für -en Lokalblatt Amtsbezirk Sinsheim und Umgebung. Jtä 55. Erscheint 3nul wöchentlich, Dienstag, Donnerstag, Zamstag, Dienstag den 10. Mai Einrstckungsgebühr: die ein- 4 0*7 pi spaltige Zeile 3 kr. tO / U. T agesgeschichte. Karlsruhe, 4. Mai. Die nächst zu veröffentlichenden Gesetze werden wohl jene über Gemeindeverwaltung und Ge- meindcwahlen sein; nlit ihnen hängt auch das Armenwesen und die Loslösung der Eheschließung vom Bürgerrecht zusammen, sowie die Aenderung der Vorschriften über Aufenthalt und Niederlassung. Da zur Erwerbung des Unterstützungs- wohnsitzes 3 Jahre erfordert werden, so kann die Rechtswirkung der neuen Gesetze in dieser Beziehung erst 1873 eintreten. — Nach den Nachrichten verschiedener Blätter erhält das Personal der Polizei eine nette Uniformirung; dabei soll an die Stelle des alten Dreispitzhutes der Helmschmuck des Hauptes treten. Karlsruhe, 7. Mai. Seine Königliche Hoheit der Groß. Herzog haben mit höchster Entschließung vom 5. d. M. gnädigst geruht, den Amtsvorstand in Walldürn, Amtmann Hördt, den Amtsvorstand in Schönau, Amtmann Siegel, und den Amtsvor- stand in Triberg, Amtmann Erxleben, zu Oberamtmännern zu ernennen; ferner den Amtmann Exter in Bruchsal bis zur Wiederherstellung seiner Gesundheit in Ruhestand zu versetzen, und den Referendär Baumüller in Bruchsal unter Ernennung zum Amtmann dem Bezirksamt Bruchsal als Beamten zuzutheilen. Freiburg, 4. Mai. Das Gesangfest des badischen Sängerbundes, tvelches auf Pfingsten in unserer Musenstadt ai gehalten wird, scheint großartige Ausdehnung anzunehmen, da jetzt schon über 1300 Sänger dazu angemeldet sind, worunter auch das Ausland vertreten ist. Die Anwesenheit II. KK. HH. des Großherzogs und der Großherzogin, Sr. Gr. Hoh. des Prinzen und I. Kaiser!. Hoh. der Prinzessin Wilhelm, sowie sämmtlicher Minister und Hofleute wird zu dem Glanze des Festes vieles beitragen. Ausser den Wettgesängcn und Spccialchören werden 9 Gesammtchöre vorgetragen. Der Festausschuß ist in voller Thätigkeit, um ein herliches Fest den auswärtigen Gästen zu bereiten. (B.A.) Stuttgart, 6. Mai. Der Kultusminister Geßler hat in seiner Eigenschaft als bisheriger Kammerpräsident ein Schreiben an den ständischen Ausschuß gerichtet, worin er die Niederlcgnng de- Kammerpräsidiums anzeigt, und sagt: «Ich hielt mich bei der gegenwärtigen schwierigen Lage verpflichtet, dem Ruf des Königs zu folgen. Die Wahrung der Selbstständigkeit Würt- tembergö in Verbindung mit einem freundlichen Verhältnis zu den übrigen deutschen Staaten wird auch zukünftig meine Nicht» schnür sein. Die Mitwirkung zu der möglichsten Erleichterung der Opfer, die Württemberg gleich den ander» Staaten wegen der kn manchen Punkten nicht vollkommen festen Gestaltung der politischen Lcrhältnisse zu tragen hat, wird mein besonderes Anliegen sein. Die Einigkeit der Regierung und der Stände bei der Lösung so schwerer Aufgaben ist der mächtigste Schutz gegen äußere Gefahren; die Uneinigkeit würde die Bedeutung der letzteren namhaft erhöhen. Diese Einigkeit ist von den Freunden des Königs und des Vaterlandes unbedingt anzustreben. (K.Z.) Die „Mg. Ztg." enthält folgende offiziöse Mittheilung: „Wir sind über den Verlauf und das ettvaige Ergebniß der Begegnung des Grafen Bray mit dem Freiherrn v. Varnbüler in Stuttgart nicht unterrichtet; allein mehrere Ihrer Korrespondenten haben schon mitgctheilt, wie sehr befriedigt die bayerischen Minister von ihrem Aufenthalt in der benachbarten Residenz hierher zurückgekehrt sind, ja daß sogar Se. Maj. der König der württembergischen Majestät seinen Dank in dieser Beziehung ausgesprochen habe. Angesichts dieses Umstandes, welcher jedenfalls auf einen sehr freundlichen Gedankenaustausch beider Staatsmännerr schließen