tr Uniidbotr. Verkündungsblatt der Großherzogl. Bezirksämter und Amtsgerichte Sinsheim und Neckarbischofsheim. Jls 85. Samstag, den 16. Juli 1864 [599] Untergimpern. Ankündigung. In Folg? richterlicher Verfügung werten ten ____ Joseph Lutz Eheleuten in Untergiwpcrn die iiachverzeichncten Liegen- schuften Dienstag den 16. August d. I. Morgens 9 Ubr in dem Ralhhause zu Untergiwpcrn öffent» llch versteigert, wobei der envgilkige Zuschlag erfolgt, wenn ter Schätzungspreis oder wehr geboten wird. Beschreibung der Liegenschaften: Ein halbes Wohnhaus summt Scheuer, Stall u. Keller, Schwein- ställen und Anbau an der OrkS- straße, neben Elias Frank, Simon Schwarzenberger und ter Straße, nebst 5 Morgen, 12 Ruthen Äcker, Wiesen und Gartenland ui 22 Parzellen, zusammen tarirk zu 2034 fl. Zweitausend dreißig vier Gulden. Rappenau, den 1. Juli 1864. Der Lollstreckungebeamte. Bleyler, Notar. [601] Neckardisck o fs h ei m. Liegenschaftsversteigerung. Nr. 854. Die unter Nr. 40 des AmlSvcrkiuitigungsblatt ausgeschriebene Liegc»- fchasköversteigcrung aus dem Nachlaß deS dahier verstorbenen Amögerichlsdieners Christof Albrechr hat theilweise ihre Genehmigung nicht erhalten, und haben wir Tagfahrt auf Montag ten 1. August d. Js. ÄbenkS '/ 2 8 Ubr zu einer, nochmaligen Versteigerung anbe« raume Versteigerung kommenden Liegen« ... betragen 22 Parzellen Aecker, piksen und Garten. ! cckarbischoföbeim, 8. Juli 1864. .> Das Waiscngericht. R e u w i r t h. Wagner. Nogelkäfige in großer Auswahl billigst bei [542] Ernst Lar. Stutzmann. [600] Untergimpern. Ankündigung. In Folge richterlicher Verfügung werten dem Joseph Mühldurger von Uiiieigimper» die nachvcrzeichurteu Liegen- schaslen Dienstag den 16. August 0. I. Vormittags 11 Uhr in dem Rarhhaufe zu Untergimpern öffent. lich versteigert, wobei der entgiltige Zuschlag erfolgt, wenn der Schätzungspreis oder mehr geboten wird. Beschreibung der Liegenschaften: 1. Tat Ein einstöckiges Wohnhaus an ter Steige nach Wagendach, neben Josef und Jakob Lutz 340 fl. 2 t 1 Viertel 12 Ruth. Lielenacker, likv.n Ftletrich Weiß Erben und Martin Lutz 26 fl. 3. 1 Viertel Äcker am Atlersbcrg, neben Karl Mundi und Rosina Schnorr 23 fl. zusammen 389 fl. Rappenau, den 5. Juli 1864. Der Vollstreckiiiigöbeamte. Bleyler, Notar. [602] Untergimpern. Liegenschaftsversteigerung. Die zur Verlaffknschaftöinasse der verlebten Kourad Leuhard 8888 » Wittwe dahier gehörigen Lie- genfchailc» im Änschlag von 179 fl. werden mit obcrvormundschafllicher Ermächtigung Mittwoch den 3. August l. I. Nochiniltagö 1 Uhr auf hiesigem Ralhhause öffeiiklich versteigert und endgilrig zugefchlagen, wenn der Schätzungspreis ober darüber geböte» wird. Untergimpern, den 13. August 1864. Das Waiscngericht. Bgstr. Reichensperger. vdt. Auerbach. t*l# Bk töä «ü 1 iMi .k. Aechl steierische Sensen empflehlt [540] Ernst Lar. Stnymanu. [597] Im Ralhhause zu Sinsheim sind Tüncher- und Tapczierarbeiten im Anschlag von 140 fl. erforderlich, welche am Montag den 18. Juli Vormittags 11 Uhr im Wege öffentlicher Versteigerung vergeben werden. Sinsheim, den 