Der Lan-bote. Verkundigungsblatt der Großherzoglichen Bezirksämter Sinsheim und Neckarbischofsheim. w°- 24. Dienstag, den 24. -Februar 1857. Schuldenliquidation. [140] Nr. 3027. Sinsheim. Die Valen- tie Münchs Eheleule von Steinsfnrth wollen mil ihren Kindern nach Amerika auSwander». Etwaige Gläubiger derselben habe» ihre Forderungen am Mittwoch den 4. März, früh 8 Uhr , dahier anzumelden. Sinsheim, den 20. Februar 1857. Großherzoglich bad. Bezirksamt. Otto. Erkenntniß. [137] Rr. 2019. Neckarbischofsheim. Da sich di- Rekruten Bernhard Bär von Siegelsbach, Johann Andreas Bernhardt von Wollenberg, Karl Josef Sera gut von Waibstadt und Franz Leon Salm von da ans die öffentliche Aufforderung nicht gestellt haben , so werden dieselben hiermit des badischen StaatSbürgerrechis für verlustig erklärt und vorbehaltlich ihrer persönlichen Bestrafung im Betretnnzsfalle i» eine Geldstrafe von je 800 st., sowie zur Tragung der Kosten vernrtheilt. Neckarbischofsheim, den 17. Februar 1857. Großherzoglich bad. Bezirksamt. Benitz. Entmündigung. [141] Nr. 2128. Neckarbischofsheim. Die ledige und volljährige Margaretba Mann von Siegelsbach wurde wegen Geistesschwäche entmündigt und als deren Vormund Christian Mann jung von da unterm Heutigen verpüichtet, was hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht wird. Neckarbischofsheim, den 19. Februar 1857. Großherzoglich bad. Bezirlsamt. Benitz. K u h n. Schuldenliquidation. [135] Nr. 2131. Neckarbischofsheim Ter Wittwer Christoph Doll Inzer von Obergimpern will mit seinen Kindern nach Nordamerika a»S- wandern. Etwaige Ansprüche an dieselben sind am Mittwoch den 4. März d. I., früh 9 Uhr, bei Verlust der Rechtshilfe dahier anzumclden. Neckarbischofsheim, den 19. Februar 1857. Großherzoglich bad. Bezirksamt. Benitz. [138] Sämereien betreffend. Nr. 65. Wir ersuchen die Herr» Bürgermeister der Gemeinden unseres Bezirkes, in ihren Gemeinden bekannt zu machen, daß alle Arten Feld-, Wiesen-, Wald- unb Garten-Sämereien, Obstbaumstämme und Obstbaumzweige, Reben und Beeren- srüchte aus dem landwirthschastlichcn Zentralgarten in Karlsruhe, durch Bestellung bei Herrn Kaufmann Hase dahier bezogen werden können. Neckarbischofsheim, den 18. Februar 1857. Die landwirthschafiliche Bezirks-Stelle. H o r m u t h. Müller. Schuldenliquidation. [136] Nr. 2132. N-ckarbijchofsh-im. Der ledige Ignaz Rick von Siegelsbach will nach Nordamerika answandern. Etwaige Ansprüche an denselben sind am Mittwoch den 4. März d. I., früh 9 Uhr, bei Verlust der Rechtshilfe dahier auznmelden. Neckarbischofsheim, den 19. Februar 1857. Großherzoglich bad. Bezirksamt. Benitz. Bauarbeitenvergedung. [ 128] W i e s l v ch. Für den Neubau eines katholischen Pfarrhauses nebst Oekonomiegebäudcs zu Rothenberg, werden nachve, zeichnete Arbeiten durch Soumission in Akkord gegeben. Grabarbeit angeschlagen zu. . 130 st. 55 kr. Maureraibeit „ „ . . 3714 n. 14 kr. Steinhauerarbeit in rothen Steinen 402 st. >2 kr. „ weißen 1 kr 40 kr. 8 kr 38 kr 52 kr Zimmermannsarbeit Schieferdecker Schreiner Glaser Schlosser Blechner Tüncher Tapezier Pst älterer zusammen 9038 st. 28 kr Die Baupläne, Voranschläge und Akkordbedingun gen liegen von heute an bei Großh. Domänen Verwaltung Wiesloch zur Einsicht auf, woselbf auch bis zum Dienstag den 10 März, Nachmit mittags 2 Uhr, die Sonmissione» angenommer werden. Wiesloch, 18. Februar Heidelberg, 18. Februar 1857. 