Fan-bote. Verkündigungsblatt der Großherzoglichen Bezirksämter Sinsheim und Neckarbischofsheim. M™ - 149. Samstag, -en 12. Dezember 1857. 1 I739J Die Ortsreisen deS Thierarztes Zimmcrmann pro 1,858 betr. Beschluß. Nr. 12,645. An sämmtliche Bürgermeisterämter deS Amtsbezirkes. Die Tage für die Ortsreisen deS Lhierarztcö Zimmcrmann dahier für das Jahr 1858 werden dahin bestimmt: A. Für den ersten Bezirk. In den Gemeinden Waibstadt mit den zwei Mühlen, Epfenbach mit der Mühle, Reichartshausen mit der Mühle und Helmstadt mit dem Weiler- und Jngelhrimerlwf, Montag, den 11. Januar, Montag, den 8. Februar, Montag, den 8. März, Freitag, den 9. April, Montag, den 3. Mai, Montag, den 7. Juni, Montag, den 5. Juli, Mittwoch, den 4. August, Montag, den 6. September, Montag, den 4. Oktober, Samstag, den 6. November und Montag, den 6. Dezember. ö. Für den zweiten Bezirk. Jü den Gemeinden Flinsbach mit der Mühle-, Bargen mit der Mühle, Wellenberg, Hüffenhardt mit Wüsthausen und der HüttigSmühle und Siegelsbach mit den Mühlen, Mittwoch, den 13. Januar, Mittwoch, den 10. Februar, Mittwoch, den 10. März, Mittwoch, den 7. April, Mittwoch, den 5. Mai, Mittwoch, den 2. Juni, Samstag, den 3. Juli, Montag, den 2. August, Samstag, den 4. September, Mittwoch, den 6. Oktober, Mittwoch, den 3. November und Samstag, den 4. Dezember. C. Für den dritten Bezirk. In den Gemeinden Hasselbach mit Ober« und Unterblegclhof, Untcrgimpern, Obergimpern mit Wagcnbach, Mühle und Eulenbcrg, Babstadt mit Martinshvf, Treschkluigen und Rappenau, Freitag, den 8. Januar, Freitag, den 12. Februar, Freitag, den 12. März, Samstag, den 10. April, Freitag, den 7. Mai, Freitag, den 4. Juni, Mittwoch, den 7. Juli, Freitag, den 6. August, Mittwoch, den 1. September, Freitag, den 7. Oktober, Montag, den 8. November und Mittwoch, den 1. Dezember. Die Bürgermeisterämter werten beauftragt, diese Verfügung durch die Schelle bekannt machen und an die Gemeindetafel «»schlagen zu lassen. Neckarbischofsheim, den 7. Dezember 1857. Großherzoglich bad. Bezirksamt. Benitz. Verschollenheitserklärung. [740j Nr. 16,462. Sinsheim. Da Varuch Rosenstrauß von Neidensteinder diesseitigen Aufforderung vom 31. Juli v. I. keine Folge geleistet hat, so wird er hiermit für verschollen erklärt und werden seine nächste» erbberechtigten Verwandte» in bin fürsorglichen Besitz seines Bermögens gegen Sicherheitsleistung eingewiesen. Sinsheim, de» 7. Dezember 1857. Großhcrzoglich bad. Bezirksamt. Otto. [7261 Große Auswahl in Kinderspielsirchen bei K. Lanx, Hafner in Sinsheim. Ausverkauf von Kinder 2ch habe nach entschlos s IvHvViWVlll. sen, m:t meinem noch gro ße» Borraih von Kindershielwaaren anfzuräume! und verkaufe ich solche sowohl im Ganzen als in Einzelnen zu herabgesetzten Preisen. Sinsheim, den 30. November 1857. [725s Elkan Apfel Wtb. [7371 Richen. Mehrere 1000 Stück frischgeschlagene Repsölku- che» sind um billigen Preis dem Verkauf auSge- fetzt bei Leibbrandt, Oelmüller. Havanna - Honig billigst bei Oebr. Ziegler M. Kaufmann Frank [733] in Sinsheim. Kapital auszuleihen. [7411 Im evangelischen Heiligenfond dahier liegen 5—600 st. jum Ausleihen bereit. Eichtersheim, im November 1857. Der evangel. K.-G.