tx Mndoote. Verkündungsblatt der Großherzogl. Bezirksämter und Amtsgerichte Sinsheim und Neckarbischofsheim. Donnerstag, den 7. Januar 1864. Bestellungen auf den Landboten werden auch im Laufe des V-uartals angenommen, A . . H ■ . . 1 " 1 . 1 . " ' ■ - ■ I M l [9] Daö Polizeistrafgesetzbuch betr. Nr. 258. Die Bürgermeisterämter, welche mit der Erledigung unserer Verfügung vom 16. November v. I., Nr. 10,724, Landbote Nr. 139, im Rückstände sink, werden dringend an dieselbe erinnert. Neckarbischofshcim, den 5. Januar 1864. Großherzoglich bad. Bezirksamt. Schupp. ' Bekanntmachung. [8] Nr. 2. Die Lieferung und Zubereitung des zur Unterhaltung der Staats- und wichtigeren Vizinalstraßen in den Jahren 1864 u. 1865 erforderlichen Materials wird versteigert: 1) für die Straßen innerhalb des Ober- amtöbezirkcS Bruchsal: Montag den 18. d. M., Vormittags 8 Uhr, auf dem Rathhause in Bruchsal; 2) für die Straßen innerhalb deö Amlö« bezirkes Wiesloch: Dienstag den 18. d. M., Vormittags 18 Uhr, aus dem Rathhausc in Wiesloch; 3) für die Straßen iunerhalb des Amts- bezirkö Philippödnrg, mit Ausnahme der Strecken innerhalb ter Walbgcmarkung Lußhard und Waghäusel brr Straße von Mannheim nach Kehl: Donnerstag den 21. d. M., Vormittags 18 Uhr, auf dem Rathhause », Wiesenthal; 4) für die Straßen innerhalb des Amtsbezirks Breklen: Freitag den 22. d. M., Vormittags 18 Uhr, auf dem Ralyhaufe >u Breiten; 5) für die Straßen innerhalb des Amtsbezirks Eppiugen: Dienstag den 2«. d. M., Vormittags 8 Uhr, auf dem Ralhbau>e tu Eppiugen, und 6) für die Slraßen innerhalb deö Amts« bezirkö Sinsheim: Mittwoch den 27. d. M., Vormittags 8 Uhr, auf dem Rathhausc ui Linöheim, was mit dem Anfügen bekannt gemacht wird, daß das Zerschlagen der Steine getrennt von der Beifuhr vergeben wird. Bruchsal, den 2. Januar 1864. Großh. Wasser- u. Straßenbau-Inspektion. E i s e » l o h r. 171 Neckarbischvfsheim. Liegenschaftsversteigerung. Nr. 1513. Der Erbvrr» thciluvg wegen werden aus dem Nachlaß des dahier ledig verstorbenen Daniel Kumpf am Montag den 25. Januar 1864, Abends 6 Uhr, 4 Morgen Aecker, Wiesen und Gärten in 20 Parzellen öffentlich versteigert. Ncckarbischosöheim, den 31. Dez. 1863. Das Bürgermeisteramt N e u w i r t h. Wagner. Lur Geschichte des Tages. Karlsruhe, 2. Jan. Die Vorbereitungen zur Mobilmachung des großh. ArmeecorpS nehmen größer» Umfang an und sollen schon EinberufungsordreS wenigstens bereit gelegt fein. Pferdeankäufe in Ungarn werden statifinben. Karlsruhe, 4. Jan. Neuntes Bulletin über das Bc- findetr Ihrer Großherzvglichen Hoheit der Frau Markgräfin Wilhelm. Seit einigen Tagen wurde stetes Schwanken in dem Befinden der hohen Patientin wabrgenommen. Gestern den Tag über stellte sich wiederholt starke Nervenakifregung rin, welcher gegen Abend große Abspaiinung und wieder Zeichen von vermehrtem Hirndrucke folgten. Die Nacht verlief vrrhältnißmäßig ruhig; diesen Morgen ist aber der Zustand der hohen Patientin wie gestern. Karlsruhe, 5. Jan. Zehntes Bulletin über das Befinden Ihrer Großherzvglichen Hoheit der Frau Markgräfin Wilhelm. Die Aufregung dauerte bei der hohen Patientin gestern bis gegen 11 Uhr Vormittags mehr oder weniger an; hierauf trat merkliche Ruhe ein, welche auch die Nacht hindurch, in der die hohe Kranke öfters ruhig schlief, anhirlt. Diesen Morgen ist her Zustand im Ganzen günstiger, als in den letzte» Tagen. Karlsruhe, 