f* * V 1 H tl* H * H und ttmqebung. 1870 . Lokalblatt für Sc» AmtsbczirK Sin6l)cim M 113 . Erscheint Zmal wöchentlich, Dienstag, Donnerstag, ~ Samstag Den 3. September EinriickilNgSgebiihr: die einspaltige Zeile 3 kr. Tagesgeschichte. Vom Kriegsschauplätze. Aus Entzheim, bei Straßburg, 26. Aug. wird der »Bad. Lesztg » geschrieben: Wir feuern heute Nacht mit 300 Geschützen auf Straßburg. Gestern Nacht brannte es so fürchterlich, sogar das Münster, und die Verwirrung unter den Einwohnern war eine so entsetzliche, daß wir das Schreien und Wehklagen während des Feuerus vernahmen. Der Hiniinel war stundenweit geröthet. Merkwürdig ist es aber, daß eS bei uns, nachdem wir jetzt viermal im Feuer standen, noch keinen Mann gekostet hat. Die Kugeln der Franzosen fliegen entweder zu kurz oder zu weit. Vorgestern schossen sie ungefähr 70 Granaten auf unS; 4 platzten über der Batterie, die Sprengstücke sausten uns um die Köpfe herum, aber sie haben Niemand getroffen. Basel, 28. Aug. Reisende, welche gestern mit Hülfe einer Ambulanz Straßburg verlassen konnten, haben heute Basel pajsirt und uns einige Mitthcilungen über den Brandschaden gebracht, welchen die deutschen Geschosse daselbst angerichtet haben. Es sind nämlich in Straßbnrg in Brand geschossen worden und größten- theilö »icdergebrannt: die neue protestantische Kirche, die Wil- Helminen-Kirche, die Stadtbibliothek (reich an Jncnnabeln und historischen Werken), die Bibliothek des protestantischen Seminars, das protestantische Gymnasinm, die Hälfte der Münstergasse, das große Scheider'sche Hotel an der Promenade Broglio, die Gemälkegallerie Aubette am Kleberplatz, ein Theil deö Quai des Pvcheurö (Fischerstaden), einige Häuser in der Spießgasse, ein großer Theil der Grand' Rne, endlich viele Häuser in der Vmstart. Die Festungswerke haben nicht viel gelitten, indem die Deutschen eigentlich nur die Stadt beschießen. Das Bombardement geschieht meist zur Nachtzeit und wird je beim Morgengrauen eingestellt. Fünf Kugeln sind ins Civilspital gefallen; im Krankensaal brach in Folge dessen ein Brand aus, konnte aber bald wieder gelöscht werden. Man glaubt, daß heute oder morgen von Seite der Bürgerschaft, die mit der Handlungsweise des Generals Uhrich durchaus nicht einverstanden ist, eine Aktion vorbereitet werde, urn eine Uebergabe der Festung zu erzielen. General Uhrich stützt sich namentlich ans den Pöbel, mit dessen Hülse er die friedlicher gesinnte» Bürger darnieder hält. Aus dem Königl. Hauptquartier erhalten die Berliner Blätter eine Zuschrift, deren Schluß folgendermaßen lautet: Schon gestern auf dem Wege von Lignh hicher war alles blau von bahensipeii Uniformen gewesen. Heut marschirten vom frühen Morgen an Bayern aus und auch der König stand gegenüber dem Hause, in welchem er wohnt, eine Filiale der Bauque de France, in der Rne de la Bauque, zu seiner Seite die bayerischen Generale von rer Tann und Stephan, diese zu Pferde, der König ganz einfach im Ueberrock, nur mit dem bayerischen HubertuSorden im Knopflock geschmückt, zu Fuß. So stand er viele Stunden lang, jeden Offizier begrüßend und die Truppen zeigten die höchste Begeisterung. Das Hurrahrufen »ahm kein Ende und viele Offiziere, nickt zufrieden mit dem Schwenken der Säbel, schw ulkten auch die Czakos. Die Franzosen sperren hier, wie sie cö überall gcthan haben, nur Mund und Nase auf. WaS ihnen °ben den ungeheuren Truppenmassen, die sich wie eine Sündfluth über daö Land ergießen, am meisten imponirt, ist die Stattlichkeit der einzelnen Leute. Welche schöne Leute! hört man überall, nicht bloS die Frauen, sondern selbst die Männer sagen. Der Blindeste muß freilich auch sehen, wie viel größer und stärker diese Leute sind, als die Franzosen. Dabei sind sie in der ungeheuren Mehrzahl außerordentlich freundlich und sogar höflich. Der König und Graf Bismarck sind die beiden Personen, welche überall das größte Aufsehen erregen. Wahrscheinlich kennt die Bevölkerung sie aus den Beschreibungen und Bildern, denn erkannt werden sie überall. Die jugendliche Frische des Königs und seine Einfachheit erregen großes Erstaunen. Der Haß und die Verachtung gegen den Kaiser Napoleon persönlich sind unglaublich groß. Die „Prov.