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ten resultieren würde, dürfte jedoch noch wesentlich unangenehmer sein. Nur eine Verständigung zwischen der Sowjetunion und dta Vereinigten Staaten von Amerika wird Deutschland in jenen Zustand ver­setzen, in «fern ec tatkräftig an seinen Auf­bau gehen ka nn.

Berliner Spiegel

Telegramm unseres A.G.-Korrespondenten

Berlin . Die Aufmerksamkeit Berlins ist gegenwärtig in hohem Maß auf die Emäh- rungslage gerichtet. Die Ernährung und die Verhältnisse in der Landwirtschaft in West- und Ostdeutschland sind im Parteien- und Pressekampf Berlins zum Ausgangspunkt der Polemik geworden. Die russisch lizen­zierten Blätter berichten seit Tagen aus­führlich über Hungerdemonstrationen im Westen und stellen diesen in Großaufma­chung die Durchführung der Frühjahrsbe­stellung in der Ostzone gegenüber.

Gleichzeitig erfolgt die Veröffentlichung langer Berichte und Artikel in russisch li­zenzierten Zeitungen, daß die zonale Poli­tik in die Sackgasse geraten sei. Damit sei der Beweis geliefert, daß ohne Wirtschafts­planung kein Wirtschaftsaufbau möglich sei. Die Handelsabteilung der Zentralverwaltung für die russisch besetzte Zone gab bekannt, daß' in den Monaten Februar und März im Interzonenhandel die Lieferungen der Ost­zone die der Westzcxnen übersteigen. Den geringen Umfang dieses Handels zeigt die Aprilziffer von 50 Millionen Mark.

Seit Ende März werden in der Provinz Brandenburg alle Lebensmittel im Rahmen der sog. Aktion gegen Hamsterer und Schie­

ber von der Polizei beschlagnahmt, selbst wenige Pfund Kartoffeln. In fünf Wochen wurden allein rund eine Million kg Kar­toffeln beschlagnahmt. Das ist die tägliche Ration für etwa 2 V 2 Millionen Verbraucher, rechnet der britisch lizenzierteTelegraf".

In einem gewissen Zusammenhang mit diesen Wirtschaftsfragen stehen die Erör­terungen über eine gesamtdeutsche Vertre­tung, die durch die bayerische Einladung akut geworden sind. Die SED beschloß, dem Ministerpräsidenten der russischen Zone die Entscheidung über eine Teilnahme selbst zu überlassen. Die SED -Presse polemisiert ge­gen die bayerische Einladung, auch wenn sie sie offiziell als Schritt zur gesamtdeut­schen Verständigung anerkennt. Diese poli­tischen Spannungen ebenso wie di* Eraäh- rungsprobleme lassen in Berlin immer stär­ker die Meinung aufkommen, daß eine ge­samtdeutsche Klärung der Situation erfor­derlich ist.

Berlin am Mittag verboten

Berlin . Die ZeitungBerlin am Mittag", die die Stelle des früheren populären Berli­ ner ,,B.Z. am Mittag einnimmt, wurde zum zweiten Male durch das sowjetische Mili­tärkommando bestraft. Die B.a.VL wird ver­boten und hat eine hohe Geldstrafe zu zahlen. Die Strafmaßnahmen wurden gegen die Zeitungergriffen, weil sie mehrfach die französische Regierung angegriffen hatte. Im einzelnen hatte sie einfließen lassen, daß Ramacher unter der politischen und fi­nanziellen Einwirkung der Vereinigten Staaten sich von den kommunistischen Mit­gliedern seines Kabinetts getrennt habe.

Britisch-sowjetische Bündnisverhandlungen

London . Die Verhandlungen über eine Revision des britisch-sowjetischen Bündnis­vertrags werden z.Zt. in Moskau fortge­setzt, wie -aus gewissen politischen Kreisen Londons verlautet. Bekanntlich hatte Molo- tow zu Beginn der Moskauer Konferenz der britischen Regierung einen Vertragsentwurf vorgelegt, der jedem der Partner untersagt hätte, sich mit einer anderen Macht zu ver­binden, sobald diese alsnicht freundschaft­lich eingestellt betrachtet würde.

Nachdem dieser Vorschlag von den Eng­ländern nicht angenommen werden konnte, hat sich das Foreign Office entschlossen, einen Gegenvorschlag auszuarU eiten, der der Sowjetregierung vor einigen Wochen überreicht wurde.

