Der ünitiliolr. für den Lokalblatt Amtsbezirk Sinsheim und Umgebung. Jfs 140 . Erscheint 3mal wöchentlich, Dienstag, Donnerstag, Samstag. Samstag den 8. Oktober EinrückungSgebiihr: die einspaltige Zeile 3 kr. 1870 . Bom Kriegsschauplätze. Straßburg, 1. Okt. Einem Bericht des „Franks. I." über die Zerstörung der hiesigen Stadt entnehmen wir folgendes : Zwischen der Kaserne Finkmatt in der Wassersuppenstraße und der Steinstraße ist der ganze schöne Stadttheil von Grund aus zerstört. Während die Kaserne selbst nur ein zerschmettertes Dach aufzuweisen hat, müssen die dahinter liegenden Gebäude gewissermaßen den Kugelfang gebildet haben. Man kann von der Steinstraße aus häufig durch das ganze Viertel sehen. Einige Geschosse scheinen beständig den Weg genommen und dabei in der Ruinenstadt wahrhaft Gassen gebildet zu haben. Bis zum Judenthor erstreckt sich von der Kaserne Finkmatt der unbebaute Quai Finkmatt. Schrecklich verwüstet sind die Stadt- theile zwischen dem Thor von Saverne und der in Trümmer geschossenen Kaserne des Fort blanc. Man kann wohl sagen, daß der ganze Stadtheil links vom Kanal des Faux eigentlich nicht mehr besteht. Nur wenige Häuser sind erhalten und auch diese nur theilweise. Es ist rührend, den Scenen zu lauschen, die sich hier in der Nähe der schrecklichen Unglücksstätte entwickeln. Da finden sich alte Bekannte wieder, die einander während der Belagerung nicht zu Gesicht bekommen haben. Da gibt es denn ein Fragen nach den angerichteten Zerstörungen, nach den umgckommenen oder verletzten Familienangehörigen, und häufig bildet dann nur ein Thränenstrom, ein krampfhaftes Schluchzen die beredte Antwort. Ich war mit einem Metzger aus Mannheim in die Stadt gekommen; er suchtö seinen Bruder, welcher Wurstler in der Steinstraße gewesen war. Er fand nur einen Trümmerhaufen, unter dem die ganze Familie ihr Grab gefunden. Soll ich Ihnen das Jammern des Unglücklichen schitdem? Ich müßte auch all der herzzerreißenden Momente erwähnen, die hier in jeder Straße, in jedem Trümmerhaufen zu verzeichnen wären. Straßburg, 2. Okt. In der Stadt herrscht heute ein derartiges Gewühl, daß es kaum möglich ist, sich durchzuwinden. Die Weißenthurm- und die Kronenburgerstraße sind gestopft voll Landfuhren. Massenhaft kommen fortwährend auch noch Soldaten der vormaligen Belagerungsarmee zu Fuß und Wagen herein, um sich die Stadt anzuschauen. In den Straßen sieht man unsere Soldaten sehr häufig im Gespräch mit französischen. Verwundeten. Auch an Gruppen fehlt es nicht, wo Angehörige verschiedener deutscher Staaten sich herzlich begrüßen. Sind doch Bayern, Württemberger (beide freilich mir in geringer Anzahl), Badener und Norddeutsche hier. — Die Zahl der zerstörten oder stark beschädigten Häuser wird auf insgesammt gegen 500 angegeben. Jetzt beginnen an den minder mitgenommenen Gebäuden schon die Spuren des Bombardements zn verschwinden; Läden und Wirthshäuser sind durchgehends wieder geöffnet, und das bürgerliche Leben beginnt schon mehr und mehr sich im alten Geleise zu bewegen. Gegenwärtig befindet sich der Generalpostdirektor Stephan hier. Man darf wohl annehmen, daß die Postverbindungen bald so weit als möglich überall hergestellt sein werden. Schlettstadt ist jetzt eng zernirt. (K. Z.) Straßburß, 3. Okt. In Folge des außerordentlich starken Verkehrs zwischen Kehl und Straßburg und des