Ver Lnn-bote Verkündig ungsblatt der Großherzoglichen Bezirksämter Sinsheim und Neckarbischofsheim. M r0 - 12. Dienstag, -en 27. Lanuar 1857. Bestellungen auf den „LandbotM" können fortwährend bei den Großh. Postanstalten gemacht werden. Schuldenltquidation. [59] Nr». 782. N-ecksrbi sch o fs heim. Die Erben des im Jahre 1833 mit Staatserlaubniß nach Slavanien auöqewanderten Johann Alban Hü [Herr von Waibstadt haben um AuSfolming des Nüch in Waibstadt sich befindlichen väterlichen Vermögens gebeten. Es wird daher Tagfahrt zur Schuldenliguidativn auf Donnerstag den 5. Februar l. I., früh 8 Uhr, anberaumt, wobei etwaige Ansprüche bei Vermeidung der Rechtshülfe dahier anznmelde» find. Neckarbischofsheiin, den 19.'Januar 1857. Großherzoglich bad. Bezirksamt. Benitz. [55] Mönchzell, Amts Ncckargemünd. Stammholzversteigerung. Mittwoch den 28. d. M., Vormittags 10 Uhr, werden aus hiefigem Gemeindewald 3 eichene Hol- länderstämme und 3 eichene Klötze für Küfer und Glaser fich eignend, versteigert. Die Zusammenkunft ist auf der Hiebstefie. Mönchzell, den 17. Januar 1857. Das Bürgermeisteramt. S ch o r k. [623 Nro. 68. Kirchardt. Ockanntmachung. Demjenigen, der den ruchlosen Brandstifter hier namhaft machen oder zu dessen Ermittlung beitragen kann, sichern wir, neben Geheimhaltung feines Namens, eine Belohnung von IVO fl. aus hiesiger Gemeindekaffe zu, welches wir hiermit öffentlich bekannt machen. Kirchardt, den 23. Januar 1857. Gemeinderath Gebhard. Baumann. [61] S t c > » s f u r t h. Liegenschaftsversteigerung. Ans Antrag der Erben des verlebten Martin Klingmann von hier, wirb Donnersta g den ». Februar l. I., Nachmittags 1 Uhr, in hiefigem Rathhanse ein zweistöckiges Wohnhaus mit gewölbtem Keller, Stallung, Scheuer und Garten an der Landstraße liegend, neben Georg Linne- bach und Mathäus Holzwarth, im Anschläge z» 600 fl. vorbehaltlich vbervormundschaftlicher Genehmigung öffentlich versteigert. Steinsfurth, den 19. Januar 1857. Das Waisengericht. Leonhardt, Bürgermeister. Ehmann. [57] H o f f e n h e i m. 53 eichene, asvene und kirschbaumene Bau- und Nntzholzklotze, 23 Nntzstangen, 54 Klafter Scheit- und Prügelholz, 6260 Stuck Reisachbüscheln und 102 „ Stumpen, zahlbar auf 1. November d. I. versteigert, wozu mau Steigliebhaber einladet. Sinsheim, den 22. Januar 1857. Freih. v. Gemmingen'sches Rentamt Hoffenheim. Besch. Berichtigung. gut heißen. In voriger Nummer soll es in Zeile 4 und 30 des Inserats [53] statt Meinweigut — Meierei- [60] Rechte Alizarin- Tinte bei Carl-Fischer: in Sinsheim. Holzvcrsteigerung. Auf nächsten Mittwoch den 28. d. M., M v r g e n S 9 U h r, werden in dem grundherrlichen Effigklingenwalde zu Hoffenheim Kapital ausguleihrn. [63] Bei Unterzeichnetem liegen 350 ff. Pfieg- schaftsgelder auf gesetzliches Unterpfand zu 5 Proz. Verzinsung zum Ausleihen bereit. Kirchardt, den 24. Januar 1857. Georg Bentz, G. S. [41] Wir bringen hiermit in empfehlende Erinnerung: fl.?Su,W-Das Unsere Agentur des Deutschen Phönix, badische und größte d-r veukschen Ber- Frankfurter Feuer - Ber,,cherungs - Gesellschaft für Mobiliar stchernngs-Gesellschaften. sUIId JlNM0blli(lr] unsere Agentur für Auswanderung nach Amerika rc.; den An- und Bkt kauf von Staatspapieren, Lotterie-Anlehensloosen, Actien rc., Wechsel und Auszahlungen nach Amerika, zu den