eobachter. ¥ 1 \ ii * 1 *" V i y Nr. 3. Sonntag den 12. Iannar 1844 . Die Abschaffung der Meujahrsbretzelu der hiesigen Bäcker betreffend. Ueber diesen Gegenstand haben sich hier so viele Stimmen, und zwar dagegen, erhoben, daß es doch am Platz sein dürste, denselben etwas näher und von verschiedenen Seiten zu betrachten. Zuerst muß gesagt werden, daß die den hiesigen Bäckern gegebenen besonderen Zunftbestimmungcn, unter andern guten, auch die enthält, daß bei 1 fl. 30 kr. Strafe jedem Meister verboten ist, jemand irgend etwas zu schenken, auf daß nicht durch solche Practiken Einer dem Andern seine Kunden noch Dienstboten abspanne, oder in seinem redlichen Erwerb schmälere. Demnach hätten die Bäcker — wie es auch anderwärts z. B. in Heidelberg gegen einmalige Bezahlung von einem Gulden für jeden Bäcker in das Almosen geschah, wie auch in Rastadt, Stuttgart u.^ s. w. wo das Publikum sich nicht so wie hier vernehmen ließ — ohne irgend einen anderen, als den gesetzlichen Grund, den durch eine starke Konkurrenz eingcschlichenen Mißbrauch ohne weiteres abschaffen können. Dies wollten sie jedoch nicht; sie wollten vielmehr zeigen, daß es nicht allein geschehe, um einen ihnen und andern sehr lästigen Mißbrauch abzuschaffen, sondern daß sie besonders im Auge hatten, viel Gutes sonst damit zu bewirken. — Erstaunt werden manche fragen: „Ei worin soll denn das viele Gute liegen? War cs doch ein so schöner alter Brauch! — freuten sich nicht Alle aus die schöne NeujahrSbretzcl; nicht des Werthes wegen allein, sondern weil man darin eine besondere Aufnierksamkcit der Bäcker gegen ihre Kunden erblickte; — weil die armen Jungen und Knechte ein Erhebliches zur Verbefferung ihrer bedürftigen Lage erhielten — " und wie all' das Schöne heißen mochte, was noch dafür angeführt wurde. Darauf wird erwiedert, daß vieles Gute alt, deßwegen aber nicht alles Alte gut ist; so auch hier. Warum sollen denn die Bäcker gegen ihre Kunden eine größere Rücksicht eintreten lasse», als andere Gewerbe, von denen beinahe ohne Ausnahme, statt einer Bretzel, am Neujahr — die Rechnung kömmt? Dieser Gebrauch ist wahrlich besser für die betreffenden Gewerböleute, trotzdem gefällt er vielen (welche diese Rechnungen erhalten) gewiß nicht, und doch wurde, im Gegensatz zu den Neujahrsbretzeln, dagegen nie geeifert! — Nicht zu verkennen ist, daß in neuerer Zeit die Bäcker von den Staatsaufsichts-Behörden sehr genau beaufsichtigt werden und daß für sie die gute alte Zeit vorbei ist. Sollten vielleicht, außer dem schönen guten Willen, die Verhältnisse Mancher nicht zu dieser Vereinbarung jetzt mitgewirkt haben, die seit vielen (20) Jahren nicht zu Stande gebracht werden konnte?' Was die Verbesserung ihrer Dienstboten betrifft, dafür wollen wir die Bäcker sorgen lassen; sorgt doch auch Niemand für die unsrigen! Nur wenigen war es eine Hülfe, denn die jetzige genußsüchtige Zeit hat die mehr- sten zur Verschleuderung der Trinkgelder hingerissen, und ihr Hang zum unordentlichen Leben fand dadurch neue Nahrung. Hat die Sache doch auf allen Seiten nur zu Veruntreuungen Anlaß gegeben: die Austräger, um sich im Voraus für ihre Mühe bezahlt zu machen, behielten einen Theil des Trinkgelds für sich, betrogen somit ihren Dienstherren und ihre Mitgehülfen. Die Mägde der Kunden liefen, auch gegen den bestimmten Willen ihrer Herrschaft, demjenigen Bäcker zu, der am mehrsten Dreinbrod gab, welchen Gewinn sie in die Tasche steckten, und folglich ihre Dienstherrschaft betrogen. Sind es nicht die Metzger und die Kaufleute,'welche ebenfalls an der Abschaffung dieser Neujahrsgaben arbeiten? und warum? weil die