Der Lan-bote. Verkündigungsblatt der Großherzoglichen Bezirksämter Sinsheim und Neckarbischofsheim. lOP 0 - 85. Donnerstag, den 16. Juli 1857. Bestellungen auf den Landboten für das zweite Semester wollen bei den Großhz. Posten gemacht werden. [459] Nr. 576. L o b e n s e l d. Bekanntmachung Bauarbeitenversteigerung. Am Freitag den 24. d. M., Vormittags Uhr, werden auf dem Geschäftszimmer der Schaffnerci Lobenfelo die in der Baurelation genehmigten Arbeite» versteigert und zwar: am kathol. Pfarrhanse zu Sinsheim: für Schreiner und Tüncher . . . 49 st. 52 kr. am kathol. Schnlhause zu Sinsheim: für Schlosser, Blechner und Maurer 55 fl. 34 kr. am kathol. Pfarrhanse in Zuzenhausen: für Schreiner, Schlosser, Tüncher und Maurer.. lg fl. 54 kr. an den Wohn- und Oekonomiegebäuden der Hofgutspächter hier: für Maurer, Zimmerer, Schreiner, Schlosser, Glaser und Blechner 118 ff. 12 kr. Lobenfeld, den 6. Juli Heidelberg, den 6. Juli 1857. 1857. Großh. Schaffnerei. Gr. k. K.-Bauinspektion. Bollin. Greifs. [462] Durch einen bedeutenden Vorrath Forlen- stämme bin ich im Stande alle Arten Forlcnholz auf Bestellung zu billigen Preisen zu liefern. Neidenstein, im Juli 1857. Merz, Müllecmeister. In der Buchdruckerei von D. Pfisterer in Heidelberg find folgende Impressen zu haben: Für Bürgermeisterämter. 7. Feldfrevelthätigungsprotokoll. 8. Auszug aus demselben. 26. Vorladung zur Feldfrevclthätigung. 30. Zahlbefehle. 31. Liquiderkcnntniß. 32. Vollstreckungsverfügung auf Fahrnisse 22. Erkundigungsbogcn wegen unehelicher Kinder. 5. Erknndigungsbvgen in Unters.-Sachen. 6. Bcttelbuch. 21. Polizeistraftabelle. 17. Obsignationsprotokoll. 38. Berichte an das Amt um Dienstbücher. 39. Desgleichen um Heimathscheine. 1. Empfangschein u. Zeugnisse. 20. Nachtwachbuch. 40. Protokoll zum Eintrag der Gesetze u. Verordnungen. 24. Nachtzettelregister. 36. Einzugsregister. 13. Tagebuch für Rathschreiber über die wandelbaren u. zufälligen Einnahmen. 37. Gemeindevoranschläge. 34. Gemeindcrechnungsabschluß. 42. Hauptbuch oder Rechnungs-Entwurf. 19. Kassabuch. 4. Tagebuch für Feldhüter. JMu* Geschichte des Tages. Karlsruhe, 13. Juli. Se. Kais. Hoh. der Großfürst Michael von Rußland sind gestern früh nach Wildbad abgereist, um bei der Feier des heute stattfindenden Geburtsfestes Ihrer Majestät der Kaiserin Mutter dort anwesend zu sein. Ebendahin haben Sich heute Vormittag Se. Königl. Hoheit der Prinz von Preußen begeben, um von Höchstseiner Durchlauchtigsten Schwester Abschied zu nehmen. Ihre Großhcrzogliche Hoheit die Prinzessin Cäcilie wird morgen Mittag die hiesige Residenz verlassen, um die Reise nach Rußland anzutrcten; Ihre Königliche Hoheit die Großherzogin Sophie wird Höchstihre Durchlauchtigste Tochter biö Frankfurt a. M. begleiten, und in Bruchsal werden Höchst- diesclben mit Ihrer Majestät der verwittweten Kaiserin von Rußland zusammentrcffen. Karlsruhe, 14. Juli. Ihre Königl. Hoheit die Groß- herzogin haben auch den gestrigen Tag über verhältnißmäßig sehr wohl Sich befunden und die darauf folgende Nacht vortrefflich geschlafen. Wie die hohe Mutter in der Erholung, so macht der junge Prinz in seinem körperlichen Gedeihen die erfreulichsten Fortschritte. Karlsruhe, 14. Juli. Wie das --Bad. Zntbl.