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Seife 4 Nummer 51

QastZoflt

Samstag, 28. Juni 1947

Berliner Reise

Von Erika Uhlig (2. Fortsetzung Schluß)

Angst

Ganz Berlin ist wie von einem tödlichen Fieber befallen. Das Fieber heißt Angst.

Werden wir verhungern? Wird es Krieg ge­ben? Was wird aus uns werden, wenn der Russe hier allein Zurückbleiben sollte? Beim Russen will keiner bleiben. So viel ist sicher.

Uber die außenpolitische Entwicklung und die militärischen Maßnahmen laufen Gerüchte um, täglich neue, täglich beunruhigendere. Man weiß jedoch nichts Bestimmtes und hält darum fatalistisch weiter aus. Die auch noch jetzt stattfindenden systematischen Zerstörungen der Bunker im Umkreis der Stadt sind etwas, was die Berliner persönlich übelnehmen. Jeder ein­zelne Bewohner drüben hat die Vorstellung, daß es überall bequemer und sicherer zu leben geht als in Berlin . Doch sind alle schon so sehr an Unsicherheit und an Gefährlichleben ge­wöhnt, daß sie trotzdem bleiben. Wq sollten sie auch alle hingehen? Außerdem; Berlin bleibt Berlin ... So schielen sie alle mit einem Auge aus dem Würfelbecher Berlin hinaus, und das Interesse, einen Fuß in der Heimatstadt Berlin zu haben und einen Fußschon sicherheits­halber" im Westen, ist nicht vereinzelt.

Das Straßenbild

Von den früheren Verkehrsmitteln fehlen nur noch das Taxi und für die deutsche Be­völkerung der Autobus. An verschiedenen Straßenkreuzungen müssen Schutzleute und Lichtampeln den Verkehr schon wieder regeln. Unregelmäßigkeiten und Gedränge, besonders in U-Bahn und S-Bahn, gibt es dort wie heute überall. Nicht wegzudenken aus dem Straßen­bild ist vor Lebensmittelgeschäften und Vor­verkaufskassen das Wahrzeichen unserer Epoche: dieSchlange". Sie erreicht auch dort erschreckende Längen. Tauentzienstraße, Leip­ ziger Straße und Unter den Linden sind so gut wie tot; der Kurfürsten dämm hat sich als Hauptgeschäftsstraße des Westens erhalten. Wenn man in dem Riesentrümmerbereich des früheren offiziellen Berlins heute die einst so Stolzen Linden entlang geht, wirft man leicht einen Blick auf das noch leidlich erhaltene Brandenburger Tor und wird etwas nach­denklich: Wie lange, fragt man sich, wird die rote Fahne, die oben an einem brüchigen, hohlen Stückchen Arm der Quadriga-Göttin angebracht ist, allen Winden trotzen können?

Abbau und begrenzter Aufbau

überall, wo man in Berlin hinsieht, wird ab­gerissen, werden Bausteine wie Bücherreihen gestapelt, wird zum mindesten in den nicht­russischen Sektoren aufgebaut. Der Abbau geschieht meist mit Hilfe von Drahtschlingen, an deren Seilenden Männer und Frauen ziehen, die entweder vom Arbeitsamt dazu gezwungen werden, oder vielfach auch freiwillig von Frauen, die hierfür zur nächsthöheren Lebens­mittelkarte kommen wollen. Im russischen Sek­tor wieder aufzubauen, ist ein noch größeres Risiko als in den anderen Sektoren. Man baut immer nur höchstens bis zur Grenze der Wahr­scheinlichkeit, daß der fertige Bau nicht be­schlagnahmt wird.