13. Juli 1864. Bürgermeisteramt. Heiß. Laut. [596] Neidcnstein. Fahrnißversteigerung. Im Wege gerichtlichen Zugriffs werden zu Neidenstein in dem Rathhause daselbst untenverzeichneten Gegenstände Donnerstag den 21. Juli V. I. Nachmittags 1 Uhr gegen gleich baare Zahlung eine» öffentlichen Versteigerung auögesetzt, wozu die Steig» liebhaber emiadet. Bezeichnung der Gegenstände: 1) eine rvthschrckigte Kuh mit Kalb, 2) eine schwarzbraune Kuh, 3) ein Fuhrwagen, 4) drei Läuferschweine, 5) ein Cvmod mit Pult, 6) ei» dto. ohne Pult, 7) ein 2thüriger Kleiderschrank. 8) ein vollständiges Bett sammt Bettstelle. Sinsheim, ten 12. Juli 1864. Der Gerichtsvollzieher I - k e l. [598] Hilsbach. Ankündigung. In Folge richterlicher Verfügung wer» den am Dienstag den 9. August d. I. Vormittags 10 Uhr auf dem Rathhause in Hilsbach nächste» heute Psandobjekte gegen Baarzahlung öffentlich versteigert: 1 doppelter Klciderschrank, tar. 30 fl. 1 Komov, karirt 12 fl. 1 Wanduhr, rarirt 4 fl. IVa Ohm Branntwein, tarirt 80 fl. Verschiedene Spezereiwaarrn 80 fl . 206 fl. Sinsheim, am 13. Juli 1884. Gerichtsvollzieher F e r d c r I c. — 338 — Neuer Beweis für die Vortrefflichkeit des R. F. Daubitz'schen Kräuter-Liqueurs, ächt zu haben bei dem Erfinder desselben, und in den aukorisirken Niederlagen bei Ernst Lac. Stutzmaim in Sinöbeim und £erb. Niebrrgall in Rappenau. [603] Nach dem Gebrauch mehrerer Flaschen Ihres von Ihne» erfundenen Kräuter-Liqueurs fühle ich die wohlthuenden und lindernden Wirkungen an meinem Körper; die Brustschmerzen, das Ausstößen und, Erbrechen alles Genossenen gab sich sofort, waö die von mir konsultirten Aerzte nicht bezwecken konnten; Ich trinke seit «ioem halben Jahre bloS noch Morgens einen Löffel Liqueur, befinde mich sehr wohl dabei, weshalb ich Sie bitte, Ueberbringer dieses wieder ein Fläschchen für mich mitzugeben. Waldstedt, den 24. Decbr. 1863. Friedrich Jacob Helbing. Daß die in vorstehendem Attest des rc. Hel ding milgelheillen Wirkungen wahrheitsgemäß sind, bescheiniget Waldstedt, den 27. Decbr. 1863. Bartholomäus, Orköschulze. Ruhrkohlen, kohlen treffen nun fortwährend in größeren Parthien wieder ein. Die Preise sind jetzt wesentlich billig, und da man allgemein einen Ausschlag befürchtet, so lade meine verehrlichen Kunden jetzt schon zu Aufträgen für den Win- terbedarf ergebenst ein und verkaufe ich noch zum alten Preise [693] L. £. iltrtrr in Waibstadt. Dnngerpräparate. [592] Mein Lager ft gestampftem Knochenmehl, gedämpftem Knochenmehl, Suverphosphat mir 16 ü 20 Proz. saurem phosphorsaurem Kalk, Weinberg«, Tabak-, Klee- und Wiesendünger unter Garantie bringen den Herren Oeconomen in empfehlende Erinnerung X f. Marc. Wohrnmgs-Vermiethung. [589s Bei mir sind 4 Zimmer mit Küche, Stallung und Speicher sogleich zu vermicthen. Adam Pfau ___ in Sinsheim. Fachschilder zu Gemein- deregistraturen find vorräthig in der Bnchdruckerei von D. Pfisterer in Heidelberg. 