er Mndbote. Berkündungsülatt der Großherzogl. Bezirksämter Sinsheim und Eppingen und der Großherzogl. Amtsgerichte Sinsheim, Neckarbischofsheim und Eppingen. Js 19. Dienstag, den 13. Februar 1866. [170] Die Aufnahme in das Armenbad betr. Nr. 2218. Die Bürgermeisterämter werden angewiesen, etwaige Gesuche um Ausnahme in daü Armenbad zu Rappenau spätestens bis 1. März d. I. anher einzusenben. Bezüglich der Gesuche um Aufnahme in daS Armrnbad zu Bade» werden die Bürgermeisterämter noch besonders auf die Verordnung Geoßh. Ministeriums des Innern vom 19. Februar 1863, CentralverordnungSblatt Nr. Ill, aufmerksam gemacht. Sinsheim, de» 8. Februar 1866. * Großberzoglich bad. Bezirksamt. Otto. Müller. Bekanntmachung. 1176J Die Unterstützung der Wtttwen und Waisen christl. Volks, schullehrcr aus ter neueren Dotation betr. Nr. 337. Mit Bezug auf den Erlaß Großherzoglichen Oberschulraths vom 8. Juli v. I., Nr. 11,007, Schulverordnungsblatk Nr. IX, machen wir die Ortöschulräkhe des Schulkreises darauf aufmerksam, baß etwaige Bittgesuche durstiger Lehrerewlttwen und Waisen, deren Ehemänner, bezw. Väter, nach Wirksamkeit des Gesetzes vom 28. Aug. 1835 gestorben sink, noch im Haufe dieses Monats hieher eingesenbel werden müssen, wenn dieselben nicht durch Versäumniß der rechten Frist zur Vorlage der Berücksichtigung verlustig gehen sollen. Mosbach, den 9. Februar 1866. Grvßherzoglicke Kreisschulvifltatur. »F r l e ö. (180j Neckarbischofsheim. Die löblichen Bürgermeisterämter deö ehema» ligen Amtsbezirk Neckarbischofsheim werden ersucht, ihre Gesuche um Unterstützung aus der "F r i e d ri ch - L o u is e-S tift u n g-< für dürftige Rekruien der Kon>kriplion 1866 nach dem bekannten Formular innerhalb 8 Tagen anher einzureichen. Neckarbischofsbeim, am 10. Februar 1866. Der VerwaltungSrath. N e u w i r l h. Wagner. Todes-Anzeige. [181] Neckarbischofsheim. Unfern Verwandten und Freunden wachen wir hiemit die schmerzliche Mittheilung, baß unsere theure Gattin, Mutter, Schwiegermutter und Großmutter, Katharina Aeulher geb. Nuppert, am 7. Februar, Mittags 4 Uhr, in einem Alter von 64 Jahren nach mehrjährigem Leiden sanft in den Herrn entschlafen ist. Neckarbischofsheim, den 10. Februar 1866. Im Namen der tieftrauernden Familie Georg Reuther, Lehrer. MM [177] Sinöheim. Holzversteigerung. Aus den hiesigen Stiftswaldungen, Distrikt Höhweg, beim Jmwelhäuscr Hof, versteigern wir am Freilag den 16. Februar l. I., Nachmittags 1 Ubr, 9 Kisir. buchen Scheitholz, IV. Klstr. gemischtes Scheitholz, 1% Klftr. buchen Stockholz, 6100 Stück buchene, 25 Stück gemischte Wellen und 2000 Stück Bohnenstecken loosweise gegen Zahlung deö Steigschil- lings vor der Abfuhr deö HolzeS. Sinsheim, den 9. Februar 1866. Großd. Stlftschaffnei. Banz. [175] Hilsbach. Liegenfchaftsversteigerung. Die Kinder des verstorbenen Johann Müller, LanbwirthS von Hilsbach, lassen mir obervormundschaftlicher Genehmigung der Un« theilbarkeit wegen am Montag den 26. Februar l. I., Mittags 12 Uhr, Ein zweistöckigeS^WohnhauS mit Scheuer, Stallung, 2 Kellern, 4 Schwelnställe» und