er ITanibk Verkündungsblatt der Großherzogl. Bezirksämter und Amtsgerichte Sinsheim und Neckarbischofsheim. JS 46. SamstnA, den 16. April 1864. C340] DaS Polizeistrafgesctzbuch betr. Nr. 3629. Den Bürgermeisterämtern geben wir zu erkennen, daß rin Bericht zu Nr. 14 beö CentralblatteS von Bisflag nicht erforderlich ist. Neckarbischosöheim, 12. April 1864. * Großherzoglich bad. Bezirksamt. Schupp. [343] Die Wahlen zu den Gemcindekellegien betr. Nr. 3703. An dir Gemeindcräthe des Amtsbezirks: Im Laufe der nächsten Monate sind die Gemeindekollegien zu erneuern. Wir machen hierauf, sowie insbesondere auf die V.-O. v. 21. Februar 1861, Reg.-Bl. S. 63, wornach, wenn die Wahlen nahe zusammenrreffen, zuerst die in den großen Ausschuß, sodann jene in den Gemeinderalh, und zuletzt die in den kleinen Ausschuß vorzunehme» sind, die Gcmeindrräthe aufmerksam, und beauftragen sie, von dem Vollzüge der Wahlen Anzeige zu erstatten. Rcckarbischofshcim, den 14. April 1864. Grvßherzoglicheü Bezirksamt. Schupp. f344] Die Umlage der Beiträge zur FeuerversicherungSanstalt pro 1863/64 betr. Nr. 1869. Nach Verordnung Gr. Ministeriums beS Innern vom 30. v. M., Reg..Bl. Nr. 11, sind die Beilragötahelle« unverzüglich aufzustellcn und anher einzuscnden. Die Gemeuideräihe des Amtsbezirks werden daher aufgefordert, dieselben schleunigst vorzulegen, wobei wir anfügen, daß bei der Verechnung der einzelnen Beträge alle Correkturen und Bruchkrcuzer zu vermeiden sind und baß die Hauptfumme der Umlage in den einzelnen Gemeinden die unken beigesetzle Summe zu euihalten hat. Namen der Gemeinden. Versichcrungs» Anschlag der Gebäude. BritragSsumme zu 4 kr. pr. fl. 100 5% fr. pr. fl. 100 7 kr. pr. fl. 100 8 kr. pr. fl. 100 st- kr. fl- fr. st. fr. st- kr. fl. kr. Adersbach mit Rauhof. 133800 — 89 12 -- — Bockschast. 31200 — 20 48 — — — _ - . Daisbach mit Urfenbacherhvf . . . 112300 — 74 52 — — — _ Dühren. 163700 — 102 28 — -- — — Edrsiädt mit Ncnhauö und Eulrnhof 17,660 — 114 26 — — EichkerShcim. 217900 — 145 16 — _„ _ Eschelbach.. . 16,300 — 107 32 — _ Efchelbronn. 181400 — —. — 166 17 _ _ - - — Gromboch .. 165650 — 110 26 -_ _ _ — Hilsbach mit Junghof ..... 229200 — 152 48 — — — — — Hoffeiiheim.. 276250 — 184 10 -- -- — — — — Kirchardt. 228500 152 20 — — — __ Michclfeld. 259800 173 12 —— — — — — Neidensicin. 173100 — 115 24 — — — — — Reihen. 199900 133 16 —— — — — Rohrbach. 150650 _ — — — — — 200 52 Sinsheim mit Jmmelhäuser Hof . . 664200 — 442 48 — — — — — Steinsfurth. 258550 172 22 — — — _ Waldaiigelloch. 133350 — — — — 155 85 Weiler mit Ziegel« und Birkcnhof 148550 _ 99 2 — — — — - Zuzenhausrn. 258900 — 172 36 — — — — — — 4309850 — 2562 58 166 17 155 35 200 52 SioSheiw, am 14. April 1864. Großherzoglich bad. Amtsreviforat. Steinmetz. — 184 — Hopfenstangenverkmrf in Waibstadt. Montag den 18. ds. Nachmittags 1 Uhr laßt Unterzeichneter liier am Bahnhof 4000 Stück l. Qualität versteigern. I. L. Mark. C335J Aufforderung. [339] Nr. 3739. Grenadier Adolf kampertsdörser von Eichtersheim hat sich heimlich entfernt und ist dessen Aufenthaltsort unbekannt. Derselbe wirb aufgefordert, sich innerhalb 4 Woche» dahier oder