5. Jan. Seit gestern ist derlandwirthsch. Ceiuralauöschuß hier versammelt und hat bereits gestern und heute mehrfache Sitzungen gehalten. Z Dühren, 4. Jan. Man liest im Landboten bald aus allen Orken der Umgegend Neuigkeiten. Auch wir haben etwas Neues, nämlich vorzügliches Bier im Adler, wie wir noch keines getrunken. Der junge Brauer gibt um 2 kr. einen feinen Schoppen, dafür aber kann er auch nicht genug auf» bringen. Dieses ist die beste Spcculation, und in Zeiten, wo die Bierbrauer gutes Bier machten, sind sie reich geworden; jetzt aber will eS nicht mehr vorwärts, je künstlicher sie — Lallwerk sieden. Ehrlich währt am längsten! s Vom Ste inSberg, 30. Dez. ES thut dem Herzen wohl, za sehe», welche Erfolge der Ernst, den daö deutsche Volk einmülhig für Schleswig-Holstein zeigr, jetzt schon hat. Der König von Dänemark, der Schleswig-Holstein 10 Jahre geschunden hat, und bis vor wenigen Tagen mit Widerstand drohte, hat feinen Soldaten Reißauö befohlen, sobald unsre deutschen Truppen vorrückten. Napoleon hat seine Bewunderung auögedrückr über unsere nationale Erhebung und selbst die Engländer, die ihre Feigheit hinter verlachte Drohungen verstecken und die Waffen daheim behalten, thun bei der Sache weiter nichts mehr, als zwischen de» Regierungen von Oesterreich und Preußen und dem Feinde (Dänemark) den Sckuiuscr machen. Kein europäischer Staat hat mehr Lust, die Finger - 10 — an uns zu verbrennen, denn unsere Holsteiner Bauern zeigen setzt, wozu das trutfche Volk in dik>er heiligen Sache ent« schlossen ist. Drum rühret und reget euch für daö gute Recht, ihr Bauer», und zeiget durch die Thar, daß auch rhr wacher für Deutschlands Wohl. Wenn ihr alle euer Schärsleiu der- traget,!daun wird kein Feind mehr uns angrcifcn. )t ZuzenHausen, 1. Jan. Unser Gemeindrrath har eine Ehreukränkungsklage angestellt, weil man ihm verwarf, er habe die kath. Schulhauöscheuer um 1400 fl. gekauft, oder 1650 fl. angegeben, und dann 250 fl. Gewinn unter sich ge« theilt. Wie ich höre, hat dir Untersuchung herauegestellk, daß die Scheuer um 1650 fl- verkauft wurde. Der Bürgermeister hat erwartet, die Scheuer um 1400 fl. zu bekommen, uuo da« her zu einem Freunde vorausgcsagt, daß sie 1400 fl. kosten werde. Daö Ganze ruht daher aus einem Mißverständliiß. Ich meine daher, ihr Mitbürger, man sollte de« Friedens we» gen die Klage sitzen lassen, da nichts in böser Absicht geschehen ist. Versöhnet euch und lasset daö Schleswig-Holstein zu« kommen, was es noch kosten würbe, wen» weiter prvzeffirl wird. (:) Rohrbach. In den letzten Jahren wurde hier viel Rebgcläude ausgerottet und in unergiebiges Ackerfeld umge» wandelt. An unsern Kalkhalden wird ein trefflicher rotyer Wein sich pflanzen lassen. Ich möchte doch fragen, ob eö nicht gut wäre, wenn eine größere Anzahl Ncbstücke wieder angelegt würden. Der Ochsenwirlh in Stcinssuith kann seinen Rothen für Affenthaler verzapfen, wenn er will, den» er ist vorzüglich fein. Sein schönes Rebgut tragt ihm gewiß zehnmal mehr als wenn er andere Früchte darauf pflanzen wurde. Man bekömmt in der Gegend soviel Kartvffelzuckerbrüh für Wein zu trinken, daß eö schon der Mühe werlh wäie, mehr Wein zu pflanzen. Seit die Leute so viel gebrautes Waffer trinken, ist kein Saft und keine Kraft mehr in den Armen, was man an den Arbeitern recht gut spürt. Mannheim, 4. Jan. Auf Antrag des Oberbürgermeisters Achenbach hat der