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ten resultieren würde, dürfte jedoch noch wesentlich unangenehmer sein. Nur eine Verständigung zwischen der Sowjetunion und dta Vereinigten Staaten von Amerika wird Deutschland in jenen Zustand versetzen, in «fern ec tatkräftig an seinen Aufbau gehen ka nn.
Telegramm unseres A.G.-Korrespondenten
Berlin . Die Aufmerksamkeit Berlins ist gegenwärtig in hohem Maß auf die Emäh- rungslage gerichtet. Die Ernährung und die Verhältnisse in der Landwirtschaft in West- und Ostdeutschland sind im Parteien- und Pressekampf Berlins zum Ausgangspunkt der Polemik geworden. Die russisch lizenzierten Blätter berichten seit Tagen ausführlich über Hungerdemonstrationen im Westen und stellen diesen in Großaufmachung die Durchführung der Frühjahrsbestellung in der Ostzone gegenüber.
Gleichzeitig erfolgt die Veröffentlichung langer Berichte und Artikel in russisch lizenzierten Zeitungen, daß die zonale Politik in die Sackgasse geraten sei. Damit sei der Beweis geliefert, daß ohne Wirtschaftsplanung kein Wirtschaftsaufbau möglich sei. Die Handelsabteilung der Zentralverwaltung für die russisch besetzte Zone gab bekannt, daß' in den Monaten Februar und März im Interzonenhandel die Lieferungen der Ostzone die der Westzcxnen übersteigen. Den geringen Umfang dieses Handels zeigt die Aprilziffer von 50 Millionen Mark.
Seit Ende März werden in der Provinz Brandenburg alle Lebensmittel im Rahmen der sog. Aktion gegen Hamsterer und Schie
ber von der Polizei beschlagnahmt, selbst wenige Pfund Kartoffeln. In fünf Wochen wurden allein rund eine Million kg Kartoffeln beschlagnahmt. Das ist die tägliche Ration für etwa 2 V 2 Millionen Verbraucher, rechnet der britisch lizenzierte „Telegraf".
In einem gewissen Zusammenhang mit diesen Wirtschaftsfragen stehen die Erörterungen über eine gesamtdeutsche Vertretung, die durch die bayerische Einladung akut geworden sind. Die SED beschloß, dem Ministerpräsidenten der russischen Zone die Entscheidung über eine Teilnahme selbst zu überlassen. Die SED -Presse polemisiert gegen die bayerische Einladung, auch wenn sie sie offiziell als Schritt zur gesamtdeutschen Verständigung anerkennt. Diese politischen Spannungen ebenso wie di* Eraäh- rungsprobleme lassen in Berlin immer stärker die Meinung aufkommen, daß eine gesamtdeutsche Klärung der Situation erforderlich ist.
Berlin . Die Zeitung „Berlin am Mittag", die die Stelle des früheren populären Berli ner ,,B.Z. am Mittag’’ einnimmt, wurde zum zweiten Male durch das sowjetische Militärkommando bestraft. Die B.a.VL wird verboten und hat eine hohe Geldstrafe zu zahlen. Die Strafmaßnahmen wurden gegen die Zeitung ‘ergriffen, weil sie mehrfach die französische Regierung angegriffen hatte. Im einzelnen hatte sie einfließen lassen, daß Ramacher unter der politischen und finanziellen Einwirkung der Vereinigten Staaten sich von den kommunistischen Mitgliedern seines Kabinetts getrennt habe.
Britisch-sowjetische Bündnisverhandlungen
London . Die Verhandlungen über eine Revision des britisch-sowjetischen Bündnisvertrags werden z.Zt. in Moskau fortgesetzt, wie -aus gewissen politischen Kreisen Londons verlautet. Bekanntlich hatte Molo- tow zu Beginn der Moskauer Konferenz der britischen Regierung einen Vertragsentwurf vorgelegt, der jedem der Partner untersagt hätte, sich mit einer anderen Macht zu verbinden, sobald diese als „nicht freundschaftlich eingestellt’’ betrachtet würde.
Nachdem dieser Vorschlag von den Engländern nicht angenommen werden konnte, hat sich das Foreign Office entschlossen, einen Gegenvorschlag auszuarU eiten, der der Sowjetregierung vor einigen Wochen überreicht wurde.
