Ver Lan-bote. Verknndigungsblatt der Großherzoglichen Bezirksämter Sinsheim und Neckarbischofsheim. W°‘ 5* Ämnstag. den 10. Jmtuar 1857. Bestellungen auf den „Landboten" können fortwährend bei den Großh. Postanstalten gemacht werden. [22] Die Vertilgung der Raupen betr. Beschluß. Nro. 189. Die Bürgermeisterämter des Amtsbezirks werden an den Vollzug der Verordnung vom 26. November 1839, § 2—5 mit der Weisung erinnert bis zum 20. Februar l. I. die vörgeschriebene Anzeige zu erstatten. Neckarbischossheim, den 7. Januar 1857. Großherzoglich bad. Bezirksamt. B c n i tz. Kuhn. Stammholzversteigerung. [21] Nro. 62» Sinsheim. Montag den 19. Januar d. I., Vormittags 9 Uhr, werden in dem auf Daisbacher Gemarkung liegenden Stiftswald, Distrikt Nonnenwald, 68 Stück, theils zu Holländerholz, theils zu Bau- und Nutzholz geeignete eichene Klötze, 1 forlener Klotz und 1 buchenes Klötzlein gegen baarc Zahlung vor der Abfuhr auf dem Platze selbst in Steigerung verkauft, wozu die Steiglustigen eingeladen werden. Sinsheim, den 7. Januar 1857. Großherzogliche Stiftschaffnei. Banz. Geschlumpte Wolle S«,“i Leopold Apfel [8] in Sinsheim. [20] Weiler. Jagdverpachtung. Nro. 15. Auf die unterm 10. Dezember 1856 vorge- nommeiien Jagdverpachtung, erfolgte, während der Genehmigungszeit ein Nachge- gebot, weßhalb Tagfahrt zu einer nochmaligen Versteigerung auf Mittwoch den 2l. d. M., Nachmittags 1 Uhr, auf das diesseitige GeschäftSzimm.r anberaumt wird, und die Lusttragenden hiezu eingeladen werden. Weiler, den 7. Januar 1857. Das Bürgermeisteramt. G a ß m a n n. Bartholomä. [19] Rathschreiber Metzler in Rohrbach verkauft der Oekonomieveränderung wegen aus der Hand und auf Verlangen mit Borgfristen: zwei Kühe, darunter eine sammt Kalb, eine Kal- bin und zwei Kallenrinder nebst Rüben und Wurzel. In der Buchdruckerei von D. Pfisterer in Heidelberg sind folgende Impressen zu haben: Tagebücher für Rath- schreibcr, Abrechnungs-u. Kaffabücher für Gemeinderechner. 3ur Geschichte des Sages. Karlsruhe, 7. Jan. Se. Kaiserl. Hoheit der Großfürst Michael von Rußland sind heute Vormittag zum Besuch der Großherzoglichcn Familie von Stuttgart wieder dahier eingetroffen und im Großherzoglichen Residenzschloffe abgestiegen. Heute Nacht sind Se. Kaiserl. Hoheit von hier abgereist, um Sich nach Nizza zu Ihrer Majestät der verwittwe- ten Kaiserin von Rußland zu begeben. Heidelberg, 4. Jan. (Fr. I.) Nach früheren Mittheilungen in öffentlichen Blättern sollte durch mehrere Lehrerinnen des Frauenklosters, beziehungsweise weiblichen Lehrinstituts in Offenburg hier eine gleiche Anstalt für Erziehung und Unterricht weiblicher Jugend errichtet werden. Allein die Sache scheint nicht zur Ausführung zu kommen, zumal das Lokal, welches man früher dafür bcstlmmt glaubte, kürzlich vermiethet worden ist. Mannheim, 8. Jan. (K. Z.) Die massenhaften Tabakseinkäufe haben nun so ziemlich ihr Ende erreicht, und man sieht jetzt nur noch die mit der Einnahme schwer beladenen Verkäufer aus den Bankiers- u. Handlungshäusern nach Hause wandern. Es ist wirklich merkwürdig, wie in der letzten Zeit über diesen reinen Lurusgegenstand hergefallen wurde, und es ist zu befürchten, daß bei der nächsten Einblümung der Felder Halmfrüchte und Kartoffeln, ebenso Futterkräutcr noch mehr vernachlässigt werden, da die Preise dieser Erzeugnisse, wenngleich