Lail-bote. Verkündigungsblatt der Großherzoglichen Bezirksämter Sinsheim und Neckarbischofsheim. W°- 25. Donnerstaq, den 26. Februar 1857. [143] Nr. 3156. Sinsheim. Die -gesetzlichen Erben des am 23. August 1850 verstorbenen Handelsmanns Wolf Nosenfeld von Hoffenheim haben ans die Erbschaft verzichtet und es hat nn» dessen noch lebende Wittwe, Sara geb Lazarus, UM Einweisung in den Besitz und die Gewähr der Verlaffenschast nachgesncht. Diesem Begehren wird stattgegeben werden, wenn innerhalb sechs Wochen von Niemanden Einsprache dagegen geschieht. Sinsheim, den 23. Februar 1857. Großherzoglich bad. Bezirksamt. Bodem üller. [ 145] Steinsfurth. Liegenschaftsversteigerung. Ans Antrag der Vormünder der entmündigten Jakob Klingmann Wittwe und deren entmündigten und minderjährigen Kindern von hier wird mit obervormundschaftlicher Ermächtigung vom 13. d. M., Nr. 2591, Freitag den 6. März l. I., Nachmittags 1 Uhr, im hiesigen Rathhawse, das denselben gemeinschaftlich zugehörige zweistöckige Wohnhaus mit Scheuer und Stallung unter einem Dach nebst Garten [138] Sämereien betreffend. Nr. 65. Wir ersuchen die Herrn Bürgermeister der Gemeinden unseres Bezir- kes, in ihren Gemeinden bekannt zu machen, daß alle Arten Feld-, Wiesen-, Wald- und Garten-Sämereien, Obstbaumstämme und Obstbaumzweige, Reben und Beerenfrüchte aus dem landwirthschaftlichen Zeutralgartcn in Karlsruhe, durch Bestellung bei Herrn Kaufmann Hase dahier bezogen werden können. Necka'rbischoföheim, den 18. Februar 1857. Die landwirthschaftliche Bezirks-Stelle. H o r in u t h. Müller. an der Goldbach liegend, tarirt zu 500 fti ferner U Grundstücke im Maßgehalt zusammen von 1 Morgen 2 Viertel 28 Ruth, neu bad. und einem Gesammtaiischlage von 605 fl. vorbehaltlich obervormundschaftlicher Genehmigung öffentlich versteigert. Steinsfnrth, den 18. Februar 1857. Das Waisengericht. Lvonhardt, Bürgermeister. E h m a n n. [144] Weiler, Amts Sinsheim. Holzversteigerung. Nr. 118. Künftigen Montag als am 2. März und de» zwei darauf folgenden Tagen werden in dahiesigem Gemeindswalde im Gabenschlag 83'/,r Klafter gemischtes H lz 18739 Stück gemischte Mellen 47 eichene i 22 forlene I Bau- und Nutzholj- 37 aspene 1 stamme und 18 kirsch - und erlenc) 61 Loos Stumpen versteigert. Die Zusamnienkunft ist jedesmal Morgens 9 Uhr auf der Hiebstelle. Weiler, den 23. Februar 1857. Das Bürgermeisteramt. G a ß m a n n. Barthvlomä, Rathschreiber. Kapital auszuleihen. [142] In dem hiesigen Ortsarmen-Fond liegen 80 ft. gegen gesetzliche Versicherung und S Prozent Verzinsung zum Ausleihen bereit. Reihen, den 20. Februar 1857. Jakob Dörr, Rechner. Lue Geschichte des Sages. Karlsruhe, 23. Fcbr. Sc. König!. Hoheit der Kronprinz und Ihre Kais. Hoheit die Kronprinzessin von Würtem- berg sind gestern Nachmittag zum Besuch der Großhcrzoglichen Familie dahier eingetroffcn und heute Mittag wieder abgcreist. — Seit vorigem Samstag befindet sich General v. Todtleben, der berühmte Vertheidiger Scbastopols, hicrselbst. Mannheim, 22.'Febr. Die Schifffahrt hier ist nur dem Namen nach eröffnet; denn das Fahrwasser ist so llein, daß selbst leichtere Schiffe nicht fortkommcn können. Nur ein Dampfboot der Köln-Düsseldorfer Gesellschaft, natürlich das leichteste, kann den Dienst von Mainz aus versehen. "Ein tüchtiger, andauernder Regen wäre daher sehr zu wünschen. Lyrrach, 21.