Der Landbote. Verkündigungsblatt der Großherzoglichen Bezirksämter Sinsheim und Neckarbischofsheim. W°- 73. Donner Stag , den 18. Juni 1857. Cinla-ung zum Abonnement. Mit kommendem Monat beginnt wieder ein neues Abonnement auf den „Landbote»»". Die verehrlichen Abonnenten werden ersucht, ihre Bestellungen bei den Großh. Postanstalten zeitig machen zu wollen, vamit keine Unterbrechung in der Zusendung eintritt. Der Abonncmentspreis für ein halb Jahr beträgt 1 fl. 30 kr.; Einrückungsgebühr für die Zeile oder deren Raum 3 kr. Zu zahlreichen Bestellungen ladet ergebenst ein Heidelberg, den 12. Juni 1857. Die Expedition des Landboten. ^ Ministerium des Innern. Karlsruhe, den 8. April 1857. Nr. 8510. Das Befahren der Landstraßen mit Langholzfuhren betr. Zur Erzielung einer Gleichförmigkeit der in einzelnen Amtsbezirken bestehenden verschiedenen Vorschriften hinsichtlich des Befahrens der Landstraßen mit Langholzfuhren, und insbesondere mit sogenanntem Holländer-Stammholz, sieht man sich veranlaßt. Folgendes zu verordnen: Alle zur Verführung von Stammholz bestimmten Fuhrwerke müssen an dem Hinterwagen mit einer sogenannten Schwicke versehen sein, und auf dem Vorderwagen ist ein sogenannter Schemel in der Höhe aufzusetzen, daß die Räder beim Wenden unter dem Langholz durchlaufen können. Die Begleitung solcher Langholzfuhren durch einen sogenannten Schwicker, d. h. einen zur Leitung des Hinteren Wagen- gestclls besonders ausgestellten Mann, ist nur auf denjenigen Straßenstrecken geboten, auf welchen sich schmale Stellen und stärkere Krümmungen öfters wiederholen, und nur dann, wenn die zu verführenden Hölzer eine Länge von mehr als 60 Fuß haben. Die Großh. Wasser- und Straßenbau-Inspektionen werden den Großh. Bezirkspolizeibehörden Mittheilung darüber zugehen lassen, auf welche Straßenstrecken des betreffenden Amtsbezirks obige Bestimmung Anwendung zu finden habe, und haben die Großh. Aemter für deren allgemeine Veröffentlichung Sorge zu tragen. Zuwiderhandlungen gegen diese Vorschriften sind mit polizeilichen Geldstrafe» von 1 fl. bis 15 fl. zu ahnden. (gez.) v. Stengel. Beschluß. Nr. 9049. Nach einer Mittheilung Großh. Wasser- und Straßenbau-Inspektion findet obige Anordnung ihre Anwendung auf den Staatsstraßen in den Gemarkungen Eichtersheim, Sinsheim, Rohrbach, Steinsfurth und Kirchardt. Die Bürgermeisterämter dieser Gemeinden werden angewiesen, obige Verordnung öffentlich bekannt zu machen. Sinsheim, den 15. Juni 1857. Großherzoglich bad. Bezirksamt. f410] Otto. Vantedikt. [409] Nro. 8588. Sinshei m. Ueber die Verlaffenschaftsmasse des im ledigen Stande gestorbenen Joseph Brandner von Eichtersheim haben wir Gant erkannt und wird Tagfahrt zgm Rich- tigstellungs- und Vorzugsverfahren auf Freitag den Lg. Juni d. I., früh 8 Uhr. anberaumt. Wer nun aus was immer für einem Grund einen Anspruch an diesen Schuldner zu machen hat, hat solchen in genannter Tagfahrt bet Vermeidung des Ausschlusses von der Masse, schriftlich oder mündlich, persönlich oder durch gehörig Bevollmächtigte dahier anznmelden, die etwaigen Vorzugsoder Unterpfandsrechte zu bezeichnen und zugleich die ihm zu Gebot stehenden Beweise sowohl hinsichtlich der Richtigkeit als auch wegen dem Vorzugsrechte der Forderung anzutreten. Auch wird an diesem Tage ein Maffenpsteger und ein