Karlsruher eobachter. Nr. 12 . Donnerstag den 13. Februar 18ÄZ. Eine einfache Liebesgeschichte. (Fortsetzung.) „CäcilicnS Gatte war sehr reich; er hatte ihr ein Hotel eingerichtet in der Residenz, und Robert hätte ihr nur ein Landhaus bieten können. Ihre Zimmer waren mit Seide bekleidet, alle neuen Erfindungen des Luxus umgaben sie; alle Besucher bewunderten ' ihre Einrichtung, und in den ersten sechs Wecken ihres Ehestandes hatte sie nichts zu thun, als zu zeigen. Anfangs erfreute sie sich selbst an all dem Schönen, bald aber gewöhnte sie sich daran. „Im modernen Armsessel," sagte sie zu sich selbst, »muß man doch immer dasselbe denken, wie auf dem hartgepolsterten Stuhl, und das Herz schlägt nicht um ein Haar froher, wenn ein türkischer Shawl eö deckt, als unter dem leichten Tuch des armen Fräuleins." Ihre Wange hatte ihr viel röther aus dem kleinen Toilettenspiegel ihres Zimmers entgcgengeblickt, als jetzt, wo sie ihr Bild in der reichsten Kleidung und dem herrlichsten Schmuck vom Kopf bis zum Fuß abgespiegelt sah." „Als Cäcilie sich a» alle Herrlichkeiten ihrer neuen Lage gewöhnt hatte, waren sie ihr nichts mehr, und das Herz des jungen Weibes ward .nun der Schauplatz einer Tragödie, die keine Zuschauer hatte. Cäcclie hatte emc lebhafte Phantasie, und Die Phantasie ist bekanntlich die Werkstätte für tausend Lcebenswürdigkcilen, aber auch für unzählige Thoryecten, besonders ist sie die Erfinderin jenes künstlichen Unglücks, für welches Niemand Mitleid hak und welches doch das Leben in so düstere Trauerschleier zu hüllen vermag. Sie trat in den Ehestand mit der Ueberzcugung, Unglück darin zu finden, und so waren alle Schwächen des Gemahls, alle seine Untugenden und Eigenheiten ihr unertäglich; an Roberts Seite, meinte sie, würbe sie glücklich gewesen sein. Bald machte sie sich Vorwürfe, nicht früher ernstlich das Herz geprüft zu haben, bald haßte sie den Gatten, der in eine von den Eltern eingeleitete Verbindung gewilligt hatte; er muptc ein sehr kaltes Herz haben, wen» er m.t der wenigen Liebe, die sie ihm gezeigt, hatte vorlieb nehmen können." „Sie brütete über ihre Vergangenheit und buchstabwte alle Hicroglpphen ihrer Liebe zu Robert. Sie hörte aber gar nichts von ihm; er war auf Reisen. Wie gern hätte sic etwas von ihm erfahren, und doch z.tccrte sie vor der Nachricht, daß er verheirathet sei. — Cäcilie machte ihren Gemahl nicht glücklich, sic erfüllte nicht gewissenhaft den Beruf, den sie freiwillig übernommen, sie heiligte nicht das Haus zum Tempel, den ein glückliche Ehe erbauen muß; sie war ein schwaches, armes, thörichtcs, pflichtvergessenes Weib. Sie war sehr strafbar in ihrem Schmerz, in ihrer Schwachheit, denn selbst fern von der Versuchung, bedarf die Frau der Energie der Tugend, damit die Sünde nicht den Weg gebahnt finde in ihrem Herzen." „So lebte Cäcilie drei Jahre, sehnend, bangend und immer etwas erwartend. Sie war stets auf eine Ueberraschung gefaßt; jedes Posthorn, jeder rasche Schritt im Vorzimmer brachte sie einer Ohnmacht nah. Sie war bleich geworden und kränkestid; ernst und feierlich war ihre Haltung, langsam und bedächtig der Schritt, die Lebensanschauung traurig und ihre Stimme wehmüthig und klagend wie eine Aeolsharfe." „Während nun Cäcilie sich in ihre unglückliche Leidenschaft hineinträumte, hatte Robert dieselbe überwunden; nach dem erwähnten schwachen Moment hatte er