anbtott Verkündungsblatt der Großherzogl. Bezirksämter und Amtsgerichte Sinsheim und Neckarbischofsheim. _ ' ■ ' ——————»■ _ ! _ !■ i Jtä 17. Dienstag, den 9. Februar 1864. v—Kestellungen auf den Landboten werden auch im Laufe des V.«artats angenommen. Holzversteigerung. [95J S oben fei b. AuS dem Distrikt Langenthal zwischen hier und Langcnzell versteigern wir in der Wirthfchaft dcS Georg Frey in Lodenfeld s) am Freitag den 12. Februar b. I-, Vormittags halb 10 Udr, 134 Klfkr. buchenes Scheitbolz, 30 " eichenes Scheitholz, 32 » buchenes u. eichenes Prügclholz 44 » „ „ Klotzholz IO',/." „ Stockholz und 4575 Stück gemischte Wellen. d) am Samstag den 13. d. M., Vormittags 10 Uhr, 90 starke Eichstämme, 8 starke Buchstämme und 1 Fichtenstamw. Lobenseld, den 3. Februar 1864. Großh. Schaffnerei. B o I l i n. Bezirks-Amt Neckarbischofsheim, [102] Ort Flinöbach. Stammholzversteigerung. Am Dienstag den 16. Februar d. I., Morgens 10 Uhr anfangenb, werde» im hiesigen Gemeindewald, Distrikt II Hohenberg, 25 Stamm Eichen, 2 » Elzbeer, 12 » Kirschbaum und 1 " Forlen zu Bau» und Nutzholz sich eignend, öffenk» lief) versteigert, wozu Kauflicbhaber einladek Flinöbach, den 3. Februar 1864. Brgmstr. Seng es. Schupp, Rtdschbr. [106] Obergiwpero. Liegenschaftsversteigerung. Der Erbvertheilung we, gen werbe« den Johann __ReichenspergerS Ehefrau Ämter von hier nachbefckriebene Liegenschaften Freitag den 19. Februar l. I.» NachmutagS 1 Uhr, tluf dem RathhauS dahier öffeotlich ver« steigert und endgilkig zugeschlagrn, wenn i Brust-Syrup. [108] Das beste Linderungsmittel für Brust- und Hustenleidende ist anerkannt rer acht meliorirte weiße Brust-Syrup aus der Fabrik von H. Leopold & Co. in Breslau. Die,er Syrup ist ^n Flaschen zu 25 und 12'/- Sgr. nur allein acht zu ha» ben bei Herr» Carl-Fischer in Sinsheim unv Herrn A. I» Wittmann in Waibstadr. der Schätzungspreis und darüber geboten wirb. Haus uno Gebäude. 1. Ein Wohnhaus mit Stallung und Hofraithe, nebst 26 Rnlhcn Garten beim Haus und den »ordern Theil Scheuer gegen die Straße, neben Nathan Strauß und der Straße, Schätzungspreis 300 fl. Ä e ck e r. 2 . 74^/io Rlhn. am Harzofen, neben Johann Gabel beiderseits 100 fl. 3. 73V.o Ruthen in der Klausen, neben Adam Guihörle und Ludwig Remele 90 fl. Obergimpern, den 29. Januar 1864. Das Bürgermeisteramt. Gabel. vdt. Burkart. [105] Efchelbronn. Stammholzversteigerung. Am Montag den 8. d. M., früh 9 Uhr anfangenk, werden im hiesigen Gemein» ^(de-Wald, Distrikt Trippelberg, am Weg nach Spech- bach und Kloster-Lobenseld öffentlich versteigert: 8 Stamm Eicken, 253 Stamm Forlen, welche sich theils zu Bau», Schneid» und Nutzholz eignen, worunter mehrere Stück Forlen zu Pum« penstöck und Brunnenbeichel geeignet sino. Eschelbrvn», den 4. Februar 1864. Das Bürgermeisteramt. Doll. vdt. Dinckrl. j [104] Zuzenhausen. Stammholzversteigerung. Donnerstag den 11. Februar d. I.,- MorgenS 9 Uhr, werden im hiesigen Gemeindewald, Distrikt Eichhölzel, gegen vor der Abfuhr zu leistenden Zahlung 30 Eichen« und 19 Forlenklötze zusammen ca. 3000 Cubikfuß haltend, versteigert, wozu die Liebhaber