Her Lan-bote. Werkündigungsblatt der Großherzoglichen Bezirksämter Sinsheim und Neckarbischofsheim. M ro -150. Dienstag, den 15. Dezember 1857. f 744 ] Die Aufstellung der Tabellen über den Viehstand im Amtsbezirk Sinsheim betr. Beschluß. Nr. 16,590. Die Bürgermeisterämter werden beauftragt, binnen 8 Tagen die Tabellen über den Viehstand anher einzusenden. Darin ist die Zahl des Viehes aus den Höfen besonders anzugeben. Das Verzeichniß muß folgende Rubriken enthalten: a) Zahl der Pferde, b) Zahl der Kühe, v) Zahl der sprungfähigen Rinder, st) Zahl der Farren, welche gehalten werden, deren Alter und Bezeichnung, ob solche sprnngfähig sind, e) Namen der Faffelhalter, 0 Bedingungen und Dauer des mit ihm abgeschlossenen Vertrags, g) Zahl der Geisen, h) Zahl der Schweine. Sinsheim, de» 11. Dezember 1857. Großherzoglich bad. Bezirksamt. Otto. l?42] Verkauf von Giftwaaren, Fliegenstein, Krähenaugen betreffend. Nachdem anher vorgetragen worden ist, daß sowohl Fliegenstein, als Krähenaugen von den Kaufleuten und Krämern in Läden und in wandernden Krambuden verkauft werden, beide aber zum Fabrikationsgebrauch nicht nöthig, zum Hausgebrauch entbehrlich und durch andere unschädliche Mittel leicht zu ersetzen sind (wie denn statt des Fliegensteins zum Mückenfangen rin Absud des Quasiaholzes in weiten Gefäßen oder ein gemeiner Zuckersyrup in Gläsern mit ganz engem Hals hinlängliche Dienste thut,) so haben alle Unter-Polizei-Behörden in ihrem Bezirke zu verordnen und genau darauf zu sehen, daß die Kauf, leute, auch sitzende und wandernde Krämer Fliegenstein und Krähenaugen unter «hren verkaufenden Maaren zu führen, aufhören, und jeder, der vier Wochen nach Verkündung dieses dergleichen noch führen würde, für jeden Ueberweisungsfall mit zehn Reichs- thalern gestraft werde, vorbehaltlich schärferer Strafe, wenn Unglück durch Verkauf angerichtet worden wäre. Wegen derjenigen giftartigen Waaren, die zum Gewerbs- und Fabrikationsgebrauch dienen, als rothrr Arsenik, Auripigment oder gelber Arsenik, weißer Arsenik, Gummigutti, Sublimat und dergleichen, ist allen wandernden Krämern, auch solchen kleinen sitzenden Krämern, die nicht Buch und Rechnung über ihren Handel führen, alles Halten und Verkaufen dieser Waaren bei gleicher Strafe, wie oben gemeldetist, untersagt; den ordentlichen Krämern aber, die Buch und Rechnung führen, noch mehr also deren Kaufleuten und Großhändlern bleibt deren Führung und Verkauf erlaubt, jedoch daß sie die in der großherzoglichen ApothekerverordnungjArt. 40, 42, 43, 53 und 66 vorgeschriebenrn Vorsichten genau und bei Vermeidung der in letzterem erwähnten Strafe beobachten, weßwegen alle Provinz - und Bezirksblätter zur allgemeinen Kenntniß, jene Stellen der Apothekerordnung in einer ihrer nächsten Nummern nachträglich abzudrucken haben. Verordnet im Grvßherzoglichen Geheimen Rath, Departement der Polizei, Karlsruhe, den 24. März 1808. Neckarbischoföheim, den 3. Dezember 1857. Beschluß. Nr. 12,574. Vorstehendes Verbot wird hiermit wiederholt zur öffentlichen Kenntniß gebracht. Grvßherzoglich bad. Bezirksamt. Benitz. £739] Die Ortöreisen des Thierarztcs Zimmermann pro 1858 betr. Beschluß. Nr. 