Der fnnMiotc. VerkÄndigungsblatt der Großherzoglichen Bezirksämter Sinsheim und Neckarbischofsheim. M ro - 45. Dienstag, den 14. April _ 1857. Bekanntmachung. [275] Die Holzbedarfslisten für 1857—58 betr. Nro. 271. Die Gemeinderäthc werden an Einsendung in 274] Hoffenheim. Fahrnißversteigerung. Aus der Verlassenschaft des Martin Gilbert jg. hier werden der Erblhei- lung wegen qiciuuj vtu l«. o. M., Morgens 8 Uhr anfangend, sämmtliche Fahrnisse, bestehend ans Schreinwerk, Bettung und Weißzeug Kleider. Küchengeräthe, Faß - und Bandgeschirr, Feld - und Handgeschirr, Fuhrgeschirr, Früchte, Heu, Stroh, Kartoffeln, Wurzeln und verschiedenen HanS- gcräthe öffentlich versteigert. Hoffenheim, den 1 i. April 1857. Das Bürgermeisteramt. Engelhardt. vdi. Stephan. Bekanntmachung. [188] Der Unterzeichnete zeigt anmit ergebenst an, daß er für die rühmlichst bekannte Heilbronner Bleiche bei Wimpfen a. N. auch dieses Jahr wieder Leinwand , Garn und Faden zu prompter Besorgung amiimmt und von den neuen Besitzern dieser Anstalt, de» Herren Carl Link und Comp, ermächtigt ist, die Zusicherung zu ertheilen, daß auch fürderhin Alles aufgeboten werden wird, um durch sorgfältige Behandlung und reine Ausbleichung der Bleichgegenstände das in sie gesetzte Vertrauen vollkommen zu rechtfertigen. Sinsheim, im Monat März 1857. W. C. Äöllreutter. Iur Geschichte des Tages. Sinsheim, 8. April. Heute starb dahier in einem Alter von 71 Jahren der großh. evangel.-protestantische Dekan und Stadtpfarrer Johann David Karl Wilhelm!. Derselbe war Ritter des Ordens vom Zähringcr Löwen, sowie Mitglied vieler gelehrter Gesellschaften. Seit dem Jahr 1819 in hiesiger Stadt als Seelsorger wirkend, erfreute er sich der Liebe und Achtung seiner Pfarrangehörigcn, wie der übrigen Bevölkerung von Sinsheim. Weitern Kreisen ist er rübmlichst bekannt durch Herausgabe verschiedener Sctiriften. Ruhe seiner Asche! Baden, 7. April. (Arbcitg.) Die zahlreichen Neubauten und Verschönerungen, welche hier vorgrnommen werden, nch-' men so viele Arbeitskräfte in Anspruch,' daß man ziemlich häufig über Mangel an Arbeitern klagen hört. Baden, 9. April. Die Bvhrversuche bei Oos zum Zwecke der Auffindung von Steinkohlen haben jetzt die Tiefe von 800' erreicht, wiewohl man noch keine Spur von Kohlen getroffen hat. Das Gestein ist ziemlich hart und wechselt zwischen Tkon- erde und Sandstein. Ein bethciligter Techniker ist der Ansicht, daß man vor einer Tiefe von 1000' nicht auf Steinkohlen kommen werde und glaubt, daß möglicher Weise ein bedeutendes Kohlenlager, welches sich unter dem Rhcinbett bis ins Elsaß hinüberziehe, aufgefiinden werde. Zwei Stunden oberhalb Oos, unweit der Landstraße, zunächst beim Dorfe Müllenbach, sind die Bohrarbeiten bis 650' vorgerückt und werden bei Tag und Nacht eifrig betriebe». Kehl, 4. April. Von gestern auf heute übernachteten nahezu 700 Auswanderer, meistens sehr wohlhabende Leute, die Frauenzimmer zum Tbeil in Hut und Shawl, aus der Gegend von Reutlingen und Tübingen in unscrm Städtchen, wovon eine Partie heute früh die Brücke passirte. Um 10 Uhr setzte sich eine zweite Koionne von etwa 250 Köpfen mit 160 Rcisekof« fern, welche auf 4 Wagen geladen waren, in Bewegung. Auch hierbei bildeten Würtemberger die Mehrzahl. Für die nächsten 10 Tage sind weitere 800 solcher durchziehender Gäste hier an- gemcldct. Wie stark überhaupt die Auswanderung Heuer wieder ist, mögen Sic daraus entnehmen, daß fast sämmtliche Schiffe in Havre für die nächsten 2 Monate bereits besetzt sind, und in Folge dessen hier heute der Ucbcrfahrtspreis nach Amerika 105 fl. ist, während man vor 8 Tagen noch zu 58 fl. Verträge