Karlsruher Beobachter. Nr. 31 . Sonntag den 20. April Die Mrrfikbildurrgs - Anstalt des Cä- cilien - Vereins hat vor einigen Tagen ein Programm veröffentlicht, wornach künftig der Musik-Unterricht auf sämmtliche Instrumente ausgedehnt und auf eine Weife ertheilt werden soll, daß die Zöglinge gründlich heran gebildet und zur möglichsten Vollkommenheit gebracht werden, weßhalb auch nur solche Kinder in der Anstalt Ausbildung erlangen können, welche Talent für Musik besitzen und dabei regelmäßigen Fleiß beobachten. Hieraus geht hervor, daß es den Männern, welche sich für dieses Unternehmen vereinigt haben, nicht darum zu thun ist, viele Schüler zu erhalten und den Eltern gewißenlos das Geld abzunehmcn, sondern daß das Streben derselben einzig und allein dahin gerichtet ist, die Kinder welche den Unterricht in der Anstalt erhalten, so heranbilden zu lassen, daß dieselbe als geschickte Jünger der Kunst aus dem Institute austreten und durch ihre Kenntnisse der Anstalt aller Orten zu Ehren gereichen. Wir wünschen dieser Anstalt, welche der hiesigen Stadt zu einer weitern Zierde gereicht, alles Glück, und da sich bereits der Gemeinderath dahier für das Gedeihen derselben, im Interesse hiesiger unbemittelter Kinder durch eine reichliche Unterstützung bcthätiget hat, auch mehrere edle Menschenfreunde Beiträge gegeben und zugcsichert haben, so steht zu erwarten, daß dieses Unternehmen in der nächsten Zukunft schöne Früchte tragen wird. Eine Skhzc in Guispuzcoa. (Schluß.) Während eines dreistündigen Marsches waren ihnen nur zwei Personen begegnet. Die erste war eine Bäuerin, welche ihnen eine Gute Nacht wünschte, und ste um so bereitwilliger für karlistische Soldaten fielt, als sie ein beliebtes Volkslied anstimmten, welches die Partheigänger Don Karlos zu singen pflegten. Das zweite Zusammentreffen war ernstlicherer Art. Ein Bauer, auf einem prächtigen Maulthier holte das kleine De- taschement ein, und schien geneigt zu sein ihnen Gesellschaft zu leisten. Cr fragte die Leute wohin sie gingen, woher ste kämen, und was die Ursache ihres späten Marsches sei. Die Guerillas waren bereit mit ihren Antworten, indeß war seine Neugier nicht so leicht befriedigt, und seine Fragen fingen an lästig zu werden. „Schaffe uns den thörichten Schwätzer vom Halse,-- sagte L.... leise zu Antonio. „Fünfzig Lebe» gelten mehr denn eins.-- --Wahr!-- entgegnete der Letztere, zog schweigend den Säbel, und mäßigte in etwas seine Schritte. Als der unglückliche Bauer an dem Guerilla vorbeiritt, sah man einen Augenblick eine Helle Klinge glänzen; ein tiefer, gurgelnder Laut folgte, und gleich darauf fiel ein schwerer Körper durch das Gebüsch in die Schlucht, welche den Weg begrenzte. 4 . Mitternacht war vorüber, als die kleine Bande von Abenteurern in einem Hohlweg Halt machte, welcher sich zwischen waldigen Hügeln, aus denen hie und da einzelne gewaltige Felsmassen hervorragten, hinzog. Alles war ruhig, und die nächtliche Stille ward nur durch das zufällige Geschrei einer Eule unterbrochen. --Zn zehn Minuten sind wir da,-- flüsterte L.... Antonio zu; --eS ist Zeit, daß wir den Leuten ihre schließlichen Befehle er- theilen. -- Antonio nickte seine Zustimmung, und unmittelbar darauf hatten die Guerillas einen Kreis um ihren Führer geschloffen. L .... redete sie an. „Freunde,-- sagte er, mit seinem Finger auf ein Licht in geringer Entfernung zeigend, --das dort ist Aspeitia." Ei» unwillkürliche Bewegung