Der Lan-bote. Verkündigungsblatt der Großherzoglichen Bezirksämter Sinsheim und Neckarbischofsheim. fro. 31. Oonnerstlig, Sen 12. Mär) 1857. Schuldenliquidation. [180] ?iro. 3820. Sinsheim. Die Lazarus Hcrzberg's Eheleute von Sinsheim wellen mit ihren Kindern nach Amerika auswandern. Etwaige Gläubiger derselben haben ihre Fvrdc- rungeu am Mittwoch den 18. März d. I., früh 8 Uhr, dahier anznmelden. Sinsheim, den 6. März 1857. Gwßherzoglich bad. Bezirksamt. Otto. [179] E P f c n b a ch. Holzversteigerung. Mittwoch den 18. März d. I., Vormittags 9 Uhr, werden in dem Gemeindswald dahier, Distrikt II Abtheilung 3 Maschas genannt, zunächst der Straße nach Reichartshausen, 176 Stämme Forlen, wovon sich einige zu Holländer, die übrigen aber zu Bau - und Nutzholz eignen, gegen baare Zahlung vor der Abfuhr öffentlich versteigert. Epfcnbach, den 7. März 1857. Das Bürgermeisteramt. Seel. _vdt. Seel. [184J Steinsfurth. Früchteversteigerung. Freitag den 13. dss. Mts., Nachmittags 1 Uhr, M werden im hiestgen Rathhause 116 Malter Spelz und 3 Malter Haber gegen baare Zahlung öffentlich versteigert, wozu Liebhaber hiermit eingeladen werden. SteinSfurth, den 7. März 1857. Das Bürgermeisteramt. Leon Hardt. Ehmann. [182] Gaiberg. Mittwoch den 18. März, morgens 8 Uhr anfangend, läßt Unterzeichneter wegen Wegzuges öffentlich versteigern: 1 Paar Ochsen. 3 junge Kühe, zum Zug gewöhnt, trächtig, 3 Rinder, einen großen Haufen Mist, circa 100 Zentner Heu und Oemt, >2 Malter Haber, Brennholz, 1 kirschbaumener Sägeklvtz und einige schwächere Stämme, 1 Leiterwagen nebst Z,«gehör, l Berncrwägelein, 1 Handwägelein, Pflug, Egge, 1 Kochherd und verschiedene landwirthschaftliche und HanShaltungs-Geräthschaften. Gaiberg, den 11. März 1857. F. Mann, Pens. Pfarrer. [181! Reicharts Hausen, Amt Neckarbi- schossheim. Liegenschaftsversteigerung. Zn Folge amtlichen Beschlusses vom 27. v. M., Nro. 2518. werden Montag den 30. März laufenden Jahres, Nachmittags 1 Uhr, auf diesseitigem Rathhaus folgende Gebäulichkeiten den Andreas Beck'fchen Erben dahier, der Erbver- theilung wegen, öffentlich gegen glcichbare Zahlung versteigert. Gebäulichkeiten! Ein einstöckiges Wohnhaus nebst einer halben einstöckigen Scheuer mitte» im Dorf nebst Hofraithe, neben Bürgermeister Reinmnth und Ludwig Schilling, vornen Christian Hirsch, hinten Ludwig Schilling nebst 13 Ruthen Haus- und Hofplatz, im waisengerichtlichen Anschlag zu 400 st. Wenn der Schätzungspreis oder darüber geboten wird, erfolgt der Zuschlag, vorbehaltlich obcrvor- mnndschaftlicher Genehmigung. Reichartshauscn, den 7. Mär; 1857. Das Bürgermeisteramt. R e i n m u t h. Zick, Rathschreiber. Holzversteigcrung. [183] Helmstadt. Freitag den 20. März laufenden Jahres, werden im Helmstadter grundherrschaftlichen Walddistrikt Langeloch unter den seitherigen Bedingungen nachfolgende Holzsortimente im besten Maßgehalte versteigert: 60 Klafter buchen Scheitholz (vorzüglichster Qualität) 50 Klafter buchen Prügelholz 80 „ „ Stockholz 30 „ gemischt Prügelhvlz 16000 Stück, ' fast sämmtlich buchenen gröbern Wellen 13 starke, sehr schöne buchene Nutzholzklötze; endlich 9 eichene Nutzholzstämme. Die Versteigerung nimmt an obigem Tag, morgens 9 Uhr, auf der Hiebstelle, nahe beim Jngel- heimerhof, ihren Anfang. Nennkirchen, den 9. März 1857. Freiherrl. v, Berlichingen'sches Rentamt Helmstadt. W e s ch. Kapital auszuleiheu. >185] Bei