Nr. 2O Donnerstag den 13. März ism * Einige Worte über das historisch-chronologische Concert, welches Sonntag den 16. März im Groscherzoglichen Hoftheater zum Vortheil des Untcrstützungsfonds für Wittwcn und Waisen der Mitglieder des Hoforchcsters stattfindcn wird. Es darf ein glücklicher und, der fetzigen Richtung deö musikalischen Geschmackes wegen, zeitgemäßer Gedanke genannt werden, daß man Concerte veranstaltet, in welchen man gewisse Entwicklungsperioden der Musik, namentlich auch der dramatischen, durch chronologisch geordnete Vorträge zu versinnlichen sucht. Berlin ist vor einigen Jahren mit dem Beispiele vorangegangcn und wählte den Zeitraum von 1741 bis 1841. Ausgeführt wurden nachgenannte Tondichtungen: Ouvertüre zu dem Schäferspiele ,,il rc pastore“ componirt von Friedrich dem Großen; — Duett und Chor aus der Oper Cleopatra und Cäsar von Grau». — Ouvertüre und Arie ausParthcuopevon Händel; — Sarabande von Gluck. — Ouvertüre aus der Oper Uülune abbomlonaia und Arie aus der Oper Olympiade, beide von Hasse; Lied: „als ich auf meiner Bleiche", aus der Jagd von Hiller. Jntroduction und Scene aus Orpheus von Gluck und — Scene aus dem Dorfbarbier von Schenk. — Ouvertüre aus der Oper Ino, und Arie aus Brennus, beide von N ci ch ard t. Arie und Duett aus Doctor und Apotheker von Dittersdorf. — Ouvertüre aus Mozarts Entführung und Finale aus Don Juan. — Marsch, componirt vom König Friedrich Wilhelm III- Arie: „ich war wenn ich erwachte" und Quartett: „Kind willst du ruhig schlafen," beide aus Winters unterbrochenem Opfcrfcst. — Ouvertüre und Duett aus Beethovens Fidclio. Scene aus. Himmels Fanchon. — Jägerchor nnd Terzett aus C. M. v. Webers Freischütz. — Ouvertüre aus Faust; Arie und Duett aus Jessonda, beide von Spohr. — Ouvertüre zum Sommernachtstraum von Mcndelsohn. — Pos de dcux aus dem Ballet „die Sylphide" von Maysedcr, und Arie aus Lortzings Czaar und Zimmermann. Nach der ersten Ouvertüre folgte ein von De. Förster gedichteter Prolog über die Vorbedeutung des Tags; nach dem Marsche schilderte ein zweiter Prolog (von Nellstab) die Richtung der neueren Musik. Auch Guhr in Frankfurt veranstaltete bald darauf ein ähnliches Concert, in welchem chronologisch geordnete Bruchstücke aus den Entwicklungsperioden der Oper vvn Lully's Zeiten, des Stifters der Academie Hoyalc zu Paris, bis auf die unsrigcn gegeben wurden. Zur Ausführung kamen: Erste Abthcilung. Französische Oper. — Proscrpine von Lully. (17. Jahrhundert.)' 1) Ouvertüre, a. Dueitino. h. Chor mit Echo (einer damals sehr beliebten Form der Tonstücke.) — Alceste von Lully. 2) a. tragische Scene. Admct, Cephise. I». Arie mit Chor — Le devin du village von Rousseau. 3) Ariette — Zcmir und Azor von Grctry. 4) a. Cavatine: „Schönste der Blumen" — Richard Löwenherz von Gretry. J>. Duett: „Mich brennt ein heißes Fieber." König, Blondcl — Das Lottericlooö von Nicolas Jsouard. 5) Arie: „Nein ich singe nicht, mein Herr" — Der Wasserträger von Chcrubini. 6) Erstes Finale. Zweite Abtheilnng. Italienische Oper. 1) Italienisches Duct- tino von Paisiello. — Die heimliche Ehe von Cimarosa. 2) a. Terzett b. Buffo-Duett — Martin: Baum der Diana. 3) Bravourarie: „Noch fühl ich meine Stärke" — Diebische Elster von Rossini. 