kr «Mute, für den Amtsb Lokalblatt czirk Sinsheim und Umgebung. Jtä 137. Erscheint 3mal wöchentlich, Dienstag, Donnerstag, Samstag. Samstag öcn 1. Oktober EinrücknngSgebttbr: die ein» Ipaltige Zeile 3 kr. 1870. Vom Kriegsschauplätze. Saarbrücken, 25. Sept. (Mannh. Journ.) Heute erfahre ich von einem der Betheiligten selbst nähere Details über die Wegnahme einer preußischen Proviantkolonne durch ein flie» gendes Korps der Besatzung der Festung Thionville. Am 20. September zog in der Richtung von Sierk noch Bonzonville eine preußische Proviantkolonne von 190 mit Speck, Brod und Hafer beladenen Wagen der vor Metz lagernden preußischen Armee zu. Kaum hatten sie vor Bouzonville das Dorf KönigS- machern passirt, als die Führer der letzten Wagen bemerkten, wie die Dorfbewohner die durch ihren Ort führende Chaussee mit Wagen, Eggen, Pflügen, Balken rc. sperrten und zu gleicher Zeit hörten sie an der Spitze ihres Zuges Flintenschüsse knallen. Es war ein bedeutender Trupp Linienmililär und 2 Kompagnien Mobilgarde», welche, jedenfalls durch Verrath von dem Herannahen der Proviantkolonne Kenntniß erhalten hatten, und sie jetzt unter Betheiligung der lothringischen Landbevölkerung überfielen. Bei der nur aus l Unteroffizier und 6 Mann Landwehr bestehenden BedeckungSmannfchaft war es natürlich den Franzosen ein Leichtes, die auf den Tod gcängstigten Fuhrleute zu zwingen, ihnen auf dem Wege nach Thionville in größter Eile zu folgen und so ihren Raub in Sicherheit zu bringen. Die Bedeckungsmannschaft (wovon 2 getödtet) wurde gefangen mitgeschleppt. 43 Fuhrleute wurden nach Ankunft in Thionville, wo der glückliche Streich satanischen Jubel bervorricf, entlassen. Mehreren war eS schon beim Ueberfall gelungen zu entkommen, um eine ihnen unterwegs begegnende Husarenpatrouille , 2 Stunden vor Saarlouis, von dem Vorgefollenen in Kenntniß zu fetzen. Diese trabte sogleich an Ort und Stelle, aber zu spät. Bor Saarlonis wurde sofort ein Bataillon 70cr in das Dorf KönigSmachern entsandt, mit dem Aufträge, doS- selbe nach Feststellung der Thatsache dcS Verraths niederzubrcn- nen. Der Maire soll sich ober durch einen schriftliche» NcverS auSweifen haben können, daß ihm dies unter Lebenobcdrchung von dem das feindliche StreifkcrpS führenden Offizier befohlen wurde, und seine Mitbürger mit Gewalt von den französischen Soldaten zur Derbarrikadirung der Chaussee gezwungen worden seien. Es wurde dem Orte deßhalb eine Kontribution von KO,000 Francs aufgelegt und der Maire nebst lO angesehenen Einwohnern nach SaarlouiS gebracht. Die vom Feinde entlas- senen Fuhrleute sagen aus, daß in Thionville französische Soldaten sie his auf'S Hemd ausgeraubt hätten. Bor Bitsch, 24. Sept. Wie man dem "Fr. I.» berichtet, wird schweres Geschütz erwartet, da sich doS bisherige Bombardement aus 12Pfündern nicht als hinlänglich wirksam erwiesen hat. Uebrigens soll der Kommandant die Uebergabe angeboten haben, wenn man die Besatzung mit Waffen u. s. w. frei abziehen lasten wolle. Dies sei jedoch von dem bayerischen Befehlshaber des DelagerungSkorpS kurz abgeschlagen worden. Aus der Umgegend von Paris, 21. Sept., schreibt man der »Köln. Z.»: --Wie mir die Landleute sagen, herrscht in Paris eine furchtbare Aufregung. Sie erzählen in ihrer Angst bereit?, es sei wieder eine Guillotine aufgerichtet, AlleS fei in Todesangst vor dem Terrorismus der Epaltirten und Rothen. Es wird das wohl sehr übertrieben sein, ist indeß immerhin bezeichnend für die Lage. Die Folgen des Wegscbaf- fenS aller Lebensmittel