VerkündunqSblatt der Großherzogl. Bezirksämter Sinsheim und Eppingen und der Großherzogl. Amtsgerichte Sinsheim, Aieckaxbischofsheim und Eppingen. Jß 137. Donnerstag. den 15. November 1866. [1220] Gütererwerbung zum Eisenbahnbau betreffend. Am Mittwoch den 14. d. M. beginnt der Ankauf der auf Sinsheimer Gemarkung in die Eisenbahnanlage fallenden Liegenschaften, wovon die Betheiligten benachrichtigt werden. Linsheirn, den 13. November 1866. Bürgermeisteramt. Heiß. Laux. [1219] Die Liste der Geschworenen für das Jahr 1867 betr. Nr. 8622. Nachstehend wird bas Verzeichniß der Geschworenen für das Jahr 1867 bekannt gemacht mit dem Bemerken, daß wenn ein in dasselbe Eingetragener, aus einem gesetzlichen Grunde um Befreiung von dem Geschwornenamte nachsuchen will, er sein Gesuch mit den erforderlichen Nachweisungen unverzüglich bei dem Kreis- und Hofgerichte Mannheim einzureichen hat. 1. Wilhelm Grauli von Adelshofen, 2. August Engelhardt von Berwangcn, 3. Georg Volz von Elsenz, 4. Karl Hartmann von Eppingen, 5. MoseS Lob Regensburger von da, 6. Heinrich Gebhardt Ph. S. von da, 7. Friedrich Thomä von da, 8. Heinrich Vielhaner Ad. S. von da, 9. Friedrich Klcinheinö von Gemmingcn, 10. Paul Gebhardt von da, 11. Georg Britsch von Jttlingen, 12. Friedrich Spißmann von da, 13. Karl Körner von Landshansen, 14. Andreas Schühle von Mühlbach, 15. Jakob Knier von Richen, 16. Tobias Hagenbucher von Snlzfcld, 17. Georg Weicknm von Stebbach. Eppingen, den 6. November 1866. Großherzoglich bad. Bezirksamt. L a ti g. Weis. [1218] Amtsgericht Sinsheim. Ort Hilsbach. Liegenjchafts-Versteige- rungs-Ankündigung. In Folge richterlicher Verfügung werden den Johannes Ledermann, Wagner, Eheleute in Hilsbach, auf dortigem Rathhanse Dienstag den 18. Dezember 1866, Vormittags 9 Uhr, nachbeschriebene Liegenschaften im Zwangswege öffentlich zu Eigenthum versteigert und erfolgt der endgiltige Zuschlag, wenn der Schätzungspreis oder darüber geboten wird. Liegenschaften. Gemarkung Hilsbach, a) Häuser und Gebäude: 1. ' SchätznngS- Die Hälfte an einem zweistöcki- preis, gen Wohnhause sammt Scheuer und Stallung unter einein Dache im Orte Hilsbach in der Lam- pertsgaffe, neben Johann Huber und Josef Vetter, vornen die Straße, hinten Jakob Keller, 600 fl. b) Aeckcr: 2 . 1 Viertel 4,8 Ruthen im Säu- berbcrg, neben Johann Holzwarth und Heinrich Lörz, Wittwe, 90 fl. 3. 76,2 Ruthen in den Kreuzäcker, neben Eichmüller, Johann Holzwarth und Michael Eggensperger, 150 fl. 4. 70.7 Ruthen auf der Wanne, neben Heinrich Keller und Georg Waibel, 70 fl. 5. 2 Viertel 65 Ruthen beim Nuß- bänmel, an der Weiterer Straße, neben Heinrich Holzwarth und Martin Friedrich von Weiler, 630 fl. o) Wiesen: 6 . 13,.1 Ruthen Bleichwiesen unter der Stadt, neben David Sommer, Wittwe, und Heinrich Keller, 30 fl. 3) Weinberge: 7. 1 Viertel 67,7 Ruthen im Katharinenberg, neben Jakob Müller und Ackerfeld, 170 fl. 8 . 99 Ruthen im Hasenloch, neben Philipp Ohmer Erben und Friedrich Vetter Erben, 60 fl. e) Gärten: 9. 15.7 Ruthen in der Attig, neben dem Weg und Karl Lang, 30 fl. 10 . 