Der Limdbote. Verkündigungsblatt der Großherzoglichen Bezirksämter Sinsheim und Neckarbischofsheim. 26. Samstag, den 28. ^tbruar 1857. Bekanntmachung. [150] Durch hohe» Jilstizmiiiisterial- Erlaß vom 16. d. M., Nro. 1253, würde die hohe Miiiisterial-Verfügung vom 13. November 1852, Nro. 10,806, wodurch die Orte Weiler, Hilsbach und Waldangelloch von dem II. Notariatsdistrikt Sinsheim getrennt worden sind, zurückgenommcn, und hiernach die mit hohem Erlaß vom 4. Januar 1851, Nro. 129, genehmigte Distriklörinlhciluiig vollständig wieder hergestcllt, wornach also der 2tc Notariatsdistrikt dahier wieder wie früher aus folgenden Orten besteht: Dührcn, Eichtcrsheim, Eschelbach, Hilöbach, Michelfcld, Waldangelloch und Weiler. Sinsheim, den 26. Februar 1857. Großherzogliches Amtsrcvisorat. Steinmetz. [143] . 9lr. 3155. Si » Shei m. Die gesell - chen Erben des am 2 !. August- 1850 verstorbenen Handelsmanns Weif Rvsenfeld von Hosfenheim haben auf die Erbschaft verzichtet und es hat nun dessen noch lebende Wittve,. Sara geb Lazarus, um Emweisung in den B.siK und die Gewähr der Verlage,.schaft nachgesucht. Diesem Begehren wird stattgegeben werden, wenn innerhalb sechs Wochen von Niemanden Einsprache dagegen geschieht. Sinsheim, den 23. Februar 1857. Großh.rzoglich bad. Bezirksamt. Boden, üller. 1140] Wimpfc n. Stammholzvcrsteigerung. Dienstag den 3. März, Vormittags von 9 Uhr an, kommen im Fvrstwald zur Versteigerung: 45 Stämme eichen Ban-, Schnitt- und Hollän- derholz mit 292 l würtembergische Kubikfuß. Die Zusammenkunft ist auf d.em Helmhof. Wimpfen, den 24. Febiuar 1857. Großherzoglich hessttche Bürgermeisterei - Wimpfen. Barth. fl 49] Eschelbronn, Amt Sinsheim. Jagdverpachtung. mm Mittwoch den li. März dieses Jahres, Nachmittags t Uhr, wird die Jagd ans hiesiger Gemarkung auf weitere sechs Jahre verpachtet, wozu Lust- trageiche eingeladen werden. Eschelbronn, den 21. Februar 1857.' Das Bürgermeisteramt. D'o l l. Empfehlung. fl47s Hydrocarleur, oder gereinigtes Mineralöl, st.itl'Repsöl, zum Brennen in Lampen in - und außer dem Hanse; ein wunder schön weißes Licht ohne unangenehmen Geruch und halb so billig wie Reps öl bei Ernst Jac. Stutzmann. Auf Obiges nehme höstichen Bezug und empfehle hierzu verschiedene Gattungen »euer Lampen; auch können theitweise alte Lampen verändert werden, worin dieses Mineralöl gebrannt werden kann. Hoffman«, Spenglermeister. f i 48] Mein Lgger in Zündhölzer von Jac. Knecht in E.berbach a. N.- bringe in empfehlende Erinnerung; Fabrikpreise. Ernst Jac. Stutzmann. In der Buchdruckerei von D. Pfisterer in Heidelberg sind folgende Impressen zu haben: 13. Tagebuch für Rathschreiber über die wandelbare» u. zufälligen Einnahmen. 3. Tagebuch für Geri i tsboten. 2. - - Gerichtsvollzieher. 16. Gebührenanweisung in U.-S. für Gerichtsboten in halben Bogen. 41. Deßglcichcn in Viertels Bogen. 28. Pfändungsprotokoll für Gerichtsvollzieher. 29. Versteigerungsprotokoll für Gerichtsvollzieher. 14. ZustcUungsschein für Gerichtsboten in .Viertels Bogen. 15. Desgleichen auf halben Bogen. 