keinen mehr. Er bereute sogar den letzten von ganzem Herze» und warf sich vor, am frohen Tage der Hochzeit Cäcllicns Seele mit dem Schmerz des Jugendfreundes getrübt zu haben. Er bat es ihr von ganzer Seele ab in seinem Innern, und zwar nicht ohne Erröthen bei dem Gedan-. ken, daß sie vielleicht mit Mitleid seiner denke; es empörte seine» Stolz, von ihr bemitleidet zu sein." „Er brachte drei Jahre auf Reisen zu und reiste nicht wie ein Verliebter, der vergessen will, nicht bloß zum Vergnügen und um die Zeit zu tobten, sondern wie ein Mann, der nach Bildung strebt. So kehrte der als Jüngling geschieden war, als vollendeter Mann in die Heimath zurück; er war ein Held, denn er hatte gelernt, sich selbst zu besiegen. — Nun wollte er auch die Jugend-. freundin wieder sehen, da Geschäfte ihn in die Residenz führten; er nahm sich vor, der letzten Stunden vor seiner Abreise gar nicht zu erwähnen, nur der Kindheit und Jugend zu gedenken und der frohen Stunden ihres Zusammenseins." „Cäcilie war nicht zu Hause und Robert wurde vom Stall- meister sehr freundlich empfangen, ;a cingeladcn, im Hause zu wohnen; und als er zum Fürsten abgerufen ward, führte er den Ju- gendbekanntcn in das Zimmer seiner Frau, wo er ihre Rückkunft erwarten sollte. Robert war allein und konnte sich mit Muße die heiligen Räume betrachten. Sein eigenes Bild stand auf einem kleinen Tische unter Blumen und mit Blumen bekränzt. Das Album, welches er Cäcilien einst gegeben, lag davor, und viele andere Gegenstände, als Papparbeiten, Bücher und Gelegenheitsgaben von ihm waren umher aufgestellt. Dieser Tisch schien ein ihm gewidmeter Altar zu sein. — Im Uedrigcn zeugte das Zimmer von der vielseitigen Beschäftigung einer gebildeten Frau; auch die neue-, sten französischen Romane waren auf ihrem Tische zu scheu." „Es ward Robert ganz bang und weh um's Herz in diesem Zimmer, die Schauer der Erinnerung thürmten sich in ihm auf zu schwarzen Gewitterwolken, cs war ihm, als müsse er fliehen; er wollte es auch thun, jetzt wo cs »och Zeit war — aber cs war nicht mehr Zeit, denn Schritte nahten und gleich darauf trat Cäcilie ein, ahnungslos der Ueberraschung entgegeneilend. — Ein Schrei entfloh ihren Lippen, als sie Robert erblickte. „Mein Robert!" rief sie und sank ihm fast bewußtlos in die Arme. — Als sie wieder zu sich kam, lächelte sie verlegen über das kindische Spiel, und bald saßcn Beide neben einander und plauderten von den gleichgültigsten Dingen, er von der letzte» Station, sie vom letzten Spaziergang. Sie sagten einander nichts, was sie nicht jedem andern hätten sagen können, und doch waren Beide so glücklich. - Vom Hochzeitstage sprachen sie nie, von der Jugend und 46 Kindheit aber sehr oft. CäcilienS Gatte erschien ihnen störend, obgleich nichts gesprochen wurde, was er nicht hätte hören können. Es war eine gewitterschwere Lrft auf den Familienkreis herabgesunken, und Robert fühlte sich bedrückt, sein Herz klopfte beständig, und alle feindlichen Mächte, die er mit der ganzen Energie seines Charakters nicvergekämpft hatte, erwachten wieder. Cäcilie erschien ihm jetzt in ihrem zweifelhaften Glück, mit der wankenden Gesundheit schöner, theurer, schutzbedürftiger, und folglich auch liebenswürdiger als sonst. Dann war sie auch vielseitiger gebildet als früher; sie hatte nicht umsonst in den ersten Kreise» der Residenz, nicht umsonst in der Nähe der Werkstätten