12,645. An sämmtliche Bürgermeisterämter deS Amtsbezirkes. Die Tage für die OrtSreifen deS Thierarzteö Zimmermann dahier für das Jahr 1858 werden dahin bestimmt: A. Für den ersten Bezirk. In den Gemeinden Waibstadt mit den zwei Mühlen, Epfenbach mit der Mühle, Reichartshausen mit der Mühle und Helmstadt mit dem Weiler- und Jngelheimerhof, Montag, den 11. Januar, Montag, den 8. Februar, Montag, den 8. März, Freitag, den 9. April, Montag, den 3. Mai, Montag, den 7. Juni, Montag, den 5. Juli, Mittwoch, den 4. August,. Montag, den 6. September, Montag, den 4. Oktober, Samstag, den 6. November und Montag, den 6. Dezember. 8. Für den zweiten Bezirk. In den Gemeinden Flinsbach mit der Mühle, Bargen mit der Mühle, Wollenberg, Hüffenhardt mit Wüsthausen und der HüttigSmühle und Siegelsbach mit den Mühlen, Mittwoch, den 13. Januar, Mittwoch, den 10. Februar, Mittwoch, den 10. März, Mittwoch, den 7. April, Mittwoch, den 5. Mai, Mittwoch, den 2. Juni, Samstag, den 3. Juli, Montag, den 2. August, Samstag, den 4. September, Mittwoch, den 6. Oktober, Mittwoch, den 3. November und Samstag, den 4. Dezember. 6. Für den dritten Bezirk. In den Gemeinden Haffelbach mit Ober- und Unterbiegrlhof, Untergimpern, Obergimpern mit Wagenbach, Mühle und — 590 — Eulenberg, Babstadt mit Martinshof, Treschklingen und Rappenau, Freitag, den 8. Januar, Freitag, den 12. Februar, Freitag, den 12. März, Samstag, den 10. April, Freitag, den 7. Mai, Freitag, den 4. Juni, Mittwoch, den 7. Juli, Freitag, den 6. August, Mittwoch, den 1. September, Freitag, den 7. Oktober, Montag, den 8. November und Mittwoch, den 1. Dezember. Die Bürgermeisterämter werden beauftragt, diese Verfügung durch die Schelle bekannt machen und an die Gemeindetafel anschlagen zu lassen. Neckarbischofsheim, den 7. Dezember 1857. Großherzoglich bad. Bezirksamt. Benitz. PROVIDENTIA, Frankfurter Bersicherrrngs - Gesellschaft, . concrfsionirt mit einem Actien-Capitaie von Zwanfig Millionen Gulden IN zwei Serien, jede z» Zehn Millionen Gulden. Die Gesellschaft schließt Versictwrnugen gegen See«, Fluß- und Land-Transport-Gefahren, sowie Lebens - und Gesundhelts - Versichrungen ab. Die Versicherungen des Lebens und der Gesundheit umfassen: Lebensversicherungen; Versicherungen gegen Erwerbunfähigkeit, außergewöhnliche Lebensgefahren und Verunglückung; Ausstattungs-, Altersverforgungs- und Sparkaffen-Versicherungen, sowie Versicherungen von Renten jeder Art. Die Versicherung von Ausstattnngs - und Versorgungs-Kapitalien für Kinder und reifere Alter kann sowohl zu vorausbestunniren Summen, wie in gegenfeitlge» Jahresvereinen und die Erwerbung lebenslänglich steigender Renten IN gegenseitigen Rentenvereine» geschehen. Prospekte und VersicherungSformnlare werden unentgeltlich auSgegeben, durch .lae. Meissner in Heidelberg. Ernst Xötling in Mannheim. Danksagung. 