bei seinem Vorgesetzten Regimentecommando zu stellen und über seine unerlaubte Abwesenheit zu verantworten, widrigenfalls er vorbehaltlich seiner persönlichen Bestrafung deS StaatSbürgcrrechtS für verlustig erklärt und in eine Geldstrafe von 1200 fl-, sowie zur Tragung der Kosten verurtheilt würde. Zugleich wird dessen Vermögen mit Beschlag belegt. Sinsheim, 9. April 1864. Großherzvglich bad. Bezirksamt. Otto. Schuldenliquidation. [345] Nr. 3887. Georg Bender, Metzger von Eschelbach, beabsichtigt sich mit seiner Familie nach Amerika zu begeben. Etwaige Ansprüche an denselben können am Samstag den 23. d. M. früh 8 Uhr dahier geltend gemacht werden. Sinsheim, den 12. April 1864. Großherzogliches Bezirksamt. O t t o. [332] Mein Strohhnt Lager ist wieder auf das Reichhaltigste affortirr. HP. G. Kötlreutter in Sinsheim. [338] E s ch e I b r o n n. Liegenschaftsversteigerung. Nr. 189. In Folge richterlicher Verfügung werden dem Karl Stier von Efchelbron» Donnerstag den 19. Mai d. I. Vormittags 7 Uhr anf dem Rakhhaus zu Efckclbronn eine balbeBehausung mit Scheuer, Schweinstall, Hofraum und Ge- müsegarien, tarirl zu 400 fl. 5 Grundstücke, tarirr zu 300 fl. Summa 700 fl. öffentlich versteigert und der Zuschlag er- thcilt, sobald das höchste Gebot Len Schäz- zungöpreiS erreicht. Sinsheim, 12. April 1864. H e l d l i n g , Notar. [346] Auf gegenwärtige Jahreszeit bringe ich mein Lager in Zeug- u. Leder» arbelt in empfehlende Erinnerung und sichere billigste Preise zu. Ferner für Schuhmacher die ergebenste Nachricht, daß ick, im Brsitz einer vortrefflichen Nähmaschine, Schäftchen in Zeug und Leder mit und ohne Gummi« zug vvrrälhig halte und solche zu den billigsten Preiien abgebe. Sinsheim, im April 1864. Chr. Knodift, Schuhmacher. Kloster Sinsheim. Harmonie-Musik am Sonntag den 17. April bei 1342] Philipp wild. [293] Von der Frankfurter Messe zurückgckehrt erlaube nur in gefällig? Erinnerung zu bringen, baß mein Lager in Sommerstoffen aufs beste assortirt ist und bitte uw geneigten Zuspruch. Zugleich empfehle meine Auswahl irr Herrciidinven. Sinöheim, den 31. März 1864. J. Nlldy, Schneider. 1267 Kleefaamen blauen und dreiblättcrigen, Wühler Hattf- hramen» empfiehlt unter Garantie Gruft 3ac. Stutzmanu. [312] StrickbaumwoUe in allen Farben bei Gruft Jae. Stutzmauu. Drahtstiften u. Schifftheer billigst bei [311] Gruft Lae. Sluhmmm. Kapital auszuieihen. [341] Hilsbach. Im kath. Kirchen baufood liegen 300fl. zum Ausleihen bereit» Holzschuh, Rechner. Jur Geschichte des Caßes. Aus Baden, 12. April. Es scheint nun bereits festgesetzt zu sein, daß der gegenwärtige Landtag, nach Erledigung der gemachten Vorlagen, auf längere Zeit vertagt werden wird, was gegen Ende Mai der Fall sein dürfte. Die zweite Hälfte des Landtags soll kann mit künftigem Herbst beginnen, wo unsere neuen Organisationen bereits ins Leben getreten fein werben. Als äußersten Termin der Einführung wird nun der 1. September angenommen. Durch diese Anordnung wird die Regierung in Stand gesetzt, etwa nöthig werdende Rachsorderungen, die jetzt noch nicht zu berechnen sind, an die Stäube zu bringen. Stuttgart, 12. April. Bulletin. Bei