hoch, doch zu dem diesjährigen Tabakspreise in keinem Verhältnisse stehen, so daß auch bei der üppigsten Ernte an eine Preisverminderung der nöthigsten Nahrungsmittel nicht zu denken ist; abgesehen davon, daß der Mangel an Futterkräutern jetzt schon nachhaltig auf den Viebstand wirkt. Es sind dies Erscheinungen, deren Folgen nicht zu berechnen sind; denn wie soll die Landwirthschaft ohne tüchtigen Viehstand betrieben werden? Trotz dem so hohen Preise des Tabaks sind die Verkäufer theilweise doch nicht ganz zufrieden, wie es denn in jedem Stande Leute gibt, welche nie genug bekommen können. Ein Beispiel wird aus einem Dorfe jenseits des Rheins erzählt. Ein Bauer dort hatte vor einigen Tagen seinen Tabak um hohen Preis verkauft, und er sollte Tags darauf gefaßt werden. Um mehr Gewicht zu erzielen, setzte er vorher das Tabaksquantum in seinen Kuhstall, hatte aber nicht dafür gehörig gesorgt, daß die Blätter dem im Stall befindlichen Vieh entfernt blieben. Dasselbe fraß von dem Tabak, ruinirte dadurch theilweise die Büschel, und am andern Morgen war eine Kuh todt, und eine zweite mußte schnell geschlachtet werden. So ging Vieh und Tabak in einer Nacht zu Grunde. Mannheim, 6. Jan. Die Vorbereitungen zum großen Musikfeste, das im Monat Juni abgehaltcn werden soll, werden mit Thätigkeit betrieben. Dieser Tage geht eine Eingabe nach Karlsruhe an das Ministerium ab, um die Er- laubniß zu erwirken, den abgebrannten Theil des hiesigen Schlosses benutzen zu dürfen. In diesen Räumlichkeiten könne» über 3200 Zuhörer, ein Orchester von 160 Personen und 800 Sänger und Sängerinnen placirt werden. Von den verbündeten Städten Mainz, Darmstadt und Wiesbaden sind nun schon fast 700 Mirwirkende angesagt; eS bleibt für Ver- — 16 eine anderer Städte, die sich gern betheiligen möchten, nicht viel Raum mehr übrig. Speyer. Zu dem vollständigen Ausbau unseres Domes sind noch 16,000 fl. nöthig, welche nur auf dem Wege der milden Beiträge aufgebracht werden könne». München, 5. Jan. Wie ich so eben vernehme, wurde in der verflossenen Nacht ein Mordversuch auf den berüchtigten Räuber Heigl und zwar mit solchem Erfolge gemacht, daß derselbe wahrscheinlich in Folge der erhaltenen Verletzungen den Geist ausgcben wird. Derselbe war im hiesigen Zuchthause als Ketten-Sträfling detinirt und versah, gleich dem früher ermordeten Wegert, die Stelle eines Aufpassers über seine Mitgefangenen. Die Sache macht hier nicht geringes Aufsehen. Berlin, 6. Jan. Die »Zeit" schreibt: Sicherem Vernehmen nach ist über die Behandlung der Sunbzoll-Angelegcnheit zwischen Preußen, Frankreich und England ein vollständiges Ein- verständniß erreicht. Die Verhandlungen wegen Abschluß ernes allgemeinen Vertrags werden demnächst in Kopenhagen wieder ausgenommen werden, und da Rußland und einige andere bei dem Sundzoll nahe bctheiligte Staaten schon früher ihre Zustimmung zu dem von Dänemark aufgestellten Ablösungömodus gegeben haben, so darf man annehmen, baß dem baldigen Zustande, kommen eines erwünschten Resultats keine wesentlichen Hindernisse sich ferner in den Weg stellen werden. Wien. Der diesige Severinuö-Verein veranstaltet auch heuer wieder zu Ostern eine Pilgerfahrt nach Jerusalem. Theilnehmcr haben sich längstens bis znm 25. Februar zu melden. Die Reisekosten per Person sind auf 500 fl. in Sil- berzwanzigern veranschlagt. Italien. Es