Der Landbote. Verkündigungsblatt der Großherzoglichen Bezirksämter Sinsheim und Neckarbischofsheim. W ro - 93. Dienstag, den 4. August 1857. |499] Nr. 11,340. Sinsheim. Da sich Gg Heinrich Mann van Sinsbeim auf die an ihn ergangene Aufforderung nicht gestellt hat, wird derselbe des badischen StaatSbnrgerrechtS für verlustig erklärt, und vorbehaltlich feiner persönlichen Bestrafung im Betretungsfall in eine Geldstrafe von 800 st. verurtheilt. Sinsheim, den 30. Juli 1857. Großherzoglich bad. Bezirksamt. Otto. 1500] Nr. 9420. In der ersten Hälfte d. M. kosten 4 Pfd. Brod 1. Sorte.14 kr. 3 Pfd. Brod 2. Sorte.8'/* kr. Das Paar Wafferweck zu 9 l * 3 4 / 2 Loth . 2 kr. 4 Loth Milchbrod. l kr. 1 Pfd. Rindfleisch.9 kr. 1 Pfd. Kalbfleisch. 7 kr. 1 Pfd. Schweinefleisch.12 kr. 1 Pfd. Hammelgeisch.10 kr. Dieses wird hiermit zur öffentliche» Kenntniß gebracht. Neckarbischofsheim, den 1. August 1857. Großherzoglich bad. Bezirksamt. Benitz. [498] E i ch t e r s h e i m. Liegenfchaftsverstcigerung. Mit obervormundschastlicher Ermächtigung vom 25. Juli d. I., Nr. 11,112, läßt der hiesige Schntzburger und Handelsmann Jlaack Metzger der Erbtheitung wegen, mit Vorbehalt obervormundschastlicher Genehmigung, folgende Liegenschaften am Freitag den 21. August l. I., Nachmittags 1 Uhr, auf dem Rathbause dahier öffentlich versteigern: 1. Die untere Hälfte eines zweistöckigen Wohnhauses unten im Flecken, sammt Stallung, Holzschopfen und 14y 2 Ruthen Hausgarten, einseits Georg Philipp Vogel, anderseits Aron Metzger alt, vvrnen die Straße, hinten eigener Garten, im Anschlag von. 1400 fl. Gichteröheim, den 31. Juli 1857. Das Waisengericht. Landes. Clausing. Omnibusfahet. [497] Vom 1. August an fährt der Omnibus in Langen^rücken Mor- grns 10 Uhr 11 Min. nach Sinsheim, und wird der Zug V von Mannheim nicht mehr abgcwartet. Sinöheim, im Juli 1857. Die Gmnibnsgesellschaft. In der Buchdruckerei von D. Pfisterer in Heidelberg sind folgende Impressen zu haben: Für Bürgermeisterämter. 6. Bettelbuch. 21. Polizeistraftabelle. 20. Nachtwachbuch. 24. Nachtzettelregister. 17. Obsignationsprotokoll. 3ur Geschichte des Tages. Karlsruhe, 1. Aug. Das heute erschienene Regierungsblatt Nr. 32 enthält: I. Unmittelbare allerhöchste Entschließungen Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs. Dienstnachrichten. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Sich gnädigst bewogen gesunden, den Geh. Referendar Fröhlich mit dem Direktorium des Oberstudienraths zu beauftragen; dem Ministerialrath Dich den Vorsitz im Gewerbschulrathe zu übertragen; zu Mitgliedern des Gewerbschulratkeö die Mitglieder der früheren Ge« werbschulkonferenz, und zwar: den jeweiligen Direktor der polytechnischen Schule, ferner den Hofrath Eiscnlohr, den Ober- baurath Fischer und den Professor vr. Wiener zu ernennen; den Professor Thicry an der polytechnischen Schule dahier wegen Kränklichkeit auf sein unterthänigstes Ansuchen in Pcn- sionsstand zu versetzen; den Amtschirurgen Bordolo von Breisach auf das Amtschirurgat Mosbach zu versetzen; die Bezirks- Bauinspekti'on Baden dem Brzirksbaumeister Engesser in Emmendingen zu übertragen, und die dadurch erledigte Bezirks-Bauinspektion Emmcndingen dem Baupraktikanten Franz Sergcr, unter Ernennung desselben zum Bezirksbaumeister, zu verleihen; die evangelische Pfarrei Sulz dem Pfarrvcrwc- ser I. G. Helm in Grcmbach, das Physikat Stühlingen dem Amtschirurgen Mayer daselbst, unter Ernennung desselben zum Physikus, und daö AmtSchirnrgat Werlheim dem praktischen Arzte, Wund« und Hebarzte Leopold Magny daselbst zu über, tragen. II. Verfügungen und Bekanntmachungen der Ministerien. 