1747 J Den vielen Freunden und Bekannten, welche so zahlreich von nah und fern trotz der ungünstigen Witterung dem Leichenbegängnisse meines mir so schnell und früh entrissenen, tbeuren Gatten, des Bürgermeisters Johannes Schechter, beiwohnten, spreche ich hiermit auf diesem Wege meinen tiefgefühllisten Dank au«. Von seiner allseitig genossenen Liebe und Achtung gab die große Theilnahme bei der Beerdigung ein unverkennbares Zeugniß, was mir bei dem so harten Verlust, der mich getroffen, ein großer Trost war. Bockschaft, den 10. Dezember 1857. Die traueinde Witlwe Regina Schechter. Anzeige. [7451 Be! Unterzeichnetem sind hundert Malter Kartoffel und drei Ohm Zwe'schgen-Branntwein zu verkaufen. Dorner, __ _ zum Bären. yS£z*~T Für Seiler. [748] Ein Kammgeschirr, 6mal im Trieb, drei Hecheln und verschiedenes anderes Handwerlsgeschirr sind zu verkaufen bei Philipp Lamade in WieSloch. Todesanzeige. [749J Am 9. dsS. MtS. entschlief sanft in dem Herrn unser geliebter Vater und Schwiegervater der Chirurg Chr. Fdch. R v t t von Jttlingen in seinem 77. Lebensjahre. Dies seinen auswärtigen Freunden und Bekannten zur Nachricht mit der Bitte um stille Theilnahme. Im Namen der Familie Hol». Kott, Steinhauermeister. [737] Richen. Mehrere 1000 Stück frischgeschlagene Repsölkuchen sind um billigen Preis dem Verkauf ausgesetzt bei Leibbrandt, Oelmüller. [748] Daisbach. Kapital auszuleihen. Gegen doppeltes liegenschastliches Unterpfand sind zu 5 Prozent auszuleihen: Baufondskapital 430—450 ff. Aliüojenkapital 120—130 st. Frhr. v. Göler'sche Stiftung 100 ff. Lur Geschichte des Sages. Karlsrube, 11. Dez. Es ist uns eine angenehme Pflicht, auf eine neue Leistung des rastlos vorwärts strebenden Glock'schen industriellen Etablissements aufmerksam zu machen, dem eine schöne Zukunft beschicken sein dürfte. Es ist Dies ein seit einiger Zeit auS dem genannten Etablissement unter dem Namen „Gluten" hervorgchendeö Produkt, das bei Bereitung der Stärke aus Weizen gewonnen wird und ein trefflicher Kraftsuppen- Stvff ist. Obgleich die Ehemic diesen Stoff, den Liebig ein plastisches Nahrungsmittel nennt, und dessen Nahrhaftigkeit auch von andern Chemikern aufs höchste angeschlagen wird, kannte, so wußte doch die Industrie lange nicht viel mit ihm an- zufangen, und benützte ihn meist zu untergeordneten und bei Seite liegenden Zwecken. Zuerst kam man in Frankreich darauf, ihn nützlicher zu verwenden, stellte ihn in gekörnter Form dar und brachte dieses Snppenmatcrial so in den Hantel; es brach sich bald Bahn und fand namentlich in Anstalten, wo man größere Quantitäten bedurfte und wo Sanitätsrücksichten mit maßgebend waren, eine willkommene Ausnahlue. Herr Glock hat schon vor einiger Zeit mit der Darstellung dieses Kraft- fuppen-Stoffö begonnen und demselben leichten Eingang in den Handel verschafft, da er bei gleicher Menge billiger zu stehen kommt, als audere Suppcnstoffe und sehr wohlschmeckend und nahrhaft ist. Er ist jedoch dabei nicht stehen geblieben, sondern stellt sein Fabrikat auch in Zwiebackform von reinster Substanz und schönstem Aussehen dar, was etwas ganz Neues ist. Dieser Zwieback, durch Maschinen verarbeitet, verdaut sich noch leichter, als der gekörnte Gluten, wcßhalb er sich als konzentrirter Ruhrungsstoff ganz bcsvnders zum Gebrauch für gewisse Kranke, Kinder und Reconvaleszenten empfiehlt. Er ist aus dem feinsten Mehl bereitet und wird auch von Gesunden überall gern genossen werden. Ist es schon ein