der Künste unv Wissenschaften gelebt. Er fühlte, daß er sie noch liebe, daß sic ihm immer theurcr sei» werde, und er mußte alle seine Grundsätze auf- rnfen gegen das Gefühl, das er bewältigt glaubte." „Robert nahm sich vor, sich zurückzuziehen, kalt zu scheine»; seltener betrat er CäcilienS Zimmer, seltener suchte er ihre Nähe, und bei ihr war er befangen, während sie im Glück seines Umgangs immer unbefangener und heiterer ward. Sie hatte sich vorgenommen, sich der kurzen Zeit seines Aufenthalts zu freuen, weder rückwärts noch vorwärts zu blicken, und das schien ihr auch zu gelingen. — Ais er aber endlich vom Abschied sprach, da er- gossen sich ihre Klage» in des Freundes Brust, Klagen über das geflohene Glück, über Lebensüberdruß und Kummer; er sollte trösten, Math cinsprcchen, und je mehr er cs that, desto muth- und trostloser wurde Cäcilie. Nun sielen auch Worte vom Schmerz am Hochzeitstag, von den zu spät geöffneten Augen, vom thörich- tc» unverständigen Mädchenherzen, welches seine eigene Liebe nicht geahnt. So erkannte er denn, baß er geliebt gewesen, daß er es noch sei, daß bas Weib seiner Jugendliebe ihn anbete wie er sie, daß seine Qualen getheilt wurden; er erkannte eS jauchzend und' verzweifelnd zugleich." „Ich will fort, dachte er, fliehen vor ihr und vor mir selbst, ich will ihren Frieden nicht stören, sie soll nicht meinetwegen unglücklich sei». Er überlegte das die ganze Nacht, und am andern Morgen erklärte er dem Stallmeister, daß er abzureisen gesonnen sei. — Cäcilie war so überrascht vom plötzlichen Entschluß, daß sie den Kopf verlor; der Schmerz der bevorstehenden Trennung überwältigte sie. Im weißen Morgengewaud, mit aufgelöstem Haar, stürzte sie in sein Zimmer. „Bleib, Robert!" rief sic, „ich sterbe, wenn du mich verläßstl Sieh, ich liebe dich, nur durch dich wird mein Leben erträglich, nur du bist die Sonne, die mein Dasein erhellt! Ich liebe auf der ganzen Erde nur dich, und all bas Weh, das ich dir am Hochzeitstage gab, es wohnt seitdem in meiner Brust. Bleibe bei mir, wenn ich nicht sterben soll!' — Rach diesen leidenschaftlichen Worten sank sie bewußtlos in seine Arme." „Als Cäcilie die Augen aufscklug, redete Robert ihr freundlich zu und versicherte, daß er bleiben wolle, wie man einem schwachen Kinde die Erfüllung seines Wunsches zusagt, damit cä nur nicht weine. Seine Worte gaben ihr das Bewußtsein wieder, sic entzog sich seinen Armen und stand vor ihm beschämt und schüchtern. Sie war wie aus einem Traum erwacht. Erst jetzt erkannte sie, wie blind sie ihrer Leidenschaftlichkeit gefolgt war, wie uupassend sie gehandelt hatte. Sie hatte durch das Bekenntniß ihrer Liebe sich vor ihm erniedrigt, vor ihm, vor dem sie so gern immer hoch gestanden hätte. Sic weinte zwar noch immer, jetzt aber waren cs Thränen der Reue. Sic war auch den ganzen Tag befangen und vermied, mit Robert allein zu sein, und doch stand jeden Augenblick zu erwarten, daß CäcilienS Gatte an ihrem veränderten Wese» das Geheimniß errathcn werde." „Als Cäcilie am andern Morgen erwachte, war Robert abgereist. Folgende Zeilen wurden ihr übcrbracht; „Ich reise, theure Cäcilie, nach reiflichem Ueberlegen; ich glaube damit Ihre Wünsche zu erfüllen. Es gibt Momente im menschlichen Leben wo Schmerz oder Freude über uns Herr werden, doch nur Momente dürfen das fein, dann müssen wir uns wicderfinden, und Sic haben sich