MM K lerne Khronik von Durlach. Eirr Beitrag zur Kunde deutscher Städte und Sitten/ von Siegmund Friedrich Gehres/ dem Verfasser der kleine» Chroniken von Pforzheim, Brette» und Weil, der Stadt. Zweiter Lheil. Auf Kosten de» Verfassers. Mannheim, In Commission bei Tobias Löffler. 1 8 2 7 . Lebensbeschreibung von vl. G. L. Vosselt. nebst mehrern ungedruckten Briefen desselben und Biographischen Nachrichten von Durlach's denkwürdigen Männern. Von Siegmund ^friedr. Gehres. dem Verfasser der Kleinen Chroniken von Pforzheim, Dretten und Weil- der Stadt. Auf Kosten des Verfassers. Mannheim. In Commission bei Tobias Löffker. 1 8 2 7 . -M-7 Vorwort. ^udem ich hiermit den versprochenen zweiten Theil meiner Chronik von Durlach den verchrlichen Herren Subscribenten und übrigen Teilnehmern übergebe, wird man darin keineswegs verkennen, daß schon vom grauen Alterthume der Vorzeit, Baden's erhabene Regenten, vom Markgrafen Ernst Friedrich, (dem vormaligen Stifter des Durlacher Gymnasiums) au, bis auf die gegenwärtige Zeit, nicht nur als Selbsteingeweihte in die Mysterien der Künste und Wissenschaften, sondern auch als wahre Schätzer und Bclohner der Verdienste sich ausgc- gezeichnet hatten, vorzüglich aber auf die physische und moralische Bildung der Jugend ihr Augenmerk richteten, und dadurch des Glücks und Wohls ihres Landes, als deren Gründer, sich erfreuten. Vorzüglich verdanken wir der Stadt Durlach mehrere große und achtbare Männer in älteren und neueren Zeiten, die sich, sowohl auf dem Felde der Ehre, als in der Literatur der Deutschen besonders auszeichneten. Unter Letzteren erwähne ich nur des, schon im Jahr 1804 durch ein unglückliches Dcrhängniß in Heidelberg — für die Geschichte leider! zu frühe, dahingcrafftc», allgemein geachteten 'M IV De. Ernst Ludwig Posselt, den man mit Recht den Livius der Deutschen nennen könnte. Ich war deßwegcn auch bemüht, unter Dur- lach's berühmten Söhnen aller Zeiten, welche hier, nach meinem,mir vorgezeichneten Plane, in chronologischer Ordnung folgen, Posselk's Biographie, wozu ich Vieles sammelte, und auch im Besitze mehrerer, bisher noch ungcdruckten interessanter Briefen dieses Mannes bin, vorzüglich vollständig auszuarbeiten, und, wenn gleich d ie se den Schluß des Merkchens macht, habe ich doch keinen Anstand genommen, diesem zweiten Theile einen besonder» Titelnämlich: Leben vi. Ernst Ludwig Posselt's, bcizugcben, indem ich glaube, den vielen Freunden und Verehrern es Verewigten, welche den ersten Theil meiner Chronik von Dur lach nicht besitzen, damit einen nicht unangenehmen Dienst zu erweisen, weil sie sich durch diesen Theil ein, für sich bestehendes Ganzes anzuschaffen, vermögend sind. Der Verfasser. In Halts-Verzeichniß. Seite- Stiftung und Einrichtung des Gymnasium- zu Durlach und dessen nachherige Verlegung von da nach Carlsruhe i . Skizzirte Biographie des ehemaligen Generalsuperintendenten Doktor Ruprecht Dürr in Durlach . . 106 - Kurze Lebensbeschreibung des vormaligen Badendur- lachischen Leibarzts, vr. SiegmuudClose . . 111 - Äi^ze Lebensbeschreibung v. Job. Christian Keck, ehemaligem Ephorus des Gymnasiums zu Durlach . . «1 . Lebensgeschichte des ehemal. Kirchenraths und Hofpredigers, Zoh. Fecht in Durlach. .115 - Kurze Lebensbeschreibung des vormaligen Baden-Dur- lachischen Hofraths, Hans Georg v. Merckelbach 117 , Kurze Lebensbeschreibung von dem vormal. Kirchenr. Mattheus Kummer zu Durlach.121 - Kurze Lebensbeschreibung von den Gebrüdern, Zoh. Burkhard und Joh. Heinr. Mai, dem Aelteren . 12g - Kurze Biographie v. Zoh. Heinr. Mai, d. Jüngern 12? . Biographie de- ehemal. Bad. Hofpredigers u. Prof. b. Gymn. z. Durlach, vr. Michael Förtsch . . . iri Kurze Lebensbeschreib. des Zoh. Zak. Eisenlohr, vorm. Kirchenr., Stadtpfar. u. Superint. z. Durlach isr - Etwas aus dem Leben des ehem- Badendurlachischen Hvfratbs u. Consist. Präsidenten, vr. Fel. Linse- man» i, Durlach ..izz * * Vl Seite Kurze LebenSgeschichte des ehem. Kircheiir-, b>r. Ioh .1 Adam.Wild ..rz? Kurze Lebensbeschreibung von Jak. Christoph Zandt 13s ^s-Kurze LebenSbeschr. einer alten Matrone z. Durlach . IW . LebenSgesch. deS ehem. Baden- Durlachischen Hofr. u. ^ geh. Archivhalters, Carl Friedr. Drollinger. . 1^3 ..MwaS von den Lebensumständen des ehem- Bürgermeisters Waag in Durlach.iek .Kurze Nachricht vom Markgr. Carl August Johann Reinhard von Baden, dem ehemal. Lan- deSadministrator, so wie nicht minder vom Markgrafen Christoph von Baden, dem ehemal. oster- kais. Generalfeldmarschall.168 . Kurze Nachr. von der, aus Durlach gebürtigen Witt- we d. vorm. Predigers Börkh z. Nähcrmemmingen - Biographie deS verstorbenen Badischen geheimen Hofraths und Medizinalraths, 0 r. Joh. Jos. Zandt, ehemaligen Bürgers in Durlach.177 , Kammerrath Lamprecht, ehemaliger Stifter oder Gründer des sogen. LamprechtShofS bei Durlach . 184 .. Biographie d. ehem. Großherz. Bad- HofmedailleurS- Bückle zu Durlach. 187 . Kurze Biographie des vorm- Großberzoglich-Badischen Staatsraths, Ernst Sigm. Herzog in CarlSrube 208 . Biographie deS Großherzvglichen Prinzen und Markgrafen, Fried rich'S von Baden.212 -Biographie des vr. Ernst Ludwig Posselt . . . - 231 1 . Stiftung und Einrichtung des Gymnasiums zu Durlach/ und dessen uachherige Verlegung von da/ nach Carlsruhe. Vom Jahr 1583 — 1721. Einer der merkwürdigsten Züge von erfüllter Ne- gcntenpflicht ist in der Geschichte des Markgrafen Ernst Friedrich von Baden wohl außer allem Zweifel, die Errichtung des Gymnasiums in Durlach. Der Grund dazu ward zwar schon im Jahr 1583 unter der vormundschaftlichen Regierung gelegt, welche, zur Zeit der Minderjährigkeit des oben erwähnten Fürsten und dessen zween Brüdern, nämlich der Markgrafen Jakob und Georg Friedrich, derselben Frau Mutter, Anna, geborncn Pfakzgräfin von Veldenz, Kurfürst Ludwig von der Pfalz, Herzog Philipp Ludwig zu Neuburg, und Herzog Ludwig von Wirtemberg, mit einander gemeinschaftlich besorgt hatten. Diesen standen hierinne zur Seite: der Statthalter Hanns voll Land sch ade; der Geheimerath und Statthalterzu Earlsburg, Martin von Remchingen, der Kanzler und Direktor des Kirchcnraths, Martin Achtsynit, oder, mit dem griechischen Namen Amclius, und endlich der Vicekanzlcr, Christoph Friedrich Kirchner. 1 2 Dieser Vormundschaft hatte eigentlich das fürstliche Gymnasium in Durlach sein Dascyn ;u verdanken. Der ersterwähnte Kanzler Achtsynit, so wie nicht minder der Generalsuperiiitendeiit, Doctor Ruprecht Dürr, und der, in der Zcitfolgc so merkwürdige Rath Johann Pistoriu 6 Niddanus, oder Bäcker genannt, machten die ersten Vorschläge dazu, und beförderten die Ausführung dieser so fürtrefflichen Anstalt. *) Es wurden sogleich ein Rector und einige andere Lehrer dazu einberufen. Die weitere Einrichtung und Einweihung selbst aber, blieben, nachdem diese Vormundschaft im Jahr 1584 zu Ende gieng, den fürstlichen Herren Brüdern selbst überlassen. Die feierliche Einweihung des Gymnasinms erfolgte daher erst im Jahr 1586, wie das Gebäude ganz vollendet, und die innere Einrichtung des Gym- nasinm's vollkommen geordnet waren. Dieß geschah, nachdem kurz zuvor Markgraf Ernst Friedrich, als Senior des fürstlichen Haußcs, in der Landesthcilung die Residenzstadt Durlach erhalten hatte. Der Umfang dieses Gcbändes war groß, und die Einrichtung bequem. Aus den, hierüber noch vorhandenen Nachrichten kann man auf die Kosten schließen, welche Markgraf Ernst Friedrich auf diese Fürstcnschule verwendet hatte, die in der Folge daher, nach Ihm, den Namen: „üruestluneri", erhielt. Das Programm zur Einweihung des Gymnasiums schrieb Johann Schopf, erster Professor *) Siehe Sachs Badische Geschichte, Tlicil 1. Seite 251. in der Note sub Liter. der Beredsamkeit und Dichtkunst, in lateinischen Versen. Es ward darinn zugleich die innere Einrichtung dieser neuen Fürstcnschule nebst den Lettinnen der Professoren und Präceptoren umständlich geschildert. Die Statuten oder Gesetze des Gymnasiums kamen erst im Jahr 1588 zum Vorschein. Rector und Vorsteher waren bei der Einweihung, Laurentius Schyrius oder Lorenz Scheuerte; und Jakob Lorhardt, vermuthlich zu Pforzheim geboren. Die Hauptabsicht der Errichtung dieses Gymnasiums in der damaligen Residenzstadt Durlach war, von Seiten des Generalsuperintcndenten Dr. Dürr und des Kanzlers Achtsynit, einzig nur auf die Aufrechthaltung der, vom Markgrafen Carl, dem Zweiten, nämlich dem Vater des Markgrafen Ernst Friedrich, in seinen Landen eingeführtcn evangelischen Glaubenslehre gegründet. Es sollten zu dem Ende darinn, vorzüglich fähige Zöglinge, aus Landeskindern bestehend, zum Kirchendienste mit aller Sorgfalt und Aufmerksamkeit vor dem Angesichte des Fürsten und der ganzen Regierung dazu vorbereitet werden, damit man sie, mit größerem Aufwands verbunden, außer Landes zu schicken, nicht uöthig hätte. Zn dem Ende wurden 6 Klassen errichtet, und jede derselben mit einem besonderen Lehrer versehen. Außer dem wurden ein Rector und vier Professoren bestellt, welche im öffentlichen Hörsaale Unterricht geben mußten. Diejenige Stipendiaten, die bißher zu Basel und Tübingen aus der fürstlichen Kasse unterstützt wurden, konnten jetzt in Durlach den Künsten und Wissenschaften sich widmen, wo ihnen eine Vorschrift zu 1 * den Studien gegeben, aber auch zugleich auf ihre Lebensweise genaue Aufsicht getragen ward. Deren Anzahl wurde auf zwölf Individuen festgcsezt, denen man einen gemeinschaftlichen Famulus oder Aufwärter — der ebenfalls den Studien gewidmet war —> beigegebcn hatte. All diese genoßen freie Kost, wurden nebstbei mit Kleidung und Büchern versehen, und hatten für nichts anders zu sorgen, als daß sic die Hoffnung, die man sich von ihnen machte, pünktlich erfüllen würden; von Jenen aber, die der Theologie sich gewidmet hatten, ward von Zeit, zu Zeit, nur Einer auf eine auswärtige höhere Schule, oder Universität geschikt, um sich daselbst um den Doktorgrad zu bewerben , und so — zum Profcssorat in der Theologie sich vorznbereiten; daher auch Markgraf Ernst Friedrich ihr derartiges Vorhaben mit einer milden Unterstützung zu befördern, sorgfältig bedacht war. Dessen Herr Bruder, Markgraf Georg Friedrich, bestimmte im Jahr 1614 ebenfalls eine gewisse Summe für arme Jünglinge, die sich den Wissenschaften widmeten. Das, sehr ansehnliche, mit großen Kosten, ganz von Stein aufgefnhrte Gymnasinmsgcbäude zu Durlach stand einst, nicht weit von der Stadtkirchc gegen dem sogenannten Baselthor. Es hatte einen Thurm, der zu einer Sternwarte dienen konnte; zwei große gewölbten Keller und ein sehr schöner Garten dienten zur Oekonomie; das Hauß selbst aber, bestand aus drei Stokwcrkcn. Im mittleren derselben hatte der jeweilige Rector seine Wohnung; die übrigen Lehrer hingegen, wohnten in der Stadt, und konnten für den, ihnen angewiesenen Haußzinnß, sich selbst, nach Belieben, dort Wohnungen verschaffen, 5 Im obersten Stockwerke war der Hersaal zu den Vorlesungen, so wie auch zu den Ucbnngcn im Dispu- tiren, und in der Redekunst. Cs war so groß, daß Markgraf Friedrich der Sechste—welcher in der Zeitfolge das Gymnastin» erweitert, und sehr verschönert halte — zwei Oefen darein zu setzen befahl, ohngeacht der Aufwand des Holzes vergrößert werden mußte, weil jene, dem Gymnasium anfangs jährlich bestimmten fünfzig Klafter dazu nicht hinreichten. Ucberdieß waren im obersten Stokwerk auch fünf Klassen oder Zimmer für den Unterricht der Schüler. Neben der ersten Klasse war ein Kämmerchen, das, zur Aufbewahrung der musikalischen und mathematischen Instrumenten sowohl, als auch zum Ein - und Ausgang der Redner, gclegenheitlich der Ucbungen in der Redekunst, jeweils gebraucht ward. Im untersten Stockwerke hingegen, war auf der rechten Seite die sechste Klasse nebst der Bibliothek; auf der linken aber eine große Stube mit zween Kammern; eine Küche und eine kleine Sommerkam- mcr für die Stipendiaten ; denn die eigentliche Wohnung Derselben ward über dem dritten Stok unter dem Dache vornen heraus, eingerichtet. Sie waren zwar daselbst in besserer Verwahrung; wohnten aber etwas unbequem und eng beisammen, welches auf die Gesundheit eines jeden Einzelnen einen, sehr nach- thciligen Einstuß hatte, nicht minder auch Bcsorgniß wegen Fcucrsgefahr verursachte, daher der Rector Arnold, wie nämlich das Gymnasium, nach dem Brand, wieder auf seinen alten Platz aufgebaut werden sollte, eine Abänderung hierinne zu machen, an- gerathen hat. *) ») Dcrjcnige Platz, worauf das Goumasim» rhrmals gestaudcu Jede der sechs Klassen hatte einen besonder» Lehrer, und zu den öffentlichen Vorlesungen wurde ein Rector und vier Professoren ausgestellt. Weil aber der Lehrer in der ersten, als der obersten Klasse, gewöhnlich den Titel eines Professors hatte, so kommen in den alten Nachrichten bisweilen nur fünf Lehrer und eben so viele Professoren vor. *) Von den Stipendiaten. Die Anordnung und Unterhaltung vorbemeltcr Stipendiaten, ist als eine Fortsetzung jenes Instituts zu betrachten, das Markgraf Carl, der Zweite, (wie schon oben erwähnt ward,) einst errichtet hatte. Dieser weise und fromme Fürst, dem die Aufrechthaltung der von ihm in seinen Landen eingeführten evangelischen Glaubenslehre sehr am Herzen lag, ließ auf den Universitäten Basel und Tübingen mehrere Jünglinge zu Kirchen- und Schuldiensten seiner Lande, auf seine Kosten vorbercitcn. Zu Basel standen sie unter der Aufsicht des biedern Doctors, S i m on Su lzcr, welcher der reinen Lehre des Evangeliums sehr anhieng. Der Markgraf ließ Demselben von seinen Einnehmern zu Rotteln die, zur Unterhaltung seiner Stipendiaten bestimmten Gelder auszahlen; Sulzer that Rechnung darüber. Eine, noch vorhandene, über die, vom damaligen Einnehmer Hannß Ioachi m, zu Röttelu empfangene Gelder, von Sulzer, dem ehemaligen hatte, ist in »eueren Zeiten i» einen sehr schönen Garte» verwandelt worden, der seinem Bescher sehr einträglich ist. Siehe Sachs Beuträge zur Geschichte des Hochsiirstllche» Gmnnasii zu Carlsruhe in 8. S. 27 gedenkt i» Durlach bei I. G. Müller, dem älteren, Hos, und Kanzlei, buäidruckcr. 1787. ») Siehe Sachs, Eben daselbst, Seite M — 27 und Sachs Badische Geschichte, Theil Seite - 2«. 7 Doctor der heil. Schrift, abgelegte Rechnung von Georgii 1574 bis dabin 1575 — das älteste, noch vorhandene, Denkmal der alten Stiftungen — hat uns die sichere Kunde davon anfbehalten, daß damals fünfzehn solcher Stipendiaten, theils Landcs- kindcr, theils Augsburger und Oestreichcr, theils von Basel und Bayern, gewesen seyen. Für einen jeden derselben wurden jährlich fünf nnd dreißig Gulden, Rcichswährung, bezahlt. Ausser diesen, waren noch fünf arme Erpektanten, die einstweilen 10. 12. bis 15. Gulden jährlich erhielten, nnd so lang sie noch nicht mit dem ganzen Stipendium begnadigt wurden, auch nicht obligat waren. Wenn einer dieser Stipendiaten Magister oder Baccalaurens ward, so gab der Fürst drei, bis sechs Gulden zu den aufzuwcndcndcn Kosten her. Doctor Snlzcr erhielt für seine Bemühungen eine jährliche Belohnung von dreißig Gulden; und so machte der Aufwand, nach der, vorhin angeführten Rechnung, in demselben Jahre, 632 fl. oder 790 Pfund aus. Außer jenen, die in Basel studirten, waren auch gewöhnlich drei zu Tübingen, nnd dieß unter der Aufsicht des Erhard Ccllius. Zwei davon waren der Theologie gewidmet, nnd der Dritte sah sich für die Arzneiknnde bestimmt. Ernsinö meldet: „daß Dr. Dürr im Jahr 1570 „selbst zu Tübingen gewesen sey, und der philosophischen Fakultät, im Namen des Markgrafen Carl „des Zweiten, damals sieben Stipendiaten empfohlen „habe." *) Siche Sachs Veiträae zur Geschichte VcS Hochsiirstl. E»»mas. zu LaclSruhc vom Iahe 17L7. Seite W in «nee Note. 8 Eben diese Gelder, die obengenannter Markgraf auf seine Stipendiaten zu Basel und Tübingen bisher jährlich zu verwenden pflegte, wurden, nach Erbauung des Gymnasiums zu Durlach, nunmehr zu einer einzigen Masse gebildet, und aus dieser nachher ein gemeinschaftliches Convictorium errichtet, und dabei ausdrücklich verordnet, daß darinn die Stipendiaten solang verpflegt werden sollen, bis sie in ihren ideologischen Studien so weit vorgerückt waren, daß man sie in Kirchen oder in lateinischen Schulen zweckmäßig anstellen machen könnte. Die uachgcfolgtcn Herren Markgrafen hatten, von Zeit zu Zeit, auf diese Anstalt Rücksicht genommen, und — noch unter der Regierung Earl Friedrichs, des bekannten Schätzers der Verdienste und Wissenschaften — hatte man die Möglichkeit, junge Theologen auf dem Gymnasium zum Predig - Amte vorzubereitcn, hinlänglich erprobt. Die Anzahl vorbenannter Stipendiaten ward nunmehr auf Zwölfe festgesetzt, wozu außer dem gemeinschaftlichen Famulus, oder Studentcnaufwärter — der ebenfalls mitstudiren durfte — auch noch der, die Rechnung führende Oeconom beigegeben wurde. Für jeden Stipendiaten wurden wöchentlich 40 Kreuzer, nebst jährlichen 2 Malter Roggen, 5 Malter Dinkel, und dritthalb Ohm Wein, zur Bestreitung der Kost verabfolgt. Dem Oeconomcn oder Rechnungsführer über die Studentenkost, wurden gewöhnlich die Gelder und Naturalien vom Rector geliefert, die Ersterer nachher dem Letzter» wieder verrechnen mußte. Eben dieser Vorsteher speißte denn auch mit den Stipendiaten. Nachdem aber, in der Zeitfolge, der Rector Ar- 9 iiold sehr viele Fremde und Einheimische, die keine Stipendiaten waren, in die Kost bekommen hatte, und Er mit den Scinigen die Verpflegung der Stipendiaten nicht mehr besorgen konnte, so ward ein besonderer Koch, Namens B cp erb eck — dessen Andenken, in Hinsicht seiner ehedem bewahrten beispiellosen Rechtschaffenheit, und vorzüglich, wegen seiner, auch späterhin zu Tage geförderten auffallenden Freigebigkeit gegen das Gymnasium selbst, gegenwärtig noch das Vaterland verehrt—hiezu angenommen. Er wohnte zunächst beim Gymnasium, so, daß die Stipendiaten aus solchem sehr bequem bei Ihm zu Tische gehen konnten. In diesem Convictorium speißten auch andere Nichtstipcndiaten, für daS ihnen bestimmte Kostgeld. Ans den, noch vorhandenen, Nachrichten, geht hervor, daß dieser Kosttisch, wegen der Uneigennnzig- kcit des Oekonomcn, der beste in der ganzen Stadt gewesen scy. Ucberdies hatten die Stipendiaten auch freie Wob- nung, Bett, Holz und Licht in dem Gymnasium- Kcincn Wein bekam der Famulus, außer dem — welcher jedem Stipendiaten, wenn er sich verfehlt hatte, zur Strafe abgezogen ward. Das ganze Jahr hindurch, mußten die Stipendiaten Morgens um ü bis 6 Uhr anfstehcn, dann ihr Gebet verrichten, und obendrein noch ein Kapitel aus der Bibel lesen. Nach 8 Uhr des Abends ward keinem Stipendiaten anszugehcn erlaubt. Der Rector hatte die besondere Aufsicht über sie. Er hieß ihr Lplioi-us Imrusstiatus (oder unmittelbarer Aufseher,) ohne dessen Erlaubniß daher keiner über Feld gehen, oder an einem andern Orte über Nacht bleiben durfte. Unter diese Stipendiaten ward von den Gymnasiasten keiner ausgenommen, der nicht zuvor schon das Befngnißrecht zur Anwohnnng bei öffentlichen Vorlesungen erlangt hatte, oder — eigentlicher zn reden der nicht bereits acl lüctlonos pccstlieu8 war promovirt worden, und von seiner Fähigkeit, und seinem Flcißc, so wie überhaupt auch von seinen Sitten, ein gutes Zcnguiß seiner Bittschrift beilegen konnte. Diese Stipendiaten — die in dem Folgenden noch mehreremalcn Vorkommen werden — hatte man gemeiniglich den Schaz des Gymnasiums genannt. Stiftung des Markgrafen Georg Friedrich von Baden im Jahr 1614. Der jüngste Bruder des Stifters des Tnrlachcr Gymnasiums, Markgraf Georg Friedrich, von Baden, machte im Jahr 1614 eine ewi ge Stiftung für die Söhne seiner Staatsdiencr und Untcrthanen. Es entstand daher eine neue Art sogenannter Benc- ficiatcn oder Stipendiaten, welche mit jenen crstcrcn, die im Gymnasium wohnten, und die Verpflegung in demselben geuoßen, nicht verwechselt werden mäßen. Dieser Fürst bestimmte nun zu dem Ende am 23. April gedachten Jahrs, „eine Summe von Eintausend Gulden von den jährlichen Gefällen der Kellerei Pforzheim, (ich bediene mich hier seines eigenen „Ausdrucks,) in Gestalt einer beständigen, unaufhörlichen und ewigen Stiftung, allein für seiner „armen Unterthancn und Diener Kinder, welche „gleich, von zarter Jugend an, gründlichen Unterricht empfangen sollen. Diese Summe solle alle „Jahr völlig und ohne Abgang ohnfehlbar auf Ge- „orgii und Martini ausgetheilt werden." Er Heilte nun die Zöglinge in fünf Klassen, deren jede aus acht Personen bestand. In der ersten erhielt jeder 35 fl., in der zweiten 30 fl., in der dritten 25 fl., in der vierten 20 fl. und in der fünften 15 Gulden. Der Genuß dieses Benefiziums dauerte jedoch nur in so lang, bis einer ein öffentliches Amt erhielt. Sie rückten aus einer Klasse in die andere fort; und die erledigte Stelle ward sogleich in der untersten Klasse wieder ersetzt. Markgraf Georg Friedrich entwarf für diese Jünglinge besondere Statuten. Das vorzüglichste derselben war, daß sie, der ungcandcrten Evangelisch-Augsburg'schcn Konfession zugcthan scyn mußten, mit dem ausdrücklichen Anhang, daß Derjenige, welcher von solcher Glaubenslehre abwcichen würde, sogleich dieses fürstlichen Bencsiciums verlustig scyn sollte. *) Durch diese milde Stiftung des Fürsten wurden, außer denen von den Markgrafen Ea rl, dem Z weiten, und Ernst Friedrich angcordnctcn Stipendiaten, noch vierzig Jünglinge unterstüzt. Es konule daher dem Gymnasium au Zöglingen und Studenten nicht fehlen; zumal, da außer denjenigen, die fürstliche Benefizien genossen, auch noch sehr Viele von andern Orten — um von den fürtrefflichen Einrichtungen dieses Gymnasium's ebenfalls Gebrauch zu machen — nach Durlach kamen, und, aus ihren eigenen Mitteln, auf diesem Musensiz stndirten. Es ») Das, dies? Stiftung auch in de» ketrnbtesten Zeiten sortgedauert habe, erhellt aus jene» Leiibengedicbtc», welche auf den Tod der Gemahlin des Markgrafen Friedrich V- Von vier Zöglingen verfertigt, und der, auf sic gehaltenen Leichenvredigt durch den Druck angehangr worden sind. Siehe Sachs HZadifche Geschichte, Lheil si. Seite siiVi. in der Note fub Liter, o. 12 fehlte auch nicht an gelehrten Männern, die in Sprachen sowohl, als in den Wissenschaften gründlichen Unterricht gaben; deren Besoldungen jedoch nur den damaligen Zeiten angemessen waren. Das Vaterland konnte, bei diesen Verhältnißcn, jenen Früchten mit freudiger Hofnung entgegen sehen, die ihm dieser neue Pflanzgarten versprach. Das Gymnasium stand daher in so großem Rufe, daß die nachfolgende Fürsten Solches in ihren Verordnungen mit ihrem bcsvndcrn Beifall anzncrkcn- nen, nicht umhin konnten. Es würde sich auch bald eine weit reichlichere Acrudte davon zu Tage gefordert haben, wenn nicht schon nach wenigen Jahren, die Vorboten eines, über ganz Deutschland sich verbreitenden Kriegsfencrs eine große Furcht' und panischen Schrecken über diesen Sitz der Künste und Wissenschaften gebracht hätten. Zustand des Gymnasiums im dreißigjährigen Kriege. Schon die Kriegsznrüstungen des Markgrafen Georg Friedrich von Baden, und darunter vorzüglich jene im Jahr 1617, da er bei der Heerschau 15,000 Mann streitbarer Krieger auf den Beinen hatte, verkündeten im voraus den Vorstehern und Lehrern des Gymnasiums eine bald heraunahcnde Gefahr mit sehr unangenehmen Aussichten für die Zukunft; daher sic, noch bei Zeiten auf ihre eigene Sicherheit zu denken, für nötbig fanden. Da nun der Markgraf sogar schon einen so engen Bund mit Kurfürst Friedrich dem Fünfte n, von der Pfalz geschlossen hatte, daß er ihm seinen Beistand, selbst gegen den Kaiser, versprach, so verließen itzt einige Lehrer des Gymnasiums ihren bißherigen 13 Lehrstuhl, und begaben sich anderswo in Sicherheit. Hauptsächlich nahmen Mehrere derselben ihre Zuflucht zu der nah' gelegenen Stadt und Universität Straßburg, allwo sie liebreich ausgenommen wurden. Dieses Asyl wählten sic damals für sich, einzig in der Absicht, um, bei etwa veränderten Zeitumstanden, an das Gymnasium in Dnrlach desto leichter wieder zurüekrehrcn zu können. Allein wie groß war nicht der Schrecken bei der Nachricht, daß Markgraf Georg Friedrich vom östreichisch kaiserlichen Generale Lilly in der blutigen Schlacht bei Wimpfen, mit seinem dort angeführten Kriegsherr, eine gänzliche Niederlage erlitten, und Gr selbst, in Folge dieses Mißgeschicks, damals den deutschen Boden zu verlaßen, und seine eigenen Lande dem Feind, als Sieger preißzugebcn, sich gcnöthigt gesehen habe! Wie war es daher. möglich, mit einem Angsterfüllten Gcmüthc, das wegen der Gefahren von dem heranrückcndcn Feinde auf allen Seiten bedroht war, den freien Künsten ruhig obzuliegcn? Alles-rief itzt voll Angst und Schrecken: „Iiltor NIMM silent lVInsae!" oder deutsch: ,, beim lärmenden Kricgsgctöse mäßen die Musen verstummen." Markgraf G c o rg Friedrich hatte zwar schon im Jahr 1.621. die Negierung seinem Erbprinzen, dem Markgrafen, Friedrich dem Fünften, förmlich abgetreten; welches jener unglückliche Fürst freilich füll eine sichere Brustwehr, um seine Lande damit zu decken, gehalten hatte. Allein der erbitterte Feind sah' kaltblütig darüber hinweg. Die untere Markgrafschaft ward daher von Baierischen, Polnischen, Ungarischen und andern Soldaten, die das kaiserliche Kriegsherr bildeten, furchtbar überschwemmt. 14 Sie war itzt ein jammervoller Schauplatz, wo ein Auftritt mit Plündern, Rauben, Sengen, Brennen und Morden, auf den andern folgte. Markgraf Friedrich V. konnte selbst nicht mehr mit seiner Familie zu Durlach mit Sicherheit sich aufhalten; er mußte daher mit den Seinigen eilends von dort nach Stuttgart fliehen. Man kann sich's nun leicht denken, wie traurig und verwirrt cs damals in den Hörsälcn und Lchrstnbcn des Durlacher Gymna- sinm's mag ausgeschen haben! Es hatte zwar derM. Iohann GeorgWibcl, ein geborner Augsburger, — vom Markgrafen Friedrich dem Fünften, zu seinem Hofpredigcr, Kirchen- nnd Schul - Rath ehedem ernannt — den Zöglingen noch in seinem eigenen Hanße, einigen Unterricht und zwar vorzüglich in der Theologie, gegeben. Allein, es ward in Kurzem darauf Alles unterbrochen, und Wibel begab sich schon im Jahr 1630 als Spczial- superinttndeiit nach Pforzheim. Auch lehrt 1623. M. Johann ErhardMachtolph ooer Machthilf, als Professor der heiligen Sprachen ; der nämlich damals Kirchenrath und Geueralfuperintendent in der untern Markgrafschaft und zugleich auch Stadtpfarrer in Durlach war. Im Jahr 1627. kömmt ConradStorsch, alsEon- rector, M- Georg Back aus dem Ulmischen, als Professor der Beredsamkeit, und C h r i stoph Mot sch, als Präzeptor der vierten Klasse in der Geschichte vor. Back floh' hingegen im Jahr 1634. nach Straßbnrg, woselbst er, als Gymnasiarch, bis in'ö Jahr 1649 sich aufhielt. Auf diese Drangsalen folgte nur eine kurze Erho- lungszcit. Nachdem nämlich König Gustav Adolph von Schweden im Jahr 1630. den deutschen Boden wie- dcrbctretcn hatte, so rief ihn der Markgraf mit mehreren anderen Fürsten, um schleunigen Beistand an. Dieser kam, hierauf Ruhe verschaffend; sie war aber sehr bald wieder unterbrochen, indem die, zum Schuz dienende Schweden von den Kaiserlichen znrückge- drangt wurden; worauf denn von Letzteren ohne weiters, die Stadt Dnrlach eingenommen ward. Ob nun gleich, durch das Schwedische Waffcn- glück, einige Strahlen der Wonne für unser geang- stigtes Vaterland glanzten, nnd daher die schönste Hofnung znm heitern Aufgang der Sonne für solches vorzubereiten schienen, so zog sich doch gleich wieder die finsterste Wolke über dasselbe zusammen, und das Ungcwittcr brach desto fürchterlicher über dieß aus. Denn, nach der, im Jahr 1634. für die Schweden so unglücklich ausgefallenen Schlacht bei Nördlingcn, überschwemmten die kaiserlichen Völker ganz Schwaben ; vorzüglich Wirtembcrg nnd Durlach. Der Markgraf — nunmehr nach diesem Vorfälle, durchaus all' seiner Lande beraubt — sah' sich itzt, mit seinem ganzen Hofstaat, sich nach Straßburg zu flüchten, ohne weiters gedrungen. Ihm folgten nun dahin — alle Professoren des Gymnasiums und auch Viele von ihren Zuhörern. Der einzige Rector, E o nra d W e i n in g er, ein Mann von außergewöhnlicher Vaterlandsliebe, kehrte hingegen, nach einer kurzen Entfernung, wieder nach Dnrlach zurück. Die Gemüthcr der damaligen Gymnasiumslehrer wurden jedoch durch eine sonderbare Begebenheit auf einmal wieder anfgeheitcrt. Das kaiserliche Kriegsherr schlug nämlich sein Lager bei Durlach auf, und der Römische König, Ferdinand der Dritte, nahm in der Folge, sein Hauptquartier im fürstlichenSchloße Earlsburg; die Kriegskanzlci hingegen ward in das Gymnasium verlegt. Weininge r bcnüzte nun ohne weiters diese schickliche Gelegenheit dazu, um dem Römischen Könige sich und die Fürstcnschulc bestens zn empfehlen. Er fand auch bei diesem König das gnädigste Gehör. Denn Solcher nahm hierauf das Gymnasium in seinen Schutz, und ertheilte zn dem Ende dem Rector am 21. Juli 1636. in Durlach einen lesenö- werthen Salvcgarde- Brief, welcher für den Meininger nicht ohne Nutzen war. Allein die unerschütterliche Zuneigung und Anhänglichkeit des Markgrafen Georg Friedrich für die Schweden steigerte die Erbitterung der Kaiserlichen auf den höchsten Grad. In welch' erbärmlichen Umständen sich Wein i n g e r und mit ihm das ganze Gymnasium im Jahr 1639 befunden habe, ist aus jener dringenden Vorstellung welche die theologische Fakultät zn Straßbnrg dem damals sich daselbst verweilten Markgrafen Friedrich dem Fünften übergeben hatte, hinlänglich zu ersehen. Daß Markgraf Friedrich V. dem (wie zuvor schon erwähnt) sein Vater Markgraf Georg Friedrich die Regierung bereits im Jahr 1621. übergab auch in diesen bedrängten Zeiten über den frommen Stiftungen seines Vaters und Oheims sorgfältig zn wachen, bedacht war, ist außer allem Zweifel. Denn es finden sich in den Annalen noch deutliche Beweise davon. So hat z. B. Simon Heinzmann sein vcr- ordnctes Subsidium (so lauten die Worte,) Jahrs 100 fi. von Martini 1625 bis in den Februar 1629 mit III. E. rrr. d. i. 330 Gulden laut einer Rechnung 17 von 1632 bis 1633 erhalten. Daß aber die Anzahl der Stipendiaten und der 40. Beneficiaten, welche vom Markgrafen Georg Friedrich war angeordnet worden, sehr gering gewesen scy, und auch diese nicht gerade zur bestimmten Zeit und vollkommen mit den geordneten Gnadengeldcrn habe unterstützt werden können, darüber darf freilich wohl Niemand sich wundern. Nach dem Westphälischen Frieden unter dem Markgrafen Friedrich dem Fünften. Nachdem die allgemeine Ruhe in Deutschland durch den Westphälischcn Frieden (im Jahr 1648) wieder- hergestellt ward, bestrebte sich Markgraf Friedrich V. mit allem Eifer, die niedergebranntcn Kirchen und, Schulen in seinem Lande wiederauszubauen, ja sogar, zum Besten seiner Unterthalien, auch noch neue dergleichen aufzurichten, und ihnen die, hiezu nöthigerr Lehrer zu verschaffen. So legte Er z. B. gleich im Jahr 1650 zu Roek- teln die sogenannte Landschul an. Anfangs bestand sie aus zween Klassen, und ward, in der Folge, nach Lörrach verlegt, mit einer Klasse vermehrt, und mit der Benennung eines Pädagogiums von andern Landschulen unterschieden. Des Markgrafen Hauptabsicht dabei, war aber aufs Gymnasium gerichtet. Ich will nun die, deshalb vom Markgrafen an alle Beamte und Superintendenten erlassene älteste Verordnung — woraus schon andere, derselben, zu gleichem Zweck, vorangegangene Befehle zu entnehmen sind — meinen Lesern, auszugsweise, hier mittheilen: „Wir Friedrich rc Wie hoch und eiferig'sWir „Uns die restauration.vnd Wiederaufbringung Un- 2 „fers Fürstlichen, durch das höchstschäd- vnnd grund- verderbliche Kriegswesen allerdings zu Boden gerichtet, vnd devastirten allhiesigcn Gymnasti sowohl „als auch die Formation vnd Znwegbringnug zu „Geist vnnd Weltlichen Functiom'bns tauglicher Snb- „jectoruin derer in Vnßercn Fürstenthumbcn vnd Lauten ein nicht geringer Mangel zu Vnßercr und Bitterer Vnterthancn höchsten vnd größten Nachthcil „Sich eräugnct, aus Landcssnrstlichcr Vorsorge angelegen sein lassen, das kahn nicht allein ans denen „bereits vor etlichen Jahren gemacht, sondern mit „angelegensten eifer Täglich machenden Anstalten, wie „namblich solches widerumb auffgcrichtet vnd mit „Göttlicher Assistenz in Seinen vormahligen Standt „und Flor gesetzt werden möchte, abgenohmen werden." „Wann nun neben anderen Wir ebenmäßig auch „heilsamlich versehen, vnd vnterm 19. Julii abgc- „wichenes 1652. Jahres, daß von allen euch gnädig „anvertrautem Ampt und Jnspcction vutergehörcn- „den Gemainden, Jährlich vnd solang, bis die hie- ,,bevor zue Vnßcrm Gymnasto gewidmete Gefälle „widrumb in einträglichen Stand kommen mögen, „eine freywillige Steur zue gewissen Zeiten nach ei- „nes Jeden willen vnndt vermögen cingesammlet „werden solle, gnädig besohlen, die obbestimmte Zeit „aber, namblich die Ernd vnd Herbst nunmebr „vorüber, vnd der Segen Gottes reichlich eingebracht „worden: Als ist dicscmnach Vnser nochmaliger „ernst—und gnädiger Befelch hiemit an Euch, Ihr „der OberAmptmann, die Beampte aus allen Euch „gnädig anvertrauten Herrschaft, (Markgrasschaft „Hochberg) vntergchörenden Gemainden, die Auß- „schuße vnd Vögte, vnd Schultheißen allerfördcrlichst „für Euch fordern, vnd gleich nach Empfang diese 19 „vnßcre Intention vnd Meinung Ihnen gebührender- ,,maßen erösnen, die Vrsachen dieser Collect nach „Nothurfft ferner zu erkennen geben, vnd daß auch „ihre Kinder, welche zur Ihrem Höchsten frommen „und Nutzen mit geringen Eosten bei mehrbesagtem „Unserm Gymnasio können erhalten, in der reinen „ohnverfälschten wahren allein Seeli'gmachenden Evangelischen Religion anfcrzogcn, in guten Künsten „und Disciplincu unterrichtet, vnd also, Jedoch ohne „einige Obligation, außer denen, welche übet dieses „Bcncficium, vnterthänig-gesuchter maßen, mit Sti- „pendiis von Vns begnadiget, sortgebracht werden, „solcher Besteller inskünftig zu genießen haben, be- „weglichst zu gemüth führen, Ihr der Specialis „(General - Superintendent zu Badenweilcr) aber, „wann diese Vermahnung beschehcn, eben dieses bei „Euch anbcfohlcner Gemeind (Jnspection) auf Son- „tag den 23. Oct. Selbsten e LuZAestu thnen, Ewere „Predigt darnach cinrichten, wie nicht weniger EwereN „Specialat und Jnspection vntergehörendcn Psar- „rern solches auf einen Tag zu beobachten insungi- „ren, Ihr der Amtmann von Stein vnd Mühl- „burg, der Amtsverwalter zu Langensteinbach „vnd Graben, vnd du, der Geistlichverwalter „schließlich das Quantum vnd wieviel ein Jeder bei- „gelragcn von Den Kirchen-oder Heiligen-Pflegern, „welche mehr besagte Wein und Fruchtstcucr einzu- ,,ziehen von Euch dem oberamptmann vnd Speziali „befelcht werden sollen, neben einer von Pfarrern „vnd Vögten Jedes Orthsvntcrschriebcnen specificirten „Verzeichnuß gegen gebührend Vrkhund einzichcn, „vnd darüber zu Vrrscrem Kirchenrhat Schrifftlichett „Bericht allcrförderst erstatten sollet." „Wie Wir Vns dann schleuniger vollnziehuttg die- 2 * 20 „ses Vnseres nochmaligen Befehls gewiß versehen, „vnd sind mit Gnaden Euch zumahlen wohlgewogen. „Datum Carlspurg den 10. Oktober Anno 165-i." Friedrich, M. z. B. In dem folgenden Jahre 1654 ward dem Fürsten von den Kirchen-und Kammer-Rathen Nachbemel- des vorgetragcn: „Es könnte dieses Mittel einer freiwilligen Steuer, „in Ansehung, daß dergleichen bei benachbarter Stadt „Straßburg für das Wilhelmitannm und iVlarcloni- „ticiiirl continuirlich beschche, auch dieses Jahr, da „durch Gottes reichen Segen eine gute Ernte und „nicht geringer Herbst eingebracht worden, in den „gestimmten Fürstenthumen und Landen abermalcn „auf den Kanzeln verkündet, und dabei gemeldet „werden, daß solches in keine Cvnscquenz gezogen, „sondern einem jeden, was er geben wolle, lediglich „heimgestellt werden solle." — Der Fürst ließ sich Solches gefallen, und die Kollekte ward auch im Jahr 1654 vollkommen bewerkstelligt. Solche hatte nun, in diesen 2 Jahren, zwei Tausend Gulden betragen. Wer die Verheerung der fürstlichen Lande bedenkt, wird sie gewiß nicht für allzugering halten. Nicht minder ließ der Markgraf am 6. Marz 1654 an die Landschafts - Einnehmcrei zu Pforzheim einen Befehl ergehen, des Inhalts: „daß aus sonderbarer „Eonsideration vnnd Motiven neben andern Gefäl- „len auch diejenige 2000 Gulden, welche die Landschaft zu Pforzheim in das Hof - Allmvscn zu ge- „ben schuldig, sammt allen davon seit dem Jahr „1649 inclusive rükständigeu vnnd künftig Versal- 21 „lenden Zinnßen zum Gymnasio zu Durlach gezogen „und dahin verwendet werden sollen." Auch wurden im Jahr 1653 die, vom Markgrafen Georg Friedrich gestifteten 1000 Gulden für die sogenannte Bcneficianten*) von der Kellerei Pforzheim wicdcreingelicsert. Für die Stipendiaten hatte man die, zu deren Wohnung nöthige Betten, Weißzeug, Stühle, Kästen rc. angcschaft, und^die sogenannte Communität eingerichtet, worin», außer den Stipendiaten, auch Andere, für ihr eignes Geld, verpflegt werden konnten. Der, ganz uneigennützige Occonom war, (wie schon oben Dessen einziger Erwähnung geschah,) Samuel Beyer deck. Ich kann nicht umhin, von diesem redlichen Manne hier noch einige Nachrichten mitzutheilcn: Samuel Beyerbeck diente einst unter den Markgrafen Friedrich V., Friedrich VI. und Friedrich Magnus zum nicht geringen Dor- theilc des Gymnasiums, 25 Jahre hindurch, als sogenannter Oeconomus. Er war Küchenmeister von 1649 bis 1652 ; und versah die Schaffnei 6 ganzer Jahre lang. Schon im Jahr 1678 übergab er dem Gymnasium einen beträchtlichen Tlnil seines Vermögens, nämlich: sein Hanß stimmt Scheuer, und dem, daran stoßenden Platz im sogenannten Burgvicrtcl; ferner eine Behanßung im Endrissen - Viertel; an Gütern: drei Viertel Ackers in der Reuth; fünf Viertel, neben Hannß Wilhelm Giggcn; ein und einen halben Morgen im Lcrchcnberg, und zwei Morgen beim Fraucngärtlcin. "> Sollte, im wahren Sinne der Bedeutung, eigentlich Bcneficiatcn statt Beneficianten, heißen. ?ln»>. d. Vers. 22 An 'Weinbergen: Zwei Viertel im Kalkofen, ein Viertel in der Zan« gershelden, und ebensoviel allda, an die Tükher stossend. An Wiesen: Einen halben Morgen bei der mittleren Mühle; einen Morgen drei Viertel ans dem unteren Hub. Von diesen Häußern und Gütern mußte nun das fürstliche Gymnasium, so lang S a m u e l B e y e r b e ck und dessen Gattin lebten, die Schatzung entrichten. Beyerbeck überließ in der Folge, nämlich 1683 rin 73sten Jahre seines Alters, und im 83stcn seiner Ehefrau, als eine OcmoOo luter vlvos (oder als eine Schenkung unter den Lebenden,) dem Markgrafen Friedrich Magnus, ei», von seiner Schwester geerbtes Hauß in der Blumenvorstadt, zum Lamm genannt, nebst einigen Stücken Accker, Weinbergen nnd Garten, mit dem Vorbehalt sedoch, daß die beiden Eheleute, auf den Rest ihrer Lcbcustage, von Entrichtung aller Schatzung und sonstiger Abgaben gänzlich befreit scyn sollen. Daß Samuel Beycrbeck außer diesem auch noch 2000 Gulden für zwöen Stipendiaten ehedem gestiftet habe, dieß kömmt an seinem gehörigen Orte vor. So ward nun das Gymnasium allmählig wieder in bessere Umstände versetzt. Es hatte seine Professoren nnd sonstige Lehrer wieder. Der Kkrchcnrath und Generalsuperintendent, zugleich auch Rector, nämlich Eonrad Meininger, lehrte auf's neue, die Theologie; Gcneralsnperinten- dent D. Johann Friedrich Heilbrunner die hebräische Sprache; der Leibarzt, D. Sigmund Close, die Naturlehre; Conrectok, Matthias — 23 — Lembke, Sprachen und andere Wissenschaften; der Baudircctor und Professor, David Flcckham- m e r, die Mathematik und Geschichte; die griechische Svrache und endlich die Eloquenz, Johann Spieß, der zugleich auch Präzeptor Primarius war. In der zweiten Klasse lehrte Johann Nothnagel; in der dritten, Johann Wolfgang Löhr, der auch, in Hinsicht des musikalischen Unterrichts, eine besondere Belohnung erhielt; in der vierten, Johann Fa der; in der fünften aber, Thomas Matthias Lin bau er. Der, für das Wohl seiner Unterthanen eifrigst bemühte Fürst machte sich nun die Unterhaltung dieser sämtlichen Lehrer zu seiner einzigen Sorge. Nicht zufrieden damit, daß Er (wie er sich selbst hierüber ansdrnkte,) das, durch das Kriegs - Ungewitter fast gänzlich zu Grund gerichtete Gymnasium wieder in Anfnahm gebracht habe, suchte Er es vielmehr in einen, noch weit vollkommener« Flor emporzubringen. In einem, kurz vor seinem Ende, im Jahr 1659 an seinen Kammermeister und an seine geheimen - und Kammer- Räthe erlassenen Rescript bediente Er sich daher folgender Ausdrüke: „Damit solches Rcstaurations - Werckh dermalen „eines zu dcsidcrircnden ende möge gerichtet werden, „als habt Bus Ihr Euer gedankhen, wie Vnser „Gymnasium aigencr bestcndigen gewisser vnd zu „denen in der Bcylag spccisicirten, auch andern bey- „fälligcn vnnd zu spccificircn ohnmöglichen ausgaa- „ben erkleckhlichcn gcfällcn halber auff einen Vesten „satten Fucß, doch also, daß Wir auch dabcy stehen „können, zu stellen sein möchte." Die angeführte Beilage ist eine Tabelle, welche nachstehende Felder, worum die Besoldungen der damaligen Lehrer des Gymnasiums, und andere Ausgaben spezificirt werden solle», in sich faßten: Rector, Professor tlieologlue vlllacticae: Prof. HieoIo^U-,6 xolsrriicas et IIiiAuas Hebr. Professor ?!>vsices: Prof. ÄIutlierruitiLas : LIassi8 primae et oratorias , Prof. LI. II. und Moderator Älusices bei der Hofkapelle Vraee. LI. III. und Cantor bei der Hoskapelle kraec. LI. IV. kraec. LI. V. Oecouomus; Ltiperldiarü. Bücher in die Viblio- theck: Baukosten, Mobilia, Bettgewandt, Leinwantt, Kästen, Tisch, Stüel: Prämia auszutheilen in ?ro- liiotionidus. Für die Stipendiaten wurden 450 Gulden 40 Kreutzer an baarem Geld; 32 Malter 4 Sr. Korn, 65 Malter Dinkel; 3 Fuder 9 Ohm Wein und 50 Klafter Holz, (das Klafter zu 1 Gulden angeschlagen,) erfordert. Der Markgraf erlebte zwar die Beantwortung des vorgcdachten Rescripts nicht mehr. Es wurden aber, noch in demselben Jahr, nach einer sogenannten „Designation der ordinari vndt Ertraordinari— Stipendiaten vndt Bcncficianten, bei dem Oeconomo täglich zehn oder zwölf Personen gespcißt." Ausser diesen, waren zu Durlach noch zwei Stipendiaten, und vier zu Straßburg, welche auch, i» Krankheitsfällen, mit den nvthigcn Arzneien aus der Apotheke unentgeltlich versehen wurden. Unter dem Markgrafen, Friedrich dem Sechsten. Dieser Fürst forderte, gleich nach seinem Regierungsantritt, ebenfalls ein Gutachten wegen der Unterhaltung des Gymnasiums. ES wurden hierauf 25 auch einige Vorschläge entworfen, wodurch aber mehr die Abnahme als der höhere Aufschwung des Gymnasiums hätte veranlaßt werden können. Der Fürst genehmigte hernach (im Jahr 166t) dass Alles, was für das Gymnasium, zu Besoldungen der Lehrer und für den Unterhalt der Stipendiaten sowohl, als auch zu andern Auslagen für das Gymnasium erforderlich wäre, von fürstlicher Landschrciberei und Amrskellcrei, durch die Rent- kammer - Direktion Herbeigeschaft werden solle. Ucbrigcns verblieb es nicht nur bei der innern Einrichtung des Gymnasiums, sondern cs ward auch im Jahr 1669 noch die sechste Klasse dabe icrrichtet. So schwang sich nun das Gymnasium allmählich immer mehr empor, dergestalt, daß es unter diesem Fürsten seine höchste Größe stufenwcis erreichte; das Eouvictorium oder die s. g. Eommunität, — worinn' auch jene Pfarrer und Schulmeister, die persönlich in Durlach um Verbesserung ihrer Umstände baten, unentgeltlich gespeißt wurden — dauerte hingegen immer noch fort. In diesem Eouvictorium wurden nämlich dreizehn Stipendiaten nebst dem Famulus, gespeißt. Außer diesen waren noch fünf Andere, die ein außerordentliches Bcncficium von 20 bis 50 Gulden jährlich erhielten. Die berühmten Männer nusers Vaterlandes — wovon einige in der Folgezeit, mit so vielem Ruhm auf den Universitäten zu Tübingen, Jena, Rostock, und Giessen gelehrt haben, wie z. B. Fecht und becde M a y. (denen man auch billig den D. Förtsch an die Seite sezen muß; desgleichen D. Scherpff/ Mörstadt und Andere — hatten 100 bis 150 Gulden, und Fecht (im Jahr 1665 hingegen, 187 26 Gulden 30 Kreuzer (zur Fortsetzung ihrer Studien auf Universitäten jährlich zu beziehen gehabt. Dieser mildthätige Fürst beförderte den Fortgang der Künste und Wissenschaften nicht minder vorzüglich durch Vermehrung der Bibliothckc seiner Für- steuschulc. Zu dem End' beschenkte sie Derselbe mit denjenigen Büchern, die in seiner eigenen Bibliothckc doppelt vorhanden waren. Diesem erhabenen Beispiele^folgte nun der Hofrath und Kirchenrath - Di- reetor D. Fclir L inscn m an n, der seine eigene Bibliothek dem Gymnasium vermachte. Für Lcztcres ward nicht minder auch, bald nach dem Regierungs- Antritt des Markgrafen Friedrich, des Sechsten, die, sehr zahlreiche Freinsheimische Biblio- theke zu Worms für 900 Gulden erkauft. Der Hofrath Keck erwähnt zwar in seiner Lobrede auf diesen Fürsten — Nichts davon; hingegen wird in einem alten Manuskript erzählt: daß dieser Kauf durch des Statthalters Conrad Heinrich von Sclm- nitz und des Hofraths Keck sorgfältige Bemühung, einst bewirkt worden seye. Es mag vielleicht wohl seyn, daß das Geld dazu, aus dem Fiskus des Gymnasiums genommen ward. Außerdem gestattete noch der Fürst, daß von seiner eigenen fürtrefflichcn Sammlung von Büchern, Münzen und Antiquitäten, die damaligen Lehrer den nöthigen Gebrauch machen durften. Zur Ermunterung der studircnden Jugend, ließ Er auch im Jahr 1^69 eine Belohnnngsmünze prägen, die, bei Gelegenheit der, jeweils im Gymnasium angestelltcn Prüfungen unter die Jugend aus- gethcilt ward. Auf der Vorderseite dieser Münze crblikt man des Fürsten Brustbild, mit der Umschrift: k-kw. o. 6, xi 806»öM6. Auf der Kehrseite hingegen sieht matt ein Bäumchen, auf welches die Sonne ihre Strahlen wirft; Dasselbe wird von einem Manne mit seiner rechten Hand fcstgchaltcn, hingegen von einem Anderen unten an der Wurzel begossen; die Münze selbst aber, umgibt nachbcmelte denkwürdige Inschrift: (Aus einem Sprößling wird endlich ein Baum.) Im Abschnitte liest man die Worte: I,ll)bllt^1,.iis8 Ibll V Vllbll.uieui I)VI 1 l,^(l.en 8 is 166 g. *) (Freigebigkeit gegen die Jugend des Durlacher,Gymnasiums, im Jahr 1669.) Da noch in der Mitte des siebzehntem Jahrhunderts die-meisten Fürsten Deutschlands, und darunter vorzüglich Markgraf Friedrich, der Sechste von Baden Durlach, große Verehrer der Künste und Wissenschaften waren, '"') so verfertigte eben daher auch Hvfrath Keck eine fürtrcfliche Lobrede in lateinischer Sprache auf diesen, so eben genannten Markgrafen, worinn er dessen vormalige milden Handlungen für das Gymnasium in Durlach mit aller Warme geschildert hatte. In eben diesem Jahre, (1669) in welchem vorhin- erwähnte Bclohnungs - Münze geprägt ward^ trat *) In Laboepklioi Mstor. Last. lr. IV. ist diese Münze in Kuy» fee gestochen. Sie bat aber allda de» Fehler, daß,statt ISS-, Von dem Zeichner oder Kuvserstecher die, Jabrzabl 1696 irrig gesetzt wurde. Kirchenratb Sachs hat in seiner Badischen Geschichte, Tbcil 4 Seite 702. Jenem, aus Treu und Glaube», nachgcsehln svaterliin aber, in feinen »Beuträgcn zur Geschichte des fürstlichen Gmunastums zuCarlS- rulie v. I. 17L7 Seite 67 diesen Fclilcr verbessert, nachdem Er zuvor eine solche Münze selbst zu Gesteht bekommen batte. Anm. d. Vers. '*) Siehe Lekooxkllni Listor. Llariatzo —Saäou!. 1'oin. IV. rgs- 28 mm der bisherige Conrcctor, Johann Gerhard Arnold, — dessen redlichen Bemühungen das Gymnasium soviel verdankte — sein Amt, als Rector und Vorsteher desselben, an. Die, durch das Absterben des Generalsuperintendenten, D. Friedrich Hcilbrunuer, erledigte theologische Profcßors- Stelle ward dem damaligen Hofdiakonus, Johann Specht, übertragen. Auch kömmt der, in unftrm Vatcrlande sich so sehr berühmt gemachte Illeeinia- lns HiLolo^ias, Johann Fecht, als einer von denen, um sene Zeit ausgestellten Lehrern des Gymnasiums in der Geschichte vor. Hiezu sind ferner zu zählen: M. Johann Carl Schottel, kaiserlich gekrönter Poet und Lehrer der Dichtkunst; Mathias Vibig, Professor der griechischen Sprache nnd Präceptor der ersten Klasse; und Johann Martin Zandt, welcher Hofgerichtsadvokat war, und als Professor der Institutionen und der französischen Sprache dem Gymnasium diente. Diese lctztgedachte Sprachmeisters - Stelle ward sehr selten wieder besetzt; wahrscheinlich aus Mangel an Männern, die der französischen Sprache kundig waren. Das Kriegsfeuer, das im Jahr 1672 in Holland ausbrach, verbreitete sich allmählig bis an den Rhein. Markgraf Friedrich, der Sechste, ward vom Kaiser und Reich itzt zum Gcncralfeldmarschall ernannt. Seine Kriegsverrichtungen hatten daher einen sehr starken Einfluß auf seine eigenen Lande. Freund und Feind haußten darinn nach zügelloser Willkühr, und verursachten einen sehr hohen Preiß aller Gattung von Lebensmitteln. Aus dieser Ursache ward auch im Jahr 1675 die Zahl der Stipendiaten, ans eine zeitlang, bis auf sieben, und im Anfänge des Jahrs 1678 bis auf vier herabvermin- — 29 — dcrt, auch noch obendrein am Kostgeld abgebrochen, ja sogar selbst die Kost in geringerer Quantität und Qualität den Stipendiaten verabreicht. Jedoch ward nicht lange darnach, als der Oekonom Beyerbeck um seine Entlastung bat, und Niemand die Verpflegung der Stipendiaten übernehmen wollte, das Kostgeld für dieselben, vom Markgrafen Friedrich Magnus, auf den alten Fuß wiederzurückgesetzt. Eben dieser großmüthige Fürst befahl auch, mehrere Stipendiaten wieder aufzunehmen; und da unter Anderem das Bettwcrk für sie angcschaft werden mußte, so ergibt sich aus einem derartigen Conto, daß damals jedes einzelne Pfund Federn für zwanzig Kreuzer hiezu erkauft ward. Der Oekonom Beycrbcck hatte für die vergangene Zeit noch eine Forderung zu machen; Erwarb daher zum Theil dafür mit Wein bezahlt, und ihm zu dem End' im Mai 1678 das Fuder für 25 Gulden ausgerechnet.