Gemeinteraty und engere Ausschuß die Betheiligung der Stadtgemeince an dem fchleöwig-hvlstei- nischen Anlehen mit 10,000 Thalern und bereu Verzinsung aus Gemeindemitteln genehmigt. Freivurg, 4. Jan. Gestern Abend ereignekc sich dahier ein schauderhafter Fall, indem ein Stud. philol. Namens August Schenzingcr aus dem Würltembergischen, eine Tochter des hiesigen Chirurgen Lederle durch ciiien Stich in die Brust getödtet hat. Die beiden jungen Leute Hallen schon die Ringe gewechselt, das Vcrhaltniß sollte aber nach den, Willen der Eltern des Mädchens, und weil der Bräiltigain wiederholt in trunkenem Zustande sich befand, wieder gelöst werden. Der Thäter hat sich dem Gerichte selbst überliesert, und die heftigsten Ausbrüche reuevoller Verzweiflung bekunden den Gemüths« zustand des Unglücklichen, welcher den frevelhaften Mord übri« genö in berauschtem Zustand vollbracht haben soll. Frankfurt, 2. Jan. Der Vorsitzende der gefchästS» leitenden Commission drö Abgeordnetentages Halle der hiesigen Polizei die Anzeige zugchen lassen, daß sich der Ausschuß hier constituirt habe. Darauf hin wurde demselben heute von Se« natswegeii die Eröffnung gemacht, daß dem Verbleiben des Ausschusses in hiesiger Statt nichts im Wege stehe. Frankfurt, 3. Jan. In der gestrigen Sitzung des Bundestages wurde der Präsidial-Ankrag, den Erbprinzen von Augustenburg aufzufordern, sofort Holstein zu vcrlaffen, mit 8 gegen 7 Stimmen abgelchnt. Berlin, 5. Jan. In der gestrigen Sitzung des Anleihe« auSschuffeS sprach sich Hr. v. Bismarck wiederholt für Freie« Hand.Politik aus, die Hoffnung beifügend, daö Haus werde lieber die Mittel bewilligen, alS die Regierung zur selbstänbi- gen Beschaffung zwingen. Hamburg, 2. Jan. Nach Berichten aus Flensburg ist der König von Dänemark gestern daselbst eingetrvffen. — Dir „Hamb. Ztg.„ meldet: „Auf Sonntag ist bcx Durchmarsch von 12,000 Preußen und Oesterreichern angesagt; die Quar» tiermacher sind heule jerwanek. An der Börse circulirte das Gerücht, es würden noch bedeutende Truppeumaffen eintreffen. Hamburg, 4 . Jan. Christian IX. hat eine Prokla» wativn an die Armee erlassen» worin es heißt: »Das neue Jahr findet Euch zur Vertheidiguug.deS Vaterlandes in Was« sei,. Darum ist der König bei Euch. Ich habe in Einem daö volle Erbe meines Vorgängers angetrrten: in der Vaterlandsliebe. Unser« Losung soll die Vaterlandörhre sei»; sie soll aus dem Wege dcö Friedens und, wenn erforderlich, durch de» Kampf bewahrt werden. Zur Rettung dcS Vaterlandes ist kein Leben zu kostbar. Die Armee hat aus dem vorigen Kampfe erfahrene Führer, denen daö jüugrre Heer begeistert folgen wird. Nicht die Zahl, sondern der Muth und der unbedingte Soldatcngehorsam geben den Sieg.» Der König freut sich^ bald die verschiedenen Truppenkorps zu besuche». Altona, 1. Ja». Die Bundeekvmmiffäre haben eine Verordnung über Herausgabe eines Gesetz- und Verordnungsblattes für die Herzvgihümer Holstein und Lauendurg erlassen. Kopenhagen, 2. Jan. Von Flensburg wird telegra« phirt: Die dänische Armee wird an der Eider und der Schlei konzcntrirt. Der König kam am Freitag Nachmittags in Schleswig an. Er residirt im Schlosse von Gottorp. Der Gcncrallicuteuant v. Hake verlangte die Herausgabe der holsteinischen Dörfer nördlich von der Eider. Ei« iinuiUr aus Ärodkrume. (Fortsetzung.) Es war dies eine fürchterliche, Geist und Sinne verwirrende Erkcnnliiiß. Die