Es scheint, daß die sowjetische Regierung hierzu Sir Maurice Peterson, dem Botschafter Großbritanniens in der UdSSR , bereits mündlich Kommentare gegeben hat, während noch keine formelle Antwort an die
Russisdier Besuch beim Südkurier
Am Samstag, den 17. ds. Mts., erhielt die Redaktion des „Südkurier" den Besuch einiger russischer Presse-Offiziere, die sich eingehend und mit viel Verständnis über die redaktionelle und technische Arbeit in unserem Betrieb unterrichteten. Vbr allem interessierte sie die neuartige Zusammenarbeit der vier Parteien in der Redaktion, die es ermöglicht, die überparteiliche Haltung der Zeitung und trotzdem die weitgehende politische Information der Leserschaft zu gewährleisten. Die russischen Offiziere besichtigten auch die technischen Anlagen unserer Zeitungsherstellung und zogen mehrere Arbeiter ins Gespräch. Der Besuch, dem auch französische Verbindungsoffiziere beiwohnten, war für unsere Redaktion auß—ordentlich interesant.
Wirtechaftssorgen in Südbaden
In Nr. 39 vom 16. Mai 1947 ist uns in dem auf Seite 1 veröffentlichen Bericht übeT die Wirtschaftssorgen in Südbaden ein Ueber- tragungsfehler unterlaufen. Die im vorletzten Absatz genannte Ziffer von 400 Milliarden Franken bezieht sich nicht allein auf die von Deutschland während der Besetzung Frankreichs vorgenommenen Demontagen, sondern auf sämtliche in diesem Zeitraum erfolgten Entnahmen aus der französischen Wirtschaft.
britische Regierung erfolgte. In diesen Kommentaren sollen die Sowjets einige' Präzisierungen zu verschiedenen Punkten verlangt haben.
Man erwartet daher in Londoner politischen Kreisen, daß Molotov in Bälde Bevin davon in Kenntnis setzen wird, ob er den britischen Gegenvorschlag als Basis für die weiteren Verhandlungen annimmt oder nicht.
Washington . — Sowohl in der Sowjetunion wie in den Vereinigten Staaten wird zuviel vom Krieg und zuwenig vom Frieden gesprochen, erklärte der frühere amerikanische Außenminister James F. Byr nes , als ihm von einer Anzahl internationaler Clubs eine Auszeichnung für seine „unermüdlichen Bemühungen um den Welt- Frieden” verliehen wurde. Er fügte hinzu: Ich bestreite, daß ein Konflikt unvermeidlich ist.
Byrnes , der jetzt in Washington seiner Rechtspraxis nachgeht, sagte: Das sowjetische Volk wünscht keinen Krieg. Sollte es zu einem Kriege kommen, dann nicht, weil ihn die Völker wünschen, sondern auf Grund der Unfähigkeit derjenigen, die die Welt regieren. Aber ich glaube auch nicht tn einen Bankerott der Diplomatie, im Gegenteil: Wir können Frieden machen und Frieden halten.
Wir haben der Sowjetunion klargemacht, erklärte Byrnes weiter, daß sie die Frie- densbedingungen nicht diktieren kann, und wir müssen uns selbst darüber im klaren sein, daß auch die Vereinigten Staaten diese Bedingungen nicht diktieren können.
Nitti bildet italienische Regierung
Rom . Francesco Nitti erklärte vor Pressekorrespondenten, daß er bereit sei, den Auftrag zur Bildung eines neuen Kabinetts zu übernehmen. Er fügte hinzu, daß er sofort mit der Aufstellung der Kabinettsliste beginnen werde
Er hoffe, ein Kabinett zu bilden, sagte Nitti, das Gruppen von den Kommunisten bis zu den christlichen Demokraten unter Ausschluß der Rechtspartei und Qualundue, der Liberalen und der Monarchisten, umfassen werde, und daß Dienstag die Kabinettsbildung erfolgt sei.
SODKURIER
Deutsche Wissenschaftler in USA
Frankfurt . 350 deutsche Wissenschaftler und Techniker, di« in den USA ihre Forschungsarbeit fortsetzen, haben Amerika auf dem Gebiet der Forschung bereits um 10 Jahre vorwärts gebracht, gab das ameri kanische Hauptquartier in Europa bekannt.
Die deutschen Fachleute, die im Rahmen der Operation „Heftklammer" nach Ameri ka gebracht wurden, setzen dort, wie es in der Mitteilung heißt, unter der Aufsicht der Regierung der Vereinigten Staaten ihre Arbeit fort und haben den Vereinigten Staa ten bereits „Millionen von Dollar s erspart". Ein großer Teil der Gruppe verfüge, wie es weiter heißt, übet keine Erfahrung in militärischer Ausbildung. Er werde zu Forschungen auf dem Gebiete der Physiologie, des Krebs, von Textilien, Getreide, Fotografie, Chemie, Meteorologie und Metallurgie herangezogen. Das amerikanische Kriegsmini- sterium habe bereits bekanntgegeben, daß es bald deutsche Wissenschaftler für die Industrie freigeben wolle, wo sie unter Aufsicht des Handesministeriums arbeiten sollen.