- Febr. (K. Ztg.) Auch wir sind leider in der Lage, Ihnen aus unserer Gegend Beitrüge zu Mord, und Blutthaten zu liefern, welche jeden bessern Mensch empören müssen, und immerhin ein trauriges Zeugniß dafür ablegcn, daß es mit der gerühmten Bildung und frommen Umstimmung unserer Tage noch nicht so weit her. ist. Am Abend unseres zweiten Markttages saßen fünf hiesige Handwerksgesellen in einem Bierhause mit drei Bürgern von Adelhauscn und Deger- feldey beisammen.. Die Unterhaltung, an welcher, übrigens der Aelteste der Fremden, Joh. Jak.'Brugger voll Adelhausen, ein ruhiger, thätiger Bürger von circa 50 Jahren und Vater von neun lebenden Kindern, weniger Antheil nahm, entspann sich bald zu einem mehr oder weniger heftigen Wortwechsel, der sogar schon hier zu Thätlichkeitcn auszuarten drohte. Etwa um 8 Uhr aber entfernten sich die fünf hiesigen Bursche, und bald nach ihnen auch die drei Fremden. Um 11 Uhr in der Nacht wandcrten zwei Burger von Karsau mit einem gekauften Pferde zur Stakt hinaus auf der Straße nach Rheinfelden zu. Kaum einige Minuten vor der Stadt, werden sie durch einen nahen Hilferuf aufgehaltcn, finden einen Mann, einen der beiden Degerfelden Bürger, mit zerschlagenen Beinen daliegen, und bringen ihn hiehcr zurück. Zugleich hatte derselbe aber erklärt, einer seiner Reisegefährten müsse etwas weiter oben liegen, und sei wahrscheinlich todt. Sogleich vorgenommene Nachforschungen bestätigten die Aussage. Man fand den Bürger Jak. Brugger von Adelhauscn todt an dem Straßenrand liegend, mit zerschlagenem Hinterkopf, und wenige Schritte von ihm mitten auf der' Straße eine -Blutlache von -12 bis 14 Fuß Länge und 2 bis 3. Fuß Breite. In der Nähe lag ein eigener Rcbpfahl von etwa 2 Zoll durchschnittlicher Dicke, dessen oberes Ende abgeschlagen war. Die Taschen des Erschlagenen waren geleert. Der dritte Angegriffene war mit einer leichten Wunde davongekommeii, hatte sich, sowie der andere Degenfelder, den längeren Nachsuchungen der schrecklich drohenden Angreifer in einem Graben entzöge», und war nachher,, nichts von dem Schicksale seiner Gefährten ahnend,- immer vorwärts fliehend, nach Haufe gekommen. Sogleich in der Nacht an Ort und Stelle, sowie in dem Bierlokale vorgenommene gerichtliche Nachforschungen führten des andern Morgens in aller Frühe zur Verhaftung der fünf muthmaßlichen Thäter, welche, wie man hört, bereits in der Hauptsache der That geständig sein sollen. — Aus dem nahen Dorfe Brombach habe ich Ihnen zugleich von einem Selbstmord zu berichten, durch welchen gestern ein aus dem Dienste der englischen Fremdenlegion zurückgckehrter Sol- — 96 — dat, übrigens ein höchst leichtfertiger Bursche von 22 Jahren, am Hellen Tage vor drw Hause sciiicö Vaters mit einem gewissen Eclat seinem Leben ein Ende machte. Der Schuß war so gut geladen und gezielt, daß nichts als ein Stück des Hinterkopfes übrig blieb. Lörrach, 23. Febr. Der hiesige »Bote" fügt der Darstellung der gestern von uns gemeldeten blutigen That noch Folgendes bei: „Heute früh wurden dieselben, jeder einzeln, vor den Todten, der in das Hospital gebracht worden war, geführt, und soll sich der Haupttbäter, ein übel berüchtigter Bursche, Namens Lambert Schlachter von Rüttihof, Amts Säckingen, bei dem Anblick der Leiche sehr reuig gezeigt und wie ein Kind geweint haben. Der Totte wurde sodann auf den Wunsch seiner Heimathsgemeinde nach Adelhauscn verbracht, um dort beerdigt zu werten. Rheinbischofsheim, 