Ver Lan-bote. Verkündigungsblatt der Großherzoglichen Bezirksämter Sinsheim und Neckarbischofsheim. M ro - 50. Samstag, vm 25. April 1857. Erbvorladung. [290] Nro. 2893. Sinsheim. Sebastian Weber, ledig, über 53 Jahre alt, von Adersbach, der im Jahr 1847 nach Amerika gereist ist und seit seiner Abreise keine Nachricht mehr von sich gegeben hat, ist kraft Gesetzes zur Erbschaft seiner verstorbenen Tante, der ledigen Philippina Weber von Adersbach berufen. Derselbe wird mit Frist von drei Monaten zur Erbtheilnng mit dem Bedeuten öffentlich vorgeladen, daß im Nichterscheinungsfalle die Erbschaft lediglich Denjenigen werde zngetheilt werde», welchen sie zukäme, wenn der Vorgeladene znr Zeit des Erbanfalles gar nicht mehr am Leben gewesen wäre. Sinsheim, den 15. April 1857. Großh. Amtsrevisorat. Steinmetz. [285] Bargen, Amts Neckarbischofsheim. Stammholzversteigerung. Die Gemeinde Bargen läßt in ihrem Gemeindewald, Distrikt Dörrenbcrg, bis Donnerstag den 30. April 1857, Vormittags 8 Uhr anfangend, öffentlich gegen baare Zahlung versteigern: circa 90 Stämme eichen Bau - und Nutzholz und 10 Stämme s. g. Holländerhvlz. Die Liebhaber werden hiermit eingeladen und bemerkt, daß die Steigerung auf der Hiebsstelle stattfindet. Bargen, den 18. Avril 1857. Das Bürgermeisteramt. Elser. vdt. Henkel, Rathschreiber. [281] Dühren. Liegenschaftsversteigerung. Die zur Verlaffenschaft der verlebten Oberwundarzt Karl Ett- ners Wtb., Johanne, geborne Dörr von hier, gehörigen, nachverzeich- neten Liegenschaften, werden mit obcrvormundschaft- licher Ermächtigung vom 27. März 1857, Nr. 5015, Mittwoch den 29. April l. I., Nachmittags 1 Uhr, auf dem Nathhause dahier öffentlich versteigert, und vorbehaltlich obervormundschaftlicher Genehmigung zugeschlagcn: 1. Tar. 1 Viertel 34% Ruthen neu Maas Acker im Wittich, neben Rathschreiber Schäfer und Rath Fuchs Wittib 200 ff. 2 . 89% Ruthen n. M. Acker im Waldsgrund , neben Gr. Stiftschaffnei Sinsheim und Ullrich Schweizer 100 ff. 3. 2 Viertel 68%,, Ruthen n. M. Acker am Eschelbacher Weg, neben Gr. Domai- nenverwaltung Wiesloch und dem Weg 200 ff. 4. 2 Viertel 8% Ruthen n. M. Acker am Eichtersheinier Weg, neben Margaretha Allgaier und der w>r. Domainenver- waltung Wiesloch 5. 1 Viertel 79% Ruthen n. M. Acker am Michelfelder Weg, neben Gr. Stiftschaffnei Sinsheim u. Frz. Bauer 6 . 89% Ruthen n. M. Acker am Eschelbacher Weg, neben Konrad Salzgeber u. Jakob Blank 7. 89%, Ruthen n. M. Acker in der Mittelhöhe, neben Johannes Wolfhard und Philipp Koch 8 . 1 Viertel 79% Rth. n. M. Acker unterm Himmelberg, neben Konrad Holder u. Rudolph Bletschers Erben 9. 89% Ruthen n. M- Acker am Angel- locher Weg, neben Rath Fuchs Wib. beiderseits 10 . 67% Ruthen n. M. Acker im Sandacker, neben Rath Fuchs Wtb. u. Sebastian Aberlc 11 . 89%, Ruthen n. M. Acker zwischen zwei Wegen, neben Samuel Frei u. Gg. Mich. Beck 12 . 2 Viertel 8%, Ruthen n. M. Acker am Eschelbacher Weg, neben Heinrich Schöpfe! u. Michael Kreuzwieser 13. 1 Viertel 34%, Ruthen n. M. Acker in der Wanne, neben Georg Mich. Becks Erben und Frz. Bauer 14. 1 Viertel 58%« Ruthen n. M. Acker im Eichenloch, neb. den Anfstößer beiderseits 15 89%, Ruthen n. M. Acker im Wahrloch, neben Kaspo: Giermann u. Johannes Wolfhard 16. 89% Ruthen n. M. Acker im Weidenbach, neben Georg Heinrich Sitzler und Johannes Wolfhard 17. 