er üfanÄbk Verkün-rrngs-latt der Großherzogl. Bezirksämter Sinsheim und Eppingen und der Großherzogl. Amtsgerichte Sinsheim, Neckarbischofsheim und Eppingen. Donnerstag, den 24. Uovember 1864. Bestellungen auf den Landboten, welche bei den Großh. Postanstalkeu und Postboten gemacht werden wollen, werden auch im Laufe des Quartals noch angenommen. [1063] Die Conscription pro 1865 betr. Nro. 12,470/71. An die Bürgermeisterämter des Bezirks! Dieselben werde» benachrichtigt, daß Tagfahrl zur Aushebung der Rekruten aus-den Orten des früheren Amtes ,S i n ö h e i m am Montag, 12. Dezember d. I., früh 9 Uhr, und die Aushebung der Rekruten aus den Gemeinde» des früheren Amtes Neckarbifchofsheim am Dienstag, 13- Dezember d. I., früh 9 Uhr, im NatKbause dabicr anberaumt ist. Die Bürgermeister haben dieses den Pflichtigen mit Ausnahme der Loosbefreilen zu eröffnen mit dem Anfügen, daß dieselben pünktlich um diese Zeit im Rathhause dahier sich cinzufinden haben. Die Bürgermeister haben ebenfalls - zu erscheinen, auch diejenigen Eltern oder Pfleger zum Erscheinen aufzufordern, welche Gründe des etwa entschuldigten Ausbleibens eines Konskriptivnspflichtigen vvrzutragcn haben. Ucbcr die Eröffnung dieser Verfügung an die Konskriptionöpflichtigen ist umgehend Bescheinigung anher vorzulcgcn und auf den Verzeichnissen derselben zu bemerken, ob die Vorladung dem Pflichtigen selbst oder seinem Vater oder Pfleger eröffnet worden ist. Sinöheim, 17. November 1864. Großherzoglich bad. Bezirksamt. Otto. Müller. ^§ 141 . [1064] Die Konskription für das Jahr 1865 betr. Nr. 8195. Nach einer Zuschrift des Großh. Nekrutirungöbezirks Mannheim vom 16. d. M. wird die Aushebung für das Jahr 1865 im diesseitigen Konskriplionsbezirk am Donnerstag den 15. Dezember d. I. staii/tndcn. Die Ortsvorstände werken daher angewiesen, mit den Konskriptivnspflichtigen der Altetsklasse 1844 an diesem Tage MorgenS präzis 9 Uhr im hiesigen Rathhause sich cinzufinden. Hiebei wird bemerkt, baß die Bürgermeister und Pflichtige», welche an diesem Tage nicht Punkt 9 Uhr Morgens dahier erscheinen und dadurch einen Aufenthalt des Geschäfts verursachen, die Ersteren eine Ordnungsstrafe, die Letzteren eine Geld- oder Arreststrase zu erwarten haben, was diesen noch besonders zu eröffnen ist. Im Uebrigcn bezieht man sich auf die diesseitige Verfügung vom 6. November 1854 Amtsblatt Nr. 91 Seite 363. Den Pflichtigen ist noch weiter zu eröffnen, daß der Großh. Bezirksarzt Munke in Bretten als Mitglied der Aushebungs- behördc von Großh. Ministerium dcö Innern ernannt ist. Die in der. oben angeführten diesicitigen Verfügung vom 0. November 1854 vorgeschricbene Erdffnungsbeschcinigung ist alsbald anher einzusendcn. Eppingen den 17. November 1864. j. Großherzoglich bad. Bezirksamt. Lang. Kepner. Agenturen. [1069] Nr. 12,596. Sinsheim. August Schilling, Uhrmacher von Sinsheim wird als Agent der Gladbacher Feuer» verficherungögescllschafk für den diesseitigen Amtsbezirk bestätigt. Sinsheim, 19. November 1864. Großhcrzogkich bad. Bezirksamt. Otto. Agenturen. 