Der Lan-bote. Verkündigungsblatt der Großherzoglichen Bezirksämter Sinsheim und Neckarbischofsheim. Hp>. 105. Dienstag, den 1. September 1857. Gebäudeverkauf. 15461 Nr. 2224. Sinsheim. Von Seiten deS evangelischen Kirchenärars wird der Verkauf des hiesige» ersten evangelischen Pfarrhauses mit Oekv- nvmiegebäuden, Hvfraithcplatz und Garten, an der Hauptstraße neben Kaufmann Eduard Frank und Bäckermeister Jakob Kolb g legen, beabsichligt. Kauflustige welle» ihre Offerte binnen 6 Wachen bei uns schriftlich abgeben. Sinsheim, den 2V. August 1857. Graßh. Stiflschaffnei. Banz. 15481 Die Konskription pro 1858 betreffend. Nr. 12,756. Zur Vornahme der Lovsziehung wird Tagfahrt auf Donnerstag den 17. September, früh 8 Uhr, im Rathhaus dahrer anberaumt, worauf die Bürgermeister und Konskriptionspflichtigen der Gemeinden des Bezirks vorläufig aufmerksam gemacht werden mit dem Bemerken, daß wegen Vorladung der Pflichtigen noch besondere Verfügung Nachfolgen wird. Sinsheim, den 27. August 1857. Großherzoglich bad. Bezirksamt. Otto. Laur. Bekanntmachung. Wir haben bereits seit drei Jahren kein landwirthschaftliches Fest mehr abgehalten und haben deßhalb die Abhaltung eines solchen auf Dienstag den 20. Oktober l. I. beschlossen. Mit diesem Feste wird das Großhzgl. Landstallmeisteramt eine Preisvertheilung an die schönsten Zuchtstuten des hiesigen und der angrenzenden Bezirke und wir eine Preisvertheilung für sonstige landwirthschaftliche Leistungen verbinden, welcher lvdann noch eine Vertheilung von Preisen an treue Dinstboten folgen wird. Das Programm über das Fest wird s. Z. noch besonders bekannt gemacht werden. Die Preise, welche hiebei gegeben, sowie die Bedingungen, unter welchen sie erkannt werden sollen, sind folgende: 1) Für die zwei schönsten Fasset zwischen 2 und 3 Jahr- alt und unter der Bedingung, daß der Fasselhalter solche wenigstens schon ein halbes Jahr im Stalle gehabt hat, oder noch ein halbes Jahr behalten muß — je Zehn Gulden. 2) Für die schönste selbst gezogene Kuh — Zehn Gulden. 3) Für die schönste selbst gezogene Kalbin — Acht Gulden. 4) Hür die drei schönsten durch Landesgestütshengste gezeugten Fohlen bis zu 2 Jahre — Zehn Gulden — Acht Gulden — Fünf Gulden. 5) Für das schönste durch Kreuzung von englischen mit Landschweinen erzogene Schwein — Fünf Gulden. 6) Für die am zweckmäßigsten angelegte Fohlenwaide — Zehn Gulden. 7j Für die größte im lausenden Jahre von Herbstzeitlosen durch Ausziehen derselben gereinigte Wiesenfläche — Fünf Gulden. 6) Für dre zwei in den letzten 3 Jahren am besten hergerichteten Dungstätten mit regelmäßigem Pfuhlloche, Pfuhlpumpe und Spritzenkopf zum Ueberpfuh- len des Mistes — Zehn Gulden und Acht Gulden und endlich 0) Denjenigen zwei Baumschulenwärtern, welche die ihnen übergebenen Baumschulen nach der Instruktion hergerichtet und am besten unterhalten haben — Zehn Gulden und Acht Gulden. Für die unter 6 bis mit 9 ausgesetzten Preise sind die Bewerbungen bis längstens zum 1. Oktober l. I. bei uns einzureichen, die zu den Bewerbungen für die andern Preise nöthigen gemeinderäthlichen Zeugnisse haben die Bewerber bei der Viehschau den Preisrichtern zu übergeben. Wir werden auch dieses Jahr wiederum eine Verkochung mehrer preiswürdigen Stück VieheS sowie zweckmäßiger landwirthschaftlicher Geräthschasten mit unserem Feste verbindeu, und wird die hiezu ernannte Kommission den Herrn Bürgermeistern s. Z. Loose zusenden, um deren Verschluß wir dieselben hiermit ersuchen. Sinsheim, den 13. Juni 1857. Landwirthschaftliche Bezirksstelle. 