25. Nachtbuch für Wirthe. - Jur Geschichte des Tages. Karlsruhe, 25. Fbr. Durch allerhöchste Ordre Nr. 8 wird dem Äriegskommissär Feinaigle gestattet, den ihm von Sr. Maj. dem König von Preußen verliehenen Rothen-Adler- Orden 4. Klasse anzunehmcii und zu tragen. Mannheim, 23. Febr. In unserer Gegend bleibt »och immer Tabak die Losung, und täglich ersteben neue Fabriken. Die letzte Ernte wird schon überall in Arbeit genommen. Die Gebrüder Myrgenthau hier und in St. Franzisko, welche bedeutende EtablissenientS in Heppenheim, Lorsch und Umgegend im Betrieb haben und an 1000 Arlbeiter beschäftigen, bauen gegenwärtig auch hier eine Fabrik, welche in etwa 6 Monate» mit beiläufig 400 Arbeitern im Gange sein dürfte. Es beschäftigt sich dieses Handlungshaus meistens und beinahe ausschließlich mit Export. Wertheim, 23. Febr. Dem hiesigen Lokalblatt zufolge hat die wenig bemittelte Gemeinde Bestcnheid durch einstimmigen Beschluß ihrem dermaligen Lehrer Hrn. Heß auf Antrag des Gemeinderaths eine jährliche Besoldungszulage von 50 fl. bewilligt, und zwar mit dem Wunsche, daß Hr. Haupt- lchrer Heß recht lange bei ihr bleiben möge. Das Gesammt« steucrkapital in Bestcnheid beträgt 160,000 fl. und der Um- lagcfuß 30 kr., so daß diese Besoldungszulage schon Etwas heißen will. Solche Züge verdienen öffentlich bervorgchoben zu werden. Konstanz, 23. Febr. Ücber die Fastnachttage wird hier auf der Markstätte eine Seltenheit gezeigt: ein Monfirum von einem englischen Schwein, Berkshire Rasse. Dasselbe wiegt (wirklich, nicht blos fingirt) nicht weniger als 804, sage achthiindertvicr badische Pfunde. Es kommt aus der Mästung des ausgczcicknctcn Lantwirths Martin Müller von Radolfzell. Stuttgart, 21. Febr. Ein hier wohnender Engländer soll seltsamer Weise einem elternlosen Knaben das Versprechen gegeben haben, ihn zu seinem Erben cinzusetzen, wenn er ihm 2 Millionen gebrauchter Vricfmarkcii zum Tapezieren eines Zimmers hcrbcischaffe. Hier und in de» benachbarten Städten sollen in Folge dessen genannte Wcrthzeichen ein sehr gesuchter Artikel geworden sein. Stuttgart, 23. Febr. Ter Staatsanzeiger veröffentlicht heute die Wleteraufhcbniig des Verbots der Pfcrdcausfuhr. — 100 — Speyer, 22. Febr. Der Verein zur Wiederherstellung der Vorderseite des Kaiserdomcs läßt gegenwärtig neue Subskriptionslisten zur Emzeicknung freiwilliger Beiträge zirlulircn. Es fehlen nämlich noch 15,000 fl., um dir Kuppel auszu- bauen und damit die Vollendung des Domes int Laufe des Sommers zu ermöglichen. Würzburg. Es lurflren falsche Guldenstücke aus Zinn theils bayerischen Gepräges mit'der Jabreszahl 1843, theils würtcmbergische» Gepräges mit der Jahreszahl 1841, kennbar an dem schlechten Klang, der weißlichen Farbe, dem leichten Gewicht und dem stumpfen Gepräge. Darm statt. Prinz Alerantrr von Darmstadt, der jüngste Bruder des Großbcrzogö, ist von seinem kaiserlichen Schwager zum Gencralgvuverncur der russischen Ostseeprovinzcn ernannt worden. Mainz, 24. Febr. Bei dem gestrig n Maskcnzug dahier ist leider ein betauernswerther Unfall vorgekommc». Jene Maschine, welche zum Verjüngen alter Weiber ausgestellt war, erhielt von einem vorüberfabrenden Wagen einen solchen Stoß, daß der gerate in dem Trichter befindliche Mensch heftig zu Boden stürzte und an feinen Verletzungen bereits gestorben sein soll. Aus Kurhessen, im Febr. (Fr. I.) Nachdem von dem Direktor des Gymnasiums zu Marburg das Bestehen unerlaubter Verbiiitungcn unter de» Gymnasiasten entdeckt worden war, hat sich in Folge der drßbaldigen