Ver Lani>bote. Verkündigungsblatt der Großherzoglichen Bezirksämter Sinsheim und Neckarbischofsheim. W°- 81. Dienstag, den 7. Juli 1857. [445] Die ordentliche Konskription pro 1858 betr. Beschluß. An sämmtliche Gemeinderäthe des Amtsbezirks. Nro. 7,946. Das Regierungsblatt Nro. 25 enthält die Aufforderung, daß die Vorarbeiten zur Konskription für das Jahr 1858 beginnen sollen und es ist deßhalb dieselbe den Gemeinden sogleich öffentlich zu verkünden und sodann weiter folgendes zu beobachten: 1) Der Gcmeinderath hat das Großherzogl. Pfarramt ungesäumt zu ersuchen, über alle männliche Geburten vom 1. Januar bis 3t. Dezember 1837 inclus. aus dem Kirchcnbuche dem Gemeinderath einen Auszug mitzutheilen, in welchem auch die im Jahre 1837 in einer Gemeinde gebornen Israeliten aufzunehme» sink. 2) Die gedruckte Aufnahmsliste Ziffer l. ist aus dem psarramtlichcn Auszuge auszufüllen und der Kirchenbuchsauszug als Beleg der Liste bcizuheften. In dieselbe sind die Ausgewanderten durchgehcnds aufzunehmen und dürfen nicht ausgeschieden werden, da dieses von dem Konskriptionsamt geschieht, auch unter der Rubrik »Bemerkungen" der Erlaß der Staatsgenehmigung zur Auswanderung anznführen. Die Gestorbenen sind in die Aufnahmsliste nicht einzutragcn. Im Falle mehr Impressen als die abgegebenen erforderlich sind, ist der weitere Bedarf dahier abholen zu lassen. Sämmtliche Gemcinderathömitglieder haben mit ihren Unterschriften die Richtigkeit der Aufnahmöliste unten zu bestätigen und ist das Gemeindesiegel beizudrücken; jedoch so viel Raum zu lassen, daß nachkommende Einträge gemacht werden können. Ueberhaupt sind die §§ 6 und 7 der Instruktion für die Vorbercilungsbehördcn genau zu beobachten. 3) Die Namen der Konskriptionspflichtigen sind nach alphabetischer Ordnung in die Aufnahmsliste einzutragen und Jahr, Monat und Tag der Geburt und die Religion beizusetzen, insbesondere auch zu bemerken, wenn einer der Konskriptionspflichtigen sich dem Studium der Theologie widmen sollte und zu bemerken, daß keiner derselben zu einer Zuchthausstrafe verurtheilt worden, was ebenfalls in das Protokoll aufzunchmcn ist. 4) Bei Geschwistern ist anzugeben, ob sie ledig oder verheirathet, wie alt, wessen Standes sie sind, und bei den Brüdern besonders zu bemerken, ob sie Soldaten sind oder waren, wie lange sie gedient, ob sie eingestanden oder nach ausgehaltener Kapitulation entlassen worden sind. Bei den Eltern oder einem derselben ist, wenn sie gestorben sind, anzugeben in welchem Jahre sie gestorben sind. 5) Gin f bei den Konskriptionspflichtigen in den pfarramtlichen Auszügen oder die Bemerkung »gestorben" genügt nicht, sondern Jahr, Monat und Tag des Todes muß beigesctzt werden, welches die Vorbereitungsbehörde im Unterlassungsfälle von den Pfarrämtern nachtragen zu lassen haben. 6) Durch öffentlichen Anschlag und durch die Schelle ist die Aufforderung zur Anmeldung ergehen zu lassen und dabei bekannt zu machen, daß und wo die aus den Anmeldungen zu ergänzenden Aufnahmslisten 8 Tage lang öffentlich zu Jedermanns Einsicht aufliegen. Auch sind bei den Anmeldungen die Konskriptionspflichtigen zur Angabe der äußerlich nicht erkennbaren Gebrechen nebst Bezeichnung der Zeugen und nach Maßgabe des §22 des Konskriptionsgesetzes, insbesondere Nro. 2, 3 und 7 auf- zufordcrn, und solche in die Aufnabmsliste unter Rubrik »Bemerkung« und in das Protokoll aufzunehmen. Auch ist in das Protokoll aufzunebmen, welche der Konskriptionspfllchtigen für sich einen Mann einstellen wollen. 