14351 L a u r v p. f55 ll Bargen, Amts Neckarbischofsheim. Liegenschaftsversteigerung. Aus der Verlaffenschaft des ff Joh. Ad. Gangnus zu NeckaibischofSheim werden in Fvlge Auftrags Gr. Amts- rcvisorats Neckarbischofsheim vom 29. ». M., Nr. 345 l, die in der Gemarkung Bargen gelegenen Güterstücke, als: 4?Vi, Ruthen Gewann Obsthelden, Tar 5 st. 47*/t<> . allda • . 5 fl. 20y so „ allda „ 3 «. 1 Brtl. 17y,„ Ruth, allda * 65 fl. 5'/l» Ruthen Krautgarten, ...» 6 st. Summa 84 fl. Montag den 14. September 1857, Nachmittags 1 Uhr, in dem Rathhaufe dahier einer öffentlichen Steigerung, unter Vorbehalt obervormundschaftlicher Genehmigung, auSgeseht, was hiermit bekannt gemacht wird. Bargen, den 24. August 1857. Das Waifengericht. Bürgermeister Elfer. Henkel, Rathschreiber. Tabaksgarn, Tabaksnägel und Tabaksnadeln [550] Ernst Jac. Stutzmann. Die Ligarrenfabrik ttt Sinsheim und die Arbeiter! U. Als im Frühjahr 1857 die Zigarrenfabrik dahier eröffnet wurde, knüpften sich hieran für Jeden, dem es um die Verbesserung des Looses der arbeitenden Klassen zu thun war, die schönsten Hoffnungen; und dies gewiß mit Recht! War es bisher dem einen oder dem andern der hiesigen Einwohner — und deren Zahl ist gerade nicht gering — theilS Alters halber, theils wegen sonstiger körperlicher Beschaffenheit und Gebrechen nicht möglich, durch Hand- und Taglöhnerarbeit seinen Unterhalt zu verdienen, und mußte er auf Rechnung gemeinheitlicher Unterstützung sein Fortkommen fristen, so wurde diese Angelegenheit seit Eröffnung der Zigarrenfabrik in ein anderes Stadium gebracht. Hier wurde nun auch jenen, denen schwere Arbeiten unter oft ungünstigen Witterungsver- - 410 - hältnissen in freier Natur zu verrichten nicht möglich war, Ge, legenheit geboten, durch Eintritt in die Fabrik ohne große Kraftanstrengung ihren Unterhalt, ja noch mehr zu verdienen. Von dieser Ansicht haben denn auch ohne Zweifel die hiesigen städtischen Behörden geleitet, als sie dem Projekte einer Fabrikerrichtung durch einen Zuschuß auS städtischen Mitteln ihre Theilnahme widmeten. So konnte man allerdings der Hoffnung Raum geben, daß sich für die Hinkunft eine nicht unbedeutende Position in dem städtischen Voranschlag, nämlich jene der Armenunter, stützung, um ein Namhaftes mindern werde. Von diesem Gesichtspunkte aus, und weil auch der Stadt überhaupt eine Quelle geöffnet wurde, aus der vielseitig Nutzen und Vortheil konnte geschöpft werden, hat man die Entstehung gedachter Fabrik im wohlverstandenen Interesse willkommen geheißen. Gleichwohl gibt es noch Viele, welche die ihnen gebotene Arbeit und den sichern Verdienst verschmähen, denen bei Ge, sundheit und Körperkraft 'durch Anwendung des nöthigen Fleißes unter Bethätigung entsprechender Ausdauer eine schöne Zukunft hätte erblühen können, die aber aus eigenthümlichcr Selbstverblendung den Eintritt in die Fabrik meiden. Ihnen gegenüber sprechen wir mit den Worten der Schrift: „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen." Diese haben einen Anspruch auf Unterstützung aus gemeinheillichen Mitteln nicht mehr. Auch möchten wir ihnen nachfolgende Punkte zu erwägen geben: 1) Wenn Euch anderwärts nicht das ganze Jahr Gelegenheit zur Arbeit geboten ist, so findet ibr diese in der Fabrik. 