Ver Lan-bote. Verkündigungsblatt der Großherzoglichen Bezirksämter Sinsheim und Neckarbischofsheim. w°' 72. Oicnstlig. dcn 16. Juni 1857. Cinla-ung zum Abonnement. Mit kommendem Monat beginnt wieder ein neues Abonnement auf den „Landboten". Die verehelichen Abonnenten werde« ersucht, ihre Bestellungen bei den Groß!). Postanstalcen zeitig machen zu wollen, damit keine Unterbrechung in der Zusendung cintritt. Der Abvnnemcntspreis für ein halb Jahr beträgt 1 fl. 30 kr.; Einrückungsgebühr für die Zeile oder deren Raum 3 kr. Zu zahlreichen Bestellungen ladet ergebenst ein Heidelberg, den 12. Juni 1857. Die Expedition -tS taildlwten. Bürgermeisterwahl betr. [405] Nr. 8978. Adlerwirth Georg Obländer von Zuzenhansen wurde zum Bürgermeister gewählt, bestätigt und heute veipstichtet. Sinsheim, den I I. Juni 1857. Großherzoglich bad. Bezirksamt. Otto. [400 [ Nr. 8916. Sinsheim. Ludwig Bül- ler von Reihen wurde heute als Gemeinderechner veipstichtet. Sinsheim, den 10. Juni 1857. Großherzoglich bad. Bezirksamt. Otto. [404] Nr. 8797. Sinsheim. Kanonier Franz Anton Josef Schäfer von Steinsfurth hat sich unerlaubt entfernt und wird deßhalb aufgefordert, binnen 4 Wochen sich hier oder bei seinem Regimentskommando zu stellen, widrigens er vorbehalilich seiner persönlichen Bestrafung res Staats - und Orts- bürgcrrechts verlustig erklärt und in eine Geldstrafe von 1200 fl. verfällt werden würde. Zugleich wird dessen Vermögen mit Beschlag belegt. Sinsheim, den 9. Juni 1857. Großherzoglich bad. Bezirksamt. Otto. Fruchtversteigerung. [403] Nr. 1658. Dienstag den 23. Juni d. I., Vormittags I I Uhr, wird in diesseitigem Bureau der in etwa 270 Malter Spelz und 270 Malter Haber bestehende Rest des diesieiligen Früchtevor- ratheS in schicklichen Parthien gegen baare Zahlung vor der Abfassung öffentlich versteigert. Sinsheim, den 12. Juni 1857. Großh. Stiftschaffnei. Banz. Heugrasversteigerung. >399] Nr. 1651. Monkag den 22 Juni d. I., wird der diesjährige Heugraserwachs von etwa 85 Morgen kirchenärarischer Wiesen auf Sinsheimer Gemarkung und Dienstag den 23. Juni, jener von ungefähr 47 Morgen auf Rohrbacher und Steins- fnrther Gemarkung auf dem Platz selbst loosweise öffentlich versteigert. Der Anfang geschieht Morgens 7 Uhr am ersten Tag mit den Wiesen vor dem untern Thor bei Sinsheim und am zweiten Tag bei der Rohrbacher Mühle. Sinsheim, den I I. J„„i 1857. Großh. Stiftschaffnei. Banz. ftotMfrM/ltlS auf die Kanderer Bleiche nimmt LkttUVMU/ fortwährend an Carl-Fischer [408] in Sinsheim. 1402| Hoffe» he im. Fahrnißversteigerung. Aus der Verlaffen- schaft der Joh. Balthasar Schmitt Ehefrau, Eva Katharina, geborene Bö- bel.hier, werden der Erbtheilnng wegen Freitag den 19. d. M., Vormittags 8 Uhr anfangend, sämmtliche Fahrnisse, bestehend aus: Schreinwerk, Bettung und Beltzeug, Kleider und Leibweißzeug, Küchen - und allerlei sonstige Hausgeräthe öffentlich versteigert. Hvffeuheim, den 12. Juni 1857. Das Bürgermeisteramt. Engelhardt. vckt. Stephan. [406] Sinsheim. Liegenschaftsversteigerung. Ans der Verlaffenschaft des minderjährigen Wilhelm Kanffmann, Sohn des verlebten Joh. Kanffmann dahier, werden auf Donnerstag den 25. d. M., Nachmittags 3 Uhr, 1. 2 Viertel 24 Ruthen Acker im Seegrund, neben Georg Schick und Johannes Dörner, im Anschlag zu 180 fl. 2 . 