23. Febr. Wie anderwärts wurden auch Hierlands die Jagden bei der kürzlich vorgenommencn neuen Verpachtung auf außerordentlich Hobe Preise getrieben, so daß für manchen Jagdbezirk 2 biö 300 fl. mehr Pachtzins bezahlt wird, als in früheren Jahren, was hauptsächlich in dem Zudrang der Ortseinwohncr und Landwirthe, welche die früheren Jagdpächtcr, meistcntheils Herren aus Straßburg und Baden, bei der Steigerung überbvten haben, seinen Grund hat. Es ist nicht zu leugnen, daß dies mancherlei Mißstände im Gefolge haben wird, indem namentlich, wie cs sich in den letzten Jahren bei den Bauernjagden gezeigt hak, das Wild auf schonungslose Weise durch Anstellung von fast täglichen Treibjagden niedergeschossen wird, damit wo möglich der allzu hohe Pachtzins, der mit dem waitmannsgcrechten Erträgniß in gar keinem Verhältniß steht, daraus bestritten werden kann. Ebenso ist es männiglich bekannt, daß der Landmann durch das Jägdlen seiner Arbeit und seinem Beruf allzu sehr entzogen wird, und schon gar oft durch dieses, bald zur Leidenschaft gewordene Vergnügen , wobei die verschiedenen, sich häufig wiederholenden Jagdessen und Trünke nicht unerwähnt bleiben dürfen, an den Bettelstab gekommen ist. Daß Jemand eines, seinem Stande und seinen Verhältnissen angemessenen Vergnügens sich erfreue, sowie daß vermögliche Landleute Jagden pachten und dieses Vergnügen gerade so wie andere Leute haben, dagegen läßt sich natürlich nichts einwendcn; allein man hat die Wahrnehmung gemacht, daß auch Leute, deren Verhältnisse nicht gerade die glänzendsten sind, und die besser ihren Geschäften nachgehcn würden, an den Jagden Theil nehmen. Freilich könne» sie den hohen Jagdpacht nicht bestreiten; deßhalb muß ein anderes Auskunstsmittel helfen, indem nämlich die 3, vom Jagdgesetze allein zugelassenen Pächter einen Schweif von 20 und mehr Theil- habern, die sämmtlich am Gewinn und Verlust partizipiren, hinter sich haben, und die bei den angcstcllten Jagden als Gastschützen oder, wie cs auch schon vorgckvmmcn ist, wenn der Betreffende keine Erlaubniß hat, eine Waffe tragen zu dürfen, als Treiber sungircn. Im eigenen Interesse solcher Jagdliebhaber und nm die eben erwähnte Umgehung des Jagdgesetzes zu vermeiden, muß es als wünschenswert!) erscheinen, daß auf irgend eine Weise die Jagdtheilnahme oder Jagdberechtigung beschränkt werde. Vom Schwarzwalde, 22. Febr. Die Bewohner des Rheinthales preisen oft uns, als in einer holzrcichc» Gegend Wohnende, glücklich, und wähnen, daß wir unsere Brennmaterialien um äußerst billige Preise kaufen. Dies war wohl früher der Fall, aber jetzt ist cs anders geworden; denn es sind jetzt Preise eingetreten, welche enorm für unsere Gegend genannt werden dürfen. Dabei ist zu befürchten, daß sie immer mehr steigen, weil allmälig Holzmangel eintreten könnte. Stammholz ist in den Privalwaldungcn seltener geworden, da in den verflossenen Jahren die Art zu rührig war und Mancher aus Noth den bessern Ertrag in der Zukunft im voraus ällle. Daß jetzt die Forstgcsetze für die Privatwaldungrn strenger gehandhabt werden, verdient deßhalb die vollste Anerkennung aller Derjenigen, welche ihre Hofgüter wieder in den vollsten Werth gesetzt zu haben wünschen. Die altherkömmlichen großen, aber auch holzfressendcn Ocfen haben ihre Rolle in manchen Gegenden ausgespiclt, und müssen solchen, die weniger Holz erfordern, Platz machen. Stuttgart. Zwei hiesige Bürger