2) Die Arbeit ist nicht anstrengend, und der Erwerb bei Fleiß und Ausdauer ansehnlich zn nennen. 3) Ihr arbeitet im Trockenen, weder bei zu großer Hitze, noch Kälte, fast ohne merkliche Bewegung und was hoch anzuschlagen ist, schonet Eure Kleidung. 4) Treten außergewöhnliche Verhältnisse ein, die Euch zur Arbeit außer der Fabrik nöthigen sollten, etwa in der Erntezeit re., so wird Euch dies von den Fabrikherrn vorübergehend gestattet. 5) Die Fabrikordnung ist entsprechend, und die einzugehenden Verträge legen Euch keine Bedingungen auf, deren Erfüllung besonders schwierig ist; fragt Hierwegen die Andern. 6) Leihet nicht grundlosen Verdächtigungen gegen die Fabrik Euer Ohr. Allen kann nicht Alles gefallen, und selten entsteht etwas Neues, das nicht seine Feinde hat. Binnen Kurzem treten wir in eine andere Jahreszeit und Mancher wird dann denken: „Jetzt könntest auch Dn in der Fabrik sitzen und Deine Zeit bei Arbeit und Verdienst zubringen, anstatt hier in Ruhe und Nichtsthun zn verweilen." Anstatt daß die Fabrikbesitzer ihre Arbeiter, wie sie dieses anfänglich auch wollten, von hier und aus der Umgegend zie- hen, sind sie genöthigt, um ihr Geschäft in einer Ausdehnung betreiben zu können, solche von entfernten Gegenden hierher kommen zu lassen. So ist kürzlich auf ihr Verwenden eine Anzahl fremder Zigarrenmacher hierher übersiedelt, und soll dies in Kürze abermals geschehen; hiesige Arbeiter verschließen sich so selbst den Weg zum Verdienst. Es ist in der That unbegreiflich, wie bisher so augenfällige Vortheile verkannt werden konnten. Auf was immer für Ursachen und Beweggründe diese Theilnahmlosigkeit an den durch die Zigarrenfabrik gebotenen Wohlthaten sich auch zurückführen lasse, so möchten wir vor ferneren Selbsttäuschungen warnen. Noch ist es Zeit nachzuholen, was versäumt wurde. Wohlan denn so greifet mit emsiger Hand nach der Arbeit, und ihr werdet gar bald die Wahrheit erkennen: „Die Arbeit gibt einen goldenen Stab!" Zur Geschichte des Sages. Vom Neckar, 27. Aug. In Mannheim haben sich die Bäcker zu einem weitern Brvdabschlag nicht verstanden, während die Gebrüder Kaufmann von Feudenheim jeden Tag eine große Quantität Brod dort einführen und um 2 Kreuzer wohlfeiler geben, als die von den dortigen Bäckern »nach eigener Erklärung-- festgesetzte Tare beträgt. Die Verkaufsbude ist immer ganz dicht umstellt, und das gut befundene Brod geht schnell in die Hände der Käufer; auch die Weißbackwaaren aus Feudenheim sind nach einstimmigem Urtheil vorzüglich, und die Verkäufer — zufrieden. Mehrere Bierbrauer sollen sich vereinigt haben, die Winterbiere wieder rein aus Hopfen und Malz zu brauen, und im Interesse des Publikums die Behörden anzugehe», dem Biergemisch ernstlich entgegen zu treten. Es verlautete neuerlich, daß in Heidelberg mehrere Bierbrauer, ich glaube fünf, das sog. „Bremeneck" pachten und vereinigt dort die Wirtisschaft betreiben wollten. Viele glaubten an eine großartige Vcreinsbraurrei; allein die Sache soll anders sein, indem die fünf Pächter angeblich abwechselnd ihr von jedem Einzelnen gebrautes Bier dort ausschenken wollen, während gegenwärtig die bescheidene Pächtersfamilie ganz gutes „Edinger Bier" aus d«r gräflich