-Rath. Weinetiketten sind vorräthig in der Buchdrucker« von D. Pfisterer in Heidelberg. Jlur Veschichte des Sagcs. * Neckarbischofsheim, 9. Dez. Wenn es einerscits ein betrübendes Ercigniß in einer Gemeinde ist, einzelne Mit- bürger vom Unglücke schwer heimgesucht zu srbrn, so ist eS anderseits wieder erhebend, die angenehme Wahrnehmung zu machen, wie sehr man bestrebt ist, sowohl der augenblicklichen Noth der Unglücklichen nach Kräften zu steuern, als auch so viel als möglich die erlittenen Verluste auszugleichen. Als nämlich im laufenden Spätjahr bei einigen hiesigen Bewohnern Feuer ausbrach und daS kaum eingeheimste Ernte- rrträgniß ein Raub des verheerenden Elements wurde, so wären die Abgebrannten, die auch nicht einmal das Fünftel der Gebäude versichert, in große Noch versetzt gewesen, hätte man nicht i» menschenfreundlicher, wahrhaft edler Weise für deren Linderung gesorgt. Der hiesige Gemeinderath, dem wir tiefgefühlte» Dank für seine eifrigen unermüdlichen Bemühungen bicrmit aussprcchen, veranstaltete hier eine Kollekte, dir reichlich aueficl. Mehrere Herren Bürgermeister auswärtiger Gemeinden folgten dem edlen Beispiel und ansehnliche Liebesgaben stoffen auch von dorther den Unglücklichen zu. Die nun geschlossenen Sammlungen zeigen folgendes Ergebniß: Neckarbischofsheim mit Helmhof 85 Mltr. Spelz, 5 Mltr. 5 Sstr. Gerste, 26 Ztnr. Heu, 582 Gebund Stroh, 261 st. 37 kr. Geld. Reichartshausen 3 Mltr. 5 Sstr. Spelz, 1 Ztr. Heu, 108 Gebund Stroh. Flinsbach 1 Mltr. Spelz, 15 st. Geld. Sicgelsbach 5 Mltr. 4 Sstr. Spelz, 7 st. 18 kr. Geld. Hüffenhardt 8 Sstr. Spelz, 17 fl. 8 kr. Geld. Treschklingen 7 fl. 3 kr. Geld. Hasselbach 5 Mltr. 6 Sestr. Spelz. Zu, sammcn 101 Mltr. 3 Sflr. Spelz, 5 Mltr. 5 Sstr. Gerste, 27 Ztnr. Heu, 690 Geb. Stroh, 308 fl. 6 kr. Geld. Es gereicht dem Einsender zur angeuchnicn Pflicht, diese schöne» Spenden, die von dem warmen Eifer, dem acht christlichen Sinne, mit dem man zu Zeiten der Noch seine milde Hand auSstrcckk, den deutlichsten Beweis zu Tage gebracht'haben, allgemein kund zu geben und im Namen der Abgebrannten den innigsten und herzlichsten Dank darzubrin- gen. / Der Himmel, der uiisere Schicksale leitet, möge den rddlN Gebern ihre Werke der christl. Liebe in tauscnt-sachcr Weift vergelten! Karlsruhe, 9. Dez. Vorigen Samstag Abend haben die schon erwähnten physikalischen Vorlesungen des Hru. Hofraths Eisenlohr ihren Anfang genommen. Dieselben betreffen die Elektrizität und den Magnetismus. An der Spitze des glänzenden Auditoriums befanden sich, wie im vorigen Jahre, Ihbe''königlichen Hoheiten der Großherzog und die Groß- herzvgin Luise-'sowie So. Greßh. Hobelt per Hr. Markgraf Mariwilian ein weiterer Akt ehrender Huldigung, welche von unftrm-'durchlauchtigsten Fürstenhause der Wissenschaft dargebracht wird. Karlsruhe, 10. Dez. Bei der gestern von den vereinigten hiesige» Gesangvereinen zum Besten der durch die Er- filvsiöü in Mai»; Beschädigten gegebene» großen musikalischen Abendunterhaltung sollen gegen 600 fl. eingcgangew und ankere Beiträge noch zu erwarten sein. Auch Ihre König!. Hoheiten der Großherzog und die GroßberzogiN Luise, sowie Ihre Grvßh. Hoheiten die Prinzessin Marie und die Frau Markgräfin Wilhelm nebst Prinzessinnen Töchtern beehrten das Konzert mit Höchstihrer Gegenwart. 