7) Der Rathschreiber hat für die Gemeindercgistratur eine Abschrift der Liste Ziffer I. zu fertigen^ der Gcmeinderath seine Uebereinstimmung mit dem Original zu beurkunden und solche in der Gemcinderegistratur aufzubcwahren. 8) Der Rathschreiber hat ferner Tag für Tag ein laufendes Protokoll zu führen, welches die an jedem Tag im Konskriptionsgeschäft vorgenommenen Arbeiten nachweist. Dieses Protokoll muß vom Gemeinderath oder wenigstens vom Bürgermeister und Rathschreiber und am Ende desselben vom ganzen Gemeinderäthe beurkundet und das Gcmeindesiegel bcigedrückt werden. 9) Auf die Dienstbefreiungsgesuchc wegen Unentbehrlichkeit sollen die Ortsvorgesetzten pflichthaft aufmerksam sein und die bestehenden Verordnungen strenge beobachten, dazu die gedruckten Impressen genommen und die aufgestellten Fragen genau beantwortet werden. Die Zeugnisse der Pfarrämter, Acrzte und Wundärzte sind denselben als Belege anzuschließcn. Die Anmeldung dieser Gesuche soll bis zum Ablauf der Frist der öffentlichen Auflage geschehen, und es ist daher den Eltern der Pflichtigen vor oder mit Auflage der Liste dieses bekannt zu machen. Daß dieses geschehen, ist im Protokoll anzuführen und das mit allen Attestaten versehene Dienstbefreiungsgesuch der Aufnahmsliste anzuschließen. Es müssen bis 15. August l. I. bei Vermeidung einer Strafe, die nach § 8 der Instruktion für die Vorbereitungsbehörden bis zu 15 fl. eintreten darf, dahier rinkommen: «) DaS Protokoll des GcmeinderatheS nebst den erlassenen Bekanntmachungen und die darauf Bezug habenden Beurkundungen, b) die Aufnahmliste Ziffer l. vollständig ausgefüllt, o) der KirchenbuchsauSzug, d) die Dienstbefreiungsgesuche mit etwaigen Beilagen, und v) alle sonstigen Eingaben, welche bei dem Gemeinderäthe dieser Konskription wegen, eingelauftn sind. Neckarbischofsheim, den 2. Juli 1857. Großherzoglich bad. Bezirksamt. Benitz. — 314 — [414] Nr. 7948. Von heute a» bis auf Weiteres kosten das Pfund Rindsteifch 1l kr. und das Pfund Schweinefleisch 13 kr. Alles klebrige bleibt. Neckarbischofsheim, den 2. Juli 1857. Großherzoglich bad. Bezirksamt. Benitz. [443] Nro. 9848. Die Fahndung auf Aron Reichert von Weiler wird znrückgenommen. Sinsheim, den 1. Juli 1857. Großherzoglich bad. Bezirksamt, v. Rotteck. [450] D ü h r e n. Liegenschaftsversteigerung. Dienstag den 14. Juli l. I., Nachmittags 1 Uhr, werden mit obervormundschaftlicher Ermächtigung des Großh. Bezirksamts Sinsheim vom 9. Juni l. I., Nr. 8801, die zum Nachlasse des verlebten Landwirths Friedrich Bender von hier gehörigen nachverzeichneten Liegenschaften auf dem Rathhause dahier öffentlich versteigert und vorbehaltlich obervormuudschaftlicher Genehmigung zugeschlagen: 1 . 2 Viertel 38'/i» Ruthen n. M. Acker in der Mautern, neben Johannes Maser und Friedrich Svhner, Tar 280 fl. 2 . 