Verdienst, ein neues Nahrungsmittel gewonnen zu haben, welches bisher verloren ging, so verdienen die Vorzüge, die ihm eigen sind, um so mehr Anerkennung. Wir sind überzeugt, daß ihm dieselbe nicht aus- bleiben wird, sobald es einmal mehr bekannt sein wird. Karlsruhe, 11. Dez. Die Aktionäre der badischen Gesellschaft für Zuckerfabrikation habe» in der letzten, dahier stattgehabten Generalversammlung den durch die Mainzer Pulver- erplosion Beschädigten die Summe von 500 fl. zuerkannt. — Die VersilberungSsabrik von Christofle u. Comp. Hierselbst hat dem Gemeinderath von Karlsruhe den Betrag von 500 Frcs. zu wohlthätigen Zwecken zur Verfügung gestellt. Die Karl- Friedrich-Lcopold- und Sophien-Stistung haben hievon bereits die Hälfte erhalten. — Vorgestern Abend ist der flüchtig gewesene Zentral-Stistungsverwalter Miekingcr, welcher bisher in Feldkirch (Oesterreich) verwahrt.war, hierselbst eingeliefert worden. Dem Vernehmen nach wird der in seinem Wohnorte Brüssel verhaftete Neffe teö Angeschuldigten ebenfalls hierher gebracht werden, wie auch ein der Mitschuld verdächtiger Bürger aus Heiteröheim. Mannheim, 10. Dez. Das am 1. b. M. von den hiesigen Gesangvereinen, Liedertafel, Singvcrein, Sängcreinheit, Synagogcnchor und Sängerbund und dem großh. Hoftheater- Orchester im hiesigen Theater zum Besten der Mainzer Beschädigten gegebene Konzert hatte einen Ertrag von 789 fl. 9 kr. geliefert, welcher direkt an das Hülfskomite in Mainz einge- sandt wurde. — Im Monat November sind 95 Auswanderer durch hiesige Stakt passirt. - HS1 Aus der Baar, 10. Dez. Wir ersehen aus Handels, briefen aus Bayern, daß, obwohl die Brauzett begonnen hat, die Nachfrage nach Hopfen sehr flau ist. Die namhaften Bestellungen französischer Häuser, die sonst alljährlich eintrafen, ließen bießmal noch immer auf sich warten, und nach England seien wenige Geschäfte zu machen, zumal die Spekulanten an den im vorigen Jahre gemachten empfindlichen Erfahrungen scheu geworden seien. Stadt Spalter steht bis zu 75 fl., böhmisch Saatzer bis zu 70 fl. der Zentner. Vom Fuße des Schwarzwalbes, 8. Dez. Zu Ende des Monats November fand in einem herrschaftlichen Forstbe, zirke eine Langholzversteigerung statt, in welcher weit über den Revierpreiö erlöst wurde. Wenn wir dieses Ereignisses hier erwähnen, so geschieht cs nur deßhalb, weil sich in neuester Zeit Anzeichen ergaben, aus welchen ein bedeutender Rückschlag in den Langholzpreisen gefolgert werden wollte. Mainz. Die von allen Seiten des In- und Auslandes eingegangenen Liebesgaben überschritten schon am 8. Dez. die Summe von 158,000 fl. — Se. k. k. Höhnt der durchlauchtigste Herr Erzherzog Stephan in Schaumburg haben^ den Mainzer Verunglückten die Summe von 600 fl. und Seine Durchlaucht der Landgraf von Hessen-Homburg eine solche von 500 fl. zu spenden geruht. Mainz. Nach dem ersten Rechenschaftsbericht des Hilfs- komitc's sind, in Folge der Explosion 42 Todesfälle zu beklagen. Fünf Frauen wurden ihrer Ehemänner und Ernährer beraubt, von unerwachsenen Kindern hat 1 Vater und Mutter, 12 Vater oder Mutter verloren. Die an 99 Personen resp. Familien geleisteten Vorschüsse belaufen sich auf 