1) Bekanntmachungen des großh. Ministeriums des grvßh. Hauses und der auswärtigen Angelegenheiten: ») Die Trennung des Posterpeditions - von dem Poststallmeistcrei-Dienste in Wilferdingen betr. d) Verordnung, den Postverkehr im Innern des Großherzogthums, hier insbesondere die Nachnahme auf Briespostsendungen betr. (Darnach haben die großh. Postanstalten auf frankirte Briefe und sonstige zur Beförderung mit den Briefposten zugelassene Gegenstände ohne Werthsdeklaration, welche die Grenzen des Großherzogthums nicht überschreiten, auf Verlangen des Absenders Gcldvorschüsse (Post- nachnahmen) bis zum Betrag von 3 fl. zu leisten.) 2) Bekanntmachung des großh. Justizministeriums: Die Vorbereitung zum öffentlichen Dienste in der Justiz und der inner» Staatsverwaltung betr. (Darnach wird 1) die Prüfung der Rechtskandidaten — statt jährlich zwei Mal (§ 2 der allerhöchstlandesherrlichen Verordnung vom 16. Dez. 1853) — jährlich ein Mal, und zwar im Spätjahr, vorgenommen; 2) die in der Prüfung nicht bestandenen Rechtskandidaten müssen sich spätestens nach zwei Jahren — statt nach anderthalb Jahren (8 10) — der weitern Prüfung unterziehen; 3) die Rechts- praktikantcn, welche sich der zweiten Prüfung unterziehen wollen, haben sich — statt im Laufe des Monats August (§ 18) — im Laufe des Monats Juli bei dem großh. Justizministe, rium zu melden.) 3) Bekanntmachungen des großh. Ministeriums deS Innern: a) Die Patentertheilung an C. Weiß aus Heilbronn für die von ihm erfundene Anfertigung von Dachziegeln betr. Ii) Die Revision der Medikamententare betr. c) Die Staatsgenehmigung von Stiftungen im Oberrhcinkreise, Seckreise und Mittclrhcinkreise betr. 4) Bekanntmachung deS großh. Finanzministeriums: Die Tilgung des AnlchenS der Amortisationskaffe zu fünf Millionen Gulden vom Jahr 1851 betreffend. III. Diensterledigung. Die mit dem Filial Dürrenbüchig verbundene evangelische Pfarrei Wössingen, Diözese Brette», mit einem kompetenzmäßigen Einkommen von 1643 fl. 57 kr. IV. Todesfall. Gestorben ist am 30. Mai d. I. der pensionirte evangelische Pfarrer Meyer von Tannenlirch. — 362 — Karlsruhr, 1. Aug. Heute ist eine allerhöchste Ordre vom 29. v. M. erschienen, wodurch einer Anzahl Angehöriger deS großh. Armeekorps und der Gendarmerie die Dienstauszeichnung für Unteroffiziere und Soldaten verliehen wird. Karlsruhe, 31. Juli. Großh. Hofforstamt bringt im heutigen Tagblatt die forstpolizeiliche Verordnung in Erinnerung, daß das Rauchen bei trockener Witterung in den Waldungen strengstens untersagt sei. — 1. .August. Oeffentliche Blätter haben in den letzten Tagen von einer Vereinbarung zwischen Frankreich und dem Großherzogthum Baden wegen der Erbauung einer stehenden, die beiderseitigen Eisenbahnlinien verbindenden Brücke über den Rhein biö Kehl gesprochen. Dieselbe ist wirklich zu Stande gekommen und bildet einen Theil einer unterm 2. v. M. dahier abgeschlcssenen Konvention, deren Wortlaut zuerst von dem franz. »Moniteur« mitgethcilt wird, nachdem die Ratifikationen uiücrm 21. v. M. dahier ausgewechselt worden sind. Mannheim, 30. Juli. Die Bierbrauer von Süddeutschland