billigsten Eoursen, unter Sicherheitsleistung, sowie Annahme von Wechseln und Wcrthpapieren von überseeischen Ländern; EVtoniat-Waaren; Eisen, Stab- und Bandeisen rc.; Kteesaamen unter Garantie. Sinsheim, den 15. Januar 1857. Gebrüder Ziegler. Ml. Kaufmann Frank. Aur Geschichte deo Tages. Bruchsal, 23. Jan. Das unterm 23. Dez. v. I. von dem mittelrheinischcn Schwurgerichte gegen Katharina, geb. Wernrt, Ehefrau des Franz Taver Bischoff von Schnelliiigen, Amts Haslach, wegen Giftmords erlassene Todesurtheil bat die allerhöchst landesherrliche Bestätigung erhalten, was der Verurtheilten heute früh gegen 9 Uhr verkündet wurde, nnv wird daher nach der Vorschrift des Gesetzes nächsten Montag um dieselbe Stunde die Todesstrafe durch Enthauptung mittelst des Fallbeils in dem umschlossenen Hofraume deö hiesigen AmtSgefäiignisscs vollzogen werden. Pforzheim, 22. Jan. (K. Z.) Es wurde letzthin mit wohlverdienter Anerkennung von Mannheim aus geschrieben, daß die dortigen städtischen Behörden in edler Uneigennützigkeit die Gehalte ihrer Lehrer durch freiwillige Zulagen auf einen angemessenen Betrag erhöhten. Es freut ihren Berichterstatter sehr, von hier aus Gleiches mittheilen zu können. Auch die hiesigen städti.chcn Behörden, welche die Pflege der Schulen von je her als eine ihrer ersten und wichtigsten Obliegenheiten ansahen, haben vor einiger Zeit aus eigenem Antriebe jedem der an der Volksschule angestellien Ünterlehrer eine namhafte Zulage bewilligt, während sie in der Festsetzung der Gehalte solcher Lehrer, hinsichtlich deren die Gemeinde — 44 — ohnehin freiere Hand bat, früher schon in nachahmungswür- diger, die Zeitverhältnisse berücksichtigender Weise vorangingen. Aber nicht nur von Seiten unserer Bebördrn kann ich Ihnen Mittheilung in genanntem Sinne machen; auch bei dem bei weitem größer« Theil der hiesigen Einwohnerschaft findet man, daß die Würdigung guter Schulen und in Folge dessen ein Bestreben, die Mittel zu deren Hebung zu bieten, allgemein Platz gegriffen hat. So bat u. A. in jüngster Zeit der hiesige Fabrik - und Handelsstand in lobeuswerthcr Ucbercinstim- mung beschlossen, daß der hiesigen Gewerdschule aus der Kasse des Fabrikkomitee'S und der Handelskammer die Summe von 300 fl. zur Anschaffung verschiedener Unterrichtsmittel zuge- wicsen werde. Gewiß ei» schöner Beweis der richtigen Einsicht Dessen, was noth thut, um die beranwachsenke Generation zu nützlichen und intelligenten Gliedern der Gesellschaft heranzubildcn. Möchte die Nachahmung eine allgemeine werden! Vofi der Tauber. Eine ziemliche Anzahl Einwohner von Wachbach vcrrietb sich jetzt, nach 9 Jahre», daß sie im Jahre 1848 einem Juden einen nächtlichen Besuch gemacht, und denselben zwingen wollten, angeblich von einem reichen Mergentheimer bei ihm verborgene Schätze herauszngrben. Ihre Schwatzhaftigkeit hat sie sämmtlich in'ö Gcfängniß und in Untersuchung gebracht. Rheinbischofsheim, 21. Jan. (Ort. B.) Durch die Goldwascherei in dem diesseitigen Rheingebirt wurden im Jahr 1856 für 1545 fl. 39 kr. an Gold gewonnen. Die Golt- wascherej ist nicht mehr so einträglich, wie in früheren Jahren, was der Rektifikation des Rheins und dem dadurch bedingten Verschwinden der Goldgründe zugeschrieben wird. Im Jahr 1845 hat die Rhein-Goldwascherei 3684 fl. 11 kr. und im Jahr 1839 sogar 4717 