erlaubten sich mit einem dritten, den ich mit X. bezeichnen will, einen etwas un- zeitigen Scherz. X. erhielt Briefe aus der Schweiz, und mit Ihnen Aussicht auf bedeutende Bestellungen, die Briefe riefen ihn zu den Bestellern an verschiedenen Orten der Schweiz. Wo er aber anklopste, wurde er mit seinen Briefen abgewiesen, sie waren falsch. Durch einen jener zufälligen Winke, die im Leben oft eine so große Rolle spielen, fand er einen Handlungsreisendcn als den Schreiber jener Briefe, der daraus auch gar kein Hehl machte, aber zugleich die oben be« zeichneten Bürger als Anstifter nannte. Die Sache, die die Grenzen selbst eines derben Fastnachtsstreiches weit überschreitet, ist vor Gericht gebracht worden und droht für die Betheiligten ein sehr ernstes Ende zu nehmen. Ulm, 21. Febr. Gestern Abend wurde ein Bauernknecht auf der Straße von Luizhausen in den letzten Zügen daliegend getroffen. Bald darauf starb er. Ob er etwa überfahren worbe» sei, oder ob ein Verbrechen vorliege, wird die Untersuchung Herausstellen. München, 18. Febr. Nachdem sich, wie schon gemeldet, das Taucherschiff des ehemaligen Korporals Wilhelm Bauer von hier bewährt und die russische Regierung denselben reichlich belohnte, auch den Bau mehrerer Schiffe befohlen hat, geht nun auch der jüngere Bruder Bauer's, Johann Bauer, ein äußerst talentvoller 18jähriger JHngling, gleichfalls nach Rußland. Dieser scheint noch talentvoller und erfindungsreicher zu sein, als sein Bruder Wilhelm, trägt sich mit den großartigsten Planen und war bisjetzt mit der Ausführung einer in die erste Reihe des Auszuführenden gestellten Erfindung, einer Fahrmaschine, die weder durch Pferde- noch durch Dampfkraft bewegt wird, beschäftigt. Diese wird ungeachtet seiner Abreise hier vollendet. Berlin, 22. Febr. Die Behauptung eines hiesigen Blattes, der Kaiser Alexander werde in diesem Frühjahr nicht nach Deutschland kommen, begegnet in hiesigen sonst gutuntcr- richtcten Kreisen einem entschiedenen Widerspruch. Man versichert uns wiederholt, es liege in der Absicht des russischen Monarchen, im April zunächst dem hiesigen Hofe einen Besuch abzustatten und dann über Dresden, München, Stuttgart und Karlsruhe zu seiner Mutter sich nach Nizza zu begeben. Rom, 16. Febr. Der König von Bayern ist hier ei'ri- getroffcn. Rom. Ein Erpresser ist von Nizza angekommen. Er ist mit Anordnungen für Häuslichkeit und Bedienung der Czarin-Wittme beauftragt. Er hat für ihre Person 24 Diener gedungen, und zwar auf 40 Tage, denn nur so lange will die hohe Reisende hier verbleiben. Ihr Hausstand tritt erst mit dem 26. März in Dienst, da sie nicht vor jener Zeit herzukommen beabsichtigt. Der Großfürst Konstantin wird jeden Augenblick erwartet. I» Holland wird der Tabak, dessen Kultur man dort weit besser als in Deutschland versteht, in ununterbrochener Folge immer auf ein und demselben Feld, natürlich mit jährlich wiederholender starker Düngung, erbaut, weil die Erfahrung gelehrt hat, daß alsdann nicht allein der Gewichts- ertrag jährlich steigt, sondern auch, daß das Gewächs alljährlich sich in Bezug auf seine Qualität bessert, nämlich im Geruch feiner und im Geschmack besser wird. Wie das land- wirthschastliche Handelsblatt berichtet, wird jetzt in preußisch Polen von größeren Gutsbesitzern Tabak nach holländischer — 97 Weise im Großen gebaut, wodurch bereits ein werthvolles Zigarrengut erzielt wird. London. 