Der Lan-bate. Verkündigungsblatt der Großherzoglichen Bezirksämter Sinsheim und Neckarbischofsheim. M ro - 119. Samstag, -rn 3. Oktober 1857. Vantedikt. [604-J A.-Nrv. 550. Sinsheim, lieber die Berlaffenschaft des [ledigen Mvses Marr von Michelfeld haben wir Gant erkannt nnd wild Tagfahrt znm RichtigstellungS - und Varzugsverfahren auf Montag de» 12. Oktober, Vormittags 8 Uhr, anberaumt. Wer nun ans was immer für einem Grund einen Anspruch an diesen Schuldner zu machen hat, hat solchen in genannter Tagfahrt bei Vermeidung des Ausschlusses von der Masse, schriftlich oder mündlich, persönlich oder bin«) gehörig Bevollmächtigte dahier anzumelden, die etwaigen Vorzugsoder llnterpfandsrechte zu bezeichnen nnd zugleich die ihm zu Gebot stehenden Beweise sowohl hinsichtlich der Richtigkeit als auch wegen dem Vorzugsrechte der Forderung anzntreten. Auch wird an diesem Tage ein Massenpfleger nnd ein Gläubigeransschuß ernannt und sollen hinsichtlich der beiden letzten Punkte und hinsichtlich des Borgvergleichs die' Nichterscheinende» als der Mehrheit der Erschienenen beitretend angesehen werden. Sinsheim, den 23. September 1857. Großherzoglich bad. Amtsgericht. S ch r e m p p. ' Greifst 1606s Neckarbischofsheim. Liegenschaftsversteigerung. Nr. 1044. Aus der Berlaffenschaft des Kro- nenwirth Phil. Hank dahier, werden nach- beschriebene Liegenschaften der Erbver- theilung wegen Donnerstag den 22. Oktober d. I., Vormittags 10 Uhr, iin Rathhaus dabier einer Versteigerung ansgesetzt. I. Ein zweistöckiges Wohnhaus mit Scheuer und Stallung 9 I Ruthen Garten in der neuen 22 4 /i 0 > Gaffe, neben Karl Heinr. Ritter und der Allment, vorne» die Hauptstraße, hinten Wethwiese; mit Realwinh- schaftsgerechtigkeit zur Krone, Tar 5000 fl. 2 . Die Hälfte von einem zweistöckigen halben Wohnhaus im vorder» Städtchen, neben der Rathhausgaffe und Phil. Lepp, vornen Hauptstraße, hinten Joh. Störtzer, mit Stall und Hofraum, Tar 600 fl. 3. Ein Felsenkeller am Bitzrai» mit 17 4 / 10 Ruthen Platz, neben Friedrich Ruppert und Aron Daniel Bär, Tar >00 fl. Summa 5700 fl. Obervonnnndschaftliche Genehmigung wird bei dieser Versteigerung Vorbehalten. Neckarbischofsheim, de» 29. September 1857. Das Waisengericht. N e u w i r t h. Wagner. Kapital auszuleihen. [G05J Aus dem Vermögen der St. Anna-Kirche zu Weiler am Steinsberg können bis nächstkommenden Martini >000 fl. auf gesetzliche Obligation zu 5 Prozent ausgeliehen werden. Der Verrechner Ostermaier. [605] Hilsbach, Amts Sinsheim. Offene Erklärung. Durch etliche unruhige, prozeßsüchtige und gegen mich feindlich gesinnte Bürger von hier wurde ich nicht nur verschiedener Dienstnachlässigkeiten, sondern auch der Untreue als früherer Zehntrechner bösartig verläumdet und in der Umgegend das Gerücht verbreitet, als stände mir Hierwegen nicht nur Dienstentlassung, sondern weiß welch' peinliche Strafe bevor. Nachdem nun diese gegen mich gemachte Beschuldigungen von Großh. Bezirksamte bis zu den höchsten Gerichtsstellen genau untersucht nnd durchaus für nichtig befunden worden sind, wurde gegen diese charakterlose Menschen wegen boshaften und Ehre abschneidenden Verläumdungen unter Verfällnng in die Kosten, durch hofgerichtliches llrtheil eine achttägige Gefänguißstrafe erkannt und dieses Erkennt- niß nach amtlicher Notifikation vom 17. l. Mts., Nr. 13,644, von Großh. hoh. Oberhofgerichte bestätigt, was ich jut Widerlegung obiger Gerüchte und Wahrung meiner Ehre hiermit veröffentliche. Hilsbach, den 28. September >857. W i t t e