heißt, der Kaiser Franz Joseph werde in nächster Zeit mit dem h. Vater in Loretto zusammentreffen. Paris, 6. Jan. Die Friedens-Konferenz hat gestern das Protokoll unterzeichnet, mit welchem alle Lchwierigkesten beseitigt sind. — Das Fürstenthum Moldau erhält den von Rußland abgetretenen Theil Bessarabienö mit Einschluß der Plätze Bolgrad und Bobak. Rußland behält Konirat mit 330 Geviert-Werst. — Das Donaudelta und die Schlangeninseln werben der Türkei wieder einvcrlelbt. Die Abgränzung muß spätestens am 30. März vollendet sein, bis wohin auch Oesterreich die Donaufürstenthümer und England bas schwarze Meer räumen müssen, woraus die behufs der Reorganisation der Fürstenthümer ausgestellte Kommission ihre Mission zu erfüllen hat, deren Ergebniß von einer Konferenz definitiv fest- gestellt werden wird. London, 6. Jan. Nach Mittheilungen aus Ncw-2)ork vom 24. Dez. hat der Präsident der Vereinigten Staaten dir Verhaftung Walker's angeordnet, weil er sich der Transito- gesellschaft gehörige Waare aiieigncte. Dem "New-Vork-Hc- rald" zufolge wurde die Einschiffung von Lebensmitteln für Walker verboten. London. Ein großer Einfuhrartikel in England sind Hühnereier. Im Laufe des vergangenen Jahres sind 111 Mill. daselbst eingeführt worden und zum Verkaufe im Lande geblieben. Beschreibung der Sonne. (Aus dem Bauernfreund für 1857 .) Ihr habt Recht, lieber Vetter, wenn Ihr mir den Vorwurf wacht, daß ich Euch schon zwei Jahre hindurch von den Planeten unterhalte, ohne Euch »nr ein Wort von dem Wcltkörpcr erzählt zu haben, um den sie Alle sich bewegen und der Allen Licht und Wärme gibt. Die große Weltleuchtc, die Sonne, meint Ihr, sei doch für den Bauern wichtiger, als tausend Planeten. Denn ist sie es nicht, welche eigentlich den Kalender macht? Hängt nicht Tag und Nacht, Winter, Sommer, Herbst, Frühling, Frost und Hitze, Wachsthum und Gedeihen unserer Saaten, unserer Obstbäume, Weinstöcke und Stupfelrüben vorzüglich von ihr ab, und fördert sie nicht das Leben aller Geschöpfe, Thiere und Menschen? Gegen das Alles habe ich nichts Erhebliches cinzuwenden, und damit Ihr seht, daß der Bauernfreund so sehr als möglich Euern Wünschen entgegenkommt, will ich mit Euch für das Jahr 1857 eine Reise nach der Sonne machen, wie wir eine solche in vorhergehenden Jahren nach den Planeten gemacht haben. Der Hauptkörper unserer Planetenwelt, welcher unserem Auge wie cm großer Alles überstrahlender Feuerball erscheint, ist gleichsam wie ein Herrscher zu betrachten, der in der Mitte seiner Beamten und Unterthanen sitzt. Als Regent aber muß er auch eine Macht besitzen und diese hat ihm der Schöpfer gegeben in der ungeheueren Größe und Masse, mit welchen er ihn ausgerüstet hat. Denn denkt Euch nur Vetter, dieses Licht, das den Tag regiert und dem Auge Eueres Nachbarn Hans Jakob nicht größer, als ein Pfannkuchen vvrkommt, überrrifft unseren Erbkörper um eine eine Million vicrmalhundert neuntausendmal an körperlichem Inhalt, das heißt: aus der Sonne könnte man beinahe iy 2 Millionen ebenso große Kugeln machen, als unsere Erde ist, und wenn man alle Planeten, die Ihr bereits kennt, sammt der Erde in eine Wagschale legen und wiegen könnte, so würde die einzige Sonne sie sammt und sonders 738mal überwiegcn. "Was das wieder für Schwindeleien sind! — Bauernfreud, Bauernsreunv,nur bei der Wahrheit geblieben; wer