läßt, zerfällt das in mehreren in- und ausländischen Blättern wiedergegebene, übrigens von Haus aus den Stempel der Unwahrheit an sich tragende Gericht von selbst, als ob die angebliche Erschütterung der Stellung des Frhrn. v. Varnbüler mit dem Besuche des Grafen Bray in irgend einem Zusammenhangs stehe." Darmstadt, 5. Mai. Der Großherzog ist gestern Abend hier wieder eingetroffen. Berlin, 4. Mai. Der Postvertrag zwischen dem Nord» deutschen Bunde und Großbritannien enthält u. A. auch Bc- stiinmungen über die Beförderung der englisch-indischen Post aus dem Wege durch Deutschland. Zu den bezüglichen Vereinbarungen bedurfte es erst einer vorgängigen Verständigung der norddeutschen Postverwaltung mit den Postverwaltnngen der süddeutschen Staaten und Oesterreichs. In dem Vertrage vom 25. April ist England das Recht zugestanden, seine geschlossene Drief- post nach und aus Ostindien, China, Japan und Ansstralie» ans der Strecke von der preußischen Grenze bei Herbeöthal (Aachen) bis zur italienischen Grenze bei Ala und unigekehrt durchzusüh- reu. Bon Seiten Englands sind hiefür als Vergütungen zu zahlen: für je 1000 Gramm Briefe 80 Sgr., und für je 1000 Gramm Zeitungen und andere Drucksachen sowie Waarenproben 10 Sgr. Andererseits wird der norddeutschen Postverwaltung der Transit geschlossener Briefpakete nach und aus überseeischen Ländern durch das britische Postgebiet gestattet, wobei die englische Postverwaltung den Transport zur See vermittelt. An Vergütungen sind festgesetzt: für die Landbeförderung einschließlich der Beförderung über den Kanal lPence für je 30 Gramm Briefe und 5 Pence für je 1000 Gramm Zeitungen, andere Drucksachen und Waarenproben; für die Seebeförderung nach und ans den Vereinigten Staaten von Nordamerika 3 Pence für je 30 Gramm Briefe, 6 Pence für je 1000 Gramm Zeitungen, 10 Pence für je 1000 Gramm andere Drucksachen und Waarenproben; nach und aus allen anderen überseeischen Ländern 2 Schillinge 6 Pence für je 30 Gramm Briefe, 6 Pence für je 1000 Gramm Zeitungen, 10 Pence für je 1000 Gramm andere Drucksachen und Waarenproben. Berlin, 5. Mai. In der heutigen Sitzung des Zollparlaments wurde der Handelsvertrag mit de» Hawaischen Inseln ohne Debatte angenommen; es folgt hierauf die Diskussion über den Antrag Bamberger wegen Ausdehnung der Münzreform auf die süddeutschen Staaten. Minister Delbrück erklärt die Bereitwilligkeit des norddeutschen Buudesrathes, dem Anträge zu entsprechen. Becher spricht im Namen der süddeutschen Fraktion gegen den Antrag, welcher die Kompetenz deö Zollparlaments überschreite und den LandeSvertretungen präjndizire. Der Antrag wurde schließlich angenommen. Wien, 4. Mai. Dem Vernehmen nach ist das österreichische Äabinet, noch bevor die Antwort auf die zur Unterstützung der französischen Mahnungen diesseits nach Rom gerichtete Depesche angelangt war, entschieden der Ansicht gewesen, daß, nachdem die Regierungen jetzt inSgesammt sich über den Standpunkt ausgesprochen, welchen sie dem Konzil und dessen etwaigen Beschlüssen gegenüber eiuzunehmen gesonnen seien, nicht allein keine Veranlassung zur Fortsetzung der betreffenden diplomatischen Erörterungen vorliegt, sondern eine solche Fortsetzung die Lage nur verschärfen und erschweren könnte. Die übrigen Regierungen haben sich diese Auffassung angeeignet und es dürfte mithin die Diskussion zwischen ihnen und der Kurie wenigstens bis dahin geschloffen sein, wo etwa der Inhalt eines besonderen KonzilsbeschlnsseS eine weitere Kundgebung von Seiten der weltlichen Gewalt rathfam oder geboten erscheinen lassen würde. (Karlsr. Ztg.) Laibach, 3. Mai. Eine slovenische Volksversammlung hat in Tolmein staitgefunden. Dieselbe war angeblich von achttausend Menschen besucht. Man