Umstandes, daß derselbe dem Anscheine nach auch zur Verwendung ungeübter Schifflente geführt hak, schlugen gestern Abend zwei der kleinern Schiffchen um und mußten einige Personen ein unfreiwilliges Bad nehmen. Verunglückt ist aber Gottlob Niemand. Hierauf reduziren sich die Gerüchte, welche gestern Abend in Kehl und Straßburg über 5, 7 oder noch mehr Ertrunkene gingen. Was die in Straßburg vorherrschende politische Stimmung betrifft, so gebe man sich der Täuschung nicht hin, als ob dieselbe der Wiedervereinigung mit Deutschland günstig wäre oder sie auch nur leicht ertrüge. Es gibt viele Leute, welche Deutschland kennen, hochachten und lieben; eö gibt auch nicht wenige, welche unter den obwaltenden Umständen, wiewohl mit schwerem Herzen, für den Anschluß stimmen würden. Aber es gibt so zu sagen Keinen, der einer Veränderung der politischen Lage entgegenzauchzte; die Bande, welche diese Stadt an Frankreich knüpfen, sind zu eng, die Wirkung der letzten Ereignisse ist zunächst eine zu herbe. Trotzdem wird es, wie ich nicht zweifle, gelingen, die herrliche Stadt in nicht gar ferner Zeit wieder in ein Glied vom Körper Deutschlands zu verwandeln. Man darf wohl behaupten, daß unter den gegen Straßburg auögeführten artilleristischen Leistungen kaum eine so großartig und gründlich ist, als.die Verarbeitung der Zitadelle durch unsere badische Artillerie. Dieselbe ist in so systematischer, man möchte sagen gleichförmiger Weise zerstört, daß von einer Vertheidigungsfähigkeit gar nicht mehr die Rede war. Ist auch diese Leistung einigermaßen in den Hintergrund getreten durch die anderen Orts gefallene Entscheidung, so darf die Sache doch an dieser Stelle hcrvorgehoben und darauf hingewiesen werden, daß diesem von Kehl aus betriebenen Zerstörungswerke immerhin der stärkste Einfluß auf die Eroberung der Stadt beizumessen ist. Seit heute Vormittag ist die Schiffbrücke bei Kehl vollendet. Für die Benutzung derselben wird ein kleines Brückengeld erhoben. (K. Z) Müll he im, 2 . Okt. Gestern und heute hat die 4. ostpreußische Reservediviston unter General v. Schmeling den Uebcrgang über den Rhein bei Nenenburg bewirkt. Derselbe erfolgte in Fähren und Kähnen. Zu einem Kampfe ist es dabei nicht gekommen (die Nachricht von einem Verlust von 7 Mann bestätigt sich also nichts Bom Oberrhein, 4. Okt. General Uhrich, der seitherige Kommandant von Straßburg, ist gestern, wie wir hören, in Tours angekommen. Oberst Blot vom 87. Regiment, der 2 Tage vor der Uebergabe verwundet wurde, wird nebst dem Linienschiffskapitän Dupetit-Thouars als die eigentliche Seele der Verteidigung Straßburgs bezeichnet. Der trostlose Zustand der Festungswerke, der Mangel an Zündern (möotres), die große Zahl von Kranken und Verwundeten — unter denen der Hospitalbrand herrschte — sollen die wichtigsten Motive der Uebergabe gewesen sein. Aus Zweibrücken vom 2. Oktbr. wird dem «Fr. I.» berichtet: Von Straßburg soeben hier eingetroffen, ist es mein Erstes) mich nach den letzten Ereiguissen vor der Festung Bitsch zu erkundigen. Ich kann Ihnen über den letzten Ausfall der Franzosen am 30. Sept. mittheilen, daß derselbe darauf berechnet war, der Festung neuen Proviant zuzuführen. Das Unternehmen wurde dadurch wesentlich erleichtert, daß die Belagerung durch die Abwesenheit des Belagerungsgeschützes und durch die Abkommandirung der beiden bayerischen