Ver Lan-bote. Verkündigungsblatt der Großherzoglichen Bezirksämter Sinsheim und Neckarbischofsheim. 47. Bauarbeitenvergebung. [271] Für den Neubau eines kath. Pfarrhauses nebst Oekvnomie-Gebäudes zu Rothenberg werden nachverzcichnete Arbeiten Samstag den 18. April, Nachmittags 2 Uhr, auf dem Bureau der Unterzeichneten Domainen-Berwaltung öffentlich versteigert: Grabarbeit angeschlagen zu. . 130 ff. 55 kr. Maurer „ „ „ . . 3714 ff. 14 kr. Steinhauerarbeit in rothen Steinen 402 ff. 12 kr. „ „ weißen „ 649 ff. 9 fr. zusammen 4896 ff. 30 kr. Die Baupläne, Voranschläge und Akkordbedingun- gen liegen von heute an bei Grvßh. Domainen- Berwaltung Wiesloch zur Einstcht auf. WieSlvch, de» 9. April Heidelberg, den 6. April 1857. 1857. Gr. Domainen-Berwaltung. Gr. Bez.-Bauinspektion. Breitenberger. Waag. Samstag, den 18. April [276] Hoffenheim. Liegenschaftsversteigerung. AuS der Berlaffenschaft des Martin Gilbert jung hier, werden der Erbtheilung wegen Mittwoch den 6. Mai d. I., Vormittags 8 Uhr, im RathhauS dahier öffenilich versteigert: 1) Die Hälfte einer dreistöckigen Behausung mit halber Scheuer, Schweinställen und Hofgerechtigkeit. 2) 46 Ruthen 28 Schuh Acker am Thal. Hoffenheim, den 11. April 1857. Das Bürgermeisteramt. Engelhardt. vckt. Stephan. 1857. wird zu kaufen gesucht. Näheres bei Baumwarth Joli. Hacbmeyer [276] in Sinsheim. [251] Für die alte berühmte reine Naturbleiche in Pforzheim nehme ich auch dieses Jahr wieder Leinwand, Garn und Faden unter Garantie zur besten Besorgung an. Um zahlreiche Einsendungen bittet der Agent Ernst Jac. Stutzmann. In der Buchdruckerei von D. Pfisterer in Heidelberg sind folgende Impressen zu haben: Für Bürgermeisterämter. 37. Gemeindevoranschläge. Jnr Geschichte des Tages. Baden, 14. April. Der Mangel an Miethwohnungen für Einheimische, namentlich für die unbemitteltere Klasse, hat eine Erweiterung der Stadt schon längst wünschenswcrth erscheinen lassen. Die Gemeindebehörde hat zu diesem Zweck die nöthigen Pläne ausarbeiten lassen, die gegenwärtig zur Bera- thung vorliegen. Unsere freundliche Svphienstraße hat in der letzten Zeit eine wesentliche Verschönerung und zweckmäßige Verbesserung erhalten, indem durch den Abbruch zweier Gebäulichkeiten die nach dem Gasthaus «zur Sonne« führende enge Seitenstraße so erweitert worden, daß die ganze Fronte des genannten Gasthauses die freie Aussicht nach der Svphienstraße und deren grünem Baumgange hat, und dadurch von hier aus einen weit angenehmeren Anblick bietet, als die früher im Wege stehende Scheune. Freiburg, 14. April. (Breisg. Ztg.) K. Fr. Keller von Raidbach, Amts Schopfheim, wurde am 12. d. in einem Wäldchen zwischen Raibbach und Kürnberg mit einer Stichwunde unter der linken Brust tobt gefunden. Er hatte am Charfreitag Abend in Hausen Streit gehabt und wurde seither vermißt. Der Thäter ist zur Zeit noch unbekannt. Ueberlingen, 13. April. Heute, am zweiten Ostertage, ist das hiesige große Hospital von dem Stiftungsvorstande mit Genehmigung des großh. Ministeriums des Innern den barmherzigen Schwestern vom Orden des hl. Vinzenz von Paul feierlich übergeben worden. Mainz, 14. April. Am Nachmittag des Ostcrfonntages fanden auf der Chaussöe zwischen Kostheim und Kastel zwischen verschiedenen Theilen unserer Bundesgarnison Schlägereien statt, die für alle Welt um so unerwarteter kamen, als fortwährend zwischen unserer gesammten Garnison im Allgemeinen und namentlich zwischen dem beiderseitigen hohen Offizierkorps die musterhafteste Eintracht