Hof- raitheplatz ui der Mettclgasse, neben Jakob Müller und Martin Ebelmaier Wlb., vorn Straße, Hinte» Allmend, im Waisengericht« lichen Anschläge zu 3000 fl. auf dem hiesigen Rathhause öffentlich versteigern, wozu StkigerungSliedhaber hiermit eingeladen werden. Hilsbach, den 8. Februar 1866. DaS Bürgermeisteramt. Lang. Trunzer, Rthfchr. [169] Nr.52. Mühlbach, A. Eppingen. Schäfereiverpachtung. Da der Pacht der hiesigen Schäferei, welche vom 1. August bis 1. April mit 160 biS 180 Stück Schafen betrieben werden kann, mit Michaeli v. I. zu Ende geht, so soll dieselbe Donnerstag den 22. d. M., Vormittags 9 Uhr, auf weitere sechs Jahre auf hiesigem Raibhauö verpachtet werden. Pachtbetingungcn liegen zur Einsicht bereit. Mühlbach, den 8. Februar 1866. Bürgermeisteramt. Keller. ______vdt. Re in old. [171] Eine trächtige fünfjährige Fuchs- Stute ist zu verkaufen. Wo? zu erfragen im Ritter zu Weiler. [107] Zwei steinerne Fenstergewänder mit Beschlag sind zu verkaufen und können auf Verlangen die Fenster dazu gegeben werben bei Th. Keßler in SiuSheim. — 74 — [183] Wagenbach. Holzversteigerung. Am Donnerstag den 15. Februar l. I-, Vormittags 10 Uhr, werten ia dem grunbherr- lich von Degen» feld'schen Walddistrikt Gaisberg, in der Nähe deö Hofs Wagenbach, öffentlich versteigert: 71 Klafter buchenes Scheitholz, 13 „ Eichenholz, 1 „ Aspenhvlz, 18 „ Stockholz, 7866 Stück Wellen uNo 1 Loos Schlagraum. Sinsheim, ten 10. Februar 1866. Frhrl. von Degrnfeld'scheS Rentamt. F l e i f ch m a n n. [20] Leere Salzsäcke sind stets zu haben bei I. £. £$)arr in Waibstatt. [172] Ein Fuhrknecht zu zwei Pferden wird in Dienst gesucht. Wo? sagt die Erpebition d. Bl. [178] Eine in gutem Zustande sich befindende Nähmaschine ist zu verkaufen. Bei wem? sagt dir Erped. d. Bl. [182] SteinSfurth- Der Unterzeichnete verkauft ca. 300 Zentner Dickrückcn. W. Leonhard!, Adlerwirth. [179] Mühlhausen bei Wiesloch. Von ächtem reinen Schlvarzwälder Kirschen- und Heidelbeer-Wasser von den Jahrgängen 1857—60 UNS 64 habe ich eine Niederlage erhalten, waS ich mir erlaube hiermit bekannt zu ma- men, und um geneigte Abnahme bilte. Anton Fürst. Sprengpulver 8s Pifiolenpulver billigst bei [154] A. Dehoff in Kirchardt. [184] Gut ausgebackenes Kernbrvd kostet bei Unterzeichnetem von heute an 10 kr., Kartvffelbrod 11 kr. A. Friedr. Plauz, Bäcker in Sinsheim. Emmenthaler Kas in bekannter vorzüglicher Qualität empfiehlt ^l 1 63]_ (Ctirl-l il cher, Sinsheim. FDirchen- und Kommunikanten- kerzen in Auswahl bei [164] _ CarI - Fiscker in Sinsheim. [7] Anwalt I)r. Choma von Heidelberg ist jeden Mittwoch in Sinsheim in Geschäften zu sprechen. Erdöl - Lampen neuester Konstruktion, sowie Glocken, Cylinder und Dochte sind zu haben bei L. Hoffmann Wlwe. [27] _in ©inehfitn. 