dem Unterzeichneten liegen 120 ff. VormundfchaftSgeldcr gegen gesetzliche Versicherung zu 5 Prozent zum Ausleihen bereit. Obergimpern, den 10. März 1857. Johann Gabel, Vormund. Jur Geschichte des Tages. Karlsruhe, 9. März. Wegen Ablebens Ihrer Kaiserlichen Hoheit der Frau Erzherzogin Marie Elisabeth von Oesterreich, Wittwe Seiner Kaiserlichen Hoheit des Herrn Erzherzogs Rainer, legt der Großherzogliche Hof von beute auf 8 Tage Trauer an. Heidelberg, im März. (B.Cntbl.) Mit Recht kann man über eine unverhältnißmäßig gestiegene Thenerung in manchen Lebensbedürfnissen klagen. Am stärksten findet solche bei den gegenwärtigen Holzpreise,, statt. Im hiestgen Stadtwald erreichte das Klafter Buchenholz die früher nie gekannte Höhe von 23 bis 24 fl., wozu noch 5 fl. Fuhrlohn gerechnet werden können. Aehnliche Preise bestehen in der Nachbarschaft. Hoffentlich halten sie keinen langen Bestand; denn einestheils läßt sich erwarten, daß die Steinkohlen-Fcuerung mehr eintreten wird, und anderntheils kann man sicher darauf rechnen, daß aus senen Gegenden des Odcnwaldes, wo die Holzprcife noch niedrig sind, starke Zufuhren hieher konimen. Mannheim, 7. März. Gestern fand hier große Beurlaubung des Militärs statt, und zwar in dem Maaße, daß nur noch 50 Mann bei der Kompagnie bleiben. Die weiter Entfernten gingen heute in der Frühe, die Nähern etwas später ab. Mannheim, 9. März. (Mannh. I.) Im Monat Februar sind 163 Auswanderer durch unsere Stadt gekommen. Eberbach, 8. März. Die Hauptprodukte hiesiger Gegend, Holz und Rinde, sichern dem Eigenthümer in diesem Jahre einen Erlös, der alle Erwartungen übertrifft. In den Waldungen, von welchen wir umgeben sind, wird z. B. das Klafter buchenes Scheitholz um 18 — 20 fl. verkauft, und für rin Büschel Rinde, die im Monat Mai in den Hackwaldungen geschält wird, wird jetzt schon rin Gulden verlangt und von auswärtigen Gerbern, die bereits Lieferungsverträge abgeschlossen haben, bezahlt. Bruchsal, 10. März. Der hiesige Verein zum Schutze entlassener Sträflinge zählt nach der Bekanntmachung über seine Wirksamkeit im verflossenen Jahre 82 Mitglieder, und deren Beiträge genügten nicht nur für alle Bedürfnisse, sondern ergaben einen solchen Uebcrschuß, daß im laufenden Jahre keine — 120 — Einzahlungen stattfinden sollen. Die günstigen Zeitverhältnisse mit der anhaltenden Abnahme der Verbrechen und der leichte» Gelegenheit zu lohnender Arbeit find die erfreuliche Ursache, daß so geringe Anforderungen an den Verein gestellt werden. Pforzheim, 8. März. Die Holzpreise sind in hiesiger Gegend noch immer im Steigen begriffen. Bei Len in letzter Zeit vielfach stattgehabten Versteigerungen war der durchschnittliche Preis des Klafters Buchenholz im Walde, also ohne Einrechnung desFuhrlohnes, meist über 22fl.; Eichenholz 16fl.30kr., Tannenholz über 15 fl. Daß man darum auch hier, in der Nähe bedeutender Waldungen, alles Ernstes an die Steinkoh- len-Feuerung denkt, ist erllärlich und dürfte solche, nach jetzigen Preisen, wohl mit der Halste Auslagen zu bestreiten fein können. Vom Mittelrhein, 6. März. Von dem Bade Kifsingen aus, welches sowohl, wo die ganze Umgegend fast nur von Katholiken bewohnt wird, wird mitgetheilk, daß in dieser Stadt eine evangelische Schule gebaut werde. Das Bemer- kenswerthcste dabei ist jedoch, daß der erste Grund zu dem Baukäpitale von der gefeierten Künstlerin Jenny Lind, welche dort