Jnfanterieregimenter bedeutend geschwächt war. Die Bewachung der Festung lag lediglich wieder in den Händen der Landwehr, die schon einmal mit großer Bravour gegen den übermächtigen Feind gekämpft hatte. Leider sollte diesmal der Hauptzweck des Ausfalls vollständig erreicht werden. Während des Kampfes, der um Mitternacht begann, gelang es den französischen Bauern, mit ihren längst bereit gehaltenen beladenen Wagen in die Festung zu kommen. Aus dem Kampfe müssen die Franzosen ersehen haben, daß ihnen nur geringe Streitkräfte gegenüberstanden. Am Morgen wiederholten sie ihren Ausfall mit verdoppelter Kraft, muß- 504 — ten den Versuch jedoch theuer bezahlen, da sie über 60 Todte und Verwundete eiubüßten. Saarbrücken, 30. Sept. Der Ausfall der Metzer Besatzung ani 24. d. M., über den erst jetzt durch hier einlaufende Privatbriefe (die lange vergeblich erwartet waren) einiges Licht verbreitet wird, scheint doch größere Dimensionen gehabt zu haben, als man anfänglich erfuhr. Die Franzosen beabsichtigten über Thionville nach Luxemburg durchzubrechen; , ihr Vorstoß in dieser Richtung, unterstützt durch einen Scheinausfall gegen Mercy le Haut, wurde mit verztveiflungsvoller Vehemenz ausgeführt, und es gehörte die ganze zähe Ausdauer unserer Truppen dazu, um den Franzosen die Unmöglichkeit eines Durchbruchs zil beweisen uno sie mit blutigen Köpfen in die Festung zurückzuwerfen. Der preußische Train-Bagage- und Marketenderwagen mußte während des Gefechts % Stunde zurücksahren, so heftig war der Anprall der Franzosen. Die letzteren scheinen dabei förmlich vom Hunger getrieben worden sein, denn aus einem hierhergelangten Briefe eines Jägers vor Metz entnehme ich folgenden Passus: „Bei dem plötzlichen Hervorbrechen der Franzosen gestern mußten wir den Kerlen, die uns wirklich überrascht, unsere eben am Feuer brodelnden Kessel mit dem Mittagessen überlasten und uns etwa 150 Schritt hinter dem Bivouak wieder sammeln und als wir wieder vorgingen, wich der Feind, der sich über das Esten hergemacht, und es halb gar verzehrt hatte oder die Kessel mitschleppte, zurück und ging wieder in seine alte Position, von wo man uns höhnisch die gestohlenen Sachen zeigte, welches Spiel wir ihnen aber bald mit wohlgezielten blauen Bohnen vertrieben. Einige der Roth- hosen waren ganz gemüthlich in unserem Bivouak stehen geblieben und verzehrten die gestohlene Mahlzeit. „Tödtet uns" — sagten sie, „aber laßt uns vorher satt essen!" die armen Teufel hatten seit 48 Stunden nichts gegessen." — Dies dürfte wohl die letzte Aktion Bazaine's gewesen sein; die Gerüchte über die bald bevorstehende Kapitulation erhalten sich mit großer Bestinuntheit. (M. I.) Aus To ul, 27. Sept. wird geschrieben: Es dürste wohl noch uiemals vorgekommen sein, daß eine Armee während eines Krieges in einem feindlichen Lande eine 5 Meilen weite Eisenbahnstrecke vollständig neu aulegt, regelmäßig ansbaut und in Betrieb setzt. Da die Festung Metz die Eisenbahn von Saarbrücken über Pont ä Mousson nach Paris und über Ranzig nach Straßburg sperrte, so erlheilke der General v. Moltke am 20. Aug. den Befehl, daß eine Eisenbahn in der Entfernung von 3. Meilen von Metz erbaut werden sollte, welche die Metz- Saarbrücker Linie mit der Metz-Pariser Linie verbinde. Der Chef aller preußischen Staatsbahnen, Geheimer Ober-Banrath Weißhanpt, übernahm die Oberleitung