m a n n, Bürgermeister. Kapital auszuleihen. [607] In dem evangelische» Almosensonde zu Obergimpern liegen 200 fl. auf Obligation zu 5 Prozent zum Ausleihen bereit. Dev deutsche Phonix versichert fortwährend zu sehr billigen Bedingungen gegen Feuerschaden: aller Art /aheniffe, Erntevo» eathe, Waaeen u. s. w., sowie das von der Großherzogl. Staalsbrandkaffe nicht mehr versicherte GebttUdesÜNftel. Versicherungen werden bestens besorgt durch den Agenten des deutschen Phönix Rappenau, im September 1857. [ 584 ] Ferd. ftfiebergalj. L2L 3ur Geschichte des Tages. Karlsruhe, 30. Scpt. Durch allerhöchsten Befehl wird vcrschicdcncn Angehörigen des großhzogl. Armeekorps.und der Gendarmerie die Dienstauszeichnung ertheilt; darunter die Dicnstauszeicknung für Offiziere und Kricgsbeamte J. Klasse dem Oberst Baer, Kommandant des (1.) Leib-Dragonerregi- mcnts und dieselbe Dienstauszeichnung II. Klasse dem Ober- chirurgc» Holzbach vom 3. Dragonerregimcnt. Karlsruhe, 1. Okt. Se. König!. Hoheit der Großher- zog sind gestern Abend von Badenwciler hier cingetroffen, haben heute Vormittag dem Manöver der hier koiizcntrirtcu Großh. Truppen auf dem großen Exerzierplatz angewohnt und begaben Sich heute Nachmittag nach Frciburg zu de» dort stattfindcnden militärischen Uebungen, von wo Seine Königl. Hoheit am 3. d. M. nach Badenweiler zurückzukehren gedenken. Karlsruhe, 1. Okt. Das heute erschienene Regierungsblatt Nr. 46 enthält: I. Unmittelbare allerhöchste Entschließungen Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs. Erlaubnis; zur Annahme fremder Orden. Sc. Königl. Hoheit der Großherzog haben zur Annahme und zum Tragen der ihnen von Sr. Maj. dem Kaiser von Rußland verliehenen Orden die höchste Erlaubniß gnädigst zu crthcilen geruht: Für den Orden vom Weißen Adler: dem Slaatsministcr Frhr». v. Meysenbug; für de» St.-An»en-Or- de» erster Klasse: dem Wirkl. Gchcimcnrath Frhrn. v. Marschall; für den St.-A»»cn-Ordcn zweiter Klaffe: dem Geh. Legalionsrath Kühlcnthal, Legationörath v. Pfeiffer und dem Legationörath und Geschäftsträger am königl. würtemb. Hofe, v. Dusch; für den St.-Stanislaus-Orden zweiter Klasse: den Legationöräthen Frhrn. v. Türckheim, v. Uria und Regenauer; für den St.-Annen-Orde» dritter Klaffe: dem Legationssckretär v. Mollenbec; für den St.-Stanislaus-Orden dritter Klaffe: dem Hofjunker Frhrn. v. Botmann. ll. Verfügungen und Bekanntmachungen der Ministerien. 1) Bekanntmachungen des großb. Ministeriums des Innern: a) Die Präsentation auf die cvangl. Pfarrei Roscnberg betr. Staatsgcnehmigung der von Seiten der fürstl. Löwenstein- — 466 — Wertheim-Rosenberg'schen Standesherrschaft geschehenen Präsentation des Pfarrverwesers Ruckhaber, h) Die Abgeordnetenwahl für den VIII. Stätte-Wahlbezirk bctr. In Folge des freiwilligen Austritts des Abgeordneten Bankier Kölle von Karlsruhe aus der Zweiten Kammer der Ständeversammlung in dem VIII. Städte-Wahlbezirk der Residenzstadt Karlsruhe wird eine Ersatzwahl angeordnet und mit deren Vornahme Oberkirchenrath Stephani beauftragt, c) Die Abgcordneten- wahl für den X. Städte-Wahlbezirk betr. In Folge deS freiwilligen Austritts des Abgeordneten Fabrikinhabcr Nntzelberger von Pforzheim aus der Zweiten Kammer der Ständcversamm« lung in dem X. Städte-Wahlbezirk der Stadt Pforzheim wird eine Ersatzwahl angeortnet und mit deren Vornahme Hofrich- tcr Woll in Mannheim beauftragt. III. Dicnsterledigungcn. Das ev. Diakonat in Gernsbach, mit welchem außer den kirchlichen Funktionen die Stelle eincS Vorstandes