badete, gestiftet worden ist. Die weiter »öthige Summe wird, wie weiter mitgetheilt wird, durch Subskription geschafft werden. Kehl, 3. März. Die Auswanderung wird nach den einlaufenden Berichten im gegenwärtigen Jahre wieder mehr in den Fluß kommen. Schon jetzt sahen wir Züge hier durch- passircn, unter anderen auch solche, welche von Mannheim rheinabwärks ziehen wollten, wegen des niedrigen Wasserstandes des Rheines aber über hier dirigirt wurden. Aus dem Amtsbezirk Villingen, 9. März. In der Gemeinde Obcrkirnach wird seit dem 3. d. M. ein alter Bürger vermißt. Derselbe soll an genanntem Tage, mit einem s. g. Säßle versehen, in den Wald gegangen sein, um Bcsenreisig zu holen. Da er nicht nach Hause znrückkehrte, so hegte man allgemein die Vermuthung, daß er durch den Sturz von einem Baume den Tod gefunden hqbe. Judeß sind alle Nachforschungen nach dem muthmaßlich Verunglückten erfolglos gewesen. Wie wir hören, soll heute eine allgemeine Streife von der Gemeinde vorgenommcn werden. Augsburg, 6. März.. ES kursircn falsche französische Laubthaler mit der Jahreszahl 1784, aus einer geringhaltigen Metallmischung gegossen. Würzburg, 7. März. Kifsingen ist großer Gefahr entgangen. Gestern früh nach 2 Uhr brach in den Himergebäu- den der Lochgasse, nqhe an der Kirche, Feuer aus, welches mit solcher Heftigkeit um sich griff, daß sieben Wohngebäude und vier Scheunen gänzlich zerstört und die Spitze des Kirch- thurms eingeäschert wurde. Um 10% Uhr Vormittags war man des Feuers so weit Herr, daß keine weitere Gefahr mehr zu befürchten stand. Die Ursache des Brandes ist zur Zeit noch nicht ermittelt. WürzburA, 8..'März. Der Schaden, den der Brand am 6. d. in Kifsingen anrichtete, wird auf 60 bis 80,000 fl. geschätzt. Koblenz, 4. März.: (Köln. Ztg.) Ich habe Ihnen schon mehrmals Mittheilungen darüber gemacht, wie Ihre König!. Hoheit die Frau Prinzessin von Preußen den hiesigen Wohlthätigkeitsanstalten ihre besondere Aufmerksamkeit und hohe Fürsorge zuwrndet, und insbesondere auch dem seil einigen Jahren gestifteten großartigen katholischen Knaben-Waisenhause, prachtvoll eine Vierrelstunte von hiesiger Stadt an der Mosel gelegen. Nach einer so eben von Ihrer Königl. Hoheit dem Vorstande desselben gemachten Mittheilung haben Se. Königl. Hoheit der Prinz von Preußen bei Gelegenheit der Feier Höchstseines 50>ährigen Dienst-Jubiläums, in Anerkennung der schönen Leistungen dieser Anstalt, derselben ein Geschenk von 1000 Thalern überwiesen, und hat außerdem noch Ihre Königl. Hoheit die Frau Prinzessin in den höchsten Kreisen in Berlin eine Liste zur Zeichnung von Beiträgen in Zirkulation gesetzt, um auf diese Weise der Anstalt die erforderlichen Mittel zu verschaffen, ihre Thäligkeit in gewünschter und den Bedürfnissen entsprechender Weise ausdehncn zu können. Berlin, 7. März. Se. Kaiser!. Hoheit der Großfürst Michael von Rußland traf heule Morgen halb 2 Uhr nebst Gefolge mittelst Ertrazuges auf der Anhaltischen Eisenbahn, zunächst von Weimar kommend, hier ein, und begab sich von da nach dem kaiserl. russischen Gesandtschaftshotel. Zum Empfange Sr. Kaiserl. Hoheit waren Se. Großh. Hoheit der Prinz Wilhelm von Baden, der kaiserl. russische Gesandte, Baron v. Brunnow, sowie das Personal der Gesandtschaft, der kaiserl. russische Militärbevollmächtigte am hiesigen Hofe, Generalmajor Graf Adlerberg, der Generalmajor und Kommandant