Untersuchung bas Lehrerkollegium veranlaßt gesehen, über 14 Schüler der beiden obersten Klassen die Strafe der öffentlichen Ausstoßung aus dem Gymnasium zu verhängen. Basetland, 22. Febr. Letzte Nacht sind in Liestal neun gefährliche Zuchthaussträflinge gewaltsam ausgcbrochen und entwichen. Turin. Es batte sich das Gerückt verbreitet, ein neuer Dergcr habe den Erzbischof von Genua ermordet, Nach den »Bon Sens" von Annecy wurde dieses Gerückt dadurch veranlaßt, daß der würdige Prälat mehrere anonyme Drohbriefe erhalten hatte. Deren Schreiber, rin aus einem Mönchsorden ausgestoßencs Individuum, ist verhaftet worden. Aus Paris wird dem "Nord- unter dem 22. Febr. tcle- graphirt: „Die persische Angelegenheit ist beendet. England und Persien haben sich mit einander verständigt. Am Freitag ist man über die Bedingungen einig geworden; eine derselben besteht darin, daß England in allen Städten, wo sich ein russischer Konsul befindet, ebenfalls Konsuln haben wird." Paris, 22. Febr. Die neuenburger Angelegenheit wik- kelt sich vielleicht nicht so rasch ab, als man anfänglich gehofft hatte, sie geht aber nichts desto weniger einem befriedigenden Schluffe entgegen. Erst gestern hat eine Konferenz zwischen dem Grafen Walewski, D. Kern und dem Grasen Hatzfeld Statt gefunden. Nonne und Offizier. (Schluß.) Die beiden Soldaten hoben sanft die verwundete Nonne vom Boden auf und trugen sie in das nächste Lazarclh, wo der Arzt die Wunde untersuchte. Das Bein war von der Kugel zerschmettert und cs mußte zur Abnahme desselben geschritten werte». Groß war die Theilnahme, welche die tapfere und muthvolle Nonne fand. Ihre Genesung ging rasch von Statten und schon nach einigen Wochen konnte sie den Krankcnsaal verlassen und der Frier beiwohnen, welche auf dem Echlachtfclde von Jnkerman von der ganzen Armee abgehalten wurde. Nach dem im Freie» veranstalteten Gottesdienst sollte die Tapferkeit belohnt werten. Der General en chef verlieh denjenigen Kriegern, welche sich am meisten ausgezeichnet hatten, den Orden der Ehrenlegion. Schon war manche tapfere Brust damit geschmückt, als mit einem Male ei» weiblicher Name ertönte. „Schwester Veronika!" rief der General. „So treten Sie doch vor," rannte der Sergeant der Nonne zu; „Ihr Name wird gerufen." Mlt zitternden Schritten und gesenktem Haupte schritt die Schwester auf den General zu, der ihr bas Kreuz mit einige» ergreifenden Worten überreichte. Ein Beifallsgemurmel zog von Regiment zu Regiment durch die Reihe» der tapfer» Krieger, welche sich über diese ungewöhnliche Anerkennung freuten. Mehr als ein Jabr war seit jener Begebenheit vergangen. Die siegreichen Truppen waren in ihre Heimath zurückgekehrt. Auch Schwester Veronika hatte die Krimm verlassen nnd war auf der Rückreise in ihr Kloster nach Lyon gekommen. Sic ging — es sind jetzt kaum einige Wochen her — über den Platz belle mir, als ihr ein Offizier entgegenkam, der zu dem eben ausgeschifften Regimenle gehörte. Beim Anblick der Nonne, welche statt des einen Beines einen Stelzfuß trug nnd sich ans einen Stock stützen mußte, eilte der Lieutenant ihr mit freundlichem Gruße entgegen. „Welch' ein Glück!" rief er leuchtenden BlickeS aus. „Ich habe nicht geglaubt, Sie hier zu finden. Nun kann ich doch wenigstens Ihnen noch einmal meinen Dank