der lleberraschung folgte diesen Worten. Die Guerillas hatten bis jetzt keine Ahnung gehabt, daß sie' sich, so zu sagen, in der Höhle des Löwen befänden. --Dorthin,-- fuhr Antonio fort, „gehen wir jetzt, um uns einer Person zu bemächtigen, die an.Bord der Trincadoren zu schaffen ist. Truppen sind nicht im Ort. Ich erwarte keinen Widerstand. Sollte es anders sein, so vergeht nicht, daß wir ihn, im Nothfall todt oder lebendig haben müssen, und daß der Kopf Don Kar- los sein Gewicht in Gold werth ist. Raposo sei die Parole. Unser Vereinigungspunkt sei hier. Marsch!-- Die Leute fielen in ihre Glieder zurück und die kleine Kolonne setzte sich aufs Nene in Bewegung. Sie waren indeß kaum hundert Schritte vorgerückt, als ein plötzlicher Glanz den Hohlweg erhellte, und die nahen Berge das Echo von wenigstens hundert Musketenschüssen Wiedergaben Gleichzeitig sah man die dunklen Formen des an seinen weißen Mützen kenntlichen 5ten Bataillons von Guisvuzcoa, der tapfer» und gefürchteten Chapel- 122 churris, hinter Bäumen und Felsstücken hervor, sich zum Angriff auf die Christiuos stürzen. ,“Hemos perdido!« rief L.... aus, als er zu Boden sank. "Das Spiel ist verloren, aber der Wurf war der Gefahr werth.-- Er war von zwei Kugeln getroffen, und hauchte fast augenblicklich seinen Geist aus. Ueber ein Drittel der Guerillas war mit ihm gefallen, dennoch schien Antonio, trotz dieses schweren Verlustes und der Schwierigkeit seiner Lage, nicht zu verzweifeln, oder jedenfalls entschlossen zu sein, sein Leben theuer zu verkaufen. "Animo, imiclmchos’ >< -,Muth, Kameraden!" rief,er seinen Gefährten zu, indem er den Anführer der Chapelchurris kaltblütig auf's Korn nahm, und niederschvß. Seine Leute, durch sein Beispiel ermuthigt, schlugen zweimal die ungestümen Angriffe der Karlisten zurück, allein der verzweiflungsvvlle Versuch Antonio'S seinen Rückzug zu vollenden, scheiterte an der Uebermacht seiner Feinde. Er war bald von allen Seiten umringt; eine neue Salve der Chapelchurris »rächte dem ungleichen Kampf ein Ende. Fünf der Guerillas, welche noch übrig blieben, warfen ihre Waffen von sich, und baten um Gnade, wurden aber sogleich bajoueltirt. Antonio selbst lag tödtlich verwundet am Boden. Bevor der Pulverdampf der letzten Salve sich verflogen hatte, erschien ein Knabe, welcher eins der kleinen Pferde der Pyrenäen ritt, auf dem Kampfplatz. Er stieg ab und begann eine Untersuchung der Todten und Sterbenden, bis er an Antonio kam. Als er den Anführer der Guerillas erkannte, brach ein wildes Triumphgeschrei von den Lippen Mateo's. --Ha! Antonio mio!" rief er aus; "es ist ticsmal kein General aus uns geworden, wie eS scheint; wir müssen uns ein wenig länger gedulden, oder haben wir vielleicht die Unze Blei für unfern Theil bekommen? Ha! Ha! — Nun — Du wirst in Zukunft den armen Tölpel Mateo nicht mehr schlagen. Aber KarlilvS hättest Du entführen mögen, nicht wahr? Ha! Ha! Ha! " Und er begann wie toll um den verwundeten Mann herumzutanzen, indem er Schimpfworte gegen Jfabella und ihre Par- theigänger ausstieß und Stellen ans Karlisienliedern sang zur großen Belustigung einiger der Chapelchurris, welche Fackeln angezündet hatten, um besser die gefallenen Cbristinvs plündern zu können, und jetzt ihr loderndes Licht auf die Scene fallen ließen, in welcher der halbwahnsinnige Mateo seine gefühllosen Possen trieb. Plötzlich machte der Guerilla eine leise Bewegung, als ob er versucht hätte, seinen Kopf ein wenig in die Höhe zu richten. Mateo war sogleich auf seinen Knieen an Antonio's Seite. "Laßt mich'S Euch bequemer macken, Oueridv mio!" sagte er im spöttischen Tone. --Ihr scheint nicht wohl zu ruhen auf Cuerm Lager, diese Nacht.