18,360 fl. in Summen von 50 bis 600 fl. 500 Familien und einzelne Personen haben sich bis jetzt zur Unterstützung angemeldet, von denen ungefähr 300 den Winter über laufender Unterstützung bedürfen. An derartigen Unterstützungen sind bis zum 8. Dez. 11,826 fl. 53 kr. verausgabt.' Heilbronn. In unserm Amtsbezirk wurden letzten Herbst 1550 Eimer Wein gekeltert, was die Summe von 716,600 fl. repräsentirt. Stuttgart. Ein Württcmberger, vr. P. Bronner, hat die Erfindung gemacht, Gußeisen auf wohlfeile Weise dauerhaft zu verzinnen, wie es bisher nur in Schweden und England geschah, wo aber das Verfahren von den Fabrikanten geheim gehalten wurde. — Aus allen Gegenden Deutschlands hört man die günstigsten Berichte über den trefflichen Stand der Saaten. Meiningen. Zur Linderung der Folgen des Unglücksfalles, welcher Mainz betroffen, ist vom Herzog von Sachsen- Meiningen in. seinem Herzogthum eine allgemeine Haus- und Kirchenkollekte angeordnet worden. Berlin. Das Befinden des Königs ist so gut, daß, würde das Sprechen Se. Maj. nicht noch angrcifen, die Uebcr- nahme der Regierungsgeschäfte schon jetzt geschehen konnte. Berlin. Ein Prozeß eigener Art steht nach dem "Publ." in Aussicht. Ein Berliner reicher Bankier war au den Pocken erkrankt — ob an den ächten oder modifizirten, wird nicht gesagt. Sein Barbier und Tapezier, die mit ihm verkehrten, erkrankten gleichzeitig daran und strengen nun eine Klage auf Entschädigung für Arzt, Arznei und Versäumniß in ihrem Geschäfte an, weil sie nicht durch eine vorschriftsmäßig aus- grhängte Tafel: "Hier ist ein Pockenkranker" gewarnt worden, sich dem mit einer ansteckende» Krankheit Behafteten zu nähern. Wien. Bei dem niederösterreichischen Statthaltcrcipräsi- dium sind nach dem neuesten Verzeichnisse in der Wiener Zeitung nahezu 25,400 fl. C.-M. für die Verunglückten in Mainz cingegangen: darunter von dem Herzog von Modena 1000 fl., von der Kaiser-Fcrdinauds-Nordbahngesellschaft 1000 fl., von dem Benidictinerstift Melk 100 fl. u. s. w. Holland. Generalleukenant von Omphal ist nach London abgereist, üm bei der Königin Victoria um die Hand ihrer zweiten Tochter (Alice, geb. 1843) für den niederländischen Thronerben, Prinzen von Oranien (geb. 1840) offiziell an- zuhaltcn. Paris, 5. Dez. Heute hat uns endlich der Südwind reichliche Regengüsse gebracht. Paris, 7. Dez. Bei Gelegenheit der Mainzer Pulver, erplosion erinnert der "Armee-Moniteur" an ei» sicheres Mittel, dergleichen Unfälle zu verhüten, welches schon vor langen Jahren vom französischen Artilleriegeneral und Akademiker Pip, bert vorgeschlagcn und von Arago in seinen Schriften mit- getheilt wurde. Dieses Mittel ist sehr einfach und besteht darin, daß man dem Pulver den Staub von Graphit oder Rciß- blei beimischt (wohl kann man auch Kohlenstaub nehmen). Diese Beimischung, welche durchaus nicht nachtheilig auf dje Eigenschaften des Pulvers wirkt, ist Ursache, daß die Entzündung des Pulvers sich nicht so rasch von einem Theilche» zum andern forkpflanzcn kann, und daß das Pulver nicht mit einem Mal auffliegt, sondern langsam abbrennt, etwa wie Harz oder Pech. Will man das Pulver gebrauchen, so wird es einfach