4) Terzett. — Lucie von Lammcrmoor von Doni- zetti. 5) Große Scene mit Chor. Dritte Abtheilung. Deutsche Oper. Der Doctor und Apotheker von Dittersdorfs. 1) Jntroduction-Quintett: „O, wie herrlich, o, wie labend" — Axur von Salieri. 2) Duett: „Hier, wo die Frühlingslüfte" — Jphigenia in Aulis von Gluck 3) Quartett. — Zdomenco von Mozart. 4) Terzett. — Zemire und Azor von Spohr. 5) „Rose wie bist du" — Enryanthe von Weber. 6) Jagdchor. Zum Schluß: Erstes Finale aus Mozarts Don Juan. Das hier bevorstehende Concert beginnt mit einer neueren Periode (1779) und geht bis auf die neueste Zeit. Die Zusammenstellung ist folgende: Erste Abt Heilung. 1) Ouvertüre aus Jphigenia in Aulis von Gluck. (1779.) 2) Arie aus Jdomeneo von Mozart (1781) gesungen von Fräulein Zerr. 3) Duett aus Oedip von Sacchini <1787) gesungen von Madame Fischer und Herrn Obcrhoffer. 4) Duett aus der heimlichen Ehe von Cimarosa (1791) gesungen von den Herren Maicrhofer und Krug. 2) Finale der zweiten Abtheilung der Schöpfung von Haydn (1799) ausgeführt von Fräuiein Staudt, den Herren Sontheim, Rieger und dem Chorpersonale des Gr. Hofthcaters. Zweite Abthcilung. 6) Ouvertüre aus Mcdea von Chcrubini (1800) 7) Fantasie für das Pianofortc von Beethoven mit Chor- und Orchcsterbcglcitung (1309) vorgetragcn von Fräulein ' Rockel. — 8) Arie aus Faust von Spohr (1814) gesungen von Madame Fischer. 9) Duett aus Nurmahal von Spontini (1821) gesungen von Fräulein Zerr nnd Herrn Sontheim. 10) Ensemble aus Enryanthe von Weber (1823) ausgeführt von den Herren: Kammersänger Haizinger, Oberhoffer, Maicrhoscr und dem männlichen Chorvcrsonalc. 11) Hymne von Rossini (1828) ausgcführt von dem Ge- sammtchor des Großh. Hofthcaters. Dritte Abthcilung. - 12) Scene aus der Nachtwandlerin von Bcllini (1830) gesungen von Fräulein Waldhauser. 13) Duett aus Marino Falicri von Donizetti (1836) gesungen von Fräulein Zerr und Herrn Haizinger. 14) Hymne von Mendelsohn-Bartholdy (1838) ausgeführt von Fräulein Kathinka Strauß, Herrn Oberhoffer uiw dcm Gcsammtchor. 15) Ouvertüre zur Tragödie: Lear von Bcrlioz (1840.) 78 Den verehrten hiesigen Freunden der Tonkunst dürfte bei diesem Anlasse die Mittheilung der berliner und frankfurter Zusammenstellung in mehrfacher Beziehung willkommen erscheinen, weshalb dieselben geboten wurden. Wenngleich in solchen Concerten den ausübenden Sängern und Jnstrumentalisten die Gelegenheit, mit ihrer Birtuosität zu glänzen, minder gegeben ist, denn in selbst gewählten, nicht planmäßig znsammengestellten Tondichtungen, so können^ sie dagegen beweisen, daß sie es vermögen, in den Geist der Compositionen früherer Zeiten einzudringen, wozu mehr gehört als nur technische Fertigkeit. Auch der Zuhörer findet nicht nur Ohrenkitzel, flüchtige Unterhaltung und Stoff zu exaltirtem Beifall der Solisten, sondern gediegenen Genuß und Veranlassung zu ernsten Betrachtungen! Die glänzenden Erfolge der erwähnten Concerte in Berlin und Frankfurt, welche auf allgemeines Begehren bald und öfters wiederholt werden mußten, liefern den Beweis, daß Gediegenes und Zweckmäßiges jederzeit seine Anerkennung findet. Mögen diese Vorbemerkungen die Aufmerksamkeit des Publikums