v. Schlichting u. A. auf dem Bahnhofe anwesend. Offiziellen Empfang hatte sich Se. Kaiserl. Höhnt verbeten. Schon am frühen Vormittage stattete Se. Kaiserl. Hoheit heute den Mitgliedern der königlichen Familie Höchstseinen Besuch ab. Die Abreise Sr. Kaiserl. Hoheit wird heute Abend über Warschau nach St. Petersburg erfolgen. Aus Berlin wird von offiziöser Seite geschrieben, die Konferenzen, welche eben über Neuenburg in Paris eröffnet worden, feien eigentlich gar keine Konferenzen, sondern blos Vorkonferenzen! Die Schweizer dagegen behaupten, es seien ächte, wirkliche Konferenzen. Breslau, 4. März. Ein Fabrikationszweig, der sich in letzter Zeit zu bedeutender Entwickelung emporgehoben hat, ist derjenige der Zündwaaren, und zeichnet sich in dieser Beziehung namentlich die Fabrik in Hermödorf und Kynast aus, welche wöchentlich die enorme Summe von 9 Mill. Zündhölzern verfertigt. Die Fabrik hat auch seit Kurzem angefangen, die aus völlig giftfreien Stoffen bestehenden sogenannten Anti- Phosphor-Reibhölzer zu fabriziren. Diese Reibhölzer erfreuen sich schon jetzt eines weitverbreiteten Gebrauches, da sie mehrere wesentliche Vorzüge in sich vereinigen. Ihr Verbrennungsprozeß ist weder der Gesundheit nachtheilig noch widerlich, wie bei den gewöhnlichen Zündhölzern; die Gefahr ihreS Entzündcns durch zufällige Reibung ist völlig ausgeschlossen, da nur eine Friktion auf der besonders zubereiteten Reibfläche die Entzündung zu bewirken im Stande ist, und vor allen Dingen können Vergiftungsfälle durch dieselben niemals Vorkommen. Hamburg. Wahrscheinlich um noch die letzten Tage vor dem Weltuntergänge gehörig auszubcuten, ist hier eine französische Marquise emgetroffen, die sich als Hellseherin pro- duzirt. Die Audienzen, die sic gibt, kommen ziemlich theuer zu stehen, sie haben festen Preis und kosten 100 Frks. Es haben sich wirklich schon Leute gefunden, die das Geld bereitwillig zahlten, um sich etwas vormachen zu lassen. Wien. Wie die "Tr. Ztg." vernimmt, sind die jährlichen Bezüge Sr. Erz. des Herrn Fcldmarfchalls Grafen Radetzky auf 100,000 fl. festgesetzt, auch behält Se. Erz. die jetzige Suite. Pesth. Bekanntlich erwiesen sich alle bis jetzt versuchten Kontrollirungsartcn bei Droschken rc. als unzureichend, selbst das Marlen-Verabreichen der Kutscher, da nicht alle Passagiere sich die Mühe des Abvcrlangens nahmen. Jetzt glaubt man hier das Richtige getroffen zu haben: jeder Fahrgast erhält eine nummerirte Karte, zweimal im Jahre findet eine Ziehung statt, bei welcher drei von den in fortlaufender Reihe ausgegrbenen Nummern gezogen werden. Die Besitzer dieser drei Nummern erhalten je ein Esterhazy-Loos und damit die Anwartschaft auf einen möglichen großen Gewinn. Dieser mögliche Gewinn, glaubt man, werde Niemanden unwillkommen sein. Jeder Fahrgast werde darauf sehen, daß ihm seine — 121 — Karte eingehändigt werde, und auf diese Weise am sichersten zur Kontrolle Mitwirken. Paris, 5. März. Zu Air sind 32 Zöglinge der dortigen Schule der Künste und Handwerke wegen Betheiligung an der früher gemeldeten Meuterei ausgestoßen und ihren Familien zurückgeschickt worden. — Der Marschall Randon, General» gouverneur von Algerien, ist zu Paris eingetroffen. Konstantinopel, 27. Febr. Die Oesterreicher haben den Abmarsch aus den Donaufürstenthümern begonnen. In Hongkong hatte ein dort ansässiger chinesischer Bäk- ker, Namens Esing, den