kann wissen, wie groß die Sonne ist und gar wie schwer sie wiegt?" ES thut mir leid, wenn Ihr aus meinen bisherigen Beschreibungen nicht mehr profitirt habt. Denn habe ich Euch nicht schon im Jahrgänge 1855 gezeigt, wie die Sternkundigen es ansangen, um die Entfernungen u. Größen derHimmelskörper zu messen? Denkt Euch einmal die Sonne und den Mond neben einander; beide scheinen, wenn man sie durch's Fernrohr betrachtet, gleich groß, der Mond aber ist 51,800 Meilen, die Sonne aber über 20 Millionen 682 Tausend Meilen entfernt. — Ihr werdet Euch nun selbst vorstellen können, daß die Sonne, wenn sie so groß wie der Mond erscheinen soll, viel, viel größer sein muß, als dieser. Um Euch diese ungeheuere Größe nur einigermaßen vorzustellen, denket Euch einmal die Sonnenkugel hohl und in ihrer Mitte die Erde sammt ihrem Monde in seiner natürlichen Entfernung aufgestellt, so könnte dieser Mond bequem innerhalb derselben seinen Lauf beschreiben, ja es bliebe noch ein Raum von 42,900 Meilen von dem Monde bis zum Sonnenrande übrig. Von diesem ungeheueren Weltkörper hat man nun in früheren Zeiten geglaubt, daß er täglich einen Spaziergang um die Erbe mache und alljährlich einen großen Kreis durch die zwölf Himmelszeichen oder die Sternbilder des Thierkreises beschreibe. Jetzt weiß jedes Schulkind , daß nicht die Sonne, sondern die Erde sich dreht, und zwar täglich um ihre Achse und alljährlich in ihrer Bahn, woraus eben das Sonnenjahr hervorgeht. Aber man muß sich eben dcßwegen doch nicht verstellen, daß die Sonne ganz und gar ohne Bewegung sei, denn Stillstand findet in der ganzen Natur nicht statt, und wo Leben ist, da ist auch Bewegung. Die Bewegung der Sonne ist aber ebenfalls eine doppelte, und zwar geht die erste um ihre Achse und die andere mit allen ihren Planeten und Kometen zusammengenommcn aus einer eigen- thümlichen Bahn im Weltraum um einen Mittelpunkt, um den sich, wie neuerdings ermittelt worden ist, noch 36 Millionen andere Sonnen bewegen. Von dieser letzteren Bewegung kann ich Euch diesmal nicht näher erzählen, die erstere aber wollen wir etwas näher ins Auge fassen. Man ist zur Entdeckung derselben durch gewisse Erscheinungen gekommen, welche man mit einem guten, aber durch schwarze Gläser gedämpften Fernrohre auf der Sounenscheibe wahrnimmt. Bekanntlich kann das unbewaffnete Auge nicht in die Sonne sehen, ohne von ihrem Strahlenglanze geblendet zu werden. Wollte man es aar mit einem Fernrohre versuchen, — 17 — welches das Licht um mehrere hundert- oder tausendmal verstärkt, so würde die Folge dieser Kühnheit eine gänzliche Erblindung unserer Augen sein. Um nun einer solchen Wirkung vorzubeugen, schraubt man vor das Augenglas des Fernrohrs ein schwarz gefärbtes Blendglas, welches bewirkt, baß das Auge nicht allzu stark geblendet wird. So sie^t man denn den prachtvollen Son« neukörper im dunkelblauen Hintergründe des Himmels als eine feuerrothe, strahlenlose Scheibe, auf welcher sich gewöhnlich eine Anzahl kleiner dunkler Flecken befindet. Setzt man nun diese Beobachtung mehrere Tage hintereinander wiederholt fort, so bemerkt man, daß diese Flecken nicht stille stehen, sondern in der Richtung von Osten nach Westen über die Sonnenscheibe fortrücken und am westlichen Rande verschwinden. Nach ungefähr 13% Tagen aber kommen sie wieder am Rande zum Vorschein und man