und Lehrers an der höher,, Bürgerschule daselbst verbunden ist, und dessen Kompetenzauschlag in 626 fl. 36 kr. besteht. Die ev. Pfarrei Unterschüpf, Dekanats Borberg, mit einem Kompetenzanschlag von 632 fl. 33 kr. Die ev. Pfarrei Königsbach, Dekanats Durlach, mit einem Kompeteuzanschlag von 1238 fl. 42 kr. IV. Todesfälle. Gestorben sind: Am 7. v. M. der kath. Pfarrer Martin Baader zu Zunsweier; am 17. v. M. der pensivnirte Kriegskommissär Stäb zu Durlach. Neckarbischofsheim, 29. Sept. Der Artikel in Nro. 117 dieses Blattes von Neckarbischofshcim bedarf in soferne einer Berichtigung, als die dort stattgehabte Festlichkeit nicht mit einer Serenade vom Gemeinderath zu Waibstavt schloß, sondern vielmehr dieselbe schon 8 Tage vorher, gleich „ach Kundwerbung der Ordensverleihung an den hiesigen Herrn Amtsvorstand, in freundlich überraschender Weise stattfand. Mannheim, 29. Sept. Das „Mannh. Journ." versichert aus bester Quelle, daß die mehrfach behaupteten Schritte des Schifferstandes bei dem Bundestag bis jetzt noch nicht geschehen sind. — Seit heute haben hiesige Bäckermeister eine Verkaufsbude neben der der Gebrüder Kauffmann von Feudenheim errichtet und verkaufen zu gleichem Preise, wie diese. Durbach, 24. Sept. Zu den viele» Seltenheiten, die die Natur im heurigen Jahre zu Tage fördert, liefert unser schönes, gesegnetes Thal auch einige, von denen ich hier Mit- theilung zu machen für werth halte: Auf dem sog. Amtöhof steht ein Birnbaum und im Durbacher Seitenthal „Heimbach" ein Apfelbaum in voller Blükhe. — In der zweite» Hälfte des Monats August wurde auf dem Schloßgut „Staufenberg" ein Wildstämmche» (Apfel) okulirt, wovon der eine Zweig in kurzer Zeit blühen wirk. Gewiß ein ganz unerhörter Fall. — Am 3. Septbr. wurden dahier zwei Oym Most gewonnen, der 92 Grad wog. Aus Villingen wird mit Beziehung auf eine,, neulich gemeldeten traurigen Vorfall, der sich gelegentlich einer Sängerfahrt nach St. Georgen ereignete, bemerkt, daß es in Villingen zwei Gesangvereine gibt, einen älicrn „Gesangverein" betitelt, und einen erst im vorigen Jahre gegründeten unter dem Namen „Liedertafel"' Die Parthie nach St. Georgen sei von der „Liedertafel" gemacht worden, nicht von dem Gesangverein, was zu vernehmen für die zahlreichen Freunde, die letzterer auswärts habe, nicht unwichtig sein werte. (K.Ztg.) Vom Schwarzwalde. Bekanntlich wurde bei der am 20 . Sept. in Vöhrenbach stattgcbabten Versammlung Schwarzwälder Gewerbtreibcnder beschlossen, daß statt einer Bezirks- ausstellung im Herbst 1858 zu Villingen eine allgemeine Schwarzwälder Industrieausstellung abgehalten werden solle. Dieser für den Schwarzwald wichtige Beschluß wird, wie wir mit Freuden bemerken, von den Industriellen richtig gewürdigt, und wer mit ihnen zu verkehren Gelegenheit hat, findet, daß Jeder entschlrffe» ist, etwas Tüchtiges in seinem Fache zur Ausstellung zu bringen. Bereits sind vielfache Ma- terialienbestcllungen zu diesem Zwecke erfolgt. Mainz, 29. Sept. Wie wir vernehmen, wird Se. Maj. der Kaiser Franz Joseph von Oesterreich auch unserm Hofe in Darmstabt einen Besuch abstatten, ehe er sich von Weimar nach Wien zurück begibt. Koblenz, 29. Sept. Wie wir hören, wird Se. Königl. Hoheit der Prinz von Preußen mit seiner Gemahlin morgen in Bingen znsammentreffen, wo der Geburtstag der hohen Frau in ländlicher Stille gefeiert wird. Der Prinz, sowie der Prinz Friedrich Wilhelm werden sich gleich darauf nach Berlin begeben, wo sie wegen des am 3. bevorstehenden militärischen