Uidbote. Verkündungsblatt der Großherzogl. Bezirksämter Sinsheim und Eppingen und der Großherzogl. Amtsgerichte Sinsheim, Iteckarbischofsheim und Eppingen. Jtä 130* Samstag, den 29. Oktober 1864. £3- Bestellungen auf den Landboten, welche bei den Größt». Postanstalten und Postboten gemacht werden wollen, werben auch im Laufe des Quartals noch angenommen. I969j Nr. 5558. Die.öffentlichen Sitzungen des hiesigen Schöffengerichts für den Monat Oktober findet am Samstag, 5. November, Vormittags, dahier stakt. Ncckarbischofsheim, 22. Oktober 1864. Großherzogliches Amtsgericht. Hornung. Sch ü tz. 1975] Die Onsschulrathswahl zu Berwangcn betr. Nr. 7556. Von Seiten des Gemeinde« rakhö und kleinen AuöschuffeS zu Bcrwan- gen wurde Johannes Geiger alö Mit» glied des OrtSfchulratbs erwählt. Eppingen, den 24. Oktober 1864. Großhcrzoglicheö Bezirksamt. Lang. Kepner. [973.] Die Ortöschulrakhowahl zu Eichelbcrg belr. 9fr. 7554. Von Seiten des Gemeinde- raths und kleinen Ausschusses von Eichcl- berg wurde Franz Andreas Boppel als Mitglied des Orksschulraths gewählt. Eppingen, den 24. Oktober 1864. Großhcrzoglich bad: Bezirksamt. L a n g. Kepner. 1974] Die OrtSschulralhSwahl zu Jtklingen betr. Nr. 7574. Der Gcmeinvcraih und kleine Ausschuß zu Jttlingen haben ce» Gemeinderath Georg Briksch als Mitglied des OrtsschulraihS eiwählk. Eppingen, den 24. Oktober 1864. Grvßherzvglich bak. Bezirksamt. Lang. Kepner. 1971] Ludwigssaline Rappenau. Salzsäcke-Anlieferung. Für die hiesige Saline sollen für'ö Jahr 1865 im Sudmissionswege angcschafft werden: 50,000 zwei Zentner Säcke, 45" lang, 20" breit, badisch Maß, 30,000 zwei Zentner Säcke, 47" lang, 20" breit, badisch Maß, 25,000 ein Zentner Säcke. 33" lang, 16" breit, badisch Maß. Die Bedingungen find dieselben wie im Jahr 1864, und können aus hiesigem Ver- waltungsburcau täglich eingeseheii oder ans srankirte Anfragen zugestellt erhalten werden. In den Angeboten, welche bis Donnerstag den 10. November d. I., Vormittags 10 Uhr, mit der Aufschrift „Salzsäcke-Lieferung" versiegelt ein- zurcichen sind, ist nicht nur der Preis der frei hieher zu liefernden Säcke für je 100 Stück anzugeben, sonder» auch die Qualität (von Flachs oder Hanfwcrg) und die Anzahl der zu übernehmenden Säcke. LudwigösalineRappenau, den 20. Oktober 1864. Großh. bad. Salincverwaltung. I. A. d. V.: _ R. S ch e n ck. __ 1970] Schwaigern bei Heilbron». Weinmostverkauf. Der Ertrag der Gräflichen Weinberge von guter Lage und sorgfältiger Bchond- lung wird in den herrschaftlichen Keltern öffentlich verkauft: z» Neippcrg: Dienstag len 1. Novbr., Vormittags 10 Uhr, ungefähr 2 Eimer Trollinger, 2 " Traminer, 11 " Rißling u. wcißcs Gewächs je. gesondert, 4 " Nachlese. Schwaiger»: Dienstag den 1. Nov., Nachmittags präcis 2 Uhr, ungefähr 1*4 Eimer Traminer, 3 Vs " Gutedei, 20 " Rißling, 5" gemischtes Gewächs und Nachlese. Die Treber werden zu gleicher Zeit verkauft. Schwaigern, den 25. Oktober 1864. Gräfl. von Neipperg'schcs Rentamt. H ö l d e r. Eichelberger Aktienverein. [972] Das diesjährige Erträqniß der Aktienweinberge, welches