hat daraus geschlossen, daß sich die Sonne in zweimal 13%, das ist in 28 Tagen um ihre Achse drehe. Aus der Beschaffenheit eben dieser Sonnenfleckcn hat man nun auch sehr bcachtenöwerthe Bemerkungen über die natürliche Beschaffenheit der Sonne selbst gemacht. In den alten Zeiten war man fast allgemein der Meinung, die Sonne sei ein brennender Körper oder eine ungeheuere Masse wallenden Feuers, etwa wie das siüssige Metall eines Schmelzofens. Nun läßt sich zwar allerdings nicht in Abrede stellen, daß die Sonne die Körper auf der Erde erwärmt und daß ihre Strahlen, wenn man sie durch ein Brennglas in einem engen Raum zusammendrängt, sogar brennen und zünden; allein bei weiterem Nachdenken erheben sich doch gegen diese Ansichten sehr bedenkliche Zweifel, denn das Feuer verzehrt bekanntlich alle Körper, die cs ergreift, zu Asche, und es läßt sich kein Grund denken, warum die Brennstoffe in der Sonne nicht ein gleiches Schicksal haben und seit Jahrtausenden stets in ungschwächtem Glanze leuchten. Um sich aus dieser Verlegenheit zu helfen, nehmen die Anhänger des Sonnenfcucrs ihre Zuflucht zu der Annahme, der Brennstoff wäre der Sonne durch Kometen zugeführt, die sich in dieselbe hineinstürzten. Allein, gesetzt auch, dicß wäre der Fall, obgleich man niemals einen Kometen in die Sonne stürzen sah, so ergeben sich doch wieder andere Schwierigkeiten. Wie kommt es nämlich, daß auf den Gipfeln hoher Berge, die doch der Sonne näher liegen, als die der Thäler, der Schnee das ganze Jahr hindurch nicht schmilzt, und daß es überhaupt immer kälter wird, je höher man in die oberen Luftrcgivnen emporsteigt? Käme die Wärme allein von der Sonne, so müßte es dort oben eben so warm, ja noch wärmer als in den Thälern sein, und doch leiden die Luftschiffer durch eine unbeschreibliche Kälte. Wir sind also gcnöthigt, die Meinung der Alten, daß die Sonne eine unauslöschliche Fcuermasse sei, aufzugebcn und uns nach einer anderen Lösung des Räthscls umzusehen. Hier ist es nun, wo uns die schon erwähnten Sonnenflecken auf die Spur helfen. Gewöhnlich sicht man nämlich die Sonnenscheibe mit unzählbaren mattgrauen Pünktchen überzogen, welche hin und wieder von auffallend hellen Streifen durchwoben sind. Verlaufen nun viele solcher grauen Pünktchen ineinander, so entstehen graue Flecken oder Tupfen von verschiedener Ausdehnung, in deren Mitte sich nicht selten noch dunklere, oft auch schwarze Stellen von unregelmäßiger eckiger Gestalt befinden. So klein diese Flecken erscheinen, so sind sie doch in der Wirklichkeit von so ungeheuerer Ausdehnung, daß sie manchmal einen Flächenraum einnehmen, welcher den der Erdoberfläche um zwanzig- bis dreißigmal übertrifft. Neben diesen dunklen Flecken erblickt man nun, besonders unweit der Ränder der Sonnenscheibe, große Stellen von noch viel stärkerem Lichte, als die übrigen Theile dieses Weltkörpers. Es sind dies die sogenannten Sonnenfackeln. Alle diese Erscheinungen sind aber nicht bleibend, sondern beständigen Veränderungen unterworfen, und wenn ein Sonnenflccken sich dem östlichen Rande der Sonne nähert, so erscheint er immer schmaler und man erblickt alsdann den schwarzen Kernfleck nicht mehr in der Mitte der grauen Umgebung, sondern seitwärts. Daraus hat man nun mit Recht den Schluß gezogen, daß die Sonnenflccken nicht auf der leuchtenden Sonnen« scheibe oben d'rauf