*) Uebrigens gicng bei diesen Umständen keine Veränderung vor. Lehrer und Studenten lagen nach, wie vor, mit allein Ernste ihren Pflichten ob. Eben daher sollte man nun auch vcr- muthen, daß das Jahr 1686, in welchem das Gymnasium in seinem höchsten Flor gestanden, ein frohes Jubeljahr für diesen Musensttz hätte verstellen sollen. Allein die schlimmen Folgen der drückenden Kriege, die das Vaterland damals noch erdulten, mußte, und eine neue unverhoffte Begebenheit, vereitelten jede frohe Feyerlichkeit. Denn es schlugen die Franzosen, ohnweit Friedlingen, eine Brücke über den Rhein, *) Im Jahr 1S7ä ward hingeaen dkm Beverbeck das Fuder neuen Weins für 68 Gulden aus der Svitalverivaltuua Durlach verabreicht. Siehe Sachs Bcvträgc zur Geschichte des fürstlichen Gvmnast- llius zu Carlsrifle, vom Jahr 1787 Seite 7l. 30 und legten disseits desselben, auf Markgräflichem Grund und Boden (dem Nimwegischeu Frieden, so wie auch dem Regcnsburgifchcn Stillstanöe schnur- straks zuwider,) eine Schanze an. Diese, ganz unerwartete Begebenheit verursachte daher unserem Vatcrlaude keine geringen Sorgen, dcuu sie gehört mit unter die Vorboten des Jammers, der, nach drei Jahren erst zum Vorschein kam; und diese Umstände mögen, ohne Zweifel, auch wohl die Hauptursachc davon gewesen seyn, warum in diesem 1686sten Jahre keine Feierlichkeit zum Andenken der, ein Jahrhundert zuvor, geschehenen Stiftung des berühmten Gymnasiums in Durlach angestellt ward! Von dem Zustande des Gymnasium s,knrz vor, und bei dem Brande, unter dem Markgrafen Friedrich Magnus. Ich rücke nun jenem unglücklichen Zeitpunkte näher entgegen, da unsere Fürstenschule, ganz unerbittlich, ein Raub der Flammen ward. Um jedoch eine kurze Nachricht vom Zustande des Gymnasiums, kurz vor, und nach dem Brande von 1689 zu liefern, bediene ich mich hiezu jener geschriebenen Nachrichten einiger Männer, die zur damaligen Zeit, theils Lehrer und theils Zöglinge des Gymnasiums gewesen sind; vorzüglich aber jener Aufzeichnung, die der damalige Inspektor und Professor des Gymnasiums, auch Kirchenrath und Hofprcdigcr, Namens Johann Fech t, in diesem traurigen Schicksalsjahre in seinem Erike zu Calw, im Wirtembergi- schen, auf des Markgrafen Befehl, einst nicdergc- schrieben hatte. Das Gymnasium ward eigentlich in das öffentliche und klassische eingetheilt; Jenes bestand ans dem Rector und den Professoren. Obschon der damalige Ephorus, Hofrath Keck, im eigentlichen Sinne, nicht Professor war, so beschäftigte Cr sich doch, zum Besten der Studenten, mit der Erklärung der Römischen Autoren. Der Rector, Johann Gerhard Arnold, war hingegen Professor der Geschichte und Beredsamkeit, und übte zugleich seine Zuhörer im lateinischen Style; Licentiat Fecht lehrte hingegen polö- micum, oder die Kontroversien, nebst der Metaphysik, auch eine zeitlang die hebräische Sprache; Mattheus Scherfs, Doktor der Arzneikunde, auch Hof-und Stadtmedikus, die Mathematik und Phisik, um welcher Wissenschaften willen, Er auch, vom Landesfürsten mit Stipendien vorzüglich unterstützt, mehrere auswärtige Universitäten ehedem besuchen mußte. Der Stadtpfarrcr und Professor der orientalischen Sprachen, Namens Johann Heinrich May, gab hingegen in diesem Fache den nöthigcn Unterricht. Der Markgraf hatte Ihn, um sich darinn sehr gründliche Kenntnisse zu erwerben, einst eine Reise nach Hamburg zu dem, in jenen Sprachen so besonders berühmten Edzard unternehmen lassen, bei dem Er sich deshalb, zwei Jahre lang, anfhielt. Sein Bruder, Burkhard May, welchen man, in Hinsicht der vaterländischen Geschichte, den Philologen, oder den Eriticus, oder den Polyhistor, allgemein zu benennen pflegte, war Bibliothekar, gab Anweisung zur Beredsamkeit, übernahm auch all dasjenige, was Hofrath Keck ehedem vorgetragcn hatte, und die Ausarbeitungen, welche Rector Arnold gewöhnlich besorgte, vereinigte Er, nebst der Ge- schichte, gänzlich miteinander, daher ihm auch jeder ^ von seinen Zuhörern, alle Vierteljahre, zween Gulden besonders, für seine Bemühung bezahlen mußte, da doch sonst aller Unterricht in den öffentlichen Lehrgegenständen von den Professoren ganz unentgeltlich geschehen mußte. Der Hofdiakon, Michael Förtsch trug hingegen die Glaubenslehre vor, und Johann Ernst Sauer war öffentlicher Lehrer der Moral, und zugleich auch Hoforganist. Die Logik ward von Michael Bulyowszky, und auch von Johann Mörstadt, der eine zeit- lang vor dem Präceptor Re sch die erste Klasse versah, ehedem vorgetragcn. Jenen, die sich der Jurisprudenz gewidmet, erklärte der Hofrath Braun die Institutionen, so wie der Hof - und Stadtarzt ein Kompendium über die Arzneikunde; Beide tha- tcu dies jedoch nur zur Vorbereitung der Studenten auf die Universität. Unter den Professoren ward auch mit anderen Wissenschaften — wozu noch kein besonderer Lehrer ausgestellt war — damals abgewechsclt. Denn da diejenige, welche Theologie studirten, nicht auf Universitäten gehen durften, wenn sie nicht selbst freiwillig dergleichen beziehen wollten, so wurden alle, nur immer mögliche Lehrgegenstände im Gymnasium vorgetragen. Die eigentlichen Lehrstunden waren, zur selben Zeit, Vormittags von sieben bis cilf, und Nachmittags, von ein bis drei Uhr festgesetzt. Es wurden nicht alle Lectionen von allen Studenten zugleich besucht, sondern es war hierinn eine besondere Vorschrift für die Veteranen und Novizen angeordnet; desgleichen, je nachdem einer, neben seinem Haupt- 33 studium, sich auf einen besonder» Zweig der Wissenschaften, oder auf eine vorzügliche Sprache legen wollte. Klassen waren, eine zeitlang, nur sünfe gewesen; durch die Bemühung des Hofraths Keck, kam aber die sechste noch hinzu. Es waren daher Präceptoren in der ersten Klasse: Johann Mörstadt; nach ihm hingegen, Johann Thomas Resch; in der zweiten aber, Resch, dann Michael Bulyows- zky, welcher zugleich auch, in mancherlei Arten der praktischen Musik, den nöthigen Unterricht im Gymnasium gab; in der dritten Klasse nach Diesem, ThomasB end el;inder vierten, FranzSchlecht, nach ihm, Friedrich Wagner; in der fünften, Thomas Mathias Lindauer, der in der Stadtkirche zugleich auch Vorsinger war; auf ihn folgte Jakob Jung; in der sechsten hingegen, Christian Ludovici, welcher nebenbei die Anfangsgründe der Musik, sede Woche hindurch, vier Stunden lang, lehrte, und in der Hofcapelle vorsang. Weil nun diese letzte Klasse bis auf sechszig Schüler herangewachscn war, so gieng man daher damit um, auch noch die siebente Klasse zu errichten; welchen Plan aber der, kurz darauf erfolgte feindliche Einfall schlechterdings vereitelte. Das Direktorium über den ganzen Corpus, sowohl in Hinsicht der, bei sämmtlichen Klassen angestelltcn Lehrer, als auch, in Ansehung der Professoren selbst, hatte nun, (wie Fecht schreibt,) einzig nur der Rec-, tor, als das Haupt des ganzen Gymnasiums, dem auch vorzüglich die Aufsicht über die Disciplin zugleich übertragen war. Wenn, z. B. ein Professor seine Lehrstunden zu besorgen, auf irgend eine Weise, verhindert ward, so mußt' er es Jenem anzeigen, 3 34 Leun, ohne dessen Borwissen, durfte Keiner verreisen; auch schämte sich keiner von den Professoren, dieser Vorschrift sich pünktlich zu unterwerfen. Der Rector ward, bis in's Jahr 1684 allein an den Hofrath Keck' als damaligen Oberinspector oder Ephorus des Gymnasiums, und aller lateinischen Landschulen, wie nicht minder auch der Stipendiaten, angewiesen. Dieser Hofrath Keck durfte, als ein großer Philolog und einsichtsvoller Schulmann, der selbst Mitarbeiter war, daher auch, nach seiner eignen Einsicht handeln; wobei er jedoch den Rector Arnold niemals übergieng. Lange Zeit hindurch, hieng er, in keinem Stücke, vom Kirchenrathskollegium ab; ward aber jedoch zuletzt in Etwas eingeschränkt. Keck machte gleichsam den Professor der Beredsamkeit und der Geschichte, visitirte fast täglich die Klassen und öffentlichen Vorlesungen eines jeden Professors; er unterrichtete in den Klassen, theils selbst, und thcils ließ er den Lehrer informircn, und gab ihm dann die nöthige Anleitung dazu, dem oberen Lehrer in die Hände zu arbeiten; wodurch er auch eine einförmige Lehrart bezwckte. Nach seiner Abkunft ward itzt Liccntiat Fecht Inspektor, jedoch mit mehrerer Einschränkung , als Jener. Er bediente sich überhaupt aller, ihm cingcräumten Vorzüge nicht eigenmächtig, sondern richtete sein Augenmerk einzig nur darauf, daß Nichts gegen die guten Anordnungen, die Hofrath Keck einst mit großer Sorgfalt traf, und die überhaupt auf sehr solide Studien abzwekten, zum Vorschein käme. UebrigenS überließ Fecht alle und jede Sachen, ohne Ausnahme, einzig dem Kirchenrathskollegium, und so — kam er auch, (wie Fecht — 35 — von sich selbst hierüber schreibt,) am besten dabei fort. Was nun eigentlich die Lehrgegenftände betrifft, so ward vorzüglich auf die Hunmniora, oder schul* wissenschaftlichen Kenntnisse besondere Rücksicht ge, nommen, und man suchte bei allen Zweigen von Wissenschaften stets nur die alten bewährtesten Quel, len, als Hilfsmittel dazu, auf; jedoch machte man die jungen Zöglinge nicht minder auch mit den Neueren bekannt. So wurden z. B. der Beredsamkeit wegen, Manutius, Cunäus, Muretus rc.; in Ansehung der Geschichte hingegen, S leid an, und, um der Moral willen, Grotius und Andere gelesen. Bei den Wissenschaften ward ein gutes Kompendium zum Grunde gelegt. Der Lehrer mußte solches, ohne große Weitläufigkeit, durchgehen, und durch beständiges Eraminircn, durch Frag und Ant- wort und cingemischte kurze Erzählungen wiederholen, damit die jungen Zöglinge mit den Wahrheiten gründlich bekannt werden, und sie auch einen Leitfaden erlangen möchten, woran sie, im Fortschritte in ihren Studien, sich immer halten könnten. Sobald man (schreibt Fecht,) von dieser eingeführten Lchrart abgieng, sogleich nahm auch das Gymnasium ab. Jedes Halbjahr hindurch, ward ein feierliches Era- men gehalten, worunter jenes an Ostern, jeweils das feierlichste war. Denn selbst der Markgraf, wohnte zuweilen, samt seinem Hofstaat, diesem Eramen per- sönlich bei; in welchem Fall auch sogleich die Promotionen vorgcnommcn, und die Prämicngelder aus- g.theilt wurden. Das Eramen dauerte nun gewöhnlich eine ganze Woche hindurch; wozu denn jedermann den freien Zutritt hatte, und so — war dann die 3 * 36 Gegenwart des lieben Landcsvaters, und so vieler hohen, und, mit unter auch gelehrten Personen für die Lehrer, als für die Studenten sowohl, das kräftigste Aufmuntcrungsmittel zum Studircn; daher durste sich auch kein Schüler oder Student — er mochte von Adel oder bürgerlichen Standes seyn — diesem Eramen entziehen. Einzig nur die Kandidaten des Prcdigamts wurden allein davon ausgenommen, wenn sie nämlich schon mehrere Jahre die Prüfungen erstanden, und die Erlaubniß zu predigen, erhalten hatten; wozu ihnen — sobald sie, in Ansehung des, etliche Jahre lang, von ihnen, mit Nutzen, zurückgclegtcn Besuchs der philosophischen und theologischen Vorlesungen sich hinlänglich aus- weisen konnten — die Anleitung gegeben ward. — Mit der Versetzung der Schüler aus einer Klaffe in die andere, durfte sich aber nicht übereilt werden. Es zogen sich daher die Vorsteher, so wie die Lehrer, vielen Verdruß von jenen Eltern zu, die, theils, aus Mangel der nöthigen Einsicht, und theils aus unzeitiger Vorliebe für ihre Kinder, die schnelle Beförderung derselben aus niederen Klassen in die höhere, nicht erhalten konnten. Nach einem solchen beendigten Eramen, ward den Kirchenrathen, Vorstehern und sämmtlichen Lehrern des Gymnasiums, den Professoren, als den Praceptoren sowohl, von Seite des fürstlichen Hofs, ein Gastmal von zwölf Schüsseln zubereitet, und — wie die eigentlichen Worte hierüber lauten — ein feiner Wein von der Amtskellerei Durlach dazu verabreicht; welchem Schmauße denn die Vornehmsten, ja sogar auch selbst fürstliche Personen, mit herablassender Güte oftmals beizuwohnen pflegten. Damals wurden nämlich in der Römersprache 37 sehr viele Disputationen und Redübungen gehalten, zuvor aber, zum B.hnfe dieses solennen Zwecks, die Katheder und Subscllien jedesmal mit grünem Tuche stattlich überzogen. Die Disputationen dauerten an und für sich, oft mehrere Stunden lang; zu Opponenten wurden Professoren, Präceptoren, Pfarrer in der Stadt nnd auf dem Lande, wechsclsweise gewählt; zu welchem Ende daher jede Disputation den Opponenten, acht Tage zuvor, einzuhändigeu, es damals üblich war. Die Druckkostcn hingegen, wurden aus dem Fiskus des Gymnasiums bestritten, weßhalb auch jede der gelehrten Abhandlungen nicht über anderthalb, höchstens nur zwei Bogen stark seyn durfte; alle dergleichen zum Druck bestimmten Gegenstände mußten aber jedoch zuvor dem Kirchenraths-Collegium, bei Eaffations- oder anderer Strafe, zur Censur übergeben werden. Diese feierlichen Handlungen beehrten die vornehmsten Räthe und andere Standespersoncn, ja, selbst auch die Fürsten und Prinzen mit ihrer Gegenwart; und diese brachten auch ihre fremden hohen Gaste mit sich dahin, die denn ebenfalls vorher dazu eiugcladen werden mußten. Den ganzen Act leitete übrigens der Reetor gemeinschaftlich mit dem Borsteher. Zm Fall ein Student, der kein Stipendiat war, eine auswärtige Universität beziehen wollte, so mußt' er vor allen Dingen nin die Erlaubniß hiezu schriftlich cinkommen, und, vor seiner Abreise dahin, eine Probe seiner Fähigkeit, durch eine Disputation, oder eine lateinische Rede, öffentlich ablegen; nnd eben so auch ein Eaudidat, der um eine Beförderung anhielt, unter einem Professor der Theologie dispntiren, 38 wenn er gleich solches, während seines Aufenthalts auf der Universität, bereits schon gethan hatte. Auf die Vokal- und Instrumentalmusik ward sehr viel gehalten. Ohne einige Kcnntniß davon, ward selten einer ein Stipendiat. Es wurden daher viele junge Schüler zugleich unter die Zahl der sogenannten fürstlichen Eapellknaben ausgenommen, die sich so lange in der Musik übten, bis sie wirkliche Stipendiaten wurden. Auf diese Art hat nun Doctor Fort sch, ein ge« borner Wcrtheimer, sein Glück gegründet; und so — kamen auch unter die Zahl der Stipendiaten: der Licenciat Keller von Anspach, Pfarrer Obermüller zu Lidolsheim,. von Ochringen der Präcep« tor Wagner von Pscddclbach, und Beck von Lan- genburg; welche alle sammt und sonders von Anfang nur Eapellcnknaben waren.— Das Gymnasium besaß, noch vor dem Brande des unglücklichen Jahrs 1689 auch eine beträchtliche Bibliothek; wozu der Grund von den Stiftern der Fürstenschule hauptsächlich gelegt ward; nicht minder wurden, von Zeit zu Zeit, hiezu noch mehrere Bücher aus dem Fiscus des Gymnasiums käuflich angeschafft. Ich habe bereits schon früher erwähnt, was diese Bibliothek durch die milde Stiftung des Markgrafen, Fr i ekr i ch , des Sechsten, für einen großen Zuwachs, sowohl aus der fürstlichen Bibliothek selbst, als besonders durch jene des Hofraths Linsen- mann, und ebenso auch durch die berühmte Frein s- h ei mische einst erhalten habe. Zudem hatte der vormalige Oekonom Beyerbeck, außer jenen 2000 Gulden für Stipendien gestiftet, dem Gymnasium noch obendrein 600 Gulden in baarem Gelde, einzig 39 nur in der Absicht geschenkt, daß davon die damalige, sehr schöne Batier'sche Büchersammlung zu Basel, die aus etlichen taussend Stück Büchern bestand, erkauft werden sollte; wozu bereits auch schon zwei Zimmer im Gymnasium zur Einrichtung eines sehr prächtigen Büchersaals daselbst, zusam- mengebrochcn wurden. Ueber diese Gymnasiums-Bibliothek hatte eigentlich der Rector die Aussicht. Man behauptete damals auch, daß sie mit der Zeit eine der vornehmsten Büchcrsammlungen der höhern Schulen in ganz Deutschland würde geworden seyn, wenn sie anders nicht in der traurigen Zeitfolge von den Flammen des Kriegs wäre verzehrt, und so — auf einmal gänzlich vernichtet worden. Um nun die im Gymnasium gemachte Einrichtung aufrecht zu erhalten, ward von den Durchlauchtigsten Stiftern all' denen, die zum Gymnasium gehörten, eine gewisse Vorschrift, als ein statutenmäßiges Gesetz, zur Befolgung in die Hände geliefert. Diese alte Schulordnung hatte hingegen Hofrath Keck, nebst dem Rector Arnold, in vielen Stücken nachher abgeändcrt. Allein, auch dieses alte Denkmal des Gymnasiums ist nicht mehr vorhanden. Es ist gewiß, (schreibt ein vormaliger Gelehrter), daß das Gymnasium, so lang der Hofrath Keck, als Epborus, noch mit anderen in Gemeinschaft mitarbcitcte, und Arnold, einst, als Rector, ihm Vorstand, den höchsten Flor erreicht, und, in Hinsicht der Philologie, mehr, als eine Acadcmie, geglänzt, in Ansehung der Theologie aber keineswegs irgend einer Academie damals nachgestandcn habe. Die Philosophie ward, nach all ihren Thcilcn, zu Ende gebracht; monatlich disputirt, an allen ho» 40 Herr Festen und bei anderen feierlichen Gelegenheiten einzig nur, hierauf passende Reden gehalten; wozu alle Professoren und sonstigen Lehrer, sich verbunden sahen. Außer den Schülern in den Elassen — es waren nämlich in jeder derselben, 20 bis 30 Schüler an der Zahl — fanden sich in den öffentlichen Vorlesungen fast immer gegen 60 Personen ein; wiewohl bei einem Professoren mehr, als wie bei einem andern ; indem die Lectionen getheilt waren, und einem jeden Studenten, welche davon er besuchen mußte, zweckmäßig vorgeschrieben war. Man kam auch wirklich sogar schon auf den Gedanken, das Gymnasium zu Durlach in eine Universität zu verwandeln, weil Straßburg bereits vom Reiche getrennt, und außer Tübingen, keine evangelische Universitär in der Nähe befindlich war. Allein der Geheimerath und Director des Eonsi- storiums, von Essen, so wie nicht minder der Hofrath Keck und Rector Arnold, hatten dagegen sehr gründlich vorgestellt, daß Durlach, als eine Residenz nicht der schickliche Platz zu einer Universität sey, indem die akademischen Freiheiten zu sehr vielen unangenehmen Austritten leicht Anlaß geben könnten. Die Hauptursache der unterbliebenen Ausführung dieses Plans mag aber wohl die gewesen seyn, weil man, des französischen Kriegs wegen, damals schon sehr in Sorgen stand. — Von dem Franzosenbrande der Stabt Durlach und des Gymnasiums im Jahr 1689. Alle, bisher von mir geschilderten, für das Vaterland sowohl, als auch für Ausländer so vortheil- haften Einrichtungen und Lehranstalten wurden auf einmal am sechsten August des Jahrs 1689 gänzlich vereitelt. Dieß war der traurigste Tag jener Verwüstung, an welchem die Mordfackeln der Franzosen das prachtvolle Residenzschloß des Fürsten, nicht minder die schöne Stadt Durlach, und mit ihr auch das sürtreffliche Gymnasiumsgebäude mit Allem was dazu gehörte, ganz unerbittlich in den Brand gesteckt, und den fürchterlichsten Flammen preis gegeben hatten. Nur fünf kleine Häuser der Stadt blieben davon noch übrig; alles Andere ward hingegen in einen Stein - und Aschenhaufen von den Franzosen, jenen damaligen christlichen Barbaren, damals verwandelt. In diesem fürchterlichen Brande gierigen dann auch die schöne Büchersammlung und alle mathematischen Instrumenten, die kostbaren Globen und alle schriftlichen Denkmäler des Gymnasiums plötzlich in Rauch auf. Unter den Lehrern desselben war der Inspektor des Gymnasiums, Licentiat Fecht allein so glücklich, seine Bücher und Schriften größtentheils unversehrt nach dem Brande wieder zu finden, indem er sie, sobald er die schauervollcn Anstalten dec Feinde sah, sogleich in ein wohlverwahrtes Gewölbe warf, das bei dem Brand glücklicher Weise noch unverletzt geblieben. Neue Lehranstalten nach dem Brande. Professor Bulyowszky, der mit seiner Familie, zur Sicherheit vor dem Feinde, schon am 5. August 1689 sich von Durlach nach Stuttgart zu seinen dortigen Bekannten geflüchtet hatte, ward, auf Veranlassung des eben damals im Schlosse Nie- -2 - fernburg, bei Pforzheim, sich verweilten Markgräf, lich Durlachischen Hofraths, Freiherrn von Gem- mingen, mittelst eines durch den damaligen Hof- und Kirchenrath, Johann v. Essen, eigens an ihn abgeschickten Einladungsschreibens — das aber Letzterer dem Bulyowszky in Oeffingen, einem zwei Stunden von Stuttgart entfernten Dorfe, selbst persönlich überreichte — als öffentlicher Lehrer in das Vaterland wieder zurück einbernfen. Seine Rückkehr dahin, sollte hingegen nicht eher von ihm so wie von seinen übrigen, sich ebenfalls ins Ausland geflüchteten Collegen ins Werk gesetzt werden, als erst nach der Wiedereroberung von Mainz; welche denn am 30. August 1689 auch wirklich erfolgte. Schon am 8. September desselben Jahrs fand sich Häher unser Bulyowszky in Pforzheim ein. Als Prorcctor des nach Pforzheim verlegten ehemaligen Durlachcr Gymnasiums, am 7. April l690 ernannt, begann er zwar, mit seinen, aus ihrer vorigen Flucht von Dnrlach sich setzt wieder eingesun- denen Collegen schon am 13. März 1690, (jedoch, in Hinsicht der vorhergegangencn Kriegsunfällen, ganz ohne alle, bei einer Gymnasiums-Einweihung sonst üblich gewesene feierliche Ccremouie), den Unterricht mit ohngefähr fünfzig Schülern in drei ab- getheilten Classen zu eröffnen. Im nämlichen Jahre wo die Anzahl der Schüler bald auf 150 heran- wuchs, ward daher auch schon am 28. Juli die vierte Classe zur Lehranstalt eröffnet. Bulyowszky erhielt nun den Auftrag, in den Lehrstunden all diejenigen Gegenstände dort vorzu- tragcn, die bei jenen, vorhin beim Durlachcr Gymnasium bestandenen sechs Classen beim Unterricht der Jugend einst üblich waren. — 43 — Dieses, nachher, von Seite des Kirchcnraths, ge- pehmigte Schulunterrichts-Schema ward hierauf von Buly owszky durch eine, an seine, hie und da, von Durlach sich fortgcflüchtcten College« und Schüler gemachte Einladung, vom 1. Mai 1691 datirt, in einem fürtrefflichen Programm durch den Druck am 11. desselben Monats öffentlich kund gethan. In eben diesem Jahr, und zwar am 2. April ließ auch der Markgraf eine allgemeine Verordnung in seinen Landen ergehen, wornach keinem Badenser gestattet ward, sich auf irgend eine andere Schule, oder auf eine auswärtige Universität zu begeben, wenn er nicht darüber sich gehörig ausrvei- sen konnte, daß er zuvor auf dem vaterländischen Gymnasium siudirt hatte. Studenten waren damals noch keine daselbst vorhanden. Die Lehrer in den Claffcn waren nämlich zur solchen Zeit: Re sch, nach dessen Abkunst nach Augsburg hingegen, Bendel, Lndovici und Wagner. Nach der entworfenen Vorschrift, sollten eigentlich in jeder dieser Classcn die Schüler, wenn sie im siebenten Jahre ihres Alters, in die unterste ausgenommen worden, daselbst drei Jahre lang, verbleiben, und wahrend dieser Zeit, mithin binnen zwölf Jahren, in der deutschen, lateinischen, griechischen, hebräischen Grammatik, in der Prosodie und Dichtkunst, Rhetorik, der Arithmetik, Geometrie, Musik, Geographie, Astronomie, Geschichte, in den Anfangsgründen der Logik, in der philosophischen Moral, nach Anleitung der Bücher Cicero's von den Pflichten, wie auch in den Grundsätzen der Religion und Theologie unterwiesen; dabei aber viele Sprü- che der heiligen Schrift, und besonders auch Psalmen — deren man in guten und schlimmen Tagen sich bedienen könnte — dem Gcdächtniß eingeprägt, und dann die jungen Leute zu fleißigem Lesen der Bibel sorgfältig ungehalten werden. Von lateinischen Schriftstellern wurden hingegen zum Unterrichte vorgeschriebe»: Phädrus, Ciccrv's Briefe, Cornelius Nepos, Tcrcnz, Justinus, Florus, Snlpitins Severus, Cicero's Reden, Ovid, Virgrl und Horaz. Im Griechischen aber sollten die Schüler zuerst mit den Schriften der Evangelisten und Aposteln sich beschäftigen, sodann aber solltcnJsocratcs, aurea oaririiiia (oder die goldenen Gedichte des Pythagoras), Phocylidcs, in den öffentlichen Lehrstunden gelesen werden. In Privatstnnden sollte man den Dictys aus Greta, den bekannten Geschichtschreiber des trojanischen Kriegs, dem er einst selbst mit beiwohnte, den Livius, Cäsar, Curtius, Sueton, Vcllejus Patercu- lns, und, wenn es die Umstände leiden würden, auch noch andere zur Hand nehmen. Es war jedoch die eigentliche Absicht keineswegs dahin gerichtet, daß alle, so eben erwäbnte Schriftsteller, vom Anfang bis zum Ende, öffentlich vom Lehrer durchgangen, und erklärt werden sollten. Nur wollte man die merkwürdigsten Theile davon ausbc- ben, sie erklären, dann die Schönbcitcn und den Ban der Perioden, nebst dem Zusammenhang des Ganzen, und wie man in eigenen Aufsätzen davon, Gebrauch machen müsse — der studirendcn Jugend vor Augen legen, das Uebrige hingegen, dem schon ^ mehr geübten Schüler, zur Ucbung und mehrerer — 45 — Ausbildung seines Verstands, seinem eigenen Nachdenken überlassen. In einem kurzen Anhang des Programms ward nämlich angezeigt, daß die sogenannten öffentlichen Lectionen auch in Kurzem wicdcranfangeu würden, und, nach dem gnädigsten Befehle des Fürsten, die mathematische, physische, philosophische und historische Vorlesungen, nebst der Geschichte, der Beredsamkeit, der hebräischen Sprache und der Theologie, vor- getragcn, auch Uebungen im Disputiren, Pcroriren und Predigen, eingestellt werden sollen; das Programm selbst, schloß Bulyowszky mit einer sehr schönen Anrede, die uns der verstorbene Kirchcnrath Sachs in Carlsruh' in dessen Beiträgen zur Geschichte des Hochfurstlichcn Gymnasiums zu Carlsrnhe v. I. 1787 Seite 108 umständlich aufbehalten hat. Markgraf Friedrich Magnus übertrug — nachdem Licenciat Fecht im Jahr 1690 am 8. April vom Gymnasium, zum Behuf seiner Reise nach Rostock, an den Ort seiner künftigen Bestimmung, als Professor der Theologie, seinen Abschied genommen hatte — dem Superintendenten zu Pforzheim, Namens Mathäus Kummer, die Aussicht über diese neue Lehranstalt, wie nachher auch über alle Kirchen und Schulen im Unterstände; und ertheilte ihm zugleich auch den Karakter und Rang eines Kirchenraths. Aber, wie schnell wurden auch nicht diese Plane gänzlich vereitelt, und alle, bereits vorgckehrten fürtreffliche Lehranstalten auf's Neue untergraben ? ! Denn, noch in eben diesem 1691 Jahre wurden die armen Bewohner der Stadt Durlach — bisher größtentheils in den, mit Schutt bedekten Kellern, nnd theils nur in aufgeschlagenen bretternen Hütten 46 sehr beengt und traurig beisammen lebend und webend, auch allmählig sich dort wiederanzubauen bemüht — nunmehr von jenen, aus Fortlouis ange- kommenen französischen Streisparteicn unerbittlich zweimal hintereinander geplündert; nicht minder giengen auch Furcht und Schrecken dem, bis nach Pforzheim hcranrückendcn französischen Kriegshecre voran. Auch diese letztere Stadt — worinn der Gras von Fürste nberg mit 400 Mann herzoglich Wirtembergischcr Truppen in Besatzung lag, ward von den Franzosen eingenommen, und deren Einwohner all' des Ihrigen beraubt, bis auf einen kleinen Vorrath von Mehl und Wein, welchen dieFeinde nicht verdorben hatten. Hierauf ward erwähnte Besatzung von Pforzheim nach Frankreich kricgsge- fangen abgeführt; und so — wurden dann die Lehrer die, bis zur Wiederherstellung des Muscnsitzes in Durlach, sich in Pforzheim zu beschäftigen, anfiengen, schon zum zweitenmal durch die Waffenmacht der Feinde gänzlich auseinander gejagt. Der Prorektor Bulyowszky kam nach Oehrin- gcn, und ward dort Rektor am dasigen berühmten Gymnasium; Präzeptor Bendel hingegen gicng nach Schlcßwig, und Ludovici wandertc in die Ewigkeit hinüber. Im September 1692 ward Pforzheim aufs neue von dem französischen General Chamilly eingenommen. Der Herzog von Lorges folgte mit der Hanptarmee über Durlach und Wilferdingen, und griff den Herzog Friedrich Earl von Wirtcmberg, der in diese Gegend, die Wirtembergische Gränze zu decken, abgeschickt war, mit größtem Ungestümin an, so, daß dieser, aller angestrengten heldenmüthigen Tapferkeit ohngeacht, — indem seine Leute, theils 47 die Flucht ergriffen, und theils in große Unordnung gcricthen —nebst dem General So per, endlich ge« fangen ward. Die beiden Städte, Durlach und Pforzheim, wurden auch in folgendem Jahre (1693) darauf, nachdem der Dauphin, erstlich zu Graben, dann zu Grözingen, sein Hauptquartier genommen hatte, mit französischen Völkern so lange besetzt, bis dieser Prinz, mitten im August, wieder über den Rhein zog, nachdem zuvor, von Grözingen aus, 10,000 Mann nach Piemont, und 15,000 Mann unter dem Grafen von Bouflers, in die Niederlande abgcgangen waren. Weil nun die französischen Völker noch einige Jahre hindurch, in diesen Gegenden sich verweilten, so war denn keineswegs an die Wiederaufbauung des Durlacher Gymnasiums zu denken. Neue Lehranstalten nach dem Ryßwicker Frieden. Der, durch so mancherlei harte Drangsalen und Widerwärtigkeiten, als die gewöhnlichen Folgen des Kriegs, so sehr auf die Prüfung gestellte Markgraf Friedrich Magnus, war, nach dem Ryßwicker Frieden, einzig nur seinen bedrängten Städten, Durlach und Pforzheim, wie nicht minder seinen m'edcrgebrann- tcn Flecken und Dörfern, sogar mit Hintansetzung seines eigenen Kameralinteresses, wieder neues Leben und Anselien zu verschaffen, sorgfältig bemüht. Hierbei richtete er auf die Schulen, so wie auf das, im Schutte liegende Durlacher Gymnasium sein vorzüglichstes Augenmerk. Dieser Markgraf hatte selbst keine eigene Wohnung mehr. Billig ward daher zuerst für diese gesorgt, und schon im Jahr 1698 der Anfang zum fürstlichen Schloßbau veranstaltet. 48 Um jedoch die Kinder der, alles Mitleids würdigen Residenzstadt Dnrlach nicht ganz, ohne allen Unterricht zu lassen, cröffnete man wieder im Jahr 1607 daselbst eine Lehranstalt, und nahm hiezu den Präzeptor Waldeisen, in der Absicht an, um die dortige Jugend im Lateinischlesen und Schreiben, so wie auch in den ersten Anfangsgründen der Grammatik, nebst den Grundsätzen des christlichen Glaubens zu unterrichten. Er hatte damals seine Lehrstube in einem elenden Hänßchen, im s. g. Mauerloch, neben dem Schlachthauße — einem von jenen fünf Häußern, die im Franzosenbrand des Jahrs 1689 von den Flammen nicht verzehrt worden waren. Dieses, in mancher Hinsicht, merkwürdige Hauß- chen steht noch itzt in Durlach. Der verstorbene Kirchenrath Bürcklin war einer der ersten Schüler nach jenem schreckenvollen Brande. An Waldeisen's Stelle—der, des hohen Alters wegen, seinem Lehramt nicht lang vorstehen konnte— ward ein anderer, Namens Wagner, ein ehma- liger Schüler des alten Gymnasiums, als Kantor und Präzeptor ausgenommen. Der öffentliche Gottesdienst für die Einwohner der Stadt, so, wie für diese neue Schulanstalt, ward, in Ermanglung einer Kirche, in einem, hinter dem nicdergebrannten Gymnasiumsgebäude ausgerichteten Hauße damals gehalten, das nachher in einHcuma- gazin verwandelt wurde. Einige Zeit darauf, erkaufte man das Wirthshauß zum Rappen, das man zum Unterricht der Schuljugend nothdürftig eingerichtet hatte, und auch so lange dazu dienen mußte, bis ein neues Gebäude für die öffentliche Lehranstalt aufgcführt werden konnte. Die Ausführung dieses Bauplans mußte hingegen, theils, wegen der neueren Kriegsunruhcn, und theils aus andern Gründen, immer von einer Zeit zur andern, wieder aufgcschobcn werden, und endlich ganz unterbleiben, nachdem die bisherige fürstliche Residenz zu Durlach in die neuerbaute Stadt Earlsruhc verlegt worden war. — Doch, ich gehe auf die Wiederherstellung des Durlacher Gymnasiums zurück.*) Nachdem die unterste Klasse, (wovon oben schon Erwähnung geschah,) im Jahr 1697 angelegt ward, und hierauf bald die Anzahl der Schüler sich vermehrt hatte, so war man auch auf deren weitere Einrichtung sorgfältig bedacht. Im folgenden Jahre (1698) hatte der vormalige Rektor Arnold, der, in Hinsicht seiner Rechtschaffenheit, so wie vorzüglich, wegen seiner vicljährigen Erfahrung in Schulsachen, des Markgrafen besonderes Vertrauen sich erwarb, die, ihm abgeforderten Vorschläge, in Betreff der Einrichtung des, auf den alten Platz neu zu erbauenden Gymnasium's sowohl, als auch, wegen der innern Verfassung, so wie der Lehrer desselben, von Frankfurt eingeschickt; wovon ich einen kurzen Auszug meinen Lesern hier mittheilcn will. In Ansehung des neuen Gebäudes selbst — das innerhalb der vier Mauern des Flächeninhalts des "1 Zur Wiederaufhauung des Gmnnastums hatte dir kurfürstlich Brandenburgischc, im Fursieuthum Halberstadt clicdem angestellte Ne« gierungsrath, D. Johann Adam Köhler, in seinem Testament Einhundert Ncichsthalcr vermacht, zu deren Empfang der damalige Hofrath und gcheime Sekretair, Heinrich Wilhelm Maler, mit einer besonder» Vollmacht des Markgrafen Friedrich Magnus st. st. Gröyingcn de» 25. September tü?3 versehen worden ist. Siehe Sacks Beyträgc zur Geschichte des bochfürstlichen Gymnafli zn Carls« ruhe, v. I. >787 Seite 11Ü in einer besonder» Note. 4 50 Alten wieder aufgcrichtet werden sollte — that er hauptsächlich den Vorschlag, daß die Wohnungen der Stipendiaten, die ehedem oben unterm Dache sehr eng beisammen wohnten, in den untersten Stock, neben der Bibliothccke künftig einzurichtcn waren, nm sowohl die Gesundheit dieser Stndirenden desto mehr aufrecht zu erhalten, als auch, nm besorgliche Fcuersgcfahr desto sicherer zu entfernen, auch in der Erwägung, daß überdies dadurch zugleich eine grössere Holzcrsparniß dabei cintretcn würde. In Rücksicht auf die Lehrer, war Er hingegen der Meinung, daß die Anzahl der Professoren, deren zuletzt, acht an der Zahl, gewesen seycn, wieder vermindert werden möchte, indem Einer den Andern oft gehindert habe, und bei jenen 2 Stunden, in welchen die Meisten derselben wöchentlich gelehrt hätten, vielwcnigcr ausgerichtct worden scp, als zu jener Zeit, wo nicht so viele Lehrer dabei angestellt gewesen wären. Er hielte daher für hinreichend, wenn nur vier bis fünf fleißige Männer, mit Inbegriff des Rektors, hiezu für die Zukunft bestimmt würden. Zwei Derselben müßten nun die theologischen Lehrgegenstände, nebst den orientalischen Sprachen lehren, und nebenbei auch Anleitung zum Predigen geben; der Dritte müßte dann ein guter Philosoph und Disputator. Der Vierte ein Humanist, welcher die Redekunst, Alterthümer, Geschichte und Poesie vortrüge; der Fünfte hingegen ein geschickter Mathematiker seyn, der auch die Eivil-uud Kriegsbaukunst lehrte. Dem Rektor endlich könnte Dieo- lo^ia posltlvu (die Auslegung der heiligen Schrift) oder Illstoria ecclesiastica, (die Kirchcngeschichte,) vorzugsweise aufgctragen werden. Dabei empfiehlt Er zugleich die französische und italiänische Spra- 51 chen; desgleichen für die Jugend ans dem adelichen und anderer vornehmen Personen Stande, unter den Lchrgcgeuständen hauptsächlich: Mathematik, lateinische Redübung, Geographie, Historie, praktische -Philosophie, und, in Hinsicht der körperlichen Uebun- gen, das Fechten, Tanzen und Reiten; endlich die Musik und dergleichen. Nicht minder empfahl Er ferner auch die öftere Uebung im Disputiren, so wie in der Redekunst; (zu welchen Handlungen jeweils die gnädigste Herrschaft um ihre Gegenwart zu bitten wäre) desgleichen die, über dergleichen Handlungen anzustellende Feierlichkeit, eben so wie die, alle Halbjahre zu haltende Prüfung; die Austheilung der Prämien bei den vorgenommen werdenden Promotionen; die, im In - und Auslände öffentlich bekannt zu machende Lehrgegcnstände; vorzüglich auch die Wicderanord- nung der Stipendiaten, nebst der Wiederherstellung des s. g. Eonvictoriums und der Verpflegung der Stipendiaten nach dem alten Fuße; insbesondere aber eine genaue Aufsicht dcö Rectors über dieselben, und hauptsächlich darunter über jene, welche mcistenthcils für die Theologie bestimmt wären, damit sic —wie seine eigenen Worte hierüber lauten — „zu einem stillen, züchtigen, eingezogcncn und ehrbaren Leben angehalten werden möchten." — Da nun diese Stipendiaten überhaupt, und darunter besonders jene, welche dem geistlichen Stande sich widmeten, auf dem Gymnasium noch so lange fortstndiren sollten, bis sie, entweder in den Städten, oder auf dem Laude, wirklich als Lehrer an,gestellt werden könnten, so drang derNcktorA rn o ld zugleich auch darauf, daß eine hinreichende Biblio- theke, so wie ein Vorrath, hinsichtlich der nöthigstm 4 * — 52 — mathematischen Instrumenten und Landchartcn angc. schafft werden möchte. Die, in Gemäßheit des letzteren vorgetragencn Gegenstandes ausgestellte finanzielle Frage: „Woher „denn die Mittel zu nehmen scycn, dergleichen an- „znschaffen, so wie auch andere »öthigen Kosten zu „bestreiten?" beantwortete Derselbe hierauf mit folgenden Worten: „Man erinnert sich der vorigen Zeiten, da, durch „Euer Durchlaucht gnädigsten Befehl, bei den öfters „vorkommenden Ehe - Dispensationen, das l^vieaoi- „clinariiiin, wann die Sporteln das Ihrige empfanden, dem Fiscus des Gymnasiums ist angewiesen „worden. ^So ist auch öfters dasjenige, so von „Pfarr - Vakanzen eingckommcn, oder, wann etwa „ein Geistlicher sich versehen, so doch keine Vornetzung, oder völlige Zurücksetzung ihm zuwege „brachte, zu dem Gymnasium angewiesen, oder sel- „biger zu Erkaufung eines gewissen Puchs ungehalten worden. Es dürfte sich auch dieses in Anwen- „dung bringen lassen, daß bei Testamenten, da einem „eine unverhoffte Erbschaft oder Legat zugefallcn, „die Erben etwas zu milden Stiftungen znrücklassen „müßten. Man hat auch vormals die Jnfcriptions« „Gelder dahin gewidmet, da der Rektor von einem „jeden Knaben einen Ortsgulden fordern durfte, „und selbigen verrechnen mußte. Da aber die Bürgerschaft zu Durlach, weil selbige demRcetor jährlich vierzig Gulden an Geld, und fünf Malter Din- „kel, ihrer Kinder wegen, anszahlen, daher davon be- ,,freit zu seyn, pratendiret, auch in dieser Possesston „verblieben, und dabei gelassen worden, so mag Kieles nicht viel eintragen." — Endlich, (schreibt Er,) „müßte auch eine gute Schulordnung entworfen — 53 — „werden, damit Lehrende und Lernende, zur genauen „Beobachtung ihrer Schuldigkeit, angehalten werden „könnten. Auch sollten die Landeskinder verbunden „seyn, aus dem Gymnasium zu studiren." Er führt die Ausdrücke des Markgrafen aus der alten Schulordnung an: „Weine Unser Gymnasium nicht gut „genug gewesen, demselben sollen auch Unsere Dienste „nicht gut seyn"! — In Ansehung der Klassen empfahl Er unter andern,, besonders in den obersten Klassen , häufige Stylübungcn; in allen Klassen aber, die sorgfältige Korrektur derselben; ferner die fleißige Uebung im Lateinischreden, so, wie n'cht minder alle Vorträge der Lehrer in den oberen Klaffen ebenfalls in der lateinischen Sprache; auch nur in dieser, und in keiner andern Sprache, sollten alle jeweiligen Ausarbeitungen der Schüler angenommen werden dürfen." Hierauf ward der ehemalige Prorektor Michael Bulyowszky — der indeß, theils als Rektor des Gymnasiums zu Ochringcn, theils als Prorektor am Gymnasium zu Stuttgardt, mit vielem Beifall, vorgestanden hatte — vom Markgrafen Friedrich Magnus an das Gymnasium zu Durlach in der Eigenschaft eines Prorektors und Professors wieder zuruckberufen. Weil nun der Rektor und Kirchcnrath Arnold*) sich noch immer Hoffnung machte, wieder in hiesige Dienste zurückznkehren, und seine grauen Haare in *) Arnold bezeugte „ock in seinen! hohen Alter seine grosse Liebe »nd Dankbarkeit gegen Dm lach. Er drnkte sich daherin einem Schreibe» an seinen Freund, ans lolgcnde Art aus: „Ich hoffe zu Gott, er werde Mick nicht sierben lassen, bis „ich »och einmal zu Durlach, wo es mir so wohl ergangen, „und da ich die beste Zeit meines Lebens durch 25. Jahre „jngcbracht habe, gewesen bin." denMarkgräflichen elysischen Felder n—wie er sich immer auszudrüeken pflegte—nicderzulcgcn, so ward ihm durch ein sehr huldvolles fürstliche Dekret, das Prädikat eines Rektors förmlich Vorbehalten; daher Bulyowszky auch nur den Karakter, als Prorektor, erhielt. Der, dem Prorektor Bnlyowszkp zngcschicktc Bcstallnngsbrief ist ein merkwürdiges Denkmal selbiger Zeit. Ich halte cs daher der Mühe wcrth, denselben meinen Lesern hier wörtlich mitzuthcilcn: „Wir Friedrich Magnus von Gottes Gna- „den, Marggrav zu Baden und Höchberg re. urkunden hiemit, demnach Wir, nach wiedercrlangtcm „Edlen Frieden, zur Ehre Gottes und Ausnahme „des gemeinen Wesens, Uns gnädigst entschlossen, „Unser in verwichenen Kriegslänften zu Durlach „abgebrandtes Gymnasium, sobald möglich, wieder „aufbauen und in Standt bringen zu lassen, und „zu solchem Ende Mloliaoloni Unfern „hiebevorigen krokossoroin und Uiwooptooeni allda „zu einem krorsctors und Ichoi'essors desselben mit „dieser Intention und dergcstaltcn bestellt, daß er, „bis zu rstalstlrüllg ermcldten (Hnnnasli Innnellni- „te unter unserm Kirchenraths-Collegio stehen, und „nach dessen, hierncchst Ihm zukommznder Jnstruc- „tion, nicht allein Unsere Schul zu Durlach stlifl- „ren, sondern auch nechstdeme, daß er in der ober- „sten Classe unter solchem pi-wäleat, biß auf künf- „tige andere Veranstaltung, stoclre, auch bei ergebenden tauglichen subjoctlsHiach jeweiliger Beschaffenheit, die kunclainenta aä altloia stnstla legen „solle; für welche Verrichtung Wir Ihme zur Besoldung au „Geldt — Einhundert zwanzig Gulden, Korn — Acht Dunkel — Sechszehen Malter. „Wein — Zwölf Ohmen „gnädigst verordnet haben. „Weilen aber das gesammte Schulwesen mit und „neben Unserer Residenz im vorigen Krieg zerfallen, „und nun demselben dabero obliegen will, zu wieder „Anff- und Einrichtung Unsers zerstörten Gymnasii „mehreren Fleiß und Sorgfalt anzuwenden, alß ha-> „bcn Wir in gnädigster Betrachtung seiner weitern „Bemühung, und daß Er anderswo auch schon in „höher» Bestallungen gestanden, Ihme ferner und „zwar bepdes von clato an, zu rechnen, zu einer „beständigen asteütlem, jedoch ohne einige donse- „czeieii/, „an Geldt — Achtzig Gulden, „Ein sreyes I-o^einein oder den Hanszinß dafür — Dreißig Gulden, „Einen Garten oder Zinß dafür, nenn Gulden, „Holz — fünfzehen Klafter oder: „an Geldt — Achtzehen Gulden, Malten „Korn — Vier „Dinkel— Vicrzchen, „Wein — Acht Ohmen, „mit dem ferner» Anhang gnädigst vcrwilligct, daß „er bei biernächstigcr a^lauraiion Unserer Kirchen „zu Durlach, entweder bey Hoff, oder in der Stadt, „die Orgel biß auff bessere Zeiten, nebstobigcn sei« „ncn liimirnbeirtlen. tractiren und dafür feine wel- „tere Besoldung, noch Ergölzlichkcit, von Uns prm- „tsucliren solle. Zn seiner mehreren Versicherung „haben Wir gegenwärtigen Schein eigenhändig un» — 56 — „terschrkeben, und Unser Fürstlich Jnsiegcl fürträ- „cken lassen; So geschehen zu Durlach den 23. April 1699. (I.. 8.) „Friedcrich Magnus." Das Gymnasium hatte demnach wieder zwei Lehrer, nämlich den Prorector Bulyowszky und den Präccptor Wagner. Die Anzahl der Schüler nahm aber so schnell zu, daß die Anstellung eines weiteren Lehrers nothwendig ward. Bulyowszky brachte nun sogleich seinen ehemaligen Schüler und nachherigen Mitarbeiter am Gymnasium zu Stuttgart, Johann Casimir Malsch, in Vorschlag. Derselbe war damals im Herzoglich Wirtembcrgischen Stipendium zu Tübingen, und schon zum öffentlichen Lehrer dieser hohen Schule vorläufig bestimmt. Er mußte hingegen, aus gewissen Ursachen — die ich späterhin kn dessen Lebensbeschreibung anführen werde — sich dazu entschließen, dem, vom Markgrafen Fr k ed ri ch Magnus erhaltenen Ruf, als Professor der Beredsamkeit, Geschichte, Poesie und der griechischen Sprache, so wie nicht minder, als I'iZeceptor Primarius, beim Durlacher Gymnasium, ohne weiteres, Folge zu leisten. Er kam auch noch zu Ende des Jabrs 1669 daselbst an; und so — bestand nun das Gymnasium wieder ans drei Classcn. Zwei derselben wurden zum untern, die dritte hingegen zum oberen gerechnet. Es bekam aber setzt einen so starken Zuwachs, daß schon im Jahr 1700 ein weiterer Lehrer, nämlich durch den Präccptor Wolfgang Friedrich Steinl ein, dazu ausgenommen werden mußte. Dieser war zwar ein sehr guter, und in der Musik auch sehr wohlersahrner Schulmann; er mußte hingegen — da er nebenbei noch die Function eines ehrsamen Hochzeit- und Leichenbitters angenommen hatte—Vieles in seinem Lehramt darüber versäumen. Im Jahr 1702, in welchem der, in Durlach ge- borne Johann Adam Wild ebenfalls an das dortige Gymnasium als Professor kam, wurden znm Thekl Johann Michael Beck — noch, vor dem Brande Schüler des Gymnasiums und zugleich auch einer von der Zahl der fürstlichen Eapcllknabcn — und znm Theil im Jahr 1704 Georg Sigmund Geißler, als Präccptorcn in den Elasscn angestellt; und so — lehrten nun in der untersten oder sechsten Elasse Präceptor Steinl ein, und in d>.r fünften der Präceptor Beck. Dieser Letztere stand als Subcantor unter dem Präceptor Io Hann Jakob Sturm, einem Sohne des berühmten Mathematikers, Johann Christoph Sturm zu Altdorf. Sturm war ein sürtrcfflicher Musicus; bat aber bald wieder um seine Entlassung, und ging nach Augsburg in der Eigenschaft eines Schaffners im dortigen Spital. In der vierten Elasse war Präceptor Geißler; in der dritten Präceptor Wagner; nach dickem, in gleicher Eigenschaft, Johann Peter Lang von Frankfurt, der aber auch bald seine Stelle verließ, und sich zur Fortsetzung seiner theologischen Studien, nach Straßbnrg begab. Auf ihn folgte Johann Michael Stccherwald von Wert- Heim ein sehr gelehrter und frommer Mann; der nachher die zweite Elasse bekam, und zugleich den Primanern in der hebräischen Sprache, worinn er eine große Stärke besaß, den nothigen Unterricht 58 crtheilen mußte. In der ander» Classc hingegen, lehrte der Professor und Praceptor Primarius Malsch; endlich in der ersten — die auch (flaust Lxemlorum genannt ward — der Prorector und Professor Bulyowszky, nebst dem Professor Malsch, der, neben den Arbeiten in seiner eigenen Classc, täglich 2 Stunden lang, in eben dieser Classe der Cremten, einige Jahre hindurch, mitarbcitete, um nur seinem alten Lehrer und Wohlthatcr seine Dankbarkeit wohlthätig zn beweisen. Ohngeacht der, mit Anfang des verflossenen Jahrhunderts entstandene spanische Siicccssionskrieg dem Vaterland sehr große Beschwerden und Lasten, wegen der immerwährenden Durchzüge von Freunden und Feinden, besonders in den Jahren 17 und 1704 verursachte, so blieben demohngcacht, Lehrer und deren Schüler größtenthcilS beisammen, und arbeiteten ruhig ihrem vorgestrcckten Ziel entgegen. Das Gymnasium bekam auch, während diesen Kriegsunruhcn, einen neuen Lehrer, nämlich den Kirchenrath, Stadtpfarrer und Superintendenten zn Durlach, Johann Jakob Eisenlohr. Derselbe fing im Jahr 1704 schon an, in seinem cigc- Hanse, die Theologie, Kirchengeschichte und Metaphysik den Studenten vorzutragen. Er war auch der Verfasser, des noch bei uns üblichen Katechismus oder der s. g. Kindcrlehre. Das Gymnasium würde damals auch in noch weit bessere Umstände gekommen seyn, wenn der Pro- rcctor Bulyowszky mit seinen nachdrücklichen Vorstellungen das Convictorium, oder die Kommunität wiederherzustellen, und eben so auch die Stipendiaten wieder nach dem alten Fuße zu behandeln, dergestalt hatte durchdringen können, damit dasselbe, — 59 — wie ehsdem, zu einem Seminarium für die öffentlichen Lchrgegcnstände sowohl als auch für die öffentliche Vorlesungen, erhoben worden wäre. Im Jahr 1707 drohte zwar dem Gymnasium abermals ein neues Unglück. Der französische Marschall Villars batte nämlich, nach dem Tode des großen badischen Helden, Markgrafen Ludwig, (den man insgemein nur den Prinzen Louis von Baden nannte), die Linie bei Stollhofen überstiegen, und darauf die Stadt Durlach eingenommen, auch in der untern Markgrafschaft, wie überhaupt in ganz Schwaben und Franken, große Eontributionen ausgeschrieben, so, daß Markgraf Friedrich Magnus abermals nach Basel zu fliehen, sich genöthigt sah; welchem Beispiele denn auch einige Lehrer und Schüler folgten. Doch — da der französische Marschall in der Stadt Durlach große Schonung bewiesen hatte — blieb Prorector Bulyowszky mit mehreren Lehrern auf seinem Posten, mithin hörte daselbst der Unterricht nicht ganz auf. Der Markgraf erfreute auch noch in eben diesem Jahr seine Residenzstadt wieder mit seiner Gegenwart; und so — fanden sich auch die, zum Gymnasium gehörige Personen wieder ein; ja die Anzahl der Stndirenden vermehrte sich um diese Zeit, sowohl dnrch die, von den Pädagogien dahin geschickten Landcskinder, als durch die, neu angckommencn Ausländer, sehr auffallend. All diese, sowohl Inn- als Ausländer, waren jedoch an jene Gesetze gebunden, die der Markgraf schon im Jahr 1705 entwerfen ließ. Er hatte zwar sowohl persönlich in dem Archive zu Basel selbst. Hs- fl, >) 60 als nachher auch durch ein schriftliches Decret, in den dortigen Kirchenrathsacten aufzusuchen befohlen, ob nicht die ebemalige Stiftung des fürstlichen Gymnasiums, und die, dazu gehörigen Statuten, noch in dem Archiv aufbewahrt befindlich seyen? Es fand sich aber hievon gar keine schriftliche Nachricht mehr. Eben daher ward die, im Jahr 1705 entworfene s. g. „O rdnung für das fürstli ch e Gy m n a s i u in zu Durlach," dem Fürsten itzt vorgelcgt. Die Wiedereinführung derselben kam durch die Bemühungen des damaligen Geheimenraths und Eonsistoriums- Directors, Ernst Friedrich Boch, und des Ge- heimeuraths, Heinrich Wilhelm Maler, hierauf auch wirklich zu Stande; welche Beide, so wie vorzüglich, der Marschall von Gemmingen und der Gehcimerath, Daniel Theodor Scheid, als redliche Patrioten, das Wohl des Gymnasiums zu ihrer hauptsächlichen Sorge machten. Im Juni 1 705 erhielt der Gymnasiumsvorsteher Prorector Bnlyowszky, unter Anderem den Befehl, im fürstlichen Kirchenrathe zn erscheinen, und auch dahin sämmtliche Lehrer zu bescheiden; wo Ihm alsdenndie s. g. neue Ordnung zngestellt wurde, die Er hernach allen Lehrern und Schülern kund thun mußte. So stieg nun das Gymnasium zu einem so grossen Ansehen allmählig wieder empor, daß aus Solchem sehr viele, in der Zeitfolge sich berühmt gemachten Männer hcrvortraten, die späterhin, theils auf Academien, theils in Justiz'- und Staatscollc- gien, oder in anderen wichtigen Aemtern, eine sehr glänzende Nolle spielten, wie z. V. Schmauß, Großholz, S ch ö p fl i n, Zandt, Professor zu Leipzig, die beiden Geheimeräthe Boch und Seu, bcrt, *) Hofralh Menzer, Probst Mötsch in Brandenburg, die Freiherren von Ge mm in gen, von W.a l l b r uii linder berühmte Linguist und Ma- themathiker zu Paris, Namens Zillcrt, der Kanzler Artopaus von Zell, und noch viele andere gelehrten Männer im Datcrlande. Bon dem Zustande des Gymnasiums in Durlach unterm Markgrafen Carl Wilhelm von Baden. Nachdem nun Markgraf Friedrich Magnus im Jahr 1709 das Zeitliche mit dem Ewigen verwechselt hakte, so erkundigte sich sein Erbprinz und Regicrungsnachfolgcr, Markgraf Carl Wilhcl m, sogleich um die Beschaffenheit seines Gymnasiums; wovon auch dessen damaliger Vorsteher, nämlich Prorektor Bulyowszky, seinen Bericht, ohne Vorzug, erstattete. Im Jahr 1711 waren in der ersten Klasse gegen 24 Schüler, welches zu jener Zeit eine sehr seltsame Erscheinung war. Das Gymnasium nahm auch bis ins Jahr 1715» so sehr zu, daß in den sechs Klassen allein, über zweihundert Studenten gezählt wurden. Denn, obgleich der Prorektor, Michael Bulyowszky im Jabr 1712 seine mühevolle Laufbahn zurückgelegt hatte, so arbeitete dessen Nachfolger, der Professor Johann Kaspar Malsch, der ebenfalls die Direktion des Gymnasiums mit dem Karaktcr und Rang eines Prorektors, erhielt, weil der Kirchcn- ratb und Rektor Arnold noch am Leben war — trotz aller, ihm in den Weg gelegten Hindernissen, Die Seuvcrt' fche Familie führte Van jeher zwei Schwein;' kaufe in ihrem Wappen odcrSigiüe. An m. d. Werst 62 dennoch Tag und Nacht, mit allem Eifer fort, dergestalt, daß die Primaner die lateinischen Schriftsteller wohl übersetzen und verstehen, lateinische Styl- übnngcn und Briefe ausarbeiten, und im Griechischen, nebst dem neuen Testamente, den Plutarch, Isokrates, Macarius u. s. w. fertig ins Lateinische übersetzen konnten; wie cs denn auch nichts Seltenes war, daß, wenn Eiscnlohr, der damalige Kirchenrath und Professor der Theologie, einen Rc- spondcnten anfstcllte, solcher alle Bcweißsprüche in der Grundsprache auswendig vorbrachte. Die Stelle des Prorektors Malsch ward durch den Diakon und Präzeptor zu Lörrach, Namens M. Jakob Porzelius, einem gelehrten Mann, der eine fürtresslichc Schreibart im Lateinischen, wie im Deutschen hatte, wiederbesetzt; welchem, als Professor, zugleich auch die hebräische und griechische Sprachlehre aufgctragcu ward. Er verweilte sich aber nicht lange am Gymnasium, sondern gieng, als Pfarrer, nach Brombach, und von dort aus, in seine Vaterstadt Lindau, am Bodensee, zurück. Dessen Stelle beim Gymnasium ersetzte hernach der Professor, Johann Waßmut h. Außer Diesem hatte Malsch unter den Professoren noch einige fürtresslichc Gehilfen. Denn, so gab z. B. der Diakon, Jakob Christoph Zandt, ein geborncr Durlacher, daselbst Unterricht in der Glaubenslehre; den Studenten vom Rechtsfach, erklärte der Hofgcrichtsad- vokat und Professor Schuster, ein sehr gelehrter Mann, die Anfangsgründe der Jurisprudenz, und jenen, die sich der Heilkunde widmeten, der Hofmc- dikus D. Close die Lehrsätze des Hippokratcs; der Oberdiakon Zink — welcher die Phisik und Logik lehren wollte — hatte hingegen keinen gar 63 guten Karakter, und eben deshalb dem Vorsteher sein Amt und Leben' überhaupt oft sehr verbittert. Am Ende des Jabrs 1715 erlitt das Gymnasium, nach Ankunft des Rektors Boye von Jena, welcher dem Prorektor Malsch vorgezogen ward, einen, sehr empfindlichen Stoß. Denn die erste Klasse wurde ganz eingezogen; alle Primaner hatte man — und darunter sehr Viele noch ailzufrühc —zu den öffentlichen Lehrgcgcnständen befördert, nicht minder die Besoldung dieser Klaffe zu jener des Rekrors geschlagen, und obendrein noch den Zöglingen eine allzu- frcie Lebensart gestattet. Daher kam cs denn auch, daß die Anzahl der Schüler so sehr abnahm, daß man, nach einer Jahresfrist darauf, noch eine Klasse gänzlich hätte eingehen lassen können. Endlich ward das Gymnasium zu Durlach, durch die erfolgte Verlegung der fürstlichen Residenz von da, nach Earlsruhe, noch um ein sehr Namhaftes geschwächt. Veränderter Zustand des Gymnasiums . durch die neue Residenz. Markgraf Earl Wilhelm von Baden hatte schon im Jahr 1715 den Grundstein zu einer neuen Residenz, die von Ihm Carls ruhe genannt ward, fey- erlich gelegt. Es war daher auch gleich vorauszusehen, daß, nach dem alten Sprichwort: „Lcstola ll- lustrls sogriittir aulain", das Gymnasium von Dnr- lach auch an jenen Ort, wo der Landcsfürst seinen Hofstaat, seine Kanzlei und seine Dienerschaft habe, verlegt werden würde. Der damalige Rektor Boye und mehr Andere machten zwar alle, nur mögliche Vorstellungen dagegen, und auch der Stadtrath zu Durlach bat, mit sehr wichtigen Gründen ausgerüstet, das Gymnasium 64 noch fernerhin ruhig rind ungestört, in den Mauern dieser alten Residenz-Stadt, wie bisher, zu belassen. Jndeß war das Gymnasium, ans mannichfachcn Ursachen, in einen, sehr großen Vorfall gerathen; weshalb der Markgraf sich nicht nur im Jahr 1720 einen umständlichen Vortrag darüber — wie, und auf was Art nämlich Demselben wiederanfzuhelfen sey — erstatten ließ, sondern zugleich auch im folgenden Jahre jene alten Befehle erneuerte, wornach jedes Landeskind, eh' und bevor es auf irgend eine auswärtige Universität sich begebe, drei Jahre lang, die öffentlichen Kollegien im Gymnasium besuchen, oder gegentbeils keine Dienstanstellung im Vaterland zu hoffen haben solle. Inzwischen erheischte die Nothwendigkcit, wenigstens doch dafür zn sorgen, daß die Kinder der fürstlichen Beamten und anderer Bewohner der neuen Residenz nicht ganz ohne Lehrer gelassen wurden. Eben daher ward im Jahr 1719 der Präzeptor Steinlein von Dnrlach nach Carlsrnhc, zur Errichtung einer lateinischen Klasse daselbst, versetzt; und, in einiger Zeit darauf, mußte, zufolge eines fürstlichen Befehls, auch der bisherige Prorektor und Professor zn Durlach, Namens Johann Kaspar Malsch, sich ebenfalls dahin verfügen, um das Gymnasium beginnen zu machen; welche! Anstalt anfangs: (mrolociaiium", oder Carls- Athcn, genannt ward. Prorector Malsch war Vorsteher, oder wie man sonst auch sich hierüber . auszudtückeir pflegte — Moderator oder Leiter desselben. Der damalige Kirchenrath und Oberhofpredigcr, Johann Lorenz Hölzlein, eröffnete das Gymnasium zu Carlsruhe schon am 20. Juni 1721 einst- 65 weilen mit einer deutschen Rede, wozu Er am 16. 