Sr. Mas. dem König verliefen die letzten Nächte ziemlich ruhig, wenn auch mit häufig unterbrochenem Schlaf. Auch bei Tag fehlen in der Regel größere Beschwerden. Appetit und Kräfte lassen fortdauernd viel zu wünschen übrig. München, 11. April. I,, cem Testamente deö Königs Mar ll- ist unter andcrm auch ausgesprochen, daß der großartige Bau des Marimilianeums auf dem Gasteig zu vollenden und mit 800,000 fl. die künftige Anstalt zu doriren fet. Außer dieser Summe sind angewiesen 250,000 fl. zur Förderung wissenschaftlicher Zwecke, zu Rcisestjpendicn für junge Gelehrte u. dgl.; alle auS Auftrag Sr. Majestät begonnenen wissenschaftlichen Werke sollen zu Ente geführt werden. 150,000 fl. sind dem bekanntlich gleichfalls von Sr. Majestät ins Leben gerufenen St. Johannis- (WohIkhätigkeitS-) Verein, eine reichliche Dotation auch der „Stiftung Sr. Majestät zu Gunsten der Töchter unbemlitelter Beamten, für zvelche der Neubau au der Stelle deö früheeu Schlößchens zu Nenberg- haufen aufgeführt wurde, zugewiescn. Auch einer Reihe von Personen, welche sich der besonderen Huld deö Königs erfreuten, sind kleine Andenken vermacht. Nürnberg. Man schreibt dem „N. C." auö München, 11. April: Das Herz des König Mar II., welches bisher noch i„ der k. Residenz aufbcwahrt ist, wird demnächst nach Altötling gebracht, um in der berühmte» Wallfadrtekapclle daselbst, neben dem des Königs Mar Joseph, beigefetzl zu werden. Die silberne Urne, welche das köingliche Herz einschlicßen soll, wird bereits anzcfertigl. Mit dem Bau der Königögrufk in unserer Theatinerktrche wird im nächsten Monat begonnen werde», die Vollendung derselben mindestens 1 Jahr in Anspruch nehmen. Gutem Vernehmen nach hat der Fürst von Thurn und Tariö in Regenöburg dem Comitee zur Pflege und Unterstützung verwundeter österreichischer Soldateu m Wien dir Summe von 100,000 fl. zuflicßen lassen. Frankfurt, 14. Apr. Die Auöschußanträge bezüglich der Londoner Konferenz wurden mit großer Majorität anar- 185 — nommen und Hr. v. Brust fast einstimmig zum Bundesbevoll- wächkigten gewählt. Wiesbaden, 11. Apr. Die „Hess. Ldsztg." veröffentlicht eine nassauische Verwarnung, ötc sie erhallen, daß nämlich fernere Angriffe derselben gegen die nassauische Negierung oder Herzog!, nassauifchc Beamte daö Verbot des HalkenS der Zeitung und VerbreilenS dieser Zeitung im Herzoglhuir. zur unmittelbaren Folge hoben würden. Der Postlchein werde als Insiiiuatioiisdokumcnt dieses Vcrivarnuiigöschrclbciiö angesehc». Berlin, 11. Apr. Wie der „Magd. Zrg." von hier geschrieben wird, sollen zur schleunigen Vcrsiärtung der preußischen Marine außer den zur Zeit aus den Lanziger Wersten noch im Bau begriffenen 6 Kriegsfahrzeugen (2 Coronren zu 28 und 13 Kanonen und 4 Panzek-Kanonenbovlen zu je drei Geschützen) sofort dort noch 2 schwere Corvetien, oder nach anderen Nachrichten leichte Schraudeiifrcgalle», in Bau genommen werden. Berlin, 14. Apr., Nachmittags. Der „Staalsanzeiger" meldet aus G raven sie in vom Heutigen: In der letzten Nackt warfen vier Kompagnien des 60. Infanterieregiments die feindlichen Lorposien vor deu Duppeler Schanzen zurück und gruben