GläubigerauSschuß ernannt und sollen hinsichtlich der beide» letzten Punkte die Nichterscheinenden als der Mehrheit der Erschienenen beitretend angesehen werden. Sinsheim, den 8. Juni 1857. Großherzoglich bad. Bezirksamt. Bodemüller. [401] Hoffenheim. Liegenschaftsversteigerung. ofteasa« Aus der Berlaffenschast der Johann Balthasar Schmitt Ehefrau, Eva Ka- feM M tharina, geborene Böbel, werden der ■ Huaaiw B Erbtheilnng wegen Montag den 6. Juli d. I., Vormittags 8 Uhr, im Rathhaus hier, 88 Ruthen 15 Schuh Acker am Thal, 33 Ruthen 6 Schuh Wiese am Thal und 10 Ruthen 52 Schuh Garten an den Grabengärten zu Eigenthum versteigert. Hoffenheim, den 12. Juni 1857. DaS Bürgermeisteramt. Engelhardt. vckt. Stephan. [411] Sinsheim. Liegenschaftsversteigerung. Aus der Berlaffenschast der ledig verstorbenen Katharina Frei von hier werden Donnerstag den 25. d. M., Nachmittags 3 Uhr, in dem Gemeindehause dahier versteigert und zwar mit Vorbehalt obervormundschaftlicher Genehmigung auf die dabei betheiligten Minderjährigen: 1 Viertel 7 4 / 10 Ruthen Acker im Hasenlauf, im Anschlag zu 100 fl. 1 Viertel 83 Ruthen Acker im Burgfelder Wald, im Anschlag zu 80 fl. 1 Biertel 4%, Ruthen Acker in der Burgfelden, im Anschlag zu 80 fl. 1 Viertel 70%, Ruthen Wiese in der Bvckscheuer, im Anschlag zu 140 fl. 14%, Ruthen Garten an der oberen Straße, im Anschlag zu 30 fl. 3*> 3 /io Ruthen Garten bei der Chaussee, im Anschlag zu 50 fl. was aumit zur öffentlichen Kenntniß gebracht wird. Sinsheim, den 10. Juni 1857. Das Waisenqericht. Schick. Veit. Besch. [407] Tapeten in schönen Mustern und starkem Papier, das Stück von 15 kr. bis zu 6 ü. empflehlt Carl-Fischer, Sinsheim. — 280 Zur Geschichte des Tages. Karlsruhe, 15. Juni. Das heute erschienene Regierungsblatt enthält eine allerhöchstlandcsherrliche Verordnung, die Aufstellung und Führung der Lagerbüchcr betr. Karlsruhe, 15. Juni. (Bad. Ldz.) Bonden im Jahre 1856 aus dem Großhcrzogthum ausgewandcrten 1969 Personen gingen 1901 nach den nordamerikanischen Freistaaten, 2 nach Texas, 34 nach Algier, 22 nach andern überseeischen Ländern und 10 nach osteuropäischen Ländern. Das von denselben mitgeführtc Vermögen und die verabreichten Untcrstüz- zungen an unvcrmögliche Auswanderer betrugen 401,561 fl. Heidelberg, 12. Juni. Das hier erscheinende "Centralblatt" bringt eine Mittheilung über den gegenwärtigen Stand der Frage wegen Erbauung der Heidelberg-Würzburger Bahn, die wir hier wiedergeben, aber dem genannten Blatt jede Verantwortlichkeit dafür überlassen. "Es läßt sich bis jetzt nichts Anderes sagen" — bemerkt dasselbe —, ,-als daß noch keine Entschließung der großh. Negierung auf das von Seite der Meininger Bank gestellte Anerbieten um Uebernahme der fraglichen Bahn erfolgt, und daß die Frage, ob auf Staats- oder Privatkosten gebaut werden soll, noch immer nicht im höchsten Rathe entschieden ist. Aeußerem Vernehmen nach gewinnt die Ansicht, daß der Staat die Bahn ausbauen soll, immer mehr Anhänger, und zugleich ist die Ueberzeugung feststehend, daß der Einmündungspunkt des Würzburger Schienenwegs in die badische Staatsbahn an keiner Nebenstation stattfinden könne. Damit wäre also die Dornmühle bei Wieöloch und ebenso Langenbrücken ein- für allemal beseitigt, und es könnte nur noch von Heidelberg oder Bruchsal die Rede sein. Wir