hiermit ein» geladen werden. Zuzenhauscn, den 4. Februar 1864. Der Bürgermeister O b l ä n d e r. mm mm Rohrbach. Holzversteigcrung. [94] Aus den frbrl. v. Venningen. Ull» nersckenWaldungrn zu Rohrbach werden Donnerstag den 11. Februar, Vormittags 9 Uhr versteigert: 17 Eichen, worunter 10 Holländer, 10 Aspen, i 10 Lärchen, I Lau- und Nutzholz, 2 Kirschbäume, s 239 Lärchen» und Erlcn-Hopfenstangen, 45'/, Klafter Buchen Scheitholz, 12 » gemischtes Holz, 15 Stockholz, 10,200 Wellen. DaS Stammholz ist baar vor der Ab, fuhr zu bezahlen, für das Brennholz wird Borgfrist bis Martini 1864 gegeben. Grombach, am 3. Februar 1864. Frhrl. Rentamt. S a u t r r. - 68 — [107] Cppingen. Verkaufs-Anzeige. Wegen Auf» gäbe deS WWMD Selbstbetriebs , meines Defo»!!^?*® Jor Geschichte des Sagcs. München, 2. Febr. Der König fühlt sich feit vorgestern von einer katarrhalischen Affektion ergriffen. Es würbe kein Bulletin ausgegeben, aber den Gliedern des königlichen Hauseö gestern mündlich eröffnet: »Schlaf unterbrochen, Fieber nachgelassen.» Bekanntlich herrscht Katarrh mir Fieber überhaupt ziemlich stark, aber in ganz gefahrloser Weise. München, 4. Febr. Wie man heute vernimmt, dürfte die Eröffnung der Ministerconfercnzen in den ersten Tagen der nächsten Woche erfolgen. Würzburg. Soeben geht uns, sagt der »W. A.«, aus Wien die verbürgte Nachricht zu, daß die deutschen Großmächte den Londoner Vertrag mit allen daran geknüpften Verbindlichkeiten und Deutungen alS erloschen betrachten. Deutschland soll unter Theilnahme von Europas Großmächten nach vollzogener Thalsache den Herzoglhümern eine neue staatsrechtliche Verfassung geben. ' Darmstädt, 6. Febr. Die großh. Regierung hat die auf morgen anbcraumte LandeSverfammlung innerhalb der Stadt unter freiem Himmel verboten. Dieselbe findet nunmehr mit der bereits crtheilten Erlaubniß des Kliegsmimste» riuws auf dem Ererzirplatze vor dem Rheinthor statt. Frankfurt, 5. Febr. Der von Hrn. v. d. Pfordlcn ausgearbcitete Mehrhcitsberichl des Ausschusses beantragt, den Erbprinzen Friedrich von Schleöwig-Holstein-Sonderburg- Augustenburg als legitimen Herzog von Holstein anzucrkennen, die Suspendirung der Stimme sür Holstein aufzuhebe» und den von dem Herzog beglaubigten BundeSkagS-Gesancren anzu- nehmeu, bezüglich LauenvurgS aber die Beschlußfassung «och vorzubehalten. Berlin, 3. Febr. Aus Wien ist hier um die Erlaubniß angehalten worden, in irgend einer preußischen Stadl in der Nähe der holsteinischen Grenze em Refcrvemunitionödcpor sür das österreichische Armeekorps »> Schleswig anlegen zu dürfen. Diese Erlaubniß ist bereitwilligst ertheilt worden, und schon i» de» nächsten Tagen wird dieses Refervedepor in Magdeburg etablirt werde». Berlin. Der Johanniter-Orden hat in Altona eia La- zarelh mit 20 Betten errichtet und dem Berliner Diakonissen« Hause Bethanien übergeben. Die Oberin Gräfin Anna Stol- berg, welche sich bereits der Euirichtung wegen in Altona befindet, erläßt einen Aufruf, in welchem sie sogt: Wir haben das Lazarekh übernommen; aber damit sind auch unsere verfügbaren Kräfte erschöpft, und wir richten deshalb