« wissen will, stünde auf dem nächsten Landtage u. A. die Vorlage eines Gesetzentwurfs über die neue Katastrirung allcö landwirth- schaftlichen Geländes zu erwarten. Vorerst werde eine Revision des Häuser-Steuerkatasters nicht erfolgen. Vom Neckar, 13. Juli. Aus allen Theikcn unseres Landes ertönt nur eine Stimme des Jubels und der tiefinner- sten Theilnahme an dem freudigen Ereignisse, welches vor wenigen Tagen den fürstlichen Ehebund, dessen Schließung im vorigen Jahre als ein allgemeines Landcsfcst vom Volke mit- gefeicrt wurde, mit Vater- und Mutterfrcude gesegnet hat. In je reicherem Maße alle Hoffnungen in Erfüllung gegangen sind, welche für Fürst und Volk an das damals gefeierte Ereigniß sich geknüpft haben, um so inniger mußte die Theilnahme an dem sein, welches dem allgelicbten Fürstenpaare die höchste Freude eines christlicben Hausstandes gebracht hat. Ohne alle äußere Anregung haben sich in allen Gemeinden bei der ersten Kunde desselben die Häuser festlich geschmückt, und in alle Herzen ist die Freude cingezogen, um als inniges Gefühl des Dankes für die Erhörung heißer Gebete und un- gchcuchcltcr Theilnahme an dem Glücke des Landcsvaters und der Landcsmutter ihm wieder zu entströmen. Wie in den schönsten Zeilen ungebrochener Treue und Liebe hat sich jetzt wiederholt die Thatsachc bewährt, daß der Sturm der Zeit, der von der Fremde her wehend auch in unscrm Lande wü- thcte, die alte Liebe und Treue zu dem angestammten Fürstenhause nicht entwurzeln konnte. Entwurzelt, zerstoben ist das Unkraut, dessen Saamen der Wind in unsere Gauen getragen, und freudig ist die alte und neue Saat alter Pietät und deutscher Treue wieder aufgeschossen und durchdringt mit ihrem Geiste die Ordnungen unseres schön wie je aufblnhenden Staates. Nicht blos sind die äußern Wunden geheilt, sondern auch vo» innen heraus quillt ein Strom gesunden inner» Lebens, der uns froh in die Zukunft blicken läßt. An allem Schmerze, wie an aller Freude, welche GotteS Wille unserm Fürstcnhause sendet, nimmt das Volk einen Antheil, welcher beweist, daß es dessen Schmerz und dessen Freude als seine eigenen empfindet und so sich mit ihm in der Gemeinschaft weiß, welche jenem, wie ihm selber zur Ehre und zum Segen gereicht. Gesenkte» Hauptes hat die trauernde Liebe an dem Grabendes in Gott entschlafenen Fürsten und Herrn gestanden; - 330 - mit froh erhobenem feierte sie den Ehcbund des regierenden, feiert sie die Verwirklichung der Hoffnung, die sich an ihn geknüpft. Und wie feiert der Fürst das Fest feiner Freude? Dadurch, daß er einen neuen Akt der vcrföhnenten und verzeihenden Liebe vollzieht, daß er Gebrauch macht von dem schönsten Rechte seiner Krone, der Uebung der Gnade, und nicht bloS gegen Die, welche, vom strafenden Arm der Gerechtigkeit erreicht, die Strafe, die daö Gesetz ihnen zucrkennen mußte, theilweis erstanden haben, sondern auch gegen Solche, die sich der Sühne des Rechts, an dem sie gesreveit, durch die Flucht entzogen haben. So tönt daö Wort der Gnade wen über die Grenzen des Landes hinaus; und Mancher, der in der Ferne aus bitterer Erfahrung gelernt hat, die Zustände und Einrichtungen seines Vaterlandes, die er mißkanute, besser zu würdigen, der in jenen als frei von ihm gepriescum Staaten der Unvollkommenheit und des Elendes mehr >ah, als daheim, und den Werth des Menschen bis zur Herabwürdigung der Person zur Sache gering geschätzt, der »i den Landern der freiesten Demokratie, der allgemeiuen Meu,chrurechtr, erblickru mußte, wie keine Hand sich rührt, um den Hungrigen zu sai- tigen, den Kranken zu pflegen, den Nackten zu kleiden, zumal wenn er ein Fremder ist, ja Mancher von tiefen