dumpfe, feuchte Luft drohte ihn zu ersticken; die regelmäßige», wlderhallenden Tritte der Schildwachen auf den Corridorcn und ihre eintönigen Anrufe bohrten sich in ihrer unaufhörlichen, immer wiederkchreiiden Einförmigkeit mit unerträglichem schmerz in fein Hirn, als wären es Waffertröpsen, die einzeln, doch unablässig, auf seinen Scheitel niederfielen; die dicken grauen Wände seiner Zelle schienen zu schwanken und sich über ihn zusammen zu neigen, bis sie wie eine Bergcs« taft seine keuchende Brust preßten. Der Gedanke an die Vergangenheit und Zukunst, an Alles, was er draußen in der Well besessen und auf immer verloren hatte, und an die entsetzliche licht- und hoffnungslose Ocde, die ihn umgab, bis zr»m Grabe umgab — versetzte ihn in einen Zustand, in welchem sich sein leidenschaftliches Temperament in inner ganzen Un- bändigkcit offenbarte. Er ras'le gegen sich und alles Andere, fluchte Denen, die ihn bicrher gebracht und hier fcsthieltcn und rannte gegen die Mauer, um sich den Schädel rinzustoßen, bis er ohnmächtig nicderfank. Hartnäckig wrigerke er sick, den kurzen Spaziergang auf dem Walle zu machen, welcher ihm für einige Zeit den Genuß von Lickt und Lust, den Anblick deö blauen Himmels uns einer entzückenden Fernsichl gestattete. Entbehrte er, in seinen riigen dnstcrn Casemattenraum zurück- gekehrt, das Alles doch „och viel mehr, uiakntc es ihn doch mit noch schneidenderer Schärfe an das, was er ohnehin nicht vergessen konnte: daß er cm Gefangener sei; Aber nicht das allein. Der Spaziergang, so kurz immrrhin und von so schmerzlicher Wirkung auf daö Gemüth, übte doch einen wohlthucn« den Einfluß auf den Körper, welchen Mangel an Bewegung und frischer Lust zerrütten mußte. Und er wollte den Verfall seines Körpers nicht aufhalten; er wollte überhaupt nicht keden und enthielt sich wiederholt der Nahrung, bis er fiebernd zu- fammendrach und der Arzt der erschöpften Natur ohne sein Wissen und gegen seinen WiRe» aushaif. Der wilden Raserei, den wahnsinnigen Ausbrüchen der Verzweiflung folgte dann eine tödtliche Abspannung; stunden« und tagelang saß der Ge. fangenc in dumpfem Hinblüten und stierte regungs- und ge« daakenloS auf einen Fleck, bis die Gedanken wieberkamen, die Erinnerung erwachte und daS klare Bewußtsein seiner Lage ihn auf daS Grausamste marterte und die Verzweiflung ihn wieder aufstachelte zu furchtbarem, doch fruchtlosem Wüthe«. Zeder Andere wäre erlegen — SadowSki'ö markige Ju- gendkraft ließ ihn Alles überleben. Diese Jugendkraft schwand zwar immer wehr dahin; die Augen sanken rief in die Höhlen zurück; seine Wangen erbleichten und falteten sich; dnS dunkle Haar wurde vorzeitig mit dem Reif des Alters bestreut, aber er lebte — lebte immerfort, hatte keine Aussicht auf baldige Befreiung, auf einen nahen Tod. Und ergab sich allmälig in sein hartes Loos, uannte die Ausbrüche wahnsinnigen Schmerzes kleinliche Schwäche, eines starken Charakters unwürdig. Er lernte sich beherrschen und über sein Geschick erheben, verzichtete auf die Freiheit — die innere, geistige konnte ihm ja Niemand rauben — verzichtete auf Thätigkeit, aus Liebe und Glück, auf Alles, was das Leben schön und ledenswenh macht. DaS wurde ihm um so leichter, oder doch um so weniger schwer, jeßlichtcr sich seige dunkeln Locken färbten, je träger und kälter das früher so rasche heiße Blut durch seine Adern zu fließen begann, je ermatteter