Der Landbote. Verkundigungsblatt der Großherzoglichen Bezirksämter Sinsheim und Neckarbischofsheim. M ro - 35. Samstag, den 21. März _ 1857. Einladung zum Abonnement. Mit dem 1. Avril beginnt wieder ein neues vierteljähriges Abonnement auf den "Landbot4. März 1857. Das Bürgermeisteramt. S ch o r k. vclt. Glock. [217] Sinsheim. Liegenschaftsversteigerung. SK KK S A« Auf obervormundfchaftliche Ermäch- tigung vom 13. d. M., Nro. 4269, zWWWS lassen Adam Marr Wittib und ihre Kinder dahier auf Dienstag den 31. d. M., Nachmittags 3 Uhr, auf hiesigem Rathhause ihre Güterstücke auf hiesiger Gemarkung in 13 Viertel 18 Ruthen Ackerland und 1 Viertel 15 Ruthen Wiesen bestehend, wagengerichtlich unter obervormunbschaft- licher Genehmigung versteigern, waS man hiermit zur öffentlichen 'Kenntniß bringt. Sinsheim, den 16. März 1857. Das Waiscngericht. Haag. Schick. _ Besch. [212] Adersbach. Brmnholjversteigerung. Nächsten Montag den 23. d. M., Vormittags 9 Uhr anfangend, werden im grundherrlichen Walddistrikt Klettenberg zu Adersbach 59 Klafter buchen Scheiterholz 26 „ eichen dto. und 4775 Stück buchene und gemischte Reisigwellen unter den gewöhnlichen Bedingungen mittelst Steigerung verkauft. Die Kaufliebhaber find ersucht, sich auf der Hiebsstelle e nzufinden. Trefchklingen, den 18. März 1857. Grundherrlich von Gemmingen'fcheS Rentamt Adersbach. Wolf. — 136 Jur Geschichte des Tages. Karlsruhe, 19. März. Diesen Vormittag wurde i» der Kapelle des Karl-Friedrich-Leopoldö- und Sophien-Stiftungs- Gebäudes durch Hrn. Stadtpfarrcr Roth die Vermählung des Grafen Reichenbach-Lessonitz mit Freifräulein Göler v. Ravensburg von hier vollzogen. Das junge Ehepaar hat sich heute Nachmittag nach Baden begeben, wird dem Vernehmen nach von dort die Reise nach der Schweiz und auf die Besitzungen des Hrn. Grafen in Böhmen fortsctzen und den künftigen Winter in Frankfurt a. M. zubringen. Karlsruhe, 19. März. Es ist gewiß eine erfreuliche und seltene Erscheinung, daß diesesmal bei der Konfirmation Drillinge, 2 Knaben und 1 Mädchen, Vorkommen. Alle drei sind körperlich gesund, das Beste aber ist, daß sie auch sittlich gut sind. Mannheim, 18. März. (Mh. I.) In diesem Jahre, und zwar vom 3. bis 6. Mai, findet wieder die Blumen- und Pflanzenausstcllung des Vereins für Naturkunde dahier statt, und La durch die Huld Ihrer Kais. Hoheit der Großherzogin Stephanie dem Verein für dieses Jahr die doppelte Summe zur Verfügung gestellt wurde, so ist er in den Stand gesetzt, die Preise in nachfolgender Weise zu erhöhen und zu vermehren. Es wurde bestimmt: Ein Preis (3 Dukaten) der schönsten Sammlung Azalea indica. Ein Preis (3 Dukaten) den 6 neuesten Pflanzen. Ein Preis (3 Dukaten) der schönsten Sammlung Rosen in Töpfen. Ein Preis (3 Dukaten) der schönsten Sammlung Rhododendron, welche zugleich die meisten Neuheiten enthält. -Ein Preis (2 Dukaten) der schönsten Pflanzengruppe, welche sich durch Blüthenreichthum auszeichnet. Ein Preis (2 Dukaten) für 6 Kulturstücke, die sich durch Blüthenreichthum auszeichnen. Ein Preis (2 Dukaten) der schönsten Sammlung Camellien. Ein Preis (1 Dukaten) der schönsten Sammlung dekorativer Blattpflanzen. Ein Preis (1 Dukaten) der schönsten Sammlung Cinerarien. Ein Preis (1 Dukaten) für die schönste Gärtnerarbeit. Ein