teuflichen Plan gefaßt, die ganze englische Kolonie mit Einem Schlage aus der Welt zu schaffen. Zu dem Zweck hatte er seinen ganzen Brodvorrath des Nachts mit Arsenik versetzt und war des Morgens nach Macao entflohen. Das Scheusal scheint in Sicherheit zu sein. Der Arsenik im Brode wurde zum Glück bald entdeckt, nachdem sich bei Mehreren, die davon genossen hatten, Vergiftungssymptome eingestellt hatten. Die Vergeltung. Novelle von Klar» v. Masfow. geb. v. Kameke. (Fortsetzung.) Dieser nahm nun den Faden des Gesprächs wieder auf: --Es ist Ihnen vielleicht nicht bekannt geworden, daß ich, Andreas von Hohenfeld, Ihr Vetter, ein ungerathener Jüngling war, der semen Eltern viel Kummer machte; mchrercmal hatte mein Vater ungeheure Schuldsummen für mich bezahlt, endlich wurde er es müde und glaubte es auch gegen meine einzige Schwester nicht verantworten zu können, wenn er sein Vermögen meinetwegen noch mehr schwächte; er überließ mich also meinem Schicksal. Ich ging mit mehreren Gleichgesinnten nach Amerika, dort glaubte ich das gelobte Land zu finden, wo man sich nur zu bücken brauche, um bas Gold messen zu können. Doch welch bittere Täuschung ward mir! ich, ein fauler Taugenichts, der nur zum Verzehren geboren zu sein glaubte, gewann nun die Ueberzeugung, daß, wer in Amerika nicht Hungers sterben will, industriös und arbeitsam sein muß, ich hatte aber nichts gelernt, das mir dort hätte nützlich werden können; und als gemeiner Taglöhner zu arbeiten, dazu konnte ich mich nicht eher entschließen, bis ich es als das einzige Mittel erkannte, um mein Leben kümmerlich zu fristen. "Mehrere traurige Jahre verlebte ich so unter körperlichen, schweren Anstrengungen, Kummer und Entbehrungen, doch wurden dieselben zum Läuterungsprozeß für meine Seele; nach vierjährigem Aufenthalte in Amerika erhielt ich, als gebesserter Mensch, bei einem schon ziemlich bejahrten Farmbesitzcr die Oberaufsicht über sein Eigenthum. — Da ich mich in dieser Stellung als fleißig und umsichtig bewies, so gewann der Alte mich täglich lieber und hatte mit der Zeit nichts dagegen, daß dies auch bei seiner einzigen Tochter der Fall war. Nach einigen Jahren gab er sie mir zum Weibe; und da sie sein einziges Kind war, so wurde ich dadurch zugleich Herr und Besitzer seiner Farm. "Von dreser Zeit an fühlte ich mich wieder glücklich! mein Weib liebte mich mit großer Hingebung, ich hatte nun wieder ein Herz, das ich mein nennen konnte. "Meine Canada schenkte mir im ersten Jahre unserer Ehe einen Sohn, im dritte» Jahre den zweiten. Der alte Großvater lebte neu aus, seit er muntere, blühende Enkel auf seinen Füßen zu wiegen hatte. Als er aber nach Verlauf mehrerer Jahre zu einem bessern Leben von uns schied, hatte ich die große Genugthuung, daß er mir wiederholt versicherte, es habe ihm nie leid gethan, mich zu seinem Eidam gewählt zu haben; und nachdem er Kinder und Enkel väterlich gesegnet, schlummerte er sanft hinüber." Hier hielt der Erzähler kürzt Zeit inne, anscheinend eine Frage oder Bemerkung seines Zuhörers erwartend, doch dieser saß, wie der Sprache beraubt, ihm gegenüber und schien ihm auch nur mit starrer Theilnahmölosigkeit zuzuhören. Er fuhr demnach in seiner Berichterstattung fort: "Durch seinen Heimgang war eine Lücke in unserem Familienleben entstanden; besonders schmerzlich empfanden dies die beiden Knaben; der Großvater hatte immer Zeit für sie gehabt