bis München, mit welchen sich französische bis Lyon vereinigen wollten, sollten eine Zusammenkunft in unscrm Lande haben. Die Sache zerschlug sich an dem Verlangen der französischen Brauer, welche Schwetzingen als Zusammen« kunftsort gewählt wissen wollten, Nun werden nur die näher gelegenen in Heidelberg zusanimen kommen. Man wünscht allgemein, daß auf diesem Bierkvngressc s stgcstcllt würde, nichts zu dem Bier zu verwenden, als was wirklich dazu gehört. Ueberhaupt wäre es gut, wenn das Kvnstanzer Verfahren ver- allgcmeint würde, und man überall Bicrproben vornäbme. Die Bäcker, Metzger, Kaufleute?c. werden kontrolirt, der Wein- wirth muß den Schoppen bis zum Aichstriche füllen, während die Bierbrauer ganz nach Belieben verfahren und fast an jedem Schoppen Vz wenigstens fehlen. Aus Baden. Dem Vernehmen nach findet die Einsegnung der Prinzessin Cäcilie von Baden nach griechischem Ritus zu Petersburg am 8. ()0.) August und die Vermäh- lungsfeicrlichkeit am 21. August (2. September) statt. Freiburg, 30. Juli. (Frbgr. Z.) Se. König!. Hoheit der Großherzog werden, wie nun fest bestimmt ist, Dienstag, 4. August, Abends 5 Uhr, hier eintreffc», von den Behörden und dem Gemeinderath auf dem Bahnhof chrfurchtsvollst empfangen, und von der höchst erfreuten Einwohnerschaft bei dem Einzuge in die Stadt ehrerbietigst begrüßt «erden. Mit dem Eintritt der Dunkelheit wird Allerhöchstdemselbcn von den Stu- direndcn ein solenner Fackelzug dargebracht. Vom Schwarzwalde, 30. Juli. Bekanntlich sind unsere Kartoffeln im Monat Juni zweimal erfroren. Nun stehen dieselben in voller Blüthe und sehen sehr gesund auS. Wenn sie aber ein reiches Erträgniß liefern sollen, so bedürfen sie nothwendig in Bälde eines durchdringenden Regens, da in Folge der anhaltenden Hitze das Laub allmählig zu welken beginnt. Stuttgart, 30. Juli. Der König ist heute früh von hier abgereist, um sich nach Biarritz zum Gebrauche der dortigen Seebäder zu begeben. Stuttgart, 31. Juli. (St.-A.) Se. Maj. der König haben vermöge höchster Entschließung vom 19. Juli d. I. dem Vorstande der großh. badischen Obcrkirektion des Wasser- und Straßenbaues, Ministerialrath Bär, das Kommenthurkreuz 2. Klaffe des Friedrichs-Ordens, und dem großh. badischen Assessor Bark bei der genannten Obcrdirektion das Ritterkreuz desselben Ordens zu verleihen geruht. Würzburg. Eö sind in den letzten Tagen zwischen hier und Augsburg einige Feld- und Waldbeände vorgekommen, die durch Funken aus Lokomotive» entstanden. Würzburg. Drei Bursche von Oberplcichfcld machten sich an einen Bauersmann, tranken ihm zu, führten ihn dann abseits und traktirten ihn dermaßen mit Schlägen, daß er für tvdt niedcrfiel. Hierauf schleppten sie ihr Opfer an einen 40 Fuß tiefen Brunnen, warfen dasselbe hinab und gingen weiter. Das Wasser belebte indessen de» Mißhandelten; er bemühte sich gegen das 9 Fuß hohe Element Stand zu halten, bis sein Stökncn Leute herbcirief, denen auch dir Rettung gelang. Die Miffethäter sind erreicht, einer davon hat sich aber schon im Arrest entleibt. In Bayreuth wurde eine gewisse Schwärze! wegen verschiedener durch Simulation eines magnetischen Schlafes und Hrllsehcn verübte Betrügereien zu 8 Jahren Arbcitöhausstrafe verurtheilt. Trarbach. Aller Argwohn und Zweifel über etwaige Brandstiftung, schreibt die »Elberf. Ztg.», ist nunmehr gehoben, und erklärt sich der Ursprung der