Anforderungen der Dienstboten bald alle Begriffe übersteigen; und wo soll eö denn der redliche Gewerbsmann hernehmen? Der Unredliche kann eö vielleicht der Herrschaft in der Rechnung oder im Gewicht einbringen. Diese Mittel, diese Handlungsweise will man in Schutz nehmen? Klagt man doch im Allgemeinen, wie mit Riesenschritten der Leichtsinn, die Genußsucht und die verderblichsten Laster, namentlich in der dienenden Klasse, einreiffen, was die vielfältigsten Beschwerden täglich über letzteren hervvrruft, und dennoch tritt man da, wo diesem Nebel, wie hier, entgegen gearbeitet wird, bitter tadelnd entgegen? Bedenke man wohl, was es heißt, Gebräuchen, welche nur durch Unrecht entstanden, nnd gegen Recht bestehen; welche in ihren Folgen so viele Gelegenheit geben, gegen alle Gebote der Ordnung und der Moralität zu sündigen, das Wort zu reden! 10 Endlich geben die Bärker, statt der Bretzeln, aus freien Stücken als Innung zur Erbauung eines Waisenhauses in 10 Jahren 3600 Gulden und außerdem noch Viele, wie die übrigen verehrlichen Einwohner, erhebliche Beiträge. Darüber aber verdienen sie, nach diesen Betrachtungen, wohl keine Vorwürfe, sondern Dank, indem sie auch alle unredlichen Mittel zur Hebung ihres Einkommens, als verwerflich, von der Hand weisen und nur in Lieferung eines guten und gesunden Gebäckes die Erwerbung und Erhaltung guter Kundschaft sich sichern wollen. Ein über den Verlust von drei Bretzeln sich tröstender hiesiger Bürger. *Der blutige Speer des Indianers. (Schluß.) Drei Tage lang wanvertc der Rächer ungehindert fort. Zn seiner Seite wälzte sich der Wasserriese, der wie eine ungeheure Acer die grenzenlose amerikanische Wildnisi durchzieht. Mah.to- tvh-pa hatte kein Auge für die Größe der Natur: sein einziger Gedanke war, sicher über die Landstriche zwischen den befestigten Dörfern der Sticcarih's und Mandan's zu gelangen. Aber als am vierten Tage die Sonne eben ihre höchste Höhe erreichte, gewahrte er einen beweglichen Gegenstand auf der Ebene, der ihn bewog, sich augenblicklich in das Gras zu werfen, aber so, daß er die verdächtige Erscheinung, die ihm immer näher und näher kam, beobachten konnte. Es war eine Heerde Büffel, und daß sie keinen ungewöhnlichen Weg cingcichlagen hatten, das zeigten die Taufende von Fnßstapfcn, welche gegen den Fluß hin führten, deutlich genug. Ob aber die rasende Eile dieser Thicre vom Durst oder von verfolgenden Jägern herrührte, das war noch zweifelhaft. Die Heerde kam heran, von einem mächtigen Büffelochsen geführt, und kaum war der letzte unordentliche Nachtrab an seinem Versteck vorbei, den Abhang Kopf über Kopf unten hinabgestürzt, so erschien auch schon ein Haufen berittener Indianer auf dem nächsten Hügel und machte eine Schwenkung, um einen Theil von der Heerde abzuschneiden. Der Erfolg dieses Unternehmens mußte das Schicksal des Beobachters entscheide», der, wie man sich denken kann, mit nicht geringer Spannung zusah. Das Jagdstück gelang und die Siour verschwanden, die versprengten Thiere vor sich hcrjagend, im selben Nu. Äah-to- toh-pa stieg herab und nahm seinen Stand an dem Wege, den die Thiere wohl schon seit Jahrhunderten mit instinktartiger Gewohnheit cingeschlagea hatten. Er ließ die Heerde an sich vorübergehen, bis ihm eine kleine fette Büffelkuh in die Augen stach. In drei Secnnden hatte sie drei Pfeile im Leibe. Darauf warf sich die Hcerre wie ipll in den Fluß und war auch bald am jenseitigen Ufer, einige Stücke ausgenommen, welche von der gewaltigen Strömung fortgerissen wurden. Das Thier zu töteten und ein wenig von seinem Fleische zu essen, war das Werk eines Augenblicks, und