95 3 / 2 Ruthen n. M. Acker im Leumund, neben Karl Fr. Benders Wittib und Rosine Bender, Tar 140 fl. 3. ü2y i0 Ruthen n. M. Acker in der krummen Klinge, neben Friedrich Svhner und A. Benders Erben, Tar 50 fl. Summa 470 fl. Dühren, den 22. Juni 1857. DaS Waisengericht. Sterzenbach. Schäfer. P5I1 [446] Nr. 469. Zuzenhausen. Gebäudeverkauf auf den Abbruch. Donnerstag den 9. d. M , Nachmittags 1 Uhr, werden dahier zwei Wohnhäuser auf den Abbruch versteigert. Die Materialien derselben, als Holz, Ziegel re. sind in gutem Zustande und können zum Wiederaufbau verwendet werden, wozu man die Liebhaber einladet. Zuzenhaufen, den 3. Juli 1857. Das Bürgermeisteramt. Oblander, Bürgermstr. E. Keidel. Kapital auszutcihen. [442] Bei dem Heiligen- und Kirchenbaufonds- rechner Johann Dörr in Grombach liegen 200 fl. gegen doppelte Sicherheit zum Ausleihen bereit. Landwirthschaftliche Besprechung betreffend. [449] Nr. 137. Nach dem Beschluß der Direktion soll am Mittwoch den 15. künftigen Monats eine landwirthschaftliche Besprechung in Rappenau abgehalten werden. Vorzugsweise sind alö Gegenstand diese» Besprechung folgende Fragen bestimmt: 1) Gedeihen die Kirschbäume in unserer Gegend? 2) Liegt es im Interesse dieser die Anpflanzung jener zu vermehren? 3) Welche Erfahrung hat man in Beziehung auf Ort und Zeit über die Veredelung der Kirschbäume? 4) Es zeigen sich in den letzten Jahren häufig an den Aepfclbäumen, und zwar gerade von den edler» Sorten, die äußersten Zweige dürr, und das Laub hat kränkliches Aussehen. Waö mag hievon die Ursache sein, und wie wäre zu helfen? 5) Ist es zweckmäßig die Bäume zu düngen, und auf welche Art soll dieses geschehen? 6) Was wird zu einer guten Obstmostbereitung erfordert? 7) Welche Obstgattungen liefern den haltbarsten Most, und was kann geschehen zur Vermehrung der Haltbarkeit des Obstmostes? 8) Wie wird Waldstreu entbehrlich? Die Versammlung wird auf Nachmittags 1 Uhr auf dem Rathhause in Rappenau festgesetzt. Wir laden hierzu die Vereinsmi'tglieder, alle Landwirthe und Freunde der Land- wirthschast zur gefälligen Theiluahme ein. Neckarbischofsheim, den 29. Juni 1857. Die landwirthschaftliche Bczirksstclle. H o r m u t h. Müller. [451] Adersbach. Bauarbeitversteigerung. Der Neubau einer Holzremise sammt Schweinställen im evangelischen Psarrhause dahier im Ueber- schlag von 228 ff. 41 kr. wird Samstag den II. Juli d. I., Nachmittags 1 Uhr, im Pfarrhanse versteigt werden. Plan und Ueber- schlag ist inzwischen jeden Tag daselbst einznsehen. Adersbach, den 3. Juli 1857. Eoang. Pfarramt. S t r o h m e h e r. [447] Eulenhof, Amtsbezirks Sinsheim. Gutsverpachtung. Der Pacht des freiherrlich von Degenfeld'schen Hofguts Enlenhof wird bis Lichtmeß 1858 wegen Uebernahme eines größer» Gutes von Seiten des bisherigen Pachters erledigt und soll nun auf eine anderweite 14jährige Zeitperiode alsbald vergeben werden. Das ganz arrondirte Pachtgut befindet sich in einem sehr guten Zustande und enthält außer den erforderlichen Wohn - und Oekonomiegebänden 177 Morgen 1 Viertel 78 Ruthen badischen Mas- ses Acker - und Gartenland und 17 Morgen 2 Viertel 26 Ruthen badischen Mas- ses Wiesen. Die zu Uebernahme dieses Pachtgutes Lust tragenden und gehörig qualifizirten Oekonomen werden eingeladen, sich unter Vorlage der erforderlichen Zeugnisse über Leumund und CaulionSfähigkcit in Bälde dabier zu melden. Sinsheim de» 4. Juli 1857. Freiherrlich von Dcgenfeld'sches Rentamt. F l e i f ch in a n