besteht. Das energische Einschreiten der höheren Offiziere machte indessen dem zunächst aus Wirthshauö- skandalen entstandenen Streite bald ein Ende und es wurden alle Maßregeln getroffen, um für die Zukunft die Wiederkehr ähnlicher Szenen zu verhüten. So viel für einstweilen zur Würdigung schmählicher Verdächtigungen und lächerlicher Ue- bertreibungcn, wie sie jetzt schon in öffentlichen Blättern zu spucken anfangen. Wir sind aus authentischer Quelle zu der Erklärung gekommen, daß leider ein Mann todtgeblieben ist und zehn Mann im Ganzen von beiden Theilen verwundet worden sind. Die Verwundungen sind jedoch größtentheils nicht von Bedeutung. (Mz^ I.) Mainz, 14. April. Heute Morgen fand auf dem grossen Bruche eine militärische Versöhnungsfeier unserer Garnison statt. Die strenge Konsignation der Truppen in ihren Kasernen ist heute aufgehoben; die Eintracht zwischen Oesterreichern und Preußen ist bis zur Stunde des Zapfenstreichs nicht wieder gestört: besondere, dem Bürgerstande in die Augen fallende Vorsichtsmaßregeln sind unterlasse». Aus der Pfalz, 6. April. (Bayr. Bl.) Sicherm Vernehmen nach soll den im Zentralgefängnisse zu Kaiserslautern befindlichen Strafgefangenen (aus dem Jahr 1849 her) eine Strafmilderung durch Abnahme der Ketten und durch gewisse Dislokationen zu Theil geworden sein. Frankfurt, 15. April. Die hiesige Ledermcsse, welche am Ostermontag ihren Anfang genommen, war von Verkäufern wenig besucht, wogegen sich aber Käufer von überall her, selbst aus Amerika, welch Letztere namentlich Oberleder einkauften, um so zahlreicher einfanden. Daß bei diesem Umstande und den ohnehin hohen Preisen der Häute und der Rinde die Lederpreise abermals beträchtlich in die Höhe gingen, ist natürlich, und es betrug diese Preiserhöhung 15, 20, und bei manchen Ledersorten 25 Prozent. Ulm, 14. April. Heute in der Frühe fanden auf hiesigem Bahnhofe ergreifende Abschiedsszenen statt. Eine Schaar von 51 Auswanderern aus hiesiger Umgegend gingen mit dem ersten Zuge von hier ab; außer einem Familienvater mit 5 Kindern waren es lauter junge Leute im Alter von 18 — 24 Jahren, die eine neue Heimath jenseits des Ozeans suchen. Es befanden sich darunter 20 Personen von Erbach, 10 von Söflingen, 8 von Alpcck, 6 von Herrlingen, einige von Ehren- stcin u. s. w. Von der Mittlern Fils, 11. April. In dem benach- — 180 — barten zur Pfarrei Salach gehörigen Weiler Krummwälden ist am gestrigen heiligen Charfreitag eine entsetzliche Frevclthat begangen worden. Zum dortigen grast, v. Rcchberg'sche» Holzwart kommt während des Morgengottesdienstes ein Fremder und verlangt Einlaß. Die Frau, die mit ihrem Säugling allein zu Hause ist, fragt nach seinem Begehren und als dieser ihr erklärt, er komme vom Oberjäger in Donzdorf und habe einen Auftrag an den Holzwart, öffnet sie ihm bereitwillig das Haus, führt ihn in die Stube, legt ihm Brod vor und entfernt sich, um einen Krug Most zu holen. Da sie indeß wieder zurückkommt, ist der Fremde bereits in der Kammer mit Durchsuchen des Kastens beschäftigt. Darüber entsetzt, fängt die Frau an zu schreien; der Bösewicht aber eilt auf sie zu, verstopft ihr den Mund und schlägt sie halb todt. Bewußtlos in ihrem Blute liegend, findet sie der von der Kirche heimkehrenke Gatte. Das Geld (400 fl.), auf das cs der Frevler abgesehen hatte, war noch im Kasten. Dieser Greuelthat höchst verdächtig, ist eiu unlängst aus dem Zuchthaus entlassenes Subjekt aus Groß- eislingen, das auch alsbald verhaftet und dem Gerichte