für die liebevolle Pflege auödrücken, die Sie mir, wie so vielen meiner Kameraden, zu Tbeil werten ließen." Mit riesen Worten ergriff der Offizier den Arm der Nonne und ging mit ihr auf dem Platze auf und nieder im Gespräch. Schwester Veronika, die ihn bald wieder erkannte, erkundigte sich nach so manchem ihrer vielen Schützlinge, nach dem Schicksal seiner Kameraden, so wie nach seinem eigenen. Besonders wunderte sie sich, an seiner Brust nickt den Orden der Ehrenlegion zu erblicken, der die ihrige schmückte. Ihren zarten Fragen nach diesem unerklärlichen Umstande, da ihr feine Tapferkeit hinlänglich bekannt war, wich der Offizier verlegen aus und so bald sie darüber sprach, erröthrte er sichtbar. Unterkeß erregte der vertraute Spaziergang des Offiziers mit der Nonne, welche noch überdies durch ihren Stelzfuß auffiel, die Aufmerksamkeit der Vorübergehenden. Bald sammelte sich das Volk um die Beiden und darunter viele Soldaten von dem zurückgekehrten Regimente. „Stras' mich Gon!" schrie der alte Sergeant, „da ist unsere. Schwester Veronika, wie sie leibt und lebt." „Ein Lebehoch für Schwester Veronika!" rief der jungt Soldat in seinem frischen Enthusiasmus. Die anwesenden Soldaten grüßten militärisch die Nonne am Arme des Offiziers. „Dort ist ja auch der wackere Sergeant", sagte sie, „der mir das Lebe» gerettet hat." Sie reichte dem Graukopf die Hand, welche dieser mit der ganzen Galanterie eines alten, französischen MilitairS respektvoll an feine Lippen führte. Dazu sprach sie einige Worte des innigsten Dankes. „Es ist nickt der Rede werth," sagte der gerührte Sergeant, „aber dort steht ein Mann, der mehr für Sie gethan hat, als wir Alle." Dabei deutete der Alte auf seine» Offizier, welchen die Nonne fragend ansah. „Ja, ja!" fuhr der geschwätzige Alte fort, ohne sich an die Drohungen und Winke des Offiziers zu kehren, „der Herr Lieutenant hat das Kreuz der Ehrenlegion auögeschlagen, weil er Sie für würdiger dafür gehalten bat." „Still, Sergeant!" rief der erröthende Offizier. „Und wenn ich morgen wegen Insubordination erschossen werden sollte, ich muß die Wahrheit sagen. Das hat der Lieutenant gethan." „Ich bin nur meiner Ueberzeugung gefolgt," sagte jetzt — 101 — der Offizier mit fester Stimme, „und alle meine Kameraden theile» fifif Anstel t. Eö gibt mnti eine Tapferkeit, welche höher fiel t als der Mutt» de» Mannes: eö ist dies die weibliche Opierfähigkeit." „Ein Lebevoch für Schwester Veronika und unseren Lieutenant," rief der junge Soldat und alle seine Kameraden stimmten jubelnd ei». Am Anne des Offiziers kehrte die Nonne in ihr Kloster zurück. Ehrfurchtsvoll batte das anwesende Publikum et» Spalter gebildet, durch das die beiden „Tapferen" gingen; Schwester Veronika in ihre Zelle und der Offizier in das Lebe» und vielleicht zu neuem Kampfe. Ganz Frankreich aber spricht in diesem Augenblicke vo» der „tapfer,, Schwester Veronika," und durch alle Zeitungen, deutjche und sranzöfifche, lauft die Notiz von dem Erscheine» der braven Nonne mit dem hölzernen Beine und dem Orden auf der Brust am Arme deü dankbaren Offiziers. Die Vergeltung. Novelle von Klara v. Massow, geh. v. Kamele.