Ver Llindbote. VerkündigungsblaLt der Großherzoglichen Bezirksämter Sinsheim und Neckarbischofsheim. Kr«-8. Samstag, den 17. Januar 1867. Bestellungen auf den "Landbotm" können fortwährend bei den Großh. Postanstalten gemacht werden. Bekanntmachung. [32] Nro. 20. Die auf verflossenen Dienstag den 13. d. M. anberaumte, ringe» trclener Hindernisse wegen, aber nicht staltgcfundenc landwirthschaftliche Besprechung wird nunmehr Dienstag den 20. d. M., Nachmittags 2 Uhr, im Gasthaus zum Badischen Hofe in Grombach abgehalten werden, und laden wir hiezu die Vereins- Mitglieder und Freunde der Landwirthschaft höflich ein. Sinsheim, den 15. Januar 1857. landwirthschaftliche Bezirks * Stelle, l a u r o p. Der Verein zur Belohnung treuer Dienstboten im Amtsbezirke Sinsheim. [35] Die Preiövcrtheilung vom Jahre 1856 betr. Bei der am 8. d. M. stattgefnndcncn Prcisvertheilung an treue Dienstboten im Amtsbezirke Sinsheim erhielten nachfolgende Dienstboten Preise nebst Ehrenbriefen und zwar 1) Juliana Baumbusch von Grombach für eine Dienstzeit von 8 Jahren 4 Monaten bei Rentamtmann Weng in Eichtersheim 10 fl. 2) Juliana Keller von Balzfcld für eine Dienstzeit von 6 Jahren 11% Monaten bei Peter Spieß in Dühren 9 fl. 3) Adam Hauck von Grognbach für eine Dienstzeit von 6 Jahren 7 Monaten bei Pächter Fellmann in Grombach 8 fl., was hiermit zur ehrenden Anerkennung der Dienstboten, so wie deren Dienstherrschaften bekannt gemacht wird. Sinöheim, den 8. Januar 1857. Der Vorstand des Verwaltungsrathes. Otto. Heckmann, Sekretär. [33] Neckardischoksheim. Erbvorladung. Nro. 5672. Christian Gottlieb Betz von Obergimpern, welcher früher zu Baden-Baden als Uhrenmacher bürgerlich ansässig gewesen sein soll, ehelicher Sohn des verstorbenen Philipp Adam Belz Won Haffelbach und dessen verlebten Ehefrau Leopoldine, geborene Laumene, später verehelicht gewesene Johann Adam Kritter zu Obergimpern, ist zur Erbschaft seiner, genannten Mutter berufen, und es ergeht an denselben bei dem Umstand, daß sein der- maliger Aufenthaltsort nicht ermittelt werden kann, die Aufforderung, sich'binnen 3 Monaten über die Annahme dieser seiner mütterlichen Erbschaft dahier zu erklären, widrigenfalls fein Erbtheil denjenigen zugewiesen werden wird, welcher solchen zukäme, Wen» der Borgeladenc zur Zeit drs Erbanfalls gar nicht mehr am Leben gewesen wäre. Neckarbischofsheim, den 3l. Dezember 1856. Großherzogliches AmtSrevisorat. M e y e r. [36] Sinsheim. Bekanntmachung. In Folge eines Nachgebots auf die unterm 7. bss. Mts. stattgehabte Schäfereiverpachtnng dahier, wird eine weitere Bersteigernng der Schäferei für die Periode von Michaeli 1857/33 auf Freitag den 23. d. M., Nachmittags 2 Uhr, in dem hiesigen Gemeindrhause vorgenommen, was mit dem wiederholten Bemerken zur öffentliche» Kenntniß gebracht wird, daß sich die Steigliebhaber über Zahlungsfähigkeit und guten Leumund, vor Ertheilung der Ratifikation, durch gemeinderäthliche Zeugnisse auszuweisen haben. Sinsheim, 15. Januar 1857. Der Gemeinderatb. H a a g. vckt. Besch. Kapital auszuleihen. [34] In der katholischen Heiligenpstege dahier liegen auf erste Hypothese 700 fl. zum Ausleihen bereit. Obergimpern, 3. Januar 1857. B l c s s i n