auf 7 Ohm geschätzt ist, wird am Montag den 31. d. M., Nachmittags 2 Uhr, in der Eichelberger Kelter versteigert. Die Abfassung des MosteS kann sofort erfolgen. Eppingen, den 26. Oktober 1864. Der ztl. Vorstand der Gesellschaft: L o t h e r. [923] SinSheim. Alle Sorten Winterschuhe u. Stiefeln, Schuhe mit Holzböden und Gummischuhe, sowie Filzsohlen zum Einlegen empfiehlt Chr. Änodig, Schuhmachermstr. Aromatische Gichtwatte 9 gegen rheumatische Leiden, empfiehlt ä Packet 18 kr. und 30 kr. ! 871] Apotheker VeKKk»'. Theerseife, Hautunrcinigkeitcn, empfiehlt«Stück 18kr. [869] Apotheker DeKKer. Apotheker Bergmanns Efspommade, rühmlichst bekannt, die Haare zu kräuseln, sowie deren Ausfallen und Ergrauen zu verhindern, empfiehlt » Flac. 18, 27 u. 36 kr. Aporh. VeKKer [868] in Neckarbifchofshtim. Gegen Zahnschmerz empfiehlt zum augenblicklichen Stillen ßcrg;mann*s 7,aImwoIIe, ä Hülse 9 fr. [870] Apotheker DeKKer. — 522 Herrn R. F. Daubttz IN Berlin, Charkottenstr. 19. 19761 Ew. Wohlgeboren erlaube ich mir hiermit, Ihnen für die guten Dienste, die der von Ihnen zubereitcte Kräutcr-Liqueur meiner Frau geleistet hat, ven verbindlichsten Dank zu sagen. Meine Frau litt seit langer Zeit an Husten und Mögende» schwerden und ist sie, nach Verbrauch von circa 10 Flaschen aus Ihrer hiesigen Niederlage, fast gänzlich von ihrem Urbel befreit. Ich wünsche, daß ähnlich Leidende sich vertrauensvoll dieses Liqueurs bedienen mögen. Mit Achtung Czar nikau, den 7. Juli 1864. Moritz Herz. Herrn R. F. Daubitz in Berlin. Hiermit wache ich Ihnen die ergebene Anzeige, daß ich 3 leere Kisten rc. ES ist mir sehr angenehm. Ihnen die erfreuliche Mittheilung wachen zu können, daß alle Diejenigen, die sich von den Wirkungen JhreS herrlichen LiqueurS überzeugt haben, sich sehr anerkennend über denselben ausgesprochen. Achtungsvoll Barleben, den 29. Juli 1864. I. H. Wernecke. Nur allein echt zu beziehen durch die autorisirten Niederlagen bei Ernst.Jae. Stutzmann in Sinsheim. Ferd. Niebergall in Rappenau. I. L. Marx in Waibstadt. Seegras, Sprungfedern sowie Gurt u. s. w., en gros & en detail empfiehlt [959] J. $. Marr in Waibstadt. 19,61 Schifftheer bei Ernst Jae. Stutzmann. Fichtenstangenversteigerung. [957] Mittwoch ven 2. Novbr., Mittags 1 Uhr, läßt Unterzeichneter hier auf seinem Holzplatze: 600 Stangen, welche sich für Wagner- und Gerüststangen eignen, öffentlich versteigern, wozu Liebhaber einladet J. L. Marr in Waibstadt. Steinkohlen Schmiedegries, Redenstück u. Grubcnkohlen, Ofenbrand, Coakö beste Qualität, loco hier und ins Haus geliefert, bei [690] J. L. Marr in Waibstadt. Bestellungen für den Amtsbezirk Eppingen nehmen die Herren Fleischer u. Ull» mann auf. Lur Geschichte des Soges. Karlsruhe, 26. Okt. Das heute erschienene Regierungsblatt Nr. 59 enthält: Bekanntmachung der großh. Ministerien des Handels und der Finanzen: Verordnung, die am 3. Dezbr. d. I. vorzunehmende Volkszählung bctr. Edenkoben, 24. Okt. Se. Mas. König Ludwig l. hat die hiesige katholische Kirche mit einem Geschenk von 4000 fl. Überrascht. Vom preußischen Rhein, 24. Okt., entnehmen wir der "Rh. Z.