wiedergefunden. Sie werden eS mir Dank wissen, daß ich Ihre Nähe fliehe, Sie werden mich einst dafür segnen." — Die Tante schwieg. - „Nun? " fragte Antoinette. — „Nun?" fragte Bräutigam. — Aller Augen schauten nach der Erzählerin empor mit dem fragenden Blick der Neugierde. „Die Geschichte ist doch noch nicht zu Ende?" fragte einer der Anwesenden. — „lind warum denn nicht?" erwiderte die Tante; „was läßt sich da noch erzählen? Die Liebenden sind getrennt und die Liebesgeschichte ist aus. Ob sie leben, vegetiren, weinen oder verzweifeln, ob er in den Staatsdienst tritt oder sich sonst ausgezeichnet, ob sie kränkelt oder gesund ist, was geht das uns an? Sie sind getrennt; damit ist die Geschichte zu Ende." Antoinette meinte aber, cs inüsse durchaus noch ctwas.kommen, sonst könne man ja denken, Cäcilie sei gestorben und Robert habe sich getröstet. — „Was Cäcilien betrifft, würdest du falsch rathen, mein Kind," erwiderte die Tante; „Fruucn sterben nie am Schmerz, vernünftige Frauen trösten sich sogar, und tugendhafte Frauen bekämpfen das rebellische Herz. Cäcilie hat noch recht glückliche Tage verlebt und dann —" — „Nun dann?" fragten alle Zuhörer, „also gibt cs doch ein Ende?" — „Ja," fuhr die Tante fort, „Cäcilie ward Wittwe — — " Man vernahm einen vorfahrcnden Wagen- — „O Taute, erzähle schnell," rief Antoinette, „es kommt Besuch und die Ge, schichte wird nie zu Ende kommen, wenn du nicht eilst." Die Tante schien zerstreut; sie blickte erröthend nach der Thür welche sich aufthat. Ein hoher schöner Mann von gereiften Jahren trat ein. Er verneigte sich gegen die Frau vom Haus, begrüßte die Gesellschaft unv wandte sich dann der Tante zu, die ihm entgegcnkam und die Hand reichte, welche er küßte. (Fortsetzung folgt.) Aus drr Zeit. — Der Schnee hat sich allenthalben in reichlicher Menge eingestellt. Man fährt Schlitten in Berlin wie in München unv wünscht nur etwas weniger Wind. Die Bewohner der Alpen- thäler sind übel daran, da jetzt oft Lawinen herniederrollen und Unglück anrichten. Bei Murialdo wurden 2 Häuser mit den Einwohnern auf diese Weise begraben. Vier Personen fand man als Leichen, ein junges Mädchen lebte noch und wurde gerettet. — In Belgien ist des hohen Schnee's wegen selbst auf den Eisenbahnen kein Fortkommen mehr. Die Kouricre aus Frankreich und Holland sind um zwei Tage später als sonst eingetroffen, weil sie theils vor Schnee, thcils vor den Stürmen nicht vorwärts konnten. — Die verstorbene Herzogin Elisabeth von Nassan ist vor- läufig in der griechischen Kapelle zu Wiesbaden unter den üblichen Feierlichkeiten beigesetzt worden. Den Traucrgvttesdienst verrichteten einige russische Geistliche. Der russische Gesandte von Frankfurt am Main nahm gleichfalls an der Trauerfeier Antheil. Bei dem Leichenzug befand sich auch ein Sängcrchor, der Stcrbclieder anstimmte. — Der Domdechant Diepenbrcck in Rcgensburg soll die Wahl eines Erzbischofs von Breslau entschieden abgelehnt 47 und die Deputate» des Domcapitels von Breölau Regensburg verbissen haben. Die Deputation hat sich nach München begeben und eine Audienz beim König erhalten. Man hofft, daß dieser den Domdechanten Diepcnbrock bewegen werde, die ihm'an- getragenc Stelle anzunehmen. — In N lm wird demnächst eine aus österreichischen, baperischen und württcmbergischen Artillcrieofficicren bestehende Commission zusammentrcten, um die Geschützausrüstung