gesiebt; der beigemischte Staub geht fort/ und bas Pulver bleibt mit allen semen Eigenschaften zurück. In Rußland wurden von dem Großfürsten Michael gloßarlige Versuche über diese Entdeckung angestellt, welche vollkommen gelangen. Ein ganzes Magazin mir so gemischtem Pulver wurde in Brand gesteckt; es fand keine Explosion statt, und yaS Feuer konnte leicht mit gewöhnlichen Spritzen gelöscht werden. Paris, 12. Dez. Der Moniteur meldet, daß der Regierung zur Unterstützung der nothleitenden Klassen ein Kredit von einer Million eröffnet worden ist. — Durch raschen Abschlag der Seide und die Rückwirkungen der Handelskrisis in England, Hamburg rc. sind in Norditalien viele Scidenhandlungcn bankerott geworden. Auch in der Schweiz sind mehrere Häuser durch den Umschlag im Seidengeschäft hart betroffen. Landtagsverhandlungen. Karlsruhe, 12. Dez. 10. öffentliche Sitzung der Zweiten Kammer. Das Sekretariat zeigt das Einlaufen einer Petition des Gemeindcraths in Mannheim, die Wiederherstellung des L.R.S. 2164 betreffend, an. Der Tagesordnung gemäß wird zur Be- rathung des Berichtes der Budgetkommission über die Rech- nungsnachwcisungcn des Justizministeriums für 1854 u. 1855, erstattet vom Abg. Faller, geschritten. Hinsichtlich der Einnahmen, welche einzig aus den Erträgnissen der Strafanstalten bestehen, wird der Antrag der Kommission auf Genehmigung derselben im Betrage von 481,164 fl. 28 kr. und der Lasten mit 362,563 fl. 50 kr. angenommen. Der Abg. Kirsner gedenkt dabei dankbar des hohen Gnadenaktes, welcher im Lauf« des verflossenen Sommers in Folge eines höchst erfreulichen Ereignisses in unserem erhabenen Fürstenhause erfolgt ist und findet darin die öffentliche Urkunde, welche dem Volke daS volle Vertrauen zu seiner jetzigen politischen Haltung ausspricht. Der Abg. Achenbach bittet um Auskunft, warum in der vorliegenden Budgetperiode der Arbeitsverdienst des einzelnen Sträflings, welcher 18"/,, 57 fl. betragen, auf deit niederer« Betrag von 52 fl. herabgesetzt sei. Justizministerialdirektor Junghanns erwicdcrt, daß die Farikate, welche zum Verkaufe daliegen, am Schluffe der fraglichen Periode ihren Absatz noch nicht gefunden hätten und daher die Einnahme der folgenden Periode erhöhen würden. Der Abg. Kapfcrer wünscht eine Erhöhung der Gehalte der Werkmeister in den Strafanstalten. Ministerialdirektor Junghannö bemerkt, daß dir Werkaufseher schon besser besoldet seien, alS die polizeilichen Aufseher und auch bei Austheilung der Remunerationen besser bedacht würden. Die Rechnungsergebniffe deö „Eigentlichen Staatsaufwandcs des Justizministeriums«, werden ebenfalls nach dem Kommissionsantrage genehmigt, und zwar: A. Ordentlicher Etat: Tit. I. „Ministerium.. 44,453 wobei der Budgetsatz um 4686 fl. 15 kr. rc. gemindert erscheint. Der Abg. Faller bemerkt zu § 2% „Kanzlelsporteln 453 fl. 49 kr.«, daß von der Kommission die Ansicht ausgesprochen worden, rS möchten diese Sporteln künftig nicht mehr unter vaö Kanzlei- personale vertheilt werden. Der Reg.