-- Und seine langen, dünnen Arme um sein Opfer schlingend, bemühte er sich mit aller Kraft ihn in eine sitzende Stellung zu erheben, während er seine biegsamen Züge zu den häßlichsten Grimassen verdrehte. Ein dumpfes, wildes Gestöhn des aus drei Tvdeswunten blutenden Guerilla, und einen Moment darauf ein heller kreischender Sckrei des Buckligen — seine Arme erschlafften, sein Kopf fiel auf seine Brust, und er selbst sank schwer über den Körper Anronio'S hin. Liner der Karlisten trat hinzu um ihn zu unterstützen — er war schon tott. Der Guerilla harke seine lento Kraft zusainmengeraffr, u:n sein Messer zu ziehen und es seinem quälenden Lerrather in's Herz zu stoßen. * Der Lauer und der Ädvokat. Anikdotc. Die Städte haben wie die Menschen ihre Eigenthümlichkeiten; sie mögen gewerb- oder handeltreibend, gelehrt oder gehaltlos sein, so werden sie meistens durch ihr Aussehen die Natur ihrer Einwohner verrathen. Ich könnte viele Städte nennen, welche auf solche Weise den Geschmack und die Gewohnheiten ihrer Bewoh- enthüllen, ich will mich indeß auf Eine beschränken, welche diese Wahrheit besonders bestätigt, nämlich die französische Stadt R e n n e s. Wenn man die großen, schulmeisterlich aussehenden Gebäude dieser Stadt betrachtet, ihre herrlichen Plätze, die ganz mit GraS überwachsen sind und ihre einsamen Spaziergänge auf welchen nur hie und da ein denkender Leser sich zeigt, so erkennt man auf der Stelle die Hauptstadt des alten Herzogthums Bretagne, den alten Sitz der Parlamente, die Stadt der Studien, in der die ganze ernste Jugend der Provinz ihre Bildung erhält. Rennes bietet einen besonders ernsten Anblick: die. ganze Stadt ist still und ernst wie ein Gerichtshof und wirklich ist sie der Sitz dos Gesetzes! Hier befindet sich sein Tempel, seine Hohenpriester und seine wärmsten Verehrer. Von den äußersten Enden der Bretagne kommt man hierher, um '.sich zu erleuchten und um Rath zu fragen. Nach RenneS zu reifen, ohne sich Raths zu erholen, scheint einem Bretagner eben so unmöglich, als es einem Griechen unmöglich gewesen wäre beim delphischen Tempel vorbeizuziehen, ohne die Pythia zu befragen. Dies findet heutigen Tages eben so statt wie am Ende des verflossenen Jahrhunderts, und namentlich thun es die Lantleute, eine Menschenklasso, die durch Erfahrung eingeschüchtert, gern ihre Vorsichtsmaßregeln trifft. So geschah es denn eines Tages, daß ein Pächter, Namens Bernard, der zum Markte nach Rennes gekommen war, auf den Einfall kam, da er seine Geschäfte beendigt und noch einige Stunden Zeit übrig hatte, kiese darauf zu verwenden, daß er sich bei einem Advokaten Raths erhole. Man batte ihm oft von einem Herrn Potior gesprochen, kessen Ruf so groß war, daß man einen Prozeß schon gewonnen glaubte, wenn man sich nur auf seine Meinung stützen konnte. Zu diesem begab sich der Lant- mann, nachdem er seine Wohnung erfragt. Die Clienten waren zahlreich und Bernard mußtejlange Zeit warten; endlich kam auch an ihn die Reihe und er wurde ein geführt. Herr Polier gab ihm ein Zeichen sich zu setzen, legte darauf seine Brille auf den Tisch, und fragte ihn, was ihm zu Diensten stehe. Meiner Seele! Herr Advokat, sagte der Pächter verlegen