des Baues, tüchtige Civil- «nd Militär-Ingenieure wurden ihm zur Berfügung gestellt, 3000 unbeschäftigte Bergleute von den Saarbrücker Kohlengruben in Arbeit genommen und mitten unter dem Kanonendonner begann der Ban der neuen Linie. Diese führte von Pont ä Mousson nach Remilly an die Saarbrücker Metzer Bahn, hat etwa 5 Meilen Länge, und der Bau ward bei Tag und bei Nacht so rastlos gefördert, daß trotz des theilweise schwierigen Terrains die neue Linie schon vor einigen Tagen dem Betrieb übergeben werden konnte, so daß Metz jetzt allen unseren Eisenbahnlinien weiter keine 'Störungen verursacht. Auch für den Frieden wird diese ganz solide gebaute Linie von Bedeutung sein, denn der Weg von Dingen und dem mittleren Rheinlande nach Paris wird dadurch um ungefähr 3 Meilen abgekürzt werden. AuS Ferrieres, 27. Sept., schreibt man der »N. Pr. Ztg«: Die Verlegung des großen K. Hauptquartiers in den Westen von Paris steht in den ersten Tagen res nächsten Monats bevor und wird wahrscheinlich gleichzeitig mit dem Beginn des Angriffs gegen die Forts erfolgen, zu welchem das Belagerungsgeschütz bereits bei Meaux eingetroffen ist und demnächst in Batterie gebracht werden wird. Nachdem die erste Periode der Belagerurg, die Zernirung, so vollständige Resultate ergeben hat, daß in der That eine ganze Bevölkerung von 2 Millionen Menschen durchaus isolirt ist, wird mit dem Eintreffen des schweren Geschützes die zweite Periode beginnen, und dieselbe verspricht um so mehr Erfolg, als sie sofort mit äußerstem Nachdruck augefangen werden wird. Emile Girardin erzählt im "Constitutiounel«: "Ein Be- wobner von Pontoise theilt dem "Independant de l'Oise« mit, was wir unter Vorbehalt, doch unter dem Wunsche, daß es sich bestätigen möge, mittheilen, daß am 29. Sept. die Kalkbrüche in der Umgegend des Mont-Valerien, die in Rücksicht auf die Preußen unterminirt wurden, ans einer weiten Fläche in die Luft geflogen und mehr als 100,000 Preußen dabei ums Leben gekommen sind.« In der Nummer vom 26. stellt der --Constitu- tionnel" folgende Berechnung auf: "Blau schätztauf 10 12,000 die Zahl der Feinde, die täglich von unseren Freischützencorps erlegt werden, das macht 300,000 Man» jeden Monat. Wohl verstanden, sie machen keine Gefangenen, da sie wissen, was ihnen bevorsleht, wenn sie gefaßt werden; weil Preußen so schmutzig ist, sie nicht als Soldaten anzukeunen, so erschießen sie ihrerseits jeden Preußen, der in ihre Hände fällt.« Sinsheim, 5. Okt. Ein Theil der Landwehrmänner der Zugaugsklasse 1800 (Geburtsjahr 1839) ist entlassen, und es läßt sich annehmen, daß nächstens weitere Beurlaubungen älterer Wehrmänner eintrelen werden. Sinsheim, 6. Okt. In Folge des neuerlichen Ausrufes zur Unterstützung im Felde stehender Krieger hat die Gemeinde Adersbach hierher cingefchickt: 26 Paar wollene Socken, Fußlappen, 3 Hemden und 2 Paar Unterhosen, und die Gemeinde SiegetSbach 16 fl. 30 kr. Unter den Gaben der Sinöheimer findet man den Betrag von 12 fl. verzeichnet, den ein in England sich anfhaltender Sohn eines hiesigen Bürgers übermittelt bat. M buchen, 2. Okt. Wegen des ruhmvollen AntheilS, den die bayerische Armee in den Schlachten vom 30. und 31. Aüg., dann am 1. Sept. um Sedan genommen, hat der König von Preußen 45 eiserne Kreuze zur Vertheilung an die beiden ArmeekorpS-KommandoS geschickt. — Um die der deutschen Stadt Straßbnrg durch die Belagerung geschlagenen Wunden zu heilen, werden auch hier Maßregeln vorbereitet, und cs zeigt sich für diesen Zweck-die beste Stimmung. Die Elsässer werden bald erkennen, daß sie im Vaterland mit Liebe und mit offenen Armen empfangen werden. München. 