v. Oberndorf'schen Brauerei verzapft und zwar zur allgemeinen Zufriedenheit des biertrinkendcn Publikums. Vom Kaiscrstuhl, 24. Aug. (B. L.) Die Weinpreise sind wieder bedeutend gefallen, so daß man den Bahlinger und Eichstetter zu 14 fl. 30 kr. bis 15 fl. per Ohm kauft. — Der in neuerer Zeit vielfach besprochenen Bierfabrikation scheint sich jetzt auch die Weinfabrikation zugesellen zu wollen. Im Städtchen E. hatte unlängst ein Bürger an 2 Wirthe von Wyhl und Oberhausen Wein verkauft. Die Käufer faßten denselben beim Vcrkänfer ab und verbrachten ihn in ihre Keller. Der Wein hatte eine schöne Farbe und einen guten Geschmack. Nachdem die Wirthe ihn den Gästen in Flaschen auf die Tische gebracht und solcher einige Minuten stand, wurde er ganz schwarz und verlor gänzlich die Farbe, was sämmtlichen Anwesenden auffiel. Die Wirthe nahmen die Weine sofort auf ihre Wagen und brachten solche dem Verkäufer wieder unter steueramtlicher und polizeilicher Anzeige. Nach genommener Einsicht entdeckte man in den Fässern des Verkäufers verschiedenartige Substanzen. Die Sache wird noch weiter untersucht werden. Furtwangen, 26. Aug. Nach amtlichen Erhebungen beläuft sich der Schaden, der durch den großen Brand im Juni verursacht worden ist, auf 195,254 fl. Hievon fällt auf die ärmere Einwohnerklaffe, worunter viele Dienstboten, für unversichertes Gebäudefünftel und unversicherte Fahrniß die bedeutende Summe von 35,000 fl. In Anbetracht des Noth- standes dieser ärmeren Brandbeschädigten wurde durch Erlaß des großh. Ministeriums des Innern in den Gemeinden des Oberrheinkreises eine Kollekte an Geld und Naturalien bewil- ligt, deren Ertrag an das Unterstützungskomite in Furtwangen eingeliefert werden soll. — Die Arbeiten zum Wiederaufbau der abgebrannten Gebäude sind bereits im vollen Gang. Lei- der verunglückte dieser Tage ein Arbeiter bei dem Ansgraben einer Baustätte. Aus dem Seekreis, 28. Aug. Nach dem Ausspruch erfahrener Landwirthe ist der Dinkel seit 10 Jahren an Menge und Güte nicht so nach Wunsch ausgefallen, wie in diesem Jahre. Ja es ist Thatsachr, daß viele Landleute den diesjährigen Erntesegen nicht ganz unter Dach bringen können. Daher wird jetzt schon vielfach Spelz gedroschen. Es war nichts Seltenes, daß aus demselben Flächenraum, wo sonst in guten Jahren 20 Garben erzielt wurden, diesmal 30 bis 32 weggeführt wurden. Die Fruchtmärkte werden zum Theil mit neuem Kernen überführt. Der Abschlag des Kernens war er« — 411 heblich, und da allem Anscheine nach die nächsten Märkte noch stärker befahren werden, so ist ein noch stärkeres Weichen der Fruchtpreise zu erwarten, was auch auf einen entsprechenden Abschlag der immer noch hohen Brodprcise hoffen läßt. Ebenso lauten die Berichte aus Turin. So dürfen wir wohl uns der Hoffnung hingeben, daß die Zeiten der Noth bald vollends überwunden sein werden. Mainz. Die neuliche Nachricht, der Windshäuser Hof sei abgebrannt, war eine irrige. Stuttgart, 27. Aug. Das auf allen Schrannen Wür- tembergs bemerkliche anhaltende Sinken der Getreidepreise hat heute eine außerordentliche Regulirung der Brodtare veranlaßt. 6 Pfund Kernenbrod kosten 21 kr., Schwarzbrod 19 kr. Ein Paar Wecken sollen 12'/, Loth wiegen. Stuttgart, 28. Aug. Heute Nacht wurden die Fensterläden am Laden des Goldarbeiters Nille in der Eberhardsstraße erbrochen und aller der Goldwaaren beraubt, die dort zur Schau ausgestellt waren. Vom Thäter hat man bis jetzt keine Spur. München, 26. Aug. Das "Augsb. Tagbl.