1 Viertel 2 l s / 10 Ruthen Acker im Hasenlauf, neben Friedrich Lutz und Franz Steinmann, im Anschlag zu 100 fl. 3. f>5 5 /io Ruthen Weinberg in, Hühnerberg, neben Karl Frank und Philipp Gmelin, im Anschlag zu 10 fl. versteigert, unter Vorbehalt obervormundschaftlicher Genehmigung, was hiermit zur öffentlichen Kennt- niß gebracht wird. SlnSheim, den 10. Juni 1857. Das Waisenqericht. Schick. vckt. Besch. [398] Waldangelloch. Liegenschaftsversteigerung. Freitag den 26. d. M., Nachmittags I Uhr, werden aus der Verlaffenschaft _deck verstorbenen Martin Wai- bel von hier, auf hiesigem Rathhause einer zweiten Versteigerung ausgesetzt, als: Wiesen. 1. Die Hälfte an 3 Viertel 79 Ruthen 3l^chuh neu Maas im Kornberg, neben sich selbst und Adlerwirth Huffman«, Anschlag 110 ff. 2 . 1 Viertel 89 Ruthen 65 Schuh neu Maas im Koruberg, neben sich selbst und Friedrich Heck, Anschlag 110 fl. 3. Die Hälfte einer zweistöckigen Behausung mit Stall, abgethcilt mit der Gemeinde Hoffenheim, an der Michelfelder Straße, neben dem Pfarrgut und Daniel Pack, Anschlag 130 fl. Zusammen 350 fl. wobei der endgiltige Zuschlag erfolgt, vorbehaltlich vbervormuudschaftlicher Genehmigung um das sich ergebende höchste Gebot. Waldangelloch, den II. Juni 1857. Das Waisengericht. H a g m e i e r, Brgrmstr. vckt. Schüssler. [392] Kirchhausen, Oberamt Heilbronn. Holzwaarenverkauf. Der llnterzeichnete nimmt hiermit Veranlassung, sein wohlaffortirtes Lager in tannenen Schnittwaa- ren, als: Bretter, Latten, Rahnischenkeln, Schindeln K ., dann Sensenwürbe, Hopfen - und Wagnerstangen in ganz trockener und reiner Waare zur gefälligen Abnahme anznbieten, nnd wird sich angelegen sein lassen, seine Herren Käufer auf das Billigste und Beste zu bedienen. Kirchhausen, den 8. Juni 1857. L. Platt. [391] Kirchardt. Weinverkauf. Bei der hcrannahenden Heuernte erlauben wir uns, unsere reingehaltene Oberländer Weine ü fl. 22 per Ohm, sowie die bessern Weine »fl. 26, 28, 30 bis 60 und feine Affenthaler Rothweine » fl. 80 bis 120 zur gefälligen Abnahme in Erinnerung zu bringen. Zeitliche Einkäufe setzen uns i» den Stand, jeder billigen Anforderung zu entsprechen, und sichern unser» verehrten Abnehmern eine prompte und reelle Bedienung zu. Kirchardt, den 8. Juni 1857. Banmann - Mtoerncr. [407] Tapeten in schönen Mustern nnd starkem Papier, das Stück von 15 kr. bis zu 6 fl. empsiehll Carl-Fischer, SlNSHeim. I — 276 — Jur Geschichte -es Sages. Sinsheim, 9. Juni. (Bad. Ldz.) Die Räumlichkeiten der hiesigen Zigarrenfabrik haben sich in neuerer Zeit bedeutend erweitert, so daß mehrere hundert Arbeiter i» derselbe» untergebracht werden können. Sämmtliche Nebengebäude des früher» Dreikönigswirthshauses sind gegenwärtig im Umbau begriffen und werden darin Trockenstuben, Magazine und Lagerstätten eingerichtet. Die Zahl der Arbeiter moimt allwöchentlich zu und haben es einige derselben seit dem kurzen Bestehen der Fabrik bereits zu einem wöchentlichen Verdienste von 3—4 fl. gebracht. DaS Ganze wird durch einen Buchhalter und zwei Werkführer geleitet und verspricht in der Zukunft eine recht nützliche und wohlthätige Anstalt für die hiesige Stadt und Umgegend zu werden, da sie bei größerer Ausdeh- nung des Geschäftsbetriebs Vielen Gelegenheit zur Arbeit und Verdienst bietet, die gegenwärtig vom Bettel ober gemcuchett- licher Unterstützung leben. — Unsere Landwirthe sind gegenwärtig vollauf mit Setzen von Tabak beschäftigt, der heuer in bedeutender Ausdehnung angcpflanzt wird. ES ist dabei nur zu beklagen, daß nicht gehörig für Lrockciihäuser, sog. TabakSschopfen, gesorgt ist: ein Mangel, dessen nachtheilige Wirkung erst beim Verkauf des Produkts recht fühlbar werden wird. Solche Trockenhäuser sinck', wenn nicht der Grünverkauf vorgezogen werten will, ein uvthweiitigeö Ersorder- niß beim Tabaksbau; daher sollte sich das Augenmerk der Produzenten vor Allem hierauf richten. Mannheim, 11. Juni. Das FrohnleichnamSfest wurde heute, und zwar seit 25 Jahren zum ersten Malo wieder, in öffentlicher Prozession gefeiert. Die Theilnahme war außerordentlich groß und erstreckte sich auf alle Stände. Die Paramenten, beinahe durchgehendö neu, waren eben so kostbar als geschmackvoll, einige von hoher Hand gespendet. Die Festlichkeit währte von Vormittags 8 bis 12 Uhr und zetchnele sich durch feierlichen Ernst und religiöse Würde auö. Von der Oos, 11. Juni. Die Bohrversuche auf Steinkohlen in der Nähe von Oos sind unter Leitung des Herrn Grubendirektors Mette zu einer Tiefe von 920 Fuß voran- geschritken. Seit mehreren Wochen kommt, nachdem ein graulichter, harter Sandstein durchschlagen ward, schwarzer Letten zum Vorschein, in dem mitunter ganz kleine Körnchen Steinkohlen eingesprengt angetroffen wurde». Hr. Mette ist der besten Hoffnung, bald auf Steinkohlen zu stoßen. Bei Mül- lenbach beträgt die bis jetzt erlangte Tiefe 615 Fuß, da die dortigen Arbeiten durch mechanische Hindernisse eine Unterbrechung erlitten haben. Kehl, 10. Juni. Im Laufe des Monats Mai d. I. sind 980 Auswanderer (worunter 133 Kinder) hier durchpassirt. Vom Oberrhei», 11. Juni. (Ä. Z.) In Berichtigung einer von uns mitgctheiltcn Nachricht (s. Nr. 134) ist zu bemerken, daß der zur gerichtlichen Untersuchung nach Säk- kingen gebrachte, sich -/Graf von Murg" nennende Fremde nicht Jener ist, der sich bisher in Kleinlaufenburg aufgchalreu hat, sonder» ein religiöser Schwärmer, der von der protestantischen zur katholischen Konfession überging, übrigens im Verdachte von Diebstählen steht. Er soll aus dem Amtsbezirke Bruchsal sein. Man hört jedoch die Vermuthung auSsprcchcn, daß er mit dem Laufenburger Jndustrieritter »i Verbindung gestanden habe. Von der Alb, 12. Juni. Aus Wien vernehmen wir, daß dort am 18. d. M. der hundertjährige Stiftungötag des Marien-Thnesien-Ordens mit solch eigenthümlichcr Pracht werde gefeiert werden, daß selbst die an große Feste gewohnte Kaiserstadt nicht leickt Achnlichcs werde gesehen haben. Nicht nur alle Ordensmitgliedcr, wozu von 1813—1815 her Engländer, Preußen und Russen gehören, werden sich zu dieser Feier, wenn nur immer thunlich, einfinden, sondern dabei auch jedes Regiment jeder Waffengattung des österreichischen Heeres durch 6 Mann mit Offizieren vertreten sein. Diese Deputationen sämmtlicher österreichischen Truppen bilden bei der Feier unter eigenem Kommando ein abgesondertes Korps, eine Vereinigung von Uniformen Und schönen Gestalten, die wohl nur nach 100 Jahren wieder in ähnlicher Weise gesehen werden dürste. Am selben Tage und zur selben Stunde, wie in Wien, werden sämmtliche österreichische Garnisonen in- und außerhalb der Monarchie den Stiftuugstag des hohen, nur für entscheidende Heldenthaten bestimmten Ordens durch festlichen Gottesdienst und große Parade mit begehen. Wem deß- halö nicht vergönnt ist, das seltene Fest in Wien in seinem ganzen Glanze zu sehen, der vermag doch an jenem Tage auf dem Ererzicrplatze unseres benachbarten Rastatts ein Stück desselben, und zwar immerhin ein großartiges, mit geringem Zeit- und Kostenaufwand zu