32.8 Ruthen in der Attig, neben Georg Keller und Johann Webtr Erben, 40 fl. Summa 1870 fl. Zehnachthundert sieben zig Gulden. Die Stcigerungsbedingungen liegen auf dem Rathhanse zu Hilsbach zu Jedermanns Einsicht offen. Sinsheim, den 27. Oktober 1866. Der Vollstrcckungsbeamte. Stein. [1221] Steinsfurth. Fahrnißversteigerung. Auf Antrag der Erben des verlebten Adlerwirths Wilhelm Leonhardt von hier und mit gerichtlicher Ermächtigung vom 8. d. M. Nr. 6106 werden in der Behausung des Verstorbenen Montag den 19. d. M., Vormittags 9 Uhr, versteigert: 1 großer vierspänniger Pferdewagcn, ein zweispänniger Wagen, Chaise, 2 Pflüge, 2 Eggen, Pferde- und Kuhgeschirre, 2 Pferde, 2 Kühe, 1 Rind, 4 fette Schweine, 1 Mutterschweiu, 2 Läuserschweine und 330 Maas Wein. Stcinsfnrth, 10. Nov. 1866. Das Bürgermeisteramt. Gebhardt. _ Ehmann. Anzeige. [1222] Donnerstag den 22. d. Mts., Morgens 9 Uhr anfangend, läßt die Un* terzeichnete in ihrer Behausung 2 gute Zugpferde sammt Geschirr, ein Fohlen, ein Wagen mit Heuleiter und sonstige Fahrnisse- gegen baare Zahlung öffentlich versteigern, wozu die Liebhaber einladet Reichartshausen, den 13. Novbr. 1866. Philipp Adam Schmitfs Wittwe. neuester Konstruktion, sowie Glocke», CyliriÄer und Dochte sind zu haben bei Eh. Hoffmann in Sinsheim. Grdöl Lampen neuester Konstruktion, sowie Glocke», ®f 578 — [1206J Reichartshausen. Danksagung und Empfehlung. Indem ich hiermit zur öffentlichen Kenntniß bringe, daß ich die Gastwirthschaft zum "Rossel" dahier in Folge Verkaufs der Wirthschaftsrealitäten am lb. Nov. d. I. an Bierbrauer Wilhelm Naber abtrete, sage ich allen Denen, die meine Wirthschaft bisher besuchten, herzlich Dank und empfehle ihnen, sowie dem gesammten Publikum meinen Nachfolger zur gefälligen Berücksichtigung. Jakob Schilling. Mit Bezug auf obige Veröffentlichung erlaube ich mir anzuzeigen, daß ich am 15. Nov. die Gastwirthschaft zum „Rössel" eröffnet habe und lade unter Zusicherung reeller und in jeder Beziehung guter Bedienung zum gefälligen Besuche freundlichst ein. Wilhelm Naber, Bierbrauer. Turnverein Sinsheim. [1217] Ich setze die activen Turner hiervon in Kenntniß, daß Donnerstag den 15. d. M. daö Winterturnen seinen Anfang nimmt. Sinsheim, 12. Novbr. 1866. Der Curnrvart. [1214] Anwalt vr. Choma aus Heidelberg ist Mittwoch den 21. d. MtS. in Sinsheim wieder zu sprechen. Für Augen-Mir unke ! Das mit allerhöchster Concession beliehene als heilend und stärkend berühmte ächte vr.White's Angeuwasser ist in Flacons ä 36 kr. zu beziehen in Sinsheim durch E. I. Stutzmann. ckeiiistes böhmisches Drauerpech empfiehlt Ernst 3ac. Sintzmann in Sinsheim. Winterhandfchuhe in schönen Farben und sehr guten Stoffen für Herren, Damen und Kinder; ebenso Glavehnn-schnhe in den modernsten Farben und von vorzüglicher Qualität bei CH. Aeßler in Sinsheim. 