« folgende Nachricht: "Ein Unglück trug sich am 20. Okt. in der Nähe von Sicrck, luxemburgischer Seite, zu. Ein Nachen mit 18 Personen schlug bci'm Uebersctzcu um. ES wurden bereits 13 Leichen gesunden. Berlin, 26. Okt., Nachmittags. Die „Povinzialkor- resp." schreibt: „Die FriedenSverhandluiigcn nehmen den günstigsten Fortgang und werden nur noch durch unvermeidliche Nebcnpunkte verzögert. Zwischen Oesterreich und Preußen herrscht ununterbrochen daö erfreulichste Eiuverständniß. Da das Friedensdokument bereits Vorgelegen und die Genehmigung dcS EndabschlusscS allseitig ertheUt worden, so ist der Abschluß deS Friedens täglich zu erwarten. Berlin, 27. Okt. Hr. v. Bismarck reist am Samstag «ach Wien, wo alsdann der Frieder, unterzeichnet werden wird. — Die Preußen beginnen sich aus Nordjütlaud zurückzuziehen. Die Ocsterreichcr werden das nordwestliche Holstein besetzen. — LauenburgS Euiverletbung wird als Kriegekojtencntschädlg- ung bezeichnet. — Zwischen dem kroupriuzlichen Paar von Preußen und dem Prinzen und der Prinzessin von Wales wird ein Zusammentreffen statkfinben. — Herzog Friedrich von Schleswig-Holstein ist in Hamburg cingetrvffeu. Berlin, 26. Okt. Die »Fr.Pstz." schreibt: Da dcrKö- «jg für die Glogauer Angelegenheit eine große Theilnahme an den Tag legt, so ist auf Anordnung dcö Polizeipräsidenten v. Bernulh rin höherer Polizeibcamtcr nach Glogau geschickt worden, der dort eingehende Ermiltlungen angestellr hak. Nach dem Ergebniß der Mission scheinen doch nicht alle Zweifel vollständig beseitigt zu sein, und «s ist von dem König die strengste Untersuchung der Sache angeordnct worden, und zwar mit der Maßgabe, baß nach Allerhöchstem Befehl, gegen die Observanz der Milikärstrafgenchtöbarkeil daö Resultat seiner Zeit in allen seinen Theilen der Oeffenllichkeit übergeben werden soll. Wien, 26. Okt. Die Konferenz hat gestern ihre Ver--. Handlungen beendigt. Heute beginnt die Schlußredaktion. Nächsten Sonntag soll der Friede unterzeichnet werden. Aarhuus, 27. Okt. Vom 1. Nov. ab dürfen Getreide, Schlachtvieh und überhaupt Lebensmittel nicht mehr ausgeführl werden. Paris, 25. Okt. Hr. v. Bismarck befindet sich seit gestern hier, und hatte heute eine Audienz bei dem Kaiser. Die „France,, bemerkt hierzu, daß die Anwesenheit des Ministers von Preußen in Paris durch die gegenwärtigen Verhältnisse eine Wichtigkeit erlange, die man nicht mehr besonders her« vorzuhebcn brauche. Heute Abend speist Hr. v. Bismarck im Hotel deö Auswärtigen, wohin auch Graf v. d. Goltz und Hr. Beuederti geladen sind. Dem Vernehmen nach wird Herr v. Bismarck 3—4 Tage hier verweilen. Paris, 25. Okt. Der Kaiser geht beute nach Lyon ab, wird dort übernachtenund am Freitag mit Kaiser Alexander von Rußland in Nizza zusammentreffen. New York, 13. Okt. Südstaatliche Blätter melden, daß die Konföderirten Rom (Georgien) wieder genommen haben. Wie die Männer ihren irmu'« echte Shawls kaufen. (Schluß.) "Ja, von dieser Waare kann ich Ihnen kein Stück unter Dreihundert geben.,, — „So, wirklich recht schöne Shawls das, und im Grunde genommen auch nicht übermäßig theuer. Es könnte leicht einer auch 500 Gulden kosten." — "O, ich bitte, wir haben festgesetzte Preise." — »Ich weiß. Sagen Sie mir aber, mein Liebenswürdigster, haben Sie denn gar keine billigere Waare am Lager? So mit 40, 50 fl. das Stück." — --O, da kann ich Ihnen schon diene», nur ist's inländisches Fabrikat.