vernehmen nun weiter, daß die Idee, sowohl von Bruchsal, als von Heidelberg die Eisenbahn nach Würzburg zu führen, großen Anklang findet. Als Hauptmotiv hiefür gilt, daß alsdann der Verkehr von Osten nach Westen unserer badischen Staatsbahn bis Kehl erhalten bleibt, während bei der Heidelberger Linie allein zu befürchten stände, daß er sich über Ludwigshafen bewegen würde. Hiezu kommt noch, daß die Terrainverhältnisse, wie solche von den Technikern kürzlich ermittelt wurden, von Bruchsal bis zum Neckar äußerst günstig sind und die auf der bisher propvnirten Linie von Heidelberg über Aglasterhausen an den Neckar vorhandenen Schwierigkeiten Wegfällen würden. Hiernach soll also die eine Lime von Bruchsal über Ubstadt bis Eppingen und von da bis Rappenau gebaut werden; die andere Linie würde von Heidelberg ausgehen, Rcckargemünd berühren, und sofort durch das Elfen;- und Schwarzbachthal über Waibstadt nach Rappenau ziehen, welch letzterer Ort als Knotenpunkt auserwähit und von wo ein leichter Uebergang über den Neckar zur Linie nach Würzburg und Nürnberg gewonnen und zugleich ein Anschluß für eine Heilbronner Eisenbahn bewirkt werden kann." "Im Uebrigen soll die großh. Negierung gesonnen sein, eine umfassende Vorlage über den Bau neuer Schienenwege der Berathung auf dem bevorstehenden Landtage zu unterbreiten, und hiebei ebensowohl auf die Herstellung einer Durlach- Pforzhcim-Mühlacker Eisenbahn, als einer solchen von Waldshut bis Konstanz abzuhebcn. Was letztere Linie anbelangt, so soll dieselbe bis Konstanz auf einmal in Angriff genommen und ausgebaut werden, so baß nicht Schaffhausen oder ein anderer Punkt Jahre lang die Vortheile der Ausmündung unserer Staatsbahn erhalten würde. Ob indessen Schaffhauscn berührt werden wird, steht noch dahin, indem nach Ansicht der Techniker der Bau durch das Wutacbthal nach Singen mancherlei Vortheile darbietet und keine sehr große Tcrrainschwie- rigkeiten zeigt. Wenn auch vor kurzem die Regierung des Kantons Schaffhausen durch einen besonder» Abgesandten nach Karlsruhe ihre Bereitwilligkeit erklären ließ, auf die von badischer Seite vorgeschlagene Linie einziigehen, so hat doch wohl die großh. Regierung vollkommen Recht gehabt, wenn sie in keine neue Unterhandlungen sich einlassen will, bevor nicht der Kanton Schaffhausen bei der schweizerischen Bundesgewalt alle Schwierigkeiten beseitigt hat." Mannheim, 12. Juni. Bei dem 1% Millionen Gulden betragenden Fallissement der Amsterdamer Firma Uebel und Sillem sind verschiedene Mannheimer Häuser mit mehr als 100,000 fl. betheiligt. Von der badischen Bergstraße, 11. Juni. (Fr. I.) Man hat es in unserer Gegend versucht, falsche Zweiguldenstücke mit würtembergischem Gepräge und der Jahreszahl 1850 zu verbreiten. Die Polizeibehörde hat jedoch alsbald davon Kenntniß genommen und eine Warnung veröffentlicht. Das in die Hände der Polizei gekommene Stück ist aus Zinn und bei einiger Aufmerksamkeit leicht zu erkennen. Vom Mittelrhein, 15. Juni. (K. Z.) Beschränkungen des freien Verkehrs im Handel führen in der Regel die entgegengesetzten Resultate von Dem herbei, was die Beschränkung beabsichtigte. So wurde, wie wir hören, in einem Amtsbezirke, um billigere Preise auf dem Viktualienmarkte zu erzielen, unter Strafandrohung Jedermann untersagt, bei Land- ieuten