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Lange^ Hon vor der Reformation wurde auf einige Stellen der Bibel hin der Glaube an Teufel, Teufelsbesessenheit und den Umgang des Teufels mit Hexen von hohe» und nieder» Geistlichen eifrig verbreitet; zugleich priesen die edlen Seelsorger ihre Weihen und Benedictiön- chen gegen den Gottseibeiuns und seine höllischen Gesellen an, und das bethörle Bolk kaufte Reli­quien, Amulette und sonstige geweihte Sächel­chen, ließ den Segen über sich sprechen und sich nit Weihwasser bespritzen, damit ihm der Böse ja nicht auf den Leib könne. Manche christliche Einfalt schätzte sich glücklich, wenn sie die At­mosphäre eines geweihten Priesters nur athmen ourste, da sie jetzt sicher war, daß^ sie der als brüllender Löwe umherschleichende satanas nicht verschlinge. Das Teufelsbnnnen aber und was darum und dran hing, v rschaffte den Geistlichen ein großes Ansehen bei den Schafsköpfen, in welchen dieser Teufels- und Hexenglaube spukte, und das Volk wußte doch auch, daß es seine vielen Zehrten und sonstige Nebengefälle nicht umsonst entrichtete, wenn seine Priester ihm die leibhaftigen Springinsfelde der Hölle vom Halse 'elten. Aber mit dem Teufel und den Heren rr noch mehr Macht zu gewinnen und Geld i verdienen, und die römische Kirche, welche ,re geistliche Industrie so trefflich verstand, daß e für ihre opfernden Gläubigen selbst das aus der Maria aus Palästina per Engel nach ^oretto inJtalichen" kommen ließ, die liebe Mutter Kirche wußte sich weiter zu helfen.

Der große Unfehlbare Jnnocentius der Achte, entdeckte in Folge Erleuchtung von oben, daß Ketzer Unzucht mit dem Teufel treiben, und be­auftragte mit Bulle vom 5. Dezember 1484 seine getreuen Ketzermeister Jacob Sprenger, Heinrich Jnstitoris und Johann Gremper, die in ihrem schauerlichen Henkersamte das Braten von Menschenfleisch schon practiciret hatten, mit der Ausrottung der ketzerischen Hexen durch Schwert und Feuer zu beginnen. Der wahn­witzige Fanatiker Domincanerpfaffe und Ketzer­meister Seiner päpstlichen Heiligkeit Jacob Sprenger aber schrieb auf diese erleuchtete Wei­sung desStatthalters Christi" das ewig blu- tigrothe Brand- und Schandmal, das da heißet Hexenhammer ", und mindestens hunderttausend unschuldige Menschen wurden nach dieser Teu­felei aller Teufeleien himmelschreiend grausam u Tode gemartert und mit zerfleischtem, zer- aartertem Leibe lebendig gebraten.

Alle hohen kirchlichen Würdenträger, die Kur- ürsten, Erzbischöfe, Bischöfe und Reichsäbte waren Landesherren, und sie gingen hin und rbauten Folterkammern und Holzstöße und füll­en ihre Kassen mit dem Blutgelde der gebra­tenen Opfer.

Sie aber, die Unfehlbaren in Rom , die höch­sten vom hl. Geiste erleuchteten Lehrer und Hir­ten des christlichen Volkes, welche ihren gottes­seligen Mund so oft zum Verfluchen fast jeden rdlen deutschen Kaisers öffnen konnten, haben ie auch ihren heiligen Mund geöffnet, um die- >em christlichen Volke zuzurufen:Unselige, bar­barische, tolle und blutdürstige Horde, sind das Werke der Liebe Christi?"

Nein, geehrter Herr Artikelschreiber, so haben die römischen Oberhirten nicht ihres Lehr- und Aufstchrsamtes gewaltet, sondern mit der von Wahnwitz triefenden Salbbung verrückter Bul­len nährendes Oel in die Ketzer- oder Hexen- Feuer gegossen!

Und die Kirche hat keinen Theil am Hexen- »erbrennen? Was meinen nun Eure Hoch wür­den? Was werden selbst Ihre Bauern dazu senken? Bei dem Verbrennen der Ketzer dürfen oir nach Obigem etwas kürzer sein. Hat der Staat oder die Kirche die Ketzer erfunden? Die Eirche war es, welche auch die Lehre, daß es Ketzer gebe und daß sie zu vertilgen seien, schon >or ihrer Entdeckung der Hexen verbreitet hat. Wer hat dem Staate empfohlen und geboten, H Ketzer auszurotten-? Haben nicht die Un- ehtbaren von Rom gegen die Ketzer geeifert u. Hausknechtsflüche gegen dieselben geschleudert? §at Rom nicht die Inquisition und sonstige Ketzergerichte eingesetzt und gebilligt? Gingen sie deutschen geistlichen Fürsten, Bischöfe und lebte nicht hin u. thaten desgleichen? Wissen Sie

nicht, wer den Kreuzzug gegen die edlen Albi­genser und Waldenser gepredigt? Haben Sie nie von dem römischen Legaten gehört, der als Bluthund die fanatischen Schaaren anführte, welche diese harmlosen Menschen tausendweise gegen Zusicherung von Ablaß todtschla- gen mußten?