-, — »Macht nichts, her damit." — Der junge Mann brachte bereitwilligst einen Stoß Schotrenfelder und Gumpcndorfer Shawls. — --Prachtvoll, herrlich! rief ich. Sehen Sie, bas ist eine Waare, wie fein sich das fühlt." — Der Commis zuckte die Achseln. »DaS ist Geschmacksachc», meinte er. — „Sagen Sie nun aufrichtig, wie viel kostet daS Stück von diesen Tüchern?" — „Der hier kostet 65 Gulden, aber wir haben noch billigere." — „Nichts. Wir bleiben bei diesem! rief ich. Ich will meiner Frau etwas Schönes, Feines kaufen, koste eö waö koste. Die französischen Shawls mag ich darum nicht, weil ich zu viel deutsche Gesinnungen in mir hege. Also den behalt ich da. Nun aber merken Sie auf. Ich werde in einer Stunde mit meiner Frau kommen, welche frd) auf einen französischen Shawl kaprizirt. Ich habe Ihnen schon bemerkt, daß mein Deutschthum so etwaö nicht erlaubt. Sind Sie daher so gut und legen Sie statt der französischen diese Tücher da vor, sehr natürlich mit französischen Preisen. Sie wird dann einen wählen, ich bezahle, komme aber später und hole mir den Rest des Geldes ab." — Der Commis sah mich lächelnd an. — „Ich bitte, davon muß ich den Chef verständigen." — Cs geschah. Der Chef sah ein, baß ich meiner deutschen Gesinnung wegen nicht anders handeln könae. Eine Stunde später stand tch schon wieder im Gewölbe; diesmal mit meiner Frau. „Also, meine Liebe", sprach ich, „hier ist die berühmteste Shawlbandlung. Waö wünschest Du, französische, englische »der türkische Waare. Sprich Dich aus, mein Engel, wähle, koste es, was eö koste. Du weißt ich bin kein Knicker, wenn rö sich darum handelt, Dir ein Vergnügen zu verschaffen.« Mein liebenswürdiger Commis brachte nun, wie wir verabredet batten, die Schottenfelder und Neubauer Fabrikate herbei. Mehrere derselben hatte er in elegante Carlonö verpackt und sie von innen noch mit Seidcnpapier umhüllt. Diese Cartons zogen nun die Neugierde meiuer Frau in hohem Grade auf sich. „Ich bitte, waö für Shawls bergen diese Carkvne?" fragte sie. — „Das ist hochfeine Waare, war die Antwort, welche bei der Londoner Industrieausstellung den ersten Preis bekommen hat." Mit diesen Worten öffnete er die Cartonö. Meine Frau stieß einen Laut der Verwunderung aus, ich auch. Es war derselbe Shawl, den ich früher für 65 Gulden ausgehandelt hatte. — „Der wirb wohl sehr lheuer sein?" fragte ich. — „Ja, entgegncte der Cvmmtö, den kann ich Ihnen unter 350 fl. nicht überlaffen; hätte ihn nicht die Fürstin K. bestellt, so würden wir dieses Stück gar nicht auf's Lager bezogen haben." — „Gefällt er Dir, Alte?" sprach ich zu meiner Frau. „O sehr", erwieterte sie, fügte aber seufzend hinzu: „Leider ist er zu kheuer." „Was lheuer. Du weißt, ich bin kein Knicker, kvst's, was eö koste. — Da haben Sie 350 fl. So etwas kauft man im Leben nur ein Mal. Bitte mir den Betrag zu quittiren." — „Aber lieber Monn diese Summe!" — „Ich bitte Dich, sei ruhig. Glaubst Du, ich werde nicht auch einen gewissen Stolz fühlen, wenn Du an meiner Seite emhergehst und der Dreihundertfünfziger mit Verachtung die gewöhnlichen Shawls anschielt?"