1857. Gr. Dvmänenverwaltung. Gr. Bez.-Bauinspektion B r e i t e n b e r g e r. Waag. 649 fl. 9 kr. 2003 st. 25 kr. 370 fl. 40 kr. 718 st. 180 ft. 622 fl. 17 kr. 237 st. 17 kr. 233 fl. 44 fl. 331 fl. [139] Hoffen heim. Jagdverpachtung. Die Jagd auf der ungefähr 4000 Morgen großen hiesigen Gemarkung wird Montag den 2. März d. I., Nachmittags 1 Uhr, im Rathhaus dahier, auf drei Jahre in zwei Bezirken öffentlich versteigert. Hoffenheim, den 20. Februar 1857. Das Bürgermeisteramt. Engelhardt. __vdt. Stephan. Annonce« [134] Unterzeichneter unterhält fortwährend ein vollständiges Lager in allen Sorten Sägewaaren, als: Tannen-, Nuß-und Kirschbaumbretter, Latten , Kreuzleisten -c., welche ich unter Zusicherung reeller und billiger Bedienung den geneigten Abnehmern bestens empfehle. Ferner bringe ich meine längst bekannte Agentur für Auswanderer nach Amerika zu den billigsten Preise» in Erwähnung. Waibstadt, den 17. Februar 1857. _J. h. Marx. Äleesaamen. »blättriger nnd Luzerner — unter Garantie Su sheim, de» bei 14. Frbr. 1857. Grebr. Ziegler m. [122] Kaufmann Frank. Kapital auszuleihen. [142] In dem hiesigen Ortsarmen-Fond liegen 80 fl. gegen gesetzliche Versicherung und 5 Prozent Verzinsung zum Ausleihen bereit. Reih Ui, den 20. Februar 1857. Jakob Dörr, Rechner. Zur Geschichte des Tages. Karlsruhe, 20. Febr. Heute ist ein allerhöchster Befehl Nr. 7 erschienen, wodurch Leutnant Louis vom Artillerieregiment aus dem Armeekorps cutlassen wird. Karlsruhe, 20. Febr. Se. Kaisers. Hoheit der Großfürst Konstantin von Rußland sind heute von hier wieder abgereist. Karlsruhe, 21. Febr. Se. Kön. Hob. der Kronprinz und I. Kais. Hol). die Kronprinzessin von Würtcmberg werden morgen zu einem Besuche am hiesigen Hoflager erwartet. Mannheim, 18. Febr. Seit einigen Tagen sieht man, und hört zuweilen auch zur Nacktzeit große Züge Schnce- gänse über unsere Stadt von Süden nach Norden ziehen, woraus Wittcrungsbeobachter auf einen beendigten Winter, oder doch jedenfalls auf einen sehr gelinden Nachwinter schlics- sen wollen. Bruchsal, 19. Febr. So eben, 11 Uhr Vormittags, rückt in Begleitung des Ofsizierskorpö die Schwadron des Rittmeisters v. Gillmanii unter klingendem Spiele wieder ein, und wird nach viermonatlicker Abwesenheit in Rastatt dahier allseitig freundlich begrüßt. Den dortigen Kavalerie-Festungs- — 92 — dienst versteht nunmehr eine Schwadron des Mannheimer Dra- gonerregimeuts. Marimiliansau bei Knielingen, 21. Februar. Der Wasserstand des Rheins ist gegenwärtig so nieder, wie seit Menschcngedenken nicht. Die Rheinbrücke konnte in Folge dieses Umstandes bis jetzt noch nicht aufgcfnhrt werden. Von der Elz, 18. Febr. Es werden zur Zeit bedeutende Einkäufe in Hanfsamen gemacht. Die Preise sind die früheren, 1 fl. 15 kr. bis 1 fl. 18 kr. per Sester. Man erwartete auf den Monat Februar einen Aufschlag, der nun aber, wie bemerkt, bis dahin nicht eingetrctcn ist. Stuttgart, 20. Febr. Se. Kaiscrl. Hoheit der Großfürst Konstantin von Rußland ist heute zum Besuch bei der königlichen Familie hier angekomnicn und im kronprinzlichcn Palast abgestiegen. Derselbe wird morgen seine Reise nach Nizza fortsetzen. In Stuttgart klagt man über die hohen Hänserpreise und es sollen mehr alö 140 Gesuche vorliege«, worin um die Erlaubniß gebeten wird, neue Häuser bauen zu dürfen. In Gauingen bei Zwiefalten (Würt.) gebar vor drei Jahren eine Frau 2 Kinder, vor