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iyro f 198. Offenburg , Donnerstag den 25. August

1870.

PsiMschc Rundschau.

Yffxuburg, 24. Aug. Wir erhalten folgendes Schreiben:

Herr Redakteur!

Urlauben Sie einem trotz einundzwanzigjäh­rigen Aufenthalts gestern aus Straßburg ver­wiesenen Deutschen eine Bemerkung zurPoli­tischen Rundschau" in Ihrem heutigen Blatte zu machen.

IN Straßburg ist keinKopf eines gefalle­nen deutschen Offiziers", sondern nur ein bei einem Ausfall erbeuteter Helm herumgetragen worden, und zwar nichtauf Piken", sondern auf dem Kopfe des Turko's, der ihn als ziem­lich bescheidenen Ersatz für drei den Ausfallen­den genommene Kanonen erbeutet hatte. Auch von säbelschwingenden Turko's und Suaven weiß man drüben Nichts, und die Bevölkerung von Straßburg ich rede nicht von der Poli­zei hat sich durchgängig nicht nur nicht feind­selig, sondern theilnehmend, liebevoll, hülfreich gegen uns Deutsche benommen.

Warum ich Ihnen das schreibe und Sie um gefällige Aufnahme bitte? Um Ihren Lesern einen durchaus grundlosen Groll gegen die von so hartem Schicksal bedrohten Straß­ burger zu benehmen und diejenigen, die etwa berufen sein könnten, persönlich in dieses Schick­sal einzugreisen, zu freundlicher Milde und Schonung zu stimmen.

Genehmigen Sie den Ausdruck meiner Hoch­achtung.

A. Grün,

Professor der deutschen Literatur.

Vorausgesetzt, daß der Verf. von allen Vor­gängen in Straßburg genau unterrichtet sei, veröffentlichen wir dieses Schreiben um so lie­ber, als wir die ordentlichen Bürger Straß- burgs durchaus nicht solcher Rohheiten für fähig hielten, wohl aber dieWackes", Turkos u. dergl. Leute, von deren Treiben leider nur zu viel Schlimmes verbürgt ist. Möchte die Beschießung des wehrlosen Kehl , der Verband­plätze und Anderes ebenso unwahr sein!

Die Redakt.

Karlsruhe , 23. Aug. Denjenigen, welche bei der jüttsten zwangsweisen Remontirung Pferde an die großh. Kriegsverwaltung abgegeben haben, wird es von Interesse sein, zu erfahren, daß die Bezirks-Finanzkafsen, auf welche die Anweisungen zum Empfang der Kaufsümmen ausgestellt sind, nunmehr die Ermächtigung erhalten haben, vom 5. des kommenden Monats an auf Vorlage der Anweisungen Zahlung zu leisten. Hier ist zu erwarten, daß um die Mitte des kommenden Mo­nats sämmtliche Pferdeverkäufer mit ihren Gut­haben befriedigt sein werden. (K.Z.)

München , 20. Aug. Rach denN. Nachr." sind die Konzilsbeschlüsse, trotz des Verbots der Negierung, im Pastoralblatt für das Erzbis- thum München -Freistng veröffentlicht worden. Prinz Otto geht übermorgen zur Südarmee und tritt bei feinem Regiment ein.

Berlin , 22. Aug. Auf einen Parlamentär mit weißer Flagge, der sich im Schritt mit bla­sendem Trompeter den franz. Vorposten bei Metz näherte, um Anträge französischer Aerzte im In­teresse französischer Verwundeter zu überbringen, ist am 19. von allen französischen Patrouillen, denen er begegnete, geschossen worden, so daß er umkehrte, nachdem sein Trompeter schwer ver­wundet war. Wir protestiren feierlich gegen die­sen Bruch des Völkerrechts. (Karlsr. Z.)

Palermo, 15. August. (Köln.Z.) Vorgestern wurde Josef Mazzini hier an Bord des von Neapel gekommenen Post-Dampffchiffes verhaftet. Die hiesigen Behörden waren, so sagt man, von Neapel aus von seiner bevorstehenden Ankunft in Kenntniß gesetzt worden.

Rom , 15. Aug. Es herrscht hier große Auf­regung^ über Mordthaten, durch Soldaten ver­übt. Ein Soldat aus der Legion Antibes töd- tete einen schlafenden Mann und verwundete eine Frau mit zwei Kindern. Eine Zuave er­schoß drei und verwundete zehn Bürger. Die Regierung erklärt beide einfach für betrunken. Niemand wagt mehr auszugehen. Die Truppen sind konsignirt, die Geduld der Bürger ist er­schöpft. (B.N.)

Paris , 22. Aug. DasJourn. Officiel" sagt: Da die Regierung wegen Unterbrechung der Telegraphenlinie von derRheinarmee " keine

Depesche erhalten hat, glaubt sie, daß der Plan

Bazaine's noch nicht gelungen ist. Die herrliche Haltung unserer Soldaten bei den verschiedenes Kämpfen mit dem numerisch überlegenen Feinde läßt das Gelingen weiterer Operationen hoffe» (!£ Der Feind ist in St. Dizier (ungefähr in de» Mitte zwischen Ligny und Vitry le franyais an der Marne ) erschienen.

Paris , 22. Aug. Officiell. Der Minister des Innern hat gestern ein Bulletin veröffentlicht, des Inhalts: Die Regierung habe seit zwei Tm-. gen keine Nachricht von der Rheinarmee.

Vom Kriegsschauplatz.