durch eigene und fremde Schuld Verhörte» und Mißleitete« wird gelernt haben, was es heiße, in einem Staate zu lebe», wo der Mensch als solcher in seinem Rechte anerkannt ist, der Staat als solcher der Hilflosen sich m,nimmt, und der Fürst und sem ganzes Haus keine Gelegenheit vorübcrgchci, läßt, um durch die größten persönlichen Opfer die Nvrh der Bedrängten zu lindern und Trost und Segen in die Hütte des Aermste» zu spenden. Hat er im Vaterlande vielleicht mit thörichtem Neid auf Die geblickt, die mehr besaßen, als er, und sich die Genüsse und Bequemlichkeiten des Lebens mehr anciguen konnten, als er, so wird er jetzt aus einem Blinden ein Sehender geworden sein, und erkannt haben, wie Wohlleben und Verschiedenheit des Besitzes auch anderwärts zu finden sind, aber ohne das Gefühl christlicher, wcrkthätiger Liebe, die m seinem Vaterlande von dem Eigenen gibt, um fremde Roth zu lindern, und die in dem Niedrigsten und Aermste» den Volks - und Landesgenossen anerkennt, daß sie mit ihm durch die heiligen Bande der Nationalität und der allgemciiien Menschenliebe verbunden sei. Und diese christliche, werkthätige Liebe, wo leuchtet sie ihm Heller und strahlender entgegen, als i» dem Fürstenhause/ das er in der Verblendung vertauschen wollte mit der vielköpfigen Tyrannei gewissenloser Volköverführer? Diese Liebe reicht ihm die verzeihende Hand in die Ferne, um ihn wieder hcranziiziehen an bas theure Vaterland, und ihn theil- haftig zu machen des Segens einer auch des Irrenden sich erbarmenden fürstlichen Herrschaft. Wenn der Gnade eine Schranke gesetzt ist, so erklärt sich Dies aus der Natur der Dinge; die Schranke setzt daö allgemeine Staatöliitereffe, das der Fürst selbst zu wahren hat. Mögen denn Diejenigen, welchen die Pforten des Vaterlandes unter den gegebenen Bedingnngen wieder sich öffne», als Ncu- geborne, als Wiedergewonnene dahin zurückkehren, und fortan Mitarbeiten an seinem Gedeihen; je kräftiger sie Dies thun, Jeder in seinem Kreise, um so mehr werde» sie ihre schuldvolle Vergangenheit in Vergessenheit bringen und mitbauen helfen an dem eigenen und des Staates Wohl, begreifend, daß das erstere mit von dem letzter,, bedingt ist. (K. Z.) Neckargemünd, 10. Juli. Das gestrige freudige E>- rigniß der Ankunft eines Erbprinzen wurde hier durch Musik, Glockengcläute und Böllerschüsse gefeiert. Be, Zusammenkunft geselliger Männer in, Gasthaus zur Pfalz wurde, unter Be- sprechung dieses freudigen ErciguisseS, das Thema auf die bedrängten Schleswig-Holsteiner Beamten und deren Familien gelenkt und unter Theilnahme aller 18 Anwesenden beschlossen, sich vorerst auf ein Jahr zu verpflichten, monatliche Beiträge für dieselbe zu geben. Aus Neckargemünd, 10. d., berichtet die „Bad. Ldz." folgenden Unglücköfall: Der hiesige Zimmermeistcr Kern war gestern in dem Orte Mauer und begab sich von der Wirths, stube in den Hof. Von da ging er unvorsichtiger Weise in den Stall, wo ein Fasel von etwas wilder Natur stand. Derselbe riß sich los und zerdrückte den Mann, der sich nicht mehr retten konnte, dermaßen, daß er nach etlichen Stunden unter furchtbaren Schmerzen dahier verschied — erst 33 Jahre alt. Von der Bergstraße. Das Gcsangfest in und bei Auerbach verlief auf's Beste. Es mögen wohl an 180—200 Theilnehiucr zugegen gewesen sein. Die Spenden für die Schleswig-Holsteiner beliefen sich auf mehr als 160 fl. Vom Unterrhcin, 12. Juli. Einem längst gefühlten Bedürfnisse ist jetzt