sich 100 Schritt vor den letzier» ein. Lebhaftes Infanterie., Granat und Kartätscheiiseuer. Preußischer Verlust etwa 28 Man»; 101 Dänen wurden gefangen. Hamburg, 11. April. In der vorgestrigen geheimen Sitzung der Bürgerschaft ivurde der Antrag deö Senats auf Bewilligung der zweiten Million zu Zwecken unserer Küsten- vcrthcidigulig angenommen; jedoch bedarf dieser Beschluß noch der zweite» Lesung. Gestern Morgen um 7V- Uhr traf hier wieder ein Ertra- zug mir über 3000 Zkr. Munition von Spandau ein. Vom Donnerstag dieser Wockc an werden sieben Erlrazüge mit preußischen Truppen, zwei Regimenter Jufontene und eine Batterie von Frankfurt a. d. O. hieher befördert. Zur Wer« terbeförderung der am Freitag Morgen auf der Berliner Bahn bicr mittelst etwa 70 Güterwagen angelaiigten 20 Pvsttivno« geschützt, 1000 Ztr. Munition und deö verschiedeiieu Belagc- rungömaterials nach dem Altonacr Bahnhof hatte der hiesige Posthalter Hr. Schlüter etwa 300 Fuhrwerke gestellt. Flensburg, 10. Apr. Große Freude erregt im ganze» Lande die von Feldmarschall Wrangel a» die Däne» erlassene Aufforderung, die sämmtlichcn noch auf Älsea zurückgehalteneu schlcswig'sche» Bauernwagcn, 1000 an der Zahl, bis zum 12. V. fammt Leuten und Pferden zu entlassen, unter Drohung, daß, wenn tiefer Aufforderung bis zum fcstgeseßteu Termin mchk nachgekommen werde, dieselbe Anzahl Wagen aus Jütland re- quirirt und diese Denjenigen, deren Wagen und Pferde sich auf Alfen befindet«, zur Verfügung gestellt werden sollen. Gleichzeitig sind die betreffenden Behörden angewiesen worden, möglichst genau die Zahl der noch fehlenden Wagen und Pferde zu ermitteln. Kopenhagen, 9. Apr. Die dänische Infanterie wird aufS neue um 6500 Mann vermehrt, und zwar durch die Frei- gelooeten aus den Jahren 1857—58 (m dem Alter von 30 bis 33 Jaheen), welche binnen kürzester Zeit zu den Fahne» eln- bcrufen sind. London, 12. April. Gestern Abend um 6 Uhr ist Garibaldi hier eüigczvgen; der Zudrang und Enthusiasmus war ungeheuer. Petersburg. 3. Apr. Die offizielle „PetcrSb. Ztg." bringt einen Artikel, welcher in den beltimmlesten Ausdrücken b>e Behauptung erneuert, daß ein Grund zur Einmischung in schlcöwig- holsteinische Sache für keine der europäischen Mächte vorliegc; denn eine Verallgemeinerung deö Kriegs fei ^'schieden nicht z» befürchten, weil Deutschlanv das Maß des Rechts nicht überschreiten und Dänemark sich gezwungen scheu ^"de, feine Hartiiäckigkeit auszugeben. Neu-Aork, 1. April. Die Reiterei der Rebellen hat Paducah (Kentucky, am Obio, nahe an der Mündung de» TenneffceflusseS) und Union Cny eingeäjchert. Der goldene Decher. (Fortsetzung.) Dieses Schweigen war indessen nickt nach dem Sinne deS Besitzers. Er halte Marquard mitgenommen, um sich unterwegs Unterhaltung und Zeitvertreib zu verschaffen. Gleich darauf fing er von neuem an: „Mein Name ist Sören Tap!" „So!" „Ich habe manches liebe Jahr meinen Torf zur Stadt gebracht, aber es wirft wenig ob." Er schwieg uno wartete einige Augenblicke aus Antwort. Da Marquard bei seinem Schweigen beharrte, fuhr er fort: „Ick habe auch erneu Halbbruder, der mit iw Kriege ge» wesen ist. Er ist jetzt