Preis (1 Dukaten) zur freien Verfügung der HH. Preisrichter. Die Preise werden von den dazu ernannten Preisrichtern zuerkannt: bei gleicher Kulturvollkommcnheit entscheidet Neuheit. Mit dieser Ausstellung soll wieder eine Blumenverloosung verbunden werden. Pforzheim, 17. März. Ein entscheidender Schritt zur Abhilfe unserer Logisnoth ist in den letzten Tagen erfolgt. Es hat sich nämlich hier eine "gemeinnützige Ballgesellschaft" gebildet, welche sich die Aufgabe stellen will, eine größere Anzahl von Wohnungen, hauptsächlich für die Arbeiterkrcise bestimmt, zu erbauen, solche zn billigem Preis zu vermiethen oder zu veräußern, den Erlös zu weiteren Baute» zu verwenden und damit so lange fortzufahren, bis dem Bedirrfniß Genüge geleistet ist, oder dasselbe durch die Unternehmungen Einzelner befriedigt werden kann. Das Aktienkapital soll die Summe von 200,000 fl., vertheill auf 800 Stück Aktien zu 250 fl., nicht übersteigen, und wird ein Minimum auf ein Viertel dieser Summe festgesetzt. Die Dauer der Gesellschaft, welche durchaus keinen Gewinn erzielen, sondern in Uneigennütziger Weise blos einem dringenden Bedürfniß entgegen kommen will, ist vor der Hand auf 10 Jahre bestimmt. Bereits sind über 50,000 fl. gezeichnet, und da an einer noch ausgedehnteren Bctheilignng nicht gezwrifelt werden kann, so ist das Unternehmen gesichert, und die Gesellschaft wird ihre Thätig- keit beginnen, sobald der Statutenentwurf von de» betheiligtcn Aktionären beratben und denselben von großh. Ministerium des Innern die hohe Genehmigung erthcilt sein wird. Rheinbischofsheim, 18. März. Gestern hatte sich die großh. Remontiruiigskommissioii dahier eingefunden, um für den Militärdienst taugliche Pferde anznkaufen. Man bemerkte unter den vorgeführten drei- bis achtjährigen Pferden eine große Menge äußerst hübscher und prächtiger Thiere, die bas beste Zeugniß davon geben, wie sehr die Pferdezucht in hiesiger Gegend vorgeschritten und wie viel Fleiß und Sorgfalt die Landleute auf ihren Pferdestand verwenden. Doch hat aber die Kommission nur eine ganz geringe Anzahl angekauft, was darin seinen Grund hat, baß die Pferdebesitzer solche entweder gar nicht verkaufen oder nur um einen allzuhohen Preis ab- zugcben sich verstehen wollten. Der Pferdepreis ist zwar gegenwärtig im Allgemeinen ein sehr hoher; allein auf der andern Seite sieht man eben doch, daß die Landwirthe wegen des guten Marktes ihrer Produkte in den letzten Jahren des Geldes nicht bedürftig sind. Für ein vierjähriges Remonte- pferd wurden von der erwähnten Kommission 300 fl. bezahlt. Villingen, 16. März. (Schw. Wchbl.) Zufolge einer Einladung von Seite einiger Mitglieder des hiesigen Gemeinderaths hat sich am 8. d. M. eine größere Anzahl Gewerbtrei- bender und Gcwerbfreunde von hier zum Zwecke der Gründung eines Gewerbvereins für hiesige Stadt versammelt. Fast alle Anwesenden erklärten ihren Beitritt zu diesem Verein, und seither sind auch viele bei der Versammlung nicht anwesende Ge- werbtrcibende demselben beigetreten, so daß die Zahl seiner Mitglieder jetzt schon 80 übersteigt, gewiß ein rühmliches und erfreuliches Zeichen von der Strebsamkeit des hiesigen Gewerbc- standcs. Voraussichtlich wird die Theilnahme an demselben sich nach und nach immer noch