11070] Nr. 12,573. Sinsheim. Franz Rittinger von Steinsfurth wird als Agent der Feuerversicherungsbank f. D. zu Gotha für den diesseitigen Bezirk bestätigt. Sinsheim, 19. November 1864. Großherzoglich bad. Bezirksamt. Otto. [1050] Tiefend ach. Zwangsllcgcnschafts-Versteigerung. In Folge richterlicher Ver- ÜjjSjlglfügung werden den Franz Birke! Eheleuten von Tie- senbach, Donnerstag, 29. Dezember d. I., Morgens 9 Uhr, im Ralhhause in Tieferchach etwa 7 Morgen Acker, Wiesen und Weinberge, in 26 zerstreut liegenden Stücken bestehend und sämmtliche zur Gemarkung Tiefenbach ge, hörig, öffentlich versteigert und zugeschlagen, wenn der Schätzungsprcis mit — 3790 fl. oder darüber erlöst wird. Eppingen, 10. November 1864. Vollstreckungsbcamte Würtz, Notar. — 584 Spiegelversteigerung. StJÄÄ jedesmal Nachmittags 2 Uhr, läßt Vergolder Lotz Wiktive hier, Drcikönigstraße Nr. 25, wegen Bauveiänderungen ihren Vorralh von Spiegeln in Gold» und Politurrahmen von jeder Große und Qualität nebst Cvnsol mit Marmorplatle freiwillig gegen Baar« Zahlung versteigern. Am Tage vor der Versteigerung ist Einsicht gestaltet. Heidelberg, den 19. November 1864. [10653 Phil. Eckert. [1066J GxtzHs feinst rasfinirt empfiehlt billigst H. Hofherr in Waibstadt. Stockfische jeden Tag, frisch gewässerte, empfiehlt H. Hofherr in Waibstadt. £10673 Feinstes engl. Jagdpulver, sowie Zündhütchen und Schrot, dringe den Herren Jagdpächtern in erinuernde Empfehlung [10681 H. Hofherr in Waibstadt. Commis-Gesuch. [1060] In eine Colonialwaarcn-Hand- lung in Heidelberg wird ein angehender Commis mit guten Zeugnissen gesucht. Näheres bei der Expedition v. Bl. rortrflfhrrrfw kür Wirlhe sind vorrL- thig tu fet Buchdruckcrei von D. Pfisterer in Heidelberg. Mrberteegesnch. Cs finden noch 4 gute Arbeiter dauernde Beschäftigung bei I. Rudy, Schneider [1059] Ln Sinsheim. Steinkohlen SchmiedegricS, Redenstücku. Grubenkohlen, Oferibrand, Coaks beste Qualität, loco hier und ins Haus geliefert, bei [690] 3. L. Jltcirr in Waibstadt. Bestellungen für den Amtsbezirk Eppingeu nehmen die Herren Fleischer u. Uli» mann auf. [988] Wolle & Wollewaaren, Schuhe Sk Unterhosen, großes Lager, bei Ernst Iar. Stutzmann. Seegras, Sprungfedern sowie Gurt u. s. w., en gros & en detail empfiehlt [959] 3. §. Morr in Waibstadt. Havannah-Honig für Lebkuchenbäcker empfiehlt [986] Ernst 3ac. Stutzmann.. Forlen, Gichen 8c Tannendiele, gceigrret zu Stofitrögen, sowie fertige Stoßtröge bei [958] 3. L. Marx in Waibstadt. Zur Geschichte des Sages. Karlsruhe, 20. Noo. Sechstes Bulletin über das Befinden Ihrer großh. Hoh. der Frau Markgeäfin Wilhelm. Nachdem auch während beö gestrigen TageS in dem Befinden der hohen Kranken sich kerne weseniUche Acnrerung gezeigt, verlief die letzte Nacht großentheilS unter ruhigem Schlafe. Der Zustand ist heut§ im Ganzen nicht verschlimmert. — 21. Nov. Siebentes Bulletin über das Befinden Ihrer groß. Hoh. der Frau Markgräfin Wilhelm. Seit gestern Nachmittag steigert sich baö Fieber sehr merklich; zu gleicher Zeit traten Strömungen im Scnsorium