3. Okt. Die Besprechungen in den Miuister- konferenzen über die dentsche Bersassungsfrag e haben sich, laut einer Mittheilung in verschiedenen Blättern, auf nicht weniger als 76 Punkte bezogen. Berlin, 4. Okt. Die Morgenblätter veröffentlichen einen Aufruf des Berliner Magistrats, welcher die deutschen Städte anffordert, zur Herstcllnng res in Straßbnrg durch die Belagerung entstandenen Schadens beizutragcn. Wie verlautet, wird in den nächsten Tagen mit allem E>us!e zur förmlichen Belagerung von Paris geschritten Täglich treffen vor diesem Platze große Transporte von schweren Geschützen ein. Berlin, 4. Okt. Die Stadtverordneten beschlossen mit allen gegen 13 Stimmen die Bewittignng von 20,000 Thlru. für Straßbnrg, sowie den neuerlichen Erlaß eines Aufrufs zu Beiträgen. Die während der Sitzung veranstaltete Sammlung ergab 1320 Thalcr. Lübeck, 3. Okt. Die Leuchtfeuer in Travenmünde sind seit gestern wieder angezüntet und die Seezeichen wieder gelegt. Neufchateau, 2. Oktbr. Wie versichert wird, werden 1000 preußische Kavalleristen, welche Void passirten, sich einem neuen Korps von 100,000 Mann anschließen, das in der Bildung begriffen ist, tim auf Lyon zu marschiren. Wien, 5. Oktbr. Unbeglaubigten Gerüchten zufolge soll der Rücktritt des Grafen Bcust und die Ersetzung desselben durch den altkonservativen Grafen Anton Scecfen bevorstehen. Ronen, 4. Okt. Letzte Nacht entgleiste bei Erctot, zwischen hier und AmieuS, ein Militärzug, wobei 15 Soldaten ihren Tob fanden und 115 mehr oder weniger schwer verletzt wurden. Das amtliche Organ der französischen Republik bestätigt durch Veröffentlichung dieses Aktenstücks die Enthüllungen, welche Graf Bismarck bei Gclegeuhcit der Veröffentlichung des Benedetli'fchen Vertragsentwurfs über die Pläne Napoleons III. gab. Tours, 3. Oktbr. Meldungen aus Colmar vom 2. d. zufolge hat der Feind in der Höhe von Mützlhausen den Rhein überschritten und nähert sich Mühlhausen und Schlettstadt. Brüssel, 5. Okt. Die „Jndep. belge" verurtheilt aufs Härteste die von der Situation vom 3. Oktober veröffentlichte Denkschrift des Kaisers an den König von Preußen, datirt aus Wilhelmshöhe den 26. Sept., worin dem König angerathen wird, in den Friedensbedingungen statt auf Frankreichs Erniedrigung lieber auf eine Allianz mit dem kaiserlichen Frankreich hiuzuwirken. Kopenhagen, 3. Oft. Die ErLffitung des Reichstags fand heute statt. Die Thronrede des Königs hebt hervor, daß dutch die ?!ufrechthaltung der neutralen Stellung es gelungen ist, das Land vor den Nebeln des Krieges zu bewahren. Obgleich keines Menschen ?luge den Ausfall und die Folgen des Krieges voraussehen könne, habe der König die feste Hoffnung, daß die Frage, welche noch zwischen Dänemark und Preußen unentschieden bestehe, eine Lösung finden werde, welche die Selbstständigkeit des Reiches sichern und die guten Beziehungen zu dem mächtigen südliche» Nachbar stärken werde. London, 1. Oktober. Die neueste „Times" bespricht in einem sehr interessanten Leitartikel die Lage Frankreichs. Sie findet dieselbe fast hoffnungslos und gibt Frankreich den Rath, für