Der kmidliote. für den Lokalblatt Amtsbezirk Sinslicim und U m g e b u n g. Jfo 49. Erscheint 3mal wöchentlich, Dienstag, Donnerstag, Samstag. Dienstag den 26. April Einrücknngsgebiihr: die ein- 4 Q*r spaltige Zeile 3 tr. lO/vJ. O Zur Lage in Frankreich. Das ist nun nahezu ein Jahr her, seit die "friedliche Revolution" unsere westlichen Nachbarn in Athem erhält. Rur zögernd, Schritl für Schritt, hat Nopoleon III. dem Liberalismus seine Zugeständnisse gemacht, während eS doch sofort eines offene» und entschiedenen Bruches mit dem ganzen Geiste der Verfassung von 1852 bedurst hätte, wenn anders für eine ehrlich konstitutionelle Regierungsweise die nolhwendigsten Borbedingungen geschaffen werden sollten. Nüchterne Beobachter haben darum von vornherein bezweifelt, daß es dem alternden Kaiser mit der Bekehrung zum Parlamentarismus voller Ernst, und mehr noch, daß chm dieselbe bei dem Grundcharakter des Bonapartismus überhaupt möglich sei. Fast schienen riese Schwarzseher widerlegt, als am 2. Januar d. I. ein wirklich parlamentarisches Ministerium zur Führung der Geschäfte berufen ward. Unter schwierige» Verhältnissen, auf's heftigste a»«eseindet von rechts und links, ging das Ka- binet Ollivier rüstig an's Werk, »das Kaiserthum mit der Freiheit zu versöbnen.« Nicht Unwesentliches ward erreicht. Und eben jetzt stand man auf dem Punkte, den höchste» Trumpf ausznspielcu. Bisher war der Wirkungskreis der Volksvertretung zumeist dadurch beengt, daß seiner gesetzgeberischen Thätig- keit ein ansehnliches Gebiet ganz entzogen blieb. Dieses Gebiet fiel in den Bereich der Verfassung, und aus die Verfassung hatte der Gesetzgebende Körper gar keinen Einfluß. Vielmehr konnte in diesem Bereich ein legislatorischer Akt nur vollzogen werde» durch ein s. g Senatnskonsult, d. h. durch einen, auf Grund einer kaiserlichen Vorlage von einem eigens zur Bewachung der Verfassung vom Kaiser bestellten Körper, dem Senate, gefaßten Beschluß. Diese absonderliche, mit d?n Prinzipien des Constitutiona- liSmus sicherlich unverträgliche Einrichtung zu beseitigen, war jetzt die große Aufgabe der parlamentarischen Negierung. Es galt, die Kompetenz des Gesetzgebenden Körpers auf die ihm bisher vorenthaltene Materie zu erweitern, und andererseits den Senat in das umznwandeln, was wir im konstitutionellen Organismus als »Erste Kammer" zu bezeichnen gewöhnt sind. Hier war die Arbeit des Ministeriums Ollivier an ihrem Prüfstein angelangt; aber dieser Stein ist ihm zur Klippe geworden, an der cS zerschellt. Allzusehr mag Ollivier den Einfluß des früheren Staatsministers und jetzigen Senatspräsidenten Rouher ans de» Kaiser unterschätzt haben Dieser Staatsmann, obwohl er der liberalen Strömung weichen mußte, hat keinen Augenblick aufgehört, in den Tuilerien jene Vertrauensstellung einzunehmen, welche ihm vor Jahren bereits den Beinamen des ,-Vizekaisers« eintrug. Unermüdlich intrignireud hat er cs verstanden, sich im entscheidenden Augenblicke znm Herrn der Situation zu machen. Der gerade in diesen Tagen dem Senate zur Berathung vorliegende Entwurf zu einer neuen Verfassung ist RonherS Schöpfung; Ollivier ist im Augenblicke nichts, als das Werkzeug seines triumphi: enden Vorgängers. Freilich, das Felo, welches die Verfassung foitan umschließen soll, ist durch riesen Entwurf beträchtlich enger geworden; auch ist die Vertheilnng der gesetzgebenden Gewalt zwischen Krone, Senat und Gesetzgebenden Körper ganz »ach konstitutionellem Muster durchgesühit. Aber das Eigeuthniulichsle aller Merkmale deö Bonapartismnö