auf, welche die ganze Nacht andauerten und auch diesen Morgen noch sortbestcben. Der Zustand der hohen Kranken ist hiernach leider sehr verschlimmert. — 22. Nov. Nach dem aci'ten ausgegebenen Dülleti» ist in dem Befinden der hohe» Kranken keine Besserung wahrzu- nehmen; die Fieberregung hat sich im Verlauf der Nacht eher gesteigert. — 21. Nov. Das heute erschienene Regierungsblatt Nr. 66 enthält (außer Personalnachrichken): Bekanntmachungen des großh. Ministerium des Innern: 1) die Verwaltung und Verrechnung beö ollgemcinen Schullebrer-Witlmeii. und Walsenfonds bctr.; 2) die Ertheilung der Äpothekerlizenz a» Karl Schmidt von Karlsruhe betr. — 22. Nov. Seine Königl. Hoheit der Großherzog haben heute um 3 Uhr dem Königlich Italienische» Mmisterrcsidc»- teu Marquis Oldoiiit feierliche Auvienz crtheilk. Derselbe war beauftragt. Seiner Königlichen Höhnt die Insignien des höchstens Ordens der heiligen Verkündlgnng (8upremo ordine dell’ anunciata) in Vertretung Seiner Majestät des Königs von Italien und des Großmeisters dieses Ordens zu überreichen. Marquis Oldoini war bei diesem feierlichen Akte von den Herren seiner Gesandtschaft, dem Grasen Lilta und dem Grafen Francesco Coliobiano, degleiter, und wurde von Seiner Königlichen Hoheit in Umgebung der obersten Hofchargen mit dem bei Empfang der außerorteiillichcn Gesandten üblichen Zeremoniell empfangen. Der Hr. Ministerresideitt hatte eie Ehre, nachdem er sich seines ehrenvollen Auftrages cutledigt hatte, auch Ihrer Königlichen Hohen der Geoßherzvgin auf« zuwarten. — 22. Nov. Ihre Maj. die Königin Auguste von Preußen ist zum Besuctie der großherzoglichen Familie heute Abend dahier angckomwen und wird einige Tage in der Residenz verweilen. Karlsruhe, 16. Nov. Welches reiche und gesegnete Land das Großherzogkhum Baden ist, davon liefert der Staatshaushalt in den Jahren 1862 miß 1863 ein recht anschauliches Bild. Offenbar aus offizieller Quelle bringt das badische Centralblakt hierüber einen ins Detail gehenden Aussatz. AlS Hauptresultate jener beiden Jahre erscheinen folgende Zahlen: 1) Vermehrung deö Staatsschatzes um 1,795,409 fl. 13 kr. 2) Verminderung deö SchuldeustandeS bei der Amorti- sationskasse um 1,395,416 fl. 23 kr. 3) Verminderung der Schuld der Zehelilschuldenrilgungökatffe an den Domänengrnnd- stvck um 672,672 fl. 54 kr., außerdem Zunahme ihres Vermögens um 4332 fl., 22 kr. 4) Zunahme deö liegenschaftlichen Bejitzlhums beö Domäncngrundstockö mit Minderung ihres Kapitalvermögens von 159,865 st. 46 kr. um 324,853 fl. 21 kr. 5) Vermehrung dcS Kapitalguthabens bei der Staatsgrund- stocksverwaltung um 9818 st. 1 kr. Summa fämmttichcr Er- übrigungea 4,032,818 fl. 27 kr. Dagegen hat sich durch die Erdauillig neuer Eisenbahnen die Eisenbahnschuld vermehrt um 12,415,278 st. 21 kr. Hiebei ist aber zu bemerken, daß außer der Verzinsung und planmäßigen Tilgung der Eisenbahnschuld noch 4,607,564 fl. 36 kr. bereits aus früher» und den letzten Jahren erübrigt wurden. Dresden, 20. Nov. Das Stadlverorciiclenkollegium hat den für das »deutsche