die Zukunft auf alle Eroberungs- und Rachegedanken zu verzichten, Nur eineMegierung, welche eine Politik des Friedens und der Freiheit beachtet, könite Frankreich wieder zu Ehren und Einfluß bringen. Es habe sich gezeigt, daß auf dem Festlande eine Nation cxistire, die Frankreich mehr als gewachsen sei, und letzteres solle sich die Idee vergehen lassen, als könne es jemals wieder die erste Rolle in Europa spielen. K onstantinope'l, 2. Oft. In Persien ist im Gebirge Maten ein Aufstand ousgebrochen. Truppen sind bereits dahin obgegangen. Der englische Kurier wurde aus dem Wege von Tauris nach Erzerum ausgeplündert. (Wand.) verschiedenes. — (Eine vergangene an die gegenwärtige Zeit.) Aus Paris schrieb am 23. August 1815 der preußische Heldengeneral Gneiscnau an einen Diplomaten in London: „Wir siitd im Begriff, einen neuen Utrechker Frieden zu schließet:. Frankreichs Integrität soll bewahrt werden. Diesen Grundsatz verficht England und Rußland; das heißt, die unruhige französische Nation soll ewige Freiheit haben, zwischen ihretr Festungen heraus Ausfälle auf ihre schwachen Nachbarn zu thun, und wenn solche ettva durch einen für Deutschland außerordentlichen Glücksfall nicht gelingen, so geht sie auf ihr Gebiet zurück; das heißt ferner sie zu etvig wiederkehrenden Kriegen reizen, denn sie hat ja keine Gefahren einigen Verlustes ihres Gebiets zu bestehen, wohl aber beim Gelingen die Aussicht auf Eroberungen. Das ist schmerzlich!" — Wir wollen's diesmal anders machen! — R ü p p u r r, A. Karls. 4. Oft. Ein sehr bedauerlicher Unglücksfall hat sich nach dem Einzüge der deutschen Truppen tu Straßburg ereignet: es wurde nämlich der Markedeutergehilfe Friedrich Lichtenfelö von Rüppur am Freitag Nacht um k l Uhr von einem preußischen Posten, welcher Lichtenfcls angernfen, aber von demselben keine ?lntworl erhalten hatte, erschossen. Die zahlreiche und mittellose Familie des Verunglückten ist um so mehr zu bedauern, als das älteste Kind noch im schulpflichtigen Alter steht, ein zweites Kind, ein Mädchen, an zwei Krücken geht und das jüngste erst einige Wochen alt ist. — München, 26. Sept. „Lutherisch sanmir nit worden in dem Krieg, aber preußisch. Dös könnts dem Herrn Pfarrer fag'n, weil er bei unserm Ausmarsch gar so a Angst g'habt hat um unser Seelenheil. Die Preußen san gar brave Kameraden und halten ntit uns dringest zusammen, wo's attf die Franzosen losgeht. Das san a falsch Volk, ob's wohl katholisch sein wollen, wie die Bayern, d' Preußen machen koa Kreuz, san aber doch christlich. Der Herr Pfarrer hät's nur seh'n soll'n dort bei Sedan, wie preußische Jäger neben uns nach der Schlacht a geistliches Lied g'sungen hab'n und die Musik hat dazu g'spielt. Wir hob'n alle g'juchzt aus Freud, aber glei a aufg'hört, wie die Preußen z'singen ang'fangt hob'n, g'schämt hob'n wir uns a a weni, denn uns is koa Lied eing'falle, dös sorühri war wie das von den Preußen!" — Also lautet der Brief eines oberländer Buben, der bei dem Landsberger Jägerbataillon steht, sein Vater las denselben am letzten Markttag im blauen Bock zu München mehrere Male vor und fand der Inhalt allgemeinen Beifall. Der Umschlag in der Stimmung Altbayerns gegen unsere norddeutschen Stammesgenossen macht sich nicht allein in den Siegesfestivitäten, die allenthalben veranstaltet werden, bemerkbar, sondern auch in den Privatunterhaltungen. Neueste Nachrichten. München, 5. Okt. Se. Maj. der König hat die Bitte der Stadt Lattdau um Bewilligung einer Sammlung zur Unterstützung Straßburgs gewährt und die Zeichnung mit 1000 Thalern eröffnet. Berlin, 5. Okt. Die «Provinzialkorresp.