'b Mannheim, 9. Dez. Die im vierten Quartal vor das Schwurgericht kommende» Fälle sind: 1) gegen Jakob Gerlinger von Hockenkeim, wegen Töttung, Mittwoch den 16. Dez.; 2) gegen Mart. Schcllmaier von Wallstadt, Donnerstag den 17. Dez.; 3) gegen Jot» Monninger von Adelshofen, Freitag den 18. Dez., Morgens; 4) gegen Karl Häusler von Sinsheim, Freitag den 18. Dez., Nachmittags; 5) gegen Dominik Maier und Aydrcas Schmitt, Beide, von Dielheim, Samstag den 19. Dez. Die Fälle unter Nr. 2 bis 5 betreffen Verbrechen gegen die Sittlichkeit und werden in geheimer Sitzung verhandelt. Bruchsal, 9. Dez. Gestern Nachmittag 3 Uhr wurde wohl einer der ältesten Veteranen, Adam Gesell, geboren in Rastatt, hier mit militärischer Feierlichkeit zu Grabe gebracht. Er erreichte 80 Jahre und 6 Monate. In feiner frühen Jugend trat er bei dem Infanterieregiment Markgraf Ludwig als Soldat ein, machte im Jahre 1805 den Feldzug in Oesterreich, in den Jahren 1806 und 1807 den Feldzug in Preußen mit, zeichnete sich bei ket Belagerung von Danzig durch sein tapferes und entschlossenes Benehmen so rühmlich aus, daß er mit der silbernen Karl-Friedrich -Militär -Verdicustmedaille geschmückt wurde. Vom Jahre 1808 bis 1814 wohnte er den Feldzügen in Spanien bei, avancirte zum Sergeanten und kämpfte dort in 7 Schlachten und 30 Gefechten. Im Jahre 1815 war er bei der Blokadc von Straßburg. Anfangs der 1830er Jahre trat er aus dem Militär aus und diente noch längere Zeit bei der Polizei in Bruck,sal. Noch vor Kurzem ward ihm die ehrenvolle Freude zu Theil, an der Feier der 50jähr>gcn Stiftung des Karl-Friedrich-Militär-Verdienstordenö Theil nehme» zu dürfen, nud als ältester, noch lebender Inhaber der silbernen Medaille lohnte ihn Se. König!. Hoheit der Großherzog huldvvllst mit der goldenen Dekoration. Nebenbei trug er als Zeichen der im Felde treu geleisteten Dienste die badtsckie Feld- dienst-Auszeichnung. Eine große Anzahl sowohl aus dem Militär-, sowie auö dem Zivilstande erzeigte durch Begleitung des Leichenzugs dem Verblichenen die letzte Ehre. Pforzheim, 8. Dez. Die Stimmung in hiesiger Fabrik- stadt ist nicht mehr jene, welche sie noch vor einigen Wochen war. Die amerikanische oder zunächst die hamburgische Krisis und ihre Beziehungen zum hiesigen Platze bilden jetzt das allgemeine Tagesgespräch. Die Geschäfte der Bijoutericfabriken beginne» sich zu mindern, die Arbeitszeit wird herabgesetzt, manche Arbeiter werden entlassen und der Wochenlohn Anderer vermindert. Alle diese Fälle sind bereits vbrgekommen, wenn auch nur vereinzelt. Gespannt ist man namentlich auf die demnächst zu erwartenden Nachrichten über die bezüglichen Zustände in Südamerika; denn diefts steht in näherer Geschäfksbeziehung mit Pforzheim, als Nordamerika. Bleiben in Südamerika die Verhältnisse die bisherigen und wendet sich die Lage der Hamburger Kaufmannschaft günstiger, so ist unser Platz gesichert, wenn auch die augenblickliche Geschäftsstockung noch einige Wochen fortdauern sollte. Von der Bergstraße, 10. Dez. Der Kauf in Tabak wird lebhafter, jedoch steigern sich die Preise nicht und sind eher zum Sinken geneigt. In der Gegend zwischen Heidelberg, Wiesloch und Mannheim