g e r, Heiligenrechner. [26] Sinsheim. Bekanntmachung. Die in dem hiesigen Gemeindewalde Ostertholz zu Boden liegenden 100 Stück, zu Holländer geeignete» Stämme, von vorzüglicher Beschaffenheit, werden auf Dienstag de» 20. d. M., Vormittags 10 Uhr, auf der Hiebsstelle selbst, gegen baare Bezahlung versteigert, wozu mau Steigliebhaber einiadet. Lingheini, den 9. Januar 1857.. Der Gemeinderath. Haag. vrlt. Besch. Kapital auszuleihen. >27] Bei Unterzeichnetem liegen 150 st. Psieg- schaftsgeld auf gesetzliches Unterpfand zu 5 Prozent Verzinsung zun? Ausleihen bereit. Hoffenheim, den II. Januar 1857. Jakob Leicht. In der Buchdruckerei von D. Pfisterer in Heidelberg sind folgende Impressen zu haben: 37. Gcmeindevoranschläge. 34. Gcmcinderechnungsabschluß. 35. Dienstbuch für Bürgermeister. Jur Geschichte des Sagen. Karlsruhe, 14. Jan. Das heute erschienene Regierungsblatt Nro. 1 enthält: I. Unmittelbare allerhöchste Entschließungen Sr. Konigl. Hoheit deS Großherzogs. 1) Ordensverleihungen. 2) Me- daillenverleihungen. 3) Erlaubniß zur Annahme einer fremden Medaille. 4) Dicnstnachrichten. Se. König!. Hoheit der Großhcrzog haben Sich gnädigst bewogen gefunden, den bisherigen Hauptmann v. Davans zum Eisenbahn-Verwalter bei der Main-Ncckar-Eiscnbahn in Darmstadt zu ernennen. (Die andern schon mitgetheilt.) II. Versügnngen und Bekanntmachungen der Ministerien. 1) Bekanntmachungen des großh. Justizministeriums: a) die Ordnung des Tcpositenwescns bei den Bezirksämtern betr.; b) die Aufnahme des Karl Klorer von Endingen als Notariatspraktikant betr. 2) Bekanntmachungen des großh. Ministeriums des Innern: a) die Staatögenehmigung einer Stiftung der Gemeinden des Oberamts Emmendingen betreffend. (»Luisenstiftung« im Betrag von 2500 fl., aus deren Zinsen jährlich ein oder mehrere dürftige Brautpaare, eventuell arme — 28 — und würdige Familien oder talentvolle und würdige junge Leute aus dem Amtsbezirk zu ihrer Ausbildung unterstützt werden sollen.) d) Die Ueberstcht der Studircuden auf den Universitäten Heidelberg und Frciburg im Winterhalbjahr 1856/57 betr. 3) Bekanntmachung des großh. Finanzministeriums: die vierte diesjährige Gewinnziehung des Anlehens der Eisenbahn-Schuldentilgungs-Kasse zu 14 Mill. Gulden betreffend. Karlsruhe, 15. Jan. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben geruht: dem Professor Weißgcrber am Lyzeum in Freibzirg den Charakter als Hofrath zu verleihen. ^Mannheim, 12. Jan. In Rhcinbaycrn wurde dieser Tagd bei Hinrichtung des Raubmörders, dessen Verhaftung , auf hiesiger Rheinbrücke seiner Zeit berichtet wurde, aus offe- X nem Markte zu Zweibrückcn zum crstcnm ale das Fallbeil zur ' Anwendung gebracht. Stuttgart, 15. Jan. Der Staatsanzeiger hat folgende telegraphische Mittbcilung. Bern, 14. Jan. Bedingungslose Niederschlagung des Neucnburger Prozesses durch die Bundesversammlung für morgen, längstens Freitag völlig gesichert. Rotterdam wird jetzt auch einen zoologischen Garten erhalten. Es ist zu dem Zwecke eine Gesellschaft mit einem Kapital von 200,000 Gulden zusammengetretcn, die ein Grundstück von zehn Morgen an der holländsichen Eisenbahn in der Nähe von Kruiskade gekauft hat. Neuenburg, 12. Jan. Als charakteristisch