steigern. Schweinfurt, 15. März. Die gestrige Schranne war nur sehr schwach befahren und zeigte sich trotzdem nur äußerst geringe Kauflust, so daß selbst, diese geringe Zufuhr nicht ganz verwcrthet werden konnte, sondern noch 60 — 70 Scheffel unverkauft eingestellt wurden. Die Preise ändern sich nur wenig. Koblenz, 17. März. Auch Se. Kön. Hoh. der Prinz Friedrich Wilhelm traf gestern Abend zikm Besuche seiner hohen Eltern von Breslau in unserer Residenz ein, in der er längere Zeit zu verweilen gedenkt.. Zur-Feier des Geburtstages Sr. Kön. Hoh. des Prinzen von Preußen, der bekanntlich auf den 22. d. M. fällt, werden bereits Anstalten getroffen; namentlich wird unsere Stadt einen hervorragenden Antheil daran nehmen. Aus Wien, 15. März, meldet man dem „Paps", die letzten Jnfantcrieabtheilungen des Observationskorps der Moldau hätten sich am 14. März in Ismail eingeschifft, um nach Oesterreich zurückzukehren. Wien, 16. März. Feldmarschall Graf Radetzky hat Verona zu seinem definitiven Aufenthalt gewählt. — Die Tochter einer der achtbarsten Familien in Ofen ist dieser Tage das Opfer eines beklagenswerthen Ereignisses geworden. Sie bügelte Putzwäsche, dabei fielen aus dem Glühofen einige Funken auf ihr Kleid, entzündeten dasselbe und die Flamme griff mit solcher Heftigkeit um sich, daß das in der schönsten Jugend- blüthe stehende Mädchen im Augenblick am ganzen Körper verbrannt war. Alle Hilfe war vergebens, die Unglückliche gab nach unsäglichen Leiben ihren Geist auf. Turin, 15. März. Hiesige Blätter berichten über günstige Erndteaussichten in Piemont und Savoyen, besonders vielversprechend sei der Weinstock; vom Odium zeige sich nirgends mehr eine Spur. Paris. Wie es heißt, soll demnächst dem Erzbischöfe Sibour von Paris ein Denkmal in der Kirche St. Etienne du Mont errichtet werden. — Im Hafen von Toulon sind bereits sämmtliche Truppen, die das französische Occupations- corps in Griechenland bildeten, angelangt. Paris, 17. März. Der Kaiser hat den unerschrockenen 13jährigen Schiffsjungen, welcher, wie man sich erinnern wird, allein mit einem kranken Matrosen an Bord eines von der Equipage verlassenen Schiffs blieb und es glücklich nach Cettc führte, zu sich nach Paris beschieden und ist derselbe bereits hier cingctroffen. — In Paris soll eine Kirche für den griechischen Ritus errichtet werden. Man weist ihr bereits einen Platz in der Dorstadt Sr. Honorc, nahe den elysässchen — 137 - Feldern, an. Die Kosten sollen von der russische» Regierung bestritten werden, welche zu diesem Bchufe auch den Abbe Waßielieff aus St. Petersburg hierhcrgeschickt habe. Die neue Kirche soll drei Schiffe bekommen, je eines sür den Gottesdienst in griechischer, in russischer und in französsischer Sprache. Paris, 17. März. Alle Regimenter der Garde feierten gestern durch ein großes Bankett den Geburtstag des kaiserlichen Prinzen, welcher bekanntlich als Enfant de troupe im ersten Grenadierregiment eingeschrieben ist. Man schreibt aus Lyon: Zahlreiche Spaziergänger drängten siel, gestern mit ehrerbietiger Neugierde um einen furchtbar verstümmelten Priester, welcher in Begleitung mehrerer Geistlichen über den Platz Bclleceur ging. Dieser würdige Priester war vor 3 Jahren von der Diözese Rennes abgereist, üm das Licht des