auf das bevorstehende Concert zu lenken vermögen, welches nicht nur in ästhetischer Hinsicht, sondern auch des wohlthätigen Zweckes und der Veranstalter wegen alle Beachtung verdient. Di-. Die dämonische Visitenkarte. (Schluß.) ES ist daher leicht zu erachten, daß ich nach der Entdeckung, die mich Emilie machen ließ, mir selber wegen meiner Vorschncl- ligkeit sehr gram war. Ich suchte sie zu beruhigen, indem ich ihr sagte, da er sich nicht zu Hause gezeigt habe, so sei auch mit Gewißheit anzunehmen, daß er nicht in der Stadt sei, zumal er ein Vierteljahr in Paris zu bleiben sich vorgenommen; ohne Zweifel habe ein gemeinschaftlicher Bekannter, der eine Karte von ihm besessen, sich diese Mystifikation gegen mich erlaubt, und so bleibe mir nur der Verdruß, daß meine Freude eine voreilige und ungegründete gewesen. So sprach ich laut, im Stillen aber dachte ich das Gegentheil und wünschte ihn nur recht bald zu sprechen und von meinem Versehen zu unterrichten. Als er aber den ganzen nächsten Vormittag nicht erschien, begann ich mich selbst dem Kanzleitrost, den ich Emilien gegeben, zuzuneigen, bis mir unter dem Auf- und Abgehen zufällig die Karte wieder in die Augen fiel- Ich hatte sie gestern, ohne sie näher zu betrachten, zu den übrigen gelegt, und da war sie neben seine Abschicdskarte zu liegen gekommen; nun sah ich auf den ersten Blick, daß sie ganz anders gestochen war als diese, und somit war jene Vermuthung widerlegt, wenn ich nicht zu allerlei unwahrscheinlichen Auslegungen meine Zuflucht nehmen wollte. Da ich damals in einem geschlossenen Hause wohnte, so befragte ich daö Hausgesinde: sie hatte» keinem Menschen geöffnet, der zu mir wollte, und keines von ihnen hatte eine Karte für mich empfangen. Nun war nur noch zu vermuthen, daß der Abgcber der Karte, wer er auch sein mochte, durch den Garten und die von mir offen gelassene Hinterthüre in's Haus gekommen sei; dann war es aber ein Wunder, daß er mich und ich ihn nicht bemerkt, und somit jedenfalls nicht anzunehmen, daß er eS gewesen, da er nicht die Absicht haben konnte, sich vor mir zu verbergen. Dazu kam noch, daß ick kaum acht Tage vorher einen Brief von ihm aus Paris erhalten hatte, worin kein Wort von dem Vorhaben einer baldigen Rückkehr stand. Mein nächster Gedanke war, feine Familie zu besuchen; wenn ich aber bedachte, daß diese möglicherweise, ja sogar wahrscheinlich in derselben Ungewißheit schwebe, so schien mir die Maßregel nicht sehr ersprießlich, und ich unterließ sie daher. Der Tag mit seinen Anforderungen rückte mir »ach und »ach den Gegenstand meines Nachdenkens in die Ferne; auch an den folgenden tauchte er nur vor meiner Seele auf, bis ich mich am vierten Tage nach einem Gewitterregen im Garten erging, um der lang ersehnten Erfrischung zu genießen. Hier trat mir bei einer Wendung des kleinen Baumgangs Fräulein Caroline entgegen, ein stilles Kind; sie lebte ein- gezogen im Schooße der Ihrigen, und ihr geselliger Kreis erstreckte sich kaum über die Aussicht auf die Straße, die sie der ganzen Länge nach beherrschte, und über die Gänge im Garten hinaus, wo ich ihr dann und wann begegnete und mit Freude die Aeuße- rungcn eines bei so seltenen Gelegenheiten höchst