-Kommiffär Junghannö bemerkt hieraus, daß diese Uebung schon über 50Jahre bestehe, weil das Kanzleipersonale deS Justizministeriums geringer besoldet sei, als bei den andern Ministerien und bei dem Ausfälle dieser Sporteln, welche übrigens zufällig in dieser Periode besonders hoch sich beliefen, die Gehalte erhöht werden müßten. Tit. II. „Oberhofgericht.. 99,2.'2 fl. 13 kr. Tit. 111. „Hof- gerichte 303,292 fl. 38 kr. Tit. IV. „Rechtspolizeiverwaltung.. 878,341 fl. 41 kr. Der Abg. Bissing nimmt sich hlcr der gegenwärtigen mißlichen Lage der Gerichtsvollzieher an und bittet die großhcrzvgliche Regierung, die Bezirke derselben zu erweitern und die Gebühren etwas zu erhöhen. Regierungö- kowmiffär Junghanns zeigt an, daß dies* bereits geschehen sei, glaubt übrigens, daß der gegenwärtige Zustand nicht bleiben werte und schon jetzt hätten sich die Geschäfte der Gerichtsvollzieher gemehrt. Tit. V. „Strafanstalten.. Ueberschreitung 7422 fl. 22 kr., namen.lich durch die gesteigerten Preise der Lebensmittel und des HolzeS veranlaßt. Tit. VI. „Verschiedene Ausgaben« 10,477 fl. 51 kr. Der Abg. Prestinari bringt hier die neue Einrichtung einer zweiten Prüfung der Rechtspraktikanten zur Sprache. Die Abgg. Faller. Fingakv und Achenbach nehmen das Wort und bezeichnen die guten Erfolge der sog. Refcrendärsprüfung, welche den Praktikanten zur eifrigen Fortsetzung seiner Studien veranlassen und der Regierung Gelegenheit geben, die Befähigung der Aspiranten für die wichtigsten Staatsdienste zu prüfen. 6. „Außerordentlicher Etat» 92,232 fl. 46 kr. Die Abgg. Nestler, Scramin, Mulh, Steiner, Krausmann, Beck und Sieb legen Berichte der Budgct- kommission und über Gesetzentwürfe vor, deren Druck genehmigt wird. Miszellen. * Eine glückliche Spekulation. Ein Franzos, Al- phons Benedict, war nach Amerika gegangen, um sein Glück zu gründe», das im Vaterlande ihm stets den Rücken gewendet. Aber auch in der neuen Welt blieb es launisch gegen ihn gesinnt; zwanzig Mal hatte er ein kleines Vermögen errungen und zwanzig Mal war eö ihm wieder verloren gegangen. Da trifft er in Neu-Granada einen Juden, der ihm seine Hülfe anbietet. Benedikt soll ihm seinen Waarenvvrrath abnehmen, freilich mit bedeutenden Zinsen, denn für 10,090 Fr. reellen Werth solle er ihm 25,000 Fr. verschreiben. Die drängen: e Noth läßt ihn dicS wucherische Geschäft eingehen; nur als er unter den angewiesenen Waaren auch für 500 Fr. Brief-Oblaten findet, macht er ein bedenkliches Gesicht. Wie soll er für diese Käufer unter den Indianern finden? Und doch sind eS diese allein, an die er die übrigen Waaren absetzen kann. Der Jude zuckt die Achseln und meinte höhnisch, es sei doch gut, ein wohlaffortirteö Waarrnlager zu haben; übrigens könne der Handel nicht geschloffen werden, wenn ein einziger Artikel zurückgewiesen werde. Benedikt macht zum bösen Spiel eine gute Miene und reist nach dem Thale von Popayan ab, wo alljährlich eine großartige Messe gehalten wird, welche die Jndianerstämme viel besuchen. Die Reise geht glücklich von Statte»; der Franzose legt seine Waaren aus und bald kommen zahlreiche Kausliebhaber herbei. Ein Häuptling besieht die Oblaten mit großer Aufmerksamkeit, macht dann die Schachtel vorsichtig wieder zu, steckt sie ein und bezahlt sie mit zwei Prisen Goldstaub; dem ersten folgen