Es scheint, daß die sowjetische Regierung hierzu Sir Maurice Peterson, dem Botschaf­ter Großbritanniens in der UdSSR , bereits mündlich Kommentare gegeben hat, wäh­rend noch keine formelle Antwort an die

Russisdier Besuch beim Südkurier

Am Samstag, den 17. ds. Mts., erhielt die Redaktion desSüdkurier" den Besuch eini­ger russischer Presse-Offiziere, die sich ein­gehend und mit viel Verständnis über die redaktionelle und technische Arbeit in unse­rem Betrieb unterrichteten. Vbr allem in­teressierte sie die neuartige Zusammen­arbeit der vier Parteien in der Redaktion, die es ermöglicht, die überparteiliche Hal­tung der Zeitung und trotzdem die weit­gehende politische Information der Leser­schaft zu gewährleisten. Die russischen Of­fiziere besichtigten auch die technischen An­lagen unserer Zeitungsherstellung und zogen mehrere Arbeiter ins Gespräch. Der Besuch, dem auch französische Verbindungs­offiziere beiwohnten, war für unsere Re­daktion außordentlich interesant.

Wirtechaftssorgen in Südbaden

In Nr. 39 vom 16. Mai 1947 ist uns in dem auf Seite 1 veröffentlichen Bericht übeT die Wirtschaftssorgen in Südbaden ein Ueber- tragungsfehler unterlaufen. Die im vorletz­ten Absatz genannte Ziffer von 400 Milliar­den Franken bezieht sich nicht allein auf die von Deutschland während der Besetzung Frankreichs vorgenommenen Demontagen, sondern auf sämtliche in diesem Zeitraum erfolgten Entnahmen aus der französischen Wirtschaft.

britische Regierung erfolgte. In diesen Kom­mentaren sollen die Sowjets einige' Präzi­sierungen zu verschiedenen Punkten ver­langt haben.

Man erwartet daher in Londoner politi­schen Kreisen, daß Molotov in Bälde Bevin davon in Kenntnis setzen wird, ob er den britischen Gegenvorschlag als Basis für die weiteren Verhandlungen annimmt oder nicht.

Byrnes über den Frieden

Washington . Sowohl in der Sowjetunion wie in den Vereinigten Staaten wird zuviel vom Krieg und zuwenig vom Frieden gesprochen, erklärte der frühere amerikanische Außenminister James F. Byr­ nes , als ihm von einer Anzahl internationa­ler Clubs eine Auszeichnung für seineun­ermüdlichen Bemühungen um den Welt- Frieden verliehen wurde. Er fügte hinzu: Ich bestreite, daß ein Konflikt unvermeid­lich ist.

Byrnes , der jetzt in Washington seiner Rechtspraxis nachgeht, sagte: Das sowjeti­sche Volk wünscht keinen Krieg. Sollte es zu einem Kriege kommen, dann nicht, weil ihn die Völker wünschen, sondern auf Grund der Unfähigkeit derjenigen, die die Welt regieren. Aber ich glaube auch nicht tn einen Bankerott der Diplomatie, im Gegenteil: Wir können Frieden machen und Frieden halten.

Wir haben der Sowjetunion klargemacht, erklärte Byrnes weiter, daß sie die Frie- densbedingungen nicht diktieren kann, und wir müssen uns selbst darüber im klaren sein, daß auch die Vereinigten Staaten diese Bedingungen nicht diktieren können.

Nitti bildet italienische Regierung

Rom . Francesco Nitti erklärte vor Presse­korrespondenten, daß er bereit sei, den Auftrag zur Bildung eines neuen Kabinetts zu übernehmen. Er fügte hinzu, daß er sofort mit der Aufstellung der Kabinetts­liste beginnen werde

Er hoffe, ein Kabinett zu bilden, sagte Nitti, das Gruppen von den Kommunisten bis zu den christlichen Demokraten unter Ausschluß der Rechtspartei und Qualundue, der Liberalen und der Monarchisten, um­fassen werde, und daß Dienstag die Kabi­nettsbildung erfolgt sei.

SODKURIER

Deutsche Wissenschaftler in USA

Frankfurt . 350 deutsche Wissenschaft­ler und Techniker, di« in den USA ihre Forschungsarbeit fortsetzen, haben Amerika auf dem Gebiet der Forschung bereits um 10 Jahre vorwärts gebracht, gab das ameri­ kanische Hauptquartier in Europa bekannt.

Die deutschen Fachleute, die im Rahmen der OperationHeftklammer" nach Ameri­ ka gebracht wurden, setzen dort, wie es in der Mitteilung heißt, unter der Aufsicht der Regierung der Vereinigten Staaten ihre Ar­beit fort und haben den Vereinigten Staa­ ten bereitsMillionen von Dollar s erspart". Ein großer Teil der Gruppe verfüge, wie es weiter heißt, übet keine Erfahrung in mili­tärischer Ausbildung. Er werde zu Forschun­gen auf dem Gebiete der Physiologie, des Krebs, von Textilien, Getreide, Fotografie, Chemie, Meteorologie und Metallurgie her­angezogen. Das amerikanische Kriegsmini- sterium habe bereits bekanntgegeben, daß es bald deutsche Wissenschaftler für die In­dustrie freigeben wolle, wo sie unter Auf­sicht des Handesministeriums arbeiten sollen.