Nach dem letzten Winter, von dessen Härte man die ergreifendsten Schilderungen hört, ist jedermann in Berlin darauf bedacht, sich so schnell wie möglich winterfest zu machen. Das bedeutet, sich einen Raum ritzenfrei zu machen, möglichst Doppelfenster herbeizuschaf­fen und einen Ofen mit genügend Holz- und Kohlenvorrat in Ordnung zu haben. Wer kein Glas auftreiben kann, setzt abgelaugte Photo­platten oder Röntgenfilme als Fenster zusam­men. Auf jeden Fall geschieht etwas! Der

Berliner Ist rührig, erfinderisch und unermüd­lich auch dieser Verlegenheit gegenüber. Außer­dem hat man den Eindruck, daß die Industrie ] sich dort stark in erster Linie auf Herstellung ! des wirklich Notwendigsten einstellt. j

Auch im Großen denkt man schon wieder an! ; die kommende Not im nächsten Winter. Wie j i weit werden die sozialen Hilfsbemühungen, ! deutscherseits dieses Mal das Elend eindämmen ! können, wenn nicht genügend Einsicht und Hilfe von außen kommt?

| Von einem Sektor in den andern

j Der Übertritt von einem Sektor in den an­dern vollzieht sich ohne besondere Störungen. Der Engländer fällt mit seiner Zurückhaltung , in seinem Bereich angenehm auf. Im russischen Sektor, in dem die Namen der Straßen in , deutsch und in russisch angebracht sind,

| scheinen Erfahrungen vorzuliegen, wonach es : besonders Männern zu raten ist, hier gute Aus­weispapiere, möglichst russische, bei sich zu haben. Dieses Letztgesagte gilt im verstärkten Maße von der gesamten russischen Zone.

Ein sogenannterKopftausch", d. h. Wohn- wechsel von einem Sektor in einen anderen Sektor Berlins , ist dagegen ein äußerst um­ständliches und schwieriges Verfahren.

Kulturell: Es ist schon wieder viel los

In kultureller Hinsicht geschieht schon wie­der recht viel. Die Oper bringt ausgezeichnete Aufführungen im Admiralspalast , die Hand von Gründgens ist in den Kammerspielen zu spü­ren. Theater fStücke aus allen fünf Ländern), Konzerte, Vorträge bieten sich in Fülle wieder an. Doch wer hat Zeit dafür, klagen die Ber­ liner . Und trotzdem ist kaum ein Platz zu ha­ben, wenn man sich nicht rechtzeitig darum bemüht. Universität und Technische Hoch­ schule stehen unter starken politischen Aspek­ten. Alle vier Fremdnationen zeigen ihre besten Filme ohne Einschränkung dem ganzen Publi­kum Berlins . Es ist nicht zu leugnen, daß der Berliner durch die unmittelbare Berührung mit den vier Besatzungsmächten in seinem Blick stark geweitet wird.

Wenn Maler und Plastiker ihre Arbeiten am liebsten selbst behalten, weil sie sie nicht zu

einfachen ,Handelsobjekten" werden lassen möchten, ist heute dort mehr denn je begreif- j lick. Zum mindesten versuchen die Künstler j ihren Nameft erst durch Ausstellungen fest zu j begründen. Erschütternd ist der Notschrei, den ; man von Menschen hört, die gewöhnt waren, j geistig zu schaffen: Sie haben vielfach einfach j nicht mehr die Kraft und die Zeit, sich geistig ' zu sammeln.

Schlußspannung: Noch einmal die Grenze

Inzwischen haben wir wieder die Grenze passiert. Die kleinen Jungens mit den Wasser­eimern. aus denen sie den Reisenden an der Grenzstation zum Westen Trinkwasser anbie­ten für Scheine, nicht für Münzen sind nicht mehr zu sehen. Vor wenigen Minuten noch war Hochspannung im Zuge. Warum nur? Es hatte doch jeder nur ein bißchen Geoäck bei sich und jeder seinen Interzonennaß. Kurz, manche von denjenigen, die bis zur Grenze am wildesten erzählten, sind hinterher wie ge­platzte Seifenblasen spannungslos in sich zu­sammengefallen. Ja. es scheint für manchen doch eine etwas anstrengende Reise zu sein, auch wenn man in einem so bequemen und ordentlichen Zug fährt wie es der Interzonen­zug ist.