seinen Hut drehend, ich habe so viel Gutes von Ihnen sagen hören, daß ich, da ich einmal in Rennes bin, die Gelegenheit benutzen wollte, um Sie um -Rath zu fragen. Ich danke Euch für Euer Zutrauen, mein Freund, sagte der Advokat .... Aber Ihr habt gewiß einen Prozeß? Prozeß? Warum nicht gar! ich hasse sic und nie hat Peter Bernard mit irgend Jemand Streit gehabt. Dann ist es eine Abrechnung, eine Faniilientheilung? Entschuldigen Sie, Herr Advokat, meine Familie unk ich habe nie eine Theilung zu machen gehabt, da wir, wie man zu sagen pflegt, aus Einem Brodkasten uns nähren. Dann handelt es sich um einen Kauf oder Verkauf? Was fällt Ihnen ein! Ich bjn weder reich genug, um zu kaufen, noch so arm, daß ich verkaufen müßte. Aber was wollt Ihr denn von mir? fragte der erstaunte Advokat. Ei, ei, ich habe es Ihnen ja gesagt, lieber Herr, entgegnete Vernarb ganz verlegen lächelnd, ich will einen Rath ... für mein Geld versteht stch . . . weil ich gerade in Rennes bin und man die Gelegenheit benutzen muß .... Herr Pvtier lächelte, nahm eine Feder, Papier und fragte den Landmann nach seinem Namen. Peter Bernard, antwortete dieser, ganz glücklich, daß man ihn endlich verstanden habe. Euer Alter? Dreißig Jahre, oder nicht weit davon. Eure Professton? Professtou? . . . Ha, ja, was ich treibe? ... Ich bin Pächter. Der Advokat schrieb zwei Zeilen, legte das Papier zusammen und händigte es dem sonderbaren Clienten ein. Scho» fertig? rief Bernard. Gut, das gefällt mir, da hat man keine Zeit schimmlig zu werden. Was kostet denn der Rath, Herr Advokat? Drei Franken. Bernard zahlte ohne Widerrede, machte einen Kratzfuß, und ging ganz entzückt davon, daß er die Gelegenheit nicht versäumt habe. Als er nach Hause kam war es schon vier Uhr. Der Weg hatte ihn crniüdet und er betrat das Haus fest entschlossen sich auszuruhen. Jndeß war das Heu schon seit zwei Tagen gemäht worden und vollkommen welk; ein Knecht fragte an, ob es eingebracht werden solle . . Diesen . Abend? unterbrach ihn die Pächterin, die zu ihrem Manne getreten war; es wäre eine wahre Sünde, noch so spät, zu arbeiten, da wir es morgen ganz bequem thun können. Der Knecht bemerkte, das Wetter könnte stch ändern, die Pferde aber wären bald angeschirrt und die Leute hätten Nichts zu thun; die Pächterin aber antwortete, der Wind wäre gut, und die Nacht würde bald Hereinbrechen. Bernard, der diesem Zwiegespräche zuhörte, war unschlüssig was er thun solle, als er stch plötzlich des Papieres erinnerte, das ihm der Advokat gegeben. Halt! rief er; ich habe da einen Rath bei mir, und keinen schlechten, kenn er kostet mich drei Franken, der soll uns aus der Verlegenheit ziehen. Sieh doch einmal Therese, da Du alle Schriften lesen kannst, was er sagt. Die Pächterin nahm das Papier und las folgende zwei Zeilen: --Verschiebe nicht auf den nächsten Tag, was du noch beute tbun kannst!" Hier ist's, schrie Bernard, dem ein Licht aufging; geschwind die Leiterwagen herbei und laßt die Leute noch heute das Heu einführen. Seine Frau wollte noch einige Einwendungen machen, er aber erklärte, daß man nicht einen Rath für drei Franken kaufe, um ihn nicht zu befolgen; mau müsse daher der Meinung de» Advokaten gehorchen. Cr selbst gab nun das Beispiel, indem er stch an die Spitze der Arbeiter stellte und erst nach vollbrachter Arbeit nach Hause kehrte. Der Ausgang schien die Weisheit seines Benehmens beweisen zu wollen; denn die Witterung wechselte