cchamfirte sich dort für ein vereinigtes Slovenien. Stroßmaher's Ernennung znm Agramer Erzbischof wird vor Pfingsten erwartet. Wien, 5. Mai. Nach voller Kenittnißnahme deS Inhalts der röniifche» Antwort auf die diesieitge Depesche ist dem Vernehmen nach der Botschafter in Rom einfach angewiesen worden, zu erklären, daß sein Kabinet mit tiefem Bedauern die Kurie entlchlossen sehe, die von anfrichtigem Wohlwollen eingcgebenen Mahnungen der weltlichen Gewalt außer Acht zu lassen, u. d daß ihm hierauf nichts übrig bleibe, als die Verantwortung für die möglichen Folgen ihrer traurigen Beharrlichkeit auf ihr eigenes Haupt zu wälzen. Bukarest, 6. Mai.- Durch fürstliches Dekret werden die Kammern bereits zum 23. Mai einberufen. Der Fürst erließ eine Amnestie für alle politische und Preßvergehen. Nach offiziellen Mittheilnngen herrscht in Tekutsch vollste Ruhe und in Betreff der stattgehübte» Exzesse die strengste Unte.su- chuug im Gange. Aus Krakau wird der „Mg. Ztg." geschrieben: In unsere innere galizische Politik ist bis zur Stunde noch keine völlige Klarheit getreten, wiewohl hier und in Lemberg in jüngster Zeit die Wogen der politischen Bewegung ziemlich hoch gingen. Unsere Parteien, deren Bestrebungen im Auslande vielleicht weniger bekannt sind, scheiden sich vornehmlich in drei scharf markirte Gruppen: in die Ultranationalen, denen das alte Polen und die Wiederherstellung desselben über Alles geht, und welche daher Oesterreich nur als Mittel betrachten, das je eher desto lieber die „polnische Idee" verwirklichen soll. Dann kommen die förderalistischen Resolutionisten, deren Forderungen hinlänglich aus den jüngsten Verhandlungen des Reichsraihs bekannt sind. Jndeß findet sich unter dieser Gruppe auch eine ziemlich große Zahl Ultranationaler, die überhaupt in der Wahl der Wege und Mittel, welche zur Wiederaufrichtuug Polens führen sollen, nichts weniger als einig sind. Zur dritten Gruppe zählen die gemäßigteil Rationalen, welche sich mit den Cvnces- sionen, die man bisher unserer Provinz geivährte, ziemlich zn- ftieden zeigen, uird jede weitere Agitation im n ttionalen Su ne als für die Stärke, des Gesanuntstaates bedrohlich darstellen. Hiernut siild wir aber mit unfern politischen und nationalen Parteien noch nicht zu Ende. Die in Ostgalizien compact wohnenden Rnthenen streben gleichfalls ihre nationale Autonomie an, und die hier zu Lande bekanntlich sehr zahlreichen Israeliten wollen wieder von der Pvlonisirung, die ihrer Hanvels- neigung allerdings nur Nachtheil bringt, nichts wissen, und wünschen vielmehr dem deutschen Element sich anzuschließen. Aus dieser,^ wenn auch kurzen, Schilderung unserer national-politischen Bestrebungen wird man immerhin ersehen, wie überaus schwer es hält allen Forderungen gerecht zu werden. Florenz, 6. Mai. Kapitän Bivian ist als außerordentlicher britisller Kurier mit Instruktionen für den britischen Gesandten in Athen heute hier dnrckaercist. Palermo, 4. Mai. Der Gouverneur von Silicien, General Medici, verlangte Truppenverstärkungen, um die Rihe nild Ordnung auf der Insel aufrecht erhalten zu können. Paris, 3 . Mai. Der „Rappel" veröffentlicht folgendest Ausruf Garibaldi's au die französische Armee: „Soldaten! Ich habe die Ehre gehabt, einmal mit euch und zweimal gegen euch zu kämpfen, immer für die Sache der Gerechtigkeit. Wir find alte Bekanntschaften und ich erlaube mir daher, mich in einer Frage, welche die ganze Welt inleressirt, an euch zu wenden. Gewiß, ich will nicht lügen und sagen, daß ich der Freund der Armee des zweiten Kaiserreichs bin, dieses Kaiserreichs, welches sich eurer Tapferkeit zur Niederwerfung der Völker bedient hat, dieses Kaiserreichs, welches sich noch eurer im- posanterl und wackern Blasse bedient, um