abgeholfcn. Es ist nämlich seit Kurzem ein Waghäusler Postomnibus eingerichtet. Dieser geht regelmäßig zu bestimmten Zeiten von Philippsburg und Waghäusel nach Langenbrücken und Bruchsal und von Langenbrücken und Bruchsal nach Waghäusel und Phikippsburg. Baden, 13. Juli. Die Zahl der täglich ei'ntreffenden Fremden ist in de« letzten Tagen bis gegen 600 gestiegen, und die gestrige Fremvenliste gibt die Gesammtzahl ans 16,034 an, etwa 2600 mehr, als im vorigen Jahre an demselben Tage. Vom Kaiserstuhl, 10. Juli. Wenn die alte Bauernregel: »Hängen die Trauben an Jakobi, so steht ein gutes Weinjadr in Aussicht," sich als wahr erweist, so dürfte heuer unserii Winzern ihre mühevolle Arbeit reichlich belohnt werden. Noch sind t4 Tage bis Jakobi, und schon jetzt hängen die Traube» bereits durchweg. Unter günstigen Witterungsver- hällnissen köttuten sie bis Ende dieses Monats größtentheils auswachsen. — Die Geschäfte im Wein sind kaum ncnnens- werth, die Preise in Neigung zum Fallen begriffen. Aus dem Amtsbezirk Triberg, 12. Juli. (K. Z.) DaS Feuer, welches am 6. d. den Ecklehof in Gütenbach ein- äschcrte, wurde von dem elfjährigen Hirtenknaben eingelegt. Sein Benehmen während und nach dem Brande machte ihn ' verdächtig; er ward eingezogen und gestand alsbald seine Fre- vclthat, welche er dadurch molivirte, daß ihm der große Furt- wangcr Brand so gut gefallen habe. Das anfänglich vermißte Mädchen. Tochter des verunglückten Hofbesitzers, hat sich später in einem Nachbarshause, wohin es sich beim Ausbruch des Brandes flüchtete, wieder vorgefundcn. Vom Schwarzwald, 12. Juli. Gleich nach der unheilvollen Dienötagskatastrophe in Furtwangrn ging das allgemeine Gerücht, daß das Rößlewirthshaus demnächst abbren« »eir werde. Die damals obwaltenden Umstände haben deß- halb auch die größte Vorsicht nöthig gemacht. Indessen sind einige Tage in aller Ruhe verstriche», und man gab sich allenthalben der Zuversicht hin, daß eine fernere Heimsuchung unterbleiben werde. Aber dieses ruhige Vertrauen ward gestern Nachmittag nach 2 Uhr tief erschüttert. Es brannte im Kamin des Nößlcwirthshauscö. In größter Eile wurden überall hin Feuerbvten entsendet, die ganze Nachbarschaft war in Bewegung, und in ganz kurzer Zeit waren mehrere Spritzen auf dem Platze. Zum großen Glück wurde man des Feuers Meister, ehe dasselbe Fortschritte mache» konnte; denn wenn dieses der Fall gewesen wäre, so würde Furtwangen jetzt ein Aschen- haufcn sein. Möge es der nun sehr thätige» UntersuchungS- behörde bald gelinge», über die Ursachen dieser vielfachen Feuersbrüiiste einiges Licht zu geben, damit nach vielen angstvollen Wochen die Zeit wiederkehre, wo man ohne Schrecken und Sorge wieder der so nöthigen Ruhe pflegen kann. Darmstadt, 11. Juli. Se. Königl. Hoheit der Groß- hcrzog und der Prinz Alerander sind heute nach Plombieres abgcreist, um Sr. Maj. dem Kaiser der Franzosen einen Besuch abzustatten. — 331 — Darmstadt, 13. Juli. Heute Nachmittag ist der Großherzog von Hessen von seinem Besuche beim Kaiser Napoleon in Plombieres wieder hier angekommen. Darmstadt. Der Großherzog hat die Todesurtheile gegen drei in den Bensheimer Mordprozeß verwickelten Personen bestätigt. — Die Assisc» haben über die --jugendliche Räuberbande-- Recht gesprochen: von 17 wurden 12 zu Kor- rektionshaus bis zu 3 Jahren verurtheilt. Mainz, 13. Juli. Eine hiesige Gesellschaft hat beschlossen, zur Unterstützung der Schleswig-Holsteiner Billardmarkcn