aufgeschlossenen Sinnes vernahm. »3hr Freund ist ja wieder hier!" sagte sie, nachdem wir einige Worte gewechselt hatten. „Es hat mich sehr für Sie gefreut, ihn zu sehen." — „Welcher Freund?" rief ich. „Wann haben Sie ihn gesehen?" — „Verflossenen Montag. Hat er Sie denn nicht getroffen?" — „Sic wissen also nicht," rief ich, „daß ich das halbe Haus deßwcgen inquirirt habe?" und begann auf's Eifrigste bei ihr nachzuforschen. Sie beschrieb mir seine Gestalt so genau, daß ich kaum mehr zweifeln konnte, und setzte hinzu: „Es ist ja doch der Herr, oer früher fast täglich zu Ihnen kam. Vor etwa vier Wochen begegnete ich Ihnen just unter der Hausthüre, als er Abschied von Ihnen nahm; da hörte ich ihn noch sagen: Wenn ich dich heute Abend nicht mehr sehen sollte, so schreib' ich dir den Tag nach meiner Ankunft in Paris. Und den folgenden Morgen wurde Ihnen noch eine Karte von ihm gebracht." — „Er ist's!" rief ich in der höchsten Spannung. „Haben Sic ihn hier gesehen? haben Sie ihn gesprochen?" „Nein," sagte sie, „gesprochen Hab' ich ihn nicht, aber ich sah ihn gegen das Haus Herkommen. Ich saß um Mittag mit einer Stickerei am Fenster und sah dann und wann die Straße hinab; es war so schwül, daß ich jeden Augenblick cinschlafen zu müssen meinte. Da bemerkte ich auf einmal mitten in der Straße, die ganz leer war, einen Herrn, der langsam heraufkam, und als er in der Nähe war, erkannte ich Ihren Freund. Sein Aussehen fiel mir auf: er war sehr bleich, was ich der Hitze znschricb, die auf manche Menschen diese Wirkung hat; er sah gerade vor sich hin, mehr noch als er gewöhnlich that, und — was bas Sonderbarste war — cs kam mir vor, als ob er im Gehen keinen Fuß aufhcbc, obgleich er sich beständig vem Hause zu bewegte. Aber das muß in meinen Augen gelegen haben, denn ich war, wie gesagt, ganz schläfrig. Ich sah noch, wie er das Haus erreichte, und nun erwartete ich die Klingel zu hören; da cs aber stille blieb, so dachte ich, Sie hätten ihn vom Fenster aus gesehen und eben ausgemacht; doch wunderte ich mich, daß ich keinen Laut weder vom Oeffncn noch vom Schließen der Thüre vernahm. Ich weiß nicht mehr, was mir für ein häusliches Geschäft dazwischen kam, das mich in Liesen Beobachtungen unterbrach." — Diese Erzählung stürzte mich in ein ganzes Meer von seltsamen Gedanken und Vcrmuthungcn: „Er ist also doch hier!" sagte ich. „Was mag es mit ihm sein? ist er jetzt bei den Seinigen? oder hätte dießmal sein Inkognito einen tiefer» Grund?" In diesem Augenblick hörten wir vorn im Hause die Klingel gehen, und gleick darauf kam das Mädchen in den Garten, um mir ein Billet zu übergeben. Ich riß es auf und starrte sprachlos 79 Jt mir vorher Wort ; wen» ictnltd) el nicht seinen meines er nur einem ifdjurifj Laum- te ein- streckte ganzen liimuS, Aeuße- ossenen wir ei- icfreut, en Sie n nicht !ch das üfrigstc genau, ! ist ja c etwa als er >enn ich cn Tag wurde " rief sehen? ich sah t einer hinab; müssen ie, die als er len fiel sie auf ch hin, rbarste ufhcbc, s muß - ganz mn cr- l dachte imacht; Deffncn mehr, nich in ,te mich ungen: > sein? kognito Klingel n, um eachlos hinein. — „Sie werden ja ganz blaß!" rief Caroline. — Ich reichte ihr schweigend das Blatt, das