Karlsruher Beobachter. Beiblatt zum Karlsruher Tagblatt. Nr. 2 «. Donnerstag den 6. Juni 18 M. lieber eilte Baucreditkafse. Vor einiger Zeit schilderte uns der Karlsruher Beobachter in einem ausführlichen Aufsatz die Gründung von Karlsruhe, dessen allmählige Vergrößerung und Verschönerung nach gewissen Zeitabschnitten, wobei der Wunsch gehegt wird, nunmehr dahin zu wirken, daß Karlsruhe seinen regelmäßigen Ausbau sowohl beziehungsweise neuer als resp. durch Niederreißung der alten und baufälligen Gebäude erhalten möge. Wenn man auch die Wichtigkeit des Gegenstandes der von dem Verfasser mit Interesse berührt wird, ins Auge saßt, so dringt sich die Frage auf, welches ist der sicherste Weg zur Ausführung dieses ProjectS d. i. auf welche Weise erlangt der Bürger oder Gewerbsmann am leichtesten die Mittel zum Aufbau seines alten und baufälligen Hauses, oder zur Errichtung eines neuen Gebäudes, ohne sich in eine drückende Schuldenlast zu stürzen. Dieses ist bei näherer Betrachtung in fetziger Zeit eine wesentliche Lebensfrage; denn mancher Bürger würde sich zu einem Hausbau verstehen, wenn ihm die Mittel leicht an die Hand geboten würden. Hier möchte vielleicht Jemand zu schnell das Wort nehmen und sagen: die Gegenwart d. i. das häufige Angebot von Capitalien, welches der Zinsfuß nieder hält und den Capital-Aufnahmen zum Vortheil gereicht, dürfte den sichersten Weg oder das sicherste Mittel zur Ausführung obigen ProjectS bieten. Allerdings richtig, aber nur in dem Fall wahr, wenn der Bürger in der Lage ist, sich in seinem Geschäft freier zu bewegen, und neben seinem regelmäßigen ^ewerbseinkommen noch ein bestimmtes Capitalvermö- lwn zu besitzen, wodurch er gesicherter ist und mit seinem Creditoren nie in Collisivn gerathen kann. Nur bei einem Gewerbe, das einen schnellen Absatz ‘ tt seinen Producten hat, könnte ein bestimmtes Vermögen auch fehlen. Es ist nicht in Abrede z» stellen, daß die Zunahme ^er Bevölkerung manches Gebäude zu Tage fördert und äur Vergrößerung einer Stadt beiträgt. Wird eine solche Zunahme von Nutzen sein, wenn sie nicht auf Wohlstand begründet ist? Bilden die Schulden auf einem Gebäude nicht ewige Renten, und wird am Ende nicht der Ca- pitalist gcnöthigt, dasselbe als Eigenthum an Zahlungsstatt zu übernehmen? Der selbstthätige Unternehmungsgeist, der wirklich in allen größeren Städten herrschend ist, leuchtet gewiß auch bei den Karlsruher Bürgern hervor, wenn es sich der Mühe lohnt, die Verhältnisse und die Lage zn verbessern, und Aussicht auf einen, wenn auch nur geringen, Vortheil vorhanden ist. Der Leser wird sogleich finden, daß hier nicht von den großen Fabrikanten und Manufaktu- risten die Rede sein kann, sondern hauptsächlich von der Mittel-Classe von GcwerbSleuten, welche für die minder entbehrlichen Bedürfniße des verfeinerten Lebens arbeiten. Diese Classe ist in jeder größeren Stadt sehr zahlreich. Durch sie nehmen in der Regel die Städte an Größe und Umfang zu, und mit der Abnahme dieser Classe zerfallen sie auch wieder. Ein eigenthiimliches Wohngebäude, das für einen Gewerbtreibcnden einen beträchtlichen Bestandtheil seines Vermögens au-smacht, weiß am besten der Wirth, Metz- ger, Bäcker, Schreiner, Schloßer, Glaser, Kaufmann re. zu schätzen; denn dadurch ist er nicht den häufigen Aufkündigungen