aöermals wanvertc unser Held bis in die sinkende Nacht hinein, worauf er, nach einem ungewöhnlichen reichen Mahle und einer Ertrapfeife zur Verdauung, schlafen ging. Ob ihm das rohe Bnffelfleisch nach der schmalen Kost der vorhergehenden Tage eine Unvervaulichkeit zugezogen hatte, weiß ich nicht: genug, Mah-to-toh-pa erwachte bei Hellem Mondschein, mehrere Stunden vor seiner gewohnten Zeit. Ein Geräusch seiner Nähe machte ihn aufmerksam, er wandte de» Kopf, und siehe, ein paar Zoll von ihm saß ein sehr ansehnlicher Bär, ivel- cher den Rest seiner Jagdbeute mit großer Gemächlichkeit verzehrte. Mah-to-toh-pa brauchte nur ruhig liegen zu bleiben, so hatte er nichts von seinem Namensbruder zu befürchte», denn „ein lotetet Mann ist Arznei für den Brummbär;" aber unser Held war verdrießlich, zumal da er fühlte, daß Meister Brumm ihm das Gesicht abgelcckt und, wie leicht zu errathen, in seiner indianischen Malerei höchst willkührlichc Farbenmischungen angebracht hatte. Auch war die Besiegung eines Bären keine kleine Heldenthat, und nur eine solche gab das Vorrecht, mit einem Halskragcn von seinen Klauen zu prangen. Mah-to-toh-pa wollte die Gelegenheit, den Schmuck, den er bereits besaß, zu vergrößern, nicht vorüber lassen und schon im nächsten Augenblicke saß ei» Pfeil in der Seite seines Namens Bruders. Der stumme Gast, dem diese Erwiderung seines friedlichen und rücksichtsvollen Betragens gewaltig wurmte, setzte sich auf die Hinterbeine, dem Häuptling im raschen Anmarsch Brust und Zähne weisend. Pfeil um Pfeil flog vom Bogen, und als der Köcher endlich erschöpft war, kam es zum Handgemenge, das bei der Schwäche des verwundeten Feindes nicht lange unentschieden blieb. Haut, Klauen und ein Stück vom Fleisch waren der Preis des Siegers, der alsbald seinen Weg fortsetzte und nach sieben Tagen das Ziel seiner Resse vor sich liege» sah. Die Zeit von Mittag bis Sonnenuntergang brachte er in einem Dickicht im Angesicht des Sticcarih-Dorfes zu. Hier legte ec die Bärenhaut und seine sämmtlichen Waffen nieder, von welchen er nichts behielt als de» blutigen Speer, der seinen Bruder gctovtet hatte. Kaum war die Dämmerung herabgesunken, als der Mandan-Kriegcr sich erhob und geraden Weges auf die Hütte» zuging. Es war die Stunde, wo die meisten Helden von der Jagd heimkehrten, um ihr Abendbrod zu sich zu nehmen. Mah- to-toh-pa hatte sich durch Bemalung so viel als möglich zum Sticcarih herausstakfirt, mit fester Miene und unbefangener Haltung mischte er sich unter seine Todfeinde und betrat mit ihnen ihr Dorf. Won-ga-tap's Wigwam ausfindig zu machen, in dessen Nähe während des langen Abends umherzulungern und in so gefährlicher Lage sich immer ruhig zu verhalten, war kür den schlaue» Vier-Bär eine Art von Erholung nach seinen Strapazen- Als es ganz dunkel geworden war, verbarg er sich in einem engen Winke! zwischen Won-ga-tap's und einem andern Zelte unter Thicrhäuten, welche dort zum Trocknen aufgehäugt waren, und schnitt mit seinem Messer ein kleines Loch in die Zeltwand, um in das Innere der Behausung zu spähen. Zwei Kinder saßen darin und ein junges hübsches Weib stand ani Feuer, um das Essen zu bereiten. Nun wurde das Fell, das zur Thürc diente, aufgehoben: mit angehaltencm Athem sah der Mandan seinen Feind erscheinen. Der berühmte Krieger trat zum Feuer, legte seine Lanze ab und setzte sich, ohne ein Wort zu sagen, bloß durch Gebärden seine Erwartung, daß das Essen kommen werde, zu erkennen gebend. Die junge Frau setzte ihm die lecker» indianischen Gerichte vor und blieb dann in de- mnchigcr Entfernung stehe». Ein würdevolles Bcifallölächeln belohnte