Sängerfest» erforderlichen Kredit von 78,000 einstimmig bewilligt. Berlin, 20. Nov. Morgen beginnt der Rückzug der österreichischen Truppen vom Kriegsschauplatz und soll bis 3. Dez. vollendet sein. Sie benutzen die Bahn in ihre Heimath über hier Görlitz und Dresden. Es sind im Ganzen 54 Er- trazüge kür sie bestellt. Unsere Truppe» sind schon theilweise elngckroffcn. Hamburg, 19. Nov. Die Morgenblätler melden über den glänzenden Empfang des österreichischen Infanterie-Regiments «-König von Preußen«. Es war eine große Menschenmenge aliwe>end; die Straßen, durch welche das Regiment zog, waren illuminirt. Die hiesige Militärbehörde, Prinz Friedrich Karl von Preußen und FML. v. Gablenz empfingen eie Truppen. Der Prinz stellte sich an die Spitze deS 585 — ersten Bataillons und führte dasselbe bis zu seinem Hotel, wo dann die Truppen vor ihm vorüberdefilirtcn. Altona, 20. Nov. Das Verordnungsblatt enthält eine Bekanntmachung der Civilkowmissäre, welche nach geschehener Verständigung mit den Civilkommiffären Schleswigs die kirchliche Feier des Friedens aus den 4. Dezember anordncn. Flensburg, 21. Nov. In Folge der Grcnzregulirung hat Schleswig an Dänemark 20,051 und Dänemark an Schleswig 11,500 Einwohner abzutretcn. Mithin werden von Schleswig ungefähr 8500 Einwohner mehr abgetreten, als dieses von Dänemark erhält. Diese Differenz zu Ungunsten Schleswigs entsteht besonders durch die vcrhältnißmäßig sehr starke Bevölkerung der Insel Arroe. Wien, 20. Nov. Oesterreich scheint den Ereignissen in Italien keinen großen Werth beizulegen, denn es will seine ualienische Armee so reduziren, Laß die Kompagnie nur noch 20 Mann stark sein soll. Triest, 18. Nov. Morgen geht die erste Abtheilung der in Oesterreich organisirten merlkalilschen Fremdenlegion in der Stärke von 1100 mit 46 Offizieren ab, Graf Thun befehligt stk. Kopenhagen, 20. Nov. DaS dänische KdnigSpaar will nach dem Rückzüge der deutschen Truppen Jütland besuchen. Warschau, 21. Nov. Man versichert, bas Klosterauf- hebungödekret habe die Sanktion des Kaisers erhalten. Die an dem Aufstand betheiligten Klöster werden vollständig unter, drückt und die wenigen überbleidenden unter Regierungsaufsicht gestellt. Odessa, 2. Nov. General Liprandi ist gestorben. 60,000 Mann der auö dem Kaukasus obberufencn Truppen sollen an den Grenzen der Moldau und Galiziens stalionirt werden. Von Nizza aus wird der rufsticheThronfolger mit einem kleinen russischen Geschwader die italienischen Küsten besuchen. Nach Berichten aus Asien hat ein 12,000 Man» starkes russisches Truppeukorpö dem Khan von Kokand eine Schlacht geliefert. Das Heer des Khans wurde geschlagen und die Russen besetzten die Städte Taschkend und Kokand. Neuyork, 10. Nov. Lincoln ist wieder zum Präsidenten der vereinigten Staaten gewählt worden. — Es geht das Gerücht, Sherman habe Atlanta zerstört und verlassen und ziehe auf Cdarleston. Eö wird eine Angnffsbewegung Lee'S erwartet. Förrest hat Johnstönvtlle genommen. Neu York, 12. Nov. Butler hat den Oberbefehl tu Neuyork angenommen. — Sherman hat die