und war immer bereit gewesen, auf ihre kindischen Spiele ein- zugehen. — Wir lebten nun noch eine Reihe von Jahren in ungetrübter Zufriedenheit auf unserer Besitzung und sammelten während der Zeit ein kleines, mäßiges Vermögen; doch zum Eldorado großen Reichthums ist mir Amerika nicht geworden. Die meisten Einwanderer träumen, daß dies so sein muß, und für manche mögen diese Träume auch wohl in Erfüllung gehen: doch, wie gesagt, ich geböre nicht zu diesen Glücklichen." Der Amerikaner erzählte weiter: "Vor ungefähr Jahresfrist bot sich jedoch eine ungesuchte Gelegenheit, unsere Farm vorthcilkaft zu verkaufen. Bei dieser Aussicht regte sich ein heißes Verlangen in mir, nach meinem Vaterlande zurückzu- kchren, da ich berechnen konnte, daß mit dem Erlös aus unserer Besitzung und dem, was wir bereits erspart hgtten, wir so viel haben würden, um selbst in dem durch verfeinerte Lebensbedürfnisse kostspieligeren Europa mit mäßigen Ansprüchen und einiger Einschränkung leben zu können. Und mein gutes Weib, das sich immer, in Allem, meinen Wünschen fügte, war auch sogleich erbötig, ihr Vaterland zu verlassen und an meiner Hand ein neues zu suchen. "Meiner Söhne wegen, die bald das Jünglingsalter erreicht haben werden, war Vieser Vorsatz auch zweckmäßig, da ich doch sehr wünschte, daß sie in dem Lande ihrer Vorfahren ihr Fortkommen suchen und finden möchten. Wir machten demnach unser ganzes bewegliches uzid unbewegliches Eigenthum zu Gelde und schifften uns auf dem Westindienfahrer "Hector Andreas" ein." "Der Wcstindienfahrer "Hector Andreas?" welch sonderbares Spiel deS Zufalls!" so unterbrach mit verwunderndem Ausruf Herr von Hohenfeld die Berichterstattung. "Finden Sie es so wunderbar, daß ich mit meinem Namensvetter die Reise gemacht habe? ich bin auf diese Namensverwandtschaft stolz; der "Hector Andreas" ist ein schönes, imposantes Schiff, und hat die Fahrt mit uns schnell und glücklich zurückgelegt." "Diese Namensgleichheit ist es weuiger, was mich frap- pirt, als der Umstand, daß, als ich das Gut ungefähr sechs Jahre in Besitz hatte, ich selbst die Schiffsbalkcn und noch vieles andere Holz zu diesem Schiff aus diesem Forst geliefert habe; und nicht ahnte ich cs, als ich an einem Augustabend mit meiner Gattin am Strome lustwandelnd der Flößung dieser Hölzer zusah, daß dieselben zu dem Zweck dienen würden. Sie nach Europa herüber zu führen. Doch fahren Sie in Ihrer Erzählung fort, lassen Sie mich den biltern Kelch so bald wie möglich geleert haben.« Diesem Verlangen folgend, erzählte derselbe weiter: "Bei meiner Ankunft in meiner Vaterstadt war mein Erstes, Erkundigungen über meine Angehörigen einzuziehen; meine Eltern waren längst gestorben, meine Schwester verhei- rathet und mit ihrem Manne weit fortgezogen. Eine Nachricht, die ich von einem Jugendfreunde erhielt, überraschte mich aber sehr; derselbe erzählte mir, daß die beiden Söhne des Besitzers dieses Gutes kurz nach einander gestorben und der Vater ihnen bald gefolgt sei, so wie, daß, da man von meinem Aufenthalt nichts habe ermitteln können, auch die wiederholten Aufrufe in öffentlichen Blättern erfolglos geblieben, die Gerichte, mit Vorbehalt meiner Rechte, im Falle ich noch einmal wieder erscheinen sollte, an den nach mir zunächst berechtigten Agnaten das Gut überliefert hätten." "Da ich nun kein reicher Mann bin und übcrdem meinen — 122 — Söhnen ihre Rechte