Weiter wird in der Verlautbarung betont, daß alle Deutschen auf freiwilliger Basis angestellt werden. Sie unterzeichnen einen Vertrag auf eine Probezeit von sechs Monaten, der ihnen täglich 5 bis 10 Dollar garantiert, die in deutscher Währung an die Familie ausgezahlt werden.
Wenn der deutsche Wissenschaftler sich als wertvoll für die amerikanische Militärforschung zeigt, so heißt es in der Mitteilung weiter, werde sein Vertrag verlängert und seine Familie darf zu ihm nach den USA kommen. Niemand, der irgendwelche Verbindungen zu Nationalsozialismus oder Militarismus hatte, werde nach Amerika gebracht.
Kein Verfahren gegen Maier
Stuttgart . Der öffentliche Kläger im Verfahren gegen den württembergisch- badischen Ministerpräsidenten Dr Rein hold Maier , Erwin Stumpp, erklärte, er habe mit Zustimmung des Ministers für politische Befreiung, Gottlob Kamm, die am 23. Januar dieses Jahres von Franz Karl Maier gegen Reinhold Maier eingereichte Klage zurückgezogen und das Verfahren gemäß Artikel 33 Absatz 5, eingestellt, da die Prüfung der Beweismittel ergeben habe, daß Dr. Maier vom Gesetz nicht betroffen sei.
Högner nicht mehr im Vorstand der bayerischen SPD
Landshut . Auf dem Landesparteitag der SPD Bayerns wurde Waldemar von Knöringen zum ersten Vorsitzenden gewählt. Es sprachen Erich Ollenhauer , der zweite Vorsitzende der SPD und Franz Neumann , Berlin . Ollenhauer führte aus: Ob die Demokratie sich bewähren wird, hängt nicht allein davon ab, ob freie Wahlen stattfinden, sondern, ob die Militär- ■regierungen bereit sind, die selbst gewählten Reg' rungen mit echten, demokratischen Verantwortungen auszustatten.
Der wesentlichste Diskussionsgegenstand var die Frage des Verbleibens ln der Koalition mit der CSU und WAV. Mit überwältigender Mehrheit wurde beschlossen, aus dieser Koalition auszutreten, wenn die Partner die Grundlage der SPD nicht mehr akzeptieren wollten.
Münchener Spiegel
M ü n <h e n. Streik, Brotversorgung und die Konferenz der Ministerpräsidenten in München sind die Hauptthemen der öffentlichen Diskussion. Die Gewerkchaften haben Streiks in Aussicht gestellt, wenn die Bfotversorgung nicht besser werden würde. Dr. Baumgartner fährt in der Pfingstwoche zusammen mit dem Miiitärgouverneur für Bayern , General Müller , ins Ruhrgebiet , um dort verständlich zu machen, daß in Bayern weder Milch noch Honig fließt.
Wirtschaftsminister Dr. Rudolf Zorn hat bekanntgegeben, daß Mangelartikel wie Rasierklingen, Nähnadeln und Zündhölzer demnächst vermehrt auf dem Markt kom-
Üieuauig, ZU. Mai 1947
(Von unserem nach Zürich entsandten A. St.-Redaktionsmitglied)
Zürich gehörte einmal zw , .süddeutschen Metropole“ der Fußba-Udelikatessan, vor allem dann, wenn der bisher häufigste Schweizer PuQbalägegueff, Deutschland , und englische, österreichische und italienische Ländennaimn- schaften aiuf dem Hardturmsiportplnitz gegen die Eidgenossen antra ten.. Was den meisten deut schen F iiübatlfnstmcbeo des Gnenntamdes versagt bleibt, das bietet ihnen die Radio-Sportreportage von Beromünster , und es waren nicht wenige, die am Sonntag nachmittag wenigstens kn Geiste die glücklichen Kartenbesditner zum Spiel Schweiz — England auf dien Graßhoppenpilatz begleiteten. Der UeflSibeng grüßte wie vordem
— diesmal ans tiefliängemdee Regenwolken zum Stadion herüber, der Rasenteppich ist Intimer noch saftig grün. Die Straßenbahnen {ahnen in ununterbrochener Kette zum Schauplatz des großen Kampfes, elegante Autos, vom ldtednoten bis zum schweren „Amerikaner", gleitet: in endloser Reihe über den glatten Asphalt, Kioske und Straßemverkäufer bieten — welch friedüäches Bild
— wieder Eis, Schokolade, Limonade, Bonbons, Bananen und Orangen zum Verkauf. Nur die Spiefarena hält nicht mehr Schritt mit dem wachsenden Zuschanerandrang bei Großveranstaltungen. 34 000 füllten die Ränge emschldeßl'idi einer Statalnottrabüne bi« dicht an die Markierungen heran. Die Schweiz braucht gut und gern eine Anlage für 50000—60000 Zuschauer. So waren die Karten schon Tage und Wochen vor dem sonntäglichen Großeredgrare vergriffen. Immerhin war ein Kuriosum festzustelllen: bis zum Spielbeginn waren im Schleichhandel Eintrittskarten zu stark übersetzten Preisen zu erhallten (!).