überliefert wurde. Die That bewirkte ungemeinen Schrecke», namentlich bei den Bewohnern der vielen einzelnen Weiler und Höfe des Ottenbacher Thales. Die mißhandelte Frau liegt noch schwer krank darnieder, doch sollen die erhaltenen Wunden nicht lebensgefährlich sein. Möge es der Behörde gelingen, den Thäter der gerechten Strafe zu überliefern! Hanau, 11. April. Die Industrie unserer gewerbthäti- gen Fabrikstadt hat einen früher nie dagewesenen blühenden Standpunkt erreicht. An Goldarbeitern jeder Gattung ist Mangel und tägliche Nachfrage nach Arbeitern; der Absatz enorm. Eben befinden sich Kaufleute aus dem fernsten Osten (Odessa) hier, um alle nur disponiblen Maaren aufzukaufen. — Die Lage der Handwerker scheint sich in diesem Jahre günstiger wie je gestalten zu wollen. Die Nachfrage ist jetzt schon bedeutend und wird es im Sommer noch weit mehr werden. Unseren Ockonomen wäre anzurathen, von vornherein durch guten Lohn, sowie durch humane Behandlung die Arbeiter an sich zu fesseln, damit sie zur Zeit der Noth nicht in Verlegenheit kommen. Koblenz, 11. April. Wie die „Kobl. Ztg." berichtet, wurde gestern durch die dortige Polizei ein sogenannter Seelenverkäufer verhaftet, der im Begriffe stand, 14 Mädchen aus dem Oberlande nach Amsterdam zu entführen, die er zum Theil ihren Familien abgekauft hatte. Köln, 9. April. Vor unserem Assisenhofe wird bald ein interessanter Prozeß wegen Verfertigung von falschem Gclde zur Verhandlung kommen. Durch Urtheil sind nämlich neun Personen, dieses Verbrechens angeklagt, vor die Assisen verwiesen worden. Unter den Angeklagten befinden sich außer 2 Steindruckern 1 Wirth, 1 Viehhändler und mehrere Harfen- und Marionettenspieler. Da der Plan der Verbreitung sehr klug ausgesponnen war, so ist es möglich gewesen, eine ziemliche Anzahl der falschen Kassenanweisungen ü 1 Thaler auszugcben. Mailand, 6. April. Im hiesigen Findelhause kann man eine Durchschnittszahl von 12 ausgesetzten Kindern per Tag annehmcn, was bei einer Bevölkerung von 170,000 Einw. traurige Schlüsse auf die sittlichen Zustände rechtfertigt. Paris, 12. April. (Schw.M.) In der Nähe von Marseille, beim Dorfe St. Chams, von welchem sie durch einen Bergrücken getrennt ist, während sie mit der andern Seite sich an's Meer lehnt, befindet sich eine der größten Pulverfabriken der französischen Regierung. Ein Arbeiter bemerkte vor einigen Tagen, als er in die Trockenmühle trat, ungefähr ein Dutzend Schwcfelhölzchenköpfchen, die auf dem Boden umhergestreut waren, offenbar in der Absicht, daß sie durch den ersten besten Fußtritt das überall auf dem Boden umhergestreute Pulver entzünden und dadurch eine Erplosion herbeiführcn sollten. Es waren in der Mühle 10,000, und in einem anstoßenden Gebäude 30,000 Kilogr. Pulver vorräthig und die Erplosion hätte eine der schrecklichsten werden können, die man je erlebt. Der Arbeiter eilte natürlich voller Schrecken und mit möglichster Vorsicht aus der Mühle. Die Direktion und die Dorfbehörden waren sofort auf den Beinen; man drang behutsam in die bedrohte Mühle, indem man durch Masseraufgießen die Schwe- felhölzcheuköpfchen ungefährlich zu machen suchten. Es stellte sich heraus, daß ihrer gerade ein Dutzend auf dem Boden umhergestreut worden. Daß hier frevelhafte Absicht obwalte, konnte keinen Augenblick zweifelhaft sein; die Arbeiter und Angestellten der Anstalt konnte man nicht verdächtigen, da sie selbst die ersten Opfer der Erplosion gewesen wären. Man erinnerte sich endlich, daß am Morgen desselben