ausgesetzt, die ihn in seinem Geschäftsbetrieb stören, und ihm außerdem noch bedeutende Kosten verursachen. Nicht nur einige, sondern sogar viele Gewerbsleute würden ihren alten und unbequemen Lokalitäten eine zweckmäßige Einrichtung geben, ja manche sogar ihren Söhnen, bei ihrer Etablirung Wohngebäude ankaufen oder errichten lassen, wenn sich ihnen ein leichtes Mittel bieten würde, dieß ohne eine gänzliche Zersplitterung ihres Vermögens oder eine drückende Schuldenlast zur Ausführung zu bringen. Die Bestimmung dieses Mittels dürfte wohl einige Aufmerksamkeit und Interesse verdienen. Vor Allem dürfte keine Art von Inquisition vor- ausgehen, welche mit ArguS Augen Alles ausspäht, ob eS wohl rathsam sei, diesem oder jenem Unternehmer unter die Arme zu greisen; denn nur diejenige Classe von Bürgern ist bei der Sache betheiligt, welche auf eine oder die andere Weise fähig ist, sich der gemachten 90 Schulden, wenn es sein müßte, zu entledigen, nämlich die Mittelclasse welche immer hinreichenden Credit besitzt, der nicht bedroht werden soll. Der Arme wird keine Häuser bauen, der Reiche bedarf keiner Nachhilfe. Hiedurch ist auch dargethan, daß nicht Plötzlich ganze Straßen entstehen und eine sichtbare Wuth zum Häuserbau ansbrechen werde. (Schluß folgt.) Cin Gang durch die Messe. Bei einem Gang durch die gegenwärtge Messe machte der außerordentlich marktschreierische Lärm eines Dheils der Verkäufer auf den Berichterstatter einen unangenehmen Eindruck. Morgens zwischen 9 und 11 Uhr nämlich, wo die Messe, namentlich nach dem ersten Montag derselben, nur wenig besucht ist, wird man in der Gegend, wo die meisten sogenannten „Neun Kreuzer- Stände" so ziemlich beisammen sind, durch ein unerträgliches Herbeischreien der, nicht einmal vorhandenen, Kaufliebhaber behelligt, und zwar in einer Weise, die an's Unanständige grenzt. Es wäre zu wünschen, daß diesem unnölhigen Geschrei im Interesse der übrigen Verkäufer sowie der Käufer ein Ziel gesetzt werde. Kein Feind der Neun-Kreuzer-Stände. störaf Mansfeld. Historische Novelle von Alex, de ln Vernais. (Fortsetzung.) Von allen Königinnen, die Frankreich Spanien gab, und die meist alle ein so trauriges Schicksal hatten, erweckte doch nicht eine solche bittere und poetische Erinnerungen, als Louise von Orleans, keine von ihnen hat wohl je die spanische Krone mit so trüber Ahnung angenommen, als Louise. Jedem ist wohl die rührende Antwort bekannt, die sic Ludwig XIV. gab, als er ihr meldete, sie würde Königin von Spanien. Als er bemerkte, daß sie verwirrt die Augen nicderswlug, sagte er ihr: Louise, für meine Tochter hätte ich nicht mehr thun können. — König, antwortete sic mit thränenden Augen, das hätten Sic nicht für Ihre Tochter gethan — wohl aber für die Nichte! Die Unglückliche hoffte ihr Leben unter rem reinen Himmel von Frankreich, im Kreise der Familie, Freunde und Diener, die sie anbetctcn, hinzubringen, an diesem glänzend gcbilrcteu Hose Europa's, an dem sie sich vielleicht selbst einen Gemahl gewählt hätte. Aber der König, nur die Politik im Auge, beschloß es anders , und Louise mußte nach Spanien. Wie viele Thränen vergoß sie bei ihrer Abreise aus Frankreich! Unvorsichtig, wie ihre Mutter, der sie an Schönheit glich, abergläubisch, wie ihr Vater, gab sic kurz vor ihrer Abreise den Bitten einer Dame, deren Freundschaft und Rathschläge ihr mehrmals gefährlich waren, nach, und cntsch oß sich, mit ihr zu jener berühmten Voisin zu gehen.