zu sammeln, und ist bereits der Ertrag der ersten Woche mit 3 fl. 24 kr. abgeliefcrt. Ans Niederhesscn, 9. Juli. Gestern ereignete sich in Kerstenhausen ein schauderhaftes Verbrechen. Der Forstaus- sehcr Wien, der seine Frau im, wie man sagt, gegründeten Verdachte unerlaubten Umganges mit dem Lehrer halte, erschoß erst diese und dann sich. Ein Kind wurde durch diese Doppelmordthat Waise. Stuttgart, 9. Juli. Auch hier hat sich eine Weinvcr- beffcrungs-Gesellschast nach den Gall'scheu Grundsätzen gebildet. — Der --Bärciiwirth-- in Wiltbad erhielt für die dem regierenden russischen Kaiserpaare während 4 Tagen zur Verfügung gestellten Gemächer 10,500 fl. Auch die Geschenke flössen reichlich; goldene Uhren kamen bis zum Polizeidiener. — Wildbad ist so überfüllt, daß mehrmals schon vornehme zarte Damen im Omnibus die erste Nacht zubrachtcu. Ulm, 11. Juli. Wie wir soeben hören, brach gestern in Hausen bei Schelklingen Feuer aus und legte fünf Gebäude in Asche, leider wurden dabei auch 2 Pferde und 5 Stück Rindvieh ein Raub der Flamme». Köln. Der Kölner Männergesang-Verein hat von seiner heurigen Fahrt nach London einen Gewinn von 12,000 Thlr. zurückgebracht, welche dem Kölner Dombau zu Gute kommen. Wien, 10. Juli. Uebcr die Begrüßung des Königs von Preußen durch den Kaiser in Gänserndorf erfährt die --A. C.--, daß dieselbe eine von beiden Seiten höchst herzliche gewesen sei. Als der Zug hielt, eilte der Kaiser zum Wagen und der König verließ denselben sogleich; beide Monarchen umarmten sich wiederholt und verweilten längere Zeit im Gespräche, daher das verspätete Eintreffen des Zuges in Wien sich erklärt. Der Kaiser nahm sodann im Waggon an der Seite des Königs Platz, um nach Wien zurückzufahrcn. — Se. Mas. der König von Preußen ist heute Vormittag mit einem Separatzuge der Nordbahn nach Teplitz abgereist, und wurde von Sr. Maj. dem Kaiser bis zum Bahnhofe begleitet, in dessen großem Saale sich die sämmtlichen Erzherzoge, die Zivil- und Militärautoritäten versammelt hatten. Triest, 11. Juli. Heute sind folgende Nachrichten aus Bombay, 13. Juni, hier eingetroffen: ,,Jn ganz Bengalen und im nordwestlichen Theile von Brittisch-Indien herrscht allgemeiner Aufstand. Delhi befindet sich noch in der Gewalt der Rebellen, die Anhöhen neben der Stadt aber sind erobert. — Elliot bereitet einen Angriff auf Canton vor." London, 11. Juli. Die Meuterer sind vor Delhi geschlagen worden und haben 26 Kanonen verloren. Delhi sollte sofort gestürmt werden. In Bengalen und den nordwestlichen Provinzen dcsertirten viele Truppen. Der General Anson ist an der Cholera gestorben. London, 12. Juli. Mehr als 30,000 Sipoys sind in Bengalen desertirt und haben sich zerstreut. Die Bevölkerung ist überall ruhig. Die Behörden zu Calcutta sind weniger beunruhigt. London, 13. Juli. --Times-- kündigt an, daß die De, peschen aus Indien weniger ungünstig sind. In Bombay und Madras zeigen die Truppen sich noch immer treu. Die Engländer haben die Höhen in der Umgebung von Delhi besetzt. In Bombay betrachtete man die Krise als beendigt. Vas Haidemädchen. (Fortsetzung und Schluß.) Das reiche und vornehme Fräulein Palmer ist allerdings todt, rief da eine kräftige Stimme hinter den beiden Glücklichen; Johanna aber, bas arme kindlich frohe Haivemäbchen, lebt und gehört nun meinem Wilibald für immer au! Bei diesen Worten trat Meißner mit dem alten Georg aus dem Fichteugchölz hervor und eilte mit Jubel in Wilibald's