Lebensmittel zum Behuf des Wiederverkaufs zu erwerben, wahrscheinlich weil man von der Voraussetzung ausging, dieser Zwischenhandel bedinge die Marktpreise. Der Erfolg entsprach den Voraussetzungen keineswegs, und auf den Wochenmärkten jenes Amtsbezirks, der zu den fruchtbarsten und wohlhabendsten gehört, kauft man seitdem nicht billiger, vielleicht noch theurer, als in andern, obgleich weniger fruchtbaren Bezirken, in welchen jenes nur die Marktzufuhr beschränkende Verbot nicht besteht. Wer die Verhältnisse, unter welchen jene verpönten Kleinhändler ihre Marktvorräthe zusammenbringen, kennt, wird Dies leicht erklärlich finden. Sie kaufen nämlich oft auf cntferntcrn Orten und abgelegenen Höfen und Häusern nicht von Jenen, welche einen Gang zum Markte mit ihren Erzeugnissen lohnend finden, sondern von Andern, die entweder zu wenig für einen eigenen Marktbesuch vorräthig haben, oder die den etwas minder hohen Preis, welchen der Händler zahlt, der Zeitversäumniß, deren Werth ihnen der höchste Marktpreis nicht ausgleicht, verziehen. In dem einen Hause sind einige Eier, in dem andern J / 2 Pfund Butter, in diesem eine fette Henne oder ein junges Hühnchen, in jenem ein Paar Täubchen zum Verkaufe vorhanden, und doch lohnt sich's nicht der Mühe, den geringen Vorrath zu dem oft sehr entfernten Markte zu bringen. Gern sieht man da den Händler erscheinen, der für geringen Gewinn weite Strecken schwer belastet durchwandert, den Ueberfluß in den Haushaltungen sammelt und zu Markt bringt, welcher ohne ihn ungcsammclt und vom Markte geblieben wäre. Da aber der niederere Preis einer Waare meist von vermehrter Zufuhr abhängt, so ist leicht ersichtlich, daß Verminderung der Zufuhr Erhöhung des Preises zur Folge habe. Der unmittelbare Uebergang des Erzeugnisses von Produzenten an den Konsumenten wäre allerdings der wohlfeilste Weg des Austausches, wenn beide nicht oft so entfernt von einander wohnten, daß für den Einen Abholung, für den Andern Zubringung weit beschwerlicher und theurer sich gestaltete, alö eine billige Vermittlung durch die Händler, deren häufig auch bei der größten Sparsamkeit stets sehr bescheidene Verhältnisse das beste Zeugniß ablegen, wie gering durchschnittlich der Lohn ihrer beschwerlichen Vermittlung ist, ohne welche oft das ganze Jahr über für Gegenstände ihres Handels von manchem Landmanne nicht ein Kreuzer gelöst würde. Rastatt, 16. Juni. Die auf den 18. d. M. früher an- gcordnete Feier des hundertjährigen Stiftungstagcs des Ma- rien-Theresien-Ordens wird nach besonderer Ordre von Wien aus in den Garnisonen außerhalb der Monarchie, also hier, in Mainz und Ulm, unterbleiben. — 281 — Baden, 16. Juni. Ihre König!. Hoheit die Frau Prinzessin von Preußen traf gestern Abend 7% Uhr hier ein und wurde von Sr. König!. Hoheit dem Großherzog am Bahnhofe begrüßt. Die Frau Prinzessin bewohnt ihre gewöhnliche Wohnung im Meßmer'schen Hause beim Konvcrsationshause, und ihr Aufenthalt wird sich auf längere Zeit erstrecken. Im Gefolge Höchstderselben befinden sich die Gräfinnen v. Hacke und v. Oriola und der Graf v. Boos-Waldeck. Aus Baden, 11. Juni. (S. M.) Dem Vernehmen nach werden bei dem nächsten Landtag mehrere Petitionen von Landleuten um Einführung einer neuen Steuer eingercicht werden. So wenig nun im Allgemeinen neue Steuern beliebt