n. [448] Neckarbischofsheim. Mühleverpachtung. Die auf 23. Oktober d. I. pachtfrei weroende hiesige grundherrliche Mühle wird Donnerstag den _ 30. Juli l. J.,^ Vormittags 10 Uhr, auf diesseitigem Geschäftszimmer in weiteren sechsjährigen Pacht versteigert. Die Mühle enthält einen Schälgang, zwei Mahlgänge, einen GricSgang und zwei Schwingmühlen. Auch können dazu 30 Morgen Garten, Ackerfeld und Wiesen gegeben weiden. Die Pachlliebhaber werden hierzu mit dem Bemerke» eingeladen, daß sie sich mit gerichtlich beglaubigten Vefähigungs - und Vermögenszeugniffcn auszuweisen haben. Neckarbischofsheim, den 3. Juli 1857. Gräflich von Helmstatt'sches Rentamt. _ Lehmann. _ In der Buchvruckerei von D. Pfisterer in Heidelberg sind folgende Impressen zu haben: 25. Nachtbuch für Wirthe. Jur Geschichte des Tages. Karlsruhe, 4. Juli. Durch allerhöchste Ordre Nr. 36 vom 30. v. M. wird dem Generalmajor Schüler, Kommandant der Reiterei, die Erlaubniß ertheilt, den ihm von Sr. Maj. dem König von Bayern zum bereits innehabenden Com- thurkrenz des Verdienstordens vom hl. Michael weiter verliehenen Stern annehmen und tragen zu dürfen. Die gleiche Erlaubniß erhält Major Götz vom Gencralstab durch allerhöchste Ordre von demselben Datum für das ihm von Sr. Maj. dem König von Bayern verliehene Ritterkreuz des Verdienstordens der Bayrischen Krone. Mosbach, 2. Juli. (O. B.) Heute haben wir leider über zwei Selbstentleibungen zu berichten. Vor einigen Tagen machte der bejahrte I. Hilbert von Limbach (A. Buchen) seinem Leben durch den Strick ein Ende, wie man sagt, aus Mangel an Eristenzmittcln; und gestern suchte ein lediger Bursche Namens Schuh von Waldmühlbach in den Wellen der Elzbach bei Dallau den Tod, welchen er auch fand, indem er in einen sogen, etwa 20 Fuß tiefen Gumpen sprang. Auch wurde vorige Woche bei Guttenbach ein Leichnam geländet. Pforzheim, 2. Juli. (Pf.B.) Heute wurden zwei 13- — 315 bis 14jährige Mädchen aus Neuhausen gefänglich hier eingebracht, auf denen der dringende Verdacht ruht, den vor einigen Tagen daselbst ausgebrochenen Brand absichtlich veranlaßt zu haben. Ein gestern Abend erneuter Versuch der Feuereinlegung überlieferte diese Mädchen den Händen der Gerechtigkeit. Wie man behaupten hört, sollen dieselben auch die Ursache des Brandes sein, der im Dezember v. I. einige Häuser verzehrte. Unterharmeröbach (A. Gengenbach), 30. Juni. Letzten Sonntag ereignete sich hier ein höchst bedauerlicher Unglücksfall. Zwei Brüder, von denen der eine Soldat, badeten sich Nachmittags halb 4 Uhr im sogen. Rößleteich, nahe einer Mühle, an einer Stelle, die kaum 6 Fuß tief ist, und fanden beide ihren Tod. Gleich nach 4 Uhr wurden sie neben einander im Wasser liegend, mit geballten Fäusten, anfgesunden. Alle Rettungsversuche blieben ohne Erfolg. Die Verunglückten hatte» vorher beim Bier gckcgelt und sich sehr erhitzt, was wahrscheinlich Ursache des Todes geworden. Wildbad, 2. Juli. Heute kamen II. MM. der Kaiser und die Kaiserin von Rußland hier an, und fuhren sogleich im Hotel Bellevue vor. Aus Würtemberg. In letzter Woche fielen auf den meisten Märkten in unserem und dem bayerischen Lande die Frucht- und Viebpreise. Mainz. In einem hiesigen Blatte lesen wir die Notiz, daß im Hinblick auf den zu erwartenden »34er oder 46er" hier und dort schon