Festes eintreffen wollen. Die Frau Prinzessin kehrt dagegen hieher zurück. Berlin, 29. Sept. Nach dem „Nord" habe der Kaiser Napoleon, nachdem er von dem eigenhändigen Schreiben Sr. Maj. des Königs von Preußen, in welchem dieser Monarch sein Bedauern ausdrücktc, den Kaiser der Franzosen während seines Aufenthaltes in Deutschland aus Gesundheitsrücksichten nicht persönlich begrüßen zu könneii, Kcuntniß genommen, dem Prinzen von Preußen die Absicht zu erkenne» gegeben, dem Könige einen Besuch abzustatten. Weimar, 30. Sept. Der Kaiser und die Kaiserin von Rußland sind mit de», Großherzog und der Großherzogin von Eisenach hier angelangt und im Sommerschloß Belvedere abgestiegen. Der Kaiser Franz Joseph wird morgen erwartet. Wien, 28. Sept. Vorgestern wurde ein großer Theil des Dorfes Parndorf, in dessen Nähe sich gegenwärtig das große Kavallerielager befindet, ein Raub der Flamme, 70 Häuser liegen in Asche. — Die Gctraidepreise sinken immer mehr und stehen schon 90 bis 100 Prozent niederer als vor einem Jahre. Paris, 27. Sept. Ein eigenthümlicher und in den Annalen der Theaterwelt seltener Fall hat sich heute hier zugetragen. Ein jüdischer Sänger der komischen Oper, Hr. Nathan, weigerte sich entschieden, diesen Abend zu singen, weil seine Religion ihm gebiete, den langen Tag zu feiern. Da die Direktion auf seinem Auftreten bestehen zu müssen glaubte, so wandte der Künstler sich an Hrn. v. Rothschild und dessen Intervention gelang es, dem glaubensstarken Sänger den un- verkümmerten Genuß seines Fest- und Fasttages zu erwirken. Paris, 29. Sept. Ueber die erste Begegnung der beiden Kaiser zu Stuttgart berichtet eine offiziöse Feder im »Pays" folgendermaßen: „Kaiser Napoleon war mit dem König in das Schloß gekommen; Kaiser Alexander, mit der Großfürstin Helene aus dem großen Salon tretend, traf mit ihm zusammen, und die beiden Kaiser hätten sich mit Wärme die Hände gedrückt. Sie waren der Eine wie der Andere sehr bewegt. Die beiden Souveräne begaben sich sofort in die Gemächer der Königin und mit Ausnahme der Mitglieder der königlichen Familie trat Niemand mit denselben ein. Nach einer Konferenz, die ziemlich lange dauerte, wurden die Personen des Gefolges der beiden Kaiser zugelassen. Kaiser Napoleon wollte dem Kaiser Alexander die ihn begleitenden Personen vorstellen; dieser aber nahm rasch das Wort und sagte zu Napoleon: „Erlauben Sie, Sire, ich bin hier zu Hanse", und stellte demselben hierauf zuerst die Personen seines Gefolges vor rc. Marseille, 29. Sept. Die ostindische Post bringt Nachrichten aus Kalkutta, 24. Ang. Lord Elgin war nach China zurückgereiSt. Delhi widerstand am 14. noch. Die Garnison hatte zahlreiche, jedoch erfolglose Ausfälle gemacht. Man sagte gerüchtweise, daß die Insurgenten zu kapituliren anboten, waS jedoch abgeschlagen worden sei. Die Garnison von Lucknow hatte sich am 14. noch nicht ergeben. Nach Privatbriesen aus Kalkutta fängt auch die Landbevölkerung sich zu empören an und ermordet die englischen Pflanzer. In Bengalen verbreitet — 467 sich die Revolution immer mehr. Die Maaren aus dem Innern gelangen fast nicht mehr nach Kalkutta; jene vom Auslände, namentlich englische Zeuge, liegen in den Magazinen ongehänft. Der Absatz fehlt und das Geld verschwindet. Das Papier der ostindischen Kompagnie verliert 25 Proz. — Die letzten Depeschen aus Indien theilten den plötzlichen Tod Goolab-Sing's, Herrschers vonCaschmire, mit. Das „PayS" berichtet, daß dieser Fürst vergiftet starb. Er war England treu geblieben und