— Der Commis packte taö Tuch äußerst vorsichtig ein und meine Frau trug eö noch vorsichtiger nach Hanse. So oft sie es aus dem Cartvn nimmt, zieh! sie immer Glocedandschuhe an. In einer Stunde darauf holte ich de» Mehrbetrag deö Kauf- schillliigö zurück, wobei ich i»cht unterließ, den famosen, gefällige» jungen Mann in die Lage zu versetzen, beim Schwenker draußen meiner zu gedenken. Meine Frau sagt aber noch immer, wenn sie den Shawl umhängk: Eö ist halt doch etwas ganz audercS um einen französischen Sbawl, alö um einen so ordinären Gumpcndorfer, wie man sie überall bekommt. — O Gott, wenn sie wüßte, daß ihr französischer Sbawl eben nichts anderes ist, als so ein ordinärer Gumpendorier!! Ich glaube, ich könnte mich balv daraus in'ö Blindeninstiiut aufnehmen lassen. M t s z e l l c «. Karlsruhe, 26. Okt. Eine hiesige sehr achtbare israe- likische Familie ist von einem höchst beklagenswerthen und schmerzlichen Trauerfall heimgesucht worben. Eine wohlerzogene Tochter wurde das Opfer einer leidenschaftlichen Her» zcnsneigung. In Baden mit ihrem Geliebten zusammenge» kommen, wurden Beite Morgens entseelt in dem Zimmer ihreS Gasthofcö gefunden. Dolchstiche nach dem Herzen führten Beider Lebensende herbei. * In der württembergischen Stadt Jsny hat am 24. d. ein furchtbarer Brand gewüthet. Jsny bietet heute ein Bikd der Verwüstung, wie die Vorstellung eö nicht ärger auSwale» kann. Ueberall ausgebrannte, theils eingestürzte, theils ein« gerissene Ruinen, aus denen noch immer die feurige Lohe her« ouszüngelt! Es ist ein jammervoller Anblick. Das Feuer kam in einem der Stadel, welche in Mitte der Stadt eine ganz» Gasse bilderen, zum Ausbruch; als um l J / 2 Uhr Nachtö de» Feuerlärm ertönte, standen bereits mehrere dieser Stadel r« vollen Flammen. Bei der Menge deö hier angehäusteu Brenn- stvffeS griff das verheerende Element, welches überdies durch einen heftigen Wind angcschürt wurde, mit rasender Schnell ligkcit um sick, so daß schop um 6 Uhr, also binnen 5'/, Stunden, 39 Wohn- und 42 Nebengebäude ein Raub der Flammen geworden waren. Da endlich vermochte man der furcht« baren Feuerswuth ein Ziel zu setzen. Abgebrannt ist das ganze Viertel, welches zwischen der vom Kewplner Thor rechtS austkigendeu Kanzleistraße und der Wasserthor-Straße' liegt. Außerdem sind in der Wafferthor- und in der Kcmptnerthor» straße selbst ganze Häuserreihen nicdergcbrannt. Die beide» Fabriken von Springer und Johs. Spieler sind nebst ihre» Privathäuscrn und den beiden Apotheken unversehrt geblieben. Berlin, 24. Okt. Mit Bezug auf den Glogauer Vorfall wird der „Nordb. Allg. Ztg." von ärztlicher Seite geschrieben: „Ein ganz ähnlicher Vorfall rrug sich vor wenige» Jahren