abschließen konnte. Emmen dingen, 7. April. Heute wurde dahier für de« - 174 Amtsbezirk Emmendingen ein Lokalgewerbsverein gegründet und sogleich eine Kommission zur Fertigung eines Statutenentwurfs ernannt. Hauingen, A. Lörrach, 7. April. Es wird wohl manchen Leser interessiren, daß bereits Kartoffclblättchcn über der Erde im freien Lande sichtbar sind. Wiewohl von einer sehr frühen (und dazu besten) Sorte, so ist es doch sür die erste Aprilwoche eine seltene Erscheinung. Sackingen, 8. April. Gestern Vormittag wurde jenseits der Brücke der neapolitanische Werbeadjutant, Hr. Grundel, ein allgemein geachteter Mann, von einem Schweizer Landjäger verhaftet und an das Bezirksgericht Rheinfelden abgelicfert. Hr.Grnndel, selbstSchweizer, ist angeklagt, persönlich in der nahen Schweiz geworben zu haben. Er soll zwar bereits von hier aus amtlich zurückgefordert worden sein; allein die Reklamation blieb ohne Folgen. Hr. Grundel ist verheirathet und wohnte mit seiner Frau hier, wurde aber dem Vernehmen nach vor einigen Tagen beordert, nach Neapel zurückzukchren und die Werbungen zu schließen. Wolfach, 8. April. Sicherem Vernehmen nach wird das neu erbaute Mineral- und Kicfernadelbad dahier am 15. Mai, dem hohen Namenstage Ihrer König!. Hoheit der Frau Großherzogin Sophie von Baden, festlich eröffnet werden. Auf dem Fundamente des alten, baufälligen sogen. Funkeubades ist ein neuer, freundlicher Ban erstanden, welchen neue, durch viele Obstbäume beschattete Garten- und Wiesenaistagen umgeben. Die Einrichtung der Wannen-, Douchc-, Dampf- und Gas- einathmungü-Badkabinete ist zweckmäßig und schön projektirt und der jetzige Vadeigenthümcr ist nicht der Mann, der die Ausführung hinter dem Projekte zurückläßt. Dabei geschieht von Seiten der Stadt und ihrer Vorsteher Alles, was dem erfreulichen Unternehmen förderlich sein kann, und mit Recht, denn die Anstalt wird eine Zierde der Stadt und eine reiche Erwerbsquelle sür dieselbe werden. Stuttgart, 9. April. Nach eingetroffenen telegraphischen Nachrichten des Staatsanzeigers aus Rom ist daselbst die Ueber- einkunft mit der röinifchen Kurie, Regelung der katholisch-kirchlichen Angelegenheit gestern Abend von beiderseitigen Bevollmächtigten unterzeichnet worden. Frankfurt, 4. April. (Arbeitg.) Die Lederprcise sind auf der jetzigen Messe abermals in die Höhe gegangen und glaubt man, daß Lederarbeiter und Schuhmacher gcnötbigt sein werden, mit den Preisen ihrer Gewerbserzeugnisse ebenfalls in die Höhe zu gehen. München, 6. April. In der Strafanstalt Kaisheim beschäftigt man seit dem Jahre 1854 die Sträflinge mit land- wirthschaftlichcn Arbeiten und sind bereits durch dieselben über 100 Morgen Landes sehr fleißig bebaut. Die neueste Nummer der --Zeitschrift des landwirthschaftlichen Vereins" vom Monat April bespricht diese Kultivirung von Ländereien vom ökonomischen und landwirthschaftlichen Standpunkte, indem durch dieselbe mehrere wichtige Versuche über Anbau neuer Kulturpflanzen zu einem günstigen Resultate führten. Elberfeld. Endlich ist in Aussicht, die beiden bedeutendsten Hafen - und Seestädte Deutschlands: Bremen und Hamburg, durch eine direkte Eisenbahn verbunden zu sehe». Hannover, welches ein Hindcrniß in den Weg legte, hat Förderung des Unternehmens angeboten. Berlin, 6. April. So viel als glaubwürdig über die Pariser Konferenzbrratbungen verlautet, zeigt die Schweiz andauernd eine --gewisse Neigung-- zur Nachgiebigkeit. Dock lvll das von ihrer Seite zu Tage tretende Entgegenkommen noch bei weitem nicht der Art sein, daß schon in naher Zukunft eine vollständige Ausgleichung des Streites zu erwarten wäre. Der eidgenössische