von den Angehörigen meines Freundes kam und mir meldete, er sei vor vier Tagen zu Paris in den'Armen eines gemeinschaftlichen Bekannten gestorben; dieser werde in wenigen Tagen kommen und das Nähere mittheilen. — Was ich damals zu Carolinen sagte und wie ich von ihr wegkam, das weiß ich jetzt nicht mehr. Ein paar Tage darauf besuchte mich jener dritte Freund und berichtete mir, Eduard sei, gleich nachdem er mir zum letzten Mal geschrieben, an einem Fieber erkrankt, das ihn gegen die Erwartung der Aerztc fast plötzlich hinweggerafft habe. Noch in der letzten Stunde seines Lebens habe er meinen Namen genannt. — Während wir nun im Zimmer auf und abgingen und der Verdienste und Tugenden des Hingeschiedenen schmerzlich gedachten, fiel sein Blick auf jene Besuchskarte, die noch unberührt am Platze lag. „Ach, der Gute!" rief er wehmüthig lächelnd, „so hat er denn sein Steckenpferd nicht bändigen können, und dir gar noch eine seiner/neuen Karten überschickt! Es ist wohl die erste und letzte, die er ausgetheilt hat; denn nachdem er mit grenzenloser Sorgfalt einen Stempel vorgczeichnet und eben die Sendung vom Graveur erhalten hatte, warf ihn die Krankheit auf das Lager, von dem er nicht wieder erstand." Blau kann sich denken, mit welcher Empfindung ich die ver- hängnißvolle Karte, als der Besuchende sich entfernt hatte, tief unter die andern versteckte. Ich ließ ihn auf seinem Glauben, Emilien auf dem, den ich ihr bcigcbracht hatte, und Carolinen bat ich dringend, von dem seltsamen Vorfall gegen jedermann zu schweigen; denn ich habe es nie geliebt, von Dingen dieser Art viel zu reden, und in der Zeit, wo dies geschah, hätte ich mich dem Spott, wo nicht noch unangenehmeren Folgen ausgesetzt. Oie Crcolcn von Louisiana. I. Eine Fahrt auf dem rothen Fluß. (Fortsetzung.) Ich ging in das nächste Zimmer, das mir als Cabinct diente, fand hier auf einem Schreibtisch eine Feder, schrieb in der Eile eine Anweisung auf meinen Bankier, und kam dann ins Zimmer zurück. Ich war entschloffen mich des Menschen um jeden Preis zu entledigen. „Erlauben Sic mir," sagte der Crcole, der bisher der ganzen Scene als stummer Zeuge beigewohnt hatte, und wollte sich des Papicrcs, das ich in der Hand hielt, bemächtigen. „Verzeihen Sic, Hr. Mcuou," warf ich ein, etwas beleidigt über diese allzu dienstfertige Einmischung, „ich wünsche dießmal zu handeln, wie mir gut dünkt." Der Creole ließ sich nicht abwctsen. „Zch verlange nur eine Minute," fuhr er mit seiner gewohnten Ruhe fort, „umd die Erlaubniß einige Fragen an Ihren Intendanten zu richten. Möchte wohl Hr. BleakS die Gefälligkeit haben, seine Rechnung noch einmal zu lesen?" „Das finde ich gar nicht für uöthig," erwiederte der Intendant mit. einem groben Tone. „In diesem Falle werde ich cs für Sie thun," sagte Mcnou. „Am 20. Dezember an Hrn. Merton geliefert 25 Ballen Baumwolle und vier Körbe Tabak in Blättern. Nicht wahr?" Bleaks antwortete nicht. „Am 22. Dezember an die HH. Gering 25 Ballen Baumwolle und 1 Korb Tabak. Nicht wahr?" Mein Intendant warf dem Creolen einen wüthenden, aber verlegenen Blick zu; seine Frau veränderte die Farbe. „Am 24. Januar an Hrn. Grovcs 25 Ballen und 1 Korb; ferner am 10. Februar 22 