Vor uns sitzt eine Frau. Sie hat ein liebes, etwas verträumtes Gesicht, wie sie da über ihrem Buch gebeugt ist. Dann aber läßt sie sich hineinziehen in das Gespräch der übrigen Berliner Reisenden, in das große Thema Berlins : Wie komme ich zu was?" Und man ist noch einmal erschüttert über die Abgründe von Schlauheit. Gerissenheit und Kühnheit, die sich da vor einem auftun. Sie wundern sich? sagt sie. Sehen sie, ich habe zwei kleine Kinder. Wie so'l ich sie sonst satt bekommen? Und meine Kinder sind das einzige noch, was mir das Leben lebenswert macht, und was mir Kraft für diesen Kampf gibt. Ihr unschuldiges Lächeln

Unschuldig... Wie lange können Kinder in dir unschuldig bleiben, Berlin , du Stadt voller Not, Grauen und Verzweiflung? Wir sahen viel Trauriges.

Wenn wir wiederkommen, Berlin , wie wird es dann mit dir sein?

Götterbäume auf den Trümmern

Trostlos erscheinen dem Besucher von Freiburg die ausgedehnten Trümmerstätten. Aber auch sie bieten nicht nur ein Bild der Hoffnungslosigkeit. Ungeachtet aller Zerstörung drängen die Kinder Floras zum Licht und begrünen den Schutt. Be­reits verbirgt an vielen Stellen ein üppiger Pflan­zenwuchs die Trümmer der Häuser. Selbst Mauern sind bewachsen und lediglich die stei­len Fassaden haben das Leben abgewiesen. Für immer? Auch ohne den Eingriff des Menschen würden sie im Laufe der Zeit stürzen. Nach Jahr­hunderten bilden die Häuser von einst eine Flur begrünter Hügel. Die Stätte der Arbeit, der Freu­de und des unendlichen Leides vieler Genera­tionen wird von einer in der Farbe der Hoffnung prangenden Decke verhüllt. Ein in der Mensch­heitsgeschichte gewöhnlicher Vorgang, schmerz­lich und unfaßbar für die Betroffenen!

Nachdenklich durchschreitet der Naturfreund die zerstörte Stadt. Sein Augenmerk fällt auf eigentümliche Bäumchen, die hier in dichtem Be­stand die Schutthaufen begrünen und da einzeln zwischen den Trümmern sprießen. Sie tragen un­gewöhnlich große gefiederte Blätter. Haben sich Eschen zwischen den Ruinen angesiedelt? Die Be­schaffenheit der Stämmchen, das Vorkommen von Drüsen am Rande der Blättchen belehren über die abweichende Zugehörigkeit der seltsamen Schutt- pflanzen. Junge Götterbäume von üppigem Wuchs erheben sich auf den Trümmern! Das dem Bo­taniker als Ailanthus bekannte Gewächs be­schränkt sich heute mit mehreren Arten auf das

südliche und östliche Asien . Bei den Bewohnern der Molukken ist derAilanto ein Baum des Himmels und wird verehrt. Vor ungefähr 200 Jahren hat man die in den Bergwäldern des mitt­leren Chinas heimische Art nach Europa ge­bracht. Der Fremdling wurde zu einem beliebten Baum unserer gärtnerischen Anlagen und erreicht daselbst eine Höhe von 20 Metern. Junge Pflan­zen der unter dem wärmeren Klima der Heimat turmhohen Ailanthus sind bei uns frostempfind­lich. Trotzdem finden sich zahlreiche alte Stämme in den Anlagen, Vorgärten und an einzelnen Straßen des gesamten Stadtgebietes. Sie sind überwiegend von männlichem Geschlecht. Weib­liche Bäume entwickeln fast jedes Jahr die zu Rispen vereinigten Flügelfrüchte, die bei einer Form rötlich getönt sind.