für das in Neuenburg herrschende radikale Regiment führen konservative Schweizer Blätter die Thatsache an, daß statt der erwarteten Kasernirung der eidgen. Truppen vor einigen Tagen die ganze Mannschaft des Aargauer Bataillons bei nur siebzehn royali- stischen Familien einquartirt wurde. Paris, 14. Jan. Die Erklärungen der Regierungsorgane über die Neuenburger Angelegenheit haben hier sehr überrascht, weil sie den bekannten Nachrichten von Bern schnurstracks enrgegenlaufen. Nichtsdestoweniger hält man hier an den Friebenshoffnungen fest. — Großfürst Konstantin wird hier erwartet; er wird im Pavillon Marsan wohnen, wo bereits die nöthigen Vorbereitungen getroffen sind. New-Aork, 30. Dez. Die Kongrcßverhandlungen sind unbedeutend. In Mississippi und Nord-Alabama dauert die Angst vor Sklavenaufständen, sowie die Verhaftung von Negern fort. — Der Dampfer "Texas" ist mit 500 Walker'- schen Söldnern von Neu-Orleans ausgelaufen, aber der "Te- neffee" aus New-Aork, mit Verstärkungen für Walker an Bord, hatte einen Unfall und blieb in Norfolk sitzen. — Berichte aus Costa-Rica und Nicaragua bestätigen, daß Wal, ker's Lage kritisch sei und melden von hitzigen Gefechten. 800 Mann Guatemalesen standen am 17. in Nicaragua. — Die Vereinigten Staaten haben mit Oesterreich einen Verbrecher, Ausliefcrungstraktat geschlossen. Wcv hat das gethan? Eine Geschichte aus dem Leben. (Fortsetzung.) Cs ist eine bekannte Thatsache, daß viel eher aus Liebe als aus Gleichgiltigkeit Haß entsteht. HerminenS Liebreiz mußte aufHeider selbst einen starken Eindruck gemacht haben, sonst wäre wohl der Groll und die Wuth, die er bei der Nachricht von ihrer Verlobung mit seinem Sohne empfand, nicht so maßloß gewesen. Freilich kam hinzu, daß es Leonhard war, den Hermine ihm vorgezogen hatte, Leonhard, den er gewohnt war, als seinen Gegner, als den Beschützer und Vertheidiger seiner Frau, als den Mitbewerber um die Regierung und Verwaltung des Gutes anzusehen, dessen geistige und moralische Ueberlegenheit ihn peinigte, den er beinahe haßte, weil Leonhard das Recht hatte sich über des Vaters Betragen gegen die Mutter und gegen die Kinder zu beklagen. Schwerlich würde er bei seinem Charakter sich je mit Herminen ausgesöbnt haben; aber durch die Ermordung Lisetlenö steigerte sich sein Haß gegen sie zu einem furchtbaren Grade. Dieser Haß fand täglich Nahrung durch die eingetretene Verödung seines Hauses, die Leere, die er empfand, durch Leonhards Benehmen, der seinem Schmerz um Hermine nicht den geringsten Zwang anlegte und ihre Unschuld unbekümmert um alle Zornauöbrüche des Vaters mit der größten Leidenschaft verthei- digte. Das Zcugniß, welches Heider jetzt vor dem Schwurgerichte über Hcrmine ablegte, trug das deutliche Gepräge seiner Rachsucht. Er schilderte sie als die ärgste Heuchlerin und Jntriguantin, die es gleich Anfangs darauf angelegt habe im Hause festen Fuß zu fassen, Leonhard in ihr Netz zu ziehen und vor allen Dingen Lisette zu vertreiben. "Schon am ersten Abend, sagteer, ist sie die Veranlassung zu einem Streite zwischen meinem Sohne, Lisette und dem Bedienten Heinrich gewesen. Nach vierzehn Tagen, als ich von meiner Reise zurückkam, hatte sie sich bereits