1 Viertel 34% Rnthen n. M. Acker am Balzfelder Weg, neben Gg. Friedrich Dörr und Aufstößer 18 . 1 Viertel 34% Ruthen n. M. Acker in der Buchhelden, neben Rath Fuchs Wtb. u. Johannes Allgaier 19. 3 Viertel 42% Rnthen n. M. Acker im Eichenloch, »eben Johann Lipp n. Konrad Dörr 20 . 89% Ruthen n. M Acker am Eschelbacher Weg, neben Michael Kreuzwießer u. Heinrich Schöpfel Tar. 240 fl. 180 fl. 100 fl. 50 ff. 260 fl. 90 fl. 100 fl. 160 fl. 160 fl. 120 fl. 200 fl. 110 fl. 130 fl. 60 fl. 120 fl. 300 fl. 70 fl. 21. Tar.v 1 Morgen 3% Ruthen ». M Acker, in der Helden, neben Thomas Wtb. und Jakob Heinrich Sauer 320 fl. 22. 89% Ruthen n. M. Acker im Knau- zen, neben Gr. Stift Sinsheim und A. Schweizer 60 ff. 23. 89% Ruthen n. M. Äcker im alten Grund, neben Johann Wolfhard u. Gg. Friedr. Dörr 150 fl. 24. 1 Viertel 19% Ruth n. M. Acker im ScheUenweg, neben Pauline Dörr u. Peter Rebmann 140 fl. 25. 1 Viertel 34% Ruthen n. M. Acker im Leizelbach, neben Peter Spieß u. Gr. Stift Sinsheim 100 fl. 26. 89% Ruthen n. M. Acker im alten Grund, neben Johannes Wolfhard u. Gr. Domänenverwaltung Wiesloch 60 fl. 27. 2 Viertel 24 Ruthen n. M. Acker ob der Hohl, neben Rath Fuchs Wtb. beiderseits 300 fl. 73% Ruth. n. M. Acker unterm Pfarrhaus, neben Joseph Meister u. Peter Rebmann 120 fl. 29. 89% Rth. n. M. Wiesen in der Maudern , neben Konrad Dürr u. Georg Wolfhard Erben 100 fl. 30. 51% Ruthen ». M. Wiesen auf den Schrantenwiesen, neben Peter Schneider u. dem Graben 50 ff. 31. Ein Stück Krantgarten im Eichenloch, neben Philipp Fischer u. Lehrer Wolfhard 20 fl. 32. Ein Stück Krautgarten im Bruch, neben Martin Ehmer u. Aufstößer 60 fl. 33. 1 Viertel 65% Ruthen n. M. Wald im Säckler, neben Peter Spieß und dem Gemeindswald 15 fl. 34. Ein unter Friedr. Sohner u. Löb Würz- weilerS Scheuer gelegener Keller n. Vvr- keller, neben der Berggaffe und Friedrich Sohner 180 fl. 35. Eine zweistöckige Scheuer von Holz mitten im Dorfe an der Hauptstraße, neben der Straße u. dem eigenen Garten, fammt dem da hinter liegenden Garten 800 fl. 36. Gemarkung Sinsheim. 1 Viertel 80% Rth. n. M. Acker im kleinen Feld, neben Joh. Lipp und Friedr. Jenn 150 fl. 37. 4 Viertel 3% Ruthen n. M. Acker zu Riedackcr, neben Heinrich Sauer und Franz Sitzler 350 fl. - 192 — 38. Tar. 2 Viertel 43 Ruthen n. M. Acker im kleinen Feld, neben Kvnrad Allgaier und Heinrich Staidel 150 fl. 39. 1 Viertel 28'/° Ruthen n. M. Wiesen im kleinen Feld, neben Wilhelm Dauth und Heinrich Kreuter 200 fl. 40. 1 Viertel 11 Ruthen n. M. Acker im Ranzenacker, neben Rath Fuchs Wtb beiderseits 90 9. 41. 1 Morgen 1 Viertel 49 Ruthe» n. M. Acker bei des Schaffnersjee, neben Lehrer Sauers Erben u. Franz Häußler 500 fl. 42. 2 Viertel 64'/° Ruthen n. M. Acker in der Langgaffe, neben Konrad Allgaier und Heinrich Schöpfe! 250 fl. 43. 2 Viertel 51%, Ruthen n. M, Wiesen in der Langgaffe, neben der Straße und Johann Lipp 200 fl. 44. 1 Viertel 40'/° Ruthen Wiesen bei der Wässerung, neben Peter Spieß und Georg Michael Beck 150 fl. 45. 1 Viertel 37% Ruthen Wiesen bei Schaffnerssee, neben Bürgermeister Ster- Tar. zenbach und Rudolph Bletschers Erben 110 fl. 48. 