche. Auch die vollendete Verkündigung des Wortes kann nicht genügend ‚Brot“ sein. Nur vom lebendigen Leib Christi ständig ge- nährt, vermag sich alle Mühe um den sichtbaren Leib Christi zu lohnen, Der Jansenismus hatte anderes gepredigt. Er kam damit der Aufklä⸗ rung wie gewünscht entgegen. Es hat sich aber zum unendlichen Schaden für das kirchliche Leben ausgewirkt. Das Brotwunder ist ein Ausfluß göttlichen Mitleids mit den Menschen.„Mich dauert das Vollc, weil sie... nichts zu essen haben.“)“ „Sie könnten unterwegs verschmachten.“ Der Weg kennzeichnet unser Leben auf Frden. Das Sakrament ist eine Gabe der Barmherzigkeit Gottes für den Menschen, der wandert, Aber man mull bereits in der Gnade sein, d. h. ohne Sünde. Die bei ihm ausharren, gentlehen mit Frucht Sein Brot. Alle sind gerufen zum Ge⸗ nusse dleses Brotes;„Alle sollen eins werden, WIe Du o Vater in mir und ich in Dir“, Jh. 17, 21.) Killan Nrenk. ner Schuppen, Blüten- und Samenstände in hrer Stellung um eine Längsachse, an denen sich das exakte und häufige Auftreten des Gol- denen Schnitts nachweisen läßßt. Wo die Blatt- korm selber durch Einschnitte gegliedert ist. tritt auch hier der Goldene Schnitt häufig auf, und zwar um so regelmäfliger, je Vollkommenet und regelmäfliger die Flederung oder Spaltung der Blattspreite ist. Bei den Doldengewächsen gehört das Gegenteil zu den Ausnahmen. Bet Pflanzen geschieht auch die Gliederung det Stengels durch die Blätter nach dem Goldenen Schnitt, und zwar hier meistens nach oben z2u in fallender Reihe. Seit langem bekannt ist, daß der Goldene Schnitt in höchster Konstanz und Genauig- keit den Baugesetzen mancher Schnecken- hüäuser augrunde liegt. Verhültnismäßig neuen Datums dagegen lst die Entdeckkung des Tübinger Anatomen Prof. M. Heildenhain, daß auch dem Wachstums- und Sprossungsgesetz mancher tlertlscher Drüsen, insbesondere der Lungenbläschen der Goldene Schnitt zugrunde liegt. Veröffent⸗ licht 1925 in der Klinischen Wochenschrift.) Die Alveolen der Lunge gleichen Bäumchen mit endstündigen Scheitellenospen. Von den neu He- bildeten Tochterzweiglein bleiben immer einige im Wachstum zurück und zwar geschleht das in gesetzmäßiger Weise: die in den aufeinander- folgenden Stadien jewells vorhandene Zahl der Scheitelknospen des Bäumchens bildet eine Zahlenreihe, die genau die des Goldenen Schnitts ist: 1—2—-8—-6—-6—13— 21. Die Gefahr bel der Betrachtung solcher Ver- hültnisse liegt in der Versuchung, das organische Leben in mechanische Exaktheit einzufangen. Dabeli wird dann übersehen, da Form sich nicht mechanisch, sondern als höächster schöp- terischer Ausdruck über Unkorm und Vielform erhebt. Eine hinlängliche Interpretatlon, ohne Ratlonalismus und ohne Mystik, hat bisher allein Rudolt Pannwitz in seiner Naturphilo- sophle versucht. Er hat dabei als das Wesent⸗ liche gezeigt, dab der Goldene Schnitt vollkom. mener als jede andere Proportion die stetige Vermittlung zwischen verschiedenen Größen herstellt. Allgemein gefaßht, steht das Ubrigens schon bei Thomas von Aduln:„Man kann in der Schöpfung eine bewundernswürdige Ver⸗ Knüpftung der Dinge beobachten, denn wir ktin⸗ den, dal immer das niederste Glied einer höheren Ordnung mit dern obersten einer niod-⸗ rigeren Ordnune sieh bortührt.“