zwei Jahren 3 und in diesem Jahre 2, also in drei Jahren 7 Kinder. Mainz. Wie man uns berichtet, wäre von einigen hiesigen Bürgern der ehemals Hahn'sche Garten >m Gartenfeld zu dem Zwecke angekauft worden, um darin eine Gemüsefabrik zu errichten. München, 16. Febr. (Dtschl.) Wie verlautet, hat das Kultusministerium ein Schreibe» an sämmtliche Bischöfe Bayerns erlassen, in welchem sie aufgcsordert werde», keine Jesuiten mehr zu Priestcrcrerzitien zu berufen. Es sei Dies ohnehin eine Art Armuthszeugniß für den Klerus, unter dem gewiß auch ein tüchtiger Mann zu solchem Zwecke sich finden werke: außerdem sei eine derartige Berufung eigentlich durch frühere Verordnungen verboten. Augsburg. Am Fastnachtsdienstag, den 24. Febr. l. I., unternimmt es der Wagncrmcister Ebner dahier, innerhalb 12 Stunden (von Morgens 4 Uhr bis Nachmittags 4 Uhr) aus einem erst inlra lviminum im Walde zu fällenden Baumstamme rin ganz großes Wagenrad nicht blos vollständig auszuarbeiten, sondern dasselbe auch noch von Augsburg »ach Neustadt (1 Stunde Entfernung) mit freier Hand zn treiben. Lindau, 18. Febr. Die Errichtung schwimmender Eisenbahnen durch Erbauung von großen Fahrzeugen zur Aufnahme von geladenen Eisenbahn-Wagen wird nun auch auf dem Bodensee in Anregung gebracht. Hr. v. Rappard ans Bern kam in letzterer Zeit bei den kön. würtcmbcrg. Behörden mit dem Projekte ein, um in der Ausführung die mit Maaren befrachteten Eisenbahn-Wagen der würtembergischeu Eisenbahn direkt von Friedrichshafen nach Romanshorn überzusctze». Es steht zu erwarten, daß der Sache Aufmerksamkeit zugewendet werde. Harburg, 14. Febr. Nach den hiesigen Anzeigen ereignete sich kürzlich in dem etwa Stunde von hier entfernte» Eißendorf ein Fall, der allgemeines Staunen erregte. Ein 12jährigcr Knabe bat nämlich seine Mutter um einen auf dem Boden des Hauses stehenden Handschlittcn, mit welchem er in Gesellschaft anderer Knaben eine Schlittenfahrt machen wollte. Die Mutter schlägt dem Knaben seine Bitte ab, worauf sich dieser zu den andern Knaben begibt und-ihnen voller Zorn erzählt, daß die Mutter sich weigere, Len Schlitten heranszugeben. Er erhält hierauf von einem Knabe» den Rath, das Haus anzusteckcn und dasselbe sammt dem Schlitten zu verbrennen. Der Rath wurde befolgt, der Knabe begab sich auf den Boden und legte Feuer a». Man muß an- nehmcn, daß der bis zur Wuth gesteigerte Jähzorn den Knaben zu dieser entsetzlichen That getrieben. Das Feuer wurde indcß im Entstehen gelöscht und durch dasselbe kein wesentlicher Schaden im Hause angerichtet. Der Knabe befindet sich bereits im Gewahrsam des Obcrgerichts in Lüneburg. Berlin, 17. Febr. Der Brüsseler Nord enthält den Wortlaut dcS Entwurfs der Uebereinkunst über die Abschaffung des Sundzolls. ES erhält daraus, daß die Bestimmungen des Vertrags schon am 1. April d. I. in's Leben treten sollen. Der König von Dänemark nimmt im Ganzen 30,570,698 Reichsthaler als Ersatz. Die Tilgung findet in 40 halbjährigen Zahlungen statt, kann jedoch schon im Voraus auf einmal abgemacht werden. Der 7. Artikel hebt ausdrücklich hervor, daß die kontrahirenden Parteien da, wo Verfassungen bestehen, zuvor deren Bestimmungen beobachtet haben müssen. Eö bedarf daher der Vertrag der Genehmigung der preußischen Landeövcrtretung, welche Verträge, wodurch der Staat Kosten und Geldzahlungen übernimmt, bestätigen muß. Da ei» gleiches Verfahren, mit Ausnahme