ist unangetastet geblieben, indem § >3 des Entwurfs besagt: »Der Kaiser ist vor dem französischen Volke verantwortlich, an das er immer einen Ausruf erlassen kann", und 8 45: »Die Verfassung kann nur durch das Volk auf Antrag des Kaisers abgcändert werben.» Wenn die Freunde des alte» Regimes in Verlegenheit wären um eine Handhabe, alle die Errungenschaften der liberalen Bewegung mit Einem Schlage bei Seite zu schieben, in diese» beiden KZ ist sie gegeben. Ein wahrhaft verantwortliches Staatsoberhaupt inuß für seine Handlungen zur Rechenschaft gezogen werden können, muß bestrafbar und sogar absetzbar sein. Daß ei» solches Prinzip sich mit einer erblichen Monarchie nicht vertragen ivürde, ist selbstverständlich. Und doch bestimmt die vorliegende Verfassung die Erblichkeit der franz. Kaiserwnrde im napaleonische» Mannsstamme. Was ist also diese »Veranwortlichkeit« mehr, als eine glänzende Phrase? Jndeß, sie hat ihren wohlberechneten Zweck. Ist der Kaiser verantwortlich vor dem Volke, so muß ihm auch das Recht zu- stehn, jeden Augenblick an das Urtheil des Volks zu appellireu, über jede Maßregel z. B., welche von der gesetzmäßigen Volksvertretung bekämpft wird, eine direkte Entscheidung durch daS ganze Volk, ein f. g. PlebiScit, zu veranlassen. Aber was soll denn ein Gesetzgebender Körper Andere- sein, als eine Versammlung von Männern, zu welchen das Volk, als zu seinen Besten und Einsichtsvollsten, das Vertraue» hegt, daß sie die gesetzgeberischen Fragen reisiichst erwägen und nach bestem Wissen und Gewissen entscheiden werden? Und nun urplötzlich, sobald es dem Kaiser beliebt, wird die vom Volke gewählte Vertretung einfach außer Acht gelassen und irgend eine der wichtigsten politischen Fragen der ganzen Masse deö Volkes, die gar nicht in der Lage war, sich über die volle Tragweite des Gegenstandes zu unterrichten, zur schleunigen Beantwortung durch Ja oder Rein vorgelegt. Eines ist dabei sofort klar: wirkliche Freiheit der Abstimmung ist bei einem solchen Verfahren eine Unmöglichkeit. Ganz abgeseh» von der ungenügenden Bekanntschaft der großen Volksmenge mit der tieferen Natur der staat- > lichen Dinge, ganz abgeseh» auch davon, daß sich eine jede Frage ' mit Leichtigkeit so drehen läßt, daß sie kaum anders, als mit Ja beantwortet werden kann — welche ungeheure Wucht der Beeinflnßnng hat der Kaiser schon allein durch den ganzen Ver- waltnngsapparat in Händen! Und gesetzt einmal, die Mehrheit deö Volkes antwortete auf eine Frage, in der es sich um Sein oder Nichtsein der napolconischen Dynastie handelt, mit Nein, wie sollte diese Verurtheilnng Napoleons zur Vollziehung ge- , bracht werden? Winde der Kaiser etwa freiwillig vom Throne herabsteigen? Gewiß nicht. — Man sieht, das PlebiScit ist nicht eine Frage der Freiheit, sondern eine Frage der Macht. Am sichersten aber ist, daß dem Organismus einer konstitutionelle» Volksvertretung durch solche Heranziehung des Volksganzen über die Köpfe der Abgeordneten hinweg der Todesstoß gegeben wird. Kein Wunder da, daß sich alle aufrichtig liberalen Elemente deö franz. Volkes dem PlebiScitrecht des Kaisers aus's entschiedenste wirersetzen. Das linke Centrnm des Gesetzgebenden Körpers hat noch versucht, dies Recht für die Zukunft we- - nigslcns dahin abznschwächeu, daß es nur in Uebereinstinnnmig mit den großen Staatskörpern und nach vorheriger Diskussion x. durch dieselben ausgeübt werden könne. Die Entschiedenheit aber, mit welcher Louis Napoleon dies Ansinnen zurückwies, zeigt, wie er gerade in dieser Institution einen der