2uni zuvor, in einem lateinischen Programm, alle Gönner und Freunde der Musen, vorzüglich aber die Bewohner von Earlsruhe sehr feycrlich eingela- den hatte; und so — war dann das Lorpus 6/m- nr»8licuiri, oder die gymnastische Lehranstalt getheilt. Zu Durlach befand sich zwar noch Rektor Boye mit sehr wenigen Zuhörern, die erste Klasse versah Professor Waßmuth; die zweite, der Präzeptor Beck; die dritte, der Präzeptor Georg Philipp Sch aal; die vierte hingegen, wurde, nachdem Präzeptor Steinlein in dieser Eigenschaft, und zugleich, als Kantor in der fürstlichen Hofkapelle, bereits abgegangen war, keineswegs wiederbesetzt. Verlegung des Gymnasiums von Durlach nach Earls ruhe. Nachdem hierauf noch drei Jahre mit vielen Vorschlägen, Vorstellungen und Berathschlagungen darüber waren zugebracht worden, ob das Gymnasium — welches nach dem Ausdrucke des Rektors Boye, seiner ersten Stiftung gemäß, ein Illustrs et ^.ea- cleiriicuin seyn solle— entweder in Durlach bleiben, oder nach Earlsruhe verlegt werden mäße? so entschied endlich der Markgraf am 12. Juni 1724, daß das Gymnasium in Durlach nunmehr aufgehoben werden solle. Der Veranlaß dazu war folgender: Bei Gelegenheit, als der Markgraf von seiner Reise nach Holland wieder in seine Staaten zurück- kchrte, nahm Er sogleich die, bei der Stadtkirche zu Earlsruhe, auf fürstliche Kosten, einst erbauten Hän- ßer — die eigentlich zu Wohnungen für die Geistlichen daselbst dienen sollten—in seinen Augenschein. 66 Er fand sie nun für weit bequemer für die Lehrer des Gymnasiums, als für die Diener der Kirche; eben daher erließ Er, auf der Stelle, den gemessenen Befehl an den Rektor Boye nach Durlach, ohne ferneren Einwand dagegen, von dort aus, nach Carlsruhe zu ziehen, und seine bisherigen Amtsverrichtungen nunmehr in der neuen Residenzstadt fort- zusetzen; die nämliche Weißung erhielt denn auch Professor Waßmuth, ebenfalls dahin seinen Wanderstab von da ans, zu ergreifen. Zn Durlach sollte dafür, in Zukunft, ein, aus zwei Klassen bestehendes Pädagogium, zum Unterricht der Jugend in den Sprachen und Vorbereitungswissenschaftcn, jedoch in Verbindung mit dem Gymnasium zu Earlsruhe, und zwar, unter der Aufsicht des Rektors desselben, verbleiben. Die Lehrer, welche damals in Durlach zurückblieben, waren nämlich: Johann Stephan Müller und Johann Michael Beck; sic Beide kamen aber in einigen Jahren darauf auch an das Gymnasium nach Earlsruhe. Rektor Boye sah itzt den Ernst des Fürsten, und wagt' es daher auch nicht, seinen Wegzug von Durlach nach Earlsruhe noch länger aufzuschieben, sondern bat nur zuvor noch um die Errheilung des Charakters und Rangs eines Kirchenraths mit Sitz und Stimme; dessen Gesuch ihm denn auch der Markgraf, ohne Anstand, bewilligte. Er kam hierauf nach Earlsruhe, schrieb eine Dissertation von der Theologie überhaupt, womit Er das Gymnasium in Earlsruhe feierlich einweihcn wollte. Er fiel aber bald in eine hitzige Krankheit, woran er denn am 16. September 1724 starb. Das Gymnasium erlitt durch den, nach König Augusts, des Zweiten, von Polen, und Kur- 67 fürsten von Sachsen Tod, im Jahr 1733 ausgebro- chciien Krieg, der sich auch an den Rhein hinzog, aufs Neue eine sehr große Veränderung. Der Markgraf begab sich mit einem Theil seines Ministeriums und der Kanzlei nach Basel; und wie das französische Kricgsheer die kaiserliche Linie bei Mühlburg — einem, nur eine kleine Stunde von Karlsruhe gelegenen Städtchen an der Alb — überstiegen hatte, so zog der damalige Prorektor Malsch mit einem Theil des Gymnasiums nach Durlach; Präzeptor Johann Christoph Dauer, begab sich hingegen auf die Pfarrei Söllingen; Präzeptor Johann Michael Brodhag, ein fürtrefflicher lateinischer Dichter, war schon zuvor als Hofdiakon in Durlach bei der, damals regirenden Frau Mark- gräfin Mag da lene Wilhelm ine angestellt, und Kirchcnrath und Rektor Bürcklin hatte bald darauf den Ruf nach Pforzheim, als Superintendent und Stadtpfarrer angenommen; mithin blieben damals nur noch zwei Lehrer übrig. Professor Wa ß- muth mußte itzt die zweite und dritte Klasse mit seiner ersten verbinden, und Präzeptor Beck die unterste besorgen. Dicß war nun, bis fetzt, die letzte, dieser Für- stcnschule nachtheilige Veränderung, die solcher die Kriegsunruhen veranlaßtcn. Nach dem, im Jahr 1736 wicderhergestellten Frieden und der, hierauf erfolgten glücklichen Rückkunft des Fürsten in seine Residenz, kam auch der, indeß zum Vorsteher des Gymnasiums erwählte Kirchenrath und Rektor Malsch mit seinen Studenten wieder nach Carlsruhe auf seinen Posten zurück, Pfarrer Dauer hingegen, ward im Jahr 1737 von Söllingen an das Gymnasium zurückberufen, und dies in, 5 * 68 der Eigenschaft eines Professors der Logik und der Geschichte, auch zugleich als Lehrer der klassischen Schriftsteller; sodann ward dem — wegen der, in späterer Zcitfolgc, nämlich in den Jahren 1764, 1767, 1769, 1770 und 177-4 in ü Bänden, in deutscher Sprache zum Druck beförderten Badischen Geschichte, sich so sehr um's Vaterland verdient gemachten, nachherigcn Kirchcnrath, Rektor und Professor des Gymnasiums — Johann Christian Sachs, die dritte Klasse, (nachdem Er bereits, das Jahr zuvor, dem Gymnasium aushilfsweise gedient hatte,) gnädigst anvertraut. Auf diese Art bestand nun das Gymnasium, außer den Studenten, wieder ans vier Klassen; Kirchcnrath Malsch bemühte sich aber, die alte Anzahl derselben auch beim Gymnasium in Carlsrnhe wie- derherzustcllen; das denn in der Folge wirklich zu Stande kam. *) An die Stelle des ehemaligen Gymnasiums in Durlach trat itzt ein Pädagogium mit einem Prorektor und zween Lehrern daselbst. Das, schon in älteren Zeiten zu Durlach erkaufte Wirthshauß zum Rappen ward, in späterer Zeitfolge, zur Aushilfe für ein Pädagogium daselbst eingerichtet; wie aber nachher dieses Hauß sehr baufällig wurde, so hatte späterhin der damalige Herr Markgraf, (nachheriger Großherzog) Carl Fried- r i ch von Baden, ein neues Pädagogium - Gebäude Die meiste Nachrichten vom ehemaliaen Gvmnastum in Dnrlach find aus des Kirchcnraths Sachs Bevträaen zur Geschichte des Hoch- fürstlichen Gvmnasti zu Carlsrnhe- von Seite 1 — von mir entlehnt. Gedrukt in groß S zu Durlach bei I. G- Müller, altern, Hochfürstlich Marggräil. Badifchcu Hof > und Kanzlei > Buchdrucker. 17L7. Unm. d. B«bf. 69 auf jenem Platze, wo das im Jahr 1744 niederge- brannte Wirthshauß zum Adler ehedem stand, ganz von Stein aufzuführen befohlen; welches hierauf auch zu Stand gekommene neue massive Gebäude in der s. g. Blnmcnvorstadt aber einst im Jahr 1784 von den damaligen Lehrern, nämlich dem Prorektor, Johann Christoph Dibold, und Präzeptor, Christoph Eberhard Sachs, bezogen werden konnte. Dies Pädagogium bestand nun, seit jener vorbe- meltcn Epoche, bis gegen die Mitte des Sommers 1822; wo es denn für immcr aufgelößt^und, an dessen Statt, die, bis jetzt, nur noch in Durlach eri, stirende s. g. Mittelschule errichtet ward. Zum Schlüsse dieser umständlichen Beschreibung von der Stiftung des Gymnasiums in Durlach, kann ich nicht umhin, seinetwegen hier noch Folgendes zu erwähnen: Eingangs erzähltermassen war die feyerliche Einweihung dieses gestifteten Gymnasiums im Jahr 1586 zu Stande gebracht; Hundert Jahre hernach (nämlich 1686) sollte eigentlich das erste Sekularfest desselben, auf eine, dem Zwecke der Stiftung dieses Gymnasiums entsprechende solenne Weise gefeycrt werden. Allein, die darzwischcn cingetrctcne traurigen Kricgsvorsälle batten — wie ich deren bereits schon oben einer kleinen Erwähnung that — leider! die Ausführung jenes, damals im Plane gelegenen frohen Ergebnisses auf einmal gänzlich vereitelt. Nur erst im zweiten Jahrhunderte (1786) ward es der Residenzstadt Carlsruhe Vorbehalten, das Jubelfest dieses Gymnasiums, ganz im Schoose des Friedens, zu begehen. Doctor Ernst Ludwig Posselt hatte dieses Jubelfest, nämlich am 21. November 1786, als dem 70 Tage vor Carl Friedrichs erfreulichem Geburtstag, in der fürstlichen Hofkapclle zu Carls- ruhe auf dem, vor den Altar gestellten Redner- stuhl, in Gegenwart des ganzen fürstlichen Hauses, und einer zahllosen Menge von Zuhörern ans allen Standen, als Lehrer der Beredsamkeit, mit einer feucrvollen öffentlichen Rede über deutscheH i- .storkographie eröffnet; die denn damals sehr großes Aufsehen und vielen Beifall nach sich zog. Die auf diese Begebenheit noch von mehreren Mn- sensöhncn verfertigten, und erst im folgenden Jahre darauf bei I. G. M ü l l e r zu D u r l a ch (im I. 1787) gedruckten Abhandlungen enthielten nämlich Folgendes: I. Einladungsschrift und Reden bei der Jubelfeier. 1) Herrn geheimen Secretär Di-. Poffelt' s ?roAramma eie Oeui^icis. 2) Herrn Hof- undRcgicrungsraths (nunmehrigen Gcheimenrarhs und Oberhofrichters in Mannheim), Freiherrn von Drais Anrede an die studirende Jugend. 3) Herrn vr. Posselt's Rede über deutsche Historiographie. II. Herrn Kirchcnraths und Rectors Sachs Beiträge zur Geschichte des Gymnasiums. III. Abhandlungen von Professoren und Lehrern. 1) Herr Kirchcnrath Tittel zu einigen neuen Theorien berühmter Philosophen. 2) Herr Hofrath Böckmann, welche Fortschritte machten Mathematik und Naturlehre in den Badischen Landen? (Diese Abhandlung ward zwar in Carls ruhe mit Macklots Schriften im Jahr 1787 gedruckt). 3) Herr Hofrath I7r. Schweickhard, über den Zustand des Wundarznei-Wesens im Badischen. 4) Herr Kirchenrath Bougins, Gedanken von den Schulen n. s. w. 5) Herr Rath Wucherer, Beitrag zur Pyrotechnik. 6) Herr vr. Walz, Betrachtung über den Menschen. Wo, und ans was für eine Art nun die nächstfolgende (nämlich im Jahr 1886 herannahendc) drcihundcrtjährige Jubelfeier der Stiftung des Durlacher Gymnasiums begangen werden wird? dieß mag die Zeit einst lehren, und ein anderer, um fene Zeit, nach Mir, noch lebender Schriftsteller zur Kunde für die Nachwelt, dann ausführlich beschreiben, — wenn schon das graue Moos mein kühles Grab umschlingt!—. Biographische Nachrichten von den ehemaligen Rectoren desDurlacher G y m- nasi u in s. Von den Rectoren des fürstlichen Gymnasiums in Durlach hatte der (langstverstorbene) badische Geschichtschreiber, Johann Christian Sachs, bereits im Jahr 1765 in einem lateinischen Programm eine kurze Nachricht an uns überliefert. Diese will ich jetzt, mit einiger Ausdehnung, dem lesenden Publicum in deutscher Sprache hier mittheilcn, jedoch unter Voraussetzung einiger Nachsicht hierin, wenn ich einstweilen nur anfänglich Bruchstücke davon liefere. 1) Martin Blanck. Ich weiß nichts weiters von ihm zu sagen, als daß Er, nach jenen, den 72 Marbach ischenBriefen angehängten chronologischen Tafeln des ehemaligen Licentiaten Fecht, und zwar nach Seite 596 der erste Vorsteher oder Rector des neuerrichteten Gymnasiums, noch vor dessen Einweihung gewesen ist. Wahrscheinlich muß aber sehr bald eine Veränderung mit ihm vor- x gegangen seyn; denn noch im Jahr 1583 kömmt 2) Lo re nz S ch y r in s, oder Scheuerte, als Recror in der Gymnasiums-Geschichte vor. Dieser war im Jahr 1558 in Ulm geboren, studirteauf dortigem Gymnasium, so wie nicht minder auf den Universitäten Tübingen und Straßburg neun Jahre hindurch. Im Jahr 1580 ward er Diakonus zu Pforzheim, meiner Vaterstadt; von dort aus berief ihn Markgraf Ernst Friedrich zu seinem Hofprediger, unter zugleicher Ernennung desselben als Rector des neuen Gymnasiums in Durlach. Er nahm aber bald darauf den erhaltenen Ruf nach Kreuznach, als Stadtpsarrcr und Superintendent daselbst an. Wahrscheinlich hatte er dort seine Umstande nicht verbessert, denn er kam 1586 von da aus, schon wieder nach Durlach zurück, und war so glücklich, nicht nur daselbst seine vorige Würden wieder zu erhalten, sondern sogar auch im I. 1589, nach dem erfolgten Absterben des dortigen Generalsuperintendenten, 1)r. Ruprecht Dürr, Mit dessen erledigten Stelle begnadigt zu werden. Markgraf Ernst Friedrich von Baden sandte denselben (1590) zu dem, von seinem Herrn Bruder, dem Markgrafen Jakob, zwischen Or. Pap- pus und M. Zehender in E m me n di n g cn an- gestellten s. g. Religions-Gespräche, wovon er ein eigenes Protokoll nachher aufgesetzt hat- te *). Einige Jahre darauf, nämlich im Jahr 1592 oder 1594 ging er aber, in der Eigenschaft eines Professors der hebräischen Sprache und Superintendenten, nach Helm st adt, allwo er im Jahr 1613 endlich mit Tod abging**). 3) Daniel Ririus oder Ririuger. Dieser mar 1561 in Straß bürg geboren, hatte nicht nur daselbst, sondern auch auf sächsischen Universitäten studirt, und dann eine Reise nach Dänncmark unternommen. 2!nf seiner Rückreise von dort über Durlach ward er im Jahr 1594, seiner ausgezeichneten Lehrart wegen, dem Markgrafen Ernst Friedrich vorzüglich angerühmt; wodurch denn dieser Fürst das, eben zu jener Zeit erledigte Rektorat demselben zu übertragen, veranlaßt ward. Ririus bekleidete nun diese Stelle von 1594 bis 1596; dann nahm er die, von seiner Vaterstadt ihm angc- botenc Lehrstelle am dortigen Gymnasium an, ward aber bald von der dasigen Universität als Professor der Logik und Metaphysik ausgenommen; späterhin (1602) erhielt er den Ruf, als Doctor und Professor der Arzneikunde, nach Basel. Seine bekannte Logik erschien 1629 zu Straßburg im Druck. Vier Jahre darauf, starb er in Basel, an einer, dort damals' grassirenden Seuche, und zwar mit seiner Gattinn zugleich, in einer und der nämlichen Stunde des Jahrs 1633. 4) Ludwig Lucius. Dessen Vaterstadt ist Basel, allwo er im Jahr 1577 das Licht der Welt erblickte. Vorzüglich widmete sich derselbe einst dein *) Hierüber kan» Luis Vettere ttcicligeselien werden in ee L t!! vrtss Tkevloxor, XVII, p. yr-». 74 Studium der orientalischen Sprachen, und versab' hernach die hebräische Professur für den berühmten Johann Burtor ff. Markgraf Ernst Friedrich nahm daher, gcle- genheitlich der Wicderbcsetzung des Rektorats, besondere Rücksicht auf ibn, und übertrug ihm deshalb auch die Oberaufsicht über die Kirchen seiner Lande. Da er jedoch den Lehrsätzen des Calvin's sehr an-> hieng, so schrieb man jene Verfolgungen, die damals viele lutherische Kirchen - und Schuldicncr erdulten mußten, größtcnthcils auch Ihm zur Last. Eben deswegen erhielt Er auch, gleich nach dem Ableben des Markgrafen Ernst Friedrich's, im Jahr 1604 von dessen Herrn Bruder und Ncgierungsnach- folger, dem Markgrafen Georg Friedrich von Baden, auf der Stelle seinen Abschied. Darauf hin ward er hingegen von den Heidelberger Theologen dem damaligen Kurfürsten von der Pfalz, seiner Talente wegen, vorzüglich empfohlen, der ihm alsdann das Konrcktorat zu Amberg in der Oberpfalz, übertrug; im Jahr 1611 kehrte aber Lucius nach Basel, seiner Vaterstadt, in der Eigenschaft eines Professors der Aristotelischen Lehre wieder zurück. Im Jahr 1619 begab er sich, ans Ersuchen des Fürsten Ludwig zu Köthen, mit Einwilligung seiner Obrigkeit nach Köthen, um nämlich das, dort gänzlich in Verfall gerathene Schulwesen allmählig wieder em- porzubringcn. Bei dieser Gelegenheit durchreisete Er Deutschland, Holland und Friesland. Mehrere, hie und dort, ihm angctragene sehr ansehnliche Stellen schlug er standhaft aus; und dies einzig nur in der redlichen, patriotisch gesinnten Ab-' sicht, um, nach seiner Rückkunft von da, seinem Berufe zu Basel, allwo er, neben seinem Professorat, — 75 — auch das Amt eines Äisitators der Schulen und Vorstehers des oberen Kollegium's bekleidete, pflicht- mäßig nachzukommen; welchem Beruf er denn, nach seiner Heimkehr vom Ausland, in der That auch mit allgemeinem und ungctheiltem Beifall, bis au sein Lebens - Ende, wirklich vorgcstanden hatte. Er starb zuletzt im Jahr 1642 seines angenehmen Umgangs, und seiner, nicht gemeinen Unterrichtungsgabe wegen, so wie auch in Hinsicht seiner ausgezeichneten Gelehrsamkeit überhaupt — von jedem Rechtschaffenen, der ihn kannte, allgemein bedauert und beweint. Er schrieb ehemals jene vielen, in der Folge auch zum Truck beförderten philologische,, historische und theologische Schriften, worunter besonders, die, nach dem Auftrag des akademischen Senats, eigends von Ihm verfaßte, Ur-wcopta ainlum, Orainruatleas 1.-U. et Oraecae, TozJoae, Ulisturl- eas et poetieae, zum Gebrauche für's Gymnasium, zu zahlen sind. 5) LI. Heinrich Mumm ins. Dieser war Rektor vom Jahr 1604 bis 1608. Daß er ein Mann von Redlichkeit, von nicht gemeinen gelehrten Kenntnissen und rechtschaffenem Lebenswandel gewesen sey, wie nicht minder eine sehr große Gewandhcit in seinem Umgang mit der Jugend, und überhaupt grosses Talent, in Hinsicht deren Bildung, ehemals zu Tage gefördert habe, dies bezeugte Demselben Or. Pappus in seinem (1S960 von Straßburg an den v. Philipp Marbach erlassenen Ersuchschrciben, den Mummius in Ansehung des, seinetwegen vom Doktor Schopper verlangten Zeugnisses, auf das Beste bei Letzterem schriftlich zu empfehlen. Weitere Nachrichten, ob Mummius zu Durlach in seinem allda bekleideten Amt gestorben, oder an einen an de. — 76 — rctt Ort einen Ruf erhalten habe? darüber könnt' ich keine sichere Nachricht irgendwo auffinden. 6) Johann Himmel. Dieser ward zu Stolpe in Pommern 1581 gebohrcn. Nachdem er zu Wittenberg, Jena und Gießen, seinen Studicnlanf vollendet hatte, so unternahm er eine Reise durch Obcr- und Niedcrsachsen, Baiern und durch die Schweiz in's Elsaß. Markgraf Georg Friedrich berief ihn, auf die erhaltene Nachricht von dessen ausgezeichneten Kenntnissen sogleich zum Rektorat nach Dnrlach. Allein, diesem Berufe stand er nur, vier Jahre lang, dort vor. Denn die Reichsstadt Spcicr hatte damals ihr Gymnasium erneut, und sich deshalb bemüht, 1612 diesen berühmten Mann, als Rektor und Professor, dabei anstellen zu machen. Sie übertrug ihm hierauf, auch das Amt eines Obcrpfarrers; worauf Er auch den theologischen Doktorgrad zu Gießen angenommen hatte. Wenige Jahre hernach, erhielt' Er den Ruf als Professor der Theologie zu Altdorf und Jena zugleich; von welch Beiden Er nun letztere Universität sich wählte. Dort lehrte Derselbe mit grossem Ruhm und Beifall, bis er 1642 endlich mit Tod abgieng. Außer seinem Dl^^uka!. und Momorialö Liblle. ist, unter seinen sehr vielen Schriften, Dessen „Istoa stuin , (oder seine „Gedanken über die Gründung eines guten Gymnasiums",) besonders merkwürdig. Nach Himmels Wegzug von Dnrlach blieb, daö Rektorat eine Zeit hindurch, dort unbesetzt. In der Folge ward zwar der, in Hinsicht, seiner großen Kenntniß in Sprachen, in der Geschichte, so wie nicht minder in der Mathematik, sehr berühmte Mat- 77 thias Bern egg er von Hallstadt, in Oestreich, hiezu in Vorschlag gebracht. Dieser hatte nämlich damals seinen Aufenthalt in Straßburg. Markgraf Georg Friedrich ließ ihm förmlich das Rektorat beim Durlachcr Gymnasium itzt antragen. Allein des Berneggcr's große Neigung und Hoffnung, einst in Straßburg glücklich leben zu können, veranlaßten ihn dazu, statt sich für die Annahme dieses ehrenvollen Rufs bereitwillig zu erklären, dem Fürsten für das, auf ihn gesetzte Zutrauen ehrerbietigst zu danken, jedoch aber Demselben zugleich, bei dieser Gelegenheit, an seiner Statt, einen anderen Mann mit dem besonderen Beifügen unterthänig zu empfehlen, daß er, in Ansehung dessen gelehrten Kenntnissen und Geschicklichkeit, sich im voraus verbürgen könnte; welchen Vorschlag sich denn der Markgraf auch wirklich gefallen ließ. Der, diesfalls vom B e r- negger diesem Fürsten empfohlene Gelehrte war nnn 7) v. Christian Matthiä; im Jahr 1584 zu Meldorf in Dithmarscn gcbohren; Er hatte ehemals auf den vornehmsten Universitäten Dentschlands- stndirt, und überall einen grossen Ruhm sich erworben. Sein Amt, als Rektor und Professor der Theologie, trat er nämlich im Jahr 1614 an, und eröffnet!! cs mit einer, mehr, als ein halbes Alphabet starken, gelehrten Abhandlung*) in lateinischer Sprache, über die Art und Weise, wie man ein Urthcil über theologische Streitigkeiten, und zwar insbesondere gegen die Jesuiten Grctser und Tauner, fällen solle? Er schrieb auch eine Logik zum Gebrau-' *) Siehe Dessen V!»sertstio äs Lsorms er juäieo donrrovsrsiLniin DisolozLoarumz inxriwu coutra ävsmtÄS vt Lüunsrnni 78 , che fürs Gymnasium; über dessen Wohl er denn mit der größten Sorgfalt und Treue, zu wachen pflegte. Man hatte nicht minder Ursache, insgeheim die sichere Vermnthnng von Ihm in sich zu nähren, daß Er seinen, für die Anfrcchthaltung der evangelischen Religion, so eifrig bemühten Fürsten, den Markgrafen Georg Friedrich von Baden, zu der, schon oben erwähnten milden Stiftung von jährlichen Eintausend Gulden für die, jeweils auf dem Gymnasium zu Durlach sich den Künsten und Wissenschaften zu widmen gesinnte Landcskinder, einst veranlaßt hatte. Als im Jahr 1618 jene, so viele Jahre hindurch, beinahe ganz Deutschland, verheerten Kriegsunruhen ihren Anfang nahmen, so bat er den Fürsten um seine Entlassung, und begab sich, nachdem er solche von Ihm erhielt, hierauf nach Altdorf, ward dann Professor der Theologie zu Soröe in Dän- nemark, und wanderte, nach sehr vielen, von seinen Feinden erduldeten Widerwärtigkeiten, endlich zu Utrecht, im Jahr 1655 in das Land der Seligen hinüber. Von seinen Schriften erwffhne ich hier nur dessen „System von der Theologie;" dessen „Geschichte von den Patriarche n," und den, so sehr beliebten „theoretisch-praktischen, h i- stori scheu, Schaupla tz," der zum drittenmal mit einer Fortsetzung im Jahr 1668 bei Elze vir in Amsterda m, im Druck erschien. 8) I). Thomas Wegclin. Dessen Vaterstadt war Augsburg, und seine Geburt fiel in das Jahr 1677. Er hatte zn Wittenberg ehemals studirt. Um sich nun nachher einstweilen nur mit Informationen durchzuschlagen, war er im Begriff 79 fetzt eine Reise nach Oesterreich zu unternehmen. Aber kaum war er auf halbem Wege dahin, als er schon der Ruf als Professor der Poesie nach Regen s bürg erhielt. Von da aus, ging er, in der Zcitfolge, mit einigen adelichcn Studenten nach Tübingen. Dort erhielt er, nach seiner Vcrtheidi- gung einer gelehrten Streitschrift, nunmehr die höchste Würde der Theologie. Von hier aus wauderte er nach Straßburg, und ward nachher dem Markgrafen Georg Friedrich besonders empfohlen. Dieser berief ihn (1611) zu dem, damals in der Stadt Pforzheim erledigten Diakonat, und nach dem (1618) erfolgten Abzug des bisherigen Rectors Matthiä von Durlach ernannte er ihn, an dessen Statt, nicht nur zum Rector des dasigen Gymnasiums, sondern zugleich auch zum Stadtpfarrer bei der dortigen Hauptkirche zn St. Stephan genannt. Jenen harten Drangsalen des Krieges, die hauptsächlich nach der, für den Markgrafen Georg Friedrich von Baden im Jahr 1622 so sehr unglücklich ausgefallenen S chla ch t bei Wim p fe n, unser Vaterland drückten, suchte nun Wegelin noch bei Zeiten zu entgehen. Er zog sich deshalb 1623 wieder nach Straß bürg zurück, war denn auch so glücklich, dort als Professor der Theologie und Vorsteher des Kirchen-Eonvents zugleich, angestellt zn werden, und starb zuletzt 1629 daselbst. Noch hat man von ihm: Oisirum cloloi-is, oder Leichengcdicht auf die Beisetzung der zweiten Gemahlinn des Markgrafen Georg Friedrichs, Namens Agathe, einer geborncn Gräfin» von Erbach, vom Jahr 1621 desgleichen die Relation in lateinischer und deutscher Sprache 80 von s. g. Colloquium oder Rcligionsgespräche zu Durlach, nämlich zwischen den Theologen des Markgrafen , Georg Friedrichs und jenen des Herzogs Franz von Lo thring cn und Vaud cm ont, des jüngsten Sohns von Herzog Carl, dem Zweiten, von Lothringen. Sonst war Wcgclin auch als ein geschickter lateinischer Dichter bekannt. 9) Conrad Meininger. Ein redlicher Mann der im Drange der grössesten Beschwerlichkeiten mit einer bewundernswürdigen Treue standhaft ausgc- balten hat. Sein Vater war der fromme und gelehrte oberländische Generalsuperintcndcnt und Pfarrer in Sulzburg, Namens Johann Meininger, dem er zn Ausgang des sechszchnten Jahrhunderts gcbohren ward. Dieser unterrichtete selbst seinen Sohn ; und wenn er durch Amtsgeschaftc daran verhindert ward, so vertrat seine gelehrte, vorzüglich in der lateinischen Sprache, so wie gleichfalls in der Kirchengcschichte wohl erfahrne Gattin, eine gcborne Beer, die Stelle eines Lehrers bei ihrem Sohne. Nicht minder genoß dieser den Unterricht in der, von dem, damals in Salzburg residirten Markgrafen Georg Friedrich daselbst neu angelegten lateinischen Schule. Nachdem Meininger seine theologischen und andere Studien auf der Universität Jena vollendet hatte, ward er, als Professor der praktischen Philosophie am Durlachcr Gymnasium ernannt. Er di- sputirte deshalb — wie dieß alle Professoren damals sich gefallen lassen mußten — als Präses cls Ibela- tione; und ward hernach, als das Rektorat (wie es scheint,) nach Wegelins Wegzug von Durlach, nicht sogleich wiederersetzt werden konnte, erst im 81 Jahr 1625 oder 1626 als Rektor, dem Gymnasium vorgestellt. Er arbeitete in den damaligen gefährlichen Kriegszcitcn, im alleinigen Vertrauen auf die Vorsehung, mit unbeschreiblicher Treue. Bei der Plünderung der Stadt Durlach durch die Kaiserlichen im Jahr 1634 verlohr Meininger den größten Thcil seines Vermögens, und mußte mit Anderen, nur das Leben zu retten, von dort nach Landau sich flüchten. Allein seine sehr große Vorliebe für sein Vaterland, brachte Denselben, nach kurzer Zeit, wieder dahin zurück, besonders, als er vernahm, daß indeß darin alle Prediger, theils gctödtct, und theils auS solchem vertrieben worden seyen. Er lehrte daher nicht ohne Lebensgefahr, sowohl in der Eigenschaft eines Rektors, als in jener eines Pfarrers, eines Superintendenten und Oberinspektors in den Kirchen und Schulen, einzig nur in Hoffnung besserer Zeiten. Er ward auch 1636 durch die Anwesenheit des römischen Königs, Ferdinand, des Dritten, in Durlach, so wie durch die daselbst von ihm erlangte Gnadenbezeugungen, (deren ich schon oben umständlich erwähnte,) sehr ausgemuntert und gleichsam wieder neu belebt. Hiezu kam noch, daß er nach dem Abzug dieses Monarchen, von dem, noch in Durlach zurückgebliebenen kaiserlichen Statthalter, Johann Eberhard von Eltz — dem Meiningers Gelehrsamkeit und dessen gefälliges Betragen im Umgang, sehr wohl gefielen — vorzüglich in Schutz genommen, ja sogar von Demselben überdies noch (1635) zum Generalsuperr'ntendenten der fürstlich - Badischen Unterlanden erklärt ward. Bei all Diesem mangelte es ihm sehr oft an Lebensmitteln für sich und die Seinigen; und im Jahr 6 82 1639 war der Mangel um so drückender für Ihn, weil, der feindlichen Kontributionen wegen, keine Besoldungen mehr ausbezahlt werden konnten; jedoch theilte er von demjenigen, was er sonst irgendwo erhielt, auch Anderen mit; ja, er hatte sogar auch ansehnliche Stellen, ihm hie und da vom Ausland angctragen, rundweg ansgcschlagcn. Die theologische Fakultät in Straßburg, allwo der Markgraf damals sich anfhielt, nahm sich seiner gar oft an; sie unterstützte Solchen, theils mit den noth- dürftigsten Lebensbedürfnissen, und theils auch mit den dringendstell Vorstellungen, in Hinsicht dessen hinreichender Unterstützung, bei diesem Fürsten selbst. Da, nach dem wcstphälischen Frieden, Markgraf Friedrich, der Fünfte, von Baden, wieder in seine Residenz zurückkehrte, so ernannte dieser den Rektor Meininger, zum Bcweiße seiner vorzüglichen Achtung für ihn, zum wirklichen Kirchenrath; welchen Ehrenposten er denn auch eben so, wie der Gcneralsupcrintendcnt Anton Heilbrunner, zur Wiederherstellung des Gymnasiums redlich verwandte. Der Markgraf versprach ihm nicht minder, in sehr huldvollen Ausdrücken, so wie durch die, an die betreffenden Verrechnungen deshalb erlassene gemessenen Befehle, seine rückständige Besoldung, nach und nach, ihm ausfolgen zu machen. Der ganz uneigennützige Meininger hatte, während der Kriegszeit, die Stipendiaten sogar auch mit dem nöthigen Weißzeug aus seinen eigenen Mitteln versehen. Dafür ward Er nachher obendrein noch, in Ansehung seiner bekleideten Gencralsuperintenden Stelle und der, damit verbundenen Besoldung von Einigen, unter dem seichten Vorwand, angefochten, als ob er diese hohe Rangwürde nicht rechtmäßig — 83 — behaupten könne, indem sie ihm ehemals nur von einem kaiserlichen Statthalter seye übertragen worden. Dieser Gegenstand ward hierauf vor die Tribüne der theologischen Fakultät in Straßburg, als der eigentlichen Schiedsrichtern: hierin, zum Gutachten ge, bracht; die denn, aus standhaften Gründen, im Jahr 1658 ganz zum Bortheil des Meiningers entschied; worauf aber Derselbe (1659) das Rektorat — dem er, über 30 Jahre hindurch, mit so viel Ruhm, und fern von allem Eigennutz, bisher vorge, standen hatte — förmlich niederlcgte. Meininger starb endlich im Jahr 1664 nachdem er, bis an sein Ende, Professor der Theologie, so wie hingegen O. Heilbrunner, Professor der hebräischen Sprache beim Gymnasium in Durlach geblieben war. 10) Matthias Lembke. Dieser zuvor als Professor der Logik und Metaphysik am Gymnasium angcstellt, hatte, der Ordnung gemäß, wornach jeder Professor disputiren mußte, eine OinputÄtLo äs lia- 1>ltu gehalten; nachher ward er Konrektor, in wel, eher Eigenschaft er dem Rektor Meininger, dessen sonstiger, viel umfassender Geschäfte wegen, so lange nämlich seine hilfreiche Hand darbot, bis ihm zuletzt noch die Direktion des Gymnasiums gänzlich übertragen ward. Aber nicht gar lang führte er sie fort; denn schon im Jahr 1668 zog er als Pfarrer und Spczialsuperintendent der Markgrafschast Hoch, bcrg, nach Langendenzlingen fort. Zuletzt ward er Pfarrer zu Wollbach; woselbst er denn auch starb. 11) Johann Gerhard Arnold. Dieser ward 1637 zu Friedberg, in der Wetterau gebohren, und anfänglich, der Kriegsunruhen wegen, nur derBar- bierstube gewidmet. Er verließ sie aber, gar bald, aus 6 * 84 unbegränzter Neigung zum Studiren; ging dcßhalb nach Spei er, war«) oder Zögling allda, und reifete (1657) mit Empfehlungsschreiben ausgerüstet, auf die Universität nach Straßburg, all- wo er von Wohlthätern dermaßen unterstützt ward, daß er dort, sechs Jahre hindurch, seine Studien fortsetzen konnte; sodann ward er, auf besondere Empfehlung des vi-. Spener, bei den jungen Gräfinnen z» Nappoldstein, als Lehrer angestcllt. Markgraf Friedrich der Sechste, berief ihn von dort aus, schon im Jahr 1665 an das Durlacher Gymnasium, als Professor der Beredsamkeit an Baier's *), und, in Hinsicht der Geschichte an Fleckhamm er's Stelle. Bald darauf aber ward er Conrector des Gymnasiums, und nachher wirklicher Rector. Dieß Amt trat er nämlich 1668 an, und zwar mit einer lateinifchcn Rede: ^u- Austl Octaviani krincipatu telici." „(lieber die glückliche Regierung des Kaisers Octavian.)" Da er nun den Ruf eines frommen und gelehrten Mannes sich erworben, und nebenbei auch einen exemplarischen Lebenswandel geführt hatte, so war dieß auch der eigentliche Veranlaß dazu, warum denn damals sehr viele Ausländer vom vornehmsten Stande zum Durlacher Gymnasium herbeiströmten. Daher ertheilte der Markgraf demselben im Jahr 1684 den Charakter und Rang eines Kirchen- und Eonsistorialraths; ließ ihn sodann in seinem Cabi- Dieser Baier ward nach dem Tode des C o n r a d Meiningers, Stadtvfarrer in Durlach/ und Assessor beim Conssssorium. Im Äadr 1670 ward er hingegen Pfarrer in Lidolsh eim bei Carls ruhe. Die Ursache dieser sonderbaren Veränderung iss unbekannt; nach wenigen Monden kan^ er von dort aus, nach Worm s. 85 riet deshalb den Eid der Treue schwören, und trug, nach dieser feierlichen Handlung, kein Bedenken mehr, auch den Unterricht, so wie die Bildung seines Erb, Prinzen selbst, dem Arnold, ohne weiters, itzt an- zilvertranen. Beim feindlichen Einfalle der Franzosen, ward unserm Arnold Alles geraubt, und er selbst-kam obendrein noch in Lebensgefahr. Die Soldaten ängstigten ihn mit dem bloßen Säbel in der Hand, und zugleich auch mit gezogenem Gewehr und dieß so lang, bis er sich endlich, noch vor dem Beginnen des Brandes, mit seinem ältesten Sohn und dem Or. Fccht, mit genauer Noth noch davon machte. Während des Brands brachte derselbe Nichts weiter mehr davon, als was er, seine Gattin«, und Kinder, nebst seiner Magd, nur im Schicbsack hatten. Er verlor daher auch seine ganze, sehr auserlesene Bibliotheke, woran er mit vieler Mühe und großem Kostenaufwand verbunden, über dreißig Iah- re hindurch, gesammelt hatte. Während seiner Flucht mit dem Licentiatcn Fecht, verweilte er sich eine Zcitlang im Wildbad und in Calw; indeß sein Schwager, der berühmte Or. Sprue r, um dessen baldige Wiedcranstellnng sich alle Mühe gab. Auch wurden dem Arnold selbst, verschiedene Rcctoratc, wie z. B. das an der Schul-- pforte, das zu Wißmar, und jenes zu Lüneburg, nacheinander angetragen. In dem Kampfe mit sich selbst, welchen Posten nämlich von diesen Dreien er sich wählen sollte, begab er sich, zur Besorgung einiger Angelegenheiten, zu seinen guken Freunden nach Stuttgart. Der damalige Minister von Kulpis, ein Mann von fürtrefflichcm Charakter, hatte schon einige 2ah« 86 re zuvor, unfern Arnold zum Vorsteher des dasi- gen Gymnasiums zu wählen, die Absicht gehabt, und nun ward — ernstlich davon gesprochen. Inzwischen that ihm aber der Magistrat zu Frankfurt am Main so ganz besonders vorthcilhaste Vorschläge, daß er zur Annahme einer Rcctorsstclle beim dortigen Gymnasium, ohne weiteres Bedenken, sich entschloß. Zu dem Ende bat er jetzt den Markgrafen um seine förmliche Entlassung; dieser — solchen, als einen sehr geschickten, und seiner Gelehrsamkeit wegen, überhaupt, so wie auch, in Hinsicht seines liebreichen Umgangs, allgemein beliebten Schulmann, ohnehin sehr werth zu schätzen, gewohnt — ertheilte demselben hieraus, und zwar, in den gnädigsten Ausdrücken, die nachgesuchtc Entlassung; und da der Geheimerath und Kirchenraths-DirectorBoch, u. andere Räthe, desArnolds dankbare Schüler waren, so ist sich keineswegs darüber zu wundern, wenn er nebenbei noch die Erlaubniß zur Beibehaltung des Charakters eines badischen Kirchenraths erhielt. Dafür trug ihm aber der Markgraf noch vorzüglich auf, alle, wegen des a l t enD u r l a ch e r G y m n asi u m s, her und da, noch vorhandene» 1l eberb leih sei von Nachrichten gehörig zu sammeln, und die Gesetze, nebst den Lchrgcgcnständen zu dem wieder neu anfznrich- tendcn Gymnasium^, nach dem damaligen Zustande, zu ordnen. Arnold schickte nun solche an diese» Markgrafen nachher auch richtig ein; er selbst aber kam nicht mehr ins Land wieder zurück, ohugcacht ihm seine vorige Stelle als Rector und Professor damals Vorbehalten blieb. Dagegen hatte er auch alle andere Dotationen ausgeschlageu, und lebte und webte zu Frankfurt in sehr großem Ansehen stehend, bis ins Jahr 1717; in welchem er denn, als ein — 87 — Greiß von 79 Jahren, in die Ewigkeit hinüber« gieng. 12) Michael Lul^owsrllv cls Dulder, seu 6/ulullülva. Dieser war von Geburt ein ungarischer Edelmann, und des Noviograder Komitats geschworncr ^s-stzssur Iroirorurius. Noch im Jahr 1736 war sein Geschlecht in Deutschland bekannt. Damals studirte seines Bruders Sohn in Jena. Er selbst mußte, als ein redlicher Protestant, bei sencn, von den Jesuiten im Jahr 1670 eingestellten scharfen Reformationen, sein Vaterland verlassen. Er wunderte daher durch Deutschland nach Straßburg. Hier legte er sich vorzüglich auf die mathematischen Wissenschaften, so wie nicht minder auf das Studium der Geschichte, und setzte seine musikalischen Hebungen dabei fort. Im Jahr 1677 machte er sich durch eine gelehrte Abhandlung bekannt, welche die Aufschrift hatte: „bchlrrien ; (Strahlen von glühender Glaßfarbe) welches Produkt er dem Pfalzgrafen Leopold Ludwig von Veldenz dcdicirte. Zwei Jahre darnach berief ihn Markgraf Friedrich Magnus von Baden, in der Eigenschaft eines Lehrers der vierten Klasse an das Gymnasium nach Durlach; bald darauf erhielt er die dritte, und 1686 ward er schon Lehrer der zweiten Klasse und kro- 1e88or Orrzuirss ssu Indieks- Daß auch Professor Bulyowszky ein Augenzeuge von der, durch die Franzosen zu Anfang Augusts 1689 verübten Niedcrbrennung der Stadt Durlach und des dasigen Gymnasiums war, dies enthalt sein, hierüber hiutcrlaffenes lateinisches Manuskript. Auch Er wandertc mit den unglückliche» Bewohnern 88 Durlachs ans, bis Ittersbach, wo jeder Derselben sich hin begab, wo es ihm gut dünkte. Bulpowszky. begab sich seinerseits ganz allein in das, zunächst von dort gelegene Wirtembergische Dörfchen Feld rcnnach, wohin er seine Gattin, nebst Kindern, mit leerer Hand und halbnackend, schon am 2. August .1689 in der Absicht — um nur einen einzi genWag cn, zuFortbringung einiger von seinen Habseligkeitcn von Durlach, irgendwo auswärts aufzutreiben — jedoch leider! zu spät, schon voransgc- schickt hatte. Bulpowszky verweilte sich nun nicht länger in diesem Dorfe Fcldrennach; denn er entschloß sich, schon folgenden Tags darauf (am 8. August,) von da aus, ganz allein, wieder nach Durlach, um deswillen zurückzukehren, theils, um dort nähere Kunde vom Schicksal dieser Stadt persönlich einzuzichcn, und andcrntheils auch nachznspähen, ob von seinen, sowohl daselbst ehemals vergrabenen, als in einem gewissen Gewölbe des Schlosses, so, wie nicht minder in seiner vorigen Wohnung heimlich verborgenen Sachen, etwa noch Einiges vom damaligen Franzosenbrand für Ihn noch übrig geblieben seye; Da Er aber von Allem Nichts mehr vorfand, so kehrte Er, noch am Abend desselben Tages, wieder zu den Scinigen nach Fcldrennach zurück; fest entschlossen, sich itzt mit seiner Familie, ohne längcrn Aufschub, von da nach Stuttgardt in Sicherheit zu begeben. Seine Abreise von Feldrennach begann daher schon am folgenden Tage darauf, nämlich am 10. August 1689. Seine Kinder setzte Er auf einen Bauern- Karren, der, wegen des damaligen Mangels an Vo>-- spannspferden, vonzwcen Bauern gezogen ward; und — so kam unser Bulpowszky an dem, sich 89 selbst, hiezu anberaumten Tage, sicher und wohlbehalten, mit den Seinigen in Stnttgardt an. Dort ward Er, theils von seinen alten vorigen Bekannten sogleich gut ausgenommen, und anderntheils genoß auch späterhin Bulyowszky — wie er dies in der Folge selbst öffentlich bekannte — von den übrigen biedern Bewohnern von Stnttgardt, wahrend seines Asyls daselbst, sehr viele Wohlthaten für sich, so wie auch zugleich für die Seinigen. *) Die, auf Bulyowszkys späterhin von Stutt- gardt erfolgte Abberufung nach Pforzheim, durch dessen Bemühung daselbst getroffene Lehranstalten sind schon oben mit seinen eigenen Worten beschrieben. Allein die beiden Städte Durlach und Pforzheim wurden aufs neue von den Franzosen überfallen, und sehr feindlich behandelt. Dieser Professor nahm daher, nach dem Tode des Rektors, Jakob Ludovici zu Ochringen, den an das dortige Gymnasium erhaltenen Ruf itzt, ohne Bedenken an. Noch haben wir ein, im Jahr 1694 im erwähnten Ochringen gedrucktes Programm von diesem gelehrten Manne, der, nach dem Verluste seiner Bibliothek und all seiner Manuskripten mit Recht von sich sagen konnte: OlNliia Iiiea inecuiN porlo; (ich trage mein ganzes Vermögen bei mir.) Die in jenem Programm von ihm zu Tage geförderte zierliche, und zugleich sehr feucrigc Schreibart dieses, nach so vielen, ehemals erduldeten widerwärtigen Drangsalen des Kriegs, noch immer sehr heiteren Mannes, zeugte darin überall von seinem ungarischen Geiste. Siede Sachs Beuträge zur Geschichte des Hochsüniiicheil G»m< »aiii zu CaclLruhe vom Jahr 1787. Seite W — IM.. — - 90 Im Jahr 1695 ward er als Professor der praktischen Philosophie und der Poesie, mit dem Prorck- toratstitel an das Gymnasium nach Stuttgardt, all- wo Er mehrere Programmen schrieb, einbcrufcn, und nach erfolgtem Nyßwicker Frieden, (1699) vom Markgraf Friedrich Magnus wieder nach Durlach zurückbcrufcn. Er unterhielt jedoch, nach Stuttgardter Nachrichten, immer noch einen vertrauten Briefwechsel mit deni dasigen Professor der Mathematik, Namens Schnckard, vom Jahr 1707 bis 1710, aus welchem seine Geschicklichkeit und redliche Gesinnungen überall hcrvorleuchtcn. Oben genannter Markgraf ernannte nachher (1706) gedachten Bulyowszkn, hinsichtlich seiner gelehrten Verdienste, wie nicht minder, wegen seiner ausgezeichneten Unterrichtungsgabe, verbunden mit einem nnermüdeten Fleiße, zum wirklichen Kirchenrath, und zwar dergestalt, daß, von itzt an, alle Schulsachen, einzig nur durch seine Hand, immerhin geleitet, und beseitigt werden mußten; und nebenbei noch bekleidete Derselbe das Rektorat beim Gymnasium, bis in das Jahr 1712, in welchem er denn auch starb; und dies mit dein ungctbeilten Nachruhm, daß er ein geschickter Theolog, Jurist, Philosoph, Mathematiker, Dichter und Musikverständigcr einst gewesen sey. Noch bei seinen Lebzeiten arbeitete unser Buly- vwszky, viele Jahre hindurch, ununterbrochen an einem, besonders merkwürdigen musikalischenInstrumente, womit er, nach dessen Vollendung, dem Markgrafen, Carl Wi lhelmvon Badenein Geschenk machte, wofür denn seine Kinder, nach dessen Tode, ein zureichendes Gnadengehalt von diesem allverehr- --ÄiM,. — 91 — ten, Künste und Wissenschaften zu schätzen gewohnten Fürsten erhielten. Bulyowszky nannte nämlich dieses eigens von ihm erfundene Instrument: ..Tastalnra ipiingoelor- nuü'ft oder fünffachesTransponi r-K lavierin einigen seiner Tugenden vorgcstellt rc. und gab in einer lateinisch und deutsch geschriebenen Abhandlung ganz umständliche Nachricht davon. Er war übrigens ein sehr grosser Verehrer deS Justus Lipsius, und gab daher im Jahr 1705 den s. g. „Lpeeulinn Dibrorurn kolilieoriiin stiisti läpsii", (des Justus Lipsius politischer Bücher - Spiegel,) zu DuUach im Druck heraus. Außer diesem, erschienen noch von Ihm: ein Traktat sts üineiistatione or^ani, lateinisch und deutjch, zu Straß-- bürg i. I. 1680; ferner: Hoste^ns (st^innasii Ca- leiistarioZraplins, Oestr: 1603. I^iiaestri b'aliistae in usnin (l^ninasii LlntAaistiaiii l6!!7. HostsAUS aiial^ticiis Orani. lat. HostsMis analpticiis (strani. tzraec. Iloste^os Ulieloricus. hisieeulnin Histori- curn; Lpeculuin kolitienni u. L in. Sein dankbarer Schüler und nachbcriger Mitarbeiter am Gymnasium, Johann Caspar Mals ch, errichtete Demselben in dem, ans ihn verfertigten Leichcngcdicht folgende Grabschrift: Istoii te tsinpus estax, vel inexsaliirabile letlinnr staipiet iiobis. ib'ruitiir ssun iiinnine kt astris ll^ai's aniinas potior; Mainas pars altera csssit, Unibrani aniinas uotzis tellns solxluxil; in ipso Verlies sei tuiniili properaus, ine vate, viator 11a ee oeulo properants leZet: Oeleeta ciniescuut Ille liia^iil ossa viri, cpio vix celebratior alter, Liv-s innvere clielvn stiilitis, seu ilieere earrnen, Vut rast Hs orlisni steseribere; prorsas ast iNiKuvni 92 Ifaetris Iiunio^fuLtiliaecine leiiax, toros atguo rotunstus Ü'inibus IDiiiizarias Rlieuanas iiiwiuis ad uiida«. 13) LI. Johann Ludwig Boye. Solcher ward zu Königsberg in Preußen — woselbst sein Vater als Buchhändler, sich berühmt gemacht hatte — im Jahr .1.633 gebvhren. Bei herangerciftem Alter stndirte Derselbe anfangs zu Rostock, dann zu Frankfurt an der Oder, (wo er den philvsopbischcn Magistcrgrad erhielt;) ferner zu Leipzig, Wittenberg; zuletzt gieng er nach Jena, wo er Lloistmor I^ons und .LdPurotim laccdtatis plidosopliieak; ward. Dort hielt er mit großem Fleiß und vielem Beifall itzt Vorlesungen, und er hätte auch — wär' Er anders als Lehrer auf Universitäten geblieben — sich allerdings einen weit grösseren Rubm erworben, und eben so auch viel mehr Stutzen gestiftet. Der Zufall machte nun, daß er durch jene Dur- lachischen Landeskinder, die damals in Jena stu- dirren, nachher in ihrem Vaterland, als ein ausgezeichneter Gelehrter, bekannt, und eben dcßhalb schon im Jahr 1714, in der Eigenschaft eines Rectors am Gymnasium, und zugleich als Professor der Philosophie im Allgemeinen, nach Dur lach berufen ward. Nicht nur war er, ein gelehrter Mann, in Hinsicht der philosophischen und mathematischen Wissenschaften, sondern auch auf dem Rednerstuhl ein sel>r geschickter Disputator; dagegen hielt er aber sehr wenig auf die Hnmauiora, oder Schulwiffcnschaften, vhngeacht er selbst der Meinung war, daß das Gymnasium, ohne einen sehr geschickten Professor der Beredsamkeit, nicht wohl bestehen kvnicke; weshalb auch, zu keinem geringen Nachtheil des Gymnasiums, sehr viele Zwiste, Parthcisucht, und sonst mancherlei unangenehme Auftritte veranlaßt worden sind. 93 Sein Leben beschloß er am 16. September 1724 als der lctztcNector inDnrlach und zugleich als der erste in Carlsrnh c. 14) Philipp Jakob B n r ck l i n. Dieser, im Jahr 1092 zu Straßburg geboren, war der Sohn eines sehr angesehenen und berühmten Handelsmanns in Dnrlach. ' Seine Eltern sahen sich aber im Jabr 1689 bei Gelegenheit des damaligen Franzosenbrandcs, von dieser alten Residenzstadt auszuwandern, und sich in der Eile nach Straßbnrg zu fluchten, gcnöthigt, all- wo sie sich denn, in der Hoffnung auf bessere Zeiten, mehrere Jahre hindurch, verweilten. Der Hinge Bürcklin kam nun in der Folge nach Dur lach, und ward einer der ersten Schüler des damaligen Präzeptors W a ld ei ß e n. Nachher waren hingegen Bulyowszky, Malsch und Stecherwald, seine Lehrer im höheren Studiengrad. In der Folgezeit studirte derselbe aus den Universitäten zu Jena, Leipzig, Wittenberg und Gießen, allwo er sehr oft disputirte. Von dort aus begab er sich alsdann 1716 nach Straßburg; von da beriefen ihn die evangelischen Kaufleutc in Lyon zu ihrem Prediger; Er ward aber von der vcrwit- tibten Frau Markgräfin August a Maria, der ehehinigcn Gemahlin des Markgrafen Friedrich Magnus, zu ihrem Hofprediger nach Angustcn- burg bei Grötzingen, und zwei Jahre darnach, znm Diakonat der Stadt Durlach berufen. Hier erhielt er vom Markgrafen Carl Wilhelm, in den gnädigsten Ausdrücken den Auftrag, sich nach Paris, als Neiseprcdigcr des Erbprinzen Friedrich, (nämlich des vormaligen Herrn Vaters unseres unver- geßli'chcn, Hochstieligen Herrn Großherzogs Carl Friedrichs von Baden), zu begeben. Diesen Erbprinzen begleitetet«: Bürcklin auch auf all dessen sonstigen Reisen durch Frankreich nach Holland und England. Ueberall kam er, bei dieser Gelegenheit, nicht nur mit den größten Gelehrten jener Zeit in eine genaue Bekanntschaft, sondern er sammelte sich nebenbei noch einen bedeutenden Schatz von den seltensten Schriften von allen Zweigen der Wissenschaft. Nach seiner Rückkunft von diesen Reisen, ward Bürcklin als Pfarrer zu Binzen, in der Herrschaft Rütteln, angcstellt, und, nach dem Absterben des Rektors Boye, ward er, an dessen Statt, (1724) als Kirchenrath und Rektor des Gymnasiums, nach Carlsrube einbcrusen. Anfangs nahm er Anstand, diesen Ehrenposten anzunehmen, indem er dadurch seinem vormaligen Lehrer, dem Prorektor Malsch, einen Vorsprung machen sollte. Allein, eben dieser legte dem Bürcklin damals, in einem sehr freundschaftlich abgcfaßtcn Briefe, sehr viele wichtigen Gründe vor Augen, warum er diesen vorthcilhaften Ruf keineswegs von sich abznlchnen suchen möchte. Er folgte nun seinem Rath, und ließ sich hernach das Emporbringen des Gymnasiums sehr sorgfältig angelegen sevn, und arbeitete dort mit großem Fleiß, bis ins Jahr 1734; in welchem er nämlich das, ihm damals angetragene, durch den Tod des Kir- chcnraths und Specials Bergmann erledigte Spe- cialat nebst der Pfarrei in Pforzheim, unter Beibehaltung des Charactcrs und Rangs eines Kirchen- raths, ohne Bedenken, angenommen hatte. Er kam aber, nachdem der Kirchenrath und Special Krüger 1741 gestorben war, schon im Jahr 1742, je« — 95 — doch als Superintendent dcr Diöcesen Karlsruhe und Durlach als Stadtpfarrer und Professor der Theologie wieder nach Carlsruhe. Sein Leben beschloß er endlich mit dem Jahre 1760 in gedachter Residenz. Er war übrigens ein ausgezeichneter Kenner in Ansehung der vaterländischen Kirchengeschichte, und ein eben so scharfsinniger und gründlicher Redner, als nur ans irgend einer Universität ein solcher jemals aufzufinden, möglich war. IS) Johann Caspar Malsch. Dieser war am 25. Dezember 1675 zu Staffort, einem badischen Marktflecken, ohnwcit dem jetzigen, damals freilich noch nicht eristirtcn Carlsruhe, geboren. In diesem Staffort stand ehemals ein fürstliches Schloß in welchem Markgraf Ernst Friedrich von Baden jene Ursachen, drucken ließ, die ihn zur Annahme der Calvinischcn Glaubenslehre veranlaßten. Eben dieser Traktat ward daher auch insgemein: „das Stafsort'sche Buch" genannt. Die Eltern des jungen Malsch waren zwar gemeine Landlcute, die ihn daher Anfangs auch dem Landleben widmeten; wogegen er aber eine gänzliche Abneigung äußerte. Der damalige Pfarrer Zandt in Staffort, der nun an ihm sehr vorzügliche Geistesgaben, so wie nicht minder dessen besonderen Hang zu den Studien aufspürte, fand sich daher bewogen, dessen Eltern zu überreden, ihn dem berühmten Rektor Arnold in Durlach, zu seiner weiteren Ausbildung zu übergeben; dessen besondere Gewogenheit für ihn, dcr junge M a l sch mit dem Gefühle dcr wärmsten Dankbarkeit, in der Folgezeit selbst auch anrühmte. 