47% Ruthen Wiesen ob der Wässerung, »eben Rath Fuchs Wtb. beiderseits 50 fl. Summa 7820 fl. Dühren, den 8. April 1857. Das Waisengericht. Sterzenbach. Schäfer. [294] Kirchardt. Liegenschaftsversteigerung. Nro. 234. Mit Vorbehalt ober- vormundschaftlicher Genehmigung werden dem minderjährigen Heinrich Hirschler kommenden Dienstag den 12. Mai l. I., Nachmittags I Uhr, in hiefigem Rathhause 4 Morgen l Viertel und 20 Ruthen Acker in drei Parzellen, tarirt zu 430 fl. öffentlich versteigert, wozu die Liebhab.r hiermit eingeladen werden. Kirchardt, den 22. April 1857. Das Waisengcricht. , Gebhard, Brgrmstr. Baumann. Türkengar« in schönster Farbe und bester Qualität zu herabgesetzten Preisen bei W. C. KUlIreutter [295] in Sinsheim. Lieferung von Kandis Kistel. [292] Die Unterzeichnete Verwaltung beabsichtigt die Lieferung von 5000 Stück Kandis-Kistel in Ac- cord zu begeben. Lusttraqende bel eben fich deßhalb auf ihrem Comptoir in Waghäusel zu melden. Die Verwaltung der Zuckerfabrik. [286] Hilsbach. Kapital anszuleihen. Im eoang. Almosen zu Hilsbach, Amt Sinsheim, liegen 750 fl. gegen gerichtliche Versicherung zum Ausleihen bereit. Almosenrechner __ Vg. Günther. [293] Grombach. Kapital auszuleihen. Bei dem evangel. Pfarr- und Schulfondsrechner Friedlich Stöcker in Grombach liege» 600 ff. gegen gerichtliches Unterpfand zum Ausleihen bereit. WSgK Jur Geschichte des Cages. Karlsruhe, 22. April. Ihre Königlichen Hoheiten der Prinz und die Prinzessin von Preußen sind heute Abend zum Besuch der Großherzoglichen Familie dabier eingctroffen und im Großherzoglichen Residenzschlosse abgestiegen. Mannheim, 21. April. Das „Mannh. I." bemerkt, daß falsche preußische Einthalerscheine zirkuliren, die, .was den Druck betrifft, so tauschend nachgemacht sind, daß sie nur schwer von den ächten zu unterscheiden sind; es fehlt ihnen aber das Wasserzeichen, so daß man die Scheine nur gegen das Licht zu halten braucht, um sich von der Aechtheit zu verlässigen. Frei bürg, 22. April. Aus Anlaß seines Jubiläums ist der Hr. Erzbischof von Sr. Königl. Hoheit dem Großhcrzog mit einem huldreichen Handschreiben zur Beglückwünschung beehrt worden. Vom Oberrhein, 22. April. (K. Z.) Dem Schreiben eines seit Jahren in Nordamerika weilenden. Badeners, der schon den größten Theil dieses Landes bereist bat, .entnehmen wir folgende Aeußerungen von allgemeinerem Interesse: «Man trifft hier sehr viele Deutsche an, die ihren Reiseplan, durch trügerische Vorspiegelungen habgieriger Ageiitcn und Schiffskapitäne verleitet, an den europäischen Ueberfahrtsorten änderten, und statt in nördliche, in südliche Staaten Amerika's ein- wanderten, namentlich in solche Gegenden, in denen sie das heiße Klima nicht ertragen. Sie erkranken, siechen eine Zeit lang hin, und sterben meistens in der Blüthe ihrer Jahre. Wenn der Vater der Eingewandertcn dem Klima unterliegt, so geht es dessen Hinterbliebenen in der Regel sehr schlecht; denn man nimmt in dem südlichen Amerika nicht gerne Deutsche zur Arbeit, sondern lieber Eiiigcborne, die, an das furchtbare Klima gewöhnt, leichter und mehr zu arbeiten vermögen, als unsere höchst bedauernswerthcn Landsleute. Die Nachrichten von unfern Seehäfen melden die Ankunft meistens junger Leute aus den verschiedensten Ländern Deutschlands. Wir können nicht begreifen, was sic für Träume von Amerika haben, da unsere inländischen Blätter co hinreichend bestätigen, daß für Deutschland wieder bessere Zeiten gekommen sind. Hätten nur Tausende