— Hier erfuhr sie denn, daß der König, der ihr zum Gemahl bestimmt, nickt lange leben würde. Man brauchte seine Zuflucht nicht zur schwarzen Kunst zu nehmen, um den Tod des schwachen, kranken Königs vorauszusagen, doch auch die Natur hatte ihre geheimen unerforschlichen Künste; ein Zeitraum von neun Jahren war schon verflossen, seitdem Louise von Orleans den spanischen Thron theilte, und die Prophezeihung der Voisin nicht erfüllt, denn König Karl N. war noch am Leben. Zwei Wochen ungefähr nach Verlauf der Cercmonie des Handkusses, an einem heißen Tage des Frühjahrs 1683, saß die Königin, von ihren Damen umgeben, i» einer Laube von Lorbeer- »nd Granatbäumen im Garten von Buen-Netiro; neben ihr befand sich die Obcrhofmeisterin, und eine Dame las die Biographie der Prinzen und Prinzessinnen des österreichischen Hauseö unter Karl V. vor; — sie las eben die Geschichte Anna's von Oester reich, der Großmutter Louise von Orleans; und die Schicksale dieser Dame schienen mit rcnen ihrer Urenkelin so verwebt, daß die Zuhörer erschüttert einen Blick des innigen Mitleids auf die junge Königin von Spanien warfen, doch sie schien ihn nicht zu verstehen; ihren Kopf auf die Hand gestützt, heftete sie ihre schönen Augen auf die Staatüdame, und schien mit Sehnsucht jedem ihrer Worte zu folgen. Vielleicht errieth sie in der Lebensgeschichtc ihrer Vorgängerin jene Ahnung, die sic nicht täuschte. Da schlug eS sechs auf dem Thurm zu Buen-Netiro, die Oberhofmeistcrin gab der Verlesenden stillschweigend cin Zeichen, sic hörte auf zu lesen und schlug das Buch zu; die Königin schien aus ihrem Sinnen zu erwachen, seufzte tief auf, und sah die Dame» mit einem Ausdruck des tiefsten Schmerzes an. Die Oberhofmci- sterin schien sich nicht un geringsten darum zu kümmern, nahm aus einem Futteral ein Gebetbuch und setzte mit der größten Glcich- > gültigkcit ihre Arbeit fort, die andern Damen folgten ihrem Beispiel; nur die Königin verlor sich in.tiefes Nachdenken, über dessen Ursache man sie wenigstens nicht fragte. TieseS Schweigen herrschte, Langeweile malte sich auf den Gesichtern, als sich endlich ein trockenes langsames Gespräch über die Predigt des Beichtvaters entspann, und plötzlich die junge muntere Marquise Aholar fragte: — Was hört man vom Grafen Mansfeld, dem cs so unwohl bei der Cercmonie wurde? Bei dem Namen Mansfeld schrack die Königin zusammen, und obgleich sic keinen Theil am Gespräch zu nehmen schien, konnte mau dennoch leicht bemerken, daß es ihr nicht so gleichgültig war. Die Hofmeistcrin antwortete, ohne die Augen von der Arbeit zu wenden: In der That muß der Graf damals sehr krank gewesen sepn; wie soll man sich sonst sein unbesonnenes Benehmen erklären? wie konnte er sich unterstehen, mit der Königin zu sprechen, ohne besondere Erlaubniß Ihrer Majestät. — Und wagte sogar den Arm anzubieten, fügte eine andere Dame hinzu. — Laßt uns nicht so hart mit dem armen Mansfeld verfahren, nahm die Marquise das Wort. Sic vergessen, daß er Ausländer, seit Kurzem in Madrid, und folglich die spanische Etikette noch nicht kennt. Ucberhaupt glaubte er gewiß nicht das Glück 3 11 haben, die Königin vor sich zu sehe». — Das