Weiter wird in der Verlautbarung betont, daß alle Deutschen auf freiwilliger Basis an­gestellt werden. Sie unterzeichnen einen Vertrag auf eine Probezeit von sechs Mo­naten, der ihnen täglich 5 bis 10 Dollar ga­rantiert, die in deutscher Währung an die Familie ausgezahlt werden.

Wenn der deutsche Wissenschaftler sich als wertvoll für die amerikanische Militär­forschung zeigt, so heißt es in der Mittei­lung weiter, werde sein Vertrag verlängert und seine Familie darf zu ihm nach den USA kommen. Niemand, der irgendwelche Verbindungen zu Nationalsozialismus oder Militarismus hatte, werde nach Amerika ge­bracht.

Kein Verfahren gegen Maier

Stuttgart . Der öffentliche Kläger im Verfahren gegen den württembergisch- badischen Ministerpräsidenten Dr Rein­ hold Maier , Erwin Stumpp, erklärte, er habe mit Zustimmung des Ministers für politische Befreiung, Gottlob Kamm, die am 23. Januar dieses Jahres von Franz Karl Maier gegen Reinhold Maier einge­reichte Klage zurückgezogen und das Ver­fahren gemäß Artikel 33 Absatz 5, einge­stellt, da die Prüfung der Beweismittel ergeben habe, daß Dr. Maier vom Gesetz nicht betroffen sei.

Högner nicht mehr im Vorstand der bayerischen SPD

Landshut . Auf dem Landesparteitag der SPD Bayerns wurde Waldemar von Knöringen zum ersten Vorsitzenden ge­wählt. Es sprachen Erich Ollenhauer , der zweite Vorsitzende der SPD und Franz Neumann , Berlin . Ollenhauer führte aus: Ob die Demokratie sich bewähren wird, hängt nicht allein davon ab, ob freie Wah­len stattfinden, sondern, ob die Militär- regierungen bereit sind, die selbst gewähl­ten Reg' rungen mit echten, demokrati­schen Verantwortungen auszustatten.

Der wesentlichste Diskussionsgegenstand var die Frage des Verbleibens ln der Koa­lition mit der CSU und WAV. Mit über­wältigender Mehrheit wurde beschlossen, aus dieser Koalition auszutreten, wenn die Partner die Grundlage der SPD nicht mehr akzeptieren wollten.

Münchener Spiegel

M ü n <h e n. Streik, Brotversorgung und die Konferenz der Ministerpräsidenten in München sind die Hauptthemen der öffent­lichen Diskussion. Die Gewerkchaften ha­ben Streiks in Aussicht gestellt, wenn die Bfotversorgung nicht besser werden würde. Dr. Baumgartner fährt in der Pfingstwoche zusammen mit dem Miiitärgouverneur für Bayern , General Müller , ins Ruhrgebiet , um dort verständlich zu machen, daß in Bayern weder Milch noch Honig fließt.

Wirtschaftsminister Dr. Rudolf Zorn hat bekanntgegeben, daß Mangelartikel wie Rasierklingen, Nähnadeln und Zündhölzer demnächst vermehrt auf dem Markt kom-

Üieuauig, ZU. Mai 1947

Überraschender Schweizer Fujjballsieg

Englands Beruf sfußb aller ln Zürich 1:0 geschlagen

(Von unserem nach Zürich entsandten A. St.-Redaktionsmitglied)

Zürich gehörte einmal zw , .süddeutschen Me­tropole der Fußba-Udelikatessan, vor allem dann, wenn der bisher häufigste Schweizer PuQbalägegueff, Deutschland , und englische, österreichische und italienische Ländennaimn- schaften aiuf dem Hardturmsiportplnitz gegen die Eidgenossen antra ten.. Was den meisten deut­ schen F iiübatlfnstmcbeo des Gnenntamdes versagt bleibt, das bietet ihnen die Radio-Sportreportage von Beromünster , und es waren nicht wenige, die am Sonntag nachmittag wenigstens kn Geiste die glücklichen Kartenbesditner zum Spiel Schweiz England auf dien Graßhoppenpilatz be­gleiteten. Der UeflSibeng grüßte wie vordem