schauen. Darmstadt, 9. Juni. (Dst. Z.) Nach gestern einge- troffenen Nachrichten hat der Plan für die bevorstehende Reise II. MM. Des Kaisers und der Kaiserin von Rußland nach Deutschland insofern eine Acnderung erfahren, als II. MM. bereits am 25. Juni von Petersburg abreisen, folglich fünf Tage früher in Kiel rc. eintreffen werden, als früher bestimmt war. Wir würden also hiernach der Ankunft II. MM. in Darmstabt am 30. Juni entgegenschen. Worms, 12. Juni. Se. Großh. Hoheit der Markgraf Wilhelm von Baden haben gnädigst geruht, für das Luther- denkmal einen Beitrag von 100 fl. zu spenden und in einem sehr huldvollen eigenhändigen Schreiben nebst den besten Wünschen für den ferneren gesegneten Fortgang des schönen Unternehmens seine hohe Freude darüber auszudrücken, daß dem trefflichen Glaubenshclden in der Stadt, in welcher er ein so rühmliches Zeugniß seiner Treue gegen unser» Herrn und Heiland ablcgtc und uns die Gewissensfreiheit erwarb, ein Monument errichtet werde. — An demselben Tage erhielt der Ausschuß noch eine weitere fürstliche Spende von 75 Thlrn. in Gold (145 fl.) von II. HH. dem Herzog und der Herzogin-Mitregentin von Anhalt-Bernburg. Koblenz, 12. Juni. Vor ihrer Abreise hat die Frau Prinzessin von Preußen den Kindern der beiden hiesigen Waisenhäuser ländliche Feste bereitet, wie die hohe Frau Dies schon seit einigen Jahren zu thun pflegt. Sie versammelte an zweien Tagen die Kleinen auf dem Plateau des Forts Alexander, von wo man eine herrliche Aussicht genießt, be- wirthete sie, war Zeuge ihrer Spiele, und beschenkte die Würdigsten von ihnen mit allerlei Gaben. Diese Waisenhäuser erfreuen sich der besondcrn Protektion Ihrer König!. Hoheit. Weimar, 8. Juni. Se. Königl. Hoheit der Großherzog von Baden hat dem Komite für Errichtung der Dichter- denkmale durch ein Handschreiben die Mittheilung gemacht, daß er die Fußgestelle zu den Dichterdenkmalen aus einem in Baden vorhandenen, sehr geeigneten Gesteine liefern wolle. Wien, 7. Juni. Gestern früh hatte man in einer hiesigen Vorstadt (St. Ulrich) die auffallende Erscheinung, Schwärme von Insekten, die kaum stockhoch flogen und Aehulichkeit mit Bienenschwärmen hatten, vorüberziehen zu sehen. Bezeichnend ist es, daß man in Böhmen in der Umgegend von Weltrus dieser Tage auch einen bedeutenden Heuschrcckenzug wahrnahm, der jedoch, ohne weiteren Schaden anzurichtcn, seinen Zug gegen Süden, in der Richtung von Prag, genommen hat. Bern, 11. Juni. Der Nationalrath ratifizirte heute nach kurzer Diskussion einstimmig den Pariser Vertrag in der Neuenburger Angelegenheit. — Morgen wir derselbe dem Ständerath vorgelegt werden und dann der Schluß der außerordentlichen Session erfolgen. Verona, 9. Juni. Feldmarschall Graf Radetzky verweilte gestern 5 Stunden in einem besonders konstruirten Ses- — 277 — fei und fühlte große Erleichterung, schlief aber die Nacht weniger gut, übrigens ist das Befinden den Umständen gemäß. Genua, 7. Juni. Wir find hier wieder einmal Zeugen eines schrecklichen Verbrechens gewesen. Ein Bauer, aus einer in der Umgegend gelegenen Villa vertrieben, tödtete am Hellen lichten Tage seinen bäuerlichen Nachfolger, verwundete durch einen Schuß den herbeigeeilten Pfarrer, scboß auf einen Ca- rabiniere, der ihn verhaften wollte, verwundete ihn ebenfalls, und vertheidigte sich mit beispiellosem Muth so lange, bis er selbst die Todeswunde erhallen hatte. Dieser Mann war 82 Jahre alt, und bekannte in seinen