von Deutschen Reisegeld in ihre Heimath, sie würden gern dem Lande entrinnen, wo sie nur Verdienst und Rcich- thum zu finden hofften, sich aber bitter getäuscht sehen. Besserer Verdienst steht mit dem hohen Preise der Bedürfnisse in naher Verbindung, und wer durch besondere Verhältnisse begünstigt als reich in sein Vaterland zurückkommt, wird wenig Lust mehr zeigen, hieher zurückzukehren." Säckingen, 21. April. Unsere ganze Vegetation.mit der für dieselbe so günstigen Witterung berechtigt uns zu den schönsten Hoffnungen. Der Stand der Saaten ist weit schöner, als voriges Jahr, und die Frühlingösonne hat bereits selbst die späteren Pflanzen zum Leben gebracht. Die Obstbäume versprechen ihrer gesunden Blüthe nach eine reichliche Ernte, wenn sie nicht wieder, wie seit mehreren Jahren, während der Blüthe- zeit erfrieren, was jedoch nicht mehr in Aussicht steht, wenn wir auf das Sprichwort vom frühen Donner gehen wollen. Auch die Wiesen stehen prachtvoll; an einzelnen Strichen ist das Gras über einen Fuß hoch. Der Reps steht sehr schön, und das Kinken der Weinpreise gründet sich wohl ebenfalls auf den schönen Stand der Reben. Die Kartoffeln werden bald alle gelegt sein; das gute Wetter beförderte die Arbeit. Ucberhaupt wollen ältere, erfahrene Landleute und Wetterkun- tige ein ausgezeichnetes Jahr prophezcihcn. Möge der Himmel ihnen Recht lassen! Stuttgart, 23. April. Höchst interessant war der Verkauf der Pferde aus den k. Privatgestüten und aus dem k. Lribstall. Für die 7 schönsten aus den 12 ersteren wurden 11,456 fl. erlöst. Das meiste waren 4jährige Vollblutstuten, Schimmel; eine 6jährige Vollblutstute, braun, mit weißem Stern wurde mit 2160 fl. bezahlt. Ein Schimmel aus dem k. Leibstall achtjähriger Hengst wurde mit 1500, ein anderer gar mit 2650 fl. bezahlt. Die Preise sind selbst bei diesen Thieren, die allerdings in Form, Haltung, Anmuth, Feuer, Gliederung von vollendeter Schönheit waren und die allgemeinste Bewunderung erregten, staunenerregend. Zu dieser Höhe trug insbesondere ein polnischer Gutsbesitzer bei, der einige edle Thiere um keinen Preis hätte fahren lassen. Er soll sie zur Zucht verwenden wollen. Aus Würtemberg, Mitte April. Eine auffallende Erscheinung ist, daß die Bevölkerung unseres Landes seit der letzten Zählung von 1852 fast um 70,000 Seelen abgenommen hat und daß sie dieses Jahr in Folge massenhafter Auswanderung sich noch mehr reduzircn wird. Bensheim. Das hiesige Bürgermeisteramt protestirt öffentlich gegen die dieser Tage durch Zeitungen verbreitete Nachricht: »Bensheim sei in letzter Zeit das Hauptquartier einer jugendlichen Diebsbande von 50 Köpfen gewesen.» Kein Mensch wisse hiervon etwas und herrsche in der ganzen Gegend bei Tag und Nacht die größte Sicherheit. — Von anderer Seite wird vermuthet, unlautere Interessen seien im Spiel, man wolle wohl Fremde vom Besuch unserer herrlichen Bergstraße abziehen. Rü d esh eim, 18. April. Heute fanden zwei aus Stephanshausen gebürtige Kinder im Johannisberger Walde die Leiche eines aus schauderhafte Weise ermordeten und beraubten jungen Mannes. Die Raubmörder scheinen ihre gräßliche Thal mit Muße und teuflischer Ueberlegung vollbracht zu haben, denn sie hatten z. B. den Namen aus dem Hemde ausgeschnitten und andere Merkmale, welche auf die Erkennung ihres Opfers hätten