96 Anfänglich ward cr von Arnold in die unterste Klasse gesetzt; unter dessen Aufsicht hatte cr es aber dahin gebracht, das; er, während drei Jahren, schon alle sechs Klassen des Gymnasiums durchlief. In der zweiten war der nachhcrigc Prorektor Buly- owszky sein Lehrer, der seinen Schüler, wie ein Vater sein Kind, liebte. Als die Stadt Durlach 1689 im Feuer aufgieng, flüchtete er sich mit seinem Bnlyowszky nach Pforzheim, Ulm und endlich nach Stuttgardt; allwo er von ihm dem ungarischen Husaren - Obristcn, Grafen Zobor, empfohlen ward. Dieser gab ihm Husaren - Montur, und benützte ihn nachher, statt eines Sekretairs, bei sich. Malsch kehrte nun in der Folge von den Ufern der Donau, wie es dort vorwärts gegen den Feind gieng, seines ungarischen Husarenpclzcs nunmehr über- drüßig, wieder nach Stuttgardt zurück, und ward bald, durch die Empfehlung seiner guten Eigenschaften, unter die Zahl der Stipendiaten zu Tübingen auf zwei Jahre lang, im Jahr 1690 ausgenommen. Schon ein Jüngling von 16 Jahren verfertigte er damals einige sehr schöne Elegien über sein trauriges Schicksal, wodurch er schon so früh sein Vaterland zu verlassen, sich gcnöthigt fand. Wie nun seine zweijährige Stipcndiatcnzcit vorüber war, so sah er, aus Mangel an Mitteln zur Selbsterhaltung, beim kaiserlichen Fcldapothckcr zu Regensbnrg in Dienste zu treten, sich itzt gezwungen; wozu ihm jedoch seine, zu Durlach, bei müßigen Stunden, in einer dortigen Apotheke sich ehemals erworbenen pharmacevtischen Kenntnisse sehr gut zu statten kamen. Dieser Feldapotheker schickte hierauf den jungen Malsch zum kaiserlichen Regi- 97 mente Cap rara nach Sklavonien. Allein, auf die, davon erhaltene, sichere Kunde, daß dieses Regiment gegen die Türken zu marschircn, beordert sey, nahm unser Malsch so ganz in der Stille den Reißaus; gieng daun zurück nach Wien und Linz, in welch letzterer Stadt damals Kaiser Leopold von Oestreich sich aufhielt. Hier verfertigte Malsch ein lateinisches Gedicht, dem er die Aufschrift gab: „Oassicuiii , (oder: „Uebcr das Schulwesen in Deutschland.") Der Kaiser nahm es nun auf's Huldvolleste aus dessen Händen an, und versprach ihm dabei zugleich, ihn auf den Fall glücklich zn machen, wenn er anders zur Veränderung seines Glaubensbekenntnisses sich entschlicssen würde. Malsch entschuldigte sich hierauf einzig nur damit, daß er den Unterschied der Religion noch nicht genugsam einsehe, und gieng alsdann mit dem, von gedachtem Kaiser erhaltenen Gnadengeschenk von vier und zwanzig Dukaten, wieder nach Tübingen zurück. Er ward hingegen bald als Lehrer der lateinischen Schule nach Canstadt, und schon zim 19. Jahre seines Alters, als Lehrer der vierten Klasse an das Gymnasium ln Stuttgarts berufen. Im großen Hörsale daselbst hielt er am Pfingstabcnd 1697 eine Rede in lateinischen Versen cks stvnis spirltualllins („oder über die Geistcsgabcn";) wozu der damalige Prorektor Bulyowszky in einem Programm das Publikum feierlich einlud. Die damaligen Gchcimcnräthe, Johann Georg von Kulpis, und Johann Rudolph Sende rt, waren nun, nebst mehr Anderen, sehr vorzügliche Gönner des Malsch, wofür denn Dieser in vielen Gedichten seine Dankbarkeit gegen sie bezeugte. Diese verwendeten sich denn auch hauptsächlich dafür, 7 98 daß Malsch (1699) unter die Zahl der wirklichen Stipendiaten zu Tübingen ausgenommen ward; welchen Mnscnsitz er sedoch bald wieder verlassen mußte. Denn, da er ein leibeigener Untcrtban des Markgrafen Friedrich Magnus von Baden war, so sah er sich dazu verpflichtet, ans besondere Zuschriften, sich im Jahr 1699 im Daterlande wieder zu stellen; worauf die förmliche Nokation von seinem Fürsten erfolgte. Dieser berief ihn seht, als Professor der Beredsamkeit, der Geschichte und der Poesie, so wie nicht minder, als Lehrer, an das Gymnasium in Durlach. Eben diese Leibeigenschaft war auch einzig und allein daran Schuld, warum er die, späterhin (1705) vom Hessen - Darmstädtischen Kanzler Schröter, Geheimenrath Maskosky und vom Herrn von Namatsky ihm angetragene, und von ihm bereits auch angenommene Stelle eines Professors der Beredsamkeit rc. zu Giessen, sich wieder verbeten mußte. Zur Annahme dieses Nuss dahin, hatte er zwar von seinem Landcsfürsten, nach manchem Widerspruch, endlich die Erlaubniß, jedoch mit dem ausdrücklichen Vorbehalt des Rechts des Leibeigenschaft^ - Rückgriffs an Ihn, und mit dem Beisatz erhalten, daß Er, im Fall man, über kurz oder laug, seine Zurückberufung für gut fände, er alsdann sogleich wieder im Vaterland sich stellen müßte; welche Bedingung aber der Regierung, zu Darmstadt nicht gefiel, und so — mußte dann Malsch wieder an das Gymnasium nach Durlach zurückkehren, nachdem Er ein ganzes Jahr hindurch, ohne Besoldung gelebt hatte. Zu den Ursachen, die Ihn dazu vcraulaßten, den Ruf in's Ausland anzunehmcn, gehörten, thcils die Verbesserung seiner äußerlichen Umstände, und theils 99 die Vermehrung seines Einkommens, weil er, nicht nur wöchentlich viele Lehrstunden, ohne einige Belohnung dafür, besorgen, sondern auch die Schmähungen, in Hinsicht des Pietismus, dessen man ihn öffentlich, auf den Kanzeln sogar, so wie auch privativ beschuldigte — obgleich von Niemand mündlich darüber zur Rede gestellt — noch obendrein gcdultig ertragen mußte. Wahr ist es jedoch, daß er in genauer Bekanntschaft mit dem frommen Erbauer des berühmten Waiscnhaußes zu Halle in Sachsen, nämlich mit dem Professor undPrediger, Aug u stHcrmannFrancke so wie nicht minder mit dessen Tochtermann, Johann Anastasius Freplinghausen, einst gewesen ist, überdies auch einen starken Briefwechsel mit Poiret und mehr Anderen, damals berühmten Männern, unterhalten hatte. Hieraus entstand freilich ein Argwohn gegen Malsch, und dieß gab daher den Hauptveranlaß dazu, warum man Ihm hart und unanständig zu begegnen, sich alle Mühe gab. Ja, es erfrechte sich sogar ein Gewisser im Lande, — welchem Malsch einst sogar sehr viele Wohltha- tcn crwicß — mit einer Schmähschrift gegen ihn öffentlich aufzutreten, unter dem Titel: „Haemoiüa Naorekieo — Faiuttico — lAoti^tico — iVIalselliana." („des Malschcn Kczer-und schwärmerischer P i eti stcn-Klu b b. ") Diesen Aufsatz suchte nun Malsch im Konsistorium so zu entkräften, daß, auf Befehl des Markgrafen Friedrich Magnus von Baden, diese ganze Sache sogleich unterdrückt werden mußte. Wegen des feindlichen Einfalls der Franzosen, hatte Malsch mit den drei jungen Baronen von Ge in min gen — wovon der Aeltcste, Namens 100 Philipp, in der Folge Direktor des KantonS Craichgau, der zweite, nämlich Reinhard, Geheimerrath und Kamerpräsident des fürstlich - Badischen Hauses, und der dritte, Namens Casimir, hingegen, Kammergcrichts- Assessor zu Wczlar, wurden — sich itzt nach Frankfurt am Main, begeben; bei welcher Gelegenheit denn Malsch wieder in den angenehmen Umgang mit seinem alten Rektor, dem Kirchenrath Arnold, gekommen ist. Daselbst gab Er auch verschiedene Bücher, z. B.den Cornelius Nepos, und Cato's Gedichte — die er vorzüglich zum Gebrauche für die Schulen eingerichtet hatte — in öffentlichem Druck heraus. Nach seiner Rückkunft von dort, verlieb Ihm auch Markgraf Friedrich Magnus die Lcibesfrciheit, scdoch mit dem ausdrücklichen Vorbehalt, daß er, ohne besondere Erlaubniß Desselben, keineswegs in die Annahme irgend eines ausländischen Diensts sich jemals einlassen dürfe. Eben daher hatte Malsch auch viele bedeutende Stellen, die man ihm jeweils antrug, und darunter besonders das Direktorat beim Gymnasium in Göttingcn ausgcschlagen. Nach dem Tode Bulyowszkys, ward unser Malsch 1.712 Prorektor, und 1735 Kirchcnrath und Rektor des Gymnasiums; Trotz mannichfach erduldeter grosser Widerwärtigkeiten, arbeitete Solcher daselbst dennoch mit unverdrossenem Muthc, bis in das 68. Jahr seines Lebens, das nämlich am 12. Scpt. 1742 in Carlsruhe sich endigte. — In der Geschichte überhaupt, und vorzüglich in der alten, dann in den Alterthümern selbst, so, wie nicht minder in der lateinischen und griechischen Literatur, besaß Er sehr ausgcbreitctc Kenntnisse. Auch kann man mit Recht von ihm behaupten, daß er einer der größten latei- 101 Nischen Dichter in Deutschland, ja wohl gar in ganz Europa, gewesen war. Von Jbm haben wir die schönsten Gedichte, die er einst ans sehr viele bohen Häupter verfertigte. Denn so überreichte Derselbe z. B. eines davon dem römischen Könige, Josef, dem Ersten, wie nämlich solcher der Belagerung von Landau beiwohnte, und zu Linkenhcim, einem badischen Dörfchen, unweit Earlsrnhe, bei jener Gelegenheit, sich aufhielt. Ausser den mannichfachcn Gelegenheitsgedichten — wovon sehr viele, in seinem Jünglingsalter von ihm überliefert, unter dem Titel: juveniläim iiinnodldlosH zu Frankfurt am Main 1712 erschienen sind—haben wir eine Menge andrer, worunter vorzüglich seine Fabeln mit allgemeinem Beifall gekrönt wurden. Im Jahr 1719 gab er drei Thcile von seiner Rei- sebcschreibung in lateinischen Versen im Druck heraus, nachdem Er vom Markgraf Carl Wilhelm von Baden um eine Kollekte für die Stadtkirche zu Earlsrnhe zu sammeln, (gleichsam als ein beredter Cicero,) ins Ausland geschickt ward. Auf dieser seiner letzter» Reise ward nnscrm M a lsch, von Seiten der evangelischen Gesandten zu Regensburg, sehr viel Ehre bezeigt; in dem Hannövrischen hingegen erlebte Derselbe einen, ganz besonder» Auftritt. Die Bedienten des Abts Molanuszu Lockn m hielten nämlich den Malsch, nach dem Kostüm seines damaligen Reise- Habits, nur für einen, ganz gemeinen Kollektanten, und meldeten ihn auch nur, als einen solchen, bei jenem Abte damals an; weshalb er ihn daher—ohne denselben nur einmal vor sich kommen zu lassen — mit einem simpeln Gnlden itzt absertigen ließ. Malsch, von der, sonst überall 102 bekannten Großmuth und Freigebigkeit dieses Abts schon im voraus ein anderes Betragen gegen sich erwartend, verfertigte, da er sich hier von ihm chc sehr getauscht sah, sogleich im Unwillen darüber, in dem Gasthofe, worin er, als Kollektaut sich verweilte, ein sehr grosses Gedicht, und schickte es von da aus, diesem Abte nachher zu. Dieser, hiedurch äußerst beschämt, sandte hierauf eilends seine eigne Equipage in jenen Gasihof, mit einem von seinen Bedienten ab, durch den er unfern Malsch von dort aus, gcradcswcgS in die Abtciwobuuug zu sich zurück holen ließ. Kaum war nun Malsch dort angekommcn, als ihn itzt dieser Abt, nicht nur mit allen, nur erdenklichen Höflichkcitsbezcugnngcn auf einmal bewillkommte, sondern auch oben drein noch, ans das bereitwilligste von selbst zu einer allgemeinen Kollekte im ganzen Kurfürstenthnm Hannover, znm Behufe der Erbauung der evangelischen Stadtkirche zu Earlsruhc, die zweckmäßige Borkehr zu treffen, sich, ohne Anstand bei ihm ganz offen erklärte.*) Ein Engländer, Namens Eduard Cave, versprach einst Demjenigen 5 > Guineen, der die fünf Worte: Leben, Tod, Gericht, Holle, Himmel, in zwei l at ci n i s che V ers e bringen würde. Kirchenrath Malsch schrieb hierauf Folgende: Vita erlist. L8t? Lellinn. Llors? Lvllj (stmmusti. Leck quick ck u cki oin in? cküxauioii. 8 t^ x? Ooenu: Oo! u squs tl'iuinplillü. Deutsch möchte dicß ohngefähr so heißen: Siebe Sachs Lcnträac zur Geschickte des Hocksürüiicheu G»»>< nasii zu öarlsrubc oviu Jahr 1787. Seite 215 —21Ü in der Note. 103 Was ist das Leben? nichts anders, als ein beständiger Krieg; der Tod hingegen, das Ende desselben; aber was ist Das Gericht? eine Prüfung! Was aber die Hö lle? cine.Stra fe; und was ist der Himmel? der vollkommene Siegüberdie Letztere! Man bat hingegen n i e Etwas davon zur Kunde bringen können, ob Malsch auch jene Verse wirklich nach'England abgeschickt, und sich alsdann um die, dafür ausgesetzte Belohnung jemals beworben habe?! Unter seinen vielen Gedichten hat ihm das Eai-inen — welches er im Jahr 1717 bei Gelegenheit des Reformations - Jubiläums mit der Aufschrift verfertigt hatte: „Esciillt! Escläit Lcibvlou Sspücollis!^ (oder: „Es ist zusammcngestürtzt, Babylon, die Siebenhügelstadt!") — zwar sehr große Hochachtung, aber nebenbei auch sehr viele Verdrüßlichkeit ihm nachher zugezogen, weil er unter Babylon die Sicbcnhügelstadt Nom, als den bekannten Wohnsitz des Pabsts, in seinem Gedichte verschleiert hatte. Dieses Gedicht ward in der Folge an mehreren Orten nachgedruckt, unserem Malsch auch jene Feder — womit Er solches niederschrirb — zu einem besonderen Denkmal in eine große Biblio- theke Deutschlands, nachher abgcfordert. Hingegen ward dieser rechtliche Mann, erwäbnten Gedichts wegen, von einem katholischen Geistlichen, Namens Weißlingen,*) auf eine, höchst unanständige Weise angegriffen, so, daß selbst der Kardinal von Dieser gab nämlich gegen unfern Maisch eine Schmähschrift im Druck heraus, unter dem Lite! ,, F r ift V o geI, b d c r st irb !" Mals ch schrieb aber dagegen: „K e > uc s v o » vei d c H err We > ft- l i ng c r— Siebe S a ch s Bemräge zur Geschichte des Hechsurstlj, chen G»mnas>i -u Earisrnhe, vom Jahr 1737. Seite in cuier Neee. 104 Roh an, als damaliger Bischof zu Straßburg, sein Mißfallen darüber, laut zu erkcunen gab. Mehrere von Malsch'ens Gedichten besitzen wir itzt noch ungedruckt, so wie unter anderen seiner Abhandlungen, dessen Kommentar über den Propheten Daniel und übcr die OffcnbarungIohannis; dessen sich der berühmte Brücker beim englischen Bibelwcrk einst bedient hatte. Sein Amtsnachfolger war nun 16) Johann Waßmuth. Dieser ward im Dorfe Wollmar, wo sein Vater Müller war, nicht weit vom Städtchen Wetter, in Hessen, 1679 ge- bohren, woselbst er den ersten Grund in den Wissenschaften in der dortigen lateinischen Schule legte, hernach sieben Jahre hindurch, auf der Universität zu Rinteln studirte, und 1708, als Lehrer der dritten Klasse, an das Gymnasium nach Durlach berufen wurde, wo er bald die zweite, und endlich die erste Klaffe zum Unterricht erhielt. Im Jahr 1/24 gieng er mit dem Rektor Boye von Durlach nach Carlsruh, als Professor der heiligen Sprachen, und zugleich als Lehrer der ersten Klaffe. Nach dem, im Jahr 1742 erfolgten Tode des Malsch, ward er Prorektor des Gymnasiums — denn er verbat sich den Kirchenrathstitel — und starb endlich im Jahre 1750. Er besaß einst sehr vorzügliche Kenntnisse, sowohl in den hebräischen, chaldäischen und griechischen Sprachen, als auch nicht minder in der Römersprache. Eben diese sämtlichen Sprachen lehrte er ganz sür- trcfflich; wobei er sedesmal den Grundsatz beobachtete: multa, S6<1 rru'Iturn, oder: ,,Nicht viel auf einmal, aber desto öfters." Die französische und englische Sprachen erlernte 105 Er durch eigenen angestrengten Fleiß so gut, daß er auch Anderen darin Unterricht geben konnte; er übersetzte nicht weniger verschiedene Schriften aus denselben in das Deutsche; er wollte hingegen niemals von seinen Arbeiten Etwas zum Druck befördern, indem sein Wahlspruch war: „Lons vixlt, gul stene lutriit;^ oder: „Nur der hat gut gelebt, der, in stiller Einsamkeit, sich wohl verborgen hielt!" Die heilige Schrift des alten und neuen Testaments hatte Er in der Grundsprache sowohl, als in den Uebersetzungen, mit solcher Sorgfalt und Aufmerksamkeit studirt, daß kaum ein Hauptspruch war, von dem er nicht immer den Bers, doch wenigstens jenes Kapitel, in welchem er stand, jedesmal genau anzugeben wußte; denn er war gleichsam eine lebendige Konkordanz, und man verehrte ihn auch billig, als einen sehr gründlichen Philosophen, so wie nicht minder, als einen sehr pünktlichen und rechtschaffenen Tbeologen jener Zeit.*) Friede seiner Asche! Skizzirte Biographie des ehemaligen Ge- ueralsuperiutendenten/ Doktor Ruprecht Dürr in Durlach. Vom Jahr 1565 — 1589- ^^ieser ist der eigentliche Stammvater der im Großherzogthum Baden gegenwärtig noch lebenden Familie Dürr. ») Siehe Sachs Bevtrüae zur Geschichte deS Hochsiiesil. Gimmahi ;u Carlseuhe vom Iahe 1787. Seite 217 — 218. 106 Anfangs war er Doctor der Theologie zu Tübingen ; dann erst trat er in Badcn-Durlachische Dienste, und dicß, unter der Regierung des Markgrafen Carl II.; von welchem er in der Zeitfolge nachdem dieser Fürst dessen redlichen Diensteifer und Gelehrsamkeit mit klugem Scharfsinne verbunden, durch mehrere, ^hm anvcrtrauten geheimen Aufträge, zuvor hinlänglich geprüft hatte, zuletzt zum Geucral- Superintendcnten über die beiden Diöccsen, Pforzheim und Dnrlach, ernannt ward. So hatte z. B. dieser Fürst — der sich der unterdrückten Protestanten in den Niederlanden auf's Aeußerste annahm — diesen De. Ruprecht Dürr im Jahr 1567 mit einem andern, Namens Reiße nz au, als Gesandten, an den Magistrat nach Straßburg abgcschickt; wie uns der De. Jakob Andreä, die Kunde davon aufbehielt, jedoch mit dem Beifügen, daß ihm die eigentliche Ursache von seiner Sendung dabin, niemals zur Kenutuiß gekommen seye. *) De. Ruprecht Dürr hatte sich einst nicht wenig um das Gymnasium zu Durlach verdient gemacht, indem er zugleich mit dem Canz- ler A ch t sy n i t und dem Hosrath, Johann P i- storins, oder Bäcker von Nidda, ehemals die ersten Voesch läge dazu gemacht, und die Ausführung jener, so fürtrefflichcn Anstalt auf das Thätigste mit befördert hatte. Ja, der schwäbische Annalist Crusius meldet sogar von diesem De. Dürr, daß solcher im Jahr 1570 selbst zu Tübingen gewesen sey, und der philosopischen Facultät sieben Sti- *) Siehe dus Sclivcibcu deö ^uood ^.närene ür äppLiatu aä Lpizt. MarküeU. k. III. 126. — 107 — pendiaten, im Namen des Markgrafen Carl II. empfohlen habe. Im Jahr 1571 hatte obcnbemeltcr Andrea, als damaliger Probst in Tübingen, durch ein besonderes Circularschreiben vom 1. März, die fämmliche Geistlichkeit der Markgrafschaft Baden, zur Untcrschrei- bung der, von den sächsischen Theologen entworfenen sogenannten Doriuula cvnaoiclico, eingeladcn. Doctor Sulz er von Basel, der um jene Zeit nach Dnrlach kam, meldet nun, daß daselbst die Bemühung des Doctors Andrea, in HinfAt der Sammlung der Unterschriften, keinen sehr -großen Erfolg gefunden habe; nicht als ob man die Lehre für unächt gehalten, sondern, weil man besorgt hätte cs möchte dieß den Veranlaß, sowohl zur Mitverwicklung in die sächsischen Streitigkeiten abgcben, die nur noch mehrere Fehden nach sich ziehen, als auch hauptsächlich die Ausschließung des Kurfürsten von der Pfalz, vom Rci'chsfrieden, dadurch befördern, und so — gar leicht auch einen Krieg aufs Nene hcrbeiführen könnten. Bei dieser Gelegenheit, (schreibt De. Sulz er), habe er auch in Dnrlach die Lehre rein, und die Lehrer mit derselben übereinstimmend gefunden. Hiebei rühmt er zugleich des Markgrafen fromme Gesinnungen für die Religion, und dessen Sorgfalt für die Kirchen und Schulen überhaupt. In eben diesem Jahr war auch eine Synode zu Durlach, wie nicht minder in der Herrschaft Röttcln und in der Markgrafschaft Hochberg veranstaltet; welch letzterer auch Du. Sulz er damals selbst mit- bciwohnte. Da dieser die Bemühung des Du. Andrcä, als ein für die Kirchen sehr nvthwcndigcü Geschäft gc- 108 billigt hatte, so nahm er mit dem Dr. Ruprecht Dürr zu Pforzheim, «welcher nicht so furchtsam, wie andere dachte), darüber die nvthige Rücksprache, Laß er den Geistlichen sowohl, als auch den Weltlichen, den schlimmen Argwohn, wegen der I'urniula (,'oiroorcliw, zu benehmen, bedacht scyn möchte. Eben dieser I)r. Dürr hatte im Jahr 1516 mit den würtembcrgischcn Theologen, I a kob A n d rcä, Jakob Heerbrand, Theodor Schnepf, Ln- kas Oslander, Balthasar Bidembach, so wie nicht minder mit zwecn hcnnebergischcn Theologen, über eben diese Durnncka Evnoorstis; zu Maulbronn eine Prüfung angestellt. Im Jahr 1577 hielt Oe. Dürr auf einen hiezu erhaltenen fürstlichen Befehl, einen besonder,! Evn- vcnt zu Rotteln. Er ließ zu dem Ende zwcen Tage nach einander das Evncordienbuch allen Kirchendienern vorlesen, und verlangte hierauf von jedem derselben die unbedingte Unterschrift des Buchs. Die beiden damalige Spezial - Superintendenten, Dr. Jakob Grynäus und Di. Christoph Eich inger, wie nicht minder einige Prediger der oberen Lande, wurden hingegen für erklärte Anhänger des Ealvi'ns gehalten. Eben daher wollten auch die Meisten nicht so blindlings, sondern mit einem gewissen Beisatze*) sich unterschreiben. De. Dürr autwonete ihnen hierauf: daß er dieses der fürstlichen Regierung vortragen wolle; welches denn auch wirklich von ihm geschah. ritui Situcw." Stehe S ach 6 Badische Geschichte, Lpril IV. Seite 122. in der Höre sab I-Lt. L. 109 Im folgenden Jahre (1578) ward nun auf die Unterschrift, ohne Rücksichtsnahm' auf den, zuvorerwähnten Beisatz, ernstlich gedrungen. Biele gaben zwar nach, und unterschrieben ohne weiters: Andere hingegen bcharrten fest aus ihrem, einmal hicrinn gefaßten negativen Vorsatz. Letztere sowohl, alS auch die Ucbrigcn, welche noch gar nicht unterschrieben hatten, wurde» im Jahr 1579 auf's neue vor die fürstlichen Gesandten zusammen berufen. Damals legte 1). Erching er seine Superintendenten - Stelle nieder; und O. Grpnäus begab sich hingegen nach Basel. Den Geistlichen ward hierauf von fenen Gesandten zu erkennen gegeben, daß, was die Worte in ihrem Beisätze: „die geg'enth eiligen Jrrthlinier verwerfe ich", anbelange, darüber in Kurzem eine hinlängliche Erklärung, von Seite der Regierung, erfolgen werde; sie sollten daher in der wahren Religionslehre nur beharren, und so — ward itzt die sogenannte Formula Eoncordiä, oder der heilige Bund, im ganzen Land, durch allgemeine Unterschrift besiegelt. 1). Dürr ward endlich im Jahr 1580 selbst Oollaborator I'vrmustio Eoiicoistius (oder Mitarbeiter an dem heilsamen Werke der Religion sv e re ini gun g,) wie die Pforzheimcr Akten von Solchem hierüber genaue Auskunft geben. Zwei Jahre darnach, (nämlich 1582) ward eine allgemeine Kirchen- und Schul- Visitation in der oberen Markgrafschaft angcordnet; wozu die fürstliche Vormundschaft den Geheimenrach und Statthalter, Martinv. Remchingen, den Vicekanzler O. C h ri- stoph Friedrich Kirchner, den Generalsupcrin- tendenten Doctor Dürr, und den Hofpredigcr, Be- — 110 — ncdikt Ungcr zu Carlsburg, sämtlich als Commissairs, ernannt hatte. IX Dürr bewies itzt bei dieser Gelegenheit, laut und öffentlich, daß Ihn einige, mit Unrecht, des Verdachts, als ob er den Lehrsätzen der reformirtcn Kiirch' anhange, bisher beschuldigt hatten.*) Soviel man übrigens noch Nachricht hat, starb eben dieser D. D ü r r zuletzt in Dnrla ch, und zwar im Jahr 1589 als Gcneralsnperintcndcnt; worauf Lorenz Schprius, oder Schcucrlc, genannt, dessen Stelle daselbst erhielt.**) Noll) itzt lebt im Vaterlande ein, von diesen: ofterwähnten Doctor Dürr herstammender Abkömmling, und zwar, in der Person des dermaligen Herrn Pfarrers Kasi mir D ürr in G r özi n gcn, (einem, nur eine Viertelstunde von Durlach entfernten friedlichen Dorfe,) welcher nämlich von diesem ersten Stammvater, Ruprecht Dürr, angcfangcn, bis auf seine eigenen Söhne herab, eine Stammtafel fertigte, und mir unter Anderem auch, die Kunde davon mittheilte, daß jener Stamm seine Aeste oder Zweige bis nach N ü rnb erg, verbreitet habe, allwo Er selbst ehedem, noch als Thcologiä Studiosus, auch ein, vom dasigcn Rektor, Konrad Dürr, vor Zeiten gestiftetes jährliches Stipendium beziehen dürfte. *) Sicke Sachs Badische Geschichte, Tkcil 4 Seite 147 158 1S2 — 1?4, >md in denen, darunter befindlichen Noten. *') Siehe Sachs Vcvtrage zur Geschichte des Hochsürstl. Gvmnafii zu Carlsruhe vom Jahr 1787 Seite 177. 111 Kurze Lebensbeschreibung des vormaligen Badendurlachischen Leibarzts, Dr. Siegmund Close. Vom Jahr 1623 — 1702. dieser, i,n Jahr 1623 zu Breslau, iu Schlesien, gcbohrcn, ward 1651 anfangs Physikus zu Durlach, und dann, nach und nach, Leibarzt bei drei verschiedenen Markgrafen von Baden, die einst in Durlach rcsidirtcn. Am ehemaligen Gymnasium daselbst bekleidete er, mit Beifall und Würde, die Stelle eines Professors der Naturlehrc, und erklärte nebenbei noch den Studenten die Lehrsätze des Hippokrates, und zwar in dem Zeitraum von 1666 bis 1674'; und starb dort endlich im Jahr 1702. Dessen Familie blühet hingegen noch, bis itzt, und dicß einzig nur, in merkantilischer Hinsicht, bei uns im Vatcrlandc. *) Kurze Lebensbeschreibung von Johann Christian Keck, ehemaligem Ephorusdes Gymnasiums zu Durlach. Vom Jahr 1631 — 16,87. dieser, zu Straßburg — allwo sein Vater ehedem Pfarrer war—im Jahr 1631 gcbornc Keck, lernte «1 Siche Sacks Bcpträae zur Gelchichte des Hocksurstl. G»mnas. zu Karlsruhe v. I. 1787. Seite 60 in einer Note. Hier mufl >ck ziuiieich bemerken, das« die Nachkomme» dieses ehemaligen HosmcdikuS Dokior Close a» Carlsruhc dessen Namen irrig mir Klose, gegenwärtig fort, zusiihren, pflegen. Anm. d. Vers. 112 schon, als cm siebenjähriger Knabe, hebräisch ; dispu- tirte im sechszehuten Jahre scincs Alters, unter Böcklern cls 6ne;ua Ooltlea, ssu (iLinmiiica, (über die Ccltische oder de ntschcS Pracht,) reiste hernach mit seinem Lehrer nach Schweden, und beglückwünschte die Königin» Christine, wie sic im Jahr 1649 in Upsal eintraf, bei ihrer Ankunft daselbst, in einem lateinischen Gedichte, das in Stockholm gedruckt ward. Markgraf Friedrich der Fünfte von Baden, ernannte ihn Anfangs, (im Jahr 16S9) zu seinem Geheimensecrctar; späterhin zum Hofrath und Direktor, oder Ephorus des Durlacher Gymnasiums und aller lateinischen Landschulen, so wie auch der Stipendiatest. ^ Dieses Gymnasium kam durch seine vorzügliche Geschicklichkeit, so, wie durch seinen Eifer und durch sein großes Ansehen, unter der Mitwirkung des Rectors Arnold, in den höchsten Flor; das Gymnasium erlitt aber auch durch Kecks Abschied noch vor dem Brande, einen sehr heftigen Stoß. In der lateinischen Beredsamkeit und Dichtkunst ward Keck von keinem zu fener Zeit übcrtroffen. Auf des Markgrafen Friedrich V. Tod dekla- mirte Er, eine ganze Stunde lang, auswendig ein lateinisches Heldengedicht, das jedermanns ungctheil- ten Beifall erhielt, und sein I'aiie^ricus, (oder seine Lobrede) auf den Markgrafen Friedrich VI. von Baden, übcrtraf alle Beschreibung. Eben dieser kane^rlcus ist noch gedruckt in unfern Händen. Auch auf die, im Jahr 1670 erfolgte Vermählung des Markgrafen Friedrich Magnus von Baden, mit der Holstein'schen Prinzessin Auguste Marie 113 — verfertigte Hosrath Keck, ein, 3 Bögen starkes treffliches Epithalamium oder Hochzeitgcdicht. Dieser äußerst geschickte Schulmann und weltberühmte Philolog, auch nebenbei ein wohlerfahrner Jurist ward, (wie einst Kirchenrath und Rector Malsch, von ihm schrieb), dergestalt beleidigt, daß er auf einmal all' seine Aemtcr gänzlich nicdcrlegte. Als eine Hauptursache davon giebt zwar Licentiat Fecht an, daß er seine eigne Oekonomic sehr ver- nachläßigt habe, und dadurch in Schulden gerathen seye, woraus er durch den Fiskus des Gymnasiums sich habe retten wollen. Malsch hält diese Beschuldigungen nicht für hinreichend, und zeigt dagegen, daß vorzüglich einige vorgehabte Abänderungen von dem bisherigen Plane, hinsichtlich der Lehrmethode, den Keck im Jahr 1684 um seine Entlassung zu bitten, bewogen hatten. Er begab sich hernach auf seinen sogenannten. Schaichhof bei Tübingen. Markgraf Friedrich Magnus berief ihn nachher wieder zu sich, nach Durlach. Er starb endlich daselbst im Jahr 1687. Ucbrigcns ist cs sehr zu bedauern, daß seine Manuskripte verlohren gicngcn. Angesehene Männer boten, nach seinem Tode, eine große Summe Geldes für seine Gedichte. Keck hatte sie ehedem selbst durch den Präzeptor Nesch, in der Absicht, um solche zum Drucke zu befördern, abschrciben lassen. Seine Wittwe verheiratete sich in der Folge an einen Landgcistlichen im Würtcmbergischen, und so— kamen seine Poesien und andere Schriften, mithin auch seine Nachrichten vom Durlacher Gymnasium, außer Landes. Malsch bemühte sich vergeblich, sie, durch Hilfe 8 114 des würtembergischen Geheimenraths und Kirchen, raths-Directors, Scubert, — an den er eine Ele, gie pro vilistioanckn; ab iuteritu boati Xeoklr Oarininibus^ (wegen Rettung der Gedichte des seel. Keck von deren Untergang), abschickte — wieder zu erhalten. Der (längstverstorbene) Pfarrer, Jakob Gottlieb Eiscnlohr zu Thiengcn, in der Herrschaft Badenweiler, (welcher mit sehr vieler Sorgfalt, eine Kirchcngcschichte unseres Vaterlandes, noch bei seinen Lebzeiten, zusammentrug) besaß einst mehrere von dessen Gedichten. Don der Fürtrefflichkeit der Epigrammen des Keck ist jenes ein vorzüglicher Zeuge, das er auf Carl Patin von Paris, den vormals berühmten französischen Arzt, und sehr fruchtbaren Schriftsteller und Geschichtschreiber im numismatischen und alterthüm- lichen Fache, einst verfertigt hatte. Solches befindet sich nämlich in 64RODI HlVI Ibssauro Nrunisinaturn 16/2 4to folgendermaßen wörtlich eingerückt: ^torr5 tbesauros ignoti inisit in ordern ckuppiter, setorna8 expositurus opes; Viäit, et wternnrn Aeinnt iXatura katinum, I^e iorst interpres rnnneris arte ininor, <^uos seterna rnovet virtus, ue rostlte ibibruin, cknpplter binc vinckex, incle katinus erit. Keck stand unter Anderem auch im genauem Freundschaftsverkehr mit Nikolaus Heinsius, dem er bei seiner zweiten Reise nach Italien ein Gedicht zum Ehrendenkmal dieser Begebenheit in Stockholm drucken ließ. 115 Heinsius edirte solches in der Folge mit seinen I^raliponienis Lilo^tlvoruin. Jenes Gedicht erschien im Jahr 1666 zum drittenmal im Druck, und zwar bei Elzevir in Amsterdam *). Auch überreichte Keck im Jahr 1670 dem Markgrafen Friedrich Magnus ein Vermählungsgedicht, worinn er zu beweisen suchte, daß die Markgrafen von Baden allerdings von den burgu irdischen Königen herstammen! **) Lebensgeschichte des ehemaligen Kirchenraths und Hofpredigers/ Johann Fecht in Durlach. Vom Jahr 1631 — 1716. dieser berühmte Mann ward im Jahr 1631 zu Sulz bürg, (wo sein Vater ehedem Pfarrer und Superintendent der Markgrafschaft Hochberg war), geboren. Seine ersten Jugendjahre brachte derselbe, wegen des Kriegs, theils zu Basel, und theils auf der, neu angelegten Schule in Rotteln zu; dann kam er nach Durlach, und genoß dort des Unterrichts der fürtrefflichcn Männer, Meininger und deS Or. Heilbrunner; hierauf studirte solcher, sieben Jahre hindurch, zu Straßburg, Tübingen, Heidelberg, Giesen, Leipzig und Wittenberg; woselbst er mehrmals auch disputirte. Ucberall ward er, durch ») Siehe Sachs Beiträge zur Geschichte des Hochfiirstlichen G»m> nalii zu Carlsruhc vom Jahr i787 Sciie 73-80 in der Note. ") Siehe Sachs badische Geschichte, Theil I. Seite S i» der Note srid I.itt.1. 8 * 116 die gnädige Fürsorge seines Landesfürstcn, unterstützt. Fecht erhielt, nach seiner, im Jahr 1660 erfolgten, Rückkunft von Wittenberg, die Pfarrei Langende nzlingen, nnd ward auch noch im nämlichen Jahr Lizentiat der Theologie zu Gießen; im darauf folgenden hingegen Hofdiakonus und Professor der hebräischen Sprache, so wie der Mathematik, am Gymnasium zu Durla^/sodann, nach dem Absterben des Oe. Heilbrunner, sogar Hofprc- digcr, Kirchcnrath, Superintendent; und endlich Inspektor des Gymnasiums daselbst. — Bei dem Franzosenbrand des Jahrs 1689 verlor er sein ganzes Vermögen zu Durlach; seine Bibliothek allein davon ausgenommen; er flüchtete sich hierauf von da aus, mit den Scinigcn nach Calw ins Würtembergische, nnd lebte dort so lange sehr kümmerlich, bis ihn der Herzog von Mecklenburg im Jahr 1690 als Kirchenrath, Superintendent und Professor der Theologie nach Rostock berufen hatte. Markgraf Friedrich Magnus bestätigte Demselben, bei seiner Entlassung, die Würde eines badischen Kirchenraths. Er starb zuletzt im Jahr 1716. Seine vielen Schriften — nnd darunter besonders das LoIIogui- um NinrneinlillALiiso, (oder Religions-Gespräch zu Emmen bin gen,) — sind rühmlichst bekannt. Er hatte zwar auch an den berüchtigten Streitigkeiten gegen den frommen und gelehrten Doktor Spencr einigen Antheil genommen, wodurch aber freilich sein voriges Ansehen bei Vielen nicht wenig — herabsank! *) », Siebe Sachs Bcvträge zur Geschichte deS Hochsursiiichem G»m- nasii zu Cacisrulie vom Jahr 17S7. Seite 7Z—74 in der Note mit einem Sternchen bkjeichnet. < — 117 — Kurze Lebensbeschreibung des vormaligen Baden - Durlachischen Hofraths/ H M n s Georg v. Merckelbach. Vom Jahr 1643—1680. »i Jabr 17L5 gedruckt, Seite 124 . 118 gen erhalten habe, die er in der alten Landvogtei, oder in dem damals von ihm bewohnten Amthause *) zu Badenweiler, 27 Jahre hindurch, mit Ehre und allgemeinem Lob und Beifall einst bekleidete. Von dort aus, ward er späterhin — so viel ich aus dem, zwar sehr beschränkten Dienstaktenbund desselben beim Großherzoglichen Gcnerallandcöarchive zu Carlsruhe ersehen konnte — mit dem Charakter und Rang eines Hofraths an den fürstlichen Hof nach Durlach berufen; wie nämlich der, vom Markgrafen Friedrich Magnus demselben am Iten Hornung 1680 hierüber förmlich ausgestellte Bcstal- lungsbrief enthält **). Als Maasstab der damaligen Zeit, auch, rücksichtlich der Besoldungen, im Verhältnisse zu den gegenwärtigen, verdient hier bemerkt zu werden, daß Merckelbach's Jahrsgehalt firirt war: an Geld . . . 250 Gulden, — Korn ... 10 Malter, — Dinkel od. Spelz 20 — sodann, zu Haltung einer Kuh, 2 Wägen Heu; Eckerichgenuß für 2 Schweine; freie Kost bei Hof, für sich und einen Bedienten ; *> Dieses AmthauS ward nun in neueren Zeiten, zu einem fürstlichen Schlosse »mgeschaffen, das nunmehr zur Sommerszeit, bei Gelegenheit des Gebrauchs des alten Rvmcrbads in Badenmeiler, Badens jeweiligen Regenten, zu einem beguemcn Abstcigguartier dienen soll; wie solches im Jahr 1823 bei der höchsten Anwesenheit Sr. Kon. Hvh. des jetzt regierenden Großherzogs Ludwig so» Baden, zur ungctheil- te» Freude aller biedern Bewohner Badcnwciler's der erste angenehme Fall und unvergeßlich rührende Auftritt war. — Anmerk. d. Bersassers. «») Sein Dienstnachfvlger in Badenweilcr ward noch in eben diesem Jahre 168ll der Baron von Bärenfels, Herr z» Krenzach. Anm. r. Verfasse rs. '119 endlich noch eine Zulage an Geld, von 50 Gulden, und etwas Vcrhältnißmäßiges auch noch an Naturalien. Die, in der Kvrche zu Badenweiler noch gegenwärtig befindliche, von sehr feinem rothem Sandstein hübsch verfertigten 2 Grabsteine von der Familie von Merckelbach — welche der fetzige Pfarrer, Herr Gm ei in zu Badenweiler im Jahre 1782 bei dem Bau der neuen Kirche daselbst, der Raubsucht glücklich entriß, und 1799 renoviren ließ — haben uns die Kunde davon, für die Nachwelt noch aufbchaltcn, daß unser Hofrath von Merckelbach, (wie er noch Oberamtmann in Badenweiler war) mit seiner damaligen Ehegattin, Anne Marie, einer gcborn.en Freifrau von Kula, — einer Dame von den fürtrefflichsten Eigenschaften, die eitist viel Gutes stiftete — ehemals 2 Söhne, Namens Friedrich und Christoph Thomas, ehedem in der Ehe erzeugt hatte. Oboramtmann von Merckelbach überlebte nun in Badenweilcr, nicht nur seine beiden Söhne sondern, späterhin, nach deren Tode, auch noch seine zärtlich geliebte Gattin, die am 16. April 1670 im 38. Jahre ihres Alters, durch den Tod, ihm von der Seite sehr früh entrissen ward. *) ») Die beiden M c r cke l b a ch i f ch c n Grabsteine in der Kirche z» Badenweilcr befindlich/ haben folgende Aufschriften/ nämlich: Der eine davon lautet: »Hier ruhen i» Christo frei. Friedrich und C b r istovh Tho »> a s, ,/Gebriiderc/ Herrn Johann Georgvon Merckelbach/ Fürst- „lich-Markgrästich,Badischen Naths und Oberamtmanns/ und der Frau ,/A »na Maria von K » l»/ eheliche Sohne; Erster den 7tcn Sctob. »1S57 geboren/ starb den tten Nov. 16LlI; der Letzte/ de» Ziten Januar »1650 geboren/ starb den Wrcn Januar tbüvi denen Gott eine fröhliche „Auferstehung verleihe." 120 Der eigentliche Stammvater derer von Merckel- bach, die aus Aachen, in den Niederlanden, abstam- mcn, war Dietrich, der E rste von Mcrckel- bach; wie ich aus einer Stammtafel ersehen habe, welche der, (im Jahr 1823 am 2. November in Mannheim verstorbene) etlich und siebzigjährige pen- sionirte königlich bairische Negimentöquartiermeister Johann Peter Merckelbach, aus den Merckelbach'scheu Familien-Dokumenten ehedem entworfen hatte, und der auch in seinem Sigille gerade die nämlichen Insignien hatte, die ehemals der Ba- den-Durlachische Hofrath und Gesandte beim west- Psalm 103 VcrS 15 :c. (Ein Mensch ist in'seincm Leben, wie Gras, er blüht wie eine Blu' me auf dem Felde: Wen» der Wind darüber geht, so ist sie »in» mer da, und ihre Stätte kennet sie nicht mehr). Der andere Grabstein lautet hingegen: „Hier liegt die Hochedelgeborne. Frau Anna MariavonKul a, „des Hochedelgeborncn gestrengen Herrn Johann Georg v. M c r< „ckelbach, Fürstlich Badisch-Durlachischen Raths und übcramtmanns „der Herrschaft Badenwcilcr, eheliche Hausfrau, starb feel. asthier, den „löten Avril 1670, ihres Alters ZS Jahr und 4 Tag." Unten daran stand noch folgende Elegie: (Hier liegt ein' edle Frau, von Kula Stamm entsprossen der'n große Freundlichkeit das ganic Land genossen. Sie glaubte recht, und rühmt' ssch Christi nur allein, und wollt' durch sein Verdienst nur einzig feclig fe»n). Von diesen beiden Grabfchrifkeu hat mir der fetzige Herr Pfarrer Gmelin zu Badcnweiler, auf mein Ansuchen, eine Abschrift, mit dem weiteren Bemerken in einem Briefe mitgcthcilt, daß Hosrath von Merckelbach mit seiner Gattin baselbst Z Sohne, und Z Töchter — von welch' ersteren, wahrscheinlich der Erstgeborne, der mehrere Jahre hindurch, in Badenweiler sich aufhiclt, de» Namen seines Vaters, I o. Hann Georg, führte — ehedem erzeugt habe. Was aus diesem Erstgebornen in der Folge geworden, und wohin er nebst noch 2 Frä»> leins, gekommen? habe nicht ausfindig gemacht werden können. Mer- ckelbachs Gattin feve, als eine Zwöchige Kindbetterin verschieden, nachdem das Kind, ein Töchtcrlei» (das nur 1 Tag alt ward, vorher gestorben war. Da keine Nachricht davon vorhanden seve, daß M e r ck e l- bach, nach dem Tode dieser seiner ersten Gattin, sich wieder verheira- thet habe, so wäre es wahrscheinlich, daß er als Wittwer in Durlach verstorben se»e. 121 phälischen Friedens-Geschäfte, Hanns Georg v. Merckelbach,*) in seinem Wappen führte. Immerhin lebe auch das Andenken diesesHwürdi- gen Mannes mit diesen wenigen Worten in den Annalen von Dnrlach! Kurze Lebensbeschreibung von dem vormaligen Kirchenrath, Matheus Kummer zu Durlach. Vom Jahr 1645 — 1709. ^L)ieser, am 10. Dezember 1645 in der ehemaligen freien Reichsstadt Ulm gebohren, studirtc in Straßburg, wo er vorzüglich dem Studium der morgenländischen Sprachen sich gewidmet hatte. Markgraf Friedrich, der Sechstevon Baden, berief ihn, auf besondere Empfehlung des O. Erhard, (welcher den Ruf, als Hofprediger, nach Durlach erhielt,) zum Spitalprediger und Hofvika- rius dahin. Nicht lange stand es an, als er schon zum Hof- diakonus und Professor der morgcnlandischen Sprachen beim Gymnasium daselbst angestellt ward. *) In jener, in der Großherzoglichcn" Hofbi'blivthckc zu Karlsruhe befindlichen Sammln»,! der Bildnike von sämtlichen, einst beim west- Vhälischcn Friedens - Congrcß versammelt gewesenen Gesandten, ist unter Andern auch das Brustbild des Badischen Hofratbs von N! e r< ekelbach, in Kuvfer sein gestochen, vorhanden, aus Dessen martiali, scheu Gcstchlszugcn, die ein langer Knebclbart, gleich jenem eines ungarischen Husaren , schmfikt, alle Wahrscheinlichkeit hervorgcbt, daß einst M e r eke lba ch—wenn man anders seine» Ehrfurcht gebietenden, und zugleich auch klugen Scharfsinn vrrrathenden Fcncrblickcn trauen darf — den Degen, so, wie die Feder, gleich gut zu fuhren wußte! — An m. d. Ncr f. 122 Nachher nahm ihn der Markgraf als seinen Fcld- prediger mit sich in's Feld, und späterhin, nämlich im Jahr 1681 ernannte er ihn als Superintendent und Stadtpfarrer in Pforzheim. Doch auch hier war er für Durlach nicht ganz verloren, indem er jede Woche von Pforzheim hieher kommen mußte, um den Sitzungen in Kirchen - und Schulsachen beizuwohnen. Bei dem Ueberfalle Pforzheim's durch die Franzosen im Jahr 1689 sollte er, als Geißel, mitgenommen werden; allein er verschloß sich heimlich in einen Keller, in welchem er aber bei dem, von den Franzosen gestifteten Brande, da er die Kellerthüre nicht mehr öffnen konnte, beinahe umgekommen wäre, wenn nicht Vorübergehende, auf dessen Angstgeschrci, herbcigecilt wären, und die Thüre eingehauen hätten. Er lebte noch bis den 22. März 1709, wo er starb, und in der (am 18. Mai 1789 niedergebrannten,) Stadtklrche zu St. Stephan daselbst begraben wurde; dessen merkwürdiger Grabstein also lautete: (^uost jus justuingue est Vivit post läta supsrstss g ii ein 1/lniL Oveiri, ^.rgentiiia stustiosuin, Lerenissiiria stirps Lncln — Diirlaeensis Lcclesi'nsten, Oastrn LuncioiiÄtureni, Olacoinun, Istiorca knstorem, DioecesiS trüia Luperlliteustentsin, 123 8enatu8 Lecls8ia8ticu8 Iion8iiiaiiuin, Ilxor maritnrn, I.idsri Laientein, Luuscientias Meciicum, iinpi! incrspatoreni, kii 6oN8vIr>toisin Neu exirninin liainuere! » X^3tN8 Llinae Xnnv 1645. cl. 10. Lee- ^Innere in Leele8ia 35. annos A68to, genlti8^ns cnrn Vnna LeAina Xuldi-'r doncorcl^' XXXIV. annoruni rnatriinonio, novein 1ideri8, Quorum ^uatuor äennnn 8nper8tite8 re1i<^ui5 acl 6eata8 seile8 trau8lati8, (1ece88it cl. 22. Älrnt, Xnno 1709. Lenio, laboribnZ, nieriti8cjnv Gravis, ^idi ^^iLtor, et8i novi8ti, Viruin Lenin colnlsse, Lroxirnuin anESe, (iouLcientiae stncluisse. Lstorcensicjne exitio c^iincjui63 ereptuin aäver8a ^uaevis iortiter SN5tiuni886 animae tot jain perieulis ereptae Lene precare. Unten daran stand noch: Lsalm I.XVI. v. 12. 124 Wie 8111(1 in k'eiisi- mill Wu886r liornrnen, adei- 4u iiask^ .iii8 mic! erguicicet. *) Kurze Lebensbeschreibung von den Gebrüdern, Johann Burkhard und Johann Heinrich May, dem älteren. V. I. 1652—1726. 1) <^er Geschichtsforscher, Johann Burkhard May, ward zu Pforzheim, (1652) geboren. Er stndirtc zu Wittenberg unter dem berühmten Schurz- fleisch, in dessen Haus er sich sechs Jahre lang aufhiclt. Daraus ward er zu Frankfurt am Main, Informator einiger sungen Edelleute, und verdiente sich zugleich als Eorrector in einer dortigen Buchdruckc- rei, eine, nicht unbedeutende Summe Gelds. Von hier gieng er nach Gießen, bis er endlich von dem Markgrafen Friedrich Magnus, als Professor der Rhetorik und Bibliothekar, nach Durlach berufen wurde. Aber bald brach der verhccrungsvolle französische Krieg aus. Hier erfuhr May, daß Wissen.seinen Werth hat. Die französischen Feldherren, Herzoge von Maine und von Auvergne, sahen das ganz leere markgräsiiche Münzkabinet. May erzählte ihnen *) Die nähere» Lebeiisumliände, während seines Wirkungskreises i» Pforzheim fiudct der Leser in SocllS Beiträgen zur Geschichte des liochsiiriil. G»»inas. zu Carlsruhe v. I. 17S7. Seite 108 — 10) in den Noten. 125 haarklein, was alles in den Fächern desselben enthalten gewesen. Sein Lohn war, daß seine Bibliothek von der Plünderung verschont, und er selbst unter französischem Geleite nach Straßburg gebracht wurde; worauf er mehrere Reisen unternahm. Im Jahr 1692 ward er, an des bekannten Polyhistors Mohrhvf Stelle, Professor der Beredsamkeit, und Geschichte, zu Kiel. Er starb 1726 berühmt für die Nachwelt, durch mehrere Schriften voll Gelehrsamkeit *). 2) Sein Bruder, Johann Heinrich May, der Aeltcre, war am 5. Hornung 165,1 gleichfalls zu Pforzheim, geboren; studirte erst daselbst, dann zu Durlach, Wittenberg, Hamburg und Leipzig; that hierauf gelehrte Reisen, lehrte zu Leipzig, Wittenberg und Straßburg, mit Ruhme die morgenländischen Sprachen, und schrieb, während seines zweiten Aufenthalt in Wittenberg, cle vorituw Hs- liAlonis dilstiuuw uclversus stuclwo5, (oder: über die Wahrheit der christlichen Religion gegen die Juden). Der Pfalzgraf von Veldenz ernannte ihn zu seinem Hofprcdiger; er unternahm eine Reise nach Straßburg, woselbst er Professor werden sollte. Allein der Markgraf Friedrich Magnus berief ihn nach Durlach, als Pfarrer zuSt. Stephan, und Professor der hebräischen Sprache. Im Jahr 1688 hörte ihn der Landgraf von Hes- sen-Darmstadt predigen; er bat sich hierauf Ihn zum Professor der Theologie zu Gießen aus. ^ »> Siche Jöcher's Allgem. Gelehrten Lexikon, Ausgabe non 1751 Thcil 3 Seite und Sachs Vevträge zur Geschichte des Hochsürstl. Gvmnasti zu Carlsruhe vom Jahr 1787 Seite 75. in der Note, woselbst das Todesjahr des Burkhard M a », als im Jahr 1737 erfolgt, angegeben wird. 126 Der Markgraf konnte nicht umhin, den Wunsch des Landgrafen zu erfüllen. Noch kurz vor dem Brande, womit die Stadt Durlach von den Franzosen heimgcsucht ward, trat May (1688) seine Reise nach Gießen an, und cnt- gieng dadurch jenem großen Unglück, das bald daraus seine bisherigen Mitarbeiter am Gymnasium zu Durlach erreicht hatte. Im Jahr 1690 ward er als Superintendent der Marpurg-Darmstädtischen Kirchen- und Eonsistonal- Assefsor ernannt, und ftarb endlich, in dieser Eigenschaft sowohl, als auch in jener eines vormaligen Ephorus der Stipendiaten am 3. September 1719 zu Gießen. Unter seinen vielen Schriften, die seinen Namen bei den Nachkommen erhalten werden, ist uns keine merkwürdiger, als Reuchlin's Leben, worinn er sowohl aus Liebe für Pforzheim, seine Vaterstadt, als auch für Dur lach, seinen Musensitz, zur Zeit, des, ehedem daselbst noch bestandenen, berühmten Gymnasiums, Alles zusammcntrug, was von dem Ursprung und den Schicksalen dieser beiden alten ehemaligen Residenzstädte von Baden's Regenten, bei seiner vielseitigen Belesenheit, Ihm bekannt war *). *) Siebe Jöcher's Allgem. Gelehrten -Lcrikon, Tbeil Z . Seite 66 und Sachs, am angeführten Srte, Seite 74—75 in der Note mit l**) bezeichnet- — Die, im Jahr 1687 in der M ü l l c r ' sch e n Buchdruckerei zu Durlach im Druck erschienene Lebensbeschreibung Reuchlin's, (welche sehr ra r zu werden seht anfängt), war eigentlich in lateinischer Sprache geschrieben, unter dem Titel: „sto-mnia blatt desselben befand sich Reuchlin's Brustbild im Holzschnitt. Er- stcres umgab in lateinischen Worten, seinen Vor - und Zunamen, nebst seinem Pfalzgrafen. und sonstigen Ehrentiteln, die er, durch seine aus. gezeichneten Verdienste um die Wiederherstellung derLiteratur sich einst erworben hätte; unten an dessen Bildnisse selbst aber, befanden stch 127 Kurze Biographie von Johann Heinrich May, dem Jüngern. Vom Jahr 1688—1732. dieser, ein Sohn des, zuvor geschilderten Superintendenten und Professors zu Gießen, Johann Heinrich May, des Aelteren, ward am 11. März 1688 in Durlach geboren. Zum Unterschiede von seinem Vater, gleichen Ranzens, nannte man ihn, in der Folge, den Jüngeren. Er, noch ein Säugling an seiner Mutter Brust, der mit seinem Vater an dessen neuen Bestimmungsort nach Gießen von Durlach fortwandcrte, entging dadurch mit seinen Eltern, noch bei Zeiten, jenem unglücklichen Franzosenbrande, den späterhin die gute Stadt Durlach, leider! erdulten mußte. Bei herangereiftem Alter studirte May der Jüngere, zu Gießen und Altdorf; ward 1709 Prof, der griechischen und orientalischen Sprachen zu Gießen ; welches Amt sein Vater bisher, neben dem Theologischen, beibehalten hatte. Die größten Verdienste Beider liegen im Felde der orientalischen Literatur. Von ihren zahlreichen Schriften findet sich umständliche Nachricht in Strieder's Hessischen Ge- lehrtcn-Geschichte 8r Band, Seite 326—359 wie uns Samuel Bauer in seinem neuen historisch- die Insignien jenes abelichcn Wavvens, das ihm Kaiser Friedrich Hl. am 24. Oktober 1492 zu Li »z verliehen hatte. Obige lateinische Umschrisk lautete wörtlich also: „Ivtumn. Nonolrliu. Llioroeus. O. a. Lomes kalat. Lateran. Lioam- drvram legis rscitus et Laoviso Triamvir, I'rul. III. Imx. Hora, ia- signis." — AnNI. des Vert«sscrs. biographisch-literarischen Handwörterbuch die Kunde davon ausgezeichnet hat *). Unser Johann Heinrich May, der Jüngere, errichtete am 22. Mai 1732, mithin kurz vor seinem, am 13. Juni desselben Jahrs zu Gießen erfolgten Tode, ein Testament; nach dessen Inhalt er der dasigen Universität, nicht nur seine ganze philologische Bibliothek, sowohl in hebräischen, arabischen, griechischen und lateinischen Manuscripten, als in gedruckten Büchern, und seinen verschiedenen eigenen gedruckten Streitschriften und Manuscripten bestehend, sondern auch eine kleine Sammlung von alten hebräischen, punischen, griechischen und römischen Medaillen, nebst einigen Schaumünzen von jeder Gattung Metall und Gepräge, vermacht hatte; worunter 8 goldene, hundert und etlich und dreißig silberne, sodann 23 blecherne, und über 270 kupferne Münzen befindlich waren. Er verordnte ferner, daß seine hintcrlaffende Privatbibliotheke nicht mit jener der Universität vermengt, sondern in einer isolirten geräumigen Kammer des dortigen Hör- saalgeb äudes, zum öffentlichen Gebrauche, jedoch mit der ausdrücklichen Verordnung nach seinem Tode besonders abgetheilt, aufbewahrt werden solle, daß die Aufsicht als Bibliothekar darüber, nur einem ordinirten Professoren zu Gießen, der vorzüglich in der literarischen Geschichte bewandert seyn müsse, gegen ein angemessenes jährliches Honorar, zu übertragen, solchem aber hauptsächlich zur Pflicht zu machen scye, keinem der, jeweils inGießen Studi- renden ein gedrucktes Buch aus seiner Bibliotheke ») Siehe den Z. Band dessen Handwörterbuchs, Seite üso Ulm 1808 im Verlage der Stettin ' schcn Buchhandlung in Ulm. 129 zum Lesen in dessen Wohnzimmer auszuhändigen, je- dem der dasigcn Professoren hingegen, auf wenige Tage, gegen einen von solchem, hierüber auszustel- lenden, Revers, ein derartiges Buch, jedoch aber keineswegs eines, von seinen hinterlassenen Manu- scripten zu verabfolgen; indem Letztere nicht von der Stelle kommen sollen." Auf die, während meines ehemaligen Aufenthalts in Herzoglich Pfalz - Zweibrückischen Diensten, von einem gewissen Prediger daselbst (der vormals in Gießen studirt hatte) davon erhaltene sichere Kunde, daß nämlich einer von meinen Landsleuten aus dem Fache der Gelehrsamkeit, Namens May, seine nicht unbeträchtliche Privatbibliothek einst der dasigen Universität in einem förmlichen Testamente, zum öffentlichen Gebrauche der, dort Studirenden, vermacht habe, unternahm ich im September 1788 selbst ans dem Zweibrückischen eine Fußreise nach Gießen, um dort für meinen, damals schon im Plan getragenen, Entwurf einer kleinen Chronik von Pforz- h e i m*), meiner Vaterstadt, aus jener May'schen Bibliothcke vorläufig einige authentische Materialien mir zu sammeln. Bei dieser Gelegenheit — wo mir vom damaligen Univcrsitäts-Bibliothekär zu Gießen, auf wenige Läge meines Aufenthalts daselbst, der Zutritt in den Professor May'schen gewölbten isolirten Büchersaal, mit der Erlanbniß zur Fertigung mehrerer Auszüge aus den May'schen Büchern und Manuskripten freundschaftlich zugestandcn ward — er- ») Diese tzhronick erschien nachher sim Jahr 1792) hei Andr'eas Se»ler zu Memmingen, vollendet im Druck, welche in der aligem. Jenaer L i t e r a t urz e > t u n g vom Jahr 1794 Nr». W7 Sette LSI mit Beifall ausgenommen ward. 9 130 blickt' ich auf einmal—insgeheim von, zuvor nicht geahntem patriotischen Wonnegefühl, durchdrungen—das, in Oelfarb gemalte, und, nach Angabe des dortigen Bibliothekars, meinen ehemaligen Landsmann, den berühmten Doctor, J ohann Rcuchlin ans Pforzheim, vorstellende, wohlgctroffcne Brustbild, zu beiden Seiten umgeben, mit ten, gleichfalls in Oelfarb paradircndcn Brustbildern der vormaligen Professoren, Johann Heinrich May, Vater und Sohn, zu Gießen, oberhalb im May'schen Bibliotheken- Saale, zum ehrenden Denkmal Derselben, aufgestellt. Der damalige Universitäts - Bibliothekär daselbst gab mir, mit gefälliger Bereitwilligkeit, unter Anderem, den, über vorhincrwähnte May'sehe Bibliothek gefertigten Katalog, nicht nur zur Einsicht, sondern er hatte mir zugleich auch aus solchem die, hinsichtlich des May'schen Bibliothek-und Medaillen- Vermächtnisses, vorzüglich von dem Testamente selbst, darinn vorangcschickte Paragraphen 4. 5. 6. und 7. auszugsweise zu fertigen, gastfreundlich gestattet; wovon ich einigen Gebrauch für meine Leser zu machen, hier erst die längst schon gewünschte Gelegenheit fand.*) *) Die, in des Professors Jo bann Heinrich May, des Jüngeren, am 22. Mai 1722, vinstcbtlich dessen Vcrmiichtnisscs, wegen feiner liinkerlassencn Bibliothek? und Medaillen für die Universität Giene», errichtetem Testamente enthaltenen Paragraphen lauten wörtlich folgendermaßen : IV. „Leaire und Vermache ich Löbl. Universität imeinc vidliotdoo-nn ,,i?üi!oio§ioani insgesammt, bestellend in U88. Nebraiois, Lraiüois, 6rasoi5 ,,ot I-Minir, sodann in den gedrnkten Büchern, samt meinen eigenen „aävorsoiiis und geschriebenen Sachen, welche alle jufammc» i» dem „2tcn Stockwerk dieses ooeckagogwrokm Haußes (zu Gießen) in dreien „Zimmern verwahrt, etliche auch in Einschlagen eingepakt sind, alle „sowohl gebunden, alS rohe, und soll 131 Biographie des ehemaligen Badischen Hofpredigers und Professors beim Gymnasium zu Durlach/ v. Michael Förtsch. Vom Jahr 1654 — 1724. dieser war im Jahr 1654 zu Wcrtheim geboren. Seine Eltern verarmten durch den Krieg; für ihn aber hatte Gott gesorgt. Der Badcndurlachische geheime Hofrath und Kirchenraths-Direktor v. Fel ir Linsemann, kam einst in herrschaftlichen Angelegenheiten nach Wertheim, wo er den eilfjäbrigcn Förtsch mit andern Knaben vor den Thüren singen hörte, und ein so v. „ Diese meine löblr. Dnirors. vermachte Bibliothek nicht mit der „Nidliochec.-lpublioLverinischk/ sonder» besonders in das oaäitoiivM sttöv- „logicuni aus solche Art gestehet und xt^oiret werde», daß catkoäratlwo- „logloa weiter in das aussitorimn Ibeologirum eingerukt, in'selbiges in- „torstiiiurn eilte räumliche Cammer, ans Art und weise, wie es in ou- „äiwrio rbllosoxbico mit der Holtz.und niatbematische» Jnstrumenten- „Canuner gemacht worden, angelegt und daselbst meine Bücher beson« „ders verwahrt werden.e/ VI. ,, Einer ex orälns protdgzorio und Zpeoiatinr obllosopbiao, so die ,,1Ü8tori3ni littororlaiü wohl verstehet, soll die Obstcht darüber haben und „bei der Auf»,ihm ordentlich schwören, auch keinem -wLIo-o ein Buch „in das Hauk solgcn lassen, wohl aber nach ausgestelltem rovor», auf „wenig Tage einem rioidssori, jedoch kein geschriebenes, sonder» ge> „drucktes Buch; ksinthcnialen die geschriebeue nicht aus der Stelle „kommen sollen;) verabsolacn lasse». Mit diesem besonder» Liblio- „tlwoorio wird sich löbliche universstät wegen eines leidlichen 8-Iarii „abfinden; zumaien die Bibliothek nicht zu groß ist, und man als» „wenig Mühe damit habe» wird. „Eine kl ine coUoction von alten Hebräischen, Pnnischen, Griechj, „icken und lateinischen Medaille» auch etlichen Diacroatiz o« onmi motallo ,,«t waäalo, darunter der Zeit acht güldene, hundert und ctlich und „dreißig silberne, iodenn drei und zwanzig Lr-oto-li und über zweihun- „dcri und stebcnzig kupferne Münze» lverdcn ebenfalls lvblr. Universt. „tat legirct." 132 großes Wohlgefallen an ihm fand, daß er seiner Mutter, für ihn zu sorgen, versprach. Er nahm ihn auch wirklich im Jahr 1665 mit sich nach Durlach in sein Hauß. Hier studirte er auf dem Gymnasium, erhielte von dem Markgrafen anfangs ein Stipendium von 36 Gulden, welches aber, von Zeit zu Zeit, erhöht ward. In der Folge gieng er, als Stipendiat, nach Straßburg, Jena und Helmstädt, wo ihm Eonring sehr viele Wohlthatcn erzeigte. Fort sch kehrte im Jahr 1680 nach Straßburg zurück, übte sich, auf des Markgrafen Befehl, vorzüglich im Predigen, und genoß ein Stipendium von 150 Gulden. Im Jahr 1681 sollte er Prediger am Straßburger Münster werden, als es eben den Katholiken übergeben ward. Der Markgraf berief ihn dagegen zum Hofdiakonat, und ernannte ihn zum Professor der praktischen Theologie. Nachher nahm er zu Gießen den theologischen Doctorgrad an. Im Durlacher Brand verlor er seine Bibliothek, nebst einem großen Thcile seiner Habfeligkciten. Mit dem Markgrafen Friedrich Magnus zog er, als dessen Hosprediger, nach Basel, folgte hernach dem Kirchenrath Fecht, in der Eigenschaft eines Kirchenraths, und erhielt den Titel eines Abts von dem Kapitel zu Lörrach. Im Jahr 1695 gieng er, als Professor der Theologie, und zugleich als Superintendent der Stipendiaten, nach Tübingen, und von dort, wegen den Kriegszciten, als Professor der Theologie, nach Jena; woselbst er, als Primarius und Senior der Universität, auch nebenbei, als Inspektor der, dort 133 studircnden Badischen Landeskinder, endlich im Jahr 1724 mit Tod abgieng. *) — Kurze Lebensbeschreibung des Johann Jakob Eisenlohr/ vormaligen Kir- chenraths/ Stadtpfarrers und Superintendenten zu Durlach. Vom I. 1655—1736. dieser war im Jahr 1655 in der ehemaligen Reichsstadt Reutlingen geboren; in seiner Jugend zeichnete sich derselbe vorzüglich durch eine sehr schöne Stimme aus; wesihalb ihn auch Herzog Eberhard, der Dritte von Würtemberg in seine Hofkapclle nahm, und ihn dann, auf seine Kosten, das Gymnasium in Stuttgart besuchen ließ. Er studirte in der Zeitfolgc zu Tübingen, und ward von Seite der Stadt Reutlingen nachher auch zu Wittenberg in seinen Studien, unterstützt. Nach seiner Rückkehr von dort, ward er in seiner Vaterstadt zum Superintendenten und Stadtpfarrcr ernannt. In den damaligen ZciteiD der Neuerung, in welchen viele Menschen den Hungcrtodt starben,^ war er ein sehr wohlthatigcr Versorger und wahrer Vater vieler Armen; deren er täglich mehrere in seiner eigenen Wohnung zu speisen Pflegte. Im Jahr 1702 schickte Markgraf Friedrich Magnus von Baden seinen Gchcimcnrath und *) Siche Sachs Be»träge zm- Geschichte des Hochsäesil. Gvnmas, iu Earisruhc v. I. 1787. Seite 64—65 in der Anmeekung 134 Direktor des Konsistoriums, Namens B v ch, einzig in der Absicht, um ihn predigen zu hören, nach Reutlingen. Gleich darauf erhielt Eisenlohr von diesem Fürsten den Ruf nach Durlach, woselbst er, nicht nur als Lehrer beim dasigcn Gymnasium, sondern auch als Kirchenrath, Stadtpfarrer und Superintendent, gestanden, und daselbst, bis ins Jahr 1736, als ein Mann von großer Erfahrung und Unerschrockenheit in seinem geistlichen Berufe, gelebt. Er war übrigens auch der Verfasser des, noch itzt, bei uns üblichen größeren Catechismus, oder der sogenannten Kindcrlehre. Seinen Lebenslauf hat einst der sel. Kirchenrath Bürcklin den Seclcnbctrachtungen des Kirchenraths Eisenlohr beigefügt. Sein Andenken blühet, noch setzt, rühmlichst, durch seine Familie, in unserem Vaterlande. - *1 Siede Sachs Beiträge zur Geschichte des Hochlurstlichen Gum, nasii zu Carlsruhe v. I. 1737 Seite 123 i» der Note mit einem Sternchen bezeichnet. — Bermuthiich ist auch der ehemalige Sveziaisnvcrin- tendent und Stadtvfarrcr in Pforzheim; Namens C b r isto vhPet er Eisen lobe, ein Abkömmling des Eingaugserwähntcn Ja Hann Jakob Eiscnlobr; und da die Erben oes Ersteren, dessen ehemals in lDurUrcb eigenthumlich besessenes Hans im Bnrgviertei oder Nieder sogenannten Herrengajfe, am 10. Mai 176-1 an die badische baii- dcsberrschafi für die Summe bon 9LN Gulden, käuflich überlassen haben, so ist sehr walirschcinl>cl>, dass obiger Christo vH Peter Eigenlob r ehemals auch ein geistliches Amt oder Lehrstelle am dastgen Pädagogium bekleidet haben mag, noch ch' und bevor er seinen Auf nach Pforzheim erhielt. — Diese Nachricht wegen des Eifenlvbr- scheu Hausverkanss Hab' ich ans dem, beim Grostherzogl. General- Landesarchiv in Carisrube befindlichen besonderen Reocrtorium über die Verhandlungen und Privilegien der Stadt Durlach ehedem entlehnt.