117] E>u gebrauchtes vollständiges Schmiedhandwerkzeug ist billig zu haben bei 3. i\ Marx in Waibstabl. Jur Geschichte des Tages. — Sinsheim, 12. Febr. D:e öffentlichen Sitzungen deSSchöffengerichtes für den Monat Februar 1866 finden statt, Montag den 19. und Dienstag 20. Februar 1866 und kommen zur Verhandlung: I. Montag 19. Februar, Vormittags: 1) Die Untersuchung gegen Franz Grimm von Sinsheim wegen fahrläsflger Körperverletzung ; 2) Die Untersuchung gegen Adlerwirth Ziegler's Ehesrau von Neidrnstein wegen Ehrenkränkung. Nachmittags: 3) Die Untersuchung gegen Gg. Würfel und dessen Ehefrau geb. Lutowski von SteinSfurth wegen Ehrenkränkung; 4) Die Untersuchung gegen Bäcker Emmerichs Ehefrau von Weiler wegen Ehrenkränkung; II. Dienstag den 20. Februar, Vormittags: 1) Die Untersuchung gegen Peter Hummel und Adam Fischer von Rohrbach wegen Körperverletzung; 2) Die Untersuchung gegen Magdalena Mittel von Weiler wegen Diebstahls und gegen Marie Kreß von Stcins- furkh wegen Beihilfe hiezu: Nachmittags: 3) Die Untersuchung gegen Heinr. Lang von Hilsbach wegen Ehrenkränkung des daselbst stationirten Statlonökom» mandanten Gendarm Schiiterer im Dienste. X* Karlsruhe, 10. Febr. (Landtag.) Die sechste öffentliche Sitzung der Zweiten Kammer beginnt Donnerstag den 15. Febr. Vormittags 10 Uhr, zu welcher folgrnke Tagesordnung festgesetzt ist: 1) Anzeige neuer Eingaben; 2) Anzeigen von Berichten der Budgetkounmssiv». 3) Regierungsvorlagen. 4) Wahlprüfungen. 5) Berathung a) deS von dem Abg. Hebting erstatteten Berichts der Budgetkommission über die Rechnungsnachweisungen deö großh. Staatöministeriumö und deö großh. Ministeriums des großh. Hauses und der auswärtigen Angelegenheiten für die Jahre 1862 und 1863, d) des von dem Abg. Prestinari erstatteten Berichts der Bud» getkommrssloii über die Rechnungsnachweisungen des großh. Justizministeriums für die Jahre 1862 und 1863. Karlsruhe, 9. Febr. Der österreichische Antrag auf sofortige Ausnahme Holsteins in den deutschen Postvcrein wird von der Postkonserenz nicht angenommen. Um Vorbereitungen für die Aufnahme Holsteins zu treffen, dürfte eine Postkonfe- renz ad hoc einderuien werde». > — Se. k. Hoh. der Großherzog Haben gnädigst geruht, die auf den Kirchenrath Dr. Hitzig gefallene Wahl zum Prorektor der Uiilversiläk Heidelberg für das Studienjahr 1866 biö kahl» 1867 zu dcstätigeu. — Der Slaalsailuister Frhr. von Edelrheim ist in auswärtige» Aiigelegkiihelteii nach Vevey abgereeSl. * Sinsheim. Die Direktion der großh. Verkehrsan- stalten macht bckaunt, daß für den Sikinkoylen- uuo Äoaks« verkehr aus den Saargruben nach Stationen der badischen E iseudahntii mit dem 1. o. M. ein »euei Tarif mit ermäßigten Frachtsätzen ui Wirksamkeit getreten ist. — Dle Stadt Ederdach am Neckar, die bekanntlich viel Schifffahrt und Handel treibt, gedenkt eine Verbindungsbahn mit der Odenwälcer Eisenbahn längs des Neckars auf eigene Kosten und auf Kosten der sonst betheiligten Gemeinden zu errichten. X Reich a rtsha u sen, 9. Febr. Ein beklagenswcrther Unfall Yak uns einen Bürger geraubt. Ph. Ad. Schmitt fuhr mit einem Wagen Stroh nach Neckarhausen. Auf dem Heimweg begriffen» wollte er, zwischen WimmeiSbach und hier den Wagen besteigen oder verlassen, blieb um dem linken Fuß am Skiefeirohr an einem Zapfen des ober» Leiterbaumes hängen und wurde so auf dem hintern Theil des Kopfes, biö nach Hause geschleift. Nach