diesen Aufruf an die preußischen, an die deutschen Jungfrauen und Wiltwen, welche, durch keine nähere Pflicht gebunden, unseren schönen Beruf theilen wollen, uud bitten: Kommt und helft unS. Berlin, 6. Febr. Die Dänen haben das Danewerk heimlich verlassen, die Ocsterreicher haben dasselbe besetzt und 60 Kanonen in demselben gefunden. Wien, 1. Febr. Von Benedek sind nach der »D. A. Z." gestern Depeschen aus Verona eingegangcn, welche mit Bezug auf beigelcgtc Beweisstücke für die Erkstenz einer AugriffS- gefahr die, sofortige Absrndung von wenigstens 20,000 Mann beantragen. Einstweilen sind die in dem Rayon der italienischen Armee weiter rückwärts verfügbaren Truppen nach dem Festungsviercck dirigirt. 2 zweijährige Fohlen, 2 einjährige Fohlen, 8 Kühe, darunter 3 mit Kälber, 8 Rinder, 3 Mutterfchwcine. Heinrich Bielhauer. Wien, 5. Febr. Die „Presse" schreibt: „Die Mittel, und Kleinstaaten machen mobil, weil ein BundeSbeschluß, die Verstärkung des sächsisch. hannover'schen Erekutionökorps in Holstein betreffend, erwartet wird. Bayern soll 5000 Mann, Württemberg eben so viel, Baden 3000 Mann stellen." Hamburg, 3. Jan. Glaubwürdigem Vernehmen nach sollen Die in Altona befindlichen Freiwilligen der schleswig- holsteinischen Armee heule uniformirt werden. — Vorgestern traf der im Dienste der Vereinigten Staaten von Nordamerika stehende Oberst Kap,ff, Commandeur des rein deutschen Steu- benschen Regiments, ein geborner Württemberger, welcher im Jahre 1848 als Hauptmann im würtlembergischen Contingentc und 1849 als Hauptmann 1. Elasse >m 2. Infanterie-Bataillon in der schleswig-hvlsteinlschen Armee an dem Kriege gegen Dänemark sich betyeiligle, über Bremen von New-Aork rn Altona ein und bcgicbl sich heute nach Kiel, um im Aufträge des 200 Mitglieder zählenden Vereins schleSwig-holsteinischcr Kampfgenossen zu New-Aork dem Herzoge Friedrich auf dessen eventuellen Wunsch, außer 100 Offizieren 5000 deutsche Krieger, weiche lheils während des Krieges von 1848—51 in Schleswig-Holstein, theilö während des gegenwärtigen Krieges in den Vereinigten Staaten gedient haben, zur schnellmöglich, sten Disposition zu stellen. Die Kosten der Ueberkunft dieser Freiwillige» von Amerika nach Holstein anlangend, so würden dieselben, theilö von den schleswig-holsteinischen Vereinen, welche in allen Städten der Union, wo viele Deutsche sich befinden, sich gebildet haben, gelragen, theilS durch Geldbeiträge der zahlreichen bedeutenden deutschen ÄausmannShäuser in New- Aork gedeckt werden. Hamburg, 4. Jan. Die »Hamburger Nachrichten" bringeu ein Kieler Telegramm von gestern Abend, wonach die Säbelscheide deS Prinzen Friedrich Karl von einer Kugel getroffen wurde, der Prinz selbst aber unverwundet blieb. Hamburg, 5. Febr. Man versichert, die dänischen Schiffe seien beordert, auf preußische Schiffe Jagd zu machen. Berllngeke vom 2. Febr. vernimmt, es werde sofort die Beschlagnahme deutscher Schiffe in den dänischen Häfen angcord- net werde». Kopenhageuer Abendblätter geben den Verlust der Dänen bei Missunde aus 200 Mann und 8 Offiziere an. Der Dänentönig ist in Getlvrf. Hamburg, 5. Febr. Den »Hamb. Nachr.» geht auS Rendsburg ein Telegramm zu, woruach die Ocsterreicher am Mittwoch bei Jage! 400 Mann verloren haben. Die achte Kompagnie des Regiments Martini verlor alle Offiziere. Der Hardesvvgt Blauciifeldk auö Flcckebye wirb heute wegen Ver- rätherel in Rendsburg erschossen. 