Bevollmächtigte hat den von Preußen aufgestellten Bedingungen keine schroffe Ablehnung entgegengesetzt, sondern sich auf die nähere Erörterung derselben eingelassen. Dabei scheint aber sein Augenmerk wesentlich darauf gerichtet zu sein, die diesseitigen Forderungen nach Möglichkeit abzuschwä« chen und denselben insbesondere ihre prinzipielle Schärfe zu nehmen. Miszellen. * Der Ring im Baume. Ein Edelmann, der Stammhalter einer der ältesten Familien Kurheffcns, an dessen Finger wir einen alten, dicken aber unscheinbaren Goldring bemerkten, erzählte auf Befragen weßhalb er diesen Ring trage, folgende originelle Geschichte. — Vor nicht langer Zeit verkaufte ich auf meinem Gute einige Buchen. Die Käufer schickten sich an, dieselben zu fällen und sägten sie zu diesem Bc- hufe nahe an der Wurzel ein. Bei einer derselben fühlten sie, daß die Säge, als sie fast die Mitte erreicht hatte, auf einen harten Gegenstand stieß, sahen sich genöthigt, sie zurückzuziehen und einen halben Fuß höher abermals einzusetzen; jedoch zeugten die Zähne der Säge, daß sie auf Metall gestoßen sein müßten. Da jetzt die Säge keinen Widerstand fand, so war der Baum bald gefällt und Neugier, welches Hinderniß zuvor die Arbeit unterbrochen haben möchte, ließ sie vorsichtig den Stumpfen an der Wurzel zerspalten. Wie erstaunen sie, als sie einen Ring dort erblickten, welchen sie für werthloses Metall hielten, obgleich seine Schwere sie eines Bessern hätte belehren sollen! Da sie aber auf der Platte desselben einen Wappen eingravirt fanden, so brachten sie den Ring, der von gediegenem Golde war, zu mir. Ich erkannte in dessen Gravirung das Wappen unserer Familie, wie eS war, ehe noch durch weitere Verbindungen hie und da ein neues Felo oder Abzeichen hinzugefügt wurde. Ich belohnte die Leute und nahm den Ring zu mir, an dem Sie noch — er zeigte eö mir — hier die Spuren sehen, wo die Säge der LeNte eingedrungen ist. Wie der Ring in den Baum kam, bleibt räthsclhaft und wäre nur zu erklären, wenn man annehme, daß einer unserer Vorahnen auf der Jagd den Ring verloren, dieser zufällig auf einem im Grase entkeimenden Sprößling hängen geblieben, durch Spaltung des Holzes oder Ueberharzung nach und nach in das Innere des dicken Stammes getrieben und überwachsen sei. So die Erzählung des Edelmanneö, der als Ehrenmann bekannt ist, und die Sache auf Treu' und Glauben verbürgte. * Paris, 6. April. Bei der letzten Revue über dieZua- ven auf dem Longchamps beim Bois de Boulognc bemerkte der Kaiser ein Soldatenkind in den Reihen der Zuaven und klopfte ihm freundlich auf die Schultern. Der Knabe benützte diese Gelegenheit, um den Kaiser ganz ungenirt zu fragen: „Warum ist denn der kaiserl. Prinz nicht bei den Zuaven?-- Mein Kind — crwiedcrte der Kaiser — ich habe ihn zu den Grenadieren gethan. --Das weis ich, aber wir wollen auch Einen, und das recht bald.,- Der Kaiser lachte und sagte: Das mußt Du der Kaiserin sagen; die geht Das eigentlich an. Komm mit zu ihr! Er nahm das Kind mit sich und brachte es der Kaiserin, die sich nicht wenig an den drolligen Einfällen des Kleinen belustigt haben soll. Frucht - Mittelpreije. Bruchsal, 8. April. Walzen löst. 50kr., Kern löst. 50 kr., Gerste 10 fl. 20 kr., Haber 5 st. l8 kr., gem. Frucht 10 fl. 39 kr. Hellbraun, 8. April. Walzen 18 fl., Kerne» 18 fl. 10 kr., Korn 11 fl. 20 kr., Gemasch 13 st. g kr., Gerste 11 fl. 36 kr., Dinkel 7 fl. 39 kr., Haber 6 fl. 28 kr. Mainz, 8. April. Walzen 200 Pfd. 13 st. 30 kr. bis >4 fl. 15 kr., Korn 180 Pfd. 9 fl. 20 kr. bis 9 fl. 45 kr., Gerste 160 Pfd. 8 fl. 20 kr. bis 9 fl. 'Siedlgirt, Druck und Verlag von D. Pfisterer ln Heidelberg.