sie', das sie mit einem Blicke unbegrenzter Liebe und Hingebung belohnte. Dann brachte sic mit ahnungslosem Herzen die Kinder zur Ruhe., Ais Won-ga-tap mit dem Esse» fertig war, folgte sic seinem Beispiele, während er die Pfeife stopfte und zu rauchen begann. Mah-to-toh-pa dachte bei diesem Anblick nur an den verlassenen Wigwam seines Bruders, dessen Scalv vor seine« Augen an der Lanze des Feindes hing, und das Schauspiel deü häuslichen Glückes konnte »nr seinen Rachedurst entflammen. Endlich erstarbeu die letzten Laute des Tages; nur da und dort ver- 11 nahm man noch das Geflüster eines Mädchens beim Stelldichein, und zuletzt knurrten nur noch ein paar hungrige Hunde, die stch um einen Knochen zankten, Abermals näherte Mah-to-toh-pa sein Auge der Ocffnung. Die junge Frau lag auf den kostbaren Fellen, welche zum Lager dienten; Won-ga-tap that den letzten Zug aus der Pfeile, unv ruhte bald, wie Sigurd in der nordilchen Nibelungen- sage, an der Seite seines Weibes. Leise wie eine Schlange erhob sich der Mandan aus seinem Verstecke; dann aber irat er herzhaft ans und schritt über die Schwelle, in festem Vertrauen auf die Allgemeinheit der Sitte, welche einem hungrigen Manne zu jeder Stunde in jeden Wigwam cinzutretcn erlaubt. Der verglimmende Schein des Feuers reichte aber noch hin, um ihm den Topf mit gekochtem Fleische zu zeigen, woran er sich nun für die bisherigen Entbehrungen gütlich that. Won-ga-tap machte keine Bewegung, aber sein Weib flüsterte, dem Mandan vernehmlich: Wer ist der Mann, der in Won-ga-tap's Wigwam ißt? Mein Bruder wird hungrig sein, war die Antwort des Kriegcrö. Als Mah-to-toh-pa den Topf wieder an seinen Ort gestellt hatte, schenkte er sich ein, trank und stopfte seines Feindes Pfeife, ans welcher er in langen Zügen rauchte, immer überlegend, auf welche Weise sein Vorhaben am besten auszuführen sein würde. Es war so finster, daß er keinen Gegenstand in der Wohnung unterscheiden konnte; außerdem saß er mit dem Rücken gegen seinen Feind. Er schaukelte stch und lehnte sich mehr und mehr zurück, als ob er ein wenig ruhen wollte; zugleich stieß er, gleichsam zufällig, mit den Zehen in die Asche, und so gelang es ihm, einen Blick auf den Sticcarih zu werfen, dessen dunkles durchdringendes Auge, wie er bemerkte, neugierig auf ihm haftete. Ist der Mann fort? fragte sic abermals. Nein, crtvidcrte Won-ga-tap: mein Bruder ist müde, unv raucht. Das Büffclfleisch war sehr zäh. Er möchte ausruhcn. Der armen Frau schien diese Bemerkung über ihre Kochkunst nicht zu behagen; sie schmollte sichtlch. Won-ga-tap kehrte sich gegen sie, um ihr, gutmüthig neckend, einen Verweis zu geben, unv in diesem Augenblicke empfing er den vcrhängnißvollen Speer in den Rücken. Won-ga-tap geht zu den glückseligen Jagdgründen, wohin er Mah-to-loh-pa'S Bruder sandte, murmelte der Mandan- Kriegcr, während er ruhig den Scalp seines Feindes nahm. Das arme Weib, das den Ermordeten zärtlich liebte, lag sprachlos vor Entsetze», während vcr Mandan sich Zeit nahm, das Feuer anzufacheu und beide Sperre, so wie den Scalp seines Bruders nebst dem des Sticcarih-Kriegers in Besitz zu nehmen. Endlich, eben als er die Thur gewonnen hatte, fand sie ihre Stimme wieder und schrie aus allen Kräften. Der Mandan warf ihr einen Blick der Verachtung zu; da bemerkte er aber eine von den Federn des Speers, die a» Won-ga-tap's Wunde hängen geblieben war. Da dieß nicht sein darf und :ür „Arznei" gilt, so stürzte er wieder hinein und bemächtigte sich des Schmucks. Die Frau, außer sich über den Anblick, suchte ihn festzuhalten; er aber faßte seüi Messer nebst der Beute fest und rannte in