fl. 20 kr. an reinem Gold eingetragen. Vom Schwarzwalde, 22. Jan. (Sch. W. Bl.) Als einen kleinen Beweis, welch reges Leben in der Uhrcnindustric herrscht, mag bemerkt werden, daß im Norden wohnende Uhrenhändler, die keine geborne Wälder sind, trotz ihrer stets geleisteten reellen Bezahlungen an ihre hiesigen Geschäftsleute, ihre Aufträge nicht effektuirt erhalten können, deßhalb trotz des Winters gezwungen waren, ihre Geschäftsleute zu besuchen und auf die Zusendung der Waaren zu treiben. So hat einer dieser Männer mit einem Schottenuhrenmacher allein den Vertrag abgeschlossen, nach welchem derselbe zu erhöhtem Preise ihm monatlich 100 Stück Schottenuhren zusenden muß, und wie wir hören, hat derselbe mit noch mehr Uhrenmachern solche Verträge abgeschlossen. Worms. Gras v. Erbach-Schvnberg hat für das hier zu errichtende Lutherdenkmal dem Ausschüsse deS Vereins 110 Gulden zur Verfügung zustellen lassen. Wiesbaden, -23. Jan. Heute hätten wir beinahe ein Opfer boshafter Unbesonnenheit zu beklagen gehabt. Leiendecker K. rückte nämlich in die Schule, um den Oberlehrer B. wegen einer ganz unbedeutenden Bestrafung seines Kindes zur Rede zu stellen. B. wies dem genaiinke» die Thüre mit dem Bemerke», sich geeigneten Ortes zu beklagen, wurde aber sofort so thätlich angegriffen, daß er die Lcbrer der benachbarten Zimmer um Hilfe anrief. Als diese herbcieiltcn, zog K. ein starkes Messer und stürzte sich mit gezückter Klinge auf Oberlehrer B. los, der seinem fast sicheren Tode nur durch einen raschen Seilenspruiig entging. K. wurde verhaftet. München, 21. Jan. Gestern wurden auf dem Starnberger See die ersten Probefahrten mit dem Dampfschiffe gemacht, welches Lieutenant Jörres im Aufträge Sr. Maj. des Königs Mar zu Höchstdessen Gebrauche baute. Sondershausen. So eben setzt die Regierung als allerletzte Einlösungsfrist der älter» sondcrshauseii'schen 1-und 5-Thlr.-Scheine den 28. Februar fest. Wer also solche Papiere bisher auszuwechseln vergessen, wende 'sich an die hiesige Staatshauptkaffe. — Ueber 6000 Thlr. befinden sich bis jetzt noch in de» Händen des Publikums. I» Jena stürzte eine fremde Frau, von der Epilepsie befallen, in der Saalgasse zusammen. Der Tuchhändler Eckart nahm sogleich ein schwarzscikcnes Tuch und bedeckte damit ihr Gesicht, worauf die Krämpfe sofort aufhörten. Schweinfurt, 21. Jan. Gestern Abend stürzte in der Branntweinbrennerei des Hr». Ehemann dahier ein Knecht in eine mit kochendem Branntweinspülicht gefüllte Tonne und verbrannte sich die untere Hälfte des Körpers auf furchtbare Weise, so daß er sogleich in'ö Spital geschafft werden mußte. Der Unglückliche leidet furchtbare Schmerzen und zweifelt man an seiner Wiederherstellung. Minden, 19. Jan. Herr v. Ising, Hauptmann der 7. Komp, des hier liegenden 15. Jnf.-Regts., reiste am 4. d. M. von hier ab, um sich in Familienangelegenheiten nach London zu begeben, und „ahm zu dieser Reise 500 Thlr. baar und Wechte! im Betrage von 2000 Thlr». mit. Das Unglück, das dem Postdampfer "Violet" begegnete, flößte seiner Frau (einer Schwester der früheren Sängerin Sophie Crüwcll) Besorgnisse ein, die leider zu wohl begründet scheinen. Herr v. Ising ist in London nicht cingetroffen, Wechsel sind nicht einkassirt, Briefe nicht abgegeben, die Urlaubsfrist ist beendet, und von dem Abgereisten ist