schrecklich verlebten Tage auf folgende Weise: Die Kinder eines Schusters backten während der Abwesenheit ihres VaterS einen Pfannkuchen, den sie, alS der Vater betrunken und scheltend die Treppe hinankam, schnell mit der glühenden Pfanne in's Heu versteckten; einige Zeit nach dieser Unvorsichtigkeit schlug die Flamme hervor uud verbreitete sich mit ihrer verheerenden Macht. Köln. In Stetternich, Kreis Jülich, legte rin Brand 40 Häuser in Asche. Berlin, 29. Juli. Die Königin von Griechenland traf gestern Abend hier ein und begab sich unverzüglich nach Schloß Sanssouci. Basel, 29. Juli. Vor einige» Tagen hat ein hier sta- tionirtcr badischer Greiizaufschcr zwei Waisenknaben, die beim Baden in eine Untiefe gcrathen waren und deren Aufseher, der bei dem Versuche, solche zu retten, von ihnen erfaßt und untcrgrbracht worden war, mit Lebensgefahr vom Ertrinken errettet. Diesem muthigen Mann Namens Joseph Beck wurde von der Polizeidirektion hier ein ehrendes Zcugniß ausgestellt uud eine Geldbclohnung ertheilt. Verona, 30. Juli. Der Feldmarschall Graf Radetzky ist mit seinem Hausstand und Umgebung mittelst Ertratrain nach Mailand abgegaugcn, um dort seinen bleibenden Aufenthalt zu nehmen. Paris. Eine große Anzahl französischer Soldaten ist auf dem Feldzuge in Kabylie» in Folge der ungeheuer« Hitze und des Wassermangels wahnsinnig geworden. Paris, 29. Juli. Auf der Ostbahn (Straßburg) hat sich wieder ein Unglück ereignet. Ein Zug, der von Straßburg nach Paris fuhr, gericth in der Nähe von Oiry in Brand. Ein Waggon mit einer Ladung chemischer Schwefelhölzer entzündete sich. Da das Feuer ganz in der Nähe von Oiry ausbrach, so war für die Passagiere, die sich auf dem Bahnzug befanden, eigentlich keine Gefahr vorhanden. Unglücklicher Weise sprangen jedoch viele aus den Wagen heraus, und die Zahl der Opfer war groß. Zwei Frauen und zwei Kinder blieben auf der Stelle todt, und acht andere Personen wurden mehr oder weniger schwer verwundet. — Auf der Westbahn ereignete sich auch ein Unglücksfall, und zwar in der Nähe von Eaen. 17 Personen wurden verwundet. London, 30. Juli. Der Kaiser der Franzosen ist am 5. Aug. zu Portsmouth erwartet. — Die »Morn. Post« sagt, die Meinung, Rußland sei der Hauxtaustifter der indischen Unruhen, gewinnt stets mehr Verbreitung. London, 30. Juli. In der verflossenen Nacht hat die Regierung folgende offizielle Depesche erhalten: »Die Meuterei in Bengalen hat sich weniger ausgcbreitet, als befürchtet wurde. Die englischen Truppen sind im raschen Anrücken begriffen.— In China haben die Engländer ein Fort genommen und 127 Dschunken, welche 900 Kanonen führten, zerstört." London, 30. Juli. »Morn. Post» bringt folgende tel. Nachrichten, die ihr nachträglich über Marseille zugehen: In Calcutta herrschte am 14. Juni ein panischer Schrecken, der sich jedoch in Folge der energischen Maßregeln der Behörden vor Abfahrt deS Dampfers gelegt hatte. Von der bengali- — 363 — schen Armee haben 50 Regimenter zu eristiren aufgehört. Ein wohl ausgekachtcr Plan, Calculta am 23. Mai zu nehmen, war rechtzeitig entdeckt worden. Die nach China gesandten Truppen werde» mit größter Schnelligkeit zurückgebracht. Eine spätere Ausgabe der "Post« bringt abermals einige Mittheilungen aus Marseille: Das Weng-Korps war entwaffnet worden. Dem 70. cingebornen Infanterieregiment hatte der Gouverneur für seine Treue gedankt. Das 