164 dänische Gefangene und eine erbeutete Kanone sind gestern in NciidSdurg angekommen. Hamburg, 6. Febr. Einem Telegramm der „Hamb. Nach." aus Kiel von gestern Abend zufolge haben die Preußen das hügelige Norterrai» der ganzen Mlffunde-Linie genommen. Die Ocsterreicher sind bis Fahrdorf vorgerückt. Heute ist Ruhetag. Hamburg, 6. Febr., Nachmittags. Schlei-Uebergang bei Arnis. Schleswig ist Nachts von den Dänen geräumt uud heute von den Allirten besetzt worden. Viele Geschütze genommen. Feind wird weiter verfolgt. Hamburg, 6. Febr. Das österreichische Hauptquartier ist heute früh 7 Uhr in das Schloß Gottorf (Stadl Schleswig) eingerückt. Die Dänen haben ihre Stellung verlassen. nomie-Geschäfks setze ich Dienstag den 16. Februar Morgens %10 Uhr nachstehenden Viehstanv einem öffentlichen Verkauf aus: 5 Pferde, darunter ein trächtiges, — 69 — Bei 60 schwere Geschütze stehen in Len Schanzen. Die Der. folguug der Dänen in der Richtung von Flensburg ist eingeleitet. Die Truppen sind von dem besten Geiste beseelt. Rendsburg, 1. Febr. Man hat hier eine Pulvermine entdeckt, die von dem Zcughause aus iuS dänische Lager geleitet ist; wahrscheinlich zu dem Zwecke, im Falle einer Renrade von dänischer Seite das Zeughaus zu sprengen, um den deutschen Truppen und der Stadt noch möglichst großen Schaden zuzusügen. Das Quantum bcS Pulvervorraths zu diesem Zwecke beläuft sich auf 900 Pfd. — Wie man der „Schleswig-Holsteinischen Ztg." meldet, hatte der Prinz Friedrich Karl vor dem Ausmarsche aus Kiel die Parole auögcgcben: „Die verpfändete Ehre Preußens für Schleswig." Der preußische Plan ist, die Danewcrkstellung durch Uebcrschrcilung der Schlei zu umgehen. Dieser Meeres« arm, an dessen Westende Schleswig liegt, bietet namentlich zwei schmale Stellen, bei Kappeln, und näher bei Missunde; beide Punkte waren schon öfter der Schauplatz von Gefechten. Der Brückenkopf bei Missunde ist i» den letzten Jahren von den Dänen stark befestigt worden. Gelingt es hier, den Ueber- gang über die Scblei zu forciren, so würden sich die preußischen Truppen im Rücken der Dancwerke befinden, und diese würde von den Dänen rasch aufgegeben werden müssen, wenn sie nicht ihre ganze Armee der Gefahr aussetzen wollen, abgeschnitten und gefangen genommen zu werde». Rendsburg, 3. Febr. Der General der srühcrn schleswig-holsteinischen Armee, Gras Baudissin, ist mit einem preußischen Kurier hier ongclangl und nach der Danewerkstellung adgereiSt, weil er die Gegend kennt. Rendsburg, S. Febr. In Holm (bei Flcckebye ander Schlei) und Umgend ist der Herzog Friedrich enthusiastisch proklamirt worden. Kiel, 5. Febr. Vorgestern fand in Vogelfang die Proklamation des Herzogs durch 400 Loiidleutc SchwansenS Statt. Lottorf,'s. Febr. Schleswig ist geräumt. Eine Bür- gerdeputakion ist hier