Verfolgung Hood'ö «ufgegestdn und Atlanta verlassen, da er die Dertheioigung dieser Stadt als unmöglich onsichl. — Tenlon wurde zum Gouverneur von Neuyork gewählt. — Die >üdstaatliche Armee im Sheiiandoahdahl erhielt Verstärkung und bedrohte Pcnn- fylvanicn und Maryland. — Der Kongreß des Südbundcs ist zulauimcngetretcu. Der Präsiceiil Laviö jagte in seiner Eröffnungsrede, der Friede >er ohne die Unabhängigkeit deö Südens unmöglich. Cr mißbilligt die Bewaffnung der Sklaven, außer im Pothfall und empfiehlt den Sklavenkauf wo nölhig. Nachrichten aus Meriko sagen, daß die Führer der Juaristtschen Partei das Kaiserreich anerkennen. Der Kaiser von Brasilien hat asten Negern beiderlei Geschlechts, welche noch SkaalSelgenthum waren, die Freiheit gegeben. Ein großer Schritt, vielleicht der größte, den Brasilien in neuester Zeit vorwärts gethau. Die aus Europa zurückgekehrte japanesischc Gesandtschaft ist von ihrem Kaiser wegen Uebcrschreikuiig ihrer Vollmachten rns Gesängniß geworfen worden. Es wird demnächst eine neue Gesandtschaft nach Europa abgehen und alle Länder besuchen, mit welchen Japan in Beziehungen steht. Von Rio de Janeiro gehen der »Patrie« Nachrichten vom 24. Okt. zu, welche melden, daß die Stadt von einem sehr heftigen Orkan heimgesncht worden war, der dem Handel bkdeurcnöcii Schaven zugefügt hat. Auf einer Misstssippifahrt. (Fortsetzung.) Greenezog seinenRock und Weste aus, schrieb aufeinen Fetzen Papier mit Bleistift die eben leserlichen Worte: „An den Kapitän diejeö Dampfboots. Rodden hat wich, als ich betrunken war, um 3000 Dollar geplündert. Alles was ich auf der Welt habe. Ich ertränke mich. Danken Sie Herrn Browne von mir, und sagen Sie ihm, cs thue mir leid, nicht auf ihn gehört zu haben. Jyhn Greene." Das Papier steckte er mit einer Nadel an seine Weste, und sprang dann stillweg in'ö Wasser, 's Ertrinken war ihm aber nicht bestimmt — diesmal jedenfalls nicht. Die Wache auf dem Deck schrie ihr ,,'n Mann über Bord". Ich sprang aus meiner Kajütabtheilung mit Muster. „Hol' ihn, Muster!" sagte ich. Der Hund ließ sich's ulchr zwei Mal sagen, und faßte ihn und hielt ihn in die Höhe, just wie er's Ihnen gezeigt hat, bis das Boot des Dampfers sie Beide herausfischte.und sie wieder an Bord brachte. Der Kapitän fuhr auf Rodden los, der aber zog ein Bowiemesser und wies die Zähne oder vielmehr 's Messer. Das Boot hatte in Memphis angelegt, und eh' etwas sich thun ließ, war er auf und davon. Seine Mutter, elegant und unerjchüllerlich wie immer, ließ sein Gepäck an'S Land bringen, wir aber trieben bald wieder unsere Bahn, wie der Strom, und 's Leben, und all dergleichen, und mir kam bas Abenteuer ganz auö dem Sinn. Eö kann Einer nicht an AllcS denken, wie der Mann jagte, alö er in den Wald Holz hauen ging und seine Art vergessen hatte. Ich machte meine Geschäfte in Neuorleanö ab. Damals war's eine Hauptstadt, voller Reichthum und Schönheit, die dalag, wie eine Purpurkraube in der Sonne, voller Säst und Süße. Nu, jetzt ists wie eine Traubenhaut, auögesaugt und hingeworfen zum Da- raustrelen^doch — lassen wir Das. »Am fünften Mar verließ ich Neuorleans, um nach dem Norden heimzukehren. Ich ging an Bord jenes Palasts von einem Dampfer, dem Black Hawk, und fast die erste Person, die mir vor'ö Gesicht kam, war Rodden's Mutter. Da war sie, mit der nämlichen stattlichen Erscheinung, der nämlichen frelauögejchniltkueii Stirn, dem nämlichen Spitzenstaat und Mvlre anligue, wozu jetzt noch blitzender Schmuck kam; da war auch das bildjchöiie Frauchen, mit dem, jetzt ein Jahr allen, Kindchen, und Beide ebenso wieder herausgeputzt; und gleich darauf sah ich auch den Gauner Rodden. Die junge Mutter und ihr Kleines sahen blaß und unwohl auö; die alte Mutter und ihr Hoffnungsvoller sahen frischauf und beutegierig auö.- Ich haue so viel auf die Leute zu merke» und daran zu denken, was sie den ganzen Winter in Neuorleanö getrieben haben mochten, daß ich darüber die andern Mitrci« jendcn ziemlich außer Acht ließ; doch den Tag, nachdem wir abfuhren, fiel mir ein besonders »grün« auSsehcnbcö Individuum aus, mit Hellem Flachshaar, einem ungeschickten Scklapp- hur hauöleinenen blauen schlotterigen Zwilchhosen, und einem butternußsarbigen Rock, der mir in Stoff und Schnitt hausgemacht schien; cs hatte alle Garnhandschuhe an, die eö nie von den Händen brockte, außer um alte waschlcdcrnc oder glanzledcrne anzuzichen. Ich beobachtete den Spieler; denn es hatte irgendwie verlautet, dieser hausgemachte Schlankel sei mit einer beträchtlichen, Ladung Speck und Käse in Neuorleanö gewesen. Ich dachte an den armen Greene und seine dreitausend Dollars. Eines Tags sah ich Rodden und den Fremden — "Jke," so nannte er sich — beisammen. "Auf meinen Namen kommt'ö nicht an, Mister;," sagte er, „heißt mich Jke, auf den geh' ich, bis die Kühe heimziehen; Ihr braucht mich nicht Mister (Herr) zu Meißen, 's hilft Euch bei mir nichts. Weiß ich denn, ob Ihr nicht einer von oen Kerlen seid, die Poker spielen und allzeit gewinnen?" "Ich habe in meinem Leben erst dreimal Poker gespielt,-« — 586 — sagte Rodden, "ich will aber Juker mit Euch spielen um die Trmksachen.« „Das laßt Ihr nur bleiben. Guckteinmal, Mister," sagteer, und zog die untere Wimper runter, "scbt Jhr was Grüns, da?« "Ich sehe, daß Ihr Eure Augenzähne bekommen habt,« sagte Rodden. "Ich möchte es nicht darauf wagen, Euch zu betrügen, wenn daS mein Handwerk wäre, was es glücklicherweise nicht ist.« „Was Ihr sagt, schön hübsch, aber Ihr kommt halt nicht an. Ich spiel um die Trinksachen nicht, und um sonst nichts. Ich hab'S der Suse beim Forigehn versprochen, keine Karle anzurühren so lang ich fort sei, und werd'ö und will'S nicht. Seht, so ein 5000 Dollars Werth Speck und Käse wäre kein groß Fressen für einen von den Kerlen, die Poker spielen.