das Dorf, wo schon alles lebendig geworden war. Sich durch das Gedränge durch- zusiehlen, als ob er mit nach der Ursache des fürchterlichen Ge- schrei's forschen wollte, war für Mah-to-toh-pa eine Kleinigkeit; aber noch che er das Dickicht erreicht hatte, schallte ihm der Klang icines Namens von hundert Stimmen nach. Da hielt er cs für gcralhcn, eines der Pferde, welche mit gefesselten Beinen um das Dorf herum weideten, loszumachen. Er schwang sich auf, ohne Sattel, Zaum, Sporn oder Peitsche, und jagte wie der Blitz über die Prairie, gefolgt von den Feinden, die sein Beispiel nachgeahmt hatten. Zum Glück für ihn war seine Wahl eine gute gewesen; er sauste dahin, den Bogen gespannt, und alle Waffen fertig zu dem Kampfe. Aber niemand vermochte ihn einzuholen. Die Nacht war schwarz und stürmisch, Donner rollten durch die Luft, und die Sticcarih's hatten bald die Spur des Verhaßten gänzlich verloren. Dennoch ritt er, so lange das Pferd ausdauern konnte; selten gönnte er sich und seinem Thierc Rast, und nach einem dreitägigen scharfen Ritte langte er unter betäubendem Zuruf im Dorfe der Mandan's an. Groß war der Jubel an diesem Tage und die Tänze dauerten bis in die späte Nacht. Mah-to-toh-pa stand von nun an in der höchsten Ehre bei seinem Volke. Er führte noch manche Heldcnthatcn aus, aber keine wurde so gefeiert wie sein Neberfall in der Hütte des Sticcarih. Aus der Zeit. — In Berlin ist der Platz zur Errichtung eines großartigen Hospitals, das man als das Werk des wieder ins Leben gerufenen Schwancnordcns bezeichnet, bereits auf dem Köpcnicker Felde angekauft. Die ersten Baumeister sind höheren Orts beauftragt, Pläne zum Ban dieses Hospitals zu entwerfen, und die dazu nö- thigen Kosten zu veranschlagen. — Der König von Preußen hat dem französischen Seemalcr Gudin den Verdienstorden goiir le mottle verliehen, was in der Knnstlerwclt großes Aufsehen gemacht hat. — M ü nchen. So viel man vernimmt, werden unser seit kurzem ron Schwangau zurückgekehrtcr Kronprinz und die Kronprinzessin die beabsichtigte Besuchsrcile nach Berlin nickst antreten, und zwar aus einem Grunde, der allgemeine Freude verursacht. — Obwohl schon so Viel und so Gewichtiges dagegen geschrieben wurde, wird von der königl. Hoftheater-Jntendanz in München abermals 'während des Carncvals ein Jugendball gegeben werden. Wir wären sehr begierig, einmal die Gründe zu hören, die für Abhaltung von Jugcndbällcn sprechen. — In Burgk bei Dresden wurden vor einigen Tagen zwei Menschen in der Stube todt gefunden und niemand konnte die Ursache des plötzlichen Todes heransbringen. Au demselben Abend, wo die Leichen begraben waren, fand man an derselben Stelle auf dem Fußboden der Stube wieder einen Mann todt, eine» anderen im Sterben. Auf Lessen Angabe untersuchte man de» Oken, und fand, daß das durch die Steinkohlen erzeugte Schwefclgas durch die mit Ruß verstopften Rohre nicht hatte hindurchkommen können und in die Stube gedrungen war. — Mainz, 8. Jan. Seit langen Jahre., hat in unserer Gegend kein Ercigniß so großes Aufsehen gemacht, und auch wirklich die öffentliche Besprechung in solch hohem Grade verdient, als das am 3. d. in Mainz stattgcfundene Duell. Da Berichterstatter weder die Familie des Hin. v. Lavallette, »och jene des Hrn. Kupfcrberg kennt, so wird er ohne Parteilichkeit sprechen können, und da er von allen Details beiderseits genau unterrichtet ist, so wird auch die öffentliche Meinung kein falsches oder voreiliges Nrtheil fällen. Hb. Kupferberg, 21 Jahre alt, Commis in einem Handlungshause zu Mannheim, kam nach Mainz, um in der Vaterstadt die Weihnächte- und Neujahrs-Festlichkeiten