«, die Aussichtslosigkeit der Thiers'scben Mission fonstatirend, sagt: »Die russische Regierung gab ihre eigenen friedlichen Ab- sichten neuerdings nach allen Seiten hin zu erkennen.« Berlin, 5. Okt. Der „Staatsanzeiger" meldet: Das bisher in Hagenau befindliche Generalgouvernement des Elsaß wird nunmehr seinen Sitz nach Straßburg verlegen. Berlin, 6. Okt. Offiziell. Versailles, ö. Oft. Der König hat heute die ?lufstellung des sechsten Armeekorps besichtigt und sein Hauptquartier nach Versailles verlegt. Wien, 5. Okt. ThierS begibt sich von Wien nach Florenz. — Die Nachtragsforderung des Reichs-Kriegsministers beträgt zweiundfüitfzig Millionen. — Der Arbeiterführer Neumayer ist wegen Aufreizung gegen den österreichischen Staat zu fünf Monaten schweren Kerkers verurtheilt worden. Florenz, 4. Okt. Es bestätigt sich, daß die Parlamentswahlen in den römischen Provinzen in den nächsten Tagen werden ausgeschrieben werden, so daß die Abgeordneten der- selbeit an der Berathung der Hauptstadt-Frage werden Antheil nehmen können. Der König wird anläßlich der Uebergabe des Plebiszits eine unifassende Amnestie erlassen. Laut Berichten aus Ront will der Papst mit Cadorna nicht verhandeln, weil er es gewesen, der Rom beschossen. Das Gerücht, daß er nach Bayern übersiedeln wolle, erhält sich. Er schrieb durch Vermittlung des Kardinals Hohenlohe neuerlich an den König Wilhelm um Intervention. Florenz, 5. Okt. Volksabstimmung in der Provinz Belletri: 10,912 Ja, 56 Nein. Eine Deputation überbriugt das AbstimmungSresultat nächsten Samstag. Tours, 6. Okt. Nach Berichten aus Chartres von heute Morgen hat der Feind gestern Abend Epernon besetzt. Brüssel, 6. Okt. Oas «Echo du Par!.« erfährt aus Tours, daß die Regierung dem Präfekten von Lyon nnbe- schränkte Vollmacht zur Aufrechthaltung der Ordnung verliehen hat. Drei Genossen Eluseret's sind verhaftet und die Franctireurs aufgelöst. Ueber das Departement der See-Alpen wuide der Belagerungszustand verhängt. Bockschaft, Bezirksamt Sinsheim. Jagdverpachtuug. Die Ausübung des Jagdrechtes auf hiesiger Gemarkung wird Santstag, den 15. Oktober 1870, Nachmittags 12 Uhr, auf hiesigem Rathhause auf 6 Jahre von Lichtmeß 1871 bis Lichtmeß 1877 in öffentlicher Steigerung verpachtet. Der Jagdbezirk besteht in 600 Morgen Wald und Feldfläche und werden hiezu die Steigliebhaber mit dem Bemerken eingeladen, daß die Jagdbedingungen auf dem Rathhause eingesehen werden können. Bockschaft, den 3. Oktober 1870. Das Bürgermeisteramt: Moser. vdt. Wolf. I. S. Peter Specht von Aglasterhausen gegen unbekannte Dritte, Aufforderung zu Klage betr. Beschluß. Ar. 9878. Unter Bezug auf unsere öffentliche Aufforderung vont 25. Juli d. I., Nr. 6698, werden alle Diejenigen, welche die dort genannten Rechte in der bezeich- neten Frist nicht geltend gemacht haben, solcher, beit neuen Erwerbern der Liegenschaften gegenüber für verlustig erklärt. Einsheim, den 3. Oktober 1870. Großh. Amtsgericht. Mors. Hirsch. Den Vollzug des Gesetzes über die Beurkunvnng des bürgerlichen Standes und über die Förmlichkeiten bei Schließung der Ehe betr. Beschluß. ' Nr. 5255. An sämmtliche Bürgermeisterämter des Bezirks (mit Ausnahme jener von Kirchardt, Sinsheim und Steinsfurth: Dieselben haben in Bezug auf § 13 der Vollzugs-Verordnung zu dem Gesetze über die bürgerlichen Standesbücher, Gesetzesund Verordnungsblatt l870Nr. 1, längstens bis zum 12. d. Mts. den mnthmaßlichen Bedarf an Standesbuchs-Jmpressen für das nächste Jahr anher anzuzeigeu. Sinsheim, den 4. Oktober 1870. Gerichts - Notar. Fischer. 