Tages ein Bauernbursche aus dem Dorfe St. Chams in die Mühle gekommen war und schloß, daß kein Anderer der Brand- oder besser Erplosions- stifter sein könne. Die zu seiner Verhaftung entsendeten Gens- darmen fanden ihn nicht in der Wohnung seiner Eltern, was natürlich den Verdacht steigerte. Ein Arbeiter der Pulverfabrik, mit sehr scharfem Auge begabt, entdeckte den Gesuchten endlich, der ruhig an der Spitze des Bergrückens saß, welcher St. Chams von der Pulverfabrik trennt, und von wo er den Erfolg seines Unternehmens abwarten und mit ansehcn zu wollen schien. Er wurde natürlich sofort in Hast gebracht. Ucber sein vorläufiges Verhör verlautet bisher nichts Gewisses; an Ort und Stelle herrscht jedoch die Ansicht vor, daß der sinnlose 17- bis 18jäh- rige Bursche sich, wie so viele Brandstifter, bloß ein „Spektakel" habe geben wollen, nur daß jene mit einem einfachen Brande sich begnügen, er aber eine Erplosion wollte. Mit der Politik scheint die ganze Sache nicht das Geringste zu schaffen zu haben. Marseille, 14. April. Die Getreidezufuhr erreicht 35,000 Hektolitres. In der vorigen Woche waren 125,000 Hekt. ein- gctroffen; die Preise weichen. New-Aork. Das Heer Walker's ist durch Ausreißereien aus 400 Mann zusammengeschmolzen und von 5000 Verbündeten umzingelt. — Das Gebiet von Nicaragua soll, wie man sagt, zwischen den Staaten Costa Rica und Honduras getheilt werden. — Die Marmonen treiben ihr Unwesen immer ärger und begehen vielfache Gewaltthätigkeiten, so daß die Regierung der Vereinigten Staaten ernstlich gegen sie wird einschreiten müssen. Ei»» Schlachthaus m Cincinnati. (Schluß.) Nachdem wir so das erste Schwein mit unfern Blicken bis an das Ende der Bank verfolgt, sehen wir wieder rückwärts. Kaum sind drei Minuten verflossen, seit das erste Schwein die Brühbütte verließ, und wieder ist die ganze Bank mit dampfenden Körpern bedeckt, und Jeder arbeitet mit allen seinen Kräften. Hier kann Niemand faul sein, er muß mit seinen Kameraden gleichen Schritt halten oder er hält alle auf. Es besteht aber daneben auch in den verschiedenen Schlächtereien eine wahre Eifersucht bezüglich der Menge der in einem Tage abgcfertigten Schweine, welche regelmäßig in den Kneipen besprochen wird und die Arbeiter anspornt, alle ihre Kräfte anzustrengen, den Ruf ihres Etablissements nicht sinken zu lassen. Dem weiteren Schicksal des ersten Schweines nun wieder folgend, stoßen wir auf den Agamemnon des Schlachtfeldes, den Auswaidcr (Autler), wie er genannt wird. Seine Arbeit ist herkulisch, aber hier finden wir auch endlich den rechten Mann auf dem rechten Platze: denn wir sehen einen vollkommenen Herkules vor uns. Er ist ein Neger von New-Orleans von riesenhaftem Wuchs, dessen Gesichtsbildung große physische Kraft andcutet. Seine Arme, von dem Umfange des Beines manches andern Mannes, sind bloß. Die durchschnittliche Zahl der Schweine, welche in diesem Etablissement täglich geschlach- — 181 — trt'wird, beträgt 1200, welche aber gelegentlich auch auf 1500 steigt; und zum Auswaiden dieser ungeheuren Zahl wird ein Mann für ausreichend gehalten. Sieben Schweine in einer Minute auswaiden zu können, wird wohl mitunter prahlerischer Weise behauptet, doch dürfte es wohl allenthalben an glaubhaften Zeugen fehlen, dieses Faktum nachzuwelsen; indcß bleibt die Schlclligkeit, mit der dieser Man» arbeitet, doch eine wahrhaft fabelhafte. Mit der Regelmäßigkeit einer Maschine bewegt er sich längs der Reihe der aufgehängtcn Schweine; mit einem kräftigen