plötzlich in der Nacht, ein unerwarteter Sturm turchbrausie das Thal und als der nächste Tag erschien, sah man, daß der Fluß ausgetreten, die Wiesest überschwemmt und alles Heu fortgerisscn hatte. Alle unvorsichtigen Pächter hatten ihre ganze Ernte verloren, Bernard allein hatte keinen Schaden erlitten. ^iese erste Erfahrung gab ihm ein solches Vertrauen in des Advokaten Rath, daß er ihn von da an zur Lebensregel stch machte und, Dank seiner T rdnung und seinem Fleiße, einer der reichsten Pächter des Landes wurde. Nebrigens vergaß -er niemals den Dienst, den ihm Herr Polier geleistet, denn er brachte ihm jährlich aus Dankbarkeit ein Paar seiner schönsten Hühner; und wenn man von Rechtsgelehrten sprach, hatte er die Gewohnheit zu sagen: »Nach den Geboten Gottes und der Kirche gibt es au der Welt nichts Nützlicheres als den Rath eines guten Advokaten." 8 . Äus der Zeit. — Luzern, 16.Ap. Aus zuverlässiger Quelle können wir mittheilen, daß Hr. vr. Steig er bei dem,Freischaarenzuge keineswegs die Beschießung der Stadt Luzern verlangt, vielmehr derselben sich aufs Entschiedenste widersetzt hat. Cs ist daher durchaus falsch, wenn die betreffende Stelle des von Hrn. Hauptmann Ochsenbein veröffentlichten Berichtes auf Hrn. Dr. Steiger bezogen wird. Heute wird Kriegsgericht über Hauptmann Ulm i abgehalten. In dem Prozesse gegen I)r. Steiger weigert sich auch der Gehülfe des Staatsanwaltes, wie früher dieser selbst, die Anklage zu entwerfen. — "Vorgestern endlich wurden von den jungen Leuten unter 20 Jahren circa 40 abgcführt und gestern eine gleiche Zahl. — Luzern, 17. April. Die Beurtheilung des Hauptmanns Ulmi durch das Kriegsgericht hat nun stattgefunden. Der amtliche Ankläger trug auf anderthalb Jahre Zuchthausstrafe an, das Gericht aber verurtheilte denselben zu zehnjähriger Kettenstrafe. Diese Strafe beschlägt bloß die Desertion; was den Freischaarenzug betrifft, so kann Ulmi gewärtigen durch die ordentlichen Gerichte annoch überhin zum Tode verurtheilt zu werden. — Zürich. Gestern und vorgestern langten die Gefangenen unter 20 Jahren in Reinach an; sie wurden von einem Detasche- ment Zürchertruppen auf der Grenze in Empfang genommen, auf das Gemeindehaus begleitet und sofort auf freien Fuß gestellt. Diese junge» Leute wollten die Behandlung in Luzern nicht sehr rühmen; darunter gibt es auch Solche, die beharrlich erklären, es habe im entscheidenden Momente vor Luzern Derrath statt gefunden, der noch ausgemittelt werden müsse. Heute wird wieder ein Transport erwartet. — Absichtlich oder unabsichtlich war gleich nach den neulichen Luzerner Vorfällen in Schweizer Blättern das Gerücht verbreitet worden, daß auch einer der-Söhne von H. Zschokke an dem Freischaarenzuge Theil genonnnen und sich nun unter den Gefangenen befinde. Nach inzwischen eingegangenen zuverlässigen Nachrichten ist jene Mittheilung jedoch eine gänzlich unwahre gewesen, indem keiner der Söhne Zschokke's weder an jenem Zuge Theil genommen, noch überhaupt mit der Freischaaren-Angelegenheit irgendwie in Beziehung stand, wie dies von Allen, welche diese vortreffliche Familie kennen, auch gar nicht bezweifelt werden konnte. — Berlin, 13. April. Unfern Beamten ist auf's neue ein- geschärft worden, das Amtsgeheimniß in keiner Beziehung zu verletzen. — Der Transport der hiesigen Gefangenen nach dem Arbeitshause und der Charit« geschieht seit einigen Tagen zur Ehre der Menschheit nicht mehr zu Fuß, sondern in einem dicht verschlossenen Wagen, wo der Verbrecher weder vom Publikum noch dieses von jenem gesehen werden kann. — München, 15. April. In Folge der Verlobung einer jungen Gräfin entstand vor einigen Tagen zwischen derem Verlobten, einem portugiesischen Grafen, und einem ihrer Anbeter, einem Franzosen, ein Streit, der mit einem Duell endigte, in welchem der Franzose eine kleine Wunde im Gesichte erhielt. 