der Festung Ulm zu bestimmen und das dabei anzuwendende Epstein festzusetzen. — Graubündcn. Die Felsbergcr werden den neuen Ansiedelungsplatz unter dem Schloßhügel auf der Ebene des linken Rheinufcrs so bald als möglich beziehen. Nach dem Kostenanschlag erfordert der Bau einer neuen Kirche sammt Pfründ- und Schulhaus 30,000 fl.; der Bau von 80 Häusern sammt Stallung und Hof (zu 3030 fl.) 134 Familien 282,400 fl.; die wegen des sumpfigen Bodens nöthige Auffüllung der nächsten Umgebungen der Häuser 5000 fl.; der Aufkauf des zur Anlegung des Dorfes zu benutzenden Privatbodcns, 13,000 Quadratklafter zu 30 lr., 6500 fl.; der Wasserbau zum Schutze des neue» Dorfes und der daran stoßenden Ebene 38,365 fl., und der Bau einer neuen Brücke über den Rhein zur Verbindung der Ansiedelung mit den jenseitigen Gemeinden 14,000 fl., zusammen also 421,206 fl. oder 505,555 Frk. 2 Btz. Diese Unkosten übersteigen nach der Erklärung des kleinen Rathes die Kräfte der Gcmeinoe Fclsberg bei weitem, da diese gewärtigen muß, einen großen Theil ihrer liegenden Güter beim Felsstürze einzubüßen. Die Regierung hat daher am 31. Januar an die übrigen Gemeinden des Kantons eine Einladung zu freiwilligen Unterstützungsbciträgcn erlassen und eine Kommission nicdergcsetzt, welche die eingehenden Hülfsgclder i» Empfang nehmen soll. — Es werben immer mehr Stimmen laut, daß der König von Preuße» Willens sei, seinem Lande eine freisinnige Constitution und Reichsstände zu geben. Mn» glaubt, daß die Vorarbeiten bereits weit gediehen und den Prvvinzial-Landständen, die in diejcn Tagen zusammen treten, vorgelcgt werden würden. — Wegen eines Wortwechsels mit einem Geuüd'armcn ist der Professor Dicffenbach in Berlin zu einer 14tägigen Gefäng- nißstrafe verurtheilt worden. Er wird nicht nach Schweden gehen. — Der Leipziger Bckenntnißstreit ist durch das Cult- ministerlum dahin entschieden worden, daß eö den Geistlichen überlassen bleiben sollte, bei der Confirmatio» sich wörtlich des apostolischen Spmbolums zu bedienen oder eine eigene Umschreibung an dessen Stelle treten zu lassen, dock sei cs wünschenswerth, wenn das alte apostolische Glaubcnsbekenntniß in allen Gemeinden gebraucht werde. — In der preußischen Provinz Sachsen ist den Lehrern jede Theilnahme an dem sogenannten Lchrerfesten untersagt worden' In Magdeburg sollte ein solches nach Ostern stattsindcn, das aber ebenfalls aufgegebcn werde» mußte. — Der Schriftsteller Prutz ist nun wirklich wegen eines Artikels in seiner Zeitschrift „dicj politische Wochenstube" der Majestäts- bcleidiguiig angcklagt. Obgleich er selbst öffentlich bekannt gemacht hatte, daß dem nicht so sei, widerruft er jetzt diese Bekanntmachung, wundert sich aber über die Amtsverschwiegenheit der betreffenden Beamten, da diese Anklage drei Wochen früher öffentlich mitgetheilt worden sei, als er sie selbst erfahren habe. — In Lüneburg sind noch die guten alten Zeiten. Kürzlich wurde in der sogenannten Ritter-Akademie Visitation gehalten und zwar von einem Herrn von S. aus Hannover und fünf Ge- hülfen, unter dem Beistand zweier Landräthe. Dazu wurde ein eigener Küchenwagen nach Hamburg geschickt, der für 1000 Thlr. Visitations-Apparat, nämlich Eß- und Trinkwaaren holte- Oie Diäten der Herren Visitatoren betragen 261 Thlr. und die Reisekosten 219 Thlr. Die ganze Anstalt hat 16 Schüler und 8 Lehrer, also für den Mann zwei