Unter den 34 000 gab es nur wenig Optimisten, die mit einem Schweizer Sieg rechneten. Fachleute lächelten darüber. Sie wußten: Die Technische Kommission dos SFAV sah sich bis zum Sonntag vormittag Aufsteüungsschwterigkeiten gegenüber. Die NatdonalfußbaiiQier sind überspielt, manche außer Form, Torhüter-, Läuter- und Stürmerpnebleme sind wegen Verletzung einiger Akteure ungelöst. Und das Florenzer 2:5 gegen Italien beleuchtete blitzartig die National- Elfmiisere. Wer wollte einer eidgenössischen Notflösuingismamnechaft Chancen geben? Einer Elf, in der Bickel seit Jahren erstmals wieder Mittelstürmer spielen sollte, in der notgedrungen ein Seitenläuferoeuling (Belli) zum Zug kam, ln der man vergebens auf die Wiederherufung dies Mittelläufers Andreöli wartete usw.I Ausgerechnet für den Kampf gegen die FußbaKlgroßmacht England , die alle fünf Treffen der Saison gewann und in der fünf Akteure der erfolgreichen Großbrifanmtenmaninschaft vom Spiel gegen den Kuntiraent standen: Swift, Haidwidc. Mannion, Lawton und Matthews.
Umso überraschender konstatiert man den nicht einmal unverdienten Erfolg, den edme mitunter schwungvoll, witzig und vor allem zweckmäßig in die Tiefe spielende Schweizer Elf errang. Sie wußte, daß sie gegen einen haushohen Favoriten antrat, dessen Nimbus ihr anfänglich ordentlichen Respekt einjagte. Die famosen englischen Athleten, vielleicht ihrer Sache zu sicher, demonstrierten ihre technische Ueber- legenheit ihre Bailsicherheit, prächtige Ballführung. weniger aber ihre viel gerühmte Schußkraft. Sie spielten verhallten und ließen sich offensichtlich viel Zeit in der Brertenkombinafion
— bis es zu spät war. Von „Hopp Schwyz"-Ru- fen angefeueet, legten die Träger des weißen Kreuzes verschiedene Abwefcrmängol ab, als sie fesbstelten, daß ihr ebenso spezieller wie origineller Schiachtplan den Briten nicht ins Konzept paßte: Der Schweizer Riegel Gyger - Steffen mit Boquiet als linke Assistenz wurde immer eisernen Mittelstürmer Bickel postierte sich gewissermaßen als zweiter Mittelläufer neben Eg- gimamm, um den Abwehrbtock zu verstärken und vorn sorgten Amado, der sein 50. Länderspiel bestritt, Fatton und Pink mit sachlichen, weit- steil angelegtem, lebhaftem Angriffsspiel für eine bemerkenswerte Entlastung der hinteren Reihen.
Das Spiel wurde nun ausgeglichener, und als Linksaußen Fatton in der 26. Minute nach einem Amado-Paß von der Tonreiumgreinze aus (unter Mitwirkung dies englischen Verteidigers Scott?) die Schweizer 1:0-Führuag schaffte, bekamen die Gastgeber noch mehr Auftrieb. Vergeblich wartete man als Antwort darauf auf energische britieche Attacken. Die Inselbewohner vertrauten scheinbar weiterhin ruhig, wenn auch mit" Klasse verratendem Spiel auf ihre „Reserven" und aiuf die zweite Halbzeit. Zwar waren sie raun mit die Situation beherrschenden offensichtlichen Chancen dem Ausgleich näher, als die Schweiz einer wegen foul (Fink) zunüek- gemommeraen 2iO-Fühirung.