Zug des Messers öffnet er den Leib, mit einem weitern Schnitt löst er das Zwerchfell und die Eingeweide ab, mit einem dritten sein Werk vollendend. Ihm folgt ein Mann mit einem Gefäß mit kaltem Wasser, jede Unreinigkeit wegspülend, und jedes Härchen, was den Augen der Scheerer entgangen sein sollte, entfernend. Nachdem eine kurze Zeit für das Ablaufen des Wassers gelassen worden ist, werden die Schweine in den benachbarten Trockenraum geschafft. In Cincinnati liegen die Packhäuser entfernt von denSchlacht- häusern, alle zusammen längs des Flusses, wohin die Schweine in großen, mit vier kräftigen Pferden bespannten Wagen geführt werden müssen, während in andern westlichen Städten Schlacht- und Packhäuser gewöhnlich unter einem Dache sind. Um den weiteren Prozeß zu verfolgen, müssen wir also unfern Weg zu einem Packhause nehmen. Hier steigen wir eine Treppe hinaus, in den sogenannten Zerwirkuugssaal. Unser Blick fällt hier zuerst auf lange, sich quer durch den Raum erstreckenden Reihen von Schweinen. Drei oder vier kräftige Neger sind beschäftigt, nachdem schon zuvor das Schmalz herausgenommen ist, unter einförmigem Gesang die geopferten Borstenthiere auf Hackeklötze zu legen. An jedem derselben stehen zwei Zerwirker, jeder ein breites, glänzendes, haarscharfes Beil schwingend, mit welchem sie die sich rasch auf einander folgenden Schweine in Stücke zerlegen, nur die Schinken ganz lassend. Den Zerwirkern stehen zwei Gehilfen bei, welche die zuerst abgetrennten größer« Stücke genau in die Lage vor sie bringen, um den nöthigcn weitern Hieb genau auf dem rechten Fleck anbringen zu können, und diese fertig gemachten Stücke, wozu auch die Schinken gehören, an die weiteren Empfänger vertheilen. Zur Seite jedes Zerwirkers steht ein Stunz mit siedendem Wasser, in welches diese häufig die Schneide des Beils tauchen, indem das dadurch erhitzte Metall dann leichter durch das Fett dringt. Unmittelbar daneben haben die Schinkenmacher ihren Stand, welche mit Messer und Säge die rohen Hinter- und häufig auch Vorderviertel in Schinken verwandeln, welche, wenn fertig, durch einen angebrachten hölzernen Kanal, der in einen großen Trog mündet, an die im untern Raume beschäftigten Packer befördert werden. Aehnliche Kanäle befördern andere Theile der Schweine, so für die Packer störende Aufhäufungen verschiedenen Materials verhütend. In dem untern Packraum angekommen, bemerkt man an der Seite von jedem Trog eine Waage aufgehängt, auf welcher ein Auswähler (seleetor) die sortirten Fleischstücke abwiegt. Das Gewicht beträgt 200 Pfund, und bildet den Inhalt eines Fasses. Er wählt stets besondere Stücke des Schweins für den Inhalt desselben Fasses aus, da eingesalzenes Schweinefleisch hier in verschiedenen Sorten, welche verschiedene Preise haben, verkauft zu werden pflegt. Die abgewogenen Stücke legt er dann mit seinem Haken auf einen Platz der andern Seite des Trogs, wo der Packer seinen Stand hat, immer drei bis vier der schönsten Stücke besonders legend, welche zuletzt oben auf gepackt werden. Der Packer füllt dann mit den abgewogenen Stücken sorgfältig das Faß an, mit der größten Geschicklichkeit diejenigen auswählend, welche sich am Besten zusammen- legen. Ucbcr jede Lage Fleisch streut er eine Lage Salz. Er hat einen schweren Hammer oder Rammer, womit er das Fleisch einrammt, und sobald das Faß gefüllt ist, dreht er solches nach der Richtung des in der Nähe stehenden Faßbinders hin. Dieser erfaßt es und setzt in unglaublich kurzer Frist den