2» den Kohlengruben von Lund-Hill bei Sheffield hat sich ein furchtbares Unglück ereignet. Kurz nach Mittag am Mittwoch brach eine Erplosion ans, welche die Umgegend gleich einem Erdstoß erschütterte, und aus dem 220 Ellen tiefen Lustschacht schlugen die Flammen in einer Hohe von 20 Ellen empor. Bis Abends halte man 16 gefährlich verletzte Arbeiter herausgeholt, aber 142 blieben i» der unterirdischen Brandstätte verschüttet. Zu ihrer Rettung ist keine Aussicht vorhanden. London, 20. Fcbr. Wie dem »Advcrtisrr» versichert wird, hat die Regierung gestern Abend eine telegraphische Depesche erhalte», daß Canton von der britlischcn Flotte von Grund aus zerstört worden sei. (?) St. Petersburg, 14. Febr. Aus dem Kaukasus meldet der »Invalide" eine neue Reihe von russisch-tscherkessischen Gefechten in der Nähe des Kuban. Sic führten zur Wegnahme des durch Wald, Sumpf, und Gebirg geschützten Auls Enem mit sämmtlichen Vorräthen an Getreide, Heu rc.; auch ein kürzlich von einem Türken eröffnctcr Krämcrladen befand sich daselbst. New-Uork, 21. Januar. Der Meeresraum, welcher Brooklyn von New-Uork trennt, war völlig zugefroren, und während mehrerer Tage überschritten Tausende von Menschen dieses Eisfeld von 5000 Quadraksuß, um sich zu Fuß von einer Stadt nach der ankeren zu begeben. Aber während der Fluch vom 19. Jan. Morgens brach das Eis an beiden Usern plötzlich los, und eine ungeheure Eisfläche, auf welcher sich mehr als 500 Menschen befanden, bewegte sich dem Ozean zu. Man kann sich von der schrecklichen Größe dieser Szene keine Vorstellung machen. Das Schreien dieser Unglücklichen mischte sich in jenes der Tausende von Menschen, welche diesem furchtbaren Schauspiele vom Ufer aus beiwohnten. Nach mehreren fruchtlosen Versuchen gelang es endlich einem Dampfer, sich an dieser Riesen-Eisschollc scstzulegen, ehe sie die Bucht überschritten hatte, und die auf dem Eisfloße befindlichen Personen an Bord zu nehmen. Nonne und Offizier. In dem Lazareth zu Varna lagen Kranke ohne Zahl; zu den Schrecken deö Krieges hatte sich noch das Gespenst der Cholera gesellt. Hier stöhnte ein Verwundeter, dort rief ein Sterbender mit heiserer Stimme um einen Trunk frischen Wassers. Das anwesende Hcilpersonal konnte nicht allen Wünschen und Anforderungen mehr genügen, die Aerzte waren geistig und physisch erschöpft und die Wärter durch den Tod selber dezimirt. Die Noth war auf das Höchste gestiegen, da öffneten sich eines Tages die Thürcn des Lazarcths und mehrere Frauen in dunklen Gewändern mit weißem Schleier, den sie zurückgeschlagen hatten, schwebten durch den Krantcnsaal. Bei ihrem Anblick kehrte das Vertrauen in das Herz der Kranken wieder zurück. Sie hatten ja die unermüdlichen Pflegerinnen, --die barmherzigen Schwestern" erkannt, welche von gläubigem Heldcnmuth beseelt, sich dem schwierigen Amt der Krankenpflege unterzogen. »Vivont les soeurs grises!« rief ein alter Sergeant, dem man so eben eine Kugel aus dem Arm gezogen hatte. »Jetzt fürchte ich nicht, daß der Brand in meine Wunde kommt.» »Es sind die Engel des Himmels, die er zu unserer Hülfe schickt,» entgegnete ein junger Soldat mit einem tüchtigen Säbelhiebe im Gesicht. »Sag' lieber, daß es Helden sind,» meinte der grauköpfige Sergeant; »Soldaten des lieben, guten Gottes. Sie haben und brauchen mindestens eben so viel Courage, wie Unsereins, und ich möchte lieber hundert Mal einer russischen Batterie