121 — Paris, 15. April. Die Bureaux der Deputirten beschäftigten sich gestern mit der Prüfung einer von den Herrn Dozon und Taillandier eingebrachte» Proposikion über das Duell. Es lautet dieser Antrag im Wesentlichen: „Art. 1. Die Herausforderung zum Duell soll mit einer Gefängnißstrafe von einem Monat bis zu einem Jahre und mit einer Geldbuße von 16 Frs. bis 500 Frs. bestraft werden. Art. 2. Wer sich duellirt, soll einer Gefängnißstrafe von drei Monaten bis zu zwei Jahren und einer Geldbuße von 300 Frs. biS 1000 FrS. unterliegen. Art. 3. Hat ein Duell Verwundungen zur Folge, welche eine Krankheit oder eine persönliche Arbeitsunfähigkeit verursachen, o soll Der, welcher die Verwundungen zugefügt haben wird, mit einer Gefängnißstrafe von einem Jahre bis zu drei Jahren und mit einer Geldbuße von 300 Frs bis zu 2000 Frs. belegt werken. Art. 4. Wenn der Tod eines der Duellanten Folge des Duells ist, so soll gegen den Schuldigen eine Gefängnißstrafe von zwei bis fünf Jahren und eine Geldbuße von 2000 Frs. bis zu 10,000 Frs. ausgesprochen werden. Art. 5. Im Wiederholungsfälle soll das Maximum der Gefängnißstrafe verhängt werken und selbst auf das Doppelte erhöht werden können. — Madrid. Obgleich die Banden der Faccivsos unter Tri- stanp und Malorra in Catalonien nicht so zahlreich sind als man anfangs geglaubt, flößen sie doch großen Schrecken ein. Nur im Falle unumgänglicher Nothwendigkeit wagt man dort Reisen zu unternehmen. Die seit dem 28. Febr. von den Banditen gefangen gehaltenen Einwohner von Figueras haben ihren Familien geschrieben daß man sie mit Abschneiden der Zunge, Ausreißen der Augen und andern furchtbaren Martern bedroht habe, wenn bis zu einem bestimmten Tage das für sie verlangte Lösegeld nicht eintreffe. Weniger die politische alS die persönliche Sicherbeit scheint durch diese Banden bedroht zu sein- — Briefe aus dem Golf von Mexiko berichten, Santa-Anna sei drei Tage nach seiner Schuldigerklärung von dem mexikanischen Congreffe (mit einer Majorität von 21 Stimme») zur lebenslänglichen Verbannung nebst Confiskation seiner Güter verurtheilt worden; eine gewisse'Anzahl Mitglieder habe für Todesstrafe gestimmt. — Washington, 7. März. Hr. Alexander H. Everett, Bruder unseres Gesandten in London, ist neuerdings als Commis- sionär oder außerordentlicher Gesandter nach China abgesandt worden — ein Beweis daß wir auf die Verbindung mit dem himmlischen Reich großes Gewicht legen. Namentlich wünscht unsere Regierung gewisse weitere Bestimmungen für den Fall daß unsere Kriegsschiffe in den chinesischen Häfen Schutz suchen sollten. Verschiedenes. — Aeußerst billige Reisegelegenheit nicht nach Amerika und um die Welt, wie vor Kurzem ein unternehmender Schiffskapitain aus Hamburg auzeigte, aber doch durch halb Eu- rova. Sie wurde erfunden durch Henri Jaquelin aus Bordeaux. Der junge Mann begann seine Reise von Paris, woselbst er sich als Commis eines großen Banquierhauses, um den Handel (oder besser das Lokteriespiel) in Eisenbahn- und Staats-Effecten zu