nicht vergeben darf, so bin ich gekommen, um meine Ansprüche geltend zu mache». Doch werde ich dieselben möglichst wenig ausdehncn; ich verlange keine Rechnungs- ablegung für die vergangenen Jahre, da Sie den Nutzen des Gutes gehabt haben; auch soll Ihnen noch der ruhige Genuß der Früchte des letzten Jahres werden; und nur erst im Frühjahre, wann Sic Scheuern und Speicher geleert haben werden, werde ich meinen Einzug hicrselbst halten.» "Gemach, mein Herr! so weit sind wir noch nicht, vor allen Dingen ist es nothwendig, daß die Identität Ihrer Person, wirklich derjenige zu sein, für den Sie sich auögegeben, fcstgestelll werde, und dann die dazu autorisirte Behörde Ihre Ansprüche als unzweifelhaft anerkennt." »Ihre Bedenken und Zweifel liegen in der Natur unseres gegenseitigen Verhältnisses und verarge ich sic Ihnen daher nicht, doch werden die Papiere, welche ich bei mir führe und Ihnen vorlcgen werde, Sie sowohl von der Jdculität meiner Person, als auch von meinen gerechte» Ansprüchen überzeugen. Sie sollen vidimirte Abschriften davon erhalten und haben sie bis zum Frühjahr, noch fast ein balbeö Jahr, Zeit, um von den hiezu geeigneten Behörden die Ucbcrzeugung zu erlangen, daß meine Ansprüche die gerechtesten und meuie Ihnen gemachten Offerten die liberalsten sind, die wohl nicht jeder Lehens- vetter in dem Grade stellen würde. — Ueberdem kan» die Abtretung dieses Gutes nicht so sehr schmerzhaft für Sie sein, denn wenngleich Sie, wie ich dicö in Erfahrung gebracht habe, das Gut stets in guter Cultur erhalten haben, so werden Sie, als ein vernünftiger Mann, auf einen so ungewissen Besitz nicht mehr verwendet haben, als zu dessen Erhaltung nothwendig war, sondern wehr Bedacht darauf genommen haben, sich ein Privatvermögen anzusammeln; besonders da Sie keinen Sohn haben, der, wenn Sie im Besitz des Gutes geblieben wären, es nach Ihrem Tode erhalten hätte. Sie müssen also allem Vcrmuthen und auch allem Anscheine nach ein wohlhabender Mann sein." Herr von Hohenfeld gab hierauf keine Antwort, sondern sah in dumpfem Hinbrüten vor sich nieder. Endlich verlangte er die Einsicht der besagten Papiere. Als er diese erhalten halte, war er von der Richtigkeit der ihm gemachte» Angaben überzeugt; doch erbat er sich noch die vidimirtcn Abschriften, um mit seinem Rechtsbeistande sich berathen zu können. Diese wurden ihm verheißen. »Und nun," hob der Amerikaner von neuem an, »gewähren Sie mir wohl hier auf meinem Zimmer ein einfaches Mahl, nach welchem ich sogleich meine Rückrelse antretcn werde, Sie übernehmen dann gütigst bei Ihrer Frau Gemahlin meine Entschuldigung mit Unwohlsein, wenn ich ohne Abschied zu nehmen mich entferne; ich möchte uns Allen das Peinliche eines ferneren Zusammenseins gerne ersparen." Herr von Hohenfeld war von der Feinheit dieses Benehmens überrascht und konnte dieser Vorschlag »hm natürlich nicht anders als angenehm sein. Als der unwillkommene Gast sich entfernt hatte, lhcilte Herr von Hohenfeld seiner Gemahlin Alles mit und beklagte sein und ihr Mißgeschick, diese Besitzung, die ihnen durch Gewohnheit, so wie durch viele Erinnerungen, welche dem Herzen thcuer sind, lieb geworden war, nun bald für immer verlassen zu müssen. Es war natürlich, daß dieser Gedanke Beiden schmerzlich war. Doch faßte Natalie sich zuerst und wie sie immer ihrem Gemahl der gute tröstende Engel seines Lebens war, so auch in diesem