obern Boden ein, worauf er es umlegt und mit einem Stoß seines Fußes einem Arbeiter zusendet, welcher es in den angrenzenden Vorrathsraum rollt. Alles dies wird mit der größten Geschwindigkeit gcthan. Ein Packer packt durchschnittlich 125 bis 150 Fässer in einem Tag. Zu dem nächsten Raum weiter gehend, gelangten wir in das Departement der Schinkenpacker. Die Hinterschinken werden in größere, 400 Pfund haltende Fässer gepackt, was allerdings eine leichtere Arbeit zu sein scheint, da die Schinken, von einer gleichen Gestalt, keiner Auswahl bedürfen, und auch schon an sich schwerer, sich besser zusammenpacken, als die kleinen Flcischstücke. Aus einem andern Trog werden die Schultern oder Vorderschinken gleichfalls in dergleichen Fässer gepackt. Wir sahen einer geschäftigen Szene zu. »Theilung der Arbeit" wird hier auf die Spitze getrieben. Außer den Abwie- gern, den Packern und Faßbindern finden sich hier Arbeiter, welche unaufhörlich Säcke mit Salz aus einer unerschöpflichen Quelle herbeischaffen und sie in dazu bestimmte Tröge leeren. Andere Arbeiter bringen leere Fässer herbei; Jungen sind beschäftigt, alle zur Seite fallenden Abfälle in kleine Karren zu sammeln, und ein Mitglied der Firma richtet sein wachsames Auge stets auf die Waagen, daß solche bei dem Einwerfen der Fleischstücke nicht in Unordnung kommen. Diesen Raum verlassend, gehen wir in den, wo das sogenannte bulk pork eingepökelt wird. Bulk pork besteht aus den Speckseiten der Schweine und wird gewöhnlich mit Zucker eingepökelt, um es demnächst als Speck räuchern zu können. Es geschieht mit gleicher Vertheilung der Arbeiten, von der wir eben Zeugen waren. Große Haufen dieser Speckseiten sind reihenweise in dem Raum aufgesetzt und zahlreiche Arbeiter sind beschäftigt, die Seiten mit einer Mischung aus Salz, Salpeter und unraffinirlem Zucker einzureiben. Wenn das Einpökeln vollendet ist, werden die Speckseiten in hölzerne Kasten verpackt, jeder im Gewicht von 400—500 Pfund und so in alle Theile der Welt versendet. Die Gimpel-Probe. Humoreske aus dem wirklichen Leben von Ed. Gottwald. (Aus der „Setpj. Allg. Mvbezcitiing.") Da bis jetzt das über ganz Deutschland sich immer weiter ausbreitcnde und mit jedem Jahre vielseitiger verzweigende Eisenbahnnetz noch keinen seiner Fäden bis »ach Lichtenfels gesponnen, so hält wie früher auch jetzt noch die gelbe Postkutsche, welche von Grünau über Lichtenfels nach Kronau fährt, mit den wenigen Passagieren, die auf solche Weise diese Gegend bereisen, täglich gegen Mittag 12 Uhr vor dem Gasthause zum weißen Hirsch in Lichtenfels, in welchem sich zugleich die Posthalterei befindet, und ob auch auf die pünktliche Ankunft dieser Post nicht immer mit einer solchen Bestimmtheit gerechnet werden konnte, mit welcher man in neuerer Zeit gewöhnt ist zur festgesetzten Zeit der Ankunft eines Eisenbahnzuges entgegen sehen zu können, so war doch anzunehmen, daß sobald Christoph, der Hausknecht im weißen Hirsch, gegen Mittag im Thorwege erschien, die Hände hinter dem Brustlätze seiner blauen Schürze verbarg und dabei die Melodie irgend eines beliebten oder verrufenen Volksliedes pfiff, sich gewiß auch dann bald darauf der Ton eines Posthornes vernehmen ließ, und die grünauer Postkutsche die Marktgaffe herangerollt kam. Und dies war auch an einem jener schönen Herbsttage der Fall, welche der Monat September des Jahres 1853 als Entschädigung für ein nasses Frühjahr so viele uns bot. — Die Thurmuhr der Lichtenfelser Pfarrkirche hatte soeben