3nr Geschichte des Tages. Karlsruhe, 13. Juli. Seine Königliche Hoheit der Großhcrzog haben gnädigst geruht, den Geheimen Regierungö- ratb Föhrenbach bei der Regierung des OberrheinkrciseS wegen vorgerückten Lebensalters, seinem unterthänigsten Ansuchen gemäß und unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienstleistungen, in den Ruhestand zu versetzen. Karlsruhe, 13. Juli. Das heute erschienene Regierungsblatt Nr. 27 enthält (außer Pcrsonalnachrichten): I. Verfügungen und Bekanntmachungen der Ministerien. 1) Bekanntmachungen des großh. Ministeriums des Innern, s) Uebersicht der Sludirenden auf den Universitäten Heidelberg und Freiburg, d) Die ordentliche Konskription für das Jahr 1865 betreffend, o) Die Genehmigung von Skiskungen velr. 2) Bekanntmachungen deS großh. Handelsministcriumö: Die Ertheilung von Erfindungspatenten velr.: i>) an den Cigarrcn- fabrikanten Lazarus Morgenthau in Mannheim für das von ihm erfundene Verfahren, Cigarren mit Benützung von Fich- kennadel-Apparaten hcrzustellen; b) an den Fabrikaiuen Albert Ungerer in Pforzheim für die von ihm rrsundcueii Verbesserungen an Fillrations- und Abdampsapparatcn zur Bereitung von Chemikalien. Die Parenterkhcilung an den Glascrmeister Damian Kuhn in Freiburg belr. Demselben wird auf sein Ansuchen das ihm zufolge Bekanntmachung großh. Ministeriums des Innern vom 5. Mal 1859 aus die Dauer von ü Jahren erthcilte Patent für seine verbesserte Konstruktion der von ihm erfundenen, bereits patentirtei, Fensterrahmen aus die Dauer von 3 Jahren verlängert. 3) Bekanntmachung des großh. Finanzministeriums: die Verbrennung eingelöSler SlaakS-Schuldpapiere betr. II. Todesfälle. Gestorben sind: Am 6. v. M. Zeichnungö- lehrer Geßler an der Universität und dem Lyceum in Freiburg. Am 13. v. M. der evangelische Pfarrcd A. Loren; in Daisbach. Am 24. v. M. Rechtsanwalt K. Benz in Waldkirch. Mannheim. Von fremden Maurergesellen wurde eine Art Strikc beabsichtigt, den Lohn auf fl. 1. 45 kr. hinauf zu bringen, doch soll die weitaus größte Mehrzahl der hier arbeitenden Gesellen solchem fern stehe». Pforzheim, 11. Juli. Gestern Vormittag wurde in der Nähe hiesiger Stadl ein kleiner Pinscher-Hund eingefangen, welcher von der Wuthkrankhcit im höchsten Grad befallen ist. Darmstadt, 12. Juli. Die zweite Kammer beschäftigte sich heute mit der Beralhung über die bekannte Beschwerde der Stadt Mainz, die Niederlassung der Jesuiten betr., und nahm nach neunstündiger Debatte den gegen die Niederlassung gerichteten Antrag des Ausschusses mit allen gegen sechs Stimmen an. Frankfurt, 14. Juli. Bundestags-Sitzung. Oesterreich und Preußen stellen den Antrag, an den Erbprinzen von Augustenburg die Aufforderung zur Begründung seiner Erbansprüche zu richten. Abstimmung in der nächsten Bundestags- Sitzung. Frankfurt, 14. Juli. Aus Wien wird der "Frankf. Post-Ztg." celegraphirl: Ueber Paris ist hier die Meldung ein- gelroffen, daß vorgestern aus Kopenhagen ein Kurier mit Fric- LenSvorschlägen nach Wie» und Karlsbad abgegangcn ist. Wien, 12. Juli. Der König von Preußen kommt nach Wien; die offizielle Anzeige ist jetzt da. Er wird hiernach am Samökag den 16. Juli hier eintreffen und am Montag den 18. Juli einer großen Revue beiwohnen. Seinen Aufenthalt nimmt er im Schlosse zu Schönbrunn, wo zur Zeit auch der Kaiser und die Kaiserin residicen. Karlsbad, 12. Juli. Man schreibt der »Allg. Ztg.