von Rußland und Oesterreich (auf welches letztere 29,434 Reichsthaler falle»), bei fast allen kontrahirenden Mächte» stattfindcn muß, so tritt der Vertrag schwerlich am 1. April d. I. ins Leben. Hamburg, 18. Febr. Eine Depesche berichtet von einer Feueröbrunst in Bremen. Ein Speicher der Herren Fritze und Comp, mit Baumwolle ist abgebrannt. Man gibt den Schaden gerüchtweise auf 200,000 Thaler an. Zürich. Bei der Berathung eines neuen Strafgesetzes wurde die öffentliche Hinrichtung abgeschafft und dafür diejenige im geschlossenen Raum in Gegenwart von Urkundsper- soucn cingcführt. Aus Rom, 12. Febr., wird geschrieben: Sie haben wohl früher von Cattcrinclla di Sezze gehört. Dieses, 22 Jahre alte Laudmädchen in Sezze bei Terracina galt seit fünf Jahren weit und breit für eine Seherin und war zuletzt auch — sie sagte, durch übernatürliche Wirkung — stigmatisirt. Viele Hunderte haben sie in Sezze besucht und gingen mit der festen Ueberzciigung von dannen, außcrweltliche, geistige Kräfte höherer Art hätten sie zum Werkzeuge ihres Wirkens auserwählt. Voriges Jahr, alö der heilige Vater Porto d'Anzo besuchte, begab er sich von da nach Sezze, das Mädchen zu sehen und zu sprechen. Mit ihm waren zwei Bischöfe. Doch Eatteri- nclla's Wesen machte auf den Papst einen ganz anderen Eindruck; er schöpfte Verdacht. Später trafen andere Umstände zusammen, die eben darauf hinkeuteten. Eine römsche Dame begab sich deshalb auf den Wunsch des h. Vaters mit einem Vikariatöbeamten nach Sezze und brachte das Mädchen nach Rom. Hier hat sich nun aus einer langen Untersuchung, und nachdem viele Zeugen vernommen worden, klar heraus- gestellt, daß Eatterinclla eine Betrügerin war. Ihre Sentenz ist gegen sonstige Sitte, aber auf ausdrücklichen Befehl des Papstes gestern nach Anschlag an drei Orten der Stadt bekannt gemacht worden. Laut derselben ist sie wegen affektirter Heiligkeit (8antila affettata) zu zwölfjähriger Einschließung in einem geistlichen Haftlokale verurtheilt, ihr Beichtvater aber, der ein Mitschuldiger war, zu zwanzig Jahre», und zwei andere Priester wegen Mitwisscnschaft zu milderer Haft. Paris. Auf der neuen Alma-Brücke werden die 18 Fuß hohen Statuen eines Znavcn, eines Infanteristen, eines Artilleristen unv eines Jägers ausgestellt werden. London, 16. Febr. In den Stürmen Anfangs Januar sind an den britischen Küsten 340 Schiffe verunglückt und 186 Menschen ums Leben gekommen; doch ist es zugleich den Rcttiliigsbootcn gelungen, 662 Seeleute und Passagiere den Flutheii zu entreißen. So meldet ein Ausweis des Handcls- amtcs. Aus Petersburg wird der -M. Pr. Ztg.« mitgetheilt, daß dort von Bestimmungen nichts bekannt sei, die auf eine Reise des Kaisers Alcrandcr durch Deutschland nach Italien schließe» lassen. — 93 — Der Amerikaner. Novelle von E. v. T. (Fortsetzung und Schluß.) Trotz des geringen Gewinns, den sein Geschäft in den letzten Jahren abgeworfen, und trotz der gewagten Spekulationen, bei denen er große Summen einbüßte, setzte er das vorige träge, verschwenderische Leben fort und machte sogar »och mehr Aufwand, um die Welt über seine Vermögensumstänte zu täuschen. In der Hoffnung, daö Verlorene wieder zu erringe», wagte er unsinnig und verlor noch mehr. Daß dies kein gutes Enke nehmen werde, war ja vorauszusrhcn. Er brauchte Geld und der Banqier Dillenbcrg, an den er sich als einen Retter in der Noth wandte und auf dessen