nichts zu hören. Herrv. Ising wird der eine Passagier, den das Uutergegangene Schiff "Violet" beherbergte, gewesen sein und wird sein Grab in den Wellen gefunden haben. Dieser Fall findet hier die größte Theilnahme. Der Vermißte stand in der Blüthe seiner Jahre, war geehrt qls gewissenhafter Kamerad und geachtet als edler Mensch. (Wir hatten diese Nachricht schon früher erhalten, mochten sie indeß nicht eher geben, und können sie natürlich auch jetzt nicht verbürgen, sagt die "K. Z.".) Göttingen. Auf der Höhe von Dransfeld hing man von einem Ertrazuge 6 schwere Güterwagen aus, um an einer neuen Maschine etwas zu prüfen. Die Wagen setzten sich durch ihre Schwerkraft in Bewegung und rollten zuletzt mit rasender Eile bis i» den Göttinger Bahnhof, wo sie die entgegcnstehcnden Wagen, einen großen Schuppen und ein Wärterhäuschen zertrümmerten. Zwei Bremser machten die fürchterliche Fahrt mit und wurden wie durch ein Wunder gerettet; der Eine ding leblos zwischen den Trümmern, erwachte aber bald. Die zweistündige Fahrt war in vier Minnten zurückgelegt worden. Paris, 23. Jan. Die Vorgänge während der Assisen- verhandlungen in der Angelegenheit Verger's, sowie der seither in den Blättern veröffentlichten Einzelheiten über Ver- gcr's Benehmen haben die Aufmerksamkeit einiger Aerzte auf sich gezogen, und man hat in einer Versammlung die Frage verhandelt, ob der Angeklagte nicht wahnsinnig ist. Der "Moniteur des hvpitaur" hat in seiner gestrigen Nummer das Ergebniß dieser Berathung mitgetheilt, welche bejahend ausgefallen ist. llandwirtlisrhaftliche Vereine. Das Charactristische unserer Zeit liegt wohl darin, daß die Resultate der Forschungen auf dem Gebiete der Wissenschaften, zweckdienlich hier der Physik und Chemie, sogleich ins praktische Leben eintreten, d. h. für alle mögliche technische Zwecke ausgebeulet werden; Schlag auf Schlag führen sich neue Erfindungen in das gewerbliche Leben ein. Nur so erklärt sich der gewaltige gewerbliche Fortschritt unserer Tage. Der Einzelne unterliegt nur zu leicht den Forderungen, dem Drange der Zeit. Einigung zur Erreichung gemeinsamer Zwecke ist daö Gebot der Jetztzeit. Dieser allgemein zum Bewußtsein — 45 — gekommene Satz rief allerwärts die verschiedenartigsten Vereine ins Leben. Wenn aber in Folge der großen Konkurrenz »Alles rennen muß», um mit den Forderungen der Zeit fvrtzukommen, so darf doch gewiß auch der Hauptlieferant auf dem großen Markte des Lebens diesem Drüsigen nicht gleichgüng znsehen, sofern er nicht in Kurzem weit überholt sein will. Dieser Hauptlieferant der rohen Stoffe aber ist der Bauer oder fein bezeichnet Oekonom. So wie aber der Gewerbtreibende der Konkurrenz verfallt, wenn er steif an seinem Hergebrachten klebt, so auch der Bauer. Der Bauer jedoch von achtem Schrot und Korn d. h. dem Pflug und Hacke gleichsam in die Hand gewachsen sind, ist bei täglich anstrengender, erschlaffender Arbeit nicht gerade der Mann des anstrengenden Denkens, nicht der des vielen Lesens, aber der der Praxis. Dennoch sollte jeder Bauer ein gemeinsaßlich geschriebenes Handbuch über Landwirthschafl im Hause habe». Die langen Winterabende bieten ihm Zeit genug, sich mit seinem Buche vertraut zu machen und seine Erfahrungen auf dem Felde mit den Winken und Rathschlägen desselben zu vergleichen und in den sogenannten