--: Der Besuch des Prinzen Johann von Holstein-Glücköburg, Bruder des jetzigen Königs von Dänemark, bei dem König von Preußen ist bisher nicht erfolgt und wird auch schwerlich erfolgen. Das Ganze gehört zu jenen vielen gänzlich unbegründeten ZeitungSgerüchten, wie solche in jetziger Zeit in nur zu zahlreicher Menge umherlaufcn. Stettin, 13. J"Ii. Die Kommandantur theilt der Kaufmannschaft mit, daß am Dienstag Abend ein dänisches Parlamentärschiff eine Depesche nach Swuiemünde gebracht hätte, Dänemark hätte bei den Alliirrcn um Waffenruhe nach- gesucht. Hamburg, 13. Juli. Zwei österreichische und xwv. preußische Kanonenboote sind gestern früh nach Llsterrhede auf Sylts Nordspitze gelandet, die dänische» Kanonenboote zogen sich südwärts auf die Watten zurück. Altona, 12. Juli. Wie die "Schlcsw.-Holst. Ztg.« vermmmt, hat die holsteinische Regierung mit Genehmigung der Bundeskommissäre 200,000 Thlr. zur Unterstützung der Astener bewilligt. Hadrrsleben, 12. Juli. Die »Norvsleswigske Ti- dende" meldet: In Folge Kvmmandanturbefehls müssen bis Donnerstag Mittag alle Schilber mit dänischer Aufschrift ent- — 339 fernt fein, und mit Ausnahme der »Rordslesw. Tid.» sind alle dänischen Blätter verboten worden. Letzteres gilt wahr« scheinlich für ganz Schleswig. Gravenstein, 6. Juli. Bekanntlich hatten die Dänen am 18. April die drei Brücken, welche die Insel Alse» mtt dem Festlands verbanden, durch Aubohren des schwimmenden Unterbaues versenkt und so die Comunicativn in einer Weise zerstört, daß viele Tage, ja Wochen kaum auSreicheti möchten, dieselbe nur nothdürstig wieder herzustellen. AuS diesem Grunde, schreibt man der "Köln. Ztg.«, wurde die Poutvnnier-Com- pagnie des brandenburgischen Pionier-Bataillons noch am Abend des 29. Juni, bald nach Beendigung deS Uebersetzenö, nach Sonderburg herangezogen, um daselbst, als a» der schmälsten Stelle des Sundeö, eine Brücke herzustellen. Der Weg zu Wasser wurde bei dem Transporte des Brückenmaterials, als der bequemere und kürzere, dem schmalen, sich vielfach krümmenden Landwege über Rackebüll vorgezogen. Das zu den Laudbrücken gehörige Material wurde aus die Pontons verladen; ebenso nahmen auf diesen sämmtliche Mannschaften der Compagnie ihren Platz. An der Spitze dieser 16 Paar gekoppelter Pontons fuhr ein Recognoscirungöboot, welches das Fahrwasser zu suchen und eventuelle Hindernisse zu beseitige», resp. zu berichten halte. Wie nöthig diese Maßregel gewesen, hat die Folge bewiesen und ist eö nun auch.klar, weshalb während dieses Feldzuges niemals ein dänisches Schiff den Alseiier Sund passt« har. Etwa eine halbe Meile oberhalb Sonderburg war nämlich der Sund durch Brander, die im Hauptfahrwasser versenkt waren, gesperrt. Die Pioniere, auf die Gefahr aufmerksam gemacht, wichen mit ihren Pontons diesem Hinderniß glücklich auö; nur die zwei letzten gekoppelten Pontons, an welche noch ein Boot angehangen war und die, etwas