sind, so würde doch die in Frage stehende von den meisten der Betheiligten sehr gerne entrichtet werden. Die Petenten wünschen nämlich eine vom Staat eingeführte Hagelsteuer. Diese soll ebenso gut von den Grundbesitzern bezahlt werden müssen, als die Häuser-Besitzcr zur Versicherung ihrer Gebäude genöthigt sind. Stuttgart, 15. Juni. Der Stand der Weinberge ist ein äußerst erfreulicher; die Trauben stehen so zahlreich, wie schon seit langen Jahren nicht mehr. Geht die nahe bevorstehende Traubenblüthe unter so günstigen Umständen vor sich, wie sich erwarten läßt, so darf einem reichen Herbste mit Zuversicht entgegen gesehen werden. Darmstadt, 13. Juni. Das Uttheil des Kassationshofes in Bezug auf die sechs wegen Tödtung des Adam Misch- ler von Heppenheim verurtheiltcn Einwohner von Bensheim gegenüber den Kassationsgesuchcn der Vertheidigcr und des Staatsprokurators auf Vernichtung des Urtheils des Assisen- hofes, läßt nur in Bezug auf den einen Angeklagten. Georg Arzberger dessen Schuld minder groß erscheint, eine Ermäßigung eintreten und verwandelt die Todesstrafe desselben in vicljährige Zuchthausstrafe. Die Zahl der zum Tode Verur- theilten beträgt jetzt nur noch drei. Weimar, 12. Juni. Das Komitee für Errichtung der Dichtcrdenkmale ist auf das angenehmste durch ein Handschreiben des Großherzogs von Baden überrascht worden, welches die Mittheilung enthält, daß Se. König!. Hoheit die Fußgestelle zu den Dichterdenkmalen aus einem in Baden vorhandenen, für architektonische Zwecke sehr geeigneten Gesteine liefern wolle. Köln, 13. Juni. Zu Hau (Kreis Düren), traf am 11. Juni ein Blitz mehrere Personen. Sechs der vom Blitze getroffenen blieben sogleich todt, und fünfzehn Personen wurden mehr oder weniger schwer verletzt, während noch viele andere betäubt zu Boden stürzten. Der Blitz schlug gerade während des Gottesdienstes in die gedrängt volle Kirche, ohne diese selbst erheblich zu beschädigen. Königsberg, 11. Juni. Mehrere der hiesigen Geistlichen haben heute und morgen gottesdienstliche Versammlungen anberaumt, um die Bevölkerung hinsichtlich des erwarteten Kometen zu belehren. Breslau, 12. Juni. Die 17 Jahre zählende Tochter eines hiesigen Beamten verbrannte sich am 11. d. M. als sie eben den Kaffee auf der Maschine zubereitete. Durch das Oeffnen der Stubenthür entstand ein Luftzug, wodurch die Spiritussiamme in die Höhe schlug und die leichten Kleider des Mädchens so entzündete, daß sie alsbald in hellen Flammen stand. Infolge der Brandwunden ist sie am 12. d. M. Morgens verschieden. Wien, 9. Juni. (Schw. Merk.) Se. Moj. der Kaiser wird am 12. Juli die Rundreise in Ungarn fortsetzen, Ihre Majestät die Kaiserin aber während dieser Zeit in Larenberg verbleiben. Marseille, 13. Juni. Der "Moniteur algcrien" vom 10. theilt mit, daß mehrere Gebirgsstämme, namentlich die Bcni-Ranguillet und die Beni-Aemri, fortfahren, Verschanzungen zu erbauen, um dem Vorrücken der Truppen Hindernisse in den Weg zu legen. Gegen Ende nächster Woche wird der Marschall seine Operationen wieder aufnehmen. Bis dahin wird die Straße — von welcher 20 Kilom. in 2 Tagen bereits gebaut wurden und an welcher die ganze Armee mit erstaunlichem Eifer arbeitet — vollständig fertig sein. Verona, 12. Juni. Gestern war Se. Erzell. Marschall Radetzky ruhig, die Nacht war nervös