Arme. Und kannst du mir verzeihe», daß ich dich durch die falsche Nachricht von Johannas Tode in Schrecken gesetzt habe? fragte Meißner. Verdanke ich denn nicht dir mein ganzes Glück, du treuester Freund! rief Wilibald jubelnd auS, indem er bald Meißner bald Johanna und bald Georg an sein Herz preßte. Aber ich war Anfangs selbst getäuscht und erschreckt worden, fuhr Meißner fort. Einer meiner Freunde in der Rest, beiiz, der in denselben Zirkeln Zutritt hat, in welchen die Präsidentin erscheint, schrieb mir gleich nach meiner Ankunft in Freicuwalde, daß die Nichte der Präsidentin, die gefeierte Johanna Palmer, plötzlich gestorben sei. Da ich mir nun bewußt war, daß ich durch meine erdichtete Erzählung Johannas vorgebliche Krankheit und Tod verschuldet hatte, so war diese Nachricht ein Donuerschlag für mich. Dir mußte ich diese Traucrkunde um so eher augenblicklich mittheilcn, als dadurch deinem schwankenden Zustande ein für allemal ein Ende gemacht wurde. Kaum hakt' ich den Brief abgeschickt, alS ein Schreiben von dem Bedienten der Präsidentin einlicf, dem ich eine namhafte Summe versprochen hatte, wenn er mir ohne Umschweife alles berichten würde, was sich im Hause seiner Herrschaft begebe. In diesem Schreiben gestand er mir denn, daß er mich bei meiner Anwesenheit i» der Residenz hintergangen habe: Johanna sei gar nicht krank gewesen, sonder» noch in derselben Nacht, in welcher sie von dem Ball zurückgekehrt, heimlich sortgegangen — wohin, könne er nicht sagen. Die Präsidentin habe ihm zwar bei Verlust seines Dienstes befohlen, gegen Jedermann von dem Vorfall zu schweigen und etwaige Nachfragen dahin zu beantworten, daß daö Fräulein Palmer gefährlich erkrankt fei; weil ich aber so große« Ankheil an dem Fräulein genommen und so freigebig gegen ihn gewesen sei, so habe er es für seine Pflicht gehalten, mich aus meinem Jrrthum zu reißen. — Dieser Brief erfüllte mich mit einer Freude, wie ich sie seit Jahren nicht empfunden. Da sich Johanna nur nach Estenau gewandt haben konnte, so eilt ich sogleich hierher, und nach langem freundschaftlichen Streite verabredeten wir, dich heute in dein verlornes Paradies wieder einzuführen, so schwer es uns auch ankam, dich so lange in einer falschen Trauer zu lassen. Das Haidemädchen mußte denn doch auch eine Probezeit bestehen, fügte Johanna selig lächelnd hinzu, und mußte beweisen, daß es allen Tank der Residenz von sich abgestreift habe. Daö sah ich schon am ersten Tage, sprach der alte Georg mit verklärtem Angesicht. Nur eine Stunde in der freien, schönen Gotteswelt, auf der grünen Heimathshaide, und meine Johanna mußte wieder daö armuthfröhliche, glückliche Mädchen werden, an dem mein altes Her; seine einzige Freude hat! Und ohne welches mein Herz dem Tode verfallen würde! rief Wilibald, dem alten Hirten die treue Hand drückend. Uebrigcns seid ihr beide auf das Schändlichste von der Präsidentin betrogen worden, sagte Meißner, sich zu Johanna und Wilibald wendend. Um euch einander zu entfremden, hat sie eure späteren Briefe aufgefangen und mancherlei Versuche ge- macht, dich, mein lieber Wilibald, bei deinen Vorgesetzten an- zuschwärzen, da sie stets die heimliche Furcht hegte, baß Johanna sich wieder für ihre Dorfliebe begeistern und die Verbindung mit ihrem edlen Sohn zurückweisen möchte. AuS demsel- — 332 — den Grund hat sie auch den alten treuen Georg trostlos fortschik- kcn lassen — Johanna hat nicht im Entferntesten