Abendvorsetzen gäbe das Gelesene und Erfahrene herrlichen Stoff zu gegenseitiger Besprechung. So könnte sich der Bauernstand oald auf einen gewissen für ihn nothwendigcn theoretischen Standpunkt stellen, namentlich wenn ihm auch von Außen her dazu die Hand gereicht würde. Ad oculos demonstriren d. h. ihm einen in sein land- wirthschaftliches Geschäft eingreifenden Grundsatz möglichst einfach und verständlich vor Auge» stellen, ihn zur Nachahmung zu ermuntern, ihn in der Ausführung mit Rath und That unterstützen, und dies Alles mit Klugheit thun, ohne ihm aufdringlich und hofmcisterisch zu erscheinen, das ist der Weg, auf dem sich hier am meisten erzielen läßt und den unser allverehrter Metzger so gut einzuschlagen verstand. — Und gerade weil es anerkannter Weise schwer ist, auf diesem Felde mit gewünschtem Erfolge zu wirken, bildeten sich allerwärts landw. Vereine, die sich zur Aufgabe stellten, dem Bessern allmählig Eingang zu verschaffen und so mit dem Betrieb der Landwirth- schaft in andern Ländern die Konkurrenz anöhalten zu können. Erstaunen muß man daher über die Thcilnahmslosigkcit an den landwirthschaftlichcn Vereinen eben von Seite derer, um deren Interesse es sich'ö handelt. Ja, rechnen wir die Angestellten, cinschlüßlich der Bürgermeister und Gemeinderäthe, die manchmal nur aus Pietät gegen den Amtsvorstand sich be- theiligcn, ab, so bleibt vielleicht nur y 4 , das sich aus reiner Liebe zur Sache an den Vereinen betheiligt. Ich achte diese Pietät; ich achte sie doppelt, wenn sie Mittel wird zur Erreichung des Zweckes. Manche erachten die Einladung zum Eintritt in den Verein als eine Spekulation auf ihren Geldbeutel und nicht wenige glauben, sich ihrer Mitgliederpflichten erledigt zu haben, wenn sie ihren jährlichen Beitrag leisten und vielleicht zum laudwirthschaftl. Feste gehen. — Was kann dabei herauökommen? Mitglieder genug auf dem Papiere — Mitglieder dem Namen nach! — Sollte man unwillig diese Farben für zu grell aufgetragen erachten, so sage ich Nein! und stelle an jedes einzelne Mitglied zur aufrichtigen Beantwortung die Frage: Warum bin ich in den landw. Verein eingetreten und was habe ich im Sinne desselben gewirkt? Nun! und die Antwort? — Der in den Verein Cintretende übernimmt Pflichten und welche sind diese? 1) Der Verein bedarf zur Förderung seiner gemeinschaftlich zu verfolgenden Zwecke, als Anschaffung neuer Werke, neuer Geräthschaften oder Modelle dazu, zur Vertheilung von Preisen rc. rc. Geld. Es muß also jedes Mitglied einen jährlichen Beitrag leisten; die Verwendung muß den Direktions- und Ausschußmitgliedern anheimgestellt bleiben. Zweckdienlich ist es also, wenn der Verein möglichst viele, wenn auch nicht thätige, doch zahlende Mitglieder zählt. 2) Mit dem Eintrilte übernimmt jedes aktive Mitglied die Verpflichtung, mir aller Umsicht, Kraft und Ausdauer dahin zu streben, ui möglichst kurzer Zeit sein Feld auf den Standpunkt einer Musterwirthsebaft zu hebe», seiner ganzen wirth- schaftlichen Einrichtung, Stall und Dunghof, das Gepräge des Fortschrittes auszudrücken. Es muß sich so unter den cinzelnen Mitgliedern, auch zur Aneifrrung für Andere, ein edler Wettstreit entwickeln; jeder muß daö Schönste, das Beste im Stalle und auf dem Felde, jeder die zweckmäßigste Einrichtung haben wollen. Dazu gehört aber 