nach Haus gekommen. — Heiliges Kreuz, was der für Geschrchten erzählen kann!" „Das will ich glauben," erwiederte Marquard. „Er hat sich wacker herumgeschlagen kort drüben. Er war einer von den Ersten tiefen Winter auf Amager, alS Michel Stau nahe daran war, den Schwedenkönig gefangen zU nehmen... „DaS wäre! entgegnete Marquard, welcher der Erzählung des Bauern eine größere Aufmerksamkeit zu schenken anßlig. Dieser bemerkte cs und fuhr selbstgefällig fort: „Ja, den Michel Skau kennt Ihr wohl? Sei» Vater war nur ein schlichter Bürgersmann und wohnte dort unten auf Leertet, ehe der Krieg anfing; ober Michel wollte höher hinaus. Er lernte fechten und schießen, wie der beste Junker. »Laß' doch die Narrenepoffen, lieber Michel,« sagte der Alte manchmal zu ihm, «Hochmukh kommt vor dem Fall, oder: Schuster bleib* bei Deinem Leisten, wie cs indem alte» Sprichwort heißt.« Aber Michel ging seinen eigenen Weg. Er hat sich aber auch gut gehalten, das muß man gestehen, zumal er eigentlich nicht so sehr für sich vorwärts strebte, alS der vornehmen Jungfer zu Liebe, die er gehcirathet hat. Von der müßt Ihr doch gehört haben, da Ihr hier in der Gegend wohnt?" «Nein,« erwiederte Marquard. «Das wundert mich. Ja, seht Ihr, Mickel entführte sie ihren Ettern und ließ sich in der Kirche zu Naadböl trauen; der Bruder feines Vaters ist dort Prediger und der hat sie getraut. Seit jenem Tage haben sie in Freude und Herrlich« t.lt gelebt, er trägt sie auf den Hände», ja, daS thul der Michel wirklich, Alles, was er ihr an de» Augen abfehcn kann, gewahrt er ihr, und de« ganzen Tag thun sie »ichtS anderes, als mir einander kosen und reite» und fahre». Sein Vater ließ Holmhof für sie umbauen und neu einrichten, so kostbar und prächtig, daß die reichste Evclfrau im ganzen Lande eS nichk bcffrr haben kaiin.« «Uuo sie leben glücklich?" wagte Marquard zu fragen. «Ja, sie haben ja Gelb genug, und er hält Nichtö für zu gut sur seine Frau. Ats der Feind ins Land kam, zog Michel in den Krieg; mein Halbbruder, der auf dem Hofe dient, erzählte, daß d»e Frau erbärmlich weinte und ihren Man» bat, doch zu Haufe zu bleiben; aber Michel wußte wohl» was er lhat und zog aus. Er war immer in Bewegung da drüben, früh und spät, schlug und stach, als ob er sich nie mir anderen Dingen beschäftigt habe, und größeren Nutzen stiftete er, wie ich glaube, noch mit feinem Gelde. Die hohe» Hrrre» hielten große Stücke auf ihn, er kam an den Hof und wurde zum Generaladjutaiilen gemacht, was viel zu dedeukea haben soll. Zwischendurch ging mein Halbbruder, mit Botschaften und Briefen von Kopeuhagcn zu der juiigeu Frau auf Helmkes; sie lackt, und jubelte und hatte gerne dem Bolen um den HalS fallen wögen, wen» ein Brief anlangte. Aber daS war Alles nichts im Vergleich zu der Freude, die sie hatte, alö Michel selber noch Hause kam. Am Sonntage darauf, als die KircKzeik vorüber war» ließ sie alle Armen des Dorfes zu sich komme» unv bewirthete sic; Einige bekamen Zeug uno die Andere» Betten; sic tbeilte mit beiden Händen Geld aus, die gute Frau, und Michel war mit Allem, was sie tbat, zufrieden.