zurückgeblieben, nicht mehr zur rechten Zeit auf daS gefährliche Hinderniß aufmerksam gemacht werden konnten, stießen bei der schon herrschenden Dunkelheit auf einen Brander, dessen Erplvsio» jedoch nur die vollständige Zertrümmerung des angehangeiien Bootes herbeiführie. Bon Veit Mannschaften ist Niemand beschädigt, obgleich ihre Kletdungs« stücke durch die herumfliegenben Holzsplitter vielfach zerfetzt worden stnd. Kopenhagen, 10. Juli. Auf der Zitadelle zu Frederlkö- haven stnd gestern 4 Oesterreicher und 8 Preußen als Kriegsgefangene eingetroffen. Neu-Aork, 27. Juni, Nachm. Heute Morgen um 8 Uhr gerteth ein mit Auswanderern gefüllter Zug auf der Beleil-Brücke bei St. Hilaire in Ostkanada von den Schienen und stürzte herab. 34 Todte und 350 Verwundete waren schon aus den Trümmern bervorgezogen worden; einen Wagen hatte man noch nicht untersucht. Des Waldbituers Sohn. Erzählung von Fr. Friedrich. (Fortsetzung.) Einige Wochen waren seitdem verflossen. — In einem kleinen Zimmer der Waldschenke saßen mehrere Männer. Sie hatten stch absichtlich nicht in das gewöhnliche Gastzimmer gesetzt, sondern vom Wirth diese kleinere Stube sich Heizen lasse», weil nicht jeder zu wissen brauchte, daß sie in diesem Hause verkehrten und was sie dort trieben. Eö war der junge und reiche Waffermüller Zeidler, ein stattlicher Mann, der indeß in dem Ruse stank, ein ausschweifendes Leben zu führen; der gleichfalls reiche Ziegelbrenner Kleemann, ein Mann von ungefähr vierzig Jahren, fast bis zum Entsetzen häßlich, und der junge Ackerbauer Krüger. Diese Männer, denen sich auch Conrad angeschlossen hatte, kamen hier öfter zusammen, um hier zu spielen und dabei tüchtig zu zechen Und wild ging es manchmal unter ihnen her, denn das Geld brauchten sie alle vier nicht zu scheuen. Die drei Erstgenannten saßen schon eine Zeitlang in dem kleinen Zimmer, Conrad erwartend. „Was ist eö nur mit dem fremden Mädchen, welches seit einigen Wochen auf dem Waldhofe ist?" wandte sich der Waffermüller an den Wirth, einen etwas verwachsenen, kaum mittelgroßen Mann, aus dessen Äugen List und Verschlagenheit blickten. „Fragt mich nicht nach Dingen, von denen ich nicht mehr weiß, als Ihr," antwortete dieser. „Gesehen habe ich daS Mädchen noch nicht und der Waldbauer hat mir nichts darüber erzählt. Es soll auf eine eigenthümliche Weise aus den Hof gekommen sein." » „Hübsch soll das Mädchen sein," fuhr der Wassermüller fort. „War' das nicht, so würoe ich mich nicht darum bekümmern." „Haha!" fiel der Ziegelbrenner roh lachend ein. „Das glaube tch Euch aufs Wort. Ihr habt es . noch nie mit häßlichen Frauenzimmern gehalten, und ich meine, Ihr habt schon mit manchem Mädchen in Eurem Leben Bekanntschaft gemacht." „Die Mädchen machen es auch nicht anders," entgeguete der Müller laut lachend, „sonst würdet Ihr Euch vor Liebes« bändeln nicht retten können!" Der Ziegelbrenner wußte recht wohl, daß er.nicht hübsch war, und nahm deshalb diesen derben Scherz, ohne empfind, lich darüber zu sein, auf. — „Laßt gut sein," erwiederte er. „Mein Gesicht hat auch sein Gutes. Hübsch