Glaubens den entfernten Ländern zu bringen. Er befand sich unter den 5 Missionären, welche beauftragt waren, den wilden Völkerschaften Pcnang-Kiou's am äußersten Ende Chinas und der Mündung des Tschu-Kiang'S das Evangelium zu verkünden. Vier seiner Gefährten waren enthauptet worden, ihm selbst sind Nase, Ohreu und die rechte Hand abgehauen und er sollte das Schicksal seiner Brüder theilen, als er von engl. Seeleuten befreit wurde. — Abbe Belloo, welcher erst vor wenigen Tagen in die Heimath rückkehrtc, begibt sich zu einem seiner Verwandten nach Rennes. New-Aork, 28. Febr. Im Repräsentantenhause ist es wiederum zu einer echt amerikanischen Szene zwischen dem Abgeordneten Whrigt aus Tennessee und dem Abgeordneten Shcr- mann aus Ohio gekommen. Während Whrigt sich mit einem neben Sherman« sitzenden Kongreßmitgliede unterhielt, warf Shermann ihm eine Hand voll Obladen ins Gesicht, worauf Whrigt auf seinen Angreifer losstürzte, um ihn durchzuprügeln , woran er jedoch durch, das Einschreiten anderer Repräsentanten verhindert wurde. Man glaubt, daß ein Zweikampf die Folge sein wird. Shermann behauptet zur Rechtfertigung seines Benehmens, Whrigt, habe ihn unverschämt angesehen, während dieser jede Absicht, zu beleidigen, in Abrede stellt. — Auf dem Mississippi hat ein Zusammenstoß zwischen den Dampfern Belfast und Humboldt stättgefunden. Der Humboldt ward in den Grund gebohrt und zwanzig Mann des Schiffsvolks, meistens Neger, kamen ums Leben. Die Vergeltung. Novelle von Klara v. Massow, geb. v. Kamekc. (Fortsetzung.) Alfred war an dem Tage nach dem Balle nicht der Letzte, der sich zur Visitenstunde in dem Hause des Präsidenten cin- stellte, um sich zu erkundigen, wie Mirandc der Ball bekommen sei. Er fand sie mit Mutter und Tante im Besuchzimmer und bei Miranda's Anblick gewahrte er sogleich, daß seine Frage in Betreff ihres Befindens sehr überflüssig sei, denn ihr Gesicht war so frisch und blühend und ihrem ganzen Acußeren war auch nicht die mindeste Abspannung und Erschlaffung sichtbar, dennoch that er sie herkömmlicher Weise. Miranda sah ihn schelmisch lächelnd an und erwiederte auf seine Frage: »Diesmal bin ich ja noch mit dem Leben davon gekommen und wie ich zu meiner Freude ersehe. Sie auch.» »Von mir, mein Fräulein, war auch nicht zu befürchten, daß mir die Anstrengungen des Balles verderblich werden könnten, denn ich habe nur sehr wenig getanzt; mit Ihnen ist es aber etwas ganz Anderes, da Sie keinen Tanz ausgelassen haben.» »Oh! es wäre ja eine schwächliche Gesundheit, die sich nicht dergleichen erlauben könnte», erwiederte Miranda. Das Gespräch wurde nun allgemeiner, indem cö aus Tagcs- neuigkeiten übcrlenkte, und als Alfred sich empfahl, erhielt er von der Präsidentin die Aufforderung, auch uneingeladen öfter ihr Haus zu besuchen. Alfred's Schritte waren leichter, elastischer, als er über die Straße seiner Wohnung zuschritt, man konnte in ihm einen Glücklichen, oder doch einen mit dem Vorgefühl des Glückes Beschäftigten erkennen. Alfred war von nun an viel seltener als sonst in dem Hause seiner Pflegeeltern und Victoria fand er mit jedem Mal, als er kam stiller und wehmüthiger gestimmt, oft bemerkte er sogar Spuren von vergossenen Thränen auf auf ihren Wangen, er konnte sich dies nicht erklären