gegenüber stehen, als in einem solchen verpesteten Lazarethe ewig leben.» Während dieser und ähnlicher Gespräche gingen die Nonnen von Bett zu Bett, Trost und Hülfe spendend, hier eine Wunde verbindend, dort den brennende» Lippen eines Cholera- kranken Meticin und erfrischendes Getränk reichend. Unter ihnen zog besonders eine Nonne die allgemeine Aufmerksamkeit und Bewunderung auf sich; sie hieß Schwester Veronika und schien unermüdlich in ihrem schwierigen Amt. Schlank und zart wie eine Lilie gewachsen, besaß sie eine eiserne Energie, welche sie alle Anstrengungen und Beschwerden glücklich überwinden ließ. Ihr edles, bleiches Gesicht und die Feinheit ihres Wesens flößte selbst dem rohesten Soldaten Achtung ein. In ihrem Benehmen vereinte sie weibliche Zartheit und Milde mit einem würdevollen Ernst. Bald war Schwester Veronika der Liebling aller Kranken, der Schutzengel des ganzen Laza- reths. Die Aerzte begegneten ihr mit der größten Hochachtung und von den Leidenden wurde sie wie eine Heilige angebetet. „Hol' mich der Teufel!" rief der alte Sergeant, der unter ihrer Pflege genesen war, „wenn die Schwester nicht das Kreuz der Ehrenlegion verdient!" „Waö sagt Ihr da?" fragte der junge Soldat. „Das kann doch Euer Ernst nicht sein. Der Orden wird nur an Männer für bewiesene Tapferkeit vergeben." „Als wenn so eine Frau", brummte der Alte, „nicht mehr Mulh besitzt, als wir Alle miteinander, Monsieur Gelbschnabel !" Allmälig leerte sich unter der Pflege der Nonnen das Lazareth, die Cholera verschwand nach und nach, und die Genesenen wurden entweder als Invalide» entlassen, oder geheilt zu ihren Regimentern zurückgeschickt. Auch die Nonnen traten ihren Rückweg nach Frankreich an, nur Schwester Veronika blieb »och zurück. Sie hatte sich von der Oberin die Erlaub- niß ansgewirkt, an dem Feldzuge in der Krim Theil zu nehmen, und die Verwundeten auf dem Schlachtfelde zu pflegen. Bald war sic im Lager vor Sebastopol so bekannt und beliebt, wie einst in dem Lazareth und Cholerahospital zu Varna. Sie schreckte nicht vor der Wuth und den Gefahren des Krieges zurück. Mitten im Kampfe und Kugelregen, während der Tod seine blutige Ernte hielt, sah man die unerschrockene Nonne zwischen den Reihen der Krieger einhcrwandeln, um die Verwundeten zu verbinden und ihnen Hülse zu bringen. Die Hand des Himmels schien sie sichtbar zu beschütze», denn trotzdem sie sich täglich den größten Gefahren aussetzte, blieb sie doch unberührt. In dem Feldlazareth entwickelte sie ihre größte Thätigkeit, und so mancher wackere Soldat hatte ihr das Leben und die Erhaltung seiner Glieder zu verdanken. ; — So kam der Tag von Jnkrrman, jene blutige Schlacht zwischen den Verbündeten und de» Russen. Vorwärts stürmen die französischen Bataillone gegen den Feind, dessen Geschütz von den Höhen Verderben und Tod in die Reihen der tapfer« Soldaten sandte. Schwester Veronika blieb stets in der Nähe des Heeres, um sogleich Hülse zu leisten, wo dieselbe erforderlich wäre. „Alle Wetter!" rief der Sergeant, der sie im Vorbei- marschiren erkannte, „da ist ja die Nonne wieder." Er hatte keine Zeit, sie zu begrüßen, denn im Sturmschritt eilte das Regiment vorüber, um sich auf die russische Infanterie zu stürzen, welche wie eine eherne Mauer auf dem Hügel stand. Zweimal prallte der Angriff ab, und die Franzosen mußten sich zurückziehcn. Der Oberst war geblieben, und der älteste Kapitän