eingetroffen. Die Oesterreichcr marschi- ren auf das Danewcrk. Aus dem preußischen Hauptquartier, 6. Febr. Prinz Friedrich Karl ließ in der vergangenen Nacht bei Arnis eine Pontonbrücke über die Schlei schlagen und ging mit einem Truppenkorpö hinüber. Die Brigade Röder wurde in Kähnen übcrgesetzt. Sie ist bereits weiter vorgeschoben und hat vier Vierundzwanzigpfünder genommen. Keine Verluste. Schleswig, 6. Febr., Nachmittags 1% Uhr. Wie man den „Hamb. Nachr." unter vorstehendem Datum meldet, findet seit mehrere» Stunden be> Jübek (nordwestlich 3 Stunden von Schleswig) ein Gefecht zwischen der österreichischen Brigade Rositz und den ssieheuten Dänen statt. Turin, 31. Jan. Vorgestern war großer Ministcrrath. ES war ei» sehr wichtiges Aktenstück, über bas man berieth, und die Debatte soll eine sehr stürmische gewesen sein. Es handelte sich nämlich um eine energische Protestation Italiens gegen die fortdauernden Rüstungen Oesterrclchs in Vencticn, und nameiiilich waren darin die bis aus neutrales Gebiet ausgedehnten Befestiguiigswcrke von Peschiera ein Gegenstand besonderer Klage. Diese Note war etwa iy s Wochen nach Paris gleichsam zur Durchsicht und Begutachtung eingesondk worben und nunmehr zurückgekvwmen. Der Beschluß, den der Ministerrath endlich unter dem Präsidium deS Königs gefaßt, ging dahin, diese Protest-Note ungesäumt in Wien übergeben zu lassen. Petersburg, 3t. Jan. Während man Anfangs Januar auf dem Rheine und sogar auf der' Rhone auf dem Eis tanzen konnte, war dasselbe auf der Wolga so schwach, daß eS in Nowgorod einbrach und zwar während einer Unterhaltung. Die Anzahl der versunkene» Mensche» ist unbekannt r es sind bereits vierzig todte Pferde herausgezogen. Interessant ist. daß man wegen des schwachen Eises Privatwagen gar nicht erlaubt hatte, das Eis zu betreten; nur die Post hatte Unter- haltdngsschlitten ausgestellt. Eine Vertretung im Wachtdienst. Humoristisches Genrebild von H. Mahler. (Fortsetzung.) Ich zündete mir eine Cigarre an, nahm die Unterhaltungs- schristen, an welchen im Offizier-Wachtzimmer kein Mangel war und las mir meine Grillen hinweg. Lange aber hatte ich nicht gelesen, als die Ronde kam. Mein Herz pochte doch ein Wenig. Gricbenthal. wissend, daß ein Fähnrich auf Wache sei, kam nicht «an« facon inö Zmimer, sondern ließ als diensteisriger Mann alle Formali- täten ordnungsmäßig vornehmen. Ehe er dann mit seinen Begleitmannschaften weiter ging, kam er natürlich herein, um seinen Namen inö Wachlbuch einzutragen. „Wie gehls, lieber Fähnrich, auf Wache?" fragte er herablassend. „Ist es die erste, die Sie an Offizierstclle thun?" Ich hielt mich möglichst im Dunkel und erwiederte wein Ja der Wahrheit gemäß. „Ich bin erst seit vierzehn Tagen hier und tbue den ersten Rondcdieiist. Geben Sie mir deßhalb nur ja recht zuverlässige Soldaten mit, die Weg und Steg besser kennen, als ich." Der Wahrheit gemäß versicherte ich wiederum dem Lieutenant, baß sich schwerlich im Regiment, meiner Meinung nach, noch zwei Leute finden würden, die sich zur Rondebegleitung so gut eigneten, wie die für den Herrn Lieutenant besignirken. „Kennen