diesmal ans tiefliängemdee Regenwolken zum Stadion herüber, der Rasenteppich ist Intimer noch saftig grün. Die Straßenbahnen {ahnen in ununterbrochener Kette zum Schauplatz des gro­ßen Kampfes, elegante Autos, vom ldtednoten bis zum schwerenAmerikaner", gleitet: in endlo­ser Reihe über den glatten Asphalt, Kioske und Straßemverkäufer bieten welch friedüäches Bild

wieder Eis, Schokolade, Limonade, Bonbons, Bananen und Orangen zum Verkauf. Nur die Spiefarena hält nicht mehr Schritt mit dem wach­senden Zuschanerandrang bei Großveranstaltun­gen. 34 000 füllten die Ränge emschldeßl'idi ei­ner Statalnottrabüne bi« dicht an die Markierun­gen heran. Die Schweiz braucht gut und gern eine Anlage für 5000060000 Zuschauer. So wa­ren die Karten schon Tage und Wochen vor dem sonntäglichen Großeredgrare vergriffen. Immerhin war ein Kuriosum festzustelllen: bis zum Spiel­beginn waren im Schleichhandel Eintrittskarten zu stark übersetzten Preisen zu erhallten (!).

Unter den 34 000 gab es nur wenig Optimisten, die mit einem Schweizer Sieg rechneten. Fach­leute lächelten darüber. Sie wußten: Die Tech­nische Kommission dos SFAV sah sich bis zum Sonntag vormittag Aufsteüungsschwterigkeiten gegenüber. Die NatdonalfußbaiiQier sind über­spielt, manche außer Form, Torhüter-, Läuter- und Stürmerpnebleme sind wegen Verletzung ei­niger Akteure ungelöst. Und das Florenzer 2:5 gegen Italien beleuchtete blitzartig die National- Elfmiisere. Wer wollte einer eidgenössischen Notflösuingismamnechaft Chancen geben? Einer Elf, in der Bickel seit Jahren erstmals wieder Mit­telstürmer spielen sollte, in der notgedrungen ein Seitenläuferoeuling (Belli) zum Zug kam, ln der man vergebens auf die Wiederherufung dies Mittelläufers Andreöli wartete usw.I Ausgerech­net für den Kampf gegen die FußbaKlgroßmacht England , die alle fünf Treffen der Saison ge­wann und in der fünf Akteure der erfolgreichen Großbrifanmtenmaninschaft vom Spiel gegen den Kuntiraent standen: Swift, Haidwidc. Mannion, Lawton und Matthews.

Umso überraschender konstatiert man den nicht einmal unverdienten Erfolg, den edme mit­unter schwungvoll, witzig und vor allem zweck­mäßig in die Tiefe spielende Schweizer Elf errang. Sie wußte, daß sie gegen einen haus­hohen Favoriten antrat, dessen Nimbus ihr an­fänglich ordentlichen Respekt einjagte. Die fa­mosen englischen Athleten, vielleicht ihrer Sache zu sicher, demonstrierten ihre technische Ueber- legenheit ihre Bailsicherheit, prächtige Ballfüh­rung. weniger aber ihre viel gerühmte Schuß­kraft. Sie spielten verhallten und ließen sich of­fensichtlich viel Zeit in der Brertenkombinafion

bis es zu spät war. VonHopp Schwyz"-Ru- fen angefeueet, legten die Träger des weißen Kreuzes verschiedene Abwefcrmängol ab, als sie fesbstelten, daß ihr ebenso spezieller wie origi­neller Schiachtplan den Briten nicht ins Konzept paßte: Der Schweizer Riegel Gyger - Steffen mit Boquiet als linke Assistenz wurde immer eiser­nen Mittelstürmer Bickel postierte sich gewis­sermaßen als zweiter Mittelläufer neben Eg- gimamm, um den Abwehrbtock zu verstärken und vorn sorgten Amado, der sein 50. Länderspiel bestritt, Fatton und Pink mit sachlichen, weit- steil angelegtem, lebhaftem Angriffsspiel für eine bemerkenswerte Entlastung der hinteren Reihen.

Das Spiel wurde nun ausgeglichener, und als Linksaußen Fatton in der 26. Minute nach ei­nem Amado-Paß von der Tonreiumgreinze aus (unter Mitwirkung dies englischen Verteidigers Scott?) die Schweizer 1:0-Führuag schaffte, be­kamen die Gastgeber noch mehr Auftrieb. Ver­geblich wartete man als Antwort darauf auf energische britieche Attacken. Die Inselbewoh­ner vertrauten scheinbar weiterhin ruhig, wenn auch mit" Klasse verratendem Spiel auf ihre Reserven" und aiuf die zweite Halbzeit. Zwar waren sie raun mit die Situation beherrschenden offensichtlichen Chancen dem Ausgleich näher, als die Schweiz einer wegen foul (Fink) zunüek- gemommeraen 2iO-Fühirung.