Verschwiegenheit er rechnen konnte, verschaffte ihm unter ähnlichen Bedingungen wie früher eine namhafte Summe nach der andern. Die leisen Andeutungen Dillenberg's, daß der thörichte Lurus ihn ruiniren werde, beachtete er nicht, oder wollte sie nicht beachten, und so rannte er unaufhaltsam in sein Verderben. Als er eines Tages wiederum eine bedeutende Summe von dem Banquicr verlangte, erklärte dieser, daß er nicht im Stande sei, ihm weitere Vorschüsse zu machen, und beschwor ihn in seltsamer Bewegung, von Stund' an ein anderes Leben zu beginnen — noch sei es Zeit. Der stolze Kaufmann, dem noch Niemand in dieser Weise zugeredet hatte und der jetzt zum ersten Mal klar zu erkennen schien, in welcher Gefahr er schwebe, fragte den Banquicr betroffen, was er mit jenen Worten sagen wolle; allein dieser wich jeder Antwort aus, wiederholte nur seine dringenden Bitten und Warnungen und verabschiedete sich hastig von Thormann. Der letztere sollte nur zu bald erfahren, was Dillenberg's Warnungen bedeuteten. Einige Tage nach dem letzten Vorfall erschien der „Amerikaner" plötzlich bei Thormann. Sonst gebeugt und demüthig, trat ersetzt aufrecht und stolz auf seinen Feind zu, welcher ihn bestürzt anblickte, und rief mit unheimlich funkelnden Augen: „Jetzt ist erfüllt, was ich Dir dazumal drohte, als Du mir die Thür wiesest! „„Hüte Dich, daß ich Dir nicht dereinst deine eigene Thür weise!"" rief ich Dir scheidend zu — und heute kann ich diese Drohung ausführcn. Sieh' hier sind alle Deine Schuldscheine, welche mir Dillenbcrg zedirt hat! Ich bin Dein Hauptgläubiger: Deine Waarcn, Dein HauS, Dein Garten — Alles ist mein Eigenthum!" Thormann sank erbleichend und keines Wortes mächtig auf einen Stuhl, Jener aber fuhr mit erhobener Stimme fort: „Rache war mein einziges Streben seit dem Tage, wo Du mir Helene geraubt — und ich habe mein Ziel erreicht. Ich kaiinte Deine Prachtliebe, Deine Genußsucht und Deinen Leichtsinn und gründete darauf meinen Plan, Dich alö Bettler aus deinem Hause zu jagen: — wenn derselbe mir nicht glückte, so hatte ich doch wenigstens den Genuß gehabt, täglich an deinem Verderben zu arbeiten. Das „pauvre Subjekt" ging nach Amerika und erwarb dort durch rastlosen Fleiß und durch glückliche Spekulationen ein großes Vermögen. Ich verschwieg dies sorgfältig, und als ich heimgekehrt war, spielte ich den kindischen Blumenfreund, der den letzten Pfennig für eine Liebhaberei dahingebe, um Dich sicher zu machen. Dillenbcrg war der Einzige, der gleich nach meiner Ankunft um meinen Rcichtbum wußte. Ich rettete ihn vom Bankerott, weil er meinen alten einsamen Vater während einer langen Krankheit menschenfreundlich besucht, gepflegt und getröstet hatte, und zum Dank dafür war er mir auf alle Weise behülflich, meine Kapitalien sicher anzulegen." Bauer fuhr in seiner aufgeregten Stimmung gegen Thormann gewendet fort: „Ja, sogar Dillenberg ahnte bis zu dieser Stunde nicht das Geringste von meinem Plan und kannte die wahren Gründe meines Haffeö gegen Dich eben so wenig alö die übrige» Bewohner dieser Stadt, wie er denn auch nicht wußte, daß Du schon verschuldet warst, ehe Du noch das erste Darlehen von ihm verlangtest. Ich aber wußte cs und ließ Dir durch ihn zu wiederholten Malen große Summen anbie- tcn. Als Du die erste annahmst, betrachtete ich meinen Racheplan alö gelungen und." Hier ward Bauer durch das Erscheinen Rudolfs unterbrochen, der in