schwimmen, sondern daß es trichterförmige Oeffnungcn oder Lücken sein müssen, welche in die leuchtende Kugclfläche der Sonne eingetieft sind. Daraus geht nun weiter hervor, daß die Sonne an und für sich ein dunkler Körper sei, wie die Planeten auch. Zunächst um die dunkle Sonnenkugel befindet sich eine durchsichtige Dunsthülle, ähnlich unserer Atmosphäre, in welcher matt glänzende Wolken schwimmen, die die ganze Sonne rings umhüllen und nur selten etwas von der dunklen Oberfläche erblicken lassen. Ueber dieser Wolkenhülle schwebt nun, durch einen beträchtlichen Zwischenraum von ihr getrennt, eine zweite Umhüllung des Sonnenkörpers, eine leuchtende Schicht von blendendem Glanze, welche der Sonne die Eigenschaft gibt, die sie umkreisende» Welten zu erleuchten. Wird nun durch irgend eine Ursache, etwa durch starke, aufwärts steigende Strömung, in die Lichthülle eine Ocffnung gerissen, so blicken wir durch dieselbe hindurch auf die trübe untere Wolkenschicht und sehen einen grauen Sonnenflecken zerreissen aber beide Hüllen in der Art, daß die Ränder der Lichtlückc weiter von einander abstehen, als die der Wolkenlücke, so zeigen sich die vorstehenden Ränder der Wolkenschicht als Höfe und Halbschatten rings um einen schwarz erscheinenden Flecken, welcher nichts anderes ist, als ein Stück Oberfläche des entblößten, dunklen Sonnenkörpers selbst. (Schluß folgt.) Wer hat das gethan? Eine Geschichte aus dem Leben. (Fortsetzung.) „Ja, wiederholte Heinrich, das hat Herr Leonhard gesagt, das habe ich selbst gehört. Und wenn nicht Fräulein Hcrmine ein armes Mädchen ohne allen Anhang wäre und Herr Leonhard der Sohn eines reichen Mannes, so könnte man gar nicht begreifen, weßhalb sie festgenommen ist, und nicht er. Daß ihm Lisette ein Dorn im Auge war, das weiß Jeder; sie hat seine Mutter in's Grab geärgert, sie trieb seine Braut aus dem Hause, sie sollte seine Stiefmutter werden, und sie war cm schlechtes, falsches Mädchen, das weiß ich am besten. Und was für ein jähzorniger, gcwaltthätigcr Mensch Herr Leonhard ist, das habe ich selbst oft genug erfahren. Damals noch, als er drohte, Lisette zu erwürgen, da hat er mich an die Wand gestoßen, mich geschüttelt, mich geschimpft! . . . Wer doch ein Bischen Menschenverstand hat, muß doch eher Herrn Leonhard als Fräulein Hermine so was zutrauen. Und sagen Sie mal, weßhalb war denn Herr Leonhard an dem Morgen, wo die Geschichte herauskam, nirgends zu finden; weßhalb kam er erst wieder, als das Gericht aus dem Hause war? weßhalb ist er jetzt wieder auf und davon, und wird wohl nickt eher wiedcrkommen, als bis die ganze Geschichte zu Ende ist?" „Das Letzte ist ein Jrrthum, bemerkte Hilmer, der junge Herr Heider ist hier, er war so soeben noch bei mir." Heinrich erschrack so sehr, daß ihm der Hut aus der Hand fiel. Er bückte sich, um ihn aufzuheben, und sagte in dieser Stellung: „Und wenn er auch hier ist, was ich gesagt habe, ist wahr." „Wollen Sie das vor Gericht bezeugen?" „Vor Gericht? wiederholte der Bursche und sah ihn erschrocken an. Ich dachte, was man einem Advokaten sagte, wäre so sicher, als wenn man's einem Beichtvater vertraute. Ich habe gemeint, Herr Leonhard wäre nicht mehr im Lande. Er ist der Sohn meines Dienstherrn . . ." „Sie können aber vielleicht eine Unschuldige retten durch — 18 Ihr Zeugniß. Bedenken Sie wohl, Sie hätten das