aufgeregt, fast schlaflos, übrigens ist das Befinden unverändert. Die Sterbe-Sakramente wurden ihm gereicht. Genf, 9. Juni. Gestern Abends entlud sich nach wolkenbruchähnlichem Regen eines jener heftigen Gewitter, woran der diesjährige Vorsommer so reich ist, über den südwestlichen Theil des Lemanbeckcns. Auch heute fällt der Regen in Strömen, so daß die Heuernte, die ungewöhnlich reichlich zu werden verspricht, um einige Tage verschoben werden muß. Im Allgemeinen wird versichert, daß der Stand der Felder und Weinberge in unfern Gegenden seit 25 Jahren nicht zu so großen Hoffnungen berechtigte wie der gegenwärtige. Uebcr den Brand des Theaters zu Livorno wird dem "Moniteur" aus Livorno, 8. Juni, berichtet: Durch ein Feuerwerk gerieth die Bübne des Theaters "Acquedotti", wo man die Einnahme von Malakoff aufführte, gestern Abend in Brand. Die Feucrsbrunst breitete sich schnell über den Saal aus, in welchem sich ein zahlreiches Publikum befand. Die Zahl der Opfer an Tobten und Verwundeten erreicht ungefähr 200. Die zur Hülfeleist^ng abgeschickten Soldaten be- thätigten die größte Hingebung und mehrere kamen um. Der Großhcrzog, welcher von dieser schrecklichen Katastrophe durch den Telegraphen Kunde erhielt, kam diesen Morgen zu Livorno an und begab sich sogleich in die Spitäler, um die Verwundeten zu besuchen. Das Haidemädchen. (Fortsetzung.) Jetzt ist sie zwar genesen und hat mir auf meine flehentliche Bitten alles entdeckt, schloß der Arzt seinen Bericht; ob sie aber zu bewegen sein wird, wieder hierher zurückzukehren, bezweifle ich; sie meint, ihre Schuld sei zu groß, als daß sie jemals Vergebung zu hoffen habe. Noch in derselben Nacht reiste Hammer mit dem menschenfreundlichen Arzt nach B. Ich war ihr Begleiter. Amalie hat dich stets wie einen Bruder geliebt, Georg, sagte mein Wohlthäter zu mir; dein Wort vermag viel über sie, hilf mir bitten, daß ich mein Kind wieder erhalte! Lassen Sie mich von dem Wiedersehen schweigen, Herr Wi- libald, es war die qualvollste Stunde meines Lebens. Amalie war durch die rührende Liebe, mit der ihr Vater alles für vergeben und vergessen erklärte, tief erschüttert, ließ sich aber durch kein Bitten und kein Flehen bewegen, mit uns nach 3£. zurückzukehren. So mußte ihr Vater denn mit schwerem Herzen endlich zugeben, baß sic für die nächste Zeit in B. bleibe. Ein Brief, den Hammer an Palmer's Vater schrieb und worin er Genugthuung für die Amalien zugefügte Beschimpfung forderte, ward von dem letzteren höhnisch beantwortet. Sein Sohn sei ein zweiter Don Juan, erwiderte er, daö sei weltbekannt, und das Mädchen, welches seinen Schwüren traue, habe es sich selbst zuzuschrciben, wenn es von ihm verlassen werde. Auf die inständigen Bitten meines Wohlthäters blieb ich, als Gcbülfe bei einem Kaufmann, zu Amaliens Schutz in B. Es galt ja ihre Wohlfahrt, wie hätt' ich da zaudern können! Aber die Gefühle, die mein Herz während der drei Jahre bewegten, welche ich mit ihr dort verlebte, wollten mich manchmal überwältigen. Der verzweiflungsvolle Lebensüberdruß, der Amalie in der ersten Zeit erfüllte, wich einer schmerzlichen Lebenslust, als sie eine Tochter zur Welt brachte. Johanna, ihr holdseliges Ebenbild, war ihr Eins und Alles, für diese hätte sie mit Freuden Leib und Seele geopfert. Es war, als ob in ihr Herz wieder