Sie vielleicht hier einen Avantageur und Unteroffizier Hobcck?" fragte der Rondeoffizier plötzlich. Meinen Körper überlief ein Grausen. Kam die Frage zufällig oder absichtlich? Halte mich der Lieutenant erkannt oder nicht? JStzt erst wollte mich bedünken, daß die grauen Augen deS Offiziers stechender, als eö gerade nöthig war, auf mir ruhten. Fest und bestimmt aber antwortete ich: „O ja, Herr Lieutenant, ich kenne ihn sehr genau und kann wohl sagen, daß er mein bester Freund ist!" Wiederum war meine Antwort vollständig der Wahrheit gemäß gewesen. „So, Ihr bester Freund, das wundert mich eigentlich, denn Ihrem stattlichen Schnurrbarte nach hätte ich Sie für bedeutend älter als meinen jungen Freund Hobeck gehalten. Wohnt dieser noch in der Mittelstraße?" Mit gutem Gewissen konnte ich cs bejahen und noch die Nummer deö Hauses hinzufügen, das ich bewohnte. Der Lieureiiant gab mir nun seine Rechte, wünschte wir eine gute und vergnügte Nacht und entfernte sich. Natürlich wollte ich ihn begleiten, aber der Offizier litt eö durchaus nicht. Ich blieb also in ängstlicher Stimmung lauschend an der Thür stehen. Griebenthal ging hinüber ins Wackitzimwer der Gemeinen. Nach fünf Minuten kam er wieder heraus und rief den Sergeanten auf den Flur. Ich strengte meine Gehörorgane so an, daß ich daS Nie, fen einer Mücke hätte hören müssen. „Wie heißt doch schon gleich der Herr Fähnrich", fragte der Lieutenant mit gut gespielter, möglich auch wirklicher Vergeßlichkeit den Sergeanten. „Freiherr von Schnitter!" entgegnete der Unteroffizier. „Ist wohl schon sehr alt?" „Achtzehn bis neunzehn Jahre, Herr Lieutenant!" „Merkwürdig starker Bartwuchs", sagte Griebenthal leis« und ich hörte, wie er sich entfernte. Bald darauf tönten die Schrine der abgehenden Ronde nebst ihren Begleitmannschaf, ten mit erfreulichem Klang an mein Ohr. Ich athmete hoch auf uud glaubte mich schon gerettet und geborgen. (Schluß folgt.) Miszelle«. * lieber die schreckliche Katastrophe, welche die Stadl Santiago in Amerika in die tiefste Trauer versenkt hat, entnehmen wir einem in der »Timeö« veröffentlichten Privat» brief: »Seitdem im Jahre 1857 von Rom aus dos Dogma von der unbefleckten Empfängniß verkündet worden, war die Kathedrale de la Compania — jo genannt, weil ste früher der Gesellschaft Jesu gehörte — der Brennpunkt eines jährlich vom 8. November bis zum 8. Dezember gefeierten pomphaften Gotteö- oder vielmehr MariendiensteS geworden, welcher von der fast alle Frauen der Hauptstadt in sich begreifenden Schwesterschaft der »Töchter Mariä» veranstaltet wurde. Diese Feierlichkeiten gipfeln in dem 8. Dezember, als dem Schlußlage und dem Feste der unbefleckten Empfängniß, an welchem, wie i» jedem Jahre, so auch diesesmal, die Kathedrale in Blumen, Guirlanden und Lichterschmucke prangend, ihre Räume bis in den entlegendsten Winkel mit einer andächtigen Menge gefüllt sah. Viele Hunderte hatten daS Glück, zu spät gekommen zu sein, da die Kirche schon stundenlang vor Beginn des Gottesdienstes völlig besetzt war, und fnieteii vor den Ttwren und auf den zum Eingänge führenden Stufen nieder. Die