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Amtsgerichte Mannheim. ][ Aus der Diöcese Sinsheim, 12. Nov. Heute fand die jährliche Diöcesanshnode dahier statt. Die lcbhafi, aber in Eintracht gepflogenen Verhandlungen erstreckten sich auf die religiös-sittlichen Zustände und das Ärmenwesen; auf den religiösen Schulunterricht und die Schulzucht in den Schulen der Diöcese; auf die Patronatspfarreien, Pfarrwahlen und auf die Sonutags- schulen. Eigentliche Verhandlungen riefen besonders die zunehmende Zahl der gemischten Chen hervor und wurde ein Beschluß hinsichtlich des Verhaltens evang. Geistlichen gegenüber den von dem erzbischöfl. Ordinariat verlangten Reversen gefaßt. Der durch die Schullehrer ertheilte Religionsunterricht habe auch in diesem Jahre befriedigt und die Schulreform denselben nicht beeinträchtigt. Die Patronatspfarreien sollen den andern Gemeinden baldmöglichst gleichgestellt und ihnen Pfarrwahlrecht eingeräumt werden. Die Sonntagsschule solle nicht aufgehoben, sondern als ausschließliche Religionsschule beibehalten werden. Schließlich wurde, da der bisherige Dekan, Hr. Pfr. vr. Kühlenthal, sein Amt niedergelegt hat, Herr Pfarrer Schleich von Rohrbach als solcher erwählt. Als Diöcesanausschuß-Mit- glieder wurden Pfr. Frank von Duhren, Pfr. Hilsbach von Eschelbach und Bürgermeister Sterzenbach von Dühren erwählt. Alle Genannten haben die auf sie gefallene Wahl ange- nominen. — Wie von Berlin der --D. A. Z." berichtet wird, geht das Gerücht, daß eine Begegnung zwischen dem König Wilhelm und dem Kaiser der Franzosen bevorstche, an welche sich möz- lickdrweise im Frühjahr ein Besuch des Kaisers jn Berlin knüpfen dürfte. Ans Baden, 9. Nov. Schon in früheren Jahren haben einzelne badische Offiziere ihre weitere militärische Ausbildung in preußischen Kriegsschulen erhalten. Diese Offiziere haben dann ihre Verwendung in der Regel im Generalstab erhalten. Jetzt sind von unserer Regierung in Berlin Unterhandlungen augeknüpft, um den badischen Aspiranten des Ofsiziersstandes den Eintritt in die preußischen Militärschnlen zu eröffnen. Wie wir vernehmen, ist man preußischer Seits geneigt, dieß zu gestatten; es handelt sich nur noch um Feststellung der Modalitäten, unter denen die Aufnahme badischer Kriegsschüler in preußische Militärbildungsanstalten erfolgen soll. Es ist dieß ein erster wirksamer Schritt, um die militärische Verbindung mit Preußen herzustellen. (S. M.) Mannheim, 12. Nov. Dieser Tage wurden durch Einbruch in ein hiesiges Comptoir ca. 120» fl. gestohlen; Heute Nacht versuchten Diebe in einem Spezereiladen einzubrechen, wurden aber dabei von der Wachmannschaft erwischt. Ludwigshasen a. Rh., 11. Nov. Gestern Morgen ereignete sich in einer hiesigen Fabrik das Unglück, daß ein Knabe vom Rade der Transmission einer Dampfmaschine erfaßt, durch einen Riemen festgehalten, 3 Minuten lang herumgetrieben wurde, wobei ihm durch das oben und unten befindliche Gebälke beide Beine und Hänee abgerissen, Kopf und Körper förmlich zersplittert wurden. Aschaffenburg, 9. Nov. Jn dem benachbarten Laufach- Frohnhofen fand gestern die kirchliche Einsegnung der Hessengräber durch einen katholischen und protestantischen Geistlichen und die feierliche Grundsteinlegung zu einem Denkmal für die Gefallenen statt, welcher Zeremonie außer der Generalität Deptv- tationen aller hessischen Truppenkörper offiziell beiwohnten. Den Schluß bildete