6. Jnfantcrie- regiment in Allahabad wctteiscrkc mit jenem in Ergebenheits- Versicherungen , empörte sich später, und ermordete seine Offiziere. Die größten Grausamkeiten gegen Weiber und Kinder waren in Ouarat, Dclbi, Äussenabao, Hansi, Hissar, Shanst, Barriüy und Saghcnwovr verübt worden. Am 15. v. M. war ein Ausfall aus Delhi blutig zurückgeschlagen worden; am 16. war Alles ruhig; 3000 Rebellen lagerten außerhalb des Aymecr-Thorcs. In Ferazcpore hatte» am 13. militärische Hinrichtungen startgefunden. 2>> Sbansi flüchteten sich Leiber und Kinder in das Fort; es wurde jedoch genommen und Alle wurden das Opfer der Wuth der Rebellen. General Outram ist in Bombay angekommen. Im Pendjaub ist Alles ruhig. Delhi wird wahrscheinlich vor der Ankunft der Verstärkungen nicht fallen; es wird von 30,000 Mann vertheidigt. Der Pariser Korrespondent der »Morn. Post" will aus anti-englischen, aber verläßlichen Quellen erfahren haben, daß die ganze indische Armee vom Geiste der Rebellion angestcckt sei und 150,000 Man» regulärer Truppen (!) uöthig sein dürften, um Indien zu behaupten. Petersburg, 22. Juli. Die Cholera ist im Zunchmen begriffen; heute sind 185 Kranke in Behandlung; es erkrankten 22 Personen, starben 6 und genasen 5. Aus der Eisenbahn. (Fortsetzung.) Diese Erzählung hatte eine Ahnung in mir geweckt, die ich anfangs selbst als eine widersinnige, tolle belachte, aber doch nicht los werden konnte, und die mich mehr und mehr, zuletzt fast gespensterhafl packte. „Wie sah der Herr aus, der aus dem Wagen sprang?" fragte ich das Kind. „Es war ein hübscher junger Herr." „Trug er einen Bart?" „Nein, er war ganz glatt im Gesichte." Das schlug meine Ahnung nieder; aber nur für einen Moment. Mit neuer Kraft, unwiderstchllch kehrte sie zurück. „Wie war er gekleidet?" „Er trug einen grünen Rock." „Keinen Staubmantcl?" „Nein, keinen Mantel." „Einen Hut oder eine Mütze?" „Einen großen, schwarzen, runden Hut." Das Alles paßte nicht. Allein je weniger es paßte, desto mehr, desto kräftiger wuchs meine Ahnung, die mir immer weniger toll, weniger widersinnig vorkam. „Wo blieb der fremde Herr?" fragte ich weiter. Das Kind wußte cs nicht und hatte nicht weiter auf ihn geachtet. Ich eilte darauf zu dem Vater des Kindes, dem Wirthe. „Haben in der Nacht von vorgestern auf gestern zwei Damen bei ihnen logirt?" redete ich diesen an. „Ja." „Wer waren sie?" „Eine Madame Meier aus Hamburg, mit einer Verwandten oder Gesellschafterin." „Erwarteten sie hier Jemanden?" „Eine Nichte." „Der Name der Nichte?" „Ich habe ihn nicht gehört. Sie wollten hier auf der Eisenbahn mit ihr zusammentrcffen, um sofort weiter mit ihr zu fahren." „Wohin?" „Sie wollten in ein Bad." „In welches?" fragte ich beinahe fieberhaft. „Ich weiß es nicht genau. Ich glaube, nach Baden-Baden." „Besinne» Sie sich." „Ich kann cs nicht bestimmter sagen." Der Kellner unv. die Stubenmagd wurden herbeigerufen. Diese wußten aber gleichfalls nichts Näheres, nichts Bestimmtes. Nun hatte ich doch einen Anhalt; ich machte mir wenigstens einen. Die junge Dame, die Richte der Madame Meier auS Hamburg, war noch beim Aussteigen ans dem Coupe in hohem Grabe erschrocken gewesen; das Kind hatte so einfach aber doch so wahr ihr Erschrecken bezeichnet. Sie hatte gesagt, daß sie allein gesessen, baß auf einmal rin fremder Mensch zu ihr durch das Fenster gekommen sei; darüber hatte