Dieser Umstand machte den Engländern den Ernst der Lage klar imd ae verliehen ihrem
Spiel nunmehr metor Drude. Vor aitem Matthew«, Carter und Mammon waren die Träger des immer stärker werdenden Angriffs. Der Torjäger • und sdmßgeweCÜige Lawton, immeT wieder mit Matth e w s - Fl unken bedient, sollte der VolSstrek- ker sein. Et kam weniger zum Schluß, als im Zweikampf mit Gyger-S reffen zu mehreren wuchtigen Kopfbällen, die der machtlose Bailabdo wenige Zentimeter an den Pfosten vurbetzieben sah. Mit vorbildlich: 1 : Beherrschung ließen sich die Engländer nach deT Pause ein (Abseits?)-Tor aberkennen, ebenso später die Schweizer . Mit zunehmender Zeit legten die Engländer ihre Schnellkraft, ihren körperlichen Einsatz ins Gewicht und demonstrierten das kflassisch-faine Angehen de® Torhüters, das den Schweizer Zuschauern gar nicht gefiel Dar beispielhafte Schweizer Abwehrgeiist und Pech der Engländer ließ den Rest dies Spieles ohne weitere Erfolge verstreidien.
Es war aber nicht das Pech allein, das jeden englischen Exfolg vereitelte. Wir sahen die Engländer (z. B. beim 6:2 gegen Deutschland in Berlin ) schon weitaus etnsatzfreudtger, schneller, kraftvoller und bei alleT uirrwerksmäßigan Präzision begeisternd schwungvoll spielen. Wo blieben auf dem Hairdtunm-SportplBtz die viei- gerühmten unheimlich sattem Schüsse aus jeder Lage? Der Sturm sipdeite und verspielte sich öfter als notwendig im wuchtigen und vietma- schigen Schweizer Abwehrnetz. Zwar beherrschte der englische Abwehrblock nach Stoppersystem den eigenen Strafraum, löste sich jedoch in den wiederholten Draragperioden zur OHensdvtätig- keit, die den famosen Schweizer Stürmern bei wiederholten Steilpässen zu den Flügeln Vorteile verschafften. — Der Schweizer Sieg nach drei Heimspieienfoligen gegen Eng land (1938 in Zürich 2:1 und 1945 in Beim 3:1) wird dem Schweizer Fußballisport über die kilez- ldche Florenzer Niederlage hinweg neuen Auftrieb und neue Hoffrauragen geben, zumal sich in der Schweizer B-Mamraschaft beim 5:0-Sieg gegen Luxemburg am Samstag in St. Galten erfreuliche Nachwuchsperspektiven zeigten.
Die Schweizer Elf: Bailabioi Gyger, Steffen: Belli, Eggtmann, Bocquefs Tamdmi, Fink, Bickel, Amado, Fatton. — England : Swift: Scott, Handwicki Wrigiht, Franklin, Lowe: Matthews, Carter, Lawton, Manmdon, Langton. — Schiedsrichter: Sdez (Framlareich), leitete vorbildlich, unauffällig. — Dem Spiel wohnten neben Buradesrat Kobelt u. a. auch deT deutsche Welitrekondmamn Dr. Pedtzer bei.
FC Nürnberg kaum mehr einzuholen y Südd. Oberliga (US -Zone): SchiweimfuTt 05 — VfL Neckarau 6:2; 1. FC Nürnberg — Viktoria Aschafferaburg 1:0: VfB Stuttgart — SpVgg Fürth 2:0: BC Augsburg — Stuttgarter Kickers 3:0(1): Waldbof Mannheim — Phönix Karlsruhe 2:0; Karlsruher FV — Oftenhether Kicker« 1:3; FC Bamberg — Eintracht Frankfurt 4:0(1): FSV Frankfurt
— Schwaben Augsburg 2:1 (!). — Ta
belle: 1. FC Nürnberg 31 5p. 53:9 P.i 1860 München 30 Sp. 43:18 P.i Waidhof Mannheim 31 Sp. 39:23 P.i Schwaben Augsburg 31 Sp. 37:25 P.i VfB Stuttgart 30 Sp. 36:24 P.t EdmtracM;
Frankfurt 31 Sp. 36:26 P.s Kickers Stuttgart 30
Sp. 34:26 P. — Sensationell kann man die zwei Siege innerhalb vier Tagen der beiden Abstiegskandidaten BC Augsburg und FC Bamberg bezeichnen, die so aus dem Abstiegsstrudel an die Oberfläche empontauchten. Aschafferaburg, der Karlsruher FV und Phönix Karlsruhe sind raun mit Bemberg die vier AbstiegsarwäWer.
'tn Telegramms!