Unglück des armen Mädchens auf dem Gewissen, wenn . . ." „Ne! unterbrach ihn Heinrich rasch, ich will sie nicht auf dem Gewissen haben. Mag Herr Leonhard sehen, wie er durchkommt. Mit ihm werden sie auch wohl etwas mehr Umstände machen, als mit so einem armen, fremden Mädchen, das weder Verwandtschaft noch Freundschaft im Lande hat. Ich will'S auch vor Gericht bezeugen, was ich hier gesagt habe. Das heißt, wenn'ö gar nicht anders geht, Herr Justiz-Kommissär. Wenn Sie's mir erlassen können ... cs ist meine Herrschaft, müssen Sie denken. Ich verliere mein Brod vielleicht." „Ich kann cs vielleicht bewirken, daß Sie von der Staatsanwaltschaft als Zeuge vvrgcfordert werde», dann kann Ihnen Niemand einen Vorwurf machen, dann sind Sie verpflichtet, zu sagen, was Sie wissen." Heinrich drehte seinen Hut mit sehr unruhigem Gesicht. — „Aber geht es bann wirklich der Gouvernante an'ö Leben?" fragte er. „Der Staatsanwalt wird Todesstrafe beantragen, daran ist nicht zu zweifeln." „Ja, dann kann ich nicht anders, sagte Heinrich mit einem schweren Seufzer. Das kann ich doch nicht auf mein Gewissen nehmen. Adieu, Herr Justiz-Kommissär!" „Er ging sehr niedergeschlagen und sichtlich beunruhigt fort." Hilmer war, ehe er Hcrmine gesehen hatte, der Ansicht gewesen, daß sie schuldig sei; die in den Akten ausgezeichneten Thatsachen sprachen so sehr gegen sie, Heidcr hatte ihr ein so schlechtes Zeugniß gegeben! sie hatte selbst so wenig zu ihrer Rechtfertigung gesagt, daß er den Gedanken an eine Freisprechung von vorn herein aufgegeben und nur Hoffnung gehegt hatte, mildernde Umstände für die Thal aufzufinden und dadurch die schwerste Strafe von der jugendlichen Verbrechen» abzuwenden. Ihr Anblick machte ihn wankend in dieser Ueberzcngung, so sehr er auch gegen sie eingenommen war. Nicht ihre Jugend, ihre Schönheit machte diesen Eindruck auf ihn; jung und schön hätte auch eine Mörderin sein können. Es war die rührende Einfachheit und Kindlichkeit ihres Wesens, ihr offenes zutrauliches Auge, das Gepräge der Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit, das auf ihrem jetzt so blassen, aber doppelt lieblichen Gesichte lag. Es schien ihm unmöglich zu sein, daß dieses Kind eine schreckliche That des Hasses und der Rache hätte begehen können. Aber als er von dieser That zu sprechen begann, als er nach den nähern Umständen forschte, nach Anknüpfungspunkten für seine Vertheidigung, da wurde er wieder unsicher. Sie wich seinen Blicken aus, sie gab ausweichende, einsilbige Antworten, sie konnte oder wollte nichts sagen, was irgend Licht auf die Sache warf. Er ging höchst unbefriedigt von ihr, ganz verwirrt und mit dem Gedanken, ob er sich durch die reizende Außenseite einer frühreifen, verschmitzten Verbrechen» nicht doch habe bestechen lassen. Ganz anders aber urthrilte er jetzt nach der Mittheilung Heinrichs. Jetzt schien ihm Alles klar zu werden, und das junge, liebreiche Mädchen, das von so schwerem Unglück bedroht wurde, erregte sein tiefstes Interesse. Es war so, wie Leonhard vermuthete; sic war durch ihre schreckliche, hilflose Lage so niedergedrückt, so aller Spannkraft beraubt, daß sie willenlos Allee über sich ergehe» ließ. „Sie muß gerettet werden, backte er. Ich gehe sofort zu ihr, um zu erforschen, ob der Kutscher die Wahrheit gesagt, ob er Recht hat mit seinem Verbackte. Wenn cs