Mundolshrim, 19. Aug., Morgens. (Vom Spezialkotresp. der Karlsr. Ztg.) Die ganze Nacht und den ganzen Vormittag über hat das Schießen mit großer Heftigkeit fortgedauert. Es brannte wieder an mehreren Stellen. Gestern waren die Pfarrer und Geweinde- vorstände bis nach Erstein und Barr hin und noch über diese Orte hinaus (was etwa der Lage von Lahr auf badischer Seite entspricht.) hier und baten um Ermäßigung der ihnen auf­erlegten Leistungen. Obwohl einzelne dieser Ort­schaften sich sehr schlecht gegen unsere Truppen, benommen haben, so ließ man dennoch wenige, stens Einiges nach. In Schlettstadt erreM die überall an den Straßenecken angeschlagene Nachricht von derZurückweisung" der Preu-. ßen bei Metz großen Jubel und wurde eifrigst in der Umgegend verbreitet.

Abends. So eben erhalte ich Nachrichten aus Straßburg , welche eine ausgewiesene deutsche (jüdische) Familie mitgebracht hat. Heute Mor­gen find in der Weißenthurmgasse, her gegen Oberhausbergen zu gelegenen Vorstadt ge­wöhnlich als Faubourg national bezeichnet in Folge der Beschießung mehrere' Häuser ab­gebrannt. Die Bürgerschaft soll in Folge dessen mit verdoppelter Entschiedenheit die' Uebergabe der Festung verlangen. Es ist jedoch eine solche bis jetzt noch immer nicht zu erwarten. 11 ' Oberschäsfolshrim, 20. Aug. In Folge Un­wohlseins Sr. Ercellenz des Generalleutnant o. Beyer hat Se. Ercellenz Generalleutnant Du Jarrys Frhr. v. La Roche das Kommando der

Blicke i« ein dunkles Gebiet der Seele.

(Fortsetzung.)

Daß mancherlei Ereignisse und Schicksale lange vor ihrem Eintreten geahnt und vor­ausgesehen worden find, ist eine bekannte That- sache.

Die Geschichte Karl's XI. von Schweden ist ziemlich bekannt. Er sah nach einer weitver­breiteten und im Staatsarchiv beglaubigten Er­zählung, als er eines Nachts im Schlosse zu Stockholm , 1692, mit seinem Cabinetssekretair, arbeitete, einen Flügel des Palastes erleuchtet, in dem Niemand wohnte und welcher nur in ausnahmsweisen Fällen benutzt wurde. Er be­gab sich, wie er war, dorthin und sah zu seinem größten Erstaunen eine große Versammlung feierlich zu Gerichte über einen Missethäter si­tzen, der trotzig, aber bleich üud entstellt, dem Urtheilspruch entgegenharrte. Als der Monarch eingetreten, winkte man ihm, auf einem bereit­stehenden Sessel Platz zu nehmen, und von die- lem aus erlebte er in haarsträubender Spannung

die Verurtheilung und Hinrichtung des Ange­klagten. Ja, so lebhaft gewahrte er Alles sich ereignen, daß er den Kopf des Gerichteten blutend bis zu seinen Füßen rollen sah. Hierauf ent­stand plötzlich Dunkelheit und Karl XI. tappte mühsam zu seinen in Angst zurückgebliebenen Begleitern zurück. Am andern Morgen hat man an seinem Schuhwerk deutlich Blutflecke erkennen wollen. Gerade 100 Jahre nach die­ser Erscheinung ward Ankarström wegen Er­mordung Gustav's M. hingerichtet.

Die Prophezeihungen des Nostradamus am Ende des 16. Jahrhunderts find berühmt. In seinen gereimten Vierzeilen (guatrains) wollte man den Tod Heinrichs II. durch eine Verletzung des Auges im Lanzenstechen genau und umständ­lich angegeben finden.

Das sogenannte Leichensehen ist mehrfach in Deutschland wahrgenommen worden. Jung- Stilling sagt darüber Folgendes:Gewöhnlich äußert sich dieses Sehen so, daß eine damit be­haftete Person dann meist bei der Nacht ge­drungen wird, hinauszugehen, und zwar in die Nähe des Hauses, aus dem die Leiche heraus­

kommen soll; dann sieht sie den Zug mit allen auch den kleinsten Umständen. Daß bei dieser Sache viele Träumereien und Täuschungen mit unterlaufen, daran ist kein Zweifel, aber die Lache selbst hat ihre Richtigkeit und ist gewiß."

Der genannte Schriftsteller erzählt selbst mehrere Fälle, die sogar unter den Augen von Predigern passirt sein sollen, welche dagegen heftig eiferten, und zuletzt die Nichtigkeit solcher Vorfälle doch hätten einräumen müssen.

(Fortsetzung folgt.).

* Kehl , 24. Aug. Vorgestern kam eine Ab­theilung von Straßburg nach Ruprechtsau her­aus und füllte rasch ihre Säcke aus einem Kar­toffelfeld. Die im benachbarten Gehölz versteck­ten Preußen ließen sie ruhig machen, brachen aber auf einmal hervor und jagten sie ohne den Raub zurück. Bei der epuen BeschreHmg soll im Anwesen des Hrn. Benz der Wein auf. dem Keller in einen Brunnen sich ergossen und die Leute dieses sonderbare Wasser nachher ganz kurios verspürt haben. Seit gestern Abend die ganze Nacht durch wieder gewaltiges Schie­ßen.