großer Aufregung hereinstürzte, auf ihn zueilte und seine Hand umklammernd, mit flehender Stimme rief: „Um Gotteswillen, Oheim! mache mich nicht unglücklich!" Bei diesen Worten sprang Thormann jäh erschrocken empor und schrie: „Wie? Dieser fürchterliche Mensch ist Ihr Oheim, Herr Wächter?" ' ^ „Ja, Rudolf ist meiner Schwester Sohn," versetzte Bauer mit höhnischem Lächeln. „Wärest Du nicht so unendlich sicher und so blind gewe>en, Du würdest es bei dem Vorfall mit dem Ringe längst entdeckt haben. Er bettelte mir ihn ab, da sich beim Anblick desselben meine Wuth gegen Dich stets erneuerte; ich gab ihn hin, und er verlor ihn. Seine Verlegenheit bei dem Eramen, das Du angestellt, ist Dir glücklich entgangen! Rudolf ist der räthselhafte Unbekannte gewesen, über den sich die Leute den Kopf so zerbrochen haben und von dem so schreckliche Dinge gefabelt sind, obgleich er stets a» einem lächerlichen Mit- leiden nut Dir laborirte. Ich brachte ihn durch die Vermittelung Dillenbcrg'ö in Tein Haus, damit er mir von Zeit zu Zeit über Denic Vermögensumstände heimlich Bericht abstatte." „Und solch einem schändlichen Spion Hab' ich die Leitung meiner Geschäfte anvertraut!" rief Thormann, sich in wildem Grimm mit der geballten Faust vor die Stirn schlagend. „Wenn Sie wüßten, Herr Thormann, welche Qualen mir diese Rolle eines Spions verursacht hat. Sie würden mich bemitleiden", erwiedcrte Rudolf. „Ich kann mir das Zeugniß geben, daß ich »»ermüdet thätig für sie gewesen bin und manchen Verlust von I. ncn abgewendel habe, der Ihnen in Folge Ihrer Unvorsichtigkeit drohte. Daß ich meinem Oheim vor meinem Eintritt in Ihr Haus versprach, ihm Bericht über Ihre Finanzen abzustattcn, ist ein Vergehen, das Sie gewiß milder bcur- theilen werden, wenn ich Ihnen sage, daß ich, ein armer Teufel, unter dieser Bedingung der Universalerbe meines Oheims werden sollte. Nachdem ich aber Ihre Tochter gesehen und kennen gelernt und mir deren Zuneigung erworben." „Was?!" unterbrach ihn sein Oheim mit wilder Heftigkeit. Ich will nicht hoffen, daß Du Dich in die Tochter dieses Böse- wichts vergafft hast. „Ist Amalie denn nicht auch die Tochter Derjenigen, welche Du so sehr geliebt hast, Oheim?" fragte Rudolf mit sanftem Ton. Bauer wandte sich schweigend ab; Thormann, welcher unter andern Umstände» den Bund der beiden Liebenden gewiß auf eine energische Weise für Null und nichtig erklärt haben würde, ward jetzt so mit sich und seinem Unglück beschäftigt, daß er durch keine Miene verricth, welchen Eindruck Rudolfs Gcständ- niß auf ihn mache. Dieser aber fuhr, zu dem Kaufmann gewendet, fort: „Nachdem ich so glücklich gewesen war, mir die Liebe Ihrer Tocktcr zu erwerben, beschloß ich, das Vermittleramt zwischen Ihnen und meinem Oheim zu übernehmen. Mein erster Schritt in dieser Beziehung gelang mir wider Erwarten: ich brachte meinen Oheim durch wiederholte Bitten und Drohungen, Sie von seinen Plänen in Kcnntniß zu setzen, endlich dahin, daß er mir die Hälfte seines Vermögens an dem Tage auözuzah- len versprach, wo ich ein eignes Geschäft beginne. Noch innerhalb des laufenden Jahres beabsichtigte ich mich in dieser Stadt zu ctabliren, als ein wohlhabender Mann Sic um die — 94 — Ha„d Ihrer Tochter zu bitten und Alles aufzubicten, um Sie mit meinem Oheim zu versöhnen." „Nie, nie wird das geschehen!" rief Bauer mit Heftigkeit. „Ich will nicht ein Vierteljahrhuntcrt hindurch