wahr ist, was für ein schändlicher Mensch muß dieser Leonhard Heider sein! Der feige Mörder eines Weibes, läßt er cs zu, daß seine Verlobte die Strafe für seine Kräuelthat leidet! Seine vorgebliche Angst um sic, seine Bemühnngen, sie zu sprechen, rühren wohl von der Besorgniß her, sic könne ihn verrathen. Ich werde Alles aufbieten, seine Schuld und ihre Unschuld an's Licht zu bringen." Hcrmine saß in der Nähe des vergitterten Fensters und nähete an einem Kindcrkleidchen für die Frau des Gefangenwärters. Sie erhob den traurigen, aber ruhigen Blick verwundert von ihrer Arbeit, als Hilmer eintrat, und stand auf, lhn mit ihrem freundlichen, aber jetzt nicht mehr heitern Lächeln zu bewillkommnen. „Ich komme schon wieder, liebes Fräulein, sagte er, weil ich Ihnen Wichtiges nützuthcilcn habe. Hoffentlich werden Sie dießmal offener gegen mich sein, wenn ich Ihnen sage, daß ich den Grund Ihrer Zurückhaltung kenne und vollkommen von Ihrer Unschuld überzeugt bin " Sie hielt sich zitternd an dem Tisch fest. „Ich verstehe Sie nicht, Herr Justizkommissär," stammelte sie. „Lassen Sie uns Platz nehmen, lassen Sic uns offen mit einander sprechen. Sie dürfen den Muth nicht verlieren, es wird noch Alles gut werden für Sie. Nach dieser bösen Zeit wird eine glückliche für Sie kommen. Sorgen Sie nicht um einen Zufluchtsort; welche Familie würde nicht gerne Ihnen ihren Kreis öffnen? Ich bin überzeugt, daß meine Mutter Sie mit Freuden aufnehmen wird." In Herminens Auge wechselten Unruhe und dankbare Rührung; sie begriff den Mann nicht, der noch vor wenig Stunden so ernst und geschäftsmäßig vor ihr gestanden hatte und jetzt wie ein liebevoller Freund mit ihr sprach. „Sie sind sehr gütig gegen ein armes, verlassenes Mädchen, sagte sie ängstlich, aber sehr innig. An meine Zukunft habe ich noch gar nicht gedacht. Ach, setzte sie mit hervor, stürzenden Thränen hinzu, von Glück kann doch niemals mehr die Rede für mich sein." Hilmer war durch ihre einfachen Worte so erschüttert, daß er einige Augenblicke nicht sprechen konnte. Noch nie hatte ein Mädchen einen solchen Eindruck auf ihn gemacht. Wenn er seinem aufgeregten Gefühle gefolgt wäre, so hätte er das liebliche unglückliche Kind in seine Arme gezogen und ihr gesagt, daß er ihr Freund und Beschützer für das Leben sein, daß er Alles aufbieten wolle, sie glücklich zu machen. (Fortsetzung folgt.) Miszelle«». * Wie doch die Zeiten sich ändern! Ganz verwundert und erstaunt las dieser Tage ein Vater zwei Briefe, die ihm der Briefträger von seinen in auswärtigen Erziehungsanstalten lebenden Kindern, einem Sohn und einer Tochter gebracht worden. Die Tochter erbat sich zum Weihnachtsgeschenk Hosen und der Sohn einen Shawl. Frucht - Mittelpreije. Heidelberg, 7. Ja». Kernen 200 Pfd. 12 fl. 14 kr., Korn 200 Pfd. 11 fl. 45 kr., Gerste 200 Pfd. 10 fl. 52 kr., Spelz 130 Pfd. 6 fl. 37 kr., Haber 4 fl. 56 kr. Heilbronn, 7. Jan. Waizen 16 st. 29 fr., Kernen 17 fl. 39 kr., Korn 11 fl. 30 fr., Gemasch 11 fl., Gerste 9 fl. 53 kr., Dinkel 7 fl. 9 kr., Haber 5 fl. 13 kr. Pistolen dto. Preuß. Holl. lOfl.-Stücke Randdukaie» 20-Frank- Stücke ävanhfuvtev&onvfe. 9. 38y J --39 1 / 2 9. 54>/,-55-/r 9. 42-43 5. 29-30 9. 19-20 Engl. Svnverains 11. 38-42 Preuß. Thaler — 5-Franken-Thaler 2. 20'/, Preuß. Kaff.-Sch. l. 45'/, r Redigirt, Truck und Verlag von D. Pfisterer in Heidelberg.