3) der Eifer, sich einerseits aus landw. Schriften selbst belehren und die bereits von Ankeru gemachten Erfahrungen aus- f beuten zu wollen, andererseits auch der gute Wille, die ihm von der Direktion gegebenen Winke und Belehrungen, so weit möglich, für seine Verhältnisse in Anwendung zu bringen. Man hüte sich vor dem wegwerfenden: »das weiß ich schon lange oder das taugt nicht für mich.» 4) JedeS Mitglied muß suchen, überall gelegentlich auf seine Umgebung lieoevoll belehrend eiiizuwirken. So ein einfaches gelegenhkitlich gesprochenes Wort: Du könntest deine Dung- stätlc auf diese Art zweckmäßiger anlegcn! Meinst Du nicht? Ich würde eö so oder so machen! Mir würde es auf diese Art besser dünken und zwar deßwegen u. s. w. ist meistens mit dem besten Erfolg begleitet. 5) Ein besonderes Mittel zur Anregung und Aneiferung sind die hie und da stattfiiidendcn laudwirthschaftl. Besprechungen. Ohne wichtige Abhaltuiigsgründe sollte kein Mitglied versäumen, ihnen anzuwohnen; und es ist höchst zu bedauern, daß sie so wenig von Ortsangehörigen besucht werden. Es handelt sich dabei um das Jutcreffc des gesammtcn Bauernstandes und jeder, der diesem Stande angehört, sollte wißbegierig anwohnen. Allein theils Gleichgiltigkeit, thcils Vorurtheil, theils eine gewisse Scheu lassen oft die Besprcchiingsziinmer leer. »Es geht mich nichts an, ich bin nicht beim Verein» kann man oft genug hören. Aufgabe der Mitglieder ist cs, Andere dafür zn gewinnen und mit in die Besprechungen einzuführen. Anerkannt muß es werden, daß im letzten Jahrzehnt manches Bessere Eingang gesunden hat; aber hierbei darf nicht stehen geblieben werden. Noch Vieles ist zu thun, was nur durch gemeinsames Zusammenwirken der Mitglieder allmählig erzielt werden kann. Darum mit neuem Ernste ans Werk! Gott wird eö segnen. Reiniger. Der Äriminalprozeß gegen Johann Ludwig Derger, den Mörder des Hrn. Erzbischofs von Paris. Paris, 19. Jan. (Köln. Ztg.) Vorgestern Nachmittag gegen b Uhr wurde Verger, der Mörder des Erzbischofs von Paris, von dem Assisenhofe des Seine-Departements bekanntlich zum Tode verurtheilt. In Nachstehendem versuche ich. Ihnen ein möglichst getreues Bild der Verhandlungen zu geben. Von Morgens 8 Uhr an umgab eine dichte Menschenmenge den Gcrichtspallast. Wohl nie war die Zahl der Neugierigen bei einer derartigen Gelegenheit so groß als heute. Der Gcrichtspallast war, was sonst nie geschieht, von Stadt- sergeaute» umgeben, und der sonst gestattete Durchgang durch den Pallast untersagt. ES wurden nur Personen mit Karten zugelassen. Im Innern des Saales hatte sich eine zahlreiche Versammlung eingeftlnden. Unter Anderen bemerkte man den Prinzen Murat, den türkischen Gesandten, mehrere andere Diplomaten, und sonstige Personen von Bedeutung. Auf der für das Barrcau reservirtcn Tribüne bemerkte man etwa 40 Advokaten in ihrer Amtötracht. Sogar auf der Anklagebank — 46 — saßen einige zwanzig Personen. Alle Pariser und selbst einige dentscbe Blätter haben ihre Berichterstatter gesandt. Um 10 Uhr 20 Minuten wurde der Angeklagte cingeführt. Derselbe ist von mittlerer Statur und mager, sein Gesicht ist lang und blaß, seine Stirne hoch, seine Haare sind schwarz und dicht, seine Augen liegen tief, eine konvulsivische Bewegung spielt fast beständig um seine schmalen und zusammcngc- kniffcncn