Batzcnwein zum Vorschein komme. Worms, 1. Juli. Der Ausschuß des Vereins zur Errichtung des Luther-Denkmals veröffentlicht heute das Vcrzeich- niß der vom 17. bis 30. Juni eingegangcnen und angcmelde- ten Beiträge. Dieselben belaufen sich auf 2348 ff. 32 kr.; darunter 102 fl. aus Karlsruhe, gesammelt durch Hrn. Dekan Cnefelius, und 42 fl. 8 kr. aus Müllheim, gesammelt durch die HH. Herbst uud Blankenhvrn. — Die Summe der sämmt- lichen bis 1. d. eingegangenen und angcmeldcten Beiträge ist 16,163 fl. 46 kr. Johannisberg. Zu Ende dieses Monats werden sich sämmtliche Familienmitglieder des Fürsten Metternich dahier einfinden, und beabsichtigt der Rheingauer Sängerbund bis dahin sein projcktirtcs Ständchen dem greisen Fürsten als Dank für die so bereitwillige Ucberlaffung seines herrlichen Schlosses zum jüngsten Feste zu bringen. Köln. Dieser Tage wurde dahier der Grundstein zu einer neuen Synagoge gelegt, welche Herr Abr. Oppenheim auf seine Kosten (circa 100,000 Thaler) erbauen läßt, »zum Danke — wie sich Rabbi Schwarz ausdrückte — für die großen Reichthümer, mit welchen ihn Gott gesegnct." Bcrlin. "Zeit" und "N. Pr. Ztg." bestätigen, daß sich der König am 7. d. zum Besuch der kaiserlichen Familie von Teplitz nach Wien begeben wird. Dresden, 29. Juni. Die "Sächs. Const. Ztg." macht gegenüber der Koalition der Papierfabrikanten zur Erzielung höherer Preise den Vorschlag, dieser Vereinigung eine Koalition der Konsumenten entgegcnzusetzen; Dresden scheint ihr für eine deßfallsige Besprechung der geeignetste Ort. Gleichzeitig, sagt sie, habe sie die Regierungen, welche bei der Erhöhung der Preise eben so sehr interessirt seien, als die Presse, aufgefordcrt, der Papierfabrikation den nicht mehr nöthigen Schutz ferner zu entziehen. Dresden, 30. Juni. Heute fand hier die erste Generalversammlung der Aktionäre der Thode'scheu Papierfabrik statt. Unter Zustimmung derselben erklärte der Verwaltungsrath, daß er sich der Papierfabrikanten -Coalition nicht an schließen werde. Sondershausen, 26. Juni. Nachdem die zur Einlösung der fürstlich Schwarzburg-Sondershausischen Kassenanweisungen zu 1 und 5 Thaler gesetzten präklusiv Fristen abgelaufen, haben mehrere Personen Gesuche um nachträgliche Ersatzleistungen für solche noch in ihren Händen befindliche Papiere ringereicht. Die Staatsregierung hat aus Gründen der Billigkeit bei dem Landtage beantragt, daß für die prä- kludirten ältern Kassenanweisungen binnen einer öffentlich bekannt zu machenden letzten Einlösungsfrist noch Ersatz geleistet werde. Der Landtag hat Dies angenommen. Wien. Das Rauchen ist von jetzt ab in allen Omnibus-, Gesellschafts- und Stellwagen als ein Uebelstand verboten, "der ebenso lästig als gefährlich sei." Die Polizeidirektion will scharf kontroliren und unnachsichtlich strafen. Zürich. Die neu errichtete Aktienbäckerci in Zürich macht so vortreffliche Geschäfte, daß man den Bau einer zweiten Bäckerei beschlossen hat. Auch in London hatte man seither eine brennende Hitze. Die meisten Brunnen der Stadt sind rein ausgetrocknet und das Gras auf den Wiesen ist total verbrannt. Leute, die in Indien waren, versichern, daß die Nächte in Bombay nicht so schwül wären als die in London. Die Militär Meuterei in Eftindien. Allmählig erfährt man einiges