und befragte sie liebreich um den Grund ihres Trübsinns, sie sah ihn dann mit einem schwer zu bezeichnenden Blick an, worin jedoch sehr Vieles zu lesen war, nur Alfred verstand nicht diese Schrift zu entziffern — und eben, weil er cs nicht verstand, behauptete Victoria dann immer, er irre sich, ihr fehle nichts, und verließ dann gewöhnlich bald das Zimmer. . Dagegen machte Alfred von der ihm ertheilten Erlaubniß, das Haus des Präsidenten öfter besuchen zu dürfen, häufigen Gebrauch; es zog ihn immer mehr und mehr wie mit magnetischen Bauden dorthin. Miranda wurde ihm mit jedem Tage thelzreL,' auch er kountc es sich ohne Eitelkeit zugestehen, daß sie ihn eben so gerne kommen sah, als er kam; dies verrieth nur zsi deutlich Has lebhafte Roth ihrer Wangen und ihr viel belebteres Wescn^ chn (einem Erscheinen. Die Eltern, wollten ihm beite wohl, und allem Anschein nach würde seiner Werbung um ihre Hand nichts im Wege gestanden haben, wenn Alfred dem zwischen ihm und Miranda seit so lange bestandenen Verhältniß, dem nur das ausgesprochene Wort noch fehlte,.eine solche Werbung hätte folgen lassen. Alle schienen diese zu erwarten, aber Alfred schwieg noch immer, er kam selbst seit einiger Zeit seltner in das Haus des Präsidenten und war sichtbar in einer trüben, aufgeregten Stimmung; Grund hiervon war, daß das erste Erkenntniß in dem uns bekannten Prozeß sür Herrn von Hohenfeld ungünstig ausgefallen war. Alfred rieth zwar zur Appellation, doch hatte er selbst, da in dem Vorprozeß bereits alle Gründe erschöpft waren, wenig Hoffnung, daß dadurch ein günstiges Resultat erzielt werden würde. Durch diesen abermalfgen Verlust, der Herrn von Hohenfeld bcvorstand, gerieth die Familie, der er Alles zu danken hatte, in eine, wenn auch nicht dürftige, doch sehr beschränkte Lage; dies bekümmerte ihn unbeschreiblich tief und sein eigenes Herzensweh und Alles, was ihn selbst betraf, trat dadurch momentan in den Hintergrund und dies um so mehr, da er zu gleicher Zeit den Schlüssel zu Victoria's Traurigkeit gefunden zu haben glaubte. Eines Tages, als er aus Herrn von Hohenfelds Kabinct tretend, in welchem sie sich Beide über diesen unglücklichen Prozeß besprochen und ihre gegenseitige Meinung ausgetauscht hatten, daS Wohnzimmer pafsirte, um nach Hause zu gehen, gewahrte er Victoria an einem Fenster sitzend, vor ihr stand ein Tisch, auf welchem sie beide Arme und auf diese den Kopf gelegt hatte, entweder um zu schlafen oder um zu weinen. Alfred stand einige Augenblicke unschlüssig da, ob er sie stören dürfe, endlich siegte aber doch der Wunsch in ihm, dem betrübten Kinde freundlich zuzusprechen. Cr näherte sich ihr daher, hob ihren Kopf schmeichelnd in die Höhe., freundliche Worte an sie zu richten; Victoria that einen leisen Schrei, als sie Alfred erblickte, und war bemüht, ihr von Thränen gebadetes Antlitz durch ihre langen blonden Locken beschatten zu lasse»; gleichzeitig warf sie eilig ihr Taschentuch auf eine große Zeichnung in schwarzer Kreide, die vor ihr auf dem Tische lag und welche so lange durch ihre darauf ruhenden Arme und ihre langen darauf herabgesallcnen Locken bedeckt gewesen war. »Meine gute, liebe Victoria, gestehe mir doch endlich, was Dich bekümmert, und waS willst Du mir denn da verbergen?» — 138 — Hub Alsrdd an und entfernte dabei, in der Hoffnung, durch die zu machende Entdeckung einigen Aufschluß über Victvria'S ihm so räthfelhafteS Benehmen zu erhalten, ziemlich indiskret, das Taschentuch von der Zeichnung; Victoria stieß wieder einen leichten Schrei aus, wurde purpurroth und sagte: »Nun weißt Du es, was mich seit einiger Zeit so traurig macht; cö ist die gewonnene Ueberzeugung, daß ich auch dies Talent nie zu einiger Fertigkeit ausbilden werde; ich hatte Dein Bild zu einer Studie für mich gemacht und wollte es aus dem Gedächtniß zeichnen, Du siehst aber selbst, wie wenig eö mir gelungen ist.« — Alfred nahm prüfend das Blatt zur Hand und schwer wäre es ihm ohne die so eben von Victoria erhaltene Aufklärung geworden, zu erkennen, daß dies sein Conterfci sein sollte; Victoria hatte recht, wenn sie es selbst erkannte, daß sie auch in dieser, von ihr noch am meisten geliebten Kunst ewig eine Stümperin bleiben würde. »Es ist wohl sehr schwer, aus dem Gedächtniß treffend ähnlich zu zeichnen", meinte Alfred und fuhr dann fort: ",ch werde Dir lieber sitzen, wenn Du doch Deine Zeit damit verderben willst, ein Abbild von mir zu fertigen." „Ach nein! das geht nicht an." "Und warum denn nicht, liebe Victoria?" "Da müßte ich Dich ja immer ansehen." "Wird es Dir denn so schwer, mich anzusehen?" »Nein das nicht — aber Dir würde es unangenehm sein.» «Wie in aller Welt kömmst Du nur zu einem so sonderbaren Gedanken, liebe Victoria? Nun, es ist zwischen uns abgemacht und steht fest, sobald Du Muße und Lust dazu hast, sitze ich Dir mit dem größten Vergnügen." Er drückte zum Abschiede noch einen Kuß auf ihre Stirn und entfernte sich dann. Sinnend und in trüben Gedanken betrat Alfred seine Wohnung; jetzt hatte er deutlich erkannt, was zu erkennen er sich immer gescheut und jede Untersuchung darüber in seinem Innern zurückgedrängt hatte. Victoria liebte ihn! er konnte fast nicht mehr daran zweifeln. Nichts hätte ihn so betrüben können. Alles Unglück häufte sich jetzt zusammen; seine Pflege- ektern am Rande der Dürftigkeit, deren Tochter aus unerwie- derter Liebe zu ihm unglücklich, er selbst voll glühender Liebe zu einer Andern, die allem Anschein nach auch ihn liebte und auf sein Gcständniß wartete, wozu er sie durch sein unvorsichtiges Benehmen, seine Gefühle nicht gehörig zu beherrschen, wohl berechtigt hatte. — Er sah keinen Ausweg aus diesem Labyrinth, gegen Miranda durfte er in seinem bisher beobachteten Benehmen nicht weiter gehen, dies erkannte er nur zu deutlich, seine heiße Leidenschaft für sie mußte er von nun an tief in seinem Innersten verschließen und durfte durch kein Wort, keinen Blick seine Gefühle verrathen. (Fortsetzung folgt.) Land- und Hauswirthschaft. Das Weich- und Hartkochen der Eier läßt sich durch Anwendung eines Thermometers genau erreichen. Legt man in Wasser, das bis zu 60° R. erwärmt ist, die Eier und wartet, bis der Thermometer 70° zeigt, so ist das Ei weich gesotten, d. h. cs ist auch das Weiße des Eies noch nicht fest. Läßt man das Ei im Wasser, bis der Thermometer 73° zeigt, so ist das Gelbe des Eies »och weich, aber das Weiße fest. Bei 76° ist das Ei hart und kann ausgeschält werden. Miszellen. * Vor Kurzem wandelte ein Soldat durch die Straßen von Metz. Da sah er an