*) AlS die schwüle Hitze eines AugusttagcS von der gemäßigteren Temperatur der fpätcreu Tagesstunden abgelöst war, nahm die junge Gutsfrau auf ihrem mit Blume» und tropischen Gewächfe» reich verzierte» Balco» ihren Platz; sie setzte ihr Ärbritekör bchrn vor sich auf rin Tischchen, legte die Hände gefaltet tu de» Schoß und weidete längere Zeit ihre Äuge» an der sie umgebrndrn herrlichen Landschaft. Unter ihre» Fenstern debute sich rin weiter Blumengarten aus, der mit Statuen und Spriiigbruunrn reich geschmückt war, wodurch der abgeschlossruen Stille des Gartens ei» gewisses Leben verliehen wurde; die Begrenzung dieses Gartens bildeten reiche Rebrngeländc und Pfirsichspaltere, sowie aukere edle Obstsorten, die von der Glut der Auguslsonne zur Reife gefördert, bereits üppig angeschwollr» und in lockenden Farben erglänzend, nicht bloß jetzt den Äugen ctue Lust, sondern auch sehr bald dem Gaumen einen Genuß versprachen. I» weiterer Ferne waren reiche Geirridrsilder sichtbar. Auf denselben waren jetzt die fieißigrn Landlrute beschäftigt, den Segen, welchen dieses Jahr in reicher Fülle gewährt hatte, zu ernten und dem Schutz der sichern Scheuern zu übergeben. Die junge Frau stand auf, nahm jetzt ein vor ihr auf dem Tisch stehendes Perspectiv und Iveudete es, durchblickend, der Gegend zu, auf welcher die Erntearbeit stattfand: sämmt- liche Arbeiter erschienen ihr wie ein Haufen emsiger Ameisen, denn nach eingenommenem Vespcrbrod und bei der eintrctcnden Kühle des Abends förderten sic mit erneuerten Kräften und erhöhter Lust ihre Arbeit. Frau von Hohenfeld legte nach einigcr Zeit das Perspectiv vor sich auf de» Tisch, setzte sich und »ahm ihre Stickerei auS dem Korb, um daran zu arbeiten, doch bald wurde sie in dieser Beschäftigung unterbrochen; ihr Gemahl, vom Felde zurückkehrend, trat jetzt in's Zimmer; er warf seine Mütze ab, fuhr mit dem Tasche, tuch mehrcremal über sein erglühtes Gesicht und nahte sich dann seiner ihm entgegenkommenden Gemahlin ; er legte den einen Arm um ihre seine biegsame Taille, drückte einen Kuß auf ihren Mund und sagte: „Jetzt erquicke mich, liebe Natalie, ich bin sehr müde, hungrig und durstig." „Dies hall- ich mir wohl gedacht und bin auch darauf vorbereitet; ic^abd Dir eine Limonade besorgt, auch ist etwas zum Imbiß da^vas-.Dir wohl munden wird." Herr von Hohenfeld warf sich in das Sopha und erwartete die guten Dinge, die ihm verheißen waren; nachdem er *) Dem äußerst cmpfehtenSwerthen, sehr elegant auSgestatteten, namentlich zu Festgescyenken für Damen sich eignenden Taschenbuch „Gedenke mein" (Wien, Pfautsch und Voß) entlehnt. sich gehörig rcstaurirt, trat er auch heraus auf den Balco» und setzte sich neben seine Gemahlin. Wer dies sck'öne Paar, in voller Jugrnddluthe, in Fülle der Gesunkdeit, umgeben von Ueberfluß und allem Eomfort, welche» derselbe gewährt, sah, mußte eö unbedingt für ein glückliches halte»; und dennoch schien das oft starre vor sich Hinbrütcn des Mannes dies nicht zu bestätigen. Seine Gemahlin sah ihn, indem sie sich mit ihrer Arbeit beschäftigte, zuweilen scheu von der Seite an, endlich unterbrach sie daö Schweigen: „Du bist wohl noch sehr ermüdet, lieber Lothar, da Dir das Sprechen sauer zu werden scheint?" „Das Sprechen wird mir nicht sauer; ich hänge nur meinen Gedanken nach." „Und diese Gedanken sollten Dich doch zur Mitlhkilung anregen, da sie nur erfreuliche sein können. Alles, was Du