ist es freilich nicht! Haha! Eö schützt wich aber vor manchen Tborheiten!" „Dort kommt Conrad," bemerkte der Wirth zu dem Wassermüller. „Fragt ihn doch selbst um das Mädchen. Er wird eö Euch sagen können." „Wenn er will", entgegnete der Angeredete. Gleich darauf trat Conrad in das Zimmer, und der Müller fragte ihn sogleich nach Margarethe. — „Eine Bettlerin i|l sie," entgegnete Conrad. „Die Noth hat sie zu uns getrieben." — „Und ein solches Mädchen behaltet Ihr?" — „Was geht'es mich an", bemerkte Conrad gleichgiltig. „Meine Mutter hat einen Narren an dem Mädchen gefunden." — „Nun, sie soll hübsch sein!« — Conrad zuckte mit den Achseln. --Ich weiß eö nicht!« »Haha! brach der Wassermüller laut lachend hervor. "Das glaub Dir, wer Lust hat — ich nicht. Du solltest wochenlang mit einem Mädchen unter einem Dache leben können und nicht wissen, ob sie hübsch ist! Haha! Ich müßte Dich nicht kennen!" — „Glaub' was Du Lust hast," erwiderte Conrad kurz. — „Nun ich will mich selbst überzeugen" fuhr der Müller fort. „Ich habe ohnehin mit Deinem Vater eines Kornkaufs wegen zu reden. Morgen früh komme ich auf de» Walcbof, um mir die fremde Prinzessin anzuschauen." Conrad antwortete nur mit einem verächtlichen Lächeln. Das Spiel begann und währte bis tief in die Nacht hinein. Als sie sich trennten, wiederholte der Wassermüller noch einmal zu Conrad: „Morgen früh komme ich," und wirklich fand er sich ziemlich zeitig auf dem Waldhofe ein. Er hatte dem Waldbauer schon häufig Korn abgekauft, und dieser nahm ihn deshalb freundlich auf, obschon er nicht viel von ihm hielt. Beide Männer saßen in der Stube, und Zeidler wartete mit Ungeduld auf Margarethens Eintreten. Er mochte den Bauer nicht darnach fragen, ehe er sie gesehen — vielleicht lohnte eö sich nicht einmal der Mühe. Endlich trat Margarethe ein. Sie wußte nicht, daß ein Fremder im Zimmer war, und eine leichte Röthe deckte ihre Wangen. Der Müller richtete den Blick auf sie — und konnte thu nicht wieder abwenden, so sehr fesselte sie ihn. Eö würde in der That kaum Jemand, der Margarethe an dem Morgen, wo sie bleich, abgezehrt und elend ins HauS gebracht wurde, gesehen hatte, sie heute wieder erkennen. Ihre ganze Gestalt schien sich neu belebt und erfrischt zu haben. Der krankhafte Zug des Elendes war aus ihrem Gesichte ge» schwunden, und waren ihre Wangen auch noch immer bleich, so schimmerte doch schon rin zartes Roth hindurch. Ihre großen dunkeln Augen, die rS schon an jenem Morgen der Bäuerin angethan, hatte einen erhöhten Glanz bekommen, der in- deß nichts Versengendes, sondern etwas belebend Erwärmendes harte. Sie hatte ihren Vorsatz, den Wald zu verlassen, längst aufgebcn müssen; denn die Bäuerin mar mit Bitten in sic gedrungen, und hielt sie nun wie ihr eigenes Kind, das sie mit jedem Tage lieber gewann. Und Margarethe verdiente auch diese Zuneigung durch ihr stilles, anspruchsloses Wesen, durch dir ganz« Art und Weise, wie sie sich stets nützlich zu mache» wußte. Ueber ihre frühere,, Verhältnisse wußten dir Bewohner des Waldhofeö freilich noch wenig mehr als am