Dieser Umstand machte den Engländern den Ernst der Lage klar imd ae verliehen ihrem

Spiel nunmehr metor Drude. Vor aitem Matthew«, Carter und Mammon waren die Träger des im­mer stärker werdenden Angriffs. Der Torjäger und sdmßgeweCÜige Lawton, immeT wieder mit Matth e w s - Fl unken bedient, sollte der VolSstrek- ker sein. Et kam weniger zum Schluß, als im Zweikampf mit Gyger-S reffen zu mehreren wuch­tigen Kopfbällen, die der machtlose Bailabdo we­nige Zentimeter an den Pfosten vurbetzieben sah. Mit vorbildlich: 1 : Beherrschung ließen sich die Engländer nach deT Pause ein (Abseits?)-Tor ab­erkennen, ebenso später die Schweizer . Mit zu­nehmender Zeit legten die Engländer ihre Schnellkraft, ihren körperlichen Einsatz ins Ge­wicht und demonstrierten das kflassisch-faine An­gehen de® Torhüters, das den Schweizer Zu­schauern gar nicht gefiel Dar beispielhafte Schweizer Abwehrgeiist und Pech der Engländer ließ den Rest dies Spieles ohne weitere Erfolge verstreidien.

Es war aber nicht das Pech allein, das jeden englischen Exfolg vereitelte. Wir sahen die Eng­länder (z. B. beim 6:2 gegen Deutschland in Berlin ) schon weitaus etnsatzfreudtger, schnel­ler, kraftvoller und bei alleT uirrwerksmäßigan Präzision begeisternd schwungvoll spielen. Wo blieben auf dem Hairdtunm-SportplBtz die viei- gerühmten unheimlich sattem Schüsse aus jeder Lage? Der Sturm sipdeite und verspielte sich öf­ter als notwendig im wuchtigen und vietma- schigen Schweizer Abwehrnetz. Zwar beherrschte der englische Abwehrblock nach Stoppersystem den eigenen Strafraum, löste sich jedoch in den wiederholten Draragperioden zur OHensdvtätig- keit, die den famosen Schweizer Stürmern bei wiederholten Steilpässen zu den Flügeln Vor­teile verschafften. Der Schweizer Sieg nach drei Heimspieienfoligen gegen Eng­ land (1938 in Zürich 2:1 und 1945 in Beim 3:1) wird dem Schweizer Fußballisport über die kilez- ldche Florenzer Niederlage hinweg neuen Auf­trieb und neue Hoffrauragen geben, zumal sich in der Schweizer B-Mamraschaft beim 5:0-Sieg gegen Luxemburg am Samstag in St. Galten er­freuliche Nachwuchsperspektiven zeigten.

Die Schweizer Elf: Bailabioi Gyger, Steffen: Belli, Eggtmann, Bocquefs Tamdmi, Fink, Bickel, Amado, Fatton. England : Swift: Scott, Handwicki Wrigiht, Franklin, Lowe: Matt­hews, Carter, Lawton, Manmdon, Langton. Schiedsrichter: Sdez (Framlareich), leitete vor­bildlich, unauffällig. Dem Spiel wohnten ne­ben Buradesrat Kobelt u. a. auch deT deutsche Welitrekondmamn Dr. Pedtzer bei.

FC Nürnberg kaum mehr einzuholen y Südd. Oberliga (US -Zone): SchiweimfuTt 05 VfL Neckarau 6:2; 1. FC Nürnberg Viktoria Aschafferaburg 1:0: VfB Stuttgart SpVgg Fürth 2:0: BC Augsburg Stuttgarter Kickers 3:0(1): Waldbof Mannheim Phönix Karlsruhe 2:0; Karlsruher FV Oftenhether Kicker« 1:3; FC Bamberg Eintracht Frankfurt 4:0(1): FSV Frankfurt

Schwaben Augsburg 2:1 (!). Ta­

belle: 1. FC Nürnberg 31 5p. 53:9 P.i 1860 München 30 Sp. 43:18 P.i Waidhof Mannheim 31 Sp. 39:23 P.i Schwaben Augsburg 31 Sp. 37:25 P.i VfB Stuttgart 30 Sp. 36:24 P.t EdmtracM;

Frankfurt 31 Sp. 36:26 P.s Kickers Stuttgart 30

Sp. 34:26 P. Sensationell kann man die zwei Siege innerhalb vier Tagen der beiden Abstiegs­kandidaten BC Augsburg und FC Bamberg be­zeichnen, die so aus dem Abstiegsstrudel an die Oberfläche empontauchten. Aschafferaburg, der Karlsruher FV und Phönix Karlsruhe sind raun mit Bemberg die vier AbstiegsarwäWer.