wichtigen Fall. Sie machte den Vorschlag, die Hauptstadt der Provinz zu ihrem künftigen Wohnort zu wählen, dort wollten sie sich ein Haus mit einem schönen, großen Garten kaufen, damit ihr Gemahl, wenn auch in kleinerem Maßstabe, ein neues Feld seiner Thä- tigkcit gewänne. Ferner meinte sic, daß er die Zeit, welche dadurch nicht ausgcfüllt würd«, dazu anwenden könne, seine gesammelten landwirthschaftlichen Erfahrungen aufzuschreiden und in Druck zu geben, wodurch er sowohl im Allgemeinen, als für Manchen insbesondere nützlich wirken könne; auch würde er in der Stadl würdigere Gegner zu dem von ihm so sehr geliebten Schachspiel, alö sie es sei, die doch ewig darin eine Stümperin bleiben würde, finden. Was aber bei dem Wechsel ihres Wohnortes sehr in Anschlag zu bringen sei, wäre die dadurch zu bewirkende bessere Ausbildung Victoria'S, diese könnte auf dem Lande immer nur einseitig geschehen. Und in späterer Zeit sei der Aufenthalt in der Stadt auch vielleicht für ihre Versorgung von Nutzen. (Fortsetzung folgt.) Land- und Hauswirthfchaft. (Ueber Drainage.) Der sehr bedeutende und sofort nach der Herstellung von Drainagen in die Augen springende Vorthcil derselben verschafft diesen immer größere und allgemeinere Anerkennung. In jüngster Zeit hat man besonders auch in den Gärten durch Drainircn überraschende Resultate erzielt, indem man auf früher fast unfruchtbaren, feuchten Plätzen die feinsten Gemüse, und zwar sehr frühzeitig erzogen hat, weil die Entwässerung des Bodens nicht nur aus Entsäuerung, sondern auch ganz vorzüglich auf die Erwärmung desselben cinwirkt. Miszellen. * Der Wagnermeister Ebner von Abensberg (Niederbayern) hatte sich in einer Wette anheischig gemacht, am Faschmgs- dicnstage innerhalb zwölf Stunden einen Eichenstamm aus dem eine Stunde entfernten Forste zu holen, daraus ein Wagenrad zu fertigen und dasselbe nach Neustadt zu treiben. Ebner hat dieses Bravourstück an genanntem Tage mit Glanz burchgc« führt. Das Rad war schon um 10 Uhr Vormittags fertig; um 2 Uhr Nachmittags begann das Treiben nach Neustadt, wozu Meister Ebner sich in altdeutsche Tracht gekleidet halte. Unter Begleitung von großem Volkszulauf verließ er Abens- derg, um in Neustadt mit noch größerem Pompe empfangen zu werden. Zwanzig Reiter kamen ihm entgegen, man trug ihn auf einer mit Laub bekränzten Sänfte im Triumphe in die Stadt und von da von Gasthaus zu Gasthaus, wo man wetteiferte, ihn festlich zu bewirthen. Am 6 Uhr Abends hielt Meister Ebner wieder seinen Einzug in Abensbcrg, wo er abermals jubelnd empfangen ward. Heidelberg. Auf dem am 9. März dahier abgehaltenen Viehmarkt wurden 58 Stuck Vieh verkauft und dafür 7179 fl. 12 kr. erlöst. Frucht - Mittelpreije. Heidelberg, 10. März. Kernen 200 Pfd. 14 fl. 16 kr., Roggen 200 Pfd. 11 fl. 20 kr., Gerste 200 Pfd. 10 st. 29 kr., Spelz 130 Pfd. 6 fl. 43 kr. , Haber 4 fl. 54 kr. Bruchsal, 7. März. Kernen 15 fl. 46 kr., Gerste 9 fl. 48 kr., Haber 4 st. 15 kr. Durlach, 7. März. Walzen 15 fl. 44 kr., Kernen 16 fl. 2 kr., Korn 10 fl., Gerste 9 fl. 37 kr., Haber 4 fl. 54 kr. Frankfurter Laurfe. Pistolen 9. SS'/,-40'/, dto. Prcuß. 8. Sk'/,-57'/, Holl. 10fl.-Stücke 9. 47'/,-48'/, Randdukaten 5. 32-33 20-Hrank-Stücke 9. 20'/,-21'/» Eng!. Sonverains 11. 40-44 Preuß. Lhaler — 5-Franken-Thaler 2. 20'/, Prcuß. Kaff.-Sch. 1. 45'/,-'/g Rcdigirt, Truck und Verlag von D. Pfisterer in Heidelberg.