in der Familie eines hohen Beamten in Potsdam zu. Die beiden erwachsenen Töchter desselben plauderten nach den» Auscinandcrgehen der Familie gewüthlich in ihrem mit Steinkohlen geheizten Zimmer und legten sich sodann ohne Arg zu Bette. Am nächsten Morgen war die Eine tobt, die Andere mit 'Mühe in'ö Leben zurückzurufen, und selbst das Dienstmädchen, welches im 'Nebenzimmer schlief, schwer erkrankt. Eine gründliche Untersuchung führte auch hier auf eine Tödtunz durch Einalhmen des Steinkohlen-Dunstes, obwohl in dem Zimmer weder Rauch, noch Dunst, oder sonst etwaö Auffälliges wahrzunebmcn war. Die Wissenschaft hat diese Erscheinung längst aufgeklärt. Die unvollkommene Verbrennung Harken Holzes, noch mehr aber der Steinkohle, entwickelt Kohlenorydgaö, ein absolut tökllichcS Gift; der in Folge dessen eintretendc Tod wird keß- halb auch nur unwissenschaftlicher Weise als Erstickungstod bezeichnet, während eö sich um eine direkte Vergiftung, allerdings nicht vom Magen, sondern von den Lungen aus, handelt. In dieser Beziehung darf nur an die Vergiftung durch Chloroform- und Aethcrdämpfe erinnert werden. Der triviale Sprachgebrauch hat es bewirkt, daß die Tücke, mit der daö impercaptible Gasgift wirkt, unterschätzt wird, weil das Publikum bei Erstickung unwillkürlich an sinnliche, namentlich dem Geruchssinn wahrnehmbare Dämpfe und Dünste denkt. Für den Glogauer Fall ist es außerdem von Interesse, daß bei der rc. Sander Schaum vor dem Mund gesunden ist. Es ist dieö ein sicheres Symptom der Kohlenorydgas-Vergiftung, welche zunächst auf die Luftwege wirkt. Wir schließen mit einer Verweisung auf die Lehrbücher der gerichtlichen Medizi» von Casper (Seite 482 ff., Fall 215», 216 biö 20). Taylor (S. 779) und Wald (l. S. 242), welchem Letztern wir die Bemerkung entlehnen, daß das Unterbleiben eines Fluchtversuchs Seitens der Unglücklichen nicht! auffalleu darf, weil das tückische Gasgif» „gleich anfänglich eine solche Muskelschwäche erzeugt, daß selbst dann, wenn das Individuum noch selbstbewußt und aktiv ist, sehr bald völlige — 524 — Hilflosigkeit und selbst Unvermögen auch nur um Hilfe zu rufen, entsteht." Glogau, 22. Okt. Ueber den bekannten Glogauer Vorfall geht der „Kreuzztg." von amtlicher Seite ein Berickk zu, «ach welchen die Zusammenkunft der beiden Mädchen, Antonie Drogand und Agnes Sander, mir den beiden Lieutenanten Krause und v. Richthofrn für den 5. Okt. Abends 7 Uhr verabredet war; Antonie Drogand, heißt eS in dem Bericht, hat dies bei ihrer gerichtlichen Vernehmung zugestandcn, Agnes Sander habe sie abgeholt, sie seien aus freien Entschluß und wohl überlegt zu den beiden Herren gegangen, Krause habe sie schon eine halbe Stunde vor 7 Uhr an seiner Hanöthüre erwartet und von Richthofen sei bei ihrem Eintritt in die Krause'sche Wohnung aus einem schlafähnlickcn Zustand erweckt worden. Rach einer halben Stunde habe auch Krause über heftigen Kopfschmerz geklagt, weßhalb er kalte Wafferumschläge machte, wobei ihm Agncö Sander behilflich war; nachdem sich Krampfanfälle gezeigt, wollte sich die Drogand