führen können, zerstört. Man hofft, daß es unserer Behörde gelingen werde, die Raubmörder baldigst zu entdecken. Am Tage vorher wurde der Ermordete, als er das Dorf Johannisberg passirte, eine Reisetasche tragend, von mehreren Einwohnern daselbst gesehen und seinem ganzen Aeußeren nach für einen Geschäftsreisenden gehalten. In Wittenberg, wo seit 1817 ein Denkmal Luthcrö aufgestellt ist, beabsichtigt man nun auch Melanchthvn zur Feier seines 300jährigen Todestages (19. April 1860) ein Denkmal zu errichten. Bereits ist ein Comite zusammengetretcn und hat einen Aufruf erlassen. Kobnrg. Den außerhalb des Zollvereins bestehenden Zigarrenfabriken beginnt anderwärts und namentlich an solchen Orten, wo zur Zeit noch geringere Arbeitslöhne gegeben werden, immer mehr Konkurrenz zu entstehen. So wird auch am hiesigen Platze eine Zigarren-, Rauch - und Schnupftabakfabrik größeren Umfangs in kurzer Zeit errichtet. Bern, 22. April. Dr. Kern wird heute hier ankommen mit Vorschlägen der Konferenz. Nach dem Genfer Journal enthalten sie Titel und Entfchädigungsgrundsatz. Man glaubt, beide Theile werden annehmen. Toulon, 21. April. Der Großfürst Konstantin besuchte heute Vormittag das Arsenal. Es strömen fortwährend große Volksmasscn herbei, um den Prinzen zu sehen. Buchanan, der neue Präsident in Amerika, spielt Trumpf aus. Alle wichtigen Aemter besetzt er mit fast fanatischen Anhängern und Vorfechtern der Sklaverei und übcrtrifft die schlimmsten Befürchtungen seiner Gegner. So schreibt man aus Amerika. Die Vimpel-Probe. Humoreske aus dem wirklichen Leben von Ed. Gottwald. (Aus der „Leipz. Allg. Mvdezcitung.") (Fortsetzung.) In der achten Morgenstunde des folgenden Tages fuhr der Bürgermeister mit Ertrapost der Residenz zu und Wilhelm mit seinem Gimpel nach Kronau, wo Lisbeth die Abwesenheit des Vaters benutzt und eine allgemeine Renovation der Bürgermeister-Wohnung vorgenommen hatte, die eben im vollen Gange war, als Wilhelm mit dem Käfig in der Hand die Treppe hinaufeilte nnd zum freudigen Schrecken seiner Geliebten mitten unter ausgchangenen Fenstern, Waschfässern und Scheuerweibern im Dorsaal erschien, welche seiner Eile, in die Arme der Geliebten zu gelangen, etwas hemmend in den Weg traten, jedoch wenige Augenblicke darauf ihn in Lisbeths Zimmer gelangen ließen, wo zwar alles bereite wieder in Ordnung und auf das Sorgsamste hergestcllt war, in welchem aber der rascheren Austrocknung des kurz vorher gescheuerten Gemachs wegen die Fenster noch offen standen. Nachdem der erste Wonnerausch des Wiedersehens vorüber und Wilhelm unter obligater Begleitung unzähliger Küsse der Geliebten mitgethcilt, wie ihr Vater so herzlich gegen ihn gewesen und seine Liebe zu ihr längst geahnt, wie er endlich auch das Jawort gegeben und welche Bewandlniß es mit dem theuer erkauften Gimpel habe, rief Lisbeth: „Dann, Wilhelm, laß uns vor Allem den Wundervogel in sicheren Gewahrsam bringen," und wand sich aus den Armen des sie zärtlich umschlungen haltenden Liebhabers, um dem Gimpel, in dem eigens für Singvögel eingerichteten Zimmer, den Ehrenplatz anzuweisen; aber — o Entsetzen — der Käfig, dessen Thür offen stand, war leer und der Gimpel saß, sich die Nachbarschaft der Bürgermeisterwohnung betrachtend, stillvergnügt auf der Brüstung außerhalb des Fensters. „Um'ö