ist nicht möglich! riesen die Damen, einen fragenden Blick auf die Königin werfend. — Marquise Aholar hat Recht. Wir müssen den östrcick't- schen Gesandten cntschulbigcn, es ist das erste Mal, daß er i» meiner Gegenwart erscheint. So redend, überlegte Loubc von Orleans nicht, daß sie durch die einfachen Worte zwischen unP dem Graf Mansfeld eine Verbindung vorauSsctzte, vic ourch vw erste Lüge noch enger verbunden ward. — Als sie den Grafen im Schloß erblickte, erkannte sie »> ihm jenen Fremden', dem sic vor mehren Jahren bei Voisin das 91 &beti gerettet; sie ward etwas verlegen, doch sollte ihre Verlegenheit noch mehr gesteigert werden, als eine Dame aus ihrem Gefolge sagte: — Wenn noch Jemand an des Grafen Gesundheit zweifelt, so kann ich Sie beruhigen. Seit dem Tage der Ccremonie geht er alle Tage unter den Fenstern oes Schlosses vorüber, wahrscheinlich um das Glück zu haben, irgend einen schönen Stern zu grüßen, der ihm dort erscheint. — Und wer ist der Stern? fragte eine Dame. — Bis jetzt noch »unbekannt. — O, ich crrathe — rief die leichtfertige Marquise. Die Königin schlug die Augen nieder, und eine leichte Röthc bedeckte ihre Wange». Wär's möglich, daß auch sie crricth, wem Mansfeld huldigte? . . . D>c Glocke schlug halb Sieben, und die Hofmeisterin, sich von ihrem Platze erhebend, berichtete Ihrer Majestät, daß cs Zeit sei, inü Schloß znrückzukehren. — Warum renn von hier sortgcheu? es ist so schön hier, sagte' die Königin, sich zu den Damen wendend. Fühlen Sie den frischen Wind, der uns von den Bergen anweht? ... Er erinnert mich an Frankreich . . . diese Erinnerungen sind so selten in Madriv, waruin will man sie uns rauben? . . . Tic Hofmeisterin antwortete mit wichtiger Miene: Ihre Majestät vergessen, Laß wir schon zwei Stunden im Garten sind, und daß die Etikette den Königinnen nicht erlaubt, länger ra zu verweilen. Louise von Orleans hob die Augen gen Himmel und schien vcreit, sich dem Willen zu fügen, als sie mit jener französischen Leichtigkeit und Grazie, die sie am spanischen Hofe nicht verließ, und die zurückkehrten wie das Lächeln auf dem Gesicht eines Verbannten bei dem Gedanken an sein Vaterland, sagte: — Der Abend ist heute so wunderschön; wissen Sic was? ick> möchte am Ufer des Manzanarcs spazieren fahren. Nicht wahr, das wäre hübsch? was deuten Sie? Die Dame» schwiegen. - Nu», rief sie vergnügt — wer mich liebt, der folge mir! . . . — Haltet ein! rief die Oberhofmeisterin, der Entschluß Ihrer Majestät kann nicht ausgeführt werden. — Und warum denn nicht? fuhr die Königin vor Aerger erröthend fort, cs scheint mir nicht der Etikette zuwider. — Es kann sein; aber ich habe neuerdings noch strengere Befehle erhalten, denenzufolge Ihre Majestät, ohne besondere Erlaubnis des Königs, nicht aus dem Schloß fahren können. Die Pflickst gebietet mir, dem Befehle zu gehorchen. Außer Fassung gebracht, war Louise von Orleans nicht Herr über sich selbst. — Herzogin! rief sie, die Oberhofmeisterin starr ansehend, Herzogin! Sie vergessen, daß in jedem Lande der Untertyanen erste Pflicht — Gehorsam ist. Ich bin Königin von Spanien, es ist mir gefällig, heute Abend spazieren zu fahren, gleich den Bürgern Madrids, die da spazieren gehen, und ich will sehen, wer es wagt, mich zurückzuhalten! . • . Mit diesen Worten erhob