'tn Telegramms!

Belgien Schottland im Fußball 2:1. Eng­ lands Amateure schlagen Frankreich in Lille 4:1. Wolverhampton, Manchester United , Stoke City und Liverpool weiterhin Meisterschaftsan­wärter in England . Roubaix nach 1:0-Sieg über Le Havre französischer FußbailmeiMer. In Italien führt Turin mit 50 Punkten vor Mo­deraa (45 P.) und Juvemitus Turin (44 P.). Borussia Dortmund nach 3:2-Sieg über Schalke 04 WestfaleraroeisteT: Schalke war 14 Jahre ununter­brochen westfälischer Meister. Fortuna Düssel­ dorf und Rot-Weiß Oberbausen punktgleich am Niederrhein . Im Davispokaikampf unterliegt Schweiz gegen Tschechoslowakei 4:1, Frankreich bezwingt Indien 5:0, Neuseeland Norwegen 3:2, Belgien führt gegen Aegypten 4K), Jugosla­ wien Mairad 3:0, England Polen 3:2. Ext- , ropamedster im Boxen in Dublin : Fliegengewicht! Martinez (Spanien ) 1 Bantangewicht: Bogacs (Un­ garn ); Federgewicht: Kreuger (Schweden ); Leicht­gewicht: Vissers (Belgien ): Weltergewicht: Ryan (England ); Mütteligewkht: Escudde (FrankTeidt); Halbschwergewicht: Qu eratenmeyer (Holland ) 1 Sthpwergewicht: Colmaim (Irland ). Exmeister Seddler (Berlin ) boxt gegen Gehrmetrter 'früher Königsberg ) in Berlin uraeratBcbteden.

Ibsens Peer Gynt "

Zur Neuinszenierung Im Konstanter Stadttheater

Wie sehr wir in unseren Tagen Im plat­ten Materialismus und in einem ermüden­den, alle Schwungkraft der Seele lähmen­den Rationalismus stecken, wird man ge­wahr, wenn man plötzlich in die Sphäre des Metaphysischen entrückt wird, wie et­wa in Ibsens Peer Gynt . Von Bild zu Bild wird man mehr gefesselt, das Problem vom Sinn des Lebens, dessen Lösung die Aufgabe des dramatischen Dichters ist, tritt vor unser geistiges Auge, und alle ver­zehrenden Sorgen des Alltags bleiben weit hinter uns. Man fühlt «ich befreit; die Sor­gen sind nicht verschwunden, aber sie ha­ben nicht mehr die beängstigende Kraft von Gespenstern, zu denen wir eie haben werden lassen.

Henrik Ibsen (18061906) schrieb den Peer Gynt im Jahre 1867 als Charakter­spiegel für seine Landsleute, die Norwe­ ger . Er lebte in einer Zeit, in der die Dichter als vornehmliehete Deuter und Führer ihrer Völker anerkannt waren und in der ihre Stimme mehr galt als die von manchmal recht prob lematieihen Staats­männern. Es war eine große Zeit, eine be­schwingte Zeit und, genau besehen, leben wir heutigentags nur von ihrem geistigen Erbe. Ibsen war ein strenger Kritiker in seinen Dichtungen, auch inPeer Gynt . Die Gestalt der Peer ist einem Märchen von Asbjömeen entnommen. In den nor­wegischen Märchen steckt noch etwas von den großen Vorfahren, den Normannen, deren Seeräuberfahrten und Staatsgrün­dungen phantastisch genug sind, um poe­tische Gemüter immer wieder zu entzün­den. Peer Gynt ist ein Jäger, Nichtstuer und Großsprecher, den es zu ungeheuren Erlebnissen drängt. Kaiser möchte er so­gar werden. Er weiß phantastische Träu­mereien von der Wirklichkeit nicht mehr zu tren n en. Begünstigt von den Frauen, weiß er von ihrer Seele nichts. Er weiß

auch nichts von Solvejg, die ihre ganze Welt hinter sich läßt, um Ihm in seine Hütte hoch in den Bergen zu folgen. Er verläßt sie, zieht in die Welt hinaus, nach Afrika , kommt zu Geld, verliert es wieder und wird endlich Kaiser im Irrenhaus. Da treibt es ihn heim, überall tritt der Tod an ihn heran, derKnopfgießer will ihn schon als mißlungenes Menschenstück umschmelzen, derMagere, der Teufel, will ihn nicht, weil er nie etwas-ganz, son­dern immer nur halb war. Da findet er den Weg heim und hinauf zu seiner alten Hütte. Solvejg tritt wie einst aus der Türe, mit weißem Haar und fast gebrochenen Augen und nimmt seinen Kopf gütig in ihren Schoß. Sie blieb ihm treu, wie eine Mutter ihrem Kinde treu bleibt, und ln ihrer zeitlosen Liebe und Treue findet der von Dämonen gejagte Peer seinen Frieden und seine Erlösung.