« berichtet über das Resultat der Untersuchung in Betreff der ofterwähn- ten Eisenbahn-Unterschleife: Durch Erkenntniß deö Kreis- und Stadtgerichts Augsburg vom 30. Juli in der Untersuchung über die gegen eine Anzahl von Eisenbahn-Beamten und Kondukteuren erhobene Anklage der Veruntreuung im kön. Dienste ist gegen 46 derselben wegen Mangels hinreichender Gründe das Strafverfahren eingestellt, gegen weitere 27 die Verweisung vor die öffentliche Sitzung des Stadtgerichts Augsburg wegen des Verbrechens der Amtsuntreue zweiten Grades ausgesprochen worden. Zur Verhandlung sollen über 100 Zeugen vvrgeladen werden. Gegen 4 Kondukteure wurde nachträglich Verhaftung erkannt. Von den 27 zur weitern Abur- theilung Verwiesenen sind 18 gegen Kaution aus der Haft entlassen; Einer, der vormalige Expeditor Heinzelmaier, befindet sich auf'flüchtigem Fuße. Homburg (Kurhessen). Ein Dachdeckermeister, als Trinker bekannt, verlangte am 19. d. M., wo Krimesmarkt war, und er dem Schnaps schon gehörig zngesprochcn, von seiner Frau nochmals Geld zu Branntwein. Da ihm diese das Geld verweigerte, nimmt er den Schieferdeckerhammer und haut mit dem spitzen Ende von oben herab dieselbe in den Kopf, so daß sie den Geist aufgab. Köln, 27. Aug. Zuverlässigen Privat-Nachrichten zufolge ist die unglückliche Stadt Berncastel vorgestern Abends wiederum von einer Feuersbri'.ust hcimgesucht worden, welche fünfzehn Gebäude (in der Kapuziner- und der Rvmerstraße), darunter auch die Kapuzincrkirche nebst deren Pfarrhaus, einäscherte. Berlin, 26. Aug. Man betrachtet es hier als ziemlich sicher, daß der C-ar in Darmstadt eine Entrcvue mit dem Kaiser der Franzosen haben werde. Von dort begibt sich Kaiser Alexander zu einem mehrtägigen Besuche nach Stuttgart und kehrt sodann über Weimar nach Berlin zurück. Berlin. Bei der anhaltenden tropischen Hitze hat man in mehreren Forsten unter dem Wilde ein großes Ausstcrben bemerkt, dessen Entstehung in Folge der Zergliederung der Kadaver von einem Milzbrände hcrgeleitet wird. Durch Ausstreuen von Salz in den Forsten, so wie dad urch, daß man Salz in das Waffer wirft, aus welchem das Wild zu trinken pflegt, hofft man diesem Uebel Einhalt zu thun. Wien. Der weithin berüchtigte Räuberhauptmann Rosza Sandor ist unter starker Eskorte nach Siebenbürgen gebracht worden, damit er die Stelle bezeichne, woselbst seit der Revolution große Summen und Werthsachen vergraben liegen. Bruck. Dieser Tage sah Gräfin B—h auf ihrem Gute bei Bruck a. d. Mur mit großem Interesse einer in Thätigkeit gesetzten Dreschmaschine zu, kam ihr aber zu nahe, wurde von derselben erfaßt und arg verletzt. Namentlich soll ihr das Schenkelbein zerquetscht worden sein. (Einem preuß. Rittergutsbesitzer wurde von einer Dreschmaschine die rechte Hand abgeschlagen). Stockholm, 27. Aug. In der heutigen Nacht sind in der Vorstadl Södermalm 30 Häuser abgebrannt. London, 27. Aug. Den neuesten offiziellen Depeschen aus Bombay vom 30. Juli zufolge befinden sich nur noch 2000 kampffähige Europäer vor Delhi. Die Reihen der englischen Armee vor diesem Platze sind durch blutige Gefechte und durch Krankheiten bedeutend gelichtet worden. — Um seine Seestreitkräfte in China zu verstärken, hat England beschlossen, eine Anzahl Kriegsschiffe von der Flottenstation im stillen Meer unter die Befehle des Admirals Scymour zu Hongkong zu stellen. MB!'