Wahr ist. die Kirche hat ihre Verdammuugs- urtheile nicht selbst vollstreckt, die Ketzer und Hexen nicht eigenhändig gebraten, das hat sie wohlweislich den Henkern des Staates überlas­sen. Ja zu den unmenschlichen Schandthaten der Ketzer-und Hexenbrände hat die Kirche den Staat bei den von ihr aufgerichteten Holzstößen als Schürknecht sich ange- stelll! Aber, hoch würdiger Herr, ohne Jurist zu sein, werden Sie doch wissen, daß der Anstif- ter zur Unthat yon jedem Strafgesetze als ein größerer Miffethäter angesehen wird, als das blinde Werkzeug in den dirigirenden Händen des intellectuellen Urhebers der Schandthat,

(Schluß folgt.)

O Aus der Ortenau . (Oie Elias- Himmelfahrt und die Ketzer- und Hrxenoer- brennung.)

Gibt es wohl etwas Komischeres und Ein­fältigeres, als die Art und Weise, wie sich der hochgelehrte Anzeiger in dergleichen Disputatio­nen aus der Schlinge ziehen will? Er fuchtelt mit einer Stange aufs Gerathewohl in Nebel und Dunkel herum, um den vermeintlichen Geg­ner zu treffen, gerade wie weiland der große Held Donquixote auf seiner Rostnante gegen Windmühlen kämpfte. Da es ihm nicht gelun­gen ist, für Wagen und Pferde einen Marstall im Himmel aufzustnden, so sagt er ganz ein­fach, wie es jeder dümmste Bauer thut, wenn man ihm eine Dummheit ausreden will, man glaube an keinen Gott, an keinen Himmel und keine Hölle. So ist man am geschwindesten und leichtesten mit der Begründung des Gegenbewei­ses fertig. Ein gründlich gelehrter, strenggläu­biger Theologe scheint aber der Vertheidiger der Elias-Himmelfahrt nicht zu sein; denn als sol­cher müßte er doch den Artikel des römisch- katholischen Glaubensbekenntnissesabgestiegen zu der Hölle" kennen, und müßte auch wohl wissen, daß 4000 Jahre lang von Erschaffung der Welt bis Christus Niemand wegen der Erb­sünde in den Himmel kommen konnte, und daß der Erlöser erst nach seinem Tode zur Vorhölle hinabgestiegen ist, um die Altväter daraus zu befreien.

Somit haben wir nun neben dem mathema­tischen Beweis gegen die Unfehlbarkeit auch noch einen theologischen, daß es immerhin doch einige Tausend Jahre ging, bis Elias von der Vor- hölle-Station an den Ort seiner Bestimmung ankam.'

Daß nun der Hochgelehrte des Anzeigers mit Hilfe seiner vogelnestberühmten Weisen auch noch die Stirne hat, den Antheil der Kirche an den Ketzer- und Hexenüerfolgungen abzuleugnen, das grenzt doch wahrlich an das Unglaubliche. Nur den unwissenden Leuten, für welche eigent­lich der Anzeiger eristirt, kann so etwas weiß gemacht werden.

Wer leitete denn die Ketzergeschichte in Spa­ nien ? Kann es denn in Abrede gestellt werden, daß unter dem Großinquisitor Torquemado 8800 Personen lebendig verbrannt wurden? Kann wohl ein blutdürstigerer Priester je ge­lebt haben? Noch Eins.. . War die Kirche denn auch unschuldig an der Hinrichtung der Jung­frau von Orleans? Es ist doch wirkliche That- sache, daß Peter Cauchon, Bischof von Beau- vais, die Leitung des Prozesses übernommen hat und ihm noch der Stellvertreter des Groß- inquifltors von Frankreich , ein Dominikaner , als Richter und über 100 Doktoren der Theo­logie und Priester als Räthe beigegeben waren. So wäscht man sich die Hände in Unschuld, wie Pilatus! (Schluß folgt.)

Mosbach , 16. Nov. Welche Wohlthat der Vorschußoerein für das geldbedürftige Publikum ist, davon können Solche erzählen, welche in augenblicklichen Geldverlegenheiten bei der Vor- sch -ßoereinskafle Anshilfe erhielten.

Die Gelder dieser Kaffe müssen aber schon

nach einem %, höchstens nach einem % Jahr wieder rückbezahlt werden.