kann nur Plankstadt genaunt werden» woselbst ziemliche Qantitäten verkauft wurden; viele Produzenten hoffen auf höhere Preise und manche sind entschlossen, ihre,» Tabak zusammtnziischlagen. Baden, 8, Dez^ Gestern hat man begonnen, den Dachstuhl auf der hiesigen evangelischen Kirche anszuschlagen, und damit ist denn die Hoffnung, den Ban noch vor Beginn des strengeren Winters unter Dach zu sehen, verwirklicht worden. Baden-Baden. Letzte Saison wurden hier 69,704 Bäder genommen und 35,190 Gläser Molken getrunken bis jetzt die höchsten Zahlen. Ludwigöburg. Die Wenigsten wissen, wer die Phosphorzündhölzchen erfunden hat. Es ist dies der Fabrikant und Ehemiker I. F. Kämmerer, der die Entdeckung einst in unfreiwilliger Muße gemacht, die. letzten Jahre schweren Leiden unterworfen war und vor einigen Tagen hier zu Grabe getragen wurde. Rottweil, 6. Dez. Auf das amtliche Ausschreibcn wegen Mäusefaugeö wurden in hiesiger Stadt 80,000 solcher Wühler abgeliefcrt. Darmstadt. Seit dem neulichen Beschluß unserer zweiten Kammer steht die nahe Erbauung einer stehenden Brücke über den Rhein bei Mainz in Anssicht. München, 5. Dez. Dieser Tage wird von hier ein sehr beträchtliches Quantum Bier aus der Pschorr'schen Brauerei nach Rio de Janeiro (Brasilien) abgesendct werten. Borken (in Kurhessen.) Vor einiger Zeit kehrte ein israelitischer Handelsmann, in Amerika schnell reich geworden, hierher zurück. Allerlei Schwindelgeschäfte brachten ihn aber bald an den Rand des Baukerotts und das ^Verfahren sollte in diesen Tagen staltfinde», was den Mann in solche Desperation brachte, daß er den die Untersttchung führenden Beamten ermorden wollte, und als dies vereitelt wurde, einen Gens- darmcn (Vater von 6 Kindern) erstach. Erst nach ^stündi- gem Straßenkampsc gelang es 9 handfesten Männern den Wüthenden zu fesseln. Magdeburg. Die hiesige Regierung verbietet das ebenso zwecklose alS Eckel erregende Aufblasen des Fleisches, welches nur auf eine Täuschung des Publikums hinausläust. Berlin, 7. Dez. Der zunächst liegende Zweck der zum 15. Januar in Wie» zusammentretenden Zollkonferenz besteht darin, daß Oestereich sich über die Gegenkonzesstonen erkläre» soll, welche Seitens deö Zollvereins für die Bewilligung der österreichische» Propositionen verlangt werden. Da die Einladung jetzt von Oesterreich ausgegangen ist, so darf man annehmen, daß seine Regierung zu Gegenleistungen bereit ist. Berlin. Die "Zeit" bringt folgende Notiz: »Die Vermählung des Prinzen Friedrich Wilhelm mit der Prinzeß Ro- — 587 — yal ist auf den 25. Januar verschoben, weil die Hoffnung festgehalten wird, daß der Prinz von Preußen derselben werde beiwohnen können.« Paris, 7. Dez. In einigen Tagen sollen wieder 89 oder 90 Sparküchen in Paris und der Bannmeile eröffnet werden, nämlich 72 auf Rechnung des Kaisers lind der Kaiserin, 12 auf Rechnung der philantropisckcn Gcsell>chaft und 5 oder 6 auf Rechnung der Gesellschaft St. Vinzenz de Paula. Lyon, 2. Dez. Mit Ausnahme einiger Tage im Jahr 1848 hat man seit 1837 keinen ähnlichen SiiUstand der Geschäft«; erlebt, bei unö und in St. Ezienne. Dort herrscht auch das Nervenfieber lind soll die Sterblichkeit steigern, hier ruhen von etwa 60,000 Webstühlen mindestens 