« "Ja wohl, sagte Rodden, Ihr seid ein kluger Mann.» „3a, und daö ist nicht Allee, denn mein Geld liegt in des Kapitäns Geldschrank, und — mehr noch — bleibt dort bis eine halbe Stunde bevor ich an's Land gehe.» „Bei —?" sagte Rodden, nachhelfend. „Bei — ja, bei; aber wo das bei >st, sollt Ihr erst noch erfahren; denn ich Hab der Suse gesagt, ich wollt' mich so dunkel halten, wie ein MurmelihierSloch, und mit keinem Menschen mehr reden, als durchaus nöthig söi. WaS Euch betrifft, so käme mir's nicht darauf an, es Euch zu sagen, denn Ihr habt mir gleich gefallen. Ihr seid sein, aber einen Gasthof könnt Ihr nicht halten, sonst kamt Ihr nicht mit Karten. Ihr hättet mir's,gleich ansehcn können, baß ich nicht spiele." (Schluß folgt.) Miszellen. Mannheim, 22. Nov. Am Sonntag Morgen fielen bei der Ueberfahrt der Traject-Anstalk auf der bayerischen Seile zwei Waggonö, worauf sich der dritte stellte, dadurch, daß der Haken, woran das Drahtseil befestigt wird, sich aushing, in den Rhein und schlug die Nähen zusammen. Der Inhalt der Waggons, Schmiedeeisen und Eisenblech, wurde bald wieder herauögeholt und ist bis jetzt ein ^Waggon her- aufgezogen. * Aus Tunis wird von einem beklageuswerthen Verlust berichtet, der das englische Kriegsschiff "Orlando» betroffen hat. Acht Offiziere waren in einem mit fünf Leuten bemannten Boote an die Küste gefahren, um dort ein Picknick zu halten; und als sie gegen Abend zum Schiff zurückkehrten, erhob sich ein plötzlicher Windstoß, der daö Boot umwarf. Nur einem Matrosen gelang es, sich mit ungeheuerer Kraftanstrengung nach dem etwa tausend Schritt entfernten Uter zu rette»; die klebrigen wurden ein Raub der tosenden Wellen. Das Unglück hak in Tunis große Theilnabme hervorgerusen. Alle ausländischen Vertreter begaben sich zu dem britischen Generalkonsul, um demselben ihr Beileid mit dem traurigen Schicksal seiner Landsleute auszudrückcn. Einer der Umgckommenen, Midshipman Fielding, war einer ähnlichen Gefahr erst unlängst entgangen, er gehörte zu den Wenigen, die bei der Strandung deS Schiffes "Orpheus" an der Küste von Neuseeland mir dem Leben davongekommen waren. Kalkutta, 16. Okt. Der Sturm ist nun 10 Tage vorüber und noch immer liegen mehr denn 160 ehemals prachtvolle Segelschiffe und Dampfer vor uns ohne Mast und ohne Takelwerk wie alte Kasten oder in Haufen zusammengcquetschk auf dem Waffer, und cs wird auch kaum möglich sein, sie wieder seefahtg zu machen. Zwei Tage nach dem Sturm sah der Fluß auS, «IS ob er durch eine Stadt der Torten strömte. CS rührte sich nichts auf seiner Oberfläche. Arbeitskraft war nicht zu haben, denn die Cingebvrnen, die ihr Obdach verloren hatten, waren beschäftigt, sich neue Hütten zu bauen. Einige Dampfer sind stromabwärts bis zum Diamanthafen gedrungen, und auch dorr ist die Katastrophe Entsetzen erregend. Die ungeheure Slurwwoge, die dort hcreinbrach, war 30 Fuß hoch und fegte das Land kahl. In diesem, Bezirk allein kamen 1200 Menschen um das Leben, und die Zahl der zwischen dem Diamanthafen und Kalkutta Umgckommenen wird auf 5000 angegeben. Der Strom wimmelt von Leichen» die mit der Flurh und Ebbe auf und niederschwimmen, und wir werden von Glück sagen können, wenn auf die furchtbare Zerstörung, die der Orkan angenchtei hak, nicht eine Seuche folgt. Die den Sturm überlebt haben, sind jetzt am Verhungern. AuS den Taschen der Europäer fließen