letzten Augenblicken, daß er während seines Lebens zehn bis zwölf Menschen ermordet habe! Rom. Voriges Jahr klagte alles über schlechte Oliven- und Weliierndte, diese Hauptprodukte Mittelitalieus; setzt da die Oliveupflanzungen eine überreiche Erndte in Aussicht stellen, und die Rebeukrankheit auch nur zu drohen scheint ohne rechten 'Ernst, da öffnen sich plötzlich große Verstecke auf dem Lande von Oel und Wein, und man hat nichts Eiligeres zu thun als seinen Ueberfluß zu billigeren Preisen feil zu bieten, um ihn nicht etwa noch später um eine Kleinigkeit hingeben zu müssen. Marseille, 11. Juni. Während der Vorstellung eines Stücks, --die Einnahme von Malakoff", brach im Theater von Livorno Feuer aus. Die Zahl der Opfer, meistens dem Volke angehörend, welches sich in den obern Rängen deS Gebäudeö befand, wird auf 106 angegeben. Paris, 11. Juni. In der Pariser Fruchthalle wurden gestern bereits ausgezeichnete Proben von Weizen und Roggen mit der Etiquette: „Uöoolw de 1857«, vorgezeigt. Sie kamen aus Algerien und wurden allgemein als trefflich bezeichnet. London, 11. Juni. Prinz Friedrich Wilhelm von Preußen, dessen Ankunft in Dover für heute früh angesagt war, ist daselbst schon gestern Nachmittag an Bord des Pqketboots Maüde angekommen. Der Prinz wurde, als er an's Land stieg, herzlich empfangen, und setzte wenige Minuten vor 7 Uhr mit einem Ertrazuge seine Reise nach Windsor fort. Stockholm, 9. Juni. Wir haben hier jetzt auch einen Gustav-Adolfs-Verein erhalten. Derselbe feierte heute vor 8 Tagen seinen ersten Jahrestag in der hiesigen deutschen Kirche unter dem Vorsitze des Kultus-Ministers I). Anjou. Die Anzahl der Mitglieder ist 329, die Einnahme betrug 1081 und der Kassenbestand 1019 Rthlr. Reichsmünze. Ein Drittel der Einnahme ist für Deutschland bestimmt. Petersburg, 1. Juni. Bekanntlich ist Petersburg auf Rosten, die in den moorigen Sumpfboden eingerammt sind, erbaut, und leiden daher die Gebäude ungemein von der in die Mauern aufsteigenden Feuchtigkeit. Die Stadtduma hat beschlossen, mittelst Drainirungs-Röhren die Trockenlegung zu versuchen und auf diese Weise in ökonomischer und sanitätli- cher Beziehung der Hauptstadt einen wesentlichen Dienst zu leisten. New-Vork, 26. Mai. Die Zahl der dieses Jahr bis zum 20. Mai hier gelandeten Einwanderer beträgt 42,527 — 15,237 mehr als in dem gleichen Zeitraum vorigen Jahres. In Nikaragua ist Walker ringsum von den Verbündeten eingeschlossen und befindet sich in der traurigsten Lage. — General Walker hat sich ergeben und Rivas befindet sich in den Händen der Alliirten. Walker kapitulirte am 1. Mai, da er weniger als 300 Mann und nur auf zwei Tage Proviant hattx. Vas Haidemädchen. (Fortsetzung.) Da war es mir plötzlich, als käme das Licht vom jenseitigen Ufer immer näher und näher. Ich schaute schärfer hin — nein, es war keine Täuschung, der Schein breitete sich immer weiter über den Wasserspiegel aus und bald erkannt' ich, daß derselbe von einer Laterne in einem kleinen Nachen ausgehe, der rasch auf daS diesseitige Ufer zuflog. Jetzt hört ich auch deutlich die Ruderschläge und nach einigen Minuten legte das Fahrzeug an dem Landungsplätze an, in dessen Nähe ich mich befand. Zwei Männer stiegen aus, setzten sich auf die steinernen Stufen, die zum Ufer emporführten, zündeten ihre Pfeifen an, und begannen leise mit einander zu sprechen. - Da ich die Leute für Fischer aus dem jenseiiigen Dorfe hielt, welche die warme