ein Diner, das von Johannitern gegeben wurde. München, 9. Nov. Das Militär-Verordnungsblatt Nr. 63 enthält einen Armeebefehl, d. d. Hohenschwangau, 7. Nov., wornach Se. Königl. Hoh. der Prinz Karl von Bayern mcker rühmender und dankender Anerkennung seiner dem Thron und Vaterland geleistete» Dienste auf dringendes Ansuchen von seinen sämmtlichen militärischen Würden mit tiefem innigem Bedauern von Sr. Maj. dem König Ludwig von Bayern enthoben wird. Ans Wiesbaden, 8. Nov., enthält die "Köln. Ztg." eine Zuschrift vc,i Generalmajor v. Holbach, in welcher derselbe ihre (auch in dieses Blatt übergegangene) Mittheilung über den Besuch nassauischer Osfiziere in Rumpenheim für unwahr erklärt. Berlin, 8. Nov. Die preußisch-polnischen Journale glauben, daß Oesterreich nach seiner inneren Confolidirung entschieden die polnische Frage aufnehmen und in Derbindung mit Frankreich zur definitiven Lösung bringen werde. Sie empfehlen daher den Polen aller Parteien unbedingtes Vertrauen zur österreichischen Politik und energische Unterstützung derselben. In dieser Beziehung wird dem in Posen vom Abgeordneten Wati- gorski redigirten Dz. Pozn. von seinem hiesigen Correspondenten geschrieben: „Ein wichtiger Augenblick ist für Polen gekommen, wir gehen mit schnellen Schritten entscheidenden Ereignissen entgegen, und die polnische Frage kann eher ausgenommen werden, als man erwarten dürfte. Möchten diese Ereignisse uns nicht unvorbereitet, nicht ohne bestimmtes Programm treffen. Es handelt sich in diesem Programm nicht um das Ziel der polnischen Wünsche, das ja aller Welt und somit auch unseren Feinden bekannt ist, sondern lediglich um die Mittel zur Erreichung dieses Zieles, um die Politik, welche die Polen den gegenwärtigen und zukünftigen Ereignissen gegenüber zu befolgen haben, um die Politik, welche der Nation eine bessere Zukunft bereiten kann.« Es wird nachgewiesen, daß Oesterreich durch sein eigenes Interesse gezwungen sei, als Rivale Rußlands im Orient aufzu- treteu und sich der polnischen Frage als der einzigen Waffe zu bedienen, mit der es Rußland die Spitze bieten könne. Berlin, 10. Nov. Nach den nunmehr ergänzten und berichtigten preußischen Verlustlisten betrug der Gesammtverlnst der preußischen Armee nebst verbündeten Truppen in dem Kriege gegen Oesterreich und die übrigen deutschen Staaten an todten, verwundeten oder vermißten Offizieren, nach der „Brest. Ztg.« etwa 800, an Unteroffizieren und Soldaten gegen 20,000; dem gegenüber stand auf österreichischer Seite ein Verlust von 2465 gctödteten oder verwundeten Offizieren und über 50,000 in diesseitigen Depots eingelieferten Gefangenen, worunter 930 Offiziere, wahrend die Zahl der gebliebenen oder verwundeten österreichischen Soldaten noch nicht näher bekannt ist. Von den preußischen Verwundeten sind in den Lazarethen ca. 130 Osfiziere und 3000 Soldaten gestorben, wonach mit Einschluß der vor dem Feinde gebliebenen sich ein Gesammtverlnst von nahe an 300 todten Offizieren und 3500 todten Unteroffiziere!! und Soldaten ergibt. In der Schlacht von Königgrätz allein hat die preußische Armee bei