eine verlogene Tyrannei zu schützen, die ohne euch nur noch der Geschichte unseres Unglücks angehörte. Gleichviel! Freund oder Feind, ich weitde mich au die ritterliche Armee, welche bei Fontenay vor denH Beginne der Schlacht rief: „Meine Herren Engländer, schießen Sie zuerst!" Ein charakteristischer Zug einer Armee von Braven. Selbst als ich bereit war, in euch die Vernich- ruugSwcrkzeuge eines Despoten zu bekämpfen, suchte ich — das muß ich euch bekennen — in meinem Herzen vergebens etwas, was dem Haß für die edlen Kinder Frankreichs nur ähnlich gesehen hätte, für jene Armee, die freudig zur Befreiung meiner beimathlichen Erde auszog und mit dem Blute ihrer Helden die Ebene von Magenta und die Hügel von Solferinv benetzte, deren Echos noch heute das Siegeslicd des französischen Soldaten wiederholen. Statt der Soldaten von Mexiko und Men- tana möchte ich — versteht mich recht! —• in euch nur noch die würdigen Abkömmlinge der Freiwilligen von Fleurus und Jemmapes sehen, nur die Söhne der Kämpfer jener vierzehn Armeen, welche die Welt durch Wunderwerke in Erstaunen setzen und die alten Monarchien von Europa zur Raison brachten, waren nur die Correlate von Fleurus, Jmmapes und Zürich. Dann würde ich, obgleich Invalide, eure stolze repu- likauische Fahne grüßend, wieder an eurer Seite ziehen und euch bitten, nrich wieder den Posten zu eurer Linken einnehmen zu lassen, welchen ich so glücklich war, im Jahre 1859 inne zu haben, als ihr der österreichischen Tyrannei mit den Braven unserer Armee über den Leib hinweg gingt. — Caprera, 22. April 1870. — G. Garibaldi." Paris, 5. Mai. Das »Jour» offiziel« veröffentlicht den Bericht des GeueralprokuratorS. Derselbe sagt: Seit Juli 1869 finde» geheime Ktubversammlungen behufs der Hervor- rufung rer Ermordung des Kaisers statt. Der Bericht legt den Zusammenhang des Februarkomploltö mit der jetzigen Verschwörung dar, führt die Gestänrnisse Beaury's au, und reprod»;irt reu Brief G. Flonreus' an Beaury, den Brief Beaury's au Ballot und den Blies Flonreus' au Ballot mit den bekannten belastenden Aeußeruugen. Den letzten Brief rekognoszirteu Flonreus' Mutter und Bruder als acht Ballot gesteht, daß ihm Flonreus Geld für Beaury, Sauvet und Greffier gegeben. Die beireu Letzten und Andere wurden von Flonreus zur Bom- beufabrikaliou benutzt. — Ein Dekret vom 4. d. M. beruft die Auklagekammcr des hohen Gerichtshofs zur Feststellung reS That- bestanres des KomplollS ein. Paris, 6. Mai Nachrichten des «Ganlois» ans London zufolge wird G. FloureuS verfolgt und hat seinen Wohnsitz verändert. Nach dem »Figaro» bätte er England verlassen. — Eine Proklamation deS Komitee's der Linken erhebt sich gegen die übertriebene Ausdehnung, die man dem Komplott gegeben, und beschwört daL Volk zum letzten Mal, mit Nein zu stimmen. Die protestantische Bewegung in Spanien, welche seither von Manchen noch etwas skeptisch angesehen wurde, nimmt »ach den Mitlheitungeii mehrerer kirchlichen Blätter, die sich selbst bis dahin skeptisch verhielten und nach den Brühten des evangelischen Predigers Caraeco in Madrid immer größere Dimensionen an. In Madrid, Sevilla und Barcelona bestehen Gemeinden, die nach Tarisenden, in Cadix, Malaga, .Granada, Cer- dvva, Valladolid, Gemeinden, die wenigstens nach Hunderten zählen. Tie Räumlichkeiten genügen nirgends, die Menge der Zuhörer zu fassen; an den meisten Orten sind bereits evangische Schulen gegründet, für rie es freilich nur zu führ an materielle» und geistigen Mitteln fehlt; in Sevilla besteht bereits ein Seminar zur Heranbildung von Geistlichen; an verschiedenen Orten, wie in Valencia, Cartagena und andern, sind neue Gemeinden im Entstehe» begriffen. Man geht schwerlich fehl, wenn man jetzt schon — also