so eingeschmeichelt, daß sie glaubte, es wagen zu dürfen, mir den Vorschlag zu machen, sie wolle einmal zur Abwechslung statt Lisette den Haushalt übernehmen. Sie hatte mit meiner Frau und meinem Sohne ein förmliches Komplott gegen mich und Lisette geschloffen; sie stand förmlich Schildwache, damit Lisette nicht zu meiner Frau in's Zimmer kommen sollte. Alles, was meine Frau Lisetten zu sagen hatte, ging durch den Mund der Gouvernante." "Angeklagte, hören Sie es", sagte der Präsident. "Was haben Sie darauf zu erwiedern?" "Ich habe es nicht böse gemeint, war Herminens sanfte Antwort. Frau Heider war krank, cs regte sie auf, wenn sie mit Lisette sprechen mußte, deßhalb nahm ich eS ihr ab." Trotz des schonenden Ausdruckes wavdiese Entschuldigung verständlich genug für Alle, die aus der Anklage wußten, daß die vielgenannte Lisette sechs Wochen nach dem Tode der Frau die Braut des Mannes geworden war. Heider wurde dunkelroth und seine fernere Auösage zeugte von noch größerer Gereiztheit. Aber Alles, was er gegen sie vorbrachte, trug zu sehr den Stempel des Haffes, als daß es nicht in Gegenwart des jungen Mädchens, das ihm kummervoll, mit thränrngefüllten Augen, zuhörte, einen seinen Absichten gerade entgegengesetzten Eindruck hätte machen sollen. Hermine hatte, als sie die unglückliche Wirkung ihrer ersten Entschuldigung auf ihn bemerkte, nicht mehr entgeg, net, sondern zu allen Zwischenfragen des Präsidenten stillgeschwiegen. Nur als Herr Heider von dem Morgen sprach, wo der Mord entdeckt wurde, Und ihre Antwort auf seine Frage, ob sie die vergangene Nacht hier im Zimmer gewesen sei, alS ein Gestänbniß bezeichnrte, da erwiederte sie: "Ich habe schon gesagt, daß es geschah, um ihr zn helfen." — "Ihr zu helfen? wiederholte Heider höhnisch, Ihrer Todfeindin?« "Daran habe ich in dem Augenblicke, wo sie um Hilfe rief, nicht gedacht," sagte sie einfach. "Es ist gut, Sie können sich setzen, bemerkte der Präsident. Zeuge No. 2, die kleine Anna Heider, soll kommen!-- Anna hatte anfangs, als sie im Saale war, verwirrt durch die Menschenmenge und unbekannt mit dem Zwecke, weßhalb man sie hierher gebracht hatte, Hermine nicht bemerkt, zumal diese, so gut es ging, ihr Gesicht vor den Blicken der Zuschauer und Zeugen verborgen hatte. Jetzt aber, da Anna vor den Schranken stand, beugte sich Hermine unwillkürlich vor, um sie zu sehen. Plötzlich rief das Kind: „Hermine! bist du hier, Hermine?! Ich komme zu dir! O, laßt mich zu meiner lieben, lieben Hermine!" „Bleib da, Anna, bleib da! rief das junge Mädchen, — 29 — kaum im iStattbe, ihre Fassung zu behaupten. Nachher sollst du zu mir kommen, jetzt nicht, du siehst, eS geht nicht." Anna brach in Thränen aus. »O, wo bist du gewesen, Hermine? rief sie schluchzend. Du hast meiner Mama versprochen, ich sollte immer bei dir blei- ben, und nun bist du schon so lange weg. Bitte, laßt mich zu meiner lieben Hermine!" »Anna, sei ruhig! rief Herr Heider barsch. Antworte jetzt ordentlich aus das, was dieser Herr dich fragt." Das Kind wandte mit erschrockenem Blick den Kopf nach ihm, wiederholte aber schluchzend: „Laßt mich zu meiner lieben Hermine!" „Wenn du mich lieb hast, Anna, bat diese, so bleibe da, sei