Im Herbst werden die flachen Flügelfrüchte des Götterbaumes vom Winde über die Stadt ver­breitet. Ihre Samen sind häufig keimfähig entwik- kelt. In gewöhnlichen Zeiten fanden sie nur sel­ten ein geeignetes Keimbett und die wenigen Jungpflanzen wurden fast ohne Ausnahme zu Opfern der Winterkälte, Erstaunlich ist die seit dem auf die Zerstörung der Stadt folgenden Früh­jahr bemerkte Invasion de r Trümmerfelder durch den Götterbaum. Offenbar hat der lockere Schutt, die Entwicklung der Keimlinge sehr begünstigt Von der ohne Zutun des Menschen erfolgten Aus­saat sind die frostbeständigen Pflanzen erhalten geblieben. Ein deutliches Beisniel für den Wert der auch durch züchterische Maßnahmen zu be-

Das Quintett Pierre Jamet

In den letzten Wochen hatten wir das Glück, das Calvet-Quartett und das Trio Pasquxer zu hören. u*® Freunde der Kammermusik werden sich freuen, zu hören, daß auch das Quintett: Pierre Jamet eine Tournee in der Zone machen wird.

Das Quintett nimmt eine Sonderstellung unter den besten Kammermusikvereinigungen ein Um Pierre Jamet , Mitglied der Jury des Konservatoriums und Solist der Concerts-Colonne undLamoureux , sehen wir Künstler wie Gaston Gruneile (Flöte), Ren6 Bas (Geige), Georges Blanpein (Bratsche) una Robert Krabansky (Cello) versammelt.

Diese fünf Virtuosen vereinen eine erstauniicne Sicherheit mit einer Feinheit und köstlichen Leich­tigkeit. Dabei beherrschen sie ihre Instrumente mit absoluter Meisterschaft.

Da s Programm enthält eine Sonate von T e le­rn a n n , Duo in A-dur von Mozart , eine Serenade von Albert R o u s s e 1, eine Sonate von Claude D e b u s s y , eine Suite von Vencent d'Indy.

Pierre Jamet hatte den unvergleichlichen Vorzug, mit Debussy selbst die Sonate für Flöte. Bratsche und Harfe zu bearbeiten, die er 1917 uraufführte.

treibenden Selektion! Die im dritten Jahr stehen­den Bäumchen haben eine Höhe von fast drei Metern erreicht, wesentlich mehr als ihre in menschlicher Pflege aufgezogenen Altersgenossen. Von der ungewöhnlichen Kälte des letzten Win­ters wurden die jungen Götterbäume nicht ge­schädigt Die Ursache der besonderen Schnell- wüchsigkeit dieser Schuttbewohner ist uns noch verborgen.

Überraschen dürfte die Mitteilung, daß der Götterbaum einst zu unserer Flora gehört hat. Längst vor dem Erscheinen des Menschen war Ailanthus im Gebiet des heutigen Mitteleuropas heimisch. Unverkennbare Fossilien der Plügel- früchte hat man aus Ablagerungen geborgen, deren Alter nach Millionen von Jahren zu be­ziffern ist. So fanden sich solche Re. s des Göt­terbaumes z. B. bei Mülhausen im Elsaß und am Rande des schwäbischen Juras als Beweise seines einstigen Vorkommens. Durch die Vor­wehen der zur jüngsten erdgeschichtlichen Ver­gangenheit gehörenden Eiszeiten wurde mit ande­ren wärmeliebenden Gewächsen auch die Ailan­thus zum Aussterben gebracht. Nach langer Ab­wesenheit hat der Mensch den Götterbaum in die einstige Heimat zurückgeführt. Hier neigt das Gewächs des fernen Ostens zum Verwildern. Der Naturfreund betrachtet den Götterbaum mit Ehrfurcht. Heine Ahnenreihe erstreckt sich in die graueste Vorzeit. Älter als das Menschen­geschlecht ist de r Gölterbaum!