506 Ankündigung. In Folge richterlicher Verfügung werden den Philipp Leutz Eheleuten von Bargen die nachverzeichneten Liegenschaften Donnerstag, den 20. Oktober 18/6, Vormittags 10 Uhr, auf dem Rathhause zu Bargen öffentlich versteigert, wobei der endgiltige Zuschlag erfolgt, wenn der Schätzungspreis auch nicht erreicht wird. Beschreibung der Liegenschaften. 1 . Ein zweistöckiges Wohnhaus nebst Zugehörde 900 fl. 2 . 78,6 Rth. Acker im Schelling, neben Georg Ad. Friedrich anderseits 90 fl. Sa. 990 ff. Neckarbischossheim, den 19. Sept. 1870. Der Vollstreckungsbeamte. _ Liebl er.__ Sinsheirner Liederkranz. zu der auf Sonntag den 9. Oktober stattfindenden Production im Saale des Gasthauses zum Löwen. Eintrittspreis nach Belieben. Der Ertrag ist für verwundete und kranke Krieger bestimmt. [620] Der Vorstand. Gewerbeschule. Der Winter-Unterricht beginnt Montag den 10. Oktober. (615] Pr. I. G. Molitor. Zur Beachtung! [622] Sämmtliche Pferdebesitzer, welche Kriegsfuhren geleistet haben und ihre Pferde durch mich behandeln ließen, wollen, bevor sie ihren Schaden liqnidiren, vorerst ihre Rechnungen bei niir abholen. Sinsheim, den 7. Oktober 1870. Diesbach Bezirksthierarzt. [719] Der Unterzeichnete bescheinigt hiermit, daß die Chocoladenfabrik von Franz Stollwerck und Söhne in Äöln sich für die Reinheit ihrer Waaren verbürgt und ihre Fabrikation unter sanitätspolizeiliche Controle freiwillig gestellt hat, daß die zur Verwendung kommenden Rohmaterialien und Ingredienzien sowie auch die fertige Waare analhsirt werden und dadurch dem Consumenten eine reine Cho- colade, d. h. pure Cacao und Zucker garan- tirt wird. Köln 1. September 1869. lir. Herrn Vohl, König!. Regierungscommissär und vereidigter Chemiker. Obige mit Recht empfehlenswerthen Cho- cvladcn sind stets vvrrathig in Sinsheim bei E. I. Stutzmann, in Eichters- heim bei I. F. Landes, in Rappenau bei Ferd. Niebergall und Apoth. H. L. Niederheiser sowie in Wies loch bei P. I. Wipfler. Gebrüder §pvhu in Ravensburg. Flachs-, Hanf- & Vergspiimerei. r 0 n, Mechanische Leinen Weberei. Für dieses längst bekannte Etablissement übernehmen wir zum Spinnen, wie auch zum Spinnen und Weben Werg, Hanf und Flachs, gehechelt und ungehechelt, in geriebenem und gut geschwungenem Zustand. Spinnlohn beträgt per Schneller von 1000 Fäden 4 Kreuzer. Von gehecheltem Hanf und Flachs wüd auch Fadenzwirn gefertigt. Die Weberei, welche mit englischen Wedstühlen der neuesten Art eingerichtet ist, befaßt sich mit dem Verweben der im Lohn gesponnenen Garne und garantiren wir für die außerordentliche Gleichheit und Dichtigkeit der Hemdenleinen, Wergen, Bauernlücher, Zwilche u. s. w. — Weblohn ist äußerst billig. Die Ägrnten: Earl-Fischer in Sinsheim. Falk Nahm in Neckarbischossheim. 2. F. Marr in Waibstadt. Los. Eisemann in Meckesheim. W. Vurkhardt in Wies loch. L. Vraunling i» Steinsfurth. 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