40,000. Hausen von Arbeitern haben sich auf's Stadthaus begebey und um Arbeit und Vrod gebeten. Es werden also auf Staatskosten Erdarbeiten auf dem linken Rhone-Ufer aufgcfüyrt, und sonst die geschickten und zu schweren Arbeiten unfähigen Weber wo möglich ihrem Geschäft unterhalten. Doch wird der Winter sehr hart werden. Wen» die Seidenpreise fortfahren zu fallen, bekommen die Seidenweber wohl auch wieder mehr zu thun; aber cs fehlen Heuer die Aufträge aus Amerika wegen der dortigen Haüdclökrisis. London. Die Hoffnung, den «Leviathan« bei der legten Springfluth um ein gutes Stück dem Wasser näher zu bringen, ist nur tkeilweise in Erfüllung gegangen. Die ganze Verrückung seit Samstag hat bisher nicht ganz 48 Fuß betragen, es bleiben ihm somit noch 250 Fuß zuruckzUlegen übrig. Während die Operation kürzlich vor sich ging (uuier den Zuschauern befanden sich die Herzoge von Jvinville und Aumale) brach ein außerhalb des Werslenhofrö aufgestellteö Gerüst zusammen, und alle, die sich darauf einen Platz er- tungen hatten, stürzten unter entsetzlichem Jammergeschrei etwa 18 bis 20 Fuß von der Hohe herab. Es waren arme Leute der Nachbarschaft, und sieben von ihnen waren so arg verletzt, daß sie ins Hospital geschafft werden mußten, während die meisten mit dem bloßen Schrecken oder doch mit unbedenklichen Verletzungen davon kamen. London, 8. Dez. Man hat Nachrichten aus Suez, 24. Nov. und Malta, 4. Dez. Admiral Lyons meldet der Regierung auf telegraphischem Wege, daß zwei Transportzüge in Lucknow eiiitrafcn. General Havelock, von den zahlreichen Insurgenten ilnd einer furchtbaren Artillerie (300 Kanonen) in die Enge getrieben, lieferte mehrere blutige Gefechte. General Outram soll verwundet sein. Sir Eolin Campell verließ Nam- vur am 28. Okt. an der Spitze imponircnter Streitkräfte und rückte gegen Lucknow vor. Die englische» Lcrstälkungörriippcn komme» an. Warschau, 2. Dez. Siebenundzwanzig Polen wird durch heute veröffentlichte kais. Amnestie ihr ehemals confiscirtes Vermögen zurückgegeben. Ostindien. Dem Aufstand sind bis jetzt 1524 Europäer zum Opfer gefallen, die Soldaten nicht gerechnet, welche auf dem Marsch, in der Schlacht oder in Folge der im Kampf erhaltenen Wunden starben. China. Die Engländer habe» jetzt in den chinesischen Gewässern 41 Schiffe mit 650 Kanonen und 7000 Matrosen beisammen. Landtagsverhandlungen. Karlsruhe, 9. Dez. 9. öffentliche Sitzung der Zweiten K a mm er. Vom Sekretariat wird avgezeigt eine Petition des Fidel Gantert von Birkendorf, die Berathung eines Gesetzes wegen Uebertraguiig eines Vorschlagsrechts an die Gemeinden bei definitiver Besetzung der Volksschullehrerstellen. Die Tagesordnung führt zur Diskussion über den, vom Abg. Blankenhorn-Krafft erstatteten Bericht der Budgetkom- mission über die Rechnungsuachweisungen der Badanstalteo« Verwalkung der Jahre 1854 und 1855. Die Kommiisivn trug darauf an, die Einnahmen im Betrage von 297,054 fl. 47 kr., und die Ausgaben im Betrage von 175,250 fl. 27 kr. als gerechtfertigt anzucrkennen. Sodann kommt der Bericht des Abg. Friederich über dis Rechnungsnachwcisungcn des großh. Staarsministeriums zur Berathung. Verwilligt waren für 1854—55: A. im ordentlichen Etat . . . 