schaffst, gedeiht. Dein Fleiß wird sichtbar gesegnet. Du hast im weilen Umkreise von allen deinen Nachbarn, wie fast immer, so auch jetzt wieder, die schönste Ernte." „Was helfen n»r die Güter dieser Erde, was nützt mir der Wachsthum meines Vermögens, wenn mir von allen Gütern gerade dasjenige versagt bleibt, wonach uh immer und ewig mich sehne; mein rastloser Fleiß und dadurch die Vermehrung meines Reichthumö kömmt mir oft als Hohn vor; da er doch nur dazu dienen wird, um lachenden Erben zu Gute zu kommen." Natalie stand auf, legte den einen Arm um die Schulter ihres Gemahls und strich ihm mit der feinen rechten Hand liebkosend daö braune, sich schön wellende Haar aus der hohe», offenen Stirn, indem sie schmeichelnd zu ihm sagte! „Wieder der alte Spleen? bedenke koch, lieber Lothar, daß eö wohl keinen einzigen Sterblichen gibt, dem alle Wünsche in Erfüllung gehen; die Vereitlung des deinigen theile und trage ich ja mit Dir, auch ich habe mich nach dem Glücke gesehnt, Mutter zu werden; und ich würde, keinetivegen, zu glücklich sein, wurde mir dieser Wunsch gewährt! doch bleibt es nur auch ferner versagt, ein eigenes, liebliches Kind an meinen Busen zu drücken, so würde ich mir doch als undankbar gegen den Sckiöpsrr Vorkommen, der mir des GlückeS so viel gegeben hat, wenn ich wegen Versagung dieses Wunsches murren wollte. — Und wenn auch keinen -Ersatz, so werke ich doch Trost darin finden, die Mutter Vieler zu sein." „Du hast gleichzeitig Recht und Unrecht, liebes Weib; Recht: weil ich eö selbst zugestehen muß, daß das Glück mir sehr hold gewesen ist; als armer Lieutenant hatte ich keine Aussicht einst ei» reicher Gutbesitzer zu werden; denn nicht zu erwarten stand eö, daß die beiden blühenden Söhne de- Besitzers dieses Gutes nach einander sterben würde» und bei seinem bald darauf erfolgten Tode auch der nächste Lebnsag» nat, wahrscheinlich in Amerika, verdorben und gestorben sein würde; denn Niemand weiß wo er geblieben ist, weßhald ich, biö er sich vielleicht einmal meldet, um sein Ansprüche geltend zu machen, in den unbestrittenen Besitz deS Gutes gekommen bin. Und daß ein gewiß längst Begrabener kiese Ansprüche nie erhebe» wird, dafür bin ich sicher! — Wie nun rin Glückssall gewöhnlich der Vater des andern ist, so wurde eS mir, da ich ei» reicher Mann geworden war, möglich, um de» Besitz der heiß und innig Geliebten zu ringen und bei deinen Eltern um deine Hand zu werben. Du weißt, welche Kämpfe wir dennoch zu bestehen hakten, da Deine Eltern Dich bereits einem andern Manne bestimmt hatten; doch unser gemeinschaftliches Flehen erweichte endlich ihr Gemüth. Ich wurde Dein Gemahl und befand mich auf dem Gipfel des Glückes; jeder fernere Wunsch schwieg in mir und glaubt« ich für dies Leben keinen ankern zu haben, als Dich glücklich zu machen und glücklich durch Dich zu sein. — Doch der Mensch kennt sich selbst nicht, wenn er glaubt, die Erfüllung — 102 eines heißen Wunsches sättige sein Verlangen nach Glück für immer. — 2m Gegentheil, je melir das Glück ihn vorwöklit, je maßloser »verte» seine Anforderungen an dasselbe. — Das Glück nimmt aber diese Uebefcheitenheit übel, cs hat seine Launen, und versagt dann gerate dasjenige am hartnäckigsten, was wir am heißesten erflehen. In soiveit hast Du Recht, geliebtes Weib, Unrecht