reichliche Spenden zur Linderung der Noth, aber die reichen Eingebornen halten sich davon fern. Zwei Millionen Pfund Sterling decken nicht den Verlust, welcher Privatpersonen in Folge deS Sturmes betroffen hak. Wenn die Sternwarte in Kalkutta recht benutzt worden wäre, so hätten wir ohne Zweifel den Sturm vvraussehn können. Jetzt, da Alles vorüber ist, sagt der Eingeborne, dem dies wichtige Amt anvertraul ist, daß das Barometer in der Nacht vor dem Sturm nicht die gewöhnlichen täglichen Abweichungen gezeigt yabc, sondern in beständigem Fallen gewesen sei. Es ist ein größer Fehler die ganze Oberaufsicht der Sternwarte in den Händen eines Eingebornen zu lassen. Ucberhaupt eignet sich Kalkutta und sein Hafen, wo alle 10 Jahre ein Kreiösturm hauet, nicht zur Hauptstadt eines so großen Reiches. * Papierfabrikatio». Aus dem Saalfeld'schen vernimmt man, daß die Porzellanerde-Gärverei dort einen außer, ordentlichen Aufschwung genommen habe und zwar — wodurch ? — weil die Papicrfabrikanten zu der Papiermasse jetzt beträchtliche Mengen sein geschlemmter Porzellanerde zusctzen, die daS Papier sehr schwer wiegend, aber durchaus nicht besser, vielmehrschrsprödemachl. Doch die Sache renn« und das genügt. Mannheim, 21. Noo. Mannheimer Börse. Für Weizen und Roggen blieb gute Frage und Gerste verkehrte in ansehnlichen Posten zu notirtcn Preisen, Mehl in fester Haltung bei starkem Bedarf. In Rüböl blieben die Umsätze klein bei weichenden Preisen. Spiritus leblos. Kleesaamen bei starken Umsätzen höher bez. Petroleum niedriger. Weizen, hiesiger, fl. 9. 45 0., fl. 10.?., fränkischer,fl.9.48 6., fl.10.?., ungarischer, fl. 10. ?., auf Lieferung März, fl. 10. 30 ?., auf Lieferung Mai, fl. 10. 15 ?.> Roggen, effektiv, fl. 7. 15 6., fl. 7. 20 ?., Gerste, effektiv, hiesiger Gegend, fl. 7. 20—30 G., fl. 7. 40 ?., würltemdergische, fl. 7. 30 ?., srätikische, fl. 7. 45 ?., Pfälzer, Prima, fl. 7. 40 6., fl. 7. 45 ?., Hafer, effektiv, fl. 3. 30 6., fl. 8. 45 ?., Kernen, fl. 10. 30 6., fl. 10. 45 ?., Kohlreps, ungarischer, fl. 19. 6., fl. 19. 30 ?., hierländischer, fl. 20. 30 6., fl. 21.?., Bohnen, fl. 13—20?., Linsen, neue, nach Qualität, fl. 12. 20 ?., Kleesaamen, deutscher, Ima, fl. 28. 6., fl. 29. ?., Ilda, fl. 25. 6., fl. 26. ?., Luzerncr, fl. 30.—32. ?., Esparsette, fl. 8. 45 6., fl. 9. ?., Leiuöl, effektiv, in Parthieen, Inland, fl. 22. 6., fl. 22. 30 ?., in Parthieen, transit, fl. 21. 30 ?., Rüböl, effektiv in Par- thiecn, ft. 24. 6., fl. 24. 15 ?., auf Lieferung Mai, fl. 24 45 ?., Weizenmehl, No. 0 fl. 10. 15 6.. fl. 10. 30 ?., No. 1 fl. 9. 15 6., fl. 9. 30?., No. 2 fl. 8. ?., Roggenmehl, No. 0—1, Settiner, fl. 6 6., fl. 6. 15 ?., Branntwein, effektiv, transit, fl. 17. 15 6., fl. 17. 30 ?., Sprit, transit, fl. 38. 6., fl. 39. ?. frankfurter Conrfe. Pistolen 9. 41;« Jttf. Preuß. 9. 55-56 Holl. ivsi.-Stücke 9. 48-49 Nanddutaien 5. 32'/,-33'/, 20-srant-Ltücke 9. 2ö‘/ 2 ‘tOYi Engl. SouverainS 11 49-53 Russische Imperialen 9. 42-44 Dollars in Gold 2. 28-2? Redigirt, Druck und Verlag von D. Pfisterer in Heidelberg.