die Phantasie ihre einst so kühne» stolzen Schwingen sinken ließ, je weiter die Jugend hinter ihm lag... Ja, er war alt geworden, uickt durch die Zeit, sondern durch das Leid, durch die Verzweiflung, durch die Gefängnißlufk. Sein Geist war nicht gebrochen, er war vielmehr freier geworden, seitdem der Körper sich müde gerungen, das Herz hatte nicht vergessen, doch es war stiller geworden. Aber mag ein Mensch den freiesten Geist, das stillste Herz haben und den ernstesten Willen, sein Loos zu ertragen, er kann nicht b-stehen ohne Beschäftigung. Der gefährlichste Feind der Gefangenen ist die Langeweile. Sakowski erhielt kein Schreibzeug, nicht Bücher, nicht Zeitungen, keine Nachricht von außen, von den SciuciH von Allem, was in der Welt vorging, drang ui seine Einsamkeit. Wie er kokt für die ganze Welt draußen, war dieselbe auch todt für ihn. Seitdem er sich einmal vom Walle herabzustürzen versucht, durfte er de» vorschriflsmäßig gestattete» Spaziergang nur auf einem kleinen Platz innerhalb der Mauern machen und da sah er immer »ar Soldaten, die nicht mit ihm sprechen durften, oder höchstens einmal von Ferne einen Unglücklichen wie er selber, der seine tägliche Promenade antrat oder von derselben kam. An ein Gcipräch uut ihm war nicht zu denken, selbst den traurigen Genuß, sich unk anderen Gefangene» initkelst Pochens gegen die Wände, die Decke oder den Fußboden zu nlitcrhaltkii, gönnte man ihm nicht, weil man fürchtete, dadurch sei eine Verständigung möglich. Die Zellen in seiner Rübe waren geräumt worden, standen sckvn lange leer; hatte man doch nicht so viel unfreiwillige Gäste, wie Räume zu ihrer Ausnahme und dursic dieselben daher wähle». Sakowski zeichnete gut, t. h. er hatte einst, in seiner Jugend, gut gezeichnet; jetzt suchte er, um sich die Zeit zu vertreiben, die alle Kuiistsertigkeit hervor. In Ermangelung anderer Materialien zeichnete er mit Kohle auf die grauen Wände. Aber daö gab schmutzige Hände und ließ sich überdies nur am Tage thu», nickt Abends, nicht i» den langen Winkeriiächten. Er versuchte zu singen, aber der Schall seiner cigeven Stimme inmitten der liefe» Stille stimmte ihn unsäglich traurig, rief so viele Reminiscenzen wach und er wünschte doch eben sich zu zerstreuen, eine, wenn auch nur momentane Ablenkung von den trüben Gedanken zu finden, die ihn, trotz aller Vorsätze, unablässig verfolgten und quälten. Dichten konnte er freilich und der Schmerz war seine Muse. Und Zeit, an seinen Versen zu feilen, hatte er ja genug. Aber da er kein Schreibmaterial erhielt, konnte er seine Poesien nicht aufschreiben und sie alle im Kopfe zu behalten, war nicht möglich. Sylbrn reimen, um sie wieder zu vergessen, ist eine traurige, entmu- thigende Beschäftigung; bei jeder, auch der geringsten, will man doch etwaö vor fich bringen, sich an dem Gewordenen freuen. Der Stein des Sifyphus, das Faß der Danaiden sind die Symbole einer solche» erfolglosen Arbeit. . . Eins konnte der Gefangene, wozu er keines äußeren Hilfsmittels bedurfte: Denken! Und er kochte über alles Mögliche nach, dachte vom Morgen bis zum Abend und die schlaflosen Nächte hindurch — dachte, biö ihn der Kopf schmerzte und schwindelte! Man kann nicht immer denken — Nepomucrn wenigstens konnte es nicht. Er sehnre sich auch so so sehr darnach, irgend etwas zu khun zu haben, wobei er nicht denken durste, wobeier vergessen konnte. Aber er hatte