Lampen, welche in unzähliger Menge das Innere erleuch- reken, waren unglücklicher Weife nicht mit Oel, sondern mit Kamphin, oder wie es dort heißt, gas portatif gespeist. Das große Bild der h. Jungfrau, welches den Mittelpunkt oeS Altars schmückte, strahlte in einem Halbmond fchlmmernder Lickter. Durch die Fahrlässigkeit eines Lampenwärlers theilte sich eine dieser Flammen den benachbarten künstlichen Blumen mit, doch beunruhigte dieseö, als nickt ungewöhnlich, die An- wesenden noch nredt, da sie glaubten, das Feuer werde leicht zu löschen fein, und ihre Plätze nicht gern verlieren mochten. Inzwischen hatten die Flammen das hölzerne Lach ergriffen, und eS ging den Zuschauern eine Ahnung voll der bevorstehenden Gefahr auf. Vielen gelang eö, die Kirche still zu verlassen; aber bald waren die weiten Räume eine Scene der wildesten Bestürzung und Verwirrung. Alles drängle nach den Thüren hin, aber nur die Haupkpfvrte war zu benutzen; die beiden großen Seitenpforten waren sehon seit Jahren stets geschlossen gewesen, und eS blieben nur noch zwei kleinere Thüren an der Sakristei, durch welche sich eine kleine Zahl der Anwesenden retten konnte. Bald war das Innere des ganzen Gebäudes ein glühendes Flammenmeer. Als das Feuer sich endlich in sich selbst verzehrt hatte — denn, eö ist eine Sckande, in Santiago gibt es keine Brandspritzen — wurden die Leichname in der Kirche sichtbar, in horizontalen Lagen auf einander geschichtet, oder gruppenweise iiledelknieend ln der Stellung, wie der Tod sie erfaßt hatte; die Mehrzahl nahe an den Thüren. Lieber 2000 waren des Flammeiiiodeö umgekommen, wie die in den Blättern veröffentlichte Liste der Vermißten ausweist. Zwei Drittheile der,eiben gehörten den unteren Klassen der Bevölkerung an, der Rest den vornehmsten Familien der Hauptstadt. Die Bestürzung war so groß, der Scklag traf so schrecklich, das Schauspiel war so entsetzen- erregend, daß die Katastrophe anfangs wie ein Traum an dem Geiste der Ueberlebenken vorüberzog.« * Man schreibt der »Wes.-Ztg.« auö Paris: »Eine Nachricht, die ihnen schwerlich schon durch die Zeitungen geworden, und zu der die strenge Kälte den Grund legte, ist die von der blutigen Metzelei, wovon die letzten Spuren der Seinefluß hinweggewaschen. Mehr als hunderttausend entstellte und verstümmelte Leichname trieben auf ihren Fluthen zum Meere. ES war ein Anblick, geeignet einer Hallendame Krämpfe zu verursachen. Doch sangen wir von vorn mit Erzählen an. Der geneigte Leser weiß, in welchem Maße eine große Stadt wie Paris von Ratten geplagt wird, und welchen Schaden diese unermüdlichen Nager in Küche und Keller anrickten. Aus dem Grunde verabsäumt eine hohe Pariser Obrigkeit denn auch nichts, um deren Zahl zu verringern. Kein Zeitpunkt im Jahre ist aber geeigneter hierzu, als der, wo das Thermometer unter den Gefrierpunkt sinkt. Dann verlassen die gegen Kälte sehr empfindlichen Ratten Speicher« und Bodenräume und pilgern schaarcnweise hinunter in die Paris in jeder Richtung vurchschneidenden Kloaken, wo ihrer zu einer behaglichen Wärme von 7 bis 8 Grad eine reichliche und leckere