— Amu. d. Ner fas fers. 135 Etwas aus dem Leben des ehemaligen Ba- dendurlachischen Hofraths und Consistorial- Prasidenten, vr. Felix Linse mann in Durlach. Vom Jahr 1660 — 1682. -vtarkgraf Friedrich der Sechst e, von Baden, der großen Hang zum Lesen gut geschriebener Bücher hatte, schätzte daher auch die Gelehrten sehr hoch; die eben dcßwegcn freien Zutritt bei ihm hatten, darunter aber vorzüglich nur jene, welche die sogenannten oder die Schulwisscnschaf- ten, sich zu ihrer Hauptbeschäftigung gemacht hatten. Seine Achtung und Liebe für die Studien bcwicß er besonders durch die Beförderung der Künste und Wissenschaften in seinen Landen. Sein vorzügliches Augenmerk hierinn richtete derselbe auf den Flor seines Gymnasiums in Durlach, indem er solches durch Anstellung geschickter Lehrer dabei, so, wie nicht minder durch Stipendien, schöne Einkünfte und durch ansehnliche Bibliotheken zu vergrößern, aufs sorgfältigste bedacht war. So ließ er z. B. im Jahr 1660 — mithin kurz nach dem Antritt seiner Regierung — die berühmte Fr ei ns heim'schc Bibliothek zu Worms, zum Besten des Durlacher Gymnasiums, erkaufen und nach Durlach bringen; welchen rühmlichen Entschluß dieses Fürsten, unter anderen seiner Räthe, hauptsächlich der Hofrath und Eonsistorial-Direktor, 1). Felir Linscmann, zur Ausführung zu bringen, sich cifrigst bemühte. Hiebei ließ cs nun Linscmann nicht allein bewenden, sondern er setzte sogar das Gymnasium 136 selbst, zehn Jahre vor seinem (im Jahr 1682 erfolgten) Tode, zum Universalerben seines, nicht unbeträchtlichen Vermögens ein. Diesem zufolge erhielt das Gymnasium, außer der eigenen Bibliothcke des Hofraths Linse mann, unter andern auch den sogenannten Schaichhof zu Weit, im Schönbuch, (im königlich würtembcrgischcn Klosteramt Bebenhauscn gelegen); ans welchem der Hofrath Keck, (wie dessen schon an einem andern Ort erwähnt ward) nach seinem Abzug von Durlach privatisirte. Dieser Hof sammt Zugchörde lag einst für 6000 Gulden in der Schatzung. Da solchen das Gymnasium im Jahr 1676 verkaufen wollte, so bot der Hofrath Keck 2000 Gulden dafür, und erhielt ihn auch, mit Genehmigung des Landesherrn, in Rücksicht auf seine dem Gymnasium ehmals geleisteten guten Dienste; obschon von andern Liebhabern 500 Gulden mehr dafür geboten wurden. Keck erlegte hieran 500 Gulden baar; wegen der übrigen Summe trat er hingegen seine Mühle zu Mundingcn, in der Markgrafschaft Höchberg, sammt allen Zngehörungcn, dem Gymnasium für 1200 Gulden ab; wie nicht minder drei Morgen Weinberge im sogenannten Hetzer oder Jndcn- busch bei Durlach, um 300 Gulden. > Markgraf Friedrich Magnus verkaufte hernach (im Jahr 1687) die Mühle, sammt allen Zngehörungcn, und Rechten, im Namen des Gymnasiums, an Andreas Mickchen, den Vogt zu Mundingen um 480 Gulden, Landeswährung. *) — ») Siede Sachs Beiträge zur Geschichte des HochfnrlUichen G»m> n«s>> zu Cartsruhe Seite SS in der inir einem Sternchen bezeichneken — 137 Kurze Lebensgeschichte des ehemaligen Kirchenraths/ Dr. J yh. Adam Wild. Vom Jahr 1676—1736. dieser ward im Jahr 1676 in Durlach geboren. Seine Vorältern führten eigentlich den Namen: „Ouilllei^ und kamen 1725 von Paris nach Durlach ; woselbst sic nachher den deutschen Namen: „Wild" angenommen hatten. Vor dem Brande des Jahrs 1689 studirte Wild auf dem Gymnasium in Durlach; späterhin aber in den benachbarten würtcmbergischen Klöstern; dann zu Straßburg und Basel. Von dort aus schickte ihn Markgraf Friedrich Magnus nach Rostock zum Liceutiaten Johann Fecht. Nach seiner, im Jahr 1702 erfolgten Rückkunft ward er zum Abendpredigcr in Durlach, und zugleich auch, als Professor am dasigcn Gymnasium, ernannt. Späterhin nahm er die, ihm eingetragene Stelle eines Doktors der Theologie zu Altdorf an; sodann erhielt er den Ruf als Archidiakonus nach Pforzheim; ward aber bald als Superintendent der Diö- ccs Rotteln und als Pfarrer nach Lörrach; von da in gleicher Eigenschaft nach Pforzheim, und in zwei Jahren darauf, nach Lahr ins Breisgau, berufen. Damals ertheilte ihm der Fürst den Charakter und Rang eines Kirchenraths. Er starb endlich im Jahr 1736. Not«; desgleichen Sachs Badische Geschichte, Thcil 4 Seite ddi-s-üi. §. LAI. und evcn dascldsi, Lheil 5. Seite 17 in der Note lai. X 138 Seine Familie blühet noch itzt,, im Seegcn bei uns im Vaterland! *) — Kurze Lebensbeschreibung von Jakob Christoph Zandt. Vom Jahr 1678—1748. -dieser war im Jahr 1678 zu Durlach geboren. Er studirtc daselbst noch vor dem Franzosenbrand des Jahrs 1689. Er kam in der Folge nach Hamburg und Altona; und von letzterem Ort kehrte er wieder nach Dnr- lach zurück; dann wandcrtc er nach Straßburg, Tübingen, Rostock, Jena und Gießen. Nachher bekam er den Ruf zu einer Reise nach Coppenhagen, um dort die Söhne des königlichen Leibarzts zu unterrichten. Unterwegs besuchte er zu Altona seinen Schwager, den Kirchcnrath und Stadtpfarrcr Hoyer. Dieser starb aber kurz nach seiner Ankunft bei ihm, er versah daher dessen Dienst, welchen der König sammt *) Siebe Sachs Bemräae zur Geschickte des Hochfnrftl. Gumnasii zu Carlsrnlie vom Zähe 1787. Seite 120—121 i» der, mit einem Sternchen bezeichneten Note. — Bei Gelegenheit der, am t. Mai 1718 erfolgten Ei » w c I h u n g des PsvrzheiNIcr W a i s e n h a u s e s, hielt er in Gegenwart dessen erhabene» guimntliiaen Stifters, des Markgrafen Carl Wilhelm, von Baden, in der Stadkkirche zu St. Stcvlian genannt, in Pforzheim eine, aus dielen Vorgang gerichtete zweckmänige Predigt, »nd den folgenden Tag darauf, der Arckidiakonus Bergmann eine lateinische Rede, wozu der Doctor und Spezialsuverinten- dcnt Adam Wild, das Programm« schrieb. — Siehe Sachs Badische Geschichte, Theil L Seite lIL in der Note rub l-it. d, — — 139 — der Besoldung, die darauf ruhte, der Hoyer'schen Wittwc aus Gnaden gelassen hatte, ein ganzes Jahr hindurch. Um jene Zeit machte der Fürstlich Badische Leibarzt O. .El ose, von Dnrlach aus, eine Reise zu den berühmtesten Aerzten in Ober- und Niedersachsen. Uebcrall, wo er nur hinkam, machte man ihm die vortheilhaftesten Schilderungen von dem Kandidaten Zandt. Er säumte daher auch nicht, seinem Fürsten, dem Markgrafen Friedrich Magnus, hievon Nachricht zu geben. Dieser, vergnügt hierüber, berief ihn sogleich zu sich; Zandt erschien hierauf, predigte in des Markgrafen Gegenwart, und erhielt auf der Stelle die gnädigste Zusicherung zu seiner Anstellung bei der ersten Gelegenheit, entweder selbst am Hofe, oder in der Stadt. Zandt ging indeß wieder nach Rostock zurück; er bekam aber bald darauf die traurige Nachricht von dem erfolgten Tode seines Fürsten, mit.dem Beifügen, daß seine Predigt die letzte gewesen scye, welcher der Fürst beigcwohnt habe. Dessen Wittwe, A u g u sta M a ria, berief hierauf unfern Zandt zu ihrem Hofkaplan. Dieser erschien nun im Jahr ',712; als in welchem er sein Amt antrat; und erhielte zugleich den Auftrag, die Theologie als Professor beim Gymnasium in Durlach zu lehren. Allein das Betragen des Archidia- konus Zink, veranlaßte ihn, im Jahr 1715 zur Annahme der Pfarrei Bla n sin g en ; von da kam er nach Jbringen, wo die evangelischen Offi- ciers, und darunter vorzüglich der General Muff- — 140 — liiig zu Breisach sehr große Achtung und Liebe für ihn bezeigten. Zandt starb endlich im Jahr 1748 als Stadtpfarrer zu Schopfhel in und Superintendent der Landgrafschaft Sau sse n berg. Er hatte bei seinen Lebzeiten viele Dissertationen gehalten; auch ward ihm bei seinem ehemaligen Aufenthalt auf Universstäten, in Hinsicht der Theologie, der Doktorgrad ertheilt.*) Seine Familie blühet noch, bis jetzt, im Segen bei uns in Earls ruhe! Kurze Lebensbeschreibung einer alten Matrone zu Durlach. Dom Jahr 1688 — 1789. Unter dem weiblichen Geschlechte zu Durlach zeichnete sich an Thatigkeit, so wie nicht minder, an dauerhafter Gesundheit, die Witlwe, Anne Marie Margarethe Dell, eine geborne Arheir, sehr vorzüglich aus. Sie ward, laut Kirchenbuchs, am 28. September 1688 zu Grözingen, einem evangelischen Pfarr- dorfe, eine Viertelstunde von Durlach geboren. Ihr Vater hieß Hannß Martin Arhcit, und war einst Bürger undAckersmann zu Grözingen. »1 Siehe Sachs Be»träjc ;ur Geschichte des Hochsnrstlichcn G»m> nasii zu Karlsruhe, gedruckt zu Duelach im Iahe 1737. Seite 132 »ad 133 in der Anmerkung. Im Jahr 1652 war Marti» Zandt, Kirchenrath i» Durlach i wie dir, imGrvscheriogliche» Genirallandesarchi» i» Karlsruhe hieriider vorhandenen Akten veweiftn. — 141 — Zwar, von Jugend auf, stets nur an harte ländliche Arbeit, so wie an rauhe Kost, gewöhnt, erlebte diese Dell in dennoch ein, heutiges Tags, sehr seltnes hohes Alter, mit einer, beinah' ununterbrochenen, Jugendkraft. Schon im zwanzigsten Jahre ihres Alters verhei- rathete sie sich an den, aus Kandern gebürtigen, Wilhelm Dell zu Durlach, welcher dann sieben Kinder, (wovon 2 männlichen, und ü des weiblichen- Gcschlcchtes waren,) in der Ehe mit ihr erzeugte. Sie, die Dellin, allgemein als eine der thätig- stcn Weiber in Durlach, zu ihrer Zeit, bekannt, konnte eben daher auch mit dem größten Appetit die härtesten Speißen, bis an ihr Ende, genießen und vertragen. Ja, sie ward in ihrem ganzen Leben sogar auch niemals, im eigentlichen Sinne des Worts — krank! Nur in ihrem hohen Alter bekam sie bisweilen kleine Anfälle von Rhevmatism'; deren sie sich aber selbst, durch Schweißtreibende Hausmittel, gar bald wieder zu entledigen wußte. Ihre Augen behielten überdicß eine so dauerhafte Sehkraft, daß unsere Dellin, bis in ihr hohes Alter den feinsten Bücherdruck, noch, ohne der Beihülst einer Brille, lesen konnte. Wie nun im Jahr 1788 ihr hundertjähriges Geburtsfest herangcnaht war, wohnte sie noch sehr heiter in der Stadtkirche zu Durlach der fey- erlichen Gedächtnißrede bei, welche der damalige Spezial Gerwig daselbst, eigens auf jene Begebenheit öffentlich gebalten hatte. An diesem festlichen Tage bekam sie zugleich auch ein neues Kleid, auf Kosten der Stadt verfertigt. 142 zum Geschenk; und späterhin erhielte sie, gelegen- beitlich eines, vom damaligen Herrn Erbprinzen Carl Ludwig von Baden, ihr gemachten Besuchs, tUlch eine blanke Louisdor verehrt. Zum Andenken dieses hundertjährigen Jubelfestes, mahlte Kunstmahler Kißling, der Aeltcre, zu Durlach, diese alte Matrone nachher unentgeldlich ab; von deren, sehr wohl getroffenem Brustbild in Pastellfarbe verfertigt, noch gegenwärtig eine Kopie in der kaiserlichen Gemähl- dcgallcrie zu Wien, als ein Kunststück sorgfältig ausbcwahrt wird. Auf der erhaben Stirne dieser Dellin ruht der, ihr ehemals eigen gewesene Ernst, verbunden mit Gleichmnth; und in ihrer ganzen Gcsichtsbildung überhaupt, sind die unverkennbaren Züge und Kennzeichen von jener, einzig nur durch Religion erzeugten wahren Scelengröße und innerer Selbstzufriedenheit ersichtlich; und zahlreiche Furchen auf der Stirne dieser Dellin verkünden jedem Unbefangenen, deren Bildniß nur von Ferne betrachtend, schon im voraus den hohen Grad ihres ehrwürdigen Alters. Dellin erlebte 66 Enkel, 160 Urenkel und 44 Ururenkcl durch die sieben Kinder, die ihr Ehemann mit ihr erzeugt hatte. Bei einer, bis an ihren Tod, genossenen vollkommenen Gesundheit, verließ sie auch nicht die Kraft ihrer, derselben gleichsam schon zur andern Natur gewordenen Thätigkeit; denn sie spann sogar 14 . Tage vor ihrem Ende noch am Rädchen. *) siierr AnauK Hvner, Hvskicfer in DnrlaL, besitzt dermalen das Sriginalacmählde der Dellin, als rin naher Anverwandter derselben, eigentliümlich. A n m. d. Ve r f. ... — 143 — Sie war übrigens auch eine, sehr fromme, Christin, und wandelt-.', noch wenige Wochen vor ihrem Tode, sehr frisch und munter, der Kirche zu Sankt Stephan zu; wo jeder Anwesende sich an ihrer stillen Andacht und ernster Haltung erbaute. Sic starb endlich am gänzlichen Nachlasse der Natur, und zwar am 18. September 1789, in dem hohen Alter von ein Hundert und ein Jahren, weniger 10 Tage. Aber kein Grabstein bezeichnet die Statte, wo sie, die Vollendete, schlummert! Lebensgeschichte des ehemals Baden-Dnr- lachischen Hofraths und geheimen Archivhalters/ Carl Friedrich Drollinger. Vom Jahr 1688—1742. Ziefer ward, nach einer, von seiner eigenen Hand, hitttcrlassencn Nachricht, am 26. des Christmonds 1688 zu Durlach der alten Haupt- und Residenzstadt der Markgrafen von Baden, in einem, für sein Vaterland und besonders für seine Eltern, sehr traurigen Zeitpunkte geboren. Das Elend dieses menschlichen Lebens mußt'er schon, als ein zarter Säugling, an seiner Mutter Brust empfinden, indem bald nach seiner Geburt, die Stadt Durlach von den Franzosen verheert ward; bei welcher allgemeinen Scene des Jammers, nicht nur seine Estern all das Ihrige verloren hatten, sondern auch er, durch die Beängstigungen seiner Mutter, weil sic ihn, nach damaliger allgemeinen Sitte und Gewöhn- 144 heit selbst säugte, wahrscheinlich den Hauptgrund zu jener schwächlichen Gesundheit legte, die ihm hernach in seinem ganzen Leben beschwerlich fiel. Sein Vater, Johann Martin Drollinger, war anfangs Markgräflich Badischer Rechnungsrath, und zuletzt Burgvogt in der Hcrschaft Badcnweiler zu Müllheim, woselbst er am 16. Hornung 1718 starb; von allen Rechtschaffenen beweint; ja selbst von seinem eigenen Fürsten, dem Markgrafen Earl Wilhelm, dem bekannten Schätzer der Verdienste, sehr bedauert; bei dem er, seines redlichen Diensteifers wegen, — den dieser Fürst nachher in dessen hintcrlaffcnen Kindern, als deren Pflegevater, cdel- müthig belohnte — in sehr großem Ansehen gestanden hatte. Die Mutter des Earl Friedrich Droll in - gcr's war Eatharine Sibylle, eine gebornc Müller, und ehemals die würdige Gattinn seines seel. Vaters, den sic, als eine, noch sehr junge Witt- we, zu ihrem zweiten Ehemann sich wählte; und aus deren ersten Ehe, Johann Jakob Bader, vormaliger Baden-Durlachischer Hofrath und geheimer Sekretär, aus der zweiten aber, Earl Wilhelm Drollinger, ehemaliger Markgräflich Badischer Rechnungsrath, so wie Carl Friedrich Drollinger, erzeugt wurden. Seine Eltern, wenn gleich im größten Drange des Schicksals, waren einzig nur auf die gute Erziehung ihrer Kinder bedacht, und scheuten hierinn keine Kosten für ihren hoffnungsvollen Earl Friedri ch. Sie ließen ihn daher in den Sprachen durch besondere Privatlehrer, und in der Religion, durch die — 145 — damaligen Prediger zu Müllheim, gründlich unterrichten. Schon in seinem siebcnzehenten Jahre hatte sich der junge Drollinger bereits dazu tüchtig gemacht, die Laufbahn zur Vervollkommnung seiner Studien aus der Universität zu Basel zu beginnen; woselbst er unter der Leitung des berühmten Rechtsund Staatslehrcrs, Johann Jakob Wattier, sich der Rechtsgelehrsamkcit widmete, aber damit auch das Studium neuerer Sprachen, der Geschichte, Na- turlchrc, Philosophie und Mathematik, und zwar in letzterem Fache, vorzüglich unter dem geschickten Jakob Hermann zu verbinden sich bestrebte; und dicß um so mehr auch thun konnte, da er sieben Jahre zu seinen akademischen Studien verwenden durfte. Muse, Gelegenheit und Talente, setzten ihn nun zu gleicher Zeit in den Stand, sich die ausgebreitetsten Kenntnisse zu erwerben. Im Jahr 1710 ward er Doctor der Rechte, und schrieb eine Disputation äs prseseriptiouidus inter geilte (oder: „von den Verjährungen zwischen den Fürsten und den. Völkern,") die eigentlich nur die Skizze eines ausführlichen Werks über diesen Gegenstand scyn sollte, das er auch geliefert haben würde, wenn nicht andere Geschäfte, und vorzüglich die besonderen Aufträge seines Fürsten in der Folge ihn davon abgezogen hätten. Denn noch im nämlichen Jahre, ward er von ihm zum Registrator des geheimen Archivs in Dur lach ernannt, das, nach seinem damals sehr zerrütteten Zustande, durchaus einen geschickten und thätigen Mann erforderte. Der Fleiß, den er aus Anordnung desselben 10 146 verwandte, bahnte ihm auch schon nach zwei Jahren den Weg zur Erlangung des Rangs und Gehalts eines Sekretärs. Da der Hof seine Einsichten schätzte, so ward ihm späterhin auch die Einrichtung der Bibliothek, des Münzkabinets, der Gemäldesammlung und des Kunstkabinets im Markgräflichen Schlosse mit besonderem Zutrauen übertragen; welche verschiedenartige Geschäfte er mit umfassender Einsicht und rastloser Thätigkeit bearbeitete, daher ihn Markgraf Carl Wilhelm schon im Jahr 1722 zum Hofrath ernannte. Vier Jahre darauf ward er, nachdem der bisherige Archivar mit Tod abgieng, dem Archive mit dem Prädikat eines geheimen Archivhaltcrs vorgesctzt; zu welchem Amt er ein besonderes angeborncs Geschick und Talente besaß. Er gab dem Archiv eine ganz neue Gestalt, schaffte das Verlorene wieder herbei; ergänzte die Lücken, und entzifferte die verblichenen Urkunden. Um solche desto besser erklären zu können, entwarf er sich ein Glossarium über die alte Sprache von den Zeiten Rndolf's des Ersten von Habsburg, an; wobei seine Kcnntm'ß der altdeutschen Dialekte, Geschichte und Rechte, ihm sehr gut zu statten kam; welches Glossarium "I der Markgraf Carl Friedrich von Baden, nach Drollinger's Tode, von dessen Erben kaufte, und dabei zugleich befahl, es, als einen Schlüssel seines geheimen fürstlichen Archivs, sehr sorgfältig aufzubewahren. Während dieser Dienst-Sphäre, wurde Drollin- ger von einem peinlichen, einseitigen Kopf- Obenerwähntes Glossarium befindet fick noch jene im Groß» hkrzoalich'Badischen G c» e ral > L a nd e S ar ch i v e ;u Ear l s r n h e sorgfältig aiifbewahrt. Anm. d. Ncrff. 147 wehe befallen, welches ihn bis an seinen Tod, verfolgte, und das er sich durch den Staub und Moder, bei Umschaffung des Archivs, zugezogcn hatte. Als der allverehrte Markgraf Carl Wilhelm in Kriegsunruhcn von Carlsruhe nach Basel fluchten mußte, folgte ihm Drollinger auch, von Durlach aus, mit dem geheimen Archive dahin. Er arbeitete setzt, unter den Augen dieses Fürsten mit unermüdetem Fleiße, und man bemerkte dort seinen Einfluß in allen Zweigen von Geschäften; dafür ihm auch, gleich den übrigen Räthcn, Sitz und Stimme in der Regierung verliehen wurde. Mehrmals wollte der Fürst — der ihn gemeiniglich nur den Eifrigen nannte — seinen Diensteifer mit einem höheren Charakter belohnen; aber immer lehnte dieß Drollinger, aus Bescheidenheit von sich ab; wie z. B. zu Anfang des Jahrs 1727 den Charakter und Rang eines Lehenprobsts; welche Stelle er aber, zu Gunsten eines seiner Freunde, großmüthig ausschlug, so wie nicht minder 4 Jahre zuvor schon den Titel eines Gehcimenhofraths ! Doch ward ihm dafür seine Besoldung ansehnlich erhöht, so wie der Fürst überhaupt, bei jeder Gelegenheit ibm Proben seiner Gnade und seines Zutrauens gab; indem er sich desselben bald da, bald dort, zu geheimen Aufträgen bediente, ja selbst sein Tjestamelnt (vom 6. Jänner 1736) durch ihn zu Basel entwerfen ließ, worinn Markgraf Carl Wilhelm unter Anderem seinen Enkel, den damaligen Herrn Erbprinzen, Carl Friedrich,«, Gemäßheit der fürstlichen Hausverträge, z u seinem künftigen Nachfolger in der Regierung ernannte. Drollingers Charakter und Handlungsweise 10 * 148 waren edel und umsichtig, und so, wie seineSchreib- nrt, war auch sein Betragen im Umgang mit anderen, sanft, angenehm und heiter. Sein Ton, womit er sprach, gab einer jeden Spl- be Kraft und Leben; seine lichten Blicke waren so viele Winke zum Schöpfer, dessen Allmacht in den Werken der Natur er seinen Nebcnmcnschcn mit Salbung und hoher Begeisterung bei jeder Gelegenheit sehr anschaulich und bewundern zu machen wußte. In all seinen Reden und Handlungen vermied er sehr sorgfältig alles Mögliche, was ihm nur im Geringsten einen Streit, oder einigen Verdacht bei irgend Jemand hätte zuwcgebringcn können. Vielmehr bestieß er sich einer praktischen und erbaulichen Moral. In jeweiligen Urtheilcn über Worte, Meinungen und Streitfragen, die das Wesen des Glaubens nicht berührten, war er friedlich, zurückhaltend und frei von Vorurtheilen; in Ausübung heiliger Pflichten sowohl, als in seinem ganzen übrigen Wandel, nie einer Heuchelei und eitler Affcktirung fähig; hingegen, in Prüfung seiner selbst, tief und mit strengem Ernste hierüber nachdenkcnd. Seine Rechtschaffenheit und wahre Verehrung gegen Gott, bewieß er vollkommen durch seine ungeschminkte Liebe für jene, theils seines guten Raths, und theils auch einer thätigcn Unterstützung bedürftigen Bedrängte. So wie er dergleichen aus eine, oder die andere Art sich ihm nur nähern sah, so kam er ihnen jedesmal mit der, ihm eigenen Herzensgute, von ferne schon liebreich zuvor, bezeugte dann ihnen mit aller Aufmerksamkeit sein wahres Mitleid über ihre mißliche Lage, und versicherte sie seiner aufrichtigen Theilnahme daran, verbunden mit der beispiellosesten Verschwiegenheit; und leistete solchen in der Folge weit mebr, als er ihnen anfangs eigentlich versprochen hatte. Nicht nur unterstützte er sie mit dem nvthigcn Tröste, mit klugem Rath, mit seinem damals überall sehr viel vermögenden Vorworte, so wie mit. seinen schriftlichen Empfehlungen, sondern öfters sogar auch mit baarem Gclde; zu welchem Endzweck er immerfort eine gewisse Summe von seinen jährlichen Einkünften zu bestimmen, und solche gleichsam als ein Hciligthum, dazu anfzusparen pflegte. Er zählte jedoch nie auf eine Wicderver- geltung, sondern es ward ihm Lohns genug dafür — einzig nur das stille Bcwußtscyn, welches ihm namenloses Vergnügen gewahrte, seinen nothleiden- den Ncbenmenschen mit Rath und Thak, redlich gedient zu haben. In Hinsicht der Auswahl seiner vertranten Frenn- de, gieng er sehr vorsichtig und behutsam zu Werke; denn er führte eine geheime Ordnug unter ihnen ein. So z. B. konnte er einige unter ihnen sehr wohl um sich leiden; Andere hingegen schätzte er nur, wegen irgend einer Kunst oder Wissenschaft, die sie besaßen, oder, wegen ihrer seltenen Treue, die sie an ihrem Fürsten erprobten; wieder Andere, deren jedoch sebr wenige an der Zahl waren, genossen der Ehre seines vertrauten Umgangs, verbunden mit ausgezeichneter Liebe. Non der Seite dieser, von ihm auscrkohrcnrn Freunde wich er nimmermehr, und war von diesen, weder durch eine üble Nachrede, noch durch eine Entfernung, jemals zu trennen. Drollinger war übrigens, im wahren Sinne, ein Muster von deutscher Redlichkeit und Tugend; ein Christ ohne Seinesgleichen; ein Gottcsgelchrter ohne selbstsüchtigen, pedantischen Schulwitz, auch ohne gallsüchtige Zänkerei; ein gründlicher, Hcil- uud Nutzen-bringender Nechts-und Staatsgclchrter; ein, durch Sclbstnachdcukcn und eigene Erfahrung, sich gebildeter Achter Weiser; ein nützliches Mitglied der menschlichen Gesellschaft überhaupt; ein Spiegel fürstlicher Diener, und ein solch anhaltender Arbeiter, daß besten uncrmüdeten Fleiß sogar der augenscheinliche Tod nicht unterbrach. Man schätzte Dr o llinger'n als den allgemeinen Rathgeber seines Vaterlands, und als den Stolz Germaniens; nicht minder war er beliebt, als ein eidgenössischer eifriger Beförderer des allgemeinen Wohls des schweizerischen Freistaats. Die schönen Künste und Wissenschaften fanden in Ihm einen eifrigen Beförderer; er war ein unerschöpfter Geschichtskenncr, wie nicht weniger ein wandelndes Kabinet und Archiv der auserlesenste» Alterthümer; ein ächter Kenner und Meister in den vornehmsten Zweigen der Wissenschaften und der lebenden Sprachen; ein Vertrauter der Musen und der Natur; ein kraftvoller Redner, zierlicher Schriftsteller und meisterhafter Dichter seiner Zeit; ein immerwährender Verbesserer Seinerselbst, und seiner Arbeit; auch war er nicht minder dankbar gegen seine vernünftigen Tadler; ehrgeizig ohne Selbstsucht, ohne Geiz, und ohne Neid; aber auch nicht gesühlloß für ein gerechtes Lob von Verständigen. So still, vorsichtig nnd klug in seinen Unternehmungen, als er ausharrcnd und glücklich in Ausführung seiner Entschlüsse war, so gefällig und ehrerbietig bewicß er sich gegen die Großen, aber weit entfernt, vor ihnen zu kriechen; gegen Seinesgleichen betrug er sich höflich und vertraulich iru Gespräche; gegen — 151 — Geringere, und vorzüglich gegen seine Untergebene» war er herablassend und gesprächig; mit seinen Bekannten hingegen sprach er offen und mit heiterer Laune, und unterhielt sie überhaupt auf das Angenehmste durch seine witzigen Einfälle; immerhin blieb er sich gleich; stets zuvorkommend mit seiner Herzensgute, und, gleichsten von falscher Dcmuth, war er, in Hinsicht der Selbsthcrabwürdigung seiner eigenen Schriften. In all seinen Einrichtungen und Geschäften, ja, in seinen gewöhnlichsten Reden und Handlungen herrschte immer ein Geist der Ordnung, der Deutlichkeit und Zierde. Seine außerordentliche Liebe und Geschmack für die schönen Künste, so wie nicht minder dessen allgemein bekannte seltne Beurtheilungskraft, in Hinsicht aller, um jene Zeit davon vorhandenen Meisterstücke, vcranlaßtcn daher auch öfters Reisende aus allen Standen, wie z. B. selbst Fürsten und andere hohe Standcspcrsonen, hauptsächlich aber Künstler, sogar aus den entferntesten Ländern, Seinetwegen einen großen Umweg über Basel zu machen; einzig in der Absicht, um, nicht sowohl jette, unserm Dreiling er damals anvertrauten Schätze von Seltenheiten der Kunst selbst in Augenschein zu nehmen, als auch vorzüglich, um sich über dergleichen Gegenstände mit ihm persönlich zu besprechen. Drollingcr's reine und cdeln Sitten, die mit seinen vielseitigen Kenntnissen der Seltenheiten aller Zweige von Künsten zugleich verbunden waren, lies- sen daher jene Reisenden — die durch Dro Hinge r's angenehme Unterhaltung jedesmal sehr vergnügt, und, in Ansehung ihrer Neugierde, von ihm hinlänglich befriedigt, ihren Wanderstab von Basel 152 weiterfortsetzten— allerdings nichts anders glauben, als ob Er, zur Erlangung der feinen Etikette und des guten Welttons überhaupt, ehedem Enropen's bestgesittete Höfe besucht, mithin auch alle Sitten und Gebräuche der europäischen Nationen hätte kennen gelernt. Er glich in der That auch jenem Golde, das die gütige Natur, ohne Schlakeu, hcrvorbringt; Erleuchtete mit eigenem Glanze, gleich der Sonne, die, ohne von ihrer Stelle zu weichen, Alles um sich her, bestrahlt und belebt, und von welcher die Wandelsterne ihren Schein nur borgen mäßen. Jeder von Basel'6 Bewohnern bestrebte sich auf's Aeußerste um Drollinger's Bekanntschaft; jeder bemühte sich. Dessen Schriften zu lesen, und jeder konnte denn gar leicht zu seinem Wunsche hierin» gelangen, und, ohne Anstand, der Zuneigung des Drollinger's gewiß scpn, wenn er anders nur Künste, Tugend, und sein freies Vaterland liebte. Gelehrte und Nichtgelehrte, genossen Seines Um-' gangs, und wurden zu Richtern seiner geistreichen Werke von ihm ausgenommen. Sie Alle beriefen sich dagegen so einstimmig auf seine Urthcile, als ob ste durch irgend eine Pflicht, oder durch einen besonder» Vertrag dazu verbunden wären. Sobald es von Jemand nur hieß, als stünd er mit Drollinger in einiger Verbindung, so ward er sogleich zuBasel in das Buch der Redlichen eingeschrieben; wer aber in seinen Neigungen, in seiner Wahl, in seinem Betragen, und in seiner Art zu denken, keine Achulichkeit mit Ihm zeigte, den hielt man geradezu für einen Mann ohne gu- - 153 — ten Ton, ohne Lebensart, und überhaupt auch ohne feine Bildung. Ja, sogar brach itzt — beim schönen Geschlechte zu Basel, die Morgcnröthc des wahren Geschmaks und Hangs zum Bücherlesen mit starken Schritten heran; zuvor mußte Dasselbe vor dem Publikum sehr sorgfältig sich hüten, belesen zu scheinen, und eine Kenntniß von guten Büchern oder Schriften zu besitzen. So wie aber nur einige Gedichte von unserm Drollinger zum öffentlichen Vorschein kamen, sogleich machte ein Geschlecht ohne Unterschied wie das andere, sich ein besonderes Vergnügen daraus — ja, es rechnete sich's vielmehr zu einem vorzüglichen Verdienst an, Drollingcr's Gedichte mit eigener Hand abznschreiben, sie dann auswendig zu lernen, ja, sogar einige Stellen daraus, im Tone des Wohlklangs, und im eigenen Mitgefühle deren kraftvollen inner» Gehalts, zur angenehmen Unterhaltung in Gesellschaften zu dekla- miren! Die Dichtkunst war, bei den vielen Arbeiten, Drollingcr's angenehmste Erholung. In seinen ersten Versuchen richtete Er sich nach der, damals herrschenden Mode, und dichtete in der Manier eines Hofmanns waldau und eines L o- hcn stein. Aber einer seiner vertrautesten Freunde, der Professor Bernoulli zu Basel, munterte Ihn späterhin dazu auf, statt jener Poeten, die Werke des Herrn von Canitz und von Besser zu lesen; und bald kam auch Drollinger von der Neigung zum Unnatürlichen und Schwülstigen zurück, und verwarf selbst jene seiner früheren Arbeiten fast gänzlich. Seine Poesien können jetzt, freilich nur, in Vezic- 154 hung auf sein Zeitalter, geschätzt werden; aber es herrscht doch in ihnen weit mehr Natur, und ein reineres Kolorit, mehr Geist und Wohlklang, als in allen kraftlosen Reimen derer, die Ihm zunächst sangen. Er fieng schon an, zu dichten, ehe noch Bo dm er und Brectinger, durch gesunde Kritik, und Haller durch nachahmungswerthe Muster, den deutschen Geschmack nmgestaltct hatten; und Drollin- gcr wetteiferte, in spateren Jahren, nicht ohne Glück, mit seinen längeren Nebenbuhlern. An gedrungener Kürze und ticfdurchdachten Gedanken, hat Ihn unter allen Poeten seiner Zeit, einzig nur Haller übcrtroffen; an Empfindung und reinem Ausdrucke, kämmt er ihm gleich. Er hat seinen Versen, bei allcr Schwerfälligkeit seiner Sprache, eine Rundung und einen so volltönigcn Schwung zu geben gewußt, der nur durch strenge kritische Befeilung sich erreichen läßt. Die vorzüglichsten seiner Gedichte, aus die auch sein Ruhm sich hauptsächlich gründet, sind die drei Oden: „Lob der Gottheit, Unsterblichkeit der Seele, und göttliche Vorsehung." In ihnen herrscht ein starker, männlicher, voller, sich immer gleich bleibender Ton, der, vor Hal l ern, in unserer Sprache iwck völlig fremd war; und man findet in denselben, Strophen, deren sich Uz nicht geschämt, sondern sic, als seiner vollkommen würdig, erkannt haben würde. Leider! zerstörten die immerwährenden Anstrengungen und häufigen Arbeiten zu frühzeitig seinen, ohnehin von Natur schon schwächlichen Körper; und sein Tod erfolgte daher schon am 1 . Juni 1742 zu Basel; woselbst fünf Jahre zuvor, nach Drol- 155 linger's eigens hiezu entworfenem Plane, und durch seine, bei Ausführung desselben, erprobte vorzügliche Mitwirkung, jener prächtige und feste neue Bau zu Stande kam, in welchem für die Zukunft die Schätze des Badischen Archivs aufbcwahrt werden sollten. Dro kling er erreichte das Alter von nicht mehr als 53 Jahren und 5 Monaten, und starb an einem Steckflusse, oder — wie Einige behaupten — vorzüglich daran, daß ein kleines Geschwür, wovon sein einseitiges Kopfwehe oder Migraine, hcrrührte, in seinem Kopfe plötzlich geborsten, und so — die Ursache seines schnellen Todes wurde. Ein allgemeines Schrecken verbreitete sich durch die ganze Stadt bei der ersten Kunde von dem Hinscheidcn des Dro ll in ge r; denn Jeder beklagte Ihn nicht anders, als ob er seinen besten Freund an Ihm verloren hätte, indem Er mit wahrhaft edlem Bürgcrsinne, der treueste Rathgcbcr der, bis an sein Lebensende, Ihm so wcrthen Stadt Basel war, welcher Derselbe auch in den gefährlichsten Rechtsstreitigkeiten und in den bedenklichsten Verwickelungen mit Nachbarstaaten, unter Beobachtung der gewissenhaftesten, äußersten Verschwiegenheit — ohne nur jemals eine Belohnung in Geld dafür anzunchmcn — jederzeit mit seinem Munde, so wie mit seiner Feder, als. ein wahrer Biedermann, gedient hatte. Ja, nicht nur alle Bürger dieser Stadt, sondern auch verschiedene hohen Gerichte daselbst, hielten den Drollinger eben so für Basel's Orakel, wie Er cs nicht minder einst fürBadcn- Durlach war; wie Er dann auch, durch seine persönliche Vermittelung, Vieles an seinem Hose — 156 — wieder gut machte, was Basels Einwohner früher verdorben hatten. Sein Aufenthalt in Basel — welcher 38 Jahre hindurch, ununterbrochen gedauert hatte—war Ihm , ehemals so angenehm, daß Er, hauptsächlich auch aus Dankgcfühl für seine, meist sich dort erworbene wissenschaftlichen Kenntnisse, den festen, niemals erschütterten , Entschluß faßte — viel eher auch die ansehnlichsten Beförderungen standhaft ansznschlagcn, als seine Gebcine anderswo, als in dem, Ihm stets so theuer, schäzbar und werth gewesenen, freien Basel, einst ruhen zu lassen; worinn Drollingcr auch wirklich Wort gehalten hat. Seine hinterlasseuen drei Brüder, väterlicher und mütterlicher Seite, Namens: Earl Wilhelm und Ludwig D ro l l ing er, sodann I o h a n n Jakob Bader, ließen Ihm, nach feinem Tode, einen Grabstein setzen, worauf folgende Inschrift war: LUK. 8^6. HI6 088L KIstk>08lNL 8I7«N VIV.I 0. V. 8?L6NLNI88Ml cLk. NkivLinei D80l-ni«0L8k. 1. V. I.. chVI L««08 LiVl?l3N8 XX. k. N. 8LI1L«. ?IN«6. IN. UL86N. 8LNL- VV81,. NN6. LN6. NN6. LNL8L.7V8VL6N88N 8IWH:«. N07.1N7 LN ?8IX3l'. LvlVN«. X EOd.8>I.. ,V7-NI6 lL.77787). chNON 8L817- L8N 8L«c!N. L8LNI VO 8I8IN0- NNNELL NNII8LV80(). LIVILNtOlt. 7«NLOL8kNiVIKk8LN8N1N. «LN. VNKl-LL. L. v VN. XLN. VL6Lä78. L. L. Lioenxxxvni. 081IN cLN7-Ir88 8L817-. XL7-. IN«. NVCLXI-H. V7X1N. L««. 1-111. Ü1M8. V. 157 iknio vlomov. LOROloilL vn.1 (Z110V HOL 1LVHVLO»! NOVI 8ILI 8LI) VLO ?HMLI?I LObH8<). ällllk. livl?L«vii' «181IVILLM8 TLlli0r8HH'ki tt^«e L.1LLL8H 80K1L M4^8877r k^lkvo Oll'UIAL NLLlrO L^k. >V1LlILL!>1 klt. Lä.k. I.DVOV. I-'ll. LIWlll 8vkM8r. LI IO. 1.VL. I^k. IllLIO«. N^L8H 1'08. Zum Schlüsse dieser Biographie wird cs den Lesern nicht unerwünscht seyn, D rollin gcr's hinter- lassene Schriften näher kennen zu lernen, welche erst nach seinem Tode, unter folgendem Titel erschienen: „Herrn Carl Fridrich Drollingcr's, weil. Hochsürstlich Baden-Durlachifchcn Hofraths und geheimen Archivhalters, Gedichte, sammt andern, dazu gehörigen Stücken, wie auch einer Gedächt- nißrede auf denselben, ausgcfertigct, von Johann Jakob Spreng, D. G. W. der deutschen Beredsamkeit und Poesie öffentlichen Lehrer zu Bassel, wie auch der deutschen Gesellschaft in Leipzig und Bern Mitglieds Basel 1743. 8. mit dem Bildnisse des Dichters von Heumann, nach Huber gestochen. Mit neuem Titel: Frankfurt am Main 1745." Diese Ausgabe zierte Spreng, der volle 20 Jahre mit Dro kling er im engen Frcundschafts- bundc stand, mit dessen wohlgctroffenem Bildnisse, welches der berühmte Maler Huber in Basel, gemalt, und der nicht minder geschickte Kupferstecher Heu mann, daselbst, nachher in Kupfer gestochen hatte. In dem Gesichte des Drollinger's sind nun die angenehmen Züge eines ächten Menschenfreunds ganz 158 unverkennbar eingcgraben, und ans seinen, ein offenes Wesen verrathcnden Augen strahlt zugleich auch der Tiefblick eines forschenden Denkers über die geheimen Künste und hicroglyphischcn Wissenschaften— welche einst Drollinger's Lieblingsbeschäftigung waren — ganz deutlich hervor. Drollinger hatte eine wohl erhabene Stirne, große Augbrauncn, eine langlicht proportiouirteNase, einen, den kraftvollen Redner verkündenden freundlichen Mund, mit einem ovalrunden Kinn. Drollinger's Haupt bedeckte eine lange, bis über die Schultern herabhängcnde Knotenperücke, die ihn ehrwürdig darstellte. Sein langes Kleid, das er trug, war mit breiten Acrmelaufschlägen versehen, und überhaupt nach den damaligen Zeiten zugeschnitten, und von oben an, bis unten aus, mit Knöpfen gleichsam, wie besäet. Die vorhin erwähnte Sammlung von Drolliu- ger's Gedichten besteht aus zwei Thcilen. Der erste Thcil enthält die vom Drollinger selbst gesammelten Gedichte, die er noch .kurz vor seinem Tode, dem Professor Spreng übergab, um sie, uach seinem Absterben, zum Drucke zu befördern; in welchen Spreng, auf dessen ausdrückliches Verlangen, einige Stellen verbessern mußte. Man findet in diesem Thcile: 1) Geistliche und moralische Gedichte, theils in lyrischen, theils in didaktischen Sylbcnmaa- scn. Die Oden: „zum Lob der Gottheit;" „Ucbcr die Unsterblichkeit der menschlichen Seele;" „Uebcr die göttliche Versetz u n g," sind, (wie schon oben gesagt) die vornehmsten unter denselben. Die erste, welche sich auch in dem zweiten Theilc «< d> — 159 — von den Schriften und Ucbcrsetzungcn der deutschen G esellsch a ft zu L eip zig S. 361— 368 befindet, ward 1733 ohne Drollingcr's Borwissen, jener Gesellschaft zugeschickt, die ihn darauf auch unter ihre Mitglieder, aufnahm. Er bezeugte hierüber in seinen, an gedachte Gesellschaft, als an den Professor Spreng sowohl, abgcschicktcn Briefen, eine lebhafte Freude; welcher Vorfall ihn denn auch dazu vcranlaßte, daß er, seit dieser Zeit, verschiedene Beitrage zu den Schriften dieser deutschen Gesellschaft lieferte. Ferucr sind drei Psalmen (30. 74. 139) pa- raphrasirt. Im didaktischen Splbcnmaase sind z. B. „die Gedanken bei einem Spaziergange im Sommer;" „die Herbstgcdanken" und „die Betrachtungen üb er die R eli gio ns sp ö i- t e r," geschrieben. Auch befindet sich hier ein prosaischer Aufsatz mit dem Motto: ,,k>r»ldct» uftül L5t allncl Omis et pealo vivere, icksi Iione-Uv et recte vivere;" ans deutsch: Es gibt in der That keine bessere und glücklichere Lebensweise, als die, einzig nur ein ehrbares und rechtschaffenes Betragen dem Menschen gewahren kann." Diesen, einen Traum enthaltenden Aufsatz ließ Drollinger im Jahr 1726 in den Hamburg ischen Patrioten cinrückcn. 2) Vermischte Gedichte. Viele davon sind didaktisch. So wird bei Gelegenheit einer, im Wasser ansgeblühten Hyacinthe (welches Gedicht er dem vormaligen Badcn-Durlachischen Hosrath und Leibarzt, v. Eichrodt, zugeeignct hatte) eine Betrach- — 160 — tung über das Wachsthum der Pflanzen, angestellt. In den Gedichten an Johann Rudolph Huber, einen sehr berühmten Maler, in Basel, werden die Reize der Malerei geschildert. In dem Gedichte an sein Vaterland, sind die Schicksale desselben erzählt. Noch kommen eine Ode auf dic Musik, ein Paar Sonnettcn, ein poetisches Schreiben an Brockes u. s. w. vor. 3) Leichen- und Trostgedichte. Eines darunter „über den Tod von Haller's Marianne," bcweißt die, zwischen diesen beiden Dichtern vormals bestandene Freundschaft. 4) Sinnschriften und andere dergleichen kleine Gedichte. Darunter ist cinGrablied auf einen Rattenfänger, der mit dem Ale ran der (dnn ehemaligen Könige von Makedonien), verglichen wird. Dieß Gedicht könnte allenfalls unter den Romanzen der Deutschen einen Platz verdienen. 5) Fabeln und Uebersetzungen. Drei Fabeln sind von Drollinger's eigener Erfindung. Eine davon hat er dem Horaz (Loiinon II. 8at. 6); zwei hingegen dem La Motte nacherzählt. Eine Erzählung aus Pope's Versuchen, und eine aus Boileau's Dichtkunst ist frei nachgeahmt. Außer einer Ode des Horaz (Tib. II. Oä. 13) sind noch einige Kleinigkeiten in Versen übersetzt. 6) Alexander Pope's Versuch von den Eigenschaften eines Kunstrichtcrö, in Prosa übersetzt, stand zuvor schon in der Zürcher Sammlung kritischer, poetischer und am derer geistreicher Schriften (Stück I. S> 161 49 rc.) Spreng.begleitete in seiner Ausgabe der Drollinger'schcn Gedichte diese Übersetzung mit Anmerkungen. Den Beschluß dieses Thcils macht eine „wochl- gegründete Klage des Buchstaben i wider den Buchstaben c über die, dem Klager vom Beklagten zugefügte Beeinträchtigung in seinem w o h lh er g e b r achte n B e- sitze im deutschen ü." Dies Stück hatte Gottsched schon zuvor aber durch Druckfehler sehr verunstaltet, in „den Beitragen zur kritischen Historie der deutschen Sprache, Poesie und Beredsamkeit" (Stück 21 S. 89) abdrucken lassen.*) Der zweite Theil begreift die, aus Drollingcr's hinterlafsenen Papieren ausgewählten Aufsätze. Hier findet, man: 1) Leichen- und Trostgedichte; 2) vermischte Gedichte; worunter vorzüglich jenes „über den Bau von Carlsruhe;" welches Gedicht unser Drollinger noch in seinen jüngeren Jahren verfertigt, und solches eben daher auch in der letzten Periode seines Lebens um ein Merkliches zu verbessern, sich vorgcnommen hatte; sodann ein anderes, welches „über dieTirannei '1 Hierüber beschwerte sich Drv l linge r sehr; und zwar in einem deswegen an den Professor Spreng erlassenen Sendschreiben, des Jnkalts : „M einekurzeSebrift über das n, bat Herr Professor Gottsched in seinen „kritischen Beiträgen zur deutschcn Svra che" drucken lassen, aber mit so Vielen Druckfehlern, lwcn» es ja Druckfehler se»n sollen), verkehrt und verdorben, daß ich mich vor der ehrbaren Welt s ch äm cn m u ß." — Siebe Svrcug' s Ausgabe der Drolli n ge r'sch en Gedichte von Bascl vom Jahr 174Z Seite 2-i6 i» einer Note bezeichnet mit einem ls-). 11 462 der deutschen Dichtkunst" geschrieben ist, und von den Schwierigkeiten der deutschen Versifi- cation, handelt. 3) U n v o l l k o m m e n e Gedichte; die der Herausgeber besser ungedruckt hätte lassen sollen. Das Merkwürdigste darunter, ist ein kleiner Anfang einer poetischen Übersetzung des komischen Heldengedichts vom Chorpulte des Boileau, aus dem Französischen, betitelt: „1.6 l.utrin äe Loilemi." 4) Prosaische Briefe, die nicht viel Wichtiges enthalten. 5) Anhang einiger fremden den Drolliu- ger betreffende Stücke. 6) Trauer- und. Lobgcdichte auf unfern Drollinger; worunter jene von Brockes und Bodmer, die vornehmsten sind. — Uebrigens verdient auch dicß hier noch bemerkt zu werden, daß die im Basler Lerico n vorkommenden Artikel: „B a d en, Badenweiler, Hochberg, Rotteln, und Zäh rin gen," die eigenen Aufsätze desDrollingcr sind ; so wie nicht minder die Lebensbeschreibungen verschiedener Markgrafen von Baden denselben ehemals zum Verfasser hatten. Er hintcrließ auch unter Anderem einen Versuch einer Historie des fürstlichen Hauses Baden, die bis aufs Jahr 1288 geht, in ei, nem bis setzt, noch ungedruckten Manuskripte. Urtheile über Drollinger's Dichterwerth Huben wir: 1) von Johann Jakob Bodmer in seinem Gedichte mit der Aufschrift: „Die Drollinger- sche Muse;" welches als die Fortsetzung des be- Siebe Sachs Badisch- Geschichte, Lbeil 1. Seite W-8Z in der Note Litt. r. 163 kannten Bodmer'schen Gedichts.'„Charakter der deutschen Gedichte," anzusehen ist. S. I. I. Bodmer' 6 Gedichte in gereimten Versen mit I. G. Schuld heißen Anmerkungen; Zürich 1754 S. 61—73. 2) von Küttner in den Charakteren deutscher Dichter und Prosaisten, Seite 203—205 ; 3) von Herrn Professor Manso in der „Abhandlung über Martin Opitz und einige seiner Nachfolger in den Charakteren der vornehmsten Dich, ter aller Nationen rc. Bd. 6 St. 1 S. 178. Wer übrigens Drollinge'rs Lebensumstände noch genauer kennen lernen will, der findet sie in: 1) Johann Jakob Spreng *) ehemaligen Professors der griechischen Sprache zu Basel, gehaltenen „Gedächtn ißrede auf den D rollin g er," welche der, von ihm zu Basel bei Joh. Conrads von Mechel seel. Wittib im Jahr 1743 besorgten Ausgabe dcrDrollinger'schcn Gedichte vorangeschickt ward. Dieses Buch, das sich in allen Buchhandlungen der Schweiz, so wie auch in jenen zu Frankfurt anr Main, (allwo es im Jahr 1745 von Franz Barre n t r a p p, nachgedruckt wurde, gänzlich vergriffen hat, fängt daher an, jetzt sehr rar zu werden. 2) Christian Heinrich Schmid in seinem Nekrolog deutscher Dichter, Bd. I. S. 217—230.— ein, nicht ohne Fleiß, aus Spreng's Gedächtniß- rede verfertigter Auszug mit eigenen Zusätzen. — 3) Leonard Meister in der „Charakteristik *) Dieser Basler Professor ist nicht mit dem Magister Johann Svreng aus Augsburg zu verwechseln, der in der letzten Halste des sechs-ebnten Jahrhunderts lebte, und den Homer, Virgil, Ovid und andere alten Schriftsteller übersetzte. 11 * — 164 — deutscher Dichter," Bd. I. S. 271.—276 »eich den beiden vorhergehende» und der I6-!ve>ica 1'. VI. Ksct. II. Mim. 0. p. .14! mit einigen Proben- 4) Adelung in der Fortsetzung und Ergänzung des Io eher'scheu Gelchrtcnlcrikons. Bd. 2. S. 765. ganz kurz. 5) Hir schlug in dem historisch - literarischen Handbuche, Bd. 2. Abth. I. S. 53 f.; die Lcbens- umstande summarisch, die Charakteristik nach Küttner. Anmerkungen über die „Ode von der Unsterblichkeit der menschliche» Seeles, fügte Bodmcr diesem Gedichte in der Sammlung der Zürcherischen Streitschriften rc. Bd. I. Stück 2. S. 181—191 bei. Das Gedicht selbst ist, nach Drollingcr's erster Bearbeitung abgedruckt. In Spreng's Ausgabe findet man es mit vielen Verbesserungen. Herr Matthisson nahm in seine I.vimclio ^rltliologie, Th. I. S. 227—237. folgende' zwcen Gedichte von Drollinger mit Acnderungen und Abkürzungen auf; Naturbetrachtungen, (bei Drol- lingcr: „Lob der Gottheit") und die „Unsterblichkeit der Seele." Das letztere Gedicht fängt auf folgende Art an: „Regentin meiner Lcibcshütte," — so nannte nämlich Drollinger die Seele! — 6) Carl Heinrich Jördens, in seinem zu Leipzig in der Weidmännischen Buchhandlung im Jahr 1806 erschienenen „Lexikon deutscher Dichter und Prosaisten." (Siehe dessen I. Bd. A—F. Seite 392—396.) Das Drollinger'sche Wappen. Professor Spreng zu Basel hat in seiner, dem Druck übergebenen, am 4. Juni 1743 im Doktor- — 165 — saale des großen Münsters, in Gegenwart der Vorsteher der Schweizer Republik, so wie der hohen Schule und Kirche zu Basel, auf Drollinger' 6 Tod, gehaltenen feierlichen Gedächtm'ßrede, das Drollin ge r'schc Wappen mit illuminirten Farben, derselben voran geschickt. Dieses bestand nämlich aus einem deutschen Schilde, in dessen goldenem Felde drei Bienen in drei besonders abgetheiltcn Feldern, schwärmten. Auf dem Schilde selbst, ist ein, mit Lorbcerzweigen umwundener offener Turnierhclm mit fünf, stufen- wcis erhabenen Straußfcdcrn geziert; unten an demselben befindet sich hingegen, in einem goldenen Felde, ein Clephantenrüffel. In Hinsicht jener, in den untern drei Feldern befindlichen drei Bienen, verfertigte nun Professor Spreng, nach dem Motto des: Virgil. Oeorzle. H IV. „lÜ88e IiTIlllb! partim cllviiuo meirtis et Iniristus ^etlierie>8 cllxere,^ folgendes deutsche Distichon: „Den Bienen ward auch, wie man spricht, zu ihren nützlich-klugen Mühen, ein Thcil von ihres Schöpfers Licht, und himmlisches Gefühl verliehen!" 166 Etwas von den Lebensumftänden des ehemaligen Bürgermeisters Waag in Durlach. ?. Vom Jahr 1704—1780. -Allerdings verdient der obenbettannte Bürgermeister in den Annalen von Durlach auch billig einer kleinen Erwähnung. Dieser, Namens Gabriel Waag, ein Sohn des 1721 verstorbenen vielsährigen Nathsvcrwandten und Feldmessers, gleichen Namens *), zu Durlach ward daselbst am 24. November 1704 geboren. Noch bei Lebzeiten seines Vaters, bildete er sich, unter dessen Leitung, frühzeitig zu einem nützlichen und brauchbaren Mitgliede des Staats; und zwar dergestalt, daß er schon in seinem sünfundzwanzig- sten Jahr, Ausnahmsweise sedoch, (nämlich 1720) zum Senator in seiner Vaterstadt gewählt, und im folgenden (1730) daraus, zum Stadtbaumeister allda ernannt wurde; welch letztere Stelle dann derselbe 46 Jahre lang, (nämlich bis ins Jahr 1776) nach dem allgemeinen Zeugniß all' seiner damaligen Kollegen und Mitbürger, ehrenvoll bekleidete. Außerdem erwarb er sich, durch Berichtigung verschiedener Gränzstreitigkeitcn, während der, in den Jahren 1760 und 1770 vorgegangenen Renovation, und hauptsächlich durch Aufführung mehrerer Stadtgebäude; nicht minier durch Brmmcuanlagcii, so ') Eben dieser Feldmesser, Gabriel W aag, ward im Jahr ILA in D u r l a L geboren, und erreichte, da er lsei starb, daL seltene hohe Alter Von-5 Jahre». Äl. Vecsasscrö. 167 wie auch durch Erbauung sehr vieler steinernen Brücken — deren erster Gründer in Durlach er war — kein geringes Verdienst um diese Stadt. Denn noch setzt eristiren dort mehrere dergleichen Brücken, ganz unrenovirt, mit seinem Namen bezeichnet; so z. B. sene vor dem sogenannten Blu- menthore bei der Hofgärtnerei, so wie die im sogenannten Hozzcr, insgemein die Eisenhafen-Brücke genannt, und noch mehrere andere; welche Gegenstände daher auch sein Andenken bei den Nachkommen lange noch erhalten werden. Auf das, am 22. December 1776 erfolgte Hinscheiden des Bürgermeisters, Friedrich Erhard L a m p r e ch t, zu Durla ch, ward er, als der damalige älteste Senator, zu dessen Nachfolger gewählt. Gleich im Anfang dieser seiner neuen Laufbahn war er mit dem damaligen Herrn Markgrafen, Carl Friedrich, von Baden, mehrere, sehr vor- thcilhaften Verträge, (worunter vorzüglich der Salzakkord begriffen war) Namens der Stadt Dur- l a ch, abzuschlicßen, sorgfältig bedacht; wie er denn überhaupt auch dieses, ihm anvertraute neue Amt, als Bürgermeister, in der Folge, bis zu seinem, am 26. Juni 1780 hcrangcnahten Lebensende, zur Zufriedenheit seiner Obern, so wie zugleich auch, zum allgemeinen Bürgcrwohl in Durlach, mit gewissenhafter Treue verwaltet, und darüber das Grcisen- altcr von 76 Jahren erreicht hatte *) und nachbenannte zwcen Söhne hinterstest, nämlich: Sein Andenken bliiliet noch jetzt im Segen in der W a ag'scbcn Familie »>cht nur in Durlach, sondern auch zu Carlsruhe; und und zwar in Hiniicht letzterer Stadt, in der Person des dcrmaliaen Grotzbcrzoglich Badische» GeneralstaatSkassiers und Ritters des Zäh> ringer Lowcnvrdens, Herrn Carl Friedrich Waag, als dessen — 168 1) Carl Friedrich, (dessen noch lebender Sohn, Gab r§iel W a ag,*) Senator und Glasermcister in Dur lach ist), und 2) Johann Ernst, ehemaliger Senator daselbst dessen Hinterbliebener Sohn, Namens Gabriel Waag, gegenwärtig ebenfalls Senator und Bln- mcnwirth in Durlach ist. **) Kurze Nachricht vom Markgrafen Carl August Johann Reinhard von Baden, dem ehemaligen Landesadminiftrator. Vom Jahr 1712 — 1786. so wie nicht minder Vom Markgrafen Christoph von Baden, dem ehemaligen österreichisch - kaiserlichen General - Feldmarschall. V. I. 1717—1789. 