nach anderthalb Jahren — die Gesanimlzahl der spanischen Protestanten auf 10 bis 12,000 schätzt. In Sevilla hat man im vorigen Sommer auch bereits den Anfang mit einer Organisaiivn dieser jungen Kirche gemacht. Die von einer Synode ansgear beiteten Vorlagen sollen im Herbste laufenden Jahres von einer allgemeinen Versammlung berathen werden. Die größeste Thäligkeit hat man bisher in Verbreitung von Bi- bilu und anderen religiösen Schriften entfaltet. Nach einer Mit- theilnng, welche die protestantische in Madrid erscheinende Zeitung »I.a Luya (Licht) brachte, bestanden z» Ende vorigen Jahres 75 Bibeldepots in Spanien, welche bereits 72,000 ganze Bibeln, 85,000 Nene Testamente verbreitet hatten. Wen» man bedenkt, das die Bibel den spanischen Katholiken absolut unbekannt war, wird man die Bedeutung dieser Thaisache nicht unterschätzen. — Zur Förderung jener proleslantischen Bewegung sind hauptsächlich Engländer, Amerikaner und französische Schweizer thätig gewesen; damit jedoch das protestantische Deutschland nicht znrück- blcibe, ist i» Berlin ein »Verein zur Förderung des Evangeliums in Spanien» zusammengetteten, in dessen Auftrag sich eben Graf v. Bernstorsi in Spanien aufhält, um zu ermitteln, in welcher Weise sich eine deulsche Thäligkeit neben der der Engländer entfalten könne. Petersburg, 7. Mai. Der österreichische Militär-Attache Prinz Arcnberg wurde heute Morgen in seiner Wohnung erniordct gesunden. Der Thäter ist noch unbekannt. Ans rer Erzdiözese Wilna ist ein Protest grgeu die Einführung der russischen Sprache beim Gotlesdienste an den Mi- — 229 tiifter deS Innern nach St. Petersburg abgesandt, der zwar m bescheidenen, ehrfurchtsvollen Ausdrücken abgefaßt ist, aber dennoch sehr entschieden lautet. Er ist von II Prälaten, 29 Dekanen und 230 Geistlichen unterzeichnet. Ans London wird der „Jnd. belge" geschrieben, daß der griechische Zwischenfall nicht den Ernst annehinen werde, wie man anfänglich besorgt; von einer Occnpativn Griechenlands sei nicht im Entferntesten die Rede. Die britische Regierung werde sich darauf beschränken, von der griechischen Regierung den Beweis zu erhalten, daß alle Briganten, welche an der E nwrdung der drei Engländer theilnahmen, gefangen und nach der Strenge der Gesetze bestraft werden. Die britische Regierung werde Kriegsschiffe zur Bewachung der Küste beistellen, um jede Entweichung der Mörder zu hindern. Hierauf und auf nicht mehr, werde sich die ganze Aktion des britischen Ka- binets in diesem außerordentlichen Falle beschränken. Ein Friedensrichter der Grafschaft Cork hat einen Brief von einem amerkanischen Fenier erhalten, daß in der Nachbarschaft von Skibbereeu eine große Menge Feuerwaffen und Piken verborgen und ein bestimnlter Tag für eine allgemeine Schilderbebung angesetzt sei. Er bietet der englischen Regierung ftir 500 L. werthvolle Auskunft über alle Einzelheiten an und fügt hinzu, daß eine Anzahl Fenier von Ainerika nach verschiedenen Plätzen in England abgereist seien. In Eunis- killen wurde auf einen Herrn Henry d'Arcy Jrvine durch das Fenster seines Schlaffes geschossetl. Bor einiger Zeit war ihm in einem Drohbriefe der Tod angekündigt worden, falls er fortfahre, gerichtliche Aussetzungen unter seinen Pächtern vorzunehmen. r . , . Der „Monde" erzählt, ein amerikanischer Bischof habe ihm mitgetheilt, daß man in den Vereinigten Staaten damit umgehe, eine nationale katholische Kirche unabhängig voll Rom und dem Papste zu gründen. Ein Statut dieser neuen Kirche, welche bereits 49 katholische Priester unterzeichnet Hütten, re- producirt der „Monde" nach eine»! amerikanischen protestantischen Blatte „The Christian Advokate". Zur Charakterisirung der socialen Verhältnisse Griechenlands lassen wir den Wortlaut der Depesche Erskine's folgen: Die von Seiten der griechischen Regierung zu den Briganten entsendeten Unterhändler kehrten gestern Früh (15. April) zurück, ohne daß es ihnen gelungen wäre die ^ Freilassung der Gefangenen zu bewirken. Einmal schienen sie schon geneigt, ein Lösegeld von 22,000 Pf.