unsägliche» Schmerze», verschied er nach 2 Stunden. Die Theilnahwe au diesem traurigen Geschicke ist allgemein. Mannheim. Die Vorarbeiten des PserdemarktkomitcS haben ergeben, baß wenn die neue Fettviehhalle, sowie ein dazu passender Raum im Bauhofe zu Stallungen hergerichtet sind, einschließlich der in der Stadt disponiblen Ställe, etwa 600 Pferde ganz bequem untergebracht werden können. — Hinsichilich der Verloofung wurde bestimmt, daß 1075 Preise gewonnen werden sollen, der erste Preis ist ein feiner Glas« wagen mit eleganten Pferden und vollständigem Geschirr, Werth 3000 fl, der zweite Preis ein hübsches Eoups mit einem Pferd und Geschirr, Werth 1800 fl., der dritte Preis ein gesatteltes Reitpferd, Werth 1300 fl., dann folgen fünf Luruspserde, Werlh 4500 fl, 20 Wagen, und Arbeitspferde, Werlh 8800 fl. u. s. w. Wem heim, 6. Febr. Gestern hat in den nahe gcle. genen Orte Oberflockenbach eu, der Wuth verdächtiger Hund zwei Knaben, mehrere Hunde und eine Anzahl Gänse gebissen. Der Hund wurde getödtet, jedoch ist noch nicht zur Genüge bargclhan, daß er wirklich wuthkrank war. Die Knaben be, finden sich in ärztlicher Behandlung. Aus Kälbcrlö Hausen wird, den Einbruch des Wolfes beircffend, nachträglich noch milgeiheili: Der Wolf brach Sonntag den 4. Februar, Nachts gegen 10 Uhr, in den leider unbewachten Pferch, in der Nahe des Kirchhofes. Das Raubthier, weil ganz ungehindert, legte eine solche Raub» und Würggier an de» Tag, daß 10 Schale sogleich tvdl und aut den durch Streifzüge ausgesuiicciicii und dis heule geschlachle« ten, beläuft sich die Anzahl auf 21 Stuck. Die Gemeinde hat dem derzeitigen Schäler, Jakob Rvos, zur Zeit in Neu- denau, weil er an dem ihn betroffenen große» Unglück keine Schuld trägt, 88 fl. aus der Gemeincekasse beigesteu.rl, beziehungsweise an seinem Pacht nachgelassen, was hier rühmend erwähnt wirb. — Ein Schäfer bei Mosbach bittet im «Odeu- wälder Bolen« die Bürgeruieisteräniier, ihre Ortsschäfer zu einer Besprechung wegen dem Wolf bis Freitag, den 16. Febr., Vormittags 10 Uhr auf bas Mvsbacher Raihyaus vorzuladen. Am 8. d. M. ist die große Leder abrlk der Herren Huni und Comp, in Friedrichshasen gänzlich abgrvrannl. Die preußischen Besestigiiiigsanlagen bei Düppel und auf Alse» werden augenblicklich schleunigst armirk. Stade, 6 Febr. In der Nacht vom 3. zum 4. d. ist an Bord der »Borussia« ein frecher Gaunerstreich ausgesuhrl worden. Das Dampsbovt war am Äveno deö 3. zwischen 8 und 9 Uhr in den Hamburger Hasen kingelausen, wodurch ein Theil der Passagiere sich veranlaßt sand, »och einmal ihre alte» Schlaskojen auszusuche». Am folgenden Morgen (4.) vermißte einerlier Reisende» seinen Ueverzieher und außerdem, zu seiner „ichl geringen Bestürzung, eine Brietlasche mit ungefähr 1500 Dollars Papier, welche er stets >n der Tasche bei sich trug. Trotz der genauesten Nachsvrschungen war von den vermißten Gegenständen nichls wieder zu enldeckea. AIS nun am Nachmitiag desselben Tages der Bestohlene mit schwerem Herzen daö Stader Dampsboor besteigt, um sich über Stabe in seine alte Heimat zu begeben, so