ObwohlPeer Gynt deutlich an große Vorbilder anklingt, bleibt es doch eine schöne und große Dichtung. Einige Szenen, wie die des Sterbens von Mutter Aase und die Heimkehr zu Solvejg werden zu den schönsten Bildern der Weltliteratur gezählt. Schon Brandes wies aber auf eine große Schwäche der Dichtung hin: die Entwicklung Peer Gynte zum erfolgreichen Abenteurer in Afrika ist nicht sinnfällig genug gemacht.

Für das Konstanzer Stadttheater war es gewagt,Peer Gynt herauszubringen, denn er fordert eine große Bühnenappa­ratur. Aber der Versuch ist erstaunlich gut gelungen. Der Regisseur Stefan Dah­len verzichtete fast ganz auf Requisiten und versuchte, Illusion und Stimmung mit Pro­jektionen zu erreichen. Fast immer gelang es, und das Spiel konnte ln einem für die Aufnahmefähigkeit erträglichen Zeitraum vonstatten geben. Man war erstaunt, daß an unserer Bühne so viel mit Lichtwirkun­

gen zu erreichen ist. Die Inszenierung des Spieles ließ viel sorgfältige Arbeit erken­nen. Verfehlt ist aber, die Solvejg zum Schluß noch als junges Mädchen auftreten zu lassen. Sie ist mit Peer alt geworden.

Unter den vielen Rollen seien einige der wichtigsten erwähnt, vor allem die des Peer von Wolfgang Engels. Es war eine vorzügliche, ernsthafte Darstellung, ob­wohl dem Darsteller selbst nach Wesen und Ausdruck das Phantastische eigentlich fern Hegt. Es beweist viel Wandlungsfä­higkeit, auch dieses glaubhaft zu machen. Ergreifend war die Mutter Aase von Anne­marie d e B r u y n, die mit schlichten Mit­teln das Mütterliche und das Phantastische in ihrem Wesen zum Ausdruck brachte. Die Solvejg, neben Teer die wichtigste Ge­stalt, ist vom Dichter äußerlich stiefmüt­terlich bedacht. Sie muß aus wenig viel machen. Marta' Obermaier zeichnete sie mit eindrucksvoller Verhaltenheit. Eine feine, bis ins kleinste durchgearbeitete Ge­stalt war der Knopfgießer von Heinrich Troxbömker . Indessen wäre zu be­denken, ob es seitens der Regie nicht rat­sam wäre, die mysteriösen und nur in Um­rissen gezeichneten Gestalten desKnopf­gießers und desMageren im mystischen Dunkel zu belassen. Sie wirken dann un­heimlicher. Professor Begriffenfeld, der Di­rektor des Irrenhauses in Kairo , hüpft wohl etwas weniger umher. Ibsen verlangt unruhige Gebärden. Zu erwähnen wäre noch die Anitra von Ehra Anders, die hübsch aussah und hübsch tanzte. Insge­samt wurde gut und mit einem der Größe des Werkes entsprechenden Emst gespielt.

Für das Bühnenbild zeichnete Manfred Miller . Der Eindruck war angesichts der äußersten Vereinfachung vorzüglich und ließ eine konsequente Konzeption erken­nen. Zwei wichtige Szenen, che des Todes der Aase und die Heimkehr Gynt « zu Sol­vejg, hätte man sieh allerdings etwas we­niger sparsam gewünscht Die Musik von Edvard Grieg wurde unter der Leitung von Carl Caeliug stimmungsvoll zum Vor­trag gebracht Friedrich Munding

KULTURNACHRICHTEN

Professor Wilhelm Finder f. Der Kunsthistoriker Geheimret Prof. Dr. Wilhelm Pin der ist am 13. Mai in Berlin im Alter von 68 Jah­ren gestorben. Pindei, der zu den bekanntesten deutschen Kunsthistorikern zählte, stammte aus der hessischen Kunstmalerfamilie Tischbein. Er ge­hörte als ordentliches Mitglied der Berliner Aka­demie der Wissenschaften an. Zahlreiche bedeu tende Werke über die deutsche Plastik und Archi­tektur des Mittelalters, der Renaissance und des Barock, sind von ihm veröffentlicht worden.

Heinz Hilpertin Frankfurt. ln den Städtischen Bühnen werden in der kommenden Spielzeit Heinz Hilpert , der ehemalige Intendant des Deutschen Theaters ln Berlin, und Emst Kar- chow, der frühere erste Regisseur am Deutschen Theater, unter der Leitung von Schauspieldirektor Richard Weichert , tätig sein.