nichts zu thun, hatte keine Be- schästiguiig unb wie endlos dehnten sich dir Stunden, wie langsam schlichen die Tage dahin! Einer spann sich ab wie der andere, und wir viele wußten überstanden sein, bevor ein Jahr zu Ente war. Und vollends die Nächte, die langen, nimmer eiidenwvllendcn Wintrrnächte mit ihrem Schneckengange! Unter ihrem schwarzen Fittig kroch näher und näher ein Gespenst an den Unglücklichen heran, das furchtbarste welches es für den denkenden Menschen gibt: der Wahnsinn. Mechanisch drehte er einst aus dem Brvd, das zu essen ihm der Appetit fehlte, Kügelchen und drückte sie dann platr. Plötzlich kam ihm der Gedanke, dem gekneteten Teig verschiedene Formen zu geben und er erfreute sich an der Weichheit der Krume, die jede beliebige Gestalt annahm. Und er gab ihr mannigfaltige Gestalt, dachte bald darüber nach, was er daraus wohl fabriciren könne. In kurzer Zeit wußte er genau, wie lange die Brodkrume geknetet werden müsse, um am besten verwendbar zu sein; wie lange sie liegen könne, ohne zu trocken zu werden, und hatte eine gewisse Fertigkeit im Formen von geometrischen Figuren, von Haus« und Küchengrrä- then erlangt. Thier- und Menschengestalten folgten — Anfangs toi), gleich den hölzernen Spiclwaaren, dann feiner und zierlicher ausgearbeitct. Mir seiner Geschicklichkeit wuchs sein Vergnügen an der Arbeit. Die Schlaffheit und Apathie, welche sich seiner zu bemächtigen angcfangen, verschwand, er wurde wieder geistig regsamer, körperlich gesniidcr, Appetit- und Schlaflosigkeit nahmen ab. Und fand er NachtS den Schlummer nicht oder faß er Abends im Dunkeln, jo verstrich ihm die Zelt mit einer ungewobnten Schnelligfctt. Er grübelte über die Möglichkeit dieser und jener Verbesserung und Verzierung, zerbrach sich den Kopf über das, was ihm nicht hatte gelingen wollen und versuchte es in den folgenden Tagen so lange, bis es ihm glückte, mit unermüdlicher Ausdauer, mit der Geduld eines — Gefangenen. Seine Spaziergänge hatten fortan größeres Interesse. Er nahm seine Arbeiten zum Trocknen hinaus und spähte sorgsam nach Holzspähnen oder Strohhalmen umher, nahm jedes Stückchen Kalk oder Ziegelstein auf und mit sich. Die letzteren wurden pulveristrt und dienten ihm zum Färben feiner Arbeiten, wozu auch der Ruß feineö Kamins bcniitzr wurde; die ersteren mußten feine Werkzeuge vvr- stellen. Leine Aufseher wurden auf seine Arbeiten aufmerksam, fände» Gefalle,, daran und gaben ihm Manches, was für jeden Äiiccru wrrtdlos, für ibn aber unbezahlbar, ihn mit lebhafter Freute erfüllte: kleine Brettchen von Cigarrrnkiste», Stückchen Papier, eine BIcifeder, verschiedenartig zugespitzte oder gerundete Stäbchen von Holz, ein Stückchen Tusche oder etwas venetianifchen Terpentin. Denn die Brodkrume wurde brüchig, zersprang an der Oberfläche, wenn sie trocknete, bedurfte eines schmcitlgen Bindemittels. Im Besitz der allerdings dürftigen Materialien dazu zeichnete er nun zurrst den Gtgklistand, welchen er fertigen wollte, stellte kleine Bildchen, Landschaften u. s. w. in Relief auf Dosen, Kästchendrckeln her, oder modellirlr Statuen. Die Ausführung ward immer zierlicher, je mehr Handgriffe und technische Hilfsmittel sich ihm - 12 durch Nachdenken und auch die Gesälligkert der Schließer darboten, welche letzteren sich an den kleinen Geschenken seiner Kunstfertigkeit erfreuten, sie auch wohl als eine Merkwürdigkeit den Fremden