machen sich bereits fühlbar bei den Ein- gebornop, die zurückgeblieben oder zurückgekehrt sind. Die Pfarrer, die ihren Platz behauptet, laufen mit ganzen Schaaren von armen Arbeitern umher, um Brod zu suchen. Einzelne, dieser Unglücklichen haben schon seit mehreren Tagen keine Nahrung ^M^^^^Hj^l^^orposle» betteln oder ernähren sich von rohen Gartensrüchten. Das Elend der Bevölkerung ist entsetzlich um ganz Paris herum. Ans Brüssel, 26. Sept., schreibt man dem »Fr. I«: Ein aus Paris mit großer Noth und Mühe entkommener Mann, der über Calais hier eingetrosfc», entwirft ei» schreckliches Bild der dort herrschenden Zustande. Es ist die vollste Anarchie. Tag und Nacht, sagt er, hört man Flintenschüsse fallen. Bon einer Polizei ist ebensowenig mehr die Rede, als von Gerichte». An dem Tage, wo er sich rettete, hatte man gerade die flüchtigen Znaven mit Kanonen- und Flintenschüssen empfangen und eine beträchtliche Anzahl in den Straßen von Paris uiedcrge- macht. SteiuS furth, 30. Sept. Bei der heute hier stattgefuii» denen DürgermeistcrSwahl wurde der seitherige Gcmeinderechner Brau n gewählt. Rappenau, A. Sinsheim, 19. Sept. Dom hiesigen Ge- meinderathe wurden den von hier gebürtigen, gegenwärtig im Felde sich befindenden Soldaten als Unterstützung je 5 fl. aus der Gcmeineckaste zugewiesen und durch deren Angehörige übermittelt. Bom hiesigen HilfSvercin erhielt jeder derselben in den letzten Tagen 1 Flanelhemd und 1 Paar Socken. Letzlcrcm Beispiele folgten schon mehrere Gemeinden der Nachbarschaft. Berichtigend ist beizufügen, daß die in einer Ihrer jüngsten Nummern aufgcführten 114 fl. von der «Kasinogescllschaft Saline Rappenau», als Beitrag zur Unterstützung invalider Krieger, theilweise von obigem Vereine, theilweise aber von Angehörigen der hiesigen Gemeinde gegeben wurden. (Bad. L. Z) Aus dem Murgthal, 29. Sept. Zur Feier deö Tages, an welchem nach 189 Jahren zum ersten Mal wieder deutsche Truppen die Straßburger Schanze bewachen, flammte vergangene Nacht auf der über 3000' hohen TcuselSmühle ein mächtiges Feuer empor) das weit in die Ebene des Elsastes hinüberlcuchtend den dortigen Bewohnern ein Zeichen gab. mit welch freudigen herzlichen Gefühlen wir die lange von nnS ge- trennten Brüder wieder bei uns willkommen beißen. (B. Ehr.) Ob erschaff Hausen, A. Emmend., 24. Sept. Auch die hiesige Gemeinde hat für unsere tapfer« Krieger aus besten Kräften gesorgt. So gingen in zwei Lieferungeu an den Bezirks- verein Emmendingen 80 fl. Geld, 29 Ohm Wein, 2 Ohm Branntwein, 25 Ctr. Mehl, 33 Ctr. Kartoffeln, ferner Kaffee, Zucker» Reis, Gerste, Eier, Dürrobft ab. Der Werth dieser Gaben beläuft sich auf 1500 fl. Endlich wurde» etwa 140 Hemden, 36 Leintücher, 53 Psd. Charpie, vieles Verbandzeug gegeben und znbereitct. Dazu kommt noch, daß wir etwa 115 Mann im Felde haben, wodurch sich die Opfer Einzelner noch beträchtlich erhöhen. Wiesbaden, 28. Sept. Marschall Mac Mahon ist heute Mittag mit seiner Gemahlin hier angekommen. Berlin, 27. Sept. Ein Telegramm der Presse meldet: Bazajne und Uhrich haben sich für den Kaiser Napoleon, bezw. für die Regentschaft erklärt. Palikao begibt sich von der Wil« helmshöpe direkt in ,daS preußische Hauptquartier. Das Mani- fest Napoleons, welches in englische» und belgischen Blättern erscheinen wird, erzählt wahrheitsgetreu die Genesis deS Krieges, mahnt zum Frieden, schildert daS zweiiache Verderben, die drohende Gefahr der Fortsetzung des Kriegs mit dem besser gerüsteten und in vcrtheilhaftcn Stellungen befindlichen