Himmelswillen! Wiltelm! der fliegt fort!" jammerte Lisbeth, während der Liebhaber^ kaum seinen Augen trauend, erschrocken de» leeren Käfig betrachtete, dessen Thür wahrscheinlich durch die Hast, mit welcher er denselben bei seinem Eintritt in Lisbeths Zimmer auf den Tisch gesetzt, aufgesprungen war und dessen Bewohner, um welchen die Liebenden sich zu bekümmern noch keine Zeit gehabt, veranlaßt hatte, außerhalb seines Gefängnisses Unterhaltung zu suchen. »Ach! Wilhelm, wie bekommen wir ihn nun wieder?» klagte Lisbeth, sich an diesen wendend, der mit Schauder daran dachte, welch' nachlhciligc Folgen der Verlust des Gimpels für ihn herbeisühren und wie eS sogar möglich sein könnte, daß der Bürgermeister, der gewissermaßen sein Jawort an die sichere Ueberlieferung seines Lieblings gebunden, nun ihm feindlich entgegen treten und ihm wohl gar der Tochter Hand verweigern würde. In der Angst seines Herzens schlug der zerknirschte Liebhaber vor, den Gimpel, welcher ruhig auf der Fensterbrüstung sitzen blieb, von der Straße aus ins Zimmer herein zu jagen, welches denn auch mit Hilfe eines laugen Kehrbesens versucht wurde und den Flüchtling zwar ins Zimmer zurücktrieb, aus welchem er aber, nachdem er dasselbe einige Male ängstlich umkreist hatte, über Lisbeths nach ihm haschenden Händen hinwegflatternd zum Fenster wieder hinausflüchtete, che es den Liebenden gelungen war, dasselbe zu schließen und nun auf dem Dache des Rathhauses ihnen gegenüber nach einer kurzen Pause der Erholung wie spottend das Abschiedslied aus Lorle: Muß icb denn, muß ich denn Zum Stätel hinaus rc. zu pfeifen versuchte und dann auch diesen Platz verlassend, bald den Blicken des angstvoll ihm nachschauendcn Liebespaares verschwunden war. »Daö bringt uns Unglück!» klagte Lisbeth, die voraussah, wie gar böse ihr sonst so gütiger Vater werden würde, wenn er bei seiner Rückkehr den theuer erkauften Gimpel nicht fände und in Erfahrung brächte, baß derselbe durch Wilhelms Nachlässigkeit entflohen sei, und auch der Schwiegersohn in spe fuhr sich voll stillen Ingrimms ratb- und trostlos durch die Haare, denn auch er sah mit einem Male alle die herrlichen Träume künftigen Glückeö vernichtet, und fühlte es schmerzlich tief, daß in Liöbcth'S thränenvollen Augen für ihn ein bittrer Vorwurf lag, denn er allein trug die Schuld, nicht die Geliebte, die voll seligen Entzückens über die unerwartet freudige Nachricht, welche er ihr gebracht, sich so glücklich gefühlt nnd an den Gimpel bann erst gedacht hatte, als sie erfahren, welchen Werth derselbe für ihren Vater habe und wie ernst dieser unglückselige Vogel Wilhelms Sorgfalt empfohlen worden war. Nach einer kurzen Pause stummen Schmerzes und innerlichen Grolls über das ihn so unerwartet betroffene Mißgeschick sah jedoch Wilhelm ein, daß diese Zerknirschung zu nichts führe und daß hier rasches Handeln nöthig sei, um nicht Alles auf'S Spiel zu setzen, und da er um aller Gimpel Europa's willen nicht länger auf den Besitz seiner Lisbeth Verzicht geleistet hätte. — 184 — alS deren Vater sich Vorbehalten, so begann er endlich kleinlaut: »Was fangen wir aber nun an, Lisbeth? Einen Gimpel muß Dein Vater finden, wenn er heimkehrt, sonst droht uns Beiden eine trübe Zeit der Trennung und wer weiß, was dann alles sich unserer endlichen Vereinigung feindlich in den Weg