Hauptgrundpfeiler seiner Macht erkennt. Und in der That, was das PlebiScit dem dritten Napoleon z» bedeutet, muß gerade in diesen Tagen, da dessen praktische An- ; jj Wendung bevorsieht, auch dem blödesten Auge klar werden. Die es neue Verfassung, sobald sie znm Eoenatskonsult erhoben sein wird, soll durch einen solchen direkten Volksbeschluß sanktionirt werden. Die gesetzmäßige Volksvertretung ward nach Hanse geschickt und nun soll jeder Wähler, bis in den letzten Winkel deö Landes 204 Hinein, mit einem einfachen Ja oder Nein über ein ganzes Ver- fäffungswcrk entscheiden. Allein noch mehr: jeder einzelne Wähler soll direkt ans deS Kaisers Kabinet einen Brief mit des Monarchen autographirter Unterschrift erhalten, der ihm die Bedeutung der diesmaligen Volksabstimmung auseinandersetzt. Fürwahr, ein Kunststückchen, vaS in der Weltgeschichte seinesgleichen sucht! Daß bei solchen Mitteln, ferner bei den kolossalen Anstrengungen der Rechten und deS rechten CentrumS, sowie der vollendeten Zerspaltung der liberalen und demokratischen Parteien die ungeheure Mehrheit der Bolksvoten auf Ja lachen wird, kann nicht' bezweifelt werde». Stets war eS das Zeichen des CäsaristtinS, daß er den von ihm geübten Absolutismus mit dem hohlen Gepränge eines ScheindemokratismuS zu verhüllen suchte. In diesem Zeichen hat Napoleon III: daS zweite Kaiserreich gegründet, an diesem Zeichen hält er auch heute fest. Wie viel immer im Lauf des letzten JahreS nachgegeben worden — der BonapartiSmnS hat sich wiedergefnnden, wiedergefnnden auf seiner alten cäsarinischen Grundlage, dem nackten persönlichen Regime. DaS ist die Bedeutung der gegenwärtigen Krisis in Frankreich.. Zwei Mit- glieder deS liberalen Ministeriums, Buffet und Dar», sind infolge dieser Wendung ans dem Kabinet ansgeschieden. Mag es Ollivier selbst vielleicht gelingen, sich auch nach dem Plebiscit auf seinem Posten zu erhalten — von der Umwandlung deS napoleonischen Kaiserthums in ein wirklich konstitutionelles Staatswesen wird fortan nicht mehr die Rede sein. C'ages-sse schichte. Karlsruhe, 23. April. Bezirks-Assistenzarzt RoßkncHt in Neustadt wurde zum Bezirksarzt iu Pfulleudorf, Assistenzarzt Reich bei der Heil- und Pflegeanstalt Jllenau zum Bezirksarzt in Weinheim ernannt. Stuttgart, 22. April. Die Zeichnung auf das würt- tembergische Staatsanlehen von 11 Millionen fiitdet am 25. und 26; April d: I; in Frankfurt a. M. imd Stuttgart zum Subscriptionscours von 99% statt. Eine Caution von 10% des ju zeichnenden Nominalbetrages ist zu hinterlegen. Ems, 19. April. Für den Kaiser von Rußland ist das Domanial Knrgebände "Panorama" und das »Grand Hotel Darmstadt» des Herrn H. Dresler definitiv gemielhel, im Ganzen etwa 120 Zimmer. Kassel, l8. April: In Erläuterung der Berfngm'g, durch welche die allgemeine Wehrpflicht, hinsichtlich der Theologen zur principiellen Durchführung gelangt, hat der Kriegsminister sämmtliche Generalkommando's mit AnSfiblnß des Gardekorps, benachrichtigt,, »wie auch fernerhin der Mangel an Aspiranten für den Kirchendienst es angezeigt erscheinen' läßt, die thalsächliche Befreiung der Stndirenden der Theologie rc. vom Militärdienst thunlichst in dem bisherigen Umfange aufrecht zu erhalten. Es ist daher den Militärpflichtigen der beregten Kategorie innerhalb der durch die Militär.Ersatz-Instruktion gezogenen Grenzen bezüglich Zurückstellung oder Befreiung vom Militärdienste jede zulässige Berücksichtigung zuzuwenden.» (F. A.) Eisenach, 22. April. Der Ausschuß des Protestantew- vercins hat beschlossen, den nächsten Protestautentag Ende September oder Anfangs Oktober abzuhalten. TageSordnnng: I) Die deutschen Aufgaben gegenüber dem römischen Konzil unv dem Jesuitenorden. Referent Bluntschli. 