zuzubringen. Er huldigte dem einer hiesige» sehr geachteten Familie angchörige» Fräulein K. und benützte die Gelegenheit des Glatteises am Sonntag den 29. Dcc., ui» Fräulein K. beim Hcrausgchen aus dem Theater seinen Arm anzubieten; Fräulein K., trotz dieser Stütze, gleitet aus; Hr. v. Lavallette, preußischer Dragoner-Offizier, von hochgestellter Familie und im Rufe eines sehr gebildeten, braven jungen Mannes (im Alter von vierundzwanzig Jahren), geht mit andern Herren hinterher und kann sich des Lachens nicht enthalten. Acr- 12 gerlich, vielleicht auch aus Eifersucht gereizt, verbietet ihm der junge Kupfcrberg sei» ,unverschämtes Lache»" uuv fordert ihn Tags darauf. Hr. von Lavallctte weigert sich, wie natürlich, wegen solcher Kleinigkeit sich, zu schlagen, zeigt sich aber bereitwillig, sich bei Fräulein K. zu entschuldigen. So that er auch auf dem glänzenden Silvester-Balle im Casino. Fr. K. antwortet ihm: sie habe nichts zu entscheiden, er solle sich mit Hrn- Kupfcrberg verständigen. Hr. v. L., verdrießlich, machte hierauf eine etwas zu heftige Aeußerung über Fräukdin K. vor Hrn. Kupferberg. Neuer Wortwechsel folgt, welcher dicscsmal wirklich zum Duelle führt. Hr. Kupferbcrg» wählt de» Degen, Hr. von Lavallctte, von der Maxime ausgehend, daß sich Adelige mit Bürgerlichen nicht auf den Degen schlagen sollen, besteht durchaus auf Pistolen. Das Duell fand Freitag den 9. um 8 Uhr Morgens auf-vem Bruche statt. Die Secundante» bieten vorher noch einmal Alles zur Vermittlung auf, voch umsonst. Die Gegner stehen sich 15 Schritte gegenüber: Hr. v. Lavallctte schießt zuerst und trifft den junge» Kupjerberg in den Leib; dieser, im Fallen, drückt loö und trifft Hrn. v. L. in die Pulsader am Halse; Hr. K. wurde schwer verwundet und Hr. v. L. tvdt in die Stadt zurückgebracht. Gestern Dienstag de» 7. wurden nun die sterblichen Ueberrcste des Hrn. v. L-, gefolgt von allem Militär, von evangel. Geistlichen, Civilbeamten und Bürgern, zur Erde bestattet. Hr. v. L. wird mit Recht allgemein betrauert, und die Entrüstung über dieses schreckliche Duell ist um so größer, als die Grundursache so unbedeutend ist. ES ist ein / schönes Gefühl in den Menschen, die Todtcn zu ehren, vor dem Grabe alle Anklage.verstummen zu lassen; doch sollte mau dcßhalb nicht alle Schuld auf de» Lebenden wälzen. Hr. v. L. bekannte sich zur katholischen Religion. Unser hochwürdiger Biscbos, Herr Kaiser, überließ es der katholischen Geistlichkeit, zu handeln, wie sic wolle (sie begleitete die Leiche des Hrn. v- Lavallctte nicht); er wollte weder verbieten, noch erlauben; aber er wird gewiß nicht der Letzte sein, welcher zu Gott fleht für den unglückliche» Lavallctte und für den noch unglücklicheren Kupferberg. (F. I.) — Unterm 30. Dez. haben Schultheiß und Regicrungsrath des Kantons Luzern die definitive Annahme des StaatsvertragcS mit der Gesellschaft Jesu bekannt gemacht. Derselbe tritt demnach mit dem 5. Jan. d. I. in Kraft. — Am Neujahrstag starb zu Neath, seinem Geburtsort in der Waliser Grafschaft Glamorga», an einer Herzerweiterung der durch tapfere Haltung in Kandahar und seine Theilnahmc am zweiten afghanischen Feldzug berühmte General Sir William Nott, 05 Jahre alt. Cr hatte sich den Grund zu seiner Krankheit in Indien gelegt. — Madrid. Der Senat hat in einer seiner letzten Sitzungen, in welcher die Berathung über den Reform-Entwurf fortgesetzt wurde, einen von dem Herzoge von Gor gestellten Antrag auf Erblichkeit der Senatorswürde mit großer Majorität verworfen. Das Cabinet selbst hatte den Antrag lebhaft bekämpft. Hr. Martine- de la Rosa hat im Senate einen Gesetzentwurf