bald andere und fragen nach den Oblaten und die Nachfrage wird in kurzer Zeit so stark, daß Benedikt dar Preis auf das Zehnfache steigert, ohne die Käufer abzuschrecken, die sich im Gegentheil immer zahlreicher cinstellen. Am Schluß deS Marktes ist der ganze Vorrath zu enormen Preisen verkauft und Benedikt ein reicher Mann. Mit Erstaunen sieht er aber, daß die Indianer sich mit den Oblaten den Leib und das Gesicht beklebt haben und stolz im Besitz des neuen Schmucks umherwandeln. * Macht des Gewissens. Dieser Tage starb in Wey- mouth (England) eine 90jährige Frau. Seit 50 Jahren — so gestand sie auf dem Todtenbett — nagte eine Schuld an ihrem Leben, die sie nicht länger verschweigen könne. Sie ermordete nämlich damals einen Mann, unter Beihilfe eines Pächters Hardy. Die Assisen konntenjsBeide, die als die Thäter vor Gericht gezogen worden, wegen mangelnden Beweisen nicht verurtheilen; jetzt erst mahnte der innere Richter zum Bekenntnisse. Aus ihrer Aussage geht ferner hervor: ihr Mitschuldiger habe nach vollbrachtem Mord (NachtS) sich nach Hause begeben, sofort die Uhr um 2 Stunden zurückgestellt und dann die Magd, die nicht wußte, daß ihr Herr eben erst nach Hause gekommen, aus dem Schlafe gerüttelt und um die Zeit gefragt. Diese sah nach der Uhr und beschwor andern Tags, daß Mr. Hardy zur Zeit des Todtschlags sich im Bette befunden habe, was die Angeklagten frei machte. * Ein mit dem Leben bezahlter Kuß. Ein junges, hübsches Mädchen, das jüngst zu Leeds in England in ein Haus kam, in welchem sich ein junger, übermüthiger Matrose aufhielt, wurde von dem letzteren mit Artigkeiten überschüttet und endlich um einen Kuß gebeten. Da die junge Schöne ihm diese Bitte mehrmals hintereinander abschlug, so ries er endlich durch den Widerstand nur noch mehr gereizt: Es hilft nicht, meine Liebe. Ich muß einen Kuß von Ihnen haben und sollte es auch mein Leben kosten. So redend, umarmt er gewaltsam das an der Treppe stehende Kind und drückt ungeachtet ihreö Sträubenö einen Kuß auf ihre Lippen, aber nur, um gleich darauf, von dem Ringen aus dem Gleichgewicht gebracht, die Treppe von oben bis unten hinunter zu stürzen und mit gebrochenem Genick unten anzukommen. Der Himmel hatte ihn beim Wort genommen und ihn wirklich den Kuß mit seinem Leben bezahlen lassen. * Ein Fremder fragte einen Kellner in Wien, welches der beste Fisch der Donau sei, worauf Jener zur Antwort gab: „Der beste Fisch der Donau, das ist halt Rhein lach S." Frucht -Mittelpreife. Bruchsal, S. Dez. Waizen 12 fl., Kern 11 fl. 50 fr., Gerste 7 fl. 59 kr., Haber 5 fl. 29 kr., gem. Frucht 8 st. 35 kr. Heil braun, 12. Dezbr. Kernen 13 ff. 7 kr., Gewäsch 8 fl. 48 kr., Gerste S fl. 5 kr., Dinkel 6 ff. 18 fr., Haber 6 ft. 27 kr. Mainz, lt. Dezbr. Walzen 200 Psd. S fl. 30 kr. bi« 10 fl., Kor» 180 Pfd. 7 fl. 30 kr. bi« 7 ff. 50 kr., Gerste 180 Pfb. 6 fl. 20 kr. bis 6 fl. 40 kr. frankfurter Lsurfe. Pistolen S. 38 > 20-Frank-Stncke 9. 17--18 dt». Preuß. 9. 55%-58% I Engl. Souverän,- 11. 44-48 Holl. lOfl.-Stücke 9. 43-44 I 5-Franken-Thaler 2. 20% ütanvvukaten 5. 31 | Preuß. Kaff.-Sch. I. 45%-% Redigirt, Druck unb Verlag von D. Pfisterer in Heidelberg.