stellt. Ist denn kein Gimpel hier oder in der Umgegend auf« zulreiben?» Lisbeth sah bei diesen Worten den Geliebten forschend an, schüttelte dann zweifelnd das Köpfchen und seufzte: »Ach, Gimpel haben wir hier in Kronau genug, aber gewiß keinen, der dem Entflohenen gleich kommt und zu kaufen ist hier gleich gar keiner, denn das erführe der Vater sofort wieder." "Aber liebe, süße Lisbeth!" tröstete sich ermuthigt fühlend Wilhelm. "Es kann der berühmteste Opernsänger über Nacht plötzlich feine Stimme verlieren, warum nicht auch ein Gimpel? Für uns gibt es kein anderes Mittel, uns vor des Vaters Zorn zu retten, als einen ankern Gimpel herbeizuschaffen, mag er nun zwei Groschen oder zwei Louisd'or werth >ein, das bleibt sich für uns ganz gleich; denn wir werden doch eines so dummen Vogels wegen uns jetzt nicht so nahe am Ziele vielleicht gar hoffnungslos getrennt sehen; und das ist zu befürchten, sobald Dein Vater erfährt, daß ich die Schuld hier trage." Nach diesen Worten küßte Wilhelm wehmüthigzärtlich seine Lisbeth und auch diese sah ei», baß cs zu Ostern unter solchen Verhältnissen mit der Hochzeit mehr als zweifelhaft sei und sprach endlich seufzend: „Ja, es wird nicht anders werden; es muß ein anderer Gimpel her." Als beide Theile darüber einig waren, so wurde nun ernste Berathung gehalten, auf welche Weife der Ersatz für den Entflohenen ins Haus gebracht werden sollte, denn dabei war mit der größten Vorsicht zu verfahren, indem die ganze Stadt bereits wußte, daß ein junger Man» mit einem Vogelkäfig in der Hand ans einer Halbchaise bei Bürgermeisters abgestiegen fei und der Primarius, sowie der Apotheker, der Rektor, sowie der Stadtrichter versenkten sich in ein Meer von Vermuthungeu, zu welchem Genus der Neuangekommene Vogel wohl gehöre, sowie Amtmanns Jettchen sofort den Auftrag erhielt, bei ihrer Freundin Lisbeth einen Besuch abzustattcn, um dort zu erspähen, welche Bewandtniß es mit dem jungen Mann habe, der den Vogel gebracht. Glücklicher Weife verging eine geraume Zeit, ehe Fräulein Jettchen sich entschließen konnte, welches Kleid sie für diesen Besuch wählen sollte, und als dieselbe erschien, waren die Liebenden über die weitere Ausführung ihres Rettungsplanes vollkommen einig. Eine halbe Stunde später fuhr Wilhelm fröhlichen Muthes zur Stadt hinaus und Jettchen kehrte zu ihren Eltern mit der Nachricht zurück, daß nach Lisbeths Aussage ei» wundersamer Gimpel, den sic jedoch nicht zu sehen bekommen, welcher mehr als hundert Melodieen pfeife, aus Thüringen angekomnien sei, worüber sämmtliche Ornithologen Kronaus in heftige Aufregung geriethen. — Wilhelm aber, welcher nach einem eine Stunde von der Stadt entfernlrn Dorfe gefahren war, wo ein alter pen- sionirter Unterförster sich mit der Abrichtung von Singvögeln beschäftigte, hatte dort einen vor Kurzem erst eingefangencn, noch ganz naturwüchsigen Gimpel für einen Gulden gekauft und denselben durch einen sichern Boten gegen Abend in des Bürgermeisters Haus bringen lassen, wo ihm Lisbeth, reichlich mit Futter versehen, im wohlverwahrten Käfig einen sichern Platz im Zimmer der Singvögel angewiesen hatte. (Forts, f.) Land- und Hauswirthschaft. Drainirung von Gebäuden. Im BezirksvereineMeersburg ist wohl die Drainage in Baden am Meisten vorgeschritten und hat überall erfreuliche Folgen