artig, sei ein gutes Kind! Wenn du artig antwortest auf die Fragen, die man dir vorlegt, so erlaubt dir der Herr Präsident, daß du mir nachher die Hand gibst." Das Kind schluckte gehorsam die Thränen hinunter und beantwortete die Fragen deö Präsidenten, zuerst zögernd und schüchtern, zuletzt von dem Gegenstände aufgeregt, sehr lebhaft, ließ aber keinen Augenblick Hermine aus ben Augen. „Weißt du dich noch zu erinnern, was in der letzten Nacht, wo Fräulein Hartwig mit dir im Zimmer schlief, vvrgefallen ist? fragte der Präsident. „In der Nacht, wo Lisctte gestorben ist? erwiederte das Kind schnell. Ja, das weiß ich noch." „Hast du gesehen, daß Fräulein Hartwig aus der Stube lief, ziemlich lange ausblieb, und, als sie wieder kam, auf ben Fußboden hinficl?" „Nein, das habeich nicht gesehen, ich weiß nur, daß ich aufwachte und das Licht auf der Erde liegen sah; es wollte gerade verlöschen, als ich aus dem Bette sprang und es aufhob. Und da sah ich, daß meine liebe Hermine dicht daneben lag, ganz wie tobt, ganz blaß, ganz wie meine selige Mama. Ich schrie und weinte und rüttelte sie, und da schlug sie endlich die Augen wieder auf, und da sah ich, daß sie nicht todt war." Und was that Fräulein Hartwig, als du sie aufgeweckt hattest?" „Sie nahm mich in ihre Arme und küßte und drückte mich und weinte immer zu. Und dann sagte sie: „Ach, du armes, armes Kind! Wenn das deine Mutter erlebt hätte! Ach, was soll daraus werden!" Ich bat sie, nicht mehr zu weinen und zu Bette zu gehen; aber sie hörte nicht auf mich; sie legte mich wieder in's Bett; aber sie selbst kleidete sich nicht aus, sie ging immer in der Stube auf und ab und rang die Hände und weinte. Zuletzt bin ich eingeschlafcn; aber einmal wachte ich auf, da fing es schon an hell zu werden. Aber Hermine war immer noch auf und sie weinte noch immer, und ich hörte, daß sie sagte: »O Leonhard, Leonhard, wie soll das enden! O, wir unglückliche Menschen!" Hermine hatte bis jetzt mit vorgebeugtem Oberkörper gesessen und dem Kinde zugehört; bei den letzten Worten desselben zuckte sie wie von einem Blitzstrahl berührt und fiel todtenbleich auf die Bank zurück. Jetzt war Alles verloren, und das unschuldige Kind war cs, das den Tod und die Schande auf das Haupt des Bruders herabrief! — „Beruhigen Sie sich! flüsterte Hilmer thcilnehmend. Es ist ja nur die unbedingte Aussage eines Kindes." Sie antwortete nicht, sie rang nur in stummer Verzweiflung die Hände, die gefaltet auf ihrem Schooße lagen. Jede Rettung war ja unmöglich; denn wenn Heinrichs Aussage noch hinzukam, so mußte doch gewiß auch dem blödesten Auge Leonhards Schuld klar werden. Und jetzt kam Heinrich. Die Vernehmung des Dienstmädchens und des Knechtes, die zuerst den Mord entdeckten, hatte nur kurze Zeit hinweggenommen und förderte nichts Bedeutendes zu Tage. Jetzt war nur noch Heinrich zu vernehmen. Dann kam der letzte Zeuge — Leonhard. Trotz ihrer Angst und Verzweiflung, oder vielleicht gerade deßwegen konnte Hermine kein Auge von dem Bedienten wegwenden. Sie bemerkte, daß er roth und aufgeregt aussah und daß sein Blick scheu und unstät von Einem zum Andern ging. Auch seine Stimme war unsicher und von Befangenheit gedrückt. Als er die Finger