geahnt, daß er selbst in der Residenz gewesen ist. Ihr eigener Bediente hat mir dies und noch andere Dinge mitgctheilt, die ich mit vielen säubern Streichen ihres Herrn Sohnes jedenfalls der Ocffentlich- keit übergebe» werde, wenn sie es wagen sollte, das Geringste gegen euer Glück zu unternehmen. Da es ihr indessen einzig und allein an Johanna's Vermögen gelegen war und dieseö ihr ja nun sicher ist, so wird sie sich hoffentlich nebst ihrem AlphonS äußerst ruhig verhalten. Die Glücklichen wurden hier durch Bertram unterbrochen, der mit bäuerisch vornehmer Haltung und würdevoller Miene angeschritten kam und Johanna eine Schrift überreichend in seiner gewöhnlichen hochtrabenden Redeweise sagte: Sintemal sich alles so zur Glückieligkrit kollativniret hat, so dürfte dies Dokumentum vielleicht noch etwas zur Multiplikation derselbe» beitragen. Als ich neulich in einem Anfall von Melancholie fämmtliche Truhen meines HauseS visitirle, fand ich dasselbe in einer alten Postille. Obwohl es durch verschiedene Insekten, sonderlich durch den plinu5 peclinicornis arg zerbohrt wor- drn ist, so lassen sich die meisten Vocabeln dennoch entziffern. Ohne weiter nach den Worten des ErschullehrerS hinzu- bören, Chatte Wilibald das Papier erwartungsvoll entfaltet. Es war eine von dem, Prediger j R. in D. ausgestellte und mit seiner Unterschrift! und dem Pfarrsicgel versehene Bescheinigung, welche besagte, daß F. L. Palmer, Sohn des Gutsbesitzers E. Palmer in G., in aller Form Rechtens mit Amalie Hammer, Tochter des Kaufmanns A. Hammer in H., getraut sei. Beigefügt war ein Schreiben dcö Predigers, worin dieser erklärte, daß er erst zehn jJahre nach dieser Trauung, die er selbst verrichtet, erfahren habe, welch' ein Betrug dabei vor- gefallcn sei. Der Küster des Kirchspiels habe ihm nämlich auf dem Sterbebett gestanden, daß er auf das Verlangen Palmers einen verkleideten Schullehrer zu seiner Trauung zu bestellen, Anfangs aus Habsucht eingegangen sei, bann aber aus Gewissenhaftigkeit ihn, den Pfarrer, die heilige Handlung habe vollziehen lassen. So habe Palmer nichts anders glauben können, als daß dieser Akt keine gesetzliche Gültigkeit habe, während derselbe doch in aller Form Rechtens vorgcnomineu sei. Am Schlüsse hatte der Prediger noch hinzugefügt, Laß er bereits bei allen betreffenden Behörden eine Anzeige davon gemacht habe, um der betrogenen, rechtmäßigen Gattin zu ihrem Recht zu verhelfen. Unmittelbar unter dieser Schlußbemerkung fanden sich einige Worte von Johannas Mutter, welche lauteten: „Von diesem Rechte werde ich nie Gebrauch machen: — ich will nicht Theil an dem Reichlhum und der Ehre dessen haben, der mich so schändlich hintergehcn konnte. Auch Johanna soll nur in dem Fall das Vermögen ihres Vaters annehmen, wenn dieser sie freiwillig als seine Tochter anerkennt." Wilibald hatte den Inhalt dieser Schriften laut vorge- lescn, und als er schwieg, sprach der alte Georg mit verklärten Mienen leise vor sich hin: Gott, ich danke dir auS Herzensgründe! Nun ist ja alles, alles gut! Der Schullehrer aber sagte mit salbungsvollem Tone: Gegen die Existenz dieser Dokumente schien sich der Herr, der Johanna vor einem Jahre nach der Residenz abholte, nicht fremd zu verhalten, denn er rccitirte einige Vocabeln derselben, z. B. „rechtmäßige Tochter", „sterbendes Küstergeständniß," „gesetzmäßige Gültigkeit," „Prediger R." und dergl. Meine Persönlichkeit war aber von dem neuen Dasein, welches