ersten Tage. Sie hatte ihre Heimakh verlassen, um der harten Behandlung einer Stiefmutter zu entgehen — das war alles, was sic erzählt hatte. Sie schwieg darüber. — Ihr Verhältniß zu Conrad hatte sich nicht anders gestaltet, als cö am ersten Tage gewesen war. Conrad würdigte sie keiueö Blickes und harte noch kein Wort mit ihr gesprochen. Sie vermied es, mit ihm zusammen zu treffen. Die Bäuerin schüttelte über dies Verhältniß oft den Kopf, glaubte aber die ganze Erklärung in Conrads finsterm, verschlossenem Wesen zu finden. — Der Müller wandte den Blick nicht von ihr, bis sie das Zimmer wieder verlassen hatte. — Unruhig erhob er sich und schritt durch daS Zimmer. »Sagt mir, was ist'S eigentlich mit dem Mädchen?" fragte er endlich den Waldbauer. „Wer ist cS und wie ist rö zu Euch gekommen?" Der Waldbauer sprach nicht gern darüber, dennoch konnte er eine Antwort auf so bestimmte Frage nicht umgehen. „In Armuth ist sie zu mir gekommen," cntgegncte er, „und im Gebirge ist sie daheim — das ist alles, waS ich darüber weiß." „Das ist freilich wenig," entgegnete der Müller lächelnd. „Und darauf hin wollt Ihr sie behalten?" „Kann wohl sein," erwiderte Steffen kurz, da er nicht L»ß hatte, dieö Gespräch svrtzusetzen. „Sie ist ein hübsches Mädchen," fuhr Zeidler fort. „Es liegt etwas in ihrem Gesichte, was ich noch wenig gesehen habe." „Aus ihr Gesicht gebe ,ch nichts," sprach der Waldbauer. „Aber ihr Herz ist gut, so weit ich es kenne, und in Wochen lernt man schon einen Menschen beurtheilen, wenn man ihn täglich um sich hat. (Fortsetzung folgt.) u i i i. na .... . * . - "" - Miszellen. Pforzheim, 11. Juli. Für das Anfangs August dahier abzuhaltende Kreissckießen sind, wie wir hören, die umfassenden Vorarbeiten bereits erledigt. Nach dem Schießplane kommen Gaben im Wcrthe von über 6000 st. zur Vertheilung, unter denen die von hiesigen Fabrikanten, Kaufleuten, vom Landesschützenverein, von den Wirihen und verschiedenen Gesellschaften gespendeten Ehrengaben mitbegriffen sind. Zwei Drittheile der eingehenden Ehrengaben werden der Feldfest- scheibe zugethcilt, aus welcher jedes Mitglied des deutschen Schützenbundrs oder des badischen Landes.Schützcnvereinö gewinnet kann; ein Drittheil fällt auf die Standfestscheibe, und kanit^ sich jeder Schütze ohne Ausnahme aus derselben um Preise beweiben. Wie wir hören, haben bereits zahlreich- auswärtige Schützen ihr Erscheinen zugesagt und wird Alles aufgeboten, uw denselben ihren hiesige« Aufenthalt so angenehm als möglich zu machen. Für Diejenigen, welche es wünschen, werden freie Quartiere zur Verfügung gestellt werden. Kolbing, 4. Juli. Dänemark hat einschließlich der neuen Niederlage auf Älsen in fünf Monaten über 5000 Tobte und Verwundete verloren; über 8000 Dänen sind kriegöge- fangen. Rechnen wir nach der Angabe dänischer Offiziere die durch Krankheit und Ueberanstrengung thcils inaktiv gewordenen und durchschnittlich in den Hospitälern liegenden dänischen Soldaten zu 2- bis 3000 Mann, ziehen wir dann noch die schleswig'schcn Bataillone ab, die jede Stunde zum Uebertritt bereit