-Corresp." schreibt: Nachdem die Vermuthung entstanden war, Mac-Mahon suche auf Umwegen an der belgischen Grenze rmversehens nach Metz zu marschiren, um die Bereinigung beider französischen Heere zu erzwingen, erfolgte der Marsch unserer Annce auf drei Linien. Der Kronprinz mar- schirte von Nancy südlich über Commercy, Bar le Duc, Sl. Dizier nach Bitry, die vierte Armee unter dem Kronprinzen von Sachsen etwas nördlicher von Pont ü Mousson über die mittlere Maas in der Richtung von Metz nach Chalons. Nördlich führte General Steintnetz seine von Metz durch andere Truppen ersetzten Corps über Verdun nach Rheims, rechts bis an die belgische Grenze reichend, nur eventuell Mac-Mahon zu begegnen. So umfaßte unsere Armee bei dem Marsch auf Paris die ganze Linie von der belgischen Grenze längs der Maas bis zur Aube und konnte mit der Zuversicht vorrücken, daß Mac-Mahon keinesfalls unbemerkt auf Metz marschiren könne. Bar le Duc, 25. Aug. Das königl. Hauptquartier befindet sich jetzt hier. Die Bevölkerung ist ungemein höflich und eutgcgeiikommeud. An den Ecken ist folgende Ansprache deö Maire angeschlagen: Meine lieben Mitbürger! Man kündigt die Annäherung preußischer Plänkler an. Unsere Stadt ist vollkommen offen. Jeder Widerstand würde also unnütz sein; er könnte selbst gefährlich werden. Was unsere braven Soldaten nicht sollten haben thun können, wer möchte wagen, cö zu versuchen? Was uns betrifft in dieser Stunde, schließen wir unsere Reihen zusammen mit Vertrauen und Math, um würdig das vorübergehende Unglück zu tragen. Helfen wir uns, einer dem andern, als gute Bürger. Halten wir das Herz hoch, aber vergessen wir nicht, daß das Interesse der Stadt Bar le Duc, die uns so theuer ist, gebieterisch Ruhe, Klugheit und männliche Resignation befiehlt. Der Maire Henri Bompard. Aus Cour cell es, 25. Aug., erhält die „Elberf. Ztg « folgende Mittheilnng: »Ein gestern hier eingetroffener Transport von etwa 150 Verwundeten aller deutschen Armeen, welche bis dahin in Metz gefangen gehalten, dann aber von dort behufs Schonung der Lebensmittel entlassen waren, klagten himmelschreiend über die ihnen in Metz widerfahrene Behandlung. Beim Transport durch die Straßen, betheuerten sie, sei ihnen von Weibern ins Gesicht gespuckt, von den Zuaven seien sie ge- peitscht, ihres Geldes, ihrer Uhren beraubt worden. Ein Zuaven- oisizier selbst habe einem eine Uhr genommen, das Alles unter den Augen des Kommandos. Darmstadt, 31. Aug. Der Prinz Ludwig von Hessen hat vom König von Preußen für sein tapferes Verhalten in der Schlacht bei Metz das eiserne Kreuz verliehen erhalten. Königsberg, 31. August. An der Börse beschloß die zahlreich versanrmelte Kaufmannschaft einstimmig eine Adresse an den König, analog der Berliner Petition, mit der Bitte um Fernhaltung fremder Einmischung bei den eventuellen Friedens- Verhandlungen. Paris, 28. August. Mit den Ausweisungen der Deutschen ist's noch nicht genug; jetzt sollen auch Italiener und Belgier daran glauben. Die „Patrie" schreibt: Die Ausweisungsmaßregel muß jetzt nothwendig größere Dimensionen anncbn wn. „Isirckw aucken wohl kaum die Aufmerksam- jV--' — 432 — i f # i 4 D l A « < \ fr i 1 ) a b h ß r U a 1) ni feit der Regierung auf alle jene italienische Vagabonden zu lenken, welche unsere Promenaden überschwemmen; in gewöhnlichen Zeiten unangenehm, sind sie uns