zeigten, welche Zutritt zur Festung erhielten. (Schluß folgt.) zu sich kam, tanzte er in toller Freude im Garten herum unter dem Rufe: Seht da, eure schönen Gebäude, wie sie brennen! Al6 ihn der Direktor zurückbringen wollte, wurde er von demselben schwer mißhandelt. Später brach er in unaufhaltsames Weine» auö und gestand di« von ihm verübte Brandstiftung ein. Miszelle«. * Professor Zachariä in Göttingeu hat rin »Staatsrechtliches Votum über die schleöwig-holsteinische Succcssionö, frage« herausgrgeben, dessen Resultat uach ter Goth. Zeitung dahin jusammenjufaffrn ist: 1) Die Herzogthümer Schleswig und Holstein sind noch jetzt selbstständige, vou der dänischen Krone unabhängige, mit einander durch Realnnio» untrennbar verbundene Staaten. 2) Das, nicht blos hausg.sctzlich begründete, sondern zugleich einen Theil deö Lanceö-Verfaffuugö- rechts bildcude, bereits in den Grundverlräge» von 1460 sank- tionirte und in allen später« Hausvcrkrägcn auerkanntc, ausschließliche Succeffionsrecht des Mannsstammeö besteht für beide Herzogthümer forthin in voller gesetzlicher Kraft. 3) DaS hieraus und auö der, auch i» ter souderburglschc« Linie gellenden, Primogeniturordnung sich ergebende Vorzugsrecht des ältcrn augustcnburglschen Stammes vor der Beck'jchen oder glücksburgischen Linie muß als zu Recht bestehend anerkannt werden. 4) Die vermeintlichen, jetzt oder eventuell geltend zu machenden Ansprüche anderer Prätendenten auf ciuzelne Theile der Herzogthümer sind an sich nichtig, oder »venigstcnö völlig illusorisch. 5) Der angebliche Mangel der Ebenbürtigkeit des die Succeffion i» Schleswig und Holstein grünt- und hauö« gesetzlich mit Recht prätendirendci, Erbprinzen Friedrich vou Schleswig-Holstein ist, vermöge deö im oldenburgischeu Hause uiiläugbar bestehenden besvudern Herkommens reci tlich ganz un- begründet. Wäre er aber begründet, so würde ter Defekt in ganz gleicher Weise auch die glücksburgischen Prinzen treffen. 6) Der Lvudoncr Traktat vom 8. Mai 1852 ist alö ein die Rechte Dritter, insbesondere deö Landes und deö legitimcu Thronfolgers willkürlich und ohne irgend eine Rechkebefugniß verletzender Akt an sich nichtig und für alle Berechtigten, die ihn nickt anerkannt oder wirklich auf ihr Recht verzichtet haben, völlig unverbindlich. * Im Nov. d. 2- trug sich in dem 2rrenbause Montrcuil bei Laon, welches damals einige achtzig Kraule enthielt, ein schreckliches Unglück zu. Ein junger Mann, welcher wegen Tobsucht das ZivangScawifol trug, mar in Folge deö BcjuchS einiger Verwandten ruhiger geworden, und halte dieß de» Arzr der Anstalt bestimmt, ihm die Zwangsjacke abnehmen zu lassen. Diese voreilige Humanität sollte sich schwer rächen. ES gelang dem jungen Menschen, welcher unzweifelbast ein heftiges Rachegefühl nährte, sich auf noch nicht erklärtem Wege ein Zündhölzchen zu verschaffen, womit er sein eigenes Bett ui Brand steckte. Das Feuer theiltr sich dem Getäfel und der Decke mit und verbreitete sich nach beiden Seiten biö das Angstgeschrei der eingeschlosscnen 2rrc„ endlich gehört wurde. Eö gelang der Energie deö Direktors n»d des Personals, sämmtliche Zellen zu öffnen und die zum Theil an den Bettstellen angefcffelten Patienten zu retten; allein sechs weibliche 2rre schlichen sich aus dem Hofe, wohin man sic gebracht, unvermerkt wieder in ihre Zellen, wo sie fämmtlich jämmerlich verbrannten. SeltfamrS Phänomen! Tbiere