zum Eide emporstreckte, begegnete sein Blick dem angstvollen, flehenden Blicke Herminens. Er erblaßte und seine Hand zitterte sichtlich. Der Präsident mußte seine erste Frage »achter Beeidigung: „Was wissen Sie von der Sache?" zweimal wiederholen, ehe er Antwort erhielt. - „Ich bin nicht dabei gewesen, sagte Heinrich endlich mit sichtlicher Anstrengung, seine Befangenheit niederzukämpfcn; aber das weiß ich: unser Fräulein Hermine hat cs nicht gcthan; das ist ganz unmöglich. Wer die nur einmal gesehen hat, kann ihr so waö nicht zutrauen, und wer sie so kennt, wie wir in Menzingen, noch viel weniger. Das ist auch ausgemacht, daß sie eS blos aus Gutherzigkeit auf sich sitzen läßt; das weiß Jeder, wie gutherzig sie ist. An der seligen Frau Heider hat sie allein schon ei» Gotteslohn verdient; sie hat ja Tag und Nacht gewartet, hat ihr die Augen zugedrückt und ist nicht von ihr ge, gangen, bis sie ans dem Hause getragen wurde, viel mehr, tausendmal mehr hat sie gethan, als derjenige, der der seligen Frau am nächsten gestanden hätte. Und ein solches gutherziges Mädchen unglücklich zu machen, das möchte ich nicht auf meinem Gewissen haben." Es war ungewiß, ob sein scheuer Blick die Geschwornen oder Herrn Heider streifte bei den letzten Worten. „Ist das Alles, was Sie wissen?" fragte der Präsident etwas ungeduldig. •. „Bestimmt weiß ich nichts, fuhr Heinrich fort, aberwenn's sich um Feindschaft gegen Lisette handelt, so weiß jedes Kind, daß Fräulein Hermine nicht die Einzige war, der die falsche Perfon was in die Seele gethan hatte. Unser junger Herr zum Beispiel, Herr Leonhard, hatte die Lisette auf dem Korn; er hat sie zuweilen angesehen und sie angeschnauzt, alS wenn sie ich weiß nicht waö wäre. Er hatte doch wohl eben so viel Ursache wie Fräulein Hermine, zu wünschen, das sie aus dem Wege wäre; denn so eine falsche Person als Stiefmutter zu haben, wax doch kein besonderes Vergnügen. Daß sie die selige Frau in's Grab geärgert hat, bas weiß doch Jedermann in Men- zingen. „Erklären Sie sich deutlicher. Haben Sie bestimmte Gründe; zu vcrmutöen, daß ein Anderer als die Angeklagte den Mord begangen hat?" Heinrich wechselte die Farbe und schluckte einige Male, eho er wieder zu sprechen begann. „Ja, das habe ich. Ich habe gehört, ich stand hinter der Thür, weil ich sagen wollte, daß das Abendessen fertig wäre; da hörte ich mit eigenen Ohren, daß Leonhard sagte: „„Wenn sie kein Weib wäre, so würde ich sie mit meine» Händen erwürgen! Ich gehe hin, ich stelle sie zur Rede! So lange ich die Zunge und die Hand rühren kan», soll dieß Weib nicht den Platz meiner Mutter einnehmen. Lisette soll aus dem Hause, oder es gibt ei» Unglück!"" Das habe ich mit meinen eigenen Ohren gehört." Der Präsident sah fragend auf die zitternde Hermine. „Heinrich, rief sie außer sich, das sagen Sie nur, weil Leonhard Sie unfreundlich behandelt hat!" „Nein, dcßhalb nicht! entgegnete der Bursche hastig! ich hätte es auch nicht gesagt, wenn Herr Heider Sie nicht so verfolgte, zum Dank dafür, daß Sie seiner Frau und seinem Kinde so viel Gutes gethan haben, und wenn das Gericht Sie wieder freigelasse» hätte. Ich weiß, daß Sie unschuldig sind, und ich kann's nicht mit ansehcn, wenn