gezeigt. Wenn auch deren Anwendung auf Trockenlegung von Gebäuden nicht neu ist, so verdient doch nachstehender Fall gerechte Anerkennung und Erwähnung. Die Resultate bei der Drainirung der Grundstücke führten den Bürgermeister von Kippenkausen von selbst zur Anwendung der Drainage Behufs der Trockenlegung der dortigen Kirche, welche denn auch auögeführt wurde und vollkommen gelang. Die Kirche von Kippenhausen war vor der Drainirung so feucht, daß Boden und Wände in Folge beständiger Nässe von einer grünen Flechtenkruste überzogen waren. Für die Gesundheit der Kirchenbesucher mußte dies von den nachtheiligsten Folgen und die Entfernung dieses Uebelstandes daher von der größten Wichtigkeit sein. Der Bürgermeister, durch eigene Versuche ein praktischer Draineur, faßte die Idee aus, die Kirche zu drainircn, und leitete, nachdem er in seinem Vorhaben durch Sachverständige ermuntert worden und die Genehmigung der Vorgesetzten Behörde erwirkt hatte, die Ausführung ein. Drei Drainstränge, zusammen von 500 Fuß Länge, wurden gelegt, deren einer in der Milte der Kirche, die beiten andern außerhalb derselben längs der Mauer hinlaufen und sich mit dem ersteren unten in einem Sammeldrain vereinigen. Die Kosten dieses Unternehmens sind ganz unbedeutend. Die Grabarbeiten wurden durch Frohudienste ausgeführt, und alles Uebrige verursachte einen Kostenaufwand von 14 fl. 15 kr. Aus dem Sammeldrain fließen nach dem Durchschnitt mehrerer Messungen per Minute 2 Maß Wasser, was für einen Tag die Menge von beinahe 29 Ohm ergiebt, welche hinreichend war, die Kirche feucht und ungesund zu machen. Der Erfolg des Unternehmens ist unbestreitbar und an den Kirchenmauern keine Spur von Feuchtigkeit mehr wahrzunehmeu. Bürgermeister Heger hat dadurch seiner Gemeinde eine gesunde Kirche, sich selbst aber Anspruch auf den gebührenden Dank der ersteren erworben. Von eben so günstigem Erfolg war die Drainirung einer Kelter in Immenstaad. Jedermann hat im Bezirk Meersburg Gelegenheit, sich von der Wirkung der Drainage zu überzeugen, da in sämmtliche» Gemarkungen, mit Ausnahme von zweien, bereits solche Kulturen ausgeführt und gelungen sind und sich gleich wirksam für Weinberge, Ackerfeld, Wiesen und Waldung, wie für die innern Räume von Gebäuden erwiesen haben. Miszellen. * Unter dem Nachlasse des berühmten Doktors Boerhave befand sich auch ein wohlvcrpacktes und versiegeltes Buch mit der Aufschrift: „Die einzigen und tiefsten Geheimnisse der Arz- ncikunst." Bei der Versteigerung seiner Bibliothek wurde es mit 10,000 Gulden bezahlt. Als der Käufer aber seinen Schatz entsiegelte, fand er nichts als leere Blätter und nur aus dem ersten las er mit großen Buchstaben die Worte: „Halte den Kopf kalt, den Leib offen, die Füße warm, so kannst Du aller Aerzte spotten." * In Mailand werden Spargel gezogen, von welchen 15 Stück 3 % Wiener Pfund wiegen. frucht - Mittelpreije. Heilbrann, 22. April. Waizcn 19 ff. 2l kr., Kernen 18 ff. 7 kr., Gemasch 13 fl., Gerste II ft. 35 kr., Dinkel 7 fl. 19 kr., Haber 6 fl. 31 kr. frankfurter Courfe. Pistolen 9. 11 dta. Preuß. 9. 55-56 Hall. lOff.-Stücke 9. 17-48 Randdukarcn 5. 33 20-§ra»k-Stücke 9. 2» Engl. SauverainS 11. 10-11 Preuß. Thaler — 5-Franken-Thaler 2. 20'/, Preuß. Kaff.-Sch. 1. 45% Rcdigirl, Trnck und Perlag van D. Pfisterer in Heidelberg.