Verspricht die Invasion der Ailanthus in die Trümmerstätten uns einen Nutzen? Das sehr harte, schöngeaderte Holz der. hell gestreiften Stämme eignet sich zu feinen Tischlerarbeiten. Der schnelle Wuchs empfiehlt den Götterbaum für die Anpflanzung längs der Straßen, besonders mit Rücksicht auf die Notwendigkeit eines baldi­gen Ersatzes der zahlreichen Opfer der Axt. Die Anzucht ist nicht notwendig, da eine genügende Menge frostfester Bäumchen des erforderlichen Alters aus den Trümmern entnommen werden kann. Die Blätter der Ailanthus ernähren die Rau­pen eines Seidenspinners, der sich von dem be­kannten Maulbeerspinner durch die bedeutende Größe und lebhafte Färbung unterscheidet. Der Ailanthusspinner kann im Freien gezüchtet werden und liefert einen besonders kräftigen Seiden­faden. Die Seide dieses Schmetterlings durfte im alten Japan nur der Mikado tragen. Jede Aus­fuhr der Eier wurde mit dem Tode bestraft. Trotz­dem hat man den Schmetterling schon vor fast 100 Jahren nach Europa verbracht. In Frankfurt am Main und anderwärts ist der Ailanfhussnin- ner verwildert. Sollte der schöne Fremdling nicht auch auf unseren Trümmerstätten heimisch wer­den können? Abgesehen von der Möglichkeit eines bescheidenen Nutzens erscheint seine Ge­genwart der zunehmenden Verbreitung des Göt­terbaumes angemessen. Große Schmetterlinge, exotisch nach Aussehen und Herkunft, werden alsdann die spärlichen Straßenlampen der nächt­lichen Stadt umtaumeln. Und schwarzhaarige Schöne ergehen sich unter den Götterbäumen, in glänzende Mikadoseide gehüllt....

Prof. Dr. Franz Kirchheimer.

tJm die ersten zwölf Plötze ln der süddeutschen Oberliga

Die Debatten über die Neuaufstellung von zwei Gruppen ln der süddeutschen Oberliga haben zur Folge, daß alle Vereine versuchen, unter die ersten zwölf zu kommen, die bekanntlich dieerste Di­vision bilden sollen. Die restlichen acht Klubs sol­len dann mit den aufsteigenden Landesligameistern diezweite Division der Oberliga bilden. Nach den Spielen des 22. Juni würde sich also folgende Be­setzung ergeben: Liga I: 1. FC. Nürnberg, Wald­ hof Mannheim , 1860 München , Eintracht Frankfurt, VfB Stuttgart , Schwaben Augsburg, Kickers Offen­ bach , Stuttgarter Kickers, FC Schweinfurt 05, Bayern München , SpVgg Fürth, VfB Mannheim; Liga II: Viktoria Aschaffenburg, Ulm 46, VfL Neckarau, Karlsruher FV, BC Augsburg, FC Bamberg, Phönix Karlsruhe, Stuttgarter Sportfreunde, Wacker Mün­chen, VfB Mühlburg und der hessische Landesliga­meister.

Am kommenden Wochenende spie­len: BC Augsburg I. FC Nürnberg (0:1), Stutt­garter Kickers Aschaffenburg (0:2), VfL Neckarau VfB Stuttgart (1:5), Kickers Offenbach Bayern München (2:7), SpV Waldhof 1. FC Bamberg (0:0), 1860 München Eintracht Frankfurt (0:0), Ulm 1846 Karlsruher FV (1:3). Schweinfurt 05 Schwaben Augsburg (0:4), FSV Frankfurt VfB Mann­heim ( 1 : 2 ).

Was war mit Rucks los?