gsgenwärtig gefährlich. Außerdem gibt es eine beträchtliche belgische Bevölkerung, den niedrigsten Beschäftigungen angehörig, die wir gleichfalls nicht unter uns dulden können." Diese Individuen sind in erster Linie rn die Kategorie der „unnützen Mäuler" zu rechnen. verschiedenes. — Lindau, 28. Aug. Heute Morgen wurden wir von dichtem Schnee überrascht, der alle unsere nächstgelegenen Berge bedeckte. Bei Oberstaufen ist der Schnee auch in den Niederungen gefallen. — Mainz, 27. Aug. Das heute ausgegebene Amtsblatt der Diözese Mainz publicirt die dogmatischen Konstitutionen des vatikanischen Konzils. — Wie verächtlich selbst die gefangenen Franzosen über die ihnen von den deutschen, Französisch parlirenden Damen erwiesenen „Liebesdienste" denken, dafür spricht folgender Vorfall, welcher der Berliner „Post" unter dem 24. August aus Erfurt zur Veröffentlichung mitgetheilt wird: Beim Passiren eines Transportes französischer Gefangener auf dem hiesigen Bahnhofe unterhielt sich vor einigen Tagen eine den höheren Ständen angehörende Dame lebhaft mit mehreren der Gefangenen. Einem derselben, einem leidlich deutsch sprechenden Offizier, reichte sie kurz vor der Abfahrt ihre Karte in den Wagen. Der Offizier nahm die Karte lächelnd entgegen und gab sie gleich darauf in Gegenwart der Dame und anderer Zeugen dem die Thüre des Coupes schließenden Schaffner mit den Worten: „Da nehmen Sie, Sie werden davon eher Gebrauch machen können; ich komme wohl nicht wieder hieher zurück." Tief beschämt und begleitet vom Hohne des Publikums ging die Dame von dannen. — Die Schlacht bei Mars la Tour wird von den deutschen Soldaten, die besser auf die Franzosen als in die französische Sprache einzudringen verstehen, einfach und bezeichnend die Schlacht von „Marschretour!" genannt. Neueste Busancy, 30. Aug. Heute wurde bei Beaumont die Armee Mac-Mahon's von uns angegriffen, geschlagen und gegen die belgische Grenze zurückgeworfen. Zeltlager der Franzosen erbeutet; die Meilen weite Verfolgung durch die Dunkelheit gehemmt. Die Zahl der genommenen Kanonen und der Gefangenen noch nicht übersehbar wegen Ausdehnung des Schlachtfeldes. Berlin, 1. Sept., 12 U. 11 M. Nachmittags. (Amtlich) Es wird der Aufklärung noch bedürfen, an welchem Tage das Avantgarde-Gefecht bei Nouart und die Schlacht bei Beanmont stattgefunden haben. Nach Lage der Sache ist das Gefecht am 29. geliefert, die Schlacht am 30. geschlagen worden. Jedenfalls ist die Bezeichnung der Daten auf den Depeschen noch zu verifiziren. (K. Z.) Berlin, 1. Sept. Offizielle militärische Nachrichten. Varennes, Donnerstag, I. Sept., Vorm. 9 Uhr 20 Minuten. Der Versuch Mac-Mahons, Metz zu entsetzen, ist durch die Operationen der letzten Tage und die Schlacht am 30. Aug. völlig vereitelt. In der Schlacht wurden mehr als 20 Geschütze genomuten. Der Verlust des Feindes ist außerordentlich groß, der uuserige verhältnißmäßig gering. Heute früh haben preu- ßische Ulanen und Husaren, letztere zu Fuß, zwei von stärkerer feindlicher Infanterie besetzte Dörfer, in der Nähe von Sedan, genommen. Der kühne Zug des Herzogs von Magenta hat durch den, unseren Leser» bereits bekannt gegebenen Sieg des 4., 12. (säch - fischen) und 1. bayerischen Armeecorps über die Mac-Mahon'sche Armee ein Ende gefunden, lieber die Maas bei Mouzon mit einem Verluste von einigen Tausend Gefangenen, 12 Geschützen und dem ganzen Zeltlager und sonstigem Material geworfen, wird er kaum eine zweite Feldfchlacht schlagen können, sondern entweder wie Bazaine in Metz in einer der Grenzfestungen ein« geschlossen oder über die belgische Grenze gedrängt werden. Saarbrücken, I. Sept. Der als Parlamentär nach Verdun gesandte Lieutenant Schimpfs ist mit Flintenschüssen empfangen, der Trompeter verwundet worden. Paris, 