Nähere über den weitern Verlauf der Meuterei unter den eingebornen indischen Truppen, die man mit einer begreiflichen Besorgniß in England verfolgt, obgleich sie nicht so tiefgehend ist, um die englische Herrschaft in Ostindien in Frage zu stellen. Man schreibt der "Times" aus Bombay, 27. Mai: Die Post aus Agra und dem Nordwesten hat in den letzten Tagen nichts als Mord und Aufstand gemeldet. Wie zu erwarten, stellt sich jetzt manche Hiobskunde als Ucbertrei- bung oder Mährchen heraus; nichtsdestoweniger bleibt die Begebenheit der Hauptsache nach von schwerster Bedeutung. Zu Anfang dieses Monats bestand die eingeborne Militärmacht in Meerul aus dem 3. leichten Kavallerieregiment und dem 11. und 20. Infanterieregiment. In der Kavallerie wurde die Patronenfrage zwanglos erörtert, und in Folge davon kamen 85 Mann, die sich weigerten, die angeblich unreine Patrone zu brauchen, in den ersten Maitagen vor's Kriegsgericht, welches sie zu Gefängniß mit Zwangsarbeit auf längere oder kürzere Zeit vcrurtheilte. Am 9. las man ihnen auf dem Paradeplatz das Urtheil vor und führte sie in'ö Gefängniß. Bis dahin verrieth sich das Mißvergnügen durch beinahe allnächtliche Fcucrsbrünste in den Militärquartieren. Am 10. brach es in all seiner ungeahnten Wuth aus. Abends, während viele der Europäer in der Kirche waren — denn cs war Sonntag — versammelten sich die Gemeinen vom 11. uud 20. Regiment, wie verabredet, in lärmenden Haufen auf dem Paradcplatz. Mehrere Offiziere eilten hin, um sie zu beschwichtigen; einer der ersten. Oberst Finnis vom 11. Regiment, war auch das erste Opfer ihrer Wuth. Er wurde nicdcrgeschosse», während er eine Abtheilung des 20. Regiments anredete; noch einige andere Offiziere fielen in den unmittelbar nachfolgenden schrecklichen Momenten, denn die Gemeinen vom 3. bengalischen leichten Kavallerieregiment kamen aus ihrem Quartier herbei« geströmt und schlosse» sich der Infanterie an, worauf der ganze Haufe, mordend und brennend, durch das Kantonnement stürzte. Jedes Haus ward in Brand gesteckt, jedes englische Individuum, Mann, Weib oder Kind, das den Meuterern in den Weg kam, erbarmungslos niedergemacht. Glücklicher Weise hatten sich schon viele — ich hoffe und glaube die meisten — Offiziere mit ihren Familien in die Artillericschule im europäischen Militärqnartier geflüchtet. Mr. Greathcad und seine Frau wurden durch die Treue ihrer indischen Diener gerettet; diese gaben nämlich den Mördern die Versicherung, der Herr und die Herrin seien schon fort, während sie sich im Hause versteckt hielten. — 316 — Inzwischen brach ein Haufen Meuterer das Gefängniß auf und setzte die verhafteten Kavalleristen i» Freiheit. La man von keinem Blutvergießen bei dieser Gelegenheit Hort, so ist zu vcrmuthen, daß die Gefängnißwache aus Eingebornen bestand. Was den europäischen Theil der Brigade von Mee« rut betrifft, so bestand er aus dem 1. Bataillon des 60. Regiments Schützen, aus de» Karabinierö, und aus Artillerie zu Fuß und zu Pferde. Diese Streitmacht rückte zwar so rasch alö möglich nach dem Schauplatz der Ruhestörung, aber zu spät, um Leben und Eigenthum zu retten, und da die Nacht einbrach, vermochte sie, wie man erzählt, den Aufständischen keinen ernstlichen Verlust mehr beizusügen, und ließ sie auf's platte