2,056,158 fl. — kr. B. im außerordentliche» Etat . 561,561 fl. 58 kr. Zusammen . . . . 2,617,719 fl. 58 kr. Verwendet wurden: A. im ordentlichen Etat . . .. . 2,049,<82 fl. 16 kr. B. im außerordentlichen Etat . 600,188 fl. 56 kr. ^ 2,649,971 fl. 12 kr. Mehr . . , , 32,251 fl. 14 krl Die Kommission schlug vor, diej§ Mehrausgabe für gerechtfertigt zu erkennen. Der Abg. Schaaff spricht hierbei den vom Abg. Sallinger unterstützten Wunsch aus, daß es der Regierung gelingen möge, zu bewirken, daß bei der Buudrsfestung Rastatt ein verschanztes Lager, wie es die Interessen von Baden und von ganz Deutschland dringend forderten,, hergestellt werde, Der Kommissionsantrag-wird hierauf angenommen. Der Abg. Bissing würde cs, da der Kirchenkonflikt schon so lange Zeit dauert, für angemessen finden, über die gegenwärtige Lage der Angelegenheit etwas. Bestimmtes von der Regierungsbank zu vernehmen; allein da der Gegenstand sehr delikater Natur sei, so wolle er vor der Hand eine solche Er« slärung nicht verlangen. Er schließe sich auch gerne dem im Berichte der Budgetkommission- ausgesprochenen Wunsche an. Indessen erbitte er sich darüber von dem Hrn. Minister des Auswärtigen eine Erklärung, ob, wenn das abzuschlicßende Konkordat Gegenstände enthalten würde, die in die Kompetenz der Stände euigriffen, die großh. Regierung den Vorbehalt der Genehmigung und Zustimmung Seitens der Kammern dem Vertrag beifügen werde. Staatsminister Frhr. v. Mcysenbug: Ich habe hierauf zn erwiedcr», daß sich Dies eigentlich von selbst versteht. Die Regierung wird ihre Pflicht beobachten und Das, was her Gesetzgebung vorzubehaltcn ist, auch in der Behandlung der fraglichen Angelegenheit dem verfassungsmäßigen Wege zu- wenden. Wenn der Vertrag zu Stande gekommen ist, so wird es sich nach seinem Inhalte bestimmen, ob er, ohne die gesetz- gcberische Thätigkeit in Anspruch zu nehmen, in Vollzug zu treten hat. Derselbe wird ja aller Welt bekannt werden und dann auch Gegenstand näherer Besprechung sein können. Ich glaube den HH. Abgeordneten die vollste Beruhigung darüber geben zu können, daß in dieser wichtigen und bedeutungsvollen Angelegenheit die Regierung allen Verhältnissen im vollsten Maße Rechnung tragen wird. Der Kommissionsantrag, die Gesammtausgabe von 240,439 fl. 55 kr., somit um 19,239 fl. 55 kr. mehr als verwilligt, für gerechtfertigt zu erklären, wird angenommen. Weiter kam zur Diskussion der Bericht des Abg. Para- vicini über die vergleichende Darstellung der Budgetsätze mit den Rcchnungsrcsultaten der Jahre 1854 und 1855 bei großh. Ministerium des Innern, Tit. I.—VIH. Die km Bericht bei der Verausgabung von 7014 fl. 40 kr. für Ankauf eines Amtkauses in Bvrbcrg ausgefprockeue Bemerkung, daß früher beabsichtigt gewesen sei, das Amt Borberg aufzuheben, Dies aber später nicht für zweckmäßig ge- — 588 — funden worden sei, gibt dem Abg. Fischker Veranlassung zu der Ausführung, daß, wie nun auch das Amt Borberg, so auch die Aemtcr Meersburg und Salem aufgehoben worden feien. Hierdurch entsteht zwar vielleicht eine Ersparnis für die Staatskasse, dagegen eine Mehrausgabe und Belästigung für die Bewobner jener Bezirke, welche nunmehr großentheilS einen weite» Weg nach dem Amtssitze Ueberliugen zu machen hätten. Auswärtige