entfernen, wurde aber von der Sander zuriickgchalkcii, weil letztere Uebelkeiten bekam und sich auf kaö Bell legen mußte. Der Bericht stimmt ferner mit dem, was wir in unserem letzten Blatte miltheillen, größtentbcils überein und gibt noch bestimmt an, daß sowohl der Assistenzarzt Steiner, wie der Zivilarzt Dr. Pollak eine Koblenorydgas-Vergifiung angenommen hätten, sie fanden, nachdem die Rettungsversuche an der Sander gescheitert, die Ofenklappe geschloffen und im Ofen «och nickt ganz verglimmte Steinkohlenstücke. Der Zivilarzt Dr. Lewysohn habe im elterlichen Hause der Sander die Leiche derselben gründlich untersucht und nichts an ihr gesunden, als die unocrkennbaren Symptome einer Koblenorydvergiftung. Darin stimmten auch die Angaben der gerichtlichen Leichenschau und der gerichtlichen Obduktion überein. Nach dem Anträge des Vormunds der Sander, eine gerichtliche Sektion der Leiche vorzunehmcn, sei zum Ucberfluß auch dies vollständig nach den Regeln für die Zivilgerichte allein maßgebenden Kriminalordnung ausgeführt worden. Daö Blut an der Sander, welches der Hausbesitzer gesehen haben will, sei nichts anderes gewesen, alö eine reiche Quantität aus beiden Ohren entleertet blutähnlicher Flüssigkeit, eine Erscheinung, die sich in allen Fällen von Kohlenvergiftung darbietc. Die räthselhafte Wunde an der Stirne der Sander sei eine unbedeukendc Hautlchind, «ng, ebenso ein solche am Knie, kcrbeigesübrt durch den Fall aus dem Bette. Die ungewöhnliche Beerdigung des unglückliche» Mädchens sei von keiner Militärbehörde angeordnct worden und den Aermel an der Blouse der Agnes Sander, der fehlen sollte, habe Dr. Rawicz im Beisein des Vormunds des Mädchens bei der Sektion abgerissen. Damit — schließt der Bericht — ist auch das völlig unbegründete, verläum- derische Gerücht, daß den beite» Mädchen an jenem Abend von mehreren Männern Gewalt angetban, und daß dann »och insbesondere die Verstorbene gewaltsam verführt worden sei, widerlegt. Unterzeichnet ist der Bericht von Splittgcrber, Di« visivnSaudileur der 9. Division. * Ein Korrespondent keS „Oberrh. Kur.", der erst kürzlich aus Amerika gekommen, und die dortigen Verhältniffe ziemlich genau kennt, glaubt den bekannten Warnungen in Betreff der Auswanderungefrage noch Einiges beifügen zu müssen, namentlich hinsichtlich der Kontrakte. Er schreibt: "Ich würde jedem Auswanderer sagen: unterschreibe gar keinen Kontrakt, und zwar aus folgenden Gründen: Einen Kontrakt mit einer Klausel, "wenn mir die Arbeit konvenirt" rc. geht kein Amerikaner ein, denn da wäre er mehr alS unklug, und ein Kon« trakt, der noch so vorthrilhaft klingt, wird den mit amerikanischen Zuständen nicht Vertrauten immer und immer wieder übertölpeln. Verspricht z. B. der Amerikaner sogar 25 Doll. monatlich, so klingt das freilich fabelhaft für einen Handarbeiter, der hier etliche Gulden verdient hat. Allein es ist natürlich immer Papier, kein Gold gemeint, und 6 Doll, wöchentlich, von dem Kost, Logis, Kleider rc. beschafft werden müssen, sind gerade genug, um spärlich zu leben. Ich will auch den Hauptgrund