Land entkommen. Ein Theil der Meuterer floh nach dem 40 engl. Meilen entfernten Delhi, besten Besatzung ganz aus Eingebornen zusammengesetzt war, aus drei Jnfameric- regimcntern, dem 38., 54., 74., und aus einer Kompagnie Artillerie. Die ganze Infanterie stürzte gleich bei der Ankunft der Meuterer zu den Waffen und zwang die miderstrebeuoe Artillerie zum Anschluß, letztere bevang sich die Schonung ihrer Offiziere aus, und diese sind auch alle mit heiler Haut in Meerut angelangt. Die Infanterie dagegen zeigte sich weniger gutgesinnt und fiel mit mehr ober weniger Wildheit über ihre Offiziere her. Am ärgsten benahm sich dabei das 38. Regiment. Dann ließen die Empörer ihrer Raserei die Zügel schießen und in den Straßen der ehemaligen Moguls-Hauptstadt wiederholten sich die Schreckensfcenen von Meerut. Wie viele Engländer da um'ö Leben kamen, erfährt man vielleicht erst, wenn der Tag der Vergeltung angebrochen und die Stadt wieder in unserer Gewalt ist. Viele sind glücklich entkommen; aber nur zu gewiß ist, daß Mr. Fraser, der Bevollmächtigte, Kapitän Douglas, der Kommandant der Pallaftwache, Mr. Jennings, der Stationskaplan, mit seiner Tochter, Sir Theo- philus Metcalfe, u. A. mehr ermordet sind. Nach einer Liste, die in Agra zirkulirt, sind in Meerut 19 Offiziere erschlagen und 16 verwundet worden. Von den aus Delhi glücklich entkommenen Offizieren, Beamten, Frauen und Kindern macbt die Liste einige 50 namhaft. Nachdem das aufständische Militär so alle englischen Elemente auö der Stadt weggefegt hatte, rief es, wie schon bekannt, einen Sprößling des altindischen Herrscherhauses zum König auö (s. unten Calcutta). I» Meerut selbst wurde seit dem 10. die Ruhe nicht weiter unterbrochen. In der Umgegend jedoch spielte am 16. eine blutige Szene. Kapitän Fraser, Kommandant der bengalischen Sckanzgräber, befand sich mit einer Abthcilung seines Korps auf dem Marsch von Roozkee nach Meerut, als die Sappeurs am Ort ihrer Bestimmung anlangend, in Streit gerielhen. Wahrscheinlich diskutirten sie die Frage, ob sie dem Beispiele der Meuterer folgen sollten. Wie der Kapitän nun zu vermitteln suchte, jagte Einer ihm eine Kugel durch den Kopf. Die Andern riffcn sich los und fiohen, wurden jedoch von den Karabinieren ve» folgt und bis auf Wenige theils nickerge- hauen, theils gefangen. Da man für das Nonnenkloster und dessen Kindcrschule bei Sirdhana Besorgnisse hegte, so ließ man die Nonnen und Kinder nach Meerut abholen und brachte sie daselbst in Sicherheit. Die Kunde von dem Aufruhr in Meerut hat auf den andern Stationen im Nordwesten kein illoyales Echo geweckt. In Agra war die Aufregung Anfangs nicht gering, aber sie legte sich, als Vize-Gouverneur Colvin auf dem Paradeplatz eine taktvolle Rede an die Brigade hielt, die mit Begeisterung von Eingebornen wie Europäern aufgenommen ward. Am lautesten und längsten schollen die Cheerö der Srpoys. In Etawah an der Jumne wurde ein halb Dutzend der meuterischen Kavalleristen von der Polizei und einer Abtheilung des 9. Infanterieregiments Eingeborner in Stücken gehauen. In Allyghur wurde ein Agent der Meuterer von demselben 9. Regiment gefaßt und den Behörden ausgeliefert. In Benares und dem ganzen übrigen Bengalen herrscht vollkommene Ruhe. In Lucknow brach der böse Geist