hatte seine Stelle eingenommen. Zum dritten Male wollte dieser die zusammengeschmolzenen Truppen gegen den Feind führen, aber die ermüdeten und furchtbar dccimirten Soldaten schienen zu zaudern. „Schämt Euch, Kameraden!" rief da der Sergeant. „Dort - 98 — steht Schwester Veronika und steht auf uns. Die fürchtet sich nicht vor den Kugeln." Aller Blicke wendeten sich nach der Seite hin, wo die Nonne eben damit beschäftigt war, einen verwundeten Offizier im Kugelregen zu verbinden. Sie kniete neben deni Getroffenen nieder und stillte mit Charpie und Binden bas hcrvorströ- mende Blut. Bei diesem Anblick brach taö ganze Regiment einstimmig in einen Beifallsruf aus, und stürmte mit frsscher Kraft auf den Feind. Bei dem Lebehoch, das ihr gebracht wurde, färbte euie leichte Röthe das edle Gesicht der Nonne. „Ich danke Ihnen mein Leben", hauchte der verwundere Offizier mit schwacher Stimme. Ich werde Ihnen kaS nie vergessen." Noch manchem Verwundeten leistete die Nonne an tiefem Tage den gleichen Dienst, bis auch sie selbst ihrem S>chick>al erlag. Eine feindliche Kugel traf sie mitte» i» ihrer segensreichen Thätigkcit. Erschöpft von großem Blutverlust sank sie besinnungslos auf den Rasen hin. — Spät am Abend eilte der Sergeant mit seinem jungen Freunde über das blutige Schlachtfeld. Der Helle Mond beleuchtete die furchtbare Schreckcnsszene. „Stöhnt nicht ein Verwundeter?" fragte der Sergeant. „Ich höre nichts," entgegnete der junge Soldat. „Alle Wetter!" rief der Graukopf, „da liegt eine Nonne, Schwester Veronika, wenn ich nicht irre. Vorwärts, angefaßt! Wir wollen sie nach der Ambulance bringen uud sehen, ob sie noch zil retten ist." (Schluß folgt.) Land- und Hausrvirlhschaft. Ein gutes Hühnerfutler, wonach die Hühner nämlich sehr fleißig legen, und welches in kleinen Wirthschaften Mecklenburgs bereits seit Alters her angewandt wird, ist folgendes: 3 Theile gekochter und zerstampfter Kartoffeln werden" mit 2 Theilen Kleie (am besten Waizen- oder Gerstenkleie), ebenso wie der Brodteig eingcsäucrt (mit Sauerteig), gleich dem Brod geformt und beim Backen mit in den Ofen gebracht, doch so, daß jene Stücke nicht allzu hart werden. Hiervon reicht man den Hühnern neben ihrem gewöhnlichen Futter täglich etwas, auch kann man dieselben, wenn die Masse so weit reicht, ausschließlich damit erhalten. Die auf solche Weise gefütterten Hühner legen, wie ich aus Erfahrung weiß, während des ganzen Sommers; vielleicht, daß die Säure, daun aber auch die Kleie uud die gleichsam gebratenen. und so ihres Fruchtwassers mehr und mehr beraubten Kartoffeln, gleichzeitig dazu beitragen. Bekannt ist übrigens, daß die Hühner zeitweise Sauerteig gerne fressen und daß ihnen derselbe auch ganz gut bekommt. — Das hier empfohlene, und wie gesagt, seit Alters her, in kleinen Wirthschaften hin und wieder angcwcndctc und also als durchaus praktisch sich weisende Verfahren dürste um so mehr Beachtung verdienen, als cs besondere Kosten nicht verursacht; denn es wird sich beim Backe» immer noch ein Platz im Backofen für das Hühnerbrod, wie die Leute es nennen, finden. Miszelle n. schein auf die Jagd gehen, den der Erstere von dem hiesigen Polizeipräsidium sub. Nr. 19, der Andere von dem Luckäuer Landrathöamke «ub. Nr. 278 besitzt.