2) Die protestantischen Ausgaben gegenüber dem Papstthnm in den evangelischen Landeskirchen. Referent Baumgarte». Ein von Banmgarten entworfener Aufruf an Deutschlands Protestanten wird sofort durch die Presse veröffentlicht werdeu. (Karlsr. Z.) Berlin, 21. April. In der vorigen Woche ist ein höherer Beamter des britischen PostdepartementS, Dir. Poge, aus London hier eingetroffen,. um mit der diesseitigen Postverwal- tung über die Beförderung der englisch-indischen Post durch daS Gebiet des Norddeutschen Bundes zu verhandelir. Solche Verhandlungen sind seitdem im beste» Gange.. Schon in den nächsten Tagen dürften dieselben zum Abschlüsse gelangen. Berlin, 21. April. Das Zollparbament wurde heute durch Staatsminister Delbrück eröffnet. Nachdem derselbe die Eröffnungsrede verlese» hatte, brachte der Alterspräsident Frhr. s. Frankenberg.Lndwigsdorf ei» Hoch auf den König von Preußen aus. Anwesend waren etwa 120 Mitglieder, meist im Zivilfrack, darunter etwa 6- Mitglieder der süddeutschen Fraktion, der Prinz Albrecht von Preußen, die Generale von Moltke und von Steinmetz und sonst nur Mitglieder der konservativen Fraktion. Berlin, 22. April. Nach einer aus Varzin hier emg^- troffenen Depesche von gestern Abend ist das Befinden deS Grafen Bismarck erheblich besser. Berlin, 23. April. (Zollparlament.) Das Urlaubsgesuch v. Barnbülers wegen Amtsgeschäften wurde abgelehut. Bei der Präsidentenwahl werden nur 174 Stimmen abgegeben. Die Versammlung ist nicht beschlußfähig. Die »Flenev. Nordd. Ztg.» meldet: »Wir vermögen ans bester Quelle milzutheilen, daß von preußischer Seite, in letzter Zeit in Betreff der Ausführung des tz 5 des Prager Friedens Vorschläge in Wien gemacht rvorden sind,, welche die Absicht hegen. die nordschleSwig'sche Frage definitiv zu regeln, und zwar dergestalt, daß wenn diese Proprositionen nicht acceptirt werden, Preußen fortan eine Vereinbarung über die Anssührnng deS 8 5 als unmöglich betrachten wird.» Die "Krenzztg.« bemerkt dazu: Unwahrscheinlich ist diese Mittheilung nicht, obgleich Näheres zur Sache noch nicht bekannt geworden. Eine Eiledigung derselben wäre ja auch gewiß wünschenswerlh. Nach der Rückkehr des Erzherzogs Aibreeht aus Paris verbreitete sich in Wien das Genaht, die Stellung des KriegSmi» nisterS v. Kuhn fei erfchütterl, da manche seiner Reformen alS durchaus verfehlt betrachtet würden. Daß der Generalinspektor der k. k. Armee mit dem Kriegsminister in wichtigen Punkten nicht einverstanden ist,, war schon vor der Reise des Erstcren nach Frankreich bekailiit. Jji Paris soll aber der Feldmarschall Albrecht ebenfalls Urtheile über die Reorganisation der k. k. Armee vernommen haben, welche bei aller Reserve, mit der sie ausgesprochen wurden, sein eigenes ungünstiges Urtheil bestätigten. Der Frieden von Knezlac war allerdings nicht geeignet, den Franzosen Respekt vor der Schlagfertigkeit der k. k. Trup- pen und den Talenten ihrer Führer einznsiößen. Das Gerücht von der Wahrscheinlichkeit einer nahe bevorstehenden Demission des Kriegsministers v. Kuhn wurde zwar officiös für unbegrnn» det erklärt, die Berufung des früheren KriegSministerS v. John aus Graz nach Wien ließ jedoch dieses Gerücht von Neuem auf- lebeu, und jetzt deutet die --Wehrzeituug» au, daß etwas dahinter stecke, und bemerkt dazu, der Rücktritt Knhn'S würee ein Unglück für die Armee und