« Marqnard hörte mit Interesse der Erzählung des Bauern zu; tlese Lobrede auf seine Tochter rührte lbu Ncs. »Hast Du nie von de» Eltern der jungen Frau sprechen hören?« fragte er. „E>, ja wohl," enkgegncte der Bauer, „es wurde viel von ihnen gesprochen, damals als sie sich der Heirath ihrer Tochter widerfkßten. Nun, die waren so arm, daß sie ihre Tochter kaum ernähren konnten. Der Vater verstieß sie, er wollte nichts mehr von ihr wissen und hat sie auch «>e wieder ge- sehen.» „Der Vater!" wiederholte Marquard traurig, „warum nennst Du gerade ihn? Du meinst die Eikern." Der Bauer sah ihn an und lächelte. „Ich meine kr» Vater." wiederholte er. „ES geht auf und nieder in der Welt, aber daS Herz einer Müller trennt sich Nicht von der Tochter. Die Mutter schwieg zu dem, waö sich nicht ändern ließ, aber im Verborgenen hielt sic eö doch mit idrem lieben Kinde. Mein-Halbbruder ging mit Briefen von Einer zur Andern, und wenn Niemand es sah, schlich die Mutter nach Holmbos hinüber, um ihrer Tochter einen guten Tag zu wünschen und sich an ihrem Glücke zu sreueu; aber das bekam der Mann nickt zu wlssen." Marqnare's Züge verrirthen die größte Ueberraschung. „Du irrst," sagte er ruhig, „das hat Frau Trane nie getha«. M.,n hat Dir eine Unwahrheit erzählt." „Man hat Vieles erzählt," sagte der Bauer, „o ja, aber ick irr« wich dock nickt. Mit meinen eigenen Äugen habe ich Mutier und Tockker Arm in Arm durch die Alleen im Garten zu Holmnof geben sehen. Wohl zehn Mal nahmen sie von einander Abschied und weinten Beide, und als die alle Frau fortgehen wollke, sank die junge Frau vor ihr nieder und bat und stehete sie an, dock noch einen Augenblick zu weilen; und Mickel siand dabei und trocknete seine Augen und ergriff die Han» seiner Frau unv küßte sie. Dann breitete die Mutter ihre Hände über sie aus, und Beide siele» vor ihr nieder, während sic leise sprach. Alleö daS sah ich eines Abends, als Niemand knick in der Nähe glaubte, und dasselbe sah ich emeö Morgens. Ihr könnt nun glauben, was Ihr wollt." „Wann war das?" fragte Marquard. „Das erste Mal war es im Sommer, damals, als der Krieg ausbrach." Marquard erinnerte sich sehr wohl, daß er zu derselben Zeit iu HorsrnS gewesen war, um seinen Becher zu verkaufen. „Und daS letzte Mal?" fragte er furchtsam und kaum hörbar. „Das letzte Mat war gestern. Ich wollte nack Bierlev zu dem Sckmird, uw eine neu« Achse für meinen Wagen zu bestelle», da kam die gnädige Frau helüber nach Holmhos, um ihre Tockter zu sehen. Marquard antwortete nicht; er hatte so handgreifliche Beweise erhalten, daß sie nult« den geringsten Zweifel auf« kommen ließe«. Während er schwieg betrachtete der Bauer ihn unverwandt, ohne baß er den Schmerz begreifen konnte, de« seine Erzählung verursacht hatte. Der arme Man« war von Allen betrogen worden, selbst von ihr, an der er nie gezweifelt hakte; von setzt an war ihm jede Stütze genommen. Mit seinem unv der Seinigen Unglück vereinigte sich außerdem der demütkigenbe Gedanke, daß die Verhältnisse seiner Familie Allen bekannt wareu. Der Bauer war in diesem Augenblick nickt-allein sein Vertrauter, sondern auch sein Richler. Deshalb -erschien ihm auch diese letzte Niederlage alö