einen Pfeiler gelehnt einen zerlumpten Knaben von 9 bis 10 Jahren, der vor Kälte fast erstarrt war. Voll Mitleid bot er dem Kinde an, mit ihm zu gehen, er wolle cö in eine warme Stube bringen und ihm zu essen und zu trinken geben. Dort angclangt, erforschte er die Verhältnisse seines Pfleglings und erfuhr, daß er schon lange eine Waise sei, und durch Betteln und andere unrechtliche Mittel seinen Lebensunterhalt erwerbe, und von Gott und Religion fast gar keinen Begriff habe. Da faßte der edle Soldat den schönen Entschluß, dem verlassenen Waisenkinde ein Vater zu werden. Er bat die Hausfrau, den Knaben für diese Nacht zu behalten, am folgenden Morgen werde er das Weitere verfügen. Aber am andern Tage war der Knabe nirgends zu finden, er war entflohen. Betrübt durcheilte der Soldat alle Straßen und Plätze der Stadt, bis er seinen Pflegesohn wieder fand; und so sehr sich auch der Kleine anfangs sträubte, er ergriff ihn am Arme und trug ihn in die Anstalt für verwahrloste Kinder »zum hl. Vinzrntius von Paula.» Dort bat er den Vorstand des Instituts, sich des Knaben anzunehmen. Allein die Plätze waren schon alle ausgefüllt. »Nun, so lassen Sie meinen Schützling doch wenigstens diese Nacht hier; ich verspreche, ihn morgen wieder abzuhvlen oder«-er sprach nicht weiter; denn es war ein Vorsatz in ihm erwacht, den er ausführen wollte in dieser Nacht noch. Der Vorstand lhat nach seinem Wunsche. Aber wie erstaunte dieser, als der Soldat am andern Morgen ihm die Summe von 800 Franken übcrbrachte, mit der Bitte, den Knaben in der Anstalt zu behalten. »Zögern Sie nicht", sprach er, "das Geld anzuneh- mcn, es ist rechtmäßig erworben. Mit dem heutigen Tage ging meine Militärdienstzelt aus, und ich konnte in meine Heimath zurückkehren. Weil ich aber frei handeln kann, so habe ich mich auf's Neue anwcrbcn lassen, um mit dem Einstandsgeld die Kosten der Erziehung dieses armen Waisenknaben bestreiten zu können. Der Vorstand der Anstalt weinte helle Freudenthränen, denn einen solchen Heldenmuth hatte er noch nicht gesehen. Karlsruhe, 18. März. Bei der heute stattgefundenen 6. Verloosunq von 3%% bad. Rentenscheiuen sind folgende Nummern zur Rückzahlung durch das Loos bestimmt worden: n 500 fl. Nr. 105, 130, 236, 245, 319, 414, 495, 536, 781, 904, 2029, 2076, 2293, 2347, 2391, 4084, 4152, 4203, 4298, 4317, 4390, 4404, 4411, 6012, 6110, 6310, 7064, 7104, 7211, 7294, 7312, 7327, 7513, 7523, 7726, 7745, 7758, 7879, 7936, 8326, 8420, 9007, 9013, 9210, 10,274, 10,367, 10,687, 12,371. — ä fl. Nr. 21, 101, 210, 364, 577, 615, 629, 805, 952, 991, 2107, 2228, 4178, 4182, 4221, 4466, 4473, 6037, 6136, 6145, 6227, 6322, 6331, 6348, 6382, 6498, 6556, 7010, 7034, 7121, 7522, 7637, 7716, 8020, 8057, 8100, 8437, 8474, 9055, 9085, 9131, 9183, 9490, 10,079, 10,171, 10,276. frncht - Mittelpreife. Heilbronn, 18. März. Walzen 18 fl. 19 kr., Kernen 18 fl., Korn 11 fl. 6 kr., Gerste 11 fl. 22 kr., Dinkel 7 fl. 38 kr., Haber 5 fl. 50 kr. frankfurter Eourse. Pistolen dto. Preuß. Holl. lOfl.-Stücke lilanddukarcn 2v-Frank-Stücke 9. 41-42 9. 56%°57% 9. 47»/.48’/, 5. 32-33 9. 19-20'/, Engl. Souverains 11. 42-46 Preuß. Thaler — 5-Frankcn-Thaler 2. 20*/,-'21 Preuß. Kass.-Sch. 1. 45%=*/, Redigirt, Druck und Verlag von D. Pfisterer in Heidelberg.