Amtstage könnten diese Schwierigkeiten nicht völlig beseitigen. Auch sei der Amtsbezirk Ueberliugen zu groß. Er empfehle der großh. Regierung, in Erwägung zu ziehen, ob nicht eine Acndrrung dahin rathsam sei, baß in Mcersburg und Ueberliugen jeweils ein Amt und ein Amtsgericht de» Sitz habe. Der Herr Präsident der Ministerien der Justiz und des Innern, Geh. Rath Frhr. v. Stengel: Was den Gegenstand betrifft,,welcher dem Hru. Abgeordneten die Veranlassung zu seiner Ausführung gegeben hat, so muß ich bemerken, daß die für den Ankauf des Hauses gemachte Ausgabe keine nnnöthigc war, da wir dieses Haus für das Amtsgericht in Borbcrg brauche». Hinsichtlich der an die großh. Regierung gerichteten Empfehlung aber muß ich bedauern, daß ich auf sie keine Rücksicht nehmen kann. Bei der Behufs der Trennung der Justiz von der Verwaltung vorgenommenen Organisation sind alle Verhältnisse der von dem Hrn. Abgeordneten in Schutz genommenen Bezirke in genaue Erwägung gezogen worden; aus dem so eben gehörten Vortrage konnte ich Nichtö entnehmen, was Ver, anlassung zu irgend einer Aendcrung geben könnte. Der Bezirk des Amts .Ueberliugen ist jetzt allerdings etwas ausgedehnt; allein der Scelenzahl nach für die Administration eher zu klein, als zu groß. Bei Organisationen sind Jnkonvenicnzen der Natur der Sache nach nicht durchweg zu vermeiden; allein das Zcugniß wird uns gewiß die Kammer geben, daß wir die jüngste Organisation mit möglichster Schonung aller Interessen ins Werk gesetzt haben. Bei reiflicher Ueberlegnng werden Dies auch die Orte Salem und Mcersburg, wenn sich einmal der erste Unmuth gelegt hat, wohl einsihen und eine Acndrrung nicht mehr wünsche». Die Kammer hat uns von je her mit Wärme empfohlen, an Stellen und Beamten zu sparen; wir haben Dies seither berücksichtigt und werden es mit der Zeit, so weit möglich, noch mehr berücksichtigen. Der Kommissionsantrag wird hierauf angenommen. Der Tagesordnung gemäß erstattet hierauf der Abg. Bissing Namenö der Petitionskommission Bericht über die Bitte des ehemaligen Soldaten Philipp Schvttmüllcr von Rvthcn- fels um Unterstützung. Der Bittsteller, welcher in den Feldzügen gegen Frankreich, insbesondere in der Schlacht bei Leipzig, gcfochten und^ Wunden erhalte» hatte, war von großh. Kriegsministerium mit der mehrmals wiederholten Bitte um Verleihung einer Pension oder Gratifikation abschläglich verbcschicken worden, weil ein Zusammenhang zwischen seiner Gebrechlichkeit und den Strapazen der Feldzüge nicht nachgcwiescn, er auch nicht wegen Dicnstuntauglichkcit, sondern als gesund, unter Bezahlung von 24 fl. 45 kr., beabschicdct worden sei. Die Kommission verkennt zwar das Gewicht dieser Grünte und die Vollstäudigkeit der gepflogenen Untersuchung nicht, stellt jedoch, da der Bittsteller, nach einem Zeugniß seincö ehemaligen Chefs, im Krieg, wie in der Garnison sich gut gehalten, jetzt aber alt, gebrechlich und in dürftiger Lage sich befinde, auch ärztliche Zeugnisse der Vermuthung Raum geben, daß die Gebrechlichkeit Folge der Kricgsstrapazen sei, den Antrag, die Petition dem großh. Staatsministerinm zu geeigneter Berücksichtigung zu überweisen. Dieser Antrag wird vom Abg. Schaaff unterstützt und von der Kammer