fällt sein Auge aus einen Mann, dessen Kopfbedeckung auf eine» der Jngeniure von den größer» Dampsbvvten schließen laß«, dessen Ueverzieher aber dem ihm abhanden gekommenen zum Ver- wech>clu ähnlich sieht. Zwar mag er kaum seinen Äugen trauen und de» schwachen Hoffnungsschimmer verfolgen; doch bald wird ihm, waö er kaum zu veimuthen wagt, zur unzweifelhaften Gewißheit, als er plötzlich in de» Händen des ihm immer so verdächtigen Mannes eiiie ihm wohlbekannte Brieftasche erblickt. -L'ue sehen und de» Kapitän mit kurzen Worten von dem VorgefaUeneii in Keontniß setzen, ist die Sache eines Augenblicks, worauf dann der angebliche Ingenieur nach ohnmächligem Widerstande g-feffelt, zum Geständniffe seines Verbrechens vermocht und später dem hiesigen Gerichte auö- gcliefert wurde. Der Gauner ist, nach seinen späteren Aussagen, auS Hanau und will schon einmal auf der „Borussia" als Kohlenrräger gedient und sich nun Arbeit suchend, auf die „Borussia" begeben und bei dieser Gelegenheit den Diebstahl auögeführt haben. Die Kopfbedeckung mit dem Abzeichen der Offiziere hatte er sich erst später gekauft, vermuthlich in der Meinung, dadurch die etwaigen Nachforschungen besser von sich abteufen zu können. DaS Geld war zu großer Freude deö Bestohlenen noch fast vollzählig vorhanden. Es fehlte nur die kleine Summe von etwa 15 Doll. Die «Patrir« gibt über die Natur der militärischen Unterstützung, die Frankreich dem Papst angebeihen lassen will, genauere Auskunft. Hiernach will Frankreich allerdings, um das Seinige zur vollständigen Ausführung des September. Vertrages beitragen, die Werbungen für das päpstliche Heer möglichst unterstützen, aber eö denkt nicht daran, der römischen Regierung ein eigenes oder fremdes Korps, baS unter französischer Fahne diente, abziitreten. Nur die Bildung eines Bataillons Freiwilliger auS Frankreich oder dem Auö- lande, die in daö päpstliche Heer enikreken wollen, soll an irgend einem Punkte Frankreichs statlhaben können. Frankreich wurde sich weder um die Besoldung, noch um die Verwaltung dieses Korps kümmern, und die Leute würden »ach ihrem Etnlrltl >n den Kirchenstaat ausschließlich unter der Autoritär des Papstes stehen. Die römische Kurie hat mit Belgien, Spanien, Bayern und Oesterreich eine Werbekonveniion abgeschloffeu, worin die betreffenden Reglcrungeii ihren Beistand zu der Vermehrung der päpstlichen Kriegsmacht zusagen. Andere Regierungen, wie Holland und die Schweiz haben ein solches Ansinnen ab- gelehnt. Brüssel. Der Senat beschloß mit 33 gegen 15 Glimmen die Beibehaltung der Todesstrafe, obwohl der Justizmi- Ulster vor brr Abstimmung erklärt halle, er sehr keine Gefahr in der Abschaffung. Petersburg. Das Großsürstentbum Finnland ist von einer schrecklichen Hungerönoth heimgesucht. Besonders leidet bas Gouvernement Kuopio. Wegen Mangele an Futter wird das Vieh geschlachtet und das geerntete Getraive reicht nicht zur nächsten Saat. Mau kommt durch alle möglichen Mittel der unglücklichen Bevölkerung zur Hilfe. Der Gouverneur von Kuopio ist durch een Senat ermächtigt, die Gouverne- wentsgelder