sic ihren Kopf, ihre Angen glänzten, ihre Lippe» bebten. In diesem Augenblick war sie ganz die würdige Nichte Ludwig's XIV., plötzlich aus ihrem lethargischen Schlaf erwachend, mit kräftiger Hand die Fesseln von sich werfend, die sie sich so lange anfcrlegt ... die Kammerniajorin erbleichte, wagte nicht zu antworten und wollte sich eben entfernen, um dem Stallmeister den Willen der Königin mitzutheilen, als ihr dieselbe Kurieren lächelnd, die Hand reichte- — Verzeiht, wenn ich Euch betrübte, sagte sie, und wenn in die'em Spaziergang etwas Unerlaubtes liegt, so nehme ich die Schuld allein auf mich. Sie können versichert sein, daß der König nichts davon erfährt. — Er weiß schon Alles, unterbrach in der Nähe eine kaum vernehmbare Stimme. In demselben Augenblick hörte man die Blätter des nahen Gebüsches rauschen und den schweren Tritt eines herannahcnden Mannes. —Unerhörte Ungezogenheit! rief die Hofmeisterin, die Hände zusammen schlagend, ein Mann in dem Garten von Buen Rctiro zur Zeit, wo die Königin da spazieren geht; wer ist der Unsinnige der sich der Gefahr seines Lebens aussetzt? . . - — Ich bin eS, versetzte dieselbe Stimme von einem trockenen pfeifenden Husten begleitet, und langsamen Schrittes näherte sich den Damen ein Mann, dessen bleiches verwelktes Gcsichr und eingefallene Wangen von tiefen Leiden deuteten; sein Nucken war gekrümmt, mit Müh' hielt er sich an einem Stock fest, den schwachen magern Körper umschloß ein schwarzes Kleid, und Jeder, der ihn so sah, hätte denken könncn, er trage schon um sich selbst Trauer. - Drei Orden blinkten auf seiner Brust. Dieser junge, un glückliche Mann war Karl von Oestreich, der Zweite mit Namen, der einzige Sohn Philipp's IV., der mächtige Regent von Spanien und Indien. (Fortsetzung folgt.) Die Grälrerpyrainide in London. Die Kirchhöfe Londons liegen durch das stete Wachsen der Häusermasse mitten in der Stadt, und die Ausdünstungen derselben rufen Fieber und ansteckende Krankheiten in den Nächstliegenden Stadtvierteln hervor. Schon seit mehren Jahren überlegt nun eine Gesellschaft, wie diesem Uebclstande abzuhclfcn sei, und cs hat ein Herr Wilson den Plan zu einer Gräbcrppramidc eingcreicht, dessen Einzelheiten wir hier anführen. Sie soll nämlich nicht weniger als 5 Millionen Leichen aufnch- men und so dem Bedürfnisse der Weltstadt auf mehrere Jahrhunderte genügen; ihre Grundfläche ist auf 18 Acres, ihre Höhe auf ungefähr 680 Fuß (die doppelte Höhe von der St. Paulskirchest berechnet, und der Raum würde dem von 1000 Acres Land gleich sein; sie würde also die große Pyramide des Eheops noch um ei» Driitheil übertragen. — Quadersteine bedecken ihre Außenseite, 4 Nieseutrcppen führen nach dem Gipfel, der auch einen Obelisken und ein Observatorium zu tragen hat. Den Eingang bildet ein ägyptisches Portal, an den Seiten hin lausen terasfenförmige Spaziergänge, in jedem Winkel erhebt sich ein Wachtthurm, und das Ganze umschließt eine Mauer, innerhalb welcher Grabdenkmäler, eine Kapelle, Registratur und Beamtengebäude zu sichen kommen. Die Kosten dieses Riesenwerkes siud zu 2'k Millionen Pfund Sterling veranschlagt, die in einem Zeiträume von hundert Jahren nach ungefährer Berechnung der Commune 12., Millionen Pfund Begräbnißkesten ersparen werden. Verschiedenes. — Die große deutsche