einer Stärke von 200,000 Mann ungefähr 1h,000 Mann cingebüßt. Demnach ist der preußischer Seits erlittene Verlust auf etwa 7 Prozent berechnet; aber so bedeutend er immerhin erscheinen mag, ist er doch um Vieles geringer, als er sich in früheren Schlachten herausstellte. Nament- ljch wird der preußische Verlust am ersten Schlachttage von Leipzig für das Äleist'sche Korps auf 23, der des Bülow'schen bei Belle-Alliance auf 2 l Prozent an Todten und Verwundeten berechnet. (N. Z.) Berlin, 11. Nov. Heute wurde in allen hiesigen Kirchen, sowie in den Bethäusern und in der jüdischen Synagoge die gottesdienstliche FricdenSfeier begangen. Der König und die hier anwesenden Mitglieder des Königshauses wohnten Vormittags dem FestgottcSdienst in der Garnisonskirche bei. Die an dieser Feier Theil nehmenden Osfiziere und Soldaten erschienen im Paradeanzug. Genf, 12. Nov. Die Regierung hat dem Bundesrath an- gezeigt, daß bei den gestrigen Wahlen in den Großen Rath im Wahlgcbäude arge Prügeleien vorgekommen seien. Ein Bataillon Landwehr wurde aufgeboten und nöthigenfalls werde ein weiteres Aufgebot erfolgen. — Die eidgenössische Expertenkommission für Hinterladungs- waffen, welche am Freitag in Bern Sitzung hielt und am Samstag mit der taktischen Commission konferirte, hat beschlossen, den eidgenössischen Behörden die Einführung des Winchester-Repetir- aewehres für die gaich vundesarniee zu empfehlen. Rom, 10. Nov. Schon früher war wiederholt die Rede von der durch Naturschönheit, Klima und Weltlage ausgezeichneten Insel Majorca als künftigem Asyl des päpstlichen Hofes. Die Gazzetta di Torino erfährt jetzt, daß im Königsschlosst auf dieser Insel Alles zu des Papstes Einpfange bereit gemacht wird, da Pius IX. dahin zu gehen versprochen habe, falls in Rom die Revolution ihr Haupt erhebe. Nach Malta, das scheint fest zu stehen, geht der Papst in keinem Falle. Toulon, 10. Novbr. Das Panzergeschwader hat Befehl erhalten, am 29. d. Ni. abzufahren; man versichert, daß es die französischen Truppen aus Rom zurückbringen wird. St. Petersburg, 9. Nov. Heute Morgen um 8 Uhr verkündeten fünf Kanonenschüsse von der Zitadelle den Bewohnern der Residenz, daß an biefcm Tage die Vermählung des Großfürsten-ThronfolgerS und der Prinzessin Maria Feovorowna stattfinden werde. Petersburg, 10. Nov. Ein kaiserliches Dekret schafft die Servituten, Auflagen und Monopole, auf 450 Städten Polens lastend, theils dem Staate, theils Eigeuthümern der Städte zufolge alter Feudalrechte zustehend, ab. Der Staat verzichtet unentgelolich, Privateigenlhümer werden entschädigt. Nenyork, 31. Oktbr. Was die mexikanischen Angelegenheiten betrifft, so meldet die „Neuhork Times«, daß Hr. Campbell als beglaubigter Gesandter der Vereinigten Staaten bei Juarez nach Mexiko abgegangen sei. Im nächsten Monat werden die Franzosen ihren Abzug beginnen, und mit ihnen werde auch Maximilian abreisen; eine unionistische Armee und Flotte würden bereit gehalten werden, um Juarez nöthigenfalls zu unterstützen. Mexiko werde ein gewisses Stück Gebiet, welches durch eine Linie von der Mündung des Rio Grande bis