die größte von allen, die er bisher erlitten haue. «Was grübelt Ihr denn?" fragte endlich der Bauer, „zweifelt Ihr an dem, waö ich sagte?" „Net», mein Freund," entgegnele Marquard mit der Ruhr und Würbe, die er auch in seinen Leiden zu bewahren wußte, „ich zweifle nicht. WaS Du sagtest, ist der Wahrheit gemäß; nur in einem Punkt hast Du geirrt. Der Edelmann, von dem Du sprichst, war nicht in Unwissenheit über den Besuch seiner Frau bei ihrer Tochter. Er wußte es und erlaubte eö; sonst würde eine solche Handlungsweise mit der Ehre Beider unverträglich gewesen sein." „Ja, das mag gern sein," antwortete der Bauer, „woher wißt Jor übrigens so genau Bescheid, lieber Herr?" „Weil ich der Vater bin, von dem Du so eben sprachst?" „Ihr?" „Ich bin Marquard Trane," fuhr er traurig fort, „Du kannst Deinen Kinder» erzählen, daß einer der besten Ecelleutr des Landes auf Deinem Wagen gefahren ist. Erlaube jetzt, baß ich adsteige. Mein Weg führt über diesen Fußsteig. Nimm dies zum Lob» für Deine Gefälligkeit." Der Wagen hielt, Marquard stieg ab und verließ den Hauplweg. Der Bauer starrte ihm überrascht nach, bis dir Gestalt dcö Alten hinter den Büsche», die den Weg einhegten, verschwunden war. (Schluß folgt.) ■ ' > . . ■ !■■ ■ ". . - ■! .. .. I .». ■ i ! ' Miszelle«. Mannheim. Die Taschendiebe scheinen das Sprichwort: „Zeit ist Geld" in „Zeilanzeiger sind Geld" übersetzt zu haben, denn seit mehrere» Monaien kommen die Annerionsgelüste auf Uhren immer mehr an die Tagesordnung. Im letzten Winter wuroen am srühen Abend bei einem hiesigen Golkarbeiter aus freche Weise durch Zertrümmerung beö Schauscnsters ein pä«^' Uhren geholt und heule geschah eö am späten Morgen, tck dei Uhrmacher W. durch einen flinken Gauner einige Taschenuhren aus dem bereis offenen Laden wikgehcn geheißen n den. Der herbeigeciltc Etgenthümer, eben|o die rasch requrnrt» Polizei, hatte» das Nachsehen. Franksurl, 13. Apr. Die hiesige Polizei hat, wir die „Postzeitung" meldet, gestern Nachmittag einen so erheblichen wie iuiereffanlcn Fang gemacht: sie hat in krm am Schiller» platze gelegenen Cafe neuf einen Hochstapler erkannt unv ergriffen, dessen Diedshondwerk und Schivindlertbätigkeit noch in der letzten Märznummer von Hackländer's „Ueder Land upd Meer" ihren Schilderer gefunden hat. Georg Keller, Kunst» gärlner auü Kempten, hat als Baron Julius v. TöniS auf großem Fuße geiedk, in der feinen Welt verkehrt nnd gesckw n» delt, ist in Augsburg in conlumaoiam zu achtjähriger Zucht, hauestrafe vernrtheilt worden, ist vor kurzem aus dem Zellen, grsäiigniß zu Berlin rutsprunzen, ist gestern in Fronksurt a.-'» gekvmmen und in einem der an der Zeil gelegenkii Gosthö^r abgkstiegrn. Noch in den jüngsten Tagen soll er in Lunrv.llt über 40,000 Fr. erbeutet und davon etwa die Hälfte an br, nachbarlen Spielbanken zurückgelaffen haben. Uebrr 20,000 Fr. in Gold sanv die Polizei noch in der bei ihm in polizeilichen Beschlag genommenen Kassette. Lrucht - Mittelpreile. Heidelberg, 12. April. (Pr. Zntur.j Hafer 3 ff. 58 ft, Jtorafi wf 15 ff., Spelzstroh 15 8., Heu 1 ff. 24 Ir. Ärtigirt, Druck und sie,lag t>»u D. B kisterer ia Heidelberg.