Die sensationelle Niederlage des Deutschen Mittel­gewichtsmeisters Dieter Rucks, der am Sonn, tag, wie bereits kurz gemeldet, von dem ehemaligen Ostpreußen Gahrmeister in der achten Bunde k.o. geschlagen wurde, beschäftigt nach wie vor die Gemüter. E s war Rucks 13. Kampf und viele, die dem Aberglauben nachhängen, haben dem Rhein­länder nichts Gutes vorausgesagt. Sie hatten recht behalten mit ihrer Unkerei. 22 000 Zuschauer er­lebten eine riesengroße Enttäuschung, denn schon nach der zweiten Runde übernahm Gahrmeister die Führung» trommelte beidhändig auf Rucks ein, und ; ln der vierten Bunde mußte der Titelverteidiger i erstmals zu Boden. Kurz darauf mußte er.dreimal t bisneun die Bretter auf suchen. Seine sonst so j flüssige Beinarbeit fehlte, ln seinen Schlägen lag nicht die Kraft früherer Kämpfe. Was war mit i Rucks los? Das war die Frage, die sich die Zu­schauer dieses sensationellen Kampfes stellten. Nach­dem Rucks ln der sechsten Runde wieder dreimal zu Boden gegangen war, schien er in der siebten Runde völlig abgekämpft. Im ganzen hat er 16 mal die schützenden Bretter aufgesucht, bis in der achten Bunde seine Sekundanten das weiße Tuch zum Zeichen der Auf­gabe in den Bing warfen.

Die Frage, wie es zu dieser Niederlage kommen konnte, ist noch nicht geklärt Die allgemein ver­breitete Annahme, daß Infolge großer Gewichts­abnahme ein zu sehr geschwächter Körper im Ring stand muß erst durch die Untersuchung der Ärzte Ihre Bestätigung finden.

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Die Stockholmer Olympia-Tagungen

In der dreitägigen Sitzung des IOK in Stockholm standen neben der Vergebung der Spiele für das Jahr 1952 worüber wir ln der letzten Ausgabe berichteten weitere aktuelle Fragen zur Dis­kussion.

Die Abstimmung über die von einem belgischen Delegierten beantragte Zulassung der Frauen zu den Wettbewerben im Turnen, Rudern, Beiten und Land­hockey brachte die Zulassung von Turnerinnen- und Ruderwettkämpfen, während Turniere im Hockey und Beiten abgelehnt wurden. Im weiteren Ver­lauf wurde der Bericht über die Winterspiele in St. Moritz genehmigt und der Schweiz zugestanden, einen Militärpatrouillenlauf als Demonstrationswett­bewerb durchzuführen. Das Programm der Winter­spiele wird Eishockey einschließen, nachdem. vom Internationalen Eishockeyverband die Erklärung vorlag, daß nur Amateurspieler qualifiziert werden.

Der zweite Verhandlungstag brachte die Anerken­nung der neu gebildeten Olympischen Komitees von Persien, Burma , Korea , Guatemala , Panama und Trinidad, während dem Freistaat Triest kein eigenes Komitee zugestanden wurde. Entgegen mancherlei Erwartungen wurde die Frage einer Ein­ladung Deutschlands und Japans zu den kommenden Spielen nicht erörtert, lediglich die erfolgte Neubil­dung eines japanischen Komitees wurde vom IOK zur Kenntnis genommen. Neue Sitze im IOK er­hielten Kanada . China , Indien und Österreich , so daß nun insgesamt 68 Mitglieder vertreten sind.

Der Olympische Cup 1947 wurde in An­erkennung seiner Verdienste dem Präsidenten J. S. Edstrdm zugesprochen. Allgemeiner Beifall fand der von einem tschechoslowakischen Delegierten eingebrachte Vorschlag, in allen Ländern Olympia . Tage durchzuführen.