-Sterl. anzunehmen, unter der Bedingung, daß ihnen bis nach ihrer sicheren Ueberschreitung der Grenze Geiselil ausgeliefert würden; aber im Laufe der Nacht erhielten sie aus Athen Besuche von Leuten, die nach dem Dafürhalten des Hernr Zaimis (desRegierungs-Unterhändlers), von den Hauptfiihrern der Opposition geschickt waren und die Briganten überredeten, auf einer unbedingten Amnestie, nicht allein für ihre eigene Person, sondern für alle ihre in Haft befindlichen Genossen zu bestehen — wahrscheinlich zu dem Zwecke, damit die Regierung zur Einberufung einer außerordentlichen Kammersession gezwungen und dadurch derOpposition eine neue Gelegenheit geboten werde, das Cabinet zu schlagen und aus dem Amte zu jagen. Tie Agenten des Herrn Zaimis erfuhren ferner von den Briganten, daß diese allen Grund hätten, mit ihren gegenlvürtigen Rathgebern zufrieden zu sein; daß sie aber trotzdem nach Athen geschickt Hütten um drei hochstehende Advocaten zu consultiren, und daß sie keinen festen Beschluß fassen werden, bevor sie deren Meinung nicht erfahren hätten." i . 1 1 . . " ■ ■'■■■' > i ' ' »_ I lflB Verschiedenes. Q Sinöhei m, 6. Mai. Unsere Nachbarn in Württemberg behaupten cft, es sei bei ihnen vieles besser als bei uns. Nun das ist nicht zu bestreiten, daß manches bei ihnen anders ist, ob aber besser, ist sehr zweifelhaft. In Württemberg wird z. B. der gesetzliche Zwang, daß alle Kinder geimpft werden muffen, nicht so streng und zweckmäßig durchge- ftihrl wie bei uns, dafür ist auch ein großer Theil des Schwabenlandes schon längere Zeit von erschreckender Blatternsenche heimgesiicht. Wir wollten den Schwaben wohl die Freiheit gönnen lieber die Blatternpest zu ertragen als die unschuldige Kiihpockeninipfnng über ihre Kinder ergehen zu lassen, wenn sie nur ihre häßliche Blatternkrankheit für sich behalten würden. Wir Grenznachbarn sind aber die Nächsten, welche unfreiwillig bei dem starken Grenzverkehre die mit Recht gefürchtete Krankheit aus dem Schwabenlande in unsere Häuser bekommen. Nach sicherer Ouelle sind in neuester Zeit in Weiler schon 13 Personen von den Blattern, nrsprünglich durch einen Reisenden auö Würtemberg angestcckt, befallen und das gleiche Uebel ist auch in Reihen anfgetreten. *** Michelfelv, 7. Mai. Wir feierten gestern hier ein schönes Fest. ES galt dem 40jährigen Dienstjubilänm unseres verehrten iSr. Hanptlchrerö M n uze s h e i tu er, welcher seit dem 6. Mai 1830 an der hiesigen isr. Volksschule mit allseitig anerkannter Bernfslrene als Lehrer wirksam ist. Dem Jubilar wurde neben andern Geschenken von Freunden in dem Schul- lokale Nachmittags 2 Uhr »ach einem vierstimmigen Gesang der Lehrer und einer Ansprache des hiesigen Pfarrers Becker ein von früheren Schülern gestiftetes Kapital von 081 fl. übergeben, zu welcher Gabe selbst Beitrage ans den fernsten Gegenden (Rew-Iork, San. Francisco rc.) geflossen waren. Ein Gesang der Leprer und ein dieimaligeS Hoch auf den Gefeierten schloß diesen Theil des Festes, an welchem sich gegen 70 Personen aller Stände und Konfessionen beiheiligten. Jni schön geschmückten Saale des Gasthauses zum Adler vereinigten sich die Fest- lheilnehmer zu frohem Beisammensein bei Musik und Gesang bis zum Abende; kein Mißklang störte die Harmonie dieses schönen Festes zu Ehren eines verdienten Lehrers. Einste und heilere Trinksprnche gedachten seines Wirkens und des schönsten DenkmaleS, das er sich in den dankbaren Herzen seiner