angenommen. Der Abg. Horn berichtet hierauf Namens der PekitionS- kommifsion über die Bitte des Bierbrauers Leopold Berger von Birkeudorf um Konzession zum Ausschank von selbstgebrautem Bier. Der Bittsteller war mit seinem deßfallsigen Gesuch von der großh. Regierung keS Seekreifts abgewiesen worden, weil nach dem gcmeinkeräthlichen Bericht die Errichtung einer weitern Wlrthschaft in Blekendorf nicht erforderlich sei, und hatte sich bei dieser Entscheidung beruhigt. Da sonach Enthörung nicht nachgcwieseu, wird Ucbergang zur Tagesordnung beantragt. Der Abg. Bär v. K., durch welchen diese Petition übergeben worden war, bemerkt: Er wende zwar gegen diesen Antrag Nichts ein, wie auch der Bittsteller denselben ehren werde; waö die Sache selbst aber betreffe, so sei es wünschcnswerth, daß die Behörde» nicht auf einen Grund, wie der vorliegende, allein eine abwciölichc Entscheidung ähnlicher Gesuche bauten. Denn für kleine Bierbrauer, die nothwcndig den Ausschank zum Absatz ihres Erzeugnisses bedürften, werde hierdurch der Betrieb ihres Gewerbes fast unmöglich gemacht. Er halte es vielmehr, wenn auch im Allgemeinen die Vermehrung der Wirthschastcn nicht wünscheiiswerth fei, für angemessen, bei Gesuchen um Erlaubniß zum Ausschank selbstgebrauten BiereS jeweils diese Bewilligung dann zu ertheilen, wenn keine Hinter- nisse in der Person des Bittstellers lägen, und wollen hiermit den Wunsch aussprcchen, daß die großh. Regierung in diesen und ähnlichen Fällen »ach dem aiigedeuteten Grundsatz verfahren möge. Der Hr. Präsident der Ministerien der Justiz und des Innern, Geh: Rth. Frhr. v. Stengel: Im Allgemeinen soll die Zahl der Wirthschaften, und besonders der Schenken, nicht vermehrt werden; kenn es gibt deren mehr als genug im Lande. Auf der andern Seite sind in Gewerbeangelegenhciten die Gewerb« treibenden so wenig als möglich zu beschränken., namentlich was ihre Absatzwege betrifft. Nach diesen Grundsätzen werden ähnliche Gesuche entschieden, und wird auch das vorliegende, so weit nicht etwa Hindernisse in der Person des Bittstellers oder in andern Umständen überwiegen sollten, bei dem Ministerium des Innern, falls es an dasselbe gelangt, seine Erledigung finden. Der Kommissionsankrag auf Tagesordnung wird sodann angenommen. Der Abg. Faller zeigt an, daß der von ihm zu erstattende Bericht über die Rcchnungsnachwcisungrn des großh. Justizministeriums gefertigt sei, und beantragt dessen Druck. Die Kammer genehmigt diesen Antrag. Heidelberg. Auf dem am 7. Dezember dahier abgehaltenen Bieh- markt wurde» 120 Stück Lieh »erkauft und dafür 13,849 fl. erlöst. Frucht - Mittelprcije. Heidelberg, 9. Dezbr. Kernen 200 Pfd. 10 fl. 13 fr., Geiste 200 Ptd. 8 fl. 8 kr., Spelz 130 Pfd. 4 fl. 59 kr., Haber 5 fl. 38 kr., Welschkorn 12 fl. 16 kr. Heilbronn, 9. Dezbr. Walzen 12 fl. 39 kr., Kernen 13 fl. 4 kr., Karn 9 fl. 12 kr., Gemasch 9 fl., Gerste 9 fl. lö kr., Dinkel 5 fl. 59 kr., Haber 6 fl. 14 kr. irattkftirter Loursr. Pistolen 9. 38 l 20-Frank-Stücke 9. 18 19 dto. Preuß. 9. 55'/,-56'/, I Engl. Souveraiu« 11. 44-48 Holl. lofl.-Stücke 9. 43-44 I 5-Franken-Thaler 2. 20 '/, ptanddukaten 5. 31 | Preuß. Kaff.-Sch. 1. 45'/,-'/, Rcdigirt, Druck und Verlag von D. Pfisterer in Heidelberg.