1.'Den M. Carl August betreffend. Dieser, der crstgebornc Prinz des Markgrafen Hinterbliebenen Großneffen, lind zugleich Familienvaters von dermalen noch lebenden t-i Kindern. Des Letzteren Großvater, «Neichen Namens Carl Friedrich Waag, im Jahr l7üv in Durlach geboren, »nd 17>j8 als Pfarrer in Kren zach gestorben, war nämlich ein leiblicher Bruder des vorhin erwähnten -Bürgermeisters Gabriel Waag-, dieser Carl Friedrich hintcrließ nur einen Sohn, Namens M a- rimilian Georg, der einst als Pfarrer zu Eggenstein (Sber- amts Carlsru Hel, gestorben, und der Vater des obengedachtcn Ge< ncralstaatskassiers war; welch letzterer einen, mit vieler Muhe und Sorgfalt verfertigten Waag'schen Stammbaum besitzt. ») Dessen Sohne, IvbannLudwig Waag, dem dermaligen Theilungskommissär, verdank' ich mehrere, wegen seiner Vaterstadt Dnrlach, zur Bereicherung meiner Chronik mir ehedem sreund- ,'chastlich mirgetheilte v atr io tich e n B ei tr äg e. *») Gewöhnlich führt die Wa ag'sche Familie eine kleine Waage 169 Christoph von Baden, ward am 14. November 1712 in Durlach geboren, und erhielt am Hofe seines Oheims des Markgrafen Carl Wilhelm die standcsmäßige Erziehung eines Prinzen des fürstlichen Hauses. Seine, in der Folgezeit oft.rs betretene Laufbahn eines Helden auf dem Schauplätze des Krieges ward nun auf einmal, durch den (im Jahr 1738) erfolgten Tod seines zuvorgcnannten Herrn Oheims dadurch unterbrochen, indem er, nach dem Testamente desselben, itzt, in Gemeinschaft mit dieses fürstlichen Testators hittterlaffenen Frau Wittwe, über den, damals noch minderjährigen, Landesprinzen (den nachmaligen Herrn Großhcrzog), Carl Friedrich von Baden, die Landesadministration und Vormundschaft übernehmen mußte. Daher bezog er sogleich, nach dem Absterben obbcmeldtcm Markgrafen Carl Wilhelm den fürstlichen Pallast in der Residenzstadt Carlsruhe, und nahm in einigen Wochen darauf im ganzen Fürstenthum im Namen des künftigen Landesfürsten'C arl Friedrich, die Huldigung in eigner Person ein. Diese Vormundschaft führte er nun, gegen acht Jahre hindurch, mit unermüdctcr Sorgfalt, nebenbei auch bemüht, das Wohl der, seiner Administration anvertrautcn Lande so gut, als es sich nämlich bei jenen, durch den, wegen der österreichischen Erbfolge entstandenen Krieg, und durch die damals vom schwäbischen Kreis ergriffene Neutralität, herbeigeführten mißlichen Zeiten »nr immer thun ließ, bis er das seither geführte Ruder am 22. November als ein analoges Sinnbild ihres Ge,'chlcchtsnamcns in ihrem W a v- Vcn >' ild oder Sigillc. Noch verdient hier bemerkt zu werden, daß, außer der Wild'sche» Zandtsche » und Steinmetz' sche» Familie, d>e Waag' iciic eine der ältesten Familie» zu Durla ch ist. Anm. d. Vers. 170 1746 in die Hände Carl Friedrichs übergab; Höchstwelcher dann, nach seinen zurückgclegtcn Reisen, seine fürstlichen Staaten in den gesegnetsten Umständen anzutreffen, das Vergnügen hatte. Prinz Carl August kehrte nach dieser Regie- rungsübcrgabe sogleich wieder zur Fahne der Verbündeten beim deutschen Reichskriege zurück, sammelte sich durch seinen, vorzüglich in Sachsen, beim s. g. sicbensährigen Krieg mit Preußen erprobten Heldenmut!), neue Lorbeeren des Sieges über den Feind, und ward daher am 10. Dcccmbcr 1759 von den Ständen des schwäbischen Kreises, zur Belohnung seiner, bei senem Krieg erprobten heldenmnthigen Verdienste, zum General - Feldzeugmeister ernannt; dann aber (am 17. März 1760) von den drei Col- lcgicn durch ein, vom Kaiser bestätigtes Dekret, in den Charakter und Rang eines Gcneralscldmarschalls des heil. röm. Reichs erhoben. *) Seitdem lebte er nun in 1>er Stille, im s. g. alten Amthause zu Durlach, und vertrieb sich dort die Zeit, einzig nur mit dem Lesen alter und neuer Schriften. Daselbst endigte er seine irrdische Laufbahn im un- -) Als bei Gelegenheit ohenacdachren Kriegs, Pein; Earl An« «st mitten im -August 1754 mir einem Eorvs Furvolc und Cavallerie vo» Lei» zig auszut rechen, und daun preußisch Halle zu besetzen, beordert ward, linkte dieser Prinz st<» nicht nur als Held n» Kriegesmuih, sonder» auch alb Held, in Hinsicht der Menschlichkeit, bewiesen z welch Letzteres die riilirende Anekdote von ihm, hinlännlich beurkundet, daß nämlich derselbe nicht einmal lene, ihm vom königlichen Pädagogium und LZaisenhaus zu Halle damals freiwillig anerboienen Geschenke au V ii ch e r n und Arzneien angenommen , sondern Alles baar bezahlt habe, mit dem Ausdruck: ,,Man müsse de» Armen Nichts abneh >» en l" — Diese Anekdote hatte der, am 2. September l77ü zu Halle verstorbene köu. preußische Cvnsistorialrath, Dr. Gotthil fAug» st Fran> ck e, einem ehemaligen Freunde des scel. Herr» KirchenrathS Sa chs in Karlsruhe in einem Briese mit mehrere»! einst milgetheilt. 171 vermählten Stande, am 31. Mai 1786 und zwar in einem Alter von 73^ Jahren; und ward erst am 2. Juni, nämlich nach dessen, noch bei Lebzeiten geschriebener letzten Willensverordnung, in aller Stille, hinter dem Altar der dasigen Stadtkirche, zu St. Stephan, vor dem fürstlichen Kirchenstuhl in einer kleinen Gruft beigesetzt.— Was übrigens 2) den Markgrafen Christoph anbelangt, so führte er einst nicht nur den gleichen Namen seines Vaters als dessen dritter Prinz, sondern er bewies zugleich auch — so, wie er nur waffenfähig war — bei vielen Gelegenheiten, wo cs mir Tbaten, und nicht den leeren Schall der Worte galt, dass auch in seinen Adern das kriegerische Heldenblut des Vaters wallt. Dieser Prinz, am 5. Juni 1717 im damaligen Nesidenzschlosse Carlsburg zu Durlach geboren, erhielt einst in der Religion, in den Sprachen und schönen Wissenschaften gemeinschaftlichen Unterricht mit seinen Herren Brüdern, in deren Gesellschaft er auch jene von ihrem Oheim, dem Markgrafen Carl Wilhelm, ihnen vorgeschriebene Reisen machte. Schon am 9. Juni 1736 ward er Obristlieutc- naut beim kaiserlichen Regimentc, Landprinz Wirtem- berg genannt. In dieser Eigenschaft, und zugleich als Volontaire, zog er, 2 Jahre darnach, in den Krieg wider die Türken in Ungarn, und föchte mit größtcr"Tapfer- keit am 4. Juli 1738 in dem Treffen bei Cornia, wo er am Arm verwundet ward. Als nachheriger Obristlieutcnant beim kaiserlichen Infanterieregiment Molk, wohnte er am 22. Juli der hitzigen Schlacht bei Grotzka, im Königreich Servien bei, und bei 172 dieser Gelegenheit erbeutete obiges Regiment von einem türkischen dessen Feldin,isik-Jnstrumcntc, deren .sich das Molk'sehe Regiment auch selbst zu bedienen, in der Folge die Erlaubnis; erhielt. ' Der, nach dem Tod des österreichischen Kaisers, Carl, des Sechsten, entstandene Snecessions- krieg rüste unfern Prinzen abermals ins Feld. Er ward daher (174!) zum Dbrisien über das Regiment Molk ernannt. Wie in der Folge die österreichische Armee unterm Kommando des Prinzen Earl von Lothringen in Schlesien cinrückte, so befand sich unser Prinz damals auch schon als General dabei, und wohnte der nachher erfolgten bekannten blutigen Schlacht bei Strigau oder H o h e n f r i e d b e r g bei, worinn die Preußen siegten. Preußens König, Friedrich der Groß-, äußerte einst auf die erhaltene Kunde von dem unerschrockenen Muth und von der unerschütterlichen Standhaftigkeit des Prinzen Christoph, den lauten Wunsch: „Er möchte den Prinzen von Durlach kennen; „wenn dieser angcfangen, so lasse er nimmer „nach, und kämpfe rechtschaffen!" *) Als im Jahr 17)6 der, nachher s. g. siebenjährige Krieg mit Preußen ansbrach, so wolnttc Prinz Christoph auch der, am 6. Mai bei Prag vorgefallenen blutigen Hauptschlacht bei; bei welcher Gelegenheit er mit größter Herzhaftigkeit bis an daS feindliche Lager drang. Im Jahr 17ö8 ernannte ihn die Kaiserin» Maria Theresia zum Generalfcldzeugmcistcr, mit ») Siche S ochs Badische Geschichte, Thcil 5 Seite 217 iu der Note dem Anstrag, mit 15,000 Mann eben das feindliche Heer, welches Preußens König in Schlesien zuruerließ, mit einem wachsamen Auge genau zu beobachten ; weshalb er ans) durch seinen klugen Heldenmut!) öfters die Ausführung der Opcratiousplane des Feindes zu vereiteln strebte. Im Jahr 1770 unternahm unser, (schon am 13. Mai 1761) zu des heil. röm. Reichs Gencralfeld- zeugmeister ernannte) Prinz Christoph eine Reise zu seinem Negimente, Radcn-Durlach genannt, nach Graz in Stcyermark, und von dort aus, an das kaiserliche Hoflagcr nach Wien. Dort machte er seiner Monarchin, Maria Theresia und dem Kaiser Joseph dem Zweiten, seine untcrthanig- ste Aufwartung. Von diesen beiden Majestäten ward unser Prinz, aus besonderer Gnadenbezeugung zur Würde eines Gcneralfcldmarschalls erhoben. — Wie Joseph der Zweite im Jahr 1764 zu Frankfurt am Main, in Gegenwart seines Hrn. Vaters, des Kaisers Franz des Ersten, zum römischen König gekrönt ward, so hatte unser Prinz die Ehre, bei der kaiserlichen Tafel daselbst diesen beiden Majestäten damals die Speisen vorzulegen; worauf er von Allcrhöchstdcnsclbcn mit einem kostbaren Ringe huldreichst beschenkt wurde. Kaiser Joseph der Zweite kam, unter dem angenommenen Namen eines Grafen von Falken- stcin, auf seiner Reise nach Frankreich, am 8ten April 1777 Abends nach Pforzheim, und übernachtete im Posthausc. Um 9 Uhr des Morgens darauf, ward er schon inCarlsruhe vom damaligen Herrn Markgrafen Earl Friedrich von Baden, und nnscrm Prinzen Christoph, amWagen empfangen, gieng nach Hof, bestieg den Blcithurm, be- 174 trachtete die Gegend, und nahm aus den Händen der Frau Markgräfin Caroline Louise, eine Schaale Kaffee an. Nur Prinz Christoph durfte ihn begleiten, und an der Wohnung desselben sagte der Monarch: „Hier ist nun Ihr Posten, den ich Ihnen an- weisc!" Prinz Christoph erwicderte: „Mein Posten ist bei Euer Hochgräflichen Er- „cellenz, so lange Sie Sich hier befinden!" — Zum Schlüsse dieser kurzen Biographie muß ich hier noch bemerke», daß dieser Prinz, veranlaßt durch eine, an dessen Fuß ausgcbrochene tödtliche Wunde, sich eilends im Jahr 1761 vom Kriegsschauplatz entfernen, und zu seiner Herstellung nach Carlsrnhe begeben mußte; woselbst er denn seinen Aufenthalt so lange ruhig fortsetzte, bis er endlich am 18. Dccembcr 1789 in einem Alter von 72 Jahren gleichfalls ünvermählt dort starb. Von da aus ward dessen irrdische Hülle am 21. desselben Monats auf eine solenne Art, nach Dur lach in die St. Stephanskirche gebracht, und dann in jener, hinter dem Altäre befindlichen besondern Für st eng ruft, und zwar zur rechten Seite des schon drei Jahre zuvor, unserm Prinz Christoph in die Ewigkeit vorangegangenen Herrn Bruders Carl August, zur Ruhe beigesetzt. — Aber, noch jetzt erhebt sich kein Grabstein von diesen beiden Hcldenbrüdcrn, über deren gemeinschaftlichen Fürstengruft in Durlach! *) Wer nun, in Ansehung dieser beiden fürstlichen Herren Gebrii. der» nähere Nachricht zu haben wünscht, der lese nur i,n Lten Thcil Von Sachs Beiträgen zur Badn'chen Geschichte. — Anm. d. Vts. 175 Kurze Nachricht/ von der aus Durlach gebürtigen Wittwe des vormaligen Predigers Böckh zu Nähermemmingen. Vom Jahr 1712—1792. IVunigunde Marie, eine geborneMaycr von Durlach, erzeugte mit ihrem (langst schon verstorbenen) Gatten, dem Georg Mattheus Böckh*), ehemaligen Prediger in Nähermemmingeu, ei- *) Dieser war eigentlich der Stammvater der, im Großhcrzogthum Vadc» gegenwärtig noch bläkenden Böekh'schen Familie. Zwei, noch itzt lebenden Enkel dies würdigen Geistliche» sind nun folgende: nämlich: 1) Der Großhcrzoglich Badische Chef des Finanzministeriums und Staatsratb, Herr Christian F riedrich Bö ck b in Carlsruhe welchen Seine köu. Hoheit, der Grossherzog Ludwig von Baden, mittelst Rescrivts von, 14. Mai 1825, zu Bezeugung allerhöchst Ihrer besonderen Zufriedenheit mit dessen ausgezeichneter Geschäftsführung, istrsich, und seine eheliche Nachkomn> un, in den Adel« stand des Großherzogthums zu erbeben, nicht minder zugleich auch, am nämlichen' Tage, ihm das bereits innc gehabte Commandeurkreuz des Zähringer Löwenordens nunmehr i» Brillanlen, mit einem höchst gnädigen Handschreiben zu verleihen, und ausserdem diesem erstcrwähn« ten Herr» Staatsrath von B ö ckh die gnädigste Erlanbniss zur Annahme und Tragung des, ihm von Sr. kön. Hob dein Grossherzog v. Hes, scn, kurz zuvor verliehene» Couimandcnrkreuzcs Höchstdessen Verdienst, ordens zu crtheilen, hnldreichst geruhten. (Stelle hierüber die Gross- Heezoglich-Badischen St-zgkS - und NcgicruNgs - Blätter vom 22. Avril 1823 Nro. IX. Seite 40 und 25. Mai 1825 Nro. IX. S. 54.1 Eben die« sem Herrn Staatsrath von Böckh ward auch, bei Gelegenheit des, am 22. Jänner 1825 zu Berlin veranstalteten: jährlichen kön. Preußischen Haus-Ordenssests, der rothe Adler,Orden von Sr. Majestät, dem Lönige von Preußen, auszcichnungswcise Verlieben, und sväterhin auch demselben von Seiner kön. Hoheit, dem Grossherzog von Baden zur Tragung jenesOrdens die gnädigsteErlaubniß rrtheilt. (S. Carlsruber Zeitung vom Ä. Jänner 1825 unter dem Artikel Berlin am 24. Jänner 1325 und Regierungsblatt Nro. IX. vom 20 Avril 1825 und endlich 2> Herr Ca r l Fr i c d r ich A u gu st B öek b, dermalen Grossherzoglich Badischer Medizi,lalrath und 0. Phvstkus in Heidelberg. Annl. des Verfassers. 176 - mm, zur ehehinigcn Reichsstadt Nördlingen gehörigen Dorfe, einen Sohn, Namens Christian Gottfried D ö ckh, am 4. April 1732 daselbst geboren ; welcher im Jahr 1772 den Ruf als Diako- nus an der Hauptkirche zu Nördlingen erhielt, da er zuvor, nach seiner, in Jena vollendeten dreijährigen akademischen Laufbahn, Anfangs seiner Heimkehr, von dort, beim damaligen Kanzler von Hinkeldey zu Wertheim, eine Zeitlang als Hofmeister, und, durch dessen Empfehlung, bald darauf auch, als Conrektor beim fürstlichen Gymnasium daselbst, späterhin aber (1762) als Rektor in Eßlingen angestellt ward. Schon als Knabe von sieben Jahren, verlor er seinen Vater; seine (1792) noch lebende Mutter von Dur lach übernahm daher seine erste Bildung, mit Zuziehung einiger Hauslehrer. Außer diesen hatten aber den größten Einfluß auf seine nachherige Bestimmung und Brauchbarkeit, der längstverstorbene, Rektor des Nördlin g en'schen Lyccnms, Namens Dolp, und, nach ihm, Thilo, zwei, sehr gründliche Erzieher. Von der sorgfältigen Bildung, die ihm, nach dem frühzeitigen Tode seines Vaters, seine, um dessen künftiges Wohl sehr bekümmerte Mutter, nach all ihren Kräften, zu verschaffen, bemüht war, möchte vielleicht auch bei ihm, einzig nur davon der Veranlaß herzuleiten seyn, warum er, noch eh' und bevor er an irgend eine Anstellung denken konnte, frühe schon den Plan dazu sich vorgezcichnct hatte, all seilte Kräfte einst der Erziehung und Bildung der Jugend zu widmen; und — diesem schönen Vorsatz blieb er auch, bis an sein End, unwandelbar getreu. „Seine Erzichungsbibliothek, (sagt Schn- 177 bart von ihm), seine Predigten für die Jugend, sein Rathgeber für junge Leute, sind fast überall in den Händen der Jugend, und haben mehr Gutes gestiftet, als hundert Produkte des Witzes und der Mode, die, wie Meteore blenden, und verschwinden: die menschenfreundliche Seele wird noch fortwirken, wenn ihre Hülle längst schon in Staub verfallen ist!" Immerhin dauere daher sein Andenken, und vorzüglich auch jenes, seiner Mutter — ihn zu vorbe- meldtem edcln Berufe einst zu bilden, bedacht — bis auf die späteste Nachwelt, in Durlach! *) Biographie des verstorbenen Badischen geheimen Hvfraths und Medizinalraths/ v. Johann Joseph Zandt, ehemaligen Bürgers in Durlach. Vom Jahr 1741 — 1824. dieser, aus einer in Baden, seit langen Jahren, angesehenen Familie entsprossen, ward im Jahr 1741 ») Dieser Diakonus Nöckh verheirathete sich ehemals/ wie er noch Conrektor am siirlUicheil Gymnasium zu Wer ehe im war mit Juliane Friederike Christine/ einer Schwester des durch seine Schicksale und Schriften unvergeßlich gewordenen Schub a rtS. Bockh starb hingegen am 31. Jänner 1772 zu Nordlingen. im 57 Jahre seines tbätigen Lebens — mitten im traulichen Cirkel der Scini. gen, und voll von süßen Vorgefühlen seiner nahen Genestmg. Sanft se» der Schlummer des Edeln! — Siebe Sammlun g von B ild nisfe n gel ehrt er M änn e r und Künstler/nebst Biographie derselben/7tcs Heft. Heraus, gegeben von Christoph Wilhelm Bock/ Kupferstecher. Zu stn- Lcn bei demVcrleger in Nürnberg M2. 12 zu Krppenbach, in der Markgrafschaft Hochberg geboren, woselbst sein Vater Pfarrer war, von dem er auch seinen ersten Unterricht erhielt. Nachdem er aber denselben schon im 12. Jahre seines Alters durch den Tod verloren, anster ihm aber noch acht unversorgte Kinder znrnckblicben, so mußte er auf sein Vorhaben, zu studieren, Verzicht leisten, und kam später bei einem benachbarten Wundarzte in die Lehre, nach deren Beendigung er in Base!, Bern, und anderen Städten der Schweiz, seiner Kunst oblag. Endlich gicng er nach Berlin, und ward daselbst unter dem preußischen Regiment von Ko sehe bar, als Untcrchirnrg angestellc. Hier be- ciferte er sich um Vermehrung seinerKenntnissc, wozu ihm die nachmalige Aufnahme als Pensionair in der Ebaritu und der Unterricht eines Schmucker und Theben treffliche Gelegenheit darbot, die er auch so gut benützte, daß nahe Aussichten zur Erlangung einer Regiments-Ehirnrgcnstclle sich ihm öffneten. Er zog es aber vor, einst seinem Vaterlande seine Dienste zu widmen, und bewarb sich daher bei seiner Negierung um Unterstützung, bis znr gänzlichen Vollendung seiner.wissenschaftlichen Bildung. Sein Ansuchen: ward ihm gewährt, st doch unter der ausdrücklichen Verpflichtung, bei dcrcinstiger Dienstanstcllung, das Empfangene allmählig znrück- zubezahlen, welches er auch pünktlich erfüllt hat. Nunmehr nahm er, noch einige Zeit Antheil an den Vorlesungen der Professoren Meckel, Walter, Hendel, Gleditsch und Gerhard, am Collegium mc-stlco - cstilriu'zchcuiii zu Berlin, reiste dann nach Straß bürg, um sich daselbst unter Fried, der Gcburtshülfe vorzüglich zu widmen, und Lobsteins gediegenen Unterricht zu genießen. — 179 — Mit vorzüglichen Kenntnissen^ ausgerüstet, kam er im Jahr 1777 in das Vaterland zurück, und wurde bald darauf als Leibchirurg bei der verwittibten, zu Dur lach wohnenden Frau Erbprinzessin, Mutter des hvchstseeligen Großherzogs Carl Friedrich, mit zwar geringem Gehalt, angestellt, und ihm zugleich die Unterstützung des dortigen Physikats, bei den vielen, aus der großen Theurung undHungers- noth damals entstandenen epidemischen Krankheiten auf dem Lande, auferlcgt. Hosrath Jägcrschmidt und O. Schweick- hart bemühte sich in diesem Zeiträume, das anatomische Institut zu Carls ruhe zu dessen beabstch, tigter Vervollkommnung zu bringen; da aber der, dabei angestellte Projektor Klo se sehr kränklich war, auch bald hernach starb, so unterzog, sich Zandt freiwillig und unentgeldlich dessen Geschäften, kam daher fast jeden Tag des Winters, nach kaum geendigten mühsamen Landgeschäften, nach Carlsruhe besorgte nicht nur die erforderliche Präposition der, zu den Demonstrationen nvthigen Theile aus der Eingeweide- und Muökcllehre, sondern gab auch selbst in den chirurgischen Operationen an den vorhandenen Leichnamen Unterricht, und kehrte dann erst spät, und oft bei der strengsten Witterung, nach Dur lall- zurück. Nach dem Ableben der Frau Erbprinzessin, ward er als Landchirurg, Geburtshelfer und Hebammen- lehrcr, für dieAemterDurlach, Stein und Ettlingen, angestellt, auch zum Mitvorstand der, damals noch bestandenen chirurgischen Zunft ernannt, in welcher Eigenschaft er die Prüfungen der jungen Wund- und Hcbärzte mit vorzunehmen hatte. Außer derBesorgung sehr vieler, zum Theil höchst- 180 wichtiger chirurgischer Operationen, gab er sich auch mit Augcnkrankbeiten ab, und mehrere glückliche Kuren, mittelst Ausziehung der Staar-Linse, belohnten sein Unternehmen. Nach dem 1789 erfolgten Wegzug 19. Stückelberg er's nach Basel, ward dessen Stelle als Oberhebarzt und Hebammcnlehrcr in der ganzen untern Markgrafschaft Baden, an Zandt übertragen. Er nahm nunmehr seinen Wohnsitz in Carls ruhe und hatte im Verlaufe von mehr, als 30 Jahren, das Vergnügen, durch seinen gründlichen Unterricht verbunden mit allen erforderlichen Werkzeugen und Hülfsmitteln, so wie durch die Mannichfaltigkeit der vielen eigenen Erfahrungen, eine große Menge guter und geschickter Hebammen zu bilden, sich selbst aber auch dadurch wesentlichen Nutzen zu verschaffen, daß er von diesen in widernatürlichen Geburtsfallen zu rechter Zeit gerufen, und in seinem Geschäfte thätig und kunstgemäß, unterstützt wurde. Aeußerst groß ist die Zahl seiner behandelten schweren Geburtsfälle, die er gewöhnlich sehr schnell und glücklich vollendete; zu bedauern ist es nur, daß nicht eine vollständige Beschreibung derselben vorhanden ist. Bei Wendungen des Kindes auf die Füße, und der, bei denselben oft so beschwerlichen, und für das Kind gefährlichen Entwickelung des Kopfes, besaß er eine außerordentliche Fertigkeit und Geschicklichkeit, so daß im Durchschnitt von 10 Wendungen, 9 ihm vollkommen glückten; er unternahm daher solche auch noch in Fällen, wo Andere zum Gebrauch der Werkzeuge geschritten wären. Eben diese Geschicklichkeit bewies er in Behandlung der Wöchnerinnen und Kinder in ihren Krankheiten, da« — 181 — her er auch bei solchen allenthalben zn Rathe gezogen ward. Bei diesen vielen und beschwerlichen Amts- und Bcrufsgeschäften, die ihm oft mehrere Nächte nacheinander, Ruhe und Schlaf raubten, und ihn uö- thigtcn, zu jeder Witterung und Tageszeit, umher zu reisen, litt seine Gesundheit doch selten, und daher war es ihm auch möglich, bei den Fortschritten seiner Kunst und Wissenschaft, dariun nicht znrnckzu- blciben, auch die sich dießfalls angeschafften neuesten und besten Schriften zu lesen, und zu benutzen, und die neuern und verbesserten Werkzeuge seines Fachs zu prüfen, ja selbst eigene Verbesserungen bei ihnen vorzunehmen, wovon seine verbesserte Geburts-Zange zeuget. Selbst zu literarischen Arbeiten wußte er sich Zeit abzugewinncn, und mehrere medizinische und chirurgische Zeitschriften liefern gediegene Aufsätze über verbesserte Instrumente, merkwürdige Geburtsund Krankheitsfälle, und bedeutende Operationen von ihm. Aull) rührt der praktische Theil des von der General-Sanitatskommiffion zur Ausarbeitung verordneten und genehmigten „Unterrichts für dicHeb ammen in den badischen Landen," von ihm her. Endlich hat er bei der, von der Gcncral-Sani- tätskommission veranstalteten Medizinalordnung an der JnstruktionSverfassung für die Ober- und Heb- ärztc, so wie für die Hebammen, wesentlichen An- theil. Schon im Jahr 1797 ward ihm der Charakter und Rang eines Raths zugetheilt, und bei Errichtung der General-Sanitätskommiffion ward er mit dem Charakter, als Mcdizinalrath, zum Mitgliede 182 bei derselben ernannt, und ihm das hebärztliche Fach dabei, als Mitrespicient, zugeschicden. Stets bemüht, durch Kunst und Hülfsleistungcn, seinen Mitbürgern nützlich zu werden, unterzog er sich schon frühe dem Geschäfte der Menschenblattern- Einimpfung, und verbreitete dieselbe, wo es nur immer möglich war. Nachdem aber Jenner's Entdeckung der Schutzpockcn-Jmpfung bekannt wurde, war er einer der ersten und thätigsten Jmpfärzte des Vaterlandes, und ohne Uebertrcibung, dürfte sich die Gesammtzahl seiner Impfungen auf 20,000 belaufen. Gleich nach seiner häuslichen Niederlassung in Durlach, bewarb er sich um das, daselbst ohne Schwierigkeit erlangte, dasige Bürgerrecht; worauf er denn sogleich auch in den Bezug der, dort herkömmlichen, nicht unbedeutenden bürgerlichen Nutzungen, in einer jährlichen Bürgergabe an Brennholz und Allmenden, in Aeckern und Wiesen, bestehend, eingesetzt ward; ja, er durfte sogar, noch bis an sein Ende, und zwar von der Zeit au, wo ihn sein Dienstberuf zum Wegzug von Durlach nach Carls- ruhe veranlaßt, jene bürgerlichen Nutzungen ununterbrochen sortbeziehen; letzteres jedoch einzig nur gegen die, von ihm sehr bereitwillig übernommene Verbindlichkeit des jährlichen unentgeltlichen Unterrichts, so wie auch der Prüfung der jeweiligen Hebammen zu Durlach. Zandt war zweimal verheirathet, und hatte zwei Schwestern, geborne Frank von Durlach, zu Gattinnen gehabt; in der zweiten Ehe wurden mehrere Kinder geboren, und 5 von ihnen groß gezogen, wavon aber zwei Söhne, schon erwachsen, früher gestorben sind. Nur ein Sohn, (nämlich der 183 jetzige Großherzvgl. Badische Staabsarzt in Car!s- ruhc) und zwei Töchter, betrauren gegenwärtig den Vertust ihres verehrt.» Vaters. Sein moralischer Charakter, in welchem Heiterkeit des Geistes, Gutmüthigkeit der Seele, nnoerdrofincs und uneigennütziges Bestreben, die beiden seiner Mitmenschen, nach allen Kräften, und mit Aufopferung eigener Ruhe und Gesundheit, zu allen Stunden, zu mildern, oder zu heilen, verbunden mit dem freundschaftlichsten Benehmen gegen seine Mitärztc, hervorstechend waren, verschafften ihm allenthalben Liebe, Achtung und Zutrauen; und lang noch wird sein Name bei seinen Mitbürgern in dankbarem Andenken bleiben. Bei mehr hcrangerücktem Alter, wurden durch Bcigebung eines Assistenten ihm seine Bernfsgcschäfte wesentlich erleichtert, und als er im 80. Lebensjahre sein üOjahriges Dienstjabr znrücklegte, nahm auch seui Landesherr ihm noch die übrige Last derselbigcn, ohne die geringste Schinählerung seines vollen Gehalts hinweg, bezeigte ibm dabei in den huldreichsten Ausdrücken seine Zufriedenheit und seinen Dank für geleistete treue Dienste, unter Ertbeilung des Charakters, als geheimer Hofrath, und mit der Verleihung des Ritterkreuzes vom Zubringer Löwen- orden. In rnbiger Ergebung sah er nun, im Kreiße seiner Angehörigen, seiner allmählig hcrannahenden Auflösung entgegen, welche am 28. October 1824 in einem Alter von 83 Jahren und einigen Monaten, sanft erfolgte. Die allgemeine Trauer und die Thranen seiner 184 Freunde, sind, am Grabhügel des Verklärten, der schönste Weihgesang! *) Kammerath Lamprecht, ehemaliger Stifter oder Gründer des sogenannten Lam- prechtshofs bei Dnrlach. V. 3. 1709—1776. Friedrich Erhard Lamprecht, am lO.Oct. 1709 zu Durlach geboren, war, von ohngcfähr einem halben Jahrhundert, Bürgermeister daselbst, in welcher Einenschaft dieser, sehr thätige und vorzüglich mir landwirthschastlichen Kenntnissen ausgerüstete Mann, einst zur Verbesserung des Wohlstandes der Stadt Durlach sehr Vieles beigetragen hatte. Unter seiner Amtsführung wurden nämlich mehrere sumpfigte Wälder ausgestockt und dann zu Wiesen umgeschaffen; nicht minder jene sehr ausgedehnten, bis gegen das benachbarte Dörfchen Blankenloch hinab, sich erstreckende Wiesen, die dermalen der Stadt jährlich 8 bis 10,000 Gulden eintragcn, zu deren Bewässerung eingerichtet. Nicht nur war er darauf bedacht, jeden Distrikt öden Platzes der städtischen Allmenden, wo möglich Siebe die Carl sr u he r Zeitungen vom 29. und ZO. Dec. 1»Li unter de» Nummern 361 und Z62 Seite 1871 und 1875, 76 und 1877 unterm Artikel: „Nekrolog;" woraus iÄ das Meiste von Zandt'S üebensgeschichtc gelogen habe. Am», d. ViS. 185 urbar zu machen, sondern er sorgte hauptsächlich noch dafür, daß Letztere auch mit guten Obstbäumen besetzt wurden; wie dann die Anpflanzung der, zur ehemaligen Scidenzucht, nöthigen Maulbeerbaume sein Werk war. Lamprecht hatte unter Anderem auch auf einer bedeutenden Anhöhe hinter der Stadt, 235 Morgen öd gelegenes Land käuflich an sich gebracht, und nachher dabei die erforderlichen Wirthschaftsgebäude aufgeführt, von wo aus er seine Ländereien, die nun jährlich einen bedeutenden Ertrag liefern, gehörig bearbeiten, und so gleichsam zu einem Eden umschaffen ließ. Dieser ehemals von ihm neu angelegte Hof erhielt daher, nach Ihm, in der Folge, den Namen: „Lamprechtshof." — Lamprecht ward, wie er noch in Durlach das Bürgermeisteramt bekleidete, seiner, nicht gemeinen Kenntnisse wegen, öfters zum Gutachten über land- wirthschaftliche Gegenstände, von Seite des Staats, aufgefordert; nicht minder selbst noch sogar mit ökonomischen Aufträgen, und zuletzt, wegen dankbarer Anerkennung seiner Verdienste um Stadt und Land, obendrein noch mit dem Charakter und Rang eines fürstlichen Kammerraths beehrt; wobei ich hier noch dicß bemerken muß, daß, sicherem Vernehmen nach, erwähnter Lamprecht zu der Zeit, als er zum Bürgermeister in Durlach gewählt ward, kein vorheriges Mitglied des dasigen Stadtraths gewesen war. Ohngeacht der, von ihm einst angelegte sogenannte Lamprechtshof eigentlich ein Erblehcn war, so durfte Kammerratb Lamprecht, in Ansehung des- — 186 — selben, dennoch willkührlich verordnen, was er für gut fand. Eben daher machte er solchen, noch bei seinen Lebzeiten, als in ohnedieß kinderloser Mann, nach Inhalt eines, im Jahr 1766 von ihm errichteten Testaments, zu einem Fideicommiß ; denn sonst wäre nach seinem, am 22. Dcccmbcr 1776 in Dnrlach erfolgten Tode, dessen Hof, ohne weiters, der Badischen Landeshcrrschaft erblich hcimgefallcn; von welchem Hofe, als einem, für gültig anerkannten, Lam- p rc chtchcn Fideicommiß, dermalen, des schon längst verstorbenen Obristlieutenants von Stetten in Earlsruhe hinterlassenc, gegenwärtig noch lebende, gleichfalls kinderlose, Fran Wittwc, die einzige nutznießliche Besitzerin ist. ') Diese vcrwittibtc Frau Sbristlieuienanrin von Stetten, Namens Juliane Charlot te, war nämlich eine Tochter des I o l,. Hcinr. L am» recht, (vorinaligen Hofraths und Lcibmedikus des Markgrafen Carl Wi l h e lm, und dessen hinterlasscnen Frau Wirr« we; als eines Bruders des vorbemeldken Bürgermeisters Lam vr cch t. — Nach dem 'Absterben dieser kinderlosen Witeib, fällt »un, nach dem Inhalt des Testaments, erwähnter L am vrechts h o s denen, vom ehemalige» Geheimenrath und Obcrvogt Wielandt in Karlsruhe berstanunenden Wiela » d t' sch en Erben, als ein Fidcieommik, nutz» niefilich zu; nach gänzlicher Erlöschung lenes W ic l a n d t' sch e n Stamms hingegen, fällt dieser Hof, halb der Badischen Landesherrschast und halb dem Stipcndicnsond:c- gemeinschaftlich, als eine Erbschaft, cigenthümlich anheim. Anm. d. Verfassers. 187 Biographie des ehemaligen Großherzoglich- Badischen Hofmedailleurs Bückle zu Durlach. Vom Jahr 1742 — 1811. ^Hn dem Tempel der Geschichte von Künsten und Handwerken verdient unter anderen verdienstvollen Männern, die in neuern Zeiten die Stadt Dur la ch in ihrer Mitte aufzuweisen hatte, hier auch vorzüglich eingeführt zu werden — der als Künstler in ganz Deutschland bekannte, vormalige Großherzog- lich-Badischc Hofmcdailleur, Ioh. Martin Bückle, der seine meisten Jahre zu Durlach einst im Frohsinn verlebte. Dieser war am 7. Hornung 1742 zu Weißlingen, einem vormals Reichsstadt Ulmischen, jetzt königlich w ü rt emb e rgi schen Städtchen, geboren. Sein Vater, Christian Bückle, vormaliger Bürger und Maurer in Weißlingen, konnte, seiner äußerst beschränkten Vermögensnmstände wegen, nur sehr wenig auf die Bildung dieses seines hoffnungsvollen Sohns, verwenden. Letzterer machte, noch als Knabe, bei einem benachbarten Schmidt schon einige Versuche, mancherlei Formen aus Eisen zu bilden; z. B. Anhängcr- chcn von verschiedener Gattung für's schöne Geschlecht rc. Im Jahr 1759 trat er bei Joh. Ernst Fiedler in Ulm, als Büchsenmacher, förmlich in die Lehre. Wie sehr nun seine Einsichten und Kenntnisse in 188 jenem, sich anfangs selbst gewählten Fache schon im ersten Halbjahr seiner Lehrzeit zngcnommen hatten, beweißt folgender, ganz sonderbare Vorfall. Es bestellte nämlich ein Förster aus der dasigcn Gegend, beim Lehrherrn des Bückle die baldige Fertigung einer neuen Flinte für feinen Sohn. Die zum Probeschuß voraus bestimmte Zeit nahte bcran, wozu denn der Förster mit seinem Sohn, der Abrede gemäß, bei jenem Büchsenmacher sich einsand. Buckle sollte nun eigentlich als Lchrjung, den ersten Schuß ans dieser neuen Flinte thun; allein er weigerte sich dessen, unter dem Vergeben, als ob er dem Flintenlauf nicht traue. Sein Meister hierüber sich äußerst beleidigt fühlend, war deswegen im Begriff, seinen Lehrjungen mit Gewalt zu seiner Schuldigkeit anzuhaltcn. Bückle bcharrte hingegen standhaft auf seiner ersten Behauptung, als dem einzigen Grunde seiner Weigerung. Des Försters Sohn, der nicht langer mehr zögern wollte, um jenem Streit zwischen dem Meister und dessen Jungen auf einmal ein Ende zu machen, schoß itzt seine neue Flinte — selbst los, und der junge Jäger verlor hierdurch, auf der Stelle — sein Leben! — Nun eine andere, jedoch etwas lustigere Anekdote aus jener Zeit: Bückle, des Büchsenmachers Lchrjung, gieng einst eines Abends mit seinen Kameraden in der Stadt Ulm spazieren; sic kamen unter anderem auch an einer Wachtstube, wo Spontous standen, vorbei, welch letztere die Nachtwächter, außerhalb der erstc- rcn, hingestellt hatten; und sie nahmen auch zugleich wahr, daß jene Wächter ganz sorglos auf ihrer Pritsche in dieser Wachtstube schliefen. Kaum bemerkte dieß Bückle, als er seinen Kameraden sogleich den 189 Vorschlag that, jene Spontons wegzunchmen, «nd sic dann in aller Geschwindigkeit in einer ihrer Werkstätten miteinander zusammenzuschmicden. Dicß geschah anch richtig; die Lchrjnngen schweißten die Spontons in Eile zusammen, und stellten sie am einen Tb eile, wie in eine Masse zerschmolzen, wieder an die Stelle, wo sie früher einzeln gestanden hatten. Jetzt erregten auf einmal unser Buckle und seine Kameraden vorsätzlich einen fürchterlichen Lärm; die Wächter sprangen hierauf blitzschnell, und noch halbschlaftruuken aus der Wachtstube heraus, um sogleich nach ihren Waffen zu greifen; allein sie blieben, wie versteinert stehen, als ihre Spontons beim ersten Griff nicht auseinander gehen wollren; B ü ck- l c aber, und seine Gefährten machten sich in aller Stille wieder davon. — Im ersten Halbjahr der Lehrzeit des Bücklc, ^ hatte denselben ein armer, jedoch sehr wohlthätig und mitleidiggesinnter Schuster, in Schuhen ganz unterhalten,, ja, ihm sogar noch zu einem Paar wollenen Strümpfen — wie der Winter herannahtc — das nöthige Geld vorgestrcckt. Bücklc erstattete jedoch von seinen, von Zeit zu Zeit erhaltenen Trinkgeldern all dasjenige diesem braven Manne wieder zurück, was er demselben früher schuldig geworden. So unbedeutend nun dieses an und für sich scheinen mag, so wichtig war cs denn doch für diesen damals ganz mittellosen Lebrjungen. Bückle blieb bis in September 1.763 bei dem vorbcrührtcn Büchsenmacher in der Lehre, und erwarb sich nicht nur, wegen Verfertigung der Gewehre, sondern auch, in Hinsicht des Gravireus der Gewehrschlösser, manchen Lobspruch bei seinem Mci- ryo sicr, dem er schon, gegen das Ende seiner Lehrzeit, an Geschicklichkeit in diesem Fache übertraf. Dieser hatte ihm versprochen, ibm, ans den Fall hin, wenn er sich brav bei ihm verhielte, einen Theil an der bedungenen Lehrzeit zu schenken ; auf welche Zusage Bücklc sicher zählte, und daher bei Gelegenheit denselben an die Erfüllung seines Versprechens erinnerte. Dieser hielt ihm aber — nicht Wort! — Während dieser Zeit fügte sichs aber, daß ein fremder Herr — dem es just nicht aufs Geld, sondern nur solide Arbeit ankam — ein Paar vorzüglich schön und gut gearbeitete Pistolen bei seinem Meistee bestellte. Bückle machte nun eine davon, mit allem nur immer möglichen, Flciße, ganz fir und fertig; die daher auch den ungeteilten vollkommensten Beifall bei dem erwähnten Herrn erhielte; die Verfertigung der zweiten Pistole hingegen, suchte Bückle seinerseits, geflissentlich, noch so lang auf- zuschieben, bis er, von Handwerkswegen, die Ausschreibung als Lehrfung, mit allem Rechte, fordern durfte. Sein Meister könnt ihm diese fetzt nicht länger mehr verweigern, indem die Anfangs bedungene Lehrzeit gänzlich vorüber war. Heute ward Bückle ausgeschrieben, und schon am nächsten Morgen darauf, nahm er Abschied von seinem bisherigen Meister; der, alles dringendsten Bittens ohngeacht, ihn keineswegs mehr dazu bewegen konnte, auch noch die zweite Pistole vollends zu fertigen, die selbst sein Meister, der ersten gleich zu machen nicht im Stande war. — Hierauf wanderte unser Bückle nach Augsburg, wo er als Büchsenmacher, besonders in Fertigung der Windbüchsen, sich auszeichnete. Bei einem Bildhauer daselbst ficng er itzt ach in — 191 — Wachs zu poussiren, und bei dem berühmten Maler Dil soll lernte er zu gleicher Zeit auch zeichnen. Wegen seiner vorzüglichen Geschicklichkeit, in Hinsicht der Fertigung solider Büchsenmacher-Fabrikaten, erhielt er auch 17/2 vom Magistrat der, damals noch freien Reichsstadt Augsburg ohneutgeldlich das Bürger- und Meisterrecht als Büchsenmacher daselbst. — Am 13. Juli 17^2 verheirathete sich derselbe zum erstenmal mit Marie Elisabeth, einer gebornen Müller, aus O et ting en-W all er stci n. Das Fertigen der Sigillc und das Stechen der Wappen ans Silbergeschirre war im Anfang seines Ehestands, sein hauptsächlichstes Geschäft. Er lebte sehr «ungezogen, gieng daher selten aus dem Haus, indem er in seiner Arbeit ganz unermü- det war. Im gesellschaftlichen Kreise war er hingegen heiterer und froher Laune; nur dürft er nicht aufgebracht werden; denn sonst überließ er sich ganz den ersten Wallungen seines heftigen Temperaments, das ihn bis an den Abend seines Lebens, nie verließ; — l'a, wenn er fe einmal, auf irgend eine Art, zum Zorn gereizt ward, so könnt er auf die pikanteste Weise, ohne Ansehen der Person, hierüber laut sich äußern; was ibm aber hie und dort, öfters zum Schaden und Nachthcil gereichte. Durchaus könnt' er aber keine Art von Unrecht— scp es nun an ihm selbst, oder an irgend einem seiner Ncbcnmenschcn ausgeübt — mit Stillschweigen erdulden, sondern er mußte solches als' einen unerlaubten Gegenstand, auf der Stelle laut und öffentlich rügen. — Erst im Jahr 1774 schnitt er seine Medaillen- 192 Stempel. Seine ersten Arbeiten von der Art, werden zwar insofern gerühmt, daß sie mit eisernem Fleißc gefertigt, jedoch etwas steif seyen. Im Jahr 1777 hatte derselbe sich aber hierinne schon so sehr vervollkommnet, daß die Künstler dieses Fachs, Bückle's außergewöhnlicher Fortschritte wegen, sich ganz in Erstaunen versetzt sahen — denn die beiden berühmten Medailleurs, Hcdlingcr u. Schega, hatte derselbe sich gleichsam zum Muster und Borbilde gewählt. Schnbart der bekannte Dichter aus Schwaben, machte in seiner deutschen Chronik *) einst folgende Schilderung von ihm: „Da Hab' ich eine Denkmünze vor mir, die ein Augsburgischcr Künstler, Namens B ück le, kürzlich auf die becden Herrn Stadtpfleger, von Langcn- mantel und von Ammann verfertigte. „Aufm Revers steht die Hoffnung, und überreicht Augnsta den Scepter. Hinter den Figuren sind die Wappen der beeden Herren Stadtpfleger und die ganze Gruppe ist vom Auge der Vorsicht beleuchtet. Die Hoffnung blickt zur Vorsicht empor, und weist mit der Rechten auf die Aufschrift des Postaments, worauf sich Augusta stützt. Becde Figuren sind edel und mit vielem Fleiße gearbeitet. Die Mienen haben Ausdruck, und der Faltenwurf der Kleider ist vortrefflich. Die Aufschrift des Postaments ist ganz simpel: OvI(s5 sscurn (die sichere Stadt). Aufm Avers sind blos die Namen der beeden Herren Stadtpflegcr. „Da dieser junge Künstler den einsamen Pfad ei- *) Siehe dessen deutsche Chro nikv. I. 1775 im 15. Stück, S. 1t'- unter der Rubrik: „Schöne Künste." 193 ncs Hedlingcrs und Schega auffand; wie sehr verdient er nicht Unterstützung von den Vätern sei« ncr Stadt und jedem Freunde der Kunst!" — Späterhin machte Schub art in seiner Chronik*) folgenden merkwürdigen Zuruf an Buckle. „Immer einen Schritt höher zum Piko deiner Knust rüstiger Mann Vückle! Die Medaille, die dieser Künstler auf den secligen Herrn David von Stetten (vormaligen Stadtpfleger in Augs« bnrg) kürzlich verfertigte, ist so vortrefflich gera« thcn, daß sie im Kabinete des delikatesten Sammlers an der Seite eines Hedlinger's, Schega, Dorn er und Scheffer's, noch figuriren wird. Erst das Gesicht! Welcher Charakter! Deutscher Ernst, ruhige Weisheit, Herzcnsgüte und Seelenfrieden schaut draus hervor. „Die Erhöhungen und Vertiefungen des Gesichts zeugen, wie fest und sicher der Künstler seinen Griffel zu führen wisse. Stetten starrt nicht als Leichnam aus der Medaille, sondern lebt. Der Fleiß des Künstlers ist auch in Nebendingen sichtbar. Welch ein Lockenwurf! wie weich, wie Hcdlingerisch sind die Haare in der Perücke! Halskrause, Kette, Mantel, nichts ist vom Künstler vernachläßiget worden. „Ich wünschte, daß Bückle uns nach und nach, auf diese Art eine Sammlung großer Deutschen lieferte; er war' vor tausend andern der Mann." Diesem patriotischen Aufrufe gemäß, hatte Bück- ») Siche Sck>ubarts Vaterländü'chc Cbroilikb. I. <775 im 75. Stück, Seite 605 und 606 Kbcndaselbst steht Seite 605 unten der Rubrik: „N achr i -l, k," daß Schub art § Portrait van dem ae,'checkten Kunst- ler Bückle in Wach» pvußirt, letzt in Augsburg für einen Dukaten zu haben sehe. 13 194 l c nachher auch wirklich mit einer Sammlung von der Art den Anfang gemacht. Er lieferte zu diesem Ende die Portraits von G ö- the, La vater, und von noch vielen Anderen. Die Bildnisse des Napoleon Bona parle, des Fürsten Carl, Primas von Frankfurt am Main, auch sonstige Medaillen, die er für die Akademien zu Augsburg und Stuttgardt lieferte, sind die redendsten Beweise seiner Kunst. Noch in seinen früheren Jahren formte derselbe sehr schöne Portraits in farbigem Wachs, die in Hinsicht der Farbe, Gesichtszügen und der Kleidung, vom geschicktesten Maler nicht so natürlich dargc- stellt werden können, als dieses, nur allein in Wachs möglich ist. Auch goß er lebende und verstorbene Personen in Gyps über das Gesicht ab, und füllte nachher die Gypsform mit Wachs aus, gab dem Wachs die gehörige Gesichtsfarbe und öffnete der Wachsfigur als- denn die Augen; Nichts kann ähnlicher gefunden werden, als ein auf diese Art vom Bücklc gefertigtes Portrait! — Alte Kupferstiche verstand Bückle zu erneuen; daher kaufte derselbe sehr oft neue, und verhandelte sie wieder gegen gute alte; wodurch denn seine beträchtliche Kupferstichsammlung (die er nach seinem Tode hinterließ), meist entstanden war. Früher schon trieb er auch einen kleinen Handel mit Kupferstichen. Kunst war sein Idol, und jeder, der dieses wahrhaft mit ihm theilte, war auch vor allen Andern, bei ihm sehr Willkomm. Gegen junge Leute, die nur einigermaßen Kunst- anlage zeigten, war er sehr gefällig; ja, er konnte 195 sich sogar stundenlang mit ihnen unterhalten, um sie zu belehren und aufzuklärcn. Das Orthographischschreiben war durchaus B ü ekle' s Sache nicht; und nur erst in seinem fünfzigsten Jahre hatte derselbe jene artistische Rechnungs- methode, die beim Münzwesen unumgänglich erforderlich ist, sich noch mühsam cinstudirt; jedoch aber zuletzt solche sich vollkommen eigen gemacht. Als ein praktischer Fcncrarbeiter, könnt' er auch mit dem Schmelzen der edeln Metalle, so wie nicht minder mit dem Schmieden, Weichmachen und Härten des Stahls und des Eisens, vorzüglich gut umgehen. Schon im Jahr 1780 ward er als Mitglied der Augsburger Stadtakademie, und späterhin (1786) auch als Mitglied der kaiserlichen Akademie der freien Künste zu Augsburg ausgenommen. — Seine erste Gattin ward schon im Jahr 1781, nach einer neun volle Jahre hindurch, mit ihr verlebten glücklichen Ehe, mit Hinterlassung einer Tochter (der nunmehrigen Amtsrevisor Rheinländerischen Ehegattin zu Carls ruhe) durch den Tod ihm frühzeitig von der Seite gerissen. Er verhcirathete sich daher im Jahr 1783 zum zweitenmal, nämlich mit Apollonia Schöllkopf von G eißlingen. Diese seine zweite eheliche Verbindung siel aber keineswegs nach seinen Wünschen aus; ebendeswegen ward er auch, nachdem er zuvor einen sehr kostspieligen Ehescheidungsprozeß niedrere Jahre hindurch geführt hatte, im Jahr 1791 von seiner zweiten Gattin endlich geschieden ; aus welcher Ehe ebenfalls eine Tochter, nämlich die dcrmalige Ehegattin des 13 * 196 Beiudrcchslers und Bürgermeisters, Friedrich Kn oll, in Geißlingen, vorhanden ist. Fünf Jahre vor dieser Ehescheidung (nämlich 1786) erhielt Buckle vom damaligen Herrn Markgrafen Carl Friedrich, von Baden, den Ruf als Hof- medaillcur; und Bückle wählte sich alsdcnn die Stadt Durlach, wegen dev dortigen Münzstätte sowohl, als auch in sonstiger ökonomischer Hinsicht, zu seinem immerwährenden Aufenthalt. Die damals in Durla ch wohleingerichtet gewesene Münze (über deren damalige Gcräthschaften dem Bückle sogar noch ein halbes Jahr vor seinem Tode, die Aufsicht übertragen ward), kam ihm auch in der Folge zur Prägung seiner Medaillen, sehr trefflich zu statten. Im Jahr 1794 erhielt Bückle schon wieder einen andern — nämlich dadurch bei ihm hauptsächlich veranlaßten Ruf, als Hofmcdaillcur, nach München, weil er im Jahr zuvor auf das fünfzigjährige Jubiläum des, jedem patriotischen Pfälzer ewig unvergeßlichen Kurfürsten Carl Thcodor's, eine von dem verstorbenen berühmten Künstler Schega, bei dessen Lebzeiten, bereits schon angefangene Medaille, mit Beifall gänzlich vollendet hatte. Diesen Ruf, so glanzend er übrigens, an und für sich schon, und zugleich auch mit so bedeutenden Vortheilen für Bückle verbunden war, die derselbe freilich im Badischen entbehren mußte, nahm er aber wegen seiner patriotischen Anhänglichkeit für Badens Fürstenhaus, jedoch keineswegs, an, sondern lehnte ihn mit Bescheidenheit von sich ab. Für Aas Inland prägte Bückle nachbcschrkebene Medaillen, nämlich: 197 1) Auf die Geburt des Prinzen Carl, (nachhe- rigcn Großherzogs von Baden.) Auf der Vorderseite dieser Medaille befindet sich das Bildniß deßen Herrn Großvaters, Carl Friedrich; auf der Kehrseite hingegen eine Figur mit Palmzweigen, und einem Füllhorn, mit der Umschrift: „lurto sx I7!ic> ne^ots lastus" den 8 Juni 1786. 2) Auf die Jubelfeier des Gymnasiums zu Carls- ruhe; zu Prämien bestimmt. Diese Medaille, (wovon damals 200 Stücke an die dasigcn Studenten ansgctheilt wurden,) hat das Badische Wappen auf der Vorderseite, mit folgender Umschrift: „keriss 8ssiilars8 illnstris (H'ilinasu. clis 21 Xov- 1786^ und auf der Kehrseite einen Lorbeerkranz, mit der Inschrift „VIrtuli st Ltuclio." ü) Zum Andenken der fünfzigjährigen Regierung des Herrn Markgrafen Carl Friedrfich's von Baden. Auf dev Vorderseite befindet sich Hvchstdeßcn Bildniß; auf der Kehrseite hingegen die Inschrift: Urinslpati>8 lUisisiümi ssiriisssuIareiN memorlanr cslsdrat salutigiis n^iusiitl novu Vota susciplt Iii- Iariia8 pnlilisa. XXII. I). Xov. 1796. 4) Die Woffinger Medaille. Diese ist auf der Vorderseite mit Carl Friedrich's Bildniße; auf der Kehrseite hingegen, mit der patriotischen Jnnschrift versehen: „Dem Vater seines Volks, heisser Dank und fromme Wünsche für 50) übrige Liebe, von seiner treuen Gemeinde Wössingen." Den 22 Nov. 1796. 5) Die Badische Verdienstmedaille, (welche mehre- rc«al§ erneuet ward.) 198 Auf dem Avers befindet sich Carl Friedrich'S Bi'ldniß; auf dem Revers hingegen ein Lorbeerkranz, mit der Umschrift„Dem Verdienst um das Vaterland." 1798. 6) Ferner eine Gleiche, jedoch mit dem Unterschied, daß auf der Kehrseite eine Figur ist, die ei- neu Lorbeerkranz in der Hand halt, unten daran aber ein Greif und ein Füllhorn sich befinden, mit der Umschrift: „ D e,n V e r di cnst g'ewi d in e t, von Fürst und Vaterland," 1810. 7) Die Pforzheimcr Medaille. Es ist der Mühe wcrth, daß ich den eigentlichen Veranlaß dazu, ganz umständlich hier einrncke. Bei Gelegenheit, als unser verewigter Landessürst Carl Friedrich im Jahr I 796 . sein fünfzigjähriges Regierungs - Jubiläum beging, stiftete der Pforzheimcr Stadtrath, der in den Herzen seiner Bürger las, ein Volksfest, das aber, wegen der damaligen Kriegsunruhen, erst, nach erfolgtem Frieden, am 15 Juni 1801, zugleich mit dem Friedensfest, das erstemal gefeiert ward. Er ließ eine Ehrenmünze prägen, welche jedesmal bei der Feyer des Festes, durch das Obcramt, die Geistlichkeit und den Stadtrath, demjenigen Einwohner Pforzheim'ö zucrkannt wird, der sich durch eine neue nüzlkche Erfindung, oder durch besondere Verdienste und Tugenden, des Preißes am würdigsten gemacht hat. Diese Medaille ist acht Dukaten schwer in Gold, und hat auf der Vorderseite das Bildnist des (damals regierenden) Herrn Markgrafen von Baden, mit der Umschrift: .. lOIesteicli M 2. L. V. II;" aus der Kehrseite aber, die Gerechtigkeit, welche in der rechten Hand eine Waage, in der linken einen Kranz von Olivenzwcigcn - 199 — hält, mit der Umschrift: „vsm walii-sn Vvr- stie-iuUa;" in vcr Ercrgue, oder in der Umschrift, das Wort: Uloexlivim, 1789. 6) Eine Preißmedaiile für das weibliche Institut in Rohrbach bei Heidelberg; auf der Vorderseite mit der Umschrift: „Amalie Fried. Erbp. Markgräfin zu Baden; auf der Kehrseite ist hingegen ein Blumenkranz mit der Inschrift: „Lohn der weiblichen Tugend und Geschick lichkeit;" Endlich y) Auf die Geburt der Prinzessin Louise von Baden, 1811; welche Medaille die Stadt Earlsruhe fertigen ließ, weshalb unter andern auch auf solcher der Plan jener Stadt befindlich ist. Wenn nun unser Lückle keine Medaillen zu fertigen hatte, so gravirte er alsdann Sigille; als wovon z. B. jenes, für die vaterländische Gesellschaft der Aerzte und Naturforscher Schwabens von 1801 und das kurfürstliche- Badische Staatsstgill, als vorzügliche Meisterstücke der Kunst, von Ihm anf- zuwcisen sind. — Seine vielen Kunstarbciten überhaupt, bahnten ihm daher auch den schicklichsten Weg dazu, daß er in der Zeitfolge mit mehreren berühmten Gelehrten und Kunstfreunden, wie z. B. mit Schnbart, Lnvatcr, Posselt, dem bekannten europäischen Annalisten, nicht minder auch mit den Professoren Heidelofs, Abel, Müller und Daune ck er in Stuttgard; desgleichen mit dem königlich - Prensstschen Hofgraveur, Veit Doll in Suhl, bei Sachsen - Gotha, rc. sodann vorzüglich im Vaterlande, nämlich mit: Hosbildhaner Kaiser, Hofkupferstecher Haldenwang, Hofgallerie - Direktor Becker, sämmtlich in Carlsruhe, so wie 200 mlt Möglich in Nürnberg, und sonst noch mit vielen Anderen, in den freundschaftlichsten Verkehr gekommen ist. Als Graveurs, schätzte unser Bückle den, bei der Münzstätte zu Mannheim ehedem angcstclltcn, (aber schon am 12 Hornung 1812 daselbst verstorbenen) Künstler Boltsch Hauser, und seinen vormaligen Schüler, den Münzgraveur Wagner, in Stuttgard, (einen ebenmäßigen Durlachcr); vorzüglich aber, unter seinen vielen Schülern, den jezi- gen Hofmedailleur Neuß in Augsburg, der selbst von Bückle an seine Seite gestellt ward, dergestalt, daß er dessen Arbeiten, als von ihm selbst gefertigt, stempelte; wie dieses, namentlich bei dem Portrait unseres Höchstseeligcn Herrn Großherzogs Carl Friedrich vom Jahr 1810 der Fall war, das nach dem trefflichen Modell, welches der geschickte Hofbildhauer Kaiser in Earlsruh' anf- stellte, gefertigt ist. Das, so eben genannte Modell ward aber späterhin von den Erben des Bückle an den Magistrat in Durlach abgegeben, und im dortigen Rathhauß feierlich ausgestellt, wo es, noch jezt, als die erste Zierde des großen Rathssaals, gut aufbcwahrt wirb. Anekdoten und Karakterzüge aus dem Leben des Bückle. Um jene Zeit, da Bückle noch unverheiratet kn Augsburg wohnte, machte derselbe von dort aus, einst eine Lustreise nach Stuttgard zu seinen dastgcn Freunden und Bekannten. Als er nun, gelegenhcitlich dieser Reise, durch Ulm passsrte — woselbst er ehedem das Büchsenmacher Handwerk erlernt hatte — ward er dort 201 einen, vor dem Bürgerhospital sitzenden Greißen gewahr, der ihm, von ferne schon, sehr wohlbekannt schien, und in welchem Bückle den armen Schuster, seinen ehemaligen Wohlthäter in der Lehrzeit zu erblicken glaubte, und den er auch, bei näherer Ansicht, wirklich dafür erkannte. Bückle — ganz Wonnetrunken hierüber — reicht jczt seine ganze Börse diesem Spitaliten dar, und drückte zulezt noch, beim Abschied dankbar die Hand dem guten Alten, den Bückle, bis an den Rest dessen Lebens, von Zeit, zu Zeit, noch zu unterstützen, sehr sorgfältig bedacht war. Von jener Steile in Ulm, wo Bückle seinen alten Wohlthäter damals verließ, sezte Er, unter Freudcnthräncn im Auge, über diesen glücklichen Zufall, der ihm diesen Greißen hier wieder ausfinden machte, seinen Wanderstab, zwar von aller Baarschast nunmehr gänzlich entblößt, mit starken Schritten weiter, bis nach Stuttgardt fort. In dieser Residenzstadt verweilte sich unser Bückst e bei seinen dortigen Freunden, und Bekannten etwas länger, als er es Anfangs sich vorgenommen hatte. Was geschieht? Während er sich noch in Stuttgardt befand, ward die ganz bestimmte Nach rieht von seinem indcß erfolgten Tod, in ganz Augsburg verbreitet. Auf diese Kunde hin, wurden daher Bückle ns sämmtliche in Augsburg vor seiner Abreise nach Stuttgardt, znnckgclassenen Effekten sogleich obsignirt; und seine Dicnstmagd und guten Freunde daselbst, legten (nach damaliger rcichsstädtischer Sitte und Gewohnheit,) Traucrkleidcr für Ihn an. Wie nun Bückle kurz darauf, ganz frisch lind gesund, in Augsburg von seinerReise wieder zurück 202 eintraf, und seiner vorigen Wohnung daselbst zueilte, fand Er die Thüre derselben versiegelt. Er stnzte bei diesem Anblick anfangs nicht wenig darüber, indem Er diesen sonderbaren Borfall sich nicht sogleich erklären konnte. Während dem Er hieriebcr so nachdachte, was denn wohl in seiner Abwesenheit hier vorgefallen ser-n möchte, kam B ü ckl e' n s Magd, in ein schwarzes Trauergewand eingehnllt, ans ihrem Schlafgemach hcranö, welche beinahe in Obumacht fiel, als sie ihren, nicht anders, als wirklich todt geglaubten Diensthcrrn, in tiefes Nachdenken versunken, auf einmal vor seiner Stubcnthüre stehen sah. Diese Schreckensszene verwandelte sich gar bald in ein scherzhaftes Gelachter, so wie Beide, in wenigen Augenblicken, sich jenen Irrthum einander erklären konnten, der durch die, kurz zuvor, in Augsburg verbreitete, ganz ungegründetc Nachricht von B ü c? l c' s Tob, herbeigeführt ward. — Einst hatte die herzogliche Behörde zu Stuttgardt dem Buckle am Geldbetrag seiner verfertigten Graveur-Arbeiten einen, nicht unbedeutenden, Abzug gemacht; weshalb Cr, zu seiner Entschädigung dafür, in der Folge sich» zu pfänden suchte. Denn als er im Jahr k77-l zu Gravirnnq des Bildnisses des damaligen Herzogs von Wwiembcrg den Auftrag erhielt, so ließ Buckle sich auf diese, bei ihm bestellte Arbeit hin, einen, den zuvor erlittenen Abzug gleichsam an sw iegen den Gcldvorschuß von der nämlichen Behörde darreichcn. Bückle fand alsdenn aber für gut, weder diese nenbestellte Arbeit jemals verfertigt auszuliefern, noch viciweniger den, darauf bereits erhaltenen baarcn Gcldvorschuß, an Ort und Stelle wieder zurück zu erstatten. 