hatte seine Shikötruppen der ostindischen Kompagnie zur Verfügung gestellt. Boulogne, 27. Sept. Von 40 Fahrzeugen, welche in unserm Hafen zum Fischfang nach Schottland ausliefcn, sind 28 mit voller Ladung vortrefflicher Fische bereits zurückgekehrt. Eines dieser Fahrzeuge, welches inmitten eines Häringszugs siel, warf die Netze aus und zog sie sofort dermaßen angefüllt heraus, daß sie rissen und es mehr als 4 Last wieder ins Meer werfen mußte. London, 29. Sept. Liest man die einfachen Briefe englischer Offiziere und Unteroffiziere aus dem Lager vor Delhi, oder in Havelock'ö Korps, über ihre Kämpfe gegen die zehnfache Uebermacht, und ihre Leiden und Strapazen in einer tropischen Sommerhitze, so kann man dem Heltenmuth und der Ausdauer dieser braven Soldaten Bewunderung nicht versagen. Die Truppen vor Delhi, welche fast täglich heftige Ausfälle z» bestehen hatten, fochten auf einem brenneiidcn und baumlosen Terrain, wo der abgehetzte Soldat, wenn ihm der Feind eine Halde Stunde Ruhe ließ, froh war, im Schatten eines Felsen niedcrzuliegcn. Einmal wurden im Gefecht bei 140" Fahrcnh. Hitze blos von de» zehn Offizieren des 1. Füsilierbataillons fünf vom Sonnenstich getroffen. Die Hitze und der Durst tödteten mehr Leute, als der Feind. Ein kleiner Zuzug europäischer Füsiliere und von 200 Sikhs, welcher Nachts und in der Frühe 23 englische Meilen marschirt war, mußte, so wie er vor der Stadt eintraf, ohne Etwas gegessen oder sich aüsgeruht zu haben, in's Gefecht cintrcten. So darf die „Times" wohl rühmend sagen, daß die brittische Tapferkeit in der indischen Sonnengluth sich so glänzend bewähre, wie in der Winterkälte der Krimm. St. Petersburg, 22. Sept. Die Reduktion der Gardeinfanterie ist nun vollendet, so daß in Zukunft jedes Regiment in Fricdenszeiten nur zwei Bataillone und einen Effektivbestand von 1680 Mann zählen wird. In Kriegszeit wird ein drittes (Reserve-) Bataillon aus denjenigen Soldaten gebildet, welche sich während ihrer letzten Dienftjahre auf Urlaub befinden. Das Ersparniß der vorläufig aufgelösten dritten Bataillone ist bedeutend. Neu-Uork. Das „Mobile Register" behauptet, daß in Georgia 150,000 Doll, aufgebracht worden seien, um eine neue Walker'sche Landung in Nicaragua zu ermöglichen. Schum» gerichtsverhandlungen. Mannheim, 28. Septbr. (MH. I.) Heute Morgen wurde unter dem Vorsitze des großh. Hofgerichtsrathö Ahles die Schwurgerichtssitzung des dritten Quartals eröffnet. Die Tagesordnung führte zur Verhandlung über die Anklage gegen Gg. Hcrfort Ernst von Mittelschejflenz wegen Versuchs des gefährlichen Diebstahls. Ernst ist, wie sich bei seiner Vorführung zeigte, rin kräftiger junger Mann von nicht unangenehmem Aenßeren. Er ist ledig und 29 Jahre alt, hat das Webergewerbe erlernt, pflegt sich aber durch Verrichtung von Taglöhncrarbeiten zu ernähren. In dem Leumundszeugnisse wird er als dem Trünke ergeben, arbeitsscheu und roh geschildert. Im Würtcmbergischen war er bereits wegen ausgezeichneten Diebstahls zu neunmonatlicher Arbeitshausstrafe ver- urtheilt worden und hat dieselbe erstanden. Die Verhandlung gab folgendes Bild des heute zu beurtheilenden Falles. Ernst hatte im Januar d. I. von dem ledigen 29jährigen Bauer Joh. Baicr zu Mittelschefflenz, dessen Mutter damals gerade gestor- den war, die Erlaubniß erhalten, in des letztem Haus zu schlafe». Bei Tage pflegte er sich entweder da wo er gerade arbeitete, oder im Armenhause, der Wohnstätte seines Vaters, aufzuhaltcn. Während Baier den Ernst in dieser Weise in