Guay- mas begrenzt sei, an die Vereinigten Staaten abtreten. — Der „Monde« berichtet heute über eine schreckliche Katastrophe, welche die christlichen Bewohner der Insel Candia heungesucht hat, welche schon ohnehin so grausam von de» Ucbelu des Krieges zu leiden hatten. Sechshundert griechische Familien, die ihre Dörfer verlassen hatten, hatten sich in die berühmte Grotte Melidoni geflüchtet. Fürchterliche Regengüsse überschwemmten diese Höhle und ihre Bewohner ertranken sämmt- lich. Man zahlt an drei Tausend Opfer dieses schrecklichen Unglückes. Weltausstellung zu Paris 1867. Man schreibt hierüber der Freib. Ztg.: Die Arbeiten für die Ausstellung rücken rasch vorwärts. Das Gebäude erhält eine ovale, ringförmige Gestalt und stuft sich wie ein Circus nach innen ab. Der äußerste höchste Ring wird die Maschinen enthalten, und so werden alle Gegenstände nach ihrem Umfang untergebracht. Im Herzen des Gebäudes wird ein gedeckter englischer Garten angelegt werden, und um das ganze Gebäude herum wird sich eine gedeckte Vorhalle ziehen, die zu beiden Seiten mit Restaurants aller Nationen, Bier- und Weinhäusern, Cafö's, Glaciores rc. garnirt wird und in die, sowie auch in den Blaschineuraum, Fuhrwerke einfabren köunxg, so daß man den weitesten Ring bequem durchfahren kann. . Dieser äußerste Ring ist dreimal so breit als die Kaiserstraße in Freiburg und, um denselben ohne Aufenthalt zu durchlaufen, wird eine halbe Stunde kaum hinreichend sein. Die Gesammtlauge aller Gal- lerien beträgt 74 Kilometer, eine Strecke, die auch der unermüdlichste Fußgänger schwerlich in einem Male machen wird. Deßhalb ist ein sonderbares Projekt aufgetaucht, das mir aber nicht unpraktisch scheint. Man will nämlich eine große Anzahl Rollstühle aufstellen, deren jeder von einem Dienstmann bedient und welcher nach gesetzlichem Tarif bezahlt wird. Für alte, gebrechliche Leute wäre diese Einrichtung jedenfalls von großem Nutzen. Die vorderste Hälfte des mächtigen Baues wird ganz von — 580 — Frankreich und seinen Kolonien eingenommen. Die Hintere Hälfte ist in drei gleiche Theile getheilt. Das rechte Drittel ist für England bestimmt, das linke für Deutschland, inklus. Oesterreich, und das mittlere Drittel wird unter die übrigen europäischen und nichteuropäischen Staaten vcrtheilt. Ursprünglich war der deutsche Antheil in drei Theile getheilt: Preußen, Oesterreich und die Mittel- und Kleinstaaten. Jetzt beansprucht aber Preus- sen das Recht, alle deutschen Staaten, Oesterreich ausgenommen, zu repräsentiren, und soll dcßhalb bei den betreffenden Regierungen schon die nöthigen Schritte gethan haben. So wäre denn die deutsche Einigkeit zum ersten Male in Paris verwirklicht. Der Palast wird von reizenden Gartenanlagen umgeben sein, in welchen kleinere Gebäude, z. B. Cafv's, Concerts, Theater aller Völker, Villa's in den verschiedensten Bausthlen rc. errichtet werden. Zwei derselben sind schon beendigt: eine Kirche, in welcher alle zum katholischen Kultus gehörigen Gegenstände ausgestellt werden, und ein morgenläudischer Palast, den der Bicekönig von Egypten erbauen ließ. Am Rande