einige Tage früher, als in Meerut, unter dem 7. Oude- Infanterieregiment aus; allein der Rest der Brigade blieb treu, und Sir H. Lawrence trat mit der nöthigen Festigkeit auf. Das Regiment gerieth dadurch in solche Angst, daß eS vor dem Blitz einer Geschützlunte auseinanderstob und Nichts mehr von sich sehen und höre» ließ. Der ganze Aufstand scheint sich auf Delhi zu beschränken. Eine der ersten Maßregeln des Vize-Gouverneurs war der Erlaß einer kräftigen Proklamation, welche die Bezirke von Meerut und Delhi unter das Kricgsgesetz stellt, die Bevölkerung vor etwaigen Sympathien mit der Empörung warnt, und ein strengeö Strafgericht über die Schuldigen verkündet. Der Hauptschlag wird Delhi vom Norden her treffen, aber auch auf allen andern Heerstraßen zieht sich das Gewitter um die Unglücksstadt zusammen. Unter den Truppeninassen, die gegen Delhi rücken, sind auch Reiter und Artillerie aus Gwa« lier im Süden, die Krieger der Sat RadschahS von Bhurt- pore und Ulwer im Westen, und die Reiter der Radschahs von Putteeala und Shecnet aus dem Nordwcsten. Delhi liegt auf dem rechten Ufer der Jumna und ist mit dem linken durch eine wahrscheinlich verbrannte Schiffbrücke verbunden, was den Truppenübergang eine Weile, aber nicht lange verzögern wird. Die Korrespondenz aus Calcutta, 18. Mai, stimmt in allen wesentlichen Punkten mit der aus Bombay überein. Sie erwähnt außerdem, daß Artillericleutnant Willonghby in Delhi das Arsenal und Pulvermagazin in die Lust sprengte, um es nicht in die Gewalt der Meuterer fallen zu lassen, und daß er allem Anschein nach ein Opfer seiner heroischen Hingebung wurde. Den Enkel des Großmoguls haben die Rebellen ter- rorisirt; daß er sich nicht freiwillig zum König ausrufen ließ, geht schon daraus hervor, daß der Vizegouverneur in Agra von ihm die erste warnende Anzeige von der drohenden Gefahr erhielt. Ein nennenöwerther Widerstand soll von den Aufständischen kaum zu erwarten sein, da sie sich in einer verzweifelten Lage befinden, eingepfercht in einer ummauerten Stadt, ohne Führer, ohne Lebensmittel, und ohne viel Munition. In moralischer Beziehung jedoch hat das Ereigniß eine Bedeutung, die man nicht unterschätzen darf. ES ist das erste Beispiel in seiner Art; denn bisher war es noch nie vorgekommen, daß ein Scpoy-Regiment seine Offiziere ermordete. London, 29. Juni. In der heutigen Sitzung zeigte der Minister des indischen Departements an, daß gegen Mitte Juli's 10,000 Mann in Indien eintreffen und 4000 Mann später dahin abgehen werde». (K. Z.) Frucht - Mittelpreije. Bruchsal, t. Juli. Walzen l7 fl. 35 kr., Kernen 17 fl. 33 kr., Korn 8 fl. 48 kr., Gerste 8 fl. 11 fr., Haber 6 fl. 23 kr., gem. Frucht 11 fl. Heilbronn, 4. Juli. Waizen 20 fl. 38 kr., Kerne« 18 fl. 44 kr., Gerste 10 fl. 52 kr.. Dinkel 7 fl. 36 kr., Hafer 7 ff. 33 kr. Mainz. 3. Juli. Waizel, 200 Pfd. 14 fl. 15 kr. bi« 14 fl. 45 kr., Korn 180 Pfd. 8 fl. 15 kr. bi« 8 fl. 40 kr., Gerste 160 Pfd. 7 fl. 45 kr. bi« 8 fl. /rankfurter Eourse. Pistolen 8. 38-40 dto. Preuß. 8. 57-58 Holl. Ivfl.-Stücke 9. 47-48 Randdukatcn 5. 30'/,-3l'/, 20-Frank-Sti'lcke 9. 20 W 3 /, Engl. Eonverain« 11. 44-48 Preuß. Thaler — 5-Franken-Thaler 2. 20'/, Preuß. Kaff.-Sch. l. 45'/,-'/, Rcdigirt, Truck und Verlag von D. Pfisterer in Heidelberg.