Vögel. Die meisten Adeligen schicken ihre Söhne auf das ordentliche und gute Gymnasium, wo sie freilich nicht frei gehalten werden, aber etwas lernen. — Straßburg, 4. Fcbr. Die Regierung hat abermals amtliche Nachweise über die traurige Lage der nach Teras ausgewan- dcrten Franzosen erhalten, weßhalb renn auch von Seite unserer Behörden wiederholt Warnungen an die Landleute ergehen, die allenfalls Lust hätten, sich nach jenem Freistaate zu begeben. — Die Gesetzentwürfe in Bezug auf die Eisenbahnen von Paris nach Lyon, von Lyon nach Avignon und von Paris nach der Norbgränze werben den Kammern im Laufe der nächsten Woche vorgelcgt werben. — Es hat sich hier eine neue Compagnie mit einem Gcsellschastskapitme von 12 'Millionen Frs. für Anlegung einer Eisenbahn von Paris nach Dieppe gebildet, so wie eine Compagnie mit einem Gesellschaftskapitale von 63 Millionen für die Linie von Dijon nach Müh.Hausen. Die Subscriptionen sollen demnächst eröffnet werden. — Der Marschall Bugeaud hat in der französischen Depu- tirtenkammer erklärt, daß an eine Verminderung des stehenden Heeres in Afrika vor der Hand noch nicht zu denken sei, wenn Frankreich die eroberten Besitzungen nicht wieder verlieren wolle. Uebervieß sei im nächsten Frühjahr noch ein Feldzug gegen die Kabplen, die im Gebirge sich behaupteten, nothig, so daß die afri- kanische Armee bis auf 100,000 Mann verstärkt werden müsse, Abd-El-Kaver rüstet sich auch im Geheimen zu einem neuen Feldzug gegen die Franzosen, es sollen sich bereits 8000 Mann um ihn geschaart haben. — Der Rübenzucker in Frankreich hat in der Zahl der Fabriken zwar ab- zum 35), in der Production selbst aber zuge- »ommcn um beinahe 2 Milt. Kilogr. (.10,047,307 statt 14,844,790)- — 1*011 oo ii. Das Parlament wurde am 4. Februar von der Königin Viktoria in Person mit einer Thronrede eröffnet. — Am 6. Februar begab sich der Sprecher des Unterhauses nach dem Buckingham-Palast, um der Königin die Antwortadrcsse des Unterhauses zu überreichen. — Das größte Kricgsvampfschiff, welches je für die brittische Flotte gebaut worden, der „Terriblc", von 246 Fuß Länge, 42 FUß Breite und 27 Fuß Tiefe wurde den 6. Februar zu Deptford vom Stapel gelassen. — Die türkische Staatszeitung vom 12. Mvharrcm 1261 (21. Januar 1845) enthält das nachstehende Handschreiben (Hatti- Scherif), daß Se. Hoheit an den Gropwesiir erlassen hat, und welches in der am 12. d. M. stattgesundeiien Sitzung des Reichö- conseilS verlesen wurde: „Mein getreuer Wesir! Die zahlreichen Haiti-Schcrife, die ich seit meinem Regierungsantritte erlassen, haben der ganzen Welt meine gerechten Gesinnungen und meinen barmherzigen Willen kund gcthan. Ihre Absicht war bloß die, die öffentliche Wohlfahrt, und damit Religion und Reich zu befestigen. Ich glaube, daß Jedermann dieß begriffen hat, und es dünkt mir nicht nothwcndig, cs zu wiederholen, doch läßt sich auch nicht läugneu, daß von allen Bemühungen, die zur Verwirklichung der von mir gewünschten Verbesserungen angewendct worden sind, sei cs, daß der Grund nicht gut gelegt war, und in den Eiiizelnheiten versehen wurde, sei die Schuld endlich wo immer, keine einzige, mit Ausnahme der Militärreform, gelang, und daß, wenn diese letztere auch, Gott sei Dank, sich von Tag zu Tag inehr befestigt, sie doch, da ihre Aufrechterhaltung und Dauer wesentlich von der öffentlichen Wohlfahrt abhängt, bis jetzt noch