Ballen und 7 Körbe an die HH. Gering. Ist das nicht genau richtig?" „Nichts als Lügen," stammelte Bleaks mit einem Fluche. „Lügen, deren Beweise ich in Händen habe," erwiederte der unbarmherzige Menou. „Hr Howard, dieser Mensch schuldet Ihnen 2000 Dollars, die er Ihnen gestohlen, und ick werde Ihnen beweisen, daß er sich auch außerdem noch eine Summe von 500 D. zugeeignet hat." Mein ungetreuer Diener war bleich vor Verwirrung und Wuth, ich selbst aber war über die unerwarteten Eröffnungen so erstaunt, daß ich kein Wort hcrvorbringen konnte. „Wir haben keine Zeit zu verlieren," sagte mir der Creole ins Ohr, „sonst entschlüpfen uns diese Leute. Verlangen Sie sogleich von dem Richter T... einen Verhaftöbefehl, und laffen Sie den Sherf iund die Constables benachrichtigen; — sie können nicht den Fluß hinabfahren, ohne daß man sie packt, aber sie werden versuchen, flußaufwärts zu entkommen." Ich ergriff sogleich die nothwendigen Maßregeln, und schickte einen meiner behendesten Neger an den Richter Bangor. „Sie müssen sogleich an das Haus Goring schreiben," sagte mir der Creole. Nach einer Stunde war alles fertig. Gerade kam der Mon- tezuma den Fluß herab, ich ließ den Capitän bitten ans Land zu steigen, wir setzten ihm den Stand der Dinge auseinander, stellten ihm unsere Briefe zu, und schickten uns eben an, ihn nach seinem Fahrzeug zurückzugeleitcn, als wir einen Menschen ganz heimlich hinter der Hecke und den Holzstößen nach dem Dampfboot hinschleichen sahen. Das war Hr. Bleaks in eigener Person, welcher gemeint hatte, unter den gegenwärtigen Umständen könnte ein Ausflug nach Neuorleans seiner Gesundheit nur zuträglich sein. Wir fanden meinen würdigen Beamten unter den Leuten des Dampfboöts versteckt, und gerade im Begriff mit einer Handvoll Ruß sich in einen Neger umzugestalten. Wir störten, wie man sich denken kann, sein Neiseproject, und er wurde ins Haus zurückgeführt, wo wir Vorsichtsmaßregeln gegen ein zweites Entwischen ergriffen, und am andern Morgen den Spitzbuben den Händen des Gerichts übergaben. (Fortsetzung folgt.) * Das Fremdwörterivesen und seine Nachtheile für deutsche Sprache, Gesinnung und deutsches Leben. Unter diesem Titel und mit dem Motto: „Eines Volkes Ehre hängt großentheils an seiner Muttersprache. Sie ist das Fahrzeug, das des Landes Ehre trägt," ist von Einem unterer gelehrten Badener in der Frankh'schen Vcrlagshand- lung zu Stuttgart ein kleines Buch erschienen, das von allen Professoren, Litcratorcn, Direktoren und allen anderen oren und Ohren gehört werden sollte. Der Herr Verfasser stellt in wohlgeordneter Folge einen Spiegel unserer, von Fremdwörtern wimmelnden Sprache vor unsere Augen und gibt aber auch Mittel und Wege zu ihrer Fortschaffung an. Ein ächt deutsches Beispiel, wie man ohne Beimischung fremder Wörter ein ganzes Buch schreiben könne, ist das Werk selbst, welches durchgehends in reiner 80 deutscher Spruche, und -deßhatb auch so klar, faßlich und zugänglich ist- lieber das Einschlcppen der Fremdwörter heißt cs unter Andern!: „daß der Adel zur Zeit des Königs Ludwig des Vierzehnten ganz französisch sprach, dachte und schrieb, sich kleidete, aß und lebte, und die deutschen Bürger und das Volk