Sie unglücklich werden. Herr Heider ist ein reicher Mann, der kann was für seinen Sohn — 30 — thun; aber für Sie thut Keiner was, es kümmert sich ja feine Seele um Sie." „Aber, Heinrich, sagte Hermine mit gerungenen Händen und strömenden Thränrn, wie können sie es verantworten, Hrn. Leonhard so zu verdächtigen?" „Ich habe ja nichts gesagt, als wahr ist, entgegnete Heinrich unsicher, und das mußte ich sagen, da ich geschworen habe." „Sie haben sich selbst als Zeuge angeboten, fiel sie in höchster Ausregung ein. Wir können Sie glauben, daß es mir etwas Helsen wird, wenn Sie Herrn Leonhard unglücklich machen wegen einiger heftigen Worte, wie er sie oft sagt, ohne etwas dabei zu denken? Was ihn trifft, das trifft sa auch mich. Sie haben uns Beide aus dem Gewissen!" Der Bursche fuhr zusammen und sah sie erschrocken an. „Ich habe es gut gemeint," stammelte er. „Uud denken Sie denn gar nicht an die arme kleine Anna, an Herrn Heiter?" fuhr sie fort. Herr Heiter? wiederholte er mit einem Ausdrucke verbissener Wutk. Herr Heiter ist an Allem schuld, der hat tie ganze Geschichte eingerührt." „Habe sie dem Gerichte noch mehr mitzuthcilcn?" fiel der Präsident ein. „Nein, das ist Alles, was ich weiß." Der Präsident winkte ihm, sich zu setzen, und befahl, den letzten Zeugen, Leonhard Heiter, vorzuführcn. Nach kurzer Besprechung mit den neben ihm sitzenden Richtern fügte er hinzu: „Ter Zeuge Leonhard Heiter zoll wegen der bei der Verhandlung gegen ihn hervorgetretciien Vcrdachtsgrünte unbeeidigt vernommen werden." Ein Murmeln der höchsten Spannung und Erwartung wogte durch die Menge; aller Augen richteten sich auf die Thüre, durch welche Leonhard eintreten mußte. Außer tcr armen Hermine und Herrn Heiter, den der steigende Verdacht gegen seinen Sohn mit Entsetzen erfüllte, sah wohl Keiner tem Erscheinen des jungen Mannes so ängstlich entgegen, wie der Vertheidiger der Angeklagten. (Fortsetzung folgt.) Land- und Hauswirthfchaft. * Eine Heilpflanze für alle äiisteren Körperverletzungen und Schäden. Vielfache Verletzungen, selbst zwanzig- ja vierzigjährige äußere Schätcn, welche jeder Heilungsart widerstehend, als unheilbar erklärt wurden, sind durch Ausleguug der Blätter der amerikanischen Brennessel, radikal geheilt worden. Ein Bürger in Kassel hat die Pflanze vervielfältigt und bietet dieselbe, aus Dankbarkeit für die eigene Heilung eines langjährigen Uebcls, der leidenden Menschheit nebst Gebrauchsanweisung unentgeltlich a». Der Name dieses Mannes ist Scheller, wohnhaft in der Martinistraße Nro. 84, zwei Treppen hoch, rechts. — Die Pflanze selbst ist nun bereits dem Gartenbau-Vereine zu Kassel zur Fortpflanzung vorgelegt und ärztlicher Analysirung übergeben, um zu untersuchen, wodurch die ihr innewohnende wirklich an's Wunderbare grenzende Heilkraft erzeugt wird. * Kein saures Bier mehr! Um das Sauerwerden des Bieres zu verhindern, geben die Prager »Erinnerungen" an, senke man eine an einem schmalen Zwirnband befestigte Marmorkugel durch das Spundloch des Fasses bis auf den Boden desselben. Da diese Kugel reiner kohlensaurer Kalk ist, so wirkt die freie Säure in tem Maße, als sie sich erzeugt, aus den Marmor ein, wird mithin ncutralisirt