ohne Grundlage ist. Ich empfinde hierüber gränzenlosen Kummer und finde keine Ruhe und Erholung mehr weder bei Tag noch bei Nacht, den» ich habe zu wiederholte» Malen, und von Zeit zu Zeit öffentlich, meinen gegenwärtigen Ministern meine Absichten erklärt und kund gcthan, und mich auf alle Weise bemüht, sic dahin zu bringen, mit Einheit und Zusammenwirken die öffentliche Wohlfahrt eifrig zu fördern. Es ist wahrhaftig sehr befremdend, daß hieraus keine gedeihliche Folge ersprießt, und mein Herz, Gott weiß es, ist darüber mit Schmerz und Trauer erfüllt. — Ich ertheile Dir auch dießmal gemesseneii Befehl, Dir und allen in meiner Gegenwart vereinigte» Ministern, ohne Verzug die nothwcndigen Maßregeln zu treffen und Euren Eifer und Eure Einsichten gemeinschastlich anzuwcndcn, um mit Gottes und des Propheten Beistand, indem Ihr die Erfordernisse der Zeit und der Geschäfte berücksichtigt, den alleinigen Gegenstand aller meiner Wünsche und Gedanken, die Wohlfahrt des Reiches und daö gemeine Beste zu verwirklichen. — Um diesen meinen sehnlichsten Wunsch zu erreichen, ist vor Allem nvthwendig, die Unwissenheit schwinden zu machen, eine Bestrebung, die eine Quelle von Verdiensten für dieses und jenes Leben erschließt. Eure erste Sorge wird sein, den öffentlichen Unterricht zu organisiren und überall, wo es Roth thut, Schulen zu gründen, die zur Verbreitung des Unterrichts in Wissenschaften und Gewerben bestimmt sind. Zch habe auch beschlossen, ein großes Spital in meiner Hauptstadt zu gründen, in dem Arme und Kranke aus allen Klassen meiner Unterthanen Zuflucht und Verpflegung finden sollen. — Die Minister haben sich alsogleich mit diesem Punkte, und so bald als thunlich, eifrigst und bcharrlichst mit der Gründung ähnlicher gemeinnütziger Anstalten, deren Vedürfniß fühlbar wird, zu beschäftigen und mir hierüber von Zeit zu Zeit Berichte zu unterlegen. Möge der Allerhöchste der Ausführung meiner Pläne seinen Beistand leihen." — Aus Ostindien sind Nachrichten bis zum 1. Januar an- gekommen- Der neue Generalgouverneur Sir Henrp Hardinge fuhr ein dem Verfahren seines kriegerischen Vorgängers ganz entgegengesetztes System zu entwickeln fort. Seine Verwaltung war sehr populär und versprach für Indien eine neue Aera des Glücks und der Wohlfahrt. In den der Verwaltung Hardingers untergebenen Ungeheuern Landstrichen zeigten sich überall Symptome dauernden Friedens. Die Nachrichten aus China reichen bis zum 19. Nov. Sie bieten nichts von Belang dar. Der Handel ging matt. Der Marquis Ferriere-Levaycr, erster Sekretär der französischen Mission in China, ist der Ueberbringcr des am 24. Oft. zu Whampoa Unterzeichneten Handelsvertrages zwischen Frankreich und China. — Schrecklich sind die Verwüstungen, welche die Neberschwem- mung der Flüsse im Norden von China und in den Umgebungen von Canton im verflossenen Sommer angerichtet hat. Tausende und Tausende Menschen sind dabei umgekommen und der verursachte Schaden ist nicht zu berechnen. Die Mandarinen halten alle besonderen Umstände, so viel möglich, geheim, weil sie, wenn so etwas dem Kaiser zu Ohren käme, für das Verfallen der Dämme verantwortlich gemacht werden würden. Die Berichte jedoch, welche man von Privatpersonen erhält, sind entsetzlich. Verschiedenes. — lieber das Lustspiel „ Er muß aufs Land " wird der „ Cöl- nischen Zeitung" aus Berlin geschrieben, man behaupte hier, das