Nahrung harrt. Wie immer, so geschah dieß auch heuer beim Eintritt der Kälte. Sofort beschloß der Vorstand der Kloakenbauten in den 800 Kilometer (etwa 100 deutsche Meilen) langen un« terirdischen Gängen ein allgemeines Treibjagen zu veranstalten. Lneben« bis achthundert EgoutierS erhielten Befedl, gleichzeitig an verschiedenen Orlen in die Nebenkloaken hinabznsteige» und alles Lebendige dann vor sich her bis in die drei Hanptkloaken zu treiben, eine Aufgabe, deren Lösung durch die glatten Ce- mentwände, die keuier Ratte daran hinaufzuklettern erlaube», sehr vereinfacht wird. Alö nach Verlauf von beinahe drei Tagen tiefe Arbeit vollendet und daö Rattenheer in den drei raumvollen Adern der Rue de Rivoli, der mittleren Boulevards und der Rue de Chateau d'Eau zusammengetrieben war, fetzte man daö Treiben gegen die am Boulevard Malesherbes klegeiide und etwaö oberhalb der Asnieresbrücke IN die Seine auömündende große Sammelkloake fort und verschloß diese an zwei Orten hermetisch mit hölzernen Thüren, nachdem sämmk- liche Ratten in diesen Raum wie in eine mächtige Falle gesperrt worden waren. Nun öffnete man in der Nähe des Boulevard Monceau behutsam eine unterirdische Thür, ließ vierzig wohldreffirte Hunde (Rattenfänger) hinein, und — die Schlacht "begann. Fünf und vierzig Stunden wütkeke dieselbe ohne Aufhören. Das Gekläff und Geheul der Hunde untermischt mit dem Pfeifen und Schreien der Ratten soll eine Musik gebildet haben, abscheulich und schaurig genug, um selbst einen Kloakenmann mit einer Gänsehaut zu bedecken. Wie hartnäckig und blutig übrigens der Kampf gewesen sein muß, mag der Leser daraus abnehmen, daß von den vierzig Hunden vier von den Ratten des Augenlichts beraubt, drei erwürgt und fünfzehn gefährlich verwundet wurden. Und als dann die Egvuliers an das Sammeln der Pramiengegenstände, d. b. der Rattenschwänze gingen, wurde constatirt, daß die Zahl derselben sich auf circa 110,000 Stück belief. Drei Tage lang ging die Seine bei Aöniereö mit Rattenkadaver», Trotz dieser enormen Jagdbeute aber spürt man zur Nachtzeit in den Straßen von Poris bezüglich der Ratkenmenge keine Abnahme und nach wie vor halten ste dutzendweise an den Kehrichthaufen leckere Mahlzeit.« r .. - .. _L" 1 — ■■- 1 . .."" ' «-H Karlsruhe, 6. Febr. Die Zenkralkaffe des bad. Landes- ousicbuffeö für Schleswig-Holstein veröffentlicht ihre» Achten Bericht, wonach bis heute die Gefammteinnahme 67,756 fl. 36 kr. und die Ausgabe von Anleheuöscheinen 4135 Tdlr. beträgt. Mannheim, 4. Febr. Mannheimer Börse. Für Weizen war heute eine bessere Stimmung bemerkbar, und dielten Inhaber fest auf Preis. Roggen blieb wenig beachtet. Gerste unverändert. In Kleesaawen fanden belangreiche Umsätze zu den laufenden Preisen statt. Spirituö besser beachtet und fest. Petroleum folgt den zurückgegangenen Preisen au den Seeplätzen und wurde billig offerirt. Frucht-Mittrtprrilr. Durkach, 30. Jan. Hafer 3 ff. 19 kr.. Xeta & ff. 41 fr. Heilbronn, 3. Febr. Korn 3 ff. 18 kr., Gerste 3 ff. 16 kr., 8>f»el§ 9 ff. 36 (c, Hafer 3 ff. 1 fr. «-»igitt, Druck an» Perlag ttm D. «fiterer i» Heidelberg.