Sommernacht zu einem guten Fange benutzen wollten, so war ich schon im Begriff, weine einsame Wauderung fortzusetzen, als plötzlich seitwärts Schritte erschallten und eine gedämpfte Stimme rief: Anton bist du da mit dem Schiffe? Ja, Herr, antwortete es eben so leise, und die beiden Männer, die in dem Nachen gekommen waren, sprangen auf und ergriffen die Ruder. Diese Worte schallten wie Donnerschläge in mein Obr. Es waren die Stimmen von Palmer und seinem Bedienten. In unsäglicher Angst späth' und lauscht' ich durch die Nacht zu dem Kahn hinüber. Ein Herr führte jetzt eine halbverschleierte junge Dame vorsichtig die Stufen der Landungstreppe hinab und einer der Männer im Nachen hob die Laterne empor, daß der Schein des Lichts einige Sekunden hell auf die drei Gesichter fiel. Ein lauter Schrei der Verzweiflung entrang sich meiner Brust — Amalie und Palmer stiegen in den Kahn! Ich raffte mich auf und stürzte dem Landungsplätze zu, aber in demselben Augenblicke, wo ich dort aukam, stieß das Fahrzeug ab und glitt rasch über die dunklen Welle» hin. In Todesangst starrt' ich den Dahinfliegenken nach und rief: Amalie — um Gotteswillen, verlaß uns nicht! Mein Herz bricht vor Gram— deine alten Eltern sterben, wenn du entfliehst! Athemlos horcht' ich, ob nicht der Nachtwind ein Wort des Abschieds mir herüberwehte — aber nur das Rauschen der Wellen und die mehr und mehr verhallenden Ruderschläge schallten in mein Ohr, und ferner und immer ferner zog das Licht dahin. Ohne zu wissen, was ich that, stürzte ich die Treppe hinab, sprang in einen dort liegenden kleinen Fischerkahn und ergriff das Ruder, um den Fliehenden uachzueilen. Mit unsäglicher Anstrengung arbeitete ich mich durch die mächtige Strömung zum andern Ufer hinüber, aber als ich dort anlangte, waren Nachen und Licht verschwunden — ich stand mit fieberhaft pochendem Herzen einsam und rathlvs in der dunklen Nacht in fremder, unbekannter Gegend. Zum Tode erschöpft warf ich mich in das hohe Gras unter den Weiden am Ufer hin und starrte in dumpfer Verzweiflung zum steruenglanzer- füllten Nachthimmel empor. Ist sie freiwillig gegangen, oder hat er sie mit Gewalt entführt?. Diese eine Frage stürmte immer wieder durch mein fieberndes Hirn, und nach Allem, was ich vormals und so eben gesehen und gehört, mußt' ich an das erste glauben. Sobald es sich im Osten hellte, rafft' ich mich auf und arbeitete mich mit furchtbarer Anstrengung wieder durch die gewaltige Strömung zum andern Ufer hinüber. Bleich und entstellt schwankte ich nach Hause und sank erschöpft in einen Stuhl auf der Flur. Die ruhigen Mienen von Amaliens Eltern sagten mir, daß ihnen das Geschehene noch unbekannt sei. Kaum vermochte ich die Frage über meine bebenden Lippen zu bringen: Wo ist Amalie? Hammer sah mich einige Augenblicke starr an, eilte dann, ohne ein Wort zu erwidern, auf Amaliens Zimmer und kam todtenbleich mit einem Briefe zurück, in welchem Amalie schrieb, daß sie Palmer liebe und seinen flehentlichen Bitten, mit ihm zu entfliehen, nicht länger habe widerstehen können. Da sein Vater ihn zwingen wolle, in den Staatsdienst zu treten, dessen maschinenmäßiges Einerlei er verabscheue, und eine häßliche aber reiche Wittwe zu heirathen, so sei ihm nichts anders übrig geblieben, als in's Ausland zu gehen. Dort werde er sich mit ihr trauen lassen, und sie, sobald er mündig sei, auf sein Gut führen. Wohin sich beide begeben würden, war nicht erwähnt. Die