Belgien — Schottland im Fußball 2:1. — Eng lands Amateure schlagen Frankreich in Lille 4:1. — Wolverhampton, Manchester United , Stoke City und Liverpool weiterhin Meisterschaftsanwärter in England . — Roubaix nach 1:0-Sieg über Le Havre französischer FußbailmeiMer. —• In Italien führt Turin mit 50 Punkten vor Moderaa (45 P.) und Juvemitus Turin (44 P.). — Borussia Dortmund nach 3:2-Sieg über Schalke 04 WestfaleraroeisteT: Schalke war 14 Jahre ununterbrochen westfälischer Meister. — Fortuna Düssel dorf und Rot-Weiß Oberbausen punktgleich am Niederrhein . — Im Davispokaikampf unterliegt Schweiz gegen Tschechoslowakei 4:1, Frankreich bezwingt Indien 5:0, Neuseeland — Norwegen 3:2, Belgien führt gegen Aegypten 4K), Jugosla wien — Mairad 3:0, England — Polen 3:2. — Ext- , ropamedster im Boxen in Dublin : Fliegengewicht! Martinez (Spanien ) 1 Bantangewicht: Bogacs (Un garn ); Federgewicht: Kreuger (Schweden ); Leichtgewicht: Vissers (Belgien ): Weltergewicht: Ryan (England ); Mütteligewkht: Escudde (FrankTeidt); Halbschwergewicht: Qu eratenmeyer (Holland ) 1 Sthpwergewicht: Colmaim (Irland ). — Exmeister Seddler (Berlin ) boxt gegen Gehrmetrter 'früher Königsberg ) in Berlin uraeratBcbteden.
Wie sehr wir in unseren Tagen Im platten Materialismus und in einem ermüdenden, alle Schwungkraft der Seele lähmenden Rationalismus stecken, wird man gewahr, wenn man plötzlich in die Sphäre des Metaphysischen entrückt wird, wie etwa in Ibsens „Peer Gynt “. Von Bild zu Bild wird man mehr gefesselt, das Problem vom Sinn des Lebens, dessen Lösung die Aufgabe des dramatischen Dichters ist, tritt vor unser geistiges Auge, und alle verzehrenden Sorgen des Alltags bleiben weit hinter uns. Man fühlt «ich befreit; die Sorgen sind nicht verschwunden, aber sie haben nicht mehr die beängstigende Kraft von Gespenstern, zu denen wir eie haben werden lassen.
Henrik Ibsen (1806—1906) schrieb den „Peer Gynt “ im Jahre 1867 als Charakterspiegel für seine Landsleute, die Norwe ger . Er lebte in einer Zeit, in der die Dichter als vornehmliehete Deuter und Führer ihrer Völker anerkannt waren und in der ihre Stimme mehr galt als die von manchmal recht prob lematieihen Staatsmännern. Es war eine große Zeit, eine beschwingte Zeit und, genau besehen, leben wir heutigentags nur von ihrem geistigen Erbe. Ibsen war ein strenger Kritiker in seinen Dichtungen, auch in „Peer Gynt “. Die Gestalt der Peer ist einem Märchen von Asbjömeen entnommen. In den norwegischen Märchen steckt noch etwas von den großen Vorfahren, den Normannen, deren Seeräuberfahrten und Staatsgründungen phantastisch genug sind, um poetische Gemüter immer wieder zu entzünden. Peer Gynt ist ein Jäger, Nichtstuer und Großsprecher, den es zu ungeheuren Erlebnissen drängt. Kaiser möchte er sogar werden. Er weiß phantastische Träumereien von der Wirklichkeit nicht mehr zu tren n en. Begünstigt von den Frauen, weiß er von ihrer Seele nichts. Er weiß
auch nichts von Solvejg, die ihre ganze Welt hinter sich läßt, um Ihm in seine Hütte hoch in den Bergen zu folgen. Er verläßt sie, zieht in die Welt hinaus, nach Afrika , kommt zu Geld, verliert es wieder und wird endlich Kaiser — im Irrenhaus. Da treibt es ihn heim, überall tritt der Tod an ihn heran, der „Knopfgießer“ will ihn schon als mißlungenes Menschenstück umschmelzen, der „Magere“, der Teufel, will ihn nicht, weil er nie etwas-ganz, sondern immer nur halb war. Da findet er den Weg heim und hinauf zu seiner alten Hütte. Solvejg tritt wie einst aus der Türe, mit weißem Haar und fast gebrochenen Augen und nimmt seinen Kopf gütig in ihren Schoß. Sie blieb ihm treu, wie eine Mutter ihrem Kinde treu bleibt, und ln ihrer zeitlosen Liebe und Treue findet der von Dämonen gejagte Peer seinen Frieden und seine Erlösung.