nur für die Rache gelebt und gerungen baden, um nun jetzt dem Vernichter meines Glückes weichmüthig die Hand zur Versöhnung zu bieten! Ich habe bas Ziel erreicht, nach welchem ich so lange gestrebt", fuhr er, zu seinem Feinde gewendet, fort: „Du sollst meine» ganzen Haß fühlen. Dort ist die Thür! Das „pauvre Subjekt" wird sie hoffentlich ohne meine Hilfe finden, wenn cs Zeit ist!" Thormann vermochte vor Aufregung kein Wort zu crwie- dern. Haß, Wuth, Reue, das Bewußtsein seiner Schuld und das Gefühl tiefster Demüthigung kämpften mächtig miteinander in seiner Brust. Da öffnete sich plötzlich die Thür des Nebenzimmers und Amalie trat herein. Bei ihrem Anblick fuhr Bauer erschrocken zurück — Amalie war das vollkommene Ebenbild ihrer Mutter. „Helene!" stieß er unwillkürlich mit gepreßter Stimme hervor, indem er die holdselige Erscheinung wie geblendet anstarrte. Er hatte Amalie niemals von Angesicht zu Angesicht gesellen; begegnet war sie ihm oft; da er aber auf der Straße fast immer gedankenvoll vor sich hinschaute, so waren seine Blicke nie auf ihre Züge gefallen. Amalie aber trat ruhig auf ihn zu und sagte: „Ich habe >m Nebenzimmer Alles gehört, waö vorgegangen ist, Herr Bauer: Ihre Racheplänc sind mir seit einige» Tagen kein Geheimniß mehr gewesen — Rudolf hat mir dieselben neulich mitgctheilt. Sie haben Ihren Zweck nun erreicht — Sie haben meinen Vater vollständig gedehmürhigl-was wollen Sie mehr? Wolle» Sie ihn auch noch öffentlich beschimpfen? Soll die Tochter des Vater Vergehen büßen? — Vermögen Sie sich nicht mit meinem Vater zu versöhnen, so ersparen Sie ihm wenigstens die öffentliche Demüthigung und lassen Sie ihm Zeit, baß er Mittel und Wege zu seiner Rettung ausfindig macht." „Ist Dein Groll gegen diesen Unglücklichen unvcrtilgbar, willst oder kannst Du Dich nicht mit ihm versöhnen", »ahm Rudolf, zu seinem Oheim gewendet, das Wort, „so gib die zweite Hälfte Deines Vermögens einem Ändern — ich verzichte darauf ich will nicht über Mittel gebieten, durch wclckic Du Jemanden in'S Unglück gestürzt hast. Ich würde auch auf die erste Hälfte verzichten, wenn ich dieselbe nicht zur Rettung Deines alten Jugendfreundes zu verwenden gedächte, de,» lch daö Unrecht, das ich an ihm begangen, zu vergüten habe." Thorniann warf einen erstaunten und dankbaren Blick auf den Neffen seines Feinkeö, welcher letztere in mächtiger Aufregung dastand und kein Auge von Amalie verwandle. Rudolf entging diese günstigere Stimmung seines Oheims keincöwegcs. Er trat auf ihn zu, ergriff seine Hand und sagte mit bittendem Ton: „Lieber Oheim, lasse die versöhnlichen Regungen Raum in Deiner Seele gewinnen! Sieh', wenn Du bei Deinem Haß be- harrst, so machst Du drei Herzen unglücklich und beraubst Dich aller der Freuden, welche Dir das Leben noch bieten kann, denn ich werde Amalie und ihren Vater nicht verlassen, svndern ihr Mißgeschick »ach Kräften zu lindern suchen, Du aber wirst dann ganz einsam auf der Welt dastehcn und unbewcint in'ö Grab sinken. Du hast mir ja oft versichert, daß Du an mir Deine einzige Freude auf Erden habest", fuhr er nach einer Pause mit bewegter Stimme fort; „so versöhne Dich denn um meinetwillen mit Deinem ehemaligen Freunde und gib mir und Amalie Deinen Segen — es wird Dich nimmer gereuen! Unsere Liebe wird Dir das Alter versüßen, und Dir werten ungeahnte Freuden erblühen!" Bauer stand einige Angknblicke unentschlossen da — dann aber eilte er plötzlich auf Amalie zu, drückte sie an sein Herz und rief mächtig erschüttert mit weicher Stimme: „Um der holdselige» Züge Deines Angesichts willen sei Alles vergessen und vergeben!" Und als nun auch Thvrmann an versöhnlichen Gesinnungen nicht hinter seinem Jugendfreund zurückstchen wollte und diesen reuig nm Verzeihung bat, da vermochte Bauer kaum die Thrä- ncn zurückzuhalten. Er fiel Jenem nm den Halö und Beide gelobten einander auf's Neue treue Freundschaft bis zum Tode. Daß die versöhnten Freunde den glücklichen Liebenden von ganzem Herzen ihren Segen gaben, bedarf wohl keiner Erwähnung. Bauer zerriß die Schuldscheine, und es ward beschlossen, daß Rudolf gleich nach seiner Vermählung mit Amalie Thor« mann's Geschäft übernehmen solle. Der letztere schlug seinem Jugendfreunde vor, sein ödes Haus zu verkaufen und mit ihm und dem künftigen Ehepaar unter einem Dach zu leben, allein Bauer hatte sich so sehr an die Einsamkeit und an seinen Blumengarten gewöhnt, daß er nicht darauf einging; er versprach jedoch, täglich herüberkommcn zu wollen und seinen unheimlichen Aufenthaltsort sofort bequemer und eleganter-einrichlc» zu lassen. Die meisten Bewohner der Stadt erfuhren von dem Vorge- fallenen nur Einiges. Es ward nur bekannt, daß der „Amerikaner" große Reichthümer besitze, daß Rudolf Wächter sein Neffe und Erbe sei, ihn mit Thormann versöhnt habe und des letzter« Tochter heiratben werde. Dillenberg verpflichtete sich zu ewigem Schweigen über das, was vorgefallen war, und hielt dies Gelübde auch ge, treulich. Aus der erheuchelten Blumenliebhaberei Baucr's ward allgemach eine wirkliche. Er hatte im Lauf der Zeit solchen Geschmack an der Blumenkultur gewonnen, daß er derselben in der Folge mit doppeltem Eifer oblag. Der Leidenschaft, seinen Garten zu vergrößern, überließ er sich nur noch einmal kurz vor der Hochzeit seines Neffe». Er kaufte nämlich von seinem Nachbar heimlich den schmalen Hofraum, welcher Thormann'S Garten von dem seinigen trennte, für eine bedeutende Summe, ließ in der Nacht vor der Vermählung der beiden Liebenden die Mauern niederreißen und daS Steinpflaster in Blumenbeete verwandeln und freute sich wie ein Kind, alö daö junge Paar und sein Jilgendfrcund am Morgen des festlichen Tages statt der drei getrennten Räume nur eine» einzigen weiten Garte» erblickten, ui dessen Hintergründe ein Meer der prächtigsten Blumenkelche wogte. Seine Versöhnung mit Thorniann hatte Bauer zu einem andern Menschen gemacht. Er fand i» dem Zusammenleben mit dem erster» und mit dem jungen Paar reiche Freuden und segnete noch oft die Stunde, in welcher er seinem Jugendfreunde vergebe» hatte. Frucht - Mittetpreije. Bruchsal, 20. Febr. Kernen 15 kl. 22 kr., Korn 10 fl. 15 ft., Gerste 8 ft. 48 kr., Haber 4 fl. 12 kr., gem. Frucht 9 fl. 46 kr. Heilbronn, 21. Febr. Korn 11 fl. 8 kr., Gemasch 12 fl., Gerste 10 ft. 20 kr., Tin'el 7 fl. 30 kr., Haber 5 fl. 26 kr. M a in z, 20. Febr. Walzen 14 fl. 30 kr., Koin II fl. 15 kr., Gerste 10 fl. 30 bis 40 kr., Haber 4 fl. 30 kr., Bohnen 12 fl., Erbsen 10 fl., Linse» 10 bis 17 fl. frankfurter Courfe. Pistolen 9. 41-42 dto. Preuß. 9. 55'/,-56'/, Holl. INft.-Stücke 9. 47-48 Randdnkalen 5. 32-33 20-Frank-Ltücke ' 9. 19-'/,29'/, Eng!. SonverainS ll. 40-44 Preuß. Thaler — 5-Franke,,-Thaler 2. 20’/, Preuß. Kaff.-Sch. 1. 45'/« Nebigirt, Druck und Vertag von D. Pfisterer in Heidelberg.