31. Aug. Gesetzg. Körper. Keller verliest einen Brief ans Straßburg, worin es heißt: Die Preußen beschießen die Stadt, nicht die Wälle; ein Viertheil der Stadt ist verbrannt; die Einwohner zogen den Tod der Ergebung vor. (!) Der Feind verwende die Kriegsgefangenen zum Laufgräben- Graben. Die Kammer erklärt, Straßbnrg habe sich um das Vaterland verdient gemacht und werde nicht aufhören, sranzösisch zu bleiben. Keller beantragt die Ernennung einer Kommission, um die Bevölkerung zu bewaffnen. Palikao belobt Straßbnrgs Bewohner sowie den Kommandanten. General v. Werder habe gesagt, es sei Sache der Bevölkerung, die Garnison zur Kapitulation zu bewegen. General Uhrich habe erwidert, er werde den Platz bis zum letzten Stein vertheidigen und die Stadt in die Luft sprengen, wenn sie an der Vertheidigung der Zitadelle hindere. Palikao gegen den Antrag Kellers; er verlangt Vertrauen. Dem "Fr. I.» wird aus Brüssel, den 1. Sept. gemeldet: In Folge einer hier eingelroffenen Depesche befindet sich der französische Generalstab in Dercute und die französische Armee in voller Deronte. Der Bahnhof von Carignan steht in Flammen. Brüssel, 31. August. Die »Jndep. belgc« meldet aus Florcnville (Carignan gegenüber) von heute: Nachdem Mac Mahon in der gestrigen Schlacht bis auf die Höhe von Vaux (auf dem reckten Maadufer) zurückgeworfcn worden, erneuerten die Deutschen heute den Angriff. Die Schlacht begann heute um 5 Uhr Morgens. Die Deutschen rückten vor und besetzten bereits Carignan. Mac Mahon zog sich auf Sedan zurück, wo seine Einschließung wahrscheinlich ist. Di» deutschen Truppen erobertem u. A. vier Mitraillensen. Der Kampf näherte sich der belgischen Grenze bis auf zehn Kilometer. Brüssel, 31. Ang., Nachts. Die belgischen Truppen patronillireu eifrig längs der Grenze. Im Gehölz von Carignan au der Grenze sind bereits französische Versprengte bemerkt worden. [549] Eichtersheim. Schafereiverpachtung. Da die Verpachtung der hiesigen Gemeindeschäferei, p welche für den Betrieb der Winterweide mit 200 Stück Schafen befahren werden kann, vom 12. d. Mts. bje Genehmigung des Gemeinderaths nicht erhalten hat, so wird dieselbe am Dienstag, den 13. September d. I., Nachmittags l Uhr, auf dem Rathhause nochmals auf 3 Jahre in Pacht öffentlich versteigert, dabei wird bemerkt, daß sich auswärtige Steigerer mit legalen Sitten- und Vermögens-Zeugnissen aus;nweisen haben. Eichtersheim, den 31. August 1870. Bürgermeister Landes. vdt. Clansing. [551 1 Rohrbach. Fahrniß-Verfteigerung. Nächsten Montag den 5. September, M o r g e n s 8 Uhr läßt der Unterzeichnete seine ganze Hans- Einrichtung öffentlich versteigern, bestehend in: Tischen, Stühlen, Sophas mit Sesseln, Bettstellen mit Rösten, Comnioden, Spiegeln, einem, Schreibpult mit Copirpresse, einer neuen Decimalwage, Kücheugeschirr nebst Kuchen- Möbeln, Holz und anderen zur Haushaltung gehörigen Geräthschaftzen. Max Münzeshenner. Lehrlingsgesuch. [550] Ein junger Mensch, der die Metzgerei erlernen will, findet sogleich eine Stelle bei Metzger Job. Schick neben dem schwarzen Bären. [552] Es ist in den letzten zwei Wochen wieder eine Sendung von Verbandzeug und Lazareth-Gegenständen im Saale des Klosters angefertigt worden, die nächsten Sonntag Nachmittags zur Ausstellung da- daselbst gebracht werden soll, wozu alle Mitglieder des Fraueuvereins, sowie alle Diejenigen, die Interesse an der Sache finden, sreundlichst eingeladen sind. 201. Schmitt. S. Laurop. Jar Ililjd-Sliisiiil empfiehlt Patronenhülsen für Le- faucheux in verschiedenen Qualitäten und Calibern, bedeutend verbessert und dabei billiger, doppelte sowie einfache Hohl- propfen, Zündhütchen und Patent- Schrote in allen Nummern. [548] Ernst Lac. Ktutzmann. Rcdigirr. Druck und Verlag von G. Becker (vormals D. Pfisterer) in Sinsheim.