Obwohl „Peer Gynt “ deutlich an große Vorbilder anklingt, bleibt es doch eine schöne und große Dichtung. Einige Szenen, wie die des Sterbens von Mutter Aase und die Heimkehr zu Solvejg werden zu den schönsten Bildern der Weltliteratur gezählt. Schon Brandes wies aber auf eine große Schwäche der Dichtung hin: die Entwicklung Peer Gynte zum erfolgreichen Abenteurer in Afrika ist nicht sinnfällig genug gemacht.
Für das Konstanzer Stadttheater war es gewagt, „Peer Gynt “ herauszubringen, denn er fordert eine große Bühnenapparatur. Aber der Versuch ist erstaunlich gut gelungen. Der Regisseur Stefan Dahlen verzichtete fast ganz auf Requisiten und versuchte, Illusion und Stimmung mit Projektionen zu erreichen. Fast immer gelang es, und das Spiel konnte ln einem für die Aufnahmefähigkeit erträglichen Zeitraum vonstatten geben. Man war erstaunt, daß an unserer Bühne so viel mit Lichtwirkun
gen zu erreichen ist. Die Inszenierung des Spieles ließ viel sorgfältige Arbeit erkennen. Verfehlt ist aber, die Solvejg zum Schluß noch als junges Mädchen auftreten zu lassen. Sie ist mit Peer alt geworden.
Unter den vielen Rollen seien einige der wichtigsten erwähnt, vor allem die des Peer von Wolfgang Engels. Es war eine vorzügliche, ernsthafte Darstellung, obwohl dem Darsteller selbst nach Wesen und Ausdruck das Phantastische eigentlich fern Hegt. Es beweist viel Wandlungsfähigkeit, auch dieses glaubhaft zu machen. Ergreifend war die Mutter Aase von Annemarie d e B r u y n, die mit schlichten Mitteln das Mütterliche und das Phantastische in ihrem Wesen zum Ausdruck brachte. Die Solvejg, neben Teer die wichtigste Gestalt, ist vom Dichter äußerlich stiefmütterlich bedacht. Sie muß aus wenig viel machen. Marta' Obermaier zeichnete sie mit eindrucksvoller Verhaltenheit. Eine feine, bis ins kleinste durchgearbeitete Gestalt war der Knopfgießer von Heinrich Troxbömker . Indessen wäre zu bedenken, ob es seitens der Regie nicht ratsam wäre, die mysteriösen und nur in Umrissen gezeichneten Gestalten des „Knopfgießers“ und des „Mageren“ im mystischen Dunkel zu belassen. Sie wirken dann unheimlicher. Professor Begriffenfeld, der Direktor des Irrenhauses in Kairo , hüpft wohl etwas weniger umher. Ibsen verlangt „unruhige Gebärden“. Zu erwähnen wäre noch die Anitra von Ehra Anders, die hübsch aussah und hübsch tanzte. Insgesamt wurde gut und mit einem der Größe des Werkes entsprechenden Emst gespielt.
Für das Bühnenbild zeichnete Manfred Miller . Der Eindruck war angesichts der äußersten Vereinfachung vorzüglich und ließ eine konsequente Konzeption erkennen. Zwei wichtige Szenen, che des Todes der Aase und die Heimkehr Gynt « zu Solvejg, hätte man sieh allerdings etwas weniger sparsam gewünscht Die Musik von Edvard Grieg wurde unter der Leitung von Carl Caeliug stimmungsvoll zum Vortrag gebracht Friedrich Munding
KULTURNACHRICHTEN
Professor Wilhelm Finder f. Der Kunsthistoriker Geheimret Prof. Dr. Wilhelm Pin der ist am 13. Mai in Berlin im Alter von 68 Jahren gestorben. Pindei, der zu den bekanntesten deutschen Kunsthistorikern zählte, stammte aus der hessischen Kunstmalerfamilie Tischbein. Er gehörte als ordentliches Mitglied der Berliner Akademie der Wissenschaften an. Zahlreiche bedeu tende Werke über die deutsche Plastik und Architektur des Mittelalters, der Renaissance und des Barock, sind von ihm veröffentlicht worden.
Heinz Hilpertin Frankfurt. ln den Städtischen Bühnen werden in der kommenden Spielzeit Heinz Hilpert , der ehemalige Intendant des Deutschen Theaters ln Berlin, und Emst Kar- chow, der frühere erste Regisseur am Deutschen Theater, unter der Leitung von Schauspieldirektor Richard Weichert , tätig sein.