find bekanntlich nicht auö den brennenden Ställen zu bringen; diese 2rren ließen sich ohne Widerstand sortbringcn, stürzten sich aber im wahnsinnigen Schrecken freiwillig in die Flamme» zurück, die sie verzehren sollten. Der Urheber dieses Unglücks wurde, halb erstickt vom Rauch, auö seiner Zelle gerettet; als er wieder Karlsruhe, 3. Jan. Der badische Landesausschuß für SchleSwig-Holstkin veröffentlicht heute seinen dritten Bericht, wonach die Gesammteinnahme bis zum 2. Jan. 34,014 fl. 4 kr. betrug. Von der schleswig-holstein'schen Anleihe wurden^biS dahin für 2260 Thaler verausgabt. Schuldscheine deö schleöwig-holsteinischrn freiwilligen unverzinslichen Anlehens in Stücken » 5, 10, SO Thlr. können (gegen baace Einsendung des Gegenwerthö) bei der Central- kaffe deS bad. LandcSauöschuffeS für Schleswig-Holstein von Jedermann bezogen werden. Die Bezieher wollen die zu sendenden Summen so abzählen, baß sie in Thaler ü 1 fl. 45 kr. oufgehcn. Eö wird wiederholt dringend gebeten, die freiwilligen, ünbedingteii Gaben mit der Sache des freiwilligen unverzinslichen Anlehenö nicht zu vermengen, vielmehr für jede dieser beiden Angelegenheiten besondere Schreiben zu senden, da gesonderte Kaffe» geführt werden, und jede Kaffe ihre geordneten Belege haben muß. Mannheim, 4- Jan. (Mannheimer Börse.) In Ge, treibe war das Geschäft sehr still, wozu die Einstellung der Schifffahrt wesentlich beitrug. Rüböl in Folge der kalten Witterung besser beachtet und im Preise etwas höher. Leinöl unverändert. Spiriruö rudig. Tabak für 1863er Waare halt die feste Stimmung an; die Käufe beim ProduzcnDn sind jedoch durch die cingetrelene strenge Kälte unterbrochen. Für Umblatt per Juni 17% vergeblich geboten. — Weizen, hiesiger, fl. 10. SO 0., fl. 11. ?., sränk., fl. 10. 50 6 , fl. 11. alter, fremder, fl. 10. 30 P., auf Lieferung März, fl. 11. 6., fl. 11, 12 P., auf Lieferung April, fl. 11. 15 6-, fl. 11. 30 ?., Roggen, effektiv, fl. 7. 30 6-, fl. 7. 40 ?., Gerste, effektiv, hiesiger Gegend, fl. 7. 24 6., fl. 7. 36 ?., fräuk., fl. 8. 6., fl. 8. 12 ?., würkt-, fl. 7- 30 6., fl. 7. 45 ?., Hafer, eff., fl7 3. 12 P., Kernen, eff., fl. 10. 50 6., fl. 11 P., Bohnen, fl. 10. 30 P., ÄohirepS fl. 19 P., Leinöl, eff., in Parkhiecn, Inland, fl. 24. 6. fl. 24. 15 P., faßweise fl. 24. 30 P„ in Parthieen, transit fl. 23, P-, faßweise fl. 23. 15 P., Rüböl, Inland, in Parthieen, effektiv, fl. 23. 30 6., fl. 23. 45 P., auf Lieferung Mai fl. 23 P. Weizenmehl No. 0 fl. 10. 30 biö fl. 11 P , No. 1 fl. 9. — fl. 8. 45 P., No. 2 fl. 8. bi» fl. 8. 30 I'., Roggenmehl, No. 0—1 fl. 6. 30 P., No. 1 fl. 6. 12 P-, Branntwein, eff, transit, fl. 16. 30 6., fl. 16. 45 P-, Sprit, transit, fl. 40 6., fl. 41 P., Kleesaame», deutscher, nach Qualität, fl. 19. 30 6., fl. 24 P., Luzerner, fl. 26. 6., fl. 26. 30 P., Esparsette, fl. 6. 45 6.. fl. 7 P. Heidelberg. Auf dem am 4. Jan. dahier abgehaltenen Vlchmarlt wurden 110 Stück Schlacht-Vieh eingeführt. frucht > Mittelprerfe. Heidelberg, 5. Jan. (pr. Zntnr.) Gerste 3 fl., Hafer 2 st. 55 kr., Kornstroh 23 fl. 20 kr., Spelzstroh 15 st., He« 1 fl. 18 kr. frankfurter Lourfe. Vikolen 9. 38-3» dto. Preuß. «. 56.-57:' Holt. tOst.-Etücke 9. 44’/ J --45»/, Randdukalen 6. 32*33 20-Arauk-Stncke 9, 19 20 Üng!. SonoerainS 11. 41-45 Ruffsche Imperialen 9. 37 38 Doll-rS" in Aviv 2. 25-2Ü «e-iftirt. Dr«S u«e »erlag ,o» D. Pfist«r«r in Heidelberg.