Lippen; sein Blick ist düster, doch vcrräth sein ganzes Aussehen Verstand. Er trägt einen langen, schwarzen Uebcr- rock und eine bis an den Hals zugeknöpfte Weste. Er ist ruhig, sieht sich mitunter die Zuhörer an, welche ihre Blicke nicht von ihm abwcndcn, unterhält sich zuweilen mit seinem Advokaten, und scheint mehrere Bogen mit Notizen zu ordnen. Vier Gendarmen stehen hinter ihm. Ein Hauptmann, ein Adjutant und zwei Brigadiers der Seine-Gendarmerie sind ebenfalls anwesend. Um 10Uhr treten die Mitglieder des Gerichtshofes ein, und nachdem die Kleidungsstücke, welche der Herr Erzbischof im Augenblicke seiner Ermordung trug, als Beweisstücke auf den Tisch gelegt sind, erklärt der Präsident Dclangle die Sitzung für eröffnet. Nach den üblichen Frage» an den Angeklagten, die derselbe mit ruhiger und fester Stimme beantwortet, wurde der Anklageakt vorgetragen, den Ihre Leser gewiß bereits kennen. Nach dieser Verlesung wurden die Zeugen aufgcrusen, deren sechzehn auf Geheiß des öffentlichen Ministeriums und drei auf Begehren des Angeklagten geladen sind; dieselben zogen sich darauf in ihre verschicteneii Zimmer zurück. Ehe man zum Zeugcnverhör überging, verlangte Berger das Work, das ihm der Präsident bewilligte, und sagte ungefähr Folgendes: »Meine Herren! Vor 1900 Jahren sagte ei» Mann, der mehr als ein Mann war, — er nannte sich Jesus Christus — folgende Worte: Fax vobis! pax oinnibus! und kill anderer Mann, den Sie lieben, den Sie verehren, und den ich mit Ihnen verehre, hat dieses Wort wiederholt. Er hat gesagt: L’empire c’est la paix. Man muß den Sinn dieses großen Wortes verstehe»" (der Präsident unterbrach den Angeklagten; derselbe fuhr aber fort): "das Kaiserreich des Säbels ist der Krieg. Das moralische Kaiserreich ist der Friede. So eben, meine Herren, hat Ihnen der Gerichtsschreibcr die Einzelheiten des Ereignisses mitgethcilt, für das ich verantwortlich bin vor Gott, vor der Gesellschaft, und vor mir selbst. Die Mitglieder des Parquets haben sich die genaueste Auskunft gegen mich verschafft. Ich habe nicht den nämlichen Vorthcil gehabt; seit meinem Eintritt ins Gefängniß habe ich mir schreckliche Waffen geschmiedet, aber diejenigen, die ich mir vor meiner Verhaftung vorbereitet, habe ich nicht. Es gibt Aktenstücke, die meine Feinde, die Mitglieder der päpstlichen Inquisition, blos- stellen würden. Unter diesen kostbaren Aktenstücken gibt es einige, die-von der Hand meiner Feinde sind. Mehrere wurden mir von meinem chrenwerthen Vertheidiger übergeben. Aber ich habe sie nicht alle. Ich komme zu dem Hauptpunkt. Ich will Ihnen von meinem Glauben sprechen; denn ein Priester ohne Glauben ist kein Priester. Es ist »öthig, daß man mir meine Papiere nach meinem Gesängiiiß bringt; sie werken dort eben so sicher sein, als ich selbst. Ich will Ihnen sagen, daß man einen moralischen Zwang auf mich auögeübt hat; ich wollte sechzig Zeugen vernehmen lassen. Man verweigerte es mir. Ich habe dem Justizminister geschrieben, damit er Sr. Maj. dem Kaiser von meinem Schreiben Kenntniß gebe.