ein leiser Strahl von Glück gedrungen sei, sie konnte wieder lächeln, wieder hoffen und wieder fürchten. Selbst der Tod ihres Vaters und ihrer Mutter, die vor Gram über die verlorne Tochter kurz nach einander starben, vermochte diese neuerwachte Freude am Leben nicht zu -vernichten, ihre Eltern konnten ja doch nur mit Schmerz ihrer gedenken. Das geringe Vermögen, welches sich Hammer durch seinen unermüdlichen Fleiß erworben, hatte er zwischen mir und Amalien gclheilt und mir die Verpflichtung auferlcgt, die Rechte Amaliens und ihrer Tockter für alle Zeiten zu vertreten. Als Johanna im vierten Jahre stand, verließen wir 33., weil einige Verwandte Palmers dorthin gekommen waren, und zogen auf's Land zu dem Schullehrer Verkram, der damals eine kleine Stelle in einem Gebirgsdorfe bei 33. verwaltete. Amalie flehte mich vor unserer Abreise von B. zwar „istänoigst an, sie ihrem ferneren Schicksal zu überlassen und mein Leben nicht einer Verlorenen zu opfern; da meine einzige Freude auf der Well aber eben darin bestand, mit ihr Luft und Leid zu ertragen, und ich überdies die mir von ihrem Vater auferlegte Verpflichtung als Grund, sie nicht zu verlassen, anführen konnte, so gab sie endlich nach. Auf dem großen Pachthofe in unserem neuen Aufenthaltsorte fand ich eine willkommene Gelegenheit zu landwirthfchaftlicher Thätigkeit. Die vielen Seelenleiden hatten so nachtheilig auf Amaliens Gesundheit gewirkt, fuhr Georg nach einer Pause mit bewegter Stimme fort, baß sie ein Jahr darauf starb. Ich stand mit Johanna nun ganz allein aus Erden und gelobte mir am Grabe der Mutter, nur für das liebliche Kind zu leben. Da Bertram und seine nun verstorbene Schwester sich bis dahin als rechtliche Leute gezeigt und Amalie mit ihrer Tochter für die ausbedungene Summe treu verpflegt hatten, so glaubte ich keinen Fehlgriff zu thun, wenn ich Johanna ganz ihrer Sorge anvertraute und ihnen dazu Amaliens Vermögen und einen Theil des meinigen übergäbe, mit der Bedingung, daß Johanna stets wie ihr eigenes Kuid gehalten werte, und mir im entgegengesetzten Falle daS Recht zustehe, den Vertrag wieder aufzuheben. Daneben aber war ich fest entschlossen, nicht eher von Johanna'ö Seite zu weichen, als bis sie einen treuen Gatten gefunden oder mich der Tod von ihr trenne. So lange Bertram's Schwester lebte, fand ich keine Ursache zur Unzufriedenheit. Als dieselbe aber einige Jahre darauf starb und der erstcre hierher versetzt wurde, wohin ich ihn begleitete, war ich manchmal gcnökhigt, mit dem rohen Menschen ein kräftig Wort zu reden. Viele Jahre lebten wir hier in der größten Einsamkeit. Um recht oft Gelegenheit zu haben, mit Johanna zusammcnkvmmcn zu können, wählte ich mir den Dienst des Hlrlen auf dem Gute; jede andere Beschäftigung würde mich mehr von ihr getrennt haben. Mein altes Herz ward ordentlich wieder jung, wenn ich sie anschaute: : — ich wähnte die längst verlorene Amalie wieder vor mir zu sehen und träumte auf der weiten, schweigenden Haide von dem Paradiese meiner Jugend. Als Sic dann im vergangenen Herbst hierher kamen und Johanna sahen und licbgewanncn, Herr Wilibald, fuhr der alte Hirt nach einiger Zeit fort, o, da war ich seelenfroh! Sie waren der einzige auf Erden, den ich außer Johanna liebte und verehrte, und nun, nun ist alle meine Freude dahin! Vor sechs