des MarsfcldeS besiudet sich ein Bahnhof der Gürteleisenbahn, die mit allen Pariser Bahnhöfen korrespondirt. Durch einen unterirdische» Gang gelangt man auf das Seine- Quai, von wo aus kleine, schnelle Dampfer den Rcisenoe» nach den entferntesten Stadttheileu bringen, und außerdem werden zahlreiche Omnibusse, Dampfwagen. Fuhrwerke aller Art dem Publikum zur Verfügung stehen. Ueber fernere einzelne Projekte zirkuliren die abenteuerlichsten Gerüchte. So z. B. wollen die hiesigen Juweliere ihre Produkte in einem gänzlich runden Saal vereinigen, dessen Fußboden sich durch einen Mechanismus langsam dreht und so den Beschauer gemächlich von einem Gegenstand zum andern führt. Miszellen. * Unter den während der Reise des Kaisers von Oesterreich in Mähren Dekorirten befindet sich auch die Dienstmagd Franziska Klar. Die>elbe wurde nämlich für ihren an den Tag gelegten Patriotismus und ihre Menschenfreundlichkeit, die sie auf dem Schlachtfelde bethätigte, mit dem silbernen Verdienstkreuze ausgezeichnet. Sie war bei dem Müller in Nenakonitz bedienstet und hatte, als der Kampf am 15. Juli daselbst wü- thcte, trotz des Kugelregens die österreichischen Verwundeten gelabt und war eben im Begriff, einen Verwundeten zu verbinden, als ein Schuß in das Kniegelenk ihre Thatigkeit lähmte. Sie liegt noch an ihrer Wunde im Olmützer Krankenhause darnieder und befindet sich keineswegs außer aller Gefahr. Als der Kaiser das Krankenhaus besuchte, versprach er für sie und ihre alte Mutter zu sorgen. * Ein Selbstmord mit Concert. Lord K. war einer der größten Musikliebhaber Großbritaniens. Wöchentlich einmal versammelte er Alles, was London an Celebritaten der musikalischen Kunst barg, in seinen Salons. Kürzlich kündigte er, wie ausländische Blätter erzählen, ein außergewöhnliches Konzert an, zu welchem er zahlreiche Einladungen ergehen ließ. Die Gesellschaft wurde am festgesetzten Tage in einem mit schwarzem Sammt drapirten Salon empfangen, dessen spärliche Beleuchtung an den Wänden die in Silber gestickten Wappen des Lords erkennen ließ. Das Orchester war in einem von dem Salon durch einen einfachen Vorhang getrennten Cabinet. Die Gäste staunten über die eigenthümliche Idee Mylords und erwarteten mit Ungeduld den Beginn des Konzerts. Den Anfang desselben bildete das Stabat mater, dann folgte eine der schönsten Partien aus der Todtenmesse von Lesneur, als plötzlich ein Schuß ertönte, worauf augenblicklich die Musik mit dem Requiem ein- ffel. Nach einigen Augenblicken stürzten die Diener in den Salon mit dem Rufe: »Mylord hat sich erschossen.» Jn der That fand man den Herrn des Hauses in einem anstoßenden Gemach mit zerschmettertem Hirn auf dem Sopha liegend vor. Auf dem Kamin lag ein Papier, worauf geschrieben stand: »Ich langweile mich über alle Maßen; doch verehre ich die Musik und will, daß diese meinen letzten Athemzug begleite. Ich habe den Musikern befohlen, sobald sie den Pistolenschuß vernommen haben, das Requiem auszuführen. Sie verkünden so meinen Tod, ohne daß sie es wissen. Thun sie es nicht, sollen sie keine Bezahlung erhalten, da sie mich der Seelenruhe