feindlichen Nachbar und die Gefahr eine« Bürgerkrieges. Dasselbe erklärt in energischen Ausdrücken, die Mitglieder der jetzige» Regierung feien Usurpatoren und Hochverräther gegen Krone uud Nation. — 493 Berlin, 28. Septbr. Die "ProvinziallCorrespondenz« schreibt: Frankreich kann nicht mehr hoffen, seine Niederlage in Sieg zu verwandeln. Jede Fortsetzung des Krieges ist vergebliches und deshalb doppelt freventliches Blutvergießen. Graf Bismarck hat diejenigelMordrrungen angekündigt, welche Deutschland unbedingt stellen muß. Bei Frankreich steht es, zu verhüten, daß schließlich die Friedensbedingungen größere werden. Ganz Deutschland wird der wiedergewounenen deutschen Stadt Straßburg nunmehr die herzlichsten Gesinnungen entgegenbringen. Berlin, 27. Sept. Nach hiesigen Versicherungen sind vor Paris größere Unternehmungen der deutschen" Armee erst dann zu erwarten, wenn daö nvthige Belagerungsgeschütz dort cintrifft und zur Verwendung kommt,.. Man meint dabei, daß noch vor Ablauf dieser Woche so viel Transporte von schweren Geschützen in der Nähe der französischen Hauptstadt angelaugt sein werden, um in wirksamer Weise zu ausgedehnten Belagerungsarbeiten schreiten zu können. Tours, 27. Sept. Der Präfekt von M ezi er es meldet vom 26. d., daß der Behufs Wegschaffung der Verwundeten auf 48 Stunden geschloffene Waffenstillstand gekündigt ist und die Belagerung von Mezieres ei wartet wird. Tours, 27. Sept. DaS aus Paris eingetroffene »Journ. offiziel« vom 25. d. M. veröffentlicht einen Bericht Favre'S über seine Zusammenkunft mit Bismarck. BorauSge- schickt wird: die Männer der gegenwärtigen Regierung hätten stets die Freiheit und den Frieden verherrlicht und den Krieg bekämpft, der ausschließlich in dhnastischem Interesse unternommen worden sei. Würde Preußen »ach dem Sturz deS Anstifters des Kriegs nach der Basis der K r i e g s k o st e n e n t s ch ä d i g trn g, ausschließlich der Gebietsabtretung den Frieden gewollt haben,, so würde die Regierung denselben als eine Wohl- that und als Pfand der Versöhnung beider Nalionen angenommen haben. Der Bericht konstatirt einen Umschwung der Stimmung zu Gunsten Frankreichs (?), während dieselbe dem Kaiserreich feindlich öder gleichgültig gewesen; auch sei die Republik von mehreren Regierungen anerkannt. Antwerpen, 29. Sept. Heute brach hier eine furchtbare FeuerSbrunst aus. Die Zuckerrasfinerie von MeenS ist vollkommen abgebrannt, die anstoßenden Gebäude stehen in Flammen. Die Feuersbrunst dauert in heftigster Weise fort.' London, 29. Sept. Dreizehn französische Panzerschiffe passirten gestern Dover westwärts steuernd. Die .'Morgenblättcr.- rathen Frankreich, die Hoffnungslosigkeit eines ferneren Wider- stands anzuerkennen. Neueste Nachrichten. Mundolshe im, 28. Sept. Heute Uebcrgabe der Festung Straß bürg. Die Besatzung ist kriegsgefangen und kommt zunächst nach Rastatt, 400 Offiziere und 17,000 Mann. Um 8 Uhr Besetzung aller Thore und der Eitadelle; Pioniere stellen die Brücke wieder her. Um 9 Uhr kommen der Maire und der Mnnizipalrath hierher. Um 10 Uhr rückt die Bes»tzung an, um 10% Uhr' Niederlegnng der Waffen und Ausmarsch; II Uhr Rückkehr der Offiziere, wobei zugleich drei Regimenter, darunter ein badisches, in die Stadt einrücken. Besetzung aller Stadtteile, Posten, und öffentlichen Gebäude. Drei Batterien stellen sich auf dem Kleberplatz auf. Die Generalität geht heute nach Straßburg. = Sinsheim, 30. Sept. Tagesordnung des Schöffengerichts Dienstag den 4. Oktober: , 1) Ankl. gegen Kutscher Philipp Frank von Sinsheim wegen Körperverletzung. 