« Der Angeklagte liest diesen Brief, der ungefähr folgendermaßen lautet: "Herr Minister! Man verweigert mir die Vernehmung meiner Zeugen; ich verweigere deßhalb auch, die Fragen des Präsidenten zu beantworte». Ich werde diese That- sache den Gcschwornen und der öffentlichen Meinung zur Anzeige bringen. Ich fürchte meine Feinde nicht; sie mögen alle kommen. Wenn man mir verweigert, was ich verlange, so werde ich auf edle, ernste und entschlossene Weise die. Guillotine besteigen. O, menschliche Gerechtigkeit, die göttliche Gerechtigkeit wird dich treffen! Alles Dieses ist ernst, sehr ernst. Ich verlange meine Beweise zu liefern. Ich habe Beweise doppelter Art: meine geschriebenen und meine mündlichen. Die geschriebenen sind meine Papiere, die mündlichen sind meine Zeugen. Ich verlange, daß Sie die Sitzung vertagen, für welche wir zusammenberufcn sind." Nach dem Vortrage dieses Briefes erhob sich eine Diskussion zwischen Verger und dem Präsidenten, welcher Letztere behauptete, daß Verger sich zur Vertheidigung bereit erklärt habe. — Der Angeklagte behauptet, daß Dieses wahr und falsch sei, da er sich volle Freiheit auöbedungen habe.— Ter Präsident bestritt hierauf, daß es erlaubt sei, andere Zeugen vvrzuladcn, als solche, die von der Mordthat wissen. — Der Angeklagte crwiedert auf diese Bemerkung des Prä- sitelitcn, daß er gestern Abend einen Brief des Ministers erhalten habe, der ihm die Vorladung seiner Zeugen gestatte. Der nebst dem Geucraladvokaten Hrn. Barbier das öffentliche Ministerium selbst vertretende Generalprokurator, Hr. Baisse, erklärte die fragliche Zcugenliste für eine häßliche Schmähschrift, worauf der Angeklagte mit der größten Energie ausruft: "Lesen Sie! lesen Sie!" Die Liste wird jedoch nicht vorgetragen. Der Generalproknrator erklärt, daß Verger nach der Ermordung des Erzbischofs noch die ausgezeichnetsten Mitglieder der französischen Geistlichkeit verleumden wollte, und deßwegcn einen Aufschub verlange. Nach einer heftigen Diskussion, in welcher Verger erklärte, daß er seine Zeugen vernommen haben wollte, zog sich der Hof zurück, um über Verger's Gesuch zu bcrathen. Nach sei, ner Rückkehr befahl der Präsident, daß dem gefaßten Beschlüsse gemäß mit den Debatten fortgefahren werden sollte, worauf Verger sich weigerte, sein Verhör zu bestehen. Man geht deßhalb zum Zeugenverhör über. (Schluß folgt.) Landwirthschafttiches. Von einer angeblichen Direktion des landw. Jndustriekomp- toirö in Berlin (eine Namenslinterschrift fehlte) wurde in der badischen Landcszeilung Nr. 10 d. I. ein Gehcimmittcl zum Fettmachen der Schweine zu 1 Rthlr. ausgeboten. Wir müssen dieö geradezu für eine Prellerei erklären, indem das versprochene Mittel (Knochenmehl in Milch oder Wasser gekocht) bereits schon vor mehreren Jahren in den landw. Berichten aus andern Zeitschriften veröffentlicht wurde und auch in dem Nützlichen Allerleides Uiiterzeichneten unter der Rubrik: Schweine, Mästung derselben, angeführt ist. Unsere Landlcute mögen es als einen neuen Beweis erkennen, wie sie durch dergleichen Anzeigen um ihr gutes Geld gebracht werden können. Wrinhcim, den 20. Januar 1857. 1 Direktion des Kreisvercins. L. v. B a b o. /rucht -Mitielpreije. Bruchsal. 2l.Jan. Kernen 15 fl. 3 kr., Gerste 8 fl. 37 kr., Hafer 4 fl. 7 kr., gem. Frucht 9 fl. 45 kr. Hellbraun, 24. Jan. Kernen 17 ff. 10 kr., Gemasch 10 fl. 56 fr., Gerste 9 fl. 50 kr., Dinkel 7 ff. 16 kr., Hafer 5 fl. 4 kr. Mainz, 23. Jan. Weizen 13 fl. 51 kr., Karn 10 fl. 10 kr., Gerste 8 fl. 7 kr., Hafer 5 fl. 9 kr. Redigirt, Druck und Verlag van D. Pfisterer in Heidelberg.