203 Wegen dieser Selbstpfälidnug ward Bückle hingegen vom Wirtembergischen Geschäftsträger in Augsburg, ^ (den Er nur allzugut kannte,) in ein feines Nez dadurch zn locken gesucht, indem er Solchen späterhin eines Tages mit mehr Anderen zu ei- Mittagsmale bei sich einlud, nach dessen Ende ein? Spazierfahrt hätte statt finden, und mit dieser Gelegenheit unser Buckle so ganz in der Stille, als Arrestant, nach Stuttgardt abgeführt werden sollen. Buckle bekam aber, anderwärts her, einen kleinen Wink davon, und entfernte sich vom Speißctisch jenes Geschäftsträgers, noch bei guter Zeit, eh' und bevor das Dessert aufgetragcn war. In spaterer Zeitfolge hatte jener Geschäftsträger seinen, vorhin erwähnten Gegenstandes wegen, Hebern Orts gehabten Auftrag dem Bückle scherzweise selbst entdeckt. Lcztcrer gieng daher sobald nicht wieder nach Stuttgardt, außer nach einem Zeitraum von zehn Jahren; indem der Herzog Ihn deswegen dahin berufen ließ, um auf jene, auf Pergament geschriebene Diplomen für die Eleven der Carls-Hohcnschule in Stuttgard, und zwar für die, welche silberne Preißmedailleu erhielten, mit Silberstaub,. und für jene, die goldene dergleichen davon trugen, mit Eoldstaub das akademische Sigill zu drucken. — Wie man ganz nnvcrmuthct in die äuffcrste Verlegenheit gcrathen kann, bcweißt folgende weitere Geschichte ganz deutlich: Bückle begleitete einst, mittelst einer Chaise, eine seiner Verwandtiuncn vou Durlach bis Vretten. Im Rückwege, und zwar im Wöffiugcr Walde, hielt der Knecht seines, damals gemicthctcn Lohnkut- schcrs (cm fremder Pursche, der an Dubla ch diente). 204 plötzlich still, und forderte in einem brutalen Tone, se ch s G u ld e n von unserm B ü ck l e, mit der Drohung daß er ihn gegentheils nicht von der Stelle fahren würde. Nach einigem Weigern reichte ihm endlich Buckle die ihm abgedrungcne Summe Geldes dar;' dann fuhr dieser Knecht weiter mit ihm fort, sah aber, bald links, bald rechts, sich um; in seinem Innersten stets mit sich selbst kämpfend; und so gicngs in einem fort, bis an das Ende des Waldes. Nun war die Ausübung einer Mordthat von solchem nicht mehr zu befürchten; dieser Knecht hielt hingegen hier abermals still, und bat jetzt fußfällig unfern Buckle: seinem Dienstherrn in Durla ch doch ja nichts von diesem Borfalle, bei seiner Heimkunft, zu entdecken, indem er Jemand sechs Gulden schuldig scp, die er demselben nunmehr unerbittlich bezahlen muffe. Buckle sichert ihm hierauf gänzliche Verschwiegenheit hierin» auf immer zu, und hielt auch redlich Wort. Don dieser Zeit an, reißte Buckle hingegen nie mehr ohne geladene Pistolen, die er auf seinen nach- herigcn mchrsältigcn Reisen, ganz im Verborgenen, stets bei sich trug. Nun zu einer anderen, jedoch weit angenehmeren Geschichte. — Einst lag unser Bückle an einer, damals in Dur lach graffirenden gefährlichen Krankheit sehr hart darnieder. Sehr spät erst erfuhr dies aber Prinz Friedrich, (Markgraf von Baden) der um jene Zeit, mit seiner Durchlauchtigsten Frau Gemahlin Christiane Louise, (einer Prinzeßin Tochter des ehemaligen Herzogs von Nassau - Usingen,) seinen stillen Aufenthalt in Durlach hatte. So wie min dieser Fürst von Bückle's Krankheit 205 in sichere Kenntniß gcsczt ward, schickte Derselbe sogleich einen seiner Bedienten zu nnserm Bückle, durch den er um dessen Befinden sowohl, als auch znglcich darum sich erkundigen ließ, womit Er ihm etwa in feiner Krankheit, auf irgend eine Weise, dienen könnte. — Hoch erfreut hierüber, ließ diesem menschenfreundlichen Fürsten unser Buckle gauZ ehrerbietig zurückvermelden: „daß Er zwar dermalen wieder ans dem Wege der Besserung sich befinde, Ihm aber, zu seiner vollkommenen Wicdcrgcncsung nichts anders nur noch dienlich seye, als der tägliche Genuß eines Gläschen guten alten Weins, dessen Er, leider! entbehre." Kaum war Bückles Wunsch diesem Prinzen hinterbracht, als er ihm sogleich einen ganzen Korb voll Flaschen, angefüllt finit dem köstlichsten Weine, übcrschicktc. Duckte gcnaß nun bald darauf durch dieses Prinzen so wohlthatige Weingeschenk; und es war denn daher auch ganz natürlich, daß, so wie Bü ekle nur einigermaßen wieder aus seiner Wohnung zu gehen, sich's getrauen durfte, sein erster Gang zu diesem großmüthigen Prinzen war, dem er dann mündlich für Dessen, ihm überschicktcs Labsal untcr- thänig dankte. Bei Buckle's Eintritt in dieses Prinzen Pallast (im altfürstlichen Residcnzschloße Earlsbnrg,) bewillkommt' ihn Derselbe mit der, Ihm eigenen Herzensgute und dicß mit dem nngeheuchelten Ausdruck der Freude über Bückl'ens gesundes Wiedersehen, den folgende Anrede begleitete: „Sie, mein lieber Bückle, sind unter allen Ein- „wohncrn dahier, die ich ehemals in ihrer Krankheit, mit altem Weine zu erquicken suchte, aller« 206 „dingö der Erste, der sich persönlich dafür, bei mir bedankt!" — Diese, gewiß sehr rührende Anekdote erzählte B ü ck l e gleich nach seiner Heimkunft, seinem Tochtermann, welcher darinn eine laute Beschwerde des Prinzen über den Undank der Uebrigeu zu erblicken glaubte. Dieser aber merkte sogleich jenen, bei seinem Eidam hierin» obwaltenden Jrrthum, den er, gleich einem Räthsel, itt folgender deutlichen Erklärung ihm auflöste: Daß nämlich dieser treffliche Prinz ihn so anredete: „wie er unter allen Durlacher Kranken der erste sep, der sich für den von ihm erhaltenen Wein persönlich bei ihm bedankte," Er nur seine Freude über jene, persönlich vom Bückle überzeugte Wiederge- nesung, habe ausdrückeu wollen; indem die übrigen Kranken zu Durlach, thcils von ihrer Krankheit noch nicht wiedergenesen, und theilö daran schon gestorben scycn. Diese naive Darstellung jenes Jrrthums endigte sich nachher, zwischen unserm Bückle und seinem Tochtermann, mit einer scherzhaft-frohsinnigen Unterhaltung. Nach dieser übcrstandencn Krankheit, lebte Hof- medaillcur B ückle noch so lange zu Durlach, bis er daselbst das nämliche Alter nach dein ersten Grade des prophetischen Ausspruchs jenes Weisen erreicht hatte; denn — Sein Tod erfolgte am 18. Oktober 1811 — mithin gerade im sicbenzigstcn Jahre feines Lebens, nachdem er nach jenem, ihm längst zuvor schon in die Ewigkeit bereits vorangegangenen, ehehinigcn Münzwardein, dem damaligen Bürgermeister Stein- ») Siebe Davids Psalm So Vees >0. — 207 — b ä usse r, zugleich auch damals der letzte Münzgraveur in Durlach war! Sein Tvchtcrmann, der jetzige Großherzogliche Amksrevisor, Hr. Rheinländer in Carlsrnhc, so wie auch sein Lcichenrcdner, der (damA.s noch lebende) evangelisch-protestantischeStadtpfarrcr Wagner in Dur lach, begleiteten Buckle's irrdische Hülle zu ihrer Ruhestätte daselbst. — B ü ck l c hinterließ ein geringes, jedoch schuldenfreies Vermögen, das hauptsächlich in einer Sammlung von guten Kupferstichen und Handzeichmmgcn bestand, die seine Erben erst im I. 1816 inCarls- rnhe öffentlich versteigern ließen. — Bückle's Wohlthätigkeit gegen die Armen und No tbleidcnden kannte, bei dessen Lebzeiten, beinahe keine Gränzcn. — Ja, er borgte selbst oft irgendwo bei guten Freunden gewisse Summen Geldes — um nachher davon nur das nöthige Allmosen für jene Bedrängten, die ihn zuvor um Unterstützung baten, gehörig bestreiten zu können. Nachdem er schon todt in seiner Wohnung lag, kamen noch dahin, jene Armen, die er wöchentlich zn unterstützen pflegte, auch wieder in der nämlichen Absicht, um dort ihr gewöhnliches Allmosen bei ihm abzuholen. Auf die, von andern Anwesenden hierauf aber erhaltene, diesen Armen jedoch ganz unerwartete Nachricht davon, daß Buckle gestorben sty, schlichen sie sich von jener Treppe, die einst zn Bückle's Wohnung — einem wahren Asyle der Armen — führte, ganz traurig und niedergeschlagen, wieder hinab, und riefen schluchzend und zugleich scin Andenken dankbar noch segnend, voll inniger 208 Rührung, als Nachklang ihres letzten Danks, die Worte ihm nach: „Gott gcb' ihm die ewige Ruh'!"*) Kurze Biographie des vormaligen Groß- herzoglich- Badischeu Staatsraths/ Ernst Sigmund Herzog in Carlsruhe. Vom Jahr 1747—1820. ^Dieser ward an 8. April 1747 in Dur lach geboren. ") Das sin Stuttgar) «scheinende) „Uuterb a l tu » gs b l g k t für alle Stände" lieferte einst in Nr. 107 vom 6. Septemder 1817 Seite 528 eine kurze Lebensbeschreibung Bücklcs von Herr» We» ermann, ldcrwaligc» Pfarrer in Geradstetten,) verfaßt; nicht minder Meusels Künstler Außer mir, ward dem StaatSratb Herzog auchaher schon niedrere Jahre hindurch, als Badischer Geschäftsträger am kön. Hofe zu Paris accreditirte Gehcimesekrcrär, Herr Gcrstlacher, hei. gegeben. Die meisten Notizen, in Ansehung der LebenSumstände des Staatsratbs Herzog, bat mir dessen Neffe, der Gehe!,nerefercndair Herr Groos in Karlsruhe— bis hicher — srcundschastlich mit> gethei.lt. Anm. d. Berts. 211 Diese, hierdurch zwar erlittene harte, zugleich auch sehr auffallende, Kränkung ertrug derselbe jedoch standhaft, mit der, ihm eigen gewesenen innern Sec- lengröße und mit dem Bewußtseyn, diese Demüthi- gung keineswegs selbst, aus eigener Schuld, verdient zu haben. Er rechtfertigte sich aber in der Folge hinlänglich, und zwar so vollständig, daß er noch vor dem Ende des Jahrs 1809 schon wieder von Bruchsal in die Residenzstadt Carlsruhc — und zwar in den gnädigsten Ausdrücken — zurückberufen, in alle seine vorigen Würden und Ehrenstcllcn wieder eingesetzt wurde, und in kurzer Zeit darauf das Komman- deurkrcuz des Ordens vom Zähringer Löwen erhielt. Sein rechtlicher, wahrheitsliebender Sinn, der ihn nie verließ; seine ausgezeichneten Kenntnisse im diplomatischen Fache und in den meisten Zweigen der schönen Wissenschaften; sein hoher Verstand, feiner Witz und Scharfsinn, begleitet von der einfachsten, anspruchloscn Lebensweise, hatten ihm die Achtung aller erworben, die ihn kannten. Noch im letzten Jahrzehend schrieb er eine historische Abhandlung üb. denUrsprung der Stadt Durla ch *) und starb endlich, des Lebens überdrüssig, an einer Entkräftung, am 10. Hornung 1820 , und zwar unverheiratheten Standes, zu Carlsruhc, in einem Alter von 73 Jahren, weniger 1 Monat und 27 Tagen; wobei hier vorzüglich zu bemerken ist, daß er eine, zwar schuldenfreie, aber sehr geringe Vcrlaffenschaft, als den redendsten Beweis se i- ner uneigennützigen Handlung sweise, hin« tcrließ! Friede seiner Asche l Diese Abhandlung beüttdet sich in den valerltindischcn Blatte-!» Nr. S. vom 3Z. Avril 1S1L. 14 * 212 Biographie des Großherzoglichen Prinzen und Markgrafen Friedrich's von Baden. Vom Jahr 1756—1817. den Annalen von Durlach verdient unstreitig hier einer vorzüglichen Erwähnung — ein Spröß- ling von Badens erhabenem Fürstenhansc der, bei seinen Lebzeiten, in den Herzen der Bewohner dieser alten Residenzstadt, durch Wohlthun, seinem einzigen Bestreben, sich ein unsterbliches Monument errichtete, indem er durch reichliche milde Gabcnspcnde so manche Thränen des Elends und des Jammers von den Wangen der Nothleidenden getrocknet, so manchen Armen in dessen gesunden, so wie in kranken Tagen mit Geld und Lebensmitteln unterstützt, überhaupt aber in die Wunde sedes Leidenden und Hülfsbedürf- tigen in Dur lach sehr wohlthätigen Balsam gegossen hatte, so lang er nämlich Bewohner des altmarkgräflichen Residcnzschlosscs Earlsburg war, wo er in der Mitte von Durlach's Bürgern stets wohlthnend lebte und webte, und statt der dafür verdienten B ü r g e r k r o n e dieser Stadt, die H i m m - lische dagegen, am Hochaltäre der Unsterblichkeit erhielt; und dieser edle Sprößling des Urstamms. . . vom grauen Alterthume der Zäh ring er war — Prinz Friedrich, Markgraf von Baden, (weiland der zweite Sohn des, im Vaterland sowohl als in ganz Deutschland, unvergeßlichcnGroßherzogs Carl Friedrich von Baden), im Jahr 1756 am 29- August in der Residenzstadt Earlsruhe geboren. Voll Gesundheit und Leben, aber zart gebaut an Seel und Leib, äußerst feinfühlend also, hicng sich bald fein, einzig nur trauliche Mittheilung bedürfendes Herz an seine zärtliche Mutter, die Frau Mark- grafinu Caroline Louise, welche durch ihre Liebe die scinige entzündet hatte. Sie war für ihn Alles, so wie er für sie. Kaum den Kindcrsahren entschlüpft, war er ihr beständiger Gefährte, ihr treuer Freund, und vielleicht auch der einzige Vertraute ihres Herzens. Sie war eine ausgezeichnet große Dame, in welcher sich Eigenschaften vereinigten, die sich selten beisammen finden. Ihre Liebe zur Wissenschaft und Kunst gieng bis zum Enthusiasm', und war sehr thätig, was der Enthustasm nicht immer ist. Das Naturalienkabinet, die Bibliothek, der größte Tbeil der Gemäldesammlung in Carlsruhe sind — Stiftungen von ihr, und aus ihrem Privatvcr- mvgen. Bei aller Reizbarkeit des Herzens, die sie zu so hoher Liebe fähig machte, hatte sie einen unerschütterlichen Glcichmuth. Keine Beleidigung konnte sie treffen, oder nur in Bewegung setzen. Alles glitt ab an ihrer Größe, ohne eine Spur zu hinterlassen. So einzig war sic auch in der Liebe zu ihrem Sohne, dem Prinzen Friedrich. Sie wollte ihn ganz besitzen; auch füllte sic sein ganzes Herz ans. Ein glcichgeliebtes Wesen hätte die Mutter schwerlich zwischen sich und dem Sohne, dulden können, weil sie mit ihm gleichsam in einer geistigen Verbindung stand. Auch hätte er sein Leben für sie gelassen. — Im Theater des alten Schauspielhauses in Carls- ruhc, das ohne Logen, ainphitheatralisch gebaut war, entstand, aus Mißvcrstäudniß, ein allgemeiner Feuerlärm. Die ganze Hintere Menschcnmasse stürzte 214 sich mit Ungestüm in die Gegend, wo damals der Hof saß. Das Gedränge war zum Ersticken. Prinz Friedrich, als Sohn, hatte nur Sinn für die Mutter, nur sie wollt' er retten. Er umfaste sie, und trug sie glücklich aus dem stürmenden Haufen, fo, daß der Durchlauchtigste Vater, Earl Friedrich, auch nachher sagte: „Fritz hat seine Mutter gerettet!" Aber nicht immer konnte er das, so gern er cs auch, mit Lebensgefahr gethan hätte. Er machte einige Reisen mit ihr nach Italien und Frankreich; aber die letzte nach Paris im Jahre 1783 endete diese süße Gewohnheit auf eine schreckliche Art; er verlor die soinnig geliebteMnttcr am 8.April in Paris. Durch einen, im Residenzschlosse zu Earlsruhe erlittenen unglücklichen Fall von einer Treppe, litt diese erhabene Fürstin schon eine geraume Zeit zuvor. Durch ihre medizinischen Kenntrüße — sie war vielseitig wissenschaftlich gebildet — ward cs ihr wahrscheinlich, daß ihr Tod nicht mehr ferne sei). Ost sprach sic mit dem geliebten Prinzen über diesen Gegenstand, um ihn vorzubereiten auf diesen, wie Sie wußte, für Ihn sehr schrecklichen Fall. Jndcß hatte Sie doch die Reise unternommen, um den Versuch zu machen, ob ihre Gesundheit etwa durch eine Luftveränderung wieder hcrgcstcllt werden könne. Sie schien auch wirklich besser zu werden. Nur litt ihr Gemüth sehr durch den Verlust einer treuen Dienerinn, die, kurz zuvor, gestorben war. Allein die Hoffnung täuschte. Schon am Tage der Ankunft besuchte Sie, in Begleitung des geliebten Prinzen, einige öffentliche Anstalten; denn Ihre Wißbegierde war immer rege und gleichsam unerschöpflich. 215 Auf dem Rückwege fn litte Sie sich so ermüdet, daß Prinz Friedrich Mühe hatte. Sie die Treppe hinauf zu dringen; und kaum war Sie auf ihrem Zimmer, so traf sie ein Schlag. Zwar erholte sie sich, durch Anwendung aller zweckmäßigen Mittel und durch die treue Pflege des Printen, wieder so weit, daß sie — im liefen Gefühl seiner Liebe zu ihr — sagte: „Wie unglücklich wärst dn doch gewesen, wenn „ich hier in Paris gestorben wäre!" Aber das scheinbar vorübcrgegängcne Unglück sollte diesen Prinzen doch treffen. Der Schlag rührte sie aufs neue, und am 8. April verschied sie in den Armen des trostlosen Prinzen daselbst. Gleich bei dem ersten Anfall hatte dieser einen der Begleiter mit der traurigen Nachricht nach Carls» ruhe an den damaligen Minister, Freiherrn von E dclsl» e i m geschickt, um sic seinem Durchlauchtigsten Herrn Vater, Carl Friedrich, mit Schonung beizubringcn. Dieser, der mit der größten Zärtlichkeit an seiner würdigen Gemahlinn hicng, trat ergriffen von der Gefahr eines so entsetzlichen Verlusts, sogleich die Reise nach Paris mit den beiden übrigen Prinzen an, kam aber leider! ' nur b s Nancy, wo er die Nachricht von ihrem Tod erhielt. Sogleich reiste er in sein Land zurück, wollte aber nicht nach Carls ruhe, wo ihn alles an die edle Verlorne erinnerte, sondern verlebte diese, vielleicht härteste Zeit seines Lebens, in Stuttensee, einem einsamen Landhaus, in der Nähe von CarlS- rnhc. Hier erwartete er seinen unglücklichen Prin-' zcn Friedrich, der nun ohne die geliebte Mutter, die Rückreise autreten mußte. Herzzerreißend war der Empfang und die Erzählung von den Umstän- 216 den des Todes der Beweinten: aber etwas Hcrzer- hcbendes, Tröstendes ward zugleich gegeben. „Wenn einer aus einem trauten Kreis scheidet, so rücken die Anderen näher zusammen," — sagt man; und das traf auch hier ein. Das Linderung und tröstende Thcilnahme am inncrn Gram und Kummer bedürfende Herz des Vaters schloß sich innig an dcu Sohn, das Herz des Letzter« in gleicher Stimmung an den Vater an. Jeder wollte dem Andern ersetzen, und von dem Andern ersetzt haben, was jeder verloren hatte; und manches ersetzten sie sich. Der leidende Sohn fühlte sich wenigstens nicht mehr verwaist. Es flössen zwar noch viele Thräncu um die geliebte Gattin und Mutter: aber sie flössen vereint, zwischen Vater und Sohn, und selbst diese Thränen zogen das heilige Familicuband enger zusammen. Oft und viel sprach der Vater über seinen großen Verlust mit dem traurenden Sohn, und so umgekehrt; Beide suchten sich die vergangenen frohen Stunden mit der Hingeschiedenen zu vergegenwärtigen. — Im Winter 1784 ward eine Reise nach dem Carlsberg zu dem Herzog Carl von Zweibrücken veranstaltet; der Vater wollte den Sohn immer um sich haben; auf der Reise mußte dieser immer sein Zimmer mit ihm theilen, um ihm die Erinnerung anderer Reisen mit der geliebten Mutter zu mildern. Aber auf dem Carlsberg ward Prinz Friedrich von einer Brustenrzündung tödt- lich krank. Nur mit Mühe ward er gerettet — durch die ärztliche Hülfe des Herzoglich-Zwelbrück- schen Leibarzts, des Geheimenraths Rose, und durch die unermüdete Sorgfalt des Herzogs selbst, um den Kranken, den er so lieb gewonnen hatte. Im folgenden 1785. Jahr nöthigtc der Holländische Dienst den Prinzen Friedrich zu einer Reise nach Mastricht, wo der durch die vorjährige Krankheit geschwächte Körper einem Nervenficber fast unterlag. In der höchsten Eile schickte der besorgte Vater, nämlich der damalige Herr MarkgrafEarl Friedrich, seinen Leibarzt, den würdigen Herrn Geheimenrath Schrikel von S pa a, wo sich dieser Markgraf damals aufhielt, nach Mastricht, folgte aber diesem auf dem Fuße nach. Abermals ward dessen Prinz gerettet, aber seine Gesundheit blieb schwankend. Er gicng nach Carlsruhe zurück, und zwei Sommer nacheinander nach dem Gesundbrunnen Teilt ach, wo er sich etwas erholte, aber nie den vorigen Grad der Gesundheit erlangte. Am 9. Dezember 1791 vermählte sich derselbe mit der Fürstin» Christiane Louise, Tochter des ehemaligen Herzogs von Nassau-Usingen, die am 16. August 1776 geboren, mithin 20 Jahre jünger, als Markgraf Friedrich war. Hohe Achtung für diesen und seinen fürtrefflichen Vater, hatte dieses Bündniß geschlossen, und — es war unaussprechlich glücklich. Beide Neuvermählte verlebten hierauf miteinander », Schon im Jahr 17S6 Mitten die Generalstaaten der vereinigten Niederlande den Prinzen Friedrich von Bade» zum Oberste» beim zweiten Bataillon des 2ten Regiments Oranien- Nassau ernannt. Da nun im.Jahr 1785 der sogenannte Patrioten-Ausstand inLoiland ausgebrochen war, so wurden damals alle beurlaubte» Holland. Om cicrs zu ihrem Regimentc hie und da einbcrutcn; und die» nämliche LooS trat auch damals unfern Prinzen. An«- d. Bis- . 218 ihre Tage des Ehestands in wahrem harmonischen Einklang mit ihren guten und edeln Herzen. Menschenliebe war Grundzug des Charakters un- sers bisher zur Sprache gekommenen Prinzen. Sie äußerte sich nicht nur im Geben, sondern in der Art des Gebens, nicht nur im Leidcnwegnehmcn, sondern im Freudenmachcn, was allerdings ein fei« nercr Ausfluß der Menschenliebe ist. Schonender konnte man Menschen nicht behandeln, nachsichtsvoller nicht urtheilen, mit mehr Wahrheit das Beste nicht von Menschen glauben, auch bei verdächtigem Schein, als Markgraf Friedrich that. Aus dieser Liebe quoll denn auch seine Wohl- thätigkeit, die sich in seinem ganzen Leben aussprach, besonders aber in dem letzten Jahre der Noth sich so deutlich zeigte. An 36,000 Gulden wurden von diesem Prinzen zum Ankauf von Korn und anderen Nahrungsmitteln verwendet, um die hungernden Bewohner der Haarddörfer zu speisen. Durch einen mit der Noth dieser Leute sehr bekannten Mann giengen allein 30,000 Gulden in wchlchäcigen Umlauf; wofür nämlich Korn und Kartoffeln gerauft, und unter die Dürftigsten vertheilt wurden; und er hatte dieses Kapital nicht etwa baar da liegen. Seine Grundsätze sowohl, als sein Herz, mußten ein schweres Opfer bringen, um so reichlich unterstützen zu können. Er hatte eine fast unüberwindliche Abneigung, irgend einen seiner Untcrthanen einem andern Herrn zu überlaffen, und auch diese Abneigung quoll aus Liebe. Mußt' er doch,' wie sie von ihm behandelt wurden, jedoch aber nicht, welches harte Loos ihnen von einem andern Herrn etwa bevorstnnde? 219 Tief in seinem Gcmüth ergriffen vom Drange der Noth, bracht er indes auch dieses Opfer; er verkaufte nämlich eine seiner Domaincn an Baiern und dieser Verlags oder Umtausch in Salz, gelang durch die Klugheit und Thätigkcit seines ersten Geschäftsmanns so gut, daß ihm diese Unterstützung möglich ward. Die Wohlthätigkeit des Prinzen F riedrich quoll allerdings aus seinem Herzen, und das war ihr höchster Vorzug: aber sic war nicht blos Aufwallung nicht blinder Trieb; sie war durch Grundsätze geordnet. Er kannte den Werth des Geldes sehr gut. Ja, es sind Beispiele von ihm bekannt, wo er sehr genau mit 'Verkäufern handelte, wo er auch selbst l'cnen — Luxusartikel, der nach seinem Ge sch macke war, ungetanst hinter sich ließ, weil er ihm zu thcu- er oder zu kostbar schien. „Er hatte zu keinem Lurus Hang — sagt seine „edle, Ihm so ganz ähnlich gesinnte Wittwe — als „wenn Er glaubte, mit so etwas mir eine Freude „machen zu können;" und zum Bcweiß, daß sic auch von dieser Seite gleichgesinnt mit Ihm war, sezt sie hinzu: „Ost mußt ich Ihn bitten, seiner „Großmuth hierum Einhalt zu thun." — In Hinsicht seiner Art und Gewohnheit, an Andere, in ihrer bedrängten Lage, Wvblthatcn und Unterstützungen auszuspcnden, drückte sich seine vcrwit- „tibte Gemahlin folgendermaßen aus: er gab nicht „eher, als bis er gewiß zu seyn glaubte, daß die „Gabe gut angewandt sey; Er fragte Männer, die „sein Vertrauen hatten, und auch verdienten; er „ging mit den Vorstehern der Nvthleidenden, ohn- „geachtet seiner Krankheit, sorgfältig zu Rath, ek' „er sie unterstüzte." 220 Wie Wenige sind, die mit ihrer Wohllhätkgkeit an-und aushasten, die Kranken so lange verpflegen lassen, bis sic ganz genesen sind, sich ihren Unterhalt selbst wieder verdienen können; Kinder so lang erziehen lassen, bis sie keiner Erziehung mehr bedürfen ; — junge Handwerker so lang unterstützen, bis sie sich selbst forthelfen können. Prinz Friedrich war einer von den wenigen! er that alles für Menschen und Familien, die er einmal untcrstüzt hatte, so lange noch etwas zu thnn war. Selbst das, was dieser Prinz in seinem Wohl- thatcnreichen Leben nicht ausführcn konnte, sollte, über kurz, oder lang, dennoch vollendet werden. Dieß war der wesentliche Punkt in dem mündlichen Testament an seine, mit khm gleich großmü- thig gesinnte Gemahlin. „Noch immer — sagt Sie — klingt das bedeutungsvolle Wort schön in meinen Ohren: du „sichst, was ich zu thun wünsche: kann ich's nicht „vollbringen, so vollende du es." Er seztc sic in den Stand, cs nach seinem Tode besorgen zu können, und sie hatte den, hiezu gefaßten heiligen Vorsatz auch in der Zcitfolge wirklich ausgeführt. — Wie weh' thnt man oft Menschen, wenn man fordert, daß jede Wohlthat durch Dank und Zeichen bezahlt werde; wenn man sich unersättlich zeigt im Fordern dieses Dankes, und dadurch den Empfänger der Wohlthat in die Verlegenheit sezt, immer weniger Dankbarkeit empfänden zir können, fcmehr er Dank anssprcchcn muß! Und wie thut man dreifach weh' den Edel», deren Herz von Dankbarkeit überströmen will, wenn man kalt und stolz jeden Dank verschmäht, ohne zu bedenken, daß — 221 — G'ott selbst zur Annahme unseres Dank's sich nicht zu groß glaubt! Der wabre und feine Ton der Liebe bewahrte unfern Prinz Friedrich vor diesen beiden Ertremeir von schmerzender Dohlthatigkeit. Meist gingen seine Wohlthaten durch die dritte Hand; selten erfuhr man, oft ahnete man es kaum, von wem sie kamen. Ließ war vorzüglich bei der überreichen Unterstützung in dem Nothjahr 1816 der Fast; Es konnte nicht v erbor g e n bleiben, w e r solche Summen, zur Abbilfe des Mangels, aufwandte. Die unterstüzten Dörfer schickten daher Deputationen an ihn. Zwar konnte er sie, wegen seiner Krankheit und Schwäche, nicht selbst sprechen; aber, «m zu zeigen, wie angenehm ihm auch ihre Dankbarkeit sey, gab er einem seiner Diener den Befehl, sie in einem Gasthauße zu bewirthen. „Ost glänzte eine schöne Thräne in seinem Auge „— sagte seine hinterlafsene Gemahlin, mit ihm glei- „chen Sinns — wenn dem Dank der Erquickten und „Getrösteten kein Einhalt mehr gcthan werden „konnte." — Auch die Nachsicht dieses Fürsten war durch Vernunft gezügelt und geordnet. Sie artete nicht in Schwäche aus, und zeigte sich auch nie, als eine solche. Er hielt seine Dienerschaft so in Ordnung, war so streng gegen alle Ausbrüche von Unstttlichkeit, wenn sie sich irgend einmal zeigten, daß die fürstliche Wittwe versichert: sie fühle die wohlthätigen Folgen auch dieses nöthigen Ernstes mit Dankbarkeit gegen ihn. Auch hütet«, er sich sorgfältig, keinem von seiner Dienerschaft etwas zum Bedürfniße zn machen, was dieser einst nicht immer haben konnte. 222 Auffallend war die herablassende Leutseligkeit dieses edlen Fürstenpaar's gegen Jedermann; und es war nickt jene Höflichkeit der Uebereinkunst, die nichts giebt, und nichts sagt, als daß man nicht ohne Lebensart erscheinen wolle. Sichtbar war es die Höflichkeit des Herzens, diese schöne Mischung von Dienst- fertigkcit, humaner Bescheidenheit, und von dem Trieb, anderen Achtung zu bezeugen; diese Blüthe allgemeiner Menschenliebe im geselligen Leben. So herzlich grüßte kein Formenmensch, wie der Prinz grüßte; so wahrhaft sreundlich spricht der geschmeidigste Höfling Niemand an, wie dieser Fürst jeden Menschen ansprach. Nicht der Fürst grüßte, fragte, sprach, sondern der Mensch. Gewiß war cs nicht Gleichgültigkeit gegen Menschen und Geselligkeit, wenn er großen Gesellschaften auswich. Er konnte das kahle, leere, Geist- Herz - und Marklose dieser Couren und Assemblern, von denen sich gerade der, wahre Geselligkeit - Liebende gewißlos macht, wenn ihn seine Lage nicht zu diesem Opfer nöthigt, was bei jenem Fürsten der Fall nicht war. Außerdem war ihm, (wie ich schon erwähnte,) von dem lezten Nervenfieber noch eine Schwäche übrig geblieben, die ihm große Gesellschaften höchst beschwerlich machte. Seine Gcmahlinn und alle, die ihn liebten, wurden, schon einige Jahre zuvor, auf seinen Verlust vorbereitet; ich lasse die verwittibte Fürstinn selbst darüber reden, „Lange schon (sagt sie in einem, dem Kirchenrath Ewald, auf sein Ansuchen, eingehändigten schriftlichen Aufsatz), „lange schon litt der theure Vollendete an kurzem Athem, und ich hatte öfters dabei eine vorübergehende Ahnung meines jetzigen Un- 223 glücks; doch war es wir unmöglich, mich aufzuhalten bei diesem schrecklichen Gedanken: aber am 14. Jan. 1814 wurde er mir näher gelegt. Kaum hatte sich derselbe nämlich zu Bett gelegt, als er wieder hcraussprang, und nicht zu Athem kommen konnte. Der Leibarzt Schrikel, welcher gleich hcr- beigerufen wmde, verschrieb sogleich krampfstillende Mittel; da aber ähnliche Zufälle öfter und heftiger kamen, erklärte mir dieser einsichtsvolle und teilnehmende Arzt, daß sich wahrscheinlich Wasser in der Brusthöhle befände. Dieser Ausspruch fällte mein Urtheil. Ich übersah meine Lage ganz; Trennung nämlich von dem heißgeliebten, treuen Freunde; sein Widerwille gegen langwierige Leiden, und diese Leiden selbst, standen in meiner Seele. Nach langem heftigen Schmerzkampf gelang es mir, mich Gottes Willen zu unterwerfen, meine Gefühle so viel möglich dem theucrn Kranken zu verläugnen, (er sollte seine Gefahr nicht wissen), nur Kraft zu seiner Pflege zu sammeln. „Lang war sein Leiden; kurz, und immer kürzer die Frist, die der Arzt seinem Leben setzte. Bald, nach dem ersten Anfall hatte er meine irrdische Lage gesichert. In meiner Stimmung hatte ich zwar wenig Sinn dafür; aber unvergeßlich wird cs mir scyn, mit welcher unendlichen Anstrengung mein Wohlthätcr in seinem Bett die dazu nöthigcn Worte schrieb. Oesters bat ich ihn, einzubalten. Ich konnte den Anblick nicht ertragen; aber nichts hielt ihn ab, noch zu rechter Zeit die Eristcnz seiner Gattinn zu sichern. „Mein Trost, die einzige Stütze, woran ich mich hielt, war, alle meine Pflichten gegen den Geliebten, bis auf den letzten Augenblick treu zu erfüllen, also 224 auclHseinem Gemüth all die Erquickung zu verschaffen, die uns unsere Religion, besonders durch die Zeichen und Pfänder der aufopfernden Liebe des Liebevollsten,' so reichlich gewahrt. „So erinnerte ich ihn dann, noch das heilige Abendmal zu genießen. „Gerade vor der Handlung, am Morgen des ersten Marz, machte mich der Arzt mit der Größe der Gefahr bekannt; auch war die Schwäche so groß, daß sich der geliebte Kranke kaum bewegen konnte; der Leib stieg sehr, und er beklagte sich über Schmerzen im Leibe. Ich war auf alles gefaßt. Meine einzige Sorge war für setzt, daß er noch diese heilige Handlung vollbringen möge; und wie würdig that er das! Gleich einem Verklärten, lag er in seinem Bette; mit tiefer Rührung hörte er die Worte des Erlösers, und ich blieb getrost durch dessen Gnade. Freilich mußte ich mich nach der Handlung in ein anderes Zimmer entfernen, um meinem Schmerz freien Lauf zu lassen; indeß konnte ich doch den ganzen Tag mit äußerer Ruhe auf seine Pflege verwenden. „Im Haus gab der Arzt den Leuten zu verstehen, daß die folgende Nacht wohl die letzte seyn werde; auch stieg der Leib immer höher, und der Kranke klagte sehr über Schmerzen. Abends kam der Arzt noch einmal, und vcrordncte eine Eata- plasm' auf den Leib. Ich, und viel frömmere als ich, hatten innig um das Leben des Geliebten gebetet. „Er drückte das wohlthätige Mittel fest auf die schmerzende Stelle des Leibs, mit dem Ausdruck, als spreche Ahnung aus ihm: „das that mir sehr gut!" was er ja nicht fühlen konnte. Von diesem Augenblick an, fiel der Leib; die Schmerzen verloren sich, der Appetit kam wieder; kurz, man konnte auf Genesung hoffen, die sich mit jedem Au-, gcnblick vermehrte, und in dem nämlichen Sommer in Baden ganz erfüllt wurde, wo er sich wieder so ganz erholte, daß auch sein Puls wieder in Ordnung kam. Der Arzt versicherte immer: vor dem Winter sey nichts zu fürchten; ich erwartete diesen Winter, zwischen Furcht und Hoffnung, aber — dir sey Dank, Vater im Himmel! — er gieng glüklich vorüber. Auch der folgende Sommer, und selbst der Winter, waren gut, einige Anfälle von Erstickung ausgenommen, die aber auch nicht oft wiederholten. „Leiden von ähnlichen, und doch anderer Art drückten mich. „Ich verlor meine treffliche Großmutter, und bald hernach meinen treuen Vater. Als ich die Krankheit des Lctztern erfuhr, war er hart, der Kampf zwischen zwei Pflichten und Wünschen: meinen sterbenden Vater noch einmal zu sehen vor dem langen Abschied, und mich nicht von meinem schwachen — meiner Pflege so sehr bedürfenden Gemahl zu trennen. Dieser fühlte sich natürlich mit seinem feinen Sin« in meine Lage hinein. Er überließ die Wahl ganz mir, so tief er auch fühlte, wie unentbehrlich ich ihm sey. Meine Pflicht und Liebe zu ihm siegten; ich sah ihn nicht mehr, den guten Vater; aber ich weiß, er tadelte mich nicht; dafür verschaffte mir der gute Gatte den hohen Genuß, meine jetzt auch vollendete Mutter wieder zu sehen; und er wurde belohnt für seine Liebesveranstaltung durch die Freude, die er selbst darüber empfand. „Um die Zeit, als meine Mutter starb, (am 17. 15 226 November) war auch mein bester Freund wieder krank. Einige Tage nach der Traucrpost von ilirem Tod, sah ich auch seinem Verlust entgegen. Allein, ob er sich gleich damals wieder erholte, so setzte sich doch der Gedanke scst bei mir, daß ich ihn im März oder April verlieren «werde. Auch zeigten manche Aeußerungen von ihm, daß er so etwas ahncte: „Wenn ich nicht mehr bei dir bin, so vollende doch die Wohlthaten, die ich vollenden wollte. Ich muß bald von hier, das fühl ich wohl!" — „So hatte er vor drei Jahren nie geredet, als er viel kranker war. Am 24. Mai blieb er meist im Bett, und schien sehr betäubt. Am Pfingstmontag (am 26.) erholte er sich wieder, und wurde so munter, daß ich ihm vorschlug, ihm etwas vorznle- sen, was er mit vieler Theilnahme anhörtc. Er fühlte sich wohl, und begehrte aufzustehcn. Kaum aber war er aufgcstanden, als mich einer seiner Leute aufmerksam machte, ans die Veränderung, die mit ihm vorgcgangen war. Ich eilte herbei. Leider! sah' ich, wie er kaum das, in der Hand habende Glas Wasser halten konnte. Sein Kopf hieng auf die Brust herab, die rechte Wange war blaß; doch war er freundlich, und hatte kein Gefühl von Unbehaglichkeit; denn als ich ihn bat, zu Bett zu gehen, fragte er mich sanft und liebreich: Warum? Als er zu Bett war, zeigten sich aber leider! die Spuren des NervenschlagS. Der rechte Arm war gelähmt; die Sprache wurde schwer, und er konnte keinen Tropfen Wasser mehr schlucken. So blieb er den Rest des Tags und die ganze Nacht liegen, ohne Gefühl von Leiden, im Gegcntheil ganz ruhig, wie ein schon Verklärter. Am Morgen schien die Besinnung wieder zu kommen. Er nannte mich 227 noch mit einem zärtlichen, mir unvergeßlichen Namen ; es war der letzte Laut, den ich von ihm hörte. „Den 28. Mai Abends gegen 9 Uhr ward mir das große Opfer seines Verlusts aufgelegt. Gott gab mir indeß die Kraft, bei ihm zu bleiben, bis zum letzten Athcmzug. Co lang ich leben soll, werde ich ihn beweinen, den edeln Menschenfreund, der so vielen, und auch mein Wohlthätcr war. „Ein großer Trost in diesem schweren Leiden ward mir durch die Theilnahme und das zartge- müthliche Zureden des Großherzogs Carl von Baden). Er blieb in der herben Trennungsstundc, theilte meinen unendlichen Schmerz, und war innig gerührt über den Verlust eines Mannes, welcher ihn mit aufrichtiger Anhänglichkeit liebte, der ihn in der Ewigkeit segnen wird, für alles, was er an seiner Hinterlaffenen that." — So weit die edle Wittwe des verewigten Prinzen Fricdrich's.— Nun wieder zur eigentlichen Lcbensgeschichtc jenes trefflichen Fürsten zurück. Dieser hatte anfangs (nämlich vom 27. Februar .1793 an), Dur lach zu seinem stillen Aufenthalte sich gewählt. Nachdem aber im Jahr 1796 die Franzosen bei Kehl über den Rhein giengcn, und dann in das Großherzvathum Baden cindrangen, so retirirte derselbe vot»»urlach nach Görlitz in Kursaehseu, verweilte daselbst 10 Wochen hindurch, und von da aus flüchtete er sich nach Anspach in das, damals neutrale, preußische Gebiet, allwo er ebenfalls nur 10 Wochen lang, sich aufhielt. Hierauf kehrte er wieder nach Durlach zurück, und blieb noch so lange daselbst, bis das, seither von ihm bewohnte Schloß Carls bürg, 15 * — 228 — zum künftigen Sitze des im Jahr 1809 in Dnr- la ch errichteten Direktoriums des Murg- und Pfinz- Kreises bestimmt ward. Dann begab er sich — nachdem sein und dessen Frau Gemahlin Aufenthalt in Durlach ohngefahr anderthalb Jahrzehnt» gedauert hatte — von dort aus, für den Nest feines Lebens, nach Carlsruhe, woselbst er nämlich sein eigenes, einst aus drei erkauften Privathäuscrn erbautes Hotel, beim Marktplatze, bezog. Während seines vormaligen Aufenthalts in Dnr- lach untcrstüzte er dort mehrere Armen, sowohl in gesunden, als in kranken Tagen, mit Geld und gutem alten Weine. Als ein wahrer Verehrer der Cbristusreligion, besuchte Prinz Friedrich an jedem Sonn - und Feycrtage den kirchlichen Gottesdienst allda; bei welcher Gelegenheit er jedesmal einen Kronenthalcr, als Allmosen für Dnrlach's Arme zum Opfer niederlegte; und wie er, durch den Drang der Zeitumstande hiezu veranlaßt, in der Folge seine Residenz von Durlach nach Carlsruhe verlegt hatte, so sezte er, demohngcachtet, daselbst noch jene milde Gabe, bis an sein Ende, für Durlach's Arme fort. In der Umgebung seiner hochherzigen Frau Gemahlin — dem Schuzgeiste so vieler Leidenden und von Kummer Tiefgebeugten, kannte dieses Fürsten stille Wohlthätigker't wahrlich ! keine Gränzen. — Sein ehemaliges, dem Gasthofe zum Großherzog von Baden gerade gegenüber gelegenes, üicht unbedeutende Landgut in Carlsruhe — bei dessen Lebzeiten noch von Menoniten (oder Wiedertäufern,) gepachtet, — ward nun, kurz nach seinen Tode, von dessen vcrwittibeten Frau Gemahlin zu einem 229 prächtigen Lustgarten umgeschaffen, und rechter Hand am Ecke dessen Frontmauer ein sehr geschmackvolles Gartenhaus erbaut; — und durch eben diese Bau- gcschichte und neue Gartenanlage ward, bei der, damals geherrschten ausserordentlichen Theurung, zugleich auch mehreren hundert Menschen in den Umgebungen von Durlach und Carlsruhe lange zuvor brodlos, daher niedergedrükt von Gram, und dem Verhungern nahe — plötzlich Nahrung und gleichsam neues Leben, durch täglichen Verdienst dabei, auf's wohltätigste verschafft. (*) — Oben über dem Portal dieses Gartenhauses ward nachher — um das Andenken dieses menschenfreundlichen Markgrafcu Friedrichs zu ehren — folgende, in wenigen Worten viel sagende Inschrift, mit vergoldeten römischen Buchstaben geziert, in Stein eingegraben: Der DrinuerunZ lieillA! SIDLL6XVII. Ich schließe nun diese kurze Biographie hier nur noch mit dem Bemerken, daß Markgraf Fricdrich im Jahr 1766 zugleich mit seinem Herrn Bruder, dem verewigten Erbprinzen Carl Ludwig von Baden, das Patent als Obrister des Schwäbischen Krcißes, und bald daraus auch von den General- staatcn der vereinigten Niederlande den Karakter und Rang eines Obristen beim zweiten Bataillon des zweiten Regiments Oram'en - Nassau erhielt. ») Dirk war, aller Wahrscheinlichkeit »ach, das, vom Prinzen Frie drich, noch vei seine» Lebzeiten, vermöge seines, nnr seiner Frau ozemahlin cröffneten mündlichen Testaments, im Plan getragene legte woblkhatigeSchövsungswerk, das dessen Durchlauchtigste Frau Wirt- we, an seiner Stakt, erst »ach seinem Lode, zur wirklichen Vollendung brachte. Anmerkung des Verfassers. 230 Im Jahr 1772 ward er hingegen von Stanislaus August, dem König in Pohlen, mit dem Stanislaus- und weißen Adlcrordcn zugleich beehrt; und späterhin wurden ihm noch andere Orden zu Theil, wie jener Titel enthalt, den er, seiner vormals bekleideten Ehrenstclleu und seiner eigenthümlichen Besitzungen wegen, bei seinen Lebzeiten, zu führen, berechtigt war. Dieser lautete nämlich folgendermassen: „Großherzoglicher Prinz und Markgraf zu Baden, „Herzog zu Zähringen w. Graf zu Salem, Peters- ,,Hausen und Hanau, rc. Ritter des Seraphinen - „und des königlich Wirtcmbergischen goldnen Adlcr- „ordens, sodann des Ordens der Treue und des „militairischen Carl Fricdrich's Verdienst - „auch des Ordens vom Zähringcnschen Löwen „Großkreuz." — Dieses, zwar kinderlos, verstorbenen Herrn Markgrasen Fricdrich's sür so manche Dürftige und Nothleidende im Vaterland, einst so Wohlthatenrci- che Leben währte nun nicht länger, als 61 Jahre, weniger 3 Monate. Seine irrdische Hülle ward hierauf, wenige Tage nach seinem Hinschciden, von Carlsruhe nach Pforzheim abgeführt, und dort in Badens Fürstengruft mit einem sehr feierlichen Trauerpompe zu seinen, ihm längst schon in die Ewigkeit vorangegangenen hohen Ahnen vers'mmelt. Friede seiner Asche! 231 - Biographie des vr. Ernst Ludwig Possei t- Vom Jahr 1763—1804. ^ch finde es sachgemäß, dieser Biographie die genealogische Tafel der Familie Possclr, als Einleitung voranzuschicken, welche von Durlach ans- geht, schon über Ein Jahrhundert blüht, und dem Vaterlande sehr würdige, gelehrte und berühmte Männer gab. Ihr Stammvater ist Gottfried Posselt, ge- boren im Jahr 1693 zu Türchau in der obern Lausiz, welcher im Jahr 1715 in Durlach, als Stadtvikar angestellt ward, im Jahr 1721 das Diakonat und 1742 die Stadtpfarrstelle; endlich 1763 den Titel eines Kirchenraths erhielt, und am 13. April 1768 starb. Dieser würdige Geistliche feierte zu Durla steinst sechs verschiedene Jubelfeste, nämlich: 1) das allgemeine Reformations-Jubelfest am 31. Oktober 1717; , 2) das Augsburger Confcssions-Jubelsest a-wäch^.^-, Juni 1730; ... 3) das Jubelfest des westphälischen Friedens-, um 13. Oktober 1748; ^ 7s 4) das Jubelfest des Augsburger Rcligionsfri.e^*' dens am 28. September 1755; . ^ 5) das Baden-Durlachische Jubelfest, wegen führung der evangelischen Lehre, am 1. Juni 1756; endlich 6) sein eigenes Amtsjubelfcst am 21. September 1765. 232 Bon ihm stammen: n) Philipp Daniel Posselt, der mit dem Charakter und Rang eines geheimen Hofraths, über vierzig Jahre hindurch, ehedem Jnstizbeamter in Durlach war; von dem das Vaterland zween Söhne erhielt; wovon der erste, als Hofrath und Geheimersekretair zu Carlsruhe, in der Blüthe seiner Tage starb; und der zweite, Namens flDr. Ernst Ludwig Posselt, — dessen Biographie hier folgt. — k) Gottfried Posselt, am 4. August 1721 in Durlach geboren. Sein« erste Bildung erhielt er am dasigen Pädagogium; stand geraume Zeit seinem Vater zur Seite, und kam als ein vielseitig gebildeter Mann, ungewöhnlich früh, auf die erste geistliche Stelle zu Pforzheim, die er, als Spezialsuperintendent und Stadtpfarrer zugleich, mit dem Titel eines Kirchenraths einst viele Jahre hindurch, bekleidete, bis er in seinem hohen Alter, das Augenlicht verlohr. Er war übrigens ein sanfter, lichtvoller Prediger, und vorzüglicher Catechet. Ein von ihm verfertigtes, nicht ganz bekannt gewordenes „Erbauungsbuch auf alle Tage im Jahre," und eine fürtreffliche „Anleitung zur Eatechi- sirkunst," werden sein Andenken in seinem Wirkungskreis erhalten. Sein Sohn, Gottfried Posselt, war zuerst Amtmann in Müuzesheim, dann aber späterhin Oberamtsrath zu Bretten; allwo. er, vor ohngc- fähr zwei Jahrzehend, starb. e) Peter Posselt. Dieser vollendete im Jahr — 233 — 1802 seinen thätigen Lebenslauf, als Hofrath und Oberamtmann in Durlach. *) vr. Ernst Ludwig Posselt ward am 22. Jänner 1763 zu Durlach geboren. Sein Vater war, (wie zuvor schon erwähnt) der ehemals über 40 Jahre hindurch, als Justizbeamter in Dur lach gestandene Markgräflich-Badische Gc- heimehofrath Philipp Daniel Posselt, und seine Mutter hieß Elisabeth Katharine, eine geborne Klose. Heber die früheste Bildung Posselt's fehlen zwar genauere Nachrichten. Allein, nicht nur aus seinen Briefen, die er von Göttingen an seine Eltern schrieb, und die in jeder Zeile die wärmste Liebe und Dankbarkeit aussprcchcn, erhellt, daß er einst, mit Vernunft und Zärtlichkeit erzogen ward; sondern es läßt sich auch aus einer viel früheren Lebensperiode Possclt's die sichere Schlußfolge davon machen, daß jene Erziehung, die er im elterlichen Hause erhielt, sehr zweckmäßig gewesen scyn müsse, indem er schon im eilften Jahre seines Alters (nämlich im Oktober 1774) das Pädagogium seiner Vaterstadt mit dem größten Nutzen besuchen konnte, und seines zarten Alters ungeachtet, vor all seinen Mitschülern, durch unermüdeten Fleiß und rühmliche Wißbegicrde, sich auszeichnete; worüber ihm der damalige Prorektor Dibold das ehrenvollste Zeug- niß gab, von dessen ersten Schülern er einer war. Dibold machte nämlich folgende Schilderung von ihm: „Posselt schwang sich aus der zweiten Ordnung, bald in die erste, und in dieser auf den ersten Diese Notizen hat mir Herr Dekan Sachs i» Dur lach sreundschaftlich mitgethcilt. Anm.d. BfS. 234 Platz, welchen er auch die vollen 5 Jahre über, (in denen er Dibold's öffentlichen! und Privatunterricht anvertraut war), behauptete. „Er zeigte früh ein gesetztes Wesen, einen, die ganze Zeit hindurch, gleichförmig anhaltenden Fleiß, und eine Wißbegierde, welche Dibold, kn 30 Jahren, bei den wenigsten von seinen Schülern gefunden hatte. „Mit einem herrlichen Gedächtnisse begabt, das leicht faßte, und das Gefaßte eben so leicht behielt, hatte er eine gesunde Benrthcilungskraft im Umgang mit Männern; den er vorzüglich suchte; ein offenes einnehmendes und bescheidenes Wesen; jedoch äußerte er gegen seine Mitschüler einen gewissen Stolz, der ihn aber vor allein Antheil an den gewöhnlichen Knabenstreichen bewahrte. Er sonderte sich immer von den Uebrigen ab, und ließ die Bösen böse seyn; denn sein ganzes Dichten und Trachten war nur auf's Lernen gerichtet, so daß sein Stolz, da er nicht mit Verachtung oder Beleidigung seiner Mitschüler verbunden war, sich blos auf das Bewußt- scyn seiner eigenen Vorzüge, und auf den Abscheu an allen kleinen, kindischen und boßhasten Handlungen gründete, und er war eine so seltene Erscheinung bei dieser Lehranstalt, als ein Komet am gestirnten Himmel; und man konnte an seinem ganzen jugendlichen Benehmen schon zum Voraus, den großen Mann erkennen." — ^ Hier auf dieser Schule zu Dur lach war cs/wo Posselt's aufstrebender Geist durch das Lesen der klassischen Schriftsteller, vorzüglich des römischen Alterthums, zu jener feurigen Liebe des wahrhaft Großen, Edcln und Schönen entzündet ward, die ihn auszeichncteu, und wo er aus den Meisterwerken 235 — des Livius, Sallusts und Tacitus, das Ideal der Historiographie anssaßte. In keiner Periode seines später» Lebens erkaltete diese glühende Liebe zu den Alten. Selbst da, als die großen Ereignisse der neuesten Zeit, nämlich durch die französische Revolution herbeigeführt, sein Gemüth mit unwiderstehlicher Gewalt gefesselt, und ganz in ihren Strudel hinabgezogcn zu haben schienen, vcrlohr er die alte Welt nicht ans den Augen, und stellte in römischer Sprache die Begebenheiten seiner Zeit dar. So cin- gcweiht in den Geist der Wissenschaft, kam er ans das akadew he Cmnnasinin zu Carlsrnhe, rbo er seine gesammelten Vorkenntnisse zu erweitern, und sich zugleich auch auf die Universität vorzubereiten, zu seiner einzigen Sorge, so wie zu seinem vorzüglichen Bestreben machte. Er, der znm Studium der Jurisprudenz sich selbst bestimmte — gieng dann, vom Seegcn seiner guten Eltern begleitet, nach Verfloß von 2 Jahren, nach Göttingen. Dort bildete er sich 3 Jahre lang, unter der Anleitung der berühmtesten Männer, welche damals Göttingen zierten, nämlich unter Putter, Gattercr, Beckmanu, Schlötzer, Böhmer, Elaproth u. a. Dort studirte er mit rastlosem Eifer, die Rechte, Politik und Diplomatik, und bildete durch dieses Studium seinen Geist zu jenem historischen Scharfblicke, den wir in all seinen Schriften bewundern. Nach obenerwähnten drei Jahren, kehrte er zu seinen Eltern nach Dur lach zurück; besuchte noch auf einige Zeit Straßburg, woselbst er diese Muße zur Erlangung der Juridischen Doktorwürde benützte. Er kehrte hieraus von da, in sein Vaterland zurück, das er schon damals warm und innig liebte. Deß- 236 halb bequcmte cr sich in die gewöhnliche Laufbahn des Juristen und ward — Negierungsadvokat. Aber die Geschäfte des Sachwalters waren seinem lebhaftem Geist zu schleppend und zn langweilig. Es war also' natürlich, daß ihm diese Stelle lästig und unangenehm ward. Angemessener und angenehmer war ihm daher der Posten, auf den ihn sein Freund und Gönner, der verstorbene Consistorialpräsidcnt, Freiherr August Johann von Hahn, — ein Mann, der seine Leute kannte — bald darauf gestellt hatte. Er ward nämlich im Jahr 1^84 Professor der Geschichte und der Beredsamkeit am Gymnasium zu Carls ruhe und zugleich auch Privatsekretair des, damals regierenden Hern Markgrafen Carl Friedrich, von Baden. Jetzt befand cr sich auf einem Platze, der ihm manchfachen Stoff zu wissenschaftlichen Arbeiten gab. So lang cr hier war, vergieug kein Jahr, wo cr nicht irgend eine Fruckt seines wissenschaftlichen Fleißes zu Tage gefördert hätte. Seine „Rede über deutsche Historiographie," (— die cr, am Jubelfeste des Gymnasiums, nämlich am 21. November 1786, als dem Tage vor Carl Friedrichs erfreulichem Geburtstag, in der fürstlichen sswfkapelle zu Carls- ruhc auf dem, vor dem Altar gestellten Redncr- stuhl, in Gegenwart des ganzen fürstlichen Hauses und einer zahlreichen Menge von Zuhörern aus allen Ständen, als Lehrer der Beredsamkeit, öffentlich gehalten hatte —) zeigt ganz deutlich, mit welch reifem Nachdenken er die größten Historiker gelesen, geprüft und gewürdigt hatte. Im Jahr 1788 ward cr als Mitglied der deutschen Gesellschaft in Mannheim aufgenommen, — 237 — Mid IM nämlichen Jahr erhielt er das Pfc-rz Helmer Bürgerrecht, weil er am 29. Jänner 1788 in einer öffentlichen Nolksrede (aus Auftrag feines Fürsten, Carl.Friedrich, bei der Feier dessen Namenstags) in dem, dafür besonders zubereitctcn, Schauspielhaus: zu Carlsruhe, den verdienten Ruhm der vierhundert Pfo rzheimer, wegen ihrer Thermopyla-That, aus dem Schutte der Vergessenheit erhob, und in die Geschichte entführte. Vor dem Redner Posfelt stand ein Gedränge von Zuhörern ans allen Ständen, und unter solchen das ganze fürstliche Haus mit dem Hofstaat; zu beiden Seiten rieben dem Redner waren rechts, die Dcpntirtcn der Stadt Pforzheim, 24 an der Zahl; links die Deputaten aus dem Stadtrath von Carlsruhe und mehreren benachbarten Städten; hinter dem Redner stand ein auserlesenes Militair, korps. Groß war die Aufmerksamkeit womit die Rede angehört ward, und eben so groß der Eindruck auf die Hörer, insonderheit auf Earl Friedrich, den Schätzer der Verdienste, auf die Krieger, die bei Anhörung so großer Thateir der Vorzeit, zu gleichem Muth aufflammtcn, und auf die Pfo rz heim er, denen Thränen rührungsvollcn Danks entflossen ! — Auf Preußens Friedrich, den Großen, hielt Posfelt, am ersten Jahrstagc des Todes des Er- stercn, nämlich am 17. August 1787 in Carlsruhe eine Rede, so wie nicht minder eine solche daselbst, am 6. Juni 1788 dem Andenken des am 18. April 1788 zu Carlsruhe verstorbenen Markgräflich Badischen Gchcimenraths, Negierungs- Hofgcrichts- und Conststorialpräsidenien, August's Johann von H a h n. 238 Nebstdem, daß Posselt, durch diese Reden, dem Auslande, den Großen und Gelehrten bekannt wurde, erhielt er, wegen ersterer, verschiedene vortheilhafte Rufe zu Preußischen Staatsbcdienungen, die er aber jedesmal bescheiden von sich abzulchncn suchte, indem er sein heißgeliebtes Vaterland jeder auswärtigen glänzenden Ehrcnstclle jederzeit vorzog. Doch all diese Arbeiten, so schätzbar sic auch an und für sich sind, können nur als Vorübungen zu jenen größeren historischen Werken betrachtet werden, durch welche Posselt seinen Namen einst berühmt gemacht h Ate. Schon in seinen Universitätsjahren lernte er mit Eifer die englische und französische Sprache, und nun übersetzte er, nach Voltaire, die Geschichte des Schwedenkönigs, Carls, des Zwölften. Aber keine Sprache war ihm so lieb und eigen, wie die Lateinische. Oft, wenn er Abends allein von Carls ruhe nach Dur l a ch ritt, deklamirtc er laut und mit Feuer, mehrere Stellen aus lateinischen Klassikern, oder Satze aus der Geschichte der Römer, oder eigene Aufsätze, und oft hörte man ihn sagen: „starke Stellen können nur im Lateinischen ausgedrückt werden." — Nicht nur im historischen, philosophischen und staatswissenschaftlichen Felde, sondern auch in der Poesie und den bildenden Künsten, befaß er ausge- breitetc Kenntnisse, und ward von den fähigsten Artisten häufig bei ihren Entwürfen zu Rath zogen. Besonders lieferte er ihnen für öffentliche Feste und Denkmäler, oft sehr paffende lateinische Aufschriften. Was er sagte und wußte, trug er mit Bescheiden- 239 heit und Stille, fern von Ueberhebung und gerausch- liebcuder Anmaßung vor. Die römischen Klassiker, den Livius, Sal- Inst, Tacitus, Cicero, Sueton, Terenz, Horaz, Virgil und Ovid, hatte er sich ganz eigen gemacht, und recitirre, bei gegebenen Gelegenheiten, seitenlange Stellen aus denselben. Welche Gewandheit er in seiner Muttersprache besaß, bewies er, nächst seinen zahlreichen Uebcrsez- nngen nnd Schriften, unter andern auch dadurch sehr auffallend, daß er sich nicht selten, bei guter Laune, den nächsten besten römischen Schriftsteller bringen, und nach dem Zufälle aufschlagen ließ; worauf er sofort das Buch zur Hand nahm, und die ganze gegebene Stelle deutsch herunterlas. Mit gleicher Leichtigkeit las er die englische und französische Sprache, und dictirte, wenn er daraus übcrsezte, mit reißender Schnelligkeit, einem Schreiber in die Feder. Die neueste Litteratur liebte er nur, in so fern sie mit seinem Thema znsammcnhieng; er äußerte sein tiefes Mißfallen über die, durch Neu Philosophen verbreitete dunkle, gesuchte und mysteriöse Schreibart, und flüchtete aus diesem tausendstimmigen Jahrmarktsgcschrci in den stillen, klaren und tiefen Hafen seiner Alten. Auch zog er, in Hinsicht der deutschen Literatur, die Periode der Klo p stock. Lessing, Mendelssohn, Sulz er, Kleist, Uz, Geßncr, Winkel mann, u. a. bei weitem der nachfolgenden vor. Johann Müller war untcv den deutschen Historikern sein Liebling; nur hoffte und wünschte er, daß dieser Schweizerische Tacitus, bei einer neuen Ausgabe seiner Geschichte, die dunkle, 240 oft ungenießbare Sprache nochmals revidiren, und ihr mehr Deutschheit, Natur und Verständlichkeit geben möchte. Er beklagte, ja beweinte den Hang der Deutschen zur Nachahmung fremder Völker, und freute sich jener, zu seiner Zeit herrschenden Gräko manie eben so wenig, als der vorhergehenden Anglo - und Gallomanie; und vorzüglich auch in diesem Stüke, zog er unsere früheren Klassiker, bei denen noch deutsches Gepräge vorschlägt, den jezigen vor. Glücklicherweise fügte es sich, daß Posselt, bald nach den ersten Revolutionsbewcgungen in Frankreich, im Jahr 1791 nach Gernsbach, einem Landstädtchen, unweit Rastatt, als Beamter ver- sezt, und ihm in dem schönen Murgthale die freundlichste Muße zu Theil ward, wo er von sicherem Ufer aus, den wild bewegten Strom der Zeit, ruhig und ungestöhrt, beobachten konnte. Dieß war ein Posten, worauf er in Amtsgeschäften nicht sehr viel zu thun hatte. Sein reger Geist beschäftigte sich also hier stark mit dem Gang der Politik; und hier schrieb er die Geschichte des schwedischen Königs, Gustavs des Dritten; machte hier den Anfang der Annalen, und den Plan zur allgemeinen Weltkunde, (jezt allgemeine Zeitung.) So beschäftigte das Fach des Schriftstellers ihn ganz und einzig. Daher, und weil seine Schrift- Kellerei ihm ungleich größeren Gewinn, als jede Besoldung abwarf, bat er im Jahr 1796 um seine Entlaßnng,.und erbot sich, gegen Bezug der Hälfte seines Jahrgehaltcs, als Historiograph des Markgräflichen Hauses Baden, die Geschichte desselben zu schreiben, mit der Bedingung, daß es ihm er- laubt seyn möchte, seine Pension zu verzehren, wo er wolle. Sein ganzes Gesuch ward ihm vom Badischen Hofe bewilligt, und er noch obendrein, zum Legations- Natli mit dem Hosrathscharakter, vom damaligen Herrn Markgrafen Carl Friedrich, ernannt. Aber Schade! es fanden sich nur wenige Materialien unter seinen Papieren. Posselt lebte hierauf von 1796 an, mit seiner Familie abwechselnd in Carlsruhe, Durlach, Tübingen, Nürnberg und Erlangen. Jedermann weiß, daß die französische Revolution und ihre wundervollen Begebenheiten, Posselt'K- höchstes Idol waren. Sein Geist, der damals ganz in den großen Zeiten der Griechen und Römer lebte, empfing dieselben mit einem Feuer, einer Begeisterung, die natürlich in seine Schriften übergehen mußte. Er, dem die Republiken aller Zeiten vorschwebten ; der sie für den Inbegriff alles Großen und Edeln, für das Element großer Geister und Helden hielt, mußte die französische Republik, dieß schöne Blizähnliche Meteor, liebgewinnen. Kühn, und mit hinreißender Beredsamkeit, schilderte er daher die Thaten der Franzosen! Dieß nannte der große Haufe: Parteilichkeit! und dieß brachte den biedern Possclt in den schändlichen Verdacht, als hätte er sich mit den Franken, zum Untergange Deutschlands, verschworen; und dieser abscheuliche Verdacht ward nachher so allgemein, daß selbst der östreichische General Sztaray ihn im Jahr 1799 mit schwerer Gefangenschaft bedrohte. Posselt schrieb nun anj Seine kaiserliche Hoheit, den Erzherzog Carl, und legte seinem Schreiben jenes Blatt bei, aus dem seine 16 242 — Feindc jenen kränkenden Argwohn geschöpft hatten. Dieser erhabene Denker gab ihm darauf in einem Handschreiben, das eine goldene Dose begleitete, volle Genugthuung und Sicherheit. Mit dem französischen General Moreau, den einst Napoleon für seinen gefährlichsten Nivglen hielt, indem jenem die ganze französische Armee, ans einer besondern Vorliebe für ihn, fest und unerschütterlich anhieug; mit diesem, der sich, durch persönliche Tapferkeit und Hcldenmuth, als auch zu -er Zeit, als ihn der Sieg in das Herz von Deutschland führte, durch Schonung und Gefühl für Recht und Pflicht, in den Herzen aller Deutschen ein unvergängliches Denkmal errichtet hat; mit diesem edeln Moreau kam, bei Gelegenheit des meisterhaften Rükzugs deßclben, im Sommer 1796 auch unser Posseltin persönliche Verbindung. Er hat diesen, von allen Kricgskenncrn bewunderten Rückzug in seinen Annalen treffend, und bcßer, als irgend ein anderer Schriftsteller beschrieben. Ein geschickter französischer Tactiker übersetzte bald hernach diesen Aufsatz meisterhaft in's Französische, versah ihn mit Berichtigungen und Zusätzen, und gab ihn zu Strasburg, mit dem Beifall von ganz Frankreich, heraus. Eine seltene Ehre, wovon cs, besonders in der historisch - deutschen Literatur wenig Beispiele gicbt! kein Wunder, daß Moreau seine Freundschaft einem deutschen Manne widmete, und ihn mit Beiträgen zu seiner Kriegsgeschichte unterstüzte, welche so viel zur Verherrlichung seines Namens beitrug. Das Schiksal vou -Moreau, der Posse lt's liebster Freund war, beschäftigte ihn unaufhörlich, und erfüllte sein Herz mit bangen Sorgen. — 243 — Alle Welt weiß die Geschichte des Elfteren, nämlich dessen Verhaftung und nachhcrigen Prozeß in Paris. Posselt, seiner angebohrncn Acngstlichkeit nach, die ihm schon in seinen Universitätsjahreil anhieng, und ihn allenthalben hin begleitete, fürchtete nun das Schlimmste für seinen Freund. Diese Furcht, und wahrscheinlich noch einige andere Umstände, erzeugten in ihm jene Melancholie und Unruhe, die ihn unstät von ein ein Ort zum andern trieben. Sobald Ich die sichere Kunde davon in Carls- ruhe erhielt, daß Posselt von seinem letzter» Fluchtort Nürnberg wieder in Durlach zu- rückeingetroffen seye, ergriff ich sogleich meinen Wanderstab zu ihm dahin. Bei meinem Eintritt in sein gcmkethetes Wohnzimmer im oberen Stockwerke des Gasthofs "zum badischen Hofe zu Dur lach, bezeigte er eine herzliche Freude über unser beiderseitiges unverhofftes Wiedersehen, nach so vicljähriger Trennung von einander. Posselt klagte mir damals (nämlich am 8. Juni 1804) unter anderem auch, daß seine manchfache Fluchtreisen öftere Anfälle von Schwindel bei ihm herbcigeführt hätten, und dieß sey heute bei ihm wieder der nämliche Fall, und eben daher der Veranlaß dazu, warum er durch den Stadtchirurgen Zip perle von Dur lach, sich zu einiger Linderung dieses Uebels, eine Ader öffnen zu lassen ge, sonnen seye; welches denn auch wirklich, gleich darauf in meiner Gegenwart von erwähntem Chirurgen geschah. Posselt hoffte nun — wie er sich nach diesem 16 * ' — 244 — Vorfall bei mir äußerte — hinsichtlich jenes Uebel- standes, eine Erleichterung in einer Luftveränderung an der Bergstraße zu finden, und reiste daher am 10. Juni 1804 von Durlach nach Heidelberg. Am folgenden Tage darauf, t.11. Juni) des Morgens zwischen 7 und 8 Uhr, ^während dem er einem vorübergehenden Bekannten, der ihn grüßte, aus höflichem Gegendank dafür, eine Verbeugung von seinem, damals in Heidelberg bewohnten Zimmer machte, das einen gewichsten Fußboden hatte, auf dem er ausglitschte), stürzte Posselt — vcrmuth- kich von- einem abermaligen Schwindel befallen — aus einem Fenster des zweiten Stockwerks herab, auf das Pflaster der Straße, und zerschmetterte die ganze linke Seite seines Gehirns. Sogleich eilte Hülfe von allen Seiten herbei z man trug ihn hinauf, holte den Wundarzt und trepanirtc seinen Kopf. Mitten in der Operation erwachte er aus einem Taumel, wähnte, der Friseur scy über ihm, und sprach deutlich: „dießmal gehe der Herr etwas unsanft mit ihm um!" Nach 1 Uhr verschied er. *) — So starb Posselt am 11. Juni 1804 — am nämlichen Tage, wo er eine Lustreise von Heidelberg nach Wein« heim, in Gesellschaft seines Schwagers, des Hofraths Bcttinger, zu machen, im Begriff war, und -n die damals schon dazu parat gewesene Chaise cinste gen sollte — im einundvierzigsten Jahre seines Alters, und vermehrte durch sein trauriges Ende die, nicht unbeträchtliche Anzahl der talentvollen deutschen jungen Männer, die ihrem Vaterland in Siche Scd » barts Sendschreiben über Posielt § Lebe» und Charakter. München 1305. 