sie sich erschreckt, mit ihr noch hinterher die Tante. Das konnte nur auf der Eisenbahn geschehen sein. — Ich eilte zum Bahnhöfe und ließ die Beamten um mich versammeln, die am vorgestrigen Tage den Morgenzug von R. nach K. begleitet hatten; zum Glück waren sie fast sämmtlich da. Anfangs wußte Keiner etwas; aber auf einmal kam Einem von ihnen eine Eriniicrung. Eö war derselbe, der auf der Fahrt den Waggon beaufsichtigt hatte, in welchem Hertel war. „Wie bin ich gedankenlos gewesen! rief der Mann, und er erzählte nun: I» R. hatte eine Mann eine sehr junge, blaffe, leitend aussehende Dame auf den Bahnhof geführt und für sie ein Coupce erster Klasse gesucht. Der Beamte hatte ihm eins an- weisen wollen, in welchem schon ein paar Herren saßen. Der Herr hatte aber um ein Coupee gebeten, worin die junge Dame entweder allein oder in Damengesellschaft sei. Ein Coupe erster Klasse, worin Damen fuhren war nicht da. Der gefällige Beamte, — wahrscheinlich, er sagte cs nicht, durch ein Trinkgeld gefällig gemacht — hatte der jungen Dame ein Coupee für sich allein gegeben, auch ihr sowohl, die sehr ängstlich, als dem Herrn, der sehr besorgt für sie gewesen, versprochen, unterwegs bis K., wo die Dame Gesellschaft erhalten werde, Niemanden zu ihr in das Coupe zu lassen. Der Beamte hatte sein Verspre« chen gehalten; gleichwohl besann er sich jetzt plötzlich, wie in K. aus dem Coupee der jungen Dame ein Herr gestiegen sei. Es war gerade in dem Moment geschehen, alS Hertel ihm seinen Verlust mitgethcilt; er hatte deshalb nicht darauf geachtet und es war ihm deßhalb auch später in das Gedächtniß nicht zurück- gekvmmen. „Wie sah der Reisende aus?" fragte ich de» Beamten. Er hatte ihn. nur sehr flüchtig gesehen; die Gestalt hatte auf ihn den Eindruck eines elegant gekleideten Herrn gemacht, wie sic in den Coupees erster Klasse zu reisen Pflegen. Einen grauen Staubmantcl und einen Bart hatte er auch nicht gesehen. „War das Coupee der Dame weit von dem Coupee Hertel's entfernt?" fragte ich wieder. Dem Beamten ging ein neues Licht auf. „Beide CoupeeS hingen unmittelbar an einander. Der Waggon bestand aus vier Coupees zweiter, und einem Coupee erster Klaffe. Dieses befand sich hinten, an dem vierten Coupee zweiter Klasse; in dem letzteren hatte Hertel gesessen." „Ist der Waggon hier?" „Die ganze Wagenreihe ist in R." Auf der Stelle war mein Vorsatz gefaßt. Ich kehrte nicht nach Hause zurück, sondern fuhr zunächst mit dem ersten Zuge nach R. Hertel und der Bahnbcamte mußten mich begleiten. In R. führte der Beamte mich zu dem Waggon, in welchem Hertel gefahren war, und dieser erkannte ihn auch gleich wieder. In dem vierten Coupee zweiter Klaffe hatte Hertel gesessen; unmittelbar dahinter befand sich das Coupee erster Klasse, in welchem die junge Dame gewesen war. Ich besichtigte sie genau. Die Thüren beider waren fünf Fuß von einander entfernt, und — 364 — konnten auch von innen geöffnet werden, namentlich die des Hcr- tel'schen Coupees. Zur Nvth war in diesem das Fenster so groß, daß ein schlanker Mensch, ohne die Thür zu öffnen, hin- durchsteigen konnte. War er draußen, so konnte er an dem Rande des Fensters, wie an dem festen Griff der Thür sich schwebend halten; er brauchte nicht einmal frei zu schweben, eine messingene Querstange unten an dem Wagen gab auch seinen Füßen einigen, wenn gleich geringen Halt. Hielt er sich einmal