Bestürzung von Amaliens Eltern war so groß, daß sie die Verzweiflung nicht gewahrten, mit welcher ich ihnen die Flucht ihrer Tochter beschrieb. Ich will auch Ihnen, Herr Wilibald, nichts mehr von meiner Qual erzählen, obwohl dieselbe größer war, als eS mit Worten zu sagen ist; — ich durste ja mein tiefstes Veit) nicht einmal kund geben — nur fremdes Weh will ich Ihnen noch schildern, wenn ich anders Fremde nennen kann, die meinem Herzen so nahe standen. Es war, als sei mit dem unheilverkündenden Briefe das Glück für immer aus dem friedlichen Hause geschieden. Obgleich Amaliens Mutter, nachdem der erste Schreck vorüber war, die Flucht mit Palmer gar nicht so entsetzlich frevelhaft fand und einige Wochen später förmlich triumphirte, als eine Nachricht von Amalien cinlief, welche besagte, daß sie in einer kleinen Dorfkirche feierlich mit Palmer getraut sei, und daß dessen Zwist mit seinem Vater ein unerwartet glückliches Ende genommen habe, so war mein Wvhlthäter dagegen von den bängsten Ahnungen erfüllt. Sie bestätigten sich nur zu bald. Einige Monate nach dem letzten Briefe kam ein kurzes Schreiben von Amalien, in welchen sie ihren Ellern meldete, daß Palmer in wichtigen Angelegeuhelken einige Tage in T. zubringen werde, und die Bitte hinzufügte, ihn so freundlich wie einst aufzunehmen. ^ Wir harrten seiner eine Woche, eine zweite und eine dritte — er kam nicht. Es verging die vierte, fünfte und sechste — von Palmer war nichts zu hören. Statt seiner erschien eines Abends ein Fremder bet uns, kündigte sich alö einen Arzt aus B. an und brachte uns die entsetzliche Nachricht, daß Amalie verzweiflungsvoll in seinem Wohnorte weile; sie sei von Palmer auf das Schändlichste betrogen worden. Der vermeintliche Prediger, der die Trauung vollzogen, sei ein verkleideter Küster gewesen, den Palmer durch schweres Geld zu dieser Frevclthat bewogen habe. Der Schändliche selbst habe einige Zeit mit ihr in B. zugebracht und sei bann nach Amerika gegangen, wenn anders die Nachrichten, die man hier und da über ihn erhalten, Glauben verdienten. Amalie sei gleich nach seiner Flucht schwer erkrankt, habe alle Hülfe von sich gewiesen und standhaft verweigert, ihren Namen und Geburtsort zu nennen. (Fortsetzung folgt.) * Köln, 11. Juni. (Die Revalenta arabica ver- urtheilt.) Vor längerer Zeit schritt der Oberprokurator gegen die Ankündigung dieses Gchcimmittels durch die "Köln. Ztg." ein. Als Urheber jener Anzeigen ergab sich ein gewisser Christian Klug, welcher unter dem Titel eines Chefs des Hauses Barry du Barry und Komp, zu London jenes Produkt in den Handelsverkehr gebracht hatte. Eine sehr sorgfältige, sachverständige Untersuchung des vielgepriesenen Gesundheits- mehles ergab, daß dasselbe ein Gemisch von Mehl einer geschälten rothen Wicke und von Gerstenmehl, etwa zu gleichen Gewichtsmenge», mit einem geringfügigen Zusatz einiger Gewürze war. Darauf verurtheiltc das hiesige Zuchtpolizeigericht den beschuldigten Klng zu einer Geldbuße von 80 Thalern, eventuell zu cinmonatlichcr Gefängnißstrasc. Diese Entscheidung wurde auf eingelegte Bcrlifung durch die Appellationskammer des Landgerichts bestätigt. Nnnmchr legte Klug den Kassationsrekurs ei». Das kön. Obertribunal verwarf jedoch den Rekurs durch Urtel vom 7. Mai d. I. Miszellen. * Aus 3tri in Tyrol wird dem „Tyroler Boten" geschrieben: Unfere Maikäfer-Erndte ist nun vorbei und ziemlich ergiebig ausgefallen, indem 104 Star (ä % Metzen) dieser schädlichen Thiere eingcliefert und vertilgt worden sind. Das Quantum der einzulieferiiden Käfer wurde nach der Steuer bemessen und von sämmtlicheu steuerpflichtigen Parteien — eine einzige ausgenommen — richtig abgeführt. Eine sonderbare Erscheinung ist daö überaus zähe Leben dieser Thiere. Obgleich in, heißen Wasser tüchtig gebrüht und dem Anscheine nach ganz todt, singen selbe an, sich allmählig wieder zu regen, sowie sie eine Zeit lang den Strahlen der Sonne ausgesetzt waren; man sah sich dcßhalb gcnöthigt, die Käfer Star für Star auf dem festen Boden mittelst eines hölzernen Stöffels förmlich zu stampfen, um sie ja gewiß getödtet zu wissen. Ueberraschende Resultate erlangt man in der That, wenn man die Menge der Käser berechnet. Man zählte zu diesem Zwecke ein Achtel Star getödteter Käfer und fand, daß derselbe nicht weniger als 1400 dieser Thiere enthielt. Der gestrichene Star würde demzufolge 11,200 Käfer fassen. Da nun 104 Star etngclicfert worden sind, so geben diese 1,164,800 Maikäfer. Nehmen wir nun an, die Hälfte davon wären Weibchen, von denen jedes durchschnittlich 50 Eier legt (die in 4 Jahren 50 ausgewachsene Engerlinge werden), so gibt das die enorme Summe von 29 Millionen Engerlingen. Man denke sich nun, was 29 Millionen Engerlinge — diese gefräßigen Thiere *— zu Grunde richten. * Das Hotel du Louvre in Paris nimmt wohl unter allen Instituten des Kontinents, welche sich die Unterbringung und Verpflegung der Reisenden zur Aufgabe gemacht haben, den erstell Platz ein. Man konsumirt daselbst mehr Gas als in der Stadt Orleans. Die Fleischer-Rechnung beträgt täg- llch 500 Fr., jene des Bäckers 150 Fr. und jene des Gc- flügethändlerS 200 Fr. Die Wäscher-Rechnung erreicht jährlich die Höhe von 150,000 Fr. Man kann so ziemlich alle Freuden genießen, die Paris zu bieten vermag, ohne das Hotel zu verlasse». Es besindcn sich in demselben 700 Zimmer und Salons, 800 Betten; 600 Glocken werden durch die Elec- trizität in Thätigkeit gesetzt. Der Speisesaal ist mit 600 Gasflammen erleuchtet und bietet 300 Gästen Raum, welchen die feinsten Gerichte vorgesetzt werden. Bäder, Kaffeehaus, Billard- und Spielzimmer, Lese-, Konversations-, Tanz- und Kouzertsaal befinden sich sämmtlich unter Einem Dache. * Amerikanische Unverschämtheit. In einem New- Aorker Blatt erschien unlängst folgende Anzeige: "Kausleuten, deren Verhältnisse in Unordnung sind, die Geld brauchen, oder Lust haben, mit Hilfe gewandter Finanz-Operationen ihre Zahlungen so cinzustellen, daß dabei für sie ein Erkleckliches erübrigt, bietet hierdurch Jemand, der so eben einer Firma ohne Nachtheil mit 80,000 Dollars durchgeholfen hat, seinen Beistand an. Näheres zu erfragen unter der Adresse: Nr. 1051 Herald Office. Die besten Empfehlungen werden bcigebracht.« * Ein Entomolog hat berechnet, daß auf einer einzigen Schwinge des schönen Pfauenauges, durch ein gutes Mikroskop gesehen, nicht weniger alö 100,735 Schuppen zu unterscheiden sind. Frucht - Mjttelpreile. Bruchsal, 10. Juni. Kernen 17 4. 37 kr., Gerste 10 ff. 33 kr., Haber 6 fl. 15 kr., gem. Frucht 11 fl. 54 kr. Hellbraun, 13. Zuni. Waize» 20 fl. 24 kr., Kernen 19 fl. 38 kr., Gerste 12 fl. 24 kr., Dinkel 8 fl. 20 kr., Haber 8 fl. 3 kr. Mainz, 12. Jnni. Mafien 200 Pfd. 14 fl. 45 kr. bis 15 fl. 40 kr., Karn 180 Pfd. 9 fl. 30 kr. bis 10 fl.. Gerste 160 Pfd. 8 fl. 15 kr. bis 8 ff. 30 kr. Rcdigirt, Druck und Berlag van D. Pfisterer in Heidelberg.