zu wirksamer Unterdrückung des Sclavenhandcls vorgelegt. Sämmt- liche Correspondenzcn aus den Provinzen stimmen darin überein, daß die öffentliche Ruhe auf keinem Punkte mehr bedroht scheine. — St. Petersburg. Wie man bestimmt vernimmt, wird dem, seit ld2g in den Ruhestand versetzten, General Jeremolow die obere Leitung des Krieges gegen die Bergvölker anvertraut werde»; in derselben Stellung halte sich der General während seines früheren Staatsdienstes durch eine erfolgreiche Energie ausgezeichnet. — Algier. Die Maroccaner weigern sich, den sogenannten Barbareskcn-Tribut abzuschaffen, und weder Holland noch Dänemark noch die übrigen Staaten, welche bis jetzt tiefe» schimpflichen Tribut zahlen, habe» mit ihren Vorstellungen in Fez und Tanger durchdringen können. Es war unrichtig, wen» behauptet wurde, die Gränzverhältnissc zwischen Marocco und der algicrischen Rtgent- schaft seien bereits geordnet. Die Gränz-Demarkationslinie ist noch keineswegs bestimmt gezogen, auch hat der General Lamoricwre in Oran bekohlen, die westlichen Provinzen nicht von Truppen zu entblößen, da möglicher Weise im Frühjahr neue Komplikationen an der maroccanischen Gränzc eintreten können. Ein Bataillon der Fremdenlegion des ersten Regiments ist von Mostagancm nach OrleanSville marschirt. Die Desertion in diesem Korps war einige Zeit so groß, daß man die Soldaten beinahe Tag und Nackt bewachen mußte. Auch in's Innere von Marocco, so wie früher zu Abd-cl-Kadcr, desertirten viele Soldaten dieser Legion, zu welcher noch immer die aus Belgien, Holland, Deutschland, der Schweiz und Sardinien nach Frankreich desertircnden Soldaten von Toulon aus übergeschifft werden. Den meisten dieser Soldaten, namentlich den im Norden Geborncn, bekommt das Klima hier wenig und sie werden vielfach vom Fieder und der Ruhr hingerafft. — Den neuesten Nachrichten zufolge ist Moriko in einer sehr kritische» Lage. Immer Zwietracht, Bürgerkrieg, Kriegsdrohungen von Seiten Teras, und Interventions-Aussichten von Seiten Nordamcrika's und dazu noch ein furchtbarer Typhus, der in Ma- tamoras, Tampico und andern Städten unzählige Opfer wegrafft. Diese Krankheit ist bösartiger als daö gelbe Fieber. Ganze Schiffmannschaften von Schiffen, die zu Matamoras ankerten, sind auSgcstorben. Der amerikanische Konsul war ebenfalls der Krankheit zur Beute geworden. Der Aufstand gegen Santa-Anna wächst; mehreren Briefen zufolge stände seine Sache verzweifelt und seine Soldaten laufen haufenweise zum Feinde über. Verschiedenes. — Der Engländer Kidd in Hammersmith, ein Freunv der „höchst interessanten Thiere", Sperlinge genannt, veröffentlicht die Entdeckung, daß der Spatz, kahl auö dem Neste genommen und von Kindesbeinen an zu einem Kanarienvogel in die Lehre gethan, seinem Meister nicht nur gleichkommt, sonvern ihn nicht selten in der Bravour übertrifft! — Die Pariser Damen und zwar diejenigen, welche für gelehrte Damen gelten wollen, legen das weibliche Zartgefühl immer mehr ab. Seit einiger Zeit bemerkt man mehrere, die fleißig und aufmerksam den anatomischen Vorlesungen beiwohnen. Charade. Mein Erstes findet sich in jedem Schuh Und trifft insofern mit dem Nagel zu. Wem aber Gott das Zweite hat verliehen, Dem ist, sprüchwörtlick, der Verstand geriehen. Beim Ganzen kehrt der müde Wand'rcr an, Der in die Heimath geht aus fremden Gauen; Da wird sei» Bündel gierig aufgethan, Die Leut' im Hause möchten Alles schauen. Es ist kein Wirthshans; Wein und Bier wird nickst geschenkt, Doch hie und da wird Einem etwas eingetränkt. U. Redigirt und gedruckt unter Verantwortlichkeit der Ehr. Fr. Müller'schen Hofbuchhandlung.