2) Ankl. gegen Heinrich Eiermalin. von Rohrbach wegen Körperverletzung. 3) Ankl. gegen Schneider Franz Michael Neidig und die Ehefrau des Maurers Jakeb Kar eher von Kirchardt wegen Ehrenkränkung. 4) Ankl. gegen Josef Dietz ' von Kirchardt wegen Ehren- kräuknng. 5) Ankl. gegen Josef Bauer von Hoffenheim wegen Diebstahls und Körperverletzung. 6) Ankl. gegen Steinhauer Heinrich Li'pp von Sinsheim wegen Ehrenkränkung. 7) Ankl. gegen Beis Weil von Stcinsfurth wegen Ehren- kränkmig. Oeffentliche Aufforderung. Nr. 9457. I. S. Johann Adam Gundling, Land- wirth von führen gegen unbekannte dritte Aufforderung betr. [610] Landwirth Johann Adam Guud- ling von Dühren als Universal-Erbe der Johannes KrcuzwieserS Ehefrau Anna Moria geb. Gundling von da. besitzt Hon über 30 Jahre lang iiachgeuaniite Lieg.enscha.fteu: 1. Die Hälfte einer zweistöckigeu'Behau- smig im Orte Dühren in der Wintergasse neben Konrad Allgeier uul Selbst. 2. 41,1 Ruthen Garten im Ortsetter neben Sebastian Abele und Franz Miiden- berger. 3. I Viertel 97,1 Ruthen Acker im Wittich neben Jakob Fleck und Michael Beck. 4. 2 Viertel 42 Ruthen Acker ob dem Eichenloch neben Friedrich Salzgeber und Karl Schweizer. 5. 98,7 Ruthen Acker im Gaffel neben • Gr. Domänenverwaltuug und Peter Spieß. 6. 48 Ruthen Acker auf der Eschelbacher Höhe neben Georg Blank und Ausstößer. 7. 2 Viertel 36 Ruthen Äcker im Hoffen- heimer Weg «eben Domänengut und Stifts- fchaffnei. 8. I Viertel 15,4 Ruthen Acker im Knau- pen neben Konrad Maier und Johann Wohlsard. 9. 80,5 Ruthe« Acker im Steiubock neben Karl Schweitzer und Stiftsschaffuei. 10. 90,2 Ruthen Acker am Berg neben Karl Ott und Christian Grill. 11. 4Ö Ruthen Wiesen in der Mautern neben Karl Bratz und Selbst. 12. 36,1 Ruthen Krautgarten im Eichenloch neben Heinrich Vollweiler und Jakob Dörr. Der Eigeuthumserwerb ist im Grund- buche nicht eingetragen,-und werden behufs dieses Eintrags alle diejenigen, welche auf diesen Grundstücken in den Grund- und Pfandbüchcrn nicht eingetragene dingliche oder lehenrechtliche oder fideicommiffarische Ansprüche haben, aufgefordert, sie binnen 8 Wochen anher anzumeldeir, widrigenfalls diese Rechte den neuen Erwerbern der Liegenschaften gegenüber für erloschen erklärt würden. Sinsheim, den 22. September 1870. Großh. Amtsgericht. Mors. Hirsch, a- j- Einige Fässer, Sgfe ueü, von % bis 5 Ohm haltend, hat zu verkaufen [611] C Jiingert, Küfer. Lehrling-Gesuch. [604] Ein gesitteter junger Mensch kann sofort unter annehmbaren Bedingungen in die Lehre treten bei Georg Hölzer, Buchbinder in Neckargemünd. SyilllPgeil-KklKli verschiedener Größe bei £606] Ph. Züngmann. Dresch Maschinen. reslch-ZNaschineN für 2 Personen, neueste Constrnktion, ganz von Eisen, gehen bedeutend leichter, dreschen viel mehr als die früheren und sind viel dauerhafter. Preise bedeutend herabgesetzt.' Göpel Dresch Mtnschinen für ein Pferd mit allen Zubehören, unter Garantie, von st. 220. *— oder Thkr. 126. an und darüber. Göpel Dresch ÄNaschinen für zwei Pferde oder Ochsen, mit oder ohne Strohschüttler, unter Garantie fl. 230. — oder Thlr. .132. an und darüber. Für Hand-Drefch Mafchinen, welche schon im Betrieb sind, können Göpel auf schriftliche Bestellung nachgeiiefert werden, ohne daß die Dreschmaschine verändert zu werden braucht. Schriftliche Anfragen werden stets sofort beantwortet. Lieferung geschieht franco bei Baarzahlung. Garantie und Probezeit. 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