verachtete und in himmelweiter Kluft unter sich glaubte; das war eine hauptsächliche Veranlassung zur Einmischung zahlloser Fremdwörter." UebrigcnS auch zur Entschuldigung weiß der scharfsinnige Verfasser Gründe anzuführc» und sagt darüber: „Deutschland liegt in dem Mittel- punkte unseres Erdtheils, den die Alten Europa, den finstern, nannten; wahrscheinlich weil er damals im Vergleich mit Asien unbekannt, neblicht, wirklich auch waldig, sumpfig und finster war. Deutschland nannten einige, weil cs in der Gestalt der eine Jungfrau vorstellcnden Europa das Herz bildet, das Herz Europas. Es ist das nicht nur Witz sondern Wahrheit; denn in der That goß der Schöpfer in das deutsche Blut und Herz und die deutsche Seele die ganze Fülle der Gcmüthlichkcit, die Innigkeit, die Tiefe und den Reichthum der Empfindung und den Adel der Gesinnung im höchsten Maäßc aus- Deutschland ist der. Gcllihl- und Empfindungshöhepunkt Europas. Sollte cs nicht auch schon deßhalb, wie das Herz das Blut aus dem ganzen Körper aufnimmt, um so geneigter sein, von allen Völkern Fremdes aufzunchmen? Hauptmittel zur Verdrängung der Fremdwörter wird sein: Einpflanzung ächt deutschen Sinnes und deutscher Denkart, denn ohne diese wird und kann das große Werk nicht gelingen. Nur.durch Begeisterung kann sich der Deutsche von dem noch immer über ihm schwebenden Joche der geistigen Fremdherrschaft befreien. Manche wenden ein, man könne das Vaterland doch lieben und ein guter Deutscher sein, ohne deßwegen die Fremden hassen zu müssen. Man soll sie auch nicht hassen! aber man soll sie nicht mehr lieben als sein Eigenthum, sein Vaterland, seine Sprache, seine Sitten, seine Einrichtungen und Anstalten. Besitzen wir nicht Schönheitssinn, Feinheit des Gefühls, Zartheit der Seele gcnng,.daß wir von Fremden Flitter und Putz borgen? daher ist vor allen Dingen auf Einpflanzung deutschen Geistes zu wirke», dann fallen Fremdwörter und Ausländcrtand von selbst weg." Möge das Büchlein auch hier in Karlsruhe viele Leser finden! ss ss Äus der Zeit. — In Rastatt wird demnächst, die Zahl der an dcmFcstungs- baue beschäftigten Arbeiter bedeutend vermehrt werden. Eine Jn- spcction dcS bis jetzt Vollführten wird in den nächsten Monaten von Seiten österreichischer und preußischer Oberoffizicrc stattfindcn. — Aachen, 5. März. Das früher erwähnte, kürzlich hier auf außergewöhnliche Weise zur Hast gebrachte Individuum ist, den neuern Versicherungen zufolge, kein Pole, auch nicht der Dichter Dr. Prutz, sonder» ein Preuße, Namens Müller- Der mpsteriöse Held dcö Tages soll sich höhcrn Orts durch Denunciation eines weitverzweigte» Complottcs bemerkbar gemacht, bei näherer Untersuchung jedoch eine rasche Entfernung für das Räthlichste gehalten haben- — Gernsheim, 8. März. Die Eisdecke des Rheins dahier, die seither lebhaft zu Fuß passtrt wird, ist durch die andauernde Kälte über I V- Fuß dick geworden. Es gehen seit vorgestern Wagen von 30 — 40 Ctnr. Last über die fast blanke Decke, ohne daß nur die mindeste Gefahr zum Durchbrechen vorhanden ist. — Paris, 8. März. In der Pairskammcr stimmte gestern eine Minorität von 44 Stimmen (einer Majorität von 111 gegenüber) gegen den Gesetzentwurf über die geheimen