seinem Haus duldete, wurden dem Erster» nach und nach verschiedene Gegenstände entwendet; er hegte Verdacht auf Ernst und theilte solchen auch Nachbarn mit. Zu Anfang Juni d. I. sah eine Nachbarin des Baicr den Ernst eines Vormittags in verdächtiger Weise an die Hinlerseite des Baier'schen Hguses schleichen, und daselbst zu einer hoch über dem Boden erhobenen Ladenöffnung cinschlüpfen. Sie setzte hiervon den Baier, der von Hause abwesend war, aber damals zufällig hcimkehrte, in Kenntniß. Dieser ging in sein Haus und traf in der Wohnstube den Ernst. Ernst behauptete sowohl im Laufe der Voruntersuchung, als der heutigen Verhandlung in Baiers Haus nicht eingestiegen, sondern auf gewöhnlichem Wege dahin gelangt zu sein. Auch leugnete er, die Absicht, einen Diebstahl zu begehen, gehegt zu habe». Er versicherte, daß er eine Weste, die er bei Baier znrückgelasscn, abzuholen beabsichtigt habe. Die Ladenöffniing, durch welche Ernst eingestiegen zu sein beschuldigt wurde, ist etwa 12 Fuß über der Grundfläche der Wohnungsräume des Hauses erhaben. Unter letzteren befindet sich aber ein Unterbau, an welchen sich auf der Seite jener Ladenöffnung ein Haufen von Schutt und Steinen ablehnt, der sehr steil in einer Tiefe von etwa 14 Fuß hinabführt. Innerhalb der Lakenöffnung befindet sich ein Vorplatz, von dem eine ganz enge Treppe in die vorhin gedachten Woh- nungsräume führt. Bei Lage der Sache suchte die Vertheidi- gung auszuführen, daß Ernst keinen Diebstahl beabsichtigt habe und daß sein Einsteigen nicht so beschaffen gewesen, wie es das Gesetz zum Begriffe des gefährlichen Diebstahls erforderte, daß mithin jenes Einsteigen nicht solcher Art gewesen, daß der Dieb im Falle der Betretung nicht leicht hätte wieder enifliehen können. Die Staatsbehörde beharrte auf dem Ge- gentheile. Die an die Geschworenen gerichtete Frage ging etwa dahin, ob der Angeklagte durch Einsteigen in das Haus Baiers die Ausführung seiner Absicht, daselbst zu stehlen, begonnen habe, und ob das Einsteigen so beschaffen gewesen, baß der Eingestiegene im Falle der Betretung nicht leicht hätte wieder entfliehen können. Der Wahrspruch lautete: „Ja, aber im Falle der Betretung mit leichter Entfliehnng." Es entspann sich eine kleine Diskussion über den Sinn dieses Wahr- spruchs. Alsbald, namentlich nach einer Erklärung des Obmanns der Geschworenen, wurde der Sinn des Wahrspruchs allseitig dahin aufgefaßt, daß zwar das Vorhandensein eines Diebstahlsversuchs anerkannt, aber die Behauptung, daß die That de» Versuch eines gefährlichen Diebstahls bilde, nicht als dargethan angenommen worden sei. Der Gerichtshof erklärte den Ernst des Versuchs eines gemeinen Diebstahls für schuldig und vernrkheilte ihn zu einer durch 14 Tage Hungerkost geschärfte» Krcisgefängnißstrafe von drei Monaten. Land- und Hanswirthschast. Neue Härtung für Eisen, welche dasselbe so hart macht, wie Stahl. 31 Gramm blausaures Kali, 7 Gramm Salmiak und 15 Gramm weißgebrannte Knochen werden jedes für sich fein gepulvert und dann mit einander gemischt. Dieses Pulver trägt man auf das Eisen, sobald es rothglühend ist, mit einem Ballen auf, bringt das Eisen wieder in's Feuer und taucht es nachher in'S Wasser. Die Operation maß mehrmals wiederholt werden, nm dem Eisen eine größere Härte zu geben. Das Wasser, in welchem man das Eisen gehärtet, wird immer besser, je mehr cs gebraucht wird. Miszelle«. * Wie lange ein Hund ohne Nahrung cristiren kann, davon ein Beispiel, das übrigens für den armen kleinen Vierfüßler noch zu