Anders verhält es sich, wenn der Bürgers­mann Kapitalien auf Liegenschaften aufzuneh­men genöthigt ist. Die Geldbesitzer kaufen sich Staatspapiere und können dann ihre fälligen Zinsen auf den Tag in Empfang nehmen. Wie mancher Landmann lief schon mehrere Wochen mit einer guten Taxation vergeblich herum und konnte endlich das Kapital nur gegen hohes Mackelgeld ausgemacht erhalten.

Wir begrüßen daher die Errichtung einer deutschen Hypothekenbank, welche sich mit hoher Slaatsgenehmigung in Mannheim gegründet und in den einzelnen Amtsbezirken ihre Vertre­ter hat. (Siehe die Anzeige in -diesem Blatt. Die Red.)

Die deutsche Hypothekenbank gewährt Dar­lehen wie wir gestern erfahren haben, bis drei Fünftel des Werthes auf 1. Hypotheke. Das Kapital kann vom Schuldner jever Zeit gekün­det werden, von Seiten der Bank ist es un­kündbar. Wir versprechen diesem Institute eine schöne Zukunft.

Prag , 27. Nov. (Pr.) Der Kaplan Pater Harrant wurde wegen Gutheißung unge­setzlicher Handlungen zu lOtägigem, mit zwei­maligem Fasten verschärften Arrest verurtheilt; der Staatsanwalt hatte dreimonatlichen Arrest beantragt. Ein sehr unangenehmes Aktenstück war für den Angeklagten das Zengniß des Ortsoorflandes seines Wohnorts. In dem Zeug- niß wird Herr Pater Harrant alsTrunken­bold",Kartenspieler" hingestellt,mit dem kein ordentlicher Mensch verkehre und der beim Kar­tenspiele auf die Gesellschaft des Gemeindehir- tsit angewiesen sei". Der Angeklagte spnngt wüthend auf und erklärt den Gemeindevorsteher für einenelenden Ehrabschneider"; der Ge­meinderath werde zusammentreten und in dieser Sache entscheiden müssen. So ein Zeugniß sei eine Unverschämtheit!

Nizza , 28. Nov. (N.Fr.Pr.) Es scheint General Garibaldi werde hierher, als in sei ne Geburtsstadt, überstedeln, und es wurde bereits eine Wohnung für ihn in Stand gesetzt.

Versailles , 30. Nov. (A. Z.) Das Schwurgericht hat heute 18 Pächter von Ram­ bouillet , welche des Verkaufs von Lebensmitteln und Futter an die deutschen Truppen während des Kriegs angeklagt waren, freigesprochen.

Bom Büchertisch.

Staat und Erziehung" heißt der Titel einer jüngst in englischer Sprache erschienenen äusserst interessanten Schrift von Dr. K. H. Schaible, Lehrer an der Königl. Militärakademie zu Woolwich, Erammator an der Universität London .

Der Vers., seit Jahren in England, nimmt an der daselbst aufgeworfenen Unterrichtsfrage lebhaften Antheil und führt uns zuerst in einer historischen Skizze das Staatserziehungswcsen von den ältesten Völkern bis auf unsere Zeit vor, um sodann im zweiten Theilc die staatliche Erzichungs- und Unter­richtsgestaltung in Deutschland von der Volksschule bis hmauf zur Universität und den höchsten Fach­schulen einer gründlichen Prüfung zu unterziehen U. den Engländern als Muster hinzustellen.

Seine Schlußfolgerungen sind:

1) Allgemein anregender unkonfesstoneller Volks­unterricht für alle Kinder vom 6 .bis 14 Jahre, für die armen unentgeltlich. Der Religionsunterricht ist Sache der einzeln Genossenschaften.

2) Staatliche Leitung und Beaufsichtigung der Volksbildung und des Gesammtunterrichts unter einem Ünterrichtsminister, dem ein Erziehungsrath zur Seite, Provinzial- und Ortsschulräthe, Staats- mspektoren für verbindliche Prüfungen der öffent­lichen und freiwillige der Privatschulen.

3) Einheitlicher Plan im ganzen Unterrichts- und Erziehunaswesen.

4) Gründung unkonfesstoneller Staatsschulen aller Grade für beide Geschlechter, je nach dem ört­lichen Bedürfniß.

5) Prüfung der Lehrer der verschiedenen Stufen vor einer zuständigen Schulbehörde und Gründung eines gehörigen Lehrstandes für alle Fächer. Blose Sckulhäuser thun es nicht; keine Armee ohne Führer.

6) Herbeiführung all dessen durch Gründung einer gehörigen Anzahl Staatserziehungsanstaltcn, und Vereinigung mit den bereits bestehenden.

Man sieht, so Manches ist nicht nur für England sondern auch für Deutschland noch zu erstreben und deßhalb äusierst beherzigenöwerth.