sogenannte französische Original sei die freie Bearbeitung eines deutschen Stückes des verstorbenen Theaterdichters Karl Blum, so daß also die jetzige deutsche Bearbeitung nichts Anderes als eine Rückübersetzung wäre. Karl Blum soll das Stück vor fünf oder sechs Jahren hier cingereickt und, weil die Ccnsur daran Anstoß genommen, es umgcarbeitct haben, woraus das bekannte Lustspiel „Schwärmerei nach der Blöde" entstanden sei. Als auch dieses Stück nach einigen Aufführungen verboten worden war, soll Karl Blum seinen ersten Entwurf nach Paris geschickt haben, wo man daraus den „muri ä In Campagne“ gemacht, der nun, ins Deutsche übersetzt, in seine wahre Hcimath znrückgekchrt sei. — Die Leipziger „Theater-Chronik" schreibt: die mannhafteste Bühne ist unstreitig die Leipziger; sie zählt unter ihren Mitgliedern einen Ball mann, Wicdemann, Kindermann, Paul- mann, Guttmann, Bergmann, Lehmann, Hofmann, Binde- mann, Frau Bergmann und Günther-Bachmann. — Der Intendant der Hofbühnc in München hat sich genöthigt gesehen, unter den dortigen Schauspielern ein Commcmorandum circulireu zu lassen, um dieselben ernstlich aufzufordern, zukünftig fleißiger ihre Rollen zu lernen. — Donizetti's „Tochter des Regiments" bekommt ein Scitenstück, „den Sohn der Garde," mit Musik von Halsvy. Der Schauplatz der Handlung ist Marocco. — Seit Kurzem erscheint in Brüssel jeden Sonntag unter dem Titel „der Pranger" ein Organ, in welchem die Herren Schneider und Schuster alle schlechten Schuldner der Oeffentlichkeit preisgeben. (Auch die Berliner Schneider sollen unter sich ein schwarzes Buch führen, das aber nur in der Handschrift circulirt.) — Der Schornstcinfegerjungc Jones, der vor einigen Jahren der Königin Victoria im Buckingham-Palast einen ungebetenen Besuch durch den Rauchfang des KaniinS abstatten gewollt und seitdem alö Schiffsjunge in der englischen Flotte dient, hat neulich, als er mit dem Warspite im Piräus lag, einen Versuch gemacht, auf ähnliche Weise den König Otto mit seiner Gegenwart zu beglücken. Der närrische Kauz ist dabei ertappt und für seine unwiderstehliche Lust, gekrönten Häuptern seine Aufwartung zu macken, mit Entziehung seiner Brodration bestraft worden. — Armer Flibbertizibell! — Es gibt wirklich ein Schloß, in dessen Spciseiaale die Tafel auf einen Wink völlig gedeckt erscheint, wie im Fcenmärchen; wir meinen das bei Palermo liegende Lustschloß „la Favorita," dessen Inneres mit raffinirtcm Comfort eingerichtet ist. Der Großvater deö jetzigen Königs von Neapel, der das Schlößchen bauen ließ, wollte so wenig als möglich mit der geschwätzigen Dienerschaft in Berührnng kommen und in dieser Absicht ist Alles so eingerichtet, daß man Monate lang in der Favorita leben kann, ohne einen dienstbaren Geist zu sehen, gleichwohl aber, wie durch Zauberei, trefflich bedient zu werden. Auch die Tafel wird durch eine sinnreiche Vorrichtung im Spcisesaal gehoben. — In Jassy wird durch das russische Consulat sehr auf die Kuhpockcn-Jmpfung gedrungen, allein das Volk widersetzt sich der. selben halsstarrig; es glaubt, daß die Impfung nichts weiter, als eine unvergängliche Stempelung der Individuen für den russischen Militärdienst sei, und da dies auf die Mädchen nicht paßt, so hieß es, sie würden zur Bevölkerung von Sibirien gestempelt. Redigirt und gedruckt unter Verantwortlichkeit der Ehr. Fr. Müll er'schon Hofbuchhandlung.