berauben. Meinen Gästen sage ich hiermit mein letztes Lebewohl, und fordere sie auf, meinem Beispiel zu folgen.» * Auf dein Bänmleöburger Hofe bei Münsingen wurde eine ganze Schafheerde von 147 Stück gestohlen. Die geraubten unschuldigen Lämmer ivurden ein paar Tage darauf ans einer auswärtigen Weide vorgefmidcn, wohin sie der Dieb gebracht hatte. Sinsheim. Die Theatergcsellschaft der Frau Schweißer Wittwe hat uns nach einein Aufenthalte von sechs Wochen wieder verlassen, um nach Mosbach überzusicreln. Die Leistungen der Gesellschaft befriedigten im Allgemeinen; wenn auch vom Standpunkte der Kunst aus genoinmeu, bei Einzelnen Manches zu wünschen übrig blieb, so boten doch die engagirten Mitglieder wackere Kräfte, welche sie auf ehrenhafte Weise zum Besten des Institutes entwickelten. Das sehr empfängliche und dankbare Publikum lohnte dieses Streben durch häufig wiederholte Beifallsäusserunge» und durchschnittlich zahlreiche» Besuch; um so mehr aber muß die schnelle, so zu sagen plötzliche Abreise der Gesellschaft befremden. Kunstgenüsse sind hierorts so selten und die Winterabende so langweilig, daß der Wunsch, eine solide, wenn auch kleine Theatcrgesellfchaft etwas länger als sechs Wochen zu besitzen, von Seiten des Publikums nicht unbescheiden sein dürfte. Da wir nun freilich nicht wissen, welche Ursachen Frau Direktor Schweißer bewogen haben, so bald Abschied zu nehmen, bleibt uns nichts übrig, als uns der Hoffnung hinzngeben, daß vi lleicht, ehe noch die Wintermonate ihren Schneckenlauf beendet, eine andere, convenable Schauspieler-Gesellschaft durch die löblichen Behörden autorisirt werde, unseren Wünschen zu willfahren. Ein Theaterfreund im Namen Mehrerer. Mannheim, 12. Nov. (Mannheimer Börse.) Weizen und Roggen blieben in guter Frage zu etwas höheren Preisen. Gerste und Hafer etwas ruhiger. Hafer anhaltend gefragt zum Export nach Frankreich. Wiehl ohne Veränderung. Klecsaat sehr fest. Leinöl wenig Umsatz. Rüböl etwas mehr gefragt und preishaltend. Petroleum besser beachtet. — Weizen, hiesiger, fl. 15. 80G., fl. 15. 45 P., ungarischer, fl. 15. 20 G., fl. 15. 40 P., Roggen, effektiv, fl. I I. G., fl. 11. 15 P., Gerste, effektiv, hiesiger Gegend, neue, fl. 11. 20 G., fl. 11. 30 P., württem- bergische, fl. 11. 30 P., Hafer, eff., fl. 4. 15 G., fl. 4. 20 P., Kernen, fl. 15. 30 P., Bohnen fl. 13. bis fl. 14. P., Linsen, fl. 15. bis fl. 25. P., Erbsen fl. 12 bis fl. 13. P., Kleesaamen, deutscher, Prima, fl. 32. 30 G., fl. 33. P.» Secunda fl. 31. P., Luzerner, fl. 29. bis fl. 30. P., Esparsette fl. 7. P., Leinöl, eff., in Parthieen, Inland, fl. 25. 45 P., faßweise, fl. 25. 45 G., fl. 26. P., Rüböl, eff., Inland, faßweise, fl. 26. 30 P., in Parthieen fl. 25 45 G., fl. 26 P., auf Lieferung pr. Nov, fl. 26. 30 P., Weizenmehl, Nr. 0, fl. 12. 45 P., Nr. 1, fl. 12 G., fl. 12. 15 P., dir. 2, fl. 10. 30 P., Roggcnmehl Nr. 0 und 1, Stettiner fl. 9. G., fl. 9. 15 P., Branntwein, effektiv, transit, fl. 23. 30 P., Sprit, transit, fein, fl. 46 bis 48 P., Petroleum, fl. 16. G., fl. 16. 30 P. Redigirt, Druck und Pertag von D. Pfisterer m Smsdeim.