lernen, seit einem Jabre aufgehalten. Von dem Kutscher von welchem er öfter schon Wagen und Pferde entnommen, ließ er sich ein elegantes Tilburi kommen, bestellte den Kutscher zur Abholung auf Mittag und fuhr ab. Der junge Herr reiste zehn LieueS, langte in einem Städtchen an, stieg im besten Gasihofe ab, lebte sehr flott, wünschte am folgenden Morgen einen Ausflug zu machen und bat den Wirth, ihm elegante Equipage zu verschaffen, weil er seine Pferde einen Tag lang ruhen lassen wolle, und fuhr weiter, mit dem neuen Eigenthum abermals zehn Lieues in einer andern Richtung machend. So wiederholte er kreuz und quer von Ort zu Ort ziehend, denselben Streich, überall sich als den mit eigener Equipage reisenden Herrn einführend, überall unter gleichem Vorwände andere Pferde und andern Wagen erhaltend, und so hätte er ganz Frankreich und halb Deutschland durchreisen können, wenn ihm nicht eingefallen wäre, in AmienS Pferde und Wagen zu verkaufen, wodurch er Verdacht erregte und in Folge dessen arretirt ward. Die Familie des Touristen hat reichlichen Ersatz an alle Benachtheiligten leisten wollen, daS Gericht, bei dem die Sache anhängig war, hat jedoch den Vergleich abgelehnt und will diese Reisemethode gesetzlich behandelt wissen. — In Nürnberg war neulich großer Schrecken. Eine Zeitung brachte die Nachricht, in Bamberg wüthe die Cholera auf das Heftigste. Zum Glück war'S in Bombay in Ostindien, wohin der Setzer in seiner Geographie noch nicht gelangt war. — DieDvrfzeitungbringt folgende originelle Anfrage: --Eine ganze Gemeinde wendet sich an alle gelehrten und ungelehrten Leser der DZ. mit der Bitte um Auskunft. Schon oft zerbrachen wir uns die Köpfe, warum man bei hohen Feierlichkeiten, z. B- bei der Geburt eines königlichen Prinzen 101 Kanonenschüsse abfeuert. Warum denn gerade noch Einen? In Nr. 40 der DZ. lasen wir, daß man in Rußland bei der Geburt eines kaiserlichen Prinzen sogar 301 Schüsse gethan habe, und die fragliche Eins kam wieder vor. Jeder Cintretende, wir waren nämlich in der Schenke, wurde um Belehrung gebeten, aber selbst unser Herr Schulze wußte nichts. Einer meinte zwar, daß man durch den überzähligen Schuß beweisen wolle, daß man noch mehr Pulver besitze, um noch mehr thun zu können, oder daß man sicher gehen wolle, wenn man sich etwa verzählt haben sollte; allein auch Ließ genügte uns nicht und wir haben für räthlich gehalten, uns an unsere Aller Rarhgcberin, unsere Dorfzeitung zu wenden." Oie Gemeinde W.... d. — Der Chef des bibliographischen Instituts zu Hildburghausen, Herr I. Meyer, hat mit mehren Zeitungen den Plan zu einem kolossalen Unternehmen ausgegeben, nämlich zur Errichtung einer deutschen Eisenbahnschienen-Compagnie, damit dieser Artikel, für den man seit 1835 an England und Belgien 31 Millionen Thaler bezahlt haben soll, nicht mehr aus dem Ausland bezogen zu werden braucht. Zur Ausführung ist ein Capital von 2 Millionen Thaler erforderlich, das durch 10,000 Aclien aufgebracht werden soll. Herr Meyer sichert jedem Actionär eine jährliche feste Verzinsung von 5 Prozent und eine Dividende von 7 Prozent zu. Wenn wir auch in jeder Beziehung dem großartigen Unternehmen Gelingen wünschen, scheinen uns dennoch die anticivandv zugesicherten Vvrtheile das Resultat etwas gar zu sanguinischer Hoffnungen zu sein. Auflösung dos Häthsels in Uro. 2i). Granate n. Redigirt und gedruckt unter L^xantworklichkeit der Chr. Fr. Müller'fchen Hokbuchhandlung