zu öffentlichen Ärbeiten zu verwenden. Außerdem werden Gelber vertheilk, Darlehen auf 5 Jahr« gemacht und Asyle für die ganz Mittellosen errichtet. Auf dem heiligen Berge Athoö, auf welchem bekanntlich 20 wvhlausgestattete griechische Klöster sich befinden, wurde da» schönste und am reichsten auögestalteke ein Raub der Flammen. Daö Feuer brach in einem benachbarten Hospize aus. Der Schaden beläuft sich aus 10 Millionen Piaster. Miszellen. * Der 15. Rechenschaflöbericht deö im Jahre 1834 ge- gründele» Vereins zur Rettung sittlich verwahrloster Kinder liegt vor u»S und wir freuen uns, der befriedigeiiben Erfolge, welche der Verein auch in de» beide» Jahren 1863 u. 1864 wieder erzielte. Im Jahre 1863 waren 127 männliche Zöglinge in der Fürsorge des Vereins, 17 wurde» daraus entlassen und zwar 13 als Gesellen »ach Beendigung der Lehre, 2 wegen gänzlichen Fehlschlagens jedeS Bcsscrungsoersuchü in den Relluttgsaiistalicn und 2 andere wegen gänzlichen Rückfalls ln die früheren Laster während der Lehrzeit. Von diesen 17 waren also 4 unverbesserlich, bei weiteren 4 ist die Nach- halligkeil der Besserung zweifelhasl; bei 9 war der Erfolg cnlschieden gut, bei einem sogar sehr gui. Von den im Jahr 1864 in der Fürsorge deö Vereins gewesenen 125 männlichen Zöglingen wurden 23 entlassen, 11 nach mit Erfolg über- tstandener Lehre, 1 wegen Eintritt alö Knecht, 1 wegen Eintritt in die Lehre bei seinem Vater, 3 wegen wiederholten böswilligen Entweichens auö der Anstalt, 5 wegen Entweichens aus der Lehre, 1 wetzen außerordentlicher Unreinlichkeit und 1 auf wiederholten dringenben Wunsch der HcimathSge- meinde in die Heimalh. Eö können also 11 als durchaus gebessert und fähig sich ihren LebenSunlerhai« selbst zu ekwerbrn, angesehen werden; bei 2 ist d«e Besserung zweifelhaft, bei 8 dagegen gelang die Besserung nicht und die zwei weiteren Zöglinge waren dem Vereine nur kurze Zeit anvertraut. Die Zahl der Zöglinge seit Gründung deS Vereins beträgt nun mit Weglassung der im Rettungshaus zu Konstanz befindlichen Mädchen 705. In letzterer Anstalk befanden sich 1863 und 1864: 15 Mädchen, davon kamen 2 in Dienste, worin sich dieselben zur Zufriedenheit ihrer Herrschaften noch befinden; 1 Mädchen war ebenfalls in Dienst getreten, mußte aber we- gen Heimwehs in die Reirungöanstalt zurückgenommen wer» den; 1 anderes wurde auf dringende» Verlangen ihren Vcr» wandten zurückgegeben, kam aber auf Veranlassung der Hei» matsbehörde wieder zurück, wo sie nun häusliche Dienste thut; 1 weiteres mußte wegen sehr bösen Beispiels entlassen werten. Der reine VermögenSbestanv beträgt 13,542 st. Wir empfehlen die wohlthäkige Anstalt der Lheilnahme des Volke» sehr dringend. * Wie die »Hung.