Fonds,, d. h. gegen die Politik und den Fortbestand selbst des Cabincttes vom 29. Oktober. > — Die Hafenarbeiter in Toulon haben ihre Arbeiten eingestellt, weil-ihre Löhnung herabgesetzt werden sollte- Sie haben eine Collectivpetition an den Admiral Baudin gerichtet, welcher sofort eine Proclamation an sic erließ, worin er sic auffordertc, zu ihren Arbeiten znrückzukehren und ihre Beschwerden, wenn sie deren zu erheben hätten, in ruhiger, gesetzlicher Weise vvrzubringen. Am 4. waren in Toulon sämmtlichc Truppen in ihre Casernen con- signirt. Die Ruhe war jedoch nicht gestört worden. — Von der italienischen Grenze, 25. Februar. Nach Briefen aus Rom hat der Orden der Gesellschaft Jesu ans den Wunsch dcS heiligen Stuhles den Beschluß gefaßt, der Berufung nach Lnzcrn vor der Hand keine Folge zu geben. Man hofft indeß in. Rom, daß die Verhältnisse in diesem Kantone, wenn die erste Aufwallung sich gelegt, sich so gestalten werden, daß die Einberufung des Ordens leine Hindernisse mehr finden wird. Die Ablehnung von Seite dcS letzter'.', soll denn auch nur unter gewissen Vorbehalten geschehen sei». — I» der Romagna finden fortwährend neue Verhaftungen statt, demungeachtct entwickelt die Parthei des Umsturzes auf alle» Seiten eine ungemeine Thätig- kcit, und cs ist kein Zweifel, daß es in diesem Frühjahr oder Sommer auf irgend einen Handstreich abgesehen ist. Die Regierungen selbst scheinen darauf vorgesehen, wenigstens lassen sic cs nicht an Thätigkeit fehlen, um sich von den Planen der Mißvergnügten Kenntniß zu verschaffen. — Mndrid, 2. März. Der Kommissionsbcricht in Betreff des Gesetzentwurfes über die Rückgabe der noch nicht verkauften Güter des Clcrns wird in kurzem erstattet und dieser Entwurf aller Wahrscheinlichkeit nach von der Legislatur zurückgcwicsen werden. Verschiedenes. — Treu nach dem Original, „llawnu so wegen der Ziegcuner, Vagabunden und anderes liederliches Gesindel zu affigircn. OB zwar Jcdermänniglich bekannt, wie offt und vielmahl die Zicgeüncr, Vagabunden und anderes liederliches Gcsind gewarnet- seithero 12. Jahren auch, und noch durch die jüngere Cräpß-Schlüß die Ihnen angesetzte Straffen gcschärffet worden, daß wann Sie keine andere Lebens-Arth annehmcn würden, gegen Sie mit denen in ged. Verordnungen und Cräpß - Schlüffen enthaltene geschärfft Straffen verfahren werden solle, biß dahero aber bep solchem liederlichen Gesindel nichts verfangen wollen, und also anderst nichts übrig, als daß sic nunmehr mit der Todtcs - Straff belegt werden zu welchem Ende dann eine Ceneeal-Strciffung gegen Sie nechster Tagen solle vorgcnommcn-und ohne eintzigcs Nachsehen an dem Orth,» wo Sic ertappet, die Todtes-Straff an Ihnen exegnirct und an dem ncchstcn Baum auffgehcnckt werden; Damit nun solch Gesindel fiiber dieses scharffc Verfahren sich zu beklagen, keine bc- fügte Ursach finden möge, so soll zu allem Uebcrfluß diese War, innig in allen Orthen jmldiciret,-unt) au gewöhnlichen öffentlichen Orthcn angeschlagen werden. 8!gnau,m Darmstadt unter meinem angebohrncn Jnstegel den 14tcn 4»»ü 1723." — Gottlob, cs weht doch jetzt- eine mildere Luft! Redigirt und gedruckt unter Verantwortlichkeit der Ehr. Fr. Müller'schen Hokbuchhandlung.