und. verhütet so das Umschlagen und Sauerwerden des Bieres. * Der Marmor wird bei diesem chemischen Prozesse, außer wo ihn das Band umschlingt, stark angefressen, das Bier aber bleibt bis zum letzten Tropfen gut und frisch. Miszelle». * Schuhmacher-Duelle. Im Mittelalter hatten die Gewerbe, nachdem sie sich schon längst zu einem geachteten Stande emporgeschwungen, manche alten, auf die frühesten Zeiten hindeutenden, eigcnthümlichen Gebräuche und Sitten bei sich in Kraft erhalten. Eine solche Sitte fand sich unter Andern! bei den Schuhmachern vor. Der Chronist bezeichnet diese Sitte unter dem Name» des Faustrechts der Schuhkncchte.*) — Dieses Faustrecht bestand in Folgendem. Wenn ein Schuh- machergeselle mit einem andern Streit hatte, so durfte er nicht gleich über seine» Gegner herfallen, sondern er schickte zwei andere Gesellen in dessen Werkstatt und ließ ihm sagen, er würde wissen, waö er mit ihm vorgchabt, er erwarte ihn auf der Herberge, wenn er (der Gegner) ein braver Kerl wäre, solle er kommen. Kam der auf diese Weise Geladene nicht, so arbeitete kein Geselle länger als vierzehn Tage noch mit ihm zusammen. Kam er aber, so wurde die Beleidigung nochmals auseiiiandergesctzt, dann erfolgte die Forderung aus 3 Gänge auf »Schuhkucchts Manier", nämlich, daß keiner wahrend des Schlagens ein Messer zücke, oder einen »heimlichen Biß und Griff thue«. Daraus zogen sich die beiden Duellanten aus und banden sich die Haare mit einem Riemen zusammen. Vier Altgesellen, welche als Sekundanten dienten, nahmen nun vier gemalte Stäbe (s. g. Schreibhölzcr) und kreuzten diese, zwei oben, zwei unten, in der Stube vor Jedem der Kampflustigen. War der von den Altgesellen versuchte Sühneversuch vergeblich, dann wurden die Stäbe gehoben unh die Duellanten stürzten aufeinander. Hatten sie sich »brav geklopft" oder war einer gefallen, dann sprangen die Altgesellen mit ihren Stäben dazwischen und keiner durfte einen Schlag mehr thun. Dies war der erste Gang. Die Kämpfer wechselten nun die Plätze und, wenn man ihnen Zeit zum Ausschnaufen (Verödmen) gelassen, thatcw sie den zweiten und zuletzt den dritten Gang. Nach diesem gaben sie oft mit blutigen Köpfen und zerrissenen Hemden einander die Hände, einer erklärte auf geschehene Frage den andern für einen braven und ehrlichen Kerl, sie waren wieder gute Freunde und tranken lustig miteinander. *) Der Ausdruck „Geselle" war in älterer Zeit nicht gebräuchlich, e« wurde dafür stets „Knecht" gesagt und auch der Lehrling hieß „Lehrknecht". Auslösung des Rechnungsräthsels in Nr. 6: llmal werden die Zeiger zusammcntreffen, und zwar 5'/,- Minuten nach einö, 10'°/,, Minuten nach zwei, 16%, Minuten nach drei u. s. w., nämlich in jeder folgenden Stunde um 5V U Minuten später. Frucht - Mittetpreije. Heilbrvnn, 14. Jan. Walzen 17 st. 30 kr., Kernen 17 st. 1 kr., Gemasch 11 fl. 1 kr., Gerste 9 st. 52 kr., Dinkel 6 fl. 50 kr., Haber 4 st. 59 kr. Pistolen dto. Preuß. Holl. lOst.-Stücke Randdukaren 20-ürank-Llücke Frankfurter Laurfe. 9. 39-10 Engl. Souverain« ll. 38-42 9. 55%-56% Preuß. LHaler — 9. 43=44 5-Franken-Thaler 2. 20 1 /, 5. 31 Preuß. Kaff.-Sch. t. 45% 9. 18=19 Redigirt, Druck und Verlag von D. Pfisterer in Heidelberg. i