die Mittagsstunde verkündet, das Hofthor der Posthalterei war geöffnet — 182 — worden und Christoph in der kunstvollen Stellung eines länglichen Henkeltopfes, die Hände hinter der Schürze, wollte eben die Melodie seines Lieblingsliedes: »Prinz Eugenius, der tapfre Ritter rc." zum dritten Male zu pfeifen beginnen, als von der Marktgaffe her der mißlungene Ton eines Posthornes erklang und bald darauf die Grünauer Diligence vor dem weißen Hirche hielt, in dessen Hausflur jetzt auch der Postmeister selbst erschien und mit dem freudigen Ausrufe: „Willkommen in Lichtenfels!" einen ältlichen Herrn begrüßte, welcher bedächtig aus dem Wagen stieg, nachdem er vorher sehr behutsam einen mit Papier umhüllten Käfich auö dem Innern der Postkutsche gelangt hatte, den Postmeister vertraulich begrüßte, und als er mit diesem die Paffagierstube betreten und die Reisetasche abgelegt hatte, den Käfich mit einem bedeutungsvollen Blick auf den Tisch setzte und ausrief: „Gott sei Dank! biS hierher Hab' ich ihn glücklich gebracht !" „Gewiß wieder ein Prachtexemplar von einem Schreihals!" rief lachend der Postmeister und schüttelte dem Freunde herzlich die Hand, wendete sich dann mit einem Winke der Aufforderung nach seinem Sohn, einem jungen Mann von ungefähr vierundzwanzig Jahren, welcher jetzt näher trat und den Angekommenen ehrerbietig grüßte. Der ältliche Herr blickte dem Sohn des Postmeisters mit fast komischer Strenge in das offene ehrliche Auge, kniff ihn dann in die Wangen, welche, ohnedem schon von blühender Gesundheit geröthct, bei diesem Beweise der Gewogenheit von Seiten des Angekommenen von Purpur überhaucht erglühten. „Er ist also der Musje Wilhelm?" frug cxaminatorisch der alte Herr und zwickerte anblickend lächelnd mit den Augen. „Er also hat durch seine Briese, die ich dutzendweise in den geheimen Schubfächern des Schreibepultes meiner Tochter gefunden, den Kops derselben so arg verdreht?" „Bester, theuerster Herr Bürgermeister!" entgegnete der junge Mann nicht ohne innern Kampf mit Befangenheit und schüchternem Bangen, obgleich der Vater ihm zu wiederholten Malen winkte, freier mit der Sprache herauszugehen. „Wir hofften.... und Lisbeth, so wie ich wollte Ihnen...." „Davon nachher," unterbrach den verlegen gewordenen Liebhaber der Bürgermeister und wendete sich zu dem Postmeister. „Vor allen Dingen," begann er nun in einem wirklich ernsten Tone, „ehe ick hier übernachte, ehe ich überhaupt mich auf wenige Stunden häuslich niederlasse, müßt Ihr mir gewissenhaft eine Frage beantworten." „Und diese Frage? heraus damit!" rief der Postmeister, während der Sohn nicht ohne Besorgniß erwartungsvoll auf den Sprecher blickte. „Habt Ihr Katzen im Hause?" frug der Bürgermeister mit ernst forschenden Blicken. „Katzen?" entgegnete der Postmeister laut auflachend über die unerwartete Wendung deS Gesprächs. „Wie kommst Du auf diese Frage?" „Wegen dieses Kleinods hier!" sprach der Bürgermeister und zeigte auf den Käfich, dessen Papicruwkleidung er abriß und einen Gimpel sichtbar werden ließ, der zusammengeduckt in einer Ecke seines Gefängnisses gesessen, jetzt aber rasch auf die untere Sprosse hüpfte und die erste Strophe des unter dem Namen „der alte Dessauer" bekannten Marsches höre» ließ, wofür ihm der Bürgermeister mit freudestrahlenden Blicken zunickte. „Du kennst, Herzensfreund", fuhr er, zum Postmeister gewendet, fort, „meine Vorliebe für Singvögel, Du weißt, wie viel ich dieser Liebhaberei wegen schon erduldet, und welche Opfer ich