Bund um Schotten

Das nach achtjähriger Pause erstmals wieder durch­geführte Auto- und MotorradrennenRund um Schotten" gestaltete sich zu einem sehr guten Erfolg. Die Leitung der Veranstaltung lag in den Händen des Wiesbadener Motorsportclubs und konnte trotz großer Disziplinlosigkeit der Zuschauer ohne größere Zwischenfalls abgewickeit werden. Nach einstimmigem Urteil aller Fachleute fand das Rennen auf einer Straßenrundstrecke statt, die endlich wieder einmal Format aufwies. Auf dieser 16,1 km langen Betonrundstrecke wurden seit 1925 vierzehn große Motorsportkonkurrenzen ausgetragen. Es handelt sich hierbei um einen schweren und heimtückischen Berg- und Talkurs, der auf Fahrer und auf Publikum eine besondere Anziehungskraft ausübt.

Trotz der trüben Witterung und der abseitigen Lage der hessischen Kreisstadt Schotten waren 76 000 Zuschauer gekommen Europameister Georg Meier (München ) fuhr auf BMW ir der Klasse bis 500 ccm über vier Runden von insgesamt 64,4 km in 32.05.8 Min. ( 120.2 std./km) Tagesbestzeit und neuen Strecken- rekord.

In der Seltenwagenklasse bis 1000 ccm siegte Her­mann Böhm (Nürnberg ) auf NSU in 38.54.5 Min. (99,5 Std./km).

Prachtvolle Kämpfe gab es in der Sportwagenklasse bis 1,5 Liter. Mölders (Offenburg ) auf MG und E b e r 1 e (Arzenheim) auf BMW lieferten sich wäh­rend der ganzen vier Runden einen heißen Kampf. Im letzten Augenblick geriet Eberle von der Straße ab und mußte aufgeben. Mölders hatte sich vorher schon einmal um seine Achse gedreht, erreichte aber doch glatt das Ziel in 38.22.4 Min. (100.5 Std./km).

In der 2-Liter-Klasse fuhr Schaufele (Wies­ baden ) auf BMW in 27.31.4 Min. (105,2 Std./km) Best­zeit der Sportwagen.

Biel erstmals Schweizer Meister

Die letzte Meisterschaftsrunde brachte für die Nationalliga alle notwendigen Entscheidungen Der Meister ist im FC Biel ermittelt, und die absteigenden Klubs in Young Boys und Urania Genf. Zwei Ereignisse sind erstmals in der Geschichte des Schweizer Fußballs, nämlich die Erringung der Meisterschaft durch Biel und das Verschwinden der Young Boys aus der obersten Spielklasse. Die Seeländer landeten ihren großen Couo ein halbes Jahr nach dem Jubiläum ihres 50jährigen Bestehens, die Stadtberner haben sich mit dem Abstieg einen Wermutstropfen in ihren Jubiläumsbecher verschafft, da sie während der nächsten Saison auf ein SOjähriges Wirken zurück­blicken können.

Fortschritt in der Weltleichtathletik

Es war zu erwarten, daß das große vorolympische Prüfungsjahr in der Leichtathletik erhebliche Leistungssteigerungen gegenüber 1946 bringen würde. Obwohl In Europa erst der Juli die internationalen Sportfeste und der Monat August die Länderkämpfe bringt und obwohl die USA -Meistershaften erst vom 4. bis *. Juli ln Lincoln stattflnden, kann der Vorjahresdurchschnitt bereits im Monat Juni als beträchtlich übertroffen gelten. Hier die derzeitigen Weltbestleistungen: 100 m: Davis - Tschechoslowakei und Marquez-Argentinien 10.6: 200 m: Patton-USA 20.9; 400 m: Cohrane-USA 47.5; 800 m; Hansenne-

Frankreich 1.49,8: 1500 m: Slijkhuis-Holland 3.51.9; 5000 m: Heino -Finnland 14.35,4: Kugelstoßen : Lipp- I UdSSR UM m, Diskus: Fitch-USA 54.33 m; Hammer: j Umedalen-Schweden 50 48 m: Hochsprung: Scotfield- i USA 2,02 m: Weltsprung: Steeles-USA 7,87 m; Stab­hochsprung: Smith - USA 4,42 m.