mir durch das achtbare Douccur von Johannas Vater gegeben war, so erfüllt und entzückt, und Johanna war so voll Weinens und Trauerns, daß jene Rccitationen in der leeren Luft verhallten. Zweifelsohne aber dürften dieselben argumentiren, daß Johannas Vater nicht freiwillig zur Tochter-Erhebung geschritten sei. So wird Johanna um so leichter Vermögen und Residenz verschmerzen, sagte Meißner, der mit innerlichem Vergnügen den tollen Worten deS Schullehrers gelauscht hatte. Ihnen, Herr Bertram, würde eine achtbare Douceur «Verschmerzung jedenfalls einige Pönitenz in der Seelenkiefe erregen, setzte er dann zum Schullehrer gewendet hinzu, ohne eine Miene zu verziehen. Den Weisen ist ihr Reichthum eine Krone, sagt der König Salomo in den Sprüchwörtern, versetzte Bertram mit unendlicher Würde. Wilibald aber trat nun zu dem edlen Weisen, ergriff ihn bei der Hand und sagte: Herr Bertram, Sie haben sich vor Zeiten meinen Freund genannt, wollen Sie mir darum nun einen großen Liebesdienst erweisen, so seien Sie für die kurze Zeit, welche Johanna noch bei Ihnen bleiben wird, ganz wieder der arme Dorf-Präzeptor. In drei Monaten führ' ich Johanna als meine Gattin nach L. — dann können Sie ui Purpur und köstlicher Leinwand einhcrgchcn wie der reiche Mann und der König Salomo. Ich will Ihnen diese Reich- thumsvcrleugnung lohnen, womit ich kann! Nun, wenn Ihnen damit ein Gefallen geschieht, Herr Rüdiger, versetzte Bertram, so will ich gleich hingehen und meinen unfadenscheinigen Schulrock anziehe», an dem die Erinnerung eines Siebenteljahrhundcrts haftet. Mit den Worten schritt er mit möglichster Verleugnung seiner würdevollen Haltung rasch seinem kleinen Häuschen zu, wobei ihm indessen die langen Schöße und Quasten seines eleganten Schlafrocks einige Hindernisse cntgegenstellten. Wilibald aber preßte seine Johanna mit stiller Seligkeit an die Brust und Meißner und der alte Georg schauten mir leuchtenden Blicken auf die beiden Liebenden, deren Herzen nun keine Macht der Erde mehr zu trennen vermochte. Uebcr ihren Häuptern aber rauschte die hohe Erle leise im lauen Frühlingswind, und hin und her in den Zweigen fangen die Vögel ihre freudigen Abendlicdcr. Von der Haide und vom Fichtcnwalde wehte der Dnfthauch des Maies herüber und das glühende Abendroth warf wunderbaren Schein über die fernen Hügel und Wälder und über das friedliche Dorf im stillen Haidethal. Miszelle n. * Man hat berechnet, daß eine Frau, die jeden Tag 16 Stunden lesen würde, 936 Jahre alt werden müßte, um alle nur allein in Deutschland erschienenen — Kochbücher zu lesen. Heidelberg. Auf dem um 13. Jnli dahier abgehaltene» Viehmarkt wurden 174 Stück Vieh verkauft und dafür 20,710 fl. 58 kr. erlöst. Frucht - Mittelpreije. Heidelberg, 14. Juli. Kernen 200 Pfd. 14 fl., Karn 200 Pfd. 10 fl., Gerste 200 Pfd. 9 fl. 44 kr., Spelz 130 Pfd. L fl. 19 kr., Hafer 6 fl. 47 kr. Bruchsal, 11. Juli. Waizcn 15 fl. 50 kr., Kernen 15 fl. 4L kr., Gerste 8 fl. 55 kr., Haber 6 fl. 34 kr., gem. Frucht 10 fl. 30 kr. Durlach, 11. Juli. Weizen 16 fl., Kerne» >6 fl. 49 kr., Kern 9 fl. 52 kr., Gerste 9 fl. 1 kr., Hafer 6 ff. 50 kr. Frankfurter Courfe. Pistolen 9. 38'/--39'/, dto. Preuß. 9. 56'/,-57'/, Holl. Iliff.-L-tücke 9. 48-49 Randdnkarcn 5. 30/2-31'/, 20-Frank-Stücke 9. I9'/i-20'/, Engl. SouverainS 11. 44-48 Preuß. Thaler — 5-Franken-Thaler 2. 20'/«-'/« Preuß. Kaff.-Sch. 1. 45'/,-'/, Ncdigirt, Druck und Verlag von D. Pfisterer in Heidelberg.