sind, wenn sie nur Gelegenheit finden, so ist die dänische Armee dermalen außer Stande, mehr als 20,000 Mann Infanterie in'S Feld zu stellen, und diese sind — ent, muihigt bis zum Uederdruß. Der enorme Verlust aber von bis jetzt 560 Geschützen, welche die Dänen verloren haben, macht sich bereits bei ihnen eben so fühlbar, wie der noch empfindlichere Verlust an tüchtig geschütten Artilleristen. Ja, an Letzteren herrscht der ihnen geradezu Mangel, indem die bis zum Aeußersten vermehrte und ausgerüstete Flotte vieler Artilleristen bedarf, außerdem aber vorzugsweise eine zahlreiche Mannschaft dieser Waffe außer Gefecht gesetzt wurde. London, 11. Juli. Eines ver schauderhaftesten und zugleich frechsten Verbrechen ist am Samstag Abend ln einem Coupe der North-Londvn-Bahn verübt worben, in einem Eisen- bahnzug, der von fünf zu fünf Minuten an den zahlreichen Stationen dieser an der Ost- und Nordseite der Stadt entlang lausenden Linien anzuhallen hat. Daö Opfer der Schandtbar war ein allgemein geachteter Mann, Hr. Thomas Briggs, des Bureauvorsteher eines bedeutenden Bankhauses, welcher fast täglich auf der genannten Bahn von der C'ty nach Hause fuhr, und den Beamten wohlbekannt war. Das Verbrechen wurde entdeckt gegen 10 Uhr Abends, als ein Reisender, der eben bei der Hackiiey.Slation einsteigen wollte, den Schließer auf den Zustand eines Coupe'ö 1. Klaffe aulmerkfam machte, dessen Wände, Boden, Sitze mit Blut bedeckt waren; und einige Damen in dem anstoßenden Coupe thkilten dem Schließer Hilf, daß kurz vorher, als der Zug von der Srativ» Bow kam, durch'ö Fenster einige Blurölropfcn auf ihren Anzug gespritzt irirn. Man glaubte Anfangs, rö habe Jemand sich aus dem Wagen aut die Bahnlinie gestürzt, um sich umö Leben zu bringen, und nachfuchcnd fand man auf der Strecke zwischen Bow und Hackney einen blutige», anscheinend tobten Körper zwischen den beiden Schienenwegen liegen. An Selbstmord war jedoch nicht zu denken, der Schädel war an mehreren Stellen gebrochen und an anderen hatte er tiefe Wun- .dkii, so daß die hlnzugezogcncn Äerzte in Erstaunen geriethen, als sie noch Lebenesymprome an dem Unglücklichen entdeckten. Nach- zwei Stunde» aber verschied derselbe, ohne zum Be->ußt- sein gekommen zu sein. Aus einige» Briefen, welche äch in der Rocktasche vorfanbrn, ließ sich Name und Wohnort fest, stellen. Obwohl sich auch Geld den Taschen vorfand, so lsl es koch nur zu klar, daß ein schrecklicher Raubmord statl- . gesunden hat, denn Uhr und t» Gold eingefaßtes ÄugenglaS fehlten; von der goldenen Uhrkeite fanden sich noch einige ab, gerissene Glieder vor. Die Mordthat scheint mir einem harten, wenn auch kurzen Kampfe verbunden gewesen zu sein; dreö beweist der Zustand de« Leichnams, sowie des Coupc's. In leytcrm fand sich auch der Hut des Mörders, welcher den deS Ermordeten mitgenommen haben muß. Der Mörder scheint die Absicht gehabt zu haben, sein Opfer aus dem Wagen in den die Eisenbahn berührenden Kanal zu werfen, denn der Körper wurde an dieser Stelle entdeckt. Redlzirt, Druck »ud Verlag »su iv. P fiKeree i» Heidelberg,