« erzählt, begab sich kürzlich eine junge Sängerin nach Rio Janeiro, um dort ein vorlheilhafteS En» gagcment anzutreten. Die Künstlerin war hübsch, und an Bord sind alle Passagiere galant, schon aus Langeweile, wenn sie dieS auch sonst zu Lande gar nicht sein würden. So wurde unsere schöne Reisende bald von einem ganzen Schwarm eifri» ger Anbeter umgeben, allein sie hütete sich wohl, einen dieser Herren im Geringsten vor de» andern auözuzeichnen. So er» klärte sie denn eineö schönen Tage», alö sie von allen Seiten grausam, felsenhcrzig, unerbittlich und dergleichen gescholten wurde, sie wollte nur Demjenigen Herz und Hand schenken, der ihr seine wahre Liebe durch die That deweiie. Siehe da, o Wunder! e» fanden sich drei Tapfere, die der Schönen ihre Hand boten und den Beweis führen wollten, — alle drei waren dabei gleich wohlhabend, auch war keiner von ihnen auffallend von der Natur vernachlässigt. Unsere Künstlerin, die deö fahrenden Künstlerlebens ziemlich überdrüssig geworden, war nun sehr verlegen, welchen unter diesen Freiern sie be» glücken und wie sie deren Liebe auf dir Probe stellen solle. Sie ging deshalb zu dem Capital» deö Schiffes, an den sie von Bekannten besonders empfohlen war, um ihre Verlegenheit auseinander zu setzen und ihn uw seinen Rath zu bitten. Der Eapitain lächelte de, der Erzählung, strich sich seinen Schnurrbart und meinte: --Wir wollen zum Spaß eine kleine Ertränkungsscene aufführen. Stürzen Sie sich bei paffender Gelegenheit wie aus Unvorsichligkeit ins Wasser und wählen Sie dann denjenigen von ihren drei Freiern zum Gemahl, der sich Ihnen nachstürzt, um Sie zu retten. Für Sie soll keinerlei Gefahr b/i der Sache sein, ich werbe heute den ganzen Tag über eiu Boot bereit halten, um Sie svsort aufzunehmcn." Dieser Plan gefiel dem jungen Mädchen, und eS führte ihn nach einigen Stunden buchstäblich so aus, wie verabredet worden war; plötzlich trat sie auf dem Verdeck fehl und stürzte über Boro. Sofort sprangen ihr zwei der jungen Herren nach, der dritte rührte sich jedoch nicht. Die kühnen Retter konnten indessen beide nicht schwimmen uud wurden nur mit großer Mühe wieder ausgefischl. Die Heldin selbst desand sich läiktzst in dem wachthabende» Booie in Sicherheit, wurde über Lord gehißt und kleidete sich lachend um, alö sic erfahren hatte, daß ihren beide» Rettern weiter nichts zugestoßen sei. Alö sie wieder da« Verdeck betrat, näherte sich ihr der Capitain und fragte: „Nun, haben Sie sich jetzt für einen der Herren bestimmt?" — „Gott bewahre, ick weiß jetzt we» niger als je, waö ich thua soll. Sind nicht zwei zugleich über Bord gesprungen?" — „Daö ist schon wahr; abersehen Sie, liebes Fräulein, an Ihrer Stelle würbe mein Herz zwischen diesen Beiden nicht einen Augenblick schwanken." — „Wie so denn?" — „Run ich möchte ganz gewiß weder den Einen noch den Andern! Bedenken Sie doch! Junge Leute, die sich in's Wasser stürzen und nickt einmal schwimmen können! Welcher Mangel an Nachdenken! Welcher Leichtsinn!" — „Sie haben wahrhaftig Recht, lieber Capirain. Aus so unverständigen Menschen würden trübselige Ehemänner werden!" — „Jämmerliche! Ich an ihrer Stelle nehme den...." — „Den Dritten vielleicht, der dabei stand und zusah?" — „Ja wohl den Dritten oder einen Andern." Nachrichten auö Rio-Janciro zufolge soll die Sängerin bei der Ankunft daselbst jedoch auch den Dritten nicht gcheirathet haben, sondern den Capitain. * Am 26. Januar wurden drei Männer von