Gewcrbausstellung in Berlin beginnt'«», 15. August. -Die dazu bestimmten Sendungen müssen bis zu», 22. Juli cingescndct sein. Es ist sehr zu wünschen, daß alle deutschen Staaten mit ihren Hanptcrzcugnissen dort vertreten sind, und daß alle Behörden da§ Unternehmen fördern. Die 92 Kosten des Hin- und Rücktransportes werden von den Negierungen getragen. Der König hat das schöne Zeughaus zur Ausstellung cingeräumt. — Man erwartet den König von Hanovcr am Hofe zu Berlin und glaubt, daß seine Vermählung mit der verwittwcten Großherzogin von Mecklenburg-Schwerin noch diesen Sommer stattfinde» werde, ehe noch der König in sein 73. Jahr tritt. — In Harburg soll nun wirtlich ein Freihafen erbaut werde» und Hanover hat dazu 450,000 Thalcr bewilligt. Im Geiste sieht man dort schon die Flaggen fremder Nationen wehen. Hamburg bekommt einen mächtigen Rivalen!!! — Wie bekanntlich Alles feine zwei Seiten hat, so auch die neue Bundesfestung Ulm. Eine Seite ist Würtembergisch, die andere Bayerisch. Jede hat ihren eigenen Baumeister, und jeder seinen bcsonvcrn Bauplan; der Würtcmbergischc Plan wird aus- gcführt, der Bayerische ist noch nicht genehmigt. Wenn's erst fer- lig ist, wird'ü herrlich aussehen, hüben gelb und roth, drüben weiß und blau; hüben lieblicher Neckarwein, drüben starker Bock; hüben lustig gelebt, drüben selig gestorben. — Nachdem man die Herzog!. Hvheitsfrage als eine Sache betrachtet hatte, von der das Wohl und der Friede von Europa abhängt, legt sich allmählig der Sturm, die Zeitungs- wasser verlaufen sich und die Gemüther werden wieder ruhiger. Hie und da will man schon Land sehen und glaubt, daß vieß besonders Oesterreich zu verdanken sey. — Ungegründet ist es, wie zu erwarten war, daß der König von Sachsen die Anerkennung des Prädicats Hoheit abgclehnt und darnach die Unterbehörden angewiesen habe. — Die dießjährige Versammlung der deutschen Naturforscher und Acrzte wird am 18. September in Bremen gehalten, und wer Lust hat, mit zu forschen, ist von den Geschäftsführern, dem wackcrn Bürgermeister Smirt und dem vr. Focke eingeladen. — Der Verein zum Schutz deutscher Einwanderer in TcraS, an dessen Spitze der Fürst zu Leiningen, der Graf zu Castell und der Graf zu Isenburg-Ricerholz stehen, hat durch das Franks. Journ. eine Bekanntmachung erlassen, worin er erklärt, daß der Zweck dieses Vereins dahin gehe, deutsche Auswanderer so viel als möglich nach einem einzigen, günstig gelegene» Punkte hinzu- tcitcn, die Auswanderer auf der weiten Reise und in der neuen Heitnath zu unterstützen, und nach besten Kräften dahin zu wirken, daß ihnen jenseits des Meeres eine neue Hcimath gesichert werde. Ein Unverheirathcter hat, dieser Bekanntmachung zufolge, ein Kapital von 300 fl. und ein Familienvater eines von 600 fl. cinzulegen. (K. Z.) — Die Franzosen wissen sich immer zierlicher auszudrücken als andere Leute. Die ministeriellen Zeitungen in Paris inelden, der Prinz von Joinville (der Verfasser des unangenehmen Schrift- chcns über den Seedienst) sey von seinem Herrn Vater, dem König veranlaßt worden, sich nach der Festung Eompicgne zu verfügen. Aus Deutsch lautete das ganz anders. — Die Bestattung Laffitte's ist ohne Ruhestörung vorüber- grgangen; beim Wegsahren vom Kirchhof entstand einige Verwirrung, weil das Volk den Wagen des Dichters