so, so konnte er, halb kletternd, halb sich schwingend, den Griff und den Rand der Thür des Coupees der Dame erreichen. Er hatte hier nicht nur einen ähnlichen Halt, wie an dem Coupee, das er verlassen, sondern auch, da er am Ende des Waggons war, den Bortheil, daß er an dem mit Stangen versehenen Rande desselben sich festhaltcn konnte. Er konnte dann von außen die Thür des Coupees öffnen, zur Norh auch hier wieder durch das Fenster steigen, das, wie der Beamte sich erinnerte, bei dem warmen Wetter offen gelassen war. Ich ließ einen gewandten Arbcitöburschen dcö Bahnhofes herbeikommen. Er mußte das Manocuvre versuchen, aus dem Hcrtel'fchen Coupee in das der Dame zu steigen, ohne die Erde zu berühren. Ich ließ Alles in den Stand fetzen wie eö aus der Reise gewesen war, und der Bursch lööte auch wirklich die Ausgabe. Er stieg durch die beiden Fenster des Coupees aus und ein, ohne daß die Thüren geöffnet waren; er konnte auch in seiner Lage beide Thüren öffnen. Ich ließ ihn das Manocuvre wiederholen, während der Wagen auf den Schienen in Bewegung gesetzt wurde. Freilich wurde er nur langsam geschoben und alle Vorsichtsmaßregeln gegen ein Unglück getroffen. Der Bursch kam auch so aus dem einen Coupee in bas andere; allerdings nur mühsam und ohne die Vorsichtsmaßregeln nur mit Gefahr. Auf der regelmäßigen Fahrt des Zuges war das Wagniß erst reckt ein halsbrcchrndcs; aber ein verwegener und gewandter Spitzbube kann für zwanzigtauscnd Thalcr schon elwaS wagen. Das Rätbsel deS Verschwindens des Diebes war gelost; wäre nur eben so leicht der Weg zu seinem Ergreifen aufzufinven gewesen. Zu allererst war die junge Dame zu ermitteln, zu welcher der freche Gesell in das Coupee eingedrungen war; sie mußte nothwrndig nähere Auskunft über ihn geben können. In einem grauen Staubkittcl, mit einem großen Barle war er in das Coupee eingcstiegc»; als eleganter Tourist, in grünem knappen Rock und mit glattem Gesichte hatte er eö wieder verlassen. Das setzte Momente während seines Alleinseins mit der Dame voraus, die unzweifelhast zu weiteren Spuren führen mußten; dabei war noch der Umstand bemerkcnswerth, daß die jungr Dame, von der man freilich nicht wußte, ob sie den Diebstahl erfahren, das Eindringen deö Fremden zu ihr nicht bekannt gewacht, sogar geheim gehalten und selbst ihrer Taute nur als ein Geheimniß anvertrauk hatte. Die Ermittelung der jungen Dame aber hatte ihre Schwierigkeiten. Ihr Name, ihr Wohnort war unbekannt; sie war die Nichte der Madame Meier aus Hamburg, aber in Hamburg gibt eö zwei - bis dreihundert Meier. Das? die Dame nach Baden-Baden gewollt, war nur sehr unbestimmt; doch ich hoffte in R. Nachricht zu erhalten, und erhielt sie auch, aber ohne dadurch weiter zu kommen. Die Sache schien sich im Gegentheile mehr zu verwickeln. Am vorgestrigen Morgen, ungefähr eine halbe Stunde vor Ankunft des Eisenbahnzugcs, war auf den Bahnhof eine elegante Equipage mit zwei braunen Pferden gefahren. Ein schon etwas ältlicher Herr und eine sehr junge, blasse, kränklich aussehende Dame waren ausgestiegen. Der Herr hatte ein Billct, nur eins, für die erste Klasse auf die ganze Tour des Zuges gelöst. Er hatte sich dann mit der Dame biö zur Ankunft des Zuges in den Warkesaal begeben, und sie dann zu den Wagen geführt, besorgt, daß sie ein Coupee für sich allein erhielt, sie in den Wagen gehoben, einen sehr zärtlichen