rechter Zeit glücklich abgclaufcn. Ei» Kaufmann, Herr F., besitzt einen englichen Affcnpintschcr, kleiner Race. Vor etwa 5 Wochen verreist ein bei Herrn F. ein möblirtcs Zimmer bewohnender junger Mann. Herr F. hat diesen vor der Abfahrt noch auf dem Zimmer besucht, um von ihm Abschied zu nehmen, dann das Zimmer verschlossen und den Schlüssel an sich genommen. Mit der Abreise des Chambregarnisten ist auch der Hund verschwunden. Herr F. erkundigt sich schriftlich, ob er dem Reisenden gefolgt. Die Antwort lautet: Nein. Auch Nachfragen in der Scharfrichterci blieben fruchtlos. Am siebenzchnten Tage wird zum erstenmale zufällig das bis dahin verschlossen gewesene Zimmer des Abgereisten geöffnet, und — ängstlich seinem Herrn entgegen kommt zum Skelett abgemagert der kleine Hund, der unbemerkt bei der Abreise dort eingesperrt worden. Ohne zu heulen oder zu betteln, hat das arme Tdier dort ohne Fressen und Saufen ausgeharrt. Das letztere Betürfuiß mag rö um so härter gequält haben, da man unangerührt in hartgetrock- netem Zustande noch zwei Milchbrödchen fand. Das Erste, was der Hund ängstlich aufsuchte, war Wasser. Vom Instinkt getrieben, nahm er in bester Qualität ihm sofort gereichte Nahrung nur vorsichtig in sehr kleinen Quantitäten zu sich und verharrte auch jetzt, acht Tage »ach seiner Befreiung noch in dieser behutsamen Entbaltsamkeit. Allmälig fängt das arme Thier an, sich zu erholen, hat aber seine frühere Munterkeit noch nicht wieder gewonnen. Bcmerkcnswerth ist noch, daß in den siebzehn Qualtagen der Gefangene, von gelbröth- lichcr Farbe, einen — grauen Kopf bekommen hat. * Wie das weiß-blaue Briefpapier entstanden. Die Gewohnheit, die Papiermassc blau zu machen, hat ihren Ursprung in einem sonderbaren Zufalle, der nicht allein als historische Thatsache, sondern auch als hübsche Anekdote der Erwähnung werth ist. Ungefähr im Jahre 1790, erzählt der Engländer Herring in seiner »Geschichte des Papiers» trug es sich in einer Papiermühle, die Herrn Butteuschaw gehörte, zu, daß dessen Ehefrau, die die Wäsche des feinen Leinen zu beaufsichtigen pflegte, aus Versehen den Beutel mit pulverisir- tem Blau in die Papiermassc hineinfallcn ließ. Als sie sah, daß das Blau sich rasch mit der Masse vermischte, gericth sie, da sie dies für ein großes Unglück hielt, das sic augerichtet, so in Schrecken darüber, das sie nicht wagte, ihrem Gatten Anzeige davon zu machen, sondern die Sache so lange verschwieg, bis auf Herrn Bnttenschaw's erstauntes Fragen: wodurch die Masse die sonderbare Farbe erhalten habe, sie endlich denn doch, da sic wohl bemerkte, keinen erheblichen Schaden ungerichtet zu haben, den Mull) faßte und ibr Gchcimniß offenbarte. Herr Butteuschaw, der durch diesen Zufall auf das Blaumachen des Papiers aufmerksam wurde und die Fabrikation desselben bald vcrvollkommte und so allgemein anerkannt machte, daß später die ganze civilisirte Welt sich der Erfindung erfreute und Geschmack daran fand, ward besonders reich durch diese Ungeschicklichkeit seiner Frau und hat dieselbe den» auch später, man kann wohl sagen königlich, nämlich durch einen kostbaren scharlachrothrn Mantel belohnt, den er ihr zum Geschenke machte. * Nur immer etwas Neues. Die bisherigen »Uebcr- raschungen» der Besitzer öffentlicher Etablissements in Paris, Wien, Berlin, Frankfurt rc. tbaten ihre Schuldigkeit; die Ballon-, Gas- und ellektrischen Illuminationen, Feuer- und Wasserwerke und wie die Divertissements olle heißen, zogen überall Massen von Gästen an. Letztere