Beranger ziehen wollte; Beranger, der vergebens protestirte stieg zuletzt aus und der leere Wagen wurde dann im Triuinpf bis zum Boulevard fortgczogen. — In Paris hat die Polizei sehr strenge Maßregeln gegen alle unanständigen Tanze, wozu man auch den böhmischen Baucrn- tanz Polka rechnet, getroffen. Die Französtnnen sind sehr betrübt darüber, daß ihr Licblingstanz verboten ist und wollen nach Deutsch" land auswandern, um die Polka zu.tanzen. — Der Herzog von Bordeaux weiß nun doch, worin er alle die Bittschriften aus Frankreich aufheben soll. Er hat von der Prinzessin von Neapel einen Korb bekommen. — Zur Nachahmung. Der Baumeister Barry, welcher die neuen ParlamcntShäuser baut, bekommt für seine Mühe 275,000 Gulden. — lieber Paris ist die Nachricht eingelaufcn, daß der Kaiser von Rußland am 31. Mai in London angeiommen sein soll. — Der Kaiser von Rußland will eine Riesenbahn Herstellen. Von Petersburg soll eine Essenbahn bis ans schwarze Meer, dritt- halb hundert Pleiten lang geführt werden. Dabei sollen »och mehrere Zweigbahnen angelegt werden. Dagegen soll gegen Deutschland hin die russische Welt mit dicken Brettern zugeschlagcn werden. — Der König von Neapel hat bedeutende Zusuhrcn an stör» und Waizen nach Sicilien bringen lassen, um der dortigen Hun- gersnoih vorzubeugen. Roch gropere Freude hatte das Volk über das eingetretcnc Oiegenwetter, wodurch den Saaten wieder aufge Holsen und die fast verdorrte Pflanzenwelt erfrischt wurde. — Aus Hapti hat man Nachricht vom völligen Sieg der Schwarzen über die Mulatte». Die Truppen des Präsidenten Herard sind geschlagen und zerstreut worden; zuverlässige Details fehlen noch. — Eisenbahnen in Großbritanicn. In den drei vcr einigten Königreichen gibt es jetzt schon Eisenbahnen in einer Länge von 1907 engl. (425 deutschen) Meilen, die, mit Einschluß ihrer Gebäude und Maschinen, ungefähr 60 Milliouen Pfund Stert, (mehr als das Doppelte der preußischen Staatsschuld) gekostet haben. Von diesen 1907 Meilen befinden sich 1608 in England, 219 in Schottland und nur 80 in Irland. Um das Eisenbahn- Svstem der drei Länder zu vollenden, sind noch 2974 engl. Meilen herzustcllen, und zwar 1733 in England, 210 in Schottland und 831 in Irland. *) — Die erste spanische Eisenbahn. Diese soll von Barcelona nach der zunächst gelegenen catalonischcn Hafenstadt Mattaro gebaut werden und wird eine Länge von ungefähr sechs deutschen Meilen haben. Ungeachtet der sehr gedrückten Lage, in welcher sich Barcelona seit dem letzten Aufstand befindet, seit welcher Zeit auch fast alle Fabriken still stehe», da die Engländer den Bürgerkrieg zu benützen wußten, um das Land — zuletzt noch über Alicante und Cartagena — mit ihren Waarcn zu über schwemmen, so sind doch die nöthigcn Actien sehr bald dort gezeichnet worden. — In einer Gesellschaft war die Rede davon, daß eine Dame einen schlechten Dialekt spreche und namentlich häufig Buchstabe» störend verwechsele, wie b und p, und t unv d re. — „Ja, cs ist entsetzlich", fiel einer der Umstehenden dem Redenden ins Wort, „wenn eine andere sagen würde: ich liebe treu! so sagt sic: ich liebe drei." *) Die Gesammtzahl der fertigen unv befahrenen deusschen Eisenbahnen beträgt jetzt 25b Meilen. Rcdlgirt und gedruckt unter Verantwortlichkeit der Ehr. Fr. Müller'schen Hvfbuchhandlung