Schüler gesetzt hat. Möge eö ihm vergönnt sein noch recht lange hier im Segen zu wirken. — ?? Eschelbach, Amts Sinsheim, 8. Mai. Am 5. Mai d. I. ereignete sich hier ein bedanernSwerther Unglücksfall. Mehrere Knaben unterhielten sich mit Ballspiel. Der 14jäh- rige Sohn des Hauptlehrerö M. hatte den Ball ausgefangen und einige Augenblicke in die Tasche geschoben, was einen andern 8jährigen Spielgenossen so anfbrachte, daß er ein Stückchen Holz ergriff und es dem erstern so heftig und unglücklich in'S Angesicht warf, daß es ein Auge traf, welches aller Wahrscheinlichkeit nach in einer Weise verletzt wurde, daß der gänzliche Bcrlnst desselben zu befürchten ist. Mit aller Energie sollte gegen die Unart des Werfens unter Knaben von jeder znstäii- digen Seite geeifert werden. 8 Großsachsen, 5. Mai. Heute fand dahier unter großer Theilnahme die erste Ziviltrauiing durch den Standes- bemnten Herr» Bürgermeister Keller auf eine würdige und erhabene Weise auf hiesigem Rathhanse statt. Vom Rathhause begaben sich die Neuvermählten in die hiesige Kirche, um auch hierin dem Gesetze zu genügen. Hoffen wir, daß jede Konfession die Civiltranung als eine würdige erkennt, und sich von Störefrieden nicht mehr gegen dieselbe ausreizen läßt. — Weinheiin, 7^Mai. Die diesige evangelische Schule wurde im verflossenen Schuljahre von 718 Kindern — 366 Knaben, welche in 8 Klassen und 352'Mädchen, die in 6 Klassen vertheilt waren, besucht — Ein Herr Werner machte hiesiger Stadt das Anerbieten von 10,000 fl., wovon die Stadtgemeinde Eigenthüuierin bleiben, die Zinsen jedoch an ihn, seinen Enkel, und dessen Mutter, so lange das eine oder andere lebt, ansbezahlt werden sollen. Da die städtische Verwaltung aus ein solches Vermachtniß n cht eingehen wollte, so nahm die Stadt Mannheim dasselbe au und empfing bereits obige Summe schon baar. Nr. 4808. Küfer Georg Gaßmann von Meiler wird alö Agent der Feuerversiche- rungö-Anstalt der Bayer. Hypotheken- und Wechselbank in München für den diesseitige» Bezirk bestätigt. Sinsheim, den 2. Mai 1870. Gioßh. Bezirksamt. Otto. Nr. 4806. Kanfnianii Marx Wertheimer von Grcmbach wird als Agent der Feuerversichernngs-Anstalt der Bayer. Hypotheken- und Wechselbank in München für den diesseitigen Bezirk bestätigt. Sinsheim, den 2. Mai 1870. Großh. Bezirksamt. Otto. Präklusiv-Bescheid. [358J Die Gant über die Ver- lasseuschait des Mül- ler's Georg Schuh- mann von Sinsheim betreffend. Nr. 4991. Alle diejenigen Gläubiger - 230 — 1364] Die Feststellung der Privalwaldflächen betr. Nr. 114. Diejenigen Bürgermeisterämter, in deren Gemarkung Peivatwalvungen liegen und in welcher die Katastervermcssnng noch nicht vollzogen ist, werden hiemit veranlaßt, anher anzuzeigen, ob diese Waldungen mit vorschriftniäßigen Grenzsteinen ver- markt, oder welche Privatwaldungen einer solchen Umsteinung noch bedürftig sind. Zu diesem Behufe sind die Waldhüter, welchen die Hut dieser Waldungen übertragen ist, anzuweisen, die Grenzen derselben genau zu begehen und den Bürgermeisterämtern den Befund der Begehung zur Mittheilung anher anzuzeigen. Sinsheim, den 8. Mai 1870. Großh. BezirkS-Forstei. L a u r o p. [363j Die nachbenannten Unterhaltungsardetteu pro 1869/7 t an den kirchenärarischen Gebäuden im Bezirk der Stiflschaffnei Sinsheim sollen im SoumissiouSwege in Acccrd gegeben werden. Stadt Sinsheim, Verwaltungsgebäude: Maurerarbeit veranschlagt zu 118 fl. 8 kr. » » Forslhaus: Schreinerarbeit » » 30 fl. 45 kr. » » Stlststhor und Umfassungsmauer: Maurerarbeit veranschlagt zu 7? fl. 8 kr. » * Ev. SchuIhanS: Tapezierarbeit » » 13 fl. 5 kr. Schieinarbeit » ,, 80 fl. 10 kr. Ort Epfenbach, Evang. Schulhauö: Maurer- und Schreinerarbeit 95 fl. 2 kr. Ort Spechbach, Evang. Kirche: Maurerarbeit " n 59 fl. 41 kr. Zimmerarbeit » <> 141 fl. 5 fr. Lusttragende Accordanten haben ihre schristliche» Angebote versiegelt, portofrei und mit entsprechender Aufschrift versehen, längstens bis zum 18. Mai 1. I. auf dem Geschäftszimmer der Stistschaffnei Sinsheim einzureichen, woselbst inzwifcho» die Voranschläge zur Einsicht aufgelegt sind. Heidelberg, den 7. Mai 1870. Evangek. Kirchenbauinspeklion. Behaghel. ______ Aachener & Münchener Feuer-Versichernngs- Grselllchast. [333] Der Unterzeichnete General-Agent der obigen Gesellschaft zeigt. hiermit ergebenst an, daß er dem Herrn Kaufmann Hermann Hofherr in Waibstadt die Agentur für die Orte Epfenbach, Eschelbronn, FlinSbach, Hasselbach, Helmstadt, Neckar bis chofsheim, Ne ideu stein und Waibstadt übertragen habt. Karlsruhe, im März 1870. Wilh. Hofmann. Mit Bezug auf vorsteheude Annonce erlaube ich mir, meine Dienste zur Vermittlung von Versicherungen von beweglichem Eigenthum und Gebäubcsünsteln ergebenst anzutragen. Waibstadt, 21. April 1870. _ Hermann Hofherr, Kaufmann. Wirthschafts Verpachtung. [356] Der Unterzeichnete ist gesonnen, seine am 1.5. Novbr. d. I. pachtfrei werdende Gastwirthschaft zum „Hirsch" in Rohrbach bei Sinsheim mit Metzzereieiurichtung und »Oekonomiegebäuden ___ _ * am Mittwoch den 18. Mai l. I. >uf weitere sechs Jahre in Pacht zu geben. , Liebhaber hiezu werden anmit eingeladen, am genannten Tage Mittags 2 Uhr, m Rathhause zu Rahrbach sich einfinden zu wollen. Grombach, 5. Mai 1870. F. Mayer, Schullehrer. welche ihre Forderungen vor oder in der heutigen Tagfahrt nicht angemcldet haben, werden hiermit von der vorhandenen Masse ausgeschlossen. Sinsheim, den 5. Mai 1870. Großh. bad. Amtsgericht. MorS. Hirsch n. j. Nr. 4790. Philipp Schmutz von Rappenau will mit seiner Familie nach Amerika answandern. Etwaige Gläubiger des. selben haben sich mit ihm binnen 8 Tagen entweder außergerichtlich abzufinden, oder ihre Ansprüche gerichtlich zu wahren, da nach Ablaus der Frist der Paß ausgesokgt wird. Sinsheim, den 2. Mai 1870. Großh. Bezirksamt. Otto. Dank§ag:ung» [360] Für die mir bewiesene Theil- nahme bei dem Ableben meines Sohnes August danke ich herzlich. Sinsheim, den 7. Mai 1870. Joh. Hagmaier. 1276] Die Hebungen, Vorträge und Lehre» über Bierbrauerei Draiintweinbreniierei, Essig- und Hefefabri- kation. lvelche seit 10 Jahren mit der land- wirthschaftlichen Lehranstalt in Worms verbunden sind, beginnen gleichzeitig mit den landwirthschafllichen Vorlesungen am 26. April und dauern bis zum 1. September. — Anmeldungen nimmt entgegen und nähere Auskunft ertheilt gerne Dr. Schneider Direktor der landwirthschastl. und kandw.- technischen Lehranstalt in WormS a. Rh. Stotternde! ]357] Mit innigem Danke bezeuge ich, daß ich bei Herrn G. Mofetter in Karlsruhe von meinem starken Stotter- iibel in 12 Tagen dauernd geheilt worden bin, deshalb empfehle ich diese Heilanstalt allen an diesem Uebel Leidenden. Behandlung, Kost und Logis kaffen nichts zu wünschen übrig. Jeannette Reigersmann aus Holland z. Z. in Königs seid bei Dillingen. Bux, eine größere Parthie ist zu verkaufen bei Christian Dinkele im [361] Jmmelhäuserhof. €ine Wohnung ist zu vermietheu bei [362]_ Friedrich Haag. Lehrlingsgesuch. [346] Ein braver Junge kann sogleich in die Lehre treten bei Wagner Klein in Weiler. Geste Sorte Gysis, gehäuft gemessen, daS Sester 5'/ 2 kr. bei [348] E. Speiser. Lehrlingsgesuch. [359] Ein braver junger Mensch kann unter günstigen Bedingungen unentgeldlich sogleich in die Lehre treten bei C. A. Scheidet, Tüncher und Lakirer in Sinsheim. Karl Itoll, Kürschner in Sinsheim bei der post, empfiehlt sich zur Aufbewahrung der Pclzwaaren. [365] Redigier, Druck und Verlag von G. Becker (vormals D. Pfisterer) in Sinsheim.