aber wieder, wenn Du außer Erwägung läßt, wie viel davon abhängig ist, eine» Erben meines Namens und Erben meines Lelns zu haben; haben wir keinen Cohn, so mußt Du nach meine»» Tote dies schöne Besitz- thum räumen, da dann ein fremder Lebusveirer rinziebt; und deine Lage wird dadurch, »vcn» nicht dürftig, doch beschränkt. — Und da wir schon in» fünften Jahr verheirathet sind, so dürfen »vir wohl kaum mehr auf ein solches Gluck hoffen." „Was deine Sorge um mich betrifft, so ist die>e »vohl überflülsig! Du bist wenig älter »vie ich und hast die trefflichste Gesundheit, die man sich nur denken kann. —- Vertraue auf Gott, der wird alles zum Besten lenken, und wenn es zu unserem Heil ist, u»S unseren Wunsch, »ven» auch noch spät, erfüllen. — Jetzt vertreibe die Grillen und laß u»ö einen Spaziergang in der hcrrtlchen Abentkühle machen.« (Fortsetzung folgt.) Land- und Hauswirthfchaft. Aus dem Mittelrheinkreis, 23. Febr. (K. Z.) Die Kartoffel bat in dem verfloffenen Jahre meistens an Quantität und Qualität einen weit bessern Ertrag, alü mehrere Jahre vorher, geliefert; aber doch fehlt es nicht au Produzenten, welche sowohl hinsichtlich der Ergiebigkeit als der Güte dieser Frucht über die fortdauernden Wirklingen der bekannten Krankheit zu klagen Ursache haben. Wir glauben daher im Hinblick auf die nahende Srtzzeit aus ein Befahren ausmertfam machen zu muffen, daS in einem uuü unlängst ziigekvminelien Schrlftchen von dem Verfasser (einem Hrn. Ottman in Straßburg und Wolfisheim) als in allen Beziehungen erfolgreich empfohlen wird. Derselbe verbrachte alle Setzkartoffeln in eine stark gcheizte Stube, wo sie theils unter de» Ofen, theils um denselben herumgelegt wurden, und drei Wochen liegen blieben. Sie sahen zuletzt ganz zilsanimengeschrumpst aus, und wurden von Niemanden mehr für brauchbar gehalten. Im Mai ließ sie der Verfasser setzen, und da der Bode» nicht gedüngt war, brachte man, ehe je eine Kartoffel mittlerer Größe und ganz, nicht durckschiiiiteii, eingelegt oder gesteckt wurde, in jede Stufe einige Häute voll Tannennadeln. In 10 bis 12 Tagen ging die Saat auf und im Oktober fanden sich in jeder Stufe 24 bis 26 schöne, große, gesiinde Kartoffeln. Dieses Verfahren beruht auf der Ansicht, daß die Ursache der Krankheit in der Kartoffel selbst, nämlich in deni in ihr enthaltene» Wasser liege. Durch die Wirkungen der Hitze werde dieses Wasser nicht nur absorbirt^ sondern auch der unauflösliche Mehlstoff der Kartoffel in Schleimstoff und Zuk- ker verwandelt, welcher sich sogleich auslöse und leicht in das Zellengewcbe der Pflanze übergehe. Zugleich erfährt man aus diesem Schrrstchen, daß mit dieser Auötrocknungsmclhode seit mehreren Jahren in Rußland von Einzelnen, die genannt sind, worunter z. B. Bollman», Staatsrath und Professor am landwirthschaftlicheu Institut zu Grigoretski, der zufällig darauf kam, Versuche angestellt wurden, welche alle von über Erwarten gutem Erfolge begleitet waren. Das Austrocknen iin Spätfabr wird für vorzüglicher als daS im Frühjahr gehakten. Will man die Sache großartig betreiben, so räth der Verfasser, die Kartoffeln auf Dielenbrettern in den Backofen, nachdem das Brod gebacken und herausgenommen ist, zu legen, und darin bis zu Erkaltung drS Backofens liegen zu lassen. Die auögelrocknrken