Wochen kam ein feingckleidcter ältlicher Herr aus der Residenz bei Bertram vorgefahreu und fragte kiesen, ob er etwas von einer Amalie Hammer und deren Tochter wisse. Als der Schullehrer dann ganz arglos erklärte, daß die letztere sich noch in seinem Hause befinde, so eröffnete ihm der Fremde, daß Johanna von ihrem Vater, der vor einiger Zeit aus Amerika zurückgekehrt und kurz darauf gestorben sei, öffentlich als seine Tochter anerkannt worden sei, und daß er den Auftrag habe, dieselbe nach der Residenz zu einer Schwester ihres Vaters, der Präsidentin Austcin zu führen, denn nur unter der Bedingung, daß Johanna ihre vorigen Beschützer verlasse und von Stund' an im Kreise ihrer Angehörigen lebe, könne sie das beträchtliche Vermögen ihres Vaters erben. (Fortsetzung folgt.) Land- und Hausrmrthfchaft. Fleisch bei großer Hitze zu erhalten. Man lege das Fleisch, gekochtes oder rohes in eine TerriiP oder Topf mit Deckel, decke das Gefäß fest zu und schlage alsdann um das Ganze ein nasses Tuch. Hierauf stellt man das Gefäß an einen kühlen Ort, in den Keller, oder wer dessen entbehrt in den Ofen. Auf diese Art erhält sich das Fleisch frisch und wohlschmeckend. Miszelle n. * Polizeiliche Bekanntmachung. Unter Bezugnahme auf die bereits bestehende Verordnung, daß auf den Trottoirs weder Reiter, noch Fuhrwerke, noch Karren u. dgl. stehen oder passiren dürfen, wird obigem hinzugefügt, daß in Rücksicht der Nothwendigkeit des freien Verkehrs auch Damen mit Reifröcken sich künftig streng auf der Fahrgasse zu halten haben, während die Trottoirs ausschließlich sür die ordentlichen Fußgänger bestimmt sind. Contravenientiuen haben von Seiten der Pvlizeimannschaft Hinwegweisung, und im Falle der Widersetzlichkeit augenblickliche Arretirung zu gewärtigen. Auch dürfen zur Verhütung von Unglücksfällen Rcifrockpassagiere um die Ecken und besonders bei Einmündung in enge Gassen nur in gemäßigtem Schritte gehen, und haben anderen sie begegnenden Reifröcken, sowie überhaupt allen Fuhrwerken rechts auszuweichen. Beim Hoftheater sind die Erinolinen an den Platz der Anfahrenden gewiesen und darf die Gensdarmie nicht * dulden, daß eine der andern vorzulaufen sucht. (Punsch.) * Bei einer Trauung sagte der Pastor, der mehrere Paare zu trauen hatte, nachdem er an den Altar getreten war: »Alle Diejenigen, welche sich zu verheirathen wünschen, belieben aufzustehen." Darauf erhoben sich alle anwesenden ledigen Frauen von ihre» Sitzen. Heidelberg. Auf dem um 15. Juni dahier abgehaltenen Biehmarkt wurden 135 Stück Vieh verkauft und dafür 19,910 ff. 42 kr. erlöst. frucht - Mittelpreije. Heidelberg, 16. Juni. Kernen 200 Pfd. 10 ff. 56 kr., Korn 200 Pfd. II ff. 43 kr., Gerste 200 Pfd. 11 ff. 27 kr., Spelz 130 Pfd. 7 ff. 21 kr., Haber 6 ff. 50 kr. Bruchsal, 13. Juni. Warze» 17 ff. 20 kr., Kernen 17 ff. 47 kr., Gerste 10 ff. 26 kr., gem. Frucht II ff. 48 kr. Durlach, 13. Juni. Kernen 17 ff. 39 kr., Korn 10 ff. 58 kr., Gerste 10 ff. 51 kr., Welschkorn 14 ff., Haber 6 st. 30 kr. frankfurter Lourse. Pistolen 9. 37-38 dto. Preuß. 9. 57-58 Holl. lOff.-Stücke 9. 46'/2-47-/r ffianddukaten 5. 3l-32 20 -Frank-Stücke 9. 21-22 Engl. SouverarnS 11. 44-48 -Preuß. Thaler — 5-Franken-Thaler 2. 20’/, Preuß. Kass.-Sch. 1. 45 1 / 4 = 1 / a Nedigirt, Druck und Verlag von D. Pfisterer in Heidelberg.