sagen, warum besonders die echten N^nkeeö (d. h. die Bewohner der Neu-England- Slaaten: MaffaschuselS, Vermont, Conncchicut rc.) europäische Arbeiter einfükren. Dieser ist nicht sowohl Mangel an Arbeitern überhaupt, sondern blos Mangel an solchen Arbeitern, die für die alten nieder« Preise noch länger in ihren Fabriken arbeiten wollen. Durch die Entwerthung des Papiergeldes und die dadurch erfolgte Vertheuerung aller Lebensbedürfnisse wurden die alten Arbeitspreise zu niedrig. Wo daher der Arbeitgeber nicht von selbst höhere Preise bezahlte, da rrrich« tclen die Arbeiter Vereine, und zwangen durch sogenannte Stri- kes lAufstände) die widerspenstigen Arbeitgeber zur Erhöhung der Preise. Gegen diese sehr mächtigen Vereine anzukämpscn, werden nun europäische Arbeiter importirt, die für niedere Preise arbeiten sollen, da sie die Verhältniffe nicht kennen. (Kann eine Portion alS Soldaten verkauft werden, so ist das Geschäft noch rentabler.) Ist aber ein Arbeiter an Ort und Stelle, besonders im Lande, in kleinern Städten JC., so weiß ihn der Fabrikherr schon zu halten. Er zahlt nicht den ganzen Lohn in Geld aus, sondern rin beträchtlicher Tbcil muß in Anweisungen (Bonds) an seinen eigenen oder einen ander» Kaufladen genommen werden, mit dem der Fabrikherr in Verbindung steht und von dem er Prozent zieht. So bewirkt er, daß der Arbeiter nie Geld bat, um fortzugchen, k. h. durchzukommen. Uno wenn dann auch noch die Ueberfahrtskosten abgetragen werden müssen, so ist der Arbeiter für lange Zeit nichts Anderes, als der Sklave des Fabrikherrn. Daher fahre Jeder nach Neu-Nmk, nicht nach Boston; zahle sein Uederfahrtsgelo selbst; kann er daS nicht, so bleibe er hübsch hier. Ist er in Ncu-Aork, so kann er bei der deutschen Gesellschaft erfahren, was er zu wissen braucht, und wo er gehl und steht, findet er Deutsche, nur muß er Denen, die gar zu dienstbereit sind, aus dem Wege gehen. Dann wird er auch bald, wenn er arbeiten will, lohnende Beschäftigung finden, auch ohne Kontrakt." * Der Briefvcrkchr in Berlin stellte sich im verflossenen Jahre in der Weise heraus, baß durch 265 Briefträger im Ganzen 9,864,275 Briese, also täglich im Durchschnitt 23,945 Briese bestellt worden sind: Davon waren 5,188,393 von außerhalb, 3,551,792 aus Berlin selbst und 1,124,091 Gc- richtsschrciben. Nruyork» 11. Okt. (per Dampfer „Asia" und per Telegraph Qucenötown.) Daö russische Dampsschlff «Hansa". Kapt. H. I. v. Santen, welches am 25. Scpt. von Bremen und am 28. Sepk. von Southampton gesegelt war, ist gestern 10 Uhr Morgens nach einer Reife von 11 Tage» wohlbehalten hier angekonimen. (Mitgetdeilt durch die Agentur des Hern Konrad Herold in Mannheim.) iraitfefurtcr Conrfc. Pistolen 9. 41 «42 dto. Preuß. 9. 5ö<56 Holt. INst.-stück- 9. 48'/,-49'/- Randdukaien 5. 32-39 20-Kra»k-Lrücke 9. 26 27 tSnq!. SonoerainS U. 51 «55 Russische Jmveriale» 9. 4!-43 Dollars in Goto 2. 26'/, -‘i7% (Hiezu eine Beilage, betreffend: die Erneuerung der Grund- und Pfanebücher der Gemeinde Jttlingen.) Redigirt, Druck und Verlag von D. Pfisterer in Heidelberg. ft