..— — — ■» ' « ■■■ ' i Land- und Hauswirthschast. Die Niescnmöhre. Ven Direktvr Walz in Hvheuheim. Da der Anbau der Riesenmöhre alle Beachtung und Verbreitung verdient, und da es der Sache nur dienlich sein kann, wenn über den Anbau dieser Pflanze, der sich kaum seit 10 Jahren in Deutschland verbreitet, immer mehr Erfahrungen bekannt werden, so theile ich folgende Beobachtungen und Erfahrungen mit. - Der Möhrensaamen wird nach bisherigen Versuchen sehr früh gesäet, weil er sehr lange zum Keimen braucht, und so kommt daS Unkraut lange vor ihm zum Vorschein und überwächst ihn, daher das Jäten unentbehrlich ist, ja in nassen Jahrgängen sogar schon zweimal vorgenommen werden mußte. Dabei sind die zarten Pflänzchen kaum zu bemerken, weßhalb die Bezeichnung ihres Standorts durch Rapskörner, welche schnell aufgehen, sehr zweckmäßig ist. Doppelt schwierig aber wird dieses Jäten, wo der Erdrauch (kumaria officinalis) als Unkraut vorkommt, weil dessen junge Pflänzchen kaum von denen der Möhren zu unterscheiden sind, wenigstens sehr schwer von gewöhnlichen Arbeiterinnen. Da kommt es nun gar oft vor, daß die Möhre gejätet wird und der Erdrauch stehen bleibt. Dieses Jäten ist aber ein? so kostbare Arbeit und erfordert so viele Leute, daß deßhalb der Anbau im Großen kaum und nur in sehr bevölkerten Gegenden ausführbar wird. Wir haben deßhalb längere Zeit ihren Anbau nur auf 4 württemb. Morgen (ca. 3 % bad.) beschränkt. Da der Möhrensaamen, wenn er in Wasser eingeweicht wird, in gewöhnlicher Zimmertemperatur schon nach 12 Tagen seine Würzelchcn austrcibt, so vermuthete ich, daß die Möhren im Felde bei früher Saat hauptsächlich aus Mangel an Wärme so lange znm Keimen brauchen, und fand diese Ansicht durch spatere Saat Ende Aprils vollkommen bestätigt; sie ging nach 12 bis 14 Tagen mit dem Unkraut auf, nur die Kreuzblüthenträger zeigten sich früher. Noch besser gestaltete sich aber die spätere Saat, als zu derselben angekeimter Saamen genommen wurde, indem der Saamen nun thetls vor, theils mit dem Unkraut zum Vorschein kam und das Jäten erspart wurde. Wir verfahren dabei so: Das Feld wird in Rillen von 10—12 Zoll Entfernung gelegt (durch einen Marquer oder den Häufelpflug), in dieselben wird der 10 Tage lang eingeweichte Saamen in Häufchen von 7 Zoll zu 7 Zoll Entfernung gelegt und über dieselben vom Kamme Erde mit der Hand gezogen, so daß man an dem Aufwurf in der Furche und an der Lücke im Kamme sieht, wo der Saamen liegt. Da bei sehr trockenem Wetter die angekeimten Möhrensaamen (an welchen schon die weißen Punkte der Würzelchen sichtbar sind) zu Grunde gehen können, so wird unter denselben zur Sicherheit % ungekeimter Saamen gemischt, welcher durch Trockenheit nicht leidet, sondern nur später aufgeht. — 412 — So wurde seit 2 Jahren das Jäten erspart, indem alsbald gehackt werden konnte. Das Verziehen der Möhren ist ebenfalls eine kostbare Arbeit, die aber dadurch, daß statt in Reihen in Häufchen gesäct wird, bedeutend ermäßigt und erleichtert wird. Die ausgezogenen Rübchen können zwar verfüttert oder verspeiöt werden, zahle» aber die Kosten nicht. Bei der Ernte bedienen wir uns seit lange ein.r eigenen