52. Deutsches Traber-Derby

Die schwerste deutsche Zuchtprüfung für Drel- ' jährige über 2400 Meter, das mit 120 000 RM dotierte Deutsche Traber-Derby, stand am vergangenen Sonn­tag im Mittelpunkt der Trabrennveranstaltung im Berliner Karlshorst . Der von J. Frömming gesteuerte IAvanti" kam zu einem überlegenen Sieg vorAl- Imasor" und .»lockeie". Selten war die Situation so

offen wie in diesem Jahre, da der WinterfavoritAI- masor zweimal versagt hatte. Karlshorst hatte einen Massenbesuch wie selten zuvor.

Holland Tschechoslowakei 1:2

Vor 50 000 Zuschauern unterlag im Amsterdamer Olympiastadion Hollands Fußballelf im Länderspiel gegen die tschechoslowakische Vertretung mit 1:2 Toren (0:1). Der Halbrechte Kubala brachte die Tschechoslowakei , vor der Pause in Führung und in der 79. Minute nach dem Wechsel erzielte der Mittel­stürmer Roozen den Ausgleichstreffer für Holland . Sechs Minuten später kamen die Gäste durch ihren Linksaußen wieder in Führung und jeglicher weitere Ansturm der Niederländer blieb erfolglos.

Süddeutscher Handballmeister: SV Waldhof

Der SV Waldhof hatte im Entscheidungsspiel in Ludwigsburg den VfL Oßweil als Gegner, den er mit 9:3 hoch schlug und sich damit die Süddeutsche Hand­ballmeisterschaft sicherte Die beiden noch ausstehen­den Spiele gegen München und Schwanhelm werden den Waldhöfern keine besondere Gefahr mehr be­reiten können.

Die Fußballmeisterschaft der britischen Zone

Vier westdeutsche und vier norddeut­sche Fußball vereine spielen im k.o.-System die bri­tische Zonen-Fußbalimeisterschaft heraus. Am ver­gangenen Sonntag wurde bereits die erste Runds durchgeführt, die ein klares Übergewicht des west­deutschen Fußballsports brachte. Borussia Dortmund , VfR Köln und Rotweiß Oberhausen gewannen ihr« Spiele gegen ihre norddeutschen Kameraden, ledig­lich der HSV und Schalke 04 trennten sich trotz Ver­längerung unentschieden 0:0. Obwohl die Knappen mit ihrenAlten Herren Kuzorra und Szepan spiel­ten. konnten die Hamburger den Westfalen die Luft nicht nehmen Die Begegnung wird nun am kommen­den Sonntag ln Gelsenkirchen wiederholt. Borussia Dortmund und VfR Köln stehen sich am Sonntag be­reits in der Vorentscheidung gegenüber, während Rotweiß Oberhausen auf den Sieger der Gelsenkir - chener Begegnung wartet.

Verbot von Motorradstraßenrennen in Bayern

Als Folge des schweren Unglücks, das sich bei dem Automob' 1 - und Motorradrennen in München Rund um die Bavaria ereignete, wobei 7 Personen um* Leben kamen und zahlreiche andere Zuschauer ver­letzt wurden, hat das bayerische Innenministerium Straßenrennen für motorisiert« Fahrzeuge in ge­schlossenen Siedlungen verboten.

Ehepaar Baier darf wieder starten

Fast zwei Jahre haben die Baier* einen Kampf um ihr Prestige als Sportler geführt. Jetzt endlich er­hielten sie den Spruchkammerbescheidnicht be­troffen, und von nun an wird man das vierfach# Weltmeisterpaar wieder auf dem Eise sehen können. Maxi" hat inzwischen einem kleinen zukünftigen Weltmeister das Leben geschenkt.