Abschied von ihr genommen und an dem Wagen gestanden, bis der Zug abgefahren war. Darauf war er zu seinem Wagen zurückgekchrt, a» welchem die Pferde nicht auögespannt, und war sofort wieder abgefahren. Niemand hatte de» Herrn, die Dame, den Kutscher, den Wagen und die Pferde gekannt oder sich erinnert, sie vorher gesehen zu haben. Weder der Herr noch die Dame hatten mit Jemanden gesprochen; auch der Kutscher nicht, und andere Bedienung hatte man bei dem Wagen nicht gesehen. Ich forschte zwar weiter, woher der Wagen gekommen und wohin er gefahren sei. Ueber jenes war sonderbarer Weise gar nichts zu ermitteln, wenigstens nicht sogleich. Nicht viel mehr ergab sich für das Wohin. Der Wagen hatte eine Seitcn- chauffee eingeschlagen, auf dieser war er aber nur bis zur zweiten Station geblieben: von da an war seine Spur verloren. Ich selbst hatte sie bis dahin verfolgt; eine weitere Verfolgung mußte mich von meinem eigentlichen Ziele zu weit entfernen., Ich hatte den Damen zu folgen; die in ein Bad, hoffentlich nach Baden-Baden gegangen waren. Ich rcquirirte die Polizeibehörde in R., »ach dem Wagen fortgesetzte Erkundigungen einzuziehcn, und das Resultat mir nach Hause mitzutheilen. Ich telegraphirte dann an die Polizei in Hamburg, mir, gleichfalls nach Hause, Nachricht zu geben, welche Madame Meier einen Paß nach einem Bade, und nach welchem erhalten habe, eventuell bei allen zwei - bis dreihundert Familien Meier in Hamburg deshalb Nachfrage zu halten. Ich reiste darauf mit Hertel nach Hause zurück. Erkundigungen, die ich noch unterwegs nach der Madame Meier und ihrer Nichte einzog — sie waren denselben Weg gefahren — blieben fruchtlos. (Fortsetzung folgt.) Miszellen. * Ei» Pfarrer im Schwarzwald bat letzten Sonntag in seiner Predigt den Himmel um Regen, da die dürre Witterung so schädlich aus das Wachsthum der Feldfrüchte wirke. Kaum war er aber in der Sakristei, als ihm der Küster freudig verkündete: „Gott hat Ihr Gebet erhört, cs regnet wolkenbruchartig!" — „Das wolle Gott nicht!" rief der Prediger aus, „ich habe ja keinen Regenschirm bei mir." * Die Furcht vor der Cholera, schreibt man der »Br. Z." aus Petersburg, ist bei der dortigen Bevölkerung völlig geschwunden, einmal, weil diese Krankheit durch ihre allmählige Acclimatisirung in Petersburg sehr viel von ihrer intensiven Kraft eingebüßt hat, dann aber auch, weil sich die Heilung derselben mittelst der Elektrizität immer wirksamer zeigt. Der Ansicht der Petersburger Aerzte zufolge ist die Zeit der Herrschaft der Cholera für immer vorüber, nicht blos für Rußland, sondern auch für das übrige Europa. * Eine sonderbare Bedienstnng. Ein Gasthofbesitzer in der Wiener Lcopoldstadt hat eine Portierstelle zu vergeben, die er nur demjenigen verleihen will, der ihm dafür monatlich 50 fl. Pachtgeld zahlt. Frucht - Mittelpreise. Bruchsal, 29. Juli. Walzen 16 ft. 38 kr., Kerne» 16 ft. 57 kr., Gerste 9 st. 28 kr., Haber 7 fl. 26 kr. Mainz, 31. Juli. Neuer Walzen 260 Pfd. 13 ft., alter Waizen 11 fl. 36 kr. bis 12 fl., Korn 186 Pfd. 8 fl. 45 kr. bis 9 fl., Gerste 166 Pfd. 7 fl. 15 kr., bis 8 fl. Pistolen dto. Preuß. Holl. lOff.-Stücke Randdukaken 26-Zrank-Stücke 9. 38-39 9. 55-56 9. 48-49 5. 31-32 8. 20-21 Eng!. iLonoerams il. 44-4» Preuß. 2 Haler — 5-Krankcn-Thaler 2. 20*/, Preuß. Kaff.-Sch. 1. 44'/,-45* Redizirt, Druck und Verlag von D. Pfisterer in Heidelberg.