eisernen, 2zinkigen Gabel, die sich von ihren beiden Spitzen an, welche 5 Zoll von einander abstehen, in der Richtung des Stiels gleichmäßig verengt, so daß die Spalte einen spitzen Winkel bildet, zwischen dessen Schenkel jede Möhre irgendwo paßt und daher von der Gabel beim schiefen Einstechen derselben in den Boden gefaßt werden kann; hinter der Gabeltheilung ist durch einen Ring am unteren Theile des Werkzeugs ein Querholz von 6 Zoll Länge und 2—3 Zoll Dicke angebracht, das als UnterstützungS- punkt dient, wodurch das Werkzeug zum ungleicharmigen Hebel wird, wodurch das Auöheben der Möhren sehr erleichtert wird. Dennoch kommt die Ernte, weil die Möhren zugleich gereinigt werden müssen, im Lehmboden auf 10 fl. rhein. per Morgen (ca. 11 fl. 20 kr. per bad. Morgen) zu stehen, auf Sandboden wohlfeiler; auf schwerem Mergelboden, worin die Möhre sehr gut gedeiht, kann aber die Ernte bei nassem Boden so theuer werden, daß sich ihr Anbau nicht mehr lohnt. Die Aufbewahrung der Möhren über Winter hat viele Schwierigkeiten. Die Möhre kann eher Kälte als Wärme ertragen, und wir haben in dieser Richtung vielfache Versuche gemacht, deren Resultat nun ist, daß wir die Möhren in Miethen auf ebener Erke ausbewahren, welche 5—6 Fuß breit und 3—4 Fuß hoch angelegt werden; dabei werden die Möhren in Schichten oder Lagen aufgelegt und jede Schichte mit lockerer Erde (am besten Sand, wenn man hat) so überworfen, daß diese möglichst die Zwischenräume zwischen den Möhren ausfüllt. Nun werden die Mieihen vorläufig nur mit Stroh zugedeckt, auf welches nur hie und da so viel Erde geworfen wird, daß es nicht vom Winde fortgenommen wird. Erst wenn sich Frost zeigt, wird 2—3 Zoll Erde aufgeworfen, welche mit zunehmender Kälte bis auf 1 Fuß Dicke gebracht wird. So ist seither keine Möhre verfault und keine erfroren, ja es hat sich bei Versuchen gezeigt, daß, wenn die Möhre in der Umgebung von Erde fest zusammenfriert, ihr, wenn sie nur in der Erde auch wieder aufthaut, der Frost nichts schadet; wogegen sie, frei dem Froste ausgcsetzt, nach dem Auf- thauen alsbald verfault. Neben der Wichtigkeit, welche die Riescnmöhre für die menschliche Nahrung hat, wird sie vorthcilhaft zur Fütterung der Hausthiere verwendet, zuvörderst aber der Pferde; denn bei Ackerpfcrden, und namentlich bei Fohlen, kann durch sie der größte Theil des Hasrrö erspart werken. Miszellen. * Der Paß. Frankfurt war durch einen höchst gewandten Dieb heimgesuchl worden, den die Polizei vergebens zu ertappen gesucht habe. Die Messe war beinahe zu Ende und damit der Dieb nicht entkomme, erhielten die Wachen an den Thoren die Weisung, Niemand aus der Stadt hinausznlassen, ohne ihn auf die Hauptwache zu schicken, damit dort sein Paß untersucht und geprüft werde, ob seine Größe, feine Gesichtszüge und sein ganzes Aussehen mit der Beschreibung im Paffe zusammentreffe. Nachdem dieser Befehl gegeben war, glaubten die Behörde» ganz ruhig sein zu können, da sie die Ucbcr« zeugung hatten, daß der Dieb nicht entwischen könne. Dem Diebe wiederum war gar nicht wohl zu Muthe. Die Natur hatte ihm ein sehr frappantes Gesicht gegeben und es war schwer, einen Paß zu finden, der auf ihn paßte, wenn er nicht ausdrücklich für ihn geschrieben worden, so daß von den fünf oder sechs Pässen, welche er besaß, keiner genügte. Endlich entschloß er