T h e et« x k o n g 1 e 0 Fie iratenmfioneiisr TheaterkoragTefi, der Vertreter der deutschen Bütonengenoseemschaft und des deutschen Büh- nenveraims aus den vier Besatamgsaooen ztmem- nranführte, wurde im hessischen Steatethester in Wiesbaden afcgehoMen
Die neue „Friedenswarte“ Seit kurzem besteht die Möglichkeit, die „Friedenarwerte" wieder zu erholten. Die im Jahre 1899 gegründete Zeitschrift des deutschen Pazifismus — sie nerant sich im Untertitel „Blätter für intemaitionele Verständigung und zwischenstaatliche Organisation“ — wird auch heute noch geleitet durch Prof. Dr Bans Wehberg den Vöikerrechtslehirer an, Institut Uraversttaire de Hautes Etudes Internationales in Genf . Das vorhegera d e erste Dopgelbeft dos 47 Jahrganges enthält u a. einen ausführlichen Beitrag von Wehberg über die Kontrolle der Atomenergie, ferner Nachrufe für Vorkämpfer der Völkerverständigung — den von der SS kurz vor Kriegeende noch erschossenen stefiv Generalsekretär der Haager Völkerrechtsakademie M a ■ z«l den früheren deutschen Rekhstagsaibgeord- neten Crispien und Prof. S ch ü ra e 1 . einet Voretandsmhtcjüed der Deutschen Friedenegeeell- schaft. Dazu kommen Berichte von Kongre ss en und Dokumente der Völkerverstäradigungsartteif. sowie eine krterraahonele Bücherochaa.
Kultur-Aus weise. Auf Anordnung der bmHfsttoen MHtitirtegteiuag werde n Ms zum 31. Juh m der hrütechen Zone an rte auf bufturel-
lern Gebiet tätigen Deutschen Eintrag un g— ertf- fikote und politische Unbedenkllchkeitebescheiini« gungeo-ausgegeben. Nach diesem Termin dort sich ohne die neue Bescheinigung niemand mehr auf kulturellem Gebiet betätigen. Die Zertifikate erhält en im Presse- und Buch Verlagswesen die Herausgeber, Schriftleitern rad Geschäftsführer; beim Film und Theater die Intendanten, Produktionsleiter, Direktoren Regisseure, Dramaturgen und Hauptdarsteller; im Musikwesen SchaUpIatten- hersteMer, Dirigenten und bekannte Musiker; beim Rundfunk alle höheren leitenden oder Verwal- tungzongeefeHtea Die Zertifikate werden in allen vier Besatzungszonen als Uribederaktichkeiitszeug- nss anerkannt
Kulturpflege in Rußland . Die An* streragungen Rußlands auf dem Gebiet dar Kunst und der Wissenschaft sind wahrhaft verblüffend. Wie berichtet wind, sind tan Jahre 1946 wieder ebenso viel Kunstinstitute im Betrieb wie vor dem Krieg 80 neue Schausplelgeseilschaften -ind Im Jahre 1946 gegründet worden. Die UdSSR verfügt zur Zeit über 769 nationale Theater, die Aufführungen ln 43 Sprachen bringen In Kiew , Charkow , Minsk , Rostow und anderen Städten sind neue Sinfonieorchester entstanden. Die sowjetischen Theater brachten etwa 300 neue Stücke mit moderner Themenstellung Rund 4000 neu# Ausstellungsobjekte sind von den Sowjetmuseen angekauft worden. An den Universitäten und wissenschaftlichen Instituten wurden 1946 über 200 000 Studenten neu zugedassen. Insgesamt studierten im ersten Nachkriegsjahr an den 806 Hochschulen der Sowjetunion 650 000 Studenten. Eine Anzahl neuer Hochschulen sind gegründet worden, so z. B die Universitäten tat Kiadtenew und Uschgorod , eine medizinische Akademie in Witebsk und ein Theaterinstitut in Tallinn (Re val )
Die Macht der Finsternis Tolstoi nahm es mit seinen Werken »ehr genau. Vor allem wollte er den Eindruck beim einfachen Volk kemealeTnen. Als er sein Drama „Dis Macht der Finsternis'' beendet hatte, »amme 'te et Bauern um sich und las es ihnen vor. Er selbst war dabei zeitweilig so ergriffen, daß er Tränen vergoß Aber bei den Bauern erweckte es unbändig« Heiterkeit — Tolstoi legte da* Stüde ln die Schublade und konnte sich nur schwer entsahHpBsn, es drucken zu lassen E* ist dam aie eines der großartigsten Werke d— Weltliteratur zur Geltung gekommen.