« (Jener Scherz ist von einem Breslauer Autor zuerst einer Hamburger Theaterzcitung geschrieben worden.) * Heilbronu, 23. Febr. Als Merkwürdigkeit verdient erwähnt zu werden, daß in dem benachbarten Großgartach eine Kuh drei Kälber zur Welt gebracht hat, die gesund und munter sind und mit Milch und Brei ernährt' werden. * Wien. Im chemischen Laboratorium des Hrn. Professors Redtenbacher ereignete sich, wie die »Wien. med. Wo- chcnschrift« meldet, der komische Fall, daß ein mit einer chemischen Arbeit beschäftigter Lehramtskandidat sein weißes Hemd plötzlich schwarz werden sah. Man untersuchte die Leinwand und fand dieselbe mit Blei zubcreitet, wahrscheinlich der Glätte und des Gewichtes, halber, wodurch die Leinwand wrrthvoller erscheint. In Folge gemachter Anzeige sind in mehren Lein- waudhandlungen bereits derartige Fälschungen aufgefunden worden. Der Wiener Magistrat hat nun an das med. Doktorenkollegium die Anfrage gestellt, inwicfcrne eine solche Fälschung der Gesundheit nachtheilig sei. Einstweilen sind die Vorgefundenen, mit Blei Hergerichteteil Leinwandvorrälhe in Beschlag genommen worden. * Im Süden Frankreichs will man cs versuchen, mehrere Straußen-Hecrdcn zu acclimatisiren. j * Ein amerikanisches Blatt erzählt, daß ein Ehepaar in der Grafschaft von Orange (Staat Neu-Aork) lebe, das seit 8 Jahren nicht ein Wort mit einander spricht, sich sonst aber gut verträgt (vielleicht eben tcßhalb, weil die Beiden nicht mit einander reden). Der Grund dieser sonderbaren Erscheinung aber ist, daß sie vor 8 Jahren einen häuslichen Zank hatten und daß Jeder von ihnen zu stolz ist, das erste Wort zu reden. * Nichts kann heiterer sein, als ein Ball in Amerika. Bei einem solchen Feste in Baltimore bemerkte ein gewisser Thomson, er begreife nicht, wie die Kommissäre einen Menschen zulassen könnte», der ein offenbarer Schurke sei. Darauf Tumult und es fielen mehrere Pistolenschüsse. Alles stob auseinander, man sah Thomson fallen, der durch den Hals geschossen war. Bald darauf fing der Tanz wieder an. Ein junger Man» stieß gegen einen anderen und wurde von diesem zu Boden geschlagen. Neuer Tumult, es wurde wieder einer erschossen, mehrere andere verwundet. Nebenbei wurden noch verschiedene Portefeuilles gestohlen, was nur zur Erhöhung des Vergnügens.dienen konnte, denn cs geht nichts über eine gehörige Aufregung. Heidelberg. Auf dem «im 23. Febr. dahier abgehaltenen Viehmarkt wurden 5) Stuck Vieh ve, kaust und dafür 6938 fl. erlöst. Lrucht - Mittelpreije. Heidelberg, 24. Febr. Kernen 200 Pfd. 14 fl. 21 kr., Gerste 200 Pfd. 10 s. 9 kr., Spelz 130 Pfd. 6.fl. 36 kr.', Haber 4 fl. 31 kr. Verkauft 271 Malter. Erlös 2545 fl. 10 kr. Bruchsal, 21. Febr. Kernen 15 fl. 28 kr., Gerste 9 fl., Haber 4 fl. 14 kr., gm; Frucht 9 fl. 48 kr. Durlach., 21. Febr. Waizen 15 fl. 58 kr., ». Kernen 15 fl. 44 kk., n. Karn 9 fl. 38 kr., Gerste 9 fl. 24 kr., Haber 4 fl. 29 fr.- * Die »Zeit« enthält folgende Berichtigung: "Aus dem "Düsseldorfer Journal« ist in mehrere Blätter die Erzählung eines JagdabcnteuerS übergegangen, dessen Hauptpersonen der Generalfeldmarschall v.. Wränget und- der Ministerpräsident Frhr. v. Mantcuffel sind.. Die Geschichte ist ganz artig erzählt, aber erfunden, weil beide Herren niemals ohne Jagd- LrankfurterCourse. Pistolen 9. 39%-40% dto. Preuß. 9. 55-56 Holl. lOfl.-Stücke 9. 46-47 Nanddukaren 5. 32-33 20-Frank-Stücke 9. 19-%20% Engl. SoiwerainS 11. 40-44 Preuß. T Haler — 5-Franken-Th.aler 2. 20% Preuß. Kaff.-Sch. 1. 45% Redigirt, Druck und Verlag vo» D. Pfisterer iu Heidelberg.