sich, ohne Paß aus der Stadt zu gehen, als wenn er in die Stadt gehöre und nur einen Spaziergang mache. Er nahm deßhalb ein Stöckchen in die Hand, schleuderte mit großer Nachlässigkeit und Gemächlichkeit umher und kam so endlich bis an das Thor. Die Schildwache dort hatte den erhaltenen Befehl nicht vergessen, und als der Fremde näher kam, rief sie ihn an: „Wer da?" „Gut Freund," antwortete der Dieb. „Vorwärts," fuhr die Schildwache, mit dem Gewehre rasselnd, fort. Der Dieb trat zu dem Soldaten, der ihn fragte: „Ihren Paß?" „Meinen Paß?" wiederholte der Filou mit außerordentlichem Erstaunen, „ich habe keinen." „Desto besser für Sie," entgegncte der Soldat, indem er das Gewehr schulterte; „hätten Sie einen gehabt, so würde ich Sie haben auf die Wache schicken müssen, damit er dort geprüft werde. Sie wären dadurch eine gute halbe Stunde aufgehalten worden. Da Sie keinen Paß haben, können Sie keinen vorzeigen und so gehen Sie in Gottes Namen Ihres Weges." * Dresden, 23. Aug. (S. M.) Daß wir in einer großen Stadt leben, trat uns in diesen Tagen wieder recht lebhaft vor Auge», da der hier lebende "Marchand-Tailleur und Direktor der deutschen Bekleidungsakademie", Gustav Adolf Müller, ein Abonnement auf Herrengarderobe-Artikel eröffnete. Darnach erhält man für jährlich 300 Rthlr. 14 Röcke, 12 Beinkleider, 15 Westen von den feinsten Stoffen, während verhällnißmäßig wenigere Kleidungsstücke von nur seinen Stoffen zu den jährlichen Abonnementspreisen von beziehungsweise 130 Rthlrn. dis 160 Thirn. geliefert werden. Alles DaS nicht eigenthümlich, sondern leihweise auf beziehungsweise sechs Monate bis ein Jahr. Die Beklcidungsakademie Müllcr's ist übrigens wirklich großartig und besser alS ihr unangemessener Titel. Es werden darin die Schneidergesellen wissenschaftlich und praktisch gebildet; namentlich wird die Mathematik und Trigonometrie als Grundlage der Zuschneidckunst gelehrt. * Neue Papierfabrikation. Der Chemiker Westenhold hat ein Verfahren entdeckt, bereits beschriebenes oder bedrucktes Papier durch eine einfache Manipulation zu reinigen und wieder so herzustellcn, wie es vor dem Drucke oder vor dem Schreiben gewesen. In einer Papierfabrik werden mit dieser Erfindung bereits Proben vorgenommen. * Eine seltsame Erscheinung. In der Nähe von Wa- kefield in England hat kürzlich ein Knabe, Jonathan MickleS« will, der seil einiger Zeit unnatürlich abmagerte, eine lcbrndige Kröte ausgebrochen, die braun und schwarzgestreift, wie die Aerzte behaupten, in seinem Innern von seinen Kräften gezehrt hat. Man hat sie, wie man meldet, in Wasser gesetzt und bemerkt, daß sie seitdem gewachsen. Lrucht - Mittetpreije. Bruchsal, 26. Ang. Weizen 14 fl. 33 kr., Kernen 14 fl. 26 kr., Gerste 9 fl. 51 kr., Hafer 6 fl. 29 kr., gcni. Frucht 10 fl. 15 kr. Heilbrvnn, 29. Ang. Weizen 16 fl. 56 kr., Kernen 15 fl. 52 kr., Korn 10 fl. 48 kr., Gerste 11 fl. 17 kr., Dinkel 7 fl. 10 kr., Hafer 7 fl. 50 fr. Mainz, 28. Aug. Weizen 200 Pfd. 12 fl. 6 kr. bis 12 fl. 30 kr., Korn 180 Pfd. 8 fl. 10 kr. bis 9 fl. 20 kr., Gerste 160 Pfd. 8 fl. bis 8 st. 30 kr., wonach sich bei Weizen und Korn ein kleiner Aufschlag Herausstellen dürfte. Im Großhandel wurde es zn Anfang dieser Woche mit Weizen wieder flauer und auch heute war darin nichts zu thun. Redigirt, Druck und Verlag von D. Pfisterer in Heidelberg.