Kartoffeln darf inan übrigens nicht in deni Keller bis zum Gebrauch ausbewabreli, sondern man muß für sie eine» trockenen Ork, etwa eine Kammer im ober» Stockwerk deö Haufe» wählen. Jedenfalls ist die Sache, die sich zum voraus empfiehlt, des Ver,uckies »verth, den wir ihr im Interesse der Produzenten und der Konsumenten von Herzen »vünfchen. Miszellen. * Rechen-Maschine. Eine neue Erfindung, deren allgemeiner Nutzen nicht zu verkennen ist,. be>chäfkigk seit Kurzem die Aulmeltiainteit der gelehrte» Welt »i hohem Grade. Durch 34 Jahre lang forrgesetzle eifrige Bemühungen ist es nämlich eineiii Herrn Thomas (aus Eolmar) gelungen, das Räthfel durch Mechanik zu lösen. Milleist leiuer Maschine, »velche rr Arithmometer nennt,- lassen sich alle Operationen der Arithmetik, die einfachsten, wie die compliciilesteli, aussührcn. So macht die>eö Jnitriimeur mit einer unfehlbaren Sicherheit nicht allein die vier Speclrö, sondern auch die Erhebung zur Potenz, die Auöziehung der Wurzeln, die Verwandlung der gemeinen in Decimalbruche, die Regeln der Proportionen rc. Dabei übertriffl es an Schnelligkeil selbst den geübtesten Rechner: eine Multiplicaiion von 8 Ziffern durch 8 Ziffer z. B. geschieht in 18 Secunden, eine Division von 10 Ziffern durch 8 Ziffer in 24 Secunden; ui weniger als einer Minute wird die Aus- ziehung der Quadratwurzel aus einer 16ziffrigen Zahl nebst Probe vollaräckt. Der Mechanismus ist so einfach, daß selbst derjenige, welcher Nicht das geringste Geschick im Rechnen besitzt, in S Minuten hinreichend mit dem Gebrauch der Maschine vertraut ist, um mit deren Hilfe an Schnelligkeit und Sicherheit allen Rechnern Trotz bieten zu können. Der Arithmometer befindet sich ur einer leichten tragbaren Schachtel, deren Eon« struction eine Beschädigung des Mechanismus so zu sagen unmöglich macht. Bereits hat derselbe in mehreren großen Ban- quierhäusern Eingang gefniitcu und dürfte höchst »vabrscheinlich eine eben so große Verbreilung finden, wie die-Eoxirpresse. * W ied e r ein ne uer L eu ch tst o sf. Der eme»lt>rte Prof, der Raturwissenschaft Dr. Joh. Ferd. Schur in FünfhauS bei Wien hat einen neuen Leuchtstoff erfunden, den er »Leuco» phon-Hell-Licht« nennt. Dieses Helllicht soll in seiner Be- lenchtungssähigkeit alle bis jetzt bekannten Leuchtstoffe übertref- sen, nicht kostspieliger alö Oel oder Uuschlitt, und billiger als Stearin zu stehen kommen, vor dem Gaslicht den Vorzug des vollkommen geruchlosen Brennens haben, an allen Orten mit Vortheil angewentet und auf allen, auch auf den Eam« phin-Fluid- und Solairlampen mit günstigem Erfolge gebrannt »verteil können, in erhöhtem Grade jedoch sich beim Gebrauche der besonders konstruirten Leiicophonlampen beivähren. Herr Prof. Dr. Schur hat sich auf seine Erfindung ein k. k. aus- schließendes Privilegium erwirkt. Frucht-Mittelpreije. Hellbrenn, 25. Febr. Walzen 17 fl. 49 kr., Kernen 17 fl. 37 kr., Korn 1l fl. 42 kr., Gerste 10 fl. 20 kr., Dinkel 7 fl. 30 kr., Haber 5 fl. 25 kr. Frankfurter Eourfe. Pistolen 9. 39'/,-40'/, dto. Preuß. 9. 55-56 Holl. 10fl.-Stücke 9. 46-47 Nanddntaicn 5. 32-33 2v-Fra»k-Stilcke 9. 19-20 Engl. Souverains II. 40-44 Prenß. Lhaler — 5-Fra»ken-Thaler 2. 20'/, Preuß. Kass.-Sch.' l. 45'/, Sledigirt, Trink und Verlag von D. Pfisterer in Heidelberg.