3. nicht minder Bauer'» Gallerte histori. ,chcr Gemälde, i. Band. 10—1b. — 245 — der Blüthe ihrer Kraft uud ihrer Hoffnungen ent» rissen wurden. — Posselt war nicht groß, zwar wohlbeleibt, doch proportionirt; klein und blühend von Gesichtsfarbe; stark von Brust; die Augen klein und fcuervoll -- fast gar keine Augbraunen ; die Stirn breit, der Mund freundlich; das Haupt mit blonden Haaren stark bedeckt. Er hatte die Kultur seines Körpers von Jugend auf nicht vernachläßigt; war ein guter Reiter, ein rüstiger Fußgänger, und trug sich aufrecht und mit Anstande In Ansehung seiner Kleidertracht, blieb- er sich immer gleich; denn er trug gewöhnlich nur einen dunkelblauen Fracb mit vergoldeten Knöpfen von Metall; und unter jenem Frack von feinem Tuche paradirte wechselswcise, bald eine hellblaue, und bald eine weiße Weste von Atlas; letztere jedoch mit gold- neu Blümchen durchwirkt; und jederzeit trug er schwarze Beinkleider nach kurzem deutschen Schnitt dazu. Posselt's Haupt bedeckte hingegen ein gut auf- gestutzter dreieckiger seiner Kastorhut mit einer, aus schwarzseidencn Bändern geformten Kokarde zwischen einer goldenen Hutschlinge prangend. Zwiefach ge- krättßelte Haarlocken mit Puder überstäubt, zierten übrigens zu beiden Zeiten von Posse lt's Schläfen herabwallend, seine von Röthe hochglühenden Wangen, und ein mit einem schwarz seidnen Band um- wundner sogenannter französischer Zopf hieng nachlässig von Posse lt's Schultern herab. — Noch als ehemaliger wirklicher geheimer Sekretair »nd Professor des Rechts und der Beredsamkeit in Carlsruhe, Pflegte derselbe gewöhnlich jeden Mittag, so wie nicht minder des Nachts, mit seinem 246 Vater Ln Durlach an dessen Tische zu speisen. Um nun, durch öftere Hin - und Herreisen zu Fuße von Dur lach nach Carlsruhe, sich nicht allzusehr zu ermüden und zugleich zu erhitzen, kaufte sich Posse l t ein eignes Reitpferd, das ihn täglich zweimal zu seinem Vater nach Durlach und wieder zurück nach Carlsruhe bringen mußte. Wechselsweise bediente sich einst Or. Posselt, bei seiner vielseitig gelehrten Korrespondenz, zween verschiedener Sigille. Das eine derselben bestand nämlich ans dem gewöhnlichen Familienwappen — wahrscheinlich mit dem Posselt'sehen Geschlcchtsnamcn auszudrücken, daß hiem'eden gegen jenseits des Grabes, Alles lauter Posscnspirlc seyen; indem im obigen Wappen ein, hinter einem Postamente stehendes nacktes Kuäölcin ab- gebildct ist, welches an demselben sich mit seiner linken Hand festhaltend, durch einen mit seiner rechten im Mund regierten Strohhalm, drei verschiedene Seifcnbläschen über jenes Postament herabqm'llcn läßt; in dessen Mitte der römische Buchstabe U. (den Familiennamen Posselt bezeichnend), eiugc- graben ist; das Haupt jenes Knableins selbst, um- giebt aber die Umschrift: „Vanlt«," oder auf deutsch: „die Eitelkeit." Das andere Sigill hingegen, das Possclt's Lieblings - Pettschaft war, womit er seine meisten Briefe zu besiegeln pflegte, war das, nach seiner eigenen Idee gewählte, von der Künstlerhand des Großherzoglich- Badischen Hofmcdailleurs Bückle nachher aus Stahl sehr fein, für ihn gestochene Sigill — die auf einem Anker ruhende Göttin der Hoffnung vorstellend — ; da Posselt mit Recht die Hoffnung, als das süßeste Surrogat der Ent- — 247 — schädigung für so manchfache Leiden, diesseits des Grabes hielt! — Posselt, der schöne freundliche Mann, war vor seiner Verheirathung auch gesellig und sehr umgänglich, und benahm sich in Gesellschaften mit Bescheidenheit und Würde, so, daß er sich für die ersten und besten Eirkel qualifizirte. Schon von seinem Vater hatte er ein mäßiges Vermögen geerbt, und vermehrte solches durch seine allgelesenen Revolutionsschriften auf mehr, denn fünfzigtausend Gulden. Je thätiger er war, desto eingezogencr war seine Lebensart; desto geringer der Aufwand, und desto größer der Erwerb. Er ließ sich seine Schriften gut bezahlen, und wußte die Gelder, so er nicht brauchte, gut anzulegen. Kleine Reisen zu seiner Erholung, neue Bücher zum Behuf seiner Schriften, und eine ziemlich beträchtliche Eorrespondenz, machten seinen Hauptaufwand aus. So bekannt und geschätzt P o sselt's Name im Ausland war, so wenig kannten ihn seine Mitbürger. Allenthalben lebte er verborgen und abgesondert. Nicht aus Hvchmuth — dieser niedrige Trieb lag nicht in seiner großen Seele. Er kam vielmehr jedem, der ihn besuchte — war rS auch der unbekannteste, unansehnlichste Fremdling — mit einnehmender Freundlichkeit entgegen; und war cs ein verständiger Mann, so unterhielt er sich stundenlang mit ihm. — Oft fand man einen schlichten Schulmann oder Handwerker an seinem Tische. — Auch nicht aus Unbeholfenheit! — denn er wußte mit Leuten jeden Standes umzugehen. Er war der angenehmste Gesellschafter, dem cs nie an Stoff zur Unterhaltung gebrach; Md doch hatte er mit keinem 248 der sogenannten Vornehmen seines Wohnorts Umgang. Aus einem erlaubten edlen Zeitgciz, grenz er nicht aus, um keine Gegenbesuche annehmcn zu dürfe.-:; vielleicht aus übertriebener Sparsamkeit! — Er nahm deßhalb nie, um nicht wieder geben zu müssen. Er war die Gefälligkeit selbst; jede Bitte, — und mußt' er auch ein wichtiges Geschäft oder eine liebe Bequemlichkeit' darüber aufopfern — erfüllte er hurtig und mit Freuden. Seinen Freunden gab er sich freudig in jeder Stunde des Tages hin, und ihnen schloß er auch das Allerheiligste seiner Gesinnungen und Gedanken auf. — Nun zu dessen Ehestandsgefchichte. Posselt hatte sich zwölf Jahre vor seinem Tode, mit der Tochter eines Bad. Grenadiers zu Carlsruhe in eine genaue Bekanntschaft eingelassen, einige Kinder, nämlich 2 Töchter — wovon das jüngste, Namens Caroline, einige Zeit nach des Vaters traurigem Tode, zu Dur lach geboren ward — und einen Sohn mit ihr gezeugt, eine bedeutende Partie ihretwegen ausgcschlagcn, und sie nach dem Tode seines Vaters, (der bei seinen Lebzeiten, in diese Ehe nicht willigen wollte), wirklich geheirathet, und auch bis an sein Ende, in harmonischem Einklang mit ihr gelebt. Dessen älteste Tochter Louise, war nach dem Tod ihres Vaters, erst 11 und dessen Sohn Louis, kaum 3; Jahre alt; welcher Posselt's höchste Freude war, und der sich, gleich seinem Vater, dem Studium der Rechte widmete. Entfernung von Zerstreuung durch gute Gesellschaft, freiwillige Bannung in den häuslichen Zirkel der Seinigcn, und dadurch veranlaßter Mangel an — 249 — Bewegung und frischer Lust, mitunter auch starker Genuß geistiger Getränke; monatlanges Einsperren in sein Stndirzimmcr, verbunden mit anhaltender Geistes - Anstrengung — dieß alles drückte zulczt Posselt's sonst so hoch aufstrebenden Geist gewaltsam darnieder, daß er in eine Schwcrmuth verfiel, welche, durch öftere Anfälle von Schwindel nur noch vermehrt, ihn bis an sein Ende nicht verließ. Auf dem dornigten Pfad der Politik, wandcrte dieser geistvolle Mann dem Tempel der Unsterblichkeit entgegen, und Deutschland ergötzte sich an den schönen Früchten, die er so reichlich ausspendete^ ohne zu ahnden, daß ihm dieser, an Geist und Körper gleich starke Mann so plötzlich, in der Fülle^ seines Lebens, seiner Gesundheit und Thätigkeit, entrissen werden sollte. ' Wilhclmine Müllcr, gebohrne Maisch, hat in einer, sehr paßenden, Elegie, den Doctor Ernst Ludwig Posselt, sehr schön besungen, welche ich hier meinen Lesern — da jene Gedichte von Wilhelm ine Müller in der wenigsten Hände sich befinden werden — mitzutheilen, der Mühe werth gehalten habe. Hier ist sie: ^Barden! laßt die Tclpn festlich schallen, „Stimmet sie zu ew'gen Elegien! — „Ach! ein großer Mann ist uns entfallen, „Teutschlands Zierde, Posselt ist dahin! „Ihr der Größe und des Glückes Söhne, „Setzet ihm ein thcures Monument, „Das den Größten unsrer Demosthene „Noch dem späten Enkel dankbar nennt. 250 „Mit dem Riesen - Genius der Zeiten ^ „War der große Denker eng' vertraut; „Er enthüllte die Begebenheiten „Mit der Wahrheit kühnem Fcuerlaut, „Ewig wird im Tempel der Geschichte „Ihres Hohenpriesters Name stehn; „In des Nachruhms heil'gem Sonnenlichte „Wird ihn noch die Nachwelt staunend sehn. „O Verhängm'ß! warum diese Härte „Uebcr Deutschland?? Ist es nicht genug, „Daß dein Diener" Krieg „mit seinem Schwerdte „Ihm jüngst tiefe, schwere Wunden schlug? „Sieh, die Opfer, die es dir gegeben, „Bluten noch auf deinem Würg - Altar, „Warum nahmst du auch des Mannes Leben, „Der des Vaterlandes Ehre war? „Warum ist das Loos der Feuer - Köpfe „Schweres Unglück oder früher Tod? „Glänzt doch für gewöhnliche Geschöpfe „Stets des Glücks, der Freude Morgenroth! — „Ward nur darum diesem seltnen Manne „So im Nu dies seltne Lebensziel? „Fiel er darum, wie die hohe Tanne, „Schnell vom Blitz zerschmettert, niederfiel? „Dichter, ihr habt Kraft, sein Grab zu ehren! „Reiche, ihr habt Marmor, Gold und Erz! — „Ach! ich habe nichts, als stille Zähren, „Nur dies Lied verkündigt meinen Schmerz — „Aber von dem Spiel, das Gott verliehen, „Männer der Unsterblichkeit zu wcihn — „Sollen künftig schön're Elegien „Seines großen Namens Ruhm crncun! 251 „Seliges Erinnern jener Stunden, „Die in Posse lt's Umgang mir entfloh'«! „Ach! sie sind auf immer mir entschwunden, „Ewig stumm ist seiner Stimme Ton!- „Doch du lebst! denn Geister wie der Deine „Könne'n nicht ans ewig untergchnü — „Mit den Geistern Hellas im Vereine „Wird mein Geist Dich ewig Wiedersehn." (*) Auch hat ihm Badens Historiograph, Herr Aloys Schreiber, in seiner Beschreibung von Heidelberg und dessen Umgebungen, (**) ein kleines Denkmal der Achtung und freundschaftlichen Liebe in folgenden Worten errichtet: „Hier, (nämlich ans dem Gottesacker der St. „Peterskirche zu Heidelberg,) ruhen „auch Posselt's Uidcrreste, des trefflichen Historikers, den ein unglückliches Verhängniß in der Kraft „männlicher Jahre dahin raffte. Aber — kein „Stein bezeichnet die Stätte, wo er schlum- „mert!!! — " Posse lt's schriftstellerische Arbeiten, die er dem lesenden Publikum in die Hände überlieferte, sind, der Reihe nach, folgende, nämlich: Siehe Taschenbuch von Wilhelms»- M ü l;l e r auf das Jahr 1505 für edle Weiber und M ädch c n, Von Seite 3 — 6; Und die Vcrbeßerung der Elegie auf Di. Ernst Ludwig Posse lt's Tod, in der zweiten umgcarbcitcten Auflage deren Gedichte vom Jahr 1806 in der M ülIcrischcn Buchhandlung zu Carlsruhc in 8. gedruckt, von Seite 137 — 13g. ") Siche dessen Beschreibung von Heidelberg :c. vom Jahr 1811 Seite lilS. 252 vom Jahr 1783. An Sterne's Geist. Karlsruhe 1783. 8» Otrum ad Vota colnmunia, PLI- gute lit discessio in partes, unaniinia membrorum corporis, an pluriina tantuin suIIraZia re^uirantur? Xebl 78» 8. 8. Dom Jahr 1784» ^4 vir: perill et excell. i4 uA. »loau de 11a ti n, Lpistola de optima studii juris, antsguam ad lit- terarum universitates ealur, in O^innasiis acade- micis, colendi ratione» Ke Ii 1. II» 8. 4. ri^Hlstpria (iorpoiis LvanAslicorum L e Ii 1. 55. 8. 8. (4 Gr.) ,Die Geschichte des Evangelischen Bundes wirdnhier in drei Abschnitten abgehandclt: Geschichte vor dem 30jahr. Kriege, während dic-- fes Krieges, und nach demselben. Vergleiche die aIlAemsi1i8j7I.it. 2eit. 1785 Bd. 2, IXo» 136. S. 251 f. tMtt.L Vom Jahr 1785» ^ »i 8^stema jurium Oorporis livanAclici. XsIi11785 140. 8. 8. (12 Gr.) Wissenschaftliches Magazin für Aufklärung, l. Band. Kehl 500 S. 8. ;) i, Vom Jahr 1786. Omnibus in causis in partes eundijus an civiti prudentise et publicss Oermauia; saluti couve- niat? Larolsrubae. 70 8. 8. .41 eher die Reden großer Römer in den W er k e)l ihrer G e schi ch t s ch re ib er. Kehl. 20pSr»8^ 7 Os ViiAilii OeorAicis, kroAramma, cpio ill.6^m- nasü memoria swcularis publice celebranda in dicitur.; Ourlaci ^I^pis Nüllerianis. 1786. 38» Seiten. ,8. — 253 — Ueber deutsche Historiographie. Eins Rede, bei der Jubelfeier des Karlsruher akad. Gymnasiums den 21. November 1786 gehalten. Durlach 22 S. 8. — Posselt legte hier sein Glaubens-Bekenntniß über die Art, Geschichte zu schreiben, nieder, wornach er sich in der Folge selbst gerichtet hat. Ferner vom Jahr 1786. Wissenschaftliches Magazin für Aufklärung. II. Bd. Leipzig 606. S. 8. Vom Jahr 1787. Friedrich dem Großen. Eine Rede am ersten Jahrstage seines Todes, den 17. August 1787 in Gegenwart des Hochfürstlichen Hauses gehalten.Earls- ruhc 44 S. 8. Viro perill. 3oan. Ltepli. ftüttor, conclita? OeorAiW ^ii^ustse semisocular. nasmoriam zzratulal. ftriroftruhe. 25 S- 8. Hektor Wilhelm v. Günderode's sämmt- lichc Werke ans dem deutschen Staats- und Privat- Rechte, der Geschichte und Münz-Wissenschaft, mit neuen Abhandlungen und vielen Zusätzen herausgegeben. I. Bd. Leipz. 516 S. 8. 4> Geschichte der deutschen Fürstenvcreine, von vr. E. L. Posselt. Leipzig 1787 8. Wissenschaftliches Magazin für Aufklärung. Hl. Band. Leipzig 656 S. 8. - ^ Possclt gab es in Gesellschaft mehrerer Gelehrten heraus. Voech. sllgem. ft.it. 2eit. 1786. Bd. ft Num. 113 S. 282. ff. Bd. 3. Nnm. 200. S. 457 bis 464. Vom Jahr 1788. Dem Vatcrlandstod der 400'Bürger von Pforzheim. Eine Rede, den 29. Januar 1788 in Gegen- — 254 — wart des Hochfürstlichen Hauses gehalten. Carlsruhe 52 S. 8. Dem Andenken des Freiherrn August Johann von Hahn, weiland Markgr. Badischen Regierungsund Consistorialpräsidenten. Eine Rede, den 6. Juni 1788 gehalten. Carlsruhe 31 S. 8. Hektor Wilhelm v. Günderode's sämmt- lichc Werke rc. herausgcgebcn. II. Band. Leipzig 616 S. 8. Vom Jahr 1789. Des Dulst. Ovicllus I>laso I.Iester cler Diede, rne- triscli vercleutscstt. 26? 8. 8.Aus dem 2. Buche ist eine, und ans dem dritten Buche sind sechs Elegien weggclasscn worden. ILlernorin Oorin. Oirlst. 8nedsü, 8ereni88. Alsrest. Dii6er>Äs, m viveret, u coiisiliis sucris et iil. Hectoris, Lriioisruliss 32 S. 8. lieber lVürrchemi's Distales seerete 3e la 6our ste Lerllii, aus authentischen Quellen. Carlsruhe 188 S. 8. I. Band. Leipzig 346 S. 8. Vom Jahr 1790. Geschichte der Deutschen für alle Stände. II. Bd. Leipzig 390 S. 8. (Dritter Band fortgesetzt von Carl Heinrich ?mdwig Pölitz. Leipzig 1805 gr. 8. (2 Thlr.) Posselt's Geschichte der Deutschen ist nach ei, ner ganz eigenen Idee entworfen, und mit so viel Kraft) Klarheit und Popularität geschrieben, daß sie nicht wenig zur allgemeineren Verbreitung des Studiums der Vaterlandsgeschichtc beitrug, und wirklich unter allen Ständen, Leser und Liebhaber fand. Vcrgl. Goth. gel. Zeit. 1789. Stück 12 S. 94 f. .4IIxk-n^ I.ii. 2sit. 1790 Bd. I. Num. 37. S. 291 bis 294. 1805 Bd. 4. Num. 331. S. 574 f. Polit. Journ. nebst. Anz. von gelehrten und andern Sachen. 1806. Bd. I. Stck. 6. S. 619 f. Archiv für ältere und neuere, vorzüglich deutsche Geschichte, Staatsklugheit und Erdkunde. I. Bändchen. 206 S. 8. Vom Jahr 1791. Geschichte Carl's XII. Königs von Schweden; nach Voltaire. Carlsruhe 502 S. 8. Vom Jahr 1792. Geschichte Gustav's III. Königs der Schweden und Gothen. Carlsruhe 516 S. 8. (Neue Auflage mit dem Bildnisse des Königs, als Titel- kupfcr und einer Titclvignette. Gießen 1805. 8. (Erstcres Werk ward nachgedruckt in Frankfurt bei Pech, unter dem angeblichen Druckorte: Straßburg.) Archiv für ältere und neuere, vorzüglich deutsche Geschichte, Staatsklugheit und Erdkunde. II. Bändchen. Memmingen 172 S. 8. Vom Jahr 1793. LsIIum populi Akilliel riclversus Nun^arlse Lo- i-ii5siZ?^N6ll6Aes, eorningue socios. Xii.Ä4I)dX6II. OcxttlnAss 207 S. 8. (Nachgedruckt in Stuttgart unter dem angeblichen Druckorte: Frankfurt und Leipzig, auch ins Deutsche übersetzt in Göttingen, unter dem Titel: „Krieg der Franken gegen die, wider sie verbündeten Mächte. Jahrgang 1792, Aus dem Lateinischen des vr. E. L. Posselt. 1793. 8. Diese Nebersetzung nzgr unter Posselt' s Aufsicht verfertigt, und ist nicht blos Nebersetzung, sondern in manchen Stellen auch Berichtigung. Vcrgl. Xllgom. I.il. 2oltrniZ 1795. Bd. 4. Num. 271 S. 256 49—51. Eine anderweitige Uebersetzung waVschon unter dem Titel erschienen: De. E. L. Posse lt's „Geschichte des Krieges der französischen Nation wider die Könige von Ungarn und Preußen und deren Alliirtc, nebst einer kurzen Uebersicht des Ursprungs und Fortgangs der französischen Revolutionsgeschichte des Jahrs 1792. Aus dem Lateinischen. Frankfurt und Leipzig 1793 gr. 8.) Unparteiische, vollständige und actenmäßige Geschichte des peinlichen Prozesses gegen Lu dwig XVI. König von Frankreich. Basel I. Theil mit einem Kupfer. 169 S. 8. II. Theil 335 S. 8. Es erschien eine neue Auflage unter dem Titel: „Der Prozeß gegen den letzten König von Frankreich, Ludwig, den Sechszchnten, und dessen Gemahlin. Ein Beitrag zur Geschichte der französischen Revolution. Von Dr. E. L. Posselt rc. Erster Bd. Nürnberg. 1802. gr. 8. Die erste Ausgabe kam durch die Umstände des Verlegers gar nicht in das Publikum. Es erschien daher das Werk zum zwei- tenmalc mit zahlreichen und wesentlichen Zusätzen und Berichtigungen. Auch wollte der Verfasser in einem zweiten Bande den Prozeß der Königin nachliefern, welches aber nicht geschehen ist. Vergleiche I.it. 2mt. 1805. Bd. 2. Num. 149. S. 524 f. Vom Jahr 1794—1804. Taschenbuch für die neueste Geschichte. Heraus- gcgcbcn von Dr. Ernst Ludwig Posselt. Zehn Jahrgänge. Nürnberg 1794—1804. 12. (jeder Jahrgang 1 Thlr. 8 gGr.) mit Küffn er scheu Kupfern. Der letzte Jahrgang unvollendet und von einem Ungenannten ergänzt und hcrausgegeb. Dergl. Goth. gel. Zeit. 1794 Stück 74. S. 679 f. Ober« — 257 — deutsche allgem. Lit. 1795 Bd. I. Stück 30. S. 480 bis 483. 1796. Bd. I. St. 22. S. 343 f. 14,. 2eit. 1795. Bd. 4. Num. 271. S. 49—53. Dom Jahr 1795—1804. Europäische Annalen. Von vr. Ernst Ludw. Posselt. Zehn" Jahrgänge. Tübingen 1795 his 1804. gr. 8. (jeder Jahrgang 4 Thlr. 8 Groschen). Di-. Ernst Ludwig Posselt's kleine Schriften. Nürnberg 1795. 8. (1 Thlr.) mit einer säubern Titclvignettc. Possclt sammelte hier einen Theil seiner kleinern Aufsätze, die in mehreren Zeitblättern zerstreut erschienen waren, in einen Band. Es sind folgende: n) Uebcr deutsche Historiographie. Eine Rede S. 1—32. d) Ueber die Reden großer Römer in den Werken ihrer Geschichtschreiber. S. 33—52. c) Ueber Anekdoten überhaupt, insonderheit Anekdoten zur Charakteristik Kaiser Rudolphs von Habsburg. S. 53—91. ü) Aphorismen über Bündnisse in Deutschland überhaupt, insonderheit zur Gränzbestimmung der Fürstcnvereine. S. 92—100. e) An unsere Fürsten. Als Zueignung vor einer Geschichte der Fürstcnvereine). S. 101—112. t) Erste Geschichte und Entwürfe des deutschen Bundes; aus eigenhändigen Aufsätzen Friedrichs des Großen. Mit einer Einleitung. S. 113—154. 8) Friedrich dem Großen. Eine Rede. S. 155—182. st) Dem Vaterlandstode der vierhundert Bürger von Pforzheim. Eine Rede S. 183—214. 17 258 I) Dem Andenken August'S Johann von Hahn. Eine Rede. S. 215—236. k) Versuch eines National-Almanachs für Deutsche. S. 237—261. l) Ueber die zweifache Ehe, Philipps des Groß- müthigen, Landgrafen von Hessen. S. 262—268. in) Ist es wohl noch der Mühe werth, die römische Sprache zu studiren? Einige Worte zur Beherzigung für Schriftsteller und Patrioten. S. 269—304. n) Ueber das Postwesen, besonders in Deutschland. Abschnitt I. Postgeschichtc. S. 305 — 340. Abschn. II. Postrecht. S. 341—374. Der dritte, vierte, fünfte und zehnte Aufsatz erschienen zu Leipzig zum erstenmal, die meisten andern mit beträchtlichen Zusätzen oder Aenderungen. Vergl. Goth. gcl. Zeit. 1795. Stck. 98. S. 877—879. Oberdeutsche allgem. Lit. Zeit. 1795. Bd. I. Stck. 16. Beil. S. 262. f. Olt. 2eit- 1796 Bd. I. Num. 47. S. 373—376. Vom Jahr 1796. Condorcet's Entwurf eines historischen Gemäldes der Fortschritte des menschlichen Geistes. Ein Nachlaß übersetzt von Or. Ernst Ludwig Posselt. Tübingen 1796. 8. (Oe Lonäoroet Cnguisse cl'uii ^adleau dlütorigue äes CroZres sts lüsprlt liumaiii. Carls 1795. 8.) Vom Jahr 1798. Ewald Friedrich, Graf von Herzberg; mit Auszügen aus seiner Correspondenz, die neuesten Welthändel betreffend. Tübingen 1798. 8. (14 Gr.) mit dem Brustbilde des Grafen. Dieß kurze Leben Herzberg's, das Posselt gleichsam im Fluge mitten unter dem Gewühl seiner sich drängenden Journal- und Zeitungsarbeiten ins Publikum ansgehen ließ, verdiente mehr Aufmerksamkeit wegen der angchängteu Briefe des Ministers an den Verfasser, als der biographischen Darstellung wegen, die für die Würde des Gegenstandes viel zu flüchtig und kurz ausfiel. (Dergl. Carl Heinrich Iördens Lenken deutscher Dichter und Prosaisten. Bd. 4 N—S. Leipzig in der Waidmännischen Buchhandlung 1809.) Vom Jahr 1800. Sieye's Geist ans seinen Schriften, von Oels- ner; aus dem Französischen übersetzt. (Ohne Verlagsort) 18R>. 6. Dom Jahr 1802. Leriron der französischen Revolution, oder Sammlung von Biographien der wichtigsten Männer, die sich im Laufe derselben ausgezeichnet haben. Von 1). Ernst Ludwig Posselt rc. Erster Band. Nürnberg 1802 . 8. (1 Thalcr.) Es kömmt hier unter andern eine Biographie des Generals Kleber vor. In dem Freimüthigen 1804. Nnm. 217. S. 347 findet man: Berichtigung einiger Umstände in einer, von vr. Posselt gelieferten Biographie des Generals Kleber. Vergleiche I.it. Xsit. 1805. Num. 149. S. 521—523. Po sselt's in lateinischer Sprache geschriebene Schriften sind bereits oben schon angezeigt. Auch war Posselt Herausgeber der neuesten Weltkunde, auch einige Zeit Redakteur der Fortsetzung derselben, die unter dem Titel: „Allgemeine Zeitung," crjchien. Seine Bibliothek, die nicht nur aus seinen eigenen vielen Schriften, sondern auch vorzüglich aus einer Menge seltener Bücher von allen Zweigen der Wissenschaften bestand, hat wenige Jahre nach sei- 17 * 260 mm Tode, die Raphael Mar rische Buchhandlung in Carlsruhe käuflich an sich gebracht; von welcher Bibliothek nachher die Durchlauchtigsten Herren Markgrafen von Hochberg einen, nicht unbeträchtlichen Theil an sich gekauft hatten. Für den Leser dürfte es Interesse haben, hier die, noch ungcdruckten Briefe Posselt's an Mich, zu finden, welche zugleich die Sammlung seiner Schriften ergänzen. Nachdem ich von dein, zu Anfang des IahrS 1792 in Durlach ncuerrichteten Füsilier-Bataillon Erbprinz (Carl Ludwig von Baden) mit dem erhaltenen nachgesuchten Abschied ausgetreten, und dann mit Genehmigung des damaligen Herrn Markgrafen Carl Friedrich, unter dem ausdrücklichen Vorbehalt meines künftigen Rücktritts ins Vaterland, in österreichische Mlitairdienstc, und zwar anfangs, zu dem schon im September 1792 zu Kebl am Rhein in Kantonirung gestandenen ungarischeil Infanterieregimente, Samuel, Graf Gsinlai genannt, übcrgegangen war, so korrespondirte ich, während dem ich, zur Zeit des französischen Revolu- tionskriegs, sieben Feldzügen bei der österreichischen Armee mit beigewohnt hatte, öfters mit 1):-. Posselt, dem ich von Zeit zu Zeit, von den Verhältnissen der damaligen Kriegsoperationen authentische Nachricht gab. Von seinen, hierauf erhaltenen, mir, bis fetzt, nur noch übrig gebliebenen wenigen Antwortschreiben, theilc ich nun meinen Lesern, zu einiger Unterhaltung, hier folgende, als unparteiische Zeugen davon mit, wie sehr einst Posselt mich schätzte, und liebte — nämlich, als seinen vormaligen ersten Aktuar, wie Er noch in Gernsbach, bei Rastatt, die Stelle eines Amtmanns bekleidete, 261 und mich, bei dieser Gelegenheit, ln den Nebenstun- dcn seines Berufs, nebenbei auch zum Bücherschreiben benützte. Hier folgen in Abschrift die, (zwar nur für die Publizität geeignete fünf) Posselt'schcn Briese an mich: Istcr Brief. Gernsbach, d. 6. Sept. 1793. Wie leben' Sie, mein lieber Freund, unter dem wilden Getöse des Krieges, wo Tausende, die nie zuvor sich sahen, wie die wüthigsten Feinde sich erwürgen ; wo man nichts als Scenen sieht, worüber die Menschheit weint? Ich habe Ihr letztes Schreiben (von Hacken- Heim ans, vom 1. August) richtig erhalten, aber kein einziges der vorhergehenden, deren Sie darinn Meldung thun. Gern wollt' ich Ihnen folgende Schriften von mir: Geschichte Gustav's III. (die in Frankfurt nach- gcdruckt worden, und nun auch ins Holländische übersetzt ist) Unparteiische, vollständige u. aktenmäßigc Geschichte des peius. Prozesses gegen Ludwig XVI., König von Frankreich, 2 Thlc., mit einem Kupfr. Basel. Uolluiii populi Ailllcll Ll1v6rsn8 Huiii^ariee Lnrus- «ia'gue 16^68 «oraiugus Zoolog. Xunus 1792. Kci iptoro H. L. I-. bosselt. OoettiiiMr'. zuschickcn, wenn ich überzeugt wäre, daß solche Ihnen sicher zukämcn. Sie würden Ihnen und Ihren Waffenbrüdern gewiß eine interessante Unterhaltung gewähren. Vorzüglich würden Ihre Herren Offiziers, die Sie zu meinem großen Vergnügen als aufgeklärte und sehr instruirtc Männer beschreiben, sich nicht wenig über mein Lollum popult Oalliol 262 wundern, dem alle Kenner, schriftlich und gedruckt, das Zeugniß gegeben haben, daß es sich wie ein Litt ins oder Sallustius, lesen lasse. Es ist davon, sobald es (vor etwa anderthalb Monaten) erschienen, sogleich von einem Ungenannten in Hamb u rg eine deutsche Ucbcrsetzung angckündigt worden. Mein Buchhändler in Göttingen, den dicß baß verdroß, bat mich, selbst auch eine Uebersetzung davon zu liefern ; diese ist auch bereits von mir gefertigt und gestern die letzte Lieferung von Manuskript nach Güttingen abgeschickt worden. Sie sollen davon seiner Zeit gleichfalls ein Eremplar erhalten. Ich hoffe, daß Sic solches selbst bei mir holen werden; denn das Spätfahr rückt mit Macht heran, und dann kommen die Winterquartiere, die schon eher einen Ausflug gestatten. Wen» doch bald der J a- nnstempel geschlossen werden könnte! . . . Doch überlassen wir das der ewigen Vorsehung, die alles so lenken wird, wie sie es dem Wohl der Welt am gemäscsten findet. Schreiben Sie mir bald wieder, und schicken Sie mir eine ganz sichere Adresse an Sie, so sollen Sie die obgenannten Bücher zuverlässig sogleich erhalten. Hätten Sie aber keine ganz sichere feste Adresse, so wär cs Schade, wenn sie Ihnen verloren gehen sollten ; in solchem Falle würden Sie also besser thun, lieber noch einige Wochen zu warten, bis Sie einen festen Aufenthaltsort erhalten haben werden. Mein Vater empfiehlt sich Ihnen bestens. Wir wünschen. Sie bald einmal wieder zu sehen; denn Sie wissen, daß Sie an uns wahre und unveränderliche Freunde haben. 263 Für diesmal Gott befohlen, bis Sic mir schreiben werden, wo Sie wirklich sind. Ich bin, wie Sie wissen, stets Ihr Freund und Diener Posselt, vr. 2ter Brief. Gernsbach bei Rastatt, den 12. Sept. 1793. Es geht uns andern mit Ihnen fast eben so, wie jenem Quäker in Philadelphia mit dem berühmten Raynal. Der Quaker, ohne zu wissen, wo der Philosoph eigentlich sich aushielt, schrieb auf, seinen Brief die Adresse: „An meinen Bruder Raynal in Europa— und der Brief kam richtig an seine Behörde. So Hab' auch ich erst vor wenigen Tagen einen Brief an Sie ans die Post gegeben, unter der Adresse: „An den berühmten Chronisten Pforzheim's, Geh- „res, bei der k. k. Armee überm Rhein." Ich habe jedoch, sorgfältiger nnd umständlicher, als der Quäker zugleich den^ Namen Ihres Regiments bemerkt. Indessen vernehme ich nun so eben, daß die Kriegskanzlei Ihres Regiments wirklich in Blankenloch seyn soll; und bei dieser Kriegskanzlei werden auch wohl ohne Zweifel Sic seyn. Da ich nun morgen einen Boten nach Carls- ruhe schicke, so darf weder diesem, noch mir, der Umweg zu Ihnen zu weit seyn, damit Sie überzeugt werden, daß ich an Sie, guten ehrlichen Mann, gewiß schon eher geschrieben haben würde, wenn ich den Ort Ihrer jeweiligen Residenz sicher, gewußt hätte. — 264 — Sie erhalten hierbei von mir in Ihre Feldbibliothek : 1) Die Geschichte Gustav's III. (die in Frankfurt nachgcdrnckt worden, und schon auch ins Holländische übersetzt ist.) 2) Meine in Göttingen gedruckte lateinische Kriegsgeschichte des vorigen Jahres, (welche bereits im Würtcmbergischen in den Klosterschnlcn zum Unterricht eingcführt ist) und wovon bereits ein Ungenannter in Hamburg eine Uebcrsctzung angekündigt hat, ich aber, um demselben noch zuvor zu kommen, auf Bitten meines Göttinger Verlegers, selbst vertentscht habe, und Ihnen in kurzer Zeit rin Eremplar meiner Uebcrsetzung zuschicken werde.) 3) Meine Prozeßgeschichte Königs Ludwigs XVI. Ich schmeichle mir, daß diese drei Werke Ihnen und Ihren rapferen Waffenbrüdern in Stunden, die vom Kriegsgetösc frei sind, eine angenehme und nicht uninteressante Unterhaltung gewahren werden. Insbesondere bin ich begierig, zu vernehmen, was Ihre Herren Offiziers zu der in der Römersprache geschriebenen Kriegsgeschichte sagen werden. Versichern Sic denselben zugleich, daß ich mich auf die Beschreibung des fetzigen Feldzugs und der so vielen so schönen Thaten der kaiserlichen Armeen freue, und denselben allen Reiz der Darstellung zu geben suchen werde. Mich freut sehr, daß Sie bei Ihren Obern Achtung und Gewogenheit genießen. Sie verdienen es. Empfangen Sie zugleich meinen Glückwunsch über die Tapferkeit Ihres Regiments, die der Soldaten Aler anders oder Cäsars würdig wäre. Jch lefe immer mit vorzüglicher Freude die Züge von Bravour, wodurch die tapfern Männer von Gyn- — 265 lai sich so oft auszeichnen. Machen Sie, daß Sie der Homer werden, der die Thatcn dieser tapferen Männer besingt, die schon so unendlich mehr gethan haben, als die phlegmatischen Kerls von Griechen, die sich vor dem armseligen Neste Troja 10 Jahre lang hcrumgetummelt haben. Mein Vater grüßt Sie bestens. Lassen Sie doch öfters etwas von sich hören, und seyn Sie versichert daß ich unveränderlich seyn werde. Ihr Freund und Diener Posselt Or. 3tcr Brief. Gernsbach, den 10. Nov. 1793. Nur mit 3 Zeilen, mein lieber Freund, dank ich Ihnen sehr für Ihr geneigtes Andenken. Mir wird >— Sic wissen es ja — jeder Tag und jede Art Sie hier bei mir zu sehen, in hohem Grade angenehm seyn; zumal wenn ich zugleich das Glück haben sollte, die Bekanntschaft des vortrefflichen Herrn Hauptmann Auditors äs Gort« machen zu können. Uebergeben Sie diesem würdigen Manne die Anlage in meinem Namen. Ich hoffe, Sie bald hier zu sehen, und Sie dann mit Lcctüre zu versorgen. Mein Vater empfiehlt sich Ihnen vielmals. In Eile, aber mit bekannten Gesinnungen stets Ihr Freund und Diener, Possclt vr. 18 266 4ter Brief, (als Antwort auf mein erstes Schreiben an D,. Posselt, von Va lenciennes, in französisch- Flandern datirt). Gernsbach im Badischen, 20. Juni 1794. Wer, mein lieber Freund, als Si'ePforzhcim's berühmte Chronik *) schrieben — wer hätte da jemals gedacht, daß ein Wurf des Schicksals Sie bis nach Balencicnnes schleudern würde ? Sehen Sie sich ja wohl vor, daß Sie gar noch zuletzt den schrecklichen Patrioten in die Hände fallen! die, wie Russen in der Fcldschlacht schlagen, wie Athener für die Freiheit glüh'n. Ich hätte Ihnen längst schon geschrieben, wenn ich gewußt hätte, welches der dcrmalige Standpunkt Ihrer Eristenz wäre. Glauben Sie, daß ich Ihnen nunmehr durch Empfehlung irgend nützlich sepn kann, so benachrichtigen Sie mich davon: ich habe indeß die Ehre gehabt, mit mehreren kaiserlichen Generals in nähere Bekanntschaft zu kommen: nunmehr glaube ich/ Ihnen eher dienen zu können; ob ich es will? ist ohnehin keine Frage. Wie fürchterlich wird Schlag auf Schlag in den Niederlanden gekämpft! Wie müssen auf beiden Seiten unter -der Sichel des tausendfach hinraffendcir Lobes die erst noch so zahlreichen Heere sich dünnen ! und was wird das Ende von all 4i?sem sepn. ») Hier machte Posselt eine scher;l>afte Anwieluna ans meine erste Ausgabe von Pforzheims kleiner Chronik, die im Früh- iabr 1792 bei Andreas Seulerz» Memmingen im Druek er. schien, und nachher in der allgem. Jenaer Lit. Zeit, vom Jahr 1794 Num. 2S7 Seite 5S1 mit Beifall ausgenommen ward. Anmcrk. des Verfassers. 267 wenn nicht bald cin wobithätigcr Gott durch einen Machlspruch uns den Frieden schenkt? . . . Schreiben Sie mir doch, was cs dort Neues von Wichtigkeit giebt; -schreiben Sie aber keine Rotcmontaden, nicht zuviel, nicht zu wenig, die bloch trockne Wahr- beit. Kriegerische Torfälle in den Nheingcgcnden, seit dem Uebcrgange über diesen Strom, hatten wir weiter durchaus keine: das Wichtigste in dieser Gegend war Möllcndvrf's geschickter Schlag bei Kaiserslautern, der den Franzosen nah' an 4000 Mann kostete. Die Hoffnung, daß wir unfern guten Kaiser auch hier am Rheine sehen würden, war vergeblich: er ist über Fran kfu rt geraden Wegs nach W i e.n sortgereist.- Jch rechne mir's zur Obre, daß, wie Sie mir nulden, meine Geschichte 'des ersten Feldzuges von so vielen würdigen Offiziers mit Beifall gelesen wird. Ich bedaure, baß ich Ibnen nicht setzt sogleich die verlangte» zwei Ercmplar^, sowohl von dieser alS der Prozeßgcschichte Ludwigs XVI. schicken kann, da, ich selbst von jeder dieser 'Schriften nichr nicht, als noch c i n einziges Ercmplar besitze. Ich erwarte jedoch in wenigen Woche» weitere Crcmplare, die ich Ibnen sodann zugleich mit dem ersten Bändchen der G e schichte d. zwc i -. Feldzüge s, welches ich mit jedem Postwagen erwarte, zugchcn lassen werde Ich sehe jedoch baldigst, und wohl noch eher, einem weitern Schreiben von Ihnen entgegen. Geben Cie mir doch darum auch Nachricht von dem Befinden des Herrn Lieutenants Schäfscr, dem ich mich bestens zu empfehlen bitte. Ilcwigciis befindet sich mein Baker, der Ihnen Id* 268 alles Schöne und Gute durch mich sagen läßt, so wie auch mein chetifes Individuum, ganz erträglich. George *) steht gegenwärtig bei einem sehr guten Handelshause in Ulm, Seipel et Loirip., als Handlungsbedientcr; Wenn Sie einige leere Augenblicke finden, so machen Sie ihm den Spaß, ihm von Valenciennes aus, zu schreiben. Leben Sie wohl, mein lieber alter Freund! und unterm Säbelgeklirre, und Kanonendonner, und dem noch schrecklichem Anblicke der verwundeten, verstümmelten Schlachtopfer des Krieges, vergessen Sie nicht Ihren Freund und Diener Posselt vr. Ster Brief. Gernsbach, d. 31. Okt. 1794. Ich hätte Ihnen, mein lieber Freund! schon längst und häufig geschrieben; aber Gott weiß, wo man Euch schnellfüßige Afare bei Euern gräßlichen Krebsgängen auffinden soll. Ihr ändert Eure Quartiere öfters, als wir Andere, die Hemden. Wenn das Ding so fortgeht, so hoff' ich, wir sehen uns bald persönlich wieder. Doch der Neu wird er Zeitungsschreiber hat so gar unrichtig nicht gesagt: „unser alter mächtiger Rhein seye fetzt besser zu nnscrm Schutze, als der beste Offizier vom östrci- chischen Gcneralstaabe." Aber welche Pythia mag sagen, welches das Ende dieses Ungeheuern Trauer- ») Dieser war nämlich Posselt' s Schwager, Namens George Berblinger, und zugleich der leibliche Bruder von der Gattin des Ersteren. Eben dieser Berbli » ger hatte, noch eh' und bevor er die Handlungswissenschaft unter Posse lr's Aegide, zu erlernen sich bestrebte, ehemals eine sehr genaue Bekanntschaft mit mir gemacht. — Anm. d. Bersassers. 269 spiels, dieses Krieges ohne Gleichen seyn wird? Hie und da flüstern Friedenslispel, aber wer möchte bei der Spannung, so wie sie jetzt noch von beiden Seiten ist, diesem schmeichelnden Syrenengesange vertrauen ?!!... Nur Schade, daß noch so viel köstliches Mcnschenblut fließen muß. Das gute Alterthum hatte eine schöne Sitte: Der Streit zweier Völker ward durch den Duell zweier Individuen entschieden. Das kanu aber freilich in allen Kriegen eher, als in diesem jetzigen, stattfinden, der ein Krieg gegeneinanderstoßender Meinungen und Grundsätzen ist. Und da ist bekannt, daß jeder seine eigen- thümliche Sinnesart hat, und daß alle 48pfünder der ganzen Welt nicht im Stande sind, auch nur einen einzigen Syllogism' niederzuschiesen. . . Doch lassen wir die Götter der Welt für das Schicksal der Welt sorgen. Uns Unbedeutenden kann es genügen, wenn wir in der sceligen Mittelmäßigkeit gleich fern von den beiden zermalmenden Ertremen das kurze ungewisse Ding, das man Leben nennt, bis zum unwiederbringlichen Schnitt der Parze, so froh undunbesorgt, wie möglich, fortspinnen. Der berühmte Mosheim pflegte in die Stammbücher einzuschreibcn: magna existlmatlo, magna t'ama, magna ancNoiitas — magna mala. O dea- ta odLeuritas! (*) Wenn diese Sentenz je für wahr gelten konnte, so ist es jetzt. — Ich habe Verschiedenes, das Ihnen gewiß interessant seyn wird, für Sie bereit liegen. Schicken Sie mir nur eine ganz feste Adresse von Ihnen zu, so sollen Sie es sogleich erhalten. Eben dies ist Aufdeutsch: Er die, des Lateins unkundige Leser. /.Große Ekrenstcl- len, grvßcrRubm, großes Ansehen, bereiten demDenker großes Ungeniack- 0, nur einzig giüeklich sind alle jene zu vreißen, welche — dumm sind!" — Anmerk, dez Verfassers- 270 auch die Ursache, warum ich dem würdigen Herrn Hauptmann von Corte, dessen Lchtrömischcs Schreiben mich unendlich gefreut hat, nnd dem Sie mich bestens empfehlen werden, noch nicht geantwortet habe. Auch diesem verdienstvollen Manne werd' ich alsdann etwas von meinen neuesten literarischen Kleinigkeiten zuschicken. Ich darf übrigens nicht vergessen, daß Ihre Beschreibung Ihrer Vaterstadt in der allgemeinen Literatur-Zeitung von Jena sehr ausführlich, und mir dem größten Beifall be- beurtheilt worden ist/ Sic wird darin als ein Muster empfohlen, wie man einen kleinen Gegenstand dieser Art mit Würde und Wichtigkeit beschreiben, und ein so eingeschränktes Lokalintcressc allgemein zu machen, wissen soll. Kurz, 2hr Name ist der Verewigung gewiß; auch Sie können mit stolzem Selbstbcwußtsepn dem unsterblichen Horaz Nachrufen: ,)U 0 N oninln mnrlor ! ^ Mein Vater, dem Ihre muntere Korrespondenz viel Vergnügen macht, grüßt Sie herzlich. Auch andere Freunde haben aus Ihren Briefen mit Vergnügen ersehen, daß Ihr Gefühl für's Schöne und Gute, selbst unterm unaufhörlichen rauhcu Waffenklang nicht erstorben, ja selbst nicht einmal abgestumpft worden ist. Leben Sie wohl. Lassen Sie uns der Vorsehung vertrauen, deren Gang, wie fürchterlich er uns auch jezt in's Ohr donnert, uns doch, zulczt zu dem besten und bcglück- rndsten Ziele führen wird. Ich hoffe, bald wieder etwas von Ihnen zu lesen. Stets 2utns laus Posfclt D. ") Von den Lebens-nnd Todes - Kunden weiland des I>> Eensi Ludwig Po sfe! r's, geben nachbenannie Scbriftssellee umständliche Nachricht : i) Professor Poti y in feinem »eakkischeu Haudbuchc zur Lektüre der dcurfchctt Klassiker, Lhcil ä. Seite W f. — Nachrichten von 271 Posse! t's Lebensumständen und Schriften findet man: 2^ I» Grad' mann's Gelehrtem Schwabe:,, »der Lerlkon der iezt lebenden Schwäbi- scheu Schriftsteller, Seile 46» - 471. 31 In dem Taschenbuche für edle Weiber und Mädchen anslda» Jabr 1Ll>5. Mit Beiträgen von La. so » taine, W i l l, el min e Müller, Pseffel, Posselt u. a. S. 177 — 192 „nter der Aufschrift : Kurze Biographie vo» v. Ernst Ludwig Posselt, von W i ll, el m ine Mulle r. 4) In denk Lonstsehrsibsn üdsr Bossolts I. nben nnä Oharsoter von Lolwdnit. dllinodon.lSli;. 8. (»Gr-1 In einer kürzen angenehmen Darstellung ertheilt diese kleine Schrift, deren Verfasser ein vertrauter Freundes Verstorbenen war, diele Allsschlüße über den seltenen Mann, welchen stc betritt. Einen kurzen Auszug der Lebensumstände liefert die dtono I.sipr, I.!t 2-lit. I8l>L. Bd. 4- S- 225? f. 5) In Sam. Vaur's Gallerie historischer Gemälde aus dem achtzehnte» Jahrhunderte. Th. 6. S. Ist — 16. »ach dem Taschenbuche für edle Weiber und Mädchen. 6) In Hirsching's hifioriieh - literarischem Handtuche berühmter und denkwürdiger Personen, welche in dem achtzehnten Jahrhunderte gelebt haben. Bd. 8. Abth. I Seite »13 — »25. »ach Wilhclmine Müller und Schuba r t. 71 In M e u s e l' s 6s- lehrtoni vomeohliinäo. tAllsg, 5,1 Bd. 6. S- 152 — 155. Bd. 10. S. 432. Bd. II-ü. 620. P o ssel ts BUdniß befindet sich in Bo cks und Mosers Sammlung von Bildnissen gelehrter Männer und Künstler, Hesi II, zwo auch eine kurze Nachricht voll Po ssel t's Lebensumstän. den und Schriften zu finden ist;) desgleichen vor dem Taschenbuche kür edle Weiber lind Mädchen aus das Jahr 1805 von Äüsfn e r nach Ar la'nd. 8) v. Ernst Lud w ig P o ssc l t. Zur lchreichen War, nung für alle Jniuriante». Von l>. G e o r g W i l h e l m B o h mer, Professor am Gmunafillm zu Worms. F r a » k fn r t und Leipzig 1790 4. Posselt hakte stell durch nngegründcte und ilnerwieseneVer- läumdunge» eines braven Mannes, die er einem andern blos »ach schwazte, diese scharfe Warnung zugezvgen. Vergl. Goth. qcl. Zeitung 1790 Stück 91. S-8»4. s. 91 In Polik vraktischcm Handbuche zur Lektüre der deutsche» Klassiker, Tb- 4- S- 99 - 110 befindet sich ein Fragment aus dem ersten Jahrgänge der P o,'sc l t' sch e n Taschenbn, chcr, S, 31 ff- Uiber die Völkerwanderung mit einigen Anmerkuugcn. 10 In Karl Heinrich Jörden's Lcricon deutscher Dichter und Prosaisten. 4 Bd. N — S- Leiv ; ig in der W e i d'm ä nnische n Buchhandlung 1809. Ernst L. Po ssel t's Biogrgphie von Seite 197 — 210. 111 Im Eonversations Lericon. Bd. V. S- 7.j.i — 745. N — Q in groß 8. Stuttgardt bei A. F- M ack 1 o t. 1819. Hierbei kann ich, der Verkäster, lS. F. Gehre»,) von v. Pos. selt's Biographie nicht umhin, hier einen, in diesem Conversations. Lericon cingcschlichencn auffallenden, offenbare» Jrrtbnm zu rüacn, und ihn ans folgende Art zu berichtigen: In diesem Lericon ward, nämlich, nach dem 5. Bande, Seite 745 die gänzlich ungegründete Bemerkung gemacht, daß P os sc l t durch die Nachricht von dem Prozeße oes Helden (M o rc a ul heftig erschüttert, und die Furcht, in de», selben verwickelt zu werde», lene Schwermut!, vermehrt habe, in wel- che häusliche Leiden und eine unglückliche Ehe ihn gestürzt Härten," Dem I). Posselt waren einst seine Kinder, und darunter besonders kein Sohn Louis, seine einzige Erholung, Freude, und alles das, was ihn beglücke» konnte. Er lebte ganz in ihnen, und für sie. 272 SNindeNlang unterhielt er sich mit dem Kleine» (Lau iS,) und jede neue Entwickln,», vo» vbistscher oder geistiger Kraft betrachtete der zärtliche Vater mit innigem Wohlgefallen. Auch nicht selten war ich Augenzeuge davon, dass Posselt in sehr harmonischen, Einklang mit seiner Gattin lebte, ja, sogar aus zärtlicher Anhänglichkeit für sie, deren Geschwister, beiderlei Geschlechts, bei jeder hilfsbedürftigen Gelegenheit, »ach all' seinen Kräfte», mit freudiger Bereitwilligkeit und zuvorkommender Herzensgute, die ihm ohnehin eigen war, jedesmal zu untcrsiüzc» vslegte !-....— Ans P o sse l t's Briefen, die er von G ö t ti n ge n aus, an seine Eltern schrieb, (sagt ein acwißer Schriftsteller vo» ihm,> leuchtet der Funke vo» jener Originalität, Svrachreinheir, und Begeisterung die ihn, bis an sein Ende, auszeichnctcn, hervor, und das wohlwollende Herz, das der schone frei,übliche Mann immer behielt, drückte sich in jeder Zeile aus. Aber erst i»> zwanzigsten Jahre loderte die heilige Flamme des Genius in ihm auf, und Schubart goß Ocl in diese heilige Flamme. P c sse l t hatte Diesem seine Rede aus Friedrich, den Großen zugeschiekt, und Sch » barts Antwort i,» Sevt. st787l war folgende: „Ihre Rede auf Friedrich den Große», habe ich heißhungrig verschlungen, und beinahe kann ich sie schon auswendig. Sie würden nicht auf so große Gegenstände mit dieser Begeisterung fallen, wenn Sie nicht selbst die entschiedenste Anlage zu einem großen Manne hätten. Die Rede verrätst, einen iunaen sencrvolleu Mann, dem man es gar gerne verzeiht, wenn er zuweilen a::s de» Grenzen der Beredsamkeit in die höhere Regionen der Dichtkunst hinüber sleugt! Indes ist der Etil sehr korrcct, oft neu an Wendung und Ausdruck, wodurch sich rbc» der genialische Mann ankündet. Friedrich, der Große- Vaterland! deutsche Freiheit! Ha Pvfielt! das macht, daß ich Sie liebe und bewundere! Ich müßte mich sehr betrügen, aber ich sehe in Ihnen eine» Geschichtschreiber emvorstreben, der seine deutschen Vorgänger alle überglänzt! Erst Plinius als feuriger Lobrcdner, dann Tacitus als freier tieslehauender gedrängter Geschichtschreiber! — Gottes Schild flamme über Ihnen, daß Sic Ihre ruhmvolle Laufbahn gesund und rüstig durchschreiten. Doch ich muß mich losrcißen von Dir, köstlicher Mann, dessen Mund den Donner der Rede wricht, und dem die Geschichts - Muse bald den ewigen Lorbeer reicht!" lieber Posselts Vorsatz, die Schlacht bei Wimvsen in einer Rede zu feuern, sagte ihm Schubart: ,,Heil deinen, Genius, daß er wieder eine große Thak aus dem Schutte der deutschen Geschichte heben will! O Bruder Posselt! Gott hat dich zu großen Dinge» bestimmt! Ich kenne unter dem Wogendranae meiner großen Bekanntschaft Keinen, der sein Vaterland so beiß liebt, wie Du; der es wagt, so kühn auszuslieaen, wie Du; der mit Koos und günstigen Glüeksum- ständen so viel Gelehrsamkeit und Fleiß vereinigt, wie Du! und der — o, nun rinnt mir die Frcudenzähre nieder — esu so gar deutsches, für alles Große, Schöne und Gute reingestimmtes Heri hat, wie Du! — O dies alles will ich nächstens so laut sagen, daß die Eisrinde Ul» so manche grsrorne Seele bersten soll." Den jy Rovl-r., 1787- „Es wil? es die Welk, daß wir ein vaar Bruder-Seelen waren, die sich mit edlem Ungestüm allem eutgegenwarfcn, was unser Vaterland erniedrigt und klein macht n. s. w." Gewiß warfen diese Worte Feuer in den Brennstoff, der in Pos, kelts Seele laa; das: derselbe, der bis jetzt nur einzelne Funken vo» sich geworfen hatte, nun zur Hellen Flamme auslodcrre! Friede seiner Asche. öl.8 Xöflsmke 38 23346 8 031 Z8 2ZZ-S 9 0Z1 8 HjV L MWH; MMM !'!>! W^WÄ WW-E sMÄrksk:« ZDWU DDDDW MMMM MWEK^i O M D! M«MÄ MKMr, UKß^ßW UW ^:'!!!Ä>:!'!r!!^': l,'> !»!>!«),'-!«!-,'»j-'r,'l^ iK-i/iHAi!;! ci!^'!'>'>'i!^> !