sind nun aber verwöhnt. Jedes Programm soll noch nicht Dagewesenes bringen, sonst .... und so hat sich der Besitzer des »Spcrl» in Wien etwas Funkelnagelneues ausgcdacht: eine »italienische Weinlese», wobei mehr als 20,000 der süßesten Trauben an de» Bäumen des Sperlgartens den Besuchern zur beliebigen Verfügung entge- gkiilachcn werden. * Einen entsetzlichen Vorfall meldet das »Journal de Constantinoplc» aus Brussa, der sich am 7. Sept. ereignet hat. Ein mit einem großen Messer bewaffneter Türke durcheilte, ohne Zweifel in einem plötzlichen Anfall von Raserei, ein armenisches dichtbevölkertes Stadtviertel und begann daselbst ohne irgendwelche Veranlassung ein furchtbares Gemetzel; er machte Alles nieder, was ihm in den Weg kam; der Wü- thcndc verschonte weder Weiber noch Kinder, und erst nach längerer Zeit gelang cs drei Arbeitern, sich seiner zu bemächtigen. Acht Personen, worunter Familienväter und ganz kleine Mädchen, waren sofort seinen Streichen erlegen; seitdem ist noch eine größere Anzahl, meist junge Leute, beiderlei Geschlechts, au den erhaltenen Wunden gestorben. * In Bijanowo lebte ein Storch, der sich vor circa zwölf Jahren der Auswankrrnng der übrigen Störche im Herbst nicht angeschlosse», er blieb zurück und bezog im Keller des Apothekers sein Wintcrquartir. So oft der Frühling wicderkehrte und seine Gefährten brachte, verließ er Haus und Statt, schloß sich ihnen an, baute sein Nest und erfüllte treu die Pflichten eines ehrbaren Familienvaters. Das merkwürdigste an ihm war, daß er im Winter sich jedem Lcichenzugc anschloß, der Feierlichkeit bis zu Ende beiwohnte und dann in seinen Keller zurückkehrte. * In England bedient man sich jetzt häufig solcher Sie- gellackstangen, durch welche ein dünner Strohhalm als Docht gezogen ist. Man erlangt dadurch den Vortheil, daß man beim Anzünden des Siegellacks die Stange ziemlich aufrecht halten kann und das unzcitigc Tropfen vermeidet, weil der Docht eine kleine Flamme unterhält. Die davon abfallende Asche ist so unbedeutend, daß sie gänzlich verschwindet. * Wie weit der Unternehmungsgeist im Gcschäftslcben jetzt geht, dafür führt die »Zeit» an, daß in Berlin Anerbietung n von Butter aus Sibirien gemacht worden sind, die zu dem Wege über St. Petersburg und Kronstadt nach Berlin vorläufig noch fünf Monate braucht. * Keine Lampenputzer mehr! I» einem Stadtviertel Londons soll jetzt die Einrichtung getroffen werden, alle Lampen auf Straßen und Plätzen gleichzeitig anzuzünden, ohne daß ein Lampenanzülider nöthig ist. Es soll dies durch Elektrizität bewirkt werden, die durch einen Draht geleitet wird, der mit jeder Lampe in Verbindung steht. — London wird jetzt von über 360,000 Gasflammen beleuchtet. Die Unterhaltung der Flammen erfordert jährlich nebst dem ander» Brennmaterial 60 Millionen Zentner Steinkohlen. * Richtiger Jrrthum. Der berühmte Pariser Arzt Chirac fühlte sich, als er krank war, in der Fieberhitze an den Puls und sagte: »Ich bi» hier zu spät gerufen worden; dieser Kranke kommt nicht wieder auf.» Und seine Prophezeihung traf rin. Frucht - Mittelprciie. Heilbron», 30. Sept. Warze» 16 ff. 30 kr., Kernen 15 fl. 11 kr., Gemasch 13 ff. 54 kr., Gerste 11 ff. 28 kr., Dinkel 6 ff. 51 kr., Haber 8 ff. 5 kr. Tranks« Pistolen 9. 38-39 bto. Preuß. 9. 54-55 Holl. INff.-Stücke 9. 42 43 ffiaubdukaten 5. 31-32 ter Lourse. 20-Frank-Stücke 9, 17-18 Engl. SouverainS 11. 38-42 5-Frankcn-Thaler 2. 20'/, Preuß. Kaff.-Sch. I. 44/,-45 Rebigirt, Truck mir Bering von D. Pfisterer in Heidelberg.