derselben gebracht. Wir sämmtlicheu Honoratioren in Kronau sind dieser Liebhaberei ergebe», und ich selbst habe nach und nach den Primarius, den Stadtrichter, den Rektor und den Apotheker nebst zwei Kaufleuten dazu gebracht, Geschmack daran zu finden, so daß gewiß in keiner Stadt Deutschlands so viel Nachtigallen, Grasmücken, Amseln, Gimpel rc. zu finden sind als bei uns. Nun kannst Du Dir wohl denken, mit welchem Stolze ich dies Mal nach Hause zurückkehre, denn ich bringe aus einem armseligen voigtländischen Walddorfe einen der prächtigsten Gimpel mit, gelehrig wir keiner der Tausende, die in de» stillen Thälern der Werra und in den einsam gelegenen Ortschaften des thüringer Hochwaldes gezogen werden. — Ja! dieser Gimpel hier — und dabei hob der Bürgermeister, inEr- tase gerathend, den Käfich empor — dieser Gimpel kann gegenwärtig schon mehr als zwanzig der bekanntesten Volköliedermc- lodien und wird unter meiner Leitung binnen Kurzem mit Mozart, Weber, Mcyerbeer und Flotow so bekannt werden, daß er Opcrnmelodien zu Dutzenden pfeifen soll; dieser Gimpel kostet mich zwei Louisb'or und cs ist ein Zweiter der Art in ganz Thüringen und sämmtlichen Zollvereinsstaaten nicht zu finden; darum Freund! Herzensbruder! steh'mir Rede: Hast Du Katzen im Hause?" (Fortsetzung folgt.) Land- und Hauswirthfchaft. * Untrügliches Mittel, die Fliegen und Mücken von den Pferden abzuhalten. Ein Offizier, so wird in öffentlichen Blättern geschrieben, soll seit vielen Jahren mit dem untrüglichsten Erfolg die Fliegen, Mücken u. s. w. von de» Ohren der Pferde dadurch abgehalten haben, daß er die Ohren des Pferdes an de» Spitzen mit etwas Leberthran bestrichen hat. Der Geruch dieses Thranes soll dem Ungeziefer so zuwider sein, daß es sofort auf das Schleunigste umkehrt, wenn es sich den so bestrichenen Ohren des Pferdes nähert. Bei der Einfachheit des Mittels würde ein Versuch damit leicht zu machen sein. M i s z e t t e n. * Mit welcher Schnelligkeit der Telegraph im Vereine mit Dampfwagen Menschen zusammenführen kann, davon ein Beispiel. Ende März d. I. starb in Kassel ein sehr reicher und sehr geachteter Bürger S., dessen Söhne weit zerstreut wohnen. Der eine, ein Färber, wohnt in Zürich, ein anderer ist Professor in Kiel, ein dritter hat als Kaufmann seinen Wohnsitz in London. Die Angehörigen in Kassel telegraphiren an jene Söhne die Nachricht von dem Tode des Vaterö und die Zeit des Begräbnisses, und am vergangenen Mittwoch, als am Tage des Begräbnisses, standen die Söhne aus Zürich, aus Kiel, aus London am Grabe ihres Vaters, um dem Geschiedenen gemeinsam die Thräne des Abschieds zu weihen. * Mailand, 9. April. Im Gebiete der Chemie wurde unlängst eine großartige Erfindung gemacht. Der Apotheker Luigi Cavezzali in Lodi brachte es nach langen Studien dahin, die Seide direkt aus den Maulbeerblättern statt von den Raupen zu gewinnen. Die wiederholten Versuche gelangen bis jetzt alle zum Erstaunen aller Anwesenden. Lrucht - Mittetpreife. Bruchsal, 1l. April. Kern 18 fl. 48 kr., Gerste 10 fl., Haber 5 fl. 12 kr., g,-m. Frucht 10 Ü. 30 kr. Heilbronn, 15. April. Waizen 18 fl. 24 kr., Kern 18 fl. 4 kr. Gerste 11 fl. 14 kr., Spelz 7 fl. 30 kr., Haber 8 fl. 34 kr. frankfurter Lourse. Pistolen g. 4t'/,-42'/, dto. Preuß. 9. 56-57 Holl. lOff.-Stücke 9. 47-48 Randdukaren 5. 33-34 20-Frank-Stücke 9. 19-20 Eng!. Souverain« 11. 40-44 Preuß. Thaler — 5-Frankcn-Thaler 2. 20'/, Preuß. Kaff.-Sch. 1. 45'/,-'/, Nedigirt, Druck unk Lerlag von D. Pfisterer in Heidelberg.