Klosters in Graubünden >n der Nähe dieses Ortes beim Einsammeln von Wilbheu von einer Lawine überrascht. Zwei konnten sich durch Anklammern retten, einer aber wurde mit in die Tiefe gerissen, wo er erst am Abend tobt aufgefunden wurde. Das „Bündner Tagbl.» erinnert bei dieser Gelegenheit, daß am 10. Jan. 1808 an der gleichen Stelle ebenfalls drei Männer von einer Lawine fortgcriffcn wurden, von denen einer toet und der andere noch lebend in desselben aufgefunden ward, während der dritte durch den gewalkigen Winddruck der Lawine hoch durch die Luft über die Lancquart auf die andere Seile des Thales hinüber getragen wurde, ohne daß er die geringste Verletzung erlitt. Dieser Mann erzählte später ostmalö, »das Fliegen habe ihm gar nicht übel gefallen, aber das Nieder- setzen habe er gefürchtet, es fei jedoch über alles Erwarten gut abgelaufen„. Ei» ähnlicher Fall, der noch merkwürdiger ist, trug sich in dem Jahre 1820 zwischen Lavin und Quar- bian im Engadin zu mit einem gewissen Hans Pbister, einem Fuhrmann auö dem Oberlande, der noch am Leben ist. Derselbe befand sich mit noch anderen Fuhrleuten auf der dortigen alten Bergstraße an der Stelle der gefährlichen Gouda- Lawine, alö dieselbe plötzlich stürzte und ihn mit Roß und Schlitten mrhreie 100 Fuß hoch über den Bergabhang hinab trug, wo er am jenfeliigen Ufer der Ins liegen blieb. Roß und Schlitten wäre» zerfchwellerl, der Mann aber war unverletzt. In cen hier angeführten Fällen waren jedesmal Staublawinen Ursache »es Unglücks, welche von den bei warmem Wetter entstehenden Schtaglawinen zu unterscheiden sind. Diese haben einen fchwerc» Schnee, der nicht durch die Lust stiegt, soiide,n über daö Erdreich, immer größer werdend, stromartig hinabrukscht, während die Staublawinen wie im Sturmwilide blitzschnell verlaufen. Eine solche Lawine war rö auch, die im Jahre 1689 da« Dorf Bafcknal im Prättigau verschuitele, bei welcher Katastrophe 58 Menschen und 300 Stück Vieh ihr Leben verloren. * Ueber Trichinen. Ein ungarischer Oekonom theill mit, daß in Ungarn die Trichinen unter den Schweinen auch Vorkommen und dorr längst bekannt seien. Daß die Krankheit nicht aus die Menschen übergehe, werde theils durch das dort übliche ordentliche Kochen und Räuchern des Fleisches verhlndeit, khcilö dadurch, daß man das als trichinös erkannte Fleisch uickt verspeise. Man habe beim Esse» desselben ein Gefühl, als ob man Sandkörner zwischen den Zähnen habe; daran lasse sich's leicht erkennen. In feiner Heimat gebe man trichinösen Schweinen Hanffaamen zu fressen, was sic in 14 Tagen heile; daß sie trichinös seien, erkenne man an ihrer absonderlich«!! Scheue und Bissigkeit und an der Neigung, am Holz zu nage». Mannheim, 8. Fedr. (Mannb. Börse.) Weizen und Gerste blieben in starker Frage bei steigende» Preifen. Hafer starker Abzug nach Frankreich; Roggen ruhig. Mehl schwach begehrt, doch preiöhalkend. Rüböl >l>Ue. Leinöl preiöhallenv. Kleefarnen ruhig. Spiritus schwacher Verkehr. Petroleum in weichender Tendenz bei starken Offerten. Xediftirt, Druck m* Verla« twu D. P flüerer in SinSbeim.