T h e et« x k o n g 1 e 0 Fie iratenmfioneiisr TheaterkoragTefi, der Vertreter der deutschen Bütonengenoseemschaft und des deutschen Büh- nenveraims aus den vier Besatamgsaooen ztmem- nranführte, wurde im hessischen Steatethester in Wiesbaden afcgehoMen

Die neueFriedenswarte Seit kur­zem besteht die Möglichkeit, dieFriedenarwerte" wieder zu erholten. Die im Jahre 1899 gegründete Zeitschrift des deutschen Pazifismus sie nerant sich im UntertitelBlätter für intemaitionele Ver­ständigung und zwischenstaatliche Organisation wird auch heute noch geleitet durch Prof. Dr Bans Wehberg den Vöikerrechtslehirer an, Institut Uraversttaire de Hautes Etudes Internatio­nales in Genf . Das vorhegera d e erste Dopgelbeft dos 47 Jahrganges enthält u a. einen ausführli­chen Beitrag von Wehberg über die Kontrolle der Atomenergie, ferner Nachrufe für Vorkämpfer der Völkerverständigung den von der SS kurz vor Kriegeende noch erschossenen stefiv General­sekretär der Haager Völkerrechtsakademie M a z«l den früheren deutschen Rekhstagsaibgeord- neten Crispien und Prof. S ch ü ra e 1 . einet Voretandsmhtcjüed der Deutschen Friedenegeeell- schaft. Dazu kommen Berichte von Kongre ss en und Dokumente der Völkerverstäradigungsartteif. so­wie eine krterraahonele Bücherochaa.

Kultur-Aus weise. Auf Anordnung der bmHfsttoen MHtitirtegteiuag werde n Ms zum 31. Juh m der hrütechen Zone an rte auf bufturel-

lern Gebiet tätigen Deutschen Eintrag un g ertf- fikote und politische Unbedenkllchkeitebescheiini« gungeo-ausgegeben. Nach diesem Termin dort sich ohne die neue Bescheinigung niemand mehr auf kulturellem Gebiet betätigen. Die Zertifikate er­hält en im Presse- und Buch Verlagswesen die Her­ausgeber, Schriftleitern rad Geschäftsführer; beim Film und Theater die Intendanten, Produktions­leiter, Direktoren Regisseure, Dramaturgen und Hauptdarsteller; im Musikwesen SchaUpIatten- hersteMer, Dirigenten und bekannte Musiker; beim Rundfunk alle höheren leitenden oder Verwal- tungzongeefeHtea Die Zertifikate werden in allen vier Besatzungszonen als Uribederaktichkeiitszeug- nss anerkannt

Kulturpflege in Rußland . Die An* streragungen Rußlands auf dem Gebiet dar Kunst und der Wissenschaft sind wahrhaft verblüffend. Wie berichtet wind, sind tan Jahre 1946 wieder ebenso viel Kunstinstitute im Betrieb wie vor dem Krieg 80 neue Schausplelgeseilschaften -ind Im Jahre 1946 gegründet worden. Die UdSSR verfügt zur Zeit über 769 nationale Theater, die Aufführungen ln 43 Sprachen bringen In Kiew , Charkow , Minsk , Rostow und anderen Städten sind neue Sinfonieorchester entstanden. Die sowje­tischen Theater brachten etwa 300 neue Stücke mit moderner Themenstellung Rund 4000 neu# Ausstellungsobjekte sind von den Sowjetmuseen angekauft worden. An den Universitäten und wissenschaftlichen Instituten wurden 1946 über 200 000 Studenten neu zugedassen. Insgesamt studierten im ersten Nachkriegsjahr an den 806 Hochschulen der Sowjetunion 650 000 Studenten. Eine Anzahl neuer Hochschulen sind gegründet worden, so z. B die Universitäten tat Kiadtenew und Uschgorod , eine medizinische Akademie in Witebsk und ein Theaterinstitut in Tallinn (Re­ val )

Die Macht der Finsternis Tolstoi nahm es mit seinen Werken »ehr genau. Vor allem wollte er den Eindruck beim einfachen Volk kemealeTnen. Als er sein DramaDis Macht der Finsternis'' beendet hatte, »amme 'te et Bauern um sich und las es ihnen vor. Er selbst war dabei zeitweilig so ergriffen, daß er Tränen vergoß Aber bei den Bauern erweckte es unbändig« Heiterkeit Tolstoi legte da* Stüde ln die Schublade und konnte sich nur schwer entsahHpBsn, es drucken zu lassen E* ist dam aie eines der großartigsten Werke d Weltliteratur zur Geltung gekommen.