den Staat sein. Wien, 22. April. Die „Wiener Abendpost" erklärt, gegenüber anderslautenden Nachrichten, daß der Reichskriegsminister Frhr. v. Kuhn weder seine Demission gegeben, noch überhaupt die Absicht habe, aus dem Amte zu scheiden. Aus Rom schreibt man der Montags-Revue: »Die Diskussion über das Dogma der Jnfallibiliiät wird Mitte Mai beginnen. Auf beiden Seiten rüstet man sich stark zum Kampfe. Die Reihen. der Opposition sind,, wenn auch etwas schwächer, doch wieder festgeschloffcn und fasse» in sich fast den ganzen österreichischen und deutschen,, dann einen großen The!! des französischen Episkopates, endl'ch mehrere Engländer und Amerikaner, im Ganzen 115 Stimmen. In ihrem Rainen werdeu insbesondere Kardinal Rauscher von Wien und Bischof Hcfele von Rotleuburg das Wort führen. Die Majorität zählt bekanntlich 500 Stimme» und wenn sie ansspricht,. daß Dogmen auch mit Stimmenmehrheit beschlossen worden können (wogegen die genannten Herren im Namen der Opposition ausdrücklich Protest erheben werden), so ist die Vcschließung der Unfehlbarkeit zweifellos. Die Opposition rechnet indessen noch auf die nachdrückliche Unterstützung der katholischen Mächte.» Rom, 20. April. Der Jahrestag der Rückkehr des Papstes ans der Verbannung wird diesen Abend durch die üblichen Illuminationen gefeiert. Das Wetter ist herrlich.. Ein großartiges Menschengemcge. Vollkommen Rühe. Paris, 21. April. Die »Palrie» bringt Näheres über die Proklamation des Kaisers an die Wähler. Dieselbe wird durch die Post mit einem Stimmzettel jedem Wähler zngehen. Diese Sendungen werden von der Prafekur jedes DepartemenlS auSgehen. Die Maires bleiben vollständig aus dem Spiel, damit man sie nicht beschulrigeu könne, die Wähler beeinflußt zu haben. Der »France« zufolge ist die Proklamation gestern iin Ministerrath verlesen worden. Dieselbe wird entweder Samstag oder Sonntag veröffentlicht werden. Die Formel deö Plebiszits ist noch nicht festgestellt. Die Einen meine», sie müsse sich darauf beschränken, vom Volke die Bestätigung der konstitutionelle» Reformen durch Ja oder Nein zu verlangen, die Andern wünschen, eS möchte hinzugefngt werden, daß die Verfassung unter die Obhut deS Kaisers und seiner Thnaslie gestellt werde. Paris, 22. April. ES bestätigt sich, daßHerr v. Bainie- ville dem Kardinal Antonelli die. französische Note halbamtlich. Mitgetheilt hat, ohne demselben eine Abschrift aiiSzuhändigen. Es heißt, die Mächte, welche der französischen Note dadurch zn- slimmen sollten, daß sie die Hoffnung ausdruckten, das Konzil werde den weisen Bemerkungen Frankreichs Rechnung tragen, würden erst dann die bezügliche Eröffnung machen, wen» die Note offiziell mitgetbeilt fei, Paris, 23. April. Das heute später als gewöhnlich erschienene „Journal osficiel" veröffentlicht ein kaiserliches Dekret vom heutigen Tage. Dasselbe beruft das Volk auf den 8. Mai, um über ein Plebiszit abzustimmen, durch welches das Volk die liberalen Reformen, welche seit 1860 in der Verfassung durch den Kaiser mit Unterstützung der großen Staatskörper vollzogen sind, genehmigt und den Staatsconsult vom 20. April d. I- ralificirt. Madrid, 19. April. Der Juslizminister hat in einer der letzten Kortessitznngen n. A.. Gesetzentwürfe für die Einführung der Zivilehe, der Zivilstandesbeamtung und der Zivilkirchhöfe (allen Konfessionen gemeinschaftliche Begräbnißplätze) eingebrachk. Verschiedenes. Sinsheim, 23. April. Eine bedeutende Anzahl hiesiger Bürger hat in einer Eingabe an den Gemeinderath den sehr gerechtfertigten Wunsch ausgesprochen, es möchte EtwaS geschehen, nm unfern Kirchhof in einen besser» Stand zu setzen. Da in der aus den Abgaben für Grabsteine gebildeten Kasse hinlängliche Mitlel vorhanden sind, so hat die zuständige Kirchhofskommission die Sache in die Hand genommen, und Schritte gethan, nm einen Plan und Voranschlag zur Vorlage an den Gemein» derath anfertigen zu lassen. Voraussichtlich steht einer baldigen Ausführung Nichts im Wege, und wir dürfen uns der Hoffnung hingeben, daß in nicht langer Zeit einem längst vorhandenen und gefühlten Uebelstande abgeholfen, und der Ruhestätte unserer Todten ein freundlicheres nnd angemesseneres Aussehen gegeben werde- Lei dieser Gelegenheit dürfte zugleich die Frage über Anlage von Familiengräbern ihre Erledigung finden. — München, 22. April. Herr Stiftsprobst und Professor v. Döllinger wird bei. Beginn des Sommersemesters in den nächsten Tagen seine Vorlesungen an der Universität wieder aufnchmen. Das von dem Herrn Bischof von Regensburg an die Theologie Studirenden seiner Diözese erlassene Verbat der Theilnahnre an den Verlesungen Döllingers hat,, bis jetzt wenigstens, von keinem andern Bischof Bayerns Nachahmung geftnrden, und/ soll sich insbesondere ,, wie versichert wird, der Herr Erzbischof von München geweigert haben, ein gleiches Verbot zu erlassen. — Paris, 20. April- Eine mhstöricse Mordgeschichte ist vor zwei Tagen entdeckt worden. Eine ganze Familie wurde nämlich in Pcntoise ermordet, in Stücke zerschnitten, in Kisten verpackt und dann pr. Eisenbahn versandt. Eine der Kisten erhielt ein Weinwirth auf dem Boulevard Richard Le Noir zu. Paris. [321]' Die Lanbnutzung in den Gemeindewaldungen betr. Nr. 192. Während das verflossene Jahr einen massenhaften kaum unterznbrmgen- den Stroherwachs lieferte und heule noch große Haufen Strohes auf den Feldern ln der Nähe der Dörfer sitzen, laufen bereits jetzt schon wieder Gesuche nm Abgabe von Laub aus den Gemeindewaldungen bei uns ein. Wir wollen nicht nnterfticheii, ob diese Gesuche ihren Grund in wirklichem Bedürfnisse oder überhaupt in schlechter Wirthschaft verbunden mit Strohoerkauf haben, aber darauf glauben wir die Gemeinderäthe aufmerksam mache» zu müssen, daß, wenn je einmal ein günster Zeitpunkt zur Aufsparung von Laub für Nothjahre eingetreten ist, dieses im vorigen Jahre der Fall war, und daß dieser günstige Jahrgang nicht unbenützt bleiben sollte. Wo also nicht die dringendste Roth eine Laubabgabe unbedingt erfordert, sollte von jeder Abgabe Umgang genommen werden, um nicht später die jetzige vielleicht uiinöthige Lanbnutzung bitter bereuen, zu- müssen. Sinsheim, den 23. April 1870'. Großh. Bezirks Forsten L a u r o p. Nr. 4190. Jakob Vierling, Wiitwe von Rohrbach, beabsichtigt mit ihrer Familie nach Amerika auszuwandern. Etwaige Gläubiger derselben haben binnen 8 Tagen ihre Ansprüche entweder gerichtlich gellend zu machen, oder sich außergerichtlich mit ihr abzufinden, da nach Ablauf dieser Frist der Paß ausgesolgt wird. Sinsheim, den 19. April 1870. Großh. Bezirksamt. O t t o. Nr. 4274. Die Gant über die Verlassenschaft der f Katharina Zoller ledig von Akersbach- B e f ch l u ß. Wird der Gantvcrgleich vom 15. v. M. gantrichterlich genehmigt. Dies wird de» Gläubigern zur Kenntniß gebracht. Sinsheim, den 16. April 1870. Großh. Amtsgericht. M o r s. _Häffner, Nr. 2398. Am 31. März d I. wurde der Wittwe des Adam Schweigert von Oder- gimpern ans ihrem Wohnzimmer mittelst Eindruck 36 kr. entwendet. Wir bitten um Fahndung. Rcckarbischofsyeim, den 17. April 1870. Großh. bad. Amtsgericht. Horn n ng. Rappenau. Bekanntmachung. Mit obervornumdschasllicher Ermächtigung vom 29. März d. I. Nr. 671 werden den minderjährigen Kindern deö Gottüeb Götz von hier auf Mittwoch den 11. Mai d. I, Mittags 12 Uhr, auf hiesigem Rathhanse 1 Morgen 3 Viertel 85 Ruthen in verschiedenen Parzellen, in gerichtlichem Anschläge jti 686 fl. öffentlich versteigert. Rappenau, den 19. April 1870-. Das Waisengericht. Dürgmstr. Zi mm ermann. Metzger. j Großh. Amtsgericht Sinsheim. H i t ö b a ch. Gläubiger-Aufforderung zur Liquidation. I. S. mehrerer Gläubiger gegen. Georg Hauck jung Landwirth und dessen Ehefrau Elisabetha geb. Holzwarth von Hilsbach Forderung. bckr. ist Tazfahrt zur Liquidation mit sammt- lichen Gläubigern aus dem Rathhanse zu Hilsbach Montag den 9. Mai 1870, Vormittag 8—12 und Mittag 2—4 Uhr, anberaumt nnd werden Alle, welche an genannte Eheleute eine Forderung zu machen haben, hiermit aufgefordcrt, in bestimmter Tagfahrt bei Unterzeichnetem Notar unter unbedingter Vorlage ihrer Urkunden den Betrag ihrer Forderungen an Kapital, Zinsen und Kosten zu liqnidiren, ansonst dieselben bei späterer Verweisung zur Vollstreckung gegen obige Schuldner nicht berücksichtigt werden können. Sinsheim, den 20. April 1870. Großh. Notar S t e i n.. Rappenau. Bekanntmachung. Mit obervormundfchastlicher ErmächligunF vom 29. März d. I. Nr. 656 werden den minderjährigen Kindern erster Ehe des Gustav Göhring von Rappenau auf Mittwoch den 11. Mai d. I., Mittags 12 Uhr, auf hiesigem Rathhause 2 Morgen 70,7 Ruthen Acker in drei verschiedenen Grundstücken versteigert, im gerichtlichen Tnschkag zu 1400 fl. Rappenau, den 19* April 1870. DaS Wassengcricht: Dürgmstr. Zi mm ermann. Metzger.. Tüncherardeit. [822] Der Verputz und Anstrich der evangel. Kirche in Dühren im Anschlag von . . 159 fl. 45 kr- des evangel. Pfarrhauses im Anschlag von . .. 124 fl. 45 kr. soll am. Freitag den 6. Mai,. Nachmittags 1 Uhr auf dein Rathhans in Dühren zur öffentlichen Versteigerung gebracht werden, wozu man mit dem Bemerken einladet, daß der Ueberschlag in dem Pfarrhaus einge- fehcn werden kann. Dühren, den 25. April 1870. Der ev. Kirchengemeinderath.. — 206 Todes-Anzeige. Allen den von mir entfernten, geehrten Freunden und Bekannten, zeige ich hiermit ergebenst an, daß meine liebe Ehefrau, geb. Regln«! Uliaicll von Sinsheim, nach einem schweren fünfwöchentlichen Leiden am Charfreitag den 15 ds. Mts. Nachmittags %4 Uhr, in einem Alter von 31. Jahren 2 Monaten und 5 | Tagen verschied, und am Ostersonntag den 17. d. MtS, Nachmittags 3 Uhr, 1 zu Rastatt ihre Beerdigung ftattfand. I Die trauernden Hinterbliebenen^ | Jvh Gg Weber von Sinsheim, I z. Z. Polizeidiener in Rastatt, nebst Kinder | [318] »nd Geschwister. | zzzzzzsznzzizzzzzzszzzzzsl Mineralwasser, tränchen, Kissinger Rac.czih, Friedrich 8 olla-AVasser als: Selterser, Emser Kränchen, Kissinger Rac.czih, Fnedrichöhaller Bitterwasser, vor zugöweise aber in Kisten von 50 und 100 Flaschen, ä 2 kr. per Flascheninhalt, sind in frischen Fül- langen eingetroffen